Description: Geowissenschaftliche Charakterisierung: Steinsalz in stratiformer Lagerung – Teil 2 „Solling-Becken“ Bereich Standortauswahl / Dr. Ole Rabbel rvSU-Kriterien „Ungünstige tektonische Gesamtsituation“ und „Tektonische Überprägung“ Die Bewertung der rvSU-Kriterien „Ungünstige tektonische Gesamtsituation“ und „Tektonische Überprägung“ (Abb. 1) basiert auf der strukturgeologischen Bearbeitung eines Gebiets, wobei der Hauptfokus der Charakterisierung auf dem Wirtsgesteins- bereich mit Barrierefunktion (WbB) liegt. Dabei können neben seismischen Daten und 3D-Strukturmodellen auch geologische Karten und insbesondere Fachliteratur zur tektonischen Entwicklung eines Gebiets der Bewertung zugrunde liegen. Es werden je nach Situation innerhalb eines Untersuchungs- raums die Kriterien „Ungünstige tektonische Gesamtsituation“ und/oder „Tektonische Überprägung“ angewendet. Wird ein Gebiet als tektonisch ungünstig bewertet (Abb. 1 links), reicht diese Bewertung für die Einstufung in Kategorie C aus. Abb. 1: links) Anwendungsmethodik des rvSU-Kriteriums „Ungünstige tektonische Gesamtsituation“. Das rvSU-Kriterium wird mit „ungünstig“ bewertet, wenn die tektonischen Verhältnisse des betroffenen Gebiets durch eine starke tektonische Zergliederung und/oder Faltungen gekennzeichnet sind, die keine ausreichend großen Bereiche mit geringer Deformation erwarten lassen; rechts) Anwendungsmethodik des rvSU-Kriteriums „Tektonische Überprägung“. Die gräulich und dunkelblau hervorgehobenen Bereiche im Untergrund stellen jeweils den WbB dar. Quelle: BGE Das rvSU-Kriterium „Tektonische Überprägung“ (Abb. 1, rechts) wird mit „ungünstig“ bewertet, wenn Bereiche im Abstand von 100 m oder weniger zu regionalen oder überregionalen Störungszonen vorhanden sind. Für eine „bedingt günstige“ Bewertung gelten Abstände von 1 km und 3 km zu regionalen bzw. überregionalen Störungszonen, die über ihre Länge bzw. die Breite des deformierten Bereichs definiert werden. Eine Einstufung in Kategorie C geschieht bei der „Tektonischen Überprägung“ nur über die Kombination mit einem weiteren Prüfschritt-2-Kriterium, das nicht „günstig“ bewertet wird. Im Untersuchungsraum „Solling-Becken“ stellen die Überschiebungen Hameln-Elfas-Salzderhelden und Leinetal (Abb. 2) Inversionsstrukturen mit ausgeprägter Halokinese dar. Diese hat zur Bildung stark deformierter Salzkeile und Salzintrusionen ins Deckgebirge geführt (u. a. Jordan 1998). Die Bereiche werden im Südosten von der Mündung der Überschiebungen in die Fortsetzung des Leinetalgrabens begrenzt. Im Nordosten des Leinetalsattels wird dieses Gebiet von einer Westnordwest-Ostsüdost-streichenden Sockelstörung zu den tektonisch weniger beanspruchten Bereichen der Salzkissen im Bereich Hildesheimer Wald hin abgegrenzt. Die Bereiche der Hameln-Elfas-Salzderhelden-Überschiebung und Leinetal-Überschiebung sowie Ahlsburg-Überschiebung und Kreiensen-Überschiebung lassen aufgrund starker kompressiver Deformation und ausgeprägter Halokinese, einer Ausbildung von Salzkeilen und Salzintrusionen ins Deckgebirge, keinen undeformierten Bereich im Zechstein erwarten und werden als tektonisch ungünstige Gesamtsituation bewertet (Abb. 2). nicht ungünstig 0 5 ungünstig 10 ungünstig kein UR 15 20 km kein UR nicht ungünstig kein UR Abb. 2: Bewertung des rvSU-Kriteriums „Ungünstige tektonische Gesamtsituation“ am Beispiel eines Ausschnitts aus dem Profilschnitt 129 aus dem Geotektonischen Atlas (verändert nach Baldschuhn et al. 2001). Die gelb markierten Bereiche entsprechen den bezogen auf den Zechstein als tektonisch ungünstig bewerteten Gebieten im Bereich von Überschiebungszonen. Grau dargestellt sind die „nicht ungünstig“ bewerteten Gebiete innerhalb des „Solling-Becken“. Weiße Gebiete liegen außerhalb des Untersuchungsraums (kein UR). Arbeitsstand 2025 im Untersuchungsraum „Solling-Becken“ Durch die Integration verschiedener geologischer Daten ist es möglich, die räumliche Geometrie sowie die interne Konfiguration des Steinsalzes zu interpretieren. Basierend auf diesen Daten und der Anwendung der Kriterien in den Prüfschritten 1 und 2, können Bereiche im Untersuchungsraum „Solling-Becken“ identifiziert werden, die für ein Endlager weniger geeignet sind (Abb. 3). Im Untersuchungsraum „Solling-Becken“ wurden in den Prüfschritten 1 und 2, zusätzlich zu den oben präsentierten Kriterien, folgende rvSU-Kriterien angewendet: QR-Code navigator.bge.de Prüfschritt 1 für Kategorie D (~55 % Einengung): − „Mächtigkeit“ − „Aktive Störungszonen – Atektonische Vorgänge“ − „Einflüsse bergbaulicher Tätigkeit – Erweiterungsbereiche um Bergwerke“ − „Fläche des Endlagers“ Prüfschritt 2 für Kategorie C (~15 % Einengung): − „Ungünstige Tiefenlage Steinsalz (Subrosion)“ − „Räumliche Verteilung“ − „Variationsbreite“ − „Barrierenmächtigkeit“ − „Flächenhafte Ausdehnung“ − „Ungünstige Geometrie – Mindestbreite“ Abb. 3: Arbeitsstand im Untersuchungsraum „Solling-Becken“ (Stand: 2025). Quelle: BGE Literatur Baldschuhn, R., Binot, F. & Kockel, F. (2001): Geotektonischer Atlas von Nordwest-Deutschland und dem deutschen Nordseesektor. Geologisches Jahrbuch Reihe A, Allgemeine und regionale Geologie Bundesrepublik Deutschland und Nachbargebiete, A 153. Hannover, Stuttgart: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR); In Kommission bei der E. Schweizerbart'schen Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller). ISBN 3510958810 Jordan, H. (1998): Elfas und Ahlsburg – die Struktur der Schollengrenze zwischen Hils und Solling. Mitteilungen aus dem Geologischen Institut der Universität Hannover; 38, 38, 149-162. www.bge.de 5. Tage der Standortauswahl / Leipzig GZ: SG01201/5-7/3-2025#8 | Objekt-ID: 15353763 | Stand 23.04.2026
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