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geradfl_Kap9_Schaben.pdf

Description: 9 Schaben (Blattoptera) Blaberus craniifer BURMEISTER, 1838 Riesenschabe M. WALLASCHEK Verbreitung Von der Art liegen zwei Meldungen aus Sach- sen-Anhalt vor. Sie wurde 1981 in einer Le- bensmittelverkaufsstelle in Halle (Saale) und 1987 in einer Bananensendung in einem Groß- handelslager in Sangerhausen gefunden (leg. et det. S. SCHEURER, WALLASCHEK 1998f), also in der planaren bzw. kollinen Stufe. BURMEISTER (1838) beschrieb die Art nach ei- nem Tier aus Kuba. Da die Deutsche Demokra- tische Republik einen Teil ihres Bananenimports aus diesem Land bezog, liegt es als Herkunfts- land der Tiere aus den 1980er Jahren nahe. Das Vorkommen in einem Großhandelslager und in einer Lebensmittelverkaufsstelle zeigt die vermutlichen Ausbreitungswege auf: Herkunfts- land (Kuba) – Handelsschiff - Eisenbahn – Großhandelslager – Verteilung auf die Geschäf- te per Güterzug und Lastkraftwagen. Hierzu paßt auch die Vielzahl von Orthoptere- narten, die in Handelsgütern aus aller Welt im Hamburger Hafen festgestellt worden sind (KRÄ- PELIN in ZACHER 1917). 52 Lebensräume In Sachsen-Anhalt ist sie bisher nur aus ge- schlossenen Räumen der Lebensmittelbranche bekannt. Gefährdungen Da die Art in Sachsen-Anhalt nicht etabliert ist, erscheint die Frage der Gefährdung gegens- tandslos. Schutzmaßnahmen Aufgrund des Vorkommens in Lebensmitteln verbieten sich Schutzmaßnahmen von selbst. Erfassung Blaberus craniifer ist ein Beispiel für die Wirk- samkeit der Verschleppung von Organismen mit dem Güter- und Warenverkehr. Die Erfassung so verschleppter Tiere hängt in hohem Maße von der Aufmerksamkeit und vom Interesse der Mitarbeiter von befallenen Einrichtungen, aber besonders auch der Beschäftigten von Schäd- lingsbekämpfungsbetrieben sowie der beteilig- ten Fachleute ab. 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 45 44 43 12° 29 29 3030 3131 3232 3333 3434 3535 3636 3737 3838 39 39 52° 4040 4141 4242 4343 4444 S # 45 S # 45 46 46 47 47 Nachweis # S ³ # in beiden Zeiträumen # bis 1989 48 Blaberus craniifer 49 48 ab 1990 BURMEISTER, 1838 49 50 50 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 53 Pycnoscelus surinamensis (LINNAEUS, 1758) Surinamschabe M. WALLASCHEK Verbreitung Im Sommer 2002 kamen Schädlingsbekämpfer ins Institut für Arbeitsmedizin und Hygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und überbrachten einige ihnen unbekannte Schaben, die aus der Hauptgeschäftsstelle der Stadtspar- kasse Magdeburg stammten. Die Bestimmung ergab Pycnoscelus surinamensis (MIELKE 2001a). Bis heute ist es der einzige aus Sach- sen-Anhalt bekannt gewordene Fund der Art geblieben. Der Fundort liegt in der planaren Stu- fe. Betrachtet man die Fundumstände, so kann man vermuten, dass noch weitere Fälle im Land vorgekommen sind oder für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden können. Die Nachprü- fung zeigte nämlich, dass die Tiere schon länge- re Zeit in der Sparkasse gelebt hatten und mit tropischen Zierpflanzen dorthin eingeschleppt worden waren (MIELKE 2001a). Lebensräume Die Surinamschaben lebten im Foyer der Spar- kasse in den großen Pflanzkübeln. Sie gruben ihre Schlupfwinkel in die Erde und ernährten sich wohl auch von den Pflanzenteilen. Des A- bends liefen sie an den Glasscheiben des Ent- rees umher (MIELKE 2001a). Das entspricht vollkommen der aus der Literatur bekannten Lebensweise der Art, wonach die Su- rinamschabe zwar pantophag ist, sich aber vor allem von Pflanzenwurzeln und Pflanzenschöß- lingen ernährt. Daher kann sie in Gewächshäu- sern erhebliche Schäden hervorrufen, zumal sie durch ihren tagsüber unterirdischen Aufenthalt 54 und die erst nächtliche Aktivität kaum auffällt. Bei der großen und weiter zunehmenden Be- deutung, die heute die Verschickung von Zier- pflanzen tropischer Regionen besitzt, und ange- sichts dessen, dass die Art in Europa, z.B. auf den Britischen Inseln, etabliert ist, könnte sie auch bei uns in Zukunft stärker in Erscheinung treten. Auf Schiffen tritt die Art in Lebensmitteln auf, woraus gelegentlich neben den wirtschaftli- chen auch gesundheitliche Probleme resultieren könnten, wenn diese Lebensmittel ins Land kommen. Natürlich ist die Art in solchen Fundor- ten wie in Magdeburg auch ein übler Lästling (KEILBACH 1966, MARSHALL & HAES 1988, WEID- NER 1993). Gefährdungen Da die Surinamschabe in Sachsen-Anhalt nicht etabliert ist, erscheint die Frage der Gefährdung gegenstandslos. Schutzmaßnahmen Aufgrund ihrer Lebensweise verbieten sich Schutzmaßnahmen von selbst. Erfassung Die Tiere können aufgrund ihrer Lebensweise lange Zeit unentdeckt bleiben, so dass ihre Er- fassung der Achtsamkeit von Nutzern befallener Objekte sowie der zu Hilfe gerufenen Schäd- lingsbekämpfer und Fachleute überlassen bleibt. Im vorliegenden Fall gelang diese immer wün- schenswerte Zusammenarbeit bei der Erfassung synanthroper Arten in geradezu vorbildlicher Weise.

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Tags: Magdeburg ? Kuba ? Sachsen-Anhalt ? Zierpflanze ? Schabe ? Lastkraftfahrzeug ? Pflanzenwurzel ? Hafen ? Insel ? Lästling ? Frachtschiff ? Saale ? Eisenbahn ? Güterverkehr ? Schiff ? Pflanze ? Europa ? Lebensmittelwirtschaft ? Lebensmittel ? Lebewesen ? Fundort ? Möbel ?

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Language: Deutsch

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Issued: 2007-01-12

Modified: 2007-01-12

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