API src

LSA VERM

Description: Laura Vaßmer, Ralf Däbel, Sven Magnus-Wolfram Das Geodätische Grundnetz Sachsen-Anhalts 27 LSA VERM 1/2024 Das Geodätische Grundnetz Sachsen-Anhalts Von Laura Vaßmer, Ralf Däbel und Sven Magnus-Wolfram, Magdeburg Zusammenfassung Vor 20 Jahren, im Oktober 2004, wurde mit Beschluss 115/7 des AdV- Plenums die Geburtsstunde des Geodätischen Grundnetzes (GGN) eingeläutet. Die fachliche und physische Entwicklung des GGN bis zum vollständigen Aufbau war ein Entwicklungsprozess zwischen den vorhandenen Ressourcen, den fach- und nutzerseitigen Anforderungen und den Mess- und Auswerteresultaten und wird hier aus dem Blickwinkel der Grundlagenvermessung Sachsen-Anhalts resümiert. Abschließend werden aktuelle Herausforderungen und zukünftige Möglichkeiten aufgezeigt. 1 Vorgeschichte Mit Beginn des neuen Jahrtausends hatten die amtlichen Vermessungsverwaltungen der Bundesrepublik Deutschland erhebliche personelle und materielle Ressourcen- knappheit zur Laufendhaltung ihrer Festpunktfelder der Lage, Höhe und Schwere. Mit der Entwicklung modernster satellitengestützter Techniken in den 90er Jahren waren meist parallel zu den klassischen Festpunktfeldern neue 3D-Netze in ver- schiedenen Hierarchiestufen (A-E), wie das Deutsche Referenznetz (DREF), die C- Netze der Länder (SANREF – Sachsen-Anhaltisches Referenznetz), das SAPOS-Re- ferenzstationsnetz oder das GPS bestimmte TP-Netz (Stufe E), entstanden. Verknüpfungen dieser 3D-Netze mit den klassischen Netzen durch Anschlussmes- sungen oder Identitäten, aber auch durch übergreifende Sondernetze, wie z. B. das Europäische Vertikale Referenznetz (EUVN), waren in unterschiedlichen Ausbaustu- fen und Qualitäten vorhanden. Vor allem die unablässigen Nutzeranfor- derungen nach Bereitstellung aller Komponenten im Subzentimeterbereich konnten diese aus den verschiedensten Gründen nicht erfüllen. Überdies began- nen die Bundesländer, in Abhängigkeit ihrer Ressourcen, unterschiedliche Kon- zeptionen zu den Festpunktfeldern zu entwickeln. In Sachsen-Anhalt mündete dies in der „Strategie 2000“, die die vorhandenen Festpunkte in Fundamen- tal- und Benutzungsfestpunkte (FFP, BFP, siehe Abb. 1) unterteilte und nicht nur rein fachlich begründet war. Eine aus- führliche Gesamtdarstellung zur Entwick- lung der Festpunktfelder Sachsen-Anhalts ist bei [Beul 2009] zu finden. Auf Seiten des Arbeitskreises (AK) Raumbezug der Arbeitsgemeinschaft der Ver- messungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) gab es mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit den einzelnen Festpunktfeldern beschäftigten, wie z. B. die Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Künftige Gestalt der TP-Felder“ (ins Leben ge- Abb. 1: Festpunktfelder LSA (Stand 2005) LSA VERM 1/2024 Laura Vaßmer, Ralf Däbel, Sven Magnus-Wolfram Das Geodätische Grundnetz Sachsen-Anhalts 28 rufen auf der 8. Tagung 2001). Mit der auf der 10. Tagung des AK Raumbezugs (2002) in Göttingen initiierten Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Notwendigkeit der Er- neuerung des Deutschen Haupthöhennetzes (DHHN) und deren ersten Analysen wurde dem AK innerhalb weniger Monate klar, dass es nun dringend eines bundes- einheitlichen Festpunktfeldkonzeptes bedurfte. Auf der 11. Tagung des AK Raumbe- zug (2003) wurden die Ad-hoc-Arbeitsgruppen zu Projektgruppen (PG) und die umfirmierte PG "Künftige Gestalt der Festpunktfelder“ mit der Erarbeitung einer einheitlichen Strategie beauftragt. In weiser Voraussicht wurde ebenfalls die enge Zusammenarbeit mit der PG „Erneuerung des DHHN“ initiiert. Während die eine Projektgruppe das notwendige Grundsatzpapier im Spagat zwischen den vorhande- nen Festpunktfeldern der Bundesländer und einem zukünftigen, einheitlichen, inte- grierten Raumbezug erarbeitete, entwickelte die andere PG zukünftige Messungskonzepte und deren Umsetzung [AdV 2004a]. Im Juni 2004 verabschiedete der AK Raumbezug in Schwerin die Beschlussvorlage 12/4 „Strategie für den ein- heitlichen Raumbezug des amtlichen Vermessungswesens in der Bundesrepublik Deutschland“ an das Plenum. Mit Beschluss 115/7 und 115/8 des Plenums der AdV am 6. und 7. Oktober 2004 in Wismar haben nicht nur die Geodätischen Grund- netzpunkte (GGP) das Licht der Welt erblickt, auch die in Planung befindlichen Messkampagnen für einen integrierten Raumbezug waren auf dem richtigen Weg [AdV 2004b, siehe auch Wolfram 2008]. 2 GGP versus GNSS-Punkte Die beschlossene Strategie war ein Minimalkonsens zwischen den Bundesländern. Sie ermöglichte allen Beteiligten die Ausweisung von bundeseinheitlichen Festpunk- ten unter neuem Namen ohne die Länderspezifika aufzugeben und wies ein Jahr später mit den „Richtlinien für den einheitlichen Raumbezug des amtlichen Vermes- sungswesens (2006)“ die zukünftige Richtung: „Die Geodätischen Grundnetzpunkte dienen der physischen Realisierung und Si- cherung des dreidimensionalen Raumbezugs und der Verknüpfung von Raum-, Hö- hen- und Schwerebezugssystem.“ [AdV 2006]. Es lag in der Natur der Sache, dass die einen bereits von Grundnetzpunkten bishe- riger Art sprachen, die anderen von GNSS-Punkten aber die zukünftigen „Subzenti- meter“-GGP meinten und weitere, diese und ihre Bedeutung in Frage stellten. Dies mündete auf dem Höhepunkt kontroverser Diskussionen im Mai 2007 in einen GGP-Workshop in Fulda. Während die neue Richtlinie im Ergebnis der fachlich begründeten Nutzer- und Länderanforderungen von einem maximalen Punktabstand bis 30 km der 3D-ver- markten GGP mit satellitengeodätisch hochgenau bestimmten ETRS89-Koordina- ten, dem Anschluss an das amtliche, bisherige Höhen- und Schwerefestpunktfeld ausging, mussten die Beteiligten an der Entwicklung und Umsetzung der Messkam- pagnen für den zukünftigen Raumbezug ressourcen- und genauigkeitsbedingt zur Zielerreichung mit abgewandelten Parametern arbeiten. Der Meldestand aller Bun- desländer für die Erneuerung des DHHN betrug im Januar 2005 14130 km. Bei ei- nem mittleren Punktabstand von ca. 50 km entlang der DHHN-Linien ergaben sich 250 GNSS-Punkte, die von den gemeinsamen Messtrupps der AdV in vertretbarer Zeit mit modernster satellitengestützter Technik messbar wären. Ebenfalls wurden 100 gleichmäßig verteilte Absolutschwerepunkte als realisierbar eingeschätzt [nähe- res bei Wolfram 2008]. 29 Laura Vaßmer, Ralf Däbel, Sven Magnus-Wolfram Das Geodätische Grundnetz Sachsen-Anhalts LSA VERM 1/2024 Vor allem aus diesen Gegebenheiten heraus konnten die GNSS-Punkte offiziell noch keine GGP und das GGP-Punktfeld konnte noch kein Grundnetz sein. Mit den er- folgreichen Messkampagnen und den überwältigenden Ergebnissen änderte sich die Ansicht darüber später jedoch zunehmend. 3 Entstehung der Rahmennetz-GGP Der Pflichtanteil Sachsen-Anhalts an der Erneuerung des DHHN betrug 723 km (siehe Abb. 2). Daraus re- sultierten 13 GNSS-Punkte und 5 Absolutschwere- punkte. Im Juli 2005 stellte das Fachdezernat Grundlagenvermessung einen Entwurf mit allen geeig- neten SANREF/DREF-Festpunkten sowie 21 möglichen neuen Standortbereichen unter Beachtung der gleich- mäßigen Verteilung entlang (max. 2 km seitlicher Ab- stand) des Pflichtanteils der DHHN-Linien, beginnend in Abstimmung mit den Nachbarländern Niedersach- sen und Brandenburg, auf. Parallel begann die Außen- diensterkundung der konzipierten Standorte nach Einflussgrößen, wie Horizontfreiheit (max. 5° Elevati- on), reflektionsarme Umgebung, keine Störungen durch Straßen- und Bahnverkehr, Starkstromleitungen, Sende- masten sowie Windräder und eine möglichst gute An- mussten für Absolut- fahrbarkeit. Zusätzlich schwerepunkte Grundwassermessstellen in nächster Nähe vorhanden sein, aber keine Feuchtgebiete und Wasserbehälter. Aus den Anforderungen zur Standflä- chengröße (50x50 cm, nahezu bodengleich), der Ver- markungstiefe (mindestens 1 m) und zur Mikroseismik ergab sich für die Absolutschwerepunkte damals nur die Möglichkeit der Neuvermarkung. Aus den Länder- abstimmungen, aber auch aus den Vergleichen erster Nivellementsergebnisse mit älteren Messungen, ergab sich frühzeitig die Notwendigkeit, weitere DHHN-Lini- en zu erneuern. Deshalb wurden auch GNSS-Standorte auf zwei optionalen Linien erkundet (siehe Abb. 2). Im Sommer 2006 wurden dann die Unterlagen für 20 Standortbereiche an das Lan- desamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) zur Prüfung auf geologische Charakte- ristika, Bergbau, Gründungstechnische, Umweltgeologische, Hydrogeologische und Planungsgeologische Aspekte übergeben. Nach Vorliegen der Gutachten wurden zwei DREF-, zwei SANREF-, ein EUVN- und acht Neu-Standorte ausgewählt. Von den neuen Standorten wurden fünf als GNSS-AG-Punkte (AG steht für Absolutgra- vimetrie) für die Absolutschweremessung festgelegt (siehe Abb. 2). Von Mitte September bis November 2006 erfolgte die Vermarkung der Neupunkte mit einem 50x50x100 cm Granitpfeiler (700 kg) mit Betonsockel (800-1000 kg) und zentrisch eingelassenem 3D-Edelstahlbolzen mit Schutzkappe. Auf den Neupunkten wurden unmittelbar zur Erstbestimmung statische GNSS Messungen durchgeführt (siehe Abb. 3). Abb. 2: Rahmennetze (Anteil Sachsen-Anhalt)

Types:

Origin: /Land/Sachsen-Anhalt/LVERMGEO

Tags: Göttingen ? Magdeburg ? Schwerin ? Wismar ? Fulda ? Sachsen-Anhalt ? Messstation ? Wolfram ? Landesentwicklung ? Brandenburg ? Feuchtgebiet ? Schienenverkehr ? Bergbau ? Geodäsie ? Geologie ? Schienenfahrzeug ? Grundwasser ? Anliegerstaat ? Windrotor ?

License: all-rights-reserved

Language: Deutsch

Issued: 2024-05-29

Modified: 2024-05-29

Time ranges: 2024-05-29 - 2024-05-29

Status

Quality score

Accessed 1 times.