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Mischwaldprogramm

Eine Jahrhundertaufgabe für das grüne Berlin ist unter besonderer Berücksichtigung der Klimaprognosen die Bewältigung der historisch-ökologischen Erblast der Kiefernära und die Wiederherstellung der Zukunftsfähigkeit der Berliner Wälder in den kommenden Jahrzehnten. Ziel ist die Umgestaltung der naturfernen, instabilen einschichtigen Kiefernbestände zu stabilen Laubmischwäldern mit deutlich verbesserter Grundwasserspende unter konsequenter Weiterentwicklung der naturnahen Waldbewirtschaftung. Fast ein Fünftel Berlins ist bewaldet. Die Berliner Wälder innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen werden seit Anfang der 1990er Jahre naturgemäß bewirtschaftet und sind seit 2002 nach FSC® (Forest Stewardship Council®) und Naturland zertifiziert. Die Verjüngungs- und Waldumbauaktivitäten und somit die Entwicklung von naturnahen Mischwäldern stellt vor dem Hintergrund der Klimaprognosen eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge Berlins dar. Die Berliner Forsten haben daher bereits vor drei Jahrzehnten mit dem Umbau der einschichtigen Kiefernbestände zu artenreichen und vielschichtigen Mischwäldern begonnen. Dieser Umbau folgt dem Prinzip der natürlichen Verjüngung. Er setzt hauptsächlich auf die Selbstaussaat der Laubbäume mit unterstützender Pflege der heranwachsenden Bestandesschicht. Wo dies aufgrund fehlender Mutterbäume nicht möglich ist, erfolgte die Einbringung der Jungbäume durch Pflanzung oder Saat. Besondere Priorität haben die alten Kiefernbestände. Sie werden durch die Auswirkungen der Klimakrise – Trockenheit, Sturm und in der Folge Insekten und Pilze wie den Kiefernbaumschwamm zunehmend destabilisiert. Als Investition in die Zukunft für die nachfolgenden Generationen wurde im Jahr 2012 wurde ein Waldumbaubedarf auf ungefähr der Hälfte der Berliner Waldfläche (ca. 15.000 ha) identifiziert. Bei einem Zeithorizont von 50 Jahren ergab sich daraus ein jährlicher Waldumbaubedarf von ca. 300 ha (zum Vergleich: Die Flächengröße des Tempelhofer Feldes beträgt 386 ha). Ein Effekt des Waldumbaus ist ein verbesserter Wasserhaushalt. Laut der Studie „Die Berliner Wälder und ihre Bedeutung für die Ressource Wasser“ (2017) kann unter Laubbäumen mehr Niederschlag den Waldboden erreichen und somit als Grundwasserspende versickern als unter Nadelbäumen – vor allem außerhalb der Vegetationszeit. Der naturgemäße Waldumbau der Berliner Forsten kann somit zu einer Erhöhung der Grundwasserspende um bis zu 5,5 Millionen Kubikmeter führen – auf dann 18 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Ziel muss es sein, das Niederschlagswasser im Raum zu halten, damit neben klimawirksamen Kühlungseffekten durch Verdunstung auch eine Verzögerung des Abflusses zur Stabilisierung des Niedrigwasserabflusses in den Gewässern entstehen kann. Da Berlin sein Trinkwasser nicht importiert, sondern stadtnah aus dem Grundwasser gewinnt, ist die Rückhaltung und Versickerung der Niederschläge über Wald eine wesentliche Voraussetzung für die Qualität und Quantität des Trinkwassers. Waldlandschaften, welche die Selbstreinigungskraft der Gewässer erhöhen, die Rückhaltung und Zwischenspeicherung fördern und die Grundwasseranreicherung steigern, werden im Klimawandel einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren. Die Stadtwälder leisten schon heute einen wichtigen Beitrag zur Trinkwasserversorgung. Für die praktische Umsetzung des Waldumbaus wurde das sogenannte Mischwaldprogramm eingesetzt. Zwischen 2012 bis 2023 wurden im Rahmen des Mischwaldprogrammes jedes Jahr ca. 100 Hektar neue Mischwaldflächen geschaffen. Dafür wurden jährlich zwischen 300.000 und 500.000 junge, standortheimische Laubbäumen wie Eichen, Buchen, Hainbuchen, Winterlinden, Ulmen, usw. gepflanzt. Seit 2024 wird das Mischwaldprogramm und die Methoden des Waldumbaus bei den Berliner Forsten evaluiert.

Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen

Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen Die Folgen von Überschwemmungen, Niedrigwasser oder Hitzestress bekommen Unternehmen schon heute zu spüren. Alle Bereiche können betroffen sein, es bestehen Risiken für Mitarbeitende wie auch für Standorte, bis hin zu globalen Lieferketten. Daher ist es wichtig, aktuelle und zukünftige Klimarisiken zu analysieren und ein Klimarisikomanagement in die Unternehmensorganisation zu integrieren. Klimarisiken regelmäßig zu analysieren bedeutet Zukunftsplanung Für die meisten Unternehmen sind Klimarisikoanalysen noch Neuland. Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen sich bisher vor allem von transitorischen Klimarisiken betroffen sehen, die sich aus dem Übergang hin zu einer langfristig CO₂-armen Wirtschaft ergeben. Nur einige wenige der größten deutschen Unternehmen berichten über die Verwendung von Klimaszenarien, wohingegen Aussagen über die ⁠ Resilienz ⁠ der Unternehmensstrategie gegenüber Klimawandelfolgen nur selten zu finden sind ( Loew et al. 2021 ). Unternehmen, die langfristige Entscheidungen treffen müssen, wie in der Forstwirtschaft oder Betreiber von Infrastrukturen, beschäftigen sich bereits heute mit Klimarisiken. Auch Branchen, deren nationale oder internationale Lieferketten vom ⁠ Klimawandel ⁠ bedroht werden, setzen sich schon seit längerem mit einer Reihe von Risiken auseinander. Dies betrifft beispielsweise Unternehmen an großen Flüssen, die bei Niedrigwasser nicht mehr mit Rohstoffen beliefert werden oder ihre Produkte nicht mehr ausliefern können. Auch Betreiber thermischer Kraftwerke, die mittels Flusswassers gekühlt werden, werden sich seit dem ⁠ Hitzesommer ⁠ 2003 immer stärker ihrer Klimarisiken bewusst. Langanhaltende Dürren in Nordostdeutschland zwischen 2018 und 2022, die steigende Zahl von Waldbränden, Trockenheitsschäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie verheerende Starkregenereignissen im Juli 2021 in der Eifel haben über die betroffenen Regionen hinaus Wirkkraft: Auch bei bisher noch nicht direkt betroffenen Unternehmen und privaten Akteuren steigt seitdem das Bewusstsein dafür, dass auch sie Vorsorge gegenüber Klimarisiken betreiben sollten. Klimarisikoanalyse als neue Berichtsanforderung In den vergangenen Jahren ist die Analyse physischer Klimarisiken Bestandteil von vielen Empfehlungen und gesetzlichen Regelungen für unternehmerische Berichterstattung geworden. Die Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), eingerichtet vom Financial Stability Board der G20, hat bereits 2017 Empfehlungen für eine Offenlegung von unternehmerischen Klimarisiken veröffentlicht. Sowohl die EU-Taxonomie Verordnung als auch die neue Europäische Richtlinie für unternehmerische Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) fordern eine Klimarisikoanalyse. Die Nachhaltigkeitsberichtsstandards der EU sehen außerdem vor, dass Unternehmen über ihre Anpassungsplanung, -ziele und -maßnahmen berichten. Eine Klimarisikoanalyse gehört auch zu den Auflagen der Regionalförderungen, etwa des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). In den kommenden Jahren ist daher mit einem steigenden Wissensbedarf und wachsenden Kompetenzen für unternehmerische Klimarisikoanalysen zu rechnen. Erfahrungen mit bundesweiten Klimarisikoanalysen Für viele Kommunen, Bundesländer und die Bundesregierung sind Klimarisikoanalysen schon länger eine wichtige Grundlage, um Handlungsbedarfe für die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels abzuschätzen und das Bewusstsein für die Bedeutung von Anpassung – in Ergänzung zu Klimaschutzmaßnahmen – zu erhöhen. Beispielsweise aktualisiert das Umweltbundesamt die Klimawirkungs- und Risikoanalyse für Deutschland alle sechs bis sieben Jahre und entwickelt sie methodisch stets weiter. Diese nationalen Erfahrungen sind unter anderem in eine internationale Norm zu Klimarisikoanalyse eingeflossen, die ISO 14091 , die auch für Kommunen eine Orientierung bietet. Empfehlungen für Klimarisikomanagement Basierend auf diesen Erfahrungen und im Abgleich mit den Anforderungen der EU-Taxonomie Verordnung hat das Umweltbundesamt auch Empfehlungen für Unternehmen veröffentlicht, wie eine robuste Klimarisiko- und Vulnerabilitätsbewertungen gemäß EU-Taxonomie durchgeführt werden sollte. Diese Vorgehensweise greift die kürzlich veröffentlichte Broschüre „ Physische Klimarisiken managen “ auf. Darüber hinaus gibt sie Hinweise, wie ein Klimarisikomanagement ablaufen sollte und in die Unternehmensorganisation integriert werden kann. Da auch Finanzinstitutionen Klimarisiken systematisch in ihrer Strategie und im Risikomanagement berücksichtigen sollten, gibt eine zweite Broschüre " Über physische Klimarisiken sprechen " Empfehlungen für Kundengespräche zwischen Finanzinstitutionen und Unternehmen. Klimarisiken zu bewerten bedeutet, Klimagefahren und Sensitivitäten zu kennen In einem ersten Schritt sollte das Unternehmen demnach die voraussichtliche Lebensdauer der Wirtschaftstätigkeit ermitteln und die relevanten Untersuchungsobjekte auswählen. Hierfür bietet es sich an, für jedes relevante Untersuchungsobjekt die sensitiven Systeme, wie etwa Beschäftigte, Produktionshallen und Wasserversorgung, zu identifizieren. Um aktuelle und zukünftige Klimagefahren einzuschätzen, sollten Unternehmen zunächst vergangene Wetterextremereignisse vor Ort und in der näheren Umgebung betrachten. Zusätzlich sollten sie bei Investitionen für die nächsten zehn Jahre Messdaten und daraus abgeleitete Klimatrends hinzuziehen, beispielsweise durch die Verwendung von dekadischen Klimavorhersagen . Für längerfristige Investitionen und Wirtschaftstätigkeiten mit einer voraussichtlichen Lebensdauer von mehr als zehn Jahren sollten Unternehmen zusätzlich Klimaszenarien für die Mitte des Jahrhunderts oder sogar darüber hinaus betrachten. Hierfür gibt es öffentliche Datenquellen, beispielsweise den Klimaatlas des Deutschen Wetterdienstes . Für eine Interpretation und eine regionale Auswertung kann es notwendig sein, externe Fachkenntnisse hinzuzuziehen. Risikobewertung ist ein kooperativer Prozess Neben den standortspezifischen Gefahren, wie Wetterextremen, sollte das Unternehmen auch die standortspezifischen Sensitivitäten und Anpassungskapazitäten untersuchen. Dazu zählen beispielsweise die Altersstruktur der Belegschaft sowie die Kühlungs- und Verschattungsoptionen vor Ort. Hierfür ist lokales Wissen von unterschiedlichen Fachleuten notwendig, das am besten in Workshops zusammengetragen und gemeinsam bewertet wird. Da Klimarisikoanalysen neben der Identifikation und Priorisierung von Risiken sowie der Vorbereitung von Anpassungsmaßnahmen immer auch ein größeres Risikobewusstsein zum Ziel haben, sind kooperative Prozesse, lokales Know-how und die Übernahme von Verantwortung zentrale Bestandteile für erfolgreiche Risikoanalysen. Wechselwirkungen und Kaskadeneffekte Die Untersuchung der Auswirkungen von Klimaereignissen sensibilisiert auch für die Gefahren von Kaskadeneffekten, beispielsweise den multiplen Folgen eines Stromausfalls oder der Notwendigkeit von eingespielten Kommunikationswegen im Falle eines Extremereignisses. Unternehmen sollten daher bei ihren Untersuchungen auch Wechselwirkungen und Kaskadeneffekte berücksichtigen. Sie sollten bereits im Vorfeld von Krisenereignissen mit der lokalen Verwaltung sowie den Infrastrukturbetreibern zusammenarbeiten, um Synergien für Anpassungen zu identifizieren und Maladaptationen zu verhindern. Maladaptionen sind Maßnahmen, die andere gesellschaftliche Ziele, wie etwa den ⁠ Klimaschutz ⁠ oder den Schutz der ⁠ Biodiversität ⁠, oder zukünftige Anpassung beeinträchtigen. Risikobewertung mündet in Maßnahmenplanung Die Bewertung von Klimarisiken wird auch von Beratungsagenturen angeboten, die mittels komplexer Modelle und umfangreicher Daten Risikoeinstufungen anbieten. Dies beruht meist nur auf der Analyse von Klimagefahren und kann nicht die Einbindung von lokalen Fachleuten ersetzen. Die Einstufung der Risiken selber ist abhängig von der Risikobereitschaft der Unternehmen, denn nicht alle (ökonomischen) Risiken können oder müssen reduziert werden. Am Ende von Klimarisikoanalysen sollten jedoch für größere Risiken, wie Gesundheits- oder Umweltrisiken, immer konkrete Maßnahmen stehen. Autorinnen: Dr. Inke Schauser, Kirsten Sander (Umweltbundesamt) Dieser Artikel wurde als Schwerpunktartikel im Newsletter ⁠ Klimafolgen ⁠ und Anpassung Nr. 86 veröffentlicht. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

„Im Westen stieg der Stand des Grundwassers, im Osten ist dieser weiter gesunken“

Hohe Temperaturen, kaum Niederschläge: Der Sommer 2022 ist – mal wieder – heiß und trocken. Viele Seen und Flüsse zeigen deutlich gesunkene Pegelstände, erschreckend viele Oberflächengewässer sind vom Austrocknen bedroht. Doch was ist mit dem Grundwasser? Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat gerade die Sonderausgabe zur Entwicklung des Grundwassers in Niedersachsen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Darin zeichnet sich ein uneinheitliches Bild für Niedersachsen: Trockener Osten und „fast normaler“ Westen. Hohe Temperaturen, kaum Niederschläge: Der Sommer 2022 ist – mal wieder – heiß und trocken. Viele Seen und Flüsse zeigen deutlich gesunkene Pegelstände, erschreckend viele Oberflächengewässer sind vom Austrocknen bedroht. Doch was ist mit dem Grundwasser? Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat gerade die Sonderausgabe zur Entwicklung des Grundwassers in Niedersachsen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Darin zeichnet sich ein uneinheitliches Bild für Niedersachsen: Trockener Osten und „fast normaler“ Westen. Frau Rickmeyer, was ist der zentrale Erkenntnisgewinn aus dem Sonderbericht für das Jahr 2021? Bereits seit 2009 bewegen sich die Grundwasserstände auf einem durchschnittlichen bis eher niedrigen Niveau. Die Trockenjahre 2018 und 2019 haben die Situation noch deutlich verschärft. Das hat zu zum Teil extremst niedrigen Grundwasserständen geführt. In den Jahren 2020 und 2021 zeichnet sich zwar insgesamt eine Verbesserung der Situation ab, diese verläuft aber regional komplett unterschiedlich: In den westlichen und nordwestlichen Landesteilen sind die Grundwasserstände auf etwa durchschnittliche Niveaus angestiegen, während in den östlichen und südlichen Teilen Niedersachsens weiterhin zum Teil ausgesprochen angespannte Verhältnisse herrschen. Einzelne Messstellen zeigen auch weiterhin sinkende Grundwasserstände, insbesondere in den warthezeitlichen Geestregionen Ostniedersachsens, also in der Stader und Lüneburger Geest. Vereinzelt treten solche Messstellen aber auch im westlichen Niedersachsen auf. Frau Rickmeyer, was ist der zentrale Erkenntnisgewinn aus dem Sonderbericht für das Jahr 2021? Herr Dr. Wriedt, was glauben Sie ist der Grund dafür? Ursache sind zum einen regionale Konstellationen wie hydrogeologische Gegebenheiten und die Witterungsverhältnisse vor Ort. In Niedersachsen haben wir ein deutliches Niederschlagsgefälle von Nordwest nach Südost mit zunehmend trockeneren Witterungsverhältnissen. In Niederungsregionen haben wir in der Regel stabilere Grundwasserverhältnisse, da hier immer Wasser „von oberhalb“ zufließt. In den Geestgebieten schwanken die Grundwasserstände dagegen nicht nur saisonal, sondern auch sehr deutlich in mehrjährigen Zyklen. Herr Dr. Wriedt, was glauben Sie ist der Grund dafür? In den warthezeitlichen Geestregionen Ostniedersachsens - aber nicht nur dort - befindet sich das Grundwasser oftmals viele Meter unterhalb der Geländeoberfläche und wird von gering durchlässigen Schichten überdeckt. Diese Bedingungen prägen die Grundwasserstandsdynamik nachhaltig. Grundwasserstände verändern sich in diesen Messstellen überwiegend in langjährigen Mustern und zum Teil auch mit deutlicher Verzögerung zur Witterung. In diesen Regionen konzentrieren sich auch die großen Beregnungsgebiete in Niedersachsen. Dort werden vor allem Felder mit Grundwasser bewässert. Welchen Einfluss insgesamt in Niedersachsen gestiegene Grundwasserentnahmen zum Beispiel für die öffentliche Wasserversorgung, den erhöhten Bewässerungsbedarf beziehungsweise den weiteren Ausbau der Feldberegnung die Entwicklung der vergangenen Jahre beeinflusst haben, können wir als NLWKN nicht abschließend beurteilen. Haben wir es hier mit einer auf den Klimawandel basierenden Entwicklung zu tun? Dr. Gunter Wriedt: Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Niedersachsen deutlich spürbar. Die Entwicklungen, die sich nicht nur als Folge der Trockenjahre 2018 und 2019, sondern bereits seit über zehn Jahren in unseren Grundwasserständen abzeichnen, sind nicht lediglich Folge zufälliger Witterungsschwankungen. Mit den in der Vergangenheit beobachteten und für die Zukunft prognostizierten Änderungen der saisonalen Verschiebungen der Niederschläge, Anstieg der Temperaturen und Änderungen der Wetterlagen sind sie auch Ausdruck einer sich infolge des Klimawandels insgesamt verändernden Wasserhaushaltsdynamik. Es liegen Untersuchungen vor, nach denen die extremen Trockenjahre 2018 und 2019 durch den Klimawandel deutlich verstärkt wurden. Auf Basis der bislang vorliegenden Klimaprojektionen und Auswertungen zur Grundwasserneubildung erwarten wir aber im Landesdurchschnitt und im langjährigen Mittel keine gravierenden Veränderungen. Konkrete Vorhersagen über die nächsten Jahre sind jedoch nicht möglich. Als Fachbehörde werden wir die Entwicklung selbstverständlich weiter beobachten. Was bedeutet das für die Grundwasserbewirtschaftung? Anne Rickmeyer: Für eine vorausschauende Grundwasserbewirtschaftung ist es unerlässlich, nicht nur die aktuellen klimatischen Bedingungen zu betrachten, sondern sowohl die zu erwartenden klimatischen Bedingungen inklusive der damit einhergehenden Extreme, als auch die Veränderungen der Wasserbedarfe für die verschiedenen Nutzungen angemessen zu betrachten und in Einklang zu bringen. Als einen wesentlichen Beitrag zu diesen Fragen hat das Land Niedersachsen das Wasserversorgungskonzept Niedersachsen aufgestellt und im Frühjahr 2022 veröffentlicht (MU 2022). ( Wasserversorgungskonzept Niedersachsen | Nds. Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz ) Haben wir es hier mit einer auf den Klimawandel basierenden Entwicklung zu tun? Dr. Gunter Wriedt: Was bedeutet das für die Grundwasserbewirtschaftung? Anne Rickmeyer: Das Wasserversorgungskonzept Niedersachsen schätzt, dass der Bedarf an Grundwasser für Feldberegnung bis 2050 um 136 Prozent von 254 Millionen Kubikmeter pro Jahr (2015) auf etwa 600 Millionen Kubikmeter pro Jahr ansteigen wird. Kurzfristig bis 2030 ist eine Bedarfssteigerung von 54 Prozent zu erwarten. Für die öffentliche Wasserversorgung wird mit einer Bedarfssteigerung um neun Prozent bis 2050 von 747 Millionen Kubikmeter pro Jahr (2015) auf 815 Millionen Kubikmeter pro Jahr gerechnet. Für industrielle Entnahmen in Eigenversorgung werden keine wesentlichen Änderungen angenommen. Wie geht die Wasserwirtschaft mit diesen Bedingungen um? Anne Rickmeyer: Maßgeblich für wasserwirtschaftliche Planungen sind in der Regel die regional vorherrschenden durchschnittlichen klimatischen Verhältnisse. Diese werden konventionell über einen 30-Jahreszeitraum bestimmt. Speziell für die Bewirtschaftung von Grundwasserressourcen ist dies bedeutsam, da Niederschlag und Verdunstung (und damit auch die Grundwasserneubildung) natürlichen Schwankungen unterliegen. Durch Bezug auf mittlere Verhältnisse soll langfristig ein Ausgleich dieser Schwankungen sichergestellt werden. Dabei werden in Wasserrechtsverfahren je nach Art der Entnahme und der zu erwartenden Auswirkungen auch weitergehende Betrachtungen durchgeführt, um instationäre Verhältnisse oder Trockenphasen zu berücksichtigen. Die Entscheidungsbasis wird kontinuierlich an den Stand der Technik angepasst; dazu gehört zum Beispiel der verstärkte Einsatz hydrogeologischer Modelle und die Einbeziehung des Klimawandels mit dem jeweils aktuellen Erkenntnisstand. Wie geht die Wasserwirtschaft mit diesen Bedingungen um? Anne Rickmeyer: Einen Handlungsrahmen für die Genehmigungspraxis in den unteren Wasserbehörden liefert der Grundwassermengenbewirtschaftungserlass (MU, 2020). Mengenmäßige Bewirtschaftung des Grundwassers | Nds. Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (niedersachsen.de) Er benennt für die einzelnen Grundwasserkörper und Landkreise Richtwerte der für Entnahmen nutzbaren Reserven. Die verfügbaren Reserven werden dabei bereits auf Basis von Trockenjahren und nicht von durchschnittlichen Verhältnissen abgeleitet. Dieser seit 2015 gültige und zwischenzeitlich aktualisierte Erlass wird derzeit neu konzipiert und überarbeitet. In der zukünftigen Fassung werden neben Trockenjahren auch die aktuellen Klimaprognosen sowie die Erkenntnisse aus dem Wasserversorgungskonzept des Landes Berücksichtigung finden. Die Auswertung der Daten bezieht sich ja ausschließlich auf das vergangene Jahr 2021. Können Sie denn daraus auch für das aktuelle Jahr und für die Zukunft Aussagen treffen? Dr. Gunter Wriedt: Konkrete, tagesaktuelle Werte können wir leider nicht zur Verfügung stellen. Die Grundwasserstandsentwicklung folgt letztendlich der Witterungsdynamik, konkrete Vorhersagen für die Zukunft sind daher nicht möglich. Auch die in einzelnen Messstellen deutlich verzögerte Reaktion auf die Witterungsdynamik erschwert die Beurteilung der aktuellen Entwicklungen. Die aktuelle, nun über mehrere Jahre andauernde Trockenphase hat vielerorts zu extrem niedrigen Grundwasserständen geführt, die sich möglicherweise auch nur langsam regenerieren. Die bislang vorliegenden Klimaprojektionen legen jedoch auch nicht nahe, dass sich diese Situation dauerhaft als Norm etabliert. Möglicherweise pendeln wir zukünftig auch zwischen Extremen hin und her. Die Häufigkeit trockener Sommer wird jedoch zunehmen. Insgesamt wissen wir aber noch zu wenig darüber, wie Klimawandel und Witterungsverhältnisse sich insgesamt auf die Grundwasserstände in Niedersachsen auswirken. Als Fachbehörde werden wir das selbstverständlich weiter beobachten, gegebenenfalls neu bewerten und die Ergebnisse als Information und Entscheidungsgrundlage für die Wasserwirtschaft und die Politik zur Verfügung stellen. Die Auswertung der Daten bezieht sich ja ausschließlich auf das vergangene Jahr 2021. Können Sie denn daraus auch für das aktuelle Jahr und für die Zukunft Aussagen treffen? Dr. Gunter Wriedt: Vielen Dank für das Gespräch. Vielen Dank für das Gespräch. Link zum Grundwasserbericht Niedersachsen - Sonderausgabe zur Grundwasserstandsentwicklung im Jahr 2021 auf der Website des NLWKN: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/download/186424 Zu den Personen: Zu den Personen: Anne Rickmeyer leitet seit Mitte 2016 als Direktorin den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (kurz NLWKN). Der NLWKN ist in ganz Niedersachsen mit elf Betriebsstellen und zahlreichen weiteren Standorten und Stützpunkten präsent. Anne Rickmeyer Dr. Gunter Wriedt ist als Geograf seit 2010 in der Betriebsstelle Cloppenburg verantwortlich für das Thema Grundwasser und unter anderem wesentlich beteiligt an der Herausgabe zum Bericht über den Grundwasserstand in Niedersachsen. Dr. Gunter Wriedt

Newsletter Klimafolgen und Anpassung - Nr.: 77

Liebe Leser*innen, der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (IPCC) ist ein dringender Appell für konsequenten Klimaschutz und mehr Vorsorge, um die Risiken des Klimawandels weltweit so gering wie möglich zu halten. Unser Schwerpunktartikel zeigt, welche grundsätzlichen Klimarisiken Deutschland bevorstehen und wie Anpassungshandeln gelingen kann. Angesichts der Klimarisiken sind ermutigende Beispiele zur Klimaanpassung besonders wichtig. Deshalb geht der Bundespreis „Blauer Kompass “ in eine nächste Runde und lobt erstmalig ein Preisgeld von 25.000 Euro aus. Die Bewerbung ist noch bis zum 25. März möglich. Eine spannende Newsletter-Lektüre wünscht Ihr KomPass-Team Deutschland im Klimawandel – Risiken und Handlungserfordernisse Deutschland im Klimawandel – Risiken und Handlungserfordernisse Quelle: Adelphi Konsequenter Klimaschutz ist wichtig, um die Erderwärmung zu begrenzen und damit auch die Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen. Die Menschen müssen sich mit den bereits heute sichtbaren und zukünftig erwartbaren Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Der IPCC beschreibt in seinem heute veröffentlichten Bericht der Arbeitsgruppe 2 „Folgen des Klimawandels, Anpassung und Verwundbarkeit“ die globalen Risiken und die Möglichkeiten zur Anpassung. Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes benennt für Deutschland die größten Klimarisiken, wie und wo wir uns dem Wandel am drängendsten anpassen müssen. Die Kernergebnisse der Analyse und Schlussfolgerungen für zukünftiges Anpassungshandeln wurden nun in einer Broschüre veröffentlicht. „Blauer Kompass“ startet als neuer Bundespreis in erste Bewerbungsrunde Die Bewerbungsfrist für den „Blauen Kompass“, die höchste staatliche Auszeichnung in Deutschland für Projekte zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise ist gestartet. Im Jahr 2022 wird der Preis erstmals als Bundespreis ausgelobt. Ab sofort suchen Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gemeinsam innovative Projekte mit nachhaltigen Lösungen für die Klimaanpassung. Bewerben können sich wie bisher private und kommunale Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Vereine, Verbände und Stiftungen. Neu ab 2022: Erstmals können auch Städte, Gemeinden und Landkreise ihre innovativen Projekte einreichen. Bewerbungsfrist ist der 25. März 2022. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro je Gewinnerprojekt dotiert. Am 3. März um 10 Uhr informieren das UBA und das Wettbewerbsbüro in einer online Sprechstunde des ZentrumKlimaanpassung zum Bundespreis „Blauer Kompass“ und stehen für Fragen zur Verfügung. Umweltmanagementsysteme und Klimarisiken Weltweit verfügen etwa eine halbe Million Standorte von Unternehmen und anderen Organisationen über ein Umweltmanagementsystem gemäß ISO 14001. Vor diesem Hintergrund wurde der Frage nachgegangen, wie zukünftig mit Standards für Umweltmanagementsysteme ein systematisches Management von klimabezogenen Risiken gefördert oder gar sichergestellt werden kann. Dazu wurden mehrere Optionen wie beispielsweise eine Anpassung der ISO 14001 oder eine klimaspezifische Ergänzung der ISO 14002er-Reihe geprüft. Die Ergebnisse dienen insbesondere, aber nicht nur, als Diskussionsbeitrag zur Novellierung der ISO 14001. Ergänzend wurden 40 EMAS-Umwelterklärungen von mittelständischen Unternehmen und Behörden auf klimabezogenen Angaben gemäß TCFD analysiert. Jetzt Hitzeschutz-Kampagne planen und Schattenspender werden Auch wenn der Sommer noch in weiter Ferne scheint, kann ein zu schneller Temperaturwechsel im Frühjahr dem Organismus ernsthaft zu schaffen machen. Um Kommunen und Akteure aus dem Gesundheits- oder Pflegebereich schon frühzeitig dabei zu unterstützen, eigene öffentlichkeitswirksame Aktionen zum Schutz der lokalen Bevölkerung vor Hitze durchzuführen, hat das Umweltbundesamt die Mitmach-Kampagne „Schattenspender“ entwickelt. Zentrales Element der Kampagne ist die Broschüre „Hitzeknigge“, die Fragestellungen rund um Hitzebelastung beantwortet und Tipps zum richtigen Verhalten bei Hitze gibt. Darüber hinaus kann der Hitzeknigge mit lokalen Informationen und Logos individualisiert werden. Einige Beispiele für individualisierte Hitzeknigges finden sich auf der Kampagnenseite. Vernetzungskonferenz „Kommunale Klimaanpassung im Dialog“, 24.und 25. März 2022 Am 24. und 25. März 2022 veranstaltet das Zentrum KlimaAnpassung (ZKA) im Auftrag des BMUV erstmalig die online Vernetzungskonferenz „Kommunale Klimaanpassung im Dialog“. Eröffnet wird die Konferenz von Bundesumweltministerin Steffi Lemke. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion beziehen Vertreter*innen aus den Ministerien der Bundes- und Landesebene und der kommunalen Spitzenverbände Position zu den aktuellen Fragen der Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie zu den Herausforderungen und Bedarfen der Kommunen. Nach einem Experten-Vortrag zu „Natur als Partner: Klimaschutz und Klimaanpassung durch naturbasierte Lösungen“ werden in acht parallel stattfindenden Workshops Einzelthemen der kommunalen Klimaanpassung vertieft und Erfahrungen der Teilnehmenden ausgetauscht. Der zweite Konferenztag dient der gezielten Vernetzung und dem kollegialen Austausch zwischen Vertreter*innen der Kommunen und ist nicht öffentlich. Anmelden können sich Klimaanpassungsmanager*innen sowie kommunales Personal mit ähnlichen Aufgaben. Bundespreis Stadtgrün 2022 geht in die zweite Runde Zum zweiten Mal verleiht das Bundesbauministerium den Bundespreis Stadtgrün. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf „Klimaanpassung und Lebensqualität“. Entsprechend werden Kommunen gesucht, die ihr Stadtgrün nutzen, um das Stadtklima positiv zu beeinflussen und die negativen Auswirkungen extremer Wetterlagen zu verringern. Ausgezeichnet werden neben innovativen Ideen auch bereits erprobte Konzepte für ein klimaangepasstes und vitales Stadtgrün. Städte und Gemeinden in Deutschland können sich mit ihren Projekten bis zum 4. April 2022 bewerben. Brandenburg erarbeitet Klimaanpassungsstrategie Auch Brandenburg will sich besser an die Klimaveränderungen anpassen. „Wir müssen uns in Zukunft verstärkt auf Extremwetterereignisse einstellen“, sagt Klimaschutzminister Axel Vogel. „Das Land erarbeitet deshalb die Klimaanpassungsstrategie.“ Unter anderem geht es um ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement, die Etablierung von Frühwarnsystemen, diversifizierte Lieferketten sowie Brand- und Katastrophenschutz. KAHR: Klimaresilienter Aufbau der Flutregionen Der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen soll klimaresilient gestaltet werden. Dafür hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt KAHR ins Leben gerufen, wobei die Abkürzung für „Klimaanpassung, Hochwasser und Resilienz“ steht. Ziel ist es, die betroffenen Regionen zu Zukunftsregionen für Klimaanpassung und Nachhaltigkeit zu machen. In dem Verbundprojekt KAHR, koordiniert von der Universität Stuttgart, arbeiten 13 Institutionen aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen. Neuer Bericht zu Folgen des Klimawandels in NRW Der aktuelle Klimabericht aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass 2020 das wärmste Jahr seit Messbeginn im Bundesland war. Der Bericht beschreibt anhand von 79 Indikatoren die Entwicklung des Klimas in den vergangenen 140 Jahren sowie die Folgen für Umwelt und Gesellschaft. Erstmals wird auch betrachtet, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Wirtschaft, Stadtentwicklung und die menschliche Gesundheit hat. Machbarkeitsstudie zur klimaangepassten Grundwasserbewirtschaftung im Hessischen Ried Das hessische Umweltministerium fördert eine Machbarkeitsstudie, in der untersucht werden soll, mit welchen technischen Lösungen und zu welchen Kosten zukünftig mehr Rheinwasser aufbereitet werden kann. Der Wasserverband Hessisches Ried wird über 24 Monaten mehrere Alternativen zur Wasseraufbereitung prüfen – etwa durch die Nutzung von ufernahen Brunnen oder der Errichtung eines neuen Aufbereitungsstandorts. Die klimaangepasste Grundwasserbewirtschaftung soll den Wassermangel beheben, der durch den Klimawandel und den damit vermehrt einhergehenden heißen und trockenen Sommern verursacht wird. Memorandum „Urbane Resilienz“: Wege zur zukunftsfähigen Stadt Wie kann eine Stadt robust, adaptiv und zukunftsfähig werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Memorandum „Urbane Resilizenz“, das das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat herausgegeben hat. Anlass für das Memorandum ist die Corona-Pandemie und ihre Folgen auf die Städte – etwa durch Kontaktbeschränkungen, Schließungen von Gastronomie und Handel oder des hohen Anteils an Personen im Homeoffice. Doch auch andere Krisen und Katastrophen wie die Folgen des Klimawandels werden behandelt und zehn Empfehlungen für die Entwicklung resilienter Städte gegeben. DBU warnt: Der Klimawandel gefährdet unser Kulturerbe Der Klimawandel ist nicht nur für Mensch, Tier und Natur eine Gefahr, sondern auch für Kulturerbestätten – wie etwa Parks, Kirchen oder andere historische Bauwerke, warnt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). So mache beispielsweise die trockene Luft aufgrund des Klimawandels besonders Kirchen und Schlössern zu schaffen, da es oft keine ausreichende Klimatisierung gibt. Die Folgen: Schäden an Leinwandgemälden, Tapeten und Wandmalereien. Daher fördert die DBU mehrere Projekte, die Erhaltungs- und Schutzkonzepte für Kulturerbestätten entwickelt. DWD-Workshop zu Klimavorhersagen und Klimaprojektionen Für die Analyse der Auswirkungen des Klimawandels und möglicher Klimaanpassungsstrategien werden häufig globale Klimamodelle genutzt. Damit diese besser verstanden werden können, veranstaltet der Deutsche Wetterdienst (DWD) vom 7. bis 9. Juni 2022 den Workshop „Klimavorhersagen und Klimaprojektionen“. Ziel des Workshops ist ein offener Austausch zwischen Nutzenden und Entwickelnden von Klimaprodukten in den Bereichen Witterungs-, Jahreszeiten- und dekadische Klimavorhersagen sowie regionale Klimaprojektionen. Die Teilnahme ist kostenlos; die Anmeldung kann bis 3. Juni 2022 erfolgen. Leitfaden zur integrierten Planung blau-grüner Infrastrukturen Mehrere Forschungseinrichtungen und Ämter haben im Rahmen des Projekts INTERESS-I einen Leitfaden zur integrierten Planung blau-grüner Infrastrukturen entwickelt. Die zentrale Aussage in dem Papier lautet: Mehr Stadtgrün erfordert auch mehr Stadtblau. Woher beispielsweise das Wasser für die kühlen Parks und die Bäume stammen könnte, wie das urbane Grüne entstehen kann und wie ein klimawandelangepasstes Stadtquartier aussehen soll, beantworten die Autoren auf fast 100 Seiten. Studie zu Extremwetterschäden in Europa Extreme Wetterereignisse haben in den vergangenen 40 Jahren in Europa zwischen 85.000 und 145.000 Menschenleben gefordert und wirtschaftliche Schäden in Höhe einer halben Billion Euro verursacht. Weniger als ein Drittel der Schäden war versichert. Die Zahlen stammen aus dem neuesten Briefing „Economic losses and fatalities from weather- and climate-related events in Europe“, das die Europäische Umweltagentur EEA erstellt hat. 280 Milliarden US-Dollar Schaden durch Naturkatastrophen 2021 Im vergangenen Jahr haben Naturkatastrophen wie Stürme, Hochwasser, Waldbrände und Erdbeben weltweit einen Schaden von rund 280 Milliarden US-Dollar verursacht. Berechnet wurde die Summe von dem Rückversicherer Munich RE, der betont: „Etliche der extremen Unwetterereignisse gehören zu jenen, die durch den Klimawandel häufiger und schwerer werden.“ Dazu gehören Schwergewitter in den USA auch im Winterhalbjahr oder auch Starkregen mit Hochwasser in Europa. Klimawandel bedroht auch die olympischen Winterspiele Der Klimawandel ist auch eine Bedrohung für die olympischen Winterspiele. Ohne drastische Verringerung der Treibhausgasemissionen hätte zum Ende des Jahrhunderts nur noch eine der bisher 21 Austragungsstätten faire und zuverlässige Bedingungen, um noch Gastgeber der Spiele zu sein, berechneten Forschende aus Kanada, den Vereinigten Staaten und Österreich. Würden die Emissionsziele des Pariser Klimaabkommens erreicht, erhöhe sich die Zahl der klimasicheren Austragungsorte auf acht. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren auch die für die Studie befragten Athleten: 89 Prozent sind der Meinung, dass veränderte Wettermuster die Wettkampfbedingungen beeinflussen. Grundlagenstudie zum Umgang mit Niedrigwasser, Dürre und Grundwasserneubildung Die Folgen des Klimawandels führen auch zu Veränderungen im Wasserkreislauf, dazu zählen etwa Niedrigwasser und Dürre. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes hat den aktuellen Wissensstand zur wasserwirtschaftlichen Situation Deutschlands zusammengetragen. Dabei wurden auch Veränderungen im Zeichen des Klimawandels dargestellt sowie die existierenden und geplanten Anstrengungen zu einem deutschlandweiten Management von Niedrigwasser zusammengefasst. Die Studie dient als Grundlage für Planungen zu einem koordinierten Umgang mit den Niedrigwassersituationen. Konferenzband zur 17. Tagung „Biodiversität und Klima“ Da der vorschreitende Klimawandel die biologische Vielfalt genauso bedroht wie die menschlichen Gesellschaften, veranstaltet das Bundesamt für Naturschutz (BfN) seit 2004 jährlich an der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm die trans- und interdisziplinäre Tagung „Biodiversität und Klima – Vernetzung der Akteure in Deutschland“. Bei der 17. Veranstaltung nahmen 22 Expertinnen und Experten teil, die in Deutschland zu den Themen Anpassung an den Klimawandel sowie Klima- und Biodiversitätsschutz arbeiten. Ihre Beiträge wurden nun in dem entsprechenden Tagungsband veröffentlicht. Broschüre zu 15 Projekten der BMBF Zukunftsstädte 15 Zukunftsstadtprojekte zur Klimaanpassung, gefördert vom BMBF, haben sich Forschende im Rahmen des Synthese- und Vernetzungsvorhaben SynVer*Z angeschaut und dabei Erkenntnisse aus der Zukunftsstadtforschung für die kommunale Praxis aufbereitet. Die zentralen Ergebnisse wurden nun in einer Broschüre zusammengefasst. Die Beiträge zeigen etwa anhand von Modellierungen die Auswirkungen von Nachverdichtungsstrategien auf das Mikroklima und den Starkregenabfluss im Quartier. Andere Projekte widmeten sich der Entwicklung kombinierter Klima- und Vulnerabilitätsanalysen, die auch soziale Faktoren berücksichtigen. Standort-Themenheft zu Klimakatastrophe und Klimaanpassung Die Mitgliedszeitschrift des Deutschen Verbands für Angewandte Geographie, Standort, hat ein Themenheft zu „Klimakatastrophe und Klimaanpassung“ veröffentlicht. Die Artikel behandeln beispielsweise kommunale Klimaanpassung, die Förderung der Handlungsfähigkeit von Auszubildenden für die betriebliche Klimaanpassung und die Auswirkungen auf den Wintersport. Auch Praxisbeispiele werden behandelt – etwa der kooperative Prozess für klimaangepasstes Planen und Bauen im Quartier am Beispiel des DAS-Leuchtturmprojekts KlimaWohL in Hannover. Viele Regentage schaden der Wirtschaft Nimmt die Zahl der Regentage zu oder gibt es mehr Tage mit extremen Regenfällen, geht das Wirtschaftswachstum zurück. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Für die Studie, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht haben, wurden erstmals statistische Daten zur subnationalen Wirtschaftsleistung für 1.554 Regionen weltweit im Zeitraum von 1979 bis 2019 untersucht. MORGEN untersucht das Potenzial wiedervernässter Moore Moorflächen am Ryck im Greifswalder Stadtgebiet Quelle: Volker Beckmann Um Moore landwirtschaftlich zu nutzen, werden sie entwässert. Da bildet auch das über 82.000 Hektar große Niedermoor im Landkreis Vorpommern-Greifswald keine Ausnahme – 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden dort zur Nutzung entwässert, was unter anderem auch zu mehreren Tonnen CO2-Ausstoß führt. Werden die Moore jedoch wieder vernässt, können sie einen wertvollen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten, etwa durch verzögerten Wasserabfluss und Kühlung des Regionalklimas. Für das Projekt MORGEN haben Forschende der Universitäts- und Hansestadt Greifswald gemeinsam mit der Michael Succow Stiftung und dem IKEM (Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität) mehrere Entwicklungsszenarien für die zukünftige Nutzung von Beispielflächen im Projektgebiet erstellt. Dabei wurde auch das Spannungsverhältnis zwischen der Vernässung der Moore und den Interessen der Bewirtschafter und Flächeneigentümer deutlich. Auch verschiedene Konzepte der Paludikultur – also die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore – wurden untersucht. Letztendlich stellt sich heraus, dass für viele Akteure eine Nasswiesen-Paladikultur eine gute Alternative zur anspruchsvolleren Paladikultur wie beispielsweise Schilf ist. Entsprechend wurden kooperative und innovative Lösungsstrategien zur Förderung der Paludikultur in Projektgebiet entwickelt. So gibt es etwa bei den Stadtwerken Greifswald Planungen zur Errichtung eines Biomasseheizwerkes auf der Basis von Nasswiesen-Paludikultur.

Nr. 46.2: AG A1, Ausschlusskriterien im Gesetz und in der Anwendung, Dokumentation vom 06.02.2021

Beitrag im Rahmen der FKTG: [Klimaprognosen, Modellentwicklung] Ich hat unglaublich viele Parameter, deshalb ist eine hohe Rechenleistung notwendig . Am GFZ gibt es zum Beispiel komplette Erdmodellierungen, wo einzelne Teilbereiche sichtbar sind Stellungnahme der BGE: In der Tat sind insbesondere Modellierungen von gekoppelten Prozessen, etwa thermisch-hydraulischen, äußerst rechenaufwändig. Die BGE verfügt über eigene Rechenressourcen und kann auch auf die von Auftragnehmern oder Forschungspartner zurückgreifen. Initiale Rückmeldung im Rahmen der FKTG: Nein Stellungnahme einer externen Prüfstelle:nicht vorhanden.

Wald naturnah

Berliner Wälder sind von besonderer Qualität. Mit den Waldbaurichtlinien setzen die Berliner Förster bundesweit Maßstäbe für die ökologische Bewirtschaftung und naturnahe Entwicklung. Unter besonderer Berücksichtigung der Klimaprognosen werden Kiefernbestände zu Mischwäldern entwickelt. Der Kernbeißer und der gefährdete Mittelspecht bevorzugen solche abwechslungsreichen Laubwälder. Im Frühjahr sprießen Busch-Windröschen und Leberblümchen. Es ist erstaunlich, aber tote und absterbende Bäume sind hier unabdingbar, da sie die Lebensgrundlage vieler Pilz- und Käferarten bilden. Wo es richtig nass ist, finden sich Moor- und Erlenbruchwälder.

Niedrigwasser, Dürre und Grundwasserneubildung - Bestandsaufnahme zur gegenwärtigen Situation in Deutschland, den Klimaprojektionen und den existierenden Maßnahmen und Strategien

Der Klimawandel wird weltweit zu Veränderungen im Wasserkreislauf und unserer Nutzung von Wasser führen. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland im langjährigen Mittel über ausreichende Ressourcen verfügt, tritt in einzelnen Jahren Wasserknappheit und Niedrigwasser auf. Zuletzt haben die Jahre 2003, 2018 und 2019 Betroffenheit bei Schifffahrt, Land- und Forstwirtschaft, Energiewirtschaft und Wasserwirtschaft ausgelöst. Der Rückgang der Abflussmenge und das damit verbundene Auftreten von Warmwasserphasen haben unmittelbare Folgen für die in den Gewässern lebenden Organismen. Tiefe Grundwasserstände wirken sich nachteilig auf grundwasserabhängige Landökosysteme aus. Derzeit vorgehaltene Speicher wie Talsperren und Trinkwasserbehälter stießen teilweise an ihre Grenzen. Ziel des Projektes ist es, eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für Planungen zu einem koordinierten Umgang mit Niedrigwasser und Dürre in Deutschland zu schaffen. Dabei wurden vorliegende Studien und Situationsanalysen recherchiert und ausgewertet. Betrachtet wurden die relevanten hydrologischen Größen, die ökologischen Auswirkungen und, soweit verfügbar, die ökonomischen Aspekte insbesondere zur Abschätzung der Betroffenheit in den einzelnen Sektoren. Um ein möglichst realistisches Bild zukünftiger Dürresituationen zu erhalten, wurde eine Zusammenfassung aktueller Klimaprognosen erarbeitet. Neben den rein vorsorgenden Maßnahmen (z. B. Erweiterung von Speicherbauwerken, Schaffung von Verbünden, Anpassung der Wasserrechte) wurden bereits existierende Ansätze für den aktiven Umgang mit Risiken während einer Dürre zusammengestellt. Quelle: Forschungsbericht

Für die Wälder der Zukunft: Was wir jetzt tun müssen

Magdeburg. Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert hat heute im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Regierungserklärung zum Thema „Für die Wälder der Zukunft: Was wir jetzt tun müssen“ gehalten. Sie schilderte die aktuelle Schadenssituation aufgrund der Klimakrise und appellierte erneut eindringlich, klimastabile Mischwälder aufzubauen und diese nachhaltig zu bewirtschaften. Darüber hinaus forderte sie, die stoffliche Nutzung von Holz, zum Beispiel beim Bauen, weiter voranzubringen. „Seit 2017 befindet sich die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Deutschland in einer Extremsituation, die niemand erwartet hätte. Diese Extremsituation kam nicht zufällig, sondern ist eine Folge der Klimakrise. In unseren Wäldern müssen großflächige Wiederaufforstungen stattfinden. Dies muss an einen klimastabilen Waldumbau gekoppelt sein. Mehrere Baumarten gemeinsam bilden den klimastabilen Mischwald. Damit wird das Risiko auf mehrere Baumarten verteilt. Das ist die einzig sinnvolle Strategie. Die bisherige Forstwirtschaft und Monokulturen sind gescheitert“, sagte sie. Mit Blick auf Holz als heimischen Rohstoff ergänzte sie: „Der Wald der Zukunft braucht Ideen und Innovationen. Ich bin überzeugt, dass bei der stofflichen Nutzung von Holz noch mehr möglich ist. Weitere Unternehmensansiedlungen könnten gerade dem Strukturwandel im Süden Sachsen-Anhalts große Impulse geben. Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Wälder Sachsen-Anhalts zukunftsfest zu machen, damit sie der Klimakrise trotzen können. Dabei sitzen Holzwirtschaft und Ökologie in einem Boot. Der Wald der Zukunft wird am besten nachhaltig bewirtschaftet.“ Es folgt die Rede der Ministerin im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort. „Seit 2017 befindet sich die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt und Deutschland in einer Extremsituation, die niemand erwartet hätte. Weder Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, noch Försterinnen und Förster oder auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten diese Abfolge von Sommer- und Winterstürmen, von Dauertrockenheit und Schädlingsbefall in dieser Ausprägung vorhersehen können. Und dennoch: Diese Extremsituation kam nicht zufällig, sondern ist eine Folge der Klimakrise, der zweifellos größten Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Bereits in den 1970er-/1980er-Jahren machten die ersten Wissenschaftler*innen auf die globalen Klimarisiken aufmerksam. Ab den 1990er-Jahren begann die Politik (Rio, 1992/Kyoto, 1997), mehr halbherzig, darauf zu reagieren. Aber insgesamt war das Thema für viele Menschen weit weg. Denn: Wer konnte schon mit einer nackten Zahl etwas anfangen; die Durchschnittstemperatur ist seit 1881 in Deutschland und Sachsen-Anhalt im Jahresmittel um 1,5 Grad Celsius angestiegen. Das klingt natürlich nicht wirklich bedrohlich, wo doch allein an einem „Normaltag“ die Tagestemperatur um zehn Grad Celsius und mehr schwanken kann. Seit der Sturmserie 2017/2018 und vor allem ab dem Sommer 2018 ist dies – so nicht nur mein Empfinden – anders. Die extreme Trockenheit und Hitze des gesamten Sommerhalbjahrs 2018 wurde von vielen Menschen als bedrohlich wahrgenommen und haben unserer Landwirtschaft schwer zugesetzt. Das Thema ist spätestens seitdem generationsübergreifend in den Familien angekommen. Die Bewegung „Fridays for Future“ eine „Konsequenz“. Der Begriff „Klimawandel“ ist kaum mehr streitig und der Begriff „Klimakrise“ – denn nichts anderes ist es – wurde seitdem immer öfter genannt. Selbst der im Januar 2021 veröffentlichte Weltrisikobericht des Weltwirtschaftsforums (Davos) nennt die Klimakrise (ebenso wie bereits 2020) – trotz der aktuellen Pandemieproblematik – als Hauptrisiko. Und das extreme Sommerhalbjahr 2018, was übrigens den angeblichen Jahrhundertsommer 2003 abgelöst hat, wirkt bis heute fort. Seitdem gab es fast keinen Monat mit normalen Temperaturwerten. Nach 2018 (10,5 Grad Celsius) war 2020 das zweitwärmste (10,4 Grad Celsius) und 2019 das drittwärmste (10,3 Grad Celsius) Jahr seit 1881. Diese nackten Zahlen kommentierten die eher „nüchternen“ Beamtinnen und Beamte des Deutschen Wetterdienstes (DWD, Offenbach) in ihrer Jahresauswertung für 2020: „Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln." Die hohen Jahresdurchschnittswerte sind aber nur der eine Aspekt. Für unsere Wälder viel problematischer ist die Dauertrockenheit. Schon seit 2011 war außer 2017 jedes Jahr in Deutschland zu trocken. Seit 2018 verschärfte sich die Situation dann abrupt. Das muss uns zu denken geben. Weil bisher gehen die Klimaprognosen davon aus, dass die Niederschlagsmenge im Jahr nicht abnehmen wird. Zwar wurde in den Klimamodellen weniger Regen in der Vegetationszeit prognostiziert, aber die Winterhalbjahre sollten feuchter werden. In den Jahren 2019 und 2020 war dies nicht der Fall, sodass die Defizite aus den Sommerhalbjahren nicht ausgeglichen werden konnten. Für den Wald sind aber die Winterniederschläge extrem wichtig. Im Winter bilden sich die Bodenwasservorräte neu und können Schäden in heißen Sommern vermeiden. So hatten wir in 2018 noch keine Trockenschäden im Wald, erst der Sommer 2019 brachte uns diese Probleme. Die Schäden haben in unserem Bundesland, aber auch in anderen Ländern, ein historisches Ausmaß angenommen. Über alle Waldbesitzarten ist in dem Zeitraum 2018 bis 2020 ein Schadholzumfang von 13 Millionen Festmeter zu verzeichnen. Damit verbunden sind circa 25.000 Hektar Blößen, also Freiflächen, die wieder aufgeforstet werden müssen. Das entspricht rund fünf Prozent der gesamten Waldfläche Sachsen-Anhalts! Damit gehört Sachsen-Anhalt zu den sechs am stärksten betroffenen Bundesländern in Deutschland. Ob es in 2021 weitere Schadenzuwächse geben wird, entscheidet der Witterungsverlauf. November und Dezember 2020 waren abermals viel zu trocken. Der Waldzustandsbericht 2020 weist für die Waldbäume in Sachsen-Anhalt eine mittlere Kronenverlichtung von 25 Prozent aus, nach 26 Prozent in 2019. Das heißt, jedem vierten Baum geht es nicht gut. Die Absterberate ist bei der Baumart Fichte mit 31,1 Prozent besonders hoch. Circa 60 Prozent des gesamten Schadholzumfangs entfallen auf diese Baumart, die durch ihre Monokulturen den Harz prägt. Die gegenwärtige Extremsituation in den Wäldern Sachsen-Anhalts ist aber nicht nur eine Folge der menschengemachten Klimakrise. Vielmehr hat der Mensch auch durch Fehler bei der Baumartenwahl seinen Beitrag zur gegenwärtigen Situation geleistet. Es steht mir nicht zu, dies mit erhobenem Zeigefinger zu kritisieren. Frühere Generationen wussten vieles oft nicht besser. Welche Ahnung von der heutigen Klimakrise hatten die Försterinnen und Förster, Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer im Jahr 1920, als sie die Fichtensetzlinge im Harz in Reihe und Glied gepflanzt haben? Die Antwort ist einfach: Nichts wussten sie von den klimakrisenbedingten Problemen des 21. Jahrhunderts. Andererseits glaube ich, dass die früheren Generationen auch schon damals in Teilen wider besseren Wissens gehandelt haben. So war die Sturm- und Schädlingsanfälligkeit von gleichaltrigen Monokulturen auch vor 100 Jahren nicht unbekannt. Man ging auch damals schon mit Monokulturen ein Stück weit bewusst ins Risiko, um möglichst hohe finanzielle Erträge zu generieren. Vielleicht hat sich das finanziell sogar lange Zeit ausgezahlt, aber durch die Klimakrise (Stürme, Trockenheit, Schädlinge) haben sich die Karten noch mal neu gemischt. Wir sollten, nein, wir müssen aus früheren Fehlern lernen. Dies sind wir nicht in erst Linie uns, sondern vor allem unseren Kindern und Enkeln schuldig. Der Wald der Zukunft benötigt heute breit angelegte Hilfe: Die forstliche Förderung in Sachsen-Anhalt beinhaltet sechs Programme. Hilfen für die Bewältigung der Schäden durch die Extremwetterereignisse und für die anstehenden Waldumbaumaßnahmen bieten insbesondere die beiden 2019 neu gestarteten Richtlinien Waldschutz und Forst. Immer mehr Forstbetriebe haben hierüber eine Förderung erhalten, zum 31.12.2020 waren 15 Millionen Euro ausgezahlt. So viel wie noch nie. Die GAK-Förderung des Bundes mit Kofinanzierung aus dem Land ermöglicht diese langfristige Unterstützung beim Umbau unserer Wälder. Auch in den Jahren (2021), 2022 und 2023 wollen wir für diese beiden zentralen Förderrichtlinien jährlich rund 17 Mio. Euro bereitstellen. Weiterhin fördern wir Waldumweltmaßnahmen wie zum Beispiel die Erhaltung von Altholzbeständen oder Biotopbäumen mit Geldern aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Für die Förderperiode 2021 bis 2027 sind hierfür 5,1 Millionen Euro vorgesehen. Der Wald der Zukunft braucht langfristige Unterstützung: Im Jahr 2020 und auch in diesem Jahr standen bzw. stehen in Sachsen-Anhalt zur Unterstützung unserer Waldbesitzenden insgesamt rund 21,5 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung und damit mehr als das Dreifache der Vorjahre. Die Planaufstellungen für den nächsten Doppelhaushalt sind angelaufen. Um den Waldumbau weiter voranzutreiben, werden wir weiterhin investieren müssen – auch mit Mitteln aus dem eigenen Haushalt. Hierfür möchte ich Sie schon jetzt sensibilisieren. Aber finanzielle Hilfen alleine lösen die Probleme in den Wäldern nicht. Wir müssen uns von den Fehlern der Vergangenheit lösen und in der Gegenwart und Zukunft mit den richtigen Baumarten arbeiten. Den Wald der Zukunft müssen wir strategisch aufbauen. Ich bin sicher, dass Sie meine Überzeugung teilen, dass in unseren Wäldern großflächige Wiederaufforstungen stattfinden müssen. Dies muss allerdings an einen klimastabilen Waldumbau gekoppelt sein. Wiederaufforstung bedeutet in der Forstwirtschaft das Anpflanzen von Bäumen, die Beteiligung von Naturverjüngung oder die Aussaat von Samen mit dem Ziel einer Bewaldung. Dabei stellt sich die große Frage, welche Baumarten die Baumarten der Zukunft sind. Um es vorwegzunehmen: Genau wissen wir es nicht. Die Forstwissenschaft erforscht deshalb, welche Baumarten mit höheren Temperaturen und weniger Niederschlag besser zurechtkommen und welche nicht. Die Baumart der Zukunft wird nur noch an wenigen Standorten die Fichte sein. Bekannt ist schon länger, dass die Fichte im Tiefland und in den unteren und mittleren Lagen der Mittelgebirge keine Zukunft hat. Die Fichte war ursprünglich auch nur in den höheren Lagen der Mittelgebirge verbreitet und erst der Mensch hat sie quasi „falsch verpflanzt“, um möglichst hohe Erträge zu erzielen. Das Ergebnis lässt sich im Harz eindrucksvoll beobachten. Die Baumarten der Zukunft stehen nicht allein: Diversifizierung ist das Stichwort, mehrere Baumarten gemeinsam bilden den klimastabilen Mischwald. Damit wird das Risiko auf mehrere Baumarten verteilt. Das ist die einzig sinnvolle Strategie. Die bisherige Forstwirtschaft und Monokulturen sind gescheitert. Auch wenn noch nicht alle wissenschaftliche Fragen geklärt sind, haben wir bereits eine gute Orientierung und verfügen über eine Waldbaustrategie. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt hat Modelle entwickelt, die die Leistungsfähigkeit der Baumarten auf bestimmten Standorten einschätzte. In einer Broschüre sind alle Ergebnisse zusammengefasst und leicht verständlich dargestellt. So findet sich für jeden Standort die passende Hauptbaumart mit passenden weiteren Baumarten. Diese Unterstützung bei der Waldbaustrategie stellt eine wissenschaftlich abgesicherte Entscheidungsgrundlage dar, auch für künftige Fördermaßnahmen des Landes. Darüber hinaus ist die Beschaffung von hochqualitativem Saatgut von großer Bedeutung. Gegenwärtig verfügt Sachsen-Anhalt über Samenplantagen von rund 87 Hektar in den unterschiedlichen Qualitätskategorien einschließlich der gebietsheimischen Gehölze. Unser Ziel bis 2025 ist es, den heimischen Pflanzenmarkt für alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer im Land Sachsen-Anhalt zu versorgen. Der Wald der Zukunft braucht heimisches Saatgut: Um die Wiederaufforstung zu sichern, werden etwa 20 Hektar an Samenplantagen in den nächsten Jahren hinzukommen. In 2019 und 2020 wurden bereits zwei Samenplantagen der Baumart Traubeneiche unter wissenschaftlicher Begleitung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt angelegt. Der Wald der Zukunft braucht viel Pflege in der Kinderstube: Durch die zunehmende Frühjahrs- und Sommertrockenheit ist die Anwachswahrscheinlichkeit bei Jungbäumen je nach Standort deutlich reduziert. Junge Bäume haben in den ersten zwei bis drei Jahren, teilweise sogar in den ersten zehn Jahren ein hohes Risiko, in langfristigen Trockenperioden einzugehen. Daher muss an manchen Standorten zwei Mal oder öfter nachgepflanzt werden. Darauf stellen wir uns ein, indem wir in unseren Programmen auch das Nachpflanzen fördern. Auch verstärkte Containerpflanzungen (wurzelschonend) oder gar professionelle Gießtechnik können trotz der Mehrkosten lokal eine sinnvolle Lösung sein. Der Wald der Zukunft gefällt auch dem Wild: Der Wildverbiss durch Reh- und Rotwild ist ein Problem. Grundsätzlich ist dies bereits seit vielen Jahren (und nicht erst seit 2018) ein Thema, weswegen Neuanpflanzungen und Naturverjüngung großflächig per Drahtzaun oder per Einzelverdrahtung geschützt werden. Dieser Aufwand erhöht ebenfalls die Kosten erheblich und ist auch ökologisch nachteilig, weil ganze Waldflächen dem Wild als Nahrung- und Wanderungsraum entzogen werden. Eines ist gewiss: Ohne die Unterstützung und den festen Willen der Verantwortlichen in der Fläche, dazu zählen neben den Grundeigentümern unsere rund 12.000 Jägerinnen und Jäger in Sachsen-Anhalt, werden wir es schwer haben, unsere wald- und umweltpolitischen Zielstellungen der kommenden Jahre zu erreichen. Aus heutiger Sicht setze ich auf die Weiterentwicklung des Jagdrechts – zunächst auf Bundesebene durch die Novellierung des Bundesjagdgesetzes – und vertraue gleichzeitig auf die Unterstützung des Landesjagdverbandes. Insgesamt gehen wir davon aus, dass das Waldbrandrisiko im Kontext der Klimakrise in den nächsten Jahrzehnten steigen wird, auch wenn dies bei uns in den letzten beiden Jahren nicht so war. Neben gut ausgestatteten Feuerwehreinsatzkräften ist vor allem die Erhöhung der Laubholzanteile die zentrale Stellschraube, um die Waldbrandgefahr zu reduzieren. Zur frühen Erkennung von Waldbränden wurde die Überwachung mit Kameras modernisiert. Um die Waldbrandbekämpfung zu verbessern, fördern wir den Wegebau und den Brunnenbau im Wald. Darüber hinaus stimmt sich das Landeszentrum Wald eng mit den Feuerwehren vor Ort ab und erstellt Waldbrandeinsatzkarten für die Wälder. Die von mir bisher angesprochenen Herausforderungen müssen unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen angegangen werden. Seit nun drei Jahren sind alle Forstleute, Waldbesitzende und Forstunternehmerinnen und -unternehmer im Ausnahmezustand und arbeiten an der Belastungsgrenze. Die reinen Waldschäden sind das eine, aber mindestens im gleichen Maße problematisch sind die geringen Holzpreise durch das Überangebot. Der Holzpreis ist in allen Sortimenten um bis zu zwei Drittel eingebrochen. Ausnahmen sind hochwertige Laubhölzer. Die privaten, kommunalen und staatlichen Betriebe müssen mit unplanmäßiger Betriebsführung, Zuwachsverlusten und höheren Aufarbeitungskosten umgehen. Dazu kommt ein außerordentlicher Verschleiß an Gerät und Wegen durch den hohen Maschineneinsatz. Oft hat der Erlös in den Nadelhölzern nicht einmal mehr die Werbungs- geschweige die Holzlagerkosten decken können. Und da der Holzverkauf die hauptsächliche Einnahmequelle darstellt, wären ohne Hilfe von außen die Wiederaufforstungen und der Waldumbau gefährdet. Der Wald der Zukunft ist ein unerlässlicher Baustein im Ökosystem. Der Wald der Zukunft ist Lebensraum für bisweilen sehr seltene Pflanzen und Tiere, er dient als Wasserspeicher, Luftfilter und CO2-Speicher. Nicht zuletzt dient der Wald der Zukunft natürlich der Erholung und auch dem möglichst naturnahen Tourismus. Deshalb bin ich überzeugt, dass der Landesforstbetrieb den richtigen Weg in die Zukunft eingeschlagen hat, indem er seine Arbeit an Klimaschutz und Artenreichtum ausrichtet. Es ist aus meiner Sicht sinnvoll, die Reviere des LFB zu verkleinern und den gesamten Landeswald schrittweise der FSC-Zertifizierung zu unterziehen. Gerade FSC-Zertifizierungen besitzen gegenüber anderen Zertifizierungen einen höheren Standard. FSC-Zertifizierungen erfolgen umweltgerecht, sind sozial förderlich und für ein zertifiziertes Unternehmen wirtschaftlich tragfähig. Der Wald der Zukunft wird zu einem Teil Wildnisgebiet sein. 8,4 Prozent des Landeswaldes sind schon Wildnisgebiet. Hier ist die Natur sich selbst überlassen. Hier haben Pflanzen und Tiere freien Raum ohne menschliche Eingriffe. Man kann von Reallaboren des Naturschutzes sprechen, die zugleich auch wertvolle Hinweise für die nachhaltige Holzwirtschaft in Wirtschaftswäldern geben können. Ich gehe davon aus, dass wir das 10-Prozent-Ziel noch in der laufen Legislaturperiode erreichen. Damit leistet Sachsen-Anhalt einen wichtigen Beitrag, um die Artenvielfalt zu erhalten und seltene Arten zu schützen. Der Wald der Zukunft hat starke Partner in der Wirtschaft. Auch wenn zehn Prozent der Flächen dem Naturschutz vorbehalten sind, 90 Prozent werden aktiv bewirtschaftet! Holz ist ein wertvoller nachhaltiger Rohstoff, den wir sehr vielfältig einsetzen können. In der stofflichen Nutzung bleibt das CO2 gebunden. Wir haben hier noch viel Luft nach oben. Zum Beispiel beim Bauen mit ökologischen Baustoffen. Der Holzbau liegt mir als Klima-Ministerin sehr am Herzen. Der Punkt wurde auch als eigene Maßnahme in das Klima- und Energiekonzept Sachsen-Anhalt integriert. Natürlich ist Holz der historische Baustoff schlechthin, wobei Sachsen-Anhalt zudem auch ein klassisches Lehmbauland ist. Im 20. Jahrhundert ist die Holzbautradition durch die Moderne in der Architektur etwas aus dem Blick geraten. Von daher kann ich dem Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine am klimaschutzorientierte „neue Europäische Bauhaus-Bewegung“ anzustoßen, viel abgewinnen. Herr Kollege Robra hat im Oktober letzten Jahres ebenfalls bereits seine Unterstützung zugesagt. Eine an Klimaschutz und Nachhaltigkeit orientierte Bewegung „Bauhaus 2.0“ wäre eine großartige Chance, die Bauhaustradition Sachsen-Anhalts für das Bauen der Zukunft zu nutzen. Dabei können Häuser zu großen Teilen – nicht nur Dachstühle – aus Holz gebaut werden. Auch mehrgeschossig, wie beispielhaft unsere Weltkulturerbestadt Quedlinburg zeigt. Dank moderner Technik gibt es weltweit auch bereits Holzbauprojekte bei Hochhäusern. Daher war sich die Regierungskoalition bei der Novellierung der Bauordnung im letzten Jahr auch einig, dass die Potentiale beim Holzbau gefördert werden müssen, auch bei mehrgeschossigen Bauten. Die Anforderungen an den Brandschutz wurden bei der Bauordnungsnovelle angepasst. Ich hoffe sehr, dass die Novellierung einigen Holzbauprojekten einen Schub geben wird. Dies gilt aber nicht nur vorwiegend für Einfamilienhausprojekte, sondern eröffnet auch bei der Quartierverdichtung neue Potentiale. So kann der eher leichte Baustoff Holz bei Dachaufbauten auf Bestandsbauten statische Hürden überwinden. Ich kann nur alle Bauherrinnen und Architektinnen dazu aufrufen, über möglichst hohe Holzanteile im Rahmen ihrer Bauprojekte nachzudenken. Damit fördern sie im Idealfall die heimische Holzwirtschaft und tun auf jeden Fall viel Gutes für den Klimaschutz. Auch in der Industrie gibt es Absatzpotentiale für Waldbesitzende. Ich möchte hier allen voran auf das finnische Unternehmen UPM verweisen, welches sich im letzten Jahr im industriellen Herz Sachsen-Anhalts – in Leuna – angesiedelt hat (550 Mio. Euro investiert) und innovative Biochemikalien auf Laubholzbasis produzieren wird. Die Ansiedlung von UPM passt zu unserer Waldumbaustrategie. So hat der Landesforstbetrieb im Oktober 2020 mit UPM einen Rahmenvertrag zur Belieferung mit Buchen-Industrieholz unterzeichnet. Dabei handelt es sich um Durchforstungsholz, welches auf dem Holzmarkt schwer oder nur zu geringen Preisen verkaufsfähig ist. Die Buche ist zudem ein wichtiger Baum beim Waldumbau in Sachsen-Anhalt. Der Wald der Zukunft braucht Ideen und Innovationen. Ich bin überzeugt, dass bei der stofflichen Nutzung von Holz noch mehr möglich ist. Weitere Unternehmensansiedlungen könnten gerade dem Strukturwandel im Süden Sachsen-Anhalts große Impulse geben. Um dem gesamten Thema moderne Holznutzung und Strukturwandel noch mehr Schwung zu geben, haben das MULE und der Landkreis Mansfeld-Südharz im Dezember eine Absichtserklärung zur Schaffung eines Innovationshubs „Zukunft Holz und Klima“ unterzeichnet. Finanziert werden soll das aus Strukturwandelgeldern. Ziel des Innovationshubs ist die Vernetzung mit bereits vorhandenen Informationsclustern im Fachgebiet Holz und angrenzenden Bereichen. Es sollen Projekte zu Forschung und Entwicklung mit regionalen Forschungsinstituten, zur Aus- und Weiterbildung sowie zur Verfahrens-, Produkt- und Konzeptentwicklung rund ums Thema Holz umgesetzt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf nachhaltigen und klimaneutralen Systemen. Die durch die Extremwetterereignisse der letzten drei Jahre verursachten Waldschäden in Deutschland und in Sachsen-Anhalt haben ein historisches Ausmaß eingenommen. Die Beseitigung der Schäden bedarf erheblicher gesellschaftlicher und privater Anstrengungen. Der Wald der Zukunft braucht uns und unser vorausschauendes Handeln. Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Wälder Sachsen-Anhalts zukunftsfest zu machen, damit sie der Klimakrise trotzen können. Dabei sitzen Holzwirtschaft und Ökologie in einem Boot. Monokulturen mögen in der Vergangenheit zeitweilig finanzielle Vorteile gebracht haben, aber sie sind immer anfälliger für Schäden bis hin zum Totalverlust. Zukunftsfähig ist allein der eingeschlagene Weg des Waldumbaus. Durch die Mehrbaumartenstrategie werden die Risiken für Waldbesitzende überhaupt erst wieder kalkulierbar. Der Wald der Zukunft wird am besten nachhaltig bewirtschaftet. Wenn sich an der wirklich nachhaltigen Dauerwaldbewirtschaftung orientiert wird, werden auch die Kinder und Kindeskinder der jetzigen Waldbesitzergeneration eine Perspektive haben. Nur mehrschichtig aufgebaute Mischwälder haben eine reale Chance, in der Klimakrise zu bestehen. Wir können jetzt sehr viel gestalten. Gehen wir es gemeinsam an. Dann hat unser Wald eine Zukunft.“ Weiterführende Informationen zum Thema Zukunft der Wälder: https://mule.sachsen-anhalt.de/landwirtschaft/forst/zukunft-des-waldes/ Impressum: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt Pressestelle Leipziger Str. 58 39112 Magdeburg Tel: +49 391 567-1950 Fax: +49 391 567-1964 E-Mail: PR@mule.sachsen-anhalt.de Facebook: Umwelt.LSA Twitter: UmweltLSA YouTube: Umwelt_LSA Instagram: Umwelt.LSA

WMO und AWI starten internationale Forschungsinitiative „Year of Polar Prediction“

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) gaben am 15. Mai 2017 in Genf den Start der internationalen Forschungsinitiative Year of Polar Prediction bekannt. Das Ziel des zweijährigen Großprojektes mit Partnern aus mehr als 20 Ländern ist es, die Wetter-, Eis- und Klimavorhersagen für die Arktis und Antarktis so umfassend zu verbessern, dass zum einen die Risiken für den Schiffsverkehr und andere Aktivitäten künftig besser eingeschätzt und Unfälle vermieden werden können. Zum anderen wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genauer verstehen, wie die Klimaveränderungen an den Polen das Wetter in den mittleren Breiten beeinflussen.

Newsletter Klimafolgen und Anpassung - Nr.: 55

Geehrte Leserinnen, geehrte Leser, wie gehen lokale Vereine, Bildungseinrichtungen oder Unternehmen mit den Folgen des Klimawandels direkt vor ihrer Haustür um? Die diesjährigen Gewinner des Klimaanpassungswettbewerbs „Blauer Kompass“ zeigen innovative Wege auf. Wir stellen sie in unserem Schwerpunktartikel vor. Lassen Sie sich von den Gewinnern des „Blauen Kompass“ inspirieren und beantragen Sie zwischen dem 1. August und 31. Oktober eine Förderung vom Bundesumweltministerium für ein eigenes Klimaanpassungsprojekt. Sommerliche Grüße, Ihr KomPass Team im Umweltbundesamt Blauer Kompass: Projekte der Klimaanpassung ausgezeichnet Mit dem Wettbewerb "Blauer Kompass" zeichnet das UBA Anpassungspioniere im Bereich Klimawandel aus. Quelle: Raum11/Zappner/Umweltbundesamt Ein innovatives Konzept zur Stadtentwässerung, Bildungsmodule für Auszubildende, ein Nachbarschaftsprojekt zur Stadtbegrünung und eine Ultraleichtbaukonstruktion mit Solarstruktur als Schattenspender – das sind die vier Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs „Blauer Kompass“. Sie wurden gemeinsam mit den nominierten Projekten am 22. Juni von Bundesumweltministerin Schulze und UBA-Fachbereichsleiter Lehmann bei einer feierlichen Preisverleihung in Berlin geehrt. Bereits zum dritten Mal zeichnet das Umweltbundesamt innovative Projekte der Klimaanpassung mit dem „Blauen Kompass“ aus. Mit insgesamt 111 Bewerbungen verzeichnete der Wettbewerb einen neuen Teilnehmerrekord und stellt das Thema Klimaanpassung in den Fokus der Öffentlichkeit. Anbieter-Nutzer-Netzwerk zu Klimaanpassungsdiensten gegründet Das KlimAdapt Anbieter-Nutzer-Netzwerk soll zukünftig das bundesweite Angebot an Klimaanpassungsdiensten sowie das übergeordnete Klimavorsorgeportal (KLiVO; Launch im Sommer 2018) auf bedarfs- und nutzergerechte Anwendbarkeit prüfen und weiterentwickeln. Beim Auftakttreffen am 23. Mai 2018 in Berlin diskutierten Anbieter, Nutzer und Nutzerinnen aus Bundes- und Landesbehörden, Kommunen, Verbänden, Zivilgesellschaft und Unternehmen über verschiedene Arten von Klimaanpassungsdiensten, Bedarfe von Nutzer/innen und mögliche Themen für die nächsten Netzwerktreffen. Weitere Informationen folgen im nächsten Newsletter. Alpenraum-Projekt GoApply: Stakeholderworkshop zur Klimawandelanpassung in Kempten Das Umweltbundesamt führte am 6. Juni 2018 gemeinsam mit dem lokalen Klimaschutzmanagement einen Workshop zur Klimawandelanpassung in Kempten (Allgäu) durch. Knapp 20 Teilnehmende aus Lokalpolitik, Verwaltung, Verbänden und Wirtschaft diskutierten Herausforderungen und Chancen des Klimawandels für die Region. Lokale Expertinnen und Experten verdeutlichten, wie sich der Klimawandel auf zentrale Bereiche wie Gesundheit, Grünflächenentwicklung, Landwirtschaft, Katastrophenvorsorge und Tourismus auswirken könnte. Die Akteure setzen ihre gemeinsame Arbeit im Rahmen des Interreg-Alpine-Space-Projekts „GoApply“ mit einer Anschlussveranstaltung im Herbst fort. BMU-Förderung für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel geht in die nächste Runde Im Rahmen der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ fördert das Bundesumweltministerium Pilotprojekte zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Kommunen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und vergleichbare Akteure können ihre Projektideen vom 1. August bis zum 31. Oktober 2018 beim Projektträger Jülich einreichen. Klimafeste Deiche entlang der Tideelbe Steigende Meeresspiegel und extreme Sturmfluten führen auch in Deutschland immer häufiger zu Überschwemmungen. Um die Anwohnerinnen und Anwohner entlang der Tideelbe vor den Schäden durch Überschwemmungen zu schützen, haben sich Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg auf einheitliche Bemessungswasserstände der Deiche geeinigt. Schwerin: 5. Regionalkonferenz des Bundes und der norddeutschen Länder Am 26. September findet die 5. Regionalkonferenz des Bundes und der norddeutschen Länder zum Thema "Klimawandel Norddeutschland - Herausforderung Infrastruktur" statt. Neben Vorträgen werden drei Workshops angeboten: Klimaangepasstes Bauen, Versorgungssicherheit im Klimawandel und Verkehrsinfrastruktur im Klimawandel. Zehn Kommunen aus NRW für Klimaanpassung ausgezeichnet Landesumweltministerin Schulze Föcking zeichnete in Nordrhein-Westfalen zehn Kommunen für individuelle und integrierte Maßnahmen der Klimaanpassung aus, die sie im Modellversuch „eea-Plus“ entwickelt haben. Als Pendant zum European Energy Award ist der eea-Plus ein Probelauf für den „European Climate Adaptation Award (eca)“, der Kommunen anhand einer Klimaanalyse dabei helfen soll, sinnvolle Klimaanpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Wohlfühlen trotz Hitze: Forschungsprojekt startet Messungen in Dresden und Erfurt Wie kann die Hitzebelastung in Großstädten reduziert werden? Dieser Frage geht das Projekt „HeatResilientCity“ nach und startet Messungen der Lufttemperatur und Luftfeuchte in Dresden und Erfurt. Veränderungen der Hitzebelastung werden beobachtet und der Einfluss von versiegelten Flächen, Stadtgrün und Gewässern auf die Wohnqualität untersucht. Simulationen zeigen, wie bauliche Anpassungen die Wohnqualität verbessern können. Sturzfluten: Bayern entwickelt Hinweiskarten zur Bürgervorsorge Allein im Sommer 2016 hat das Bayerische Landesamt für Umwelt über 50 Hochwasserereignisse infolge von Starkregen in Bayern registriert. Um seine Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen besser vor Sturzfluten zu schützen, entwickelt der Freistaat Bayern nun lokale Hinweiskarten für gefährdete Gebiete. Bis 2020 sollen die Hinweiskarten für ganz Bayern vorliegen. Leitfaden für Klimaschutz in kleinen Kommunen in Bayern Klimabedingte Überflutungen, Hitzewellen oder Trockenperioden stellen Kommunen vor große Herausforderungen. In Bayern wurde daher ein Leitfaden entwickelt, der insbesondere kleine Gemeinden bei Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel unterstützen soll. Von Hochwasserschutz über Begrünungsprojekte oder klimaangepasste Bauleitplanung – der Leitfaden gibt Tipps in allen Bereichen. UV-Newsletter informiert über aktuelle Sonnenbrandgefahr Sonne macht gute Laune und fördert die Produktion des gesunden Vitamin D. Doch mit dem Sonnenbad steigt auch die Gefahr für Hautkrebs durch die ultraviolette (UV) Strahlung. Der UV-Newsletter des Bundesamtes für Strahlenschutz informiert im Sommer bis zu drei Mal pro Woche über den aktuellen UV-Index und hilft Sonnenliebhabern so dabei, Sonnenbrand vorzubeugen. Robinien in Städten – die natürliche Klimaanlage Eine Studie der TU München hat den Kühlungseffekt der beliebten Stadtbaumarten Linde und Robinie verglichen. Das Ergebnis: Robinien brauchen wenig Wasser, trocknen daher umliegende Grasflächen nicht aus und bieten einen guten Kühlungseffekt. Im Gegensatz zur durstigeren Linde sind Robinien daher besser für die Klimatisierung von Städten geeignet. Klimaanpassung im Weinbau: neue Rebsorte gezüchtet Deutsche Bio-Weinbauern leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels, weil vermehrter Niederschlag im Sommer den Pilzbefall der Rebstämme begünstigt. Das Julius Kühn-Institut hat jetzt mit Calardis blanc eine neue Weißwein-Traube gezüchtet, die besonders resistent gegen die häufigsten Pilz- und Schimmelsorten ist. Umfrage zur Klimaanpassung bei Großveranstaltungen Ob Starkregen beim Festival oder Hitzewelle während der Jahrestagung – Extremwetterereignisse können Teilnehmende und Veranstalter von Großevents auf die Probe stellen. Um Schäden durch Extremwetterereignisse während Großveranstaltungen vorzubeugen entwickelt der Deutsche Evangelische Kirchentag derzeit einen Leitfaden. Dazu ruft er Veranstalter und Kommunen auf, über ihre Erfahrungen zu berichten und sich an einer Umfrage zu beteiligen. Meeresspiegel steigt schneller an Die Erwärmung des Klimas führt zu einem immer schnelleren Anstieg des Meeresspiegels. Zu diesem Ergebnis kamen 84 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem großen Klimagutachten. Durch das Abschmelzen der Eismassen in der Antarktis ist der Meeresspiegel seit 1992 bereits um fast 7,6 Millimeter angestiegen – zwei Drittel davon wurden in den letzten fünf Jahren verursacht. Klimavorhersagen im Winter: Neues System erlaubt Langzeitvoraussagen Eine verlässliche Voraussage für die Witterung der nächsten drei Monate wäre Gold wert für Landwirtschaft und Industrie. Bisher sind zuverlässige Prognosen in Europa jedoch vor allem im Winter kaum möglich. Forscherinnen und Forscher vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg haben jetzt ein System entwickelt, das Drei-Monats-Prognosen in Europa – auch im Winter – verbessern soll. Natech Risk Management Workshop in Potsdam Vom 5. bis 7. September 2018 veranstaltet die UN/OECD einen Workshop zu „Natech Risikomanagement“ in Potsdam. Denn wenn Naturkatastrophen wie Hurrikane, Tsunamis, Fluten oder Erdbeben auf Chemiewerke treffen, kann das nicht nur Menschen gefährden, sondern auch die Umwelt stark belasten. Umso wichtiger ist es, solche Anlagen entsprechend zu schützen. Langzeiterfolg: Strenger Klimaschutz spart Billionen und schützt vor Klimafolgen Strenger Klimaschutz und die radikale Reduktion von Treibhausgasen verlangen Investitionen – beispielsweise in die Umstellung der Energiesysteme. Doch lohnt sich dieser Aufwand? Eine Studie der US-amerikanischen Stanford-Universität zeigt: Ja. Strengerer Klimaschutz würde der Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts Kosten in Höhe von 20 Billionen Dollar ersparen. UBA: Moderne Stadtentwicklung: gesund, sozial, umweltfreundlich und klimaresilient Wie können in dicht besiedelten Städten soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Gesundheitsschutz in Einklang gebracht und gleichzeitig klimarobust gestaltet werden? Mit einer strategischen Forschungsagenda identifiziert das UBA zukünftige Forschungsschwerpunkte für eine an Umweltqualitätszielen ausgerichtete Entwicklung von Siedlungsräumen und zeigt bestehende Wissenslücken einer umweltorientierten, sozialverträglichen und gesundheitsfördernden urbanen Entwicklung auf. BBSR: Stresstest Stadt – wie resilient sind unsere Städte? Eine vorausschauende und intelligente Stadtplanung kann die Resilienz von Städten steigern. Probleme müssen antizipiert, Anpassungen und konstruktive Szenarien für den Störungsfall vorbereitet werden. Mit der Publikation „Stresstest Stadt“ möchte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung die Kommunikation in den Städten und Gemeinden über Risiken für die Stadtentwicklung und die städtische Resilienz anregen. BBSR: Starkregeneinflüsse auf die bauliche Infrastruktur Als Folge des Klimawandels treten Extremwetterereignisse wie Starkregen immer häufiger auf. Allerdings sind die Strukturen von Städten häufig noch nicht darauf ausgerichtet. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat nun untersucht, welchen Effekt Starkregen auf die Struktur von Bauwerken hat und welche Potenziale sich daraus ergeben. WWF stellt Konzept für naturfreundlichen Küstenschutz vor Zunehmende Sturmfluten und ein steigender Meeresspiegel bedrohen das Wattenmeer und die Bewohnerinnen und Bewohner der Nordseeküste. Als Schutz werden oft künstlich befestigte Ufer aus Stein und Asphalt angelegt. Diese bilden nicht nur harte Kanten, sondern stören auch die Natur. Der WWF zeigt mit der Publikation „Weiche Kante“, wie naturnaher Küstenschutz in Zukunft aussehen kann. EEA Berichte zu Risikoanalysen und Anpassungsplattform Climate-ADAPT Fast alle europäischen Länder haben bereits ihre Betroffenheit gegenüber den Folgen des Klimawandels analysiert, um sich besser vor Schäden zu wappnen. So fasst es die Europäische Umweltagentur EEA in ihrem neuen Bericht „National climate change vulnerability and risk assessments in Europe 2018“ zusammen. Eine häufige Informationsquelle für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger ist das Onlineportal Climate-ADAPT der EEA. Die Wissensplattform wurde nach sechsjähriger Laufzeit erstmalig evaluiert. Die Ergebnisse sind in einem Bericht zusammengefasst. UNEP: Wie kann man Anpassung messbar machen? Anpassungsstrategien an den Klimawandel gewinnen sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene an Bedeutung. Doch welche Maßnahmen sind tatsächlich erfolgreich? Wie und wo werden finanzielle Mittel am sinnvollsten eingesetzt? Der Frage, wie der Erfolg von Anpassungsstrategien gemessen werden kann, geht eine neue Ausgabe der „perspective series“ von der UNEP DTU Partnerschaft nach.

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