Description: Alternative Reaktorkonzepte – was können sie leisten? Diese Frage diskutierten am 5.12.2024 eine Vielzahl von Teilnehmenden zusammen mit vier Expert:Innen im BASE. Das Fazit: Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird kein großflächiger Einsatz alternativer Reaktorkonzepte erwartet. Ein Endlager hochradioaktiver Abfälle ist weiterhin erforderlich. Welche Alternativen zu gängigen Reaktorkonzepten gibt es? Unter den Kernkraftwerken, also Kernreaktoren zur Stromerzeugung, haben sich weltweit Leichtwasserreaktoren durchgesetzt. Sie sind in 84 % der Kernkraftwerke verbaut. Leichtwasserreaktoren nutzen Wasser sowohl zur Kühlung des Brennstoffs als auch zur Moderation der entstehenden Neutronen. Daneben existieren aber zahlreiche weitere Konzepte zum Aufbau von Kernkraftwerken. Beispielsweise Natriumgekühlte Schnelle Reaktoren , Hochtemperaturreaktoren oder Salzschmelzereaktoren . Diese alternativen Reaktorkonzepte sollen – gemäß der Entwickler – über eine Reihe von Vorteilen gegenüber Leichtwasserreaktoren verfügen. Sie sollen beispielsweise sicherer oder wirtschaftlicher sein. Obgleich erste Anlagen realisiert werden konnten, ist es diesen Konzepten aufgrund wirtschaftlicher und technischer Schwierigkeiten noch nicht gelungen, sich durchzusetzen. Beispiele für solche Anlagen sind der Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (der THTR-300, betrieben zwischen 1987und 1989 in Hamm) oder der schnelle natriumgekühlte Phénix-Reaktor (betrieben zwischen 1973 und 2010 in Frankreich). Forschungsvorhaben betrachtet alternative Reaktorkonzepte und diskutiert Ergebnisse Von links nach rechts auf dem Podium: Dr. Christoph Pistner, Dr. Thomas Walter Tromm, Christoph Hamann (BASE-Pressesprecher), Dr. Sara Beck und Prof. Dr. Christian von Hirschhausen © BASE Im März 2024 veröffentlichte das BASE einen Forschungsbericht zu alternativen Reaktorkonzepten. Die Studie wurde vom Öko-Institut, dem Fachgebiet für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik der TU Berlin sowie dem Physikerbüro Bremen erstellt. Schwerpunkte der Untersuchung waren die Themen Sicherheit, technischer Entwicklungsstand, Proliferationsrisiko, sowie anfallende Abfallströme alternativer Reaktoren. Im Dezember 2024 lud das BASE zur kritischen Diskussion der Forschungsergebnisse ein. Mit auf der Bühne diskutierten: Christoph Pistner, Bereichsleiter Nukleartechnik und Anlagensicherheit am Öko-Institut e.V. Dr. Christian von Hirschhausen, Professor an der TU Berlin und Leiter des Fachgebiets für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik Sara Beck, Abteilungsleiterin der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gGmbH Thomas Walter Tromm, Wissenschaftlicher Sprecher des KIT-Zentrums Energie Aufzeichnung der Diskussion Videomitschnitt zur BASE-Veranstaltung: Neu, sicher und nachhaltig? Sicherheit und Abfallentsorgung von alternativen Reaktorkonzepten Video Fazit der Expert:innen Die Anwesenden diskutierten intensiv über die Eigenschaften von alternativen Reaktorkonzepten und einen möglichen Platz in einer zukünftigen Energielandschaft. Herr Pistner (Öko-Institut) erklärte mit Blick auf die Sicherheit, dass manche Anlagen über Eigenschaften verfügen, die bestimmte Unfallabläufe ausschließen. Beispielsweise soll die Geometrie einiger Reaktorkonzepte eine passive Kühlung ermöglichen, die den Ausfall der externen Kühlung kompensieren soll. Dafür kann es bei diesen Anlagen aber zu anderen Unfallabläufen kommen. Diese möglichen Abläufe müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Ein Beispiel hierfür wäre, dass sich das Natrium, das zur Kühlung verwendet wird, entzündet. Wie sich dies in Summe auf die Gesamtsicherheit auswirkt, kann bei den verschiedenen Anlagen sehr unterschiedlich ausfallen. Ein genereller Ausschluss von Unfällen ist bei keiner Anlage möglich. Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Konzepte sahen die Expert:innen nicht, dass diese in den nächsten 5 bis 10 Jahren einen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten können, da eine Reihe von technischen Fragen noch nicht ausreichend geklärt sind. Einzelne Versuchsanlagen werden eher im Ausland erwartet. Herr Tromm (KIT) ergänzte, dass er zuvor Anlagen im Bereich Leichtwasser-Small Modular Reactors (SMRs – also Reaktoren mit einer elektrischen Leistung bis 300 MW) erwartet. Die Gäste warben dafür, dass Deutschland am Ball bleiben und die Entwicklungen genau beobachten solle. Zur Wirtschaftlichkeit lautete die Prognose von Herrn Pistner (TU Berlin), dass es unwahrscheinlich sei, dass alternative Reaktorkonzepte gegenüber anderen Energieformen wettbewerbsfähig werden. Insbesondere aufgrund des starken Preisrückgangs bei erneuerbaren Energien. Frau Beck (GRS) gab zu Bedenken, dass neben der reinen Wirtschaftlichkeit bei der Entscheidung für die Verwendung alternativer Reaktorkonzepte auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Als Beispiele nannte sie die Versorgungssicherheit oder den Klimaschutz. Einig waren sich die Expert:Innen darin, dass ein Endlager auch beim Einsatz von alternativen Reaktorkonzepten notwendig ist. Auch ein mögliches Programm zur Partitionierung und Transmutation könne an diesem Umstand nichts ändern. Bei Rückfragen und für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an: Kontakt Dr. Ingo Kock , Leitung Fachgebiet F 4, Forschung zu Sicherheitsanalytik und -methodik E-Mail ingo.kock@base.bund.de Kontakt Dr. Ingo Kock , Leitung Fachgebiet F 4, Forschung zu Sicherheitsanalytik und -methodik E-Mail ingo.kock@base.bund.de Weitere Informationen zum Thema Alternative Reaktorkonzepte BASE-Studie zu alternativen Reaktorkonzepten Fachlicher Abschlussbericht Label: Fachinformation Herunterladen (PDF, 8MB, barrierefrei⁄barrierearm) Final report Label: Fachinformation Herunterladen (PDF, 8MB, barrierefrei⁄barrierearm)
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Videomitschnitt zur BASE-Veranstaltung: Neu, sicher und nachhaltig? Sicherheit und Abfallentsorgung von alternativen Reaktorkonzepten
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