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Ufersicherung Padingbüttel, Gemeinde Wurster Nordseeküste, Landkreis Cuxhaven

Der Deichverband (DV) Land Wursten hat die Planfeststellung für die Ufersicherung Padingbüttel gemäß §12 des Niedersächsischen Deichgesetzes (NDG) i. V. m. §§ 68 ff Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie den §§ 72 bis 78 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) beantragt. Zuständige Behörde für die Durchführung dieses Planfeststellungsverfahrens ist der Nieder-sächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Direktion, Standort Lüneburg, Adolph-Kolping-Straße 6, 21337 Lüneburg. Bei der Maßnahme handelt es sich um die Sicherung des letzten gänzlich ungeschützten Vorlandabschnitts entlang der Wurster Küste im Verbandsgebiet des DV Land Wursten. Die Maßnahme betrifft einen ca. 500 m breiten, unbefestigten Küstenstreifen zwischen General-plan-Kilometer 461,8 und 462,3 (nach Kilometrierung des DV Land Wursten: km 14+550 bis 15+050), südlich der Ortschaft Dorum-Neufeld. In diesem Abschnitt wurde die voranschreitende Erosion während der regelmäßig stattfindenden Deichschauen wiederholt festgestellt und im Deichschauprotokoll dokumentiert. Aufgrund der fortschreitenden Abbrüche und der gegebenen Vorlandstruktur (alte Kleientnahmeflächen) hat die unmittelbare Sicherung der Vorlandkante zur Gewährleistung der Deichsicherheit oberste Priorität. Dementsprechend ist die Planung und Umsetzung des Neubaus einer effektiven und dauerhaften Ufersicherung (Deckwerk) erforderlich, die gleichzeitig den wertvollen ökologischen Zustand des Vorlandes im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ nicht verändert. Das Gesamtvorhaben besteht aus den nachfolgend genannten Bestandteilen: Deckwerk auf der Vorlandkante, Fußsicherung der Deckwerksböschung, Bauzeitlicher Kajedeich (Sturmflutsicherung auf ganzer Trasse), Rückwerk, Deckwerkanschlussbereiche Nord und Süd, Verwallung auf dem Deckwerk mit Speigatten, Anlagen im Deckwerk zur Beibehaltung der Be- und Entwässerung des Salzwiesenvorlandes, Schwellen (Abschnitte Süd und Nord) mit Gabionenlahnungen, Durchlassbauwerk (Abschnitt Mitte), Anpassungen der Geländeoberfläche des Vorlandes an das Deckwerk, Anpassungen des Grabennetzes an das geänderte Entwässerungssystem im Vorland, „Mittlere Rinne“, Binnenseitige Abdämmung der Baugrube für das Durchlassbauwerk und Wasserhaltung, Zuwegung und Transportwege im Deichvorland, Lagerflächen für Bodenaushub und Baumaterialien, Verkehrswege ins Watt, Maßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung von Beeinträchtigungen von Vegetation und Fauna, Erforderliche Kompensation- und Kohärenzmaßnahmen. Das Vorhaben wirkt sich im Bereich der Gemeinde Wurster Nordseeküste aus. Zusätzlich wirkt es sich im Bereich der Stadt Cuxhaven im Stadtteil Berensch-Arensch im Ortsteil Arensch im Zusammenhang mit einer naturschutzrechtlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme aus. Nähere Einzelheiten zu dem beantragten Vorhaben sind den untenstehenden Planunterlagen zu entnehmen. Die Antragsunterlagen lagen in der Zeit vom 18.02.2025 bis 17.03.2025 (jeweils einschließ-lich) bei der Gemeinde Wurster Nordseeküste zur Einsichtnahme aus. Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, konnte sich bis einschließlich 17.04.2025 zu der Planung äußern. Des Weiteren wurden die durch das Vorhaben in ihrem Aufgabenbereich berührten Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange sowie die in Niedersachsen anerkannten Naturschutzvereinigungen gesondert beteiligt. Die eingegangenen Stellungnahmen und Einwendungen wurden sodann in Vorbereitung auf den noch anzuberaumenden Erörterungstermin bzw. der noch durchzuführenden Onlinekonsultation ausgewertet. Aufgrund § 73 Abs. 6 i. V. m. § 27c VwVfG wurde eine Onlinekonsultation durchgeführt, die den Erörterungstermin ersetzt hat. Die Beteiligung im Rahmen der Onlinekonsultation wurde im Zeitraum vom 22.10.2025 bis 11.11.2025 nach ortsüblicher Bekanntmachung durchgeführt. Mit dem Eingang der Erwiderungen des Antragstellers zu den eingegangenen Stellungnahmen am 08.12.2025 wurde die Onlinekonsultation abgeschlossen. Am 08.06.2026 wurde dann der Planfeststellungsbeschluss erstellt, in dem die Erkenntnisse aus dem Anhörungs- und Beteiligungsverfahren sowie der Onlinekonsultation eingeflossen sind. Der verfügende Teil des Planfeststellungsbeschlusses und die Rechtsbehelfsbelehrung wer-den gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) i. V. m. § 74 Abs. 5 Satz 2 VwVfG als Anlage öffentlich bekannt gemacht. Zudem wird die Auslegung und Veröffentlichung des Planfeststellungsbeschlusses im Internet ortsüblich bekannt gemacht. Dies erfolgt mit einer gemeinsamen ortsüblichen und öffentlichen Bekanntmachung der Gemeinde Wurster Nordseeküste, der Stadt Cuxhaven sowie dem NLWKN. Der Text dieser Bekanntmachung sowie der Antrag, der Planfeststellungsbeschluss mit Rechtsbehelfsbelehrung und die planfestgestellten Unterlagen können im Zeitraum vom 30.06.2026 bis 13.07.2026 gem. § 27b Abs. 1 Satz 1 Nummer 1 VwVfG im Internet hier im UVP-Verbund der Länder eingesehen werden. Die entsprechenden Unterlagen finden Sie nachstehend. Außerdem wird diese Bekanntmachung und der Planfeststellungsbeschluss zeitgleich auf der Internetseite des NLWKN unter https://www.nlwkn.niedersachsen.de und dort über den Pfad „Wasserwirtschaft > Zulassungsverfahren > Hochwasserschutz > Ufersicherung Padingbüttel“ veröffentlicht. Von dort sind auch die festgestellten Planunterlagen über einen Link zu diesem UVP-Verbund der Länder einsehbar. Außerdem kann nach § 27a VwVfG der Inhalt dieser Bekanntmachung zeitgleich auf der Internetseite der Gemeinde Wurster Nordseeküste unter www.gwnk.de sowie der Stadt Cuxhaven unter www.cuxhaven.de eingesehen werden. Jeweils eine Papierausfertigung des vollständigen Planfeststellungsbeschlusses einschließlich Begründung und Rechtsbehelfsbelehrung sowie der planfestgestellten Unterlagen liegt gem. § 74 Abs. 4 S. 2 i. V. m. § 27b Abs. 1 Satz 1 Nummer 2 VwVfG ebenfalls in der Zeit vom 30.06.2026 bis zum 13.07.2026 (jeweils einschließlich) bei der Gemeinde Wurster Nordseeküste zur Einsichtnahme aus.

Geologische Übersichtskarte der Bundesrepublik Deutschland 1:200.000 (GÜK200) - CC 2310 Helgoland

Blatt Helgoland erfasst zum großen Teil den rezenten Meeresboden der Nordsee, wobei Helgoland und Helgoländer Bucht im zentralen Teil des Kartenausschnitts liegen. Nach Süden sind das Niedersächsische Wattenmeer und die Küste Ostfrieslands mit den Inseln Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge und Mellum abgebildet. Im Südosten werden die Buchten des Jadebusens und der Wesermündung sowie die Küstenregion zwischen Bremerhaven und Cuxhaven erfasst, während sich im Nordosten das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer erstreckt. Bei der quartären Sedimentdecke, die das Kartenblatt überzieht, nimmt das Holozän eine Vormachtstellung ein. Verschiedene Faziesbereiche werden dabei unterschieden: rezenter Meeresboden, Insel- und Strandbereich mit marinen, litoralen oder äolischen Feinsanden, Watt- und Marschgebiete mit marin-brackischen Ablagerungen, terrestrische Nieder- und Hochmoore. Pleistozäne Sedimente sind im Kartenausschnitt nur geringfügig verbreitet, dennoch sind Relikte aller drei Eiszeiten zu finden: glazilimnische Tone der Elsterkaltzeit, glazifluviatile Ablagerungen und Geschiebelehm/-mergel (Grundmoräne) der Saalekaltzeit, fluviatile und äolische Sande der Weichselkaltzeit. Neben der Legende, die über Alter, Petrographie und Genese der dargestellten Einheiten informiert, gewährt ein geologischer Schnitt entlang der ostfriesischen Nordseeküste zusätzliche Einblicke in den Aufbau des Untergrundes. Im dem West-Ost-Profil sind mehrere Salzstrukturen (Salzstöcke von Westdorf, Barkholt, Eversand und Spieka) angeschnitten, die unter einer mächtigen Deckschicht aus quartären und tertiären Sedimenten (bis 1000 m Tiefe) lagern.

Nachhaltige Erzeugung und Verwertung von Rohrkolben auf Niedermoorstandorten in Niedersachsen, Teilvorhaben 12: Wissenschaftliche Begleituntersuchungen auf den Anbauflächen: Erfassung von Treibhausgasaustausch und Wasserhaushalt

Ziel des Vorhabens ist die Transformation der Bewirtschaftung von entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Niedermoorböden hin zu einer klimaschonenden, moorbodenkonservierenden Nassbewirtschaftung durch den Anbau von Rohrkolben. Hierzu soll in zwei Modellregionen mit unterschiedlicher landwirtschaftlicher Struktur (Emsland und Cuxhaven) die großflächige, qualitätsoptimierte Erzeugung von Rohrkolben (Typha angustifolia und Typha latifolia) und die Verwertung der Biomasse als Baustoff und als Gartenbausubstrat (Torfersatz) entwickelt, demonstriert und für die Vermarktung vorbereitet werden. Das Teilvorhaben des Thünen-Instituts befasst sich mit dem Treibhausgasaustausch und dem Wasserhaushalt der Paludikulturen sowie intensiv landwirtschaftlich genutzter Referenzstandorte. Dabei kommt für die Messung des Austauschs von Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) der Paludikulturen die Eddy-Kovarianz-Methode zum Einsatz, während an den Referenzstandorten CO2 mittels Eddy-Kovarianz und CH4 sowie Lachgas manuell mit Hauben gemessen werden. Daneben werden Steuerfaktoren wie Wasserstände und Nährstoffgehalte des Torfs sowie Änderungen der Geländehöhen erfasst. Insbesondere die erstmalige Messung von CH4-Emissionen mit der Eddy-Kovarianz-Methode werden zum Verständnis des vieldiskutierten, aber bisher wenig untersuchten Emissionsverhaltens von Typha-Paludikulturen beitragen und die Quantifizierung der Emissionsminderung durch diese Paludikulturen ermöglichen. Die Erfassung der Wasserhaushaltsgrößen erfolgt über die Messung oberirdischer Komponenten sowie eine Modellierung des Grundwasserzustroms. Die entsprechenden Ergebnisse werden Erkenntnisse zum Wasserbedarf von Typha-Paludikulturen liefern sowie zur Berechnung von Ein- und Austrägen gelöster Stoffe (Nährstoffe, gelöster organischer Kohlenstoff) genutzt werden.

Nachhaltige Erzeugung und Verwertung von Rohrkolben auf Niedermoorstandorten in Niedersachsen, Teilvorhaben 6: Verwertung und Vermarktung, Modell- und Demonstrationsobjekte, Weiterbildung

Ziel des Vorhabens ist die Transformation der Bewirtschaftung von entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Niedermoorböden hin zu einer klimaschonenden, moorbodenkonservierenden Nassbewirtschaftung durch den Anbau von Rohrkolben. Hierzu soll in zwei Modellregionen mit unterschiedlicher landwirtschaftlicher Struktur (Emsland/ Cuxhaven) die großflächige, qualitätsoptimierte Erzeugung von Rohrkolben (T. angustifolia/T. latifolia) und die Verwertung der Biomasse als Baustoff und als Gartenbausubstrat (Torfersatz) entwickelt, demonstriert und für die Vermarktung vorbereitet werden. Schwerpunkt der Tätigkeiten am Institut für Materialprüfung der Jade Hochschule liegt in der Koordination der Arbeitsgruppen mit baustofflichem Hintergrund. Zudem werden Laboruntersuchungen und Planungs- und messtechnische Erfassungen von bauphysikalischen Daten an drei Demonstrationsobjekten erfasst und bewertet. Mit den Partnern werden die Daten ausgewertet und für eine Zulassung als Bauprodukt bewertet und ggf. ergänzt.

Hubschrauber-Elektromagnetik (HEM) Gebiet 081 Cuxhaven

Die BGR führte im Projekt „Pilotstudie zu einer detaillierten aerogeophysikalischen Landesaufnahme“ (DAGLA) eine flächenhafte Befliegung im Raum Cuxhaven durch. Das Messgebiet Cuxhaven (2000) wird in etwa durch die Stadt Cuxhaven im Norden, die Ortschaften Dorum und Neuenwalde im Süden und Altenbruch im Osten sowie die Nordsee im Westen begrenzt. Die Gebietsgröße beträgt etwa 530 km² und 18 Messflüge mit einer Gesamtprofillänge von 2427 km (615.403 Messpunkte) wurden zur Abdeckung des gesamten Messgebiets benötigt. Der Sollabstand der 101 OSO-WNW-Messprofile beträgt 250/2250 m (Land/Watt), der Sollabstand der 32 NNO-SSW-Kontrollprofile beträgt 1000/500 m (Land/Watt). Die Karten stellen die aus HEM-Daten zu fünf Messfrequenzen (0,4 - 190 kHz) abgeleiteten geophysikalischen Parameter scheinbarer spezifischer Widerstand und Schwerpunktstiefe dar. Ferner sind aus den berechneten Schichtmodellen (spezifische Widerstände und Mächtigkeiten für sechs Schichten) Horizontalschnitte und Vertikalschnitte erstellt worden.

50 Jahre Januar-Sturmflut 1976: Ein Interview mit den Küstenschutzexperten Anne Rickmeyer und Peter Schley (NLWKN)

Norden . Sie führte zu den bisher höchsten gemessenen Sturmflutwasserständen an nahezu allen Pegeln der deutschen Nordseeküste: Die schwere Sturmflut vom 03. Januar 1976 war gewaltiger als die Flutkatastrophe von 1962, ist heute aber deutlich weniger im Bewusstsein der Menschen an der Küste verankert. Ein Grund: die nach den verheerenden Folgen der 62er Sturmflut ergriffenen Maßnahmen zeigten vielerorts Wirkung. Was hatte sich in nur 14 Jahren verändert – und mit welchen Herausforderungen sehen sich Küstenschützer heute, genau fünfzig Jahre später, konfrontiert? Ein Gespräch mit der Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Anne Rickmeyer und NLWKN-Küstenschutzexperte Peter Schley. Sie führte zu den bisher höchsten gemessenen Sturmflutwasserständen an nahezu allen Pegeln der deutschen Nordseeküste: Die schwere Sturmflut vom 03. Januar 1976 war gewaltiger als die Flutkatastrophe von 1962, ist heute aber deutlich weniger im Bewusstsein der Menschen an der Küste verankert. Ein Grund: die nach den verheerenden Folgen der 62er Sturmflut ergriffenen Maßnahmen zeigten vielerorts Wirkung. Was hatte sich in nur 14 Jahren verändert – und mit welchen Herausforderungen sehen sich Küstenschützer heute, genau fünfzig Jahre später, konfrontiert? Ein Gespräch mit der Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Anne Rickmeyer und NLWKN-Küstenschutzexperte Peter Schley. Frau Rickmeyer, bei der bisher schwersten Sturmflut an der deutschen Nordseeküste wurden am Nachmittag des 03. Januar 1976 etwa in Cuxhaven Wasserstände erreicht, die noch einmal fast 50 Zentimeter höher lagen, als im schicksalhaften Frühjahr 1962. Dennoch blieben weitreichende Überflutungen bewohnter Flächen aus – Menschen kamen nicht ums Leben. Was lief damals anders, als nur ein Jahrzehnt zuvor? Frau Rickmeyer, bei der bisher schwersten Sturmflut an der deutschen Nordseeküste wurden am Nachmittag des 03. Januar 1976 etwa in Cuxhaven Wasserstände erreicht, die noch einmal fast 50 Zentimeter höher lagen, als im schicksalhaften Frühjahr 1962. Dennoch blieben weitreichende Überflutungen bewohnter Flächen aus – Menschen kamen nicht ums Leben. Was lief damals anders, als nur ein Jahrzehnt zuvor? Anne Rickmeyer: Zunächst muss betont werden, dass die Sturmflut von 1976 keinesfalls spurlos an der niedersächsischen Küste vorüberging: Insbesondere im Bereich der zu diesem Zeitpunkt noch nicht hinreichend erhöhten Deiche im Raum Kehdingen richtete sie in Folge mehrerer Deichbrüche und Überspülungen sogar erhebliche Schäden an. Aber es stimmt, dass sich diese mit einigen Ausnahmen – das Zentrum von Freiburg an der Unterelbe etwa wurde vollständig überschwemmt – vor allem auf landwirtschaftlich genutzte, weniger dicht bewohnte Flächen auswirkten. Die Folgen waren also durchaus erheblich, aber die große menschliche Katastrophe blieb in der Tat aus. Dieser Umstand ist vor allem den Lehren zu verdanken, die man aus den schweren Sturmfluten 1962 mit über 300 Toten und rund 60 Deichbrüchen sowie 1953 mit über 2.000 Opfern gezogen hatte. Auch wenn 1976 noch längst nicht alles umgesetzt war, was man sich nach 1962 vorgenommen hatte, weil Maßnahmen des Küstenschutzes zwangsläufig Mammutprojekte mit erheblichem Aufwand sind: Die Küste war unterm Strich besser vorbereitet, weil nicht zuletzt Deiche vielerorts verstärkt und in Höhe und Geometrie angepasst worden waren. Mit welchen konkreten Strategien waren die Küstenschützer den in den Jahrzehnten zuvor gemachten bitteren Erfahrungen begegnet? Mit welchen konkreten Strategien waren die Küstenschützer den in den Jahrzehnten zuvor gemachten bitteren Erfahrungen begegnet? Peter Schley: Im Nachgang insbesondere zur Sturmflut 1962 mit den verheerenden Folgen zum Beispiel im Hamburger Raum war eine sehr gründliche Analyse der Schäden, Schadensmechanismen und Defizite durch eine eigens hierfür eingesetzte Kommission vorgenommen worden. Eine wesentliche Konsequenz war die Optimierung des Deichprofils: Heute bietet dieses durch flachere Böschungen und dickere Kleischichten mehr Sicherheit gegen Sturmflutschäden durch Welleneinwirkung. Diese Kurskorrekturen sind in den 60er und 70er Jahren eingeleitet worden und haben 1976 bereits teilweise Wirkung gezeigt. Durchgehende Wege für die Deichverteidigung im Sturmflutfall sorgen zudem für deutlich bessere Rahmenbedingungen für ein Erreichen der Schadensstellen, was etwa 1962 ein großes Problem war. Vor allem aber erfolgte auch eine konsequentere Realisierung dieser Planungsparameter, was wegen Geldnot und widerstrebenden Interessen zuvor oft nicht gelungen war. Man hatte zudem mit dem Bau von zahlreichen Sperrwerken an den Nebenflüssen von Weser und Elbe begonnen, wo sich vorherige Fluten besonders verheerend ausgewirkt hatten. Die Sperrwerke Abbenfleth, Lühe und Freiburg etwa waren dabei 1976 bereits betriebsfähig. Andere Sperrwerke dagegen wie an der Ochtum oder das Sperrwerk Ruthenstrom wurden erst Ende der 70er in Betrieb genommen. Ein weiterer wichtiger Baustein war eine bessere, intensivere und pflichtbewusstere Pflege und Unterhaltung der Deiche: Wo früher schon mal grasende Rinder, Pferde, Gänse und Hühner anzutreffen waren, erfolgt heute vor allem eine Pflege der Grasnarbe durch Schafe. Außerdem war man sensibler geworden, wenn es um eine bessere Überwachung durch regelmäßige Deichschauen und einen konsequenteren Schutz der Deiche gegen Beschädigung und Schwächung geht. Schließlich wurden auch strategische Stellschrauben gedreht: Generalpläne für den Küstenschutz und umfassende Finanzierungsprogramme wurden aufgestellt und das niedersächsische Deichgesetz – ein in Deutschland bis heute einmaliges Gesetzeswerk – räumte dem lebenswichtigen Küstenschutz einen klaren Vorrang vor anderen, individuellen Interessen ein. Hat sich durch die Sturmfluterfahrungen der 50er, 60er und 70er Jahre auch in der Gesellschaft etwas verändert, was den Blick auf den Küstenschutz angeht? Hat sich durch die Sturmfluterfahrungen der 50er, 60er und 70er Jahre auch in der Gesellschaft etwas verändert, was den Blick auf den Küstenschutz angeht? Anne Rickmeyer: Unbedingt. Insgesamt hatte der Küstenschutz gerade in den 1960er/1970er Jahren gesamtgesellschaftlich einen höheren Stellenwert als zuvor. Die verheerenden Bilder von Deichbrüchen vor Augen, erhielten entsprechende Projekte und Ziele politischen Rückenwind und eine bessere finanzielle Ausstattung. Es war aber auch eine gesteigerte Akzeptanz etwa bei Anwohnern spürbar für Küstenschutzvorhaben und die mit ihnen verbundenen Eingriffe. Leider müssen wir feststellen, dass diese Akzeptanz stellenweise wieder nachlässt. Das mag auch damit zu tun haben, dass sich dank der getroffenen Maßnahmen ähnlich dramatische Bilder bei späteren Sturmfluten zum Beispiel 1994 nicht wiederholten. Wird der Küstenschutz also gewissermaßen Opfer seiner eigenen Erfolge? Wird der Küstenschutz also gewissermaßen Opfer seiner eigenen Erfolge? Peter Schley: Je länger solche einschneidende Sturmflutereignisse wie 1976 zurückliegen, desto mehr schwindet in der Tat die Bereitschaft zu Einschränkungen als Privatperson oder bei den Vertretern anderer Belange – etwa wenn es darum geht, Flächen zur Verfügung zu stellen oder die Verbauung von Meerblick in Kauf zu nehmen. Da Küstenschutz vorsorgend ausgerichtet ist und eine lange Perspektive hat, machen es diese Ansprüche den Küstenschützern in Summe immer schwerer, dringend benötigte Deichverstärkungen umzusetzen. Hinzu kommen neue Herausforderungen durch eine grassierende Klimawandelskepsis und eine Zunahme von Wissenschaftsfeindlichkeit in Teilen der Gesellschaft. Beides ist gerade hier an der Küste fatal. Wie gut ist Niedersachsen heute und in Zukunft für Sturmfluten gewappnet? Wie gut ist Niedersachsen heute und in Zukunft für Sturmfluten gewappnet? Anne Rickmeyer: Seit den 1960er Jahren haben Bund und Land mit fortwährenden Investitionen im Rahmen von umgerechnet rund 3,4 Mrd. Euro dafür gesorgt, dass wir heute das beste Schutzniveau haben, welches es in der Geschichte des Küstenschutzes je gab. Es ist aber auch klar: Küstenschutz wird eine Daueraufgabe bleiben, die kein Verharren im Status Quo duldet. Das erleben wir auf den besonders exponierten Ostfriesischen Inseln, die durch ihre Wellenbrecher-Funktion letztlich auch das niedersächsische Festland schützen. Das erleben wir aber auch an der Elbe, wo die in den 60er und 70er Jahren errichteten Sperrwerke inzwischen wieder an die aktuellen Bedarfe des Küstenschutzes angepasst werden müssen. An der Ilmenau zum Beispiel ist das in den letzten Jahren bereits passiert – für die anderen Sperrwerke reden wir auch hier von einer Mammutaufgabe für die kommenden Jahrzehnte. Über allem steht der Generalplan Küstenschutz, der die Küstenschutzstrategie und die erforderlichen Maßnahmen beschreibt. Die Herausforderungen werden durch den Klimawandel künftig noch steigen. Seine Auswirkungen, etwa wenn es um den prognostizierten Meeresspiegelanstieg geht, fließen bereits heute in die Überlegungen der Küstenschützer ein: Bei der Konzeption von Küstenschutzanlagen wurde das hierfür gedachte Vorsorgemaß für zukünftige Auswirkungen des Klimawandels vor wenigen Jahren auf 100 Zentimeter erhöht. Der neue niedersächsische Klimadeich ermöglicht darüber hinaus für den Fall ungünstiger Entwicklungen eine Deicherhöhung um einen weiteren Meter. All diese Maßnahmen brauchen aber gerade in Zeiten rasant steigender Baupreise auch eine entsprechende finanzielle Ausstattung – der Bedarf an Geldmitteln zum Schutz der Niedersächsischen Küste wird künftig sogar noch steigen – aber auch der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren, um diese Planungsaufgaben zu bewältigen. Bedenkt man, dass Küstenschutzanlagen schon heute rund 6.500 Quadratkilometer und damit 14 Prozent der Landesfläche, 1,1 Millionen Menschen und Sachwerte im dreistelligen Milliardenbereich schützen, ist jeder Euro, der in den Küstenschutz fließt, gut investiert. Zur Person: Zur Person: Anne Rickmeyer leitet seit Mitte 2016 als Direktorin den NLWKN. Der Landesbetrieb ist in ganz Niedersachsen mit elf Betriebsstellen und zahlreichen weiteren Standorten und Stützpunkten präsent. Anne Rickmeyer Peter Schley leitet seit 2023 die Betriebsstelle Stade des NLWKN. Der Diplom-Ingenieur ist hier als Geschäftsbereichsleiter ebenfalls unmittelbar für die Küstenschutzplanungen und Projekte in der Region zuständig. Peter Schley NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer NLWKN-Betriebsstellen- und Geschäftsbereichsleiter Peter Schley

Wasserstandsvorhersage Nordsee, Cuxhaven, Steubenhöft, Elbe

Mittleres Hochwasser (MHW): 6m über Pegelnullpunkt, Mittleres Niedrigwasser (MNW): 3m über Pegelnullpunkt

„Gute Ausstattung essenziell für eine erfolgreiche Schadstoffunfallbekämpfung“

Norden. Ob Schiffsdiesel, Hydraulik- oder Schmieröl: kommt es in einem Hafen an der niedersächsischen Küste zu einem Schadstoffaustritt, ist schnelles Handeln gefragt, um Schäden für die Umwelt zu verhindern. Bei der Bekämpfung von Schadstoffunfällen im Norddeicher Hafen arbeiten der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Norden eng zusammen. Zur Bewältigung der Aufgabe hat das Land Niedersachsen der Norder Wehr am Dienstag (10.03.) ein eigens konstruiertes Spezialboot übergeben. Weitere Boote werden bald auch in anderen Häfen an der Küste zum Einsatz kommen. Bei der Übergabe und ersten Erprobungsfahrt des neuen Gerätes im Norddeicher Osthafen dankte Thilo Lutter von der Direktion des NLWKN in Norden Stadtbrandmeister Thomas Kettler für die bisherige Kooperation. Der NLWKN ist neben seiner Zuständigkeit für die Schadstoffunfallbekämpfung im Küstengewässer seit Ende 2021 auch für die Bekämpfung von Schadstoffunfällen in den Insel- und Küstenhäfen zuständig. Er arbeitet dabei eng mit den Feuerwehren und weiteren Einsatzkräften vor Ort zusammen. Die Gesamtverantwortung und wasserbehördliche Einsatzleitung hat zwar der NLWKN mit seiner Expertise in der Schadstoffbekämpfung. „Dafür haben wir eine zusätzliche Rufbereitschaft in allen drei zuständigen Betriebsstellen eingerichtet. Um allerdings die praktische technische Bekämpfung vor Ort durchführen zu können, benötigen wir die personelle Stärke und Erfahrung der jeweiligen örtlichen Feuerwehren. Für uns war deshalb von Anfang an klar, dass der Weg zu einer effektiven Umsetzung dieser neuen Aufgabe nicht im Aufbau von Parallelstrukturen, sondern in der Kooperation und Stärkung der vor Ort bereits vorhandenen Kompetenzen und Kräfte liegt“, so Lutter. Geregelt wird die Zusammenarbeit zwischen NLWKN und Feuerwehr Norden in einer 2023 unterzeichneten Verwaltungsvereinbarung. Das neue Spezialboot der Kategorie RTB 2, das in dieser Woche seine ersten Runden im Norddeicher Hafen drehte, schließt eine Lücke im Fuhrpark der Norder Wehr: „Um ins Hafenbecken gelangte Schadstoffe effektiv bekämpfen zu können, müssen unsere Einsatzkräfte zwangsläufig auch vom Wasser aus agieren können. Das war mit unserem vorhandenen, eigentlich zur Personenrettung gedachten Boot nur bedingt möglich“, erklärt Stadtbrandmeister Thomas Kettler. Das neue, knapp sechs Meter lange und 2,30 Meter breite Leichtmetallboot mit Katamaranrumpf und seewasserbeständiger Aluminiumlegierung verfügt über eine Nutzlast von über 1.000 Kilogramm und kann bis zu acht Personen befördern. Im Einsatzfall ermöglicht es die Aufnahme der zur Bekämpfung von Schadstoffunfällen benötigten Spezialgerätschaften: Pumpen, die Wasseroberfläche reinigende Skimmer, aber auch Ölsperren, die über eine Vorrichtung am Boot befestigt und gezogen werden können. Auch dieses Spezialgerät sowie zusätzliche Schutzausrüstung wird der NLWKN für die Feuerwehr beschaffen. Finanziert wird die Ausstattung zur Bekämpfung von Schadstoffunfällen durch das Land Niedersachsen. Weitere Vereinbarungen mit Kommunen angestrebt Weitere Vereinbarungen mit Kommunen angestrebt Das neue Boot der Feuerwehr Norden kann durch seine technischen Spezifikationen zudem im küstennahen Bereich sowie auf Binnengewässern etwa zur Menschen- und Tierrettung eingesetzt werden – ein Umstand, der bereits in der technischen Planung mit berücksichtigt wurde. Ein Einsatz bei größeren Schadstoffunfällen etwa im Rahmen einer Havarie auf See ist dagegen nicht vorgesehen: „Unser Auftrag beschränkt sich ganz klar auf den unmittelbaren Hafen- und deichnahen Küstenbereich. Dafür werden wir ausgestattet. Für Großlagen ist ganz anderes Equipment erforderlich und gibt es etablierte Strukturen und Abläufe unter Leitung des Havariekommandos in Cuxhaven und des NLWKN in Kooperation mit THW und den Landkreisen“, so Thomas Kettler. Die Einsatzabteilung der Norder Wehr wird das neue Equipment in den kommenden Monaten nun auf Herz und Nieren testen. Kleinere Schadstoffunfälle in Küstenhäfen kommen immer wieder vor – allein in Norddeich mussten Einsatzkräfte von Feuerwehr und NLWKN im vergangenen Jahr sechs Mal ausrücken. Auch mit Baltrum und Dornum hat der Landesbetrieb bereits entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Vertreter der beiden Gemeinden waren bei der Probefahrt in Norddeich zugegen. Um auch die Einsatzkräfte in diesen Kommunen optimal auszustatten, befinden sich gegenwärtig zwei weitere Boote in Fertigung. Der NLWKN plant, mit weiteren Partnern an der Küste entsprechende Verwaltungsvereinbarungen abzuschließen, um die Reaktionsfähigkeit auf Schadstoffunfälle in den Häfen weiter zu verbessern. Neben der Feuerwehr Norden testeten auch Vertreter der Wehren von Baltrum und Dornum den Prototyp der Boote für die Schadstoffunfallbekämpfung in Küstenhäfen (Bild: NLWKN). Viel Platz für Spezialgerät, aber auch für bis zu acht Personen: Vertreter von Feuerwehr, NLWKN und Hersteller während der Probefahrt vor Norddeich (Bild: NLWKN).

Bebauungsplan 219/3

Vollständiger Titel: Bebauungsplan 219/3 - für das Gebiet zwischen Schützenstraße/Bremervörder Straße und der Eisenbahnstrecke nach Cuxhaven

Nachhaltige Erzeugung und Verwertung von Rohrkolben auf Niedermoorstandorten in Niedersachsen, Teilvorhaben 3: Ökonomie und Sozioökonomie

Ziel des Vorhabens ist die Transformation der Bewirtschaftung von entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Niedermoorböden hin zu einer klimaschonenden, moorbodenkonservierenden Nassbewirtschaftung durch den Anbau von Rohrkolben. Hierzu soll in zwei Modellregionen mit unterschiedlicher landwirtschaftlicher Struktur (Emsland/ Cuxhaven) die großflächige, qualitätsoptimierte Erzeugung von Rohrkolben (T. angustifolia/T. latifolia) und die Verwertung der Biomasse als Baustoff und als Gartenbausubstrat (Torfersatz) entwickelt, demonstriert und für die Vermarktung vorbereitet werden. AP 5.3 (Ökonomie): Im Rahmen des Arbeitspaketes 'Ökonomie' sollen sowohl die Prozesskosten der beiden zu untersuchenden Verwertungslinien von Typha (Torfersatzstoffe und Dämmmaterialien) untersucht werden als auch die Mehrzahlungsbereitschaft der potenziellen Abnehmer für die jeweiligen aus Typha erzeugten Produkte ('Klimakompost' und Baustoffe) ermittelt werden. AP 5.4 (Sozio-Ökonomie): Der kommerzielle Anbau von Typha und anderen Paludikulturen und die damit einhergehende Wiedervernässung von drainierten Moorflächen haben wirtschaftliche Folgen für die involvierten Akteure und - bei großflächigem Anbau - Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Landschaft. Im Arbeitspaket 'Sozioökonomie' sollen die Präferenzen der regionalen Akteure (insbesondere Landwirt*innen, Bürger*innen) für die Transformation zu einer nassen Moornutzung mit Paludikulturen untersucht werden. Die Analysen erfolgen in einem ex ante-Kontext, d.h. bevor eine großflächige Nutzungsänderung in einer moorreichen Region vorgenommen wird.

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