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Impfreport Rheinland-Pfalz 2023

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] Impfreport 2023 Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Rheinland-Pfalz Impressum Herausgeber Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de https://lua.rlp.de Autoren Dr. Anja Schoeps und Prof. Dr. Philipp Zanger Titelfoto Prostock-studio / Adobe Stock Ein herzliches Dankeschön an alle Kolleg*innen in den rheinland-pfälzischen Gesundheitsämtern für die tolle Zusammenarbeit und für ihren unermüdlichen Einsatz! Diese Publikation wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Rheinland-Pfalz herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerberinnen/Wahlwerbern oder Wahlhelferinnen/Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zu Gunsten einer politischen Gruppe verstanden werden könnte. 2 Inhaltsverzeichnis Hintergrund und Methoden .............................................................................................. 4 Die Ständige Impfkommission (STIKO) ................................................................................................ 4 Datenquelle ......................................................................................................................................... 5 Vorgelegte Impfbücher ..................................................................................................... 6 Erregerspezifische Impfquoten .......................................................................................... 7 Poliomyelitis (Kinderlähmung) ............................................................................................................ 7 Tetanus ................................................................................................................................................ 8 Diphtherie............................................................................................................................................ 9 Pertussis (Keuchhusten) .................................................................................................................... 10 Hepatitis B ......................................................................................................................................... 11 Haemophilus influenzae Typ b (Hib).................................................................................................. 12 Masern............................................................................................................................................... 13 Mumps............................................................................................................................................... 14 Röteln ................................................................................................................................................ 15 Varizellen (Windpocken) ................................................................................................................... 16 Pneumokokken .................................................................................................................................. 17 Meningokokken C .............................................................................................................................. 18 Impfquoten im zeitlichen Verlauf .................................................................................... 19 Impfschutz in Verbindung mit dem hexavalenten Impfstoff ............................................................ 19 Masern, Mumps, Röteln (MMR)........................................................................................................ 19 Weitere Impfungen – Varizellen, Pneumokokken, Meningokokken C ............................................. 20 Zusammenfassung .......................................................................................................... 20 3 Hintergrund und Methoden Impfungen zählen zu den effektivsten Maßnahmen der medizinischen Vorsorge. Sie bieten einen wirksamen Schutz vor Infektionskrankheiten und zeichnen sich durch eine gute Verträglichkeit aus. Schwerwiegende Nebenwirkungen treten nur sehr selten auf. Ziel einer Impfung ist es in erster Linie, die geimpfte Person vor einer übertragbaren Krankheit zu bewahren. Darüber hinaus soll die Verbreitung bestimmter Erreger gestoppt werden, so dass selbst Personen, die nicht erfolgreich geimpft werden können, vor der Erkrankung geschützt werden. Für diesen sogenannten „Herdenschutz“ wird ein sehr hoher Anteil geimpfter Personen in der Bevölkerung benötigt. Diese benötigte „Durchimpfungsrate“ variiert zwischen den unterschiedlichen Erregern und ist abhängig davon, wie ansteckend die Erkrankung ist. Die Durchimpfungsrate gegen Pocken war weltweit so hoch, dass sie zur kompletten Ausrottung von Pocken auf der ganzen Welt geführt hat. Aktuell ist die Beseitigung von Masern und Poliomyelitis ein erklärtes Ziel sowohl nationaler als auch internationaler Gesundheitsstrategien. Damit Impfprogramme erfolgreich umgesetzt werden können und sowohl der individuelle Schutz als auch der Gemeinschaftsschutz gewährleistet ist, braucht es klare, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe die Ständige Impfkommission (STIKO). Die Ständige Impfkommission (STIKO) Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein unabhängiges Expertengremium, dessen Mitglieder ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben. Sie entwickelt Impfempfehlungen für die Bevölkerung in Deutschland auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei berücksichtigt die STIKO sowohl den individuellen Schutz durch eine Impfung, als auch die positiven Effekte für die Allgemeinheit. Grundlage ihrer Empfehlungen sind die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin (RKI - Über die STIKO). Abbildung 1: Impfkalender für Säuglinge und Kleinkinder der STIKO (Stand: 2025) 4 Die STIKO gibt dabei sehr konkrete Empfehlungen, welche Impfungen in welchem Alter erfolgen sollten. Diese Empfehlungen werden im Impfkalender der STIKO dargestellt (Abbildung 1). Hierunter finden sich seit 2024 neu auch Empfehlungen zur Impfung gegen Meningokokken B und gegen Respiratorische Synzytial-Viren (RSV). Datenquelle Die Daten für den vorliegenden Impfreport stammen aus der Schuleingangsuntersuchung (SEU) von Kindern, die im Jahr 2023 eingeschult wurden. Diese Untersuchungen finden für gewöhnlich im Jahr vor der geplanten Einschulung statt; für die im vorliegenden Bericht ausgewertete Kohorte also von Herbst 2022 bis Sommer 2023. Neben einer Untersuchung auf körperliche Gesundheit und geistige Entwicklung erheben die Gesundheitsämter während der SEU auch den Impfstatus. Als Grundlage hierfür dienen die vorgelegten Impfbücher. Alle im Rahmen der SEU erhobenen Daten werden von den Gesundheitsämtern an das Statistische Landesamt übermittelt, wo sie auf Plausibilität geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Auf Grundlage des §34 Infektionsschutzgesetz erhält das Landesuntersuchungsamt von dort die Daten zum Wohnort und zu den erhaltenen Impfungen zur weiteren Auswertung und Übermittlung an das Robert Koch-Institut. Sie bilden gleichzeitig die Grundlage für diesen Bericht. Während der Corona-Pandemie wurden die SEU ausgesetzt, so dass für die Jahre 2020-2022 keine Impfreports vorliegen. Im Folgenden werden die Durchimpfungsraten der 5-6-jährigen Kinder, die in den Jahren 2016 und 2017 geboren wurden, berichtet. Diese Kinder gelten unter folgenden Voraussetzungen als vollständig grundimmunisiert: Impfung Polio Tetanus Diphtherie Pertussis Haemophilus influenzae Typ b (Hib) Hepatitis B Mumps Röteln Masern Varizellen Meningokokken C Pneumokokken Rotaviren Anzahl Impfungen 3 3 3 3 3 3 2 2 2 2 1 3 je nach Impfstoff: 2-3 Anzahl der empfohlenen Impfungen für die Grundimmunisierung lt. Empfehlungen der STIKO für 2016 und 2017 geborene Kinder 5

LUA-Bilanz Infektionsprävention 2022

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ INFEKTIONSPRÄVENTION Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2022 © Klaus Eppele / AdobeStock KategorieDiagnose/Erreger20182019202020212022 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis4.1013.6832.6682.7992.539 Clostridioides difficile9053526566 EHEC-Erkrankung (außer HUS)151151758186 Giardiasis125112726080 Hepatitiden (Leberentzündungen) Impfpräventable Infektionskrankheiten (gem. Empfehlung der STIKO) HUS34311 Kryptosporidiose6847414762 Norovirus-Erkrankung4.0404.2401.2061.2252.480 Rotavirus-Erkrankung6331.145166183952 Salmonellose933793510559533 Shigellose30298719 Yersiniose10912085113132 Hepatitis A4943303336 Hepatitis B3664733283881.065 Hepatitis C253267176223375 Hepatitis D23128 Hepatitis E228265213183198 COVID-190073.768205.9221.440.557 Diphtherie001010 FSME61625 Haemophilus influenzae Weitere Infektionen 5739261641 Influenza13.8577.8988.2157210.543 Masern938600 Meningokokken (invasiv)1913454 Mpox000056 Mumps3243181114 Röteln00010 Pertussis (Keuchhusten)5403971355565 Varizellen664712393281344 Acinetobacter2723152933 Adenovirus (Konjunktivalabstrich)49247311 Borreliose1.5801.1851.510884706 Brucellose01012 Dengue-Fieber254110210 Enterobacteriaceae182205150130215 Hantavirus-Erkrankung33042510 Legionellose6274559170 Leptospirose36566 Listeriose2328312223 MRSA7352243922 Q-Fieber45846 Tuberkulose232201186204162 Tularämie34384 Typhus abdominalis13001 LUA Infektionsbilanz 2022: Daten & Fakten aus Rheinland-PfalzIfSG Meldewesen 2019 bis 2022: Überblick und Besonderheiten Das gesetzlich im Infektionsschutzgesetz veran- kerte Meldewesen liefert kontinuierlich Daten über das räumlich-zeitliche Auftreten von Infek- tionserregern und -krankheiten – auch in Rhein- land-Pfalz. Verschiedenste Ursachen können einer Zunahme von Meldefällen zugrunde liegen. Ände- rungen in der Erkennung und Diagnostik, die le- diglich zu einer Reduktion der Dunkelziffer führen, müssen hierbei von einer echten Zunahme von Fällen in der Bevölkerung unterschieden werden, wie sie zum Beispiel bei einem Krankheitsaus- bruch beobachtet werden. Diese Aufgabe über- nehmen Infektionsepidemiologen, das sind Exper- tinnen und Experten für Seuchenbekämpfung, die die Meldedaten auf allen Ebenen der Meldeket- te, an den kommunalen Gesundheitsämtern, dem Landesuntersuchungsamt (LUA) und am Robert Koch-Institut (RKI), fortlaufend analysieren und bewerten.Die dargestellte Tabelle gibt einen Überblick über das Meldeaufkommen in Rheinland-Pfalz während der COVID-19-Pandemie 2020-2022 im Vergleich zu den Vorjahren 2018 und 2019. Besonders auf- fallend ist eine Zunahme der Hepatitis-B-Virus- Meldehäufigkeit, in etwa auf das 2,5-fache Ni- veau des Jahres 2022. Seit Oktober 2021 erstatten die Krankenkassen für alle Versicherten im Alter über 35 Jahre eine Testung auf Hepatitis-B und -C im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung. Weiter- hin führt eine ab Januar 2022 für alle diagnosti- schen Labore verpflichtende Einführung der elek- tronischen Meldung von Erregernachweisen über das sognannte Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem (DEMIS) zu einer im Ver- gleich zu früher vollständigeren Meldung von La- bornachweisen. Beide Umstände legen nahe, dass der beobachtete Anstieg im Meldeaufkommen das Resultat einer Reduktion bislang unentdeckter Infektionen, also der sogenannten Dunkelziffer ist. Hinweise auf einen Infektionsausbruch hingegen ergeben sich nicht. Die vorliegende Infektionsbilanz 2022 widmet sich unter anderem den Ergebnissen dieser Bewer- tungen auf rheinland-pfälzischer Ebene. Hierbei finden Analysen zum Einfluss der COVID-19-Pan- demiebekämpfung auf das Aufkommen anderer meldepflichtiger Erreger und Erkrankungen be- sondere Berücksichtigung. Darüber hinaus berich- tet diese Infektionsbilanz über Epidemiologie und Prävention der Legionellose in Rheinland-Pfalz. Sie wirft damit ein Schlaglicht auf die zentrale Rolle der Gesundheitsbehörden bei deren Eindäm- mung dieser mitunter schwer verlaufenden Form der Lungenentzündung. Hierdurch möchte dieser Bericht aber auch den breitgefächerten Präventivauftrag des öffentli- chen Gesundheitsdienstes in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rücken und damit gleichzeitig ein Gegengewicht zur pandemiezent- rierten Bewertung der Arbeit in den Gesundheits- ämtern und -behörden schaffen. Die vorliegen- de Infektionsbilanz berücksichtigt die Meldejahre 2019 bis 2022. Zum besseren Vergleich wird zu- sätzlich das Meldeaufkommen 2018 dargestellt. Eine ganz andere Erklärung für die Änderung im räumlich-zeitlichen Auftreten von Infektions- krankheiten findet sich in einer global verstärk- ten Mobilität. Eine vorübergehende Exposition in Regionen mit anderem Vorkommen von Krank- heitserregern kann zur Verschleppung durch in- terkontinentale Reisen oder Migration führen. Im Jahr 2022 wurde erstmals eine größere Zahl von Mpox-Fällen (ehemals Affenpocken) in Deutsch- land diagnostiziert und gemeldet. Diese üblicher- weise in West- und Zentralafrika vorkommende Infektionskrankheit wird durch ein mit den klassi- schen humanen Pocken verwandtes Virus verur- sacht, das in Nagetieren sein natürliches Reservoir hat. Vor 2022 wurde es nur selten außerhalb von Afrika und dann bei Reiserückkehrern aus Afrika beobachtet. Seit Mai 2022 wurden weltweit auch Fälle außerhalb dieser Regionen, insbesondere un- ter Männern beobachtet, die Sex mit Männern ha- ben. Weltweit wurden seit Ausbruchsbeginn und bis Ende des Jahres 2022 84.105 Fälle in 107 Län- Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 3 Zahl der Influenza- und Covid-19-Meldefälle (gemittelt über vier Wochen), Rheinland-Pfalz, 2017-2023. Im Jahr 2022 zeigt sich ein vorzeitiger Beginn der Influenza-Saison bei gleichzeitig hoher Fallzahl. den Windpocken, insbesondere in der ersten Pha- se der Pandemie im Jahr 2020. Im Zeichen von Corona: Die kontaktreduzierenden Maßnahmen rund um COVID-19 führten zum Rückgang vieler anderer Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen. © Frauke Riether / Pixabay dern außerhalb der traditionellen Endemiegebiete registriert, davon 3.671 in Deutschland und 56 in Rheinland-Pfalz. Durch Koordinierung der Spezial- diagnostik in Verdachtsfällen und die Aufklärung zu Absonderungs- und Hygienemaßnahmen ein- schließlich der Impfung von Kontaktpersonen und Risikogruppen sind seit Anfang 2023 keine neuen Fälle mehr in Rheinland-Pfalz gemeldet worden. Seit Ende Juli 2022 wurde deutschlandweit ein deutlicher Anstieg bei Nachweisen von Diphterie- Bakterien verzeichnet, wovon zehn auf Rheinland- Pfalz entfielen. Diese wurden meist aus Wunden von Geflüchteten im Rahmen der Erstuntersu- chung in Aufnahmezentren und Sammelunter- künften isoliert. Gefürchtet ist die durch einen Giftstoff des Bakteriums hervorgerufene schwe- re und mitunter tödlich verlaufende Allgemeiner- krankung. Solche Fälle wurden aktuell nicht be- kannt. Auch zu Übertragungen der importierten Bakterien auf die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz kam es nicht. Dennoch unterstreicht das Wissen um die Gefahren der Diphterie die Bedeutung der Aufrechterhaltung des Impfschutzes für alle Bür- ger durch regelmäßige Auffrischung alle 10 Jahre, 4 wie von der Ständigen Impfkommission am Ro- bert Koch-Institut empfohlen. Im zugrundeliegenden Berichtszeitraum von be- sonderem Interesse sind Veränderungen im Mel- deaufkommen, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit COVID-19 stehen. Sie kön- nen Folge eines veränderten Verhaltens, einer veränderten Immunantwort oder der Wechsel- wirkung dieser Faktoren untereinander sein. Im Folgenden sollen diese Überlegungen anhand von drei Beispielen illustriert werden. Eine Lockerung der Maßnahmen, wie die Wieder- eröffnung der Gemeinschaftseinrichtungen und die Änderungen der Absonderungs- und Masken- pflicht, führten zur sequenziellen Rückkehr von viralen Schmier- und später auch Atemwegsin- fektionen. Auch Windpocken wurden im 4. Quar- tal 2022 wieder häufiger gemeldet. Bei den In- fektionen mit dem Influenza-Virus fiel zum Ende 2022 der ungewöhnlich frühe Beginn der Saison bei insgesamt hohem Infektionsdruck auf. Die- ses Phänomen wird allgemein als Ausdruck ei- ner vermehrten Anzahl von durch ausbleibende Immunitätsbildung empfänglicher Personen als Folge der Schutz- und Hygienemaßnahmen in- terpretiert, insbesondere unter Kindern und Ju- gendlichen. Diese Hypothese wird durch eine entsprechende Altersverteilung der gemeldeten Infektionen mit deutlichen Gipfeln in diesen Al- tersgruppen gestützt. Vergleicht man die Melde- aktivität mit den jeweils vorpandemischen Ni- veaus, zeigt sich, dass diese in der Regel nicht überschritten werden, zumindest lag die als stark empfundene und objektiv auch mit einer hohen Wenn die Maske fällt - Wechselspiel von Hygiene und Immunität Die Stärkung der allgemeinen Hygiene sowie die kontaktreduzierenden Maßnahmen rund um COVID-19 führten zu einem eindrucksvol- len Rückgang der Übertragung anderer viraler Atemwegsinfektionen wie der Virusgrippe, vira- ler Durchfallerkrankungen, die über Oberflächen, Hände und Lebensmittel übertragen werden kön- nen, wie beispielsweise Noro- und Rota-virusin- fektionen und viraler Allgemeininfektionen wie Zahl der Noro-, Rotavirus- und Covid-19-Meldefälle (gemittelt über vier Wochen), Rheinland-Pfalz, 2017-2023. Im Jahr 2020 und 1. Halbjahr 2021 wurden deutlich weniger Rota- und Norovirusfälle übermittelt. 5 Zahl der Windpocken-Meldefälle, Rheinland-Pfalz (gemittelt über vier Wochen), 2017-2023. In den Pandemiejah- ren 2020 bis 2022 hat die Meldeaktivität für Windpocken deutlich abgenommen. Fallzahl einhergehende Influenzawelle 2022 letzt- endlich nicht über der von 2018. Dennoch: Vie- les spricht für ein „starkes Grippejahr“, gerade bei Kindern, zum Beispiel auch der starke Anstieg an Pneuomokokken-Meldungen; einem Erreger von Lungen-, Mittelohr- und Hirnhautentzündungen, die typischerweise nach einer Virus-Grippe auf- treten. Hierbei besiedeln Pneumokokken häu- fig den Rachen gesunder Kinder, seltener auch Er- wachsener, und erst durch die Schädigung des Lungengewebes durch Grippe- oder auch ande- re Atemwegsviren wie SARS-CoV-2 oder das Res- piratorische Synzytial-Virus (RSV) kommt es dann zur bakteriellen Zweitinfektion. Wichtig: Durch Impfung mit konjugierten Pneumokokken-Impf- stoffen kann der Trägerstatus beeinflusst werden, so dass eine Immunisierung für Kinder und Risiko- gruppen gegen Pneumokokken schon seit länge- rem empfohlen wird. Legionellose - Die Gefahr aus der Wasserleitung Auch bei den Meldefällen der Legionärskrankheit, einer schweren und teilweise tödlich verlaufenden Lungenentzündung, waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu sehen. Im Jahr 2020 wurden in Rheinland-Pfalz insgesamt 55 Fälle ge- meldet, was einem Rückgang von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019 entspricht. Das ist be- 6 merkenswert, da die Anzahl der gemeldeten Fälle von Legionärskrankheit in den Vorjahren konstant angestiegen war. Die Vermutung liegt nahe, dass der beobachtete Rückgang in Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen und den damit verbun- denen Änderungen im Reiseverhalten steht. Die Legionärskrankheit oder Legionellose wird durch Bakterien verursacht, die natürlicherwei- se in Oberflächengewässern und im Grundwas- ser vorkommen. Gesundheitliche Probleme verur- sachen Legionellen vor allen Dingen dann, wenn sie sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius zum Beispiel in Warmwasserbehäl- tern, Rohrleitungen, Klima- und offenen Kühlge- räten oder Wasserversorgungsanlagen, in denen Wasser über längere Zeit steht, unter für sie opti- malen Wachstumsbedingungen vermehren. Nach dem Einatmen von Aerosolen wie sie beispielswei- se beim Duschen oder aber auch beim Verduns- ten und Vernebeln von Wasser entstehen, kann es dann zu einer schweren Lungenentzündung kom- men, insbesondere wenn die Lunge bereits vorge- schädigt ist. Entsprechend sind Rauchen und eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit Risikofak- toren. Das Trinken von Wasser, auch wenn es mit hohen Konzentrationen von Legionellen belastet ist, stellt hingegen kein Risiko für den Menschen dar, außer es gerät Legionellen-belastetes Wasser durch Verschlucken in die Atemwege. Da es sich bei der Legionellose um eine bakterielle Infektion handelt, können Erkrankte meist erfolg- reich mit einer Antibiotikatherapie behandelt wer- den. Trotzdem versterben etwa 5-10 Prozent al- ler Personen, die an einer Legionellose erkranken. Das Risiko von Todesfällen ist stark altersabhän- gig und betrug in Rheinland-Pfalz etwa 3 Prozent bei den 30-59-Jährigen, etwa 6 Prozent bei den 60-69-Jährigen und etwa 13 Prozent bei den über 70-Jährigen. Ältere Menschen sind aber nicht nur stärker gefährdet, an der Legionellose zu verster- ben, sondern haben auch im Allgemeinen ein hö- heres Infektionsrisiko. Männer sind deutlich häu- figer betroffen als Frauen. Insgesamt betrug der Männeranteil unter allen rheinland-pfälzischen Meldefällen 73 Prozent. Der wirksamste Schutz vor der Legionärskrankheit ist die systematische Vermeidung starker Vermeh- rung von Legionellen in Warmwasserbehältern und Rohrleitungen. Da die Vermehrung bei 25 bis 45 Grad stattfindet, sollte den Legionellen wenig Zeit gegeben werden, sich unter diesen optimalen Bedingungen zu vermehren. Das kann beispiels- weise durch regelmäßigen Wasseraustausch in Warmwasserbereitern und regelmäßiges Durch- spülen der Rohrleitungen erreicht werden. Auch das zeitweise Erhitzen des Warmwassers auf über 60 Grad ist eine sehr wirkungsvolle Maßnahme, da Legionellen bei diesen Temperaturen abster- ben. In größeren Mehrfamilienhäusern schreibt die Trinkwasserverordnung eine regelmäßige Un- tersuchung des Wassers auf Legionellen mindes- tens alle drei Jahre vor. Diese Untersuchungen werden von zugelassenen Untersuchungsstellen angeboten. In öffentlichen Gebäuden, Schwimm- bädern und Gemeinschaftseinrichtungen sind die rheinland-pfälzischen Gesundheitsämter für die Festlegung der Überwachungshäufigkeit zustän- dig. Die dort gewonnenen Proben werden unter anderem durch das LUA untersucht. Bei der Inter- pretation der Ergebnisse gilt, dass ein technischer Maßnahmenwert von 100 Kolonie-bildenden Ein- heiten (KBE) pro 100 Milliliter nicht überschritten werden darf; in Hochrisikobereichen von Einrich- tungen des Gesundheitswesens hingegen dürfen gar keine Kolonien nachweisbar sein. Weiterhin spielt für die Einschätzung der Infekti- onsgefahr nicht nur die Menge, sondern auch die Art der gefundenen Legionellen eine wichtige Rol- le, da einige Stämme deutlich gefährlicher sind als Mögen 25 bis 45 Grad: Legionellen-Bakterien gedeihen in stagnierenden Rohrleitungen. © tookapic / Pixabay andere. In kleineren Wohngebäuden wie Ein- und Zweifamilienhäusern sind derartige Untersuchun- gen nicht vorgeschrieben. Allerdings kann schon bei der Installation von Warmwassersystemen da- für gesorgt werden, dass die Legionellengefahr minimiert wird. Für Personen, die nach längerer Abwesenheit in ihr Zuhause zurückkehren, ist es außerdem ratsam, die Warmwasserleitungen ein- mal durchzuspülen. Dabei sollten sie natürlich lüf- ten und sich nicht im selben Zimmer aufhalten, um das Einatmen von Aerosolen zu vermeiden. Das Gleiche gilt auf Reisen: Sollten Reisende eine Unterkunft beziehen, die scheinbar länger nicht bewohnt war, sollten sie das warme Wasser erst einmal ein paar Minuten in Ihrer Abwesenheit und bei offenem Fenster laufen lassen, bevor Sie mit dem Duschen beginnen. Diese Überlegungen sind ebenfalls entscheidend um zu verstehen, welchen Einfluss die COVID- 19-Pandemie auf die Erkrankungshäufigkeit hatte. Traditionell war schon immer ein erheblicher Teil der in Deutschland gemeldeten Legionellose-Fäl- le auf Reisen erworben, was den Rückschluss na- 7 als wichtiges Instrument zur fortlaufenden Erfas- sung von Trends und damit zur Steuerung der Er- mittlungstätigkeit der Gesundheitsbehörden. Feiern und Veranstaltungen Neben diesen Veränderungen gab es 2022 auch wieder Grund zum Feiern: Die MTA-Schule in Ko- blenz konnte 16 frischgebackene MTA-L im Sep- tember in der Rotunde in Koblenz feierlich ent- lassen. Die PTA-Schule in Trier freute sich über 28 gut ausgebildete PTAs. Nach zwei Jahren Pause war es sehr schön, die Leistung der Schülerinnen und Schüler wieder in einer Feierstunde zu würdi- gen und die frischen Berufsanfänger angemessen zu verabschieden. Gesundheitsfachschulen des LUA sind im Wandel Jährliche Meldefälle der Legionärskrankheit in Rhein- land-Pfalz und Vergleich zum jeweiligen Vorjahr helegt, dass Reiseunterkünfte wahrscheinlich häu- fig nicht ganzjährig besucht werden. Entsprechend könnte an den Zielorten Wasser lange Zeit in Warmwasserbehältern und -leitungen gestanden haben. In Abhängigkeit von den jeweiligen natio- nalen Regelungen zur Überwachung von Trinkwas- seranlagen auf Legionellen, die mancherorts weni- ger streng als in Deutschland sind, könnte das den Anstieg von Fallmeldungen in den Sommermona- ten erklären. Aber auch Wasser, das während der Urlaubsreise mehrere Wochen im unbewohnten Zuhause in den Leitungen gestanden hat, stellt ein potentielles Risiko für eine Legionellose dar. Im Jahr 2020 kam im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen jegliche Reisetätigkeit zum Erliegen, so dass auch Meldefälle von Legionel- losen mit Reisebezug vollständig ausblieben und die Gesamtzahl der übermittelten Meldungen in Rheinland-Pfalz nach Zunahme über fünf Jahre in Folge erstmalig wieder abnahm. Im Gegensatz hierzu waren im Jahr 2021 nach Lockerung der Maßnahmen wieder in größerem Umfang Reisen möglich. Hier zeigt sich die bislang höchste Zahl an Legionellose-Meldefällen seit Beginn der Auf- zeichnungen vor 20 Jahren. Diese Beobachtungen sprechen für eine Wiederinbetriebnahme länger- fristig stillgelegter Trinkwasseranlagen in Reise- unterkünften als Ursache für die starke Zunahme von Legionellose-Meldefällen nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen im Jahr 2021. Gleich- zeitig unterstreichen diese Erkenntnisse nicht nur die Bedeutung der regelmäßigen Trinkwasserüber- wachung, sondern auch der Infektionssurveillance 8 Das Jahr 2022 stand für die Gesundheitsfach- schulen des Landesuntersuchungsamtes ganz un- ter dem Zeichen der Gesetzes- und damit Aus- bildungsänderungen. Sowohl die jeweiligen Berufsgesetze als auch die Ausbildungs-und Prü- fungsverordnungen für PTA und MTA–L wurden zum 01.01.2023 geändert. Die Änderung im Beruf Pharmazeutisch-techni- sche Assistentin / Pharmazeutisch-technischer As- sistent (PTA) umfassen einen neuen Lehrinhal- te-Katalog für viele der bestehenden Fächer, ein neues Unterrichtsfach, eine geänderte Prüfungs- verordnung und ein der Arbeitswirklichkeit ange- passtes Berufsbild.Freudiger Anlass: Die Absolventinnen und Absolventen der PTA-Schule feierten 2022 die Zeugnisübergabe im Kurfürstlichen Palais in Trier. © LUA Der Beruf Medizinisch-technische Laboratorium- sassistentin / Medizinisch-technischer Laboratori- umsassistent (MTA-L) sowie die Ausbildung wur- den gänzlich verändert. Besonders deutlich wird das in der neuen Berufsbezeichnung medizinische Technologinnen und Technologen für Laborato- riumsanalytik (MT-L). Die Änderungen umfassen zudem eine Neugestaltung der „alten“ Unter-richtsfächer hin zu Kompetenzfeldern sowie eine Verdopplung der laborpraktischen Ausbildungszeit und eine grundsätzlichen Änderung der Prüfungs- durchführung dahin, dass die Auszubildenden der MT-Berufe jetzt eine zwingend vergütete Ausbil- dung absolvieren. Der Besuch einer Berufsfach- schule war bisher von einer Ausbildungsvergütung ausgenommen. Gelungener Start ins Berufsleben: Die Koblenzer MTA- Schule konnte im vergangenen Jahr viele frisch geba- ckene Medizinisch-technische Assistentinnen und Assis- tenten verabschieden. © LUAUm die Vergütung zu gewährleisten, musste - wie im Gesetz vorgeschrieben - ein Träger der prak- tischen Ausbildung gesucht werden. Dies muss nach dem MTB-G (Medizintechnologen-Berufs- gesetz) zwingend ein Krankenhaus sein. Das Jahr 2022 stand also im Zeichen dieser Änderungen und der damit verbundenen Suche nach einem geeigneten Träger der praktischen Ausbildung. Diese Thematik wird die Schulen noch länger be- gleiten, mindestens bis der erste Durchgang der Auszubildenden die Prüfungen absolviert hat. Beide Ausbildungen, PTA und MT-L, werden im September 2023 erstmals mit einer Ausbildung nach den neuen Vorgaben beginnen. Um neue Schülerinnen und Schüler zu gewinnen, wurden an den Gesundheitsfachschulen des LUA wieder Tage der offenen Tür angeboten. Zusätz- lich veranstaltete die PTA-Schule im Herbst noch einen abendlichen „Budenzauber“. Im Gegensatz zum Tag der offenen Tür galt dieser Abend etwas weniger der Information über die Ausbildung, son- dern mehr den unterhaltsam dargebrachten In- halten der einzelnen Fächer. Die Schülerinnen und Schüler waren mit großem Engagement dabei griffen tief in die Trickkiste der Show-Chemie. Zu sehen gab es zum Beispiel die überschäumende Willkommener Trubel im Labor: Die PTA-Schule Trier hatte im vergangen Jahr wieder zu einem Tag der offe- nen Tür eingeladen. © LUA „Elefantenzahnpasta“, das experimentell gebraute „Chemikerbier“ oder die glühende Gurke. Die ku- riosen Einlagen sollten den Gästen auf kurzweilige Art Lust auf die PTA-Ausbildung machen. Alle Ver- anstaltungen im Jahr 2022 fanden unter den je- weils geltenden Coronabedingungen statt. 9

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Deutschland, Intensivierte Surveillance der Frühsommer-Meningoenzephalitis in Deutschland

Trinkwasserverordnung

Die gesetzliche Grundlage zur Sicherung und Überwachung der Qualität des Trinkwassers ist das "Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutz-Gesetz - IfSG)”. Im § 37 Abs.1 IfSG wird die Qualität des Trinkwassers im Hinblick auf die menschliche Gesundheit grundsätzlich definiert: „Wasser für den menschlichen Gebrauch muss so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu besorgen ist”. Weiterhin wird die Verpflichtung der Überwachung der Wassergewinnungs- und Wasserversorgungs-anlagen an die Gesundheitsämter übertragen. Die Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung) legt detailliert Anforderungen fest für die Beschaffenheit des Trinkwassers, die Aufbereitung des Wassers, die Pflichten der Wasserversorger sowie die Überwachung des Trinkwassers. Mit der Trinkwasserverordnung wird die europäische "Richtlinie des Rates vom 3. November 1998 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Richtlinie 98/83/EG)” in nationales Recht umgesetzt. Trinkwasser

Neuer UMID: Gesundheit und nachhaltige Entwicklung in Deutschland

<p>Wie setzt Deutschland die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen um? Die neue Ausgabe der Zeitschrift UMID informiert über den aktuellen Umsetzungsstand bei gesundheitsbezogenen SDG und welche Indikatoren es gibt, um Fortschritte zu messen. Weitere Themen: Die UBA-App „Luftqualität“, die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie und Stickstoffdioxid im Innenraum.</p><p>Im Rahmen der 2030-Agenda einigten sich 2015 die Vereinten Nationen auf 17 Ziele (<a href="https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/">Sustainable development goals, SDG</a>), um weltweit eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Im Titelbeitrag der UMID-Ausgabe <a href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umid-012020">1/2020</a> werden die gesundheitsbezogenen Indikatoren der SDGs vorgestellt und Bezüge zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie erläutert.</p><p>Einen weiteren Themenschwerpunkt des aktuellen Heftes bildet die Tagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (<a href="https://www.dgepi.de/">DGEpi</a>) im Herbst 2019. Auf der Tagung wurden Ungleichheiten in der Bevölkerung im Themenfeld „Umwelt und Gesundheit“ diskutiert. Hierzu zählen soziale und regionale Ungleichheiten. Darüber hinaus wurden Ungleichheiten in Bezug auf biologische und soziale Geschlechterdimensionen erörtert und die Arbeit des neuen ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/w?tag=WHO#alphabar">WHO</a>⁠ Collaborating Centre for Environmental Health Inequalities vorgestellt.</p><p>Außerdem informiert die aktuelle Ausgabe über die neue ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/u?tag=UBA#alphabar">UBA</a>⁠-App „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/app-luftqualitaet">Luftqualität</a>“, die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes und den derzeitigen&nbsp; Kenntnisstand zu Stickstoffdioxid im Innenraum.</p><p>Die Zeitschrift UMID: Umwelt und Mensch – Informationsdienst erscheint zweimal im Jahr und informiert über aktuelle Themen aus Umwelt &amp; Gesundheit, Umweltmedizin und Verbraucherschutz. Die Onlineversion des UMID kann kostenfrei abonniert werden.</p>

Schwimm- und Badebecken

<p>Jedes Jahr nutzen Millionen Besucher die öffentlichen und gewerblichen Frei- und Hallenbäder. Neben dem hohen Freizeitwert fördert Schwimmen und Baden das gesundheitliche Wohlbefinden. Wenn sich viele Menschen gleichzeitig in einem Schwimm- und Badebecken aufhalten, bedarf es besonderer Vorkehrungen, damit es nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Besucherinnen und Besucher kommt.</p><p>In den Frei- oder Hallenbädern wird das Wasser ständig im Kreislauf aufbereitet (gereinigt) und desinfiziert. Durch die Desinfektion im Becken sollen die von den Badegästen abgegebenen Mikroorganismen (z. B. Bakterien), darunter möglicherweise auch Krankheitserreger, sehr schnell abgetötet werden. Nur so ist es möglich, eine relativ große Zahl von Besucherinnen und Besuchern in einem relativ kleinen Becken baden zu lassen, ohne dass eine besondere Gesundheitsgefahr befürchtet werden muss.</p><p>Die Schwimm- und Badebeckenwasserhygiene hat eine gute, gleich bleibende Beschaffenheit des Beckenwassers in Bezug auf Hygiene, Sicherheit und Wohlbefinden der Badegäste zum Ziel. Dafür ist ein Zusammenwirken folgender Faktoren notwendig:</p><p>Die gesetzliche Grundlage zur Sicherung und Überwachung der Qualität des Schwimm- und Badebeckenwasser ist das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutz-Gesetz - IfSG)”. Paragraf 37 Absatz 2 des IfSG legt folgendes fest: „Schwimm- und Badebeckenwasser (…) muss so beschaffen sein, dass durch seinen Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu besorgen ist”.</p><p>Die Gesundheitsämter werden gesetzlich verpflichtet, die Schwimm- und Badebecken einschließlich ihrer Aufbereitungsanlagen zu überwachen. Die Überwachung der Qualität des Schwimm- und Badebeckenwassers obliegt somit den Bundesländern und ihren nachgeordneten Behörden.</p><p>Da es keine Schwimm- und Badewasserbeckenverordnung gibt, orientieren sich die Gesundheitsämter bei ihrem amtlichen Überwachungsauftrag an die in der DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“ und in der ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/u?tag=UBA#alphabar">UBA</a>⁠-Empfehlung „Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung“ festgelegten Anforderungen an die Schwimm- und Badebeckenwasserqualität.</p><p>Bäder an Oberflächengewässern (Badegewässer) fallen nicht unter die Regelungen des IfSG. Ihre Wasserqualität regelt die <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:1976L0160:20030605:DE:PDF">Badegewässer-Richtlinie (76/160/EWG)</a>, die die Bundesländer in Rechtsvorschriften umgesetzt haben.</p><p>Das IfSG (§40) weist dem Umweltbundesamt die Aufgabe zu, Konzeptionen zur Vorbeugung, Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von durch Wasser übertragbaren Krankheiten zu entwickeln. Diese Konzeptionen dienen in erster Linie dazu, die jeweils zuständigen Behörden der Länder, die für die Durchführung der einschlägigen Vorschriften des IfSG zuständig sind, sowie die sonstigen beteiligten Fachkreise durch entsprechende grundsätzliche Expertisen zu unterstützen. Die fachlichen Konzeptionen liefern darüber hinaus wichtige Grundlagen für gesundheitspolitische Maßnahmen des Bundes und der Länder.</p><p>Um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Badegäste und des Personals eines Schwimmbades nicht zu beeinträchtigen, werden mikrobiologische, chemische und physikalisch-chemische Anforderungen an das Schwimm- und Badebeckenwasser gestellt. Das erfordert ein enges und übergreifendes Zusammenwirken der Fachdisziplinen Chemie, Mikrobiologie und Toxikologie.</p>

LUA-Bilanz Infektionsprävention 2018

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ INFEKTIONSPRÄVENTION Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2018 © fivepointsix / Fotolia KategorieDiagnose/Erreger20182017 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis4.1003.831 EHEC-Erkrankung (außer HUS)151122 Giardiasis125126 HUS32 Kryptosporidiose6934 Norovirus-Erkrankung4.0444.479 Rotavirus-Erkrankung6331.229 Salmonellose932684 Shigellose3020 Hepatitiden (Leberentzündungen) Impfpräventable Infektionskrankheiten (s. STIKO-Empfehlungen)    Weitere Infektionen Yersiniose124127 Clostridium difficile90106 Hepatitis A4948 Hepatitis B369251 Hepatitis C258193 Hepatitis D20 Hepatitis E228186 Diphtherie00 Haemophilus influenzae5739 Meningokokken (invasiv)1918 Masern921 Mumps3341 Röteln05 Pertussis (Keuchhusten)540802 Varizellen664675 Influenza13.8624.615 Adenovirus (Konjunktivalabstrich)4924 Borreliose1.5791.086 Brucellose01 Dengue-Fieber2518 Enterobacteriaceae192155 FSME60 Hantavirus-Erkrankung349 Legionellose6154 Leptospirose34 Listeriose2334 MRSA7290 Q-Fieber410 Tuberkulose237241 Tularämie33 Typhus abdominalis14 Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 Infektionsbilanz 2018: Rekord-Grippewelle im LandBorreliose – im Jahr 2016 dagegen lag die Zahl mit 1.467 Infektionen bereits ähnlich hoch. So viele saisonale Grippe-Erkrankungen hat es hierzulande noch nie gegeben: Im Frühjahr 2018 meldeten die kommunalen Gesundheitsämter dem LUA landesweit fast 13.900 Infektionen – ein Rekordwert. Im Vergleich dazu verliefen frü- here Grippesaisons weniger drastisch: Im Frühjahr 2017 erkrankten rund 4.500 Menschen in Rhein- land-Pfalz, 2016 waren es circa 3.400 Menschen gewesen.Labordiagnostik und Meldewesen Erfasst werden nur die Fälle, in denen Influenzavi- ren im Labor nachgewiesen werden. Da nicht bei allen Grippepatienten ein Abstrich genommen wird und auch nicht alle Erkrankten überhaupt zum Arzt gehen, ist die tatsächliche Zahl der Grip- peerkrankungen in einer Saison um ein Vielfaches höher als die Zahl der gemeldeten Fälle. Die Grippe unterscheidet sich von harmloseren grippalen Infekten durch den plötzlichen und hef- tigen Krankheitsbeginn mit anhaltend hohem Fie- ber, starken Muskel- und/oder Kopfschmerzen sowie Schwäche. Diese treten zusätzlich zu den Symptomen der allgemeinen Erkältung wie lau- fender Nase, trockenem Reizhusten und Hals- schmerzen auf. Für Menschen mit Vorerkrankun- gen, ältere Menschen und Schwangere kann die Grippe besonders gefährlich sein: Bei ihnen treten häufiger schwere Krankheitsverläufe mit Lungen- oder Mittelohrentzündungen auf. Magen-Darm-Erkrankungen dagegen machen immer einen Großteil der landesweit registrier- ten Infektionskrankheiten aus. Meist waren im vergangenen Jahr Noroviren (4.044 Fälle) oder Campylobacter-Bakterien (4.100) die Auslöser, weniger häufig auch Rotaviren (633) oder Sal- monellen (932). Die Zahl der Borreliose-Infektionen, einer durch Zecken übertragenen bakteriellen Erkrankung, ist mit 1.579 Meldungen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Zwar erkrankten im Jahr 2017 nur 1.086 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer an Im Landesuntersuchungsamt (LUA) laufen die Da- ten zu allen meldepflichtigen Infektionskrank- heiten und Infektionserregern aus ganz Rhein- land-Pfalz zusammen. Sie werden von den rheinland-pfälzischen Gesundheitsämtern gemäß Infektionsschutzgesetz in anonymisierter Form übermittelt. Im LUA werden die Daten gesam- melt, von Infektionsepidemiologen analysiert und bewertet und an das Robert Koch-Institut in Ber- Magen-Darm-Erreger: Rotaviren unter dem Transmissi- ons-Elektronenmikroskop. © Hans R. Gelderblom/RKI lin übermittelt. Auf diese Weise können überregi- onale Krankheitsausbrüche frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den zuständigen Gesundheitsäm- tern Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Zum Schutz der rheinland-pfälzischen Verbrau- cherinnen und Verbraucher vor Infektionsgefah- ren untersucht das LUA regelmäßig Proben auf Krankheitserreger und mikrobiologische Verunrei- nigungen. Darunter sind unter anderem Blut- oder Stuhlproben von Patienten, Wasserproben aus Hausinstallationen und Badeseen, Lebensmittel- proben oder auch solche, mit denen die Funktion von medizinischen Desinfektions- und Sterilisati- onsanlagen überprüft wird. 3 Antibiotikaresistenz konsequent die Stirn bieten Die Fortschritte der modernen Medizin sind eng verknüpft mit der Verfügbarkeit wirksamer Me- dikamente zur Behandlung schwerer, insbeson- dere bakterieller Infektionen. Seit Einführung der Antibiotika in die Medizin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten Infektionskrankheiten als Haupttodesursache verdrängt und in der Fol- ge die durchschnittliche Lebenserwartung in rei- chen Ländern von 47 Jahren auf nahezu 80 Jahre und mehr gesteigert werden. Doch diese oft le- bensrettenden Medikamente drohen ihre Wirkung zu verlieren. Woran liegt das? Antibiotika hindern Bakterien daran, sich zu ver- mehren, oder sie töten sie sogar ganz ab. Aller- dings haben Bakterien natürlicher Weise die Ei- genschaft, gegen Antibiotika unempfindlich zu werden. Resistenzen, zunächst eher ein selten an- zutreffendes Phänomen, haben sich aufgrund ei- ner sehr breiten Anwendung von Antibiotika auch außerhalb der Medizin (z.B. in der Nahrungsmit- telproduktion) ausgebreitet. Hierbei bedienen sich die Bakterien eines besonderen Tricks: Ohne sich selbst vermehren zu müssen, können sie ihre Re- sistenz durch Weitergabe eines kleinen Stücks an Erbinformation an andere Bakterien weitergeben. Auf diese Weise können sich Resistenzen schneller ausbreiten als die resistenten Bakterien selbst. dern und gleichzeitig die Entstehung und Weiter- verbreitung resistenter Bakterien einzudämmen. Konkret stehen hier Maßnahmen wie Personal- schulungen zur konsequenten Händedesinfektion, eine Optimierung der Instrumentensterilisation sowie Etablierung einer indikationsgerechten An- tiobitikaverschreibung (sog. „Antibiotic Steward- ship“) zur Verfügung, um nur einige wenige Bei- spiele zu nennen. Wie ist die Situation in Rheinland-Pfalz? Bereits seit mehreren Jahren besteht eine gesetz- liche Meldepflicht für invasive Infektionen durch methicillin-resistenten Staphylococcus aureus – einem überwiegend über Haut, Hände und Ober- flächenkontakte übertragenen Bakterium, das mehrfach resistent insbesondere bei vorerkrank- ten Menschen vorkommt und dann schwere In- fektionen wie Lungenentzündung oder eine Blut- strominfektion hervorrufen kann. Seit Beginn der Meldepflicht ist die Zahl dieser In- fektionen kontinuierlich zurückgegangen: Im Ver- gleich zum Jahr 2010 waren 2018 bereits 53 Pro- zent weniger Menschen an invasiven Infektionen durch MRSA erkrankt. 2018 wurden in Rhein- land-Pfalz 72 Fälle gemeldet. Bezogen auf die Be- völkerung erkranken derzeit statistisch gesehen jährlich 1.77 von 100.000 Rheinland-Pfälzern an einer MRSA-Infektion; 2010 waren es noch 3.95 von 100.000. Damit liegt Rheinland-Pfalz auch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 2.93 MRSA-Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Was wird in Deutschland dagegen getan? Verschiedene Gesetzesinitiativen auf Bundes- und Landesebene der vergangenen Jahre zielen dar- auf ab, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Zum einen wurden durch Änderungen des Infektions- schutzgesetzes Meldepflichten für antibiotikare- sistente Bakterien eingeführt bzw. erweitert. Zum anderen wurde durch Hygieneverordnungen der Länder verfügt, dass die Hygiene in medizinischen Einrichtungen gestärkt wird. Diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, durch präventive Hygiene- maßnahmen Krankenhausinfektionen zu verhin- 4 Gefährlich für Patienten: Infektionen mit multiresistenen Keimen in Krankenhäusern. © GordonGrand / Fotolia liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie das durchschnittliche Meldeaufkommen in Gesamt- deutschland (4.58 / 100.000). Für Acinetobacter, einem in der Umwelt weit ver- breiteten Bakterium, das ebenfalls den gesun- den Menschen besiedeln kann und in Einzelfällen schwere Infektionen auslöst, waren 2018 in Rhein- land-Pfalz 27 Nachweise von Bakterien mit Un- empfindlichkeit gegenüber Carbapenem-Antibioti- ka gemeldet worden, was einer Häufigkeit von 0.68 pro100.000 Bürgern entspricht. Zum Vergleich: Im gesamten Bundesgebiet wurden hier im Durch- schnitt mit 0.92 Nachweisen pro 100.000 deutlich mehr solcher Infektionen gemeldet. Was tut das Land Rheinland-Pfalz? Seit Mai 2016 sind Infektionen und eine Besied- lung mit gram-negativen Bakterien mit Resis- tenz gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme meldepflichtig. Aufgrund der bis- her kurzen Beobachtungszeit ist eine Trendana- lyse wenig aussagekräftig. Allerdings lohnt sich ein Blick im Vergleich zum Bundesdurchschnitt: Für die beim Menschen überwiegend im Ma- gen-Darm-Trakt vorkommenden Enterobacteria- ceae wurden im Jahr 2018 in Rheinland-Pfalz 192 Nachweise übermittelt. Das entspricht 4.71 Er- regernachweisen pro 100.000 Bürger. Der Wert Das Landesuntersuchungsamt (LUA) unter- stützt die 24 Gesundheitsämter des Landes bei der Überwachung der Hygienestandards in medi- zinischen Einrichtungen. LUA-Mitarbeiter unter- suchen amtliche Hygieneproben und nehmen an Begehungen der Gesundheitsämter in medizini- schen Einrichtungen teil. Daneben steht am LUA epidemiologische, mikrobiologische und mole- kularbiologische Kompetenz bereit, wenn sich Er- krankungen durch antibiotikaresistente Bakterien im Land häufen sollten. Was tun die Kommunen? Die Bekämpfung multiresistenter Erreger (MRE) wird durch die Bildung von grenzüberschreiten- den Netzwerken gezielt und interdisziplinär an- gegangen. Die 79. Gesundheitsministerkonferenz hat 2006 zur Bekämpfung nosokomialer (sprich: in Gesundheitseinrichtungen erworbener) Infekti- onen mit resistenten Keimen die Einrichtung von MRE-Netzwerken empfohlen. In Rheinland-Pfalz hat der MRE-Netzwerkgedanke mittlerweile deut- liche Zustimmung gefunden: Seit dem Jahr 2009 sind neun regionale MRSA-/ MRE-Netzwerke (re- gionale und auch überregionale Kooperationen) quer durchs Land gebildet worden. Nahezu alle Kreise und Kommune nehmen teil. Der öffentliche Gesundheitsdienst bzw. die kommunalen Gesund- heitsämter haben in Rheinland-Pfalz - entspre- chend der Landeshygieneverordnung - die Funkti- on, den Netzwerkprozess zu moderieren. Zuletzt ist das MRE-Netzwerk Westerwald-Rhein- Lahn entstanden, in welchem der Landkreis Altenkir- chen, der Westerwaldkreis und der Landkreis Rhein- Lahn verbunden sind. Die Arbeit dieses Netzwerkes ist auch im bundesweiten Vergleich als hervorragend zu bewerten: Es wurde im Herbst 2017 mit dem In- novationspreis der Akademie für öffentliches Ge- sundheitswesen in Düsseldorf ausgezeichnet. 5 bei der Versorgung von Patienten, auch beim Übergang zwischen einzelnen Institutionen, und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Kontrol- le der Antibiotikaresistenz. Ein Akut-Krankenhaus, das ein Qualitätssiegel vorweisen will, muss bei- spielsweise ein konsequentes Screening auf multi- resistente Erreger bei der Neuaufnahme bestimm- ter Patientengruppen durchführen. Ausblick Es werden immer mehr: MRSA-/MRE-Netzwerke in Rheinland-Pfalz. © LUA Das LUA hat beim MRE-Netzwerkthema die Funk- tion einer koordinierenden Stelle der Netzwerk- arbeit in Rheinland-Pfalz. Bei Fortbildungen, epi- demiologischen Untersuchungen, runden Tischen und Foren entwickeln die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen zur jeweiligen Region pas- sende Strategien zur Bekämpfung von Kranken- haus-Infektionen. Ein Baustein für eine erfolgreiche Netzwerk-Tätig- keit sind MRE-Qualitätssiegegel. Sie schaffen ei- nen Anreiz, hygienische Standards in Krankenhäu- sern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen einzuhalten und nach außen sichtbar darzustellen. Sie sorgen für einheitlich hohe Hygienestandards 6 Bakterielle Resistenzen gegen Antibiotika bedro- hen die Gesundheit von Patienten und sind eine ernstzunehmende Herausforderung für die mo- derne Medizin. Die Weltgesundheitsorganisati- on hat einen weltweiten Aktionsplan gegen die Entstehung und Ausbreitung antimikrobieller Re- sistenzen ins Leben gerufen. Dieser sieht in der Verbesserung von Hygienemaßnahmen einen zentralen Ansatzpunkt zur Bekämpfung antimik- robieller Resistenz. Rheinland-Pfalz ist bereits auf einem guten Weg: Die MRSA-Infektionen gehen zurück, die Nach- weise carbapenemresistenter Bakterien liegen im oder unter dem Bundesdurchschnitt. Die Arbeit der MRE-Netzwerke und die Überwachung me- dizinischer Einrichtungen durch Behörden sind die Grundlagen dieser positiven Bilanz. In Anbe- tracht des medizinischen Fortschritts und einer immer breiteren Anwendung infektionsbegüns- tigender Therapieformen bedarf es einer konse- quenten Fortsetzung dieser Bemühungen. Nur so wird es gelingen, der Ausbreitung resistenter Er- reger in Rheinland-Pfalz weiterhin erfolgreich die Stirn zu bieten. Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de

Chemikalienforschung im UBA

<p>In eigenen Laboratorien untersucht das UBA, wie Pflanzenschutzmittel, Biozide, Arzneimittel oder Industriechemikalien auf die Umwelt wirken: Wie belasten sie einzelne Lebewesen in Ökosystemen? Wie verteilen sie sich im Boden, Wasser und in der Luft? Wirken die Mittel gegen Glieder- und Nagetiere ausreichend?</p><p>Der Fachbereich Chemikaliensicherheit untersucht in eigenen Laboratorien Chemikalien und Zubereitungen und nutzt die Ergebnisse zur Bewertung. Rund 25 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in drei Laborfachgebieten in Berlin Dahlem und Marienfelde. Sie beantworten mit ihrer Forschung zum Beispiel Fragen zum Umweltverhalten von Stoffen. Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen werden außerdem für die in den Stoffgesetzen verankerte Umweltprüfung benötigt. Die Verknüpfung mit den Aufgaben des UBA im Vollzug der Stoffgesetze (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/was-ist-reach">REACH</a>, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/zulassung-von-pflanzenschutzmitteln">Pflanzenschutzgesetz</a>, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/amg_1976/gesamt.pdf">Arzneimittelgesetz</a>, <a href="http://www.bmub.bund.de/fileadmin/bmu-import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/entwurf_bioziddurchfg_2012_bf.pdf">Biozid-Verordnung</a>, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/ifsg/gesamt.pdf">Infektionsschutzgesetz </a>) ist also sehr eng. Anlass für die experimentelle Forschung ist unter anderem die Weiterentwicklung von Regelwerken, Prüfrichtlinien und Testmethoden, wenn sie nicht mehr dem aktuellen Wissenstand entsprechen. Dazu kommen auch Fragen, die bei der Umweltbewertung von einzelnen Stoffen entstehen.</p><p>Die Chemikalienforschung unterstützt die Umweltpolitik und unterscheidet sich so von der universitären und außeruniversitären Forschung. Die Schwerpunkte der Chemikalienforschung können auch im Forschungsprogramm des UBA 2018 – 2022 (Seite 60 - 64) nachgelesen werden.</p><p>Das Prüflabor Gesundheitsschädlinge überprüft gemäß Paragraf 18 Infektionsschutzgesetz die Wirksamkeit von Mitteln und Verfahren zur Bekämpfung von Glieder- und Nagetieren. Es untersucht auch Arzneimittel gegen Ektoparasiten, also Parasiten, die sich auf der Haut des Menschen befinden können. Dazu züchtet das UBA Tiere wie Schaben, Bettwanzen, Mücken, Fliegen, Kopf- und Kleiderläuse, Mäuse und Ratten. Das Prüflabor ist nach DIN ISO 17025 akkreditiert.</p><p>Das Ökotoxikologielabor des UBA untersucht Stoffe und Stoffgemische auf ihre giftige Wirkung auf Gewässerorganismen. Dazu werden entsprechende Prüfverfahren zur Bewertung der ökotoxikologischen Wirkung von Stoffen konzipiert, standardisiert und weiterentwickelt. Diese Prüfverfahren (z.B. Fischembryotest, sedimentfreier Myriophyllum-Test) dienen dem Vollzug der Stoffgesetze und werden an die ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/o?tag=OECD#alphabar">OECD</a>⁠ gegeben. Das Labor arbeitet experimentell an ökotoxikologischen Fragestellungen wie zum Beispiel den Kombinationswirkungen mehrerer Stoffe.</p><p>Auf dem Versuchsfeld Marienfelde betreibt das UBA eine Fließ- und Stillgewässer-Simulationsanlage. Mit dieser großen Anlage können der Abbau, die Verteilung und die Wirkung chemischer und biologischer Stoffe in Flüssen und Seen untersucht werden. So wird das „umweltnahe" Verhalten von Chemikalien erforscht. Mit der organischen Spurenanalytik ist es möglich, Stoffe zu bestimmen (z.B. ⁠<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/p?tag=Pflanzenschutzmittel#alphabar">Pflanzenschutzmittel</a>⁠, Biozide, Industriechemikalien), die in sehr niedrigen Konzentrationen in der Umwelt vorkommen oder in Labor- oder Technikversuchen eingesetzt werden.</p><p>Neben eigenen Experimenten vergibt der Fachbereich Chemikaliensicherheit auch Aufträge an Forschungseinrichtungen oder Hochschulen, z.B. im Rahmen des Umweltforschungsplans (UFOPLAN. Die UBA-Mitarbeitenden bewerten die Ergebnisse und nutzen sie für die Chemikalienbewertung und die Festlegung von Risikomanagementmaßnahmen.</p>

Impfreport Rheinland-Pfalz 2014

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] IMPFREPORT 2014 Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Rheinland-Pfalz Inhalt Herausgeber Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz Mainzer Straße 112 56068 Koblenz Autor Florian Burckhardt Layout Achim Ginkel Bildnachweis Titelseite © cassis / Fotolia.com Ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern für ihren unermüdlichen Einsatz! Hintergrund ....................................................................................................................................................................4 Methoden ........................................................................................................................................................................5 Ergebnisse .......................................................................................................................................................................6 Datenübermittlung ...................................................................................................................................................6 Vorgelegte Impfausweise .........................................................................................................................................6 Poliomyelitis ...............................................................................................................................................................8 Tetanus .......................................................................................................................................................................10 Diphtherie ..................................................................................................................................................................12 Pertussis .....................................................................................................................................................................14 Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ....................................................................................................................16 Hepatitis B .................................................................................................................................................................18 Mumps .......................................................................................................................................................................20 Röteln .........................................................................................................................................................................22 Masern .......................................................................................................................................................................24 Geburtskohorte und Zeitpunkt der Impfempfehlung ......................................................................................27 Vollständigkeit der Erfassung ................................................................................................................................27 Varizellen ...................................................................................................................................................................28 Meningokokken ........................................................................................................................................................30 Pneumokokken .........................................................................................................................................................32 Individuelle Impfabdeckung ..................................................................................................................................34 Diskussion .....................................................................................................................................................................35 Ausblick .........................................................................................................................................................................37 Literatur ........................................................................................................................................................................38 Anhang ..........................................................................................................................................................................40 Abkürzungen ............................................................................................................................................................40 STIKO-Impfkalender ...............................................................................................................................................41 Alle Zahlen auf einen Blick ....................................................................................................................................42 Kartenlegende Landkreise und kreisfreie Städte ...............................................................................................45 3 Hintergrund Der Schutz der Gesundheit seiner Bürger ist eine der wichtigsten Aufgaben des Staates und umfasst unter anderem den Schutz vor Infektionskrankhei- ten. Diese konnten im letzten Jahrhundert drama- tisch zurückgedrängt werden. Neben verbesserter Hygiene, insbesondere bei der Trinkwasserversor- gung und der Entdeckung der Antibiotika waren dafür vor allem die Schutzimpfungen breiter Be- völkerungsschichten die Grundlage. könnten dieses Ziel wieder in weite Ferne rücken. Eine der Ursachen hierfür ist die eher zögerliche Bereitschaft einiger Eltern, ihr Kind entsprechend der Empfehlungen zwei Mal gegen Masern impfen zu lassen. Sie fragen sich, warum sie ihr gesundes Kind gegen diese vermeintlich harmlose Kinder- krankheit spritzen lassen sollen und eventuelle Nebenwirkungen riskieren. Weltweit infizierten sich noch 1950 jährlich etwa 50 Millionen Menschen mit Pocken, bis zu 30% verstarben daran (1). Die Weltgesundheitsorgani- sation WHO konnte im Jahr 1980 nach Jahrzehn- ten konsequenter, weltweiter Impfkampagnen die Welt für pockenfrei erklären. Eine weitere Geißel der Menschheit, die Kinderlähmung, ist nur noch in drei Ländern endemisch. Europa ist im Jahr 2002 dank kontinuierlicher Impfbemühungen von der WHO als poliofrei zertifiziert worden. Eine Eradikation von Infektionskrankheiten ist nur möglich, wenn der Mensch das einzige Erregerre- servoir ist und der Anteil der Geimpften mehrere Jahre hinweg über der sogenannten Herdenim- munität liegt (2). Die Herdenimmunität ist erre- gerspezifisch und wirkt wie eine Brandschneise im Wald: sie lässt den Infektionserreger „ins Leere“ laufen, da er bei einem hohen Anteil an Geimpften in der Bevölkerung nicht mehr genügend empfäng- liche Opfer für seine Vermehrung und Weiterver- breitung findet. Solange die Impfquoten über der Herdenimmunitätsschwelle liegen, können sich keine großflächigen Epidemien in der Bevölkerung ausbreiten. Jeder Bürger profitiert heute direkt von der Pocken- und Polio- „Gesundheitsdividende“, welche nur den Impfanstrengungen der Vergan- genheit zu verdanken ist. Die weltweite Maserneradikation sollte ursprüng- lich bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein. Die Umsetzung dieses Zieles wurde dann von der WHO zunächst auf 2015, aktuell auf 2020 ver- schoben (3, 4). Die großen Masernausbrüche in Deutschland, insbesondere Berlin seit Januar 2015 4 ein Kompromiss geschlossen zwischen Erreichbar- keit der Impflinge im Kleinkindalter und Zeitpunkt der Infektionsgefährdung ab der Pubertät. Diese und andere Gesichtspunkte werden in Deutschland anhand der aktuellen wissenschaft- lichen Datenlage von den Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) abgewogen und fließen in die jährlichen Impfempfehlungen ein. Zurzeit werden folgende Kinderschutzimpfungen von der STIKO empfohlen: Polio, Tetanus, Diphtherie, Per- tussis, Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Pneumokok- ken, Meningokokken C und Rotaviren (Stand Juli 2015). Der vorliegende Bericht leistet einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Dokumentation der Durchimpfungsraten von Kindern im Einschu- lungsalter im Jahr 2014 in Rheinland-Pfalz. Diese werden für jede STIKO-empfohlene Kinderimp- fung und für jeden Kreis beschrieben und bewertet. Methoden Direkte und indirekte Effekte einer Impfung gegen Erreger mit ausschließlicher Mensch-zu-Mensch Übertragung Erfreulicherweise zeigen die Daten der Einschulun- tersuchungen von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Zunahme der Impfquoten. Es muss verdeutlicht werden, dass die Gesundheitsrisiken von Masern, wie die vieler anderer „Kinderkrankheiten“ stark unterschätzt und unerwünschte Arzneimittelwir- kungen der Impfstoffe -zum Teil bewusst- massiv überzeichnet werden. Auch ist zum Beispiel bei der Rötelnimpfung für Jungen oder der Polioimpfung in Deutschland aus epidemiologischer Sicht der Nutzen für die Bevölkerungsgesundheit größer als das Risiko und der Aufwand der Impfung für den Einzelnen. Bei anderen Infektionskrankheiten wie etwa Hepatitis-B wird durch die Impfempfehlung Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 Dieser Bericht basiert auf Daten, die durch die Schulärzte der kommunalen Gesundheitsäm- ter in Rheinland-Pfalz bei den Untersuchungen 2013/2014 für den Einschulungsjahrgang 2014 erhoben wurden. Gesetzliche Grundlage hierfür ist § 34 Abs. 11 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), welcher besagt, dass „bei Erstaufnahme in die er- ste Klasse einer allgemein bildenden Schule (…) das Gesundheitsamt oder der von ihm beauftrag- te Arzt den Impfstatus zu erheben und die hierbei gewonnenen aggregierten und anonymisierten Daten über die oberste Landesgesundheitsbehör- de dem Robert Koch Institut (RKI) zu übermitteln (hat)“. Im Regelfall erheben die Gesundheitsämter den Impfstatus der Kinder anhand des internatio- nal gültigen Impfbuches im Rahmen der Schulein- gangsuntersuchung. Pro Kind wird für jede Schutz- impfungen vermerkt, wie viele Impfdosen verab- reicht wurden und ob ein vollständiger Impfschutz vorliegt. Seit 2007 werden die erhobenen Daten am Gesundheitsamt in eine lokale Datenbank Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 eingespeist und anonymisiert an das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz, Bad Ems übertragen. Von dort werden die impfrelevanten Daten an das Landesuntersuchungsamt (LUA) übermittelt, wel- ches sie auf Plausibilität prüft, statistisch auswer- tet und aggregiert an das RKI schickt. Die allgemeine Impfempfehlung gegen Varizellen wurde 2006 von der STIKO von einer auf zwei Do- sen erhöht, die Impfempfehlung gegen Pneumo- kokken und Meningokokken kam ebenfalls 2006. Bei einigen Kreisen gibt es leider nach wie vor eine unvollständigen Erfassung der Impfquoten für Meningokokken und Pneumokokken. Wir ver- zichten in diesem Bericht auf die Veröffentlichung der Impfquoten dieser Impfungen bei einem Kreis, wenn dort bei mehr als 5% der untersuchten Kin- der mit Impfbuch keine Erfassung erfolgte. Der Ergebnisteil umfasst für Rheinland-Pfalz und aufgegliedert für seine Landkreise und kreisfreien Städte folgende Angaben: ■■ Anzahl aller Schulanfänger ■■ Anzahl aller untersuchten Kinder ■■ Anzahl untersuchter Kinder mit vorgelegtem Impfbuch ■■ Anzahl vollständig grundimmunisierter Kinder pro Schutzimpfung ■■ Grundimmunisierungsquoten pro Schutzimp- fung in Tabellenform ■■ Geografische Übersicht der Impfquote pro Impfung ■■ Jahrestrends der Impfquoten von 2004 bis 2014 im Vergleich mit Bundeswerten Die Kapitel zu den beschriebenen Erregern ent- halten kurze Einleitungen zu den von ihnen ver- ursachten Krankheitsbildern. Für eine ausführli- chere Darstellung sei auf gängige Lehrbücher oder die Internetseiten des RKI verwiesen. Die Begriffe Impfrate und Impfquote werden im Text synonym verwendet, da sich die Ergebnisse im Text auf ei- nen Einschulungsjahrgang und damit auf eine fe- ste Zeitdauer beziehen. Präziser formuliert ist die Impfrate die Impfquote pro Zeiteinheit, hier ein Jahr. Durchimpfungsraten können sich alternativ auf die Zahl aller Kinder, aller untersuchten Kinder 5 oder auf die Zahl der untersuchten Kinder mit vor- gelegtem gültigem Impfbuch beziehen. Die ersten beiden Bezugsgrößen unterschätzen die tatsächli- che Durchimpfungsrate, da alle Kinder ohne vor- gelegtem Impfbuch als ungeimpft gezählt werden, auch wenn sie in Wirklichkeit geimpft wurden und ihr Impfbuch am Stichtag lediglich zu Hause ver- gessen hatten. Die letzte Bezugsgröße ist näher am wahren (unbekannten) Wert, daher werden im Bericht die Durchimpfungsraten bezogen auf Kin- der mit Impfbuch dargestellt. Ergebnisse mit Impfbuch Datenübermittlung Die 24 Landkreise (LK) und 12 kreisfreien Städte (KS) in Rheinland-Pfalz werden von 24 in die Kreis- verwaltungen integrierten Gesundheitsämtern be- treut, von denen 23 das Computerprogramm Mi- kropro: JÄD (5) und eines das Programm der Firma ISGA verwenden. Vorgelegte Impfausweise Eine hohe Impfquote bei gleichzeitig niedriger Zahl an mitgeführten Impfbüchern kann die tat- sächlichen Impfquoten verzerren. Daher wird im vorliegenden Impfreport bei den Tabellen zu den einzelnen Impfungen auch die Vollständigkeit der vorgelegten Impfausweise dargestellt, um die Va- lidität der Daten deutlich zu machen. Um künftige Unsicherheiten zu vermeiden, sollte grundsätzlich darauf hingewirkt werden, dass Schulanfänger bei der Schuleingangsuntersuchung ihr Impfbuch mit sich führen. Insgesamt führten 93% der Schulanfänger ihren Impfausweis bei der Schuleingangsuntersuchung mit sich, eine genaue Auflistung der kreisspezifi- schen Werte ist in der Tabelle „Impfausweise“ auf- geführt. Demnach wurden im Kreis Kusel, im Rhein Hunsrück-Kreis und im Rhein-Pfalz-Kreis über 95% der Impfbücher mitgeführt, während in Bitburg- Prüm, Kaiserslautern, Landau, Pirmasens und Worms weniger als 90% der Kinder ihr Impfbuch bei der Untersuchung vorlegten. Die historische Entwicklung der Impfraten ab 2004 wurde so weit wie möglich berücksichtigt und den nationalen Impfquoten des Jahres gegen- übergestellt. Die bundesweiten Vergleichszahlen der Schuleingangsuntersuchung 2014 lagen bei Drucklegung noch nicht vor. Die Landeswerte 2014 werden daher mit den ver- öffentlichten Bundeswerten von 2013 verglichen. Die Datenerfassung in den verschiedenen Land- kreisen war 2004 sehr heterogen. Die Raten wer- den für 2004 aus Gründen der Transparenz zwar dargestellt, sind nach Ansicht des LUA allerdings eine Unterschätzung der wahren Impfraten. Durch die Umstellungen bei der Erfassung und die flächendeckende Einführung neuer EDV-Systeme in den Kreisen kam es ab 2005 zu einer leichten Überzeichnung der Daten für 2006. Ab 2009 wer- den entsprechend dem Übereinkommen mit dem Robert Koch-Institut alle diejenigen Kinder als vollständig geimpft gezählt, welche die empfoh- lene Mindestanzahl Impfungen bekommen haben. 6 Landkreis, Kreisfreie Stadt LK Ahrweiler LK Altenkirchen LK Alzey-Worms LK Bad Dürkheim LK Bad Kreuznach LK Bernkastel-Wittlich LK Birkenfeld LK Bitburg-Prüm LK Cochem-Zell LK Donnersbergkreis LK Germersheim LK Kaiserslautern LK Kusel LK Mainz-Bingen LK Mayen-Koblenz LK Neuwied LK Rhein-Hunsrück-Kreis LK Rhein-Lahn-Kreis LK Rhein-Pfalz LK Südliche Weinstraße LK Südwestpfalz LK Trier-Saarburg LK Vulkaneifel LK Westerwaldkreis KS Frankenthal KS Kaiserslautern KS Koblenz KS Landau KS Ludwigshafen KS Mainz KS Neustadt KS Pirmasens KS Speyer KS Trier KS Worms KS Zweibrücken Rheinland-Pfalz Anzahl Schulanfängeruntersuchte Schulanfängerabsolut 1056 1288 1147 1111 1418 928 393 872 576 662 1218 930 557 2024 1848 1613 916 1087 1378 889 699 1355 474 1824 393 791 920 396 1632 1785 471 317 457 812 790 277 353041055 1288 1142 1111 1418 928 389 872 576 662 1218 925 557 2023 1847 1610 916 1087 1378 889 698 1355 474 1823 393 791 920 396 1631 1784 471 316 456 812 790 275 35276960 1163 1043 1041 1328 859 368 783 541 622 1126 846 531 1902 1732 1517 874 1023 1314 822 657 1278 441 1707 369 666 870 354 1482 1673 439 279 423 749 690 248 32720 Impfbuch- in Prozent * abdeckung 91,0% 90,3% 91,3% 93,7% 93,7% 92,6% 94,6% 89,8% 93,9% 94,0% 92,4% 91,5% 95,3% 94,0% 93,8% 94,2% 95,4% 94,1% 95,4% 92,5% 94,1% 94,3% 93,0% 93,6% 93,9% 84,2% 94,6% 89,4% 90,9% 93,8% 93,2% 88,3% 92,8% 92,2% 87,3% 90,2% 92,8% (+) (+) (+) (+) (+) (+) (+) (-) (+) (+) (+) (+) (++) (+) (+) (+) (++) (+) (++) (+) (+) (+) (+) (+) (+) (-) (+) (-) (+) (+) (+) (-) (+) (+) (-) (+) (+) Tabelle 1: Anzahl Schulanfänger, untersuchte Schulanfänger und Schulanfänger mit Impfbüchern nach Landkreis (LK) und kreisfreier Stadt (KS), Rheinland-Pfalz 2014; * bezogen auf untersuchte Schulanfänger Impfbuchvollständigkeit: (-): unter 90%, (+) zwischen 90% und 95%, (+ +) über 95% Mitgeführte Impfausweise pro Kreis, Rheinland-Pfalz 2014, Kartenlegende siehe Anhang Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 7 Poliomyelitis Bis zum Jahr 1988 wurden täglich über 1000 Kin- der aus über 125 Ländern lebenslang durch das Poliovirus gelähmt (6). Es gibt für Polio keine Hei- lung, lediglich eine symptomatische Linderung der Folgen. Im Jahr 1988 rief die Weltgesund- heitsorganisation (WHO) zusammen mit UNICEF, Rotary und dem US-amerikanischen CDC die glo- bale Kampagne zur Polioeradikation ins Leben. Polio-Grundimmunisierungen 2004-2014, Rheinland- Pfalz (Linie) und Deutschland (Balken); RLP: *Werte für 2004 unvollständig aufgrund von EDV-Problemen; ** ab 2007: Datenquelle Statistisches Landesamt RLP weiterhin aufrecht, denn nur so kann eine Wie- dereinschleppung dieser verheerenden Seuche in bereits poliofreie Regionen verhindert werden (12). Diese Gefahr wurde 2010 für vier ehemals po- liofreie Länder der WHO-Region Europa Wirk- lichkeit: Tadschikistan, Russische Föderation, Turkmenistan und Kasachstan (13). Im Juli 2011 folgte die autonome Region Xinjiang Ugur in Chi- na. Genetische Analysen zeigten, dass die Polio- Wildviren aus Pakistan eingeschleppt wurden. Nach konzertierten Impfaktionen der WHO von über 4,5 Millionen Personen konnte das Wieder- aufflammen der Polio gestoppt werden (14). Das Beispiel Syrien zeigt, wie leicht sich die Po- lio wieder in einer ehemals gut durchgeimpften Bevölkerung ausbreiten kann, wenn die nachfol- genden Generationen –in Syrien durch den bür- gerkriegsbedingten Zerfall der Gesundheitsver- sorgung- nicht mehr geimpft werden. Seit 1995 galt Polio in Syrien als ausgerottet bis sich im Nach 25 Jahren, acht Milliarden Dollar und zwei- einhalb Milliarden geimpften Kindern gelang es den 20 Millionen Freiwilligen, das Virus durch Unterbrechen der Infektketten weltweit zunächst auf vier, dann drei endemische Länder zurückzu- drängen: Pakistan, Afghanistan und Nigeria. Indi- en wurde dank massiver Anstrengungen Anfang 2012 von der Liste der endemischen Länder ge- strichen (7) und im März 2014 von der WHO als poliofrei zertifiziert. (8) In Deutschland sank die Zahl der an Kinderläh- mung erkrankten Kinder durch die Einführung der Polio-Schluckimpfung (9) nach nur einem Jahr von über 4600 im Jahr 1961 auf nur etwa 290 in 1962 (7) und weniger als 50 im Jahr 1965 (10). Obwohl der letzte endemische Poliofall in Deutschland 1990 erfasst (11) und die WHO- Region Europa 2002 als poliofrei zertifiziert wur- de, hält die STIKO in Deutschland die allgemei- ne Impfempfehlung mit inaktiviertem Impfstoff 8 Landkreis, Kreisfreie Stadt LK Ahrweiler LK Altenkirchen LK Alzey-Worms LK Bad Dürkheim LK Bad Kreuznach LK Bernkastel-Wittlich LK Birkenfeld LK Bitburg-Prüm LK Cochem-Zell LK Donnersbergkreis LK Germersheim LK Kaiserslautern LK Kusel LK Mainz-Bingen LK Mayen-Koblenz LK Neuwied LK Rhein-Hunsrück-Kreis LK Rhein-Lahn-Kreis LK Rhein-Pfalz LK Südliche Weinstraße LK Südwestpfalz LK Trier-Saarburg LK Vulkaneifel LK Westerwaldkreis KS Frankenthal KS Kaiserslautern KS Koblenz KS Landau KS Ludwigshafen KS Mainz KS Neustadt KS Pirmasens KS Speyer KS Trier KS Worms KS Zweibrücken Rheinland-Pfalz Polio Grundimmunisierung untersuchte Schulanfänger mit Impfbuchabsolutin Prozent 960 1163 1043 1041 1328 859 368 783 541 622 1126 846 531 1902 1732 1517 874 1023 1314 822 657 1278 441 1707 369 666 870 354 1482 1673 439 279 423 749 690 248 32720948 1127 1018 1013 1296 842 366 761 524 602 1111 837 520 1858 1681 1458 858 999 1293 797 646 1263 435 1662 365 650 839 340 1445 1645 410 263 411 738 675 244 3194098,8% 96,9% 97,6% 97,3% 97,6% 98,0% 99,5% 97,2% 96,9% 96,8% 98,7% 98,9% 97,9% 97,7% 97,1% 96,1% 98,2% 97,7% 98,4% 97,0% 98,3% 98,8% 98,6% 97,4% 98,9% 97,6% 96,4% 96,0% 97,5% 98,3% 93,4% 94,3% 97,2% 98,5% 97,8% 98,4% 97,6% Impfbuch- abdeckung (+) (+) (+) (+) (+) (+) (+) (-) (+) (+) (+) (+) (++) (+) (+) (+) (++) (+) (++) (+) (+) (+) (+) (+) (+) (-) (+) (-) (+) (+) (+) (-) (+) (+) (-) (+) (+) Tabelle 2: Grundimmunisierung gegen Poliomyelitis nach Landkreis (LK) und kreisfreier Stadt (KS), Rheinland-Pfalz 2014; Impfbuchvollständigkeit: (-): unter 90%, (+) zwischen 90% und 95%, (+ +) über 95% Polio-Durchimpfung im Regionalvergleich (Anteil grun- dimmunisierter Kinder bezogen auf vorgelegte Impfaus- weise), Rheinland-Pfalz 2014 Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 Landesuntersuchungsamt, Impfreport 2014 9

LUA-Bilanz Infektionsprävention 2015

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-Bilanz InfektionsPrävention Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2015 KategorieDiagnose/Erreger20152014 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis3.8193.903 Clostridium difficile6532 EHEC-Erkrankung (außer HUS)124107 Giardiasis136156 HUS24 Kryptosporidiose5860 Norovirus-Erkrankung5.2043.411 Rotavirus-Erkrankung1.1891.236 Salmonellose732880 Shigellose2434 Yersiniose170163 Hepatitis A3626 Hepatitis B4832 Hepatitis C257264 Hepatitis D02 Hepatitis E8624 Diphtherie10 Haemophilus influenzae2817 Meningokokken (invasiv)2422 Masern68 Mumps4058 Röteln04 Pertussis (Keuchhusten)337576 Varizellen605738 Influenza3.460293 Adenovirus (Konjunktivalabstrich)5234 Borreliose1.0761.003 Brucellose17 Dengue-Fieber2528 FSME32 Hantavirus-Erkrankung116 Legionellose4131 Leptospirose43 Listeriose1527 MRSA (aus Blut)9391 Q-Fieber936 Tuberkulose273201 Tularämie30 Typhus abdominalis54 Hepatitiden (Leberentzündungen) Impfpräventable Infektionen gemäß den Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch- Institut (STIKO) Weitere Infektionen    Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 Infektionsbilanz 2015: Im Zeichen der Flüchtlingskrise Eine starke Grippesaison und viele Magen-Darm- Erkrankungen: Im Jahr 2015 hat das Landesunter- suchungsamt (LUA) 18.188 meldepflichtige Er- krankungsfälle aus Rheinland-Pfalz registriert. Die Flüchtlinge, die nach Rheinland-Pfalz kamen und routinemäßig auf Infektionskrankheiten unter- sucht wurden, sorgten für einen deutlichen An- stieg der Probenzahlen in den Laboren des LUA. Magen-Darm-Erreger machten einen Großteil der landesweit registrierten Infektionen aus. Meist waren Noroviren (5.204 Fälle) oder Campylobac- ter (3.819) die Auslöser, weniger häufig auch Ro- taviren (1.189) oder Salmonellen (732). Die Influenzawelle 2015 war mit 3.460 gemel- deten Fällen die bisher stärkste außerhalb der Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009. Wind- pocken und Keuchhusten spielten im Gegensatz zu 2014 keine große Rolle, insgesamt machten sie wie die durch Zecken übertragene Borreliose le- diglich fünf Prozent der Meldungen aus. Die Daten zu den betroffenen Patienten werden von den rheinland-pfälzischen Gesundheitsäm- tern gemäß Infektionsschutzgesetz in anonymi- sierter Form ans LUA übermittelt und dort von In- fektionsepidemiologen ausgewertet. Sie können anhand dieser Meldungen zum Beispiel überregio- nale Krankheitsausbrüche frühzeitig erkennen und gemeinsam mit dem zuständigen Gesundheits- amt Gegenmaßnahmen einleiten. Die Flüchtlinge, die 2015 nach Rheinland-Pfalz ge- kommen sind, schlagen zwar in der Statistik der Infektionserkrankungen nur wenig zu Buche - für die Gesundheitsbehörden waren die Asylsuchen- den dennoch eine Herausforderung. Widrige hy- gienische Verhältnisse in einer von bewaffneten Konflikten gezeichneten Heimat und ein durch die Flucht geschwächtes Immunsystem machen Flüchtlinge besonders anfällig für Infektionskrank- heiten. Um diese rechtzeitig zu erkennen und ei- ner Ausbreitung vorzubeugen, werden alle Asyl- suchenden in Rheinland-Pfalz unmittelbar nach ihrer Ankunft ärztlich untersucht. Die zuständigen Gesundheitsämter werden dabei vom LUA mit La- boruntersuchungen und seuchen-hygienischer Ex- pertise unterstützt. 2015 wurde bei nahezu allen Asylsuchenden in Rheinland-Pfalz eine Untersuchung des Stuhls auf Typhus- und Durchfallerreger (Salmonellen, Shigellen) sowie Wurmeier veranlasst. Die gute Nachricht: Bei knapp 24.000 untersuchten Stuhl- proben gab es keine besorgniserregenden Be- funde. Typhus und Paratyphus wurden gar nicht nachgewiesen, die Durchfall verursachenden Sal- monellen in etwa im selben Umfang, wie sie auch in Deutschland als Ursache von nahrungsmittel- bedingten Krankheitsausbrüchen auftreten. Wurminfektionen wie beispielsweise die durch Schistosoma mansoni verursachte Darmbilharzio- se kommen zwar bei Flüchtlingen vor, können un- ter den hiesigen hygienischen und ökologischen Gegebenheiten aber nicht übertragen werden. Fazit der Infektionsepidemiologen des LUA: Eini- ge Asylsuchende bringen zwar Durchfallerreger und Parasiten mit – von diesen geht aber kein re- levantes Infektionsrisiko für die hiesige Bevölke- rung aus. Zu den meldepflichtigen Erkrankungen, die bei Flüchtlingen vorkommen, gehört auch die Tu- berkulose. Grundsätzlich wird jeder Asylbe- gehrende in Deutschland, der in einer Gemein- schaftsunterkunft lebt, auf eine Erkrankung mit Tuberkulose-Erregern hin untersucht. Ergeben sich beispielsweise bei der Röntgenuntersuchung Verdachtsmomente, muss die Diagnose durch den direkten Nachweis der Tuberkulosebakterien im Körper gesichert werden. Dafür schickten die für die amtsärztliche Untersuchung von Flüchtlin- gen zuständigen Gesundheitsämter 2015 mehr als 2.200 zu untersuchende Proben in die Tuberkulo- selabors des LUA - mehr als doppelt so viele wie beispielsweise im Jahr 2012. Doch nicht jede Tu- berkulose-Meldung steht im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. 2015 waren 68 von 273 an Tuberkulose Erkrankten Asylbewerber. In keiner 3 vom LUA untersuchten Probe wurden Tuberkulo- sestämme identifiziert, die gegen mehrere Anti- biotika resistent und dadurch nur schwer zu be- handeln sind. Impfungen gut angenommen Um zu wissen, welches Impfangebot an Flücht- linge in Rheinland-Pfalz sinnvoll ist, werden seit 2013 Asylsuchende auf ihre Immunität gegen übertragbare Krankheiten hin getestet. Die Aus- wertung der Daten durch das LUA ergab, dass Asylsuchende je nach Herkunftsland nicht ausrei- chend gegen Masern und/oder gegen Windpocken geschützt sind. Deshalb werden allen Asylsuchen- den in den Aufnahmeeinrichtungen des Landes entsprechende Impfangebote gemacht. Die Imp- fungen werden mehrheitlich über die zuständigen Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de Gesundheitsämter organisiert, die von ehrenamt- lich arbeitenden Ärztinnen und Ärzten und von Hilfsorganisationen unterstützt werden. Das An- gebot umfasst Impfungen gegen Mumps, Masern, Röteln, Windpocken, Influenza, Diptherie, Teta- nus, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B und Haemo- philus influenzae. Die gute Nachricht: Die Akzeptanz bei den Asylsu- chenden ist hoch, vor allem wenn es um die Imp- fung von Kindern geht. Bisher wurden im Rahmen dieses Programmes vom Land 22.300 Impfdo- sen gekauft und zu 90 Prozent auch verimpft. Die ebenfalls im LUA angesiedelte „Koordinie- rungsgruppe Flüchtlinge“ des Öffentlichen Ge- sundheitsdienstes stellt dabei die reibungslose Kommunikation zwischen Landesregierung und Kommunen sicher.

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