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Flora und Biotopausstattung auf Flächen des Nationalen Naturerbes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und deren Bewertung aus Naturschutzsicht

Die vorliegende Untersuchung analysiert erstmalig die Ergebnisse der Gefäßpflanzenerfassungen im Rahmen der Biotopkartierungen von 64 Natur erbeflächen aus 9 Bundesländern aus den Jahren 2012 - 2023. Insgesamt wurden Daten von 63.058 ha Fläche der DBU Naturerbe GmbH - einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) - mit Artenlisten von 43.903 Biotopen und mehr als 1 Mio. einzelner Arteinträge ausgewertet. Auf den untersuchten Naturerbeflächen wurden 1.503 in Deutschland etablierte Gefäßpflanzenarten erfasst, darunter 266 Rote-Liste-Arten nach der Roten Liste Deutschlands. Die ermittelte Gesamtartenzahl in den Naturerbeflächen war um ca. 22 % und die Zahl von Rote-Liste-Arten um ca. 32 % erhöht im Vergleich zu Mittelwerten zufällig ausgewählter Messtischblattquadranten aus der FloraWeb-Datenbank mit vergleichbarer Gesamtfläche. Obwohl die Naturerbeflächen zu 76 % mit Wald bedeckt sind, fanden sich die größte Artenvielfalt und die höchste Anzahl von Rote-Liste-Arten in den vielfältigen Offenlandbiotopen, die nur 20 % der Flächen umfassen (Wald: 1.132 Arten, davon 112 Rote-Liste-Arten; Offenland: 1.359 Arten, davon 227 Rote-Liste-Arten). 165 (14,6 %) der im Wald erfassten Arten wiesen einen Vorkommensschwerpunkt (≥ 80 % ihrer Vorkommen) in Waldbiotoptypen auf, im Offenland zeigten 412 Arten (30,3 %) eine Offenlandbindung. Die Auswertung der Ellenberg-Zeigerwerte zeigte, dass viele der (Rote-Liste-)Arten an nährstoffarme Offenländer trockener oder feuchter/nasser Standorte gebunden sind. Die dauerhafte Erhaltung dieser besonders gefährdeten Biotope durch Pflegemaßnahmen ist ein wichtiges Ziel der Naturerbe-Entwicklungsplanung. Die ungestörte, natürliche Entwicklung der bereits naturnahen Wälder und Maßnahmen zur Erhöhung der Strukturvielfalt in Nadelholzbeständen können die Biodiversität der Naturerbeflächen ebenfalls fördern. Die hohe Gefäßpflanzendiversität und das vielfältige Biotopmosaik mit heute selten gewordenen Biotoptypen wie Zwergstrauchheiden, Magerrasen, artenreichem Grünland, Hoch- und Niedermooren, eingebettet in großflächige Wälder, belegen den Wert des Nationalen Naturerbes als Baustein im Netzwerk der Naturschutzflächen in Deutschland.

Forschergruppe (FOR) 2358: Mountain Exile Hypothesis - How humans benefited from and re-shaped African high altitude ecosystems during Quarternary climatic changes, Teilprojekt: Umweltwissenschaftliche Grundlagen der Paläoforschung in einem afroalpinen Ökosystem

Vegetationsökologische und klimatologische Grundlagen sowie Landnutzungsänderungen in Afrikas größtem alpinen Ökosystem ermöglichen der interdisziplinären Paläoforschung die Interpretation von Analysedaten, insbesondere durch die ökologischen Zeigerwerte in den dominanten Vegetationseinheiten der Hochflächen in den Bale Mountains. Plotbasierte floristisch vollständige Vegetationsaufnahmen dienen der Feststellung klimatischer Gradienten und Schwellenwerte von Zeigerpflanzen sowie von Störungszeigerpflanzen der Weidewirtschaft und natürlicher Störungen durch bodenwühlende Kleinsäuger. Fernerkundung und Vergleichsphotographie helfen die Dynamik afroalpiner Ökosysteme und des Erica-Strauchgürtels an der oberen Waldgrenze zu quantifizieren. 10 Klimastationen werden die Niederschlags- und Temperaturgradienten der Bale Mountains erfassen. Die vorherrschenden Luftströmungen dieses Berglandes am Horn von Afrika werden durch ihre Isotope charakterisiert und sind damit die aktualistische Grundlage der Paläo-Klimatologie.

Wie wirken Lawinen auf die Natur?

Obwohl Lawinenbahnen nur einen relativ kleinen Anteil an der Landschaft haben, beeinflussen sie die Vielfalt und Dynamik von Gebirgslandschaften. Weil die Zahl der Lawinenverbauungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat, ist zu befürchten, dass das Unterdrücken von Lawinen die Strukturen von Gebirgslandschaften in den Europäischen Alpen stark verändern kann. In einem Projekt der Eidg. Forschungsanstalt WSL wurde über mehrere Jahre die Wirkung von Lawinen auf beziehungsweise die Bedeutung ausbleibender Lawinen für die Biodiversität, die Waldstrukturen und die Landschaftsmuster untersucht. Die Zerstörungskraft der Lawinen weist für die Natur auch positive Aspekte auf. Sie schafft Standortbedingungen, die einer ganzen Reihe von Pflanzen überhaupt erst das Überleben ermöglichen. Grosse, dominierende Bäume werden von Lawinen umgeknickt. Als Folge erreicht in Lawinenzügen viel mehr Licht den Boden als im angrenzenden Wald. Auch Wasser und Nährstoffe sind reichlicher vorhanden. Und die mechanische Belastung durch die Lawinen ist für kleine Pflanzen gering: Die Schneedecke schützt sie, oder sie sind (noch) elastisch genug, um sich den Schneemassen zu beugen. Je häufiger in einem Lawinenzug die Lawinen niedergehen, desto artenreicher und diverser ist die Vegetation. Lawinenzüge, in denen jährlich Lawinen zu Tale stürzen, beherbergen rund dreimal mehr Arten als der angrenzende Wald. Erstaunlicherweise profitieren nicht nur Pionierpflanzen. Diese sind nur dann stark vertreten, wenn in den letzten Jahren Wald zerstört wurde. In den anderen Lawinenzügen fühlen sich konkurrenzstarke, mehrjährige Pflanzen wohl. Das zeigt, dass trotz häufiger Störungen relativ stabile Verhältnisse herrschen. Da die mechanische Belastung im Zentrum der Lawinenzüge größer ist, da kleinere Niedergänge nicht den ganzen Lawinenzug betreffen und da an den einen Stellen Schnee mitgerissen, an anderen abgelagert wird, herrschen auf engem Raum unterschiedlichste Umweltbedingungen. Die bio logische Vielfalt ist entsprechend groß. Viele verschiedene Arten und Gesellschaften finden passende Lebensbedingungen: die typische Lawinenpflanze gibt es nicht. Die Anzahl Pflanzenarten in verbauten und unverbauten Lawinenzügen ist zwar gleich groß, hingegen unterscheidet sich deren Artenzusammensetzung: In verbauten Lawinenzügen deuten die ökologischen Zeigerwerte der Pflanzen auf eine geringere Vielfalt von Kleinlebensräumen hin. Zudem ist die Anzahl alpiner Arten dort kleiner als in unverbauten Lawinenzügen. Die Unterdrückung von Lawinen beeinflusst zudem die Landschaftsstruktur. Ein Vergleich zwischen den Jahren 1950 und 2000 in der Landschaft Davos zeigt, dass der Wald ohne Lawinen zunimmt und die Waldstruktur homogener wird. Dies dürfte einerseits auf die veränderte Landnutzung, andererseits auch auf die veränderte Lawinenaktivität zurückzuführen sein. In Zukunft werden offene Waldhabitate in Bergregionen durch Klimaerwärmung und Nutzungswandel vermutlich weiter zurückgehen.

Forschergruppe (FOR) 2358: Mountain Exile Hypothesis - How humans benefited from and re-shaped African high altitude ecosystems during Quarternary climatic changes, Teilprojekt: Paleoökologie - Pollenanalysie und ökologische Entwicklung der Bale Mountains

Die Klima-, Vegetations- und Kulturlandschaftsgeschichte des größten alpinen Ökosystems Afrikas soll durch Analyse von neun Bohrkernen im Bale Mountains National Park, Süd-Äthiopien mittels Pollen- und Pilzsporenanalyse, Holzkohlen- und Makrorest-Analyse rekonstruiert werden, um die Hypothese einer frühen Anwesenheit von Jägern und Hirten in einem nach Mehrheitsmeinung und derzeitigem Kenntnisstand erst spät durch Feuer und Beweidung beeinflussten Hochland zu testen. Die Zusammenarbeit mit Vegetations- (plotbasierte, floristisch vollständige Transekte) und Klimaökologie (10 Klimastationen) macht eine Kalibrierung von Sporopollen-Oberflächenproben möglich; Pollentypen können durch ökologische Zeigerwerte von Pflanzen (klimatisch/edaphisch/anthropozoogen) determiniert werden. Hochaufgelöste Pollen- und Holzkohle-Stratigraphien von neun vorgesehenen Bohrpunkten erlauben die Datierung, Dauer und Intensität menschlicher Eingriffe zu bestimmen und auch zu entscheiden, wie menschverursachte Störung (vor allem Feuer) von natürlichen Störungen zu unterscheiden sind. Dungsporen sollen helfen, die Haustierbeweidung und Wildtierbeweidung abzuschätzen. Die Interpretation wird abgesichert durch den Vergleich mit Multi-Proxies (XRF-Geochemie, stabile Isotope, Diatomeen, Coleoptera-Reste) aus den Bohrkernen und den Analysen der archäologischen, Anthrosol-, und Paläoklima-Analysen, womit die Modellierung der Umweltgeschichte der Bale Mountains möglich wird.

Reduktion der Bearbeitereffekte bei der Analyse von Vegetationserhebungen

Wiederholungen von Vegetationserhebungen sind wichtig, um zeitliche Veränderungen der biologischen Vielfalt und der Umweltbedingungen zu erfassen. Vegetationserhebungen sind jedoch anfällig für verschiedene Fehlerquellen. Diese gilt es zu minimieren und alternative Ansätze für die Analyse der Daten zu finden. Anhand eines Datensatzes von 224 doppelt erhobenen Dauerflächen in der Schweiz untersuchten wir die häufigste Fehlerquelle bei Vegetationserhebungen: die Unterschiede zwischen den Bearbeitenden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Artenlisten von Untersuchungsflächen, die am selben Tag von verschiedenen Bearbeitenden erstellt wurden, voneinander abweichen (28,5 % Unterschied) - hauptsächlich weil Arten mit geringer Häufigkeit von jeweils einem der beiden Bearbeitenden übersehen wurden. Wir konnten zeigen, dass sich der Fehler durch Aggregierungen bestimmter Einträge in den ursprünglichen Artenlisten (z.B. Unterarten auf Artniveau zusammenfassen oder Arten zu Aggregaten zuordnen) reduzieren lässt und dass mittlere ökologische Zeigerwerte robust gegenüber Unterschieden zwischen Bearbeitenden sind. Mittels der genannten Aggregierungen in den Artenlisten und durch Verwendung mittlerer Zeigerwerte können somit zeitliche Veränderungen der Vegetation und von Umweltbedingungen verlässlich erfasst werden.

Bestimmungsschlüssel der Wald- und Forstökosystemtypen Deutschlands

Wald- und Forstökosystemtypen charakterisieren ökologische Elementareinheiten des Waldes. Sie zeichnen sich im Rahmen der Waldformation durch einmalige Merkmalskonfigurationen sowie durch interne Homogenität in wesentlichen Merkmalen aus, zu letzteren gehören - die Bestandesaufbaustruktur (Zusammensetzung und Mengenanteil der Baumarten, Bestandesschichtung, Schichtenaufbau, Folge interner Stadien, Arten- bzw. Artengruppenzusammensetzung und deren Mengenentfaltung) - formt die Erscheinung des Typs, den Wald- bzw. Forstvegetationstyp - die vegetationswirksamen und wuchsbestimmenden ökologischen Faktoren (Bodennährkraft, Luft- und Bodenfeuchte, Strahlungsgewinn und Wärme) - der quantifizierbare Ablauf systeminterner Prozesse (Geochemische Stoffflüsse von Kohlenstoff, Stickstoff und Wasser, Nettoprimärproduktion, Humusbildung, inter- und intraspezifische Konkurrenz, Regeneration, Eigenstabilisierung) - charakterisiert das Wesen des Typs, den Ökotoptyp Aus Merkmalskonstellation und Strukturhomogenität resultieren definierbare waldgeographische Stellungen der Ökosystemtypen, eine ähnliche genetische Ausstattung sowie eine vergleichbare Entstehungsgeschichte (natürlich, halbnatürlich, naturfern, selbstorganisiert oder forstlich begründet und bewirtschaftet). Der methodische Ansatz zur Ausscheidung der Wald- und Forstökosystemtypen liegt in der Konzeption der nordosteuropäischen Waldtypologie von CAJANDER (1909, 1943 Finnischer Waldtyp) und SUKATSCHEW (1931, 1950 Biogeozönose) begründet. Es ist die Anwendung dieser Konzeption auf die Baumarten-reichen und standörtlich wie forstwirtschaftsgeschichtlich vielfältigen Gegebenheiten der mitteleuropäischen Region. Der vorgelegte Schlüssel dient der Bestimmung von Typen der in Deutschland verbreiteten naturnahen selbstorganisationsfähigen Waldökosysteme sowie der durch forstliche Aktivitäten aufgebauten künstlichen Forstökosysteme mit deutlich eingeschränkter Selbstorganisationsfähigkeit. Er erlaubt die vor-Ort Bestimmung von Wald- und Forst- Ökosystemtypen in einem pflanzengeographisch definierten Gebiet anhand äußerer Formen der Vegetation und der Landschaft sowie dem ökologischen Zeigerwert von Pflanzen auf der Grundlage des erwiesenen Zusammenhanges zwischen Vegetationsstrukturen und Systemprozessen, zwischen Waldbestand und Waldstandort sowie zwischen Geländefaktoren und Pflanzenvorkommen. Vollständigkeit und Merkmalspräzisierung des Bestimmungsschlüssels beruhen auf dem aktuellen Wissensstand der ökologischen Waldvegetationsforschung und Informationen der beim Waldkunde-Institut Eberswalde geführten ökologischen Vegetationsdatenbanken (25.900 Vegetations- und über 1000 Standortsanalysen). Mit diesen Daten können die Typen der naturnahen Waldökosysteme und der wirtschaftlich begründeten Forstökosysteme Deutschlands ökologisch und räumlich in hinreichender Auflösung abgebildet werden. Die Bestimmbarkeit der Wald- und Forstökosystemtypen ergibt sich einzelnen anhand eines Merkmalskomplexes aus - der ökosystembildenden Baumartenzusammensetzung als Eingangsmerkmal, - der für das Erkennen des Systems charakteristischen Pflanzenartenkombination und - aufgedeckten Beziehungen zwischen Systemvorkommen und Geländefaktoren. Ergänzt werden die Merkmale durch Visualisierungen der Bestandesstrukturen durch Fotos. Die Merkmale beziehen sich auf das relative Dauerstadium der Systeme (bei Ausschluss der Dickungs- und Jungbaum-Stadien und der Zerfallsphase). Quelle: Forschungsbericht

Rolle des Phosphors als Steuerungsgröße des Stickstoffertrages und der Phytodiversität ökologisch bewirtschafteter Dauergrünlandbestände

Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, den Effekt der Phosphorversorgung auf die Zusammensetzung von Pflanzenbeständen des ökologisch bewirtschafteten Grünlandes unter besonderer Berücksichtigung der Grünlandleguminosen, deren Funktionalität und der Phytodiversität zu bemessen. Zu diesem Zweck werden auf artenreichen Grünlandflächen ausgewählter Standorttypen (Salzgrasland, Niedermoorgrünland, Moränengrünland) Felderhebungen durchgeführt, welche auf die Bemessung des skalenabhängigen Einflusses unterschiedlicher P-Trophiezustände auf die Präsenz der Grünlandleguminosen (insb. Trifolium repens) sowie die der weiteren Bestandesbildner ausgerichtet sind. Auf Grundlage dieser sowie weiterer Daten soll versucht werden, Schwellenwerte für die Versorgung der Grünlandleguminosen abzuleiten, welche den Erhalt einer hohen Artenvielfalt berücksichtigen. Darüber hinaus wird die Wirkung alternativer P-Dünger in Exaktversuchen getestet, um den ökologisch wirtschaftenden Futterbaubetrieben weitere Optionen der Regulation von legumer N-Bindung und damit des N-Ertrages zu ermöglichen. Die Ergebnisse des Projektes sollen sowohl für die Praxis des ökologischen Landbaus als auch für die Verantwortlichen des Naturschutzes in geeigneter Form zur Verfügung gestellt werden.

Erfassung von Bodenbiodiversität auf Länderebene (2024)

Erfassung von Bodenbiodiversität auf Länderebene (Stand Januar 2024) Dieses Dokument stellt ein Arbeitsdokument des Fachgremiums „Monitoring der Bodenbiodiver- sität und ihrer Funktionen“ am Nationalen Monitoringzentrum zur Biodiversität dar und soll ei- nen Überblick der bodenbiologischen Erfassungen auf Länderebene geben. Es bezieht neben lau- fenden Monitoringaktivitäten auch abgeschlossene und in Planung befindliche Programme ein. Ergänzende Informationen können an monitoringzentrum@bfn.de übermittelt werden. Die Bundesländer erfassen Bodenlebewesen und deren Funktionen unterschiedlich intensiv (Tabelle 1 und Tabelle 2). Im Folgenden werden die Länderprogramme kurz vorgestellt. Tabelle 1: Tabellarische Übersicht zu laufenden und eingestellten Programmen der Erfassung von Bodenbiodiversität auf Länderebene ■ laufende Erhebungen, ■ geplante Erhebungen, ■ eingestellte wiederholte Erhebungen, ■ einmalige Erhebung, Mehrfacheintragungen ergeben sich bei unterschiedlichen Erfassungsaktivitäten mehrerer Fachbehörden in einem Bundesland. BW – Baden-Württemberg, BY – Bayern, SH – Schleswig-Holstein, ST – Sachsen-Anhalt, TH – Thüringen, NI – Nieder- sachsen, NW – Nordrhein-Westfalen, BB – Brandenburg, HH – Hamburg, MV – Mecklenburg-Vorpommern, BBZE- Wald – Biologische Bodenzustandserhebung im Wald (bundesweit) 1 Tabelle 2: Tabellarische Übersicht zu laufenden und eingestellten Programmen der Erfassung von Bodenfunk- tionen auf Länderebene ■ laufende Erhebungen, ■ geplante Erhebungen, ■ eingestellte wiederholte Erhebungen, ■ einmalige Erhebung BW – Baden-Württemberg, BY – Bayern, SH – Schleswig-Holstein, ST – Sachsen-Anhalt, TH – Thüringen, NI – Nieder- sachsen, NW – Nordrhein-Westfalen, BB – Brandenburg, HH – Hamburg, MV – Mecklenburg-Vorpommern, NWFVA - Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (BDF Waldstandorte in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein), RP – Rheinland-Pfalz, SN – Sachsen, BBZE-Wald – Biologische Bodenzu- standserhebung im Wald (bundesweit) Einige Bundesländer erheben keine bodenbiologischen Daten (Berlin – Senatsverwaltung für Mo- bilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt schriftlich; Bremen – Senat für Umwelt, Klima und Wis- senschaft; Hessen – Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie; Saarland – Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz und Zentrum für Biodokumentation) oder veröffentli- chen hierzu Berichte. Baden-Württemberg (BW) Im Biomessnetz der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württembergs (LUBW) wird seit 2011 die Biomasse und Abundanz von Regenwürmern auf Waldmessstandorten erfasst und fließt als Indikator in den jährlichen Monitoringbericht zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel in Baden-Württemberg ein [1]. Im Zeitraum von 1986– 2011 wurden an Waldmessstandorten die Diversität und Abundanz von Springschwänzen erfasst und die resultierenden ökologischen Zeigerwerte der Arten für Temperatur, Säure- und Nähr- stoffzustand der Böden ausgewertet. In diesem Zeitraum wurde ebenfalls mit Hilfe der Regen- wurmart Lumbricus rubellus die Toxizität aktueller Schwermetallgehalte im Boden bewertet [2]. 1997–1999 fand beauftragt durch die LUBW eine bodenökologische Inventur der Hornmilben, 2 Raubmilben, Asseln, Laufkäfer, Hundertfüßer, Tausendfüßer, Enchyträen und Regenwürmer an 11 Waldstandorten statt sowie die Ermittlung des Streuabbaus [3]. Bis 1999 wurden auf den Bo- dendauerbeobachtungsflächen (BDF) Erhebungen der Basalatmung und der mikrobiellen Bio- masse durchgeführt. Im BDF-Programm Baden-Württembergs werden seit 2011 an einer einzi- gen Intensiv-Messstelle Basalatmung, Art und Abundanz von Collembolen und Lumbriciden zeit- lich hochaufgelöst, jährlich im Frühjahr und Herbst, bestimmt. Von diesem Standort wurden auch Proben für ein UBA-Projekt zur Entwicklung genetischer Verfahren entnommen (LUBW schriftlich). Es gibt derzeit umfangreiche Konzeptions- und Pilotvorhaben mit dem Ziel, weitere langfristige Monitoringprogramme der Bodenbiodiversität in Baden-Württemberg zu etablieren. Gefördert werden diese mit Mitteln des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt (SPbiolV) in BW, der Waldstrategie BW und dem Waldklimafond. Teilweise konnten diese Programme in- zwischen auch über den regulären Haushalt verstetigt werden: Insektenmonitoring im Offenland der Normallandschaft, Insektenmonitoring im Wald (SPbiolV, Waldstrategie BW) Biodiversität von Waldböden (SPbiolV, Waldstrategie BW) Waldbodenmikrobiom (Waldklimafond). Die LUBW (Referat 25 Artenschutz, Landschaftsplanung) betreibt seit 2018 ein landesweites In- sektenmonitoring im Offenland der Normallandschaft. Als Flächenkulisse dienen die bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen (SPF). Diese wurden im Jahr 2004 durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten, das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgewiesen und liegen auch dem bundesweiten Insektenmonitoring zugrunde. Auf Baden- Württemberg entfallen – inklusive des Erweiterungsprogramms auf Landesebene – insgesamt 400 SPF, von denen 80 Ackerland und 81 Grünland repräsentieren. Diese 161 Flächen decken den Großteil des Offenlands der sogenannten „Normallandschaft“ ab und bilden das Stichpro- bensystem für das landesweite Insektenmonitoring. Zusätzlich werden für Vergleichszwecke mit der geschützten Landschaft 40 Naturschutzgebiete untersucht. Das Insektenmonitoring der LUBW umfasst die folgenden sechs Bausteine: Tagfalter & Widderchen, Heuschrecken, Laufkä- fer, Nachtfalter, Biomasse Boden (Biomasse von Boden-Arthropoden) und Biomasse Luft (Bio- masse flugaktiver Insekten), (LUBW schriftlich). Als Indikatoren auf Ebene der Biotope werden auf 80 repräsentativen Acker-SPF Laufkäfer und die Biomasse Boden erfasst, während auf den Grünland-SPF Heuschrecken kartiert werden [4]. Somit decken die beiden erstgenannten Bausteine im Rahmen des Insektenmonitorings die Bo- denbiodiversität von Äckern der wesentlichen Naturräume, Bodenarten und Höhenlagen im Land ab. In jedem Jahr werden 40 SPF beprobt. Da die Erfassungen jährlich auf 20 SPF aus dem Vorjahr wiederholt werden, beträgt die Erfassungsfrequenz vier Jahre. Die Erfassung der Laufak- tivität der epigäischen Arthropoden wird je SPF auf einem ausgewählten Ackerschlag nach den Standards des BfN-Methodenleitfadens durchgeführt [5, 6]. Die Probenauswertung erfolgt für vier Fraktionen: Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae), Kurzflügelkäfer (Coleoptera: Staphylinidae), Webspinnen (Arachnida: Araneae) und restliche Gliederfüßer (Arthropoda). Für die ersten drei Gruppen werden die Individuenzahlen ermittelt, die Biomasse wird für alle Fraktionen gewogen. Anschließend werden die Laufkäfer morphologisch bis auf Artniveau bestimmt. 3

Analyse der Beziehung zwischen Boden und Pflanzen auf der Basis der BZE 2-Datenbank (F49)

Verifizierung der bestehenden vegetationsökologischen Indikatorsysteme auf Basis vorliegender Daten, insbesondere der vegetations- und bodenkundlichen Daten der zweiten Bodenzustandserhebung (BZE 2)

Beziehungen zwischen Biodiversitätsmustern und kompositorischen Eigenschafen von Graslandvegetation mit Hilfe von Nahinfrarot-Spektroskopie - BioComp

Die AG Ökosystemforschung hat sich als Teilprojekt BioComp mit zweijähriger Laufzeit (2009-2011) an den Biodiversitätsexploratorien beteiligt. Wir haben kompositorische Eigenschaften von Graslandvegetation untersucht und diese in Bezug zu Diversitätsmustern und Unterschieden in der Landnutzungsintensität gesetzt. Biomasseernte2009 und 2010 wurden Biomasseproben auf den 150 Experimentierplots der drei Exploratorien im Grünland genommen. Auf Basis der Proben aus 2009 wurden NIRS Kalibrationsmodelle zur Bestimmung des Kohlenstoffgehaltes, zur Quantifizierung von Pflanzennährstoffen (N, P, K, Ca, Mg) und für die Rohfaserzusammensetzung (NDF, ADF, ADL) entwickelt. Diese kommen jetzt zur schnellen und kostengünstigen Messung unbekannter Proben zum Einsatz. Daneben wurde ein Verfahren entwickelt, das unter Wahrung der hohen Messgenauigkeit mit erheblich weniger Probenmaterial auskommt. PhosphorusNährstoffgehalte in der oberirdischen Biomasse des untersuchten Wirtschaftsgrünlands haben sich als guter Indikator für die Diversität an Gefäßpflanzen - insbesondere Arten der Roten Liste - sowie für die Landnutzungsintensität erwiesen. Insbesondere der P-Verfügbarkeit konnte eine zentrale Rolle beigemessen werden. Rohfasergehalte zeigten hingegen nur einen schwachen Zusammenhang zum Artenreichtum und erstaunlicher Weise auch zur Intensität der Landnutzung. Als 'Nebenprodukt' unserer Untersuchungen zu Mustern von kompositorischen Merkmalen der Biomasse in Beziehung zur Artenvielfalt und der Landnutzungsintensität konnten mit der NIRS Technologie auch Vorhersagemodelle für Ellenberg-Zeigerwerte ermittelt werden. Insbesondere die Ellenberg-Stickstoffzahl korrespondierte mit der P-Konzentration in der oberirdischen Biomasse. Für Wirschaftsgrünland ist es also besser von der Ellenberg-Nährstoffzahl zu sprechen. Letztlich wurde auch gezeigt, dass über die spektralen Eigenschaften der Biomasse Ellenberg-Zeigerwerte eine messbare Größe sind.

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