Niederschlag ist eines der wichtigsten Klimaelemente, welches komplexe atmosphärische Prozesse mit Wasserkreislauf, Schneebedeckung und Massenbilanz von Gletschern verknüpft. Niederschlag ist eine Schlüsselgröße im Umgang mit Wasserressourcen und in der Verhinderung von Hochwasser und Dürre. Dies gilt besonders für das Untersuchungsgebiet des Bündelprojektes PRIME, welches Hochasien, d.h. das Tibet-Plateau und seine umgrenzenden Gebirgsketten, umfasst. Die Forschung im Rahmen von PRIME zielt darauf ab, einen verbesserten, auf neuen Fernerkundungsverfahren und fortgeschrittenen Ansätzen regionaler numerischer Klimamodellierung (HAR*) aufbauenden, Rasterdatensatz für Niederschlag abzuleiten und zu validieren (i). Darauf aufbauend werden räumliche und zeitliche Muster, großräumige Antriebe und meso- bis lokalskalige Prozesse untersucht, die die Niederschlagsvariabilität bestimmen (ii). Die verbesserte Genauigkeit und das erweiterte Verständnis von Niederschlagstypus und -variabilität ermöglichen es, das Wissen über räumliche und zeitliche Variabilität der Gletschermassenbilanz, saisonale Schneedecken und Wasserspeicher in verschiedenen Teilregionen Hochasiens zu erweitern (iii). Das Teilprojekt PRIME-HYD befasst sich spezifisch mit dem Oberflächenwasserzyklus und wie dieser durch die Niederschlagsvariabilität und Temperatur beeinflusst wird. Für diesen Zweck wurden zwei Gebiete bestimmt: Das endorheische Einzugsgebiet des Pangong Sees (1) und jenes des Brahmaputra (2), zwei Systeme mit gemeinsamen Ursprung am Tibet-Plateau. Zur hydrologischen Modellierung wird ein verteiltes hydrologisches Modell erstellt, das durch ein Modul zur Darstellung der Gletscher und Schneedecke ergänzt wird. Das Modell wird von einem durch probabilisitsches downscaling verfeinertes Niederschlagsprodukt angetrieben, das durch die Bayessche Verbindung von Niederschlagsdaten aus der Fernerkundung und Atmosphärensimulationen HAR* an Bodenmessdaten konditioniert wird. Temperaturdaten aus der Fernerkundung und simulierte Temperaturdaten aus HAR*, die für die Simulation von Eis und Schnee erforderlich sind, können analog zu den Niederschlagsdaten verarbeitet werden. Nach der Eichung und Validierung des Modells anhand von Schnee und Abflussdaten, wird es zur Analyse von Einflüssen der Niederschlagsvariabilität auf die Abflüsse und die Seespiegelstände auf subdekadischen Zeitskalen angewandt. Die hydrologischen Zeitreihen die durch das Modell ausgegeben werden, werden anschliessend auf möglich periodische Variabilitätsmuster untersucht. Eines der wichtigen Produkte, welches durch das Projekt bereitgestellt wird, ist ein physikalisch-basiertes räumlich distribuiertes hydrologisches Modell in einem Gebiet am Tibet-Plateau, für das bisher keine wissenschaftlichen hydrologischen Modellinstrumente verfügbar sind. Die für das Vorhaben erforderlichen hydro-meteorologischen Daten werden durch das chinesische Ministerium für Wasserressourcen zugänglich gemacht.
Waldbrände sind in Deutschland von zunehmender Relevanz, da sie durch Klimawandel, Waldstruktur und menschliches Verhalten gefördert werden. Die meisten Brände entstehen durch Fahrlässigkeit oder Brandstiftung, das Risiko wird jedoch durch Klima- und Raumnutzungsänderungen erhöht. Die Folgen reichen weit über den Wald hinaus und betreffen Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft. Zwar sind die finanziellen Schäden pro Jahr meist überschaubar, doch können Gefahren für Menschenleben, Infrastruktur und Biodiversität gravierend sein. Verantwortung tragen Waldeigentümer, Behörden und Feuerwehren, wobei länderspezifische Regelungen, Versicherungen und Kompensationen greifen, sowohl in der Prävention als auch in der Bewältigung von Bränden. Angesichts zahlreicher ungeklärter Brandursachen und des hohen Anteils menschlichen Fehlverhaltens sind die Aufklärung von Fachkreisen und Bevölkerung, präventive Waldbewirtschaftung und ein integriertes Krisenmanagement entscheidend im Umgang mit den wachsenden Herausforderungen.
Umweltministerin überreicht Förderbescheid über 1,38 Millionen Euro zur Renaturierung des Hornbachs in Zweibrücken – Bereits zuvor zwei Renaturierungsmaßnahmen abgeschlossen – Investition in Umweltschutz und Hochwasservorsorge „Mit der Renaturierung des Hornbachs geht Zweibrücken einen wichtigen Schritt hin zu einer naturnahen Flussgestaltung, die die Biodiversität fördert, den ökologischen Zustand des Flusses verbessert, dadurch Lebewesen im Fluss ihren natürlichen Lebensraum zurückgibt und zugleich der Hochwasservorsorge der Stadt dient. Das Pfingsthochwasser im vergangenen Jahr hat auch hier in der Region schwere Schäden angerichtet. Mit den Renaturierungsmaßnahmen soll solchen Ereignissen künftig besser vorgebeugt werden. Hier wird ein zukunftsweisender Schritt für den Schutz der Umwelt, aber auch der Bürgerinnen und Bürger Zweibrückens gegangen“, sagte Umweltministerin Katrin Eder bei der Übergabe eines Förderbescheids an Dr. Marold Wosnitza, Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken. Mithilfe des Förderbescheids über 1.382.300 Euro wird ein dritter Bauabschnitt des Hornbachs mit einer Länge von über 1,5 Kilometern im Bereich Erzenbach bis zum Obst- und Gartenbauverein renaturiert. Die Förderung deckt 90 Prozent der Investitionskosten und stammt aus der Aktion Blau Plus des Umweltministeriums. Der Hornbach in Zweibrücken wurde in seiner Struktur stark verändert und das Gewässerbett befindet sich in einem unbefriedigenden Zustand. Gewässertypische Strukturen fehlen genauso wie Lebensräume für im Fluss heimische Tierarten wie der Bachforelle, Barbe, dem Bachneunauge oder dem Bitterling. In mehreren Schritten wird der Hornbach deshalb renaturiert – zwei Bauabschnitte wurden bereits mithilfe von Förderungen des Umweltministeriums fertiggestellt. Punktuelle Redynamisierungen sollen eine fortlaufende Entwicklung in Gang setzen, damit sich der Hornbach langfristig selbstregeneriert und sein Ökosystem stabilisiert. Hierzu werden beispielsweise zuvor begradigte Flussläufe wieder kurvenreicher gestaltet sowie Raum für Ufergehölze geschaffen. Dr. Marold Wosnitza, Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken, sagte: „Die Renaturierung des Hornbachs ist für Zweibrücken ein doppelter Gewinn: Wir geben der Natur ihren Raum zurück, schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen und tragen zugleich aktiv zum Schutz unserer Stadt vor Hochwasserereignissen bei. Gerade die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, in eine nachhaltige und sichere Zukunft zu investieren.“ Intakte Flusslandschaften sind Hotspots der Biodiversität – und sie leisten zugleich einen Beitrag zur Klimaanpassung, etwa durch Verdunstungskühlung und Grundwasserneubildung. „Die geplante Maßnahme wird neben der ökologischen Aufwertung des Flusslaufs auch die Retentionsfähigkeit des Gebiets verbessern. Das heißt, hier kann im Falle weiterer Hochwasserereignisse Wasser besser aufgenommen und zurückgehalten werden. Investitionen in Renaturierung sind Investitionen in Sicherheit und Lebensqualität“, so Katrin Eder.
In diesem Vorhaben sollen die Grundlagen für die Aktualisierung, Überarbeitung und Erweiterung der Methodenkonvention zur Ermittlung von Umweltkosten gelegt werden. Dazu sollen einige Themen des Kostensätzeteils wegen veralteter Datenbasis und Methodik neu aufgearbeitet werden. Hierzu gehören die Umweltkosten durch Treibhausgase, konventionelle Luftschadstoffe und Lärm. Zudem sollen die wichtigen Themen Umweltkosten der Wassernutzung (Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung) und der Monetarisierung von Schäden an Biodiversität und Ökosystemen ergänzt bzw. vertieft werden. Das geplante FuE-Vorhaben 'Methodenkonvention 4.0' wurde in zwei Teile geteilt. Aspekte des Vorhabens 'Methodenkonvention - Teil 1' gehen teilweise direkt in die Methodenkonvention 4.0 zur Ermittlung von Umweltkosten ein und bilden teilweise Input für das FuE-Vorhaben 'Methodenkonvention 4.0 - Teil 2'.
<p> <p>Rund ein Drittel der Landfläche in Deutschland ist mit Wald bedeckt. Dieser erfüllt vielfältige Funktionen für Mensch und Umwelt. Eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung soll diese Funktion jetzt und zukünftig erhalten und sicherstellen.</p> </p><p>Rund ein Drittel der Landfläche in Deutschland ist mit Wald bedeckt. Dieser erfüllt vielfältige Funktionen für Mensch und Umwelt. Eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung soll diese Funktion jetzt und zukünftig erhalten und sicherstellen.</p><p> Die vielfältigen Funktionen des Waldes <p>Nach den Ergebnissen der dritten <a href="http://www.bundeswaldinventur.de/">Bundeswaldinventur</a> 2011/2012 ist Deutschland mit rund 11,4 Millionen Hektar (Mio. ha) etwa zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Der Wald erfüllt zahlreiche Funktionen für Mensch und Natur – vielfach gleichzeitig und auf derselben Fläche (siehe Schaubild „Funktionen der Wälder“).</p> <p>Umweltbelastungen, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> und menschliche Nutzung können aber die natürliche Leistungsfähigkeit der Wälder überfordern. Insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels sind in den letzten Jahren deutlich sichtbar geworden und haben zu großflächigen <a href="https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/wald-trockenheit-klimawandel.html">Waldschäden</a> und hohen Mengen an Schadholz in den Wäldern Deutschlands geführt. So fielen seit 2018 bis Mitte 2022 rund 245 Mio. Festmeter Schadholz vor allem aufgrund von Insektenkalamitäten an (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/bmel">BMEL</a> 2022). Um sowohl die Leistungen und die Produktivität der Waldökosysteme dauerhaft zu erhalten als auch den Erhalt der biologischen Vielfalt auf der ganzen Waldfläche zu gewährleisten, ist eine nachhaltige, naturnahe und multifunktionale Waldbewirtschaftung Voraussetzung.</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/2_schaubild_wald-funktionen.png"> </a> <strong> Schaubild: Funktionen der Wälder </strong> Quelle: Umweltbundesamt Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/2_schaubild_wald_funktionen_2015-05-05.pdf">Schaubild als PDF (34,54 kB)</a></li> </ul> </p><p> Nachhaltige Waldbewirtschaftung <p>Heute verstehen wir unter nachhaltiger Waldwirtschaft weit mehr als die Sicherstellung der Holzmengen. Die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa <a href="http://www.foresteurope.org/">(FOREST EUROPE)</a> hat 1993 in der <a href="https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Wald/ForestEuropeResolution.pdf">Helsinki-Deklaration</a> eine nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert als „die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, welche deren biologische Vielfalt, Produktivität, Regenerationsfähigkeit und Vitalität erhält und ihre Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, gewährleistet, ohne dass dies zu Schäden an anderen Ökosystemen führt“. FOREST EUROPE hat in diesem Zusammenhang <a href="https://foresteurope.org/about/">sechs übergreifende Kriterien</a> einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erarbeitet:</p> <ul> <li>Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und Sicherung ihres Beitrags zu den globalen Kohlenstoffkreisläufen,</li> <li>Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Waldökosystemen,</li> <li>Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder, sowohl für Holz als auch für Nicht-Holzprodukte,</li> <li>Erhaltung, Schutz und adäquate Verbesserung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen,</li> <li>Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktion bei der Waldbewirtschaftung, vor allem in den Bereichen Boden und Wasser,</li> <li>Erhaltung sonstiger sozio-ökonomischer Funktionen und Konditionen.</li> </ul> <p>Dies wird aus Sicht des Umweltbundesamtes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a>) nur durch eine umweltverträgliche, naturnahe und multifunktionale Waldbewirtschaftung ermöglicht.</p> </p><p> Naturnähe der Wälder <p>Ziel der Bundesregierung ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung auf möglichst der gesamten forstwirtschaftlichen Fläche zum Erhalt der vielfältigen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/oekosystemleistungen">Ökosystemleistungen</a> des Waldes. Dieses Ziel hat sie sich bereits in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 gesetzt und mehrfach bekräftigt, zuletzt in der <a href="https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Wald/Waldstrategie2050.html">Waldstrategie 2050</a>. Ergänzend hat die Bundesregierung in der <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/biologische-vielfalt-erhalten-1948168">Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt</a> eine Vielzahl weiterer waldbezogener Ziele formuliert, wie zum Beispiel 5 % der Wälder einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Mit der <a href="https://www.bbn-online.de/fileadmin/Service/8_2%20Infomaterial/Fachmaterialien/naturschutz-offensive_2020_broschuere_bf.pdf">Naturschutz-Offensive 2020</a> sollte dieses Ziel bereits bis 2020 erreicht werden. Ende 2020 lag der Flächenanteil von Wäldern, für die die natürliche Entwicklung dauerhaft gesichert ist, bei 3,1 %, womit das Ziel nicht erreicht werden konnte.</p> <p>Eine Möglichkeit die Naturnähe der Wälder zu ermitteln, ist der Vergleich der aktuellen Bestockung der Waldfläche mit der natürlichen Waldgesellschaft. Dies gibt Auskunft über die Naturnähe der Baumartenzusammensetzung und ermöglicht Aussagen zur ökologischen Stabilität des Waldes.</p> <p>Nach den Ergebnissen der <a href="https://www.bundeswaldinventur.de/dritte-bundeswaldinventur-2012/">dritten Bundeswaldinventur</a> 2011/2012 sind rund 36 % der Waldfläche als sehr naturnah (14,5 %) oder als naturnah (21,3 %) einzustufen (siehe Abb. „Naturnähe der Baumartenzusammensetzung“). Der Anteil naturnaher Waldflächen liegt dabei im Staatswald mit 40 % deutlich über dem Anteil der naturnahen Waldflächen im Privatwald (30,5 %).</p> <p>Besonderen Anteil an der sehr naturnahen oder naturnahen Bestockung haben ungleichaltrige Wälder und Bestände der höheren Altersklassen. Während Bestände mit einem Alter ab 120 Jahren zum überwiegenden Anteil eine naturnahe Bestockung aufweisen (zwischen 60 und 80 %), weisen junge und jüngere Bestände mit einem Alter unter 60 Jahren nicht einmal zu einem Drittel eine naturnahe Bestockung auf (zwischen 23 und 32 %) (siehe Abb. „Anteil sehr naturnaher und naturnaher Bestockung an der Waldfläche nach Altersklasse“). Es ist jedoch festzustellen, dass die jüngste Altersklasse den Trend eines Rückgangs der Naturnähe bei Abnahme des Alters durchbricht. Dies kann als ein Indiz für erste Erfolge beim Umbau der Wälder hin zu naturnahen Beständen gewertet werden. </p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/3_abb_naturnaehe_2018-11-01.png"> </a> <strong> Naturnähe der Baumartenzusammensetzung </strong> Quelle: BMEL <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/3_abb_naturnaehe_2018-11-01.png">Bild herunterladen</a> (88,54 kB) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_naturnaehe_2018-11-01.pdf">Diagramm als PDF</a> (25,07 kB) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_naturnaehe_2018-11-01.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten</a> (24,87 kB) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/4_abb_bestockung_2018-11-01.png"> </a> <strong> Anteil sehr naturnaher und naturnaher Bestockung an der Waldfläche nach Altersklasse </strong> Quelle: BMEL <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/4_abb_bestockung_2018-11-01.png">Bild herunterladen</a> (96,91 kB) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/4_abb_bestockung_2018-11-01.pdf">Diagramm als PDF</a> (32,68 kB) <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/4_abb_bestockung_2018-11-01.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten</a> (24,68 kB) Weiter <i> </i> Vorherige <i> </i> </p><p> Holznutzung nahe am Zuwachs <p>Mit dem <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/klimaschutz/klimaschutzgesetz-2021-1913672">Klimaschutzgesetz</a> hat die Bundesregierung 2021 konkrete Ziele zur Kohlenstoffspeicherung im Sektor <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/landnutzung">Landnutzung</a>, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/landnutzungsaenderung">Landnutzungsänderung</a> und Forstwirtschaft (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/lulucf">LULUCF</a>) festgelegt. Der Wald in Deutschland spielt hierfür eine herausragende Rolle. Gleichzeitig sieht die <a href="https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Wald/Waldstrategie2050.html">Waldstrategie 2050</a>, die <a href="https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/bioeokonomie-nachwachsende-rohstoffe/ueberblick-biooekonomie.html">Bioökonomiestrategie</a> sowie die <a href="https://www.charta-fuer-holz.de/">Charta für Holz 2.0</a> eine Steigerung der Holznutzung, vor allem im Baubereich, vor. Die Waldgesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes macht deutlich, dass bereits seit 2002 die Holzentnahme deutlich angestiegen ist und bereits ein Großteil des nutzbaren Zuwachses auch eingeschlagen wird.</p> <p>Wurden im Jahr 1993 mit rund 51 Millionen Kubikmetern (Mio. m³) nur rund 49 % des nutzbaren Zuwachses auch tatsächlich genutzt, stieg die Holzentnahme bis zum Jahr 2007 auf 113 Mio. m³ an, was 112 % des nutzbaren Holzzuwachses entspricht. Dies war auch der bisherige Höchststand der Holzentnahme, bevor sich der genutzte Zuwachs nach 2009 auf Werte zwischen 80 und 90 Mio. m³ einpendelte (was in etwa 80 % des nutzbaren Zuwachses entspricht). Im Jahr 2010 wurden größere Waldflächenanteile im Rahmen der Übergabe „Nationales Naturerbe“ an die Bundesländer, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder Naturschutzorganisationen übergeben und damit aus der Nutzung herausgenommen. Der Zuwachs dieser Flächen stand somit 2010 theoretisch zur Holzproduktion zur Verfügung, war aber aufgrund des in diesem Jahr vereinbarten Nutzungsverzichts real nicht mehr nutzbar. Hierdurch erklärt sich die große Diskrepanz zwischen Bruttozuwachs und nutzbarem Zuwachs und somit auch die Nutzung von rund 135 % des Zuwachses in diesem Jahr (siehe Abb. „Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses“).</p> <p>Mit dem Berichtsjahr 2014 erfolgte eine methodische Umstellung bei der Erfassung des Holzuwachses und seiner Nutzung von der „Waldgesamtrechnung“ auf die sogenannten „European Forest Accounts“. Hierdurch ist die bisherige Zeitreihe nicht mehr unmittelbar mit der Zeitreihe ab 2014 vergleichbar. Während die bisherige Zeitreihe den Bruttozuwachs darstellt, zeigt die Zeitreihe ab 2014 den Nettozuwachs. Der Nettozuwachs wird aus dem Bruttozuwachs abzüglich der Mortalität berechnet. Der Bruttozuwachs ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis der natürlichen Wachstumsprozesse und entspricht der biologischen Produktion. Der nutzbare Zuwachs ist der Teil des Bruttozuwachses (bzw. ab dem Berichtsjahr 2014 des Nettozuwachses) auf den für die Holzproduktion verfügbaren Flächen, der nach Abzug von nicht verwertbarem Holz, Mortalität und des Zuwachses auf ungenutzten Flächen verbleibt. Betrachtet man explizit den Nettozuwachs, dann ist noch deutlicher erkennbar, dass bereits nahezu der gesamte nutzbare Zuwachs in Deutschlands Wäldern auch genutzt wird. So wurden im Jahr 2015 rund 96 % des nutzbaren Nettozuwachses für die Holzproduktion verwendet. Bis zum Jahr 2017 sank er auf 88 % des Nettozuwachses, um 2018 deutlich auf 101 % und 2019 auf 109 % zu steigen. Im Jahr 2020 stieg die Nutzung des nutzbaren Zuwachses sogar auf 147 %, wobei hier zu berücksichtigen ist, dass unter anderem aufgrund Beschlüsse mehrerer Landesregierungen (z.B. Hessen und Sachsen) Waldflächen aus der forstlichen Nutzung genommen wurden, im Jahr 2020 insgesamt rund 63.000 Hektar (<a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/UGR/landwirtschaft-wald/Publikationen/Downloads/waldgesamtrechnung-tabellenband-pdf-5852102.pdf">Destatis 2022, Tabelle 1</a>). Dennoch lässt sich feststellen, dass seit dem Jahr 2018 mehr Holz genutzt als rechnerisch netto zugewachsen ist (siehe Abb. „Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses“). Dies kann zu großen Teilen auf die seit diesem Zeitpunkt gestiegene Zwangsnutzung wegen Sturm, Trockenheit und vermehrten Insektenbefall zurückgeführt werden (siehe Artikel „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/11220">Forstwirtschaft</a>“).</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/5_abb_anteil-nutzbarer-zuwachs_2022-11-15.png"> </a> <strong> Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses </strong> Quelle: Statistisches Bundesamt Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/5_abb_anteil-nutzbarer-zuwachs_2022-11-15.pdf">Diagramm als PDF (101,43 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/5_abb_anteil-nutzbarer-zuwachs_2022-11-15.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (35,22 kB)</a></li> </ul> </p><p> Zertifizierung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung <p>Die Zertifizierung ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Forstbetriebe, über die gesetzlichen Mindestanforderungen der Wald- und Naturschutzgesetze hinaus weitere Mindestnormen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich einzuhalten. Mit der Zertifizierung nach einem anspruchsvollen Zertifizierungssystem dokumentieren die Waldbesitzer ihre Bereitschaft, bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen Erfordernisse der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/nachhaltigkeit">Nachhaltigkeit</a> sowie des Natur- und Artenschutzes über den gesetzlich vorgegebenen Standard hinaus zu berücksichtigen.</p> <p>Daher hat auch die Bundesregierung in der <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/biologische-vielfalt-erhalten-1948168">Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt </a>das Ziel festgelegt, dass 80 % der Waldfläche bis 2010 nach hochwertigen ökologischen Standards zertifiziert sein sollen (siehe Abb. „Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfläche“). Dieses Ziel wurde 2010 jedoch verfehlt, mittlerweile aber erreicht. In der aktuellen Koalitionsvereinbarung hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Wälder im Bundesbesitz mittelfristig mindestens nach FSC- oder Naturland-Standards zu bewirtschaften.</p> <p>In Deutschland sind derzeit drei forstliche Zertifizierungssysteme etabliert: Das <a href="https://pefc.de/">Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes</a> (PEFC) ist mit einer Fläche von aktuell rund 8,77 Millionen Hektar (Mio. ha) das System mit der größten zertifizierten Fläche (PEFC-Website 2024). Der deutliche Anstieg der nach PEFC zertifizierten Fläche im Jahr 2021 kann u.a. auf die Bindung der Waldprämie an eine Zertifizierung zurückgeführt werden (<a href="https://www.bundeswaldpraemie.de/service/presse/presse/umsetzung-der-bundeswaldpraemie">FNR 2021</a>).</p> <p>Nach dem System des <a href="https://www.fsc-deutschland.de/">Forest Stewardship Council</a> (FSC) sind aktuell rund 1,61 Mio. ha zertifiziert (FSC International-Website 2024). Nach den Kriterien zur ökologischen Waldnutzung von Naturland sind derzeit 53.000 ha zertifiziert (<a href="https://www.naturland.de/de/naturland/wofuer-wir-stehen/oeko-wald.html">Naturland-Website 2022</a>). Diese sind zugleich auch FSC-zertifiziert.</p> <p>Der Anteil der nach PEFC und FSC zertifizierten Waldfläche an der Gesamtwaldfläche wird als <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/indikator">Indikator</a> der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verwendet. Es ist dabei zu beachten, dass Waldflächen sowohl nach PEFC als auch nach FSC zertifiziert sein können und das Ausmaß der Überschneidung nicht ermittelbar ist. Ferner sind die nach Naturland zertifizierten Flächen in den Zahlen des FSC enthalten.</p> <p>Ein Diagramm zeigt den Anteil der nach Nachhaltigkeits-Standards PEFC und FSC zertifizierten Waldfläche von 2000 bis 2024. PEFC lag 2024 bei 79,3 Prozent, FSC bei 10,9 Prozent. Das Diagramm zeigt auch das Ziel für das Jahr 2010.</p> <strong> Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfläche </strong> <p>* Betrachtet wird die Holzbodenfläche, also die dauerhaft zur Holzerzeugung bestimmte Fläche</p> <p>** teilweise revidiert<br>*** Das Ziel lässt sich nicht direkt auf die beiden Teil-Indikatoren beziehen, denn es bezieht sich auf die nach hochwertigen ökologischen Standards zertifizierte Fläche: Flächen können sowohl nach PEFC wie nach FSC zertifiziert sein. Der Umfang der Doppelzertifizierungen ist nicht bekannt. Deshalb wird bei diesem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/indikator">Indikator</a> die Bewertung der Ziel-Erreichung ausgesetzt.</p> Quelle: <p>Quelle zertifizierte Flächen: Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) und Forest Stewardship Council (FSC); Quelle Gesamt-Waldfläche: Holzboden-Fläche - bis 2002 nach BWI 2, zwischen 2002 und 2012 lineare Interpolation zwischen Werten nach BWI 2 und 3, zwischen 2012 und 2022 lineare Interpolation zwischen Werten nach BWI 3 und 4, ab 2022 BWI 4</p> Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/de_indikator_agri-04_nachhaltige-forstwirt_2025-06-04.pdf">Diagramm als PDF (171,52 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/de-en_indikator_agri-04_nachhaltige-forstwirt_2025-06-04.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (45,22 kB)</a></li> </ul> </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Wirtschaften auf der Grundlage von nachwachsenden Rohstoffen – das ist der Grundgedanke der Bioökonomie. Mit der Nationalen Bioökonomiestrategie hat die Bundesregierung festgelegt, dass der Ausbau der Bioökonomie innerhalb der planetaren Grenzen erfolgen muss. Doch wie lässt sich diese Wirtschaftsweise so nachhaltig gestalten, dass die biologische Vielfalt keinen Schaden nimmt? Damit hat sich die dreiteilige Tagungsreihe „Bioökonomie im Lichte der Nachhaltigkeit” auseinandergesetzt. Die Reihe wurde von der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) initiiert und von denkhausbremen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) durchgeführt.
Die Europäische Kommission forderte Polen auf, vom Holzeinschlag in großem Stil in den Wäldern von Białowieża, einem der letzten Urwaldgebiete in Europa, das als Teil des Natura-2000-Netzes geschützt ist, Abstand zu nehmen. Am 25. März 2016 beschlossen die polnischen Behörden eine Änderung des Forstwirtschaftsplans für die Wälder von Białowieża. Die Entscheidung ermöglicht eine Verdreifachung des Holzeinschlags sowie aktive Forstbewirtschaftungsmaßnahmen in Gebieten, in denen bisher jeder Eingriff ausgeschlossen war. Die polnischen Behörden begründen die Erhöhung des Holzeinschlags mit der Notwendigkeit, den Borkenkäferbefall zu bekämpfen und die Sicherheit der Allgemeinheit zu gewährleisten, die vorliegenden Daten zeigen jedoch, dass diese Maßnahmen nicht mit den Naturschutzzielen für das Gebiet vereinbar sind und über das hinausgehen, was für die sichere Nutzung des Waldes notwendig ist. Der Holzeinschlag dürfte die Bewahrung der natürlichen Lebensräume und der Arten des Natura-2000-Gebiets beeinträchtigen und zu einer irreparablen Schädigung der biologischen Vielfalt führen. Im Juni 2016 übermittelte die Kommission den polnischen Behörden ein Aufforderungsschreiben, in dem sie diese aufforderte, die Erfüllung der Erhaltungs- und Schutzanforderungen der EU-Vorschriften zum Vogelschutz (Richtlinie 2009/147/EG) und zum Schutz natürlicher Lebensräume (Richtlinie 92/43/EWG des Rates) in diesem Gebiet zu gewährleisten. Weil mit dem Holzeinschlag bereits begonnen worden ist und unter anderem hundertjährige und noch ältere Bäume gefällt und Maßnahmen in den natürlichen Lebensräumen durchgeführt wurden, die gemäß den Natura-2000-Bewirtschaftungsplänen streng geschützt werden sollten, übermittelt die Kommission jetzt eine letzte Mahnung. Da eine gravierende irreparable Schädigung des Gebietes droht, hat die Kommission die polnischen Behörden aufgefordert, binnen eines Monats, anstatt wie üblich innerhalb einer Zweimonatsfrist, zu antworten. Falls Polen diesen Verstoß gegen EU-Recht nicht innerhalb der gesetzten Frist abstellt, kann beim Gerichtshof der Europäischen Union Klage erhoben werden.
Buchstaben-Schmuckschildkröte – Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014 Seite 1 Buchstaben-Schmuckschildkröte Management- und Maßnahmenblatt 1 Metainformationen 1.1 Dokument Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014 1.2 Rechtlicher Bezug • Verordnung (EU) Nr. 1143/2014, hier „VO“ genannt • Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141, hier „Unionsliste“ genannt 1.3 Version Nach Öffentlichkeitsbeteiligung, Stand: Februar 2018 1.4 Ziele dieses Dokumentes • Das vorliegende Dokument beschreibt die Managementmaßnahmen nach Art. 19 der VO. 2 Artinformationen 2.1 Betroffene Art/ Artengruppe Buchstaben-Schmuckschildkröte (Synonyme: Nordamerikanische Schmuckschildkröte, Pseudemys scripta, Chrysemys scripta) mit aktuell drei anerkannten Unterarten - Rotwangen - SSK T. s. elegans - Gelbwangen/Gelbbauch - SSK T. s. scripta - Cumberland - SSK T. s. trostii 2.2 Wissenschaftlicher Name Trachemys scripta (Schoepff, 1792) 2.3 Status, Verbreitung und Datenlage Status in Deutschland: In allen Bundesländern insbesondere im Umfeld von Ballungsräumen unbeständige Vorkommen, verstreute Nachweise, in westlichen Bundesländern weit verbreitet (Laufer 2007). Nach Kordges et al. (1989) nimmt die Rotwangen- Schmuckschildkröte Platz 2 in der Präsenz der Reptilien in den Rhein-Ruhr-Ballungsräumen ein. Status und Verbreitung im Bundesland: siehe länderspezifische Anlage Datenlage: Unsicher, da eine genaue Artdifferenzierung häufig nicht vorliegt, systematische Erfassungen nur in Ausnahmefällen stattgefunden haben und insbesondere keine belastbaren Daten zur Überlebensdauer im Freiland vorliegen. 2.4 Wesentliche Ausbringungs- und Ausbreitungspfade • Einfuhrvektor: Tierhandel. • Ausbringungsvektor: Aussetzen und Entkommen • Ausbreitungsvektor: Wanderung 3 Nachteilige Auswirkungen • Nahrungs- und Raumkonkurrenz (insbesondere um Sonnenplätze) mit Europäischer Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). • Starke Prädation auf Amphibienlarven, Insekten und Wildpflanzen (Scheibner et al. 2015). • Gefahr der Übertragung von Krankheiten auf geschützte Wirbeltiere (Herpes, Rana- Virus-, X-Virus) (Drescher et al. 2005). Buchstaben-Schmuckschildkröte – Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014 Seite 2 4 Maßnahmen 4.1 Ziele des Managements: • Verhinderung der Ausbringung weiterer Exemplare der Trachemys scripta in die freie Landschaft. • In besonderen Ausnahmefällen Beseitigung bzw. Populationskontrolle von bereits im Freiland lebenden Tieren. • Verbesserung der Datenlage über Vorkommen, mögliche Vermehrung, Überlebensfähigkeit im Freiland und Biodiversitätsschäden. 4.2 Managementmaßnahmen M 1: Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit zu den negativen Folgen von Freisetzungen für den Naturhaushalt Beschreibung: Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit mit der Zielstellung zu verdeutlichen, dass Freisetzungen a) illegal sind, b) die Biodiversität beeinträchtigen können. Die Halter sind darauf hinzuweisen, dass Exemplare der Trachemys scripta bei fehlender Sorgfalt leicht aus Freigehegen entkommen können. Es ist zu vermitteln, dass nur eine nichtkommerzielle Abgabe von Tieren an andere Halter bzw., wenn vorhanden, Auffangstationen und Zoos, die diese Funktion für die Art übernehmen, zulässig ist. Zielgruppen der Information über ein legales Verhalten bei erforderlicher Abgabe und beim Auffinden von Wasserschildkröten sind Behördenvertreter aus Ordnungsämtern und Naturschutzverwaltungen, Schildkrötenhalter, Zoohändler, Fischer, Meliorationsbaubetriebe, zoologische Einrichtungen und Auffangstationen. Weiterhin ist über Möglichkeiten der Mitwirkungen an der Umweltbeobachtung zur Verbreitung von Wasserschildkröten zu informieren, um die Informationslage zur Verbreitung zu verbessern. Aufwand und Wirksamkeit: Kostengünstig, kann zielgerichtet im Komplex mit Zucht- und Einfuhrverboten die Individuendichte in der freien Landschaft verringern. Wirkung auf Nichtzielarten: Keine negativen Auswirkungen auf Nichtzielarten. Erfolgskontrolle: Erfassung der Anzahl der in menschliche Obhut geratenen Exemplare und Trendbewertung der zahlenmäßigen Entwicklung in abgrenzbaren Territorien. M 2: Zulassung der Weitergabe von in menschlicher Obhut befindlichen Tieren Beschreibung: Zulassung der nichtkommerziellen Weitergabe, einschließlich Transport, von Trachemys scripta Exemplaren aus Auffangstationen und von Fundtieren an private Halter und von privaten Haltern an private Halter und Auffangstationen und Zoos, die diese Funktion für die Art übernehmen (bei Verzicht auf Nachzucht und Sicherstellung einer ausbruchssicheren Haltung). Auf Kastration sollte verzichtet werden, weil eine erfolgreiche Vermehrung (bis auf äußerst seltene Ausnahmefälle) aktives menschliches Handeln (z.B. Ausbrüten der Eier im Inkubator) erfordert, das dem Zuchtverbot des Artikel 7 c) der VO 1143/204 unterliegt. Die Kastration ist auch mit Risiken für die Tiergesundheit verbunden. Information über Legalität von Tierhaltungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit (siehe M1). Aufwand und Wirksamkeit: Der Aufwand ist gering, er betrifft insbesondere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Die Maßnahme kann einen Beitrag zur Verhinderung illegaler Aussetzungen leisten. Sie vermindert Kosten bei Einrichtung und Betrieb von Auffangstationen, da diese Tiere nur temporär aufnehmen müssen. Wirkung auf Nichtzielarten: keine negativen Auswirkungen auf Nichtzielarten. Erfolgskontrolle: Wie bei M1 Buchstaben-Schmuckschildkröte – Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014 Seite 3 M 3: Entnahme von Exemplaren der Trachemys scripta aus Freiland-Habitaten Beschreibung: Beseitigung von Exemplaren der Trachemys scripta aus Habitaten streng geschützter Zielarten des Naturschutzes, z.B. von autochthonen Beständen der Europäischen Sumpfschildkröten oder aus Lebensräumen von bestandsbedrohten Amphibien- oder Libellenarten durch Lebendfang mit Trichterreusen (ggf. beködert) oder Kescher. Bei kleineren Gewässern wäre auch ein Ablassen möglich. Aufwand und Wirksamkeit: Der personelle Aufwand für Ausbringung und Kontrolle der Fallen ist wegen der meist vorliegenden Unwegsamkeit der Habitate erheblich. Im Jahre 2001 waren in MV für Verbreitungskartierungen für Emys orbicularis Kosten in Höhe von ca. 1000 € je Habitat aufzubringen. Der Aufwand für eine vollständige Beseitigung aller Exemplare aus einem Lebensraum kann deutlich höher sein. Der Kescherfang in kleineren Habitaten geschützter Amphibien oder Insekten kann deutlich kostengünstiger realisiert werden. Die Methode ist bedingt zielführend. Nach (Kordges 1990) ist ein konsequentes Entfernen (Fang) der Tiere in den meisten Gewässern kaum bzw. nur unter nicht vertretbarem Aufwand möglich oder würde Methoden erfordern (Abschuss), die gerade im Siedlungsraum nicht realisierbar sind. Diese Methode (Abschuss) verbietet sich auch aus tierschutzrechtlicher Sicht und kann zusätzlich zu Kollateralschäden bei Nichtzielarten führen. Der Aufwand für eine konsequente Entfernung aller Tiere aus einem Gewässer erscheint nur im Ausnahmefall gerechtfertigt, z.B. dann wenn eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Trachemys scripta in den Habitaten von Populationen autochthoner Zielarten des Naturschutzes (z.B. Europäische Sumpfschildkröte) vorkommt oder gleichzeitig allochthone Sumpfschildkröten entnommen werden sollen. Wirkung auf Nichtzielarten: Gering, gefangene Exemplare von Nichtzielarten können freigesetzt werden. Erfolgskontrolle: Gezielte Überprüfung durch Beobachtungen 5 Sonstiges 5.1 Besondere Bemerkungen: • Die Ziele der FFH-Richtlinie (RL 92/43/EWG), der Vogelschutzrichtlinie (RL 2009/147/EG) sowie der Wasserrahmenrichtlinie (RL 2000/60/EG) sind zu berücksichtigten. Weiterhin sind bei der Durchführung der Maßnahmen ggf. die Vorgaben des Jagd- bzw. Fischereirechts zu beachten. • Das Tierschutzrecht ist ebenfalls zu beachten. Nach Artikel 19 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 ist sicherzustellen, dass wenn die Maßnahmen gegen Tiere gerichtet sind, ihnen vermeidbare Schmerzen, Qualen oder Leiden erspart bleiben, ohne dass dadurch die Wirksamkeit der Managementmaßnahmen beeinträchtigt wird. Die Arten können nach (Kordges 1990) im Freiland überleben/überwintern. Die Klärung der Frage, ob erhöhte überwinterungsbedingte Mortalitätsraten auftreten und welche durchschnittlichen Überlebenszeiten unter Freilandbedingungen zu erwarten sind, erfordert aber noch systematische Untersuchungen mit Individualmarkierungen. Der Schlüsselfaktor für hohe Überlebensraten ist zweifellos das Angebot an störungsarmen Sonnenplätzen direkt am bzw. über dem Gewässer (Kordges & Schlüpmann 2011). Erfolgreiche Vermehrung im Freiland ist in Deutschland nur bei ausgesprochen günstigen Bedingungen im Einzelfall möglich. Es liegen nur vereinzelte Nachweise vor, so der Nachweis zweier Jungtiere mit Eizahn im September 1999 in einem Baggersee bei Altrip im
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