Description: Teams sind rund um die Uhr im Einsatz Erkundungsbohrungen liefern handfeste Informationen Vom Haupteingangstor der Schachtanlage Asse II geht es wenige Minuten über einen breiten Wanderweg zu Fuß hinauf zum Bohr- platz der übertägigen Erkundungsbohrung Remlingen 10 (R10). Christiane Tänzer und Alexander Weis von der BGE gehen diesen Weg jeden Morgen, um „ihre Baustelle“ zu besuchen. Die Geologin und der Bauingenieur be- treuen die Erkundungsbohrung. „Diese Boh- rung dient der geologischen Erkundung des Gebirges. Wir wissen nicht zu 100 Prozent, wie sich die einzelnen Schichten im Unter- grund zusammensetzen und wie sich die hy- drogeologischen Systeme verhalten“, erklärt Weis. Es geht also darum, herauszufinden welche Gesteine sich an dieser Stelle befin- den und in welche Richtungen das Grund- wasser fließt. Mit den Bohrungen sammeln Tänzer und Weis Informationen über die Ge- steinsschichten. Dafür wurde an dieser Stelle ein Bohrplatz hergerichtet, in dessen Mitte schon von wei- tem sichtbar ein rund 20 Meter hoher Bohr- turm steht. Ein Motor treibt hydraulisch das Bohrgestänge 380 Meter tief in die Erde. In der Bohrkrone befindet sich eine Öffnung, durch die das Gestein in ein Rohr eindringt. Ein sogenannter Bohrkern entsteht. Die- sen Bohrkern zu gewinnen, ist die Haupt- aufgabe des Projekts. Wenn der Bohrer nach oben gezogen wird, wird das Gestän- ge ausgespült. Zunächst ist nur eine brau- ne Flüssigkeit zu sehen. Dann kommt der Bohrkern zum Vorschein. „Deswegen finden diese Bohrungen statt. So bekommen wir im wahrsten Sinne des Wortes handfeste Infor- mationen. Man kann die Brocken in die Hand nehmen“, sagt Weis über die Bohrkerne. Da- für sind Mitarbeiter*innen einer beauftrag- ten Bohrfirma seit Oktober rund um die Uhr in zwei Schichten im Dauereinsatz. Für die Erkundungsbohrungen investiert die BGE mehrere Millionen Euro. Zuvor wurde dieser Bohrplatz und ein zweiter für die Erkundungsbohrung (R11) im Wald eingerichtet. Sobald die Erkundung R10 beendet ist, soll das gesamte Equip- ment zu R11 wandern. Dann geht es dort mit der zweiten Bohrung weiter. Die ist um 10 Grad geneigt und wird noch rund 200 Meter tiefer in das Gestein gebohrt. Um den Bohr- platz R10 aufzubauen, wurde an dieser Stel- le der Boden abgetragen und mit Schotter aufgeschüttet. Die Böden lagern jetzt ein- zeln und beschriftet daneben und sind teil- weise mit einer Plane abgedeckt. „So treibt das Saatgut nicht aus, das sich darin befin- det. Wenn die Bohrungen hier fertig sind, werden die Böden wieder dort aufgeschüt- tet, wo sie vorher waren“, sagt die Geolo- gin Tänzer, während sie auf den Bohrplatz zeigt. Dieser ist asphaltiert und mit einem Regenrückhaltebecken ausgestattet. Sau- beres Regenwasser kann so wieder in den Untergrund versickern. In einem Container werden alle bisher ge- wonnenen Bohrkerne in Kisten gesammelt. „Das hier ist unterer Buntsandstein“, sagt Tänzer mit Blick auf einen solchen Bohrkern. Bald werde die Bohrung auf Hutgestein tref- fen, prognostiziert die Geologin. Dabei han- delt es sich um einen Gipshut, der üblicher- weise auf Salzgestein aufsitzt. Darunter Frisch aus der Erde hochgeholt: Die Bohrung wird gespült. Alexander Weis und Christiane Tänzer von der BGE zeigen die gesammelten Bohrkerne aus der Erkundungsbohrung R10. komme dann Zechstein, also das Salz, das im Zeitalter des Zechsteins dort abgelagert wurde. Sobald die Bohrung in die Nähe des Salzes kommt, werde mit einem Preventer gearbeitet – einem Aufsatz für den Bohrer als Sicherheitsmaßnahme, falls dort Gasbla- sen angetroffen werden. Die Bohrkerne werden später analysiert und in Verbindung mit den bisherigen Er- kenntnissen gebracht. Diese sind teilwei- se alt oder ungenau. „Die Erkenntnisse der 3D-Seismik reichen allein nicht aus. Darin können wir zwar die Schichten sehen, aber nicht woraus sie bestehen. Wir müssen die- se Puzzleteile zusammensetzen“, erklärt In- genieur Weis. So entsteht mit neuen Infor- mationen ein immer genaueres Modell des Gebirges. Die BGE-Mitarbeiter*innen vor dem Bohrplatz. Die Bohranlage in der Asse. „Wir benötigen unverfälschte Referenzwerte aus dem Deckgebirge“ Interview mit Dr. Jens Führböter Es wurde schon viel auf der Asse erkundet, warum erkundet man jetzt noch weiter? Dr. Jens Führböter ist Geologe und arbei- tet in der Abteilung Endlagersicherheit, Gruppe Langzeitsicherheitsanalysen. Hintergrund „Lösungszutritt“ Derzeit werden täglich rund 12 Kubik- meter Lösung im Bergwerk aufge- fangen. Bei der Lösung handelt es sich um salzhaltiges Grundwasser. Seit 1988 ist bekannt, dass salz- haltiges Wasser in die Schachtan- lage Asse II eindringt. Wie sich der Lösungszutritt zukünftig entwickeln wird, kann derzeit nicht vorhergesagt werden. Weitere Infos hierzu unter: www.bge.de/assewasser Je nach Nutzungsform der Schachtanlage Asse II wurden in ihrer über 100-jährigen Ge- schichte unterschiedliche Anforderungen an die Erkundung gestellt. Der untertägige Lö- sungszutritt aus dem Deckgebirge ist seit 1988 bekannt. Viele Bohrungen und Erkun- dungsmaßnahmen fanden aber davor statt. In den vergangenen Jahren haben wir den Datenbestand aufgearbeitet und geprüft, welche benötigten geologischen Kennt- nisse fehlen. Darauf aufbauend haben wir anschließend neue Erkundungsprogramme festgelegt. Als ersten Schritt haben wir die geologische Oberflächenkarte überarbei- tet und 2018 öffentlich vorgestellt. Die kürz- lich umgesetzte 3D-Seismik und die jetzigen Erkundungsbohrungen sind weitere Bau- steine. Letztendlich benötigen wir Informationen über die räum- liche Lage von Gesteinsschich- ten und über die Fließwege des Grundwassers. Dies ist wichtig, um die Herkunft des Lösungszu- tritts zu bestimmen. Welche Probleme gibt es bei der Bestimmung der Herkunft des Lösungszutritts? In der Schachtanlage Asse II fassen wir zurzeit die größte Zu- trittsmenge auf der 658-Meter- Ebene. Dieses Wasser kommt aus dem Deckgebirge. Die che- mische Zusammensetzung der Lösung enthält wichtige Infor- mationen zum Beispiel über das Alter, die Entstehung und den Fließweg. Das Problem besteht darin, dass die Lö- sung, die wir auf der 658-Meter-Ebene sammeln, bereits mit der Grubenluft Kon- takt gehabt hat. Dabei verändert sich die chemische Zusammensetzung. Für be- stimmte Aspekte hat dies keine Bedeutung. Einige Änderungen sind jedoch so gravie- rend, dass eine belastbare Auswertung nicht mehr möglich ist. Daher benötigen wir un- verfälschte Referenzwerte aus dem Deck- gebirge. Wie wurden die Standorte der Bohrungen festgelegt? Bei der Standortauswahl mussten wir meh- rere Dinge berücksichtigen. Aus Sicherheits- gründen wollten wir Abstand zur Schacht- anlage Asse II halten. Die Bohrungen sind daher mindestens rund 170 Meter vom Gru- bengebäude entfernt. Die Gesteinsschich- ten der Asse verlaufen ungefähr in Richtung Nordwest-Südost. Wir haben also die An- satzpunkte von der Schachtanlage Asse II ausgehend entlang dieses Verlaufs in Rich- tung Nordwesten verschoben. Wir verspre- chen uns davon bei einem minimalen Risiko eine mutmaßlich vergleichbare geologische Situation. Welche Rolle spielt die Schachtanlage Asse I für den Lösungszutritt? Die Schachtanlage Asse I ist nicht weit von der Schachtanlage Asse II entfernt. Wir wis- sen, dass die mit Wasser gefüllte Schacht- röhre mit dem Grundwasser der Umgebung in Verbindung steht. Bei der Schachtanlage Asse II wiederum besteht auch eine Verbin- dung zwischen dem Grundwasser und dem Bergwerk. Wir haben also zwei Systeme, die eine Verbindung zwischen einem Bergwerk und dem Grundwasser aufweisen. Ob diese Systeme zusammengehören und ein System bilden, wissen wir nicht. Dies wollen wir bes- ser verstehen und letztendlich auch Hinweise bekommen, wo das Wasser herkommt. Ein tech- nisch nicht mehr beherrschbarer Lösungszutritt in die Schachtan- lage Asse II ist ein Szenario, was wir nicht ausschließen können. Um dieses Szenario besser be- werten zu können, benötigen wir mehr Informationen. Was passiert anschließend mit den Daten? Die gesammelte Lösung an der Hauptauffangstelle auf der 658-Meter-Ebene hatte bereits mit der Grubenluft Kontakt. Dabei verändert sich die chemische Zusammensetzung, so dass eine belastbare Auswertung nicht mehr möglich ist. Die Daten helfen uns dabei, unser geologisches Modell zu verbes- sern. Sollten wir auf Grundwas- ser stoßen, erhalten wir Infor- mationen über die chemische Zusammensetzung. Auch lässt sich bestimmen, wie durchläs- sig das Gestein ist. Dadurch er- halten wir Hinweise in welchen geologischen Schichten, in welchen Men- gen und wie schnell sich das Grundwasser in diesem Bereich bewegt. Sehr wahrschein- lich werden die Bohrungen nicht alle offenen Fragen abschließend beantworten können, aber wir schließen eine weitere Wissenslü- cke. So können wir die geologische und hy- drogeologische Situation der Asse und die damit verbundenen Risiken für die Schacht- anlage Asse II besser bewerten. Betrifft: Asse als Livestream Thema: Erkundungs- bohrungen R10/ R11 Am 10. Dezember 2020 informiert die BGE in einen Livestream auf You- tube über die Erkundungsbohrungen R10 und R 11. Die Veranstaltung fin- det im Rahmen der Reihe „Betrifft: Asse“ statt. Die Veranstaltungsreihe „Betrifft: Asse“ ist ein Forum für in- teressierte Bürger*innen. Hier kön- nen gezielt Fragen zu aktuellen Ar- beiten an Mitarbeiter*innen der BGE gestellt werden Gerne können Sie bereits im Vorfeld Ihre Fragen zu den Erkundungsboh- rungen einreichen. Bitte nutzen Sie hierfür die E-Mail-Adresse info-as- se@bge.de. Alternativ können auch während der Veranstaltung Fragen an das Podium gestellt werden. Datum: 10. Dezember 2020 Uhrzeit: 18:00 – 20:00 Uhr Den Link zum Livestream finden Sie am 10. Dezember 2020 auf www.bge.de.
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Tags: Wandern ? Wanderweg ? Regenrückhaltebecken ? Interview ? Regenwasser ? Saatgut ? Steinsalz ? Transportbehälter ? Bergwerk ? Fußverkehr ? Endlagersicherheit ? Bohrkern ? Chemische Zusammensetzung ? Grundwasser ? Untergrund ? Bohrung ? Motor ? Sicherheitsmaßnahme ? Wald ? Gestein ? Gebirge ? Geologisches Modell ? Referenzwert ?
Region: Peine
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