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Retrospektive Datenanalysen und Wiederholungskartierungen lokaler Heuschreckenbestände als Ergänzung zum Insektenmonitoring

Trotz wichtiger Fortschritte in der Hebung und Analyse von Altdaten sowie der Neuentwicklung eines bundesweit standardisierten Insektenmonitorings mangelt es an Erkenntnissen zu den langfristigen Veränderungen vieler Insektenarten und der Insektengemeinschaften in Deutschland. Ziel dieses Vorhabens ist es, das Potenzial von Wiederholungskartierungen und retrospektiven Datenauswertungen für das bundesweite Insektenmonitoring am Beispiel der Heuschrecken zu analysieren, um dieses zukünftig besser ausschöpfen zu können. Dabei werden auch Aussagen über die Veränderung der Heuschreckengemeinschaften in unterschiedlichen Grünlandtypen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten erarbeitet.

Inventur bei Heuschrecken in Niedersachsen und Bremen

Hannover/Osnabrück. Sowohl die Artenvielfalt als auch die Häufigkeit von Insekten ist in Mitteleuropa in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Welche Unterschiede es zwischen Artengruppen und Lebensräumen gibt, welche Regionen besonders betroffen sind und was die Ursachen für diese Entwicklung sind, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Um diese Fragen anhand standardisierter Daten künftig besser beantworten zu können, hat das Land Niedersachsen durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ein landesweites Heuschrecken-Monitoring etabliert. Dabei arbeitet der NLWKN mit der Universität Osnabrück zusammen. Sowohl die Artenvielfalt als auch die Häufigkeit von Insekten ist in Mitteleuropa in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Welche Unterschiede es zwischen Artengruppen und Lebensräumen gibt, welche Regionen besonders betroffen sind und was die Ursachen für diese Entwicklung sind, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Um diese Fragen anhand standardisierter Daten künftig besser beantworten zu können, hat das Land Niedersachsen durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ein landesweites Heuschrecken-Monitoring etabliert. Dabei arbeitet der NLWKN mit der Universität Osnabrück zusammen. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer verdeutlicht: „Rote Listen als Verzeichnis der aktuellen Gefährdungssituationen in Niedersachsen sind ein wichtiges Instrument des Naturschutzes. Gemeinsam mit langfristigen Monitoring-Daten helfen sie, unseren Arten- und Lebensraumschutz maßgeblich zu verbessern.“ Im Auftrag des NLWKN erhebt die Universität Osnabrück seit 2022 Daten zur Heuschreckenfauna auf 86 landesweit repräsentativen Stichprobenflächen. „Wir müssen noch mehr über die Ursachen des Insektenrückgangs erfahren. Heuschrecken reagieren äußerst sensibel auf veränderte Umweltbedingungen und stehen damit stellvertretend für viele andere Artengruppen im Grünland. Um abzuleiten, welche Maßnahmen zum Schutz von Insekten erforderlich sind und wo diese umgesetzt werden müssen, sind wir dringend auf systematisch erhobene Daten angewiesen“, erläutert Dr. Jakob Fahr, Leiter des Aufgabenbereichs „Landesweiter Artenschutz“ im NLWKN. Mit dem Heuschrecken-Monitoring setzt Niedersachsen als eines der ersten Bundesländer einen zentralen Baustein des bundesweiten Insekten-Monitorings um. Neben den Stichprobenflächen in der Normallandschaft werden dabei jährlich auch die Heuschreckenbestände auf landeseigenen Naturschutzflächen und die niedersächsischen Populationen der bundesweit vom Aussterben bedrohten Heideschrecke erfasst. „Auf den landesweiten Stichprobenflächen konnten wir bisher 28 Heuschreckenarten nachweisen. Dies entspricht fast zwei Drittel der derzeit in Niedersachsen etablierten, freilebenden Heuschreckenarten. Auf den landeseigenen Naturschutzflächen konnten wir in aller Regel deutlich mehr Arten finden als auf den Flächen in der Normallandschaft, ebenso war die Individuendichte im Mittel mehr als doppelt so hoch“, berichtet Dr. Franz Löffler, Projektkoordinator des Heuschrecken-Monitorings von der Universität Osnabrück. Kooperation mit örtlichen Landwirten zahlt sich aus Der NLWKN ist für die Pflege und Entwicklung landeseigener Naturschutzflächen zuständig, die das Land für Zwecke des Naturschutzes und der Landschaftspflege erworben hat. Anhand der Monitoring-Daten konnte bereits gezeigt werden, dass sich die langjährige extensive Bewirtschaftung dieser Flächen in Kooperation mit den örtlichen Landwirten positiv auswirkt. Damit setzt das Land Niedersachsen gemeinsam mit der Landwirtschaft den „Niedersächsischen Weg“ und das „Aktionsprogramm Insektenvielfalt“ beispielhaft um. Da jedoch nur ein kleiner Teil der Landesfläche Niedersachsens dem Naturschutz gewidmet ist, verdeutlichen die Ergebnisse gleichzeitig die Herausforderungen, vor denen die Naturschutzpraxis derzeit steht. „Insbesondere in intensiv genutzten Landschaften ist dringend weiteres Handeln erforderlich. Vor allem Maßnahmen, die den Biotopverbund zwischen bestehenden Lebensräumen fördern, können dabei einen wichtigen Beitrag zum Insektenschutz leisten“, betont Dr. Fahr. Kooperation mit örtlichen Landwirten Gefährdungsursachen im Fokus der Überarbeitung der Roten Liste Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden auch in Niedersachsen wertvolle Heuschreckenlebensräume wie Magergrünland, Halbtrockenrasen und Heiden großflächig in andere Nutzungsformen umgewandelt. Infolgedessen sind die Vorkommen vieler Arten heute weitgehend auf Schutzgebiete beschränkt, die wie Inseln in einer ansonsten intensiv genutzten Landschaft liegen. Gleichzeitig haben sich wärmeliebende Heuschreckenarten infolge des Klimawandels zum Teil stark ausgebreitet. Gefährdungsursachen im Fokus der Überarbeitung der Roten Liste Mehr als 20 Jahre nach Erscheinen der letzten Roten Liste der gefährdeten Heuschrecken Niedersachsens und Bremens ist daher eine Neubewertung der Gefährdungssituation der heimischen Heuschreckenarten erforderlich und kann dank des „Niedersächsischen Weges“ nun konsequent durch den NLWKN umgesetzt werden. Durch die Universität Osnabrück werden hierfür auf der Grundlage eines umfangreichen Datensatzes von über 130.000 Nachweisen aktuelle Bestandstrends zur Aktualisierung der Roten Liste berechnet. Anhand dieser Analysen nehmen erfahrene Expertinnen und Experten Gefährdungseinstufungen aller Heuschreckenarten Niedersachsens und Bremens vor. „Wir gehen davon aus, dass es bei der Gefährdungsanalyse Gewinner und Verlierer geben wird. Während sich die Bestände generalistischer, wärmeliebender Arten im Zuge des Klimawandels nach heutigem Kenntnisstand positiv entwickeln dürften, ist bei Arten, die an kühl-feuchte Klimabedingungen angepasst sind, mit negativen Bestandstrends zu rechnen“, so Prof. Thomas Fartmann, Leiter der Abteilung Biodiversität und Landschaftsökologie an der Universität Osnabrück. Neben der Analyse der Bestandssituation der Arten stehen die Gefährdungsursachen im Fokus der Roten Liste. Die Daten des landesweiten Heuschrecken-Monitorings stellen mittelfristig eine wertvolle Ergänzung der vorliegenden Daten dar, da sie dauerhaft und nach standardisierten Erfassungsmethoden erhoben werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung effektiver Pflege- und Managementmaßnahmen, die sowohl die Lebensräume der Heuschrecken innerhalb als auch außerhalb von Schutzgebieten umfassen sollten. Das Heuschrecken-Monitoring und die Aktualisierung der Roten Liste gefährdeter Heuschrecken durch den NLWKN werden mit Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert. Mit dem Isolationsquadrat können flächenbezogene Daten zum Vorkommen und zur Dichte von Heuschrecken erhoben werden. Die Methode entspricht dem bundesweiten Methodenstandard zur Erfassung von Heuschrecken im Grünland (Foto: Lisa Holtmann). Magergrünland – im Bild eine Extensivweide im Naturschutzgebiet Wümmeniederung mit Rodau, Wiedau und Trochelbach – ist heute häufig auf Schutzgebiete beschränkt. (Foto: Franz Löffler). Der Weißrandige Grashüpfer (Chorthippus albomarginatus) kommt auch regelmäßig in intensiv genutzten Grünlandflächen vor (Foto: Dominik Poniatowski) Um auch Heuschreckenarten zu erfassen, die nur in sehr geringer Dichte vorkommen, wird in den Stichprobenflächen ergänzend eine qualitative Nachsuche durchgeführt (Foto: Marco Drung) Silage-Grünland – im Bild eine Bodendauerbeobachtungsfläche im Kreis Rotenburg – weist infolge der sehr hohen Mahdfrequenz meist nur sehr geringe Heuschreckenartenzahlen und -dichten auf (Foto: Franz Löffler). Wiesenmahd mit Kreiselmähern wird oft mit hohen Insektenverlusten verbunden. Nach neuesten Erkenntnissen sind andere Faktoren entscheidender, etwa das Vorhandensein von Refugien etwa in Form von Insektenschutzstreifen (Foto: Franz Löffler) Die Kurzflügelige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis) legt ihre Eier bevorzug in markhaltige Pflanzenstängel oder Blattscheiden ab. Sie ist daher für ihre Reproduktion auf ungemähte Refugien angewiesen (Foto: Dominik Poniatowski). Die Vorkommen von Habitatspezialisten wie der Gefleckten Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) sind weitgehend auf Schutzgebiete und Sonderbiotope beschränkt. (Foto: Dominik Poniatowski) Durch großflächige Beweidung mit geringer Besatzdichte – wie hier im Naturschutzgebiet Fischerhuder Wümmeniederung – werden heterogene Habitatbedingungen geschaffen (Foto: Franz Löffler) Die Heideschrecke (Gampsocleis glabra) benötigt ein kleinräumiges Mosaik aus offenen Bodenstellen und höherwüchsigerer Vegetation, wie hier auf dem Truppenübungsplatz Munster Süd mit Blühaspekt von Arnika (Arnica montana) (Foto: Thomas Fartmann).

Jahresrückblick 2023 der LUBW: Klimawandel hat uns fest im Griff

null Jahresrückblick 2023 der LUBW: Klimawandel hat uns fest im Griff Baden-Württemberg/Karlsruhe. „Der Klimawandel hat uns fest im Griff, das zeigt sich auch an den Aufgaben der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg“, so Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW beim heutigen Pressegesprächs zum Jahresrückblick 2023. „Das Jahr 2023 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sowohl global und deutschlandweit als auch für Baden-Württemberg. Seit der Jahrtausendwende verzeichnen wir einen Wärmerekord nach dem anderen, die Temperatur steigt immer schneller an. Direkte Folge sind vermehrte Hitzewellen und veränderte Niederschlagsverhältnisse, indirekte Auswirkungen sind Trockenheit und Niedrigwasser. Gleichzeitig ist der Klimawandel Ursache für immer häufiger auftretende Starkniederschläge und Überschwemmungen. Diese können gerade in den Sommermonaten heftiger werden.  Im Winter werden die Niederschläge immer seltener als Schnee fallen. Wir müssen uns auf schnell wechselnde Wetterlagen einstellen“, fasst er die Situation zusammen. Der menschengemachte Klimawandel beeinflusst auch die Tier- und Pflanzenwelt. Wärmeliebende Arten werden häufiger, wohingegen alpine und kälteangepasste Arten immer weniger Lebensräume finden und zurückgehen. Milde Winter haben unter anderem Auswirkungen auf Tiere, die Winterschlaf oder Winterruhe halten wie Igel, Siebenschläfer oder Weißstörche. Monitoring und Kartierungen der LUBW: Fokus Tierarten Die Kartierung der Fauna und Flora in Baden-Württemberg sind eine Daueraufgabe im jährlichen Arbeitskatalog der LUBW „Wir können nur schützen und erhalten, was wir kennen“, betont Maurer. „Wir müssen verstehen, wie sich die Arten im Land entwickeln und welchen Gefährdungen sie ausgesetzt sind. Die LUBW legt Wert auf eine systematische und langfristige Erfassung. Nur so lassen sich aus unseren Beobachtungen belastbare Schlussfolgerungen für den Artenschutz ziehen.“ Insekten In Baden-Württemberg wurde das Insektenmonitoring im Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt im Jahr 2017 aufgenommen und ist damit bundesweit Vorreiter. Der Einfluss der Menschen und die Auswirkungen des Klimas zeichnen sich in den Ergebnissen deutlich ab. Das Jahr 2023 war das schlechteste Tagfalterjahr seit Beginn des Insektenmonitorings 2018. Die nassen Monate März und April bewirkten ein Absterben von Überwinterungsstadien und jungen Raupen. Die schwachen Ausgangspopulationen im Frühjahr 2023 ist auch auf die lange Dürreperiode im Sommer 2022 zurückzuführen. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge führten ab Juni wieder zu einem gewissen Anstieg der Tagfalterzahlen, jedoch nur bei Sommerarten. Brutvögel Entsprechend dem Rückgang bei den Insekten überrascht es nicht, dass bei den häufigen Brutvögeln insbesondere die insektenfressenden Feldvogelarten stark abgenommen haben, die im Acker oder Grünland brüten. Fast die Hälfte der 199 baden-württembergischen Brutvogelarten gelten als gefährdet. Besonders auffällig ist, dass auch die Bestände einst weitverbreiteter Vögel wie der Kiebitz stark zurückgegangen sind. Seit dem Jahr 2021 beobachtet die LUBW auch seltenere Brutvögel. So wurden im Jahr 2023 beispielsweise für den seltenen Koloniebrüter Uferschwalbe in Baden-Württemberg noch knapp 5 000 Brutröhren festgestellt. Ihr Lebensraum ist in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zurückgegangen. Die Vögel graben ihre Brutröhren in festsandige oder lehmige Abbruchkanten und Steilufer. Sie finden beispielsweise an der renaturierten Donau seit dem Jahr 2009 wieder optimale Lebensbedingungen. Für das Rebhuhn wurden im selben Jahr 227 Ruf-Reviere ermittelt. In den 1950er Jahren wurde der Bestand noch auf 50.000 Reviere (Grundlage Jagdstrecken) geschätzt. „Auch wenn diese Zahlen nicht direkt vergleichbar sind, da sie nicht mit den gleichen Methoden ermittelt wurden, zeigen sie jedoch deutlich, wie unsere Umwelt in den letzten Jahrzehnten verarmt ist“, so Maurer. Niedrigwasser-Informationszentrum der LUBW (NIZ) „Nach dem regenreichen Winter sind nun Anfang Frühling 2024 unsere Grundwasserspeicher gut gefüllt, die Pegelstände in den Fließgewässern sind normal und auch die Bodenfeuchte ist sehr gut. Das ist gut so. Dennoch können langanhaltende Trockenperioden mit großer Hitze auch in diesem Jahr wieder schnell dazu führen, dass Flüsse – wie beispielsweise die Dreisam in Freiburg – im Sommer trockenfallen. Genauso möglich ist, dass kurze starke Regenfälle, also Starkregen, im Sommer auf trockene Böden fallen und schnell regional zu Überschwemmungen führen. Wir müssen uns auf diese Extreme einrichten. Dies spiegeln auch unsere beide Einrichtungen Hochwasservorhersagezentrale, die HVZ, und das Anfang des Jahres 2024 in Betrieb gegangene Niedrigwasser-Informationszentrum, das NIZ, wieder. Das NIZ ist im Grunde ein ‚Kind des Klimawandels‘, die HVZ gibt es bereits seit dem Jahr 1991, Auslöser war damals das Jahrhunderthochwasser im Februar 1990“, so Maurer. Wasserbehörden und Kommunen erhalten künftig durch das NIZ schneller regionale Bewertungen des Wasserdargebots. Auf dieser Grundlage können sie entscheiden, ob beispielsweise die Einschränkung der Wasserentnahme aus Fließgewässern oder Grundwasser notwendig ist. „Sind Niedrigwasservorhersagen bislang für bis zu 7 Tage in die Zukunft machbar, möchten wir unsere Modelle so erweitern, dass bis zu einen Monat Vorhersagen über die Entwicklung der Wasserstände möglich sein wird“, zeigt Maurer die nächsten Schritte auf. Ende 2024 soll eine Karte folgen, in der die Niedrigwassergefahr und Gebiete, in denen die Wasserentnahme eingeschränkt ist, angezeigt werden. Ressourcenschonendes Leben: Zirkuläres Bauen Maurer betonte in seiner Bilanz: „Der Klimawandel ist menschgemacht. Die Lösungen auch. Ein wichtiger Bereich, in dem man viele Ressourcen und auch CO2 einsparen kann, ist der Bausektor. Dieser wird noch viel zu wenig beachtet. Wir verbrauchen in Deutschland in diesem Bereich rund 50 Prozent unserer Rohstoffe. Der Gebäudesektor verursacht knapp 40 % der Treibhausgasemissionen weltweit, in Baden-Württemberg werden allein 3,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr durch die Zementherstellung erzeugt.“ Seit dem vergangenen Jahr unterstützt das Innovationszentrum Zirkuläres Bauen (InZiBau) der LUBW die Branche bei der notwendigen Transformation. Ziel ist es, Bauabfälle als Ressourcen zu nutzen, anstatt sie als Abfälle zu beseitigen. Möglichst geschlossene Kreisläufe können unseren ökologischen Fußabdruck deutlich verkleinern. Im Idealfall wird alte Bausubstanz erhalten und wiederverwendet. Das Innovationszentrum Zirkuläres Bauen versteht sich als Informations- und Vernetzungsplattform für die unterschiedlichen Akteure und Akteurinnen in Verwaltung, Wirtschaft und Forschung und alle interessierten Fachkreise. Lärm Nicht nur vor dem Hintergrund der notwendigen CO2-Reduktion im Ver­kehrssektor sollten wir unser Mobilitätsverhalten überdenken, sondern auch im Hinblick auf den Lärm, der durch unsere motorisierte Mobili­tät entsteht. Allein außerhalb der Ballungszentren sind bereits rund 1,4 Millionen Menschen entlang der Hauptverkehrsstraßen von Verkehrslärm betroffen. Dies haben die im Herbst 2023 veröffentlichten Berechnungen der LUBW ergeben. Die LUBW erstellt die Lärmkartierung alle fünf Jahre. Weiterführende Informationen LUBW-Broschüre: Schwerpunkte 2023 – Beobachten. Bewerten. Beraten. Wir entwickeln Lösungen. Hitzeaktionspläne: Gesundheit der Bevölkerung steht im Fokus 11.03.2024 Landesregierung fördert Kommunen – praktisch und finanziell Handlungshilfe für Kommunen zum zirkulären und nachhaltigen Bauen 08.02.2024 Nachhaltigkeit durch Bestandssanierung statt Neubau Gerüstet für zunehmend trockene Sommer 24.01.2024 Baden-Württemberg richtet ein Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) an der LUBW ein Neue Lärmkarten für BW online verfügbar 17.10.2023 1,4 Mio. Menschen an den Hauptverkehrsstraßen betroffen Ökologischen Fußabdruck beim Bauen reduzieren 21.09.2023 Recycling von Baustoffen schont Ressourcen, Deponien und das Klima 20 Jahre Erfassung der Brutvogelbestände in Baden-Württemberg 01.06.2023 Frühwarnsystem für Zustand der Natur und Grundlage zur Politikberatung Amphibien und Reptilien in Not 01.02.2023  18 von 31 Arten sind in Baden-Württemberg gefährdet Insektenmonitoring in Baden-Württemberg 13.01.2023   Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Naturschutzgebiete alleine können die Vielfalt der Insekten nicht bewahren

null Naturschutzgebiete alleine können die Vielfalt der Insekten nicht bewahren Baden-Württemberg/Karlsruhe/Königsbach-Stein . Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, veranschaulichte heute gemeinsam mit seinem Team im Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ in Königsbach-Stein, welche entscheidende Rolle die Landschaft für einen intakten Insektenbestand spielt. Sie zeigten Vertreterinnen und Vertretern baden-württembergischer Behörden und Medien bei dem Vorort-Termin auch, welche Methoden bei der Erfassung der Insekten im Gelände zum Einsatz kommen. Exakte Standards beim Monitoring sind besonders wichtig, um verlässliche Daten zu gewinnen. Ziel ist es, über alle Flächen hinweg vergleichbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, um belastbare Aussagen zur Entwicklung der Insekten zu treffen. Naturschutzgebiete sind für Insekten Rettungsinseln in der Landschaft Das kleine Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ liegt für Insekten wie eine Rettungsinsel inmitten einer überwiegend konventionell genutzten Landschaft, die von Wirtschaftswäldern, Siedlungen und Äckern geprägt ist. Das geschützte Gelände bietet den Insekten einen großen Reichtum an hochwertigen Strukturen. Arten mit unterschiedlichen Ansprüchen an ihre Umgebung finden hier einen Lebensraum. „Wir sehen, dem Naturschutzgebiet sind enge Grenzen gesetzt. Die strukturarme Umgebung bietet den Insekten kaum Nistplätze, Nektarquellen für Wildbienen oder Futterpflanzen für die Raupen der Falter“, beschreibt Maurer die umliegende Szenerie. „Angesichts der Tatsache, dass 2,4 Prozent der Flächen in Baden-Württemberg als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, wird schnell deutlich, dass wir nicht allein mithilfe dieser Gebiete unsere Insektenpopulation und die Biodiversität im Land erhalten können. Die gesamte Landschaft muss als Einheit betrachtet werden, in der ein Netzwerk aus geeigneten Lebensräumen den Insekten Nischen bietet für Nahrungssuche und Fortpflanzung.“ Insektenmonitoring liefert Fakten und ermöglicht Anpassungsstrategien „Viele Menschen haben den Eindruck, dass es heutzutage weniger Schmetterlinge gibt als früher, können dies jedoch nicht anhand von Zahlen belegen. Die Beurteilung von Veränderungen gestaltet sich besonders schwierig, wenn sie fast unbemerkt und schleichend ablaufen. Hier setzt das systematische Insektenmonitoring an“, fährt Maurer fort. Es sei eine wichtige Grundlage, um den Ursachen des Insektensterbens mit gezielten Maßnahmen zu begegnen. Das Insektensterben bedroht die Lebensgrundlagen der Menschen, da Insekten in den Ökosystemen Schlüsselaufgaben übernehmen, wie die Bestäubung von Pflanzen, die Aufbereitung abgestorbenen Materials oder den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Zudem bilden sie die Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere, wie Vögel und Fledermäuse. Erfassungsmethoden des Insektenmonitorings Je nach Insektenart und Lebensweise kommen im Monitoring unterschiedliche Erfassungsmethoden zum Einsatz, darunter Transektzählungen, Boden- und Malaise-Fallen. Im Naturschutzgebiet „Beim Steiner Mittelberg“ werden in diesem Jahr die Biomasse flugaktiver Insekten, Tagfalter und Widderchen sowie Heuschrecken mittels Malaise-Fallen und Transektzählungen erfasst. Die systematische Erfassung von Insekten bedeutet eine hohe logistische Herausforderung. Die Insekten sind meist sehr mobil und nur zu bestimmten Jahreszeiten und Witterungen nachweisbar. Fachwissen ist daher unerlässlich, um eine weitgehend objektive Erfassung zu gewährleisten. Die Ergebnisse der Erfassungen können je nach untersuchtem Gebiet stark variieren, berichtet Dr. Florian Theves, zuständig bei der LUBW für das Insektenmonitoring. „Manchmal findet sich über Stunden nur ein einzelner Falter, während sich ein andermal gleich Hunderte auf einer Blumenwiese tummeln.“ Insgesamt wurden so im ersten Durchgang des Insektenmonitorings, der sich über vier Jahre erstreckte, über 342.000 Insekten erfasst und 6.100 Proben genommen. Nun findet der zweite Durchgang statt. Foto zeigt: Aufbau einer Malaise-Falle durch Mitarbeiter des Naturkundemuseums Stuttgart, Quelle: Dr. Torsten Bittner Foto zeigt: Malaise-Falle beim Steiner Mittelberg. Links ist ein Niederschlagsmesser aufgestellt. Quelle: Dr. Florian Theves Hintergrundinformation Erfassungsmethoden: Für Transektzählungen wird in jeder Stichprobenfläche ein individuell auf Wegen und an Grenzen verlaufendes Linien-Transekt (Strecke, auf der die Falterindividuen gezählt werden) von 1.500 Meter Länge eingerichtet. Die Breite des Transektes beträgt zehn Meter. Dieses Transekt wird dann in allen künftigen Kartierungen wiederverwendet. Bei geeigneter Witterung werden zwischen Mai und August fünf Mal Tagfalter und Widderchen im vorgegebenen Begehungszeitraum von zwei Stunden beiderseits der Linie erfasst und meist sofort bestimmt. Die Aufnahme von Arten und Individuen erfolgt auf dem Hinweg punktgenau mittels einer App, die für das Biodiversitätsmonitoring Schweiz entwickelt wurde. Die exakte Lokalisierung der Falterindividuen erlaubt die spezifische Zuordnung von Biotop- und Nutzungstypen im Verlauf des Transektes. Auf dem Rückweg werden rein qualitativ nur Arten aufgenommen, die zuvor nicht registriert wurden. „Malaise-Fallen“ sind Stoffzelte mit Mittelwand und zwei großen quadratischen Öffnungen an zwei Seiten. Sie wurden nach dem schwedischen Entomologen René Malaise benannt, der die Fallen erstmals im Jahr 1937 einsetzte. Die umherfliegenden Insekten stoßen per Zufall auf die Mittelwand und orientieren sich automatisch an dem von oben hereinfallenden Tageslicht. An der höchsten Spitze des Zelts befindet sich eine Öffnung, an der eine Flasche sitzt. In dieser sammeln sich die Tiere in konservierendem Alkohol. Das Abtöten der Insekten ist notwendig, da in Malaise-Fallen Gruppen wie Fliegen und Hautflügler (z. B. kleine Schlupfwespen) dominieren, die oft sehr schwer bestimmbar sind. Die Fallen besitzen keine anlockende Wirkung und stehen nur alle vier Jahre am selben Ort. Eine Gefährdung der Bestände lokaler Insektenpopulationen wird so vermieden. Die exakte Entfernung, aus der die anfliegenden und sich in den Fallen sammelnden Insekten stammen, kann nicht näher bestimmt werden. Deshalb wird der Faktor „Biomasse-Luft“ als Landschaftsindikator behandelt. Je Stichprobenfläche wird eine Falle eingesetzt. Das Fanggefäß wird alle zwei Wochen gewechselt. Die Insekten-Biomasse (Gewicht) der Proben wird nach einem Standardverfahren gewogen. Es hat sich gezeigt, dass die Masse fliegender Insekten in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen ist. Laufkäfer werden auf insgesamt 80 Flächen in Baden-Württemberg mittels Bodenfallen erfasst. Die Fallen bestehen aus zwei ineinander gestellten ebenerdig in den Boden eingegrabenen Plastik-Trinkbechern. Die vorwiegend nachtaktiven Käfer geraten beim Umherlaufen zufällig in die Fallen. Für das Insektenmonitoring werden die Fallen zu einem Drittel mit einer ungiftigen Fangflüssigkeit gefüllt. Aufgrund der großen Zahl an Stichprobenflächen, der Trittempfindlichkeit der Nutzpflanzenkulturen und der schweren Bestimmbarkeit sind Lebendfänge, für die die Fallen täglich geleert werden müssten, nicht möglich. Unbeabsichtigte Beifänge kleiner Wirbeltiere werden durch in die Becher eingesetzte Trichter weitgehend ausgeschlossen. Die Expositionszeit der Fallen beträgt sechs Wochen von Ende April bis Anfang Juni. Damit wird der für Untersuchungen von Laufkäfergesellschaften wichtige Frühjahrsaspekt abgedeckt. Pro Ackerstandort werden acht Fallen eingesetzt, je vier auf zwei Linien einen Meter bzw. dreißig Meter vom Feldrand entfernt. Der Abstand der Fallen der parallel zum Ackerrand verlaufenden Linien-Transekte untereinander beträgt zehn Meter. Blick zurück: Weckruf Krefeldstudie Vor sieben Jahren ließ die sogenannte „Krefeldstudie“ erstmals aufhorchen: Sie belegte einen Rückgang der Insektenbiomasse von bis zu 75 Prozent. Neu und alarmierend war die Erkenntnis, dass auch ehemals weitverbreitete und häufige Insektenarten betroffen sind. Jahre 2018 – 2021: Erste Erfassungsrunde Der erste Erfassungsdurchgang des modular aufgebauten Insektenmonitorings fand in den Jahren 2018 – 2021 statt. Die 201 Probeflächen bestehen aus 161 Flächen, die unsere „normale Kulturlandschaft“ außerhalb der größeren Waldgebiete repräsentieren (Offenland der Normallandschaft) und zum Vergleich aus weiteren 40 Flächen in Naturschutzgebieten. Vergleichende Untersuchungen der LUBW mit historischen Daten der Naturkundemuseen in Baden-Württemberg bestätigten, dass auch die Insektenvielfalt und -anzahl in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Ende 2021 lagen erstmals zu allen sechs Bausteinen des Monitorings (Tagfalter und Widderchen, Heuschrecken, Laufkäfer, Nachtfalter, Biomasse Boden, Biomasse Luft) und zu allen 201 Flächen Daten vor. Im Herbst 2022 wurden die ersten Auswertungen des vollständigen Datensatzes für die Jahre 2018 bis 2021 vorgenommen. Weiterführende Informationen: Sie finden Informationen zu bisher erzielten Erkenntnisse in den folgenden Pressemitteilungen der letzten Jahre: Insektenmonitoring in Baden-Württemberg: Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz 13.01.2023 Insektenmonitoring in Baden-Württemberg Nachtfalter: Vergleich aktueller und historischer Daten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Arten und des Bestands 22.10.2021 Insektenrepositorium – handfestes Archiv für die Entwicklung der Arten Weitere Ergebnisse des Insektenmonitorings der LUBW 26.11.2020 Schmetterlinge im Fokus Studie der LUBW Landesanstalt für Umwelt zeigt massives Insektensterben in Baden-Württemberg 13.09.2019 Staatssekretär Andre Baumann „Die ersten Daten des landesweiten Insekten-Monitorings sind alarmierend und bestätigen alle Befürchtungen.“ Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Neue Wespenart im Insektenmonitoring nachgewiesen Mehr zum Thema:

Was wir nicht kennen, können wir nicht schützen. Das wird einmal mehr durch das landesweite Insektenmonitoring bestätigt. Gleich in mehreren Insektenproben des Monitorings entdeckte Marina Moser, Doktorandin am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (SMNS), eine bis dato unbekannte Wespenart, die sie zu Ehren des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Aphanogmus kretschmanni (Moser, 2023) taufte. Die neue Art von nur ca. 1 mm Größe konnte inzwischen auch an drei Standorten des Insektenmonitorings nachgewiesen werden, die mit sogenannten Malaise-Fallen beprobt werden. Diese zeltförmigen Fallen werden verwendet, um die Artenvielfalt flugfähiger Insekten zu erfassen. Die über das Jahr gesammelten und in Alkohol konservierten Proben werden am SMNS systematisch ausgewertet. Bild zeigt: Exemplar von Aphanogmus kretschmanni, Bildnachweis: M. Moser, SMNS Die Artengruppe der „Legimmen“, zu denen A. kretschmanni verwandtschaftlich gehört, weisen eine hochspezialisierte Lebensweise auf. Ihre Larven entwickeln sich als Parasitoide, das heißt sie töten ihren Wirt während der Entwicklung. Wirte sind zum Beispiel Brackwespen, die wiederum Blattläuse als Wirte benötigen, in die sie ihre Eier legen. Solche parasitoiden Wespenarten übernehmen eine zentrale Rolle in Ökosystemen, indem sie für ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Arten in einem Lebensraum sorgen.  Die Brackwespen verhindern ein Überhandnehmen von Blattläusen, die sonst die Pflanzen zu stark schädigen würden. Aber auch räuberische Arten wie die Brackwespen bedürfen einer Regulierung, für die Arten mit der Lebensweise von A. kretschmanni sorgen. Der Fund von A. kretschmanni zeigt, wie wichtig es ist, im Rahmen des Monitorings auf verschiedenste Erfassungsmethoden zu setzen. Andernfalls würde ein Großteil der Artenvielfalt übersehen, da die meisten Insekten nur wenige Millimeter Körperlänge erreichen. Bild zeigt: Malaise-Falle in der reich strukturierten Normallandschaft von Weissach – einem der Fundorte von Aphanogmus kretschmanni, Bildnachweis: LUBW Das Insektenmonitoring soll in erster Linie Aufschluss über die Entwicklung der Bestände weit verbreiteter Insekten im Land geben, um daraus Maßnahmen gegen das Insektensterben abzuleiten. Die Entdeckung der neuen Art bestätigt nun eindrücklich, dass über das Monitoring auch schwer nachweisbare Arten abgedeckt werden, die auch für die Wissenschaft von großem Interesse sind und erst durch sorgfältige Auswertung des wertvollen Probenmaterials Beachtung finden. Der Nachweis der neuen Art in zwei Naturschutzgebieten im Landkreis Karlsruhe und dem Enzkreis sowie in der normal genutzten Landschaft bei Weissach (Lkr. Böblingen) zeigt außerdem, dass auch unsere Kulturlandschaft noch Entdeckungen ermöglicht und eine teils unbemerkte Artenvielfalt beherbergen kann, die unseres Schutzes bedarf.

Klimawandel, Biodiversitätskrise und Erneuerbare Energien

null Klimawandel, Biodiversitätskrise und Erneuerbare Energien Baden-Württemberg/Karlsruhe. „Die Auswirkungen des Klimawandels, die Biodiversitätskrise sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien. Das sind die gesellschaftlichen Megatrends, die unsere Arbeit maßgeblich beeinflusst haben“, fasst Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt das zurückliegende Jahr zusammen. Seit August 2022 ist Ulrich Maurer neuer Präsident der LUBW. Am heutigen Freitag warf der promovierte Chemiker anlässlich der Vorstellung der LUBW Jahresbroschüre „Schwerpunkte 2022“ in Karlsruhe einen Blick zurück auf die prägenden Themen des vergangenen Jahres. „Die LUBW war und ist als Ratgeber und kompetenter Ansprechpartner sehr gefragt und geschätzt“, unterstrich Maurer die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit der aktuell rund 520 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Allein im Bereich der Gewässeruntersuchungen wurden im vergangenen Jahr über 3.500 Proben analysiert. „Der Rückblick auf das Jahr 2022 bereitet mir mitunter große Sorge. Er gibt aber auch Grund für Optimismus“, resümierte Maurer die Ergebnisse der umfangreichen Messungen und Bewertungen. Trockenheit und Hitze Der Sommer 2022 war in Baden-Württemberg einer der trockensten und wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Zahlreiche Flüsse und Bäche wiesen eine extrem geringe Wasserführung auf, einige fielen ganz trocken. In der Folge musste stellenweise die Wasserentnahme zeitweise eingeschränkt werden. Auch die Grundwasservorräte waren betroffen: Der Frühsommer 2022 zählte zu jenen mit den niedrigsten Grundwasserständen in dieser Jahreszeit. An vielen Orten wurden bis Ende Juli die niedrigsten Werte seit 30 Jahren erreicht. Durch überdurchschnittlichen Niederschlag im September konnten sich die Grundwasserverhältnisse ab Herbst vielerorts stabilisieren. „All das zeigt, dass sich Wetterextreme mit fortschreitendem Klimawandel häufen. Es lohnt sich allerdings, genauer hinzusehen. Denn das engmaschige Messnetz der LUBW mit seinen hunderten Messstellen ermöglicht es uns, feinste lokale Unterschiede zu erkennen. In manchen Regionen nehmen die Niederschlagssummen in den letzten Jahren sogar tendenziell leicht zu“, verwies Maurer auf Auswertungen der LUBW. Gefährdete Vielfalt Längst ist vielfach dokumentiert, dass zahlreiche Arten in ihrem Bestand gefährdet sind. Dieser Trend macht auch vor Baden-Württemberg nicht halt. Um den Erhaltungs- und Gefährdungszustand der in Baden-Württemberg vorkommenden Tier- und Pflanzenarten bewerten zu können, erstellt die LUBW regelmäßig sogenannte Rote Listen. Diese sind eine wichtige Grundlage für die Planung notwendiger, wirksamer Schutzmaßnahmen. Drei dieser Roten Listen wurden von der LUBW im Jahr 2022 aktualisiert. Sie zeigen den aktuellen Gefährdungsgrad der Heu- und Fangschrecken, Brutvögel sowie Amphibien und Reptilien. „Leider müssen wir für alle drei Artengruppen feststellen, dass die Trendwende noch lange nicht geschafft ist. Allein bei den Brutvogelarten gilt weit mehr als die Hälfte der bei uns vorkommenden Arten als gefährdet oder steht auf der Vorwarnliste“, zeigte sich Maurer besorgt. „Ich bin sehr stolz, dass die LUBW mit ihrer Expertise und der wertvollen Unterstützung vieler Ehrenamtlicher ein objektives Bild zur Gefährdung der Arten liefern kann. Damit leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Vielfalt.“ Erneuerbare Energien Erneuerbare Energien sind der zentrale Baustein unserer zukünftigen Energieversorgung. Das verdeutlicht nicht nur die aktuelle Energiekrise, sondern auch der Klimawandel. Die Sonne ist dabei eine der wichtigsten regenerativen Energiequellen im Südwesten. Ob sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach lohnt, können Bürgerinnen und Bürger seit Anfang 2022 im Solardachkataster mithilfe eines Wirtschaftlichkeitsrechners ermitteln. Das Solardachkataster ist ein Baustein des Energieatlas Baden-Württemberg, dem gemeinsamen Internet-Portal der LUBW und des Umweltministeriums zum Thema erneuerbare Energien. Neben der Nutzung von Dachflächen ist ein Ausbau der Photovoltaik auf weiteren Flächen nötig. Ende 2022 hat die LUWB den Energieatlas daher um die PV-Ausbaupotenziale von Sonderflächen erweitert. Das sind beispielsweise ehemalige Müll-Deponien oder schwimmende PV-Anlagen (Floating PV) auf Baggerseen, die sich noch in der Auskiesung befinden. „Der Energieatlas ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Expertise der LUBW ganz konkret zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beiträgt. Besonders freue ich mich darüber, dass wir mit dem Wirtschaftlichkeitsrechner allen Bürgerinnen und Bürgern ein konkretes Werkzeug an die Hand geben. Damit kann sich jede und jeder aktiv an der Energiewende beteiligen“, so Maurer. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit Natur und Umwelt machen an Grenzen nicht halt. Die LUBW arbeitet daher in vielen Bereichen mit anderen Institutionen und Organisationen zusammen. Insbesondere die Nachbarländer Schweiz, Österreich, Frankreich und die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Bayern sind wichtige Kooperationspartner der LUBW. Mithilfe der Internetangebote, Broschüren und Veranstaltungen können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger fundiert über die Arbeit der LUBW informieren. Die Ergebnisse unserer Datenerhebung und deren Bewertung stehen umfänglich der Öffentlichkeit und der Landesregierung zur Verfügung. LUBW-Broschüre:  Schwerpunkte 2022: Beobachten. Bewerten. Beraten. Wir entwickeln Lösungen! Pressemitteilungen der LUBW zu den Themen der Jahresbroschüre: Amphibien und Reptilien in Not 01.02.2023  18 von 31 Arten sind in Baden-Württemberg gefährdet Insektenmonitoring in Baden-Württemberg 13.01.2023   Biotopschutz und ökologische Bewirtschaftung leisten wichtigen Beitrag zum Insektenschutz Schwimmende Photovoltaik-Anlagen können Beitrag zur Energiewende in Baden-Württemberg leisten 22.12.2022 Übersicht Potenziale auf Baggerseen im Energieatlas veröffentlicht Beiträge im LUBW Blog zu den Themen der Jahresbroschüre: 23.12.2022 Unterwegs mit der LUBW: Die Temperatur der Fließgewässer 20.12.2022 „Kommunen JETZT klimaresilient machen!“ - Regionalveranstaltung zur Klimaanpassung mit Teilnahmerekord 04.10.2022 LUBW Monatsthema: Rote Listen Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Ursachen für den Rückgang der Nachtfalter in Baden-Württemberg

null Ursachen für den Rückgang der Nachtfalter in Baden-Württemberg GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DES STAATLICHEN MUSEUMS FÜR NATURKUNDE KARLSRUHE UND DER LUBW LANDESANSTALT FÜR UMWELT BADEN-WÜRTTEMBERG 27.09.2022 Baden-Württemberg/Karlsruhe. In den vergangenen 50 Jahren nahm der Bestand der Nachtfalter in Baden-Württemberg besorgniserregend ab. Das belegten von der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe bereits im Herbst 2021 veröffentlichte Daten eines umfangreichen Monitorings. Vorsichtig interpretiert, wiesen die Daten einen Rückgang von 25 Prozent der Individuen nach. In den letzten Monaten haben die beiden Institutionen die Monitoringdaten wissen­schaftlich ausgewertet und für ausgewählte Faktoren geprüft, welchen Einfluss sie auf den gravierenden Rückgang der Nachtfalter haben. Die Ergebnisse wurden nun veröffentlicht. Lebensgrundlage Vielfalt „Nachtfalter sind hochgradig an ihre Lebensräume angepasst. Verschwindet die Vielfalt der Lebensräume, geht auch die Vielfalt der Arten zurück. Genau das ist in Baden-Württemberg in den letzten 50 Jahren passiert“, mit diesen Worten fasst Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, die zahlreichen Einzelbefunde der rund 800-seitigen wissenschaftlichen Auswertungen des Naturkundemuseums zusammen und betont: „Die Entwicklung der Nachtfalterpopulation steht exemplarisch für unsere Insekten in Baden-Württemberg.“ Verlust von Lebensräumen ist eine Ursache für Rückgang In dem Forschungsbericht wurden insgesamt 868 Nachtfalterarten erfasst. Der Großteil der heimischen Nachtfalter ist hochgradig an bestimmte Lebensräume angepasst. Die Analyse belegt eine Abnahme der Artenzahlen für alle Biotoptypen. Jedoch ist dieser Trend je nach Lebensraum unterschiedlich stark. Besonders deutlich ist die Abnahme in Feuchtgebieten großräumig ebener Lagen. Die geringsten Rückgänge des Artenreichtums wurden für Trockenwälder beobachtet. Arten nährstoffarmer Standorte des Offenlandes sind am stärksten betroffen Nährstoffarme Standorte des Offenlands weisen mit minus 15 Prozent einen überdurch­schnittlich hohen Verlust an Nachtfalterarten auf. Zu den nährstoffarmen Lebensräumen zählen trockene Biotope wie Magerrasen, Heiden und Felsfluren, aber auch feuchte Biotope wie Niedermoore, Feuchtgrünland sowie feuchte Gebüsche und Säume. Nachtfalterarten wie das Trockenrasen-Flechtenbärchen ( Setina irrorella ) oder die Röhricht-Goldeule ( Plusia festucae ) sind auf genau solche Lebensräume angewiesen und im Beobachtungszeitraum besonders selten geworden. Schatzkästchen „nährstoffarme Lebensräume“ „Nährstoffarme Lebensräume sind die Schatzkästchen der Natur. Hier ist eine große Vielfalt an Arten zu finden“ erläutert Maurer und ergänzt: „Früher waren es noch Schatzkisten, doch diese Lebensräume wurden in den letzten Jahrzehnten immer weniger.“  Solche Lebens­räume sind vor allem durch Stickstoffeinträge gefährdet. Nimmt die Stickstoffbelastung zu, führt dies zu verstärktem Aufwuchs einer kleineren Zahl von Pflanzenarten, der Verdrängung niedrigwüchsiger Kräuter und der Veränderung des Mikroklimas. Arten magerer Standorte wird dadurch ihre Lebensgrundlage entzogen. Arten der Hochlagen zeigen stärkste Verluste Aufgrund der Spezialisierung der Arten auf bestimmte Lebensräume und klimatische Verhält­nisse weisen viele Nachtfalter eine spezifische Höhenverbreitung auf. Besonders stark zeigt sich der Artenverlust in den Hochlagen. Während die Verluste seit der Jahrtausendwende bei den Arten der Ebene minus 9 Prozent betrugen, lagen diese bei Arten der montanen und hochmontanen Bereiche im Durchschnitt bei minus 16 Prozent beziehungsweise minus 19 Prozent. Arten mit einer Anpassung an kühlfeuchte Lebensräume, wie beispielsweise die Mondfleckglucke (Cosmotriche lobulina), ziehen sich also in die Hochlagen zurück oder sterben lokal aus, wenn keine Ausweichmöglichkeiten mehr gegeben sind. Kontinentale Arten gehen zurück, mediterrane Arten nehmen zu Der mediterrane Anteil der Nachtfalterarten des Landes ist seit dem Jahr 2000 um 7 Prozent gestiegen. Kontinentale Arten sind um 15 Prozent zurückgegangen. 73 Prozent der Arten zählen in Baden-Württemberg zu den kontinentalen Arten, das bedeutet, die überwiegende Zahl der Arten sind von einem deutlichen Rückgang betroffen. Veränderung wurde für einen 50-jährigen Zeitraum nachvollzogen Deutschlandweit einmalig war bei diesem Forschungsprojekt die Möglichkeit, einen Zeitraum von 50 Jahren für ein ganzes Bundesland zu untersuchen. Monitoringdaten der LUBW kombiniert mit historischen Angaben aus dem Karlsruher Naturkundemuseum ermöglichten einen Vergleich von zwei Zeitfenstern, welche die vergangenen 50 Jahre abdecken. Rund 130.000 Datensätze flossen in die Analyse für 25 Gebiete ein. Ergebnisse veröffentlicht in „Wandel der Nachtfalterfauna Baden-Württembergs seit 1970“ Die von der LUBW beauftragte Studie liegt als rund 800 Seiten starke Publikation in der vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe herausgegebenen wissenschaftlichen Reihe „Andrias“ vor. „Die nun vorgelegte wissenschaftliche Veröffentlichung zeigt präzise den Umfang des Faunenwandels und wie wichtig das Forschen nach seinen Ursachen ist“, betont Dr. Robert Trusch, Kurator Lepidoptera am Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe und einer der Verfasser der umfangreichen Untersuchung. Maurer ergänzt: „Die deutlichen Veränderungen bei dieser kleinen, aber im ökologischen Gefüge wichtigen Artengruppe bestätigt, dass sich die Natur in Baden-Württemberg durch unsere Nutzung der Landschaft, aber auch durch den Klimawandel bereits stark verändert hat.“ Hintergrundinformation Karbiener, O., Trusch, R. (2022): Wandel der Nachtfalterfauna Baden-Württembergs seit 1970. Band 1-2. – Andrias 22: I-IX+1-808, Einlagetabelle (48 S.); Karlsruhe. Zwei Jahrzehnte nach dem Erscheinen des Grundlagenwerkes „Die Schmetterlinge Baden-Württembergs“ vermittelt der Doppelband nun erstmals wieder einen Überblick über die aktuelle Bestandsentwicklung der Nachtfalter des südwestdeutschen Bundeslandes und liefert damit wertvolle Informationen zur Insektenvielfalt und deren Rückgang. Die Grund­lagen und Ergebnisse des von der LUBW beauftragten historischen Vergleichs, die über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung sind, werden damit öffentlich verfügbar gemacht. Insektenmonitoring Das im Jahr 2018 in Baden-Württemberg gestartete landesweite Insektenmonitoring ist ein zentrales Element des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt der Landes­regierung in Baden-Württemberg. Es wird von der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg koordiniert und gemeinsam mit den Staatlichen Museen für Naturkunde in Karlsruhe und Stuttgart sowie externen und zum Teil ehrenamtlich engagierten Arten­expertinnen und –experten umgesetzt. Weitere Informationen sind auf der LUBW-Webseite „ Insektenmonitoring “ zu finden: Vorausgegangene Pressemitteilungen: LUBW-Nachtfaltermonitoring 22.10.2021 Nachtfalter: Vergleich aktueller und historischer Daten bestätigen einen deutlichen Rückgang der Arten und des Bestands LUBW-Insektenmonitoring für BW 20.11.2020 Artenvielfalt im traditionell genutzten Offenland ist alarmierend niedrig / Nur Naturschutzgebiete weisen noch eine hohe Vielfalt der Arten auf Sonderprogramm Biologische Vielfalt 29.08.2018 Neues Konzept zum landesweiten Insektenmonitoring Bild zeigt: Historischer Vergleich der Artenzusammensetzung von Nachtfaltern der Roten Liste in einem exemplarisch ausgewählten Untersuchungsgebiet des Nachtfalter-Monitorings. Quelle: Ulrike Eberius. Das Bildmaterial kann in Zusammenhang mit der Pressemitteilung genutzt werden. Klicken Sie auf das Bild für eine höhere Aufläsung. Weitere Informationen: Dr. Robert Trusch Kurator Lepidoptera, Referat Entomologie Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe Tel. (0721) 175-2842 E-Mail: trusch@smnk.de Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe Pressestelle Erbprinzenstr. 13 76133 Karlsruhe Tel.: +49 721 175-2155 Fax: +49 721 175-2110 E-Mail: presse@naturkundeka-bw.de LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Pressestelle Griesbachstraße 1 76185 Karlsruhe Tel. 0721/5600-1387 Fax: 0721/5600-1324 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de Internet: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/presseservice

LUBW veröffentlicht aktualisierte Rote Liste Heuschrecken und Fangschrecken

null LUBW veröffentlicht aktualisierte Rote Liste Heuschrecken und Fangschrecken Karlsruhe. Die LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hat heute die aktualisierte Rote Liste der Heuschrecken und Fangschrecken veröffentlicht. Die erste Einstufung für Baden-Württemberg für diese Insektengruppe stammt aus dem Jahr 1998. Die neue Einordnung profitiert unter anderem vom Erkenntnisgewinn durch das landesweite Insektenmonitoring. So wurden die Gefährdungseinstufungen auf Basis von über 130.000 Datensätzen vorgenommen. Rund 42,9 Prozent der Arten Baden-Württembergs sind als bestandsgefährdet eingestuft, das sind 30 von 70 Arten des Landes. Diese Zahl liegt etwa auf dem gleichen Niveau wie bei der Roten Liste von 1998. Die Situation hat sich für die Heuschrecken und Fangschrecken in der Gesamtschau also wenig verändert. Deutliche Unterschiede sind allerdings mit einem Blick auf die einzelnen Arten zu erkennen. Gefährdung: Veränderungen wahrnehmen „Bei 31 Arten hat sich die Gefährdung verändert. Die neue Rote Liste der Heuschrecken und Fangschrecken verdeutlicht, wie wichtig regelmäßige Erhebungen von Arten sind, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können“, führt Werner Altkofer, stellvertretender Präsident der LUBW, aus. 17 Arten konnten im Vergleich zur Roten Liste von 1998 positiver eingestuft werden, während gleichzeitig 14 Arten nun eine stärkere Gefährdung aufweisen. Acht Arten gelten im Land als vom Aussterben bedroht. Gewinner: Wärmeliebende Überlebenskünstler Von den aktuellen Klimaveränderungen profitieren beispielsweise wärmeliebende Arten wie die im Jahr 1998 noch als ausgestorben eingestufte heimische Große Schiefkopfschrecke. Sie hat sich in den letzten Jahren massiv ausgebreitet. In den Jahren 1998 bis 2000 wurden zunächst einzelne Tiere am Bodensee bei Eriskirch und Friedrichshafen entdeckt. Begünstigt durch die heißen Sommer der Jahre 2003 und 2006 wanderten sie weiter nach Norden und besiedeln mittlerweile die gesamte Rheinschiene. Die Art gilt deshalb aktuell nicht mehr als gefährdet. Verlierer: Lebensraum-Spezialisten „Verlierer der vergangenen zwei Jahrzehnte sind anspruchsvolle Arten, die Spezialisten für bestimmte Lebensräume sind“, erläutert Altkofer und ergänzt: „Dies bestätigt leider abermals den generellen Rückgang der Vielfalt an Lebensräumen und damit einhergehend an Arten - auch in Baden-Württemberg.“ Rotleibiger Grashüpfer Wie eng die Artenvielfalt an die Vielfalt der Landschaft und die teils seit Jahrhunderten geprägte Landnutzung gebunden ist, zeigt beispielhaft die Gefährdungssituation des Rotleibigen Grashüpfers. Die Art benötigt vollbesonnte, kurzrasige Magerrasen, die insbesondere durch die Wanderschäferei auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald entstanden sind. Wird diese extensive Beweidungsform aufgegeben, wachsen die Flächen zu und auch der Lebensraum des Rotleibigen Grashüpfers geht verloren. Rotflügelige Ödlandschrecke Das Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Rotflügeligen Ödlandschrecke hat sich seit dem Jahr 1998 trotz der schon lange bekannten und sehr hohen Gefährdungslage halbiert. In weiten Landesteilen sind die Bestände mittlerweile flächenhaft erloschen. Gründe hierfür sind die mangelnde Nutzung und Pflege von wenig ertragreichen und schwer zugänglichen Flächen sowie der zunehmende Nährstoffeintrag in der freien Landschaft, welcher sich durch aufkommende Gehölze und das Zuwachsen lückiger Standorte zeigt. So verlieren ehemals von der Rotflügeligen Ödlandschrecke besiedelte Flächen wie Trockenrasen, Felsschutthalden und große, vegetationsarme Schotterflächen ihre Eignung als Lebensraum. Spezialisten können schlechter eine neue Heimat finden Die Landschaft wird immer intensiver genutzt. Vor allem besondere Lebensräume wie Trockenrasen oder Feuchtwiesen gehen dadurch vermehrt verloren. Anspruchsvolle Arten reagieren auf diese Veränderungen sehr empfindlich. Da sie als Spezialisten an die Lebensbedingungen solcher Standorte angepasst sind, können sie bei Verlust ihres Lebensraums nur schlecht ausweichen. „Gezielte Schutzbemühungen und -maßnahmen, wie sie beispielsweise im Rahmen des landesweiten Arten- und Biotopschutzprogramms umgesetzt werden, sind unumgänglich, um eine weitere Verschlechterung der Situation in den kommenden Jahren zu vermeiden. Der Fortbestand vieler sehr seltener Arten, wie zum Beispiel der Wanstschrecke ist von solchen bereits bestehenden Schutzmaßnahmen abhängig. Es braucht aber viel Zeit, bis sich diese auch in einer Verbesserung der Gefährdungskategorie niederschlagen“, so Altkofer. „Letztendlich entscheiden wir alle darüber, wie vielfältig unsere Lebenswelt in Zukunft noch ist.“ Publikation enthält Informationen zu jeder baden-württembergischen Art Die 180-seitige Publikation „Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Heuschrecken und Fangschrecken Baden-Württembergs“ stellt jede der 70 baden-württembergischen Arten kurz vor. Kompakte Steckbriefe einschließlich landesweiter Nachweiskarten zu den einzelnen Arten enthalten weiterführende Informationen zur Verbreitung im Land und zu den jeweiligen Gefährdungsursachen. Damit ist die Rote Liste eine wichtige Arbeitsgrundlage für die amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützerinnen und Naturschützer sowie die entsprechenden Fachplanungsbüros im Land. Sie steht im Publikationsdienst der LUBW unter der Webadresse https://pd.lubw.de/10248 kostenlos als PDF-Datei zum Herunterladen bereit. Im Laufe des Spätsommers/Herbsts 2022 wird an dieser Stelle außerdem eine kostenpflichtige gedruckte Fassung zum Kauf angeboten. Vollständige Titelangabe Detzel, P., H. Neugebauer, M. Niehues & P. Zimmermann (2022): Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Heuschrecken und Fangschrecken Baden-Württembergs. Stand 31.12.2019. – Naturschutz-Praxis Artenschutz 15 Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Persönlicher Austausch rund um Kiebitz, Uferschnepfe und Co

Erstmals war es im Rahmen des von der EU und dem Land Niedersachsen sowie weiteren Partnern mit 27 Mio Euro geförderten LIFE IP Projekts möglich, in einem der Projektgebiete am Dümmer in Niedersachsen zu tagen. Während des zweitägigen Treffens am 5. und 6.10.2021 ging es um den aktuellen Stand der im Projekt vorgesehen Maßnahmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts konnten sich aufgrund der Corona-Situation bisher nur auf digitalem Wege austauschen. „Es ist ein Meilenstein für uns, uns als Projektpartner endlich persönlich treffen zu können!“, freut sich Heinrich Belting, im NLWKN verantwortlich für das LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“, dem EU-Nachfolgeprojekt des LIFE+ Projekts „Wiesenvögel“. „Nicht nur die Partner aus Niedersachsen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden reisten zahlreich an.“ Erstmals war es im Rahmen des von der EU und dem Land Niedersachsen sowie weiteren Partnern mit 27 Mio Euro geförderten LIFE IP Projekts möglich, in einem der Projektgebiete am Dümmer in Niedersachsen zu tagen. Während des zweitägigen Treffens am 5. und 6.10.2021 ging es um den aktuellen Stand der im Projekt vorgesehen Maßnahmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts konnten sich aufgrund der Corona-Situation bisher nur auf digitalem Wege austauschen. „Es ist ein Meilenstein für uns, uns als Projektpartner endlich persönlich treffen zu können!“, freut sich Heinrich Belting, im NLWKN verantwortlich für das LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“, dem EU-Nachfolgeprojekt des LIFE+ Projekts „Wiesenvögel“. „Nicht nur die Partner aus Niedersachsen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden reisten zahlreich an.“ Am ersten Tagungstag drehte sich inhaltlich alles um den Start der Maßnahmen im auf zehn Jahre ausgelegten Projekt. Die Projektpartner Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und das Büro BioConsultOS berichteten, mit welchen Aktionen sie bereits anfangen konnten: Dazu zählen die Entwicklung eines wiesenvogelfreundlichen Businessmodels für Landwirte, das Schaffen von Netzwerken in den Überwinterungsgebieten der Vögel in Afrika sowie das Ausstatten von Uferschnepfen mit Satellitensendern zum Erforschen ihrer Zugwege und der Gefährdungen, die hier auftreten. Die Teilprojekte der niederländischen Partner Provinz Friesland, der landwirtschaftlichen Kooperative Collectief Súdwestkust (SWK), des Naturschutzverbands BondFrieseVogelWachten und der Universität Groningen starteten ebenfalls vielversprechend. Hier wurde beispielsweise mit einem länderübergreifenden Monitoring von Insekten in Wiesenvogelbrutgebieten begonnen. Über fünf Sommermonate fangen die Forscher Insekten mit unterschiedlichen Methoden. Die Auswertung soll Auskunft über den Insektenbestand geben, der den Wiesenvögeln als Nahrungsgrundlage zur Verfügung steht. Darüber hinaus entwickelte die Provinz Friesland in Zusammenarbeit mit Landwirten ein neues Modell zum nachhaltigen Bewirtschaften von Feuchtgrünland und startet Maßnahmen zur Optimierung der Wasserstände in fünf Projektgebieten. Die Doktorandinnen und Doktoranden der Rijksuniversiteit Groningen, Niederlande, sowie ein im NLWKN beschäftigter Doktorand der Universität Oldenburg gaben einen Überblick über die mit dem Projekt verbundenen, aktuellen Forschungsarbeiten. Die Themen reichten von der Erforschung alternativer multifunktionaler Landschaften für den Naturschutz (Luis Barba) über Erfolgsfaktoren bei der Beteiligung von Landwirten am Wiesenvogelschutz (Jean-Yves Duriaux) und die drohende globale Krise bezüglich Boden- und Landdegradation (Clarisse Kraamwinkel). Weitere Vorträge betrafen die Voraussetzungen für die Vernetzung von Lebensräumen für Uferschnepfen als Leitart (Christopher Marlow) sowie deren Reaktion auf Landnutzungsänderungen in Brut- und Nichtbrutgebieten (Taylor Craft). Bei einer Exkursion ins Projektgebiet Dümmer am zweiten Tag informierten sich die Teilnehmenden vor Ort über Best-Practice-Beispiele im Wiesenvogelschutz. Die dortigen Bestände der das Feuchtgrünland bewohnenden Vogelarten Uferschnepfe, Brachvogel, Bekassine und Kiebitz gehören zu den wichtigsten Brutvorkommen im Binnenland und haben seit Beginn der Schutzmaßnahmen stark zugenommen. Heinrich Belting stellte die im Gebiet über Jahrzehnte vorgenommenen erfolgreichen Maßnahmen zum Wiedervernässen der Wiesenflächen und die dafür angelegten Sielbauwerke vor. „Mit den Wassersstauanlagen und windbetriebenen Pumpen sorgen wir im Jahresverlauf für unterschiedlich hohe Wasserstände auf den Dümmer-Wiesen. Die Vögel wählen selbst, welcher Wasserstand ihnen am meisten zusagt.“ Am Dümmer werden 3.000 Hektar Naturschutzflächen durch Landwirte bewirtschaftet. Das Mähen des Grases zur Heuernte und die Beweidung durch Kühe oder Schafe erfolgt in enger Abstimmung mit den Interessen des Naturschutzes und sichert offene Flächen für die brütenden Vögel. Diese Kooperation ist ein wichtiger Garant für den erfolgreichen Wiesenvogelschutz. Aus organisatorischen Gründen konnten die westafrikanischen Partner aus Gambia nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Ein ausführlicher Austausch, wie die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren intensiviert werden kann, fand eine Woche später im Rahmen der Zugvogeltage im Niedersächsischen Wattenmeer in Wilhelmshaven statt. Durch die bestehende Partnerschaft soll die geplante Ausweisung eines 180.000 Hektar großen Biosphärenreservats unterstützt werden. Mehr zum LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“ (LIFE19 IPE/DE/000004) Mehr zum LIFE IP Projekt „GrassBirdHabitats“ (LIFE19 IPE/DE/000004) Der Schutz von Wiesenvögeln wie Uferschnepfe, Kiebitz und Brachvogel und deren Lebensräumen stehen im Fokus des von der Europäischen Union im Rahmen des LIFE-Programms geförderten Projekts. Ziel ist es, optimale Brutgebiete zu schaffen und zu verbinden. Hierfür gilt es, die Flächennutzung zu extensivieren und die Wasserstände zu optimieren. Um die Aktivitäten künftig stärker zu vernetzen und Maßnahmen für erfolgreichen Wiesenvogelschutz abzustimmen, wird ein strategisches Schutzkonzept für Wiesenvogellebensräume in Westeuropa entwickelt. In 27 Projektgebieten in Niedersachsen werden wiesenvogelfreundliche Maßnahmen umgesetzt. Das Gesamtbudget des über zehn Jahre laufenden Projekts beträgt rund 27 Millionen Euro, darin 12 Millionen Anteil des Landes Niedersachsen. Das Niedersächsische Umweltministerium als Projektträger hat die Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Umsetzung des Projekts beauftragt. Partner in Niedersachsen sind die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und das Büro BioConsultOS. Projektpartner in den Niederlanden sind die Provinz Friesland, die Universität Groningen sowie die landwirtschaftliche Kooperative Collectief Súdwestkust (SWK) und der Naturschutzverband BondFrieseVogelWachten (BFVW).

BfN Schriften 578 - Citizen Science und Insekten Welchen Beitrag kann bürgerschaftliches Engagement für das Insektenmonitoring leisten? Dokumentation des gleichnamigen Workshops

Die Inhalte stellen die Dokumentation eines Workshops dar, der im Rahmen des durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderten F+E-Vorhabens „Citizen Science und Naturschutz: Bedeutung und Bewertung der Ergebnisse von Citizen Science Projekten im Naturschutz“ (FKZ 3518 89 1600) durchgeführt wurde.

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