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Eine subkontinentale Bewertung der Reaktionen auf Klimaextreme in alten Buchenwäldern (Fagus sylvatica L.) von der Zelle bis zum Ökosystem

Es wird erwartet, dass die Frequenz und Amplitude anthropogen verursachter hydroklimatischer Extreme zunehmen und die europäischen Waldökosysteme über ihre physiologischen Grenzen hinaus beeinträchtigen. Um die Resilienz und Veränderung dieser Waldökosysteme zu beurteilen, ist es wichtig, die mechanistischen Zusammenhänge zwischen Baumwachstum und Klima zu definieren und quantifizieren. Dabei bietet die retrospektive Charakterisierung funktioneller hydraulischer Holzmerkmale, sowie der Vergleich mit jährlichen Holzzuwächsen entlang großräumiger ökologischer Gradienten einen idealen Ansatz für die Evaluation zukünftiger Klima- und Umweltbelastungen.Das hier beantragte Forschungsprojekt fokussiert die Buche (Fagus sylvatica L.), eine der wichtigsten und durch den Klimawandel am stärksten bedrohten Baumarten der europäischen gemäßigten Breiten. Im Zentrum stehen vier einzigartige, von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärte Buchenwälder, die in der Mitte des Verbreitungsgebiets in Nord- und Westdeutschland, sowie an den westlichen und südlichen Verbreitungsgrenzen auf der Iberischen Halbinsel und in Italien lokalisiert sind. Für diese Wäldern werden jährlich aufgelöster Zeitreihen des Grundflächenzuwachses und holzanatomischer Merkmale erstellt und mit fernerkundungsbasierten Vegetationsindizes kombiniert, um über längere Zeiträume i) die Reaktionen auf vergangene hydroklimatische Extreme zu charakterisieren, ii) die Signale einzelner Bäume auf Waldbestände zu skalieren, und iii) die Resilienz dieser Wälder für zukünftige Extremereignisse zu quantifizieren. Dabei evaluieren wir die klimatischen Signale holzanatomischer Parameter, indem wir Veränderungen in der Merkmalsverteilung vor und nach Extremereignissen quantifizieren. Zusätzlich dokumentieren wir die Zusammenhänge zwischen funktionalen Holzmerkmalen und Ökosystemprozessen, indem wir die spektralen Eigenschaften von Zeitreihen zellulärer Parameter und der Bruttoprimärproduktivität mit Hilfe modernster Techniken der sub-saisonalen Signalverstärkung vergleichen.Holzanatomische Merkmale haben sich in der jüngsten Vergangenheit zu geeigneten Indikatoren für die Evaluierung pflanzenphysiologischer Prozesse und des Gesundheitszustand von Bäumen entwickelt. Die Integration der klimatischen Sensitivität dieser Parameter mit der Funktionsweise von Ökosystemen bietet einen konzeptionellen Rahmen, um die Vulnerabilität einzelner Arten in zukünftigen klimatischen Szenarien abzuschätzen. Durch die Analyse extrem alter und langfristig nicht-bewirtschafteter Buchenwälder, kann das hier beantragte Projekt zu einem besseren Verständnis der Widerstandsfähigkeit wichtiger Waldbestände gegenüber dem Klimawandel beitragen.

Umweltabhaengigkeit des Vogelzuges (Langzeit-Rahmenprojekt) - Teilprojekt 1: Vogelzug im westlichen Mittelmeerraum - Teilpojekt 2: Modellierung des Zugablaufs anhand von Umweltfaktoren

Aufgrund von Datensaetzen aus Mitteleuropa, dem Mittleren Osten und dem westlichen Mittelmeerraum geht es darum, den mit Radar und anderen Mitteln erfassten Zugablauf in Raum und Zeit sowie das Zugverhalten verschiedener Vogelgruppen moeglichst umfassend zu charakterisieren und mit den oertlichen Umweltbedingungen (insbesondere Geomorphologie, Wetter und Vegetation) in Verbindung zu bringen. Im Rahmen des Teilprojektes 1 wurde ein neuer Datensatz aus dem westlichen Mittelmeerraum beschafft, um insbesondere den Zugablauf via Iberische Halbinsel bzw. ueber das westliche Mittelmeerbecken zu vergleichen und Rueckschluesse auf die Sahara-Ueberquerung zu ziehen.

ERA-NET EUPHRESCO: Multiplex-Lockstoffe und Fallen zur Überwachung invasiver Forstschädlinge (MULTITRAP)

Das frühe Auffinden invasiver Forstschadinsekten ist für den Erfolg von Tilgungsmaßnahmen von hervorragender Bedeutung. Wird ein Befall nicht binnen kurzer Zeit nach der Einschleppung entdeckt, kann sich ein Schadinsekt etablieren. Das Insekt kann selbst massive Schäden an Gehölzen verursachen, wie dies etwa beim Asiatischen Laubholzbockkäfer (invasiv in einigen Ländern Europas und Nordamerika) oder dem Asiatischen Eschenprachtkäfer (invasiv in Nordamerika und dem Europäischen Russland) der Fall ist, oder als Vektor für gefährliche Krankheitserreger fungieren, wie z.B. Monochamus-Arten für den Kiefernholznematoden, Verursacher der Kiefernwelke (Iberische Halbinsel und Ostasien). Die meisten dieser Schadinsekten sind mit bestimmten Einschleppungswegen, wie Rundholz, Holzverpackungsmaterial, oder Pflanzenmaterial verbunden. Entsprechend lassen sich Hochrisikogebiete, wie rund um Handelshäfen, Importbetriebe (für Steine, Holz, etc.) oder Baumschulen identifizieren. Ziel des EUPHRESCO-Projektes ist, verbesserte Techniken zur Überwachung mittels Lockstofffallen in den Mitgliedsstaaten zur Verfügung zu stellen. Der Focus liegt dabei auf als sehr gefährlich eingestuften Arten holz- und rindenbrütender Käfer. Die Ergebnisse aus dem Projekt sollen Basis für effiziente Überwachungsprogramme einer möglichst großen Zahl von Arten sein, in denen Fallen mit spezifischen sowie mit generalistischen Lockstoffen eingesetzt werden. Die spezifischen Ziele sind: - Zusammenstellung der verfügbaren Fallensysteme sowie Lockstoffe, sowohl auf Basis pflanzenbürtiger Volatile als auch Pheromonen oder Kairomonen - Beurteilung der Effizienz und des möglichen Einsatzbereiches der unterschiedlichen Fallen und Lockstoffe - Testen von generalistischen Multiplex-Lockstoff Systemen im Vergleich zu spezifischen Systemen - Aufzeigen von Problemen des Falleneinsatzes in Hochrisikogebieten und Erarbeitung von Lösungsansätzen - Entwicklung von international abgestimmten Methoden zum effizienten Monitoring für mehrere Schädlingsarten. Dazu wird das Gesamtprojekt in drei Arbeitspakete aufgeteilt, zu denen jeweils alle Projektpartner Beiträge leisten.

Überblick zur Kostenentwicklung von strombasierten erneuerbaren Energieträgern

Das vorliegende Kurzpapier aus dem Forschungsvorhaben „Kriterien für eine nachhaltige Bereitstellung und klimagerechte Integration von strombasierten Energieträgern“ analysiert Studien, die sich mit der Kostenentwicklung von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten befassen. Es werden die folgenden strombasierten, erneuerbaren Energieträger betrachtet: Wasserstoff, Ammoniak, Methan, Methanol, Fischer-Tropsch Kraftstoffe und Dimethylether, sowie die fossil basierten Energieträger blauer Wasserstoff und blauer Ammoniak. Die Kosten werden den Prozessen: Wasserstoff-Erzeugung, Derivatsynthese, Transport, sowie Rückwandlung und Verteilung zugeordnet. In einem gesonderten Kapitel wird der Einfluss der Kohlenstoffquelle für die Wasserstoff-Derivatsynthese betrachtet. Für die Analyse der Erzeugungskosten des Wasserstoffs und o.g. Wasserstoffderivate wurden Studien zu folgenden Regionen berücksichtigt: MENA, Subsahara-Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien, Nordeuropa, Iberische Halbinsel, restliches Europa (ohne Deutschland) und Deutschland. Es zeigt sich, dass es auch bei Betrachtung des gleichen Energieträgers aus der gleichen Erzeugungsregion zu teils starken Abweichungen bezüglich aktueller und zukünftiger Produktionskosten kommt. Die lässt sich auf grundlegende, methodische Ansätze der Studien, sowie die darin gesetzten Randbedingungen, z.B. zukünftige Entwicklung einer beteiligten Technik, zurückführen. Alle Ergebnisse sind in der o.g. Aufteilung in Übersichtsgrafiken unter Nennung der jeweiligen Quelle dargestellt. Veröffentlicht in Texte | 96/2025.

Überblick zur Kostenentwicklung von strombasierten erneuerbaren Energieträgern

Das vorliegende Kurzpapier aus dem Forschungsvorhaben „Kriterien für eine nachhaltige Bereitstellung und klimagerechte Integration von strombasierten Energieträgern“ analysiert Studien, die sich mit der Kostenentwicklung von Wasserstoff und Wasserstoffderivaten befassen. Es werden die folgenden strombasierten, erneuerbaren Energieträger betrachtet: Wasserstoff, Ammoniak, Methan, Methanol, Fischer-Tropsch Kraftstoffe und Dimethylether, sowie die fossil basierten Energieträger blauer Wasserstoff und blauer Ammoniak. Die Kosten werden den Prozessen: Wasserstoff-Erzeugung, Derivatsynthese, Transport, sowie Rückwandlung und Verteilung zugeordnet. In einem gesonderten Kapitel wird der Einfluss der Kohlenstoffquelle für die Wasserstoff-Derivatsynthese betrachtet. Für die Analyse der Erzeugungskosten des Wasserstoffs und o.g. Wasserstoffderivate wurden Studien zu folgenden Regionen berücksichtigt: MENA, Subsahara-Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australien, Nordeuropa, Iberische Halbinsel, restliches Europa (ohne Deutschland) und Deutschland. Es zeigt sich, dass es auch bei Betrachtung des gleichen Energieträgers aus der gleichen Erzeugungsregion zu teils starken Abweichungen bezüglich aktueller und zukünftiger Produktionskosten kommt. Die lässt sich auf grundlegende, methodische Ansätze der Studien, sowie die darin gesetzten Randbedingungen, z.B. zukünftige Entwicklung einer beteiligten Technik, zurückführen. Alle Ergebnisse sind in der o.g. Aufteilung in Übersichtsgrafiken unter Nennung der jeweiligen Quelle dargestellt.

LUBW Grafik des Monats: Rote Liste der Brutvögel Baden-Württembergs

In Baden-Württemberg sind 200 Brutvogelarten heimisch und brüten regelmäßig. Die neu erschienene Rote Liste der Brutvögel gibt einen aktuellen Überblick über ihre Bestandssituation und Entwicklung. Von 200 Arten sind 82 als ungefährdet eingestuft. Dazu gehören zum Beispiel häufig zu beobachtende Brutvögel wie die Amsel oder die Kohlmeise. Dem gegenüber stehen 118 Arten, die bereits auf der Vorwarnliste stehen oder einer der fünf Gefährdungskategorien der Roten Liste zugeordnet werden , darunter auch ausgestorbene Arten. Seit der vorherigen Fassung der Roten Liste mussten drei Arten in diese Kategorie überführt werden. Arten die merklich zurückgegangen, aber noch nicht gefährdet sind, stehen auf der so genannten Vorwarnliste. Dazu gehört zum Beispiel der Eisvogel, der Mauersegler, aber auch der Haussperling. Insgesamt 29 Arten sind entweder gefährdet oder sogar stark gefährdet, 28 Arten sind vom Aussterben bedroht. In diese Kategorie fallen auch das Braunkehlchen und das Rebhuhn. Nur durch gezielte Schutzmaßnahmen können die Vorkommen dieser Arten gehalten werden. Dass dies gelingen kann, zeigt ebenfalls ein Blick in die aktuelle Rote Liste, denn seit der letzten Fassung der Roten Liste konnten bei einigen Arten auch positive Tendenzen festgestellt werden. Hierzu zählt zum Beispiel der Weißstorch, der mittlerweile als ungefährdet gilt. Grafik zeigt: Anzahl der baden-württembergischen Brutvogelarten in der jeweiligen Einstufung der Roten Liste (Stand 2019). Bildnachweis: LUBW Ein heller Streif über den Augen und eine orangerote Brust kennzeichnen das Braunkehlchen ( Saxicola rubetra ). Es überwintert im tropischen Afrika und kehrt zu uns zum Brüten im April zurück. Nach einer Zugstrecke von mehr als 5.000 Kilometern sind die Tiere auf blüten- und insektenreiche Wiesen und Brachen angewiesen, in denen sie ihre Bodennester anlegen. Nutzungsintensivierung, Umbruch und Entwässerung von Grünland zeigten auch in Baden-Württemberg ihre Wirkung: Gab es Ende der 1970er-Jahre etwa 2.600 Reviere, waren es im Zeitraum von 2012 bis 2016 nur noch 200 bis 320. Nach einer aktuellen Auswertung gab es in Baden-Württemberg im Jahr 2020 landesweit nur noch sieben Gebiete mit einem Bestand von jeweils mehr als 20 Paaren. Das Braunkehlchen ist ein trauriges Beispiel für eine hoch bedrohte Vogelart des Offenlandes, die bereits seit Jahren in der höchsten Gefährdungskategorie der Roten Liste geführt wird und die kritische Bestandsgröße längst erreicht hat. Bild zeigt: Braunkehlchen, Bildnachweis: Szymon Bartosz/shutterstock.com Er gilt als Glücksbote und jeder kennt die Geschichte vom Baby-bringenden „Klapperstorch“. Der Weißstorch ( Ciconia ciconia ) hat eine hohe symbolische und naturschutzfachliche Bedeutung und ist besonders gut erforscht. In Baden-Württemberg hat sein Bestand von nur 15 verbliebenen Brutpaaren im Jahr 1974 auf nun fast 1.800 Neststandorte zugenommen. Aus der aktuellen Roten Liste der Brutvögel kann er somit als ungefährdet entlassen werden. Dies ist den intensiven Schutzbemühungen – vor allem von ehrenamtlich Engagierten - zu verdanken. Für den starken Bestandsanstieg werden allerdings auch andere Ursachen gesehen. Und zwar kürzere Zugstrecken sowie eine geringere Wintersterblichkeit. Denn die nach Südwesten ziehenden Weißstörche fliegen heute kaum noch nach Afrika, sondern verbringen den Winter zunehmend auf der Iberischen Halbinsel. Dort ernähren sie sich auf Mülldeponien und in Reisfeldern. Im Detail verstanden sind diese Ursachen allerdings nicht und die Faktoren unterliegen einem Wandel. Daher unterstützt das Land die alljährliche Erfassung der Bestände. Da es mit der steigenden Zahl der Störche auch zu Konflikten zwischen Mensch und Nistplatz-suchenden Störchen kommt, stehen in vielen Kommunen Storchenbeauftragte zur Beratung zur Verfügung. Bild zeigt: Weißstorch, Bildnachweis: Piotr Krzeslak/stock.adobe.com Ursprünglich war das Rebhuhn ( Perdix perdix ) ein Steppenvogel. Als Kulturfolger ist es erst mit der Entwicklung der Landwirtschaft bei uns heimisch geworden. Es wurde zu einem Charaktervogel der strukturreichen Feldflur und auch zu einer beliebten Jagdbeute. Mit dem Wandel in der Agrarlandschaft verschwindet es infolge von Nutzungsintensivierungen zunehmend wieder. Auf Grundlage überlieferter Tagebücher von Vogelkundlern und von Jagdstrecken erscheint ein Bestand von etwa 50.000 Rebhuhn-Revieren für die 1950er-Jahre in Baden-Württemberg realistisch zu sein. Am Ende des 20. Jahrhunderts lag dieser noch bei etwa 2.500 Revieren. Der seitdem weiter anhaltende negative Bestandstrend führte schließlich zu 500 bis 800 Reviere im Erfassungszeitraum von 2012 bis 2016. Das Überleben des Rebhuhns und vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten unserer Feldflur ist maßgeblich von Vorgaben der Europäischen Agrarpolitik abhängig. Derzeit gibt es verschiedene Initiativen zum Rebhuhnschutz, die nur durch gemeinsame Bemühungen von Landwirten, der Jägerschaft, der zuständigen Behörden und mit Unterstützung der Öffentlichkeit zum Erfolg führen können. Bild zeigt: Rebhuhn, Bildnachweis: Red Squirrel/shutterstock.com Mehr zum Thema:

BiodivERsA: Folgen des Klimawandels für Ökosysteme, Biodiversität und Ökosystemleistungen in Gebirgsregionen auf der Iberischen Halbinsel und in Schweden (BioDiv-support), BiodivERsA: Folgen des Klimawandels für Ökosysteme, Biodiversität und Ökosystemleistungen in Gebirgsregionen auf der Iberischen Halbinsel und in Schweden (BioDiv-support)

LUBW Karte des Monats: Wo der Weißstorch in Baden-Württemberg zu finden ist

Für kaum eine Vogelart ist die Bestandsentwicklung so gut untersucht wie beim Weißstorch. Wurden 1934 auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland rund 9.000 Brutpaare gezählt, ergab eine Bestandserhebung 1988 gerade noch 2.949 Brutpaare. Dank intensiver Schutzbemühungen hat sich der Bestand seitdem wieder erholt: 1994 wurden bundesweit 4.155 Brutpaare gezählt, 2017 waren es 6.756 Brutpaare. Im Jahr 2019 belegten in Baden-Württemberg 1.334 freifliegende Weißstorch-Paare ein Nest. Das sind 137 Paare mehr als noch im Vorjahr. 1.287 der Paare brüteten auch, die übrigen begannen keine Brut, bzw. war dies nicht zweifelsfrei festzustellen. An der Spitze der Horstbelegungen stand dabei der Kreis Karlsruhe, gefolgt vom Ortenaukreis. Der Weißstorch bevorzugt insbesondere Flussniederungen mit Feuchtwiesen und Teichen sowie landwirtschaftlich extensiv genutztes Grünland. Lange Zeit lebten die meisten unserer Störche in den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Inzwischen gibt es in den alten Bundesländern knapp 1.000 Brutpaare mehr als in Ostdeutschland. Die Ursachen für den starken Bestandsanstieg der westdeutschen Population liegen vor allem am veränderten Zugverhalten. Die nach Südwesten ziehenden Weißstörche fliegen heute kaum noch nach Afrika, sondern verbringen den Winter zunehmend auf der Iberischen Halbinsel. Dort ernähren sie sich vorwiegend auf Mülldeponien und auf Reisfeldern. Dies hat wahrscheinlich eine geringere Wintersterblichkeit zur Folge: Die Bestände stiegen an und die Population breitete sich nach Norden aus. Die Gründe für den Bestandstrend der Ostpopulation sind weniger eindeutig. Diese Vögel müssen jedoch für die längere Zugroute, die sie teils bis nach Südafrika führt, deutlich mehr Kraft aufwenden. Zudem sind die Gefahren und Verluste auf der Langstrecke deutlich höher. Die LUBW betreut das landesweite Monitoring von Weißstörchen in Baden-Württemberg. Die Karte des Monats Mai zeigt die Horststandorte der Jahre 2015 bis 2019. Mehr zum Thema: - Mehr über das Brutvogelmonitoring erfahren sie hier . - Angaben über Vorkommen, Verbreitung und Bestandentwicklung von Tier- und Pflanzenarten werden über verschieden Projekte erhoben, dazu gehört auch das Insektenmonitoring und die Landesweite Artenkartierung der weiter verbreiteten Amphibien- und Re ptilienarten. Karte zeigt: Von Weißstorchpaaren besetzte Horststandorte 2015-2019, Bildnachweis: LUBW

NLWKN entdeckt seltene geschützte Schmetterlingsart in Salzgitter

Salzgitter - Dass der Klimawandel immer wieder für neue Arten in heimischen Gefilden sorgt, ist für Walter Wimmer, Leiter des Regionalen Naturschutzes und der Betriebsstelle Süd des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Braunschweig, nichts Neues. Er beobachtet und dokumentiert derartige Veränderungen in Flora und Fauna bereits seit Jahrzehnten. Deshalb fiel ihm die etwa dreieinhalb Zentimeter lange Raupe, die er westlich von Salzgitter Bad an einem Eichenstamm fand, sofort auf. „Die typische Färbung und die kurzen Haare kennzeichnen das Tier als Spanische Flagge, und die kam hier bisher gar nicht vor“, weiß der Biologe. Dr. Alexander Pelzer, als Referent im landesweiten Naturschutz des NLWKN unter anderem auch für Schmetterlinge zuständig, bestätigt die Besonderheit des Funds: „Soweit wir wissen, ist das der erste Fortpflanzungsnachweis in Niedersachsen außerhalb des Wesertals.“ Im Land ist der Falter bisher nur von dort bekannt. Seinetwegen gab es 2018 sogar schon einen runden Tisch im niedersächsischen Umweltministerium. Dass der Klimawandel immer wieder für neue Arten in heimischen Gefilden sorgt, ist für Walter Wimmer, Leiter des Regionalen Naturschutzes und der Betriebsstelle Süd des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Braunschweig, nichts Neues. Er beobachtet und dokumentiert derartige Veränderungen in Flora und Fauna bereits seit Jahrzehnten. Deshalb fiel ihm die etwa dreieinhalb Zentimeter lange Raupe, die er westlich von Salzgitter Bad an einem Eichenstamm fand, sofort auf. „Die typische Färbung und die kurzen Haare kennzeichnen das Tier als Spanische Flagge, und die kam hier bisher gar nicht vor“, weiß der Biologe. Dr. Alexander Pelzer, als Referent im landesweiten Naturschutz des NLWKN unter anderem auch für Schmetterlinge zuständig, bestätigt die Besonderheit des Funds: „Soweit wir wissen, ist das der erste Fortpflanzungsnachweis in Niedersachsen außerhalb des Wesertals.“ Im Land ist der Falter bisher nur von dort bekannt. Seinetwegen gab es 2018 sogar schon einen runden Tisch im niedersächsischen Umweltministerium. Denn die Spanische Flagge, auch Russischer Bär genannt, ist im Anhang II der FFH-Richtlinie, die Richtlinie zur Erhaltung von Fauna, Flora und Habitaten der EU, enthalten. Das heißt, der Schutz des Tieres ist eine europaweite Verpflichtung. Da der Falter in Niedersachsen bislang nur in einem winzigen Verbreitungsgebiet, den Weserklippen bei Polle, nachgewiesen wurde, ist er hierzulande eine Art mit höchster Priorität für Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Seine Verbreitung erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Kleinasien und Russland. Insgesamt besiedelt er verschiedene Biotope. Auch die Nahrungspflanzen der Raupen sind vielfältig. Nur warm möchte er es haben. So verwundert es nicht, dass der auffällige Falter in den vergangenen sehr warmen Jahren immer wieder am Harzrand und in dessen Vorland beobachtet wurde, auch schon in Salzgitter. Vermutlich kamen die Tiere aus Sachsen-Anhalt, wo die Art im und am Harz vorkommt. „Bisher sind wir davon ausgegangen, dass es einzelne Tiere waren, die neue Gebiete erkundeten“, erklärt Wimmer. „Nun dürfen wir aber vermuten, dass es auch an anderen Orten, an denen in den vergangenen Jahren Falter gesehen wurden, schon Nachwuchs geben kann.“ Ob es sich hierbei bereits um eine dauerhafte Arealerweiterung handelt oder nur um eine vorübergehende Folge der warmen Jahre, bleibt vorerst offen. „Die nächsten Jahre werden uns das zeigen“, fasst Alexander Pelzer die Situation zusammen. Für Naturschützer bleibt es auf jeden Fall spannend.

lu-krie_431-442-Blindschleiche.pdf

||||||||||||||||||||| Berichte 4.3.20 des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Heft BLINDSCHLEICHE 4/2015: 431 – 442 |||||||||||||| Westliche Blindschleiche – Anguis fragilis (Linnaeus, 1758) Jürgen Buschendorf 1 Artsteckbrief Kennzeichen: Schlangenähnliche Gestalt, ohne Glied­ maßen, Haut mit hornigen Schuppen bedeckt, Kopf eidechsenartig, bewegliche Augenlider, Schwanz­ autotomie, Färbung sehr variabel, Oberseite metal­ lisch glänzend, bleigrau-graubraun, kupfer- oder bronzefarbig, häufig mit dunklen Längsstreifen- oder Punkt-Strichreihen, Unterseite: schwarzgrau bis blau­ grau, Körperseiten meist heller als Oberseite. Größe: 300 – 450 mm (maximal 540 mm), 2/3 davon Schwanz. Geschlechtsunterschiede/Trachten: ältere ♂♂ häu­ figer mit blauen Punkten, ♀: Unterseite und Seiten dunkler, Streifen häufiger, Jungtiere: Oberseite silber­ grau bis gelblich, oft schwarze Linie auf Rückenmitte, Seiten und Unterseite dunkel. Habitate: Feuchtes bis halbfeuchtes Gelände mit deckungsreicher Vegetation, durchsetzt mit vegetati­ onsfreien oder -armen Sonnenplätzen (Wege, Steine, Baumstubben), lichte Laubwälder, auch Nadelwälder, Hecken und ihre krautigen Randbereiche, auch Tro­ ckenbiotope, Tagesverstecke: Totholz, Mauern. Aktivität: Dämmerungsliebend, aber auch tagsüber im Freien, Aktivitätsperiode: ab Ende März/Anfang April bis zum Einsetzen der ersten Fröste (Kältestarre ab Anfang/Mitte Oktober). Wanderungen/Reviere: Wechsel in andere Reviere (150 – 200 m) zum Aufsuchen der Geschlechtspartner bzw. neuer Nahrungsquellen. Fortpflanzung/Entwicklung: Paarung Mai/Juni, nach 3 Monaten (Juli/August) Lebendgeburt (die umge­ bende Eihaut wird kurz nach Geburt durch Schlängel­ bewegungen abgestreift) von 6 – 15 (3 – 26) 80 – 90 mm langen Jungtieren. Kaum Gewichts- und Längen­ zunahme im ersten Herbst (bis 100 mm Länge), im Jahr danach aber Verdoppelung der Länge. Nahrung: Nacktschnecken (90 %) und Regenwürmer, auch Schmetterlingsraupen, Laufkäfer, Heuschrecken, Asseln, Spinnen. Alter: In Gefangenschaft durchschnittlich bis 30 Jahre (maximal 46 Jahre), im Freiland bis 30 Jahre möglich. Abb. 1: Blindschleichen (Foto: M. Seyring); Detail der Kör- peroberfläche einer Blindschleiche mit blauem Schuppen-Fär- bungsmuster (Foto: A. Westermann) (Montage). 431 BLINDSCHLEICHE 2Verbreitung und Ökologie 2.1Allgemeine Verbreitung 2.1.1 Areal Neuere genetische Analysen zeigen, dass es sich bei der Blindschleiche um einen Artkomplex aus vier ver­ schiedenen Arten handelt. Von diesen ist die Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis fragilis) über weite Teile West- und Zentraleuropas verbreitet. Nur sie kommt in Deutschland vor. Im Norden Europas reichen ihre Vorkommen bis in die nordschwedische Provinz Väs­ terbotten, im Osten bis in die Tschechische Republik und die Südwest-Slowakei. Südlich gehören der nord­ westliche Balkan und Italien zum Verbreitungsgebiet. Im Westen Europas sind nur Irland und ein großer Teil im Süden der Iberischen Halbinsel nicht von der Art besiedelt. 2.1.2 Verbreitung in Deutschland Die Art ist über ganz Deutschland verbreitet. Da infolge der versteckten Lebensweise der Art deren Erfassung schwierig ist, sind wohl eine Reihe von Verbreitungs­ lücken darauf zurückzuführen. Auf den Ostfriesischen Inseln wurde die Art bisher nur auf Wangerooge und auf den Nordfriesischen Inseln nur auf Sylt beobach­ tet. Auf Fehmarn wurde sie bisher nicht nachgewie­ sen. Das trifft auch zu auf größere Teile der Ems-Hun­ te-Geest, der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest, Ems-Weser-Geest, Stader Geest, Teile der Schles­ wig-Holsteinischen Marschen, den Osten der Westfäli­ schen Bucht, Östliches Harzvorland und Börden sowie das Nördliche Harzvorland. In einigen von der Art ansonsten dicht besiedelten Landschaften existieren Regionen, wo sie bisher noch nicht nachgewiesen wurde: Nordbrandenburgisches Platten- und Hügelland, Osten der Mecklenburgischen Seenplatte, Thüringer Becken und Nördliches Ober­ rheintiefland. Viele, teilweise sehr große Verbreitungs­ lücken weisen die Südwestdeutschen Mittelgebirge (Südwestdeutsches Stufenland) sowie das Nördliche und Südliche Alpenvorland auf. 2.1.3 An Sachsen-Anhalt grenzende Vorkommen Das lückige Vorkommen der Art an der sachsen-anhal­ tischen Grenze zu Brandenburg setzt sich auch dort fort. Während allerdings im Südosten Sachsen-An­ halts viele MTB besetzt sind (Südlicher Fläming, Elbe-Mulde-Tiefland), gibt es in Brandenburg viele Lücken. Die starken Vorkommen im sachsen-anhalti­ schen Teil der Dübener Heide setzen sich auf säch­ sischem Gebiet (Düben-Dahlener Heide) fort. In den dann nach Südwesten verlaufenden Grenzbereichen sind in beiden Bundesländern geringe oder gar keine Vorkommen beobachtet worden (Sachsen-Anhalt: Osten des Halleschen Ackerlandes, der Lützen-Ho­ henmölsener Platte und der Tagebauregion Zeitz-Wei­ senfels-Hohenmölsen; Sachsen: vor allem im Norden des Leipziger Landes). Die sehr lückenhafte Verbrei­ tung der Art in den an Niedersachsen angrenzenden sachsen-anhaltischen Regionen (Norden der Westli­ chen Altmarkplatten, Drömling, Ohre-Aller-Hügelland) setzt sich auch in Niedersachsen fort. Ausnahme: Die Konzentration von Fundpunkten im Westen der West­ lichen Altmarkplaltten und im Norden der Altmarkhei­ den auf sachsen-anhaltischer Seite findet auf nieder­ sächsischem Gebiet keine Fortsetzung. Lediglich im Harz ist beiderseits der Landesgrenzen eine dichtere Besiedlung erkennbar. Während in den Grenzgebie­ ten zu Thüringen in Sachsen-Anhalt zahlreiche Fund­ punkte der Art bis zum Jahre 2000 vorliegen und nur wenige aus der Zeit danach, sind hier auf Thüringer Gebiet die meisten MTBQ besetzt. 2.2 Vorkommen in Sachsen-Anhalt 2.2.1 Verbreitung und Häufigkeit Datengrundlagen In Sachsen-Anhalt liegen zur Blindschleiche 1.345 Datensätze (von 9.273 Datensätzen zu Reptilien) vor. Diese bilden die Grundlage für die Errechnung der aktuellen Präsenz der Art und eine Reihe anderer Aus­ sagen über die Art. Den 1.345 Datensätzen der Blind­ schleiche konnten 1.025 Fundorte (von insgesamt 5.676 Reptilienfundorten) zugeordnet werden. Historische Verbreitung In der älteren Literatur sind nur wenige Angaben über das Vorkommen der Art auf dem heutigen Territorium Sachsen-Anhalts zu finden, und wenn, dann oft ohne genaue Angaben zu Fundort und -datum. Nur wenige Publikationen weisen auf ein systematisches Vorge­ hen zur Arterfassung in bestimmten Bereichen hin. Man kann den Veröffentlichungen der vergangenen Jahrhunderte aber entnehmen, dass die Art weit ver­ breitet und zahlreich war. Aus dem 18. Jahrhundert liegt eine Veröffentlichung von Stübner (1790) vor. Er meint zur Blindschleiche im Gebiet von Blankenburg und Walkenried: „Die Blindschleichen sind etwas über Tab. 1: Datengrundlagen zur Blindschleiche in Sachsen-Anhalt. Karte 1: Aktuelle Verbreitung (1990 – 2014) der Blindschleiche in Deutschland (modifiziert nach DGHT e. V. 2014). 432 BLINDSCHLEICHE Abb. 2: Blindschleiche mit regeneriertem Schwanz nach Autotomie (Foto: A. Westermann). 1 Fuß lang, halten sich in Gärten häufig auf, sind aber ganz unschädlich …“ Im Schrifttum aus dem 19. Jahrhundert sind schon mehr Informationen über die Bindschleiche nachzu­ lesen. So berichtet Zimmermann (1834): „Am Ober­ harze in Mengen unter Steinen.“ Rimrod (1856a) stellte fest, dass die Blindschleiche „In hiesiger Gegend nicht selten ist“ (Grafschaft Mans­ feld und Oberherzogtum Anhalt-Bernburg) und „am Oberharze häufig“ (Rimrod 1856b). Geitel (1881) fand Exemplare der Art in der Umgebung von Blan­ kenburg sehr häufig und Köhnke (1893) hat sie in der Umgebung von Salzwedel sicher beobachtet. Wol­ terstorff (1888) schreibt: „Die Art ist im Gebiete überall zu finden, wo trockene Laub -und Nadelwäl­ der vorhanden sind.“ Die von ihm genannten Fundorte Dölauer Heide, Hakel, Quenstedt, am ganzen Harz, Regenstein, Ballenstedt, Wernigerode stammen alle von Gewährsleuten oder sind der Literatur entnom­ men. Er selbst fand die Art bei Neuhaldensleben und Osterburg. Wolterstorff (1893a) selbst beobachtete die Art bei Thale (Georgshöhe), Wolferode, Wasserleben an der Ilse, im Kaltetal (Straße von Friedrichsbrunn nach Suderode), Steinbachstal, Wurmtal sowie Steinholz bei Quedlinburg. Weiterhin nennt er ihm von Gewährs­ leuten mitgeteilte Fundorte, so Quenstedt, Meiseberg bei Ballenstedt, Müncheberg, Blankenburg, Wernige­ rode, Regenstein, Nordhausen und südliche Vorberge des Harzes. Dürigen (1897) stellt fest: „… sie ist ebensowohl in unseren Mittelgebirgen und hügeligen Landschaf­ ten, wie … im norddeutschen Flachlande zu Hause und zwar … fast aller Orten „häufig“, „recht häufig“, „gemein“, „zahlreich ...“ (S. 225) und schreibt weiter: „Im Harz dürfte sie nach brieflichen Mitteilungen des Herrn Dr. Elster Blankenburg, nur auf den höchsten Plateaus fehlen.“ (S. 227). Abb. 3: Züngelnde Blindschleiche (Foto: A. Westermann). 433

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