Im letzten Jahrzehnt war der grönländische Eisschild mehreren Extremereignissen ausgesetzt, mit teils unerwartet starken Auswirkungen auf die Oberflächenmassebilanz und den Eisfluss, insbesondere in den Jahren 2010, 2012 und 2015. Einige dieser Schmelzereignisse prägten sich eher lokal aus (wie in 2015), während andere fast die gesamte Eisfläche bedeckten (wie in 2010).Mit fortschreitendem Klimawandel ist zu erwarten, dass extreme Schmelzereignisse häufiger auftreten und sich verstärken bzw. länger anhalten. Bisherige Projektionen des Eisverlustes von Grönland basieren jedoch typischerweise auf Szenarien, die nur allmähliche Veränderungen des Klimas berücksichtigen, z.B. in den Representative Concentration Pathways (RCPs), wie sie im letzten IPCC-Bericht genutzt wurden. In aktuellen Projektionen werden extreme Schmelzereignisse im Allgemeinen unterschätzt - und welche Konsequenzen dies für den zukünftigen Meeresspiegelanstieg hat, bleibt eine offene Forschungsfrage.Ziel des vorgeschlagenen Projektes ist es, die Auswirkungen extremer Schmelzereignisse auf die zukünftige Entwicklung des grönländischen Eisschildes zu untersuchen. Dabei werden die unmittelbaren und dauerhaften Auswirkungen auf die Oberflächenmassenbilanz und die Eisdynamik bestimmt und somit die Beiträge zum Meeresspiegelanstieg quantifiziert. In dem Forschungsprojekt planen wir zudem, kritische Schwellenwerte in der Häufigkeit, Intensität sowie Dauer von Extremereignissen zu identifizieren, die - sobald sie einmal überschritten sind - eine großräumige Änderung in der Eisdynamik auslösen könnten.Zu diesem Zweck werden wir die dynamische Reaktion des grönländischen Eisschilds in einer Reihe von Klimaszenarien untersuchen, in denen extreme Schmelzereignisse mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit zu bestimmten Zeitpunkten auftreten, und die Dauer und Stärke prognostisch variiert werden. Um indirekte Effekte durch verstärktes submarines Schmelzen hierbei berücksichtigen zu können, werden wir das etablierte Parallel Ice Sheet Model (PISM) mit dem Linearen Plume-Modell (LPM) koppeln. Das LPM berechnet das turbulente submarine Schmelzen aufgrund von Veränderungen der Meerestemperatur und des subglazialen Ausflusses. Es ist numerisch sehr effizient, so dass das gekoppelte PISM-LPM Modell Ensemble-Läufe mit hoher Auflösung ermöglicht. Folglich kann eine breite Palette von Modellparametern und Klimaszenarien in Zukunftsprojektionen in Betracht gezogen werden.Mit dem interaktiv gekoppelten Modell PISM-LPM werden wir den Beitrag Grönlands zum Meeresspiegelanstieg im 21. Jahrhundert bestimmen, unter Berücksichtigung regionaler Veränderungen von Niederschlag, Oberflächen- und Meerestemperaturen, und insbesondere der Auswirkungen von Extremereignissen. Ein Hauptergebnis wird eine Risikokarte sein, die aufzeigt, in welchen kritischen Regionen Grönlands zukünftige extreme Schmelzereignisse den stärksten Eisverlust zur Folge hätten.
Gletscher sind bedeutende Speicher organischen Kohlenstoffs (OC) und tragen zum Kohlenstofffluss vom Festland zum Meer bei. Aufgrund des Klimawandels wird eine Intensivierung dieser Flüsse erwartet. Der Export von OC aus Gletschern wurde weltweit in verschiedenen Regionen quantifiziert, trotzdem liegen keine vergleichbaren Daten für Island vor, obwohl sich dort die größte europäische außerpolare Eiskappe befindet. Um die globalen Prognosen der glazialen Kohlenstofffreisetzung zu verbessern, ist es das Ziel dieses Pilotprojektes, den Export von gelöstem und partikulärem organischen Kohlenstoff (DOC, POC) aus Islands Gletschern erstmalig zu quantifizieren und neue Kooperationen mit isländischen Wissenschaftler/innen für gemeinsame zukünftige Forschungsprojekte aufzubauen. Hierzu werden 4 Feldkampagnen zu unterschiedlichen Jahreszeiten sowie Treffen mit isländischen Kollegen/innen durchgeführt. In jeder Feldkampagne werden von 23 Gletschern der Eiskappen Vatnajökull, Langjökull, Hofsjökull, Myrdalsjökull und Snaeellsjökull Eisproben entnommen, um die biogeochemische Diversität des glazialen OC zu charakterisieren sowie dessen Export in Verbindung mit Massenbilanzen zu quantifizieren. In Gletscherbächen werden Wasserproben entnommen, um den Austrag von OC direkt am Gletschertor zu bestimmen sowie die Kohlenstoffflüsse entlang von 6 Gletscherbächen mit unterschiedlicher Länge (2 km bis 130 km) beginnend am Gletschertor bis zur Mündung zu untersuchen. Wie sich der Gletscherrückgang langfristig auf ein Gletscherbachökosystem auswirkt, wird durch die taxonomische Bestimmung von Makroinvertebraten im Vergleich zur Bestimmung von Prof. Gíslason aus dem Jahre 1997 beurteilt. Gleichzeitig werden in diesem Gletscherbach Wasserproben zum eDNA-Barcoding entnommen, um eine rasche und gering invasive Methode zur laufenden Beobachtung des zukünftigen Einflusses der Gletscherrückgang zu entwickeln. Vor Ort werden Wassertemperatur, elektr. Leitfähigkeit, pH-Wert, gelöster Sauerstoff, Trübung und Chlorophyll alpha gemessen. Innovative Labormethoden (HPLC, DNA-Barcoding, Picarro, GC, TOC) werden zur Analyse des OC im Eis und Wasser (DOC, DIC, POC, Fluoreszenz, Absorption), der Nährstoffe (P-PO4, N-NO3, N-NO2, N-NH4), stabiler Isotope (18O, 2H), Chlorophyll alpha, CO2 und aquatischen Organismen eingesetzt. Die Anwendung statistischer Methoden (Faktorenanalyse, Hauptkomponentenanalyse) basierend auf Anregungs- und Emissionsmatrizen erlauben die Quellen des OC im Gletschereis sowie -schmelzwasser zu bestimmen und die räumliche Vielfalt des OC zu erklären. Das gewonnene Wissen wird zur Verbesserung globaler Prognosen glazialer Kohlenstofffreisetzung beitragen sowie einen intensiven Einblick in das glaziale Ökosystem geben. Für die antragstellenden Nachwuchswissenschaftler/innen entstehen vielversprechende Kooperationen mit isländischen Wissenschaftlern/innen, fokussierend auf die zeitlichen sowie räuml. Aspekte der glazialen Kohlenstoffflüsse sowie das Ökosystem Gletscher
Gletscher haben im 20. Jh. weltweit starke Rückgänge erfahren, was auch für Gletscher in den Tropen gilt. Obwohl die Gletscher am Kilimanjaro (Tansania) ähnliche Charakteristika wie andere tropische Gletscher aufweisen (starke Empfindlichkeit auf Klimaelemente, die von der Luftfeuchtigkeit gesteuert werden), verlangt die Untersuchung ihres Verhaltens eine spezielle Sichtweise. Diese ist notwendig, da am Kilimanjaro zwei verschiedene Gletschersysteme existieren: die tafelförmigen Gletscher auf dem Gipfelplateau und die Hanggletscher unterhalb des Gipfelplateaus auf den steilen Flanken des Berges. Plateaugletscher sind von seitlich zurückweichenden, vertikalen Eiskliffs umrandet, die zu einer stetigen Abnahme der Ausdehnung von Plateaugletschern führen - selbst wenn sich auf deren horizontalen Oberflächen Schnee und folglich Gletschermasse ansammelt. Ein Vorprojekt konnte belegen, dass die klimatische Hauptursache für den seit 1880 andauernden Rückgang der Gletscher am Kilimanjaro ein regional trockeneres Klima seit dem späten 19. Jh. ist. Ebenso wurde klar, dass das gegenwärtige Klima die Gletscher nahe an das vollständige Verschwinden drängt. Dies wirft wiederum die Frage auf, unter welchen Klimabedingungen sie überhaupt existieren und sich bilden konnten. Das beantragte Projekt setzt sich daher das Ziel, eine mindestens 500 Jahre umfassende Zeitreihe des Gletscherverhaltens am Kilimanjaro zu rekonstruieren. Da andere Rekonstruktionen (v.a. Seespiegelstände) andeuten, dass die regionalen Klimaschwankungen vor 1880 größer als nachher waren, scheint es möglich, dass die Gletscher am Kilimanjaro eine relativ kurze Lebenszeit und daher ein zyklisches Verhalten aufweisen. Im vorgeschlagenen Projekt werden meteorologische Messungen im Gipfelbereich des Kilimanjaro dazu dienen, ein Massenbilanzmodell anzutreiben, zu kalibrieren und zu validieren. Dieses an der Physik der Gletscher orientierte Modell quantifiziert den Massenaustausch zwischen Gletscher und Atmosphäre. Input-Daten, die mehrere Jahrhunderte umfassen, sollen schließlich aus Simulationen des Paläoklimas mit gekoppelten Zirkulationsmodellen (globale Klimamodelle) kommen. Um den Klimamodell-Output auf die lokalen Verhältnisse am Kilimanjaro zu transferieren, ist eine Regionalisierungstechnik (statistisches Downscaling) notwendig. Durch die Anwendung des regionalisierten Datensatzes auf das Massenbilanzmodell entsteht im letzten Schritt eine mindestens 500-jährige Reihe des Gletscherverhaltens (und potenzieller Zyklizität) am Kilimanjaro, die mit (a) anderen Rekonstruktionen von klimaempfindlichen Umweltsystemen (Seestände, Eisbohrkerne) und (b) der großräumigen Klimadynamik im Zirkulationsmodell verglichen werden kann. Der experimentelle Teil des Projekts betrifft die Modellierung der vertikalen Eiskliffs sowie die Erzeugung zeitlich hochaufgelöster lokaler Daten aus dem globalen Klimamodell. usw.
Die Gletscher Hochasiens, existentielle Ressource der Wasserversorgung von über einer Milliarde Menschen, reagieren ausgesprochen heterogen auf den Klimawandel. Die zugrunde liegenden Wirkmuster, Steuerungsfaktoren und Sensitivitäten sind jedoch bisher nur lückenhaft verstanden. Jüngste Studien zeigen die besondere Bedeutung topoklimatischer Effekte auf der Skale einzelner Täler und Höhenzüge, die auch ein großes Potential zu nicht-linearer Abschmelzdynamik implizieren. Zur Analyse dieser mesoskaligen Phänomene fehlen aber bislang adäquate Werkzeuge, die die big-data-kritische Datenlücke zwischen großräumigen Fernerkundungs- und feldbasierten Detailstudien schließen können. Die Höhe der Gletschergleichgewichtslinie (ELA) integriert alle am Gletscher wirkenden topographischen und klimatischen Faktoren und ist daher als Indikator eben dieser topoklimatischen Phänomene bestens geeignet. Im beantragten Projekt soll ein neuartiges Fernerkundungsverfahren für ganz Hochasien angewendet werden, das eigens entwickelt wurde, um für ganze Orogene Datensätze der ELA und multitemporaler ELA-Änderungen in präzedenzlos hoher Auflösung zu generieren. Durch ein künstliches neurales Netz werden dann die räumlichen Muster und ihnen zugrunde liegende Beziehungen im regional heterogenen Zusammenwirken klimatischer (Globalstrahlung, Temperatur, Niederschlag, Wind, etc.; aus Daten der High Asia Refined analysis, HAR) und topographischer (Exposition, Hangneigung, Gipfelhöhe, etc.; aus digitalen Geländemodellen, DGM) Faktoren zur Steuerung der ELAs in Hochasien aufgeschlüsselt. An für Teilräume repräsentativen Benchmark-Settings mit besonders guter Datensituation werden die steuernden Prozesse am Gletscher durch numerische Modellierung der Energie- und Massenbilanzen (MB) im Detail untersucht. Auf Basis der resultierenden MB-Daten wird zusätzlich die Sensitivität der MBs zu monatlichen Anomalien in Temperatur und Niederschlag (aus HAR) modelliert. Vorstudien zeigen, dass Verebnungsflächen in den Akkumulationsgebieten der Gletscher großes Potential zu nicht-linearer Abschmelzdynamik bei weiterem ELA-Anstieg bergen. Größe und Topographie dieser Verebnungen werden durch DGM-basierte GIS-Analysen für Gletscher ganz Hochasiens quantifiziert. Zur Identifizierung der zugehörigen Kipppunkte (ELA, ab der eine spezifische Verebnungsfläche zu Ablationsgebiet wird) werden jeweils aus Hochflächentopographie und ELA-Daten die verbleibenden Pufferhöhen berechnet. Die diesen Pufferhöhen entsprechenden Temperaturzu- oder Niederschlagsabnahmen werden auf Basis der zuvor erhobenen Sensitivitätsdaten abgeschätzt und die verbleibende Zeit zur Überschreitung der Kipppunkte für verschiedene Szenarien anthropogenen Klimawandels ermittelt. Die Resultate dieses interdisziplinär-polymethodischen Ansatzes werden erstmals eine Entschlüsselung der topoklimatischen Steuerung der Klimawandelresonanz von Gletschern in Hochasien und ihrer Potentiale zu nicht-linearer Abschmelzdynamik ermöglichen.
Die Ausstellung besteht aus 30 Tafeln. Zu allen Ausstellungstafeln finden Sie auf den nachfolgenden Seiten eine Hörfassung mit den Texten, ausführlichen Bildbeschreibungen und teilweise Tierstimmen. Sounddesign: picaroMedia Tierstimmen: Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin Die Museumsinsel, das Brandenburger Tor oder das Schloss Charlottenburg sind als Berliner Kostbarkeiten bekannt. Doch nur wenige wissen, dass Berlin eine der artenreichsten Städte Europas und eine der wald- und seenreichsten Metropolen der Welt ist. Über 42 Prozent der Landesfläche sind Wälder, Gewässer, Agrarflächen und öffentliche Grünanlagen. Gerade in Zeiten des Klimawandels mit einhergehenden trockenen und heißen Sommern entscheiden die grünen Oasen zunehmend über die Attraktivität einer Stadt. In Berlin gibt es zahlreiche Möglichkeiten die Natur in ihren vielfältigen Ausprägungen unmittelbar zu erleben, sich in ihr zu erholen und auf diese Weise ihren Wert schätzen zu lernen. Die Ausstellung bietet Blicke auf die vielen und oft unbeachteten Naturschönheiten in Berlin regt durch beeindruckende Fotos von ausgezeichneten Naturfotografen an, die urbanen Wildnisse Berlins zu entdecken vermittelt Wissen, weil man nur das sehen und schützen kann, was man kennt zeigt, dass Stadt und Natur keine Gegensätze darstellen. Im Gegenteil: Natur eine große Bereicherung für die Stadt ist und die Zukunftsfähigkeit Berlins fördert wirbt für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist als Wanderausstellung konzipiert und kann beim Freilandlabor Britz ausgeliehen werden. Bild: Josef Vorholt Metropole der StadtNatur Berlin hat weitaus mehr zu bieten als seine Sehenswürdigkeiten. Die Stadt zählt zu den artenreichsten Europas. Die Ausstellung „natürlich BERLIN!“ zeigt, dass Stadt und Natur keine Gegensätze sind. Metropole der StadtNatur Weitere Informationen Bild: Bruno D´Amicis Grüne Schätze entdecken Berlin bietet echte Naturerlebnisse nur einen Steinwurf von der Innenstadt entfernt. Ausgedehnte Park-, Wald- und Seenlandschaften laden sowohl zum Sport als auch zur Erholung ein. Grüne Schätze entdecken Weitere Informationen Bild: Florian Möllers 6.000 Hektar für Europa Das europaweite Netz der Schutzgebiete soll den Fortbestand von natürlichen Lebensräumen und wildlebenden Arten sichern und die biologische Vielfalt in Europa bewahren. 6.000 Hektar für Europa Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Stadt der Artenvielfalt Mit mehr als 20.000 Tier- und Pflanzenarten ist die Hauptstadt überaus artenreich. Welche besonderen und gefährdeten Tiere und Pflanzen zu entdecken sind, erfahren Sie hier. Stadt der Artenvielfalt Weitere Informationen Bild: Bruno D'Amicis Verbindung halten – Brücken bauen Für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist es wichtig, dass Lebensräume eng miteinander verbunden sind. Verbindung halten – Brücken bauen Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Vom Ursprung unserer Landschaft Das heutige Landschaftsbild Berlins ist durch die Eisschmelze entstanden. Flüsse und Seen, Binnendünen, Moore und Kalktuffquellen wurden durch den Rückzug der Gletscher geschaffen. Vom Ursprung unserer Landschaft Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Alles Schiebung Man muss nur genau hinschauen, die eiszeitliche Formung der Landschaft im Stadtgebiet ist auch heute noch gut zu erkennen. Alles Schiebung Weitere Informationen Bild: SenUVK Mehr als eine Schippe Sand Nach der Eiszeit verteilte der Wind feinen Sand über Teile der noch vegetationsarmen Landschaft. An einigen Stellen entstanden Binnendünen. Mehr als eine Schippe Sand Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Wo Steine wachsen Die Kalktuffquellen im Natura 2000-Gebiet „Tegeler Fließtal“ sind eine geologische Besonderheit. Wo Steine wachsen Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Moore – Augen der Landschaft Kesselmoore sind Überbleibsel der letzten Eiszeit. Die Erhaltung von Mooren spielt eine bedeutende Rolle beim Klimaschutz. Moore – Augen der Landschaft Weitere Informationen Bild: Dirk Laubner Stadt am Wasser Die Seen, Flüsse und Fließe sind ein Qualitätsmerkmal unserer Stadt, welches es zu bewahren gilt. Mit der Wasserrahmenrichtlinie werden Maßnahmen zum Erhalt der Ressource Wasser umgesetzt. Stadt am Wasser Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Leben am Wasser Die Berliner Gewässerlandschaft ist Wassersportrevier und Rückzugsgebiet vieler Tier- und Pflanzenarten zugleich. Leben am Wasser Weitere Informationen Bild: Doron Wohlfeld Fluss + See = Flusssee An flachen Ufern und Buchten von Dahme, Havel und Spree wachsen Röhrichte, finden Drosselrohrsänger und Hecht Lebensraum. Auch europaweit geschützte Arten wie Fischotter, Biber und Seeadler sind zurück. Fluss + See = Flusssee Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Fließe – klein und vielfältig Fließe speisen Flüsse und Seen. An ihren Ufern blühen Schwertlilie, Sumpfdotterblume und Gilbweiderich. Fließe – klein und vielfältig Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Kleingewässer ganz groß Die Kleingewässer der Stadt sind besonders wichtig als Laichplatz für stark gefährdete Amphibienarten wie Erdkröte, Teichfrosch und Knoblauchkröte. Kleingewässer ganz groß Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Leben in Wald und Flur Berlin ist eng mit seinem Umland verbunden und auch innerhalb der Stadtgrenzen gibt es ausgedehnte Waldflächen und Erholungslandschaften. Leben in Wald und Flur Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Waldstadt Berlin – Erholung und Entspannung Bereits 1915 wurde mit dem “Dauerwaldkaufvertrag” der Grundstein für den heutigen Waldreichtum der Hauptstadt gelegt. Waldstadt Berlin – Erholung und Entspannung Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Wald naturnah Mit den Waldbaurichtlinien setzen die Berliner Förster bundesweit Maßstäbe für die ökologische Bewirtschaftung und naturnahe Entwicklung. Wald naturnah Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Neue Landschaften Auf den ehemaligen Rieselfeldern um Berlin entstand durch behutsame Sanierung eine neue Erholungslandschaft. Neue Landschaften Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Janz weit draußen? Die abwechslungsreiche Feldflur am Stadtrand bietet Braunkehlchen, Grauammern und Feldlerchen ideale Lebensbedingungen. Janz weit draußen? Weitere Informationen Bild: Partner für Berlin / FTB-Werbefotografie Grüne Inseln im Häusermeer Parkanlagen, Kleingärten und Friedhöfe prägen das grüne Berlin. Sie bieten Erholungsmöglichkeiten und zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen unverwechselbaren Lebensraum. Grüne Inseln im Häusermeer Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Parks aus fürstlichen Zeiten Die Pfaueninsel und der Landschaftspark Klein Glienicke gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Gleichzeitig sind sie wegen ihrer Naturausstattung als Natura 2000-Gebiet geschützt. Parks aus fürstlichen Zeiten Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Volkspark Vielfältige Parkanlagen mit Wiesen, waldartigen Bereichen und Gewässern schätzen nicht nur Erholungssuchende. Sie bieten auch vielen Tieren Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsangebote. Volkspark Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Ruhe und Vielfalt Einst vor der Stadt gelegen, befinden sich heute viele Friedhöfe mitten im Zentrum. Sie sind Orte der Stille und Naturoasen. Ruhe und Vielfalt Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Auf kleiner Scholle Kleingärten stehen heute hoch im Kurs, je naturnäher sie gestaltet sind, desto eher finden auch Wildtiere hier ein kleines Paradies. Auf kleiner Scholle Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Lebendige Innenstadt – Leben zwischen Stein und Glas Immer mehr Tier- und Pflanzenarten entdecken Berlin als Lebensraum. Wo liegen die Gründe und wie können wir dazu beitragen, dass sie sich auch in Zukunft hier wohlfühlen? Lebendige Innenstadt – Leben zwischen Stein und Glas Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Verstädterung – auf Tuchfühlung mit dem Wildschwein Warum die Stadt eine große Verlockung für Wildtiere darstellt und wir lernen müssen, mit Wildtieren auszukommen, erfahren Sie hier. Verstädterung – auf Tuchfühlung mit dem Wildschwein Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Mut zur Lücke Durch die Sanierung von Gebäuden geraten einige Vogelarten in akute Wohnungsnot. Der Einbau von Nistkästen an sanierten Gebäuden trägt dazu bei, Nistplätze zu erhalten. Mut zur Lücke Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Hotel Berlin Berlin ist auch für Fledermäuse eine Reise wert: Sie überwintern in unterirdischen Gängen der Zitadelle Spandau, im Fort Hahneberg und in alten Wasserwerken. Hotel Berlin Weitere Informationen Bild: Konrad Zwingmann Stadtbrachen – Treffpunkt für Arten der Roten Liste Ehemalige Industrie- und Verkehrsflächen, wie das einstige Flugfeld Johannisthal, der stillgelegte Verschiebebahnhof Tempelhof oder der ehemalige Flughafen Tempelhof werden zum Anziehungspunkt für gefährdete Arten. Stadtbrachen – Treffpunkt für Arten der Roten Liste Weitere Informationen
Der Klimawandel ist eine der Hauptherausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert. Seine Auswirkungen sind vielschichtig wobei der anwachsende Massenverlust von Gletschern außerhalb der großen Eisschilde sowie deren bedeutender Beitrag zum Meeresspiegelanstieg zu den am stärksten hervorstechenden zählt. Diesbezüglich sind die Gletscher und Eiskappen der Arktis aufgrund ihres großen Volumens und ihrer großen Oberfläche, die als Kontaktfläche zum Klima- und Ozeanantrieb und damit zum Klimawandel selber fungiert, von besonderer Bedeutung. Da die Arktis darüber hinaus diejenige Region der Erde mit dem höchsten, prognostizierten, zukünftigen Temperaturanstieg ist, wird erwartet, daß sich die Bedeutung der arktischen Eismassen für den Meeresspiegelanstieg auch in Zukunft fortsetzt oder sogar noch steigern wird.Die großen Gletscher der Nordpolarregion umgeben den arktischen Ozean in ähnlichen Breitenlagen, weisen aber in jüngster Zeit ein inhomogenes Verhalten auf. Diese Tatsache legt eine räumliche Variabilität der klimatischen und ozeanischen Antriebsmechanismen der Gletschermassenbilanz innerhalb der zirkumarktischen Regionen nahe und offenbart damit die Diversität der Einflüsse des Klimawandels. Bezüglich der Variabilität der Antriebsmechanismen weist Svalbard in der Arktis eine einzigartige Lage auf. Es liegt an der Grenze zwischen kalten, polaren Luftmassen und Ozeanwassern und den Einflüssen des Westspitzbergenstroms, welcher der hauptsächliche Warmwasserlieferant für das arktische Umweltsystem ist. Darum verspricht das Erforschen der Reaktionen der Gletscher auf Svalbard auf die Veränderlichkeit des Klima- und Ozeanantriebs bedeutende Einblicke in die komplexe Kausalkette zwischen Klimawandel, der Variabilität der Klima- und Ozeanbedingungen in der Arktis und der Reaktion der arktischen Landeismassen. Das Ziel des Projektes ist es eine zuverlässige Abschätzung der räumlichen und zeitlichen Variabilität der klimatischen Massenbilanz aller Gletscher und Eiskappen auf Svalbard zu erreichen und diese mit dem Klima- und Ozeanantrieb in Verbindung zu setzen. Dazu wird ein räumlich verteiltes, von statistisch downgescalten Klimadaten angetriebenes Model zur Berechnung der klimatischen Massenbilanz aufgesetzt. Die Massenbilanz aller Gletscherflächen auf Svalbard wird für den Zeitraum 1948-2013 modelliert und die zeitlich variablen Felder von Ablation, Akkumulation, wiedergefrorenem Schmelzwasser und klimatischer Massenbilanz für anschließende geostatistische Studien genutzt. Diese Studien werden potentielle Einflüsse der raumzeitlichen Variabilität von großräumigen Mustern des Luftdrucks, der Meereisbedeckung und der Meeresoberflächentemperatur auf die Variabilität der Gletschermassenbilanz auf Svalbard identifizieren und analysieren. Auch Telekonnektionen zu fernen Modi der atmosphärischen Zirkulation werden durch Studien bezüglich der potentiellen Einflüsse verschiedener atmosphärischer Zirkulationsindizes in die Betrachtungen einbezogen.
Mehrere tausend Gletscherseen sind durch die beschleunigte Gletscherschmelze in den Hochgebirge der Erde entstanden, von denen einige rasch an Volumen zunehmen. Vereinzelt kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen Dammbrüchen mit teils katastrophalen Folgen für die talabwärts siedelnde Bevölkerung. Die Abflussspitzen solcher Gletscherseeausbrüche oder GLOFs (glacier lake outburst floods) können meteorologische Fluten lokal um ein Vielfaches übersteigen, und eventuell durch anhaltendes Wachstum von Gletscherseen in Zukunft noch höher werden. Die Gefährdung, oder Eintretenswahrscheinlichkeit, eines GLOFs ist jedoch weitestgehend unbekannt, weil bisher möglicherweise nur die größeren, schadensreichen Fluten dokumentiert wurden. Dieser Forschungslücke wollen wir begegnen, indem wir die räumliche und zeitliche Verteilung von Gletscherseen und deren Ausbrüche systematisch untersuchen. Unser Ziel ist es, durch die Erstellung von Inventaren von Gletscherseen und GLOFs zu quantifizieren, wie sich die GLOF-Gefahr zwischen 1985 und 2020 verändert hat. Unsere Untersuchungsregion sind die Gebirge des Pacific Northwest (NW-Amerika). Die dortigen Gletscher hatten in den vergangenen beiden Jahrzehnten eine der höchsten Schmelzraten weltweit. Jedoch blieb das Wachstum und Ausbrüche der zumeist eis- und moränen-gedämmten Seen regional nahezu unerforscht. Wir werden automatisch Gletscherseen aus Landsat-Satellitenbildern in mehreren Zeitschritten ab Mitte der 1980er Jahre kartieren. Aus diesen Seeninventaren und klimatischen, glaziologischen und morphologischen Variablen werden wir Bayes‘sche Modelle lernen, um die Entstehung von Gletscherseen vorhersagen zu können. Plötzlich auftretende Sedimentverfrachtungen unterhalb von Seen können auf bisher unerkannte GLOFs hinweisen, welche wir aus Landsat-Bildern automatisch detektieren werden. Diese Ereignisse werden wir mit verfügbaren Abflusszeitreihen und Feldarbeit an zwei ausgewählten Gletscherseen validieren werden. Somit erhalten wir ein regional konsistentes Inventar von GLOFs, aus dem wir ableiten können, wie stark sich deren Raten und Magnituden in den letzten 35 Jahren verändert haben. Schließlich werden wir Zeitreihen aus gemessenen und simulierten GLOF-Abflüssen zusammenführen, sodass wir die Jährlichkeit eines GLOFs abschätzen können. Mit Hilfe eines nicht-stationären Extremwertmodells werden wir zeigen, wie sich die Gefährdung durch GLOFs in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie sie sich bei anhaltender Gletscherschmelze verändern könnte. Wir sind zuversichtlich, dass unsere computer-gestützte Arbeit die Veränderungen der GLOF-Gefährdung vom Einzugsgebiet bis zur lokalen Ebene zuverlässig aufzeigen wird. Wir werden unsere Modelle frei zugänglich machen, was für Entscheidungsträger und Regionalplaner angesichts einer wachsenden Bevölkerung und Ressourcengewinnung im Pacific Northwest von Bedeutung sein wird.
<p> <p>Auf dem Messegelände Paris-Le Bourget wurde am 12. Dezember 2015 ein Stück Geschichte geschrieben. Im Konsens verabschiedeten 195 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention (194 Staaten und die EU) auf der 21. Weltklimakonferenz das Übereinkommen von Paris: das erste Klimaschutzabkommen, das verbindliche Klimaschutzbeiträge von allen Staaten umfasst.</p> </p><p>Auf dem Messegelände Paris-Le Bourget wurde am 12. Dezember 2015 ein Stück Geschichte geschrieben. Im Konsens verabschiedeten 195 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention (194 Staaten und die EU) auf der 21. Weltklimakonferenz das Übereinkommen von Paris: das erste Klimaschutzabkommen, das verbindliche Klimaschutzbeiträge von allen Staaten umfasst.</p><p> Das Übereinkommen von Paris: Leitlinie für eine lebenswerte Zukunft <p>„Kohlenstoff in der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/atmosphaere">Atmosphäre</a> fängt die Wärme ein und wir fügen der Atmosphäre stetig mehr CO2 hinzu. Der Rest sind Details.“ Dieses Zitat des US-amerikanischen Klimaforschers Michael Mann verdeutlicht, dass der <strong>Grund für die menschengemachte Erderwärmung</strong> recht leicht nachvollziehbar ist. Seit Beginn der Industrialisierung sorgen technische Prozesse vermehrt für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre. Der daraus resultierende <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> ist dank globaler Temperaturmessungen seit etwa dem Jahr 1850 nachweisbar.</p> <p>Kompliziert wird es, wenn es darum geht, <strong>Lösungen</strong> zu finden. Denn der Klimawandel ist ein globales Problem – Treibhausgase kennen keine Staatsgrenzen – und lässt sich somit nur global lösen. Dazu müssen viele Menschen mit vielen verschiedenen Interessen an einen Tisch kommen und sich einigen. Und zwar unter Zeitdruck: Die Folgen des Klimawandels, wie Eis- und Gletscherschmelze, Meeresspiegelanstieg, zunehmende Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen, bedrohen schon heute unsere Lebensgrundlagen. Um sie auch für zukünftige Generationen zu erhalten, müssen wir handeln.</p> <p>Wie genau die globale Klimatransformation aussehen soll, wird auf den Weltklimakonferenzen der mittlerweile 198 Mitgliedsparteien (englisch „Conference of the Parties“, COP) der Klimarahmenkonvention verhandelt. Und für diese <strong>komplexen Aushandlungsprozesse</strong> braucht es Leitplanken, die die generelle Richtung vorgeben. Auf diese konnte sich die Weltgemeinschaft nach zähem Ringen und Verhandeln auf der COP21 in Paris 2015 einigen. Das Übereinkommen von Paris (ÜvP) ist also so etwas wie die Leitlinie für die Lösung eines der existentiellen Probleme der Menschheitsgeschichte. 2018 wurde auf der COP24 im polnischen Katowice zusätzlich ein Regelbuch zur technischen Umsetzung der im ÜvP definierten Ziele und Mechanismen verabschiedet. Aber werfen wir zunächst noch einmal einen Blick zurück.</p> <p>Eine große Herausforderung für die Bekämpfung des Klimawandels ist die <strong>lange Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre</strong>: CO2 verbleibt hunderte bis tausende Jahre in der Atmosphäre. Rechnet man die aufsummierten (kumulierten) Emissionen seit 1750 in die Klimabilanz von Ländern mit ein, landet <strong>Deutschland auf dem vierten Platz der weltweit größten Emittenten</strong>, und somit Verursacher der Klimakrise.</p> </p><p> Wissenschaftlicher Konsens und politische Entwicklung <p>Als das Übereinkommen von Paris im Jahr 2015 auf der COP21 verabschiedet wurde, war die <strong>Klimaforschung</strong> bereits knapp 200 Jahre alt: Der Mathematiker und Physiker Jean Baptiste Joseph Fourier formulierte 1824 erstmals das Prinzip des Treibhauseffekts. Spätestens seit den späten 1970er Jahren herrscht in der Wissenschaft Konsens darüber, dass der aktuelle <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> menschengemacht ist und das Potenzial hat, das Leben auf der Erde grundsätzlich zu verändern. Seit 1988 fasst der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/3196">Weltklimarat</a> (englisch „Intergovernmental Panel on Climate Change“, IPCC) den Stand der Wissenschaft zu Klimafragen zusammen und gibt regelmäßig wissenschaftliche Sachstandsberichte zum vergangenen, aktuellen und künftigen Zustand des Klimasystems sowie Klimawandel-, Anpassungs- und Klimaschutzszenarien heraus. Diese Ausblicke auf gravierende Folgen des Klimawandels haben sich im Rückblick häufig als zutreffend oder sogar überoptimistisch erwiesen. 1992 hat die Staatengemeinschaft die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/12827">Klimarahmenkonvention</a> (engl. „United Nations Framework Convention on Climate Change“, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/unfccc">UNFCCC</a>) in New York verabschiedet. Sie erkannte damit erstmals offiziell weltweite Klimaänderungen als ernstes Problem an, und verpflichtete sich zum Handeln. Dass die Lücken zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, politischer Handlung und gesellschaftlicher Umsetzung trotzdem so groß sind, liegt auch daran, dass die fossile Industrie seit Jahrzehnten <strong>Lobbyarbeit </strong>betreibt,<strong> um die Ergebnisse der Klimawissenschaft in Zweifel zu ziehen</strong> – <a href="https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/oelkonzern-exxon-kannte-klimawirkung-ganz-genau-neue-studie-in-science">und zwar auch entgegen eigener Forschungsergebnisse dazu</a>. Erst im Jahr 2002 löste sich die eigens zum Zweck der Klimawandel-Leugnung gegründete „Global Climate Coalition“ von Exxon, Shell und anderen Ölkonzernen auf. Das US-amerikanische „Heartland Institute“ gilt aktuell als weltweit bedeutendste Organisation, die öffentlich versucht, weiter Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu säen.</p> <p>Eine <a href="https://www.uni-bonn.de/en/news/weltweite-befragung-zeigt-breite-mehrheit-der-weltbevoelkerung-fuer-den-klimaschutz">globale Studie der Uni Bonn</a> und anderer Institute von 2024 zeigt, dass der <strong>Großteil der Weltbevölkerung <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> grundsätzlich unterstützt</strong> und der Meinung ist, Regierungen sollten sich stärker für Klimaschutz einsetzen. Geringere Zustimmungswerte zeigen sich besonders in Industrieländern, wenn es um die Umsetzung einzelner Klimaschutzmaßnahmen geht. Laut des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats (<a href="https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/downloads/report/IPCC_AR6_WGIII_FullReport.pdf">IPCC, AR6 S.146, „Societal Aspects of Mitigation“, 2023</a>) nimmt die Motivation für Klimaschutz zu, wenn Maßnahmen als sozial gerecht wahrgenommen werden, Menschen (z. B. verschiedener Geschlechter und Einkommensgruppen) gleichberechtig einbezogen sowie mögliche Lasten gerecht verteilt werden. Am größten ist die Unterstützung für Klimaschutz in Ländern des globalen Südens, in denen Menschen schon heute weitaus stärker von Klimawandelfolgen betroffen sind, während sie selbst kaum oder gar nicht zur Erderwärmung beigetragen haben. <a href="https://www.munichre.com/de/risiken/naturkatastrophen.html#:~:text=Naturkatastrophen%20zerst%C3%B6ren%20weltweit%20jedes%20Jahr,der%20Sch%C3%A4den%20selber%20tragen%20mussten.&text=Gr%C3%B6%C3%9Ftkatastrophen%20durch%20Erdbeben%20oder%20Hurrikane,Naturkatastrophe%20mit%20den%20h%C3%B6chsten%20Gesamtsch%C3%A4den.">Die hohen Kosten für Verluste und Schäden</a> können hier aufgrund von geringer finanzieller Absicherung oder gänzlich fehlender Ressourcen oft nicht bewältigt werden. Aus diesem Grund verpflichtet das ÜvP wirtschaftsstärkere Staaten dazu, den ärmsten und verwundbarsten Ländern zu helfen, Schäden und Verluste durch den Klimawandel zu bewältigen. Formen der Unterstützung sind beispielsweise finanzielle Mittel für die Minderung von Treibhausgasemissionen und die Anpassung an Klimawandelfolgen, die Weitergabe von Technologie, Kapazitätsaufbau und die Vermittlung und der Austausch von Erfahrungen sowie Wissen.</p> </p><p> Von Kyoto nach Paris <p>Mit dem Vorläufer des ÜvP, dem <strong>Kyoto-Protokoll</strong>, trat 2005 zum ersten Mal ein internationales, völkerrechtlich bindendes Abkommen in Kraft, das absolute Treibhausgasminderungsziele setzte und vor allem die Hauptverursacher der Klimakrise, die Industriestaaten, in die Pflicht nahm. Allerdings verlor das Kyoto-Protokoll mit der Zeit an Wirkmacht: An der zweiten Verpflichtungsperiode von 2013-2020 nahmen einige der weltweit größten Emittenten nicht mehr teil. Die USA hatten das Protokoll nie ratifiziert, weil es verbindliche Ziele nur für Industrieländer vorsah und nicht für große Schwellenländer wie China oder Indien.</p> <p>2015 gelang dann dank des Einsatzes zahlreicher Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Verabschiedung des <strong>Übereinkommens von Paris</strong>. Dieses verpflichtet die 195 Vertragsparteien (darunter 194 Staaten und die EU) völkerrechtlich bindend dazu, „die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst jedoch auf 1,5 °C, gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen“ (ÜvP, 2015).</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/13194/bilder/zitat_uvp_juliane_berger.png"> </a> <strong> Juliane Berger, Teil der deutschen COP-Delegation 2015 und Fachgebietsleiterin im UBA, erinnert sich </strong> Quelle: Susanne Kambor / UBA </p><p> <p>In den folgenden <strong>Interviews</strong> teilen weitere Protagonist*innen von Paris ihre Perspektive auf das Abkommen und die Ereignisse von 2015.</p> <p><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLd2kshRyXxRTt3vaHomZ8CixFkQYJAuR0">Die Langversionen aller Interviews finden Sie hier.</a></p> Quelle: Umweltbundesamt 05.12.2025 10 Jahre Übereinkommen von Paris: Persönliche Erinnerungen </p><p> Paris 2015: Ambitionierte Ziele für alle Vertragsparteien <p>Anders als das Kyoto-Protokoll verpflichtet das ÜvP alle Vertragsparteien, und nicht nur die Industriestaaten, zur ambitionierten <strong>Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen</strong>. Dabei gilt der Grundsatz der „Gerechtigkeit und der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und jeweiligen Fähigkeiten angesichts der unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten“ (ÜvP, 2015). Das bedeutet: Länder, die mehr Verantwortung für die Klimakrise tragen, vor allem die Industrieländer, sollen auch größere Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels übernehmen, und Entwicklungsländer bei <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> und -anpassung unterstützen. Alle fünf Jahre müssen die Vertragsparteien des ÜvP ihre nationalen Klimaschutzbeiträge (engl. „Nationally Determined Contributions“, NDCs) einreichen und so darlegen, welchen Beitrag sie zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen leisten werden. Auf absolute, verbindliche Ziele zur Minderung von Treibhausgasen wurde im ÜvP verzichtet, nicht zuletzt aufgrund des Widerstands der USA.</p> <p>Stattdessen gibt das ÜvP einen „Ambitionsmechanismus“ vor: Die neuesten Klimaschutzbeiträge müssen stets eine Steigerung gegenüber dem vorherigen Ziel sein und die größtmögliche Ambition darstellen. Die neuen, 2025 eingereichten NDCs sollen sich an einer <strong>Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau</strong> ausrichten. Diese Entscheidung ging 2023 aus der Globalen Bestandsaufnahme (engl. „Global Stocktake“, GST) hervor, die alle fünf Jahre den gemeinsamen Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele des Abkommens bewertet.</p> <p>Dass das <strong>1,5-Grad-Ziel</strong> in das ÜvP mit aufgenommen wurde, ist übrigens insbesondere den kleinen Inselstaaten (engl. „Small Island Developing States“, SIDS) zu verdanken, die in Paris mithilfe einiger Industrieländer – darunter auch Deutschland (als Teil der „High Ambition Coalition“, HAC) – für die 1,5-Grad-Grenze geworben hatten. Für die Inselstaaten geht es dabei um nicht weniger als ihre Existenz. Im Juli 2025 bestätigte der <a href="https://enb.iisd.org/international-court-justice-advisory-opinion-climate-change-23Jul2025?utm_medium=email&utm_campaign=ENB%20Update%20-%2024%20July%202025&utm_content=ENB%20Update%20-%2024%20July%202025+CID_9ac593ad858df6789008505f3d3500fe&utm_source=cm&utm_term=Read%20highlights%20and%20images">internationale Gerichtshof in einem Gutachten</a> zur Verantwortung der Staaten für die Bewältigung der Klimakrise, dass das 1,5-Grad-Ziel als primäres Temperaturziel des Pariser Abkommens zu verstehen ist.</p> </p><p> Die Architektur des Übereinkommens <p>Dank der Verhandlungen auf der 29. Weltklimakonferenz (COP29) in Baku in Aserbaidschan 2024, sind die letzten noch offenen Regelungspunkte abgearbeitet und entschieden worden, so dass nun alle <strong>Mechanismen des Übereinkommens von Paris</strong> vollständig umgesetzt werden können. Zur Architektur des ÜvP zählen</p> <ul> <li>die nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs), die dem bereits erwähnten Ambitionsmechanismus unterliegen, sich also immer weiter steigern müssen,</li> <li>der erweiterte Transparenzrahmen (Enhanced Transparency Framework) mit einheitlichen Vorgaben für nationale Berichte zu Emissionsmengen, damit diese untereinander vergleichbar sind,</li> <li>die Globale Bestandsaufnahme (GST), die alle fünf Jahre den gemeinsamen Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele des Abkommens bewertet und</li> <li>die Marktmechanismen, die Vertragsparteien die Möglichkeit bieten, bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzziele zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, dass im eigenen Land angerechnete Emissionsminderungen unter bestimmten Voraussetzungen in Drittländern durchgeführt werden können, beispielsweise durch den Handel mit Emissionszertifikaten.</li> </ul> <p>Außerdem gibt das ÜvP den Rahmen für die globale Klimafinanzierung, die Klimaanpassung und die Anerkennung von Verlusten und Schäden vor.</p> </p><p> Das Übereinkommen wirkt, aber nicht schnell genug <p>Ein Vergleich der früheren und aktuellen Projektionen zur Entwicklung globaler Durchschnittstemperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts zeigt: Die Architektur und die <strong>Mechanismen des Übereinkommens von Paris funktionieren</strong> und wirken. Laut des <a href="https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2016">UNEP Emissions Gap Reports 2016</a> steuerte die Welt mit der ersten Runde der nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) 2015 noch auf eine 3,4 Grad Celsius wärmere Welt zu. Der aktuelle <a href="https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2025">UNEP Emissions Gap Report 2025</a> geht unter Berücksichtigung der neuen, bis Ende September 2025 eingereichten und angekündigten NDCs von einer globalen Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad bis zum Jahr 2100 aus. Bei der Fortführung aktueller politischer Maßnahmen zur Treibhausgasminderung würde laut dem Bericht eine Erwärmung von 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts erreicht werden. Letztes Jahr lag diese Zahl in dem Bericht noch bei 3,1 Grad.</p> <p>Das Übereinkommen von Paris wirkt also <strong>noch nicht schnell genug</strong>: <strong>Mit den aktuellen NDCs sind die Temperaturziele des ÜvP nicht zu erreichen.</strong></p> <p><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLd2kshRyXxRTt3vaHomZ8CixFkQYJAuR0">Die Langversionen aller Interviews finden Sie hier.</a></p> Quelle: Umweltbundesamt 05.12.2025 10 Jahre Übereinkommen von Paris: Erfolge des Abkommens </p><p> Wichtige Ziele und Themen des Übereinkommens: Wo stehen wir heute? <strong>Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, idealerweise 1,5 °C (Artikel 2.1a):</strong> <p>Artikel 2.1(a) definiert das übergeordnete Ziel des Übereinkommens: die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau und am besten auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Diese Begrenzung soll die schlimmsten Folgen des Klimawandels vermeiden, das Risiko von Extremereignissen reduzieren (z. B. Dürren, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg) und so der Menschheit noch die Möglichkeit geben, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Das 1,5-Grad-Ziel soll außerdem die steigende globale Ungerechtigkeit durch die Auswirkungen einer Erderwärmung über 1,5 Grad Celsius begrenzen. 2024 war jedoch das erste Jahr, in dem bereits eine globale Durchschnittstemperatur von plus 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit dokumentiert wurde. Setzt sich der aktuelle Erwärmungstrend fort, könnte das Überschreiten des 1,5-Grad-Ziels des ÜvP, das sich auf einen klimatologischen Zeitrahmen von mindestens 20 Jahren bezieht, bereits in den 2030er Jahren rückwirkend nachgewiesen werden.</p> <p><a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/114877">Hier finden Sie weitere Informationen zum 1,5-Grad-Ziel unter dem Übereinkommen von Paris.</a></p> <strong>Klimaschutz und Anpassung finanzieren (Artikel 2.1c und 9.1):</strong> <p>Die Kosten zum Erreichen der Pariser Klimaziele sind enorm. Eine <a href="https://www.climatepolicyinitiative.org/wp-content/uploads/2023/11/GLCF-2023-Methodology.pdf">Analyse der Climate Policy Initiative (CPI) aus dem Jahr 2023</a> kam zu dem Schluss, dass in den Jahren bis 2030 weltweit durchschnittlich <strong>Investitionen für Klimaschutz und Anpassung in Höhe von etwa 8.000 Milliarden US-Dollar pro Jahr</strong> anfallen. </p> <p>Entwicklungsländer haben nur geringe finanzielle Möglichkeiten, sind aber vom <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> besonders betroffen, ohne viel zu ihm beigetragen zu haben. In Paris wurde 2015 deshalb beschlossen, dass die Industriestaaten an Entwicklungsländer 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die Bewältigung der Klimakrise zahlen sollen. Diese Marke wurde erstmals im Jahr 2022 erreicht.</p> <p>Auf der Klimakonferenz 2024 in Baku (COP29) wurde ein neues Klimafinanzierungsziel, das „New Collective Quantified Goal“ (NCQG) ausgehandelt. Das NCQG sieht vor, dass die Summe der Zahlungen an Entwicklungsländer ab 2035 auf 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr angehoben werden soll. Zudem soll die Klimafinanzierung durch Einbeziehung aller Akteure, darunter auch der Privatwirtschaft, ab 2035 auf insgesamt 1.300 Milliarden US-Dollar pro Jahr gesteigert werden.</p> <p>Damit verbleibt immer noch eine enorme Finanzierungslücke. Geld ist indes vorhanden – es müsste nur umgeleitet werden: Laut <a href="https://www.imf.org/en/topics/climate-change/energy-subsidies">Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF)</a> wurden fossile Energien im Jahr 2022 weltweit mit insgesamt 7.000 Milliarden US-Dollar staatlich gefördert. Bis 2030 erwartet der IWF sogar einen Anstieg fossiler Subventionen auf 8.200 Milliarden US-Dollar jährlich. Um das Klimafinanzierungsziel von 1.300 Milliarden US-Dollar zu erreichen, könnte auch eine <a href="https://unctad.org/publication/all-roads-lead-reform-financial-system-fit-mobilize-13-trillion-climate-finance">globale Finanztransaktionssteuer</a> helfen.</p> <p>Das ÜvP ruft in Artikel 2.1c dazu auf, die globalen „Finanzmittelflüsse in Einklang […] mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaveränderungen widerstandsfähigen Entwicklung“ zu bringen (ÜvP, 2015). Investitionen in erneuerbare Energien lenken die Weltmärkte schon heute in eine klimafreundlichere Richtung. <a href="https://www.irena.org/Publications/2025/Nov/Global-landscape-of-energy-transition-finance-2025">Globale Investitionen in die Energiewende</a> sind laut der internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) 2024 auf 2.400 Milliarden US-Dollar angestiegen. Sie konzentrierten sich allerdings großenteils auf China und Industrieländer. Außerdem bleiben sie hinter den Zielen der ersten Globalen Bestandaufnahme (u. a. Verdreifachung der globalen Kapazitäten für erneuerbare Energien bis 2030) zurück und reichen bei weitem nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.</p> <p>Kleine Fortschritte gab es auf der COP30 für die Finanzierung der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/anpassung-an-den-klimawandel">Anpassung an den Klimawandel</a>. Diese soll bis 2035 verdreifacht werden. Bislang ist aber unklar, auf welcher Summe diese Verdreifachung basieren wird.</p> <p><a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/120271">Hier finden Sie weitere Informationen zur internationalen Klimafinanzierung. </a></p> <strong>Treibhausgase reduzieren (Artikel 4):</strong> <p>Artikel 4 des Übereinkommens von Paris beschäftigt sich mit dem Klimaschutz, also dem Reduzieren der globalen Treibhausgasemissionen. Um die Ziele des ÜvP zu erreichen, haben sich die Vertragsparteien darauf geeinigt, dass der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und „in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken“ hergestellt werde soll (ÜvP, 2015). Das bedeutet, dass nur noch so viele Treibhausgase in die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/atmosphaere">Atmosphäre</a> gelangen, wie zum Beispiel durch Wälder und andere Senken wieder aufgenommen werden können.</p> <p>Aktuell besteht eine beachtliche globale Ambitions- und Umsetzungslücke bei der Reduzierung von Treibhausgasen: Um das 1,5-Grad-Ziel von Paris zu erreichen, wäre laut Weltklimarat ein globaler Rückgang der Treibhausgasemissionen bis 2035 von 60 Prozent gegenüber 2019 nötig. Bei vollständiger Umsetzung der <a href="https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement/nationally-determined-contributions-ndcs/2025-ndc-synthesis-report">neuen, bis zum 10. November 2025 eingereichten nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs)</a> wird nur ein Rückgang der Emissionen von circa 12 Prozent bis 2035 gegenüber 2019 erwartet. Vor Verabschiedung des Übereinkommens von Paris wurde jedoch noch erwartet, dass die Emissionen bis 2035 um 20-48 Prozent steigen.</p> <p>Zusätzlich zu den NDCs ruft das ÜvP alle Vertragsparteien dazu auf, langfristige Niedrigemissionsstrategien (engl. „Long-Term Low <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/emission">Emission</a> Development Strategies“, LT-LEDS) auszuarbeiten. Diese sollen aufzeigen, wie Länder treibhausgasneutral werden. Bislang habe 79 Vertragsparteien des ÜvP LT-LEDS eingereicht.</p> <p>Um die Temperaturziele des ÜvP in Reichweite zu halten, muss sobald wie möglich der globale Scheitelpunkt der Emissionen erreicht werden, die Emissionen müssen also auf globaler Ebene sinken. Im <a href="https://www.nature.com/articles/s43017-025-00658-x">Jahr 2024 sind die globalen Emissionen noch um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr</a> gestiegen. </p> <p><a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/116052">Hier finden Sie weitere Informationen zu nationalen Klimaschutzbeiträgen (NDCs ).</a></p> <strong>Natürliche Kohlenstoffsenken stärken (Artikel 5):</strong> <p>Eine wichtige Rolle beim globalen Klimaschutz kommt den sogenannten naturbasierten Lösungen (engl. „Nature-based Solutions“, NbS) zu. Um die Erderwärmung zu begrenzen, brauchen wir <strong>intakte Ökosysteme, die Treibhausgase absorbieren</strong>. „Maßnahmen zur Erhaltung und gegebenenfalls Verbesserung von Senken und Speichern von Treibhausgasen, darunter Wälder“ sind daher fest im ÜvP verankert (ÜvP, 2015).</p> <p>Auf der COP26 wurde 2021 in Glasgow entschieden, dass die Entwaldung bis zum Ende des Jahrzehnts beendet werden soll. Dennoch gingen auch 2024 weltweit 8,1 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche fast so groß wie alle Wälder Deutschlands zusammengenommen (<a href="https://forestdeclaration.org/resources/forest-declaration-assessment-2025/">Forest Declaration Assessment 2025</a>), und kaum weniger als die 8,3 Millionen Hektar jährlich zu Beginn der Dekade. Dabei ist die Landwirtschaft der Haupttreiber der Abholzung, aber auch Klimawandelfolgen wie Trockenheit und Waldbrände sorgen für erhebliche Schäden, vor allem an Tropenwäldern. Das Dilemma: Je stärker der Klimawandel voranschreitet, desto mehr büßen die Ökosysteme ihre Klimaschutzwirkung ein, etwa ihre Fähigkeit, Kohlendioxid zu binden und ihre Umgebung durch <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/verdunstung">Verdunstung</a> zu kühlen. Auf der COP30 in Brasilien wurde ein freiwilliger Fonds zum Schutz der Tropenwälder angestoßen. Deutschland will sich mit 1 Milliarde Euro bis 2035 beteiligen.</p> <p>Hier finden Sie weitere Informationen zu <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/110455">naturbasierten Lösungen für Klima- und Biodiversitätsschutz</a> und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/101283">Klimaschutz in der Landwirtschaft auf globaler Ebene</a>. </p> <strong>Transparenz herstellen (Artikel 13):</strong> <p>Der in Artikel 13 des ÜvP ausgeführte Transparenzrahmen soll „zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und zur Förderung einer wirksamen Umsetzung“ der Pariser Klimaziele beitragen (ÜvP, 2015). Er sorgt dafür, dass <strong>alle Staaten offenlegen, was sie zum Klimaschutz beitragen und welche Unterstützung sie erhalten oder leisten</strong>. Alle zwei Jahre müssen Vertragsparteien des ÜvP Transparenzberichte (sogenannte „Biennial Transparency Reports“, BTRs) vorlegen. Diese müssen Informationen über die nationalen Treibhausgasinventare, die Fortschritte bei der Umsetzung ihrer nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs), ihre Anpassungsmaßnahmen sowie (bei Industrieländern) geleistete Unterstützung oder (bei Entwicklungsländern) erhaltene Unterstützung enthalten. Außerdem sollen sie Bedarfe und Prioritäten für zukünftige Unterstützung aufzeigen.</p> <p>Die Umsetzung des erweiterten Transparenzrahmens wurde 2018 auf der COP24 in Katowice beschlossen. Erstmals mussten Staaten Transparenzberichte bis Ende 2024 einreichen, etwa <strong>die Hälfte der Vertragsparteien, darunter auch Deutschland, ist dem Aufruf nachgekommen</strong>. Die Berichte dienen auch als eine Grundlage für die Globale Bestandsaufnahme.</p> <p>Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention (englisch „United Nations Framework on Climate Change“, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/unfccc">UNFCCC</a>) hat Ende Oktober 2025 einen <a href="https://unfccc.int/process-and-meetings/transparency-and-reporting/reporting-and-review/reporting-and-review-under-the-paris-agreement/biennial-transparency-reports/2025-synthesis-report-of-biennial-transparency-reports">zusammenfassenden Bericht zu den Transparenzberichten</a> veröffentlicht.</p> <strong>Fortschritte messen und bewerten (Artikel 14):</strong> <p>In Artikel 14 ruft das ÜvP die Vertragsparteien zu einer regelmäßigen „Bestandsaufnahme der Durchführung dieses Übereinkommens“ auf (ÜvP, 2015). Die daraus abgeleitete <strong>Globale Bestandsaufnahme</strong> (engl. „Global Stocktake“, GST) <strong>bewertet alle fünf Jahre den kollektiven Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele des Übereinkommens von Paris</strong>. Die erste Globale Bestandsaufnahme wurde 2023 abgeschlossen. Das Ergebnis zeigte: <strong>Um die Ziele des ÜvP zu erreichen, müssen alle Länder ihre Klimaschutzanstrengungen massiv erhöhen.</strong> Auf der COP28 in Dubai einigten sich die Vertragsparteien des ÜvP auf konkrete Schritte: Bis 2030 soll die weltweite Kapazität an erneuerbaren Energien verdreifacht und die Energieeffizienz verdoppelt werden. Bis 2050 sollen sich Staaten von fossilen Energien abkehren. Zudem wurde der Beschluss der COP26 bekräftigt, die globale Entwaldung bis 2030 zu stoppen und umzukehren sowie auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster und Kreislaufwirtschaftskonzepte umzusteigen.</p> <p><a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/90901">Hier finden Sie weitere Informationen zur globalen Bestandsaufnahme unter dem Übereinkommen von Paris.</a> </p> <p><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLd2kshRyXxRTt3vaHomZ8CixFkQYJAuR0">Die Langversionen aller Interviews finden Sie hier.</a></p> Quelle: Umweltbundesamt 05.12.2025 10 Jahre Übereinkommen von Paris: Herausforderungen </p><p> 10 Jahre nach Paris </p><p> Aufwind für die Energiewende – auch ohne die USA <p>Insbesondere zu der Entscheidung der globalen Bestandsaufnahme, die erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 zu verdreifachen, gibt es Fortschritte: 2024 wurde die globale Kapazität für erneuerbare Energien um 15,1 Prozent gesteigert. Um das Ziel der Verdreifachung bis 2030 zu erreichen, <a href="https://www.irena.org/News/pressreleases/2025/Oct/World-Breaks-Renewable-Records-but-Must-Move-Faster-to-Hit-2030-Tripling-Goal-DE">bedarf es ab 2025 einem jährlichen Zuwachs von 16,6 Prozent</a>. Im ersten Halbjahr 2025 produzierten erneuerbare Energien global zudem erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke. Die Energieerzeugung ist, als Sektor mit den weitaus größten Emissionen, eine der wichtigsten Stellschrauben für die globale Klimatransformation.</p> <p>Die positive Dynamik in der globalen Energiewende wird sich auch durch den erneuten Ausstieg der USA aus dem ÜvP Anfang 2025 nicht aufhalten lassen. Seit die USA in der ersten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump 2016 aus dem ÜvP ausgestiegen sind (um dann unter der Regierung von Joe Biden wieder beizutreten), hat sich auf dem internationalen Markt einiges getan. 2024 waren 91 Prozent der weltweit in Betrieb genommenen <a href="https://www.irena.org/Publications/2025/Oct/UAE-Consensus-2030-tripling-renewables-doubling-efficiency">Wind- und Solarprojekte bereits günstiger als die günstigste verfügbare Alternative fossiler Brennstoffe</a>. Insbesondere China setzt für seine wirtschaftliche Entwicklung auf „CleanTech“ und hat sich zum Weltmarktführer erneuerbarer Technologien und elektrischer Mobilität entwickelt. <a href="https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2025/trends-in-electric-car-markets-2">Mehr als jedes fünfte neu zugelassene Auto weltweit fährt inzwischen elektrisch.</a> Etwa Dreiviertel der Elektroautos weltweit wurden 2024 in China hergestellt. Auch beim Export und der eigenen installierten Leistung erneuerbarer Energien verzeichnete China 2024 ein Rekordwachstum, blieb aber gleichzeitig mit etwa 30 Prozent Anteil an den globalen Treibhausgasemissionen weltweit größter Emittent, gefolgt von den USA auf Platz zwei mit etwa 14 Prozent.</p> <p>Das Ausscheiden der USA aus dem ÜvP hinterlässt somit eine enorme Lücke im globalen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a>, die derzeit weder von China noch der EU gefüllt werden wird. Auf der COP30 in Brasilien hat sich erstmals eine Allianz aus Staaten gebildet, die konkrete Schritte zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen gehen wollen. Die EU hat sich zwar offiziell dafür ausgesprochen, steht aber ohne die USA als Unterstützer schwächer gegen Länder mit fossilen Geschäftsmodellen, wie Saudi-Arabien, Russland und auch China, da. </p> <p>Künftig steht die EU vor der Herausforderung, auch ohne Rückenwind durch die USA die eigene Wirtschaft konsequent weiter umzubauen und die globale Klimatransformation und den Ausbau klimafreundlicher Technologie mit anzuführen, um auch wirtschaftlich von ihr zu profitieren.</p> </p><p> Klimaschutz sichert Wohlstand <p>Insgesamt steht außer Frage, dass <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> wirtschaftliche Vorteile hat: Gut konzipierte Klimapolitiken führen laut einer <a href="https://www.oecd.org/en/publications/2025/06/investing-in-climate-for-growth-and-development_9ce9b093/full-report.html">Studie</a> der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des United Nations Development Programme (UNDP) sogar kurzfristig zu stärkerem Wirtschaftswachstum, wie sich im Vergleich mit Szenarien zeigt, die auf aktuellen Politiken basieren. Langfristig betrachtet lohnt sich ambitionierter Klimaschutz noch viel mehr: Selbst gemäß den eher konservativen Schätzungen von OECD und UNDP verhindern ambitioniertere Klimapläne von Staaten signifikante klimawandelbedingte wirtschaftliche Verluste und sind notwendig, um langfristig Wohlstand zu sichern. Laut der Studie würden ambitionierte Klimaziele bis 2050 ein Plus von 3 Prozent und bis 2100 von 13 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes bedeuten. Demgegenüber standen allein 2024 <a href="https://www.oecd.org/en/publications/the-climate-action-monitor-2025_1819c631-en/full-report.html">laut OECD</a> Schäden durch klimabedingte Katastrophen in Höhe von weltweit 285 Milliarden Euro. Laut einer <a href="https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/nature-studie-zu-klimaschaeden-ueberarbeitet">Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung</a> ist bis 2049 mit fünfmal höheren Kosten für Schäden durch den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> zu rechnen als mit Vermeidungskosten für die Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad.</p> </p><p> Trotz Schwächen historisch einzigartig <p>Das ÜvP wurde geschaffen, um Staaten den Weg hin zur Treibhausneutralität in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu weisen und anhand von Meilensteinen politischen Druck aufzubauen, die Klimatransformation in ihren Ländern voranzutreiben. Eine zentrale Herausforderung dabei ist, dass die globalen Anstrengungen zum <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> zwar auf internationaler Ebene ausgehandelt werden, aber auf nationaler Ebene umgesetzt werden müssen. Das ÜvP ist völkerrechtlich bindend, sieht aber keine Sanktionen vor, wenn Staaten ihre nationalen Klimaschutzbeiträge nicht einreichen oder umsetzen. Ambitions- und Umsetzungslücken werden in der Globalen Bestandsaufnahme lediglich kollektiv bewertet. Zudem können Entscheidungen nur per Konsens getroffen werden, sodass einzelne Vertragsparteien ambitionierte Beschlüsse blockieren können. Diese Aspekte des Abkommens sind kritisch zu betrachten und können das Vorankommen beim Klimaschutz ausbremsen. Daran haben auch die jüngsten Verhandlungen der COP30 erinnert, bei denen auch zehn Jahre nach Verabschiedung des ÜvP kein Konsens für einen konkreten Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen gefunden werden konnte.</p> <p>Trotz dieser Schwächen ist die internationale Zusammenarbeit unter dem ÜvP und der Klimarahmenkonvention historisch einzigartig und für die Lösung des globalen Problems <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimawandel">Klimawandel</a> unverzichtbar. Heute steht die Welt im Kampf gegen die Klimakrise zwar noch nicht gut da, aber wesentlich besser, als es ohne das ÜvP der Fall gewesen wäre. Zudem haben die internationalen Verhandlungen vor allem auch kleinen Staaten, die mitunter besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, eine lautere Stimme verliehen. Denn unter dem ÜvP zählen die Stimmen aller Vertragsparteien, unabhängig von Größe, Bevölkerung oder Wirtschaftskraft, gleichwertig. Dass die Weltgemeinschaft aktuell auf dem Kurs ist, das 1,5-Grad-Ziel zu verfehlen, kann kein Anlass sein, das ÜvP als gescheitert zu erklären. Vielmehr müssen die Ziele und Leitlinien des Abkommens ambitionierter denn je verfolgt werden, um einem immer gefährlicher werdenden Klimawandel entgegenzuwirken.</p> </p><p> Wie geht es jetzt weiter? <p>Eines der zentralen Themen der COP30 im brasilianischen Belém dieses Jahr war die <strong>Abkehr von fossilen Energien</strong>, die 2023 auf der COP28 in Dubai beschlossen wurde. Zwar konnten die Staaten in Belém keinen Konsens für einen konkreten Fahrplan zum Ausstieg aus den Fossilen finden, trotzdem haben die Verhandlungen den Weg für freiwillige Initiativen von Vorreitern geebnet. Im April 2026 laden Kolumbien und die Niederlande zur ersten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ein. COP30-Präsident André Corrêa do Lago hat zudem die Erstellung von Fahrplänen für den Ausstieg aus den Fossilen sowie für den Stopp der Entwaldung unter seiner noch bis zur nächsten COP andauernden Präsidentschaft angekündigt.</p> <p>Freiwillige Allianzen sind für das Erreichen der Pariser Klimaziele enorm wichtig und helfen, Lücken im globalen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> zu schließen. Für solche „Koalitionen der Willigen“ gibt es bereits viele Beispiele von <strong>Zusammenschlüssen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure</strong>. Hierzu zählt auch die auf der COP30 ins Leben gerufene „Tropical Forest Forever Facility“ (TFFF) zum Erhalt der für den Klimaschutz so wichtigen Tropenwälder oder die auf der COP28 in Dubai gegründete <a href="https://www.champ-climate.org/">Koalition für hohe Ambitionen und Multilevel-Partnerschaften (CHAMP),</a> die die Zusammenarbeit von nationalen und sub-nationalen Regierungsebenen beim Klimaschutz stärken soll.</p> <p>Auch <strong>internationale Energiepartnerschaften</strong> wie die „Just Energy Transition Partnerships“ (JTEP) können zum notwendigen Wandel beitragen. Sie orientieren sich an den Pariser Klimazielen und haben zum Ziel, fossile Energieträger in Entwicklungs- und Schwellenländern mit hohen Treibhausgasemissionen zu ersetzen und dabei soziale Gerechtigkeit zu stärken. <a href="https://www.bmz.de/de/aktuelles/deutsche-g7-praesidentschaft-just-energy-transition-partnerships-114320">Deutschland hat derzeit JTEPs mit Südafrika, Indonesien, Vietnam und Senegal. </a> </p> <p>Das Umweltbundesamt begleitet zudem <strong>bilaterale Klimapartnerschaften</strong>, etwa den <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/115285">Deutsch-Chinesischen Track-2-Dialog</a> und den <a href="https://www.swp-berlin.org/publikation/die-deutsch-brasilianische-partnerschaft-fuer-sozial-oekologische-transformation">Deutsch-Brasilianischen Track-1.5-Dialog</a>.</p> <p>Als Co-Vorsitzende bringt Deutschland sich auch im <a href="https://climate-club.org/">Klimaclub</a> ein, ein Zusammenschluss aus derzeit 46 Ländern, der sich auf Wissensaustausch zur Dekarbonisierung der Industrie fokussiert – mit dem Ziel, die Pariser Klimaziele zu erreichen.</p> </p><p> Die Rolle Deutschlands und der EU <p>Die neue Runde der nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) unter dem ÜvP weisen dieses Jahr den Weg für den globalen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a> bis 2035. Das neue NDC der EU, das aus dem EU-Klimaziel für 2040 abgeleitet wurde, reicht wie jenes vieler anderer Vertragsparteien des ÜvP nicht aus, um bis 2035 auf einen mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatiblen Emissionspfad zu kommen.</p> <p>Die EU und Deutschland tragen historisch eine besonders große Verantwortung für den Klimawandel und liegen mit einem <a href="https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/cli_gge_foot/default/table?lang=en">Pro-Kopf-Ausstoß von 9,1 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr (EU) und 10,8 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr (Deutschland)</a> auch heute noch um circa <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/88592">60 Prozent über dem globalen Durchschnitt</a>. Sie sollten daher ihrer <a href="https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/european-green-deal_de">selbstgesteckten Vorreiterrolle</a> beim Klimaschutz gerecht werden. Hierfür gibt es in Deutschland auch Mehrheiten: Laut der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/11271">Umweltbewusstseinsstudie 2024 des UBAs</a> halten 54 Prozent der Menschen in Deutschland Umwelt- und Klimaschutz weiterhin für sehr wichtig. Dennoch fällt Deutschland derzeit im Vergleich von 63 Ländern und der EU beim Klimaschutz zurück: Beim <a href="https://www.germanwatch.org/de/93330">Climate Change Performance Index 2026</a> erreichte Deutschland nur noch Platz 22, im vergangenen Jahr hatte es noch für Platz 16 gereicht.</p> <p>Derweil schreitet der <a href="https://climate.copernicus.eu/why-are-europe-and-arctic-heating-faster-rest-world">Klimawandel in Europa seit den 1980er Jahren doppelt so schnell voran</a> wie im globalen Durchschnitt. Für Deutschland meldete der Gesamtverband der deutschen Versicherer für 2024 <a href="https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/gdv-naturgefahrenstatistik-2024-hochwasserschaeden-mehr-als-verdoppelt-188734">Schäden durch Extremwetter in Höhe von 5,7 Milliarden Euro</a> – etwa eine Milliarde mehr als im Vorjahr. Dafür verantwortlich sind vor allem zunehmende Starkregenereignisse und Überschwemmungen. Während der globale Meeresspiegelanstieg besonders für kleine Inselstaaten im Pazifik bereits heute existenzbedrohend ist, macht dieser auch an europäischen Küsten nicht Halt. Laut Weltklimarat ist in diesem Jahrhundert mit einem globalen Meeresspiegelanstieg von bis zu einem Meter zu rechnen (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/ipcc">IPCC</a>, 2021). <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/109736">Dieser wird auch in Deutschland zu zunehmenden Sturmfluten und Überschwemmungen führen.</a></p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/13194/bilder/ribera_zitat_de_quer_0.png"> </a> <strong> Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin, Europäische Kommission </strong> Quelle: Teresa Ribera / Europäische Kommission </p><p> Jedes zehntel Grad weniger globale Erwärmung zählt <p>Die Ziele des Übereinkommens von Paris sind nicht willkürlich gesteckt. Sie resultieren aus einem Prozess, in dem die Grenzen der politischen, technischen und sozialen Machbarkeit ausgelotet wurden. Jedes Überschreiten der Pariser Temperaturziele kann neben zunehmenden Naturkatastrophen und Extremwetterereignissen schwerwiegende und möglicherweise irreversible Veränderungen im <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimasystem">Klimasystem</a> zur Folge haben. Das Übereinkommen von Paris bleibt auch zehn Jahre nach Verabschiedung zentrale Leitlinie und Orientierungsrahmen für den internationalen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/klimaschutz">Klimaschutz</a>. In den vergangenen Jahren wurden viele Berichte veröffentlicht, die Lücken beim Verfolgen der Pariser Klimaziele aufzeigen. Zukünftig braucht es noch mehr konkrete Fahrpläne, wie wir diese Lücken schließen und die Ziele des Abkommens in Reichweite halten können, denn es geht um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen, unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. <strong>Zehn Jahre nach Paris gilt: Jedes zehntel Grad zählt!</strong></p> </p><p> UBA-Präsident Dirk Messner über Chancen und Risiken für den Klimaschutz <p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xlhgzKP6xY0&list=PLd2kshRyXxRTt3vaHomZ8CixFkQYJAuR0&index=5">Die Langversion des Interviews finden Sie hier.</a></p> Quelle: Umweltbundesamt 05.12.2025 10 Jahre Übereinkommen von Paris: UBA-Präsident Dirk Messner über Chancen und Risiken für den Klimaschutz </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Der menschliche Einfluss auf großräumige Änderungen des Klimas hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, sowohl in Atmosphäre, Ozean und Kryosphäre. Die genauen Eigenschaften physikalischer Prozesse und Mechanismen, die den menschlichen Einfluss von großräumigen auf lokale Skalen übertragen, sind allerdings kaum bekannt. Dies bedeutet eine erhebliche Unsicherheit für die Folgen des Klimawandels in der Zukunft. Das Problem der Übertragung betrifft auch den Gletscherrückgang im Hochgebirge, der überdies ein seltener Indikator für den Klimawandel in der mittleren Troposphäre ist. --- Das vorliegende Projekt hat das Ziel, unser Verständnis des Klimawandels in großer Höhe entscheidend zu verbessern. Das Fundament dafür legt eine neuartige und interdisziplinäre Methodik, mit der wir den menschlichen Anteil am Klimawandel in der großräumigen Klimadynamik, der regionalen Zirkulation über den ausgewählten Gebirgen sowie in der atmosphärischen Grenzschicht der dortigen Gletscher quantifizieren können. Die Verknüpfung prozessauflösender, physikalischer Modelle von globaler bis lokaler Skala sowie außergewöhnliche Messungen auf Gletschern in großer Höhe spannen diese Methodik auf. Sie wird letztlich ermöglichen, den menschlichen Anteil präzise zu erklären und die dafür verantwortlichen Mechanismen ausweisen zu können, inklusive der empfindlichsten Zusammenhänge im multiskaligen System ('Achillesfersen'). --- Der Einfluss des Projekts wird sich deutlich über die Glaziologie hinaus erstrecken. Unser Wissen über das globale Klimasystem wird durch den besser verstandenen Aspekt der Verknüpfung zwischen bodennahen Luftschichten und der mittleren Troposphäre profitieren. Auf regionalen und lokalen Skalen helfen die Ergebnisse für die Abschätzung von Klimafolgen, da Gletscheränderungen Wasserreserven und Naturgefahren beeinflussen. Und schließlich werden die Ergebnisse neue Wege für die Klimafolgenforschung allgemein aufzeigen, indem sie eine prozessauflösende und skalenübergreifende Methodik demonstrieren.
Das Projekt "Quantifying the Influence of SnowmelT on RIVEr Hydrology in High Mountain Asia (STRIVE)" fokussiert sich auf alpine Flüsse und dem Zeitpunkt und Menge der Schneeschmelze im Himalaya . In vielen alpinen Einzugsgebieten stammt ein signifikanter Teil des jährlichen Wasserhaushalts aus der Schneeschmelze, insbesondere während der Monate vor dem Beginn des Monsuns. Da die Gletscher in vielen hochgelegenen Bergregionen weiter schmelzen werden, wird der saisonale Wasserpuffer durch die Schneeschmelze in Zukunft noch wichtiger werden. Auch die Gefahr von Überschwemmungen wird zunehmen, da die steigenden Temperaturen die Schneeschmelze im Frühjahr beschleunigen. Trotz der Bedeutung des Schneewasserhaushalts für viele besiedelte Gebiete sind Zeitpunkt und Volumen der Schneeschmelze nach wie vor nur unzureichend bekannt - insbesondere in Einzugsgebieten in großer Höhe. Um besser quantifizieren zu können, wann und wo das Wasser der Schneeschmelze die alpinen Flüsse erreicht, wird das STRIVE-Projekt einen kombinierten in-situ- und satellitenbasierten Ansatz verwenden, um (1) den Zeitpunkt und die räumliche Verteilung der Schneeschmelze zu überwachen, (2) den Einfluss der Schneeschmelze auf die Flusshöhen und (3) Flusstemperaturen zu bewerten. Die im Rahmen des STRIVE-Projekts gesammelten neuen Daten mit hoher zeitlicher Auflösung werden mit lokalen und regionalen hydrologischen Daten kombiniert, um (4) ein umfassenderes Verständnis der aktuellen Schneeschmelze und deren Wassermenge für alpine Flüsse zu entwickeln. Hier spielen insbesondere die sich verändernden Klimabedingungen eine große Rolle. Die Ergebnisse des STRIVE-Projekts werden für Forscher verschiedener Fachbereiche in der physischen Geographie, Hydrologie und Geomorphologie, zum Einschätzen von Naturgefahren und für Manager sowie Entwickler von Wasserkraftwerken im gesamten Himalaya und in ähnlichen, von der Schneeschmelze angetriebenen alpinen Ökosystemen, von großem Nutzen sein. Um die Forschungszusammenarbeit und den Austausch mit den nepalesischen Partnern zu erleichtern und nachhaltiger zu machen, wird das STRIVE-Projekt zwei Workshops für Nachwuchswissenschaftlerinnen durchführen, die sich mit der Sammlung und Verarbeitung von in-situ- und Fernerkundungsdaten beschäftigen. Diese Workshops werden dazu beitragen, die Ergebnisse und Erkenntnisse des STRIVE-Projekts zu verbreiten und sicherzustellen, dass die entwickelten Methoden und Daten auch nach dem Ende des Projekts in die Forschung und in wasserpolitische Entscheidungen im Himalaya einfließen.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 230 |
| Europa | 2 |
| Global | 1 |
| Land | 15 |
| Weitere | 2 |
| Wissenschaft | 172 |
| Zivilgesellschaft | 1 |
| Type | Count |
|---|---|
| Daten und Messstellen | 53 |
| Ereignis | 24 |
| Förderprogramm | 190 |
| Taxon | 7 |
| Text | 24 |
| unbekannt | 14 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 30 |
| Offen | 275 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 179 |
| Englisch | 172 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Archiv | 21 |
| Bild | 6 |
| Datei | 54 |
| Dokument | 16 |
| Keine | 127 |
| Unbekannt | 3 |
| Webseite | 116 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 305 |
| Lebewesen und Lebensräume | 280 |
| Luft | 258 |
| Mensch und Umwelt | 305 |
| Wasser | 287 |
| Weitere | 290 |