Ziel von WRON ist, den Einfluss unterschiedlicher Landnutzungsformen auf die Biodiversität der Otjimbingwe-Region im westlichen Zentralnamibia am Beispiel von Großwild zu erfassen.
Die größten Populationen von Wildtieren leben in Namibia im Ökosystem Farmland. Wir untersuchen die Habitatnutzung ausgewählter Carnivorenarten auf Farmen mit unterschiedlichen Nutzungsformen (Rinderfarmen und Wildtierfarmen mit unterschiedlichen Bestandsdichten; Gäste- und Jagdfarmen) in Bezug auf Ressourcenverfügbarkeit und -verteilung, Habitatfragmentierung und Mensch-Tierkonflikten.
Zielarten sind Braune Hyäne (Parahyaena brunnea) und Leopard (Panthera pardus). Neben den beiden Topprädatoren sind auch kleinere Beutegreifer-Arten wie Karakal (Caracal caracal), Gepard (Acinonyx jubatus) und Schabrackenschakal (Canis mesomelas) sowie potentielle Beutetierarten wie Warzenschweine, Antilopen und größere Vogelarten (Strauß, Perlhühner) in die Untersuchungen eingeschlossen.
Projekt Braune Hyäne: Im Mittelpunkt steht die Frage, wieso sich die Braune Hyäne in den letzten Jahren auf kommerziell genutztem Farmland in Namibia so stark vermehren konnte.
Dabei interessieren uns die Fragen: Wo halten sich Braune Hyänen auf? Wie lange bleiben sie in ein und derselben Region? Wie viele gibt es überhaupt und sind sie gleichmäßig über alle Farmen verteilt? Was ist ihre Nahrungsgrundlage? Spielen Köderplätze und offene Müllkippen eine besondere Rolle in der Ernährung? Steht die Braune Hyäne in Konkurrenz zu Leoparden?
Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit Biologiestudenten und den lokalen Farmern durchgeführt. Das Ziel ist, mit den erhaltenen biologischen Erkenntnissen praktische Lösungsansätze zu bieten, die unterstützend bei der Bewirtschaftung der Farmen (Viehbetrieb oder Wildtiere) mitwirken sollen. Diese Lösungsansätze sollten in Managementpläne einfließen, die ebenfalls von anderen Farmern (landesweit) genutzt werden, um Verluste und Konflikte zu minimieren und zusätzlich die Toleranz gegenüber Beutegreifern zu erhöhen.
Im April 2012 führte PUMA das Rücknahmesystem Bring Me Back ein. Seither können Kunden in PUMA Stores weltweit gebrauchte Produkte zurückgeben, die dann durch die Firma I:CO der Weiterverwendung und Verwertung zugeführt werden. Auch die Produkte der neuen recyclefähigen und biologisch abbaubaren PUMA-InCycle-Kollektion, die seit März 2013 auf dem Markt sind, werden so erfasst. Hierzu gehört etwa das recycelbare PUMA Track Jacket, das zu 98 Prozent aus Polyester aus gebrauchten PET-Flaschen besteht. Der PUMA-Rucksack aus Polypropylen wird nach Gebrauch an den ursprünglichen Hersteller zurückgegeben, der das Material wieder zu neuen Rucksäcken verarbeitet. Durch solche Neuentwicklungen will PUMA seine Planungs- und Entscheidungsbasis verbessern. Deshalb hat sie bifa mit der Analyse abfallwirtschaftlicher Optionen für gebrauchte PUMA Produkte beauftragt. bifa untersuchte hierzu Referenzprodukte und Optionen für die Erfassung und Sortierung von Produkten und Materialien. 35 Pfade mit unterschiedlichen Verwertungs- und Beseitigungsansätzen wurden entwickelt und bewertet. Die Realisierungschancen der Pfade wurden dann dem zu erwartenden Nutzen insbes. für die Umwelt gegenübergestellt. Dabei wurde zwischen gut entwickelten und wenig entwickelten Abfallwirtschaften (Waste-Picking-Szenario W-P-Szenario) unterschieden. Es zeigte sich, dass Pfade, die im Szenario Abfallwirtschaft ökologisch nachteilig sind, im W-P-Szenario durchaus vorteilhaft sein können. Im W-P-Szenario sind zudem Pfade realisierbar, die in entwickelten Abfallwirtschaften keine Chance hätten. Die moderne Abfallverbrennung ist für W-P-Szenarien ökologisch vorteilhaft, aber dennoch eine schwierige Option. In entwickelten Abfallwirtschaften sollten Sammlung und Wiedereinsatz gebrauchter Schuhe und Textilien weiterentwickelt werden. Die folgenden generellen Empfehlungen wurden gegeben: - Der Einsatz von Recyclingmaterialien in PUMA-Produkten ist aus ökologischer Sicht zu empfehlen. Diese Erkenntnis wird auch durch die Ergebnisse der ersten ökologischen Gewinn-und-Verlust-Rechnung von PUMA belegt. Über die Hälfte aller Umweltauswirkungen entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette des Unternehmens werden bei der Herstellung von Rohmaterialien verursacht - Das Produktdesign sollte auch für bestehende Verwertungspfade optimiert werden, da realistischerweise nur ein Teil der Produkte über das Sammelsystem erfasst werden kann - Die ökologischen Vorteile von Produkten, die aus nur einem Material bestehen, kommen nur dann zum Tragen, wenn das Produkt nach Gebrauch aussortiert und das Material tatsächlich recycelt wird - Biol. abbaubare Produkte können auch Nachteile haben, zum Beispiel die schnellere Entwicklung von klimaschädlichem Methan bei ungeordneter Deponierung - Eine Verlängerung der Produktlebensdauer über den gesamten Lebenszyklus einschl. der Verwendung als Gebrauchtprodukt ist der effektivste Weg, Umweltlasten zu reduzieren. Meth. Ökobilanzierung und Systemanalyse (Text gekürzt)
ID: 4045 Allgemeine Informationen Kurzbeschreibung des Vorhabens: Das Vorhaben umfasst folgende Infrastrukturmaßnahmen: Zweigleisiger Ausbau der Strecke von Köln-Dellbrück Bf bis zur östlichen PFA-Grenze (Einfahrt Bergisch Gladbach Bf) einschließlich Ausbau und Ertüchtigung des vorhandenen Bahndammes Maßnahmen zur Schonung und Aufrechterhaltung des FFH-Gebietes Thielenbruch Neubau eines Außenbahnsteiges in Duckterath (Nordseite) mit barrierefreier Erschließung. Die Nutzlänge beträgt 170 Meter. Herstellung eines barrierefreien Einstieges in die S-Bahn am Haltepunkt Duckterath (Bestandsbahnsteig Südseite). Die Nutzlänge beträgt 170 Meter. Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik hin zur elektronischen Stellwerkstechnik (ESTW-Technik) Ergänzung der Leit- und Sicherungstechnik für einen dichteren Fahrplantakt und zusätzliche Bahnsteiggleise Rückbau des Nebengleises 18 in Bergisch Gladbach Errichtung von Stützbauwerken Errichtung von Lärmschutzwänden und passivem Lärmschutz Neubau von Eisenbahnüberführungen (Damaschkestraße, Franz-Hitze-Straße und Buchholzstraße) Erneuerung/Erweiterung Berührungsschutz an Straßen-/Personenüberführungen (Walterstraße, Paffrather Straße, Duckterather Weg) Neubau und Erweiterung der Oberleitungsanlage Raumbezug In- oder ausländisches Vorhaben: inländisch Ort des Vorhabens Verfahrenstyp und Daten Eingangsdatum der Antragsunterlagen: 18.12.2023 Art des Zulassungsverfahrens: Planfeststellung (Anhörung durch EBA) UVP-Kategorie: Verkehrsvorhaben Zuständige Behörde Verfahrensführende Behörde: Name: Eisenbahn-Bundesamt (Außenstelle Köln) Werkstattstraße 102 50733 Köln Deutschland Vorhabenträger DB InfraGO AG Hermann-Pünder-Str. 3 50679 Köln Deutschland Öffentlichkeitsbeteiligung Auslegung: Öffentliche Bekanntmachung Kontaktdaten des Auslegungsortes Eisenbahn-Bundesamt Werkstattstraße 102 50733 Köln Deutschland Eröffnungsdatum der Auslegung 15.04.2024 Enddatum der Auslegung 14.05.2024 Weitere Einzelheiten der Öffentlichkeitsbeteiligung im konkreten Verfahren Auf Verlangen eines Beteiligten kann eine leicht zu erreichende Zugangsmöglichkeit zur Verfügung gestellt werden. Hierfür ist die Anhörungsbehörde während der Dauer der Veröffentlichung im Internet (15.04.2024 bis einschließlich 14.05.2024) zu kontaktieren. Für den Beginn der Einwendungsfrist ist die Veröffentlichung im Internet maßgeblich. Eine über die Einwendungsfrist hinausgehende Bereitstellung der Planunterlagen auf der Internetseite des Eisenbahn-Bundesamtes verlängert diese nicht. Erörterung: Erörterungstermin zum Bauvorhaben Ausbau S11 / S-Bahn Stammstrecke Köln, PFA 2.1 Ort der Erörterung Bürgerhaus Bergischer Löwe Konrad-Adenauer-Platz 51465 Bergisch Gladbach Deutschland Ort der Informationsveranstaltung: Deutschland Hinweise / Ankündigungen / Erläuterungen: Der Erörterungstermin ist nicht öffentlich. Bitte bringen Sie die Einladung zum Erörterungstermin und ein Ausweisdokument mit. Die Tagesordnung und die Vollmacht zur Interessenwahrnehmung erhalten Sie über den Link zur EBA Internetseite. Erörterungstermin zum Bauvorhaben Ausbau S11 / S-Bahn Stammstrecke Köln, PFA 2.1 Ort der Erörterung Bürgerhaus Bergischer Löwe Konrad-Adenauer-Platz 51465 Bergisch Gladbach Deutschland Ort der Informationsveranstaltung: Deutschland Hinweise / Ankündigungen / Erläuterungen: Der Erörterungstermin ist nicht öffentlich. Bitte bringen Sie die Einladung zum Erörterungstermin und ein Ausweisdokument mit. Die Tagesordnung und die Vollmacht zur Interessenwahrnehmung erhalten Sie über den Link zur EBA Internetseite. Ende der Frist zur Einreichung von Einwendungen: 14.06.2024 Beginn der Frist zur Einreichung von Einwendungen: 15.04.2024 Verfahrensinformationen und -unterlagen Verlinkung auf die externe Vorhabendetailseite Verfahrensinformationen auf der EBA Internetseite
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LIFE LUCHS
Pfälzerwald
Projektbericht 2015 – 2021
gefördert durch:
© L. Geselin
LIFE LUCHS
Der Pfälzerwald: weite Wälder, wenig Straßen, dünne Besiedlung © M. Schäf
beeindruckende
Felsformationen
© R. Krotofil
Pfälzerwald
Das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutsch-
lands, der Pfälzerwald, beherbergt zusammen mit
den französischen Nordvogesen auf einer Fläche von
3.000 km² eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.
Felsen, unterschiedliche Waldbilder und offene Täler
sind charakteristische Lebensräume. Einst war hier
auch der Eurasische Luchs (Lynx lynx) beheimatet. Die
Zerstörung der Lebensräume sowie direkte Verfolgung
und Tötung der Luchse führten jedoch im 19. Jahr-
hundert zur fast vollständigen Ausrottung der Art in Mit-
teleuropa. Die heutige Akzeptanz für den großen Beute-
greifer und die Erholung seiner Lebensräume erlauben
inzwischen seine Rückkehr. Luchse siedeln sich jedoch
meist nur dort dauerhaft an, wo sie Anschluss an Artge-
nossen finden, also in Gebieten, in denen bereits Luchse
vorkommen. Dieses sehr passive Ausbreitungsverhal-
ten erschwert die selbstständige Wiederbesiedlung
ruhige Bachtäler © M. Schäf
Große Teile des grenzüberschreitenden UNESCO
Biosphärenreservat Pfälzerwald – Vosges du Nord sind
als Schutzgebiete des Natura 2000 – Netzes ausge-
wiesen. Dabei handelt es sich um ein EU-weites Netz
von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder
typischer Lebensräume und Arten. Das Netz leistet
einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen
Vielfalt in Europa.
RÜCKKEHR
01
02
der Pinselohren
Das LIFE-Projekt startete 2015 und endete im Sep-
tember 2021. Insgesamt wurden 20 Luchse aus den
slowakischen Karpaten und der Schweiz mit Hilfe der
Behörden und Institutionen vor Ort gefangen und in den
Pfälzerwald umgesiedelt. Der Einsatz in verschiedenen
Fanggebieten diente dazu, die genetische Vielfalt der
Gründertiere sicher zu stellen.
Nach umfangreichen Vorbereitungen erfolgte im Som-
mer 2016 die Freilassung der ersten drei Luchse. Bis
März 2020 wurden insgesamt zwölf Weibchen und acht
Männchen in den Pfälzerwald umgesiedelt. Die Luchse
bekamen vor der Freilassung einen GPS-Halsbandsen-
der umgelegt. Die Halsbänder senden die Positionen
der Tiere über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren.
Somit konnten die Bewegungen der freigelassenen
Luchse verfolgt und ihre Eingewöhnungsphase beglei-
tet werden. Bereits ein Jahr nach den ersten Freilassun-
gen gab es den ersten Nachwuchs bei den Luchsen
im Pfälzerwald. Seitdem konnten jedes Jahr Luchsjun-
ge dokumentiert werden. Bis September 2021 gab es
nachweislich neun Würfe mit mindestens 18 Jungtieren,
weitere Würfe sind nicht auszuschließen.
Schweizer Luchsin LYCKA bei ihrer Freilassung im Pfälzerwald © C. Arens - KLICKFaszination
eins der drei Jungtiere der Luchsin MALA,
2019 © SNU
LIFE ist ein europäisches Finanzierungsinstrument für
die Umwelt. Mit LIFE-Natur werden Projekte zur Wie-
derherstellung und Erhaltung bedrohter natürlicher
Lebensräume und zum Schutz bedrohter Arten inner-
halb des Natura 2000 – Netzwerkes kofinanziert.
geeigneter Lebensräume. Daher braucht der Luchs die
Unterstützung der Menschen, um in seine ursprüngli-
chen Verbreitungsgebiete zurückzukehren.
Zusammen mit dem regionalen Naturpark Nordvoge-
sen (SYCOPARC), Landesforsten Rheinland-Pfalz und
WWF Deutschland führte die Stiftung Natur und Um-
welt Rheinland-Pfalz ein EU LIFE-Projekt zur Wiederan-
siedlung von Luchsen durch. Ziel des Projektes war die
Etablierung einer neuen Luchs-Population im Biosphä-
renreservat Pfälzerwald – Nordvogesen, die sich aus-
breitet und langfristig mit weiteren Luchs-Populationen
vernetzt.
wunderschöne Landschaften © M. Hanke
Der Luchs steht repräsentativ für
ausgedehnte, unzerschnittene und
naturnahe Waldlebensräume. Er
ist als großer Beutegreifer ein wich-
tiger Teil des Waldökosystems.
Die ersten Jungtiere wurden 2017 geboren:
FILOU und PALU. © A. Sommer
Gesundheitscheck eines gefangenen
Luchses © DIANA
Gemeinsam erarbeitete Entscheidungen führen
zu gegenseitiger Akzeptanz. © SNU
Luchse nutzen für ihre Streifzüge gerne
Waldwege. © FAWF
03
04
Elektrifizierung eines Weidezauns © SNU
Luchs-Parlament
Das Projekt beinhaltete neben der Umsiedlung der
Luchse ein breites Spektrum an ergänzenden Maßnah-
men. Dazu gehörte insbesondere eine durchgehende
Abstimmung mit den beteiligten Interessensgruppen.
Nach rund 200-jähriger Abwesenheit einer Luchs-Popu-
lation in Rheinland-Pfalz waren es vor allem Jäger:innen
und die Halter:innen von Nutztieren (Schafe, Ziegen,
Gatterwild), die sich aufgrund ihrer möglichen persön-
lichen Betroffenheit viele Fragen zu einer Rückkehr des
großen Beutegreifers stellten. Im LIFE-Projekt wurde
daher ein interessens- und grenzüberschreitender Pro-
jektbeirat, das sogenannte Luchs-Parlament, bereits
vor den ersten Umsiedlungen eingerichtet. Dort waren
alle Interessensgruppen, Behörden und Institutionen
aus der Region vertreten. Gemeinsam wurde über zu
erwartende oder befürchtete Auswirkungen der Wie-
deransiedlung gesprochen, die sinnvolle Gestaltung
von Herdenschutz und Kompensationsmaßnahmen
diskutiert und möglicher Forschungsbedarf ermittelt.
Konkrete, praktische Fragen bei der Wiederansiedlung
wurden erörtert, bestehende Regelungen und Abläufe
anhand der aktuellen Geschehnisse immer wieder über-
prüft und bei Bedarf angepasst. Auch das Potential der
Tierart Luchs bzw. des Wiederansiedlungsprojektes für
die Region, den Tourismus und die Natur im Biosphä-
renreservat wurden gemeinsam ausgelotet. Der direkte
Informationsaustausch und die partizipativen Prozesse
im Luchs-Parlament bewirkten einen Vertrauensaufbau,
eine Wertschätzung und ein besseres Verständnis zwi-
schen den Beteiligten und damit auch eine Akzeptanz-
steigerung bezüglich des Luchses.
Für die vereinzelt stattfindenden Übergriffe von Luchsen
auf Nutztiere stellte das Land Rheinland-Pfalz einen
Fonds bereit, damit Tierhalter*innen eine 100%ige
Entschädigung für den Verlust des Tieres bzw. eine
100% Förderung von möglichem Präventionsmaterial
erhalten können. Ein ehrenamtliches Helfernetzwerk
unterstützt die Tierhalter:innen bei der praktischen
Umsetzung.
Bei einem systematischen Einsatz von Fo-
tofallen in einem 1.000 km² Referenzgebiet
im Pfälzerwald wurde eine bisher erreichte
Dichte von ca. 0,5 selbstständigen Luch-
sen pro 100 km² gegen Ende des Projek-
tes ermittelt.
Die Luchse erschlossen sich innerhalb des Projektzeitraums weite Teile des Pfälzerwal-
des und der Nordvogesen, aber auch angrenzende Gebiete wie den Donnersberg, den
Westrich und auf französischer Seite die Zentralvogesen. Dies sind wichtige Schritte bei
der Etablierung der neuen Luchs-Population.
AUF DEN SPUREN
DAS DEUTSCH-FRANZÖSISCHE
© A. Sommer
6%
der Luchse…
Für die Akzeptanz und die Öffentlichkeitsarbeit ist es
unerlässlich, zuverlässige Informationen unter ande-
rem zu Aufenthalt, Verhalten und Beutespektrum der
Luchse bereitstellen zu können. Luchse leben als Ein-
zelgänger und beanspruchen Reviere zwischen 50 und
400 km² für sich. Um belastbare Daten zu erhalten,
erfolgte ein umfassendes Monitoring der neuen Luchs-
Population unter anderem mit Hilfe von GPS-Sende-
halsbändern und Wildkameras. Durch die Fotofallen
konnte insbesondere die weitere Entwicklung der Jung-
tiere und der Luchse, die kein Sendehalsband mehr
tragen, verfolgt werden. Auf Grund ihres individuellen
Fleckenmusters können Luchse auf Fotos häufig ein-
deutig identifiziert werden. So sind Angaben zur Be-
standsentwicklung und Verbreitung der Tiere möglich.
Die Ergebnisse des Monitorings wurden regelmäßig auf
der Projekt-Homepage veröffentlicht, um sie allen zu-
gänglich zu machen.
2% 1%
7%
82%
Reh
Rotwild
Fuchs
Muffel
Marder
Wildschwein
Hase
(n=205)* Stand Mai 2021
Da Luchse über mehrere Nächte an ihren Riss zurückkeh-
ren, war durch die GPS-Daten eine Suche nach größeren
Beutetieren möglich. Im Pfälzerwald stellte das Reh mit rund
80% die Hauptbeute des Luchses da.
Zahlreiche Meldungen und Hinweise zu Luchsen kom-
men auch aus der Bevölkerung. In Rheinland-Pfalz gibt
es daher ein Netzwerk von so genannten Großkarni-
voren-Beauftragten, die ehrenamtlich als lokale An-
sprechpartner zur Verfügung stehen und Meldungen
nachgehen. Innerhalb des LIFE-Projektes konnten die
Beauftragten zum Thema Luchs praxisnah geschult
und das Netzwerk weiter ausgebaut werden. Die Ehren-
amtlichen sind wichtige Multiplikatoren bei der Infor-
mationsweitergabe und tragen so mit ihrer Arbeit zum
Schutz des Luchses bei. Denn nur wenn alle Daten zu-
sammenfließen, kann der Luchs auch gezielt geschützt
und gemanagt werden.
Kontrolle eines Rehrisses © SNU
Die Pfotenabdrucke des Luchses
sind rund und zeigen in der Regel
keine Krallenabdrücke. © SNU
Insbesondere Jäger*innen und Förster*innen, aber auch
Waldbesuchende können wichtige Hinweise auf Wild-
tierrisse oder Luchs-Nachwuchs liefern. Melder:innen
erhalten für gesicherte Nachweise eine Aufwandsent-
schädigung vom Land Rheinland-Pfalz.
AUGEN
als lokale Ansprechpartner
Die charakteris-
tischen Merkmale
des Luchses:
Pinselohren, Fell-
fleckung, Pfoten-
abdrücke und
Backenbart
06
wie ein Luchs…
Die deutsch-französische Öffentlichkeitsarbeit des
LIFE-Projektes reichte von Informationsveranstaltun-
gen, über Vor-Ort-Gespräche bis hin zur Erstellung von
spezifischen Informationsmaterialien für Jäger:innen
und Tierhalter:innen sowie einer umfangreichen Pres-
searbeit. Vorrangiges Ziel der Öffentlichkeitsarbeit war
es, ein realistisches und faktenbasiertes Bild vom Luchs
zu vermitteln. Regelmäßig fanden Veranstaltungen in
Zusammenarbeit mit Jagd- und Nutztier-Verbänden
statt. Interessierte können den Pfälzerwald nun mit Hilfe
eines eigens eingerichteten Luchs-Pfads im Dahner Fel-
senland und sechs unterschiedlichen Geocache-Touren
verteilt im ganzen Pfälzerwald aus dem Blickwinkel ei-
nes Luchses erkunden.
Fortbildungsveranstaltung für Pädagogen © Zoo Landau
Auffanggehege für verletzte
Luchse © SNU
EINSATZ
05
LUCHS-BEAUFTRAGTE
© O. Anders
für Luchse in Notsituationen
Um erkrankte bzw. verletzt aufgegriffene Luchse oder
Luchswaisen richtig versorgen und möglichst wieder in
die freie Wildbahn entlassen zu können, wurde bei der
TIERART-Wildtierstation von VIER PFOTEN in Maßwei-
ler ein Auffanggehege für Luchse gebaut. So kann eine
fach- und artgerechte Behandlung und zeitweilige Un-
terbringung bis zur Genesung auch über das Ende des
LIFE-Projektes hinaus sichergestellt werden.
gemeinsames „Luchsfest“ der Schulklassen © SYCOPARC
Für Schulklassen wurde das deutsch-französische
Umweltbildungsprogramm „Œil de lynx - Luchsauge“
angeboten. Durch erlebnisorientiertes Lernen und von
den Kindern selbst entwickelte und umgesetzte Projek-
te gelang es, dass sich die Schüler:innen nachhaltig mit
dem Thema Luchs und seiner Rückkehr in die Region
befassten. Die fantasievollen Arbeiten der Kinder wur-
den bei jährlichen Luchs-Festen präsentiert. Innerhalb
von sechs Jahren konnten mehr als 2.400 Kinder über
den Luchs informiert werden.
Die im Projekt erstellte Umweltbildungsmappe „Rück-
kehr der Pinselohren“ bietet pädagogischen Fachkräf-
ten und Interessierten eine Vielzahl an Informationen
zur Luchs-Wiederansiedlung inklusive verschiedener
Unterrichtskonzepte, um Wissen altersgerecht wei-
ter zu vermitteln. Ergänzt durch verschiedene Fortbil-
dungsveranstaltungen gelang es so, das Thema Luchs
langfristig im Umweltbildungsangebot verschiedener
Einrichtungen innerhalb des Biosphärenreservats zu
verankern.
Schüler führen ein Theaterstück zum Luchs auf. © SNU
© A. Prüssing / SNU
VERNETZUNG
Wildbrücken helfen bei einer
gefahrlosen Querung von
großen Straßen. © SNU
Koblenz
Hunsrück
Deutschland
Trier
entspricht etwa
der Reviergröße
eines Luchses
von Luchs-Populationen
Ein großes Problem für den Luchs und viele andere
Arten ist die Zerschneidung (Fragmentierung) ihrer Le-
bensräume durch Verkehrsachsen und großflächige
Siedlungsbereiche. Diese Hindernisse trennen die Tiere
voneinander und Populationen bleiben klein und isoliert.
Haben die Luchse nur Kontakt zu Artgenossen in ihrer
unmittelbaren Umgebung, steigt die Wahrscheinlichkeit
der Inzucht und somit der genetischen Verarmung. Auf
Dauer führt dies zu Krankheiten und geringerer Anpas-
sungsfähigkeit. Hinzu kommen direkte Verluste im Stra-
ßenverkehr.
Wichtig sind daher Verbindungsmöglichkeiten wie Wan-
derkorridore und Querungshilfen. Im Pfälzerwald gibt
es bereits zwei Wildbrücken, die gerne durch Luchse
genutzt werden. Schützen wir unsere Wälder und redu-
zieren die Lebensraumzerschneidung, so ermöglichen
wir den Luchsen, wie auch vielen anderen Tierarten,
eine Vernetzung der Populationen und ein dauerhaftes
Überleben. Im LIFE-Projekt wurde ein „Leitfaden Ver-
netzung“ erstellt, um die Verbindung der Waldgebiete
in Rheinland-Pfalz weiter zu fördern. Durch die grenz-
überschreitende Zusammenarbeit unter dem Dach der
Oberrheinkonferenz wurde das Modell einer länder-
übergreifenden Luchs-Population zwischen Frankreich,
Schweiz und Deutschland vorangebracht.
Saarbrücken
Biosphären-
reservat
Pfälzerwald-
Nordvogesen
Frankreich
Straßburg
Schwarzwald
Mittel- und
Südvogesen
Mülhausen
Basel
Jura
Schweiz
WAS HAT DAS LIFE- PROJEKT GEBRACHT?
07
08
After LIFE - Wie es weitergeht…
Die Maßnahmen des LIFE-Projekts „Wiederansiedlung
von Luchsen (Lynx lynx carpathicus) im Biosphärenre-
servat Pfälzerwald“ haben erfolgreich zu einer Grün-
dung eines neuen Populationskernes im Pfälzerwald
geführt. Die Luchse sorgten für den ersten Luchsnach-
wuchs seit mehr als 200 Jahren im Biosphärenreservat.
Sie haben sich mittlerweile den Großteil des Pfälzerwal-
des sowie der benachbarten Nordvogesen und Gebiete
darüber hinaus erschlossen.
Das Luchsparlament, das alle Interessensgruppen –
auch grenzüberschreitend – zusammenführte, begleite-
te die Wiederansiedlung konstruktiv und brachte sich
aktiv in die Umsetzung des Projektes ein. Der perma-
nente Austausch auf Augenhöhe war der Grundstein
für den Erfolg der Wiederansiedlung und soll auch in
Zukunft fortgesetzt werden.
Die gezielte und intensive Umweltbildungs- und Öf-
fentlichkeitsarbeit sowie die Einbindung lokaler Akteure
haben geholfen, Wertschätzung und Wissenstand zur
Tierart Luchs und zu seinem Lebensraum im Biosphä-
renreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zu erhöhen. Viele
langfristig bestehende Umweltbildungsangebote konn-
ten geschaffen werden.
Durch die Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzer-
wald kann die Vernetzung der einzelnen Luchs-Popu-
lationen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz
langfristig gefördert werden. Exkursionen einzelner
Luchse und die Nutzung der Querungshilfen zeigen die
mögliche Verbindung mit weiteren Vorkommen auf. Der
neue Populationskern leistet einen wichtigen Beitrag,
um die innerartliche genetische Vielfalt zu erhalten und
wandernden Luchsen eine Anschlussmöglichkeit zu
bieten. Das Vorkommen im Pfälzerwald befördert die
Besiedlung weiterer Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz.
Die positiven Erfahrungen aus dem Wiederansiedlungs-
projekt können für ähnliche Projekte genutzt werden.
Felsen werden von den Luchsen
gerne als Aussichtspunkt ge-
nutzt. © A. Sommer
Mehr Informationen zum LIFE Projekt finden Sie
auf der Projekthomepage https://luchs-rlp.de.
Hier stehen auch verschiedene Projekt-Publika-
tionen zum Download bereit.
Das neu eingerichtete Koordinationszentrum für Luchs
und Wolf (KLuWo) an der Forschungsanstalt für Wald-
ökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt wird
das Monitoring der Luchs-Population weiter betreuen
und nun zusätzlich die Themen Herdenschutz und Öf-
fentlichkeits-/ Akzeptanzarbeit bearbeiten. In Abspra-
che mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Energie und Mobilität (MKUEM) wird dort auch das Ma-
nagement der Luchs-Population organisiert. Kontakt:
kluwo@wald-rlp.de.
Luchse balancieren gerne auf Baumstämmen. © A. Sommer