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INTERPHONE-Studie findet kein erhöhtes Tumorrisiko durch Handynutzung – BfS sieht weiteren Forschungsbedarf

INTERPHONE-Studie findet kein erhöhtes Tumorrisiko durch Handynutzung – BfS sieht weiteren Forschungsbedarf In den Jahren 2010 und 2011 wurden erste Ergebnisse aus der INTERPHONE-Studie über mögliche Langzeitfolgen der Handynutzung veröffentlicht. Der Auswertung zufolge konnte kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Tumoren des Hörnervs durch Handynutzung nachgewiesen werden. Damit bestätigt die Studie die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms, das vom Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) durchgeführt wurde. Es hatte gezeigt, dass es innerhalb der gültigen Grenzwerte keine Hinweise auf eine schädigende Wirkung des Mobilfunks gibt. Die vorliegende Studie kann jedoch nicht alle offenen Fragen hinsichtlich der Intensiv- oder Langzeitnutzung des Mobilfunks beantworten. Das BfS sieht daher – wie auch die Autoren der INTERPHONE-Studie – weiterhin Forschungsbedarf für die Intensiv- und Langzeitnutzung von Handys. Wer vorsorglich die individuelle Exposition verringern möchte, hat dafür unterschiedliche Möglichkeiten . Die INTERPHONE-Studie Die INTERPHONE-Studie wurde im Jahr 2000 von der International Agency for Research on Cancer ( IARC ) initiiert, um mögliche Risiken für die Entstehung von Tumoren durch den Gebrauch von Mobiltelefonen zu ermitteln. An der INTERPHONE-Studie beteiligten sich weltweit 13 Länder. Die Studie wurde größtenteils aus öffentlichen Mitteln finanziert. Etwa 29 Prozent der Mittel stammten von der Mobilfunkindustrie, die aber keinerlei Einfluss auf das Studiendesign und die Ergebnisse hatte. Deutschland beteiligte sich unter anderem im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms . Untersuchte Tumoren Da die elektromagnetischen Felder des Mobiltelefons vor allem das Gewebe der Kopfregion betreffen, lag der Fokus der Studie auf den folgenden vier Tumorarten: Gliom (Hirntumor, der vom Stützgewebe des Zentralnervensystems ausgeht), Meningeom (Hirntumor, der von der Hirnhaut ausgeht), Akustikusneurinom (Tumor des Hörnervs) und Tumoren der Ohrspeicheldrüse. Ergebnisse Kein Nachweis für ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren Die INTERPHONE-Studie wertete Daten zu 2.708 Patienten mit einem Gliom und 2.409 Patienten mit Meningeomen sowie den jeweils passenden gesunden Kontrollpersonen aus. Der Gebrauch von Mobiltelefonen wurde mit Hilfe standardisierter Interviews erfragt. Die Auswertung der Daten zeigte kein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer der beiden Hirntumorarten aufgrund der Nutzung eines Handys. Auch für Langzeitnutzer, bei denen der Beginn der Handynutzung mehr als zehn Jahre zurücklag, zeigte sich kein erhöhtes Risiko für eine der beiden Arten von Hirntumoren. Kein Nachweis für ein erhöhtes Risiko für Akustikusneurinome In den zusammengefassten Daten der INTERPHONE-Studie wurden auch 1.105 Patienten mit Tumoren des Hörnervs (Akustikusneurinom) sowie vergleichbare gesunde Kontrollpersonen berücksichtigt. Auch hier wurde der Gebrauch von Mobiltelefonen mit Hilfe standardisierter Interviews erfragt. Die Auswertung aller Daten zeigte ebenfalls kein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Akustikusneurinoms aufgrund von Handynutzung. Dieses Ergebnis galt auch für Langzeitnutzer. Keine Auswertung zu Tumoren der Ohrspeicheldrüse möglich Wegen der geringen Fallzahl in den teilnehmenden Ländern musste auf eine zusammengefasste Auswertung bei Tumoren der Ohrspeicheldrüse verzichtet werden. Unklare Ergebnisse bei Intensiv- oder Langzeitnutzung Bei Nutzern von Mobiltelefonen, bei denen sich aus den Befragungen eine Gesamtnutzungsdauer von mehr als 1.640 Stunden abschätzen ließ, wurde sowohl für Gliome als auch für Akustikusneurinome ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko errechnet. Allerdings erhielten die Wissenschaftler bei den Befragungen der Mobiltelefonnutzer mit der höchsten Gesamtnutzungsdauer Antworten zur Nutzungshäufigkeit, die nicht nachvollziehbar waren. Dies lässt die Ergebnisse dieses Teils der Studie fraglich erscheinen. Einige Personen gaben an, mehr als 5 Stunden pro Tag mit dem Handy telefoniert zu haben. Diese Angaben erscheinen wenig plausibel. Daher ist nicht auszuschließen, dass den Beobachtungen andere Ursachen zugrunde liegen. Bei Handynutzern mit besonders langer Gesamtnutzungsdauer zeigten sich die Gliome und Akustikusneurinome eher in den Regionen, die sich nahe am Ohr befinden und auf der Kopfseite, die als bevorzugte Seite zum Telefonieren angegeben wurde. Allerdings wussten Probanden mit Hirntumoren in der Regel auf welcher Kopfseite sich ihr Tumor befand. Bei der Frage nach der bevorzugten Kopfseite beim Telefonieren könnten sie daher die Häufigkeit der Handynutzung auf der Tumorseite überschätzt haben. Verschiedene Auswertungen verstärkten diesen Verdacht. Außerdem gibt es keine biologisch-medizinische Erklärung für diese Beobachtungen. Bewertung des BfS : Weiterführende Forschung zu Intensiv- oder Langzeitnutzung notwendig Die Ergebnisse der INTERPHONE-Studie bestätigen die bisherigen Bewertungen möglicher gesundheitlicher Risiken des Mobilfunks und die vom BfS aufgeführten Möglichkeiten vorsorglicher Expositionsverringerung . So wurde bereits im Abschlussbericht zum Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm festgestellt, dass die möglichen Auswirkungen einer intensiven und lang andauernden Handynutzung noch nicht ausreichend erforscht und zu einer abschließenden Bewertung weitere Untersuchungen erforderlich sind. Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass zwar seit Jahren die Strahlungswerte der Handys sinken, aber der Umfang der Handynutzung deutlich zunimmt und sich die Art der Nutzung ändert, das heißt neue Mobiltelefone nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt werden. Die INTERPHONE-Studie ließ Forschungsbedarf bei Kindern offen. In der kürzlich abgeschlossenen internationalen MOBI-KIDS-Studie wurde eine mögliche Auswirkung der Handy-Nutzung auf junge Menschen zwischen 10 und 24 Jahren untersucht. Die Stellungnahme des BfS zu den Ergebnissen der MOBI-KIDS-Studie kann hier eingesehen werden. Aktuelle Forschungsvorhaben: COSMOS Der Forschungsbedarf bezüglich intensiver und lang andauernder Handynutzung wird derzeit international in der COSMOS-Studie (Cohort Study of Mobile Phone Use and Health) realisiert. COSMOS ist eine epidemiologische Langzeitstudie, die in Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland, den Niederlanden und Frankreich durchgeführt wird. Zusätzlich zu den in der INTERPHONE-Studie erforschten Tumorarten untersucht die COSMOS-Studie auch andere mögliche Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer und Parkinson. Die Höhe der Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern soll durch eine genaue Erfassung von Häufigkeit und Dauer der Telefonate ermittelt werden. Forderung des BfS nach weiterer Forschung weiterhin sinnvoll und notwendig Die Ergebnisse der INTERPHONE-Studie zeigen insgesamt kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Tumoren des Hörnervs durch langandauernden Gebrauch von Mobiltelefonen. Trotzdem bleiben Unsicherheiten bei intensiver oder langer Handynutzung. Aus diesem Grund setzt sich das BfS nach wie vor für qualitativ hochwertige Forschung ein und beschreibt Möglichkeiten der vorsorglichen Expositionsverringerung . Stand: 14.08.2024

DISCOVER: Projekt untersucht Einfluss von Strahlung auf die Bildung von Hirntumoren

DISCOVER: Projekt untersucht Einfluss von Strahlung auf die Bildung von Hirntumoren D issecting rad I ation effect S into the C erebellum micr O en V ironm E nt driving tumour p R omotion ( DISCOVER ) DISCOVER ist ein multidisziplinäres Forschungsprojekt zur Untersuchung des Einflusses von ionisierender, also energiereicher Strahlung auf die Entstehung von Hirntumoren nach Niedrigdosisstrahlung. Die Integration hochinnovativer Ansätze soll besonders das Verständnis des Zusammenspiels von Tumorzellen und Zellen der Mikroumgebung bei der Entwicklung von Krebs, der durch Strahlung hervorgerufen wird, verbessern. Mit dem Wissen sollen Modelle zur Risikoabschätzung verbessert werden, die insbesondere im beruflichen und medizinischen Strahlenschutz angewandt werden können. Hintergrund DISCOVER ist ein multidisziplinäres Forschungsprojekt zur Untersuchung des Einflusses von ionisierender – also sehr energiereicher - Strahlung auf die Entstehung von Hirntumoren nach Niedrigdosisstrahlung. Traditionell wird die durch Strahlung hervorgerufene Karzinogenese durch nicht- oder falsch reparierte DNS-Schäden erklärt. Mittlerweile gibt es jedoch Hinweise auf eine essenzielle Beteiligung der Mikroumgebung im Hirn und epigenetischer Änderungen an der Tumorentstehung. Um wirksamere Strahlenschutzstrategien zu entwickeln, besteht ein dringender Bedarf, diese Prozesse und das Zusammenspiel der Mechanismen strahlungsinduzierter Krebserkrankungen besser zu verstehen. Die neuen Erkenntnisse sind für den Strahlenschutz in beruflichen und medizinischen Situationen, in denen Menschen Strahlung ausgesetzt sind, von besonderem Wert. Zielsetzung DISCOVER soll umfassende Einsichten zum Einfluss von Strahlung auf die Bildung von Hirntumoren am Beispiel des Medulloblastoms liefern, indem sowohl die direkten Effekte auf Zielzellen als auch der Einfluss der Mikroumgebung betrachtet werden. Dazu werden folgende Teilziele angestrebt: Identifizierung von molekularen Veränderungen auf DNA , RNA und Proteinebene in Hirngewebe nach In-vivo-Bestrahlung im Mausmodell Aufklärung von Zellkommunikationsprozessen zwischen Tumorinitiationszellen und Mikroumgebung durch Untersuchungen in Ex-vivo-Gewebeschnitten und anderen In-vitro-Modellen Identifizierung von strahlungsinduzierten Signalwegen durch integrative bioinformatische Analysen in exponierten Geweben Mit diesem Wissen sollen Modelle zur Risikoabschätzung verbessert werden, welche insbesondere im beruflichen und medizinischen Strahlenschutz angewandt werden können. Durchführung Das Projekt untersucht von Strahlung hervorgerufene Effekte in Zielzellen und Zellen der Mikroumgebung. Als Beispiel dient die Entstehung von Medulloblastomen in einem Ptch+/- Modellsystem. Dieses System stellt ein etabliertes Modell dar, welches nach Strahlung eine erhöhte Anzahl von Medulloblastomen zeigt. Zudem tritt die Erkrankung nach kürzerer Latenzzeit auf. Untersucht werden direkte Strahleneffekte in Zielzellen, wie z.B. epigenetische und Proteomveränderungen. Ebenso werden systemische Effekte betrachtet. Dazu gehören Zytokinfreisetzung, Änderung in der extrazellulären Matrix und lokale Immuneffekte. Das etablierte Modellsystem wird mit modernsten Multi-Omics-Analysemethoden und daran gekoppelten Bioinformatik-Pipelines untersucht. Ziel ist es, Veränderungen in der Mikroumgebung des Gehirns und die Rolle extrazellulärer Vesikel bei der Entwicklung strahlungsinduzierter Karzinogenese systemisch zu untersuchen – auch unter dem Aspekt der Dosisabhängigkeit. Die Integration hochinnovativer Ansätze und Vergleiche mit klinischen Daten zielen darauf ab, unser Verständnis von strahlungsinduziertem Krebs und seiner potenziellen Auswirkungen erheblich zu verbessern und dieses für die Risikobewertung und die personalisierte Medizin einzusetzen. Die sieben Arbeitspakete Das DISCOVER Projekt setzt sich aus sieben Arbeitspaketen (work packages, WPs) zusammen: WP1: Untersuchung von Veränderungen in der Mikroumgebung des Kleinhirns nach Strahlenexposition WP2: Untersuchung der Strahlungseffekte in Zielzellen und der Mikroumgebung im Kleinhirn WP3: Untersuchung der Auswirkungen von ionisierender Strahlung auf Vorläuferzellen der Granula und deren Mikroumgebung WP4: Identifizierung von bestimmenden Faktoren in strahleninduzierten Signalwegen WP5: Wirkungsweise von extrazellulären Vesikeln und anderen Einflussfaktoren WP6: Koordination und wissenschaftliches Projektmanagement WP7: Ergebnisverbreitung und -verwertung Projektdaten Koordination: Italian National Agency for New Technologies, Energy and Sustainable Economic Development (ENEA) Rolle des BfS : PD Dr. Simone Moertl, WR1, Projekt Partner und Leitung eines Arbeitspakets Projektbeginn: 1.3.2024 Projektende: 29.2.2027 Beteiligung: ENEA, National Public Health Center (Hungary), Brookes University Oxford ( UK ), BfS Finanzierung: 1,3 Mio. Euro (davon 63 % aus dem EU Euratom-Programm/PIANOFORTE) Stand: 29.01.2025

Einfluss von Niedrigdosisstrahlung auf die Leukämieentwicklung bei genetischer Prädisposition in einem Mausmodell

Einfluss von Niedrigdosisstrahlung auf die Leukämieentwicklung bei genetischer Prädisposition in einem Mausmodell Forschungs-/ Auftragnehmer: Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich‐Heine‐Universität, Düsseldorf Projektleitung: Prof . Dr. A. Borkhardt, Dr. U. Fischer, Dr. D. Hein Beginn: 01.01.2019 Ende: 30.09.2021 Finanzierung: 542.142 Euro Leukämieentwicklung bei Niedrig-Dosis-Strahlung im genetisch prädisponierten Mausmodell Ionisierende Strahlung ist ein bekannter Risikofaktor für die Leukämie‐Entstehung im Kindesalter. Allerdings ist die Bedeutung schwacher ionisierender Strahlung im Niedrigdosisbereich noch unklar. Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz führte im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz von 2003 bis 2007 die Studie " Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken " (KiKK‐Studie) durch und konnte eine Korrelation zwischen der Nähe des Wohnortes zu einem Kernkraftwerk und dem Risiko eine Leukämie zu entwickeln aufzeigen. Dies lässt sich jedoch mit dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand über Strahlenwirkungen nicht erklären. Für den Strahlenschutz ist es notwendig zu untersuchen, ob Personen mit genetischer Prädisposition einem besonderen Risiko gegenüber ionisierender Strahlung ausgesetzt sind. Bei Kindern, die eine Leukämie entwickeln, ist bekannt, dass oft eine genetische Prädisposition vorliegt und wahrscheinlich nur eine weitere genetische Mutation zur Krankheitsentwicklung ausreicht. Eine der häufigsten genetischen Prädispositionen bei Kindern ist die Translokation ETV6‐RUNX1, die bereits im Mutterleib entsteht. Ziel des Forschungsvorhabens war es, experimentell im Mausmodell zu prüfen, ob genetische Faktoren die Empfindlichkeit für den schädlichen Einfluss ionisierender Strahlung beeinflussen. Zielsetzung In diesem Projekt sollte das Sca1‐ETV6‐RUNX1‐Mausmodell, das die häufigste bei Kindern beschriebene präleukämische Gentranslokation ETV6‐RUNX1 trägt, eingesetzt werden, um zu testen, ob die Exposition mit Niedrigdosisstrahlung Mutationsereignisse in Krebsgenen verändern kann und damit die Leukämieentwicklung beeinflusst. Die Leukämieentwicklung nach Bestrahlung sollte beobachtet und die sich entwickelnden Leukämien phänotypisch charakterisiert werden. Die genetischen Veränderungen in den auftretenden Leukämien der Mäuse sollten nach Strahlenexposition erfasst, mit Leukämien von Schein-exponierten Mäusen verglichen und auf strahlungsbedingte Mutationsmuster hin untersucht werden. Die Ergebnisse sollten mit publizierten, sekundären genomischen Veränderungen der murinen und der humanen ETV6‐RUNX1‐positiven‐pB‐ALL verglichen werden, um genomischen Veränderungen als Folge von niedrigdosierter Bestrahlung erfassen zu können, die spezifisch mit der ETV6‐RUNX1‐Prädisposition assoziiert sind. Methodik Zunächst wurden Online‐Literaturrecherchen (Pubmed‐Datenbank) zum aktuellen Stand der Wissenschaft durchgeführt und die geplante experimentelle Vorgehensweise geprüft. Dann wurden genetisch prädisponierte Sca1‐ETV6‐RUNX1‐Mäuse (jeweils n=30 pro Behandlung) einmalig mit definierten Dosen bis in den Niedrigdosisbereich (2 Gy , 0,5 Gy , 50 mGy ) bestrahlt bzw. scheinbestrahlt. Das Auftreten von Leukämien wurde bis zu einem Alter der Tiere von zwei Jahren erfasst und auftretende Tumore phänotypisch und genotypisch untersucht. Durchführung Gruppen von jeweils 30 Sca1‐ETV6‐RUNX1‐Mäusen wurden einmalig mit den Dosen 2 Gy , 0,5 Gy und 50 mGy mittels einer geschlossenen, kalibrierten Gammastrahlenquelle ( Cs -137, Gammacell 1000 Elite, nominale Aktivität 12,8 TBq) bestrahlt bzw. zur Kontrolle scheinbestrahlt (0 Gy ). Die Tiere wurden bis zu einem Alter von zwei Jahren regelmäßig durch Blutkontrollen auf das Vorliegen von Leukämien untersucht. Tiere, die Merkmale einer Leukämie aufwiesen, wurden getötet und den üblichen Nekropsieverfahren unterzogen. Makroskopisch, histologisch, durchflusszytometrisch und molekularbiologisch wurden Gewebeinfiltration, Tumor‐Zellzahl und Tumor‐Klonalität in hämatopoetischen Organen untersucht. Zur Durchführung der Gesamt‐Exom‐Sequenzierung von leukämischen Zellen wurde die Tumor‐ DNA aus dem leukämischen Gewebe (Knochenmark, Lymphknoten oder Milz) in den erkrankten Mäusen isoliert und aufgereinigt. Aus der Schwanzspitze der jeweiligen Maus wurde DNA als Referenz‐Keimbahnmaterial extrahiert. Die Exom‐Bibliotheken wurden mit Hilfe des Agilent SureSelectXT Mouse All Exon Kits durchgeführt. Die Sequenzierung der Bibliothek wurde auf der NextSeq550‐Plattform (Illumina) durchgeführt. Für die Datenanalyse wurden zunächst Fastq‐Dateien mit Bcl2Fastq 1.8.4 (Illumina) erzeugt. Die BWA‐Version 0.7.4. wurde verwendet, um die erhaltenen Sequenzdaten an das Mausreferenzgenom (GRCm38.71) zu alignieren. Konvertierungsschritte wurden mit Samtools durchgeführt, gefolgt von der Entfernung von PCR‐Duplikaten mittels Picard. Der Sequenzvergleich mittels lokalem Verfahren bei kleinen Insertionen/Deletionen ("Indels", < 50 bp), das Calling von somatischen Einzelnukleotidvariationen ( single nucleotide variants , SNV), die Annotierung und die Rekalibrierung wurden mit Hilfe von GATK 2.4.9 durchgeführt. Die identifizierten Varianten wurden mit dem Variant Effect Predictor (VEP) unter Verwendung der Ensembl‐Datenbank (v70) annotiert. Zusätzlich wurden Scores der Softwaretools SIFT und Polyphen hinzugefügt, die einen potentiellen Funktionsverlust der betroffenen Gene/Proteine vorhersagen. Gene, die in ursächlichem Zusammenhang mit Krebs bekannt sind, wurden mittels der Genliste des Cancer Gene Consensus (CGC, COSMIC Datensatz) identifiziert. Zur Analyse der Mutationssignaturen wurden die Exom‐Daten einem standardisierten Alignment unterzogen. Nach mehreren Vorverarbeitungsschritten wurden Einzelnukleotidvarianten für die pB‐ALL‐Proben der bestrahlten Sca1‐ETV6‐RUNX1‐Mäuse sowie für Kontrollproben (Infektions‐getriggerte pB‐ALL‐Proben von nicht bestrahlten sca1‐ETV6‐ RUNX1‐Mäusen) mit Platypus Version 0.8.1 und Standardparametern bestimmt. Mutationssignaturanalysen wurden anschließend mit dem R/Bioconductor‐Paket MutationalPatterns, Version 1.6.169, durchgeführt. Die Mutationssignaturen Version 3.2 im COSMIC Release v93 wurden für die Analysen verwendet. Ergebnisse Mit einem Sca1‐ETV6‐RUNX1-Mausmodell, das die häufigste bei Kindern anzutreffende Gentranslokation ETV6‐RUNX1 trägt und deren Auswirkung dem Menschen sehr ähnlich ist, konnte nun die Wirkung von ionisierender Strahlung im mittleren (0,5 und 2 Gy ) und niedrigen Dosisbereich (0,05 Gy ) untersucht werden. Im mittleren Dosisbereich entwickelten etwa 10 % von 30 Tieren eine Leukämie . Vorläufer‐B‐Zell akute lymphatische Leukämien (pB‐ALL) entstanden bei Sca1‐ETV6‐RUNX1‐Mäusen, die im Alter von vier Wochen einmalig mit einer Dosis von mindestens 0,5 Gy mittels einer Gammastrahlenquelle (Cs‐137) bestrahlt wurden (0,5 Gy , n=3/30; 2 Gy , n=4/30). Expositionsbedingte somatische Mutationen in diesen pB‐ALL betrafen (1) Hot‐Spot‐Regionen in bekannten Krebsgenen (Jak1, Jak3, Ptpn11, Kras), (2) Gene, die auch in humaner ETV6‐RUNX1‐positiver pB‐ALL mutiert waren (Atm, Sh2b3, Ptpn11, Kras), (3) ALL‐Prädispositionsgene (Sh2B3, Ptpn11), (4) andere bekannte Krebsgene. Aufgrund der geringen Zahl an Tumoren und somatischen Einzelnukleotidvariationen konnte keine spezifische strahleninduzierte Mutationssignatur identifiziert werden. In einer Gruppe von 30 Mäusen konnte im Niedrigdosisbereich (0,05 Gy ) keine Leukämie ausgelöst werden. Größere Gruppen oder Mausmodelle mit einer höheren Tumorentstehung könnten zukünftig zusammen mit Ganz‐Genom‐Sequenzierung und ergänzenden Omics‐Analysen größere Datensätze generieren und ein umfassendes Bild von spezifischen t(12;21)‐assoziierten sekundären, genomischen Veränderungen als Folge von Bestrahlung liefern. Stand: 17.09.2024

Erhöht Radonexposition das Hautkrebsrisiko? - Stellungnahme zu einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "Environmental Health Perspectives"

Erhöht Radonexposition das Hautkrebsrisiko? - Stellungnahme zu einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "Environmental Health Perspectives" Langjähriger Aufenthalt in Räumen mit erhöhter Radonkonzentration erhöht das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Dies belegen neben Uranbergarbeiter-Studien auch Studien zur Radonbelastung in Wohnräumen. Bisher ist nicht geklärt, ob Radon zur Krebsentstehung an anderen Organen als der Lunge beiträgt. Forscher des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) fanden nun einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Risiko an einem malignen Melanom zu versterben und der Radonexposition am Wohnort ( Vienneau et al. 2017 ). In der Studie wurden allerdings relevante Risikofaktoren für Hautkrebs, die auch in Zusammenhang mit der Radonexposition stehen könnten, nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. So ist insbesondere die Qualität der Abschätzung der UV - Exposition - dem wichtigsten Risikofaktor für das maligne Melanom - zweifelhaft. Deshalb ist unklar, ob das beobachtete erhöhte Melanomrisiko ursächlich auf die langjährige Radonexposition zurückgeht. Auch die Radonexposition wurde nur ungenau abgeschätzt. Darüber hinaus spiegelt das Sterberisiko bei Hautkrebs das Erkrankungsrisiko nur sehr eingeschränkt wider. Insgesamt ist das Ergebnis der Studie aus diesen Gründen mit Vorsicht zu interpretieren. Die Schweiz weist nach Angaben der Autoren der Studie nach Australien und Neuseeland die dritthöchste altersstandardisierte Inzidenzrate für das maligne Melanom auf. Eine Erklärung dafür könnte die Zunahme der UV - Exposition mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel sein. UV - Exposition ist bekanntermaßen der wichtigste Risikofaktor für Hautkrebs allgemein und auch für die bösartigste Form, das maligne Melanom. Aber auch die mittlere Radonexposition ist in der Schweiz aufgrund ihrer Geologie höher als in anderen europäischen Staaten. Daher untersuchen die Autoren der Studie, ob die vergleichsweise hohe Melanom-Rate auch mit der Radonexposition in der Schweiz zusammenhängt, auch wenn die Strahlendosis für die Haut durch eine Radonexposition vergleichsweise niedrig ist. Fazit Die Studie liefert keinen Beleg dafür, dass Radon in Wohnräumen das Hautkrebsrisiko erhöht. Eine Erhöhung des Hautkrebsrisikos kann allerdings auch nicht ausgeschlossen werden. Dafür sprechen auch vereinzelte Beobachtungen aus epidemiologischen Studien. Die Ergebnisse aus Uranbergarbeiter-Studien legen jedoch nahe, dass das mögliche Hautkrebsrisiko pro Dosiseinheit deutlich geringer ist als das Lungenkrebsrisiko. Empfehlungen zur Verringerung der Radonkonzentration in Wohnungen, die auf dem Wissen zum Lungenkrebsrisiko beruhen, behalten daher ihre Gültigkeit. Unabhängig von den Ergebnissen der schweizerischen Studie steht fest, dass Radon ein nicht zu vernachlässigendes Gesundheitsproblem darstellt. Sollte Radon zudem einen Risikofaktor für Hautkrebs darstellen, wäre dies zum Beispiel für die Festlegung des Dosiskonversions-Faktors relevant. Dieser dient dazu, die Radonkonzentration in die gesundheitlich relevante Strahlendosis umzurechnen und spielt zum Beispiel auch für Grenzwerte im beruflichen Bereich eine Rolle. Darüber hinaus wäre ein möglicher ursächlicher Zusammenhang zwischen Radonexposition und Hautkrebs auch für die Entschädigung von Berufskrankheiten von Bedeutung. Wie die Studien zu Radonbelastung in Wohnungen und Lungenkrebsrisiko gezeigt haben, sind aussagekräftige Ergebnisse jedoch nur von aufwändigen epidemiologischen Studien mit Erhebung umfangreicher individueller Daten zu erwarten. Stand: 28.05.2024

Tumorwachstumsfördernde Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder

Tumorwachstumsfördernde Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder Eine Pilotstudie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2010 fand bei Mäusen, die mit einer nachgewiesenermaßen krebserregenden Substanz behandelt wurden, dass hochfrequente elektromagnetische Felder ( HF - EMF ) eine wachstumsfördernde Wirkung auf die sich entwickelnden Lungen- und Lebertumoren hatten, nicht jedoch für andere Tumoren. HF - EMF allein lösten keinen Krebs aus. Eine an der Jacobs Universität Bremen durchgeführte Folgestudie bestätigte die Ergebnisse der Pilotstudie : es zeigte sich eine tumorwachstumsfördernde Wirkung von HF - EMF auf den durch eine krebserregende Substanz ausgelösten Krebs. Auch hier war die tumorwachstumsfördernde Wirkung nur für Lungen- und Lebertumore sowie z.T. Lymphome, nicht jedoch Gehirn, Niere und Milz zu beobachten. Des Weiteren wurde kein Anstieg der Tumorraten mit steigender Expositionskategorie (Expositions-Wirkungs-Beziehung) gefunden. Weitere Forschung zu möglichen Wirkmechanismen zeigte, dass HF - EMF die durch die krebserregende Substanz ausgelöste DNA -Schädigung nicht fördern und demzufolge nicht an der Tumorentstehung beteiligt sind. Die tumorfördernde Wirkung von HF - EMF entfaltet sich zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Krebs bereits entstanden ist. Bewertung durch das BfS Die Forschungsergebnisse der Pilot- und Folgestudie zeigen in dem gewählten Mausstamm übereinstimmend eine tumorwachstumsfördernde Wirkung von HF - EMF für bestimmte Tumore bei gleichzeitigem Vorliegen einer krebserregenden Substanz. Die HF - EMF - Exposition alleine löste keine Tumore aus, HF - EMF waren auch nicht an der Tumorentstehung beteiligt. HF - EMF beschleunigten das Tumorwachstum, als der Krebs bereits entstanden war. Die tumorwachstumsfördernde Wirkung zeigte sich hauptsächlich für Lungen- und Lebertumore im verwendeten Mausstamm. Der Wirkmechanismus ist unklar. Da die Exposition des Menschen (mit UMTS -Signalen) völlig andere körperinterne Feldverteilungen zur Folge hat ( z.B. werden Lunge und Leber nicht erreicht), kann dieses Ergebnis nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. Zudem wurde in anderen Tiermodellen wie Ratten oder einem anderen Mausstamm keine tumorwachstumsfördernde Wirkung von HF - EMF gefunden. In der Gesamtschau der vorliegenden Studienergebnisse geht das BfS daher nicht von einer tumorwachstumsfördernden Wirkung beim Menschen aus. Um zu prüfen, ob es sich bei den Beobachtungen in dem einen Mausstamm um einen Tiermodell-spezifischen Effekt handelt, der nur unter speziellen Versuchsbedingungen zum Tragen kommt, oder ob ein bisher unbekannter und möglicherweise allgemein relevanter Wirkmechanismus zugrunde liegen könnte, vergibt das BfS weitere Forschung. Pilotstudie Methoden In der Pilotstudie des Fraunhofer Instituts [1] wurde trächtigen Mäusen der Tumorinitiator (krebserregende Substanz) Ethylnitrosoharnstoff ( ENU ) verabreicht. Zusätzlich wurden sie mit einem hochfrequenten elektromagnetischen Feld nach dem UMTS Standard chronisch ganzkörperexponiert. Damit sollte überprüft werden, ob HF - EMF die Wirkung des krebsauslösenden ENU verstärken, also ob sie krebsfördernd wirken, ohne selbst Krebs auslösen zu können. Es wurden fünf Tiergruppen untersucht: Kontrolle: Tiere im Zuchtraum, weder mit ENU noch mit HF - EMF behandelt ENU : Tiere im Zuchtraum, ENU verabreicht, nicht mit HF - EMF exponiert Scheinexposition: Tiere in der EMF -Expositionsanlage, aber weder mit ENU noch mit HF - EMF behandelt ENU + HF - EMF : Tiere in der EMF -Expositionsanlage, ENU verabreicht und niedrige HF - EMF -Expositionsstufe (4,8 W/m 2 ) HF - EMF : Tiere in der Expositionsanlage, hohe EMF -Expositionsstufe (48 W/m 2 ), aber kein ENU verabreicht Die HF - EMF - Exposition begann in utero und wurde bis zum Lebensalter von 24 Monaten fortgeführt. Als Tiermodell wurde ein spezieller Mausstamm (B6C3F1) gewählt, der für Experimente mit ENU besonders gut geeignet ist, da er ENU vergleichsweise gut verträgt. Trotz sich entwickelnder Tumoren leben die Tiere dieses Mausstamms recht lange und können somit langfristig mit EMF exponiert werden. Ergebnisse Kontrolltiere, scheinexponierte Tiere und ausschließlich mit HF - EMF exponierte Tiere (Gruppen 1, 3 und 5) zeigten vergleichbare Tumorinzidenzen. Beide mit ENU behandelten Gruppen (Gruppe 2 und 4) zeigten erhöhte Tumorraten. Die durch ENU verursachten Tumorinzidenzen im Gehirn, in der Niere, der Milz und in den Lymphknoten waren relativ niedrig und wurden durch die zusätzliche HF - EMF Exposition in Gruppe 4 nicht weiter beeinflusst. Es wurde aber eine signifikant erhöhte Tumorrate in Lunge und Leber sowie eine Erhöhung der Zahl der metastasierenden Lungentumoren in der ENU/HF- EMF -Gruppe (Gruppe 4) im Vergleich zur ENU - Gruppe (Gruppe 2) beschrieben. Da die Tumorinzidenzen in der Leber aber auch in allen nicht mit ENU behandelten Gruppen (Gruppe 1, 3 und 5) unerwartet hoch gegenüber historischen Kontrollen waren und alle Gruppen mit Helicobacter infiziert waren, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Infektion und nicht die Felder zu den erhöhten Krebsraten in der Leber geführt haben. Vom BfS geförderte Wiederholungsstudie Um die Ergebnisse der Pilotstudie zu überprüfen, förderte das BfS die Studie "Tumorpromotion durch hochfrequente elektromagnetische Felder in Kombination mit kanzerogenen Substanzen - synergistische Wirkungen" an der Jacobs Universität Bremen. Die Studie wurde 2015 abgeschlossen, der Abschlussbericht steht im Online- Repositorium DORIS des BfS zur Verfügung. In dieser tierexperimentellen Studie wurde mit einer größeren Anzahl an Versuchstieren und bei mehr Expositionsstufen als in der Pilotstudie untersucht, ob HF - EMF des Mobilfunkstandards UMTS (1,97 GHz ) Entwicklung und Wachstum von Tumoren fördern können. Die Ergebnisse der Pilotstudie konnten im Wesentlichen bestätigt und ausgeweitet werden [2] . Methoden Weibliche B6C3F1-Mäuse wurden lebenslang, beginnend in utero, mit HF - EMF des UMTS -Standards chronisch ganzkörper-exponiert ( SAR 0,04 W/kg , 0,4 W/kg oder 2 W/kg ) oder scheinexponiert. Die Muttertiere erhielten eine Injektion mit dem Tumorinitiator Ethylnitrosoharnstoff ( ENU ), der von den Föten aufgenommen wird. Zusätzlich wurde eine Käfigkontrolle mitgeführt, die weder exponiert, noch scheinexponiert oder mit ENU behandelt wurde. Im Vergleich der HF - EMF -exponierten Gruppen ( SAR 0,04, 0,4 oder 2 W/kg ) mit der scheinexponierten Kontrolle ( SAR 0 W/kg ) wurde geprüft, ob durch die Kombination ENU + HF - EMF am Ende des Untersuchungszeitraums mehr Tumoren auftreten, als mit ENU allein. Untersucht wurden die Organe Gehirn, Lunge, Leber, Niere, Milz und Lymphknoten. Ergebnisse Zwar unterscheiden sich die Ergebnisse beider Studien im Detail, die wesentlichen Ergebnisse der Pilotstudie wurden aber bestätigt. Wie in der Pilotstudie war die Häufigkeit des Auftretens von Tumoren in Gehirn, Nieren oder Milz in allen ENU -Gruppen generell niedrig (unter 10 % ) und wurde durch HF - EMF nicht weiter erhöht. Die mittlere Überlebensdauer lag in beiden Studien in allen ENU -Gruppen unterhalb derjenigen der Käfig-Kontrolle (ohne ENU ), wurde aber durch die zusätzliche UMTS - Exposition nicht weiter beeinflusst. Wie in der Pilotstudie verursachte ENU in Leber und Lunge der scheinexponierten Tiere Krebsraten von mehr als 10% (Käfigkontrolle unter 5 % ). Die Zahl der Leber-Karzinome und der Lungen-Adenome stieg in allen mit ENU und HF - EMF behandelten Gruppen gegenüber den scheinexponierten und nur mit ENU behandelten Tieren signifikant an. Anders als in der Pilotstudie , in der nur eine EMF -Expositionsstufe untersucht wurde, wurde zudem in einer der Untersuchungsgruppen ( ENU + HF - EMF 0,4 W/kg ) ein signifikanter Anstieg der Häufigkeit von Lymphomen beobachtet. In der höher exponierten Gruppe ( ENU + HF - EMF 2 W/kg ) stieg die Häufigkeit von Lymphomen nicht an. Die tumorfördernden Effekte waren bei einigen der untersuchten Leber- und Lungentumorarten bereits in der Gruppe mit dem niedrigsten SAR -Wert von 0,04 W/kg signifikant. Eine Dosis -Wirkungsbeziehung war nicht zu erkennen; in der Pilotstudie wurde dieser Aspekt nicht untersucht. Zusätzliche dosimetrische Untersuchungen Auch wenn die Ergebnisse keine Dosis -Wirkungsbeziehung erkennen ließen, wurde im Abschlussbericht des Vorhabens ein thermisch vermittelter Effekt als Ursache für die Beobachtungen erwogen. Es wurde die Hypothese formuliert, dass Tumoren die absorbierte und in Wärme umgewandelte elektromagnetische Energie nutzen könnten, um schneller zu wachsen. Um diese These zu prüfen, wurde die Dosimetrie der Studie verfeinert: Aus hochauflösenden Magnetresonanzaufnahmen wurden anatomisch korrekte CAD-Modelle von Mäusen unterschiedlicher Altersstufen entwickelt, die repräsentativ für den Entwicklungsstand der Tiere in den unterschiedlichen Projektphasen sind. Diese Modelle wurden eingesetzt, um mittels computergestützter Simulationsverfahren (FDTD-Verfahren) zunächst die SAR - und anschließend die daraus resultierenden Temperaturerhöhungen in den Mäusen auf Organebene zu bestimmen. Da in den ENU+ HF - EMF exponierten Gruppen das Tumorgeschehen nur in Lunge und Leber (und im Lymphsystem), nicht aber in Gehirn, Nieren oder Milz gegenüber den nur mit ENU behandelten Gruppen verstärkt war, könnten entsprechend differenzierte Temperaturerhöhungen in den jeweiligen Geweben die Hypothese der Forschungsnehmer stützen. Eine Unterscheidung von krankem und gesundem Gewebe, zum Beispiel auf Basis der Modellierung einzelner Tumoren, war nicht Bestandteil des Vorhabens. Der Bericht zu den zusätzlichen Untersuchungen ist im Digitalen Online Repositorium und Informations-System des BfS veröffentlicht. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Lunge von allen in den Körpermodellen unterschiedenen Geweben tatsächlich die höchste gemittelte Absorption ( SAR ) aufwies, dass aber der mittlere Temperaturanstieg in diesem Organ nur durchschnittlich war. Lebergewebe zeigte sich sowohl bezüglich der SAR als auch bezüglich des Temperaturanstiegs unauffällig im Vergleich mit anderen Geweben wie zum Beispiel Nieren und Gehirn, die beide nicht von einem veränderten Tumorgeschehen betroffen waren. Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Beobachtung, dass insbesondere in der Anfangsphase des Projekts, als die Tiere noch klein waren, die Exposition deutlich höher gewesen sein könnte als geplant. Grund dafür ist eine Feldüberhöhung am Käfigboden, die in der ursprünglichen Dosimetrie nicht berücksichtigt war. Die Bedeutung dieser Feststellung für das beobachtete Tumorgeschehen ist unklar. Es vermindert aber die Möglichkeiten, die Befunde auf im Alltag tatsächlich vorkommende Expositionsszenarien von Menschen zu übertragen (siehe auch Bedeutung für den Menschen ). Vom BfS geförderte Studie zu Wirkmechanismen Um die Wirkmechanismen, die zu den vorliegenden Ergebnissen führen, abzuklären, förderte das BfS von Anfang 2016 bis 2017 an der Jacobs Universität Bremen die Studie "Synergistische Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder in Kombination mit kanzerogenen Substanzen - Kokanzerogenität oder Tumorpromotion?" Es wurde untersucht, ob durch HF - EMF die Aufnahme und/oder die DNA -schädigende Wirkung von ENU bereits im Anfangsstadium des Versuchs verstärkt wird (Kokarzinogenität) oder ob ENU unabhängig von HF - EMF zunächst gleich viele Tumoren verursacht, die dann später durch HF - EMF in ihrem Wachstum und ihrer Ausbreitung gefördert werden (Tumorpromotion). Die Studie wurde 2017 abgeschlossen [3] , der Abschlussbericht ist im Online- Repositorium DORIS des BfS veröffentlicht. Methoden Es wurde zunächst identisch wie in der vorherigen experimenteller Tierstudie vorgegangen: trächtige Mäuse wurden mit HF - EMF nach dem UMTS -Standard exponiert bzw. scheinexponiert ( SAR 0, 0,04 oder 0,4 W/kg ) und erhielten eine Spritze mit ENU . Um die frühen Effekte der Kombination aus ENU und HF - EMF zu untersuchen, die auf einen kokarzinogenen Effekt hindeuten würden ( s.o. ) wurde jeweils 24, 36 und 72 Stunden nach der Verabreichung von ENU ein Teil der Tiere eingeschläfert. Die Föten wurden entnommen und das Ausmaß der DNA -Schädigung in Gehirn, Lunge und Leber durch immunhistochemische Fluoreszenzfärbung untersucht. Ergebnisse Die wenigsten DNA -Schäden waren in den Gehirnen festzustellen, die meisten in der Leber. Die statistische Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Expositionsgruppen einschließlich der scheinexponierten Gruppe. HF - EMF fördern also die DNA -Schädigung durch ENU nicht, es handelt sich nicht um einen kokanzerogenen Effekt. Das bedeutet, dass die im Tiermodell Maus beobachteten erhöhten Krebsraten in Leber und Lunge auf einem später auftretenden tumorfördernden Effekt (Tumorpromotion) beruhen. Diskussion Welcher Wirkmechanismus dem beschriebenen tumorwachstumsfördernden Effekt zugrunde liegt, ist unklar. Es gibt Hinweise, dass sich die dielektrischen Gewebeeigenschaften von Lebertumoren und gesundem Gewebe der Leber beim Menschen unterscheiden [4] und dass HF - EMF in Tumoren stärker absorbiert werden. Das Gewebe der Leber ist bei allen Säugetieren ähnlich, deswegen gilt dieser Befund vermutlich auch für Mäuse. Die zusätzlich aufgenommene Energie könnte vom Tumorgewebe für ein schnelleres Wachstum genutzt werden. Der Anstieg der Tumorraten in einzelnen Organen korrelierte kaum mit den organspezifischen SAR -Werten und dem Temperaturanstieg. Unterschiede in der Exposition sind also vermutlich nicht für die Organspezifität des tumorfördernden Effekts verantwortlich. Auffällig ist, dass der Anstieg der Tumorraten nach einer HF - EMF Exposition in den Organen auftrat, in denen ENU eine hohe Anzahl von DNA -Schäden verursacht hat und in denen infolgedessen die Tumorraten bereits ohne eine HF - EMF Exposition relativ hoch waren. Möglicherweise ist der tumorfördernde Effekt der Exposition nicht organspezifisch, macht sich aber erst bemerkbar, wenn bereits viele Tumore durch ENU hervorgerufen wurden. Die Organspezifität der Wirkung von ENU hängt davon ab, wann und wie ENU verabreicht wird und welche Tierart oder -stamm benutzt wurde. Es ist ebenfalls möglich, dass der Metabolismus der Mäuse auf der Ebene des gesamten Organismus durch die Exposition mit elektromagnetischen Feldern beeinflusst wird. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Absorption der Energie der elektromagnetischen Felder zu einer Zunahme des Körpergewichts [5] oder zu einer Abnahme der Futteraufnahme und der metabolische Umsatzrate von Nagetieren [ 6 , 7 ] führen kann. Diese Beobachtungen wurden bei Ganzkörper-Expositionen von 0,4 – 4 W/kg gemacht. Wenn der Metabolismus der Mäuse auf der Ebene des gesamten Organismus durch die Exposition mit elektromagnetischen Feldern beeinflusst würde und dies einen Einfluss auf das Tumorgeschehen hätte, würde dies zu der geringen Korrelation des Tumorgeschehens mit den organspezifischen SAR - und Temperaturwerten passen. Bedeutung für den Menschen Die Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen ist grundsätzlich nur beschränkt möglich. In dem hier vorliegenden Fall liegt die Schwierigkeit insbesondere darin, dass die Ursache der Befunde möglicherweise im Bereich des Energiemetabolismus und der damit zusammenhängenden Thermoregulation liegt. Dies sind physiologische Vorgänge, die stark von der Körpergröße abhängen und sich zwischen Nagetieren und Menschen wesentlich unterscheiden. Die metabolische Umsatzrate des Menschen ist geringer, die Thermoregulation aber wesentlich leistungsfähiger als bei Nagetieren. Außerdem werden bei kleinen Tieren wie Mäusen die inneren Organe ( bspw. Leber und Lunge) stärker von den Feldern erreicht als beim Menschen. Grund hierfür ist, dass die Exposition des Menschen mit Mobilfunksignalen im UMTS -Bereich völlig andere körperinterne Feldverteilungen zur Folge hat. Deswegen kann die Frage nach der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen für keine der Studien beantwortet werden. Bereits die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Tiermodelle ist schwierig. Bei Ratten z.B. ist es möglich, mit ENU Hirntumoren hervorzurufen, zu einer Tumorpromotion durch HF - EMF , in diesem Fall nach dem GSM -Standard, kommt es aber nicht [8] . Ob das an der Tierart, der HF - EMF Frequenz , oder anderen methodischen Unterschieden liegt, ist unklar. Bei einem anderen Mausstamm (AKR-Maus), der genetisch bedingt vermehrt Lymphome ausbildet, hatten HF - EMF des GSM - bzw. des UMTS -Standards keinen krebsfördernden Einfluss [ 5 , 9 ]. Für die am niedrigsten exponierte Gruppe (0,04 W/kg ) wurde in der vom BfS geförderten Wiederholungsstudie eine Exposition gewählt, die unterhalb des für den Menschen empfohlenen Höchstwerts für Ganzkörperexpositionen liegt (0,08 W/kg ). Im Alltag der allgemeinen Bevölkerung kommen aber bereits solche Ganzkörper-Expositionen nicht vor. Relevante Quellen sind Mobilfunkbasisstationen. Typischerweise werden die für solche Anlagen geltenden Grenzwerte bis zu 1 % , in einigen wenigen Szenarien bis zu 10 % ausgeschöpft. Bei lokalen Expositionen, die durch die Verwendung von Mobilfunkendgeräten ( z.B. Smartphones) entstehen, kann der maximal zulässige Wert von 2 W/kg zu einem höheren Prozentsatz ausgeschöpft werden. Dabei handelt es sich aber um kurzfristige Expositionen, bei denen ein möglicher geringfügiger lokaler Temperaturanstieg schnell ausgeglichen wird. Mit der hier vorliegenden dauerhaften Exposition der Mäuse ist die Exposition des Menschen während eines Handy-Telefonats nicht vergleichbar. Zur Ableitung von Grenzwerten können die Ergebnisse nicht herangezogen werden. Sie stützen aber die Empfehlungen des BfS zur Minimierung der Exposition gegenüber HF - EMF . Fazit In der Gesamtschau der vorliegenden Studienergebnisse geht das BfS nicht von einer tumorwachstumsfördernden Wirkung durch hochfrequente elektromagnetischer Felder beim Menschen aus. Um zu prüfen, ob es sich bei den Beobachtungen in dem einen Mausstamm um einen Tiermodell-spezifischen Effekt handelt, der nur unter speziellen Versuchsbedingungen zum Tragen kommt, oder ob ein bisher unbekannter und möglicherweise allgemein relevanter Wirkmechanismus zugrunde liegen könnte, vergibt das BfS weitere Forschung. Literatur [1] Tillmann T, Ernst H, Streckert J, Zhou Y, Taugner F, Hansen V, Dasenbrock C (2010). Indication of cocarcinogenic potential of chronic UMTS -modulated radiofrequency exposure in an ethylnitrosourea mouse model. Int J Radiat Biol 86(7): 529-541. [2] Lerchl A, Klose M, Grote K, Wilhelm AF, Spathmann O, Fiedler T, Streckert J, Hansen V, Clemens M (2015). Tumor promotion by exposure to radiofrequency electromagnetic fields below exposure limits for humans. Biochem Biophys Res Commun 459(4): 585-590. [3] Lerchl A, Klose M, Drees K. "No increased DNA damage observed in the brain, liver, and lung of fetal mice treated with ethylnitrosourea and Exposed to UMTS radiofrequency electromagnetic fields." Bioelectromagnetics 41.8 (2020): 611-616. [4] Peyman A, Kos B, Djoki M, Trotovšek B, Limbaeck-Stokin C, Serša G, Miklavčič D (2015). Variation in dielectric properties due to pathological changes in human liver. Bioelectromagnetics 36(8): 603 - 612. [5] Sommer AM, Streckert J, Bitz AK, Hansen VW, Lerchl A (2004). No effects of GSM -modulated 900 MHz electromagnetic fields on survival rate and spontaneous development of lymphoma in female AKR/J mice. BMC Cancer 4(1): 77. [6] Gordon, C.J., Reduction in metabolic heat production during exposure to radio-frequency radiation in the rat. J Appl Physiol (1985), 1987. 62(5): p. 1814-8. [7] Taberski K, Klose M, Grote K, El Ouardi A, Streckert J, Hansen VW, Lerchl A (2014). Noninvasive assessment of metabolic effects of exposure to 900 MHz electromagnetic fields on Djungarian Hamsters (Phodopus sungorus). Radiat Res 181(6): 617-622. [8] Adey WR, Byus CV, Cain CD, Higgins RJ, Jones RA, Kean CJ, Kuster N, MacMurray A, Stagg RB, Zimmerman G (2000). Spontaneous and nitrosourea-induced primary tumors of the central nervous system in Fischer 344 rats exposed to frequency-modulated microwave fields. Cancer Res 60(7): 1857-1863. [9] Sommer AM, Bitz AK, Streckert J, Hansen VW, & Lerchl A (2007). Lymphoma development in mice chronically exposed to UMTS -modulated radiofrequency electromagnetic fields. Radiation research, 168(1), 72-80. Stand: 07.05.2024

Genome-wide DNA methylation sequencing identifies epigenetic perturbations in the upper airways under long-term exposure to moderate levels of ambient air pollution

While the link between exposure to high levels of ambient particulate matter (PM) and increased incidences of respiratory and cardiovascular diseases is widely recognized, recent epidemiological studies have shown that low PM concentrations are equally associated with adverse health effects. As DNA methylation is one of the main mechanisms by which cells regulate and stabilize gene expression, changes in the methylome could constitute early indicators of dysregulated signaling pathways. So far, little is known about PM-associated DNA methylation changes in the upper airways, the first point of contact between airborne pollutants and the human body. Here, we focused on cells of the upper respiratory tract and assessed their genome-wide DNA methylation pattern to explore exposure-associated early regulatory changes. Using a mobile epidemiological laboratory, nasal lavage samples were collected from a cohort of 60 adults that lived in districts with records of low (Simmerath) or moderate (Stuttgart) PM10 levels in Germany. PM10 concentrations were verified by particle measurements on the days of the sample collection and genome-wide DNA methylation was determined by enzymatic methyl sequencing at single-base resolution. We identified 231 differentially methylated regions (DMRs) between moderately and lowly PM10 exposed individuals. A high proportion of DMRs overlapped with regulatory elements, and DMR target genes were involved in pathways regulating cellular redox homeostasis and immune response. In addition, we found distinct changes in DNA methylation of the HOXA gene cluster whose methylation levels have previously been linked to air pollution exposure but also to carcinogenesis in several instances. The findings of this study suggest that regulatory changes in upper airway cells occur at PM10 levels below current European thresholds, some of which may be involved in the development of air pollution-related diseases. Quelle: Elsevier

Fachliche Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz zu den Ergebnissen und Schlussfolgerungen der INTERPHONE -Studie

Fachliche Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz zu den Ergebnissen und Schlussfolgerungen der INTERPHONE -Studie Die INTERPHONE -Studie ist eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie , die in 13 Ländern durchgeführt wurde. Die Studie untersuchte mögliche Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von vier verschiedenen Tumorarten im Kopfbereich und der Nutzung von Mobiltelefonen. Insgesamt wurde kein signifikant erhöhtes Risiko für Gliome, Meningeome oder Akustikusneurinome beobachtet, das auf die Nutzung von Mobiltelefonen zurückgeführt werden kann. Es zeigten sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome bei der Personengruppe mit der längsten Gesamtgesprächsdauer. Eine kausale Interpretation dieses Zusammenhangs ist wegen einer möglichen Verzerrung der Ergebnisse jedoch nicht möglich. Eine Aussage über das Risiko der Mobiltelefonnutzung bei Kindern und Jugendlichen lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Die schnelle Zunahme der Mobilfunknutzung führte in der Bevölkerung zu wachsender Besorgnis hinsichtlich möglicher Gesundheitsgefahren, die von den dabei entstehenden hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgehen könnten. Daher initiierte die International Agency for Research on Cancer ( IARC ) im Jahr 2000 die internationale INTERPHONE -Studie. Diese Studie untersucht, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen das Tumorrisiko erhöht. Da die Absorption der hochfrequenten Felder beim Telefonieren mit Mobiltelefonen größtenteils im Kopf erfolgt, wurden insbesondere folgende Tumoren betrachtet: Hirntumoren (Gliome und Meningeome), Tumoren des Hörnervs (Akustikusneurinome) und Tumoren der Ohrspeicheldrüse. Die INTERPHONE-Studie Die INTERPHONE-Studie umfasst epidemiologische Daten und detaillierte Informationen zum Gebrauch von Mobiltelefonen aus 13 Ländern (Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, Japan, Neuseeland, Norwegen, Schweden und Großbritannien). Ziel der Studie war es, zu ermitteln, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko für die Entstehung folgender Tumorarten erhöht: Gliome, der häufigste und aggressivste Typ von Hirntumoren, der vom Stützgewebe des Zentralnervensystems ausgeht, Meningeome, der zweithäufigste Typ von Hirntumoren, der von der Hirnhaut ausgeht, Akustikusneurinome, das sind Tumoren des Hörnervs, und Tumoren der Ohrspeicheldrüse. Es wurden Patienten eingeschlossen, bei denen zwischen 2000 und 2004 ein solcher Tumor diagnostiziert wurde. Die Dauer der Untersuchungszeiträume in den verschiedenen Ländern variierte zwischen zwei und vier Jahren. Auf eine Auswertung der Daten zu Tumoren der Ohrspeicheldrüse wurde verzichtet, da die zusammengefasste Fallzahl der teilnehmenden Länder zu gering war. Die Ergebnisse wurden in internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert ( The INTERPHONE Study Group 2010 ; The INTERPHONE Study Group 2011 ; Swerdlow et al. 2011 ; Grell et al. 2016 ; Turner et al. 2016 ). Sie werden hier vorgestellt und bewertet. Der deutsche Beitrag zu der Studie wurde im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms ( DMF ) durchgeführt. Einzelheiten dazu finden sich auf der Internetseite des DMF . Methoden Bei der INTERPHONE -Studie handelt es sich um eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie . In einem standardisierten Interview wurden 2.708 Patienten mit Gliomen, 2.409 Patienten mit Meningeomen, 1.105 Patienten mit Akustikusneurinomen sowie die mit ihnen gematchten Vergleichspersonen ( Kontrollen ) persönlich befragt. Die Studie wurde nach einem gemeinsamen Protokoll von 14 Studienzentren in 13 Ländern durchgeführt: ein Zentrum pro Land, mit Ausnahme Großbritanniens, das mit einem Studienzentrum im Süden und einem im Norden teilnahm. Nach einem örtlich angepassten Stichprobenplan wurden die nach Alter, Geschlecht und Gebiet gematchten Kontrollen aus der Bevölkerung ausgewählt. Für Hirntumoren wurden in Deutschland jedem Fall zwei Kontrollen zugeordnet, in den anderen Ländern jeweils eine Kontrolle. Für Fälle von Akustikusneurinomen wurden in allen Ländern jeweils zwei Kontrollen pro Fall rekrutiert. Die Auswertung erfolgte mittels bedingter logistischer Regression. Als Risikomaß wurde das Odds Ratio ( OR ) berechnet. Das OR gibt an, um welchen Faktor sich das Erkrankungsrisiko von Exponierten im Vergleich zu Nicht-Exponierten unterscheidet. Die Expositionsvariablen waren unter anderem: jemals regelmäßiger Mobiltelefonnutzer gewesen zu sein (durchschnittlich mindestens ein Telefonat pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten) Zeit seit der ersten regelmäßigen Nutzung (in Jahren) kumulierte Anzahl an Telefonaten (in Dezilen) kumulierte Dauer der Telefonate (in Dezilen) Als Referenzkategorie (Nicht-Exponierte) diente die Gruppe der Studienteilnehmer, die angegeben hatten, nie regelmäßig ein Mobiltelefon benutzt zu haben. Es wurden verschiedene Analysen durchgeführt, die die Lage des Tumors berücksichtigten. Unter anderem wurde die Tumorlokalisation in Bezug auf die anatomischen Hirnregionen (bei Gliomen und Meningeomen) sowie auf die beim Telefonieren bevorzugte Kopfseite erfasst. Zusätzlich zur Hauptanalyse wurden umfangreiche Nebenanalysen durchgeführt. Dabei wurde untersucht, ob verschiedene Studiencharakteristika (zum Beispiel Studienzentrum, Methode zur Berechnung der Gesprächsdauer oder Art der Analyse) zu Verzerrungen bei den Ergebnissen führten. Ergebnisse Allgemein Im Gegensatz zu Personen, die angaben, nie regelmäßig ein Mobiltelefon benutzt zu haben, wurde bei Personen, die angaben, regelmäßige Nutzer zu sein, sowohl für Gliome als auch für Meningeome ein signifikant niedrigeres Risiko beobachtet (Gliome: OR = 0,81; 95 Prozent Konfidenzintervall (95- % -KI) = 0,70–0,94; Meningeome: OR = 0,79; 95- % -KI = 0,68–0,91). Bei der Analyse der Akustikusneurinome wurden 2 Untergruppen gebildet, in denen diese Tendenz auch beobachtet werden konnte: Teilnehmer, die angaben, ihr Mobiltelefon seit mindestens einem Jahr regelmäßig zu nutzen ( OR =0,85; 95- % -KI = 0,69–1,04) und Teilnehmer, die angaben, ihr Mobiltelefon seit mindestens fünf Jahren regelmäßig zu nutzen ( OR =0,95; 95- % -KI = 0,77–1,17). Die Schlussfolgerung der Autoren war, dass ein protektiver Effekt der Handynutzung eher nicht plausibel sei und dass die Ergebnisse eine Auswahlverzerrung oder methodische Probleme widerspiegeln. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Zeit seit Beginn einer regelmäßigen Nutzung von Mobiltelefonen und einem erhöhten Tumorrisiko. Auch zehn Jahre nach der ersten Mobiltelefonnutzung war das OR für keine der drei Tumorarten signifikant erhöht (Gliome: OR = 0,98; 95- % -KI = 0,76–1,26; Meningeome: OR = 0,83; 95- % -KI = 0,61–1,14; Akustikusneurinome: OR = 0,76; 95- % -KI = 0,52–1,11 bei mindestens 1-jähriger regelmäßigen Nutzung; OR = 0,83; 95- % -KI = 0,58–1,19 bei mindestens 5-jähriger regelmäßiger Nutzung). Gesamtanzahl der Telefonate Bezüglich der Gesamtanzahl an Telefonaten pro Person konnte kein Dosis-Wirkungs-Trend hinsichtlich eines erhöhten Risikos für alle drei Arten von Tumoren beobachtet werden. Auch in der Personengruppe mit der höchsten Anzahl an Telefonaten (mehr als 27.000 Telefonate), waren die Risikoschätzer im Vergleich mit nicht-exponierten Personen nicht signifikant erhöht (Gliome: OR = 0,80; 95- % -KI = 0,55–1,17; Meningeome: OR = 0,96; 95- % -KI = 0,71–1,31; Akustikusneurinome: OR = 0,39; 95- % -KI = 0,61–1,41 bei mindestens 1-jähriger regelmäßiger Nutzung; OR = 1,55; 95- % -KI = 0,84–2,86 bei mindestens 5-jähriger regelmäßiger Nutzung). Gesamtgesprächsdauer der Telefonate Betrachtet man die kumulierte Gesprächsdauer der Telefonate, so konnte in der Personengruppe mit der längsten Gesamtgesprächsdauer (mindestens 1.640 Stunden) ein signifikant erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome beobachtet werden (Gliome: OR = 1,40, 95- % -KI = 1,03–1,89; Akustikusneurinome: OR = 2,79; 95- % -KI = 1,51–5,16 bei mindestens 5-jähriger regelmäßiger Nutzung). Werden diese Risikoschätzer genauer untersucht, beobachtet man, dass der Effekt bei Gliomen hauptsächlich durch die Kurzzeitnutzer (Beginn der regelmäßigen Nutzung ein bis vier Jahre vor dem Diagnosedatum) und bei Akustikusneurinomen durch die Langzeitnutzer (Beginn der Nutzung zehn Jahre vor dem Diagnosedatum) bestimmt wird (Gliome: OR = 3,77; 95- % -KI = 1,25–11,4; Akustikusneurinome: OR = 1,93; 95- % -KI = 1,10–3,38). In der Gruppe von Personen mit der längsten Gesamtgesprächsdauer gaben 60 Personen an, mehr als fünf Stunden pro Tag mobil telefoniert zu haben. Diese Angabe erscheint wenig plausibel. Schließt man diese Teilnehmer aus der Auswertung aus, so verringern sich die Risikoschätzer und sind nicht mehr signifikant. Lediglich bei Teilnehmern, die angaben, ihr Mobiltelefon seit mindestens 5 Jahren zu nutzen, blieb der Schätzer für Akustikusneurinome signifikant erhöht ( OR = 2,86; 95- % -KI = 1,39-5,92). Tumorlokalisation Tendenziell waren die Risikoschätzer ( OR ) für Gliome im Schläfenlappen höher als in anderen Bereichen des Gehirns. Die Konfidenzintervalle dieser Schätzer waren jedoch sehr groß. Bei Personen, die angaben, das Mobiltelefon an der Kopfseite der Tumorlokalisation benutzt zu haben, waren die ORs für Gliome und Akustikusneurinome erhöht, allerdings nur bei der Gruppe mit der längsten Gesamtgesprächsdauer (Gliome: OR = 1,96; 95- % -KI = 1,22–3,16; Akustikusneurinome: OR = 2,33; 95- % -KI = 1,23–4,40 bei mindestens 1-jähriger regelmäßigen Nutzung; OR = 3,53; 95- % -KI = 1,59–7,82 bei mindestens 5-jähriger regelmäßiger Nutzung). Eine weitere Analyse von 792 regelmäßigen Nutzern mit Gliom-Diagnose zeigte einen positiven Zusammenhang zwischen Tumorlokalisation und der bevorzugten Kopfseite. Der Zusammenhang war aber von der Gesamtanzahl und Gesprächsdauer der Telefonate unabhängig und wurde auch in der Gruppe der Nutzer beobachtet, die relativ wenig mit dem Handy telefoniert haben (weniger als 200 Stunden insgesamt). Außerdem war der Abstand zwischen dem Tumor und dem nächstgelegenen Ohr bei regelmäßigen Nutzern und Nicht-Nutzern ähnlich. Da die Fälle oft wussten, wo sich der Tumor befand, ist es möglich, dass sie nachträglich die Häufigkeit der Handynutzung auf der Tumorseite überschätzten (Recall Bias ). Untersuchung möglicher Ursachen für die Verzerrung der Ergebnisse Die Kontrollen wurden in der INTERPHONE-Studie zu einem späteren Zeitpunkt als die Fälle untersucht. Mit der schnellen Verbreitung der Mobiltelefone könnte dieser Zeitunterschied eine höhere Nutzung in der Kontrollgruppe im Vergleich zu der Gruppe der Fälle zur Folge haben. Der Einfluss dieser möglichen Verzerrung wurde mit Datenbanken aus teilnehmenden Ländern untersucht. Fälle und Kontrolle wurden neu zugeordnet, sodass die jeweiligen Untersuchungszeitpunkte zeitlich nah zusammen lagen. Die Ergebnisse waren der Hauptanalyse sehr ähnlich, jedoch waren die protektiven Effekte weniger stark ausgeprägt und die geschätzten Odds Ratios bei Langzeitnutzern und bei Nutzern in der Personengruppe mit höchster Gesamtanzahl und -gesprächsdauer der Telefonate waren höher. Fazit Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um die größte bisher durchgeführte Studie zum Risiko von Hirntumoren im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen. Sie umfasst eine erhebliche Anzahl an Teilnehmern, die seit mindestens zehn Jahren ein Mobiltelefon genutzt haben. Insgesamt wurde kein signifikant erhöhtes Risiko für Gliome, Meningeome oder Akustikusneurinome beobachtet, das auf die Nutzung von Mobiltelefonen zurückgeführt werden kann. Es zeigten sich Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome bei der Personengruppe mit der längsten Gesamtgesprächsdauer. Aufgrund von möglichen Verzerrungen und Fehlern ist eine kausale Interpretation dieses Zusammenhangs jedoch nicht möglich. Die Studienteilnehmer der INTERPHONE -Studie waren zwischen 30 und 59 Jahre alt, so dass sich aus der Studie keine Aussage über das Risiko der Mobiltelefonnutzung bei Kindern und Jugendlichen ableiten lässt. Die Nutzung von Mobiltelefonen hat stark zugenommen. Nach heutigen Maßstäben waren die Mehrheit der Studienteilnehmer keine intensiven Mobiltelefonnutzer. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist die Benutzung eines Mobiltelefons für eine Stunde am Tag oder mehr nicht ungewöhnlich. Es ist daher dringend notwendig, die möglichen Auswirkungen von langjährigem intensivem Gebrauch genauer zu untersuchen. Insbesondere bei Personen, die bereits in jungem Alter angefangen haben, häufig Mobiltelefone zu benutzen, besteht weiterhin Forschungsbedarf. Literatur INTERPHONE Study Group. Brain tumour risk in relation to mobile telephone use: results of the INTERPHONE international case-control study. Int J Epidemiol 2010 Jun; 39(3):675-94. INTERPHONE Study Group. Acoustic neuroma risk in relation to mobile telephone use: results of the INTERPHONE international case-control study. Cancer Epidemiol 2011 Oct; 35(5):453-64. Swerdlow AJ, Feychting M, Green AC, Leeka Kheifets LK, Savitz DA, and International Commission for Non-Ionizing Radiation Protection Standing Committee on Epidemiology. Mobile phones, brain tumors, and the interphone study: where are we now? Environmental health perspectives. 2011;119(11):1534-8. Turner MC, Sadetzki S, Langer CE, Villegas PR, Figuerola J, Armstrong BK, et al. Investigation of bias related to differences between case and control interview dates in five INTERPHONE countries. Annals of epidemiology. 2016;26(12):827-32.e2. Grell K, Frederiksen K, Schuz J, Cardis E, Armstrong B, Siemiatycki J, et al. The Intracranial Distribution of Gliomas in Relation to Exposure From Mobile Phones: Analyses From the INTERPHONE Study. American journal of epidemiology. 2016;184(11):818-28. Stand: 07.12.2022

SEAWave – EU -Projekt zur Erforschung von Hochfrequenzfeldern und Millimeterwellen

SEAWave – EU -Projekt zur Erforschung von Hochfrequenzfeldern und Millimeterwellen SEAWave ( Scientific-based Exposure risk Assessment of radiofrequency and mm-Wave systems from children to elderly (5G and Beyond ) dient einer wissenschaftlich fundierten Expositions- und Risikobewertung von Hochfrequenz - und Millimeterwellensystemen, die alle Altersgruppen umfasst und dabei 5G ebenso wie weitere Technologien einbezieht. Das BfS bringt als beratender Kooperationspartner die Expertise einer nationalen Strahlenschutzbehörde bei der Umsetzung von Forschungsvorhaben ein. Das Programm wird mit 30 Millionen Euro von der EU gefördert. Projektbeginn: Juni 2022 Projektende: Juni 2025 Beteiligung: 15 Konsortialpartner aus der Europäischen Union und der Schweiz Finanzierung: 7,3 Millionen Euro Förderung durch die EU Beratender Konsortialpartner: BfS Hintergrund Der Mobilfunkstandard 5G soll perspektivisch auch höhere Frequenzen nutzen, zum Beispiel im Bereich 24 Gigahertz ( GHz ) oder 40 GHz . Zwar erwartet das Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) auch in diesen Bereichen keine gesundheitlichen Auswirkungen bei Einhaltung der geltenden Grenzwerte. Da hier aber verhältnismäßig weniger Untersuchungsergebnisse vorliegen, sieht das Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) wie auch seine internationalen Partner noch Forschungsbedarf. Das EU -geförderte Forschungsprojekt SEAWave soll hier Forschungslücken schließen. SEAWave steht für "Scientific-Based Exposure and Risk Assessment of Radiofrequency and MM-Wave Systems from Children to Elderly (5G and Beyond)". Das Programm dient einer wissenschaftlich fundierten Expositions- und Risikobewertung von Hochfrequenzfeldern und Millimeterwellen , die alle Altersgruppen umfasst und dabei 5G ebenso wie weitere Technologien einbezieht. Zielsetzung Das Konsortium aus 15 Partnern aus der Europäischen Union und der Schweiz widmet sich in elf Arbeitspaketen fünf übergeordneten Zielen: Identifikation von Unterschieden in Expositionsmustern zwischen Mobilfunknetzen der alten (2G – 4G) und der neuen Mobilfunkgeneration (5G) Bereitstellung von Werkzeugen (Hard- und Softwaretools) zur zuverlässigen Expositionsbewertung Identifikation von Maßnahmen zur Expositionsminimierung Bereitstellung von wichtigen neuen wissenschaftlichen Daten zur Bewertung etwaiger Gesundheitsrisiken der neuen Frequenzbereiche (24 – 53 GHz ), insbesondere bezüglich bisher wissenschaftlich nicht ausgeschlossener Einflüsse auf Krebsentstehung und Krebsförderung sowie anderer Gefährdungen durch Exposition der Haut Bereitstellung von Mitteln zur effektiven Risikokommunikation für Stakeholder ( u.a. für Behörden wie das BfS ) Jedes Arbeitspaket wird von einem Konsortialpartner geleitet und von weiteren Partnern wie dem BfS unterstützt. Das BfS ist bei SEAWave beratender Konsortialpartner, um bei der Umsetzung von Forschungsvorhaben die Expertise einer nationalen Strahlenschutzbehörde einzubringen. Die Hauptaufgaben des BfS sind die Beratung bei der Ausgestaltung der einzelnen Forschungsvorhaben, die kritische Sichtung und konstruktive Begleitung von Berichten sowie das Beisteuern von Expositionsdaten. Das BfS leitet keines der Arbeitspakete und ist vorwiegend in beratender Funktion tätig. Konsortialpartner Es gibt 15 Konsortialpartner: Aristotle University of Thessaloniki (AUTH), Griechenland Italian National Agency for New Technologies, Energy and Sustainable Economic Development (ENEA), Italien Schmid & Partner Engineering AG (SPEAG), Schweiz Foundation for Research on Information Technologies in Society (IT’IS), Schweiz International Agency for Research on Cancer ( IARC ), Frankreich Internationale Hochschule (IU), Deutschland Institute of Non-Ionizing Radiation (INIS), Slowenien Greek Atomic Energy Commission (EEAE), Griechenland Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), Schweiz French Alternative Energies and Atomic Energy Commission (CEA), Frankreich Interuniversity Microelectronic Center (IMEC), Belgien Institute Mines-Telecom (TP-IPP), Frankreich Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ), Deutschland National Frequency Agency (ANFR), Frankreich Fraunhofer-Institut für Toxologie und Experimentelle Medizin ( ITEM ), Deutschland Finanzierung SEAWave wird mit 7,3 Millionen Euro von der EU gefördert. Stand: 04.10.2022

UBA aktuell - Nr.: 1/2020

Liebe Leserin, lieber Leser, das Umweltbundesamt ist gleich mit einer großen Neuerung ins Jahr 2020 gestartet: Professor Dr. Dirk Messner übernahm zum 1. Januar die Leitung des Amtes. Mehr dazu in unserer Rubrik „In eigener Sache“. Eine Neuerung ganz Deutschland betreffend war, auch zum 1. Januar, die Einführung der Kassenbonpflicht. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu diesem viel diskutierten Thema finden Sie ebenfalls in dieser Newsletterausgabe. In unserem Schwerpunktbeitrag widmen wir uns diesmal einer Gruppe chemischer Stoffe, die auch beim Thema Kassenbonpflicht eine große Rolle spielt: Bisphenole. Eine neue UBA-Studie zeigt, dass die Verbannung des bekanntesten Vertreters dieser Gruppe – Bisphenol A – noch kein Durchbruch für Mensch und Umwelt ist. Empfehlen möchten wir Ihnen auch unsere neue Publikation zum Thema „Fliegen“, den damit verbundenen Umweltproblemen und zur Frage, ob und wie sich diese lösen lassen. Interessante Lektüre wünscht Ihre Pressestelle des Umweltbundesamtes Bisphenol A-freie Produkte nicht zwangsläufig gut für Mensch und Umwelt In Kassenbons wurde Bisphenol A kürzlich durch Ersatzstoffe wie Bisphenol S ersetzt. Quelle: pure-life-pictures / Fotolia Die Industriechemikalie Bisphenol A wird zurecht aus immer mehr Verbraucherprodukten verbannt – etwa zu Jahresbeginn 2020 aus Thermopapier für Kassenbons. Denn sie wirkt wie ein Hormon und kann die Fortpflanzungsfähigkeit von Menschen sowie Tieren in der Umwelt beeinträchtigen und vielleicht sogar die Entstehung bestimmter Tumore fördern. Das Problem: Die Ersatzstoffe sind nicht unbedingt besser für Mensch und Umwelt. Wie eine aktuelle Studie des UBA zeigt, taugen 43 der 44 untersuchten Stoffe nicht als Ersatz – entweder weil sie ebenfalls wie ein Hormon wirken könnten oder weil diese Frage aufgrund mangelnder Daten nicht abschließend geklärt werden konnte. Lediglich bei einem Stoff, Pergafast 201, gab es aus den in der Studie durchgeführten Tests keinen Hinweis auf eine hormonähnliche Wirkung. Andere, aus Umweltsicht besorgniserregende Eigenschaften, wie ein langer Verbleib in der Umwelt oder die Anreicherung in Organismen, wurden nicht untersucht. Auf Grundlage der EU-Chemikalienverordnung REACH ist nun in Diskussion mit den anderen EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) zu entscheiden, für welche Stoffe der Gruppe der Bisphenole weitere Daten von den Herstellern gefordert werden, um den Anfangsverdacht auf eine hormonelle Wirkung abschließend klären zu können. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden EU-weit geeignete Maßnahmen eingeleitet, etwa eine Beschränkung der problematischen Stoffe für bestimmte Verwendungen, um Mensch und Umwelt zu schützen. Für Kassenbons gilt vorerst weiter: Entsorgt gehören sie in den Restmüll. Denn über das Altpapierrecycling könnten sonst die unerwünschten Stoffe zu uns zurück gelangen, zum Beispiel über Toilettenpapier. Es gibt mittlerweile zwar schon komplett bisphenolfreie Kassenzettel, allerdings ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der fehlenden Kennzeichnung nicht möglich, diese von bisphenolhaltigen Bons zu unterscheiden. Neuer UBA-Präsident Prof. Dr. Dirk Messner „Wissenschaft hat die Aufgabe zu drängeln“ und „Wir stehen plötzlich ganz oben auf der politischen Agenda“ – die ersten Interviews mit dem neuen UBA-Präsidenten. Geschirrspültabs im Test Die Stiftung Warentest stellt bei den Geschirrspültabs deutliche Qualitätsunterschiede fest. Bei der Umweltfreundlichkeit geht es beispielsweise um den Stoff "Benzotriazol". UBA-Experte Marcus Gast dazu im WDR-Fernsehen. UBA-Zahl des Monats 01/2020 Quelle: UBA Jährlich werden in Deutschland rund 4.200 Tonnen Feinstaub (PM10) durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht in etwa 25 Prozent der jährlich durch Holzfeuerungen und ca. zwei Prozent der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland.

NTP-Mobilfunkstudie: Thermischer Stress Ursache für Tumoren?

NTP-Mobilfunkstudie: Thermischer Stress Ursache für Tumoren? BfS -Analysen der NTP -Daten zeigen starke Schwankungen der Körpertemperatur bei männlichen Ratten Thermischer Stress könnte sich nachteilig auf die Gesundheit von Labornagetieren auswirken. Neue Analysen des Bundesamts für Strahlenschutz ( BfS ) stützen die Einschätzung, dass die US -amerikanische NTP -Studie keinen Beleg für eine krebserzeugende Wirkung des Mobilfunks liefert, sofern die Grenzwerte eingehalten werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Behörde sehen Anhaltspunkte dafür, dass andauernde starke Körpertemperaturschwankungen für die erhöhten Tumorraten am Herzen männlicher Ratten verantwortlich sein könnten. Detaillierte BfS-Analyse Dies ergibt sich aus einer detaillierten Analyse von veröffentlichten Temperaturdaten einer Pilotstudie , die vor dem eigentlichen NTP -Hauptexperiment durchgeführt wurde. Die Analyse wurde als "Letter to the Editor" in der Fachzeitschrift "Bioelectromagnetics" veröffentlicht und durchlief dabei ein ausführliches Peer-Review-Verfahren. NTP-Studie In ihrem Ende 2018 veröffentlichten Abschlussbericht kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des National Toxicology Program (NTP) zu dem Schluss, dass es bei männlichen Ratten unter hohen Ganzkörperexpositionen klare Belege für einen Zusammenhang zwischen intensiver Mobilfunkstrahlung und der Entstehung von Tumoren am Herzen gebe. Bei weiblichen Ratten sowie bei Mäusen beider Geschlechter zeigten sich hingegen keine starken Veränderungen in den Tumorraten. Schwankungen der Körpertemperatur führen zu Beanspruchung der Thermoregulation Schon früh hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BfS vermutet, dass thermischer Stress der Grund für die auffälligen Ergebnisse der NTP -Studie gewesen sein könnte. Thermischer Stress Wenn die Energie hochfrequenter elektromagnetischer Felder vom Körpergewebe aufgenommen wird, erfolgt unmittelbar eine Umwandlung in Wärmeenergie . Dabei ist die Menge der in einem bestimmten Zeitraum vom Körper aufgenommenen Energie ausschlaggebend dafür, ob der Organismus in der Lage ist, die zusätzlich erzeugte Wärme zu kompensieren, oder ob die Körpertemperatur ansteigt, weil die Temperaturregulationsmechanismen überlastet sind. Dann spricht man von thermischem Stress. Eigene Analysen anhand der öffentlich verfügbaren Daten der NTP -Studie bekräftigen nun diese These: Aus Sicht des BfS liefert die Studie Hinweise darauf, dass sich eine chronisch überbeanspruchte Thermoregulation nachteilig auf die Gesundheit von Labornagern auswirken könnte. Schwankungen der Körpertemperatur vom Körpergewicht der Tiere abhängig Demnach hat der spezielle zeitliche Ablauf der Exposition in der NTP -Studie zu Schwankungen der Körpertemperatur der Tiere geführt. So zeigten sich bei den exponierten Tieren zweimal täglich abwechselnde Phasen von überdurchschnittlichen und unterdurchschnittlichen Körpertemperaturen. Die Temperaturschwankungen sind dabei stark vom Körpergewicht der Tiere abhängig und bei erwachsenen männlichen Ratten besonders ausgeprägt. Leichtere weibliche Ratten oder Mäuse waren hingegen deutlich geringeren Körpertemperaturschwankungen ausgesetzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BfS folgern daraus, dass diese Schwankungen zu einer dauerhaften Beanspruchung der Wärmeregulation geführt haben müssen. Das Herz als ein bei der Thermoregulation beteiligtes Organ scheint dabei besonders beansprucht worden zu sein. Dies liefert eine mögliche Erklärung dafür, weshalb insbesondere das Herz der schweren männlichen Ratten durch hohe Tumorraten auffällig wurde. Bei Einhaltung der Grenzwerte sind die in der NTP -Studie beobachteten Effekte nicht zu erwarten In der NTP -Hauptstudie fanden keine Kontrollmessungen der Körpertemperatur statt. Da die Tiere in der Hauptstudie aber höhere Körpergewichte erreichten als die Tiere der Pilotstudie , ist davon auszugehen, dass die Temperaturschwankungen die publizierten Werte noch weiter überstiegen. Hohe Ganzkörperexpositionen und thermische Effekte lassen sich nicht auf heutige Mobilfunknutzung übertragen Die BfS -Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich die hohen Ganzkörperexpositionen und die damit verbundenen thermischen Effekte nicht auf die heutige Mobilfunknutzung übertragen lassen. Da Menschen durch Mobilfunk am gesamten Körper deutlich niedriger exponiert sind als dies bei den Versuchstieren der Fall war, können dadurch keine relevanten Körpertemperaturschwankungen ausgelöst werden. Die gültigen Grenzwerte für ortsfeste Mobilfunksendeanlagen haben einen großen Abstand zu den Werten, bei denen es zu messbaren Temperaturerhöhungen im Menschen kommt. Stand: 24.09.2020

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