Description: Steckbriefe der Altgewässer-Typen Typ 20.A1Potamales Altgewässer der sandgeprägten Ströme mit permanenter Anbindung Ökoregion:Norddeutsches Tiefland Fließgewässertyp:Typ 20: Sandgeprägte Ströme Auentyp:Gefällearme Stromauen mit Winterhochwassern Beispielgewässer:Kurzer Wurf, Altgewässer Mühlanger, Wartenburger Streng Übersichtsfoto: Wartenburger Streng (Foto: T. Pottgiesser, ube) Morphologische Kurzbeschreibung:Ehemalige Flussmäander, laterale Ausbruchsgerinne oder ehemalige Ne- benläufe und Seitenarme des Stroms. Je nach Art der Entstehung von un- terschiedlicher Form. Vorherrschend sandig-kiesige Sohlsubstrate, die ins- besondere im Zulauf bei oberstromig angebundenen Altgewässern flächen- hafte Sand- und Kiesbänke auf der Sohle und im Uferbereich bilden. Umge- stürzte Bäume und anderes hydraulisch wirksames Totholz zahlreich in der Sohle und am Ufer vorhanden. Eingeschränkter, aber meist ganzjähriger Wasseraustausch mit dem Fluss. Die Altgewässer sind einseitig (oberstro- mig oder unterstromig) oder beidseitig angebunden. Der Strom beeinflusst bei Ausuferung die Wassertemperatur und die Wasserbeschaffenheit deut- lich. In Abhängigkeit vom Wasserstand treten unterschiedliche Strömungs- verhältnisse auf: stehend oder gering durchströmt, bei Hochwasser rasch durchströmt mit flächenhaften Feinsediment- und Sandumlagerungen, Ufer- abbrüchen und Anlandungen im Anbindungsbereich. Starke Wasserstands- schwankungen und der Wechsel der Fließgeschwindigkeit von temporär starker Strömung bis stehend haben großen Einfluss auf die Besiedlung. Lage:• rezente Aue Anbindung:• permanent einseitig (oberstromig oder unterstromig) angebunden • permanent beidseitig angebunden Strömung:• die Strömung ist abhängig von Wasserstand, Einstromrichtung und der Höhenlage der Altgewässer zum Strom; bei Hochwasser temporär durch- flossen umweltbüro essen Rellinghauser Str. 334 f 45136 Essen Steckbriefe der Altgewässer-Typen Typ 20.A1 Potamales Altgewässer der sandgeprägten Ströme mit permanenter Anbindung Grundwassereinfluss/ • eingeschränkter, aber meist ganzjähriger Wasseraustausch mit dem Hydrologie: Fluss • dauerhafter Kontakt zum flussbegleitenden, oberflächennahen Grund- wasser • geringer bis mittlerer Grundwassereinfluss, der in Abhängigkeit der An- bindung des Altgewässers zum Grundwasserleiter kleinräumig differen- ziert sein kann; lokal, z. B. im Anschluss an Hochflächen oder Terras- senkanten, stärkerer Grundwassereinfluss/-austritt • starke Wasserstandsschwankungen Fließgeschwindigkeit: • bei Hochwasser mittlere bis starke Strömung mit Fließgeschwindigkeiten von 0,2 - >0,4 m/s Substrat: • vorherrschend sandig-kiesige Substrate; in Bereichen, die bei Hochwas- ser nicht durchströmt werden, Feinsedimentablagerungen, die die san- dig-kiesigen Substrate (ehemalige Flusssohle) überdecken • zahlreiches Totholz Wasserbeschaffenheit: • der Strom beeinflusst die Wassertemperatur und die Wasserbeschaffen- heit deutlich Sauerstoff:• oxidierende Verhältnisse, so dass an der Sedimentoberfläche überwie- gend sauerstoffreiche Bedingungen herrschen Nährstoffe:• mesotroph bis schwach eutroph Trübung:• klar und bis zum Gewässergrund durchlichtet • nach Hochwässern temporär erhöhte Schwebstoffführung Gewässertiefe:• viele Altgewässer dieses Typs sind ehemalige Mäanderschlingen, die v. a. in den Pralluferbereichen eine größere Wassertiefe (>2 m) aufweisen Anmerkungen:Dynamische Gewässer mit Sedimentations- und Erosionsprozessen durch Hochwasserereignisse. umweltbüro essen Rellinghauser Str. 334 f 45136 Essen Steckbriefe der Altgewässer-Typen Typ 20.A1 Potamales Altgewässer der sandgeprägten Ströme mit permanenter Anbindung Große Vielfalt von Fließ- und Stillgewässerarten, darunter auch viele weit Charakterisierung der Makrozoobenthos- verbreitete, ökologisch anspruchslosere Arten, nach Hochwassern vermehrt Pionierarten wie z.B. der Schwimmkäfer Nebrioporus canaliculatus. Die Besiedlung: Biozönose wird zu annährend gleichen Teilen von stromtypischen potama- len Arten sowie litoralen Arten geprägt. Dementsprechend finden sich auch rheophile Arten wie der Wasserkäfer Platambus maculatus, allerdings nur in sehr geringen Anteilen. Rheo-limnophile und limno-rheophile (strömungsto- lerante) Arten dominieren die Lebensgemeinschaft, wie z. B. die Sumpfde- ckelschnecke Viviparus viviparus, die Kleinlibelle Platycnemis pennipes, die Großlibellen Gomphus vulgatissimus und Libellula fulva, die Schwimmkäfer Hygrotus versicolor und Laccophilus hyalinus oder die Köcherfliegen Athripsodes cinereus, Ceraclea dissimilis, C. senilis, Hydroptila angulata, Molanna angustata, die überwiegend bei (sehr) langsamen Fließgeschwin- digkeiten z. B. in potamalen Flüssen anzutreffen sind. Einen vergleichsweise großen Anteil stellen die in Bezug auf die Strömung indifferenten Arten, die an die wechselnden Strömungsverhältnisse angepasst sind. Stagnobionte Arten hingegen fehlen überwiegend. Die im Vergleich zu den anderen Alt- gewässer-Typen hohe Diversität der Substrate (Sand, z. T. Kies, Schlamm, Makrophyten) spiegelt sich in der Diversität der Habitatpräferenz wider. Charakteristisch ist eine artenreiche und individuenreiche Molluskenfauna mit Großmuscheln, z. B. Unio tumidus, U. pictorum und Anodonta anatina. Die überwiegend sauerstoffreichen sandig-kiesigen, lagestabilen Substrate, (zeitweise) Strömung bzw. Wasserbewegung und eine intakte Wirtsfischfau- na wirken sich förderlich auf die Bestände aus. Aber auch verschiedene sauerstoffbedürftige Kleinmuscheln und Schnecken, wie z. B. Pisidium am- nicum, P. moitessierianum, P. supinum und Valvata piscinalis werden durch diese Bedingungen begünstigt. Bei Zufluss größerer Fließgewässer treten lokal gewässertypische rheophile Arten der Fließgewässer auf, z. B. Sphaerium solidum und S. rivicola. Bei (lokal) starkem Grundwassereinfluss Vorkommen von Arten wie der Erbsenmuschel Pisidium personatum. Charakterisierung der Fischfauna: Artenreiche Fischbesiedlung überwiegend anspruchsloser und weit verbrei- teter Arten, die sowohl Fließ- als auch Stehgewässer besiedeln können. Dazu gehören strömungsliebende Arten, die zwar im Strom laichen, aber Altgewässer z. B. zur Nahrungssuche aufsuchen, wie z. B. Döbel (Squalius cephalus) Hasel (Leuciscus leuciscus) oder Rapfen (Aspius aspius). Arten, die sowohl in Fließgewässern als auch in Stehgewässern laichen, nutzen die strömungsberuhigten Altgewässer als Nahrungs-, Jungfisch- oder Über- winterungshabitate, wie z. B. Barsch (Perca fluviatlis), Gründling (Gobio gobio) oder Rotauge (Rutilus rutilus). Insgesamt handelt es sich in Bezug auf die Strömung um indifferente Arten. Rheophile Potamal-Arten, die nur den Strom besiedeln, sind i .d. R. nicht anzutreffen. Eine typische Art ist der Hecht (Esox lucius), der zur Eiablage Makrophyten in strömungsarmen Be- reichen bevorzugt. umweltbüro essen Rellinghauser Str. 334 f 45136 Essen
Origin: /Land/Sachsen-Anhalt/LHW
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Language: Deutsch
Issued: 2012-03-15
Modified: 2012-03-15
Time ranges: 2012-03-15 - 2012-03-15
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