API src

Found 94 results.

Related terms

Zukunftstag am 3. April 2025 Video: Girls'Day und Boys'Day – Was ist das überhaupt? Girls'Day und Boys'Day 2024 – Rückblick

Der Girls'Day und Boys'Day im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Verwaltung ist out: dicke Akten, langweilige Themen, graue Amtsstuben. Diese und andere Vorurteile rund um den öffentlichen Dienst begegnen uns immer wieder. Mit der Realität im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (kurz: MWU) haben sie aber nichts zu tun. Wer sich sein eigenes Bild machen möchte, ist am Zukunftstag herzlich willkommen. Das MWU öffnet für je sechs Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren seine Bürotüren. Was erwartet Dich am Girls'Day bzw. Boys'Day? Ihr erhaltet spannende Einblicke in unseren Arbeitsalltag und erfahrt, dass im MWU viele Berufsgruppen tätig sind, die auch zukünftig gebraucht werden. Im Austausch mit Beschäftigten des Ministeriums könnt Ihr Fragen stellen und erste Kontakte knüpfen. Einen Eindruck gibt es zudem über die Presse- und Medienarbeit, neueste IT-Anwendungen und Jobchancen in Bereichen wie Umwelttechnik oder Wasserwirtschaft. Qualifizierter Nachwuchs ist bei uns immer gesucht! Hier kannst du dir einen Platz für den 3. April im MWU sichern: Am 25. April 2024 durften wir bereits 12 jungen Menschen einen kleinen Eindruck von unserer täglichen Arbeit geben. Dabei konnten wir vor allem die vielfältigen Berufs- und Jobchancen im öffentlichen Dienst aufzeigen. Unsere Fachreferate haben den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die politischen Handlungsfelder Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt geben können. Es wurde insbesondere darüber gesprochen, wie wir als Ministerium den Deichbau und die Flusserhaltung, den technischen Umweltschutz, erneuerbare Energien, die Artenvielfalt, die Hochschul- und Forschungslandschaft in Sachsen-Anhalt politisch begleiten und mitgestalten. Für diese Mitgestaltung sind verschiedenste Abschlüsse in unterschiedlichsten Bereiche Wasserbauer und Chemielaboranten im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), Studierende im Studiengang Wasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Studierende im Studiengang Verwaltungsökonomie , im Studiengang Verwaltungsdigitalisierung- und informatik und im Studiengang Öffentliche Verwaltung an der HS-Harz gefragt.

KPI4DCE im Feld: Umweltbewertung ausgewählter Rechenzentren und Best Practices

Die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt ⁠ KPI4DCE ⁠ 2.0 zeigen, dass es sinnvoll ist, genaue Kenntnisse über alle Teilbereiche eines Rechenzentrums zu haben. Es macht nur bedingt Sinn lediglich die Gebäudeinfrastrukturtechnik zu optimieren. Ist die Informationstechnik völlig überdimensioniert, verschwendet sie nicht nur Energie und Ressourcen ohne Leistung zu erbringen, sondern stellt unnötige Bedarfe an Klimatisierung, Stromversorgungsanlagen und Fläche. Um diese Bedarfe nachzukommen müssen Gebäudetechnik und Fläche entsprechend groß ausgelegt werden. Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, Transparenz über alle Teilbereiche herzustellen und insbesondere die Informationstechnik am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Nur so können die Effizienzpotenziale erkannt und sinnvolle und gewinn-bringende Maßnahmen umgesetzt bzw. in Ausbauplanungen berücksichtigt werden. Für die optimale Umsetzung von Effizienzmaßnahmen im Rechenzentrum hat sich ein abgestimmtes Vorgehen in der Praxis als hilfreich erwiesen, denn künstliche Intelligenz, Big Data, Industrie 4.0 oder Internet of things sind längst nicht mehr nur Schlagworte, sondern benennen vielmehr reale Megatrends, die zum Teil enorme Energie- und Rohstoffbedarfe haben. Alle diese und weitere Anwendungen und Produkte der Digitalisierung haben gemein, dass sie auf Rechenzentren angewiesen sind, die die Daten zentral speichern, verarbeiten, weiterleiten oder anderweitig zur Verfügung stellen. Die Rechenzentren haben aufgrund der steigenden Nachfrage in den letzten Jahren erheblich an Anzahl und Größe zugenommen. Die Wachstumsprognosen zeigen auch weiterhin einen deutlichen Trend nach oben. Aus diesem Grund ist es notwendig sie genauer unter die Lupe zu nehmen, um die Energie- und Rohstoffbedarfe zu kennen und die Effizienzpotenziale im Rechenzentrum zu heben. Für die Umweltbilanzierung von Rechenzentren steht die vom ⁠ UBA ⁠ entwickelte Methode Key Performance Indicator for Datacenter (KPI4DCE) zur Verfügung. Mit dieser Methode ist eine ganzheitliche Beurteilung der Umweltwirkungen von Rechenzentren möglich. Die KPI4DCE-Kennzahlen werden jeweils berechnet als Quotient aus Nutzen und Aufwand. Dabei wird die Herstellung von Informationstechnik und den Betrieb des Rechenzentrums in die Berechnung der vier Wirkungskategorien Rohstoffaufwand (ADP), Treibhausgasemissionen (GWP), Kumulierter Energieaufwand (⁠ KEA ⁠) und Wasserverbrauch mit einbezogen. Veröffentlicht in Texte | 43/2024.

Neubau

Neubau - energieeffizient und ökologisch So planen Sie Ihren Hausbau möglichst klimafreundlich Prüfen Sie vorab ehrlich Ihren genauen Wohnbedarf. Achten Sie auf möglichst hohe Energieeffizienz (Passivhaus-/ Plusenergiestandard). Installieren Sie eine Heizung nur mit erneuerbaren Energien. Wählen Sie ökologische Baustoffe und eine Bauweise mit geringem Energieaufwand für die Herstellung (Graue Energie). Mit Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle vermeiden Sie Baufehler. Gewusst wie Der Bau eines neuen Hauses ist nicht nur unter persönlichen und finanziellen, sondern auch unter Umweltgesichtspunkten eine der folgenreichsten Konsumentscheidungen. Dies betrifft den Rohstoffbedarf und Energieverbrauch für Herstellung der Baustoffe, die dauerhafte Flächenversiegelung insbesondere durch Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch Schadstoffemissionen aus Baustoffen. Zudem wird mit der Bauart der Energieverbrauch und damit die Betriebskosten des Hauses für die nächsten Jahrzehnte festgeschrieben. Mit den folgenden Tipps können Sie die Umweltwirkungen eines Neubaus verringern. Genauen Wohnbedarf prüfen: Es klingt selbstverständlich, den genauen Wohnbedarf vor der Bauplanung zu klären. Die Praxis zeigt jedoch, dass bei Neubauten eher "zu groß" als "zu klein" geplant wird. Nicht selten führt das dazu, dass das Baubudget knapp und paradoxerweise am energetischen Standard gespart wird, obwohl gerade dieser zukünftige Kosten fürs Heizen verringert. Aus Umweltsicht gibt es drei wichtige Daumenregeln für die Planung des Wohnbedarfs: Flächenbedarf klein und flexibel halten: Je größer die Wohnfläche, desto höher die Kosten für Bau, Einrichtung, Instandhaltung und Heizbetrieb. Das gilt für Sie ebenso wie für die Umwelt. Planen Sie deshalb Ihren Flächenbedarf zurückhaltend und bescheiden. Mit flexiblen Grundrissen können Sie die Wohnraumgröße zudem an sich wandelnden Platzbedarf anpassen (z. B. beim Auszug von Kindern). Bestand erwerben, Lücken füllen: Der Kauf einer bestehenden Immobilie ist die ressourcenschonendere Alternative gegenüber einem Neubau. Beachten Sie hierbei unsere Tipps zur energetischen Sanierung . Sie verringern die Zersiedelung der Landschaft, indem Sie in eine Lücke in einer bestehenden Siedlung bauen, ein anderes Haus aufstocken oder sich für eine Wohnung statt für ein Einfamilienhaus entscheiden. Wohnen und Arbeiten zusammenbringen: Mit dem Bauplatz legen Sie auch Ihren Arbeitsweg dauerhaft fest. Je näher Ihr Wohnort am Arbeitsort liegt, desto besser. Bedenken Sie deshalb bei der Wohnortwahl, wie viel Lebenszeit Sie im Berufsverkehr verbringen möchten. Stellen Sie sich diese Frage auch im Hinblick darauf, was Sie machen werden, wenn sich Ihr Arbeitsort möglicherweise verändert und vom Wohnort weiter entfernt. Es ist in diesem Sinne durchaus hilfreich, schon vor einem Neubau auch einen möglichen Weiterverkauf zu durchdenken. Wer es zudem zum Einkaufen, zu Freizeitmöglichkeiten und zum öffentlichen Nahverkehr nicht weit hat, verringert den Autoverkehr – das bringt Ruhe in den Alltag und spart Geld. Am Passivhaus orientieren: Der Passivhausstandard ist die effizienteste und komfortabelste Bauweise. Er entspricht für Neubauten dem "Stand der Technik" und rechnet sich im Normalfall, wenn er kompetent geplant wird. Sehr gute und wärmebrückenfreie Wärmedämmung von Bodenplatte, Wänden, Dach und Fenstern sowie eine luftdichte Bauweise mit Lüftung und Wärmerückgewinnung minimieren den Energieverbrauch. Das ist langfristig am tragfähigsten und schützt am besten vor steigenden Energiepreisen. Gute Luftqualität und warme Raumoberflächen sorgen für einen hohen Wohnkomfort. Von Anfang an nur erneuerbare Energien nutzen: Fossile Brennstoffe sind nicht zukunftssicher und sollten für Neubauten nicht mehr verwendet werden. Heizen mit Wärmepumpe ist zum Standard geworden. Für Mehrfamilienhäuser in dicht bebauten Vierteln kann auch Fernwärme eine gute Lösung sein. Im Einfamilienhaus sollten Sie auf eine Zirkulationsleitung für Warmwasser verzichten, um hohe Wärmeverluste zu vermeiden. Der Komfortverlust bleibt überschaubar, wenn der Grundriss so gestaltet ist, dass kurze Leitungen genügen. Nutzen Sie möglichst das vollständige Dach für die Stromerzeugung mit Photovoltaik . Die Mehrkosten für eine leistungsstärkere, d. h. nicht auf den Eigenverbrauch optimierten Anlage sind gering. Mit den Erträgen Ihrer Photovoltaikanlage können Sie Effizienzmaßnahmen gegenfinanzieren. Wenn Sie viel erneuerbare Energien gewinnen und wenig Energie brauchen, erreichen Sie sogar ein "Plusenergiehaus". Energie im Lebenszyklus berücksichtigen: Bei Klimaschutzmaßnahmen geht es nicht nur um den Energieverbrauch des Gebäudes während der Nutzungsphase.  Es ist sinnvoll, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten. Hierzu gehören neben der Nutzung die Phasen Herstellung, Errichtung, Entsorgung und Wiederverwendung. Die Energie, die in allen Phasen benötigt wird, wird unter dem Begriff Kumulierter Energieaufwand (⁠ KEA ⁠) zusammengefasst. Ihre Entscheidungen machen einen Unterschied: Auf die Wohnfläche bezogen liegt der KEA größerer Gebäude unter dem kleiner Gebäude. Ein Quadratmeter Wohnfläche in einem Einfamilienhaus verbraucht rund 40 Prozent mehr KEA als in einem mittelgroßen Mehrfamilienhaus. Der Anteil des Energieverbrauchs während der Nutzungsphase liegt jeweils zwischen 50 und 60 Prozent. Der Energiestandard beeinflusst die Höhe des KEA maßgeblich. Einfamilienhäuser im Passivhausstandard haben z.B. einen um mehr als 30 Prozent geringeren KEA als Einfamilienhäuser, die nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) errichtet wurden, obwohl die Herstellung etwas aufwändiger ist. Das liegt vor allem am geringeren Energieverbrauch während der Nutzungsphase. Die Bauweise beeinflusst vor allem den Energieaufwand der Herstellungsphase. Im Vergleich zur Massivbauweise mit Wärmedämmverbundsystem erreicht die Holzleichtbauweise beispielsweise einen 15 Prozent niedrigeren Herstellungsaufwand. Wählen Sie regionale, nachwachsende und schadstofffreie Baustoffe aus; im besten Fall solche, die bei einem nahgelegenen Abbruch frei werden. Wenn sich die Konstruktion eines Tages demontieren lässt, können die Baustoffe wiederverwendet werden. Verklebte oder einbetonierte Komponenten sind hier hinderlich. Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle fest einplanen: Empfehlenswert ist eine Baubegleitung, die Fehler in der Bauphase vermeiden kann – und bei besonders effizienten Neubauten auch gefördert wird. Ein Blower-Door-Test weist die angestrebte Luftdichtheit nach oder zeigt, an welchen Stellen nicht sorgfältig genug gearbeitet wurde. Ziel sollte ein Drucktestkennwert n 50 kleiner 0,6 1/h sein. Nach Fertigstellung des Gebäudes ist Ihnen ein Energieausweis auszuhändigen. Lassen Sie sich bestätigen, dass die Berechnungen mit der tatsächlichen Bauausführung übereinstimmen. Außerdem geht es um die Frage: Funktioniert das Haus wie gedacht? Überwachen Sie dafür den Energieverbrauch, zum Beispiel mit dem kostenlosen Energiesparkonto . Stellen Sie eine Abweichung fest, sollten Sie, bei Bedarf mit Energieberater*in, die Ursache suchen und nachbessern (lassen). Was Sie noch tun können: Eine barrierefreie oder -arme Bauweise ermöglicht Ihnen, das Haus auch noch im hohen Alter zu nutzen. Die richtige Ausrichtung von Dach und Fenstern senkt durch einen idealen Sonneneinfall die Heizkosten. Lassen Sie einen zuverlässigen Hitzeschutz planen (siehe unsere Tipps zu Kühle Räume im Sommer ). Mit einer Lüftungsanlage sorgen Sie für gute Luft und sparen Heizenergie. Mehr Infos finden Sie in unserer Broschüre Lüftungskonzepte für Wohngebäude Mit umwelt- und gesundheitsverträglichen Bauprodukten – z. B. am Blauen Engel erkennbar – schützen Sie Ihre Gesundheit, die Umwelt und das ⁠ Klima ⁠. Mit dem richtigen Heiz- und Lüftungsverhalten können Sie zusätzlich Energiekosten einsparen (siehe unsere Tipps zu Heizen, Raumtemperatur ). Hintergrund Umweltsituation: Der Strom- und insbesondere der Heizenergieverbrauch der Gebäude verursacht in Deutschland etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs. Zählt man die Herstellung der Bauprodukte und die Bauphase hinzu, sind Gebäude für etwa 40 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Rund 70 Prozent davon entfallen auf Wohngebäude. Um das ⁠ Klima ⁠ zu schützen, müssen Neubauten möglichst wenig zu den Treibhausgasemissionen beitragen, also möglichst effizient sein, mit erneuerbaren Energien versorgt und klimafreundlich hergestellt werden. Darüber hinaus gibt es weitere Handlungsfelder für den Umweltschutz im Bereich Bauen und Wohnen: Beispielsweise nahm die Siedlungsfläche 2022 täglich um fast 37 Hektar (51 Fußballfelder) zu. Mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland sind Bau- und Abbruchabfälle . Gesetzeslage: Das Klimaschutzgesetz gibt vor, dass Deutschland 2045 netto keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen darf – was auch für Gebäude und ihre Heizungen gilt. Das Brennstoffemissionshandelsgesetz hat einen CO₂-Preis eingeführt, was Erdgas und Heizöl nach und nach immer teurer machen wird. Zudem wird dieses Gesetz die zulässigen Emissionsmengen begrenzen. Deshalb ist es sinnvoll, ein Haus von Anfang an möglichst effizient zu errichten und mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) begrenzt den zulässigen Bedarf an nicht-erneuerbarer ⁠ Primärenergie ⁠ und die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle. Es bestimmt, wann neu installierte Heizungen mindestens welchen Anteil erneuerbarer Energien nutzen müssen. Neubauten müssen auch Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz einhalten, damit sich Räume im Sommer weniger überhitzen. Zur Baufertigstellung ist ein Energieausweis auszustellen, und der Bauherr oder Eigentümer muss der nach Landesrecht zuständigen Behörde in einer Erfüllungserklärung bestätigen, dass die Anforderungen des Gesetzes eingehalten werden. Neubauten, die die gesetzlichen Anforderungen übertreffen, werden im Programm Klimafreundlicher Neubau Wohngebäude mit zinsverbilligten Krediten gefördert. Für Neubauten mit Nachhaltigkeitszertifizierung steigt der Kredithöchstbetrag und es gelten bessere Förderbedingungen. Der Betrieb einer Photovoltaik-Dachanlage lohnt sich auf Einfamilienhäusern in erster Linie durch den vermiedenen Strombezug ("Eigenverbrauch"). Zusätzlich wird für den überschüssigen Strom, der in das Netz eingespeist wird, eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gezahlt. Ein Batteriespeicher lohnt sich nicht in allen Fällen – lassen Sie sich ein Angebot mit und eines ohne Batteriespeicher geben. Nach und nach werden wir mit mehr erneuerbaren Energien heizen. Das ist gut für das Klima und auch für Ihren Geldbeutel. Unser Entscheidungsbaum hilft Ihnen durch die Paragraphen des neuen Gebäudeenergiegesetzes, die seit dem 1.1.2024 gelten. (Stand: 10/2024) Marktbeobachtung: Das Neubaugeschehen ist derzeit rückläufig: während seit 2016 rund 30.000 Wohnungen pro Monat genehmigt wurden, waren es 2023 monatlich noch rund 20.000. 1 Schon seit einigen Jahren setzt die deutliche Mehrheit neu errichteter Wohngebäude beim Heizen auf Wärmepumpen. 2022 lag der Anteil bei 70 Prozent, Tendenz steigend. 2 Es gibt eine Reihe von Gebäudestandards: Das Effizienzhaus beschreibt förderfähige Häuser. Ein Effizienzhaus 40 bedeutet, dass sein Primärenergiebedarf nur noch 40 Prozent des Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes beträgt, also eines Gebäudes mit gleicher Geometrie, aber im GEG festgelegten energetischen Eigenschaften. Ein Plusenergiehaus gewinnt im Jahresverlauf mehr Energie aus erneuerbaren Energien, als es selbst verbraucht. Am effizientesten ist das Passivhaus , das einen so geringen Heizwärmebedarf hat, dass die Abwärme der Bewohner*innen und üblicher Haushaltsgeräte zum Heizen ausreicht. Das erreicht es mit kompakter Bauweise, hervorragendem Wärmeschutz, hoher Luftdichtheit und Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Es ist ratsam, effiziente Häuser wie das Passivhaus mit einer speziell angepassten Methode wie dem Passivhaus-Projektierungspaket zu planen, um ausreichend genaue Ergebnisse zu erzielen. Auch wenn ein Haus an sich ziemlich viel Geld kostet: Der Blick allein auf die Investitionskosten übersieht die Tatsache, dass ein Haus für Heizung, Betrieb, Instandhaltung usw. jahrzehntelang Geld kostet. Wichtiger als die Investitionskosten sind also die gesamten Lebenszykluskosten. Zusätzlich gibt es auch Möglichkeiten, ohne Verlust an Umweltqualität die Anschaffungskosten zu verringern: Kompakte Kubatur, kleine Wohnfläche oder nahe beieinander liegende Räume mit Wasserbedarf (Bäder und Küche) für kurze (Ab-)Wasserleitungen und Lüftungskanäle. Eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und die Beseitigung von Wärmebrücken senken die Heizlast und erlauben eine kleinere und günstigere Heizung einzubauen. Quellen: 1 Statistisches Bundesamt: Monatlich genehmigte Wohnungen 2 Statistisches Bundesamt: Auswahl Wohngebäude

Zirkuläres Bauen in die Praxis bringen

null Zirkuläres Bauen in die Praxis bringen Baden-Württemberg/Karlsruhe. Für den Bausektor ist das „Zirkuläre Bauen“ ein wichtiges Instrument, um seine Klimaziele zu erreichen und wertvolle Ressourcen zu schonen. Die LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg unterstützt die Akteure aktiv bei dieser Aufgabe. Das Wissen zahlreicher Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung ist in den nun vorgestellten Leitfaden „Zirkuläres Bauen erfolgreich umsetzen“ eingeflossen. Der Leitfaden hilft allen Beteiligten eines Bauprojektes, Zirkuläres Bauen von Anfang an mitzudenken und erfolgreich umzusetzen. Zirkuläres Bauen ist das Bauen der Zukunft Baden-Württemberg hat sich mit dem Klimaschutzgesetz das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Der Gebäudesektor muss dazu 49 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Mit Blick auf diese Ziele erklärt Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: „Wenn man sich den Energie- und Ressourcenverbrauch des Gebäude- und Bausektors ansieht, wird klar: Klimaschutz und Ressourcenschonung funktionieren nur, wenn wir diese Bereiche miteinbeziehen. Ein Umdenken in der Bauwirtschaft ist dafür dringend erforderlich. Dabei sind Planende, Behörden und Wirtschaft gemeinsam gefordert. Damit kreislaufgerechtes Bauen in der Praxis auch gelingen kann, müssen wir an verschiedenen Punkten ansetzen.“ Baumann erklärt weiter: „Zirkuläres und nachhaltiges Bauen erfordert eine Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus. Rückbaubare Gebäude verursachen zunächst höhere Baukosten, doch langfristig bleiben dafür höhere Materialwerte und niedrigere Entsorgungskosten. Umnutzung, Wiederverwendung und zirkuläres Bauen müssen die zentrale Anforderung an das Bauen der Zukunft sein.“ Bauen: eine ressourcenintensive Branche Das Bauwesen gehört zu den ressourcen-, energie- und abfallintensivsten Branchen. In Deutschland entfallen rund 40 Prozent der Treibhausgas-Emissionen auf den Bau und Betrieb von Gebäuden. Ein großer Teil davon resultiert aus der sogenannten „Grauen Energie“, die für die Herstellung, den Transport und die Entsorgung von Baumaterialien benötigt wird. (1) Laut Umweltbundesamt sind etwa 38 Prozent des Rohstoffkonsums in Deutschland dem Bau von Gebäuden und Infrastruktur zuzuschreiben. (2) „Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass zirkuläres Bauen – also das Schließen von Stoffkreisläufen und die Wiederverwendung von Materialien – einen enormen Hebel für den Klima- und Ressourcenschutz darstellt“, betont Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW. Der Bausektor bildet auch den größten Teil des „anthropogenen Lagers“ in Deutschland. Dieser Begriff bezeichnet den gesamten Bestand an Materialien, die Menschen für ihre Bauwerke, Infrastruktur und Gebrauchsgüter benötigen. 55 Prozent der Lagermassen sind im Gebäudebestand gebunden, das entspricht einem geschätzten Materialbestand von über 50 Milliarden Tonnen. (2) „Diese enorme Menge an gebundenen Ressourcen verdeutlicht, dass es dringend notwendig ist, von der herkömmlichen linearen Bauweise, bei der Materialien am Ende oft als Abfall enden, zu geschlossenen Stoffkreisläufen überzugehen, um diese Menge nicht noch weiter zu erhöhen“, so Maurer und ergänzt: „Nur so kann der Bausektor in Richtung Klimaneutralität transformiert werden.“ Konkrete Lösungen erarbeitet das Land derzeit gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Praxis auch im Strategiedialog „ Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen “, den die Landesregierung im Jahr 2022 initiiert hat. Zirkuläres Bauen ist kein Hexenwerk Die LUBW zeigt mit ihrem Leitfaden „Zirkuläres Bauen erfolgreich umsetzen -  Ein praxisnaher Leitfaden für Entscheidungstragende, Bauverantwortliche und Planende“, wie das Prinzip in die Praxis umgesetzt werden kann. Auftraggeber, Planer, Architekten und politisch Verantwortliche erhalten mit dem Leitfaden fachliches Wissen, um den Bestandserhalt, Sekundärrohstoffeinsatz oder eine kreislaufgerechte Planung umzusetzen. Neben einer fundierten Darstellung der Kernaspekte des zirkulären Bauens - werden konkrete Schritte zur Umsetzung dargestellt. Good-Practice-Beispiele zeigen, was heute schon möglich ist. Direkt nutzbare Textbausteine für Ausschreibungen und Checklisten für unterschiedliche Akteure ergänzen das Angebot. Der Leitfaden ist ab sofort kostenfrei im Publikationsdienst der LUBW abrufbar: https://pd.lubw.de/10662 Ausschreibungsdateien in GAEB-Format und Checklisten als ausfüllbare PDF-Dateien werden auf der Website des Innovationszentrums Zirkuläres Bauen bereit gestellt: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/abfall-und-kreislaufwirtschaft/zirkulaeres_bauen Qualifizierungskurs „Zirkuläres Bauen“ mit Architektenkammer Die LUBW hat Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Baden-Württemberg (AKBW) und der Zirkular GmbH, einem Fachplanungsbüro in Basel, einen Qualifizierungskurs ins Leben gerufen. Der Lehrgang „Zirkuläres Bauen“ bietet eine praxisnahe Weiterbildung für Fachkräfte aus der Bau- und Immobilienbranche. Ziel ist es, den Teilnehmenden die Relevanz, Potenziale und Herausforderungen des zirkulären Bauens nahezubringen und sie zu befähigen, Bauprojekte zirkulär zu planen und umzusetzen. Der Kurs besteht aus fünf zweitägigen Modulen, die theoretische Grundlagen, Praxisbeispiele, Workshops und eine Exkursion beinhalten. Er richtet sich an Architektinnen, Architekten, Bauingenieurinnen, Bauingenieure und Fachkräfte der Bauwirtschaft, die ihre Kompetenzen im zirkulären Bauen erweitern möchten. Weitere Informationen unter: https://www.akbw.de/angebot/ifbau-fortbildungen/seminar-suche/detailansicht-ifbau-seminare/seminar/251002-grundlagenkurs-einfuehrung-in-das-zirkulaere-bauen-100124 Mit zirkulärem Bauen EU-Vorgaben erfüllen Seit dem Jahr 2022 verpflichtet die EU große Unternehmen in der EU-Taxonomie, über die Nachhaltigkeit ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten zu berichten. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem, das festlegt, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als ökologisch nachhaltig eingestuft werden können. Die Nachhaltigkeit wird anhand des Beitrags zu sechs Umweltzielen nachgewiesen, beispielsweise „Klimaschutz“ oder „Übergang zur Kreislaufwirtschaft“. In der Baubranche kann dieses Ziel etwa durch den Einsatz von wiederverwerteten oder wiederverwendbaren Materialien und der Option zur Rückbaubarkeit durch leicht demontierbare Bautechniken realisiert werden. Durch die Einführung der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sind ab dem Jahr 2025 zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Die Unternehmen haben mit der Berichtpflicht aber auch die Möglichkeit, ihre Maßnahmen im Bereich zirkuläres und nachhaltiges Bauen darzustellen. Quellen: (1)  Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBSR) (2020): Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2020/bbsr-online-17-2020-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (2)  Umweltbundesamt (2022): Die Nutzung natürlicher Ressourcen. Ressour­cenbericht für Deutschland 2022. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/fb_die_nutzung_natuerlicher_ressourcen_2022_0.pdf Weiterführende Information zum Thema Zirkuläres Bauen finden Sie auf der Webseite: www.inzibau.de Bild zeigt: Der neue Leitfaden wurde im Rahmen der Fachtagung „Zirkuläres, nachhaltiges Bauen in Kommunen“ am 22. Oktober 2024 in Stuttgart erstmals vorgestellt.  Vor Ort waren Staatssekretär Andre Baumann vom Umweltministerium und Dagmar Berberich, Leiterin des Referats Kreislaufwirtschaft und Chemikaliensicherheit der LUBW. Quelle: LUBW. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

Stadt-Land-Plus Abschlusskonferenz 2024 - „Aus Stadt und Land wird Plus. Innovative Wege für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen“

Stadt-Land-Plus Abschlusskonferenz (C) Sebastian Wunderlich Unter dem Motto „Innovative Wege für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen“ stellt die Statuskonferenz 2024 als Abschlussveranstaltung der Fördermaßnahme die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der mehrjährigen gemeinsamen Forschung, Entwicklung und Umsetzung einer ressortübergreifenden Fachöffentlichkeit vor. Es erwarten Sie informative Themenräume, bei denen die zentralen Ergebnisse präsentiert und diskutiert werden sowie spannende Podien zur Reflexion der Herausforderungen an nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen und zur Formulierung von Botschaften für den Transfer und die Verstetigung der Entwicklung. Für diese Reflexion stehen bei der Statuskonferenz Vertreter:innen der kommunalen Praxis, von verschiedenen Fachressorts und der kommunalen Spitzenverbände zur Verfügung. Für die Formulierung der Botschaften hat das Querschnittsvorhaben ein Memorandum zum Abbau rechtlicher Hürden mit einer qualifizierten rechtlichen Expertise sowie ein Positionspapier vorbereitet, das die wichtigsten Botschaften für die gemeinsame Aufgabe formuliert, aus Stadt und Land „Stadt-Land-Plus“ zu machen. Das Veranstaltungsprogramm finden Sie hier . Downloads Dokumentation | Abschlusskonferenz 2024 - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Abschlusskonferenz 2024 erster Tag - PDF Rahmenprogrammpräsentation | Abschlusskonferenz 2024 zweiter Tag - PDF Begrüßung Katrin Fahrenkrug, Institut Raum & Energie, eröffnet die Konferenz und begrüßt alle Anwesenden. Die Entwicklung von Stadt und Land ist miteinander verflochten – „gleichwertige Lebensverhältnisse“ sind in diesem Kontext als Stichwort zu nennen. Im Rahmen der seit 2018 laufenden BMBF-Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ entstand in den 22 Verbundvorhaben eine Vielzahl an neuen Instrumenten, Produkten und Empfehlungen, die auf dieser Konferenz vorgestellt werden. Dabei besteht die Hoffnung, dass die Ergebnisse über den Teilnehmendenkreis hinaus in die Breite getragen werden. Judith Pirscher, Staatssekretärin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), begrüßt die Anwesenden zur Abschlusskonferenz. In den sieben Jahren, die diese Fördermaßnahme lief, wurden gute Ergebnisse erzielt. Dabei wirft „Stadt-Land-Plus“ den Blick auf gewachsene Partnerschaften und in die Zukunft. Es zeigt sich bei diesem Projekt, dass die Fördermittel gut investiert waren: In 134 Teilvorhaben und 22 Verbundvorhaben konnte viel in der Fläche angestoßen werden. Entscheidend zum Erfolg beigetragen hat die Vielschichtigkeit der Akteure mit ihren verschiedenen Kompetenzen und die thematische Auswahl der Projekte, da man sich auf Themen fokussiert hat, zu denen bereits erste Ansätze vorlagen. Der Anstoß eines Teilnehmenden, das Projekt bei einer Fortsetzung „Land-Stadt-Beziehungen“ anstatt „Stadt-Land-Beziehungen“ zu nennen, regt zum Nachdenken an: Wer muss sich auf wen zubewegen? Mit dieser Fördermaßnahme hat das Thema Stadt-Land erfreulicherweise nun Einzug in die Literatur gefunden. Frau Pirscher versichert, dass man sich das im Rahmen dieser Fördermaßnahme erarbeitete Memorandum ansehen und die Punkte auf Umsetzbarkeit prüfen wird. Die Bundesregierung wird jedes Jahr Bürokratieabbau als verstetigten Prozess auf den Weg bringen. Es wäre zu begrüßen, wenn die Netzwerke untereinander und mit dem BMBF bestehen bleiben und man gemeinsam Dinge bewegen könnte. Prof. Dr. Lilian Busse, Vizepräsidentin des Umweltbundesamtes, begrüßt ebenfalls die Anwesenden und betont die Relevanz der Förderung und Entwicklung nachhaltiger Stadt-Land-Beziehungen für das Umweltbundesamt. Alle im Rahmen der Fördermaßnahme bearbeiteten Themen betreffen sowohl Stadt als auch Land, aber es gibt unterschiedliche Bedürfnisse. So geht es beim Thema Ernährung z. B. in ländlichen Räumen vielmehr um die Nahrungsmittelproduktion und in urbanen Räumen hingegen um den Konsum von Nahrungsmitteln. Es gibt somit Wechselbeziehungen zwischen Stadt und Land. Daher ist die Kooperation von Stadt und Land umso wichtiger. Dabei geht es darum, die Vorteile beider Räume besser nutzbar zu machen und die Nachteile für beide Seiten zu reduzieren. Das Umweltbundesamt konnte Impulse aus „Stadt-Land-Plus“ in verschiedenen Projekten und Prozessen nutzen. So wurden Erfahrungen aus „Stadt-Land-Plus“ in der Veröffentlichung „UmlandStadt“ des Umweltbundesamtes (hier zu finden: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umlandstadt-umweltschonend-nachhaltige-verflechtung ) und dem Forschungsvorhaben „Stadt & Land“ (siehe: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/stadt-land ) genutzt. Außerdem hat „Stadt-Land-Plus“ Wissen in nationale Prozesse einspeisen können. Weiterhin informieren zwei DStGB-Dokumentationen über die Ergebnisse von „Stadt-Land-Plus“. Der Dank gilt allen Beteiligten. Multimediale Eröffnung Ein Film stellt die Fördermaßnahme mit ihren 22 Verbundvorhaben vor. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Zielen und Ergebnissen der Verbundvorhaben sowie den vielfältigen Produkten, die in den Vorhaben entwickelt wurden. Den Film finden Sie auf der Website des Instituts Raum und Energie hier . Reformagenda Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH, und Dr. Michael Melzer, Institut Raum & Energie, stellen drei Produkte aus der „Stadt-Land-Plus“-Fördermaßnahme vor: Schulungsmodul – Hier lässt sich in 7 Schritten lernen, wie man Stadt-Land-Beziehungen gestaltet. Memorandum – Inhalt des Memorandums ist der Abbau rechtlicher Hürden. Die Erstellung erfolgte mit rechtlicher Expertise von Prof. Dr. Wolfgang Köck und Dr. Moritz Reese, beide Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, Department Umwelt- und Planungsrecht. Weitere Information hierzu finden sich im Kapitel 10 dieser Dokumentation. Reformagenda – Inhalt der Agenda ist die Frage, was zu tun ist, um zu mehr Gerechtigkeit zwischen Stadt und Land zu kommen. Die Reformagenda ruft dazu auf, die Entwicklung von Siedlungsflächen besser zu steuern, die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Wertschöpfung zu sichern, die Kulturlandschaft so zu gestalten, dass sie vielfältig erlebbar wird, regionale Stoffkreisläufe zu organisieren und übergreifend regionale Gerechtigkeit durch neue Stadt-Land-Partnerschaften zu verbessern und dauerhaft zu sichern. Die Reformvorschläge zu den einzelnen Punkten lauten: Um die Entwicklung von Siedlungsflächen besser zu steuern, müssen der Regionalplanung flächendeckend bessere Informations- und Bewertungsinstrumente zur Verfügung gestellt werden. Außerdem müssen informelle Stadt-Land-Siedlungsflächenkonzepte in neuen flexiblen Formaten die formelle Regionalplanung ergänzen. Für die Entwicklung von Wohn-, Gewerbe- und Logistikflächen sind die Logist.Plus-Standards von grünen, klimaresilienten und multicodierten Logistikstandorten mit hoher Aufenthaltsqualität als Maßstab anzusetzen. Ökonomische Instrumente zur Steuerung der Landnutzung in Stadtregionen müssen weiter erforscht und forschungsbegleitende Pilotinitiativen angeschoben werden. Um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Wertschöpfung zu sichern, muss das Thema Ernährung als sektorübergreifendes Politikfeld in Bund und Ländern interministeriell verankert werden. Außerdem müssen ernährungspolitische Strategien in die strategische Gesamtplanung integriert werden. Des Weiteren sollte im Rahmen eines Landwirtschaftsgesetzes die Ernährungssicherung mit regional festgelegten landwirtschaftlichen Nutzflächen festgeschrieben werden. Kommunen sollten bei der Erarbeitung und Verabschiedung kommunaler Ernährungsstrategien von Bund und Ländern durch Pilotvorhaben unterstützt werden und rechtliche Instrumente sollten landwirtschaftliche Böden wirksam schützen. Um die Kulturlandschaft so zu gestalten, dass sie vielfältig erlebbar wird, sollten Tourismus und Naherholung durch einen neuen Gebietstyp „Bedeutsame Landschaften“ in den Regionalplänen unterstützt werden. Außerdem sollte geprüft werden, inwiefern sich die Eingriff-Ausgleichs-Regelung gegenüber Aufwertungen für Ziele der Daseinsvorsorge öffnen kann. Hinsichtlich des Schutzes von Natur und Landschaft sollte die Zielebene Erholung ergänzend zum Arten- und Biotopschutz behandelt werden. Des Weiteren müssen Regionalparke und Grüne Ringe auch als ökonomische Player gestärkt, Personalressourcen hierfür gebündelt und das Personal im Ehrenamt unterstützt werden. Um regionale Stoffkreisläufe zu organisieren und zu entwickeln, sollte eine regionale Kreislaufwirtschaftsplanung erarbeitet werden. Außerdem sollte die Vernetzung regionaler Akteure erfolgen. Des Weiteren braucht die graue Energie im Gebäudebestand mehr Aufmerksamkeit und das INTEGRAL-Tool sollte zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für mineralische Stoffströme im Bauwesen flächendeckend eingeführt werden. Um regionale Gerechtigkeit durch neue Stadt-Land-Partnerschaften zu verbessern und dauerhaft zu sichern, sollte das Motto „Small is beautiful“ gelten, denn auch mit wenig Ressourcen kann der Einstieg in dieses Thema gelingen. Das Schulungsmodul bietet hierfür Möglichkeiten. Auch das Online-Handbuch von „Stadt-Land-Plus“ zeigt Einstiegsmöglichkeiten auf. Kommunen sollten Verantwortung übernehmen, indem sie in der regionalen Nachhaltigkeitstransformation eine zentrale Rolle einnehmen. Stadt-Land-Partnerschaften müssen zum zentralen Handlungsfeld der deutschen und europäischen Metropol- und Regiopol-Regionen und zu Innovationslaboren werden, um Kontinuität zu gewährleisten. Außerdem gilt es, „Grüne Ringe“ weiterzuentwickeln sowie Gesetze, Normen und Standards zu reformieren, um Stadt-Land-Beziehungen nachhaltig zu gestalten. Dazu zählt auch, globale Nachhaltigkeitsziele umzusetzen und die Forschung zu verstetigen. Aus dem Plenum wird angemerkt, dass es bei Stadt-Land-Beziehungen nicht um Partnerschaften, sondern um Allianzen geht. Die Aushandlungsprozesse sind somit viel intensiver. Zudem sei es eine Aufgabe, die Politik von vornherein mehr mitzunehmen, als es – bedingt durch die Corona-Pandemie – in der Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ möglich war. Am Beispiel der Ernährungswirtschaft wurde die Leistung der Wissenschaft als wichtiger Baustein betont, weil wenige Daten auf regionaler Ebene vorliegen und die Wissenschaft die Bedeutung von Themen bekräftigen kann. Außerdem wurde festgestellt, dass die Entwicklung von Stadtregionen über Fragen der Raumplanung hinaus gedacht werden müsse, wie z.B. in Bezug auf Mobilität. Die Präsentationsfolien zur Reformaganda finden Sie ab Folie 7 in der Rahmenpräsentation von Tag 1 . Die Reformagenda finden Sie hier . Interessen ausgleichen: Erwartungen aus verschiedenen Blickwinkeln Moderiertes Gespräch mit Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Jan-Erik Burchardi, Leiter Referat Regional- und Dorfentwicklung, Bundespro-gramm Ländliche Entwicklung, Raumordnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Leibniz-Universität Hannover, Prof. Dr. Claudia Hornberg, Universität Bielefeld, Vorsitzende Sachverständigenrat für Umweltfragen, Vera Moosmayer, Leiterin Unterabteilung Raumordnung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Worin liegt die größte Herausforderung, um Stadt und Land im Einklang zu entwickeln? Prof. Dr. Danielzyk: Es gibt verschiedene Typen ländlicher und suburbaner Räume. Somit ist von „ländlichen Räumen“, also in der Mehrzahl, und nicht vom „ländlichen Raum“ in der Einzahl zu sprechen. Die größte Herausforderung ist die Stimmungslage: In ländlichen Räumen existiert z. T. eine aggressive Stimmung gegen die Stadt, weil die ruralen Bewohner:innen das Gefühl haben, dass Urbaniten ihnen etwas überstülpen. Daher ist es wichtig, auf eine Differenzierung zu achten, welche – auch in der Politik und in den Medien – verloren geht. So werden beispielsweise politische Entscheidungen nicht „in der Stadt“ getroffen, denn in den dortigen Gremien sind überwiegend Personen vertreten, die in ländlichen Räumen leben. Prof. Dr. Hornberg: Es gibt nicht nur verschiedene Raumtypen, sondern auch verschiedene Menschen. Daher ist zu beachten, welche Erzählungen in den unterschiedlichen Räumen funktionieren. Dabei gilt es zu erklären, was transformative Strukturpolitik ist. Moosmayer: Es gibt strukturelle Unterschiede zwischen Stadt und Land, z. B. eine höhere Eigentumsquote in ländlichen Räumen oder Unterschiede in Wirtschaftssektoren, denn ein Landwirt kann beispielsweise nicht im Homeoffice arbeiten. Diese Unterschiede sind zu berücksichtigen, damit die Personen sich verstanden fühlen. Blankenburg: Der Städter und das Land – dieses Konfliktfeld gibt es selbst in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Kontext gibt es viele Interessenskonflikte, die es auszugleichen gilt. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Hauptkonflikt ein Akzeptanzkonflikt. So erlebt die Energiewende beispielsweise starken Gegenwind. Das liegt daran, dass die ländliche Bevölkerung nicht sieht, was das mit ihnen zu tun hat. Sie fühlen sich kolonialisiert von den Energieverbraucher:innen – und die sitzen in den Städten. Dr. Buchardi: Es muss überdacht werden, was die verschiedenen Themen für die Stadt und was sie für die ländlichen Räume bedeuten. Bei der Gesetzgebung gibt es einen Gleichwertigkeitscheck. Dieser sollte mehr in die Anwendung kommen. Andernfalls werden Konflikte produziert, was schließlich in einem Demokratieproblem münden kann. Fokussiert sich Politik zu einseitig auf Städte? Moosmayer: Man hat stets beides im Blick, zumal die Raumordnung das auch vorgibt. Wichtig wäre, die Ergebnisse aus Modellen und Konzepten in einen Dauerbetrieb zu bringen. Prof. Dr. Danielzyk: Bei den Maßnahmen sollte beachtet werden, dass nicht alle ländlichen Räume gleich sind. Das Narrativ, weil jemand, sprich ein:e Politiker:in, in der Stadt sitzt, entscheidet sie/er für ihr/sein Umfeld, sprich die Stadt, ist falsch. Eine Verstetigung der guten Projekte und Modelle braucht es. Blankenburg: Kommunalpolitiker:innen haben nicht die Zeit und ggf. auch nicht das Knowhow, Konzepte für Projekte zu entwickeln, die man mit Fördermitteln ausschreibt. Der Gedanke der Verstetigung ist begrüßenswert. Es gibt die subjektive Wahrnehmung des Abgehängtseins auf der einen Seite und auf der anderen Seite gibt es reale Probleme z. B. beim ÖPNV. Wie kann damit umgegangen werden? Prof. Dr. Hornberg: Abgehängt fühlen sich auch viele in den Städten. Daher gilt es, sich die Verteilungs- und Verfahrensgerechtigkeit anzusehen. Moosmayer: Auf Bundesebene und in den Kommunen fehlt Personal für die Bearbeitung von Förderprogrammen. Die Kommunen sind daher strukturell zu fördern. Dr. Burchardi: Bei alldem sollte mitbedacht werden, den Kommunen Geld zur Verfügung zu stellen, um vor Ort Projekte anstoßen und umsetzen zu können. Regionalbudget lautet hier das Stichwort. Die Menschen vor Ort wissen am besten, was es braucht und wie es umzusetzen ist. Damit würde man ihnen eine Selbstwirksamkeit geben und zugleich die Demokratie fördern. Blankenburg: Es gibt einfachere Wege als Fördermaßnahmen, bei denen zahlreiche Mittelverwendungsnachweise geschrieben werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist, einem Ort ein Budget für Sachmittel zu geben, um dieses in Eigenregie zusammen mit den Bürger:innen für notwendige Projekte einzusetzen. Prof. Dr. Danielzyk: Mehr verbindliche Zusammenarbeit – bottom-up – in ländlichen Räumen wäre wünschenswert. Eine vereinfachte Förderung würde zudem auch armen Städten helfen. Wie können wir unser Handeln positiver formulieren? Wie gelingt es uns, unsere Projekte in die Umsetzung zu bringen? Aus dem Publikum: Es braucht Stadt-Land-Allianzen. Der nächste Schritt sollte daher sein, Allianzen zu entwickeln, indem man durch Kommunikation ein gegenseitiges Verständnis füreinander aufbaut, gemeinsam Dinge aushandelt und sodann gemeinsam davon profitiert. Nennen sie bitte einen zentralen Baustein für das Brückenbauen zwischen Stadt und Land! Dr. Burchardi: Miteinander reden – es braucht mehr reflektive Schleifen, auch wenn es schnell gehen soll. So lässt sich eine gerechtere Ebene für eine Transformation entwickeln. Moosmayer: Es bedarf einer Raumordnung anstatt einer Raumplanung. Außerdem muss eine Verbindlichkeit reingebracht werden und dafür braucht es Mut. Prof. Dr. Hornberg: Tue Gutes und rede darüber: Wir sollten über die guten Projekte sprechen. Große Themen gehören zudem differenzierter betrachtet und gut erzählt. Blankenburg: Aufeinander zugehen, miteinander reden und auf Augenhöhe über Befindlichkeiten ins Gespräch kommen. Außerdem sollte geschaut werden, was es wirklich vor Ort braucht. Dafür gilt es zu lernen, richtig zu fragen. Prof. Dr. Danielzyk: Ländliche Räume müssen materiell davon profitieren, wenn ihre Ressourcen genutzt werden. Außerdem sollte die Wissenschaft auch vor Ort gehen – sowohl mit den Ergebnissen als auch durch eine Dezentralisierung von Fachhochschulen. Wie können Stadt und Land kooperativ gleichwertige Lebensverhältnisse befördern? Vorhaben: ReGerecht (Prof. Dr. Thomas Weith, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsfor-schung gGmbH und Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern) VorAB (Axel Jürich, diversu, Prof. Dr. Uta von Winterfeld, Wuppertal Institut und Al-fons Wiesler-Trapp, Domäne Fredeburg) Botschafter: Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Moderation: Julia Reiß, Institut Raum & Energie Der Themenraum startet mit einer Umfrage zum Thema Gerechtigkeit. Zur Frage des Versprechens von Stadt-Land-Gerechtigkeit durch kooperative Zusammenarbeit zeigt sich folgendes Bild: ReGerecht Prof. Dr. Thomas Weith, Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, führt aus, dass das Thema Gerechtigkeit in der Regel relevant wird, wenn es Konflikte gibt, denn dann braucht es Maßstäbe, um über mögliche Lösungen entscheiden zu können. Dabei gibt es verschiedene Facetten von Gerechtigkeit, bei denen nicht nur Stadt-Umland-Kooperationen eine Rolle spielen, sondern z. B. auch Digitalisierung, das Thema Energie oder rechtliche Aspekte. Die Auslöser für Land-Nutzungs-Konflikte sind divers. Diese Auslöser gilt es besser zu identifizieren und zu begreifen. Die Empirie sagt uns, dass das Thema „Stadt-Land“ dabei nur ein Teil der Konflikte ist. Außerdem gibt es verschiedene Dimensionen räumlicher Gerechtigkeit. Mit diesen Gerechtigkeitsdimensionen sollte man sich differenzierter befassen, um so verschiedene Gerechtigkeitsvorstellungen formulieren zu können. Das Thema Tauschgerechtigkeit würde beispielsweise gut zu Stadt-Land-Beziehungen passen, fehlt aber bislang. Tanja Blankenburg, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, führt aus, dass Mecklenburg-Vorpommern nach Landesraumentwicklungsprogramm drei Raumkategorien hat: Ländliche Räume, Ländliche Gestaltungs-räume und Stadt-Umland-Räume. Für Stadt-Umland-Räume ist, begründet durch die Sub-urbanisierung, ein Abstimmungs- und Kooperationsgebot verankert. Konfliktfelder in Stadt-Umland-Räumen sind die Themen Wohnungsbauflächenentwicklung und großflächige Einzelhandelsentwicklung. Zu erarbeitende Stadt-Umland-Konzepte stellen eine freiwillige Selbstverpflichtung und Selbstbindung dar, die aber für die Landesregierung bindend sind. Dabei ist zu bedenken, dass die Umsetzung von den handelnden Personen und hier insbesondere den Bürgermeister:innen abhängt und daher eine Moderation nötig ist. Im Rahmen des Projektes ReGerecht gab es auch informelle Treffen, um sich auszutauschen. Das hatte eine besondere Qualität, denn es zeigte, dass man auf diese Weise gut zusammenarbeiten kann und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Die Präsentation von ReGerecht finden Sie hier . Die Präsentation von Tanja Blankenburg finden Sie hier . Diskussion: Zur Verteilung von Wohnraumprojekten wird angemerkt, dass ein Bevölkerungszuzug Mehrkosten für die Infrastruktur der Kommunen bedeutet, was häufig schwierig gesehen wird. Dieses deckt sich nicht mit den Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort begrüßen die Bürgermeister:innen es, Wohnraum und großflächigen Einzelhandel ausweisen zu können. Es wird die Frage in den Raum gestellt, wie mit Leerstand und Verfall umzugehen sei mit dem Hinweis, dass es mehr Erhalt und weniger Neubau brauche. Diesem wird von den Vertreter:innen von ReGerecht zugestimmt. Ein Problem dabei ist die Frage der Enteignung, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Es wird die Frage diskutiert, wie ländliche Räume damit umgehen können, wenn sie nicht mehr wachsen wollen und sich wünschen, dass die Stadt in ihrem eigenen Bereich bleiben möge. Dazu ist zu bedenken, dass unterschiedliche Dimensionen von Gerechtigkeit existieren, zumal es auch nicht „die“ Gerechtigkeit gibt. Außerdem gibt es regionale Unterschiede, wie z .B. schrumpfend vs. wachsend, auf die individuell zu reagieren ist. Ein Top-down-Vorgehen im Kontext von Verteilung sei zu überdenken. Auch daher wurde das Thema Tauschgerechtigkeit im Vorhaben thematisiert. VorAB Eine sozial-ökologische Transformation ist notwendig. Dafür wäre es hilfreich, emotionale Verbindungsmöglichkeiten zu schaffen, damit z. B. auch Kinder an die Themen der Transformation herangeführt werden und diese verstehen, denn weiteres Wachstum ist angesichts knapper Ressourcen nicht möglich. Dabei wäre es gerecht, wenn das, was an Biodiversität etc. in ländlichen Räumen geleistet wird, positiv und das, was dem schadet, negativ bewertet werden würde. Die Hürde für Avantgardisten liegt darin, dass es z. T. auf menschlicher und sozialer Ebene zu Unstimmigkeiten kommt. Dieses stellt eine zusätzliche Hürde dar zu den ohnehin vorhandenen Auseinandersetzungen mit Kommunen sowie Strukturen und Logiken von Wirtschaftsbetrieben. Hier bedarf es kommunaler Unterstützung zur Förderung der Gemeinwohlökonomie. Die Präsentation von VorAB finden Sie hier . Diskussion: Gemäß der Auffassung von VorAB muss es einen anderen Umgang mit der Ressource Boden geben. Dafür sei es wichtig, alle Gesellschaftsgruppen einzubeziehen, da dieses Ziel nur gemeinsam erreicht werden kann. Abschlussworte des Botschafters Dr. Rupert Kawka: Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, führt aus, dass das Thema „Stadt-Land-Zusammenarbeit“ im BBSR bereits seit fast 20 Jahre bearbeitet wird. Neu ist nun das Thema „Gerechtigkeit“ dazugekommen. Im Thema Stadt-Land-Partnerschaften steckt viel mehr als Verkehr oder Daseinsvorsorge – gerade beim Thema Gerechtigkeit. Die Frage der Gerechtigkeit ist auch eine Frage der Governance: Wie wird der Ausgleich zwischen den Bereichen organisiert? Wo kann der Interessenausgleich auf gleicher Augenhöhe ausgehandelt werden? Gibt es ein Arrangement? Gibt es Themen mit bestimmten Prioritäten? Einige Projekte dienen mehr dem Umland, andere mehr den Zentren. Diese Themen müssen über den Moment der Förderung hinaus Gehör finden. Dabei ist wichtig aufzuzeigen, dass man miteinander kooperieren muss, wie das Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Welche Bedeutung hat Kreislaufwirtschaft in Stadt-Land-Beziehungen? Vorhaben: INTEGRAL (Dr. Georg Schiller, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung) reGIOcycle (Maic Verbücheln, Deutsches Institut für Urbanistik, Dr. Viktor Klein und Christina Zegowitz, Umweltcluster Bayern und Lukas Zeiler, Abfallwirtschafts - und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Augsburg) Botschafterin: Dr. Silke Karcher, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Moderation: Nadine Pannicke-Prochnow, Umweltbundesamt In Themenraum 2 wurden in zwei Impulsvorträgen die Ergebnisse der Stadt-Land-Plus-Verbundvorhaben des zweiten Stichtags, die zum Thema Kreislaufwirtschaft arbeiten, vorgestellt: Das Verbundvorhaben reGIOcycle arbeitet zum Handlungsfeld Kunststoffabfälle und das Verbundvorhaben INTEGRAL zum Handlungsfeld Bauabfälle. Beide Handlungsfelder werden auch in der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Ressortabstimmung befindet, als prioritäre Handlungsfelder benannt. Kunststoffabfälle sind aufgrund ihrer Lebensdauer und dem Fakt, dass sie weltweit in allen Ökosystemen auftauchen, eine extreme Belastung für Umwelt und Menschen. Bauabfälle sind aufgrund der hohen Mengen – etwas mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens in Deutschland – ein Bereich, in dem erhebliche Effekte für Ressourcen- und Umweltschutz erzielt werden können. Stadt und Land sind durch verschiedene Stoffströme miteinander verbunden. Beispielsweise werden häufig Primärrohstoffe für Bautätigkeiten wie Sand und Kies im ländlichen Raum abgebaut und zu einem großen Teil in Städten verbaut. Nach Abriss eines Gebäudes gelangen die Baustoffabfälle zumeist wieder auf Deponien im ländlichen Raum. Eine mögliche Sekundärnutzung der Baustoffe ist insbesondere in der Nähe des Abrisses relevant, bleibt aktuell jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück, z. B. infolge von Downcycling, gesetzlichen oder administrativen Hürden. INTEGRAL Das Verbundvorhaben INTEGRAL, vorgestellt von Dr. Georg Schiller, versucht, die Verlängerung der Lebensdauer von mineralischen Baustoffen durch eine Sekundärnutzung zu fördern. Die Sekundärnutzung kann dazu beitragen, Energie und Emissionen einzusparen, jedoch sind mineralische Stoffkreisläufe durch die Transportentfernung limitiert. Auch Flächen können gespart werden, wenn weniger Primärrohstoffe in Tagebauen abgebaut werden und weniger Deponieraum zur Entsorgung der Baustoffe benötigt wird. Im Verbundvorhaben INTEGRAL wurde daran gearbeitet, die Unsicherheiten sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite zu reduzieren, denn es wurde beobachtet, dass auf Angebotsseite eine geringe Nachfrage kritisiert wurde und auf Nachfrageseite ein geringes Angebot beklagt wird. Um Transparenz über Mengen und Qualitäten von RC-Baustoffen sowie Planbarkeit für beide Seiten herzustellen, wurde im Projekt das INTEGRAL-Tool mit den drei Modulen „Material“, „Fläche“ und „Qualität“ erarbeitet. Im Modul „Material“ wurde ein Materialkataster entwickelt, mit dem kommunale Verwaltungen den Materialbestand in G-bäuden und somit die Potentiale für das Recycling von Baustoffen erfassen und bei Abriss direkt für Neubauten mit einplanen können. Das Modul „Fläche“ ermöglicht die flächenplanerische Unterstützung für die Suche nach Aufbereitungs- und Lagerstandorten. Das Modul „Qualität“ dient der Unterstützung der Bauplanung hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten, bau- und umwelttechnischen Anforderungen und zu prüfenden Gütesicherungsnachweisen von Recycling-Baustoffen. Im Projekt wurden Kommunen als größte Bauträger am Beispiel der Modellregion Stadt Dresden und Landkreis Meißen in den Blick genommen. In den Kommunen in Deutschland bestehen beim Baustoffrecycling sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Über das Netzwerk „Zirkuläre Städte“ werden die Ergebnisse aus dem Projekt in andere Kommunen weitergetragen. Die Präsentation von INTEGRAL finden Sie hier . reGIOcycle Ein zweiter Impuls wurde zur Thematik Kunststoffabfälle durch die Vertreter:innen des Vorhabens reGIOcycle gegeben. Dabei wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, um Kunststoff-abfälle in der Region Augsburg und Umgebung richtig zu entsorgen, zu vermeiden oder zu ersetzen. Der Augsburger Becher wurde als regionales Mehrwegbecher-Konzept entwickelt, um Einweggetränkebecher für den Verzehr von Kaltgetränken außer Haus während der Corona-Pandemie zu ersetzen. Der durchsichtige Plastikbecher im Pfandleihsystem wurde kurzerhand durch das Verbundvorhaben in der lokalen Gastronomie eingeführt. Der Pfandbecher fand Zuspruch, wurde im weiteren Verlauf jedoch wenig nachgefragt und von der ortsansässigen Gastronomie zumeist aus ökonomischen Gründen nach der Testphase nicht weiter genutzt. Der Becher findet nun, durch einen Eventverleih organisiert und in neuer Auflage auch aus biogenem Kunststoff, bei Großveranstaltungen seinen Einsatz. Ein verpflichtendes Pfandsystem für ToGo-Behältnisse und eine Einwegsteuer, z. B. nach Vorbild der Stadt Tübingen, könnten einem Ansatz wie dem Augsburger Becher zu mehr Erfolg verhelfen. Der Handlungsdruck in der Stadt Augsburg entstand im Wesentlichen aufgrund des öffentlichen Drucks infolge der extremen Vermüllung durch Einweggetränkebecher während der Corona-Pandemie. Ein weiteres Handlungsfeld im Verbundvorhaben war die Verringerung von Kunststoffabfällen im Biomüll. In einer Großwohnanlage von Augsburg konnten mithilfe von gezielten Bildungsmaßnahmen für die Bewohnenden, Informationsmaßnahmen durch Hausmeister:innen, Flyer oder gezielt angebrachte Aufkleber, Mitmachaktionen, z.B. Pflanzaktionen in Komposterde, oder das Verteilen einer kleinen Biotonne (Biotonie) für die Sammlung des Biomülls in den Haushalten die Kunststofffehlwürfe erheblich reduziert und damit die „Biotonnen-Challenge“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gewonnen werden. Weiterhin wurde im Projekt die Substitution fossiler Kunststoffe durch Biokunststoffe an den Produkten Augsburger Becher und Biotonie untersucht. Dem Biokunststoff des Biotonie wurden zudem regionale Fasern beigemischt, die den Kunststoffanteil reduzieren und den Kunststoff stabilisieren. Außerdem wurden Isolationselemente aus gepresstem Stroh in dünnen Plastikfolien entwickelt, die anstelle von Styropor bei der Kühlung von Getränken und Speisen Verwendung finden und vollständig recycelt werden können. Die Präsentation von reGIOcycle finden Sie hier . Diskussion: In der nachfolgenden Diskussion wurde angesprochen, dass die Gastronomie kein Interesse an Mehrweg habe. Von den Vertreter:innen des Verbundvorhabens reGIOcycle wurde geantwortet, dass Mehrwegbecher und Verpackungen in der Gastronomie noch nicht attraktiv seien. Eine Mehrwegangebotspflicht könne helfen, wie Frau Dr. Karcher jedoch schon betonte, sei der Vollzug eine Hürde. Die Stadt Tübingen ist ein Vorbild, da hier eine Abgabe auf Einwegprodukte die externen Entsorgungskosten internalisiere und zusätzliche Anreize für Mehrweg schaffe. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, wer in der Akteurskonstellation aus Gastronomie, Kund:innen und Politik welche Interessen hätte und inwiefern ein:e Zirkularitätsmanager:in moderieren könne. Dabei wurde auch diskutiert, wo ein:e sol-che:r Zirkularitätsmanager:in angesiedelt werden könnte und bei welchen Stoffströmen und Fragestellungen sie/er sinnvoll unterstützen könnte. Die weitere Diskussion wechselte zum Verbundvorhaben INTEGRAL. Es wurde über das Abfallende gesprochen, das in der Praxis zu erheblichen Hürden führe, z. B. weil es Sekundärrohstoffen ein negatives Image verleihe und die Akzeptanz für deren Einsatz verringere, aber auch rechtliche Unsicherheiten und Bedenken in der Umsetzung schaffe. Weiterhin wurde ein Vergleich zur Schweiz gezogen, wo der Einsatz von Recycling-Materialien bereits etablierter ist, auch weil er vorgeschrieben wird. Vorschriften ermöglichen Fairness und gleiche Anforderungen für alle Marktteilnehmenden. Dementsprechend kam die Frage auf, warum nicht auch in Deutschland ein bestimmter Prozentsatz Recyclingbaustoffe festgeschrieben wird. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch, ob eine Substitutions- oder eine Recyclingquote zielführender sei. Im Vordergrund steht, dass die Qualität der Materialien für eine unbedenkliche Wiederverwendung stimmen muss. Diese Hemmnisse sollen durch die Ersatzbaustoffverordnung reduziert werden, allerdings werden hier noch Anpassungsbedarfe gesehen. In diesem Zuge wurde festgehalten, dass Kreislaufwirtschaft als lernendes System verstanden werden sollte, bei dem es wichtig sei, den Start zu wagen, aber kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung nachhaltiger Stoffkreisläufe ist, dass sich diese ökonomisch lohnen müssen, damit sie akzeptiert und etabliert werden. Darüber hinaus sollten Ingenieur- und Sozialwissenschaften neben Ökonomie und Kosten der Kreislaufwirtschaft aber auch die weichen Faktoren erforschen, um Governance-Ansätze zu entwickeln, die Nutzende dafür belohnen, wenn sie die nachhaltigere, aber kostenintensivere Variante nutzen. Abschlussworte der Botschafterin Dr. Silke Karcher: Nach den Impulsen aus der Stadt-Land-Plus-Forschung stellt Themenbotschafterin Dr. Silke Karcher ihre Sicht als Referentin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz auf die Ergebnisse der Verbundvorhaben vor und stellt Bezüge zur nationalen Ebene her. Aus ihrer Sicht entscheidet sich vieles vor Ort. Die nationale Ebene könne nicht alles regeln, aber einen Rahmen schaffen. Wichtige Ansatzpunkte, die vor Ort umgesetzt werden können, seien 1.) die Aufklärung über Stoffkreisläufe und Recycling bzw. Abfall, 2.) die Nutzung von Vergabeverfahren als Hebel in den Kommunen, z. B. indem die Verwendung von Recyclingbaustoffen bei Bauvorhaben in öffentlichen Ausschreibungen gefordert wird, 3.) Satzungen, z. B. hinsichtlich der Nutzung von Mehrweggeschirr bei öffentlichen Veranstaltungen, 4.) der Aufbau regionaler Wirtschaftsbündnisse, z. B. zur Unterstützung des Einsatzes von Sekundärrohstoffen oder Mehrwegsystemen, sowie 5.) der Vollzug. Die nationale Ebene kann mit weiterer Aufklärung und der Gestaltung von Gesetzen die Kommunen bei der Umsetzung von nachhaltigen Stoffkreisläufen unterstützen. Doch zeige sich in der Praxis zum Beispiel, dass das Vorhandensein einer national festgelegten Mehrwegsangebotspflicht nicht ausreiche, um Mehrweg zu etablieren, sondern der Vollzug dieser vor Ort geschehen und geleistet werden muss. Mit welchen Strategien lässt sich in Stadt-Land-Bezügen eine nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung erreichen? Vorhaben: Logist.Plus (Prof. Dr. Kim Philip Schumacher, Universität Osnabrück und Patrick Ul-bert, Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Osnabrücker Land) KoOpRegioN (Joanna Skok, Regionalverband Nordschwarzwald und Martina Leucht, Europäisches Institut für Energieforschung) Botschafter: Ulrich Misgeld, UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Moderation: Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH Logist.Plus Prof. Dr. Kim Philip Schumacher, Universität Osnabrück, und Patrick Ulbert, Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Osnabrücker Land, stellen die Ergebnisse des Projektes Logist.Plus vor. Da es bisher nicht gelungen ist, den Flächenbedarf der Logistikbranche mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen, zielt Logist.Plus darauf ab, mittels übergreifender Governancestrukturen eine langfristig tragfähige regionale Entwicklung zu ermöglichen. Entwickelt wurden Governance-Instrumente, Empfehlungen zur Flächenentwicklung und Handlungsleitfäden zur nachhaltigen Standortgestaltung. Ebenso wurden Beratungsangebote für Kommunen und Unternehmen erarbeitet und implementiert. Ergebnisse und Erkenntnisse des Projektes sind die Verbesserung des Bodenschutzes auf Bestandsflächen durch die Integration in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement. Ein interkommunaler Austausch zu strategischer Flächenentwicklung und Ansiedlungspolitik erfolgt bisher kaum. Eine Governance der Flächenentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Belange und Auswirkungen der Logistik sollte daher weiter vorangetrieben werden. Zusätzlich muss die Sensibilisierung von Unternehmen für eine nachhaltige Gestaltung von Betriebsstandorten intensiviert werden. Die Präsentation von Logist.Plus finden Sie hier . Diskussion: Mit Blick auf die Ergebnisse des Projektes wurden vor allem die Standards für nachhaltige Gewerbegebiete in der Diskussion gewürdigt. Trotz unterschiedlicher Vorstellungen der Kommunen setzt der Leitfaden Mindeststandards und ermöglicht eine flexiblere Herangehensweise für dem Umgang mit Bestandsgebieten und die Entwicklung neuer Gewerbe- und Logistikflächen. Auf die Frage nach der Verstetigung der öffentlichen/privaten Anstrengungen wurde die Verankerung einer Koordinationsstelle bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises Osnabrück und des Landkreises Steinfurt in Aussicht gestellt. KoOpRegioN Joanna Skok, Regionalverband Nordschwarzwald, und Martina Leucht, Europäisches Institut für Energieforschung, stellen die Ergebnisse des Projektes KoOpRegioN vor. Das Projekt zeigt Möglichkeiten auf, wie historisch gewachsene Interessens- und Konfliktlagen überbrückt und Entscheidungs- und Planungsprozesse für ein im Vergleich zur bisherigen Praxis breiteres Verständnis von Nachhaltigkeit geöffnet werden können. Ziel war es, gemeinsam mit verschiedenen Praxispartner:innen auf regionaler Ebene eine Strategie zu entwickeln, die drei Handlungsbereiche praxisnah miteinander verbindet: Flächenmanagement, Nachhaltigkeit und interkommunale Kooperation. Als konzeptionell-methodischer Rahmen wurde der Ansatz eines integrierten nachhaltigen Gewerbeflächenmanagements (INGFM) entwickelt, der beispielhaft in der Region Nordschwarzwald angewendet wurde. Mit dem systematischen Management von Gewerbeflächen über den ganzen Nutzungszyklus hinweg, also von Flächenausweisung und Planung über Vergabe, Bebauung und Nutzungsphase bis zur Nachnutzung bzw. Rückbau, können Synergieeffekte innerhalb eines Gewerbegebiets identifiziert und gemeinsam mit den ansässigen Betrieben und den kommunalen Akteuren umgesetzt werden. Die Präsentation von KoOpRegioN finden Sie hier . Diskussion: In der Diskussion wird hervorgehoben, dass es außerordentlich schwierig ist, das Thema Nachhaltigkeit mit dem konkreten Handeln der Unternehmen vor Ort zu verknüpfen. Am besten gelang dies noch bei inhabergeführten Unternehmen aus der Region, die als „Pioniere“ für Nachhaltigkeitsinitiativen gewonnen werden konnten. Teilnehmende weisen auf vergleichbare Initiativen in Nordrhein-Westfalen (SDG Scouts) hin. Abschlussworte des Botschafters Ulrich Misgeld: Die Motzener Straße ist eine Gewerbegebiet mit breit gestreuten Eigentumsverhältnissen, welches gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiativen ergriffen hat. Beispiele sind ein betriebsübergreifendes Logistikkonzept für die Anlieferung aller Unternehmen durch einen Spediteur, ein Klimaschutzkonzept und eine gemeinsame Personalstelle für das Gebietsmanagement. Erneuerbare Energien waren von Beginn an ein Thema. Vor drei Jahren wurde ein Grünes Kraftwerk eröffnet – eine Zusammenfassung von 15 Unternehmen und deren Energie- und Wärmeströme. Die beteiligten Firmen produzieren 45% ihres Bedarfes selber. Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt mittels aktiver Kommunikation beispielweise durch Straßenfeste. Erfolgsfaktoren aus Sicht abgeschlossener Vorhaben der 1. Förderphase und Statements der Botschafter:innen aus den Themenräumen Moderiertes Gespräch mit Dr. Silke Karcher, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Dr. Rupert Kawka, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Ulrich Misgeld, UnternehmensNetzwerk Motzener Straße e.V. Wie kann es in Stadt-Land-Beziehungen kooperativ gerechter werden, Herr Dr. Kawka? Was haben sie für das BBSR mitgenommen? Dr. Kawka: Territoriale Kohäsion ist ein Begriff der EU. Hier ist regionale Kohäsion entstanden. Es ist gut, dass das Thema Stadt-Land-Beziehungen wieder aufgegriffen wurde. Mit dem Thema Gerechtigkeit hat man sich dabei in der Vergangenheit nicht befasst. Mit Gerechtigkeit ist auch eine Form der Governance verbunden – auch das gab es damals nicht. Ohne Kooperation kann man Regionalentwicklung und -planung heute nicht mehr denken. Wir müssen in Verbindlichkeiten kommen, oder? Dr. Kawka: Ja, es gibt viele Ansätze, aber noch zu wenig Absorptionsfähigkeit. Diese müssen wir stärken mit der Fragestellung, wie man die Regelförderung besser nutzen kann. Welche Relevanz hat Kreislaufwirtschaft, Frau Dr. Karcher, und wie kann man sie in Stadt-Land-Beziehungen fördern? Dr. Karcher: Die Frage lautet, was ist die Vision? Es gibt da zwei Punkte: Ressourcenschonung und Schadstoffausschleusung. Dafür gibt es einen Rechtsrahmen auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene. Dann geschieht aber noch ganz viel regional, vor Ort. Am Thema Bauabfälle zeigt sich, was man auf lokaler Ebene tun kann: man kann vorschreiben, dass Bauabfälle nicht anfallen. Dieses kann in kommunalen Satzungen verankert und in regionalen Wirtschaftsbündnissen umgesetzt werden. Ähnlich verhält es sich mit einer Mehrweg-Angebotspflicht, die man auf lokaler Ebene umsetzen müsste. Wie kann nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung kooperativ umgesetzt werden, Herr Misgeld? Ist Nachhaltigkeit Hürde oder Innovation? Misgeld: Nachhaltigkeit ist ein Anreiz. Unternehmen setzen damit z. B. ihre Lieferanten unter Druck. Ein Erfolgsfaktor in Gewerbegebieten lautet, das Gebietsmanagement vor dem Thema Nachhaltigkeit in den Blick zu nehmen. Im Rahmen des Gebietsmanagements kann das Klimaschutzgesetz in Teilprojekten abgearbeitet und so Nachhaltigkeit definiert werden. Wie lassen sich die Forschungsergebnisse umsetzen? Misgeld: Entscheidend ist, ein qualitatives Gebietsmanagement zu stärken. Dr. Karcher: Man sollte die Verantwortung vor Ort stärken – und die Verantwortung muss vor Ort übernommen werden. Außerdem sollte eine Vernetzung früher und stärker erfolgen, um Doppelstrukturen und die parallele Entwicklung benötigter Instrumente zu vermeiden und stattdessen gemeinsam ähnliche Tools zu verwenden. Dr. Kawka: Nachhaltigkeit braucht eine Verstetigung in der Region. Das ist es eine Frage der Kommunikation, die andere, vielfältigere Formen neben der klassische Ergebnispräsentation braucht. Erfolgreiche Projekte sollten über das Bundesgebiet hinweg sichtbar gemacht werden. Abschlussworte und Worte aus dem Publikum: Misgeld: Es gibt eine Begeisterung für den Ansatz „on the ground“. Die Wirkmacht der Kommunen liegt vor Ort – nur dort kann der Funke entfacht werden. Dr. Kawka: Man sollte Stadt-Land-Partnerschaften entdecken, wo man noch nicht danach sucht, z. B. in Regiostädten, in Mittel- und Kleinstädten. Dr. Karcher: Stadt-Land-Partnerschaften brauchen die bislang noch wenig vorhandenen Belege und die Wissenschaft liefert diese. Aus dem Publikum: Die Evidenzbasis ist geschaffen, um die Zusammenarbeit von Stadt und Land zu verbessern. Aber es braucht ein legitimiertes Gremium, das eine Handlungsmacht und Umsetzungskompetenz entwickeln kann. Interaktive Präsentation des Autor:innenpaares des Stadt-Land-Bestsellers „Zwischen Welten“ Juli Zeh und Simon Urban Den Abschluss dieses Tages bildet ein Austausch zwischen Juli Zeh und Simon Urban zu den Themen Kommunikation, Sprachlosigkeit und Aggression im Kontext von Stadt-Land-Beziehungen. Dieses illustre Format ist geprägt durch einen munteren Schlagabtausch zwischen den zwei Autor:innen zu ihren Erlebnissen und Beobachtungen vom urbanen und ländlichen Leben. Zwischendurch lesen sie Passagen aus ihrem Buch „Zwischen Welten“, um am Ende das Publikum in die Diskussion einzubeziehen. Moderiertes Gespräch mit Christian Bodensteiner, Projektträger Jülich Dr. Christian Strauß, Projektträger Jülich Als Vertreter des Projektträgers würdigen Christian Bodensteiner und Dr. Christian Strauß die gute Zusammenarbeit der Projekte und des Querschnittsvorhabens in den vergangenen Jahren. Es wird herausgestellt, dass die Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ durch das transdisziplinäre Forschungsformat und die aktive Rolle der Praxispartner:innen Ergebnisse und Innovationen sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf regionalpolitischer Ebene einbringt. Damit wurden die Grundlagen für erfolgreiche Stadt-Land-Kooperationen in Deutschland gelegt. Vorstellung eines Memorandums mit Empfehlungen der Vorhaben der Stadt-Land-Plus-Fördermaßnahme Prof. Dr. Wolfgang Köck, Department Umwelt- und Planungsrecht am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ Dr. Michael Melzer, Institut Raum & Energie Das Memorandum formuliert zehn zentrale rechtliche Hürden in den Clustern Ressourcenschutz und -kreisläufe, Raumordnung und Baurecht sowie Vergaberecht und Fördersystematik. Hierzu werden die jeweiligen Herausforderungen, der Rechtsrahmen und die möglichen rechtlichen Anpassungsansätze beschrieben. Dabei ist unstrittig, dass einige der vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten ihrerseits durchaus konfliktbeladen sind. Mit den Diskussionen zwischen den Verbundvorhaben und der rechtlichen Expertise ist die Thematik zwar kompetent aufbereitet, für die Realisierung von Lösungen sind aber noch weitere Untersuchungen und vielfältige politische Abstimmungsprozesse erforderlich. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, die Thematik und die Erkenntnisse der Fördermaßnahme sowohl in die Fachöffentlichkeit als auch in die Politik zu transferieren. Das Memorandum finden Sie hier . Welche Impulse kann eine regionale Ernährungswirtschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft und zugleich ein besseres Stadt-Land-Verhältnis setzen? Vorhaben: KOPOS (Sebastian Rogga, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., Annabella Jakab, Netzwerk Flächensicherung e.V. und Wolfgang Hees, Wir bündeln Bio! & selbstständiger Landwirt) OLGA (Anke Hahn, Stadt Dresden und Sabrina Röttger, Umweltzentrum Dresden Botschafterin: Dr. Christa Standecker, Europäische Metropolregion Nürnberg/stellvertr. Sprecherin Initiativkreis Europäische Metropolregionen Moderation: Dr. Uwe Ferber, StadtLand GmbH KOPOS Sebastian Rogga, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., und Annabella Jakab, Netzwerk Flächensicherung e.V., stellen die Ergebnisse des Projektes KOPOS vor. Das Projekt KOPOS entwickelte und erprobte innovative Kooperationsansätze für eine nachhaltige und regionale Nahrungsversorgung. Dies geschah anhand zweier zentraler Herausforderungen: kurze Wertschöpfungsketten und Zugang zu Land. In Freiburg wurde eine neue Infrastruktur am Großmarkt etabliert, die kleinere bio-regionale Produzent:innen mit der städtischen Außer-Haus-Versorgung vernetzt. Der Marktplatz „Wir bündeln Bio!“ schließt eine Lücke, die der Biogroßhandel bislang nicht abdeckte. In Berlin-Brandenburg konzentrierte sich die Forschung auf den „Zugang zu Land“. Neben der Analyse struktureller Defizite, wie der Verpachtungspraxis von Kommunen, wurden Handlungsempfehlungen (KOPOS BIG-5) sowie der Entwurf einer beratenden „Flächenvergabeagentur“ erarbeitet. Zudem wurde das kooperative Geschäftsmodell „Tiny-Farms“ weiterentwickelt, das für Quereinsteiger:innen den Einstieg in die Landwirtschaft erleichtert. Die Präsentationsfolien von KOPOS finden Sie hier . Diskussion: Können die Ergebnisse des Projektes kostendeckend umgesetzt werden? In den ersten Jahren durch viele Investitionen für Werbung und Ähnliches nicht. Aber durch den nahen Kontakt zur Schule und die Regelung „30% Biowaren an Schulen“ haben wir den Einstieg in den Markt geschafft. Wurden Schulen und Kindertagesstätten mitgedacht? In Leipzig wurde lange über einen Kommunalen Caterer gesprochen. Das ist aber gescheitert. „Jein“, da große Caterer die kleinen vertreiben. Wir bedienen 500 bis 600 Portionen und setzen auf kurze Lieferketten nach dem EU-Vergaberecht. Es gab auch Pilotprojekte, in Freiburg 5 und in Brandenburg 5, wo Kindertagesstätten beliefert wurden. Eines dieser Projekte hat sich verstetigt. Wo liegen die Flächen der TinyFarms? Die TinyFams selber wollen gerne stadtnah liegen, haben aber häufig nicht die Möglichkeit, die neuen Standorte zu entwickeln. Sie wachsen langsam, aber stetig. OLGA Anke Hahn, Stadt Dresden, und Sabrina Röttger, Umweltzentrum Dresden, stellen dar, wie im Projekt nachhaltige Landnutzungsansätze, insbesondere mikroklimatische Effekte von gewässernahen agroforstlichen Nutzungen, und deren regionale Wertschöpfungsoptionen untersucht und umgesetzt wurden. OLGA etablierte darüber hinaus ausgewählte Stadt-Land-Kooperationen in der Land- und Ernährungswirtschaft bei der Schaffung von neuen Produkten sowie Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungswegen, insbesondere mit Hülsenfrüchten aus der Region. In Zusammenarbeit mit einem Landwirtschaftsbetrieb konnte durch das Projekt ein 1 ha großes Agroforstsystem mit 3.500 Pappeln auf Ackerland vor den Toren Dresdens etabliert werden. Durch OLGA wurde außerdem ein neues Produkt aus Hülsenfrüchten kreiert: Die Dresdner Bio-Falafel aus sächsischen Linsen wurde durch die Kooperation zwischen einem Linsen-Landwirt in Mittelsachsen und dem Catering-Unternehmen Zaituna geschaffen und erfährt reißenden Absatz – ob bei Dresdner Stadtteilfesten, der Leipziger Food Messe “Iss Gut!” oder bei den sächsischen Bio-Erlebnistagen. Die Präsentation von OLGA finden Sie hier . Diskussion: Gibt es in Dresden eine:n Wertschöpfungsmanager:in und wenn nicht, wäre dies nicht empfehlenswert? Nein, leider nicht. Dies wäre aber sehr hilfreich. Es wurde daher über andere Institutionen versucht, diese Aufgabe zu erfüllen. Wie hoch war der Forstanteil bei den AgriForstSystemen für die Energieproduktion? Das wurde den Landwirten freigestellt, aber hier gibt es viele Möglichkeiten: Obstanbau oder Bauholzproduktion oder auch Hackschnitzel-Produktion. Abschlussworte der Botschafterin Dr. Christa Standecker: Dr. Christa Standecker stellt kurz die Europäische Metropolregion Nürnberg und deren Aktivitäten im Rahmen von Stadt-Land-Plus vor. Mit dem Projekt REPROLA ist es ebenso wie in OLGA und KOPOS gelungen, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und hierfür ein stabiles Akteursnetzwerk zu etablieren. Das Thema Ernährungssicherheit und Flächensicherung ist damit zum festen Bestandteil der Aktivitäten in den Stadt-Land-Plus-Pilotregionen avanciert. Mit dem Netzwerk der Deutschen Metropolregionen ist die Veröffentlichung eines gemeinsamen Diskussionspapiers zum Thema „Ernährungssicherheit“ geplant. Dies wird von Frau Dr. Standecker unterstützt, die sich dafür einsetzt, das Thema Fläche mit dem Thema Ernährungssicherheit eng zu verknüpfen und hierdurch deutlich mehr an Gehör und Unterstützung zu finden. Wie lassen sich die unterschiedlichen Qualitäten von Stadt und Land zu einem hochwertigen regionalen Zukunftsraum bündeln? Vorhaben: DAZWISCHEN (Prof. Dr. Dietwald Gruehn, TU Dortmund und Steffen Rosier, Stadt Düren) und NEILA (Katharina Fesel, TU Dortmund und Julia Zendel, Bundesstadt Bonn) Botschafter: Bernhard Faller, vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. Moderation: Lutke Blecken, Institut Raum & Energie Dieser Themenraum steht unter der Leitfrage, wie sich die unterschiedlichen Qualitäten von Stadt und Land zu einem hochwertigen regionalen Zukunftsraum bündeln lassen. Ausgangsüberlegung dabei ist, dass Stadt und Land mit ihren Unterschieden sich gegenseitig ergänzen, aufeinander angewiesen und miteinander verbunden sind. Beispielhaft für die Unterschiede stehen in diesem Themenraum sehr plakativ einerseits die Naturnähe und andererseits die Urbanität. Die entscheidende Frage ist, wie diese unterschiedlichen Qualitäten und Potenziale zu einem gemeinsamen hochwertigen regionalen Zukunftsraum gebündelt werden können. Diese Frage betrifft auch das Handlungsfeld der Siedlungs- und Freiraumentwicklung. Dabei sind unterschiedliche Spannungsverhältnisse zu berücksichtigen: z. B. die Zielsetzung einer sparsamen Flächenentwicklung bei teilweise fehlendem Wohnraum in Ballungsgebieten, aber verfügbaren Potenzialen in periphereren Teilregionen, oder Fragen einer regionalen Gerechtigkeit und eines regionalen Ausgleichs von Lasten und Nutzen. So zeigt sich in der Praxis, dass große Hürden bei einer regionalen Betrachtung der Siedlungsentwicklung zu überwinden sind, was die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsraumes erschwert. In der Fördermaßnahme Stadt-Land-Plus haben sich mehrere der Projekte mit diesen Fragestellungen befasst und wichtige Impulse geliefert. Daraus wurden Reformvorschläge entwickelt, die sich in der Reformagenda wiederfinden. Vor diesem Hintergrund wird der Blick auf zwei dieser Vorhaben geworfen: DAZWISCHEN und NEILA haben sich beide mit einem interkommunalen Land- und Flächenmanagement beschäftigt. DAZWISCHEN Prof. Dr. Gruehn, TU Dortmund, vom Vorhaben DAZWISCHEN führt aus, dass das Projektgebiet zwischen der Schiene Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen liegt. Es handelt sich dabei um einen uralten germanischen Kulturraum, was einen Hinweis auf die Qualität des ländlichen Raumes gibt. Heute ist dieser Raum völlig überprägt von der Braunkohlenutzung. Der bevorstehende Strukturwandel war daher ein Thema ebenso wie der Siedlungsdruck aus Köln, Düsseldorf und Bonn und die dadurch verstärkte Nachfrage in dieser Region. Das von der Zukunftsagentur betriebene Rauminformationssystem (RIS) beinhaltet u. a. ökonomische und soziale Daten. So lässt sich sehen, wo die Hotspots der Siedlungsentwicklung sein werden und wo der Freiraum qualitätvoll entwickelt werden kann. Steffen Rosier, Stadt Düren, führt aus, dass für die Stadt Düren und den Landkreis Euskirchen Entwicklungsprofile erstellt wurden, denen eine SWOT-Analyse vorausging. Die Entwicklungsprofile gingen in Handlungsstrategien über. Dabei lag im Kreis Euskirchen das Thema Nachhaltigkeit und in Düren der Flächennutzungsplan im Fokus. Mit Blick aus der Praxis war der Prozess des Projektes spannend. Insbesondere war interessant, wie man den Prozess mit bestehenden Strategien verknüpfen und Akteur:innen-Beteiligung und -Einbindung initiieren und umsetzen kann. Wichtig dabei ist, dass es Personalmittel für die Durchführung braucht. Außerdem braucht es eine realistische Herangehensweise, um die Forschungsergebnisse auf die Ebene der täglichen Arbeit der Beteiligten herunterzubrechen. Das RIS war vor allem als Bewertungsinstrument hilfreich. Außerdem war die multihierarchische Betrachtungsweise hilfreich und sinnvoll, weil es Unterschiede gibt, was Kreisen und Städten im Kontext der Umsetzung möglich ist. Es gibt jedoch auch administrative Grenzen, was bei solch einer Analyse aber erstmal ausgeblendet werden muss. Die Präsentation von DAZWISCHEN finden Sie hier . Diskussion: Im Rahmen von RIS wurde ein Raum aus einer bestimmten Problemsicht geschaffen, wofür zunächst auf der Gesamtraumebene, wo verschiedene Akteur:innen und Strukturen existieren, Daten gesammelt wurden. Sodann folgte eine Detaillierung, im Rahmen dessen Probleme für die Stadt Düren und den Landkreis Euskirchen identifiziert wurden. Dieses Vorgehen beschreibt den Begriff „multihierarchisch“. Im Sinne einer Transparenz sind all diese gesammelten Informationen in RIS enthalten und dort für alle einsehbar und nachvollziehbar. Mit der Erstautorenschaft der Akteur:innen wurden zudem viele Publikationen veröffentlicht, u. a. auch in internationalen Journals. Die Übertragbarkeit von RIS ist weniger ein technisches Problem als vielmehr eine Frage der Trägerschaft. Will man das Produkt übertragen, gilt es vor allem, einen Träger mit Kompetenzen, Mitteln und Ressourcen zu finden - aus technischer Sicht gestaltet es sich einfach. Der Flächennutzungsplan wurde mit der Politik diskutiert und in einer 2. Runde mit dem Wohnungsmarkt rückgekoppelt. Daraus wurde der Pfad entwickelt, sich mit der Innenentwicklung auseinanderzusetzen. RIS hat den Mehrwert, das Programm in Rahmen von Beteiligungsprozessen nutzen zu können. Das Programm bietet die Möglichkeit, einzelne Analysefelder zu filtern. Diese Wirkungsanalyse gab es bisher nicht. RIS hat den Mehrwert, dass sich sehen lässt, wo es bestimmte Vorgänge aufgrund der Wertigkeit der Räume gibt. Damit lassen sich Maßnahmen fortan besser abwägen in dem Sinne, dass der Gesamtraum davon profitiert. Außerdem lassen sich mit Hilfe von RIS Verflechtungen besser erkennen. Ferner wäre es sinnvoll, die Universitäten besser mit Grundmitteln auszustatten, um weniger Anträge im kompetitiven Bereich schreiben zu müssen. Hier gab es eine Lenkungswirkung der Förderung: es wäre sonst nicht zu dieser Kooperation gekommen. Zudem konnte hier die informelle Ebene eingebunden werden, was für alle Beteiligten sinnvoll ist. Diesen Mehrwert hätte die Universität allein nicht generieren können. NEILA Katharina Fesel, TU Dortmund, vom Vorhaben NEILA erläutert, dass es sich bei der :rak-Region um einen Kooperationsraum handelt, der sich über zwei Bundesländer erstreckt. Die :rak-Region ist von unterschiedlichen Herausforderungen geprägt. Als Beispiele hierfür seien steigende Bodenpreise und Mieten oder ein Druck auf das Umland versus ländliche Räume, die nicht weiter wachsen wollen, der Klimawandel und die notwendige Anpassung daran genannt. Das Projekt NEILA stellte sich die Frage, welche Instrumente es für einen Stadt-Land-Ausgleich gibt. Im 1. Schritt wurde dafür ein gemeinschaftlicher Kriterienkatalog entwickelt. Die dort genannten Eignungskriterien wurden von Gremien, in denen u. a. Bürgermeister:innen vertreten waren, freigegeben. In einem 2. Schritt ging man der Frage nach, welches Konfliktpotential in der Aktivierung der Flächen liegt, um im 3. Schritt das ermittelte Angebot dem Bedarf gegenüber zu stellen. Auf diese Weise wurde ein regionales Dichtekonzept mit potentiellen Entwicklungsflächen erarbeitet. NEILA folgte dabei dem Prinzip, „sich gegenseitig in die Karten zu schauen“. Die so entstandene gemeinsame Wissensgrundlage ermöglichte es, in den Dialog zu treten. Dabei ist NEILA ein informelles Projekt – bindungswirksam wird es erst, wenn Planer:innen die Ergebnisse in die Planung integrieren. Dafür braucht es einen Dialog und auch monetäre Anreize. Sinnvoll ist es zudem, regionale Akteur:innen zu installieren, die den Zukunftsraum gestalten und nicht nur verwalten. Julia Zendel, Bundesstadt Bonn, berichtet, dass der Fachaustausch im Projekt so intensiv war, wie es ihn zuvor nicht gab. Außerdem sind die von NEILA entwickelten Tools enorm hilfreich. So zeigt beispielsweise das Dichtekonzept, dass alle Angst vor Dichte haben, aber es diese Dichte schon längst gibt. Durch das Siedlungs- und Flächentool hat man das Thema Dichte nun regionsweit abgeglichen. Mit Hilfe des Bilanzierungstools lässt sich aufzeigen, dass z. B. einzelne Flächen nicht aus dem Blick genommen werden können. Zu den Herausforderungen des Projektes NEILA gehört die Kommunalwahl im nächsten Jahr und das dadurch bedingte Kirchturmdenken einiger Beteiligter. Eine verbindliche regionale Entscheidungseinheit würde da helfen, um zu vermeiden, dass solch etwas immer wieder bei Wahlen passiert. Ferner muss das :rak  eine neue Struktur finden. Dabei können die Ergebnisse von NEILA helfen. Die Präsentation von NEILA finden Sie hier . Diskussion: Es kam die Frage ob auch untergenutzte Flächen oder Leerstandsflächen in die Bewertung mit einbezogen wurden. Hierzu ist zu sagen, dass NEILA in der 1. Phase nicht in die Innenentwicklung gegangen ist. Dank der Projektverlängerung beginnt das jetzt mit der Fragestellung, wie sozio-ökologische Verdichtung aussehen kann. Ein Monitoring, welche identifizierten Flächen nun genutzt werden, existiert derzeit noch nicht, zumal es das Tool erst seit knapp 1 Jahr gibt. Aktuell finden daher Interviews vor Ort statt, um einen Überblick bezüglich der Umsetzung zu erhalten, da nicht jede:r die Angaben im Tool einpflegt. Mehrere Eigentümer:innen bedeuten potentiell mehr Konflikt. NEILA hat die Eigentümer:innen lediglich zur Kenntnis genommen als Information für das Tool. Zur Frage, warum nicht die Regionalplanung den :rak-Zuschnitt vornimmt, ist zu sagen, dass NEILA den Diskurs beeinflusst und das Konzept entwickelt hat – das ist das, was bleibt. Abschlussworte des Botschafters Bernd Faller: Bernd Faller führt aus, dass im Rahmen dieser Vorhaben mit wissenschaftlichen Mitteln, die begrenzt sind, versucht wurde, auf politische Entscheidungen der Siedlungs- und Flächenplanung Einfluss zu nehmen. Dabei bewegt man sich in einem großen Konflikt: es müsste eine regionale Steuerung geben. Es ist evident, dass dem so ist, aber die Kommunen sind für die Siedlungsplanung zuständig – und die Planungshoheit der Kommunen ist eine heilige Kuh. In diesem Spagat bewegt sich somit alles. Es gibt eine Fehlsteuerung in der Planung, die es zu beeinflussen gilt. Dafür braucht es ein 4-Stufen-Modell: Stufe 0: Stufe 0 ist die Stufe der Regionalplanung. Sie ist aber nur Ordnungsinstrument und nicht Entwicklungsinstrument und daher sehr begrenzt. Sie hat somit ein gutes Bremspedal, aber kein Gaspedal. Die Regionalplanung kann jedoch nicht so eng sein, dass sie die kommunale Entwicklungsplanung beeinflussen kann. Stufe 1: Die Stufe 1 ist die gute wissenschaftliche Basis, um dadurch lokale Entscheidungen zu beeinflussen. Die institutionell verankerten Interessen der Kommunen sind aber im Zweifel stärker als die wissenschaftlichen Ergebnisse. Stufe 2: Die Stufe 2 ist die programmatisch justierte Unterstützung besonders guter Vorhaben. Es werden die Projekte unterstützt, die in die Programme passen. Die regionalen Instrumente sind aber oft zu schwach, um diese Steuerung auszuführen und stringent zu leiten. Daher braucht es Stufe 3. Stufe 3: Stufe 3 sind Bund-Länder-Programme der Raumordnung. Der Bund schiebt etwas an und es hat lokale Wirkungen. In der Schweiz gibt es das Agglomerationsprogramm. Dieses ist nur von der Logik her übertragbar, aber dennoch lohnenswert, sich anzusehen. Das Agglomerationsprogramm führt in der Schweiz u. a. zu informellem Austausch, weil dieser nötig und erforderlich ist. Welche Nachhaltigkeitsziele helfen zur Überwindung von Gegensätzen zwischen Stadt und Land? Welche SDGs müssen adressiert werden? Vorhaben: NaTourHuKi (Prof. Dr. Jörg Dettmar, TU Darmstadt) SUSTIL (Jannis Pfendtner-Heise, Leuphana Universität Lüneburg und Pia Wiebe, Hansestadt Lüneburg) Botschafter: Oliver Haubner, Bertelsmann Stiftung Moderation: Nadine Pannicke-Prochnow, Umweltbundesamt 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 und die darin enthaltenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals = SDGs). Seither fungieren die 17 Ziele mit 169 Unterzielen als Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung, indem sie zur Förderung von nachhaltigem Frieden und Wohlstand sowie zum Schutz unseres Planeten beitragen. Zudem fördern die Ziele ein vernetztes Verständnis für verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsherausforderungen und bieten einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. Demzufolge sollen alle Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung überall und gleichzeitig angegangen werden, denn die Ziele sind in vielfacher Weise miteinander verknüpft und können nicht isoliert betrachtet oder umgesetzt werden. Alle Ziele gelten für alle Länder. Die Verantwortung für die Umsetzung der Ziele liegt also sowohl auf internationaler Ebene als auch im Inland auf allen räumlichen Ebenen. Gleichzeitig bereitet die Allgemeingültigkeit aber auch Schwierigkeiten in der Umsetzung: So wird kritisiert, dass die „Flughöhe“ der SDGs für Regionen und Kommunen oftmals zu hoch sei oder einzelne Ziele teilweise als nicht zutreffend oder relevant für die Regionen Deutschlands an-gesehen werden. Was die einzelnen SDGs für die deutschen Regionen und Kommunen bedeuten und was daran für die Umsetzung in Deutschland relevant ist, wurde bislang nicht konkret formuliert. Aber nachhaltige Entwicklung erfordert eine regionale Umsetzung! Nachhaltige Entwicklung kann nur vor Ort von der Theorie zur Praxis werden, daher sind Kommunen und einzelne Gemeinden gefragt, egal ob städtisch, suburban oder ländlich. Vielfältige inhaltliche Verknüpfungen der SDGs haben auch enge räumliche Verknüpfungen von Teilräumen zur Folge. Dies erfordert nicht nur aus inhaltlicher Perspektive eine ganzheitliche Herangehensweise, sondern auch eine räumlich vernetzte und integrierte Betrachtung von städtischen und ländlichen Gebieten in einer Region: Je konkreter die Umsetzung der 17 SDGs angegangen wird, desto deutlicher werden die Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten sowie Zielkonflikte zwischen den einzelnen SDGs. Da jede Region eigene Anforderungen und Ziele sowie Talente und Widerstände mitbringt, sind pauschale Lösungen nicht zielführend. Die Umsetzung der SDGs wird für jede Region oder Kommune sehr individuell sein. Für ein zielführendes Vorgehen braucht es eine Unterstützung bei der Übersetzung und Übertragung der global gültigen SDGs auf die regionale Ebene, eine „Schablone“ für die Herangehensweise und Best-Practice-Beispiele. Daraus ergeben sich aber auch differenziertere Fragestellungen: Was kennzeichnet überhaupt nachhaltige regionale Entwicklung? Wie kann eine nachhaltige regionale Entwicklung durch Stadt-Land-Partnerschaften unterstützt werden? Was kennzeichnet nachhaltige Beziehungen zwischen Stadt und Land? NaTourHuKi Das Verbundvorhaben NaTourHuKi ist über das Thema nachhaltiger Tourismus und Naherholung mit den SDGs verbunden. Prof. Dr. Jörg Dettmar stellt in seinem Impuls die Ergebnisse des Verbundvorhabens vor und geht auf diese Verbindung ein. Im Verbundvorhaben wurde die Regionalparkroute im Main-Kinzig-Tal als Rückgrat für eine Naherholungsplanung genutzt. Dabei traten verschiedene Konfliktfelder zu Tage, da die anliegenden Städte und Gemeinden zwar Naherholung brauchen, aber im Regionalpark wenig Fläche dafür vorhanden ist. Auch die Naturschutzverbände befürchten teilweise nachteilige Auswirkungen auf die Natur durch die Erweiterung der Naherholung, denn stellenweise zeigte sich bereits, dass die wichtigen Auenökosysteme durch unachtsame Tourist:innen und Naherholungssuchende gefährdet werden. Im Projekt NaTourHuKi wurden zwischen den verschiedenen Raumnutzenden Gespräche initiiert und Synergien gefunden. So wurden z. B. Engpässe bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch die Aufwertung von Wasserwegen und Naturräumen in Verbindung mit einer Erholungsinfrastruktur und inklusiven Bildungsangeboten im Auenraum verringert. Diese Aktivitäten wurden durch die Etablierung eines Nachhaltigkeitsrates mit Blick auf Tourismus und Naherholung im Main-Kinzig-Kreis verstetigt. Das ist eine Besonderheit, denn die gezielte Steuerung von Erholungsinfrastruktur ist außerhalb von Tourismusgebieten nicht vorhanden und wird nun langfristig durch den Nachhaltigkeitsrat umgesetzt. Gleichzeitig ist das Thema Tourismus und Erholung ein gute Möglichkeit, Nachhaltigkeit in die Fläche zu bringen, da Erholungsinfrastrukturen gern gesehene Prestigeprojekte von Bürgermeister:innen sind, in denen Umwelt- und Naturschutz greif- und erlebbar integriert werden kann. Die SDGs für diese Arbeit auf Regional- bzw. Kommunalebene herunterzubrechen ist möglich, mindestens im Bereich des Tourismus, da es für die Verbindung von SDGs und Tourismus schon viele Vorarbeiten gibt. Um die Erfolge zu messen, wird durch den Nachhaltigkeitsrat im Main-Kinzig-Kreis eine regelmäßige Prüfung verschiedener Indikatoren, die an 10 Themen angepasst sind, durchgeführt. Indikatoren sind für die Darstellung und Vermittlung der SDGs ein wichtiges Mittel. Weiterhin wurde durch die Vertreter:innen des Verbundvorhabens NaTourHuKi betont, dass es einen langen Atem benötigt, eine Idee oder ein Wording zu finden und auch zu verfolgen. Zu oft werden zwar ähnliche Pläne nach einigen Jahren weiterverfolgt, aber durch neue Namensgebungen verändert und damit intransparent für die Bevölkerung. Außerdem zeigte sich im Projekt, dass der suburbane Raum ein sehr wichtiger Raum für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele ist. Die Präsentation von NaTourHuKi finden Sie hier . SUSTIL Jannis Pfendtner-Heise erklärt in seinem Impuls, dass im Verbundvorhaben SUSTIL die SDGs leitend waren. Das Verbundvorhaben umfasste sehr verschiedene Partner, z.B. aus dem Handwerk, die lokale Vertretung des BUND, Landkreise, Forschung u. a. Grundlegend für die Herangehensweise war eine formative Szenarioanalyse. Zwei Szenarien wurden erarbeitet: Im Jahr 2040 sind die Stadt Lüneburg und der Landkreis Lüneburg im Gleichgewicht. Im Jahr 2040 besteht zwischen Stadt und den einzelnen Kommunen des Landkreises Konkurrenz. In Workshops wurde mit Hilfe der Szenarien herausgearbeitet, was kleinräumig jeweils benötigt wird. So wurde für die Stadt Lüneburg eine Potenzialkarte für Geschosshöhen entwickelt, die eine erste Grundlage bieten kann, die Potenziale für Gebäudeaufstockungen zu eruieren, um den starken Zuzug in Lüneburg ohne weiteren Flächenverbrauch im Umland gerecht zu werden. Für die Stadt Bleckede im Landkreis Lüneburg wurde ein Klimaanpassungsplan erarbeitet, da die Stadt schon negative Folgen des Klimawandels gespürt hat und weitere Auswirkungen fürchtet. Die SDGs wurden dabei für die Kleinräume heruntergebrochen, obwohl sie im ländlichen Raum eher als Belastung wahrgenommen werden. Mit dem richtigen Wording kann dies adressiert werden. Beispielsweise wurde deutlich, dass das Wort „Klimaanpassung“ oft eher negativ bewertet wird, die gleichen Maßnahmen mit Titel „Dorfkernerneuerung“ jedoch akzeptiert oder gar befürwortet werden. Die Präsentation von SUSTIL finden Sie hier . Diskussion: Im Verlauf der Diskussion wurde herausgestellt, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein wichtiger Hebel für die Vermittlung der Nachhaltigkeitsziele ist und Selbstermächtigung durch Weiterbildung ermöglicht. Die Bildungsangebote sollten langfristig angelegt sein und beständig wiederholt werden. Zudem spielen regionale Steuerungsmöglichkeiten unter Beibehaltung der kommunalen Planungshoheit eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Regionalentwicklung, denn Siedlungsentwicklung erfolgt auf regionaler Ebene, z. B. im Hinblick auf Wohnungsmärkte, Gewerbeflächenmärkte und Verkehr. Insgesamt zeigte sich in den Impulsen und im weiteren Verlauf der Diskussion, dass im Stadt-Land-Kontext nicht einzelne Ziele im Fokus stehen, sondern alle SDGs relevant sind. Um die SDGs in die praktische Umsetzung zu bringen, sollten diese nicht als etwas Neues und Abstraktes verstanden oder als separate zusätzliche Aufgabe aufgenommen werden, sondern mit bereits laufenden Aktivitäten und Strategien verknüpft bzw. in diese integriert werden. Werden zum Beispiel Kreisentwicklungsstrategien und die SDGs nebeneinandergelegt, wird oftmals sichtbar, dass bereits signifikante Beiträge zu verschiedenen SDGs bzw. deren Unterzielen erbracht werden. Anhand von vorhandenen Strategien, z. B. auch Wasserstrategien oder anderen Teilstrategien, können verschiedene Nachhaltigkeitsziele adressiert und priorisiert sowie Lücken und Handlungsbedarfe identifiziert werden. Über Fragen wie „Was ist schon da?“ und „Was brauchen wir noch?“ können so die Nachhaltigkeitsziele mit den Bedürfnissen, Wünschen und Herausforderungen vor Ort verknüpft und Hürden für die Umsetzung reduziert werden. Abschlussworte des Botschafters Oliver Haubner: Im Anschluss folgte ein Beitrag von Themenbotschafter Oliver Haubner vom Zentrum für Nachhaltige Kommunen der Bertelsmann Stiftung. Herr Haubner fasste die präsentierten Ergebnisse als gute Beispiele für nachhaltige Entwicklung zusammen. Bis heute sei es nicht geschafft worden, die SDGs zum Allgemeingut zu machen, obwohl der Zielhorizont zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda mit dem Jahr 2030 nicht mehr weit entfernt liegt. Die präsentierten Beispiele zeigen jedoch, dass vor Ort bereits in verschiedenen Handlungsfeldern am Erreichen der Ziele gearbeitet wird. Wichtig sei seiner Einschätzung nach vor allem die Messbarkeit und Evidenz, also die Beobachtung des Entwicklungsfortschritts anhand von Indikatoren für die SDGs in Kommunen, an denen diese ihre Maßnahmen und Aktivitäten ausrichten und ggf. nachjustieren können. Außerdem sei es wichtig, Narrative, positive Bilder, Best-Practice-Beispiele und Begriffe zu entwickeln, die sich an den Menschen vor Ort orientieren, wie in beiden Verbundvorhaben geschehen. Auf Basis der Evidenz können Geschichten über die Erreichung der SDGs in den Kommunen erzählt und vermittelt werden und als Vorbilder für andere dienen. Weiterhin ist eine Unterstützung des Transfers wichtig, z. B. mit Veröffentlichungen, wie bspw. die Halbzeitbilanz zur Umsetzung der Agenda 2030 in deutschen Kommunen (Bertelsmann Stiftung und Deutsches Institut für Urbanistik 2023), sowie Informationen und Aufklärung. Diskussion mit Dr. Vera Grimm, Bundesministerium für Bildung und Forschung Katrin Fahrenkrug, Institut Raum & Energie (Moderation) und den Botschafter:innen aus den Themenräumen Bernhard Faller, vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. Oliver Haubner, Bertelsmann Stiftung Dr. Christa Standecker, Europäische Metropolregion Nürnberg/stellvertr. Sprecherin Initiativkreis Europäische Metropolregionen sowie Bernd Düsterdiek, Deutscher Städte- und Gemeindebund Heiko Rosenthal, Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport, Stadt Leipzig Wir haben sehr viele Ergebnisse und Produkte, wo sich die Frage des Transfers stellt. Wie können sie als Forschungsministerium den Transfer der Ergebnisse weiter fördern? Dr. Grimm: Indem wir uns in den Haushaltsverhandlungen weiter dafür stark machen und für weitere Förderungen plädieren. Es gibt diese großartigen Forschungsergebnisse, aber auch viele rechtliche Hürden. Da müssen wir konkret bleiben. Es war schwer, die Thematik der SDGs auf der Agenda zu halten. Sind SDGs auf der kommunalen Ebene angekommen? Haubner: Es kommt immer drauf an, in welcher Kommune und welcher Verwaltung wir sind und mit welchen Personen wir sprechen. Die Relevanz wird immer unterschiedlich ausgelegt und das fängt bereits bei der Begrifflichkeit an. Wir haben es nicht geschafft, SDGs zu einem Allgemeingut zu machen. Es ist aber nicht so wichtig, ob Kommunen ihre nachhaltige Entwicklung mit SDGs begründen oder mit der Agenda 2030 erarbeiten. Wir haben viele Instrumente und da ist es wichtiger, dass in diesen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, auch wenn sie nicht mit SDGs betitelt sind. 2021 waren Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei einer Befragung von Bürgermeister:innen ganz oben, heute sind die Themen auf Platz 4 gesunken. Brauchen SDGs und Nachhaltigkeit deutlich mehr Stellschrauben und Instrumente? Haubner: Die Angst, dass das Thema immer weiter nach hinten rutscht, besteht. Aber wir haben Hilfsmittel: Sprache und Narrative, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Modellprojekte und Beispiele – das Rad muss nicht neu erfunden werden. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Es bedarf einer Finanzausstattung für Kommunen sowie Freiräume. Rosenthal: Es braucht überzeugte Menschen und das auch in der Hausspitze. Man braucht Geduld, einen langen Atem und eine politische Verordnung. Dr. Standecker: Nicht die SDGs, aber das Thema Nachhaltigkeit ist auf der Projektebene angekommen. SDGs müssen nicht immer in den Vordergrund gestellt werden. Stattdessen gilt, einfach mal machen. Düsterdiek: Durch den Gesetzgeber wurden viele Instrumente geschaffen und es gibt unzählige Akteure und Initiativen. Wir sind im „DOING“ und wir müssen von den guten Beispielen lernen. Es muss geschaut werden, was der Nachbar-Landkreis und die Nachbar-Kommune machen. Die große Herausforderung ist der massive Aufgabenzuwachs der Kommunen bei struktureller Unterfinanzierung und bei schwindendem Personalbestand. Faller: Die Unternehmen stellen sich auf Veränderungen ein, aber sie stehen auch vor den Herausforderungen, die Herr Düsterdiek zuvor ansprach. Und wenn nicht alles möglich ist, muss man priorisieren. Kommunen und Akteure brauchen mehr Handlungsspielräume. Wie kommen wir von der freiwilligen Selbstverpflichtung zu mehr Verbindlichkeit? Faller: Eine sinnvolle Siedlungsentwicklung ist regional – Wohnungsmärkte sind regional, Märkte sind regional, Verkehr ist regional. Die Hauptzuständigkeiten sind aber kommunal. Es braucht Steuerungsmöglichkeiten unter Wahrung der kommunalen Planungshoheit. Der Erkenntnistransfer von der regionalen Ebene auf die kommunale Ebene ist zu schwach im Gegensatz zu den institutionellen Verankerungen und Grenzen. Es braucht mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene. Wie kommen wir in die Verbindlichkeit? Leipzig ist an dieser Stelle gut aufgestellt. Rosenthal: Es ist gelungen mit den Kolleg:innen aus der Region Leipzig, als gewählte Vertreter:innen ihrer Region, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Wenn solch ein Miteinander vereinbart wurde, dann funktioniert eine Stadt-Land-Beziehung. Wir haben Gremien und Zweckverbände geschaffen sowie Zweckvereinbarungen getroffen, die dies verbindlich organisieren. Nun schauen wir gemeinsam in der Region, wo regional und städtisch zusammengearbeitet und in der Fläche umgesetzt werden kann. Eine gegenseitige finanzielle Unterstützung ist dabei auch ein wichtiges Thema. Ist das Thema der Ernährungssicherheit das richtige, um die nötigen Impulse zu setzen für ein besseres Stadt-Land-Verhältnis? Dr. Standecker: Das ist ein klares „JA“. Das Thema regionale Ernährungssicherheit wird immer wichtiger und wirkt identitätsstiftend. Wie ordnen sie die Ergebnisse aus „Stadt-Land-Plus“ in die bundesweite Diskussion ein, gerade in dem Thema Stadt-Land-Beziehungen auf der Ebene der Metropolregionen? Dr. Standecker: Wir haben die Aufgabe „Kümmert euch um die Ernährungs- und Landwirtschaft“. Diesen Auftrag akzentuiert eigentlich nur die Metropolregion Nürnberg im Vergleich zu anderen Metropolregionen. Andere Metropolregionen machen Projekte in diesem Bereich, aber leisten diesen umfassenden Auftrag nicht. Trotzdem kümmern sie sich um ökologischen Landbau und Stoffkreisläufe. Es wird in Zukunft einen strategischen Ansatz geben müssen, denn das Thema Ernährungssicherheit wird uns einholen. Wie sollen die Ergebnisse dieser BMBF-Fördermaßnahme stärker in die breite Öffentlichkeit gelangen und wie sollen sie stärker miteinander vernetzt werden? Haubner: Die Bertelsmann Stiftung baut eine digitale Plattform für nachhaltige Kommunen auf, auf der alle greifbaren Projekte einsortiert werden sollen. Die Projekte von „Stadt-Land-Plus“ könnten auf dieser Plattform eingebettet werden. Rosenthal: Es ist stärker darüber nachzudenken, wie solch Ergebnisse wie die von „Stadt-Land-Plus“ verbindlich Eingang in die Kommunen finden. Dafür ist eine aufmerksame Zivilgesellschaft sehr wichtig. Aber das ersetzt nicht Beschlussfassungen und Verwaltungsstellen, die nötig sind. Es braucht ein Instrument zur stärkeren Verbindlichkeit für Fördermittelempfangende. Dr. Standecker: Es braucht politischer Unterstützung und persönliche Ressourcen sind durch die Kommunen einzubinden. Fragen, Abschlussworte und Worte aus dem Publikum: Aus dem Publikum: Eine kontinuierliche Weiterbildung der Verwaltung und der Fachbereiche ist von hoher Bedeutung. Aus dem Publikum: Es wäre gut, wenn wir in vielen Datenpools (z. B. BMBF, Bertelsmann-Stiftung) unsere Forschungsergebnisse verlinken, so dass Kommunen schnell und frei darauf zugreifen können. Aus dem Publikum: Wir haben herausgefunden, dass öffentliche Räumlichkeiten für den Austausch sehr von Vorteil sind. Es braucht mehr Austausch. Dr. Standecker: Stärkere Transferprogramme sind zu unterstützen. Die Umsetzungsprojekte waren ein erster Pilot, aber es braucht mehr, um Realitäten zu schaffen. Vielleicht sollten auch sektorübergreifend finanzierte größere Pilotprojekte umgesetzt und in einem Reallabor einem Realitätstest unterzogen werden. Haubner: Beim Transfer fängt die Arbeit erst an. Es ist keine hundertprozentige Übertragbarkeit möglich, aber eine Orientierung wäre vorteilhaft. Wir müssen nicht immer wieder von vorne beginnen, sondern sollten bereits gewonnen Erkenntnisse stärker nutzen. Düsterdiek: Sektoral haben wir viele Kompetenzzentren mit Berater:innen. Hier gilt es, diese Themen und Ergebnisse stärker zu hinterlegen. Rosenthal: Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Das wird auch nicht durch Kompetenzzentren gelingen. Vielmehr handelt es sich um eine gemeinschaftliche Aufgabe, die Kommunen selbst zu ermächtigen. Dafür sind die Erkenntnisse aus „Stadt-Land-Plus“ stärker und verständlicher an die Kommunen zu kommunizieren. Faller: Wir brauchen eine stärkere gesellschaftliche Debatte darüber, welche Bedeutung konkret verräumlichte Politiken haben. Vieles wird zu stark sektoral betrachtet. Dr. Standecker: Es gilt, die Stadt-Land-Beziehungen zu erforschen. Dr. Vera Grimm, Bundesministerium für Bildung und Forschung Zum Abschluss unterstreicht Frau Dr. Grimm, dass nicht nur gute Produkte geschaffen, sondern auch neue Kommunikationswege etabliert wurden, womit Stadt-Land-Partnerschaften den Schritt zur Praxisreife überwunden haben. Städte, wie z. B. Leipzig, engagieren sich weiter – selbst in schwierigen Zeiten – mit dem Einsatz neuer Personalstellen. Auch im BMBF unterstützt Frau Dr. Grimm Initiativen für weitere Forschungsbegleitung, um die Policy Agenda von „Stadt-Land-Plus“ umzusetzen und rechtliche Hürden zu überwinden.

Klimaschutz und Bebauungsplanung – Ein Leitfaden zu energierelevanten Zusatzanforderungen unter Nutzung des Instrumentariums des Baugesetzbuches

Im Baugesetzbuch (BauGB) ist der Grundsatz definiert, dass Bauleitpläne dazu beitragen sollen, den Klimaschutz insbesondere auch in der Stadtentwicklung zu fördern (§ 1 Abs. 5 Satz 2 BauGB). Der Leitfaden soll eine Orientierungshilfe im Umgang mit den klimaschutzrelevanten Regelungsmöglichkeiten, die das BauGB bietet, darstellen. Er adressiert in erster Linie die in der verbindlichen Bauleitplanung tätigen Fachleute in Berlin. Zunächst benennt der Leitfaden relevante Fachgesetze und Fachplanungen zum Klimaschutz und setzt diese in Beziehung zur Bauleitplanung. Schwerpunkt des Leitfadens sind dann Erläuterungen zu klimaschutzrelevanten Festsetzungsmöglichkeiten in den Handlungsfeldern “Graue Energie”, “Energetische Qualität von Gebäuden”, “Energieversorgung” und “Mobilität”. Es werden jeweils die Möglichkeiten und zugleich die Voraussetzungen und Grenzen der entsprechenden Regelungsmöglichkeit aufgezeigt. Ergänzend werden mögliche Regelungsinhalte im städtebaulichen Vertrag nach § 11 BauGB benannt. Der Leitfaden ist das Ergebnis einer Kooperation mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Preis der Umweltallianz Sachsen-​Anhalt 2022 Preis 2022 - Klima- und Ressourcenschutz als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor Jury 2022 Preiskategorie "Klima- und ressourcenschonende Unternehmensführung" Preiskategorie "Innovative Umweltideen" Preiskategorie "Sonderpreis der Umweltallianz" Galerie zum Preis der Umweltallianz 2022

Die Verleihung des 8. Preis der Umweltallianz stand in diesem Jahr unter dem Motto "Klima- und Ressourcenschutz als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor". Er richtete sich an Startups sowie kleine, mittelständische und große Unternehmen die klimabewusst, rohstoff- und materialeffizient wirtschaften oder neue klima- und ressourcenschonende Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Insgesamt hat die Umweltallianz Sachsen-Anhalt Preisgelder in Höhe von 25.000 Euro ausgelobt. Eine vierköpfige Jury hatte in einem ersten Bewertungsschritt aus allen 21 Bewerbern zunächst neun Finalisten ausgewählt. Diese konnten sich im September mit ihren Umweltschutzmaßnahmen persönlich der Jury präsentieren und erhalten ein professionell produziertes Video für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. Die Preisverleihung fand am 14.11.2022, 16:00 Uhr in der Industrie- und Handelskammer Magdeburg statt. Vorsitz: Prof. Dr. Franziska Scheffler Lehrstuhl für Technische Chemie – Funktionale Materialien der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Mitglieder: Thomas Keindorf Präsident der Handwerksammer Halle (Saale) Marko Mühlstein Geschäftsführer der Landesenergieagentur Sachsen-​Anhalt GmbH (LENA) Alexander Gege CR-Lead Climate & Ecology im Bereich Corporate Responsibility der Otto Group Preisträger: Grundstücksgesellschaft Pfälzer Ufer GbR, Uferstrom GbR, Halle (Saale) Preisgeld: 10.000 Euro Würdigung für: Transformation am Pfälzer Ufer Nach dem Erwerb im Jahr 2010 erfolgte die Revitalisierung des ehemaligen Gewerbestandortes an der Saale und die ökologische Transformation durch Revitalisierung und Ertüchtigung der verfallenen Bestandsgebäude (Nutzung grauer Energie) und Ansiedlung von Startups und Gewerbetreibenden mit Verbindungen zu New Work, Freizeit/Tourismus und Kreativität. Seit 2011 entwickeln sich am alten Gewerbestandort neue Nutzungen. Inzwischen sind die Gebäude wieder Heimat für Künstler, Freiberufler, Gastronomen sowie ein Bewegungsstudio. Im „Sonnendeck“ kann stadtnah Strandatmosphäre getankt werden und der „Hafenmeister“ lädt seit 2018 auf seine Terrasse ein. Im Coworkingspace „Docks“ finden seit 2019 Gründer, Startups und Freiberufler in ehemaligen Fahrzeughallen flexible Arbeitsplätze in gemeinschaftlicher Arbeitsatmosphäre. Die Nutzung regenerativer Energien für Strom- und Wärmeerzeugung gemeinsam mit der Uferstrom GbR, Unterstützung alternativer Mobilitätskonzepte (teilAuto und Radreparaturstation), Schaffung eines identitätsstiftenden Quartiers als Motor für Stadtumbau und Innovationen durch Nähe und Kooperationen der verschiedenen Nutzer sowie die harmonische Verbindung von Leben, Wohnen, Arbeit, Gewerbe und Kultur in Verbindung mit kurzen Wegen dienen als Grundlage für das nachhaltige Wirtschaften. Finalist: Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH Würdigung für: Energieautarke Kläranlage Halle-Nord Die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH verfolgt das Ziel, die Kläranlage Halle-Nord bis zum Jahr 2026 zur Energieautarkie zu transformieren. Dabei soll der mittlere jährliche Energiebedarf mithilfe der auf dem Gelände betriebenen Anlagen gedeckt werden. Die dazu geplanten Maßnahmen werden in zwei Kategorien eingeteilt: energieverbrauchsenkende und energieerzeugende Maßnahmen. Bereits nach Umsetzung der ersten Teilschritte lässt sich eine erhebliche Verbesserung der energetischen Situation beobachten: seit dem Umbau der Gebläsestation (2021) konnte der Stromverbrauch im ersten Halbjahr 2022 messbar um ca. 547.000 kWh (ca. 282 t CO₂-Äquivalente) gesenkt werden. Durch Erneuerung der BHKW-Anlage auf moderne Aggregate mit hohem Wirkungsgrad (Fertigstellung 2022) lässt sich das auf der Kläranlage erzeugte Faulgas effizienter nutzen und der Stromselbstversorgungsgrad der Anlage enorm steigern. Als weitere Maßnahmen sind die Optimierung der Schlammfaulung für höheren Faulgasertrag, der Einsatz hocheffizienter Antriebsmotoren und der Ausbau erneuerbarer Energien mittels innovativer Solarfaltdachtechnologie geplant. Finalist: Novelis Sheet Ingot GmbH, Nachterstedt Würdigung für: Novelis Recyclingcenter – mit Kreislaufwirtschaft Energie sparen und CO₂-Emissionen senken Zur Dekarbonisierung unserer Industrie sind Recycling und Kreislaufwirtschaft entscheidend. Das Recycling von Aluminium spart etwa 95 % Energie gegenüber der primären Erzeugung und bis zu 95 % CO₂-Emissionen. Novelis betreibt in Nachterstedt das technologisch fortschrittlichste und größte Aluminium-Recyclingwerk der Welt. Hier werden neben vielen anderen Schrotten vor allem gebrauchte Getränkedosen recycelt. Der Kreislauf vom Konsum der Dose, bis die Dose wieder für den nächsten Lebenszyklus im Supermarktregal steht, dauert etwa 60 Tage. In der hochmodernen Anlage verarbeitetet Novelis jährlich bis zu 400.000 Tonnen Aluminiumschrott innerhalb eines effizienten Recyclingsystems. Das entspricht einer Reduktion der CO₂-Emissionen von ca. 3,7 Mio. Tonnen gegenüber der Primäraluminiumerzeugung. Außerdem reduziert dies Abhängigkeiten von Rohstoffimporten und die entstehende Abwärme wird zur Stromerzeugung genutzt. Preisträger: Vireo.de, Merseburg Preisgeld: 10.000 Euro Würdigung für: recable – für nachhaltigere Technikprodukte, weniger E-Schrott und mehr Reparierbarkeit Das „Projekt: recable“ der Firma Vireo.de hat sich zum Ziel gesetzt, rundum nachhaltige USB-Kabel für Smartphones, Tablets und Laptops herzustellen. Für die Herstellung der Kabel wird Material mit hohem Recyclinganteil bei Außenhaut und Litze selbst verwendet. Mit Mänteln aus Baumwolle und Flachs werden echte Naturfasern verarbeitet. Verlötet wird ausschließlich recyceltes Zinn. Gleichzeitig wird auf Halogene, Weichmacher und Schwermetalle verzichtet. Insgesamt sind die farbenfrohen Kabel zu 90 % recycelbar. Der CO₂-Ausstoß gegenüber vergleichbaren, herkömmlichen USB-Kabel-Herstellern wird um etwa 45 % reduziert, bei einer 5 x längeren Nutzung (u. a. durch Reparierbarkeit und Robustheit) kann der CO₂-Ausstoß weiter verringert werden. Anhand der vorhandenen Ersatzteile und selbstgemachten Tutorials hat jede Person die Möglichkeit, auf einen Neukauf des Kabels zu verzichten. Die Reparierbarkeit mindert jedoch nicht die Robustheit und Leistungsfähigkeit der Alltagsbegleiter. Insgesamt können sie mehr als 30.000 Knicke überstehen. Dabei garantiert Vireo.de eine Stromstärke von bis zu 3A (bis zu 60 W) und eine schnelle Datenübertragung von bis zu 480 Mbit/s für Handys und Laptops. Finalist: Inflotec GmbH, Magdeburg Würdigung für: Trinkwasser autonom, ressourcen- und energieeffizient aufbereiten Wasser ist das kostbarste Gut der Menschheit, aber leider ist der Zugang zu sauberem Wasser nicht flächendeckend vorhanden. Inflotec hat für dieses globale Problem eine innovative und sehr ressourcenschonende Technologie entwickelt. Die wesentliche Innovation des Produktes liegt darin begründet, dass jegliches verschmutztes Wasser zu Trinkwasser aufbereitet werden kann, welches bisher ungenutzt blieb. Mithilfe der neu konzipierten Funktionsweise der Anlage wird eine höhere Effizienz erzielt und die optimierte Wasseraufbereitung erhöht die Leistung des Produktes und dessen Ausbringungsmenge. Zudem bleiben Grundwasserressourcen verschont. Die Anlagen überzeugen durch ihre bedienerfreundliche und wartungsarme Handhabung. Durch die Rückspül- und Selbstreinigungsfunktion der Anlage müssen keine Filter gewechselt werden und die Umwelt wird nachhaltig geschont. Es werden langlebige Keramikfilter verbaut, die eine sehr hohe Reinigungsleistung erzielen. Mit der Nanofiltrationstechnik können Medikamentenrückstände und Mikroplastik zurückgehalten und Salzwasser zu Trinkwasser aufgearbeitet werden. Finalist: NOVO-TECH GmbH & Co. KG, Aschersleben Würdigung für: Zirkularer Holzwerkstoff für gesundes Bauen und Sichern von Ressourcen Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ist Teil der gelebten Unternehmens- und Produktphilosophie der Firma NOVO-TECH in Aschersleben, Europas größtem Hersteller von Holzwerkstoffen für den Außenbereich. Die Basis für das Produktdesign ist der schadstofffreie, materialgesunde und zu 100 % kreislauffähige Holzwerkstoff GCC (German Compact Composite), der u. a. mit der unabhängigen, wissenschaftsbasierten Zertifizierung „Cradle to Cradle Certified® Gold“ und „Material Health Certificate Platin“ ausgezeichnet ist. GCC enthält mit bis zu 75 % einen weltweit einzigartig hohen Anteil an Naturfasern. Zur Gewinnung der Späne werden keine Bäume gefällt, sondern anfallende Späne aus den heimischen Hobel- und Sägewerken genutzt. In Kombination mit umweltfreundlichen High-Tech-Polymeren aus erster industrieller Anwendung entsteht ein langlebiges Baumaterial, das für die Anwendung im Außenbereich, z. B. als Terrassendiele bestens geeignet ist. Um ressourcenschonend zu produzieren, werden neben den eigenen Materialien aus dem Rücknahmesystem auch alternative High-Performance-Rohstoffe genutzt, z. B. ein Rezyklat aus Rotorblättern von ausgedienten Windkraftanlagen. In Summe befinden sich 90 % Upcycling-Material im Werkstoff. Preisträger: Günter Schulz GmbH & Co. KG, Balgstädt Preisgeld: 5.000 Euro Würdigung für: Regenwasserauffangsystem zur Wassernutzung für ein Steinbearbeitungszentrum Zur Verstärkung der Vorfertigung von industriellen Ofenbauteilen mit feuerfesten oder verschleißfesten Auskleidungen, Formbaumteilen für Ofenanlagen und weiteren Vorfertigungen installiert die Günther Schulz GmbH & Co. KG aktuell eine entsprechende CNC-Steinbearbeitungstechnik. Da der Wasserumlauf des Steinbearbeitungszentrums ca. 7.000 Liter je Stunde beträgt und durch natürliche Verluste ein entsprechender Wasserbedarf besteht, ist geplant, das gesamte Regenwasseraufkommen eines Gebäudeneubaus sowie circa die Hälfte des Regenwasseraufkommens des Bestandgebäudes komplett aufzufangen und dem Fertigungsprozess zuzuführen. Die bereits im Hallenboden installierten Behälter des Neubaus haben ein Vorratsvolumen von ca. 170.000 Liter. Im Rahmen eines Regenwasserkonzeptes inkl. Füllstandüberwachung und angebundener Wasserzufuhr zum Steinbearbeitungszentrum ermöglicht es eine nahezu autarke Fertigung ohne auf Trinkwasser zurückzugreifen. Durch ein Filtersystem und Kreislaufprinzip des Sägeschmutzwassers fallen zudem nur sehr geringe Abwassermengen an. Finalist: Hermes Germany GmbH, Hohe Börde, Ortsteil Hermsdorf Würdigung für: Green Delivery Magdeburg Ziel des Projektes Green Delivery Magdeburg ist es ausnahmslos emissionsfreie Zustellungen auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern in den Stadtbereichen Stadtfeld Ost und Altstadt in Magdeburg zu gewährleisten. Im Rahmen der emissionsfreien Zustellung bekommen mehr als 30.000 Magdeburger ihre Pakete lokal CO₂-frei geliefert und abgeholt. Auch die gebündelten Lieferungen und Abholungen an Paketshops werden CO₂-frei geleistet. Zum Einsatz kommen sowohl eTransporter als auch für die Paketbranche ausgerichtete Lastenfahrräder. Möglich wurde dies durch eine neuartige Sendungssortierung mit einer Trennung von Standardsendungen für die Fahrräder und Großstücken für die eTransporter. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die ausschließliche Nutzung von Ökostrom zur Aufladung der Fahrzeuge über die Ladeinfrastrukturen. Pro Jahr sind es circa 288.000 Sendungen, die so ihr Ziel erreichen. In Zukunft sollen weitere Gebiete folgen, sodass die Hermes Germany GmbH einen wichtigen und wachsenden Beitrag für die Stadt Magdeburg bei der Verringerung von CO 2 -Emissionen leisten kann. Finalist: W.u.H. Fernholz GmbH & Co. KG, Schkopau Würdigung für: Nutzung von internen Abfällen für neue Produkte Seit 2019 hat die W.u.H. Fernholz GmbH & Co. KG angefangen, ihre bisherigen Produktionsabfälle aus „Anfahren, Umstellen und Abfahren“ nicht mehr als Kunststoffabfall allgemein zu entsorgen, sondern stattdessen einem Recycling zuzuführen. Das aufgearbeitete Material wird als PIR (Post-Industrial-Recycling) in bis dahin aus Neuware hergestellte Produkte wieder eingebracht und heute zum Beispiel als Spiele-Einsätze verwendet. Dabei genügt es den Anforderungen der EN 71 (Spielzeugnorm). Durch das Unternehmen wird hierbei die Folie hergestellt, die danach durch einen Kunden tiefgezogen wird. Dieser beliefert damit die Spielzeughersteller. Somit werden heute mehrere hundert Tonnen Folie ressourcenschonend durch Fernholz hergestellt. Die Folie besteht zu ca. 70 % aus Recyclingmaterial – abgedeckt mit einer Neuware-Schicht – sodass der Endkunde nie den Eindruck eines minderwertigen Produktes hat.

KPI4DCE im Feld: Umweltbewertung ausgewählter Rechenzentren und Best Practices

Die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt ⁠KPI4DCE⁠ 2.0 zeigen, dass es sinnvoll ist, genaue Kenntnisse über alle Teilbereiche eines Rechenzentrums zu haben. Es macht nur bedingt Sinn lediglich die Gebäudeinfrastrukturtechnik zu optimieren. Ist die Informationstechnik völlig überdimensioniert, verschwendet sie nicht nur Energie und Ressourcen ohne Leistung zu erbringen, sondern stellt unnötige Bedarfe an Klimatisierung, Stromversorgungsanlagen und Fläche. Um diese Bedarfe nachzukommen müssen Gebäudetechnik und Fläche entsprechend groß ausgelegt werden. Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, Transparenz über alle Teilbereiche herzustellen und insbesondere die Informationstechnik am tatsächlichen Bedarf auszurichten. Nur so können die Effizienzpotenziale erkannt und sinnvolle und gewinn-bringende Maßnahmen umgesetzt bzw. in Ausbauplanungen berücksichtigt werden.Für die optimale Umsetzung von Effizienzmaßnahmen im Rechenzentrum hat sich ein abgestimmtes Vorgehen in der Praxis als hilfreich erwiesen, denn künstliche Intelligenz, Big Data, Industrie 4.0 oder Internet of things sind längst nicht mehr nur Schlagworte, sondern benennen vielmehr reale Megatrends, die zum Teil enorme Energie- und Rohstoffbedarfe haben. Alle diese und weitere Anwendungen und Produkte der Digitalisierung haben gemein, dass sie auf Rechenzentren angewiesen sind, die die Daten zentral speichern, verarbeiten, weiterleiten oder anderweitig zur Verfügung stellen. Die Rechenzentren haben aufgrund der steigenden Nachfrage in den letzten Jahren erheblich an Anzahl und Größe zugenommen. Die Wachstumsprognosen zeigen auch weiterhin einen deutlichen Trend nach oben. Aus diesem Grund ist es notwendig sie genauer unter die Lupe zu nehmen, um die Energie- und Rohstoffbedarfe zu kennen und die Effizienzpotenziale im Rechenzentrum zu heben.Für die Umweltbilanzierung von Rechenzentren steht die vom ⁠UBA⁠ entwickelte Methode Key Performance Indicator for Datacenter (KPI4DCE) zur Verfügung. Mit dieser Methode ist eine ganzheitliche Beurteilung der Umweltwirkungen von Rechenzentren möglich. Die KPI4DCE-Kennzahlen werden jeweils berechnet als Quotient aus Nutzen und Aufwand. Dabei wird die Herstellung von Informationstechnik und den Betrieb des Rechenzentrums in die Berechnung der vier Wirkungskategorien Rohstoffaufwand (ADP), Treibhausgasemissionen (GWP), Kumulierter Energieaufwand (⁠KEA⁠) und Wasserverbrauch mit einbezogen.

Wie Klimaschutz & Denkmalschutz voneinander profitieren können

Wie Klimaschutz & Denkmalschutz voneinander profitieren können Auch denkmalgeschützte Gebäude können einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eine neue Studie analysiert Konfliktbereiche, identifiziert relevante Handlungsfelder und diskutiert Lösungsansätze, um Denkmalschutz und Klimaschutz besser miteinander zu verknüpfen. Die politischen Ziele und Regelungen zu Klima- und Denkmalschutz müssen auf allen Ebenen besser aufeinander abgestimmt werden. Sowohl beim Denkmalschutz als auch beim ⁠ Klimaschutz ⁠ geht es darum, wertvolle Ressourcen zu erhalten. Der Denkmalschutz zielt darauf ab, das baukulturelle Erbe zu bewahren. Der Klimaschutz hat zum Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu schützen. Um beide Ziele adäquat zu berücksichtigen, müssen die Anliegen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene besser abgestimmt werden. Die Kurzstudie „Klimaschutz bei denkmalgeschützten Gebäuden“ stellt fest: Damit Baudenkmäler erhalten bleiben, müssen sie auch in Zukunft genutzt und wirtschaftlich betrieben werden können. Qualitativ hochwertige energetische Sanierungen sind zunehmend eine Voraussetzung dafür, dass dies möglich ist: Angesichts der steigenden Kosten für fossile Brennstoffe senken energetische Sanierungen langfristig die Kosten für Wohn- und Gewerbeimmobilien, gewährleisten eine sozialverträgliche Mietbelastung und erhöhen die Attraktivität von Mietwohnungen. Rund ein Drittel der Baudenkmäler in Deutschland sind gefährdet oder dringend sanierungsbedürftig. Dass diese Gebäude erhalten bleiben, liegt auch im Interesse des Klimaschutzes: Wenn der Denkmalbestand weiterhin genutzt wird, wird vermieden, dass zusätzliche Baustoffe und die damit verbundene graue Energie für Neubauten verbraucht werden. Die vorliegende Studie zeigt: Trotz Herausforderungen und Konflikten gibt es Möglichkeiten, Klimaschutz und Denkmalschutz besser miteinander zu verknüpfen. Dreh- und Angelpunkt für eine Verbesserung des Klimaschutzes bei denkmalgeschützten Gebäuden ist es, qualitativ hochwertige Sanierungen von Baudenkmälern zu ermöglichen. Aktuell werden Konflikte zwischen Denkmalschutz und Klimaschutz hauptsächlich auf Ebene des einzelnen Sanierungsprojekts fallweise ausgehandelt. Künftig sind Lösungen auf übergeordneter Ebene gefragt, um die historische Behandlung von Denkmalschutz und Klimaschutz als verschiedene Rechts-, Förder- und Wissensgebiete zu überbrücken. Um solche Lösungsansätze zu entwickeln und zu erproben, ist einerseits eine bessere Abstimmung der politischen Ziele auf Bundes- und Länderebene nötig, anderseits ein Fachdiskurs unter Experten*Expertinnen. Dass dies gelingt, liegt sowohl im Interesse des Klimaschutzes als auch des Denkmalschutzes.

Normungsroadmap Circular Economy schafft wichtige Voraussetzungen für die Stärkung der Kreislaufwirtschaft

Pixabay Die Roadmap beschreibt die Herausforderungen im Bereich der Circular Economy für die verschiedenen Branchen und welche Normen und Standards benötigt werden, um diesen zu begegnen. Veröffentlicht wurde die Roadmap vom Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN), der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (DKE) und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Sie wurde von mehr als 550 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft erarbeitet und vom Bundesumweltministerium (BMUV) gefördert. Weitere Informationen dazu finden Sie hier . Die Qualität von Materialien, Produkten oder auch Prozessen kann ohne Standards von Unternehmen und Verbraucher*innen nicht eingeschätzt werden und nur durch zusätzlichen Aufwand und Kosten ermittelt werden. Eine erkennbare gute Qualität ist aber eine wichtige Voraussetzung für Vertrauen in Recyclingmaterialien und -produkte. Normen sind wichtig, damit sich überhaupt ein Markt für Recycling-Material entwickeln und etablieren kann. Exkurs: Auch in der vierten Veranstaltung der Stadt-Land-Plus Online-Reihe zum Thema „Kreisläufe schaffen! Durch regionale Kreislaufwirtschaft die lokale Wertschöpfung steigern“ am 29. November 2022 wurden die Aspekte von Qualität und Vertrauen, Normung und Gewährleistung als wichtiger Hebel für eine stärkere Kreislaufwirtschaft identifiziert. Zur Dokumentation der Veranstaltung gelangen Sie hier . Die Normungsroadmap Circular Economy hat wichtige Vorarbeiten für die Bundesregierung geleistet, die das Thema Normung in der EU voranbringen und europaweit Anforderungen an Produkte gemeinsam mit den Herstellern festzulegen. Entsprechende Normen und Standards sollen auf Basis der Roadmap in nationalen, europäischen und internationalen Gremien erarbeitet werden. Alle interessierten Experten*innen sind dazu eingeladen, die Spielregeln der Circular Economy aktiv mitzugestalten. Die Roadmap definiert Schnittstellen und soll die klare Kommunikation zwischen den verschiedenen Stationen im Kreislauf sicherstellen. Die Synchronisierung von Gesetzgebung und Standardisierung kann zur Beschleunigung der Transformation zur Kreislaufwirtschaft beitragen. Die sieben Schwerpunktthemen der Roadmap orientieren sich an den Fokusthemen des Circular Economy Action Plans der EU: Digitalisierung, Geschäftsmodelle und Management; Elektrotechnik und IKT, Batterien, Verpackungen, Kunststoffe, Textilien, sowie Bauwerke und Kommunen. Für diese Bereich zeigt die Roadmap den Status Quo der Normung und Standardisierung sowie Bedarfe für künftige Normen und Standards auf. Wichtige Themen in diesem Zusammenhang sind z.B. Qualitätsanforderungen an Sekundärrohstoffe und die Definition der Langlebigkeit von Produkten. Über alle Schwerpunkte hinweg werden fünf Querschnittsthemen bearbeitet: Nachhaltigkeitsbewertung, Lebensdauerverlängerung, Digitaler Produktpass (DPP), Recyclingfähigkeit und End of Waste. Die konkrete Umsetzung wird koordiniert durch den Fachbeirat Circular Economy von DIN und DKE in der Koordinierungsstelle Umweltschutz (KU), in dem Experten*innen aus Wirtschaftsverbänden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaft und Forschungseinrichtungen sowie öffentlicher Hand vertreten sind. Akteure*innen aus der Wirtschaft wünschen sich in Bezug auf Gewährleistungspflichten für gebrauchte und wiederaufbereitete Produkte und Wertstoffe bereits seit längerem entsprechende Unterstützung durch die Politik. Das Beispiel der Sanierung des Kaufhauses am Hermannplatz in Berlin zeigt, dass bis zu 70 Prozent CO2-Äquivalente und 60 Prozent Baustellenverkehr im Vergleich zu einem konventionellen Umbau eingespart werden können. Da nicht alle Materialien aus dem „Urban Mining“ direkt vor Ort weitergenutzt werden können, hat das Start-up „Concular“ im Auftrag des Bauherrn*innen einen genauen Überblick über alle Fassadenteile, Fenster, Rolltreppen und den Innenausbau erstellt und ermittelt, wie diese wiederverwendet werden können. Bereits seit 2012 haben die Unternehmer*innen über den Online-Marktplatz „Restado“ als 200.000 Tonnen wiederverwendbare Baustoffe vermittelt. Als größter Marktplatz seiner Art in Europa wandte sich „Restado“ eher an Kleinunternehmen und Privatpersonen, weshalb das Team 2020 Concular gegründet hat, um größere Projekte anzugehen. Über eine Software werden Angebot und Nachfrage zusammengebracht und Materialpässe erstellt sowie die Kunden bei Bestandsaufnahmen, Rezertifizierung, Wiederaufbereitung und dem Wiedereinbau von Materialien unterstützt. Exkurs: Ein umfassendes Materialkataster urbaner Sekundärrohstoffe mit Entscheidungshilfetool wird für die Partnerregionen Landeshauptstadt Dresden und Landkreis Meißen im Stadt-Land-Plus-Projekt INTEGRAL entwickelt. Die Lösungsansätze und Handlungsoptionen besitzen für die Partnerregionen beispielhaften Charakter. Mehr Informationen zum Projekt INTEGRAL finden Sie hier . Ein regionales Gebäude- und Materialkataster zur Wiederverwendung von Bauteilen und Baumaterialien wird für die Region Darmstadt-Dieburg im Stadt-Land-Plus-Projekt WieBauin erstellt. Der Marktplatz im „Bauteilkreisel“ wird ergänzt durch Beratungs- und Unterstützungsangebote, Best-Practice-Beispiele und eine Informationsplattform, die die Wiederverwertung ganzer Bauteile in der Region unterstützen soll. Mehr Informationen zum Projekt WIeBauin finden Sie hier . Viele Kommunen, Projektentwickler, Architekturbüros oder Immobilienunternehmen suchen nach guten Praxisbeispielen wie diesem. Immer mehr Menschen interessieren sich für nachhaltiges, ressourceneffizientes und zirkuläres Bauen, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Lieferprobleme und Materialengpässe. Da allerdings etwa 50 Prozent der CO 2 -Emissionen im Bau und nicht im Betrieb entstehen, ist auch ein Wandel von der Energieeffizienz zur Ressourceneffizienz erforderlich. Der Abriss von Gebäuden, um energieeffizient neu zu bauen, ist nicht nachhaltig. Die Energie für Produktion und Transport der Baustoffe und Rohmaterialien wird als „graue Energie“ in den Gebäuden gespeichert. Neben dem Rückbau und der der Wiederverwertung von Bauteilen könnte auch verstärkt Recyclingbeton genutzt werden, der eine ähnlich hohe Qualität erreichen kann – aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben aktuell nur zu einem Anteil von maximal 50 Prozent zugelassen ist. Im Sinne der Suffizienz sollten Bestandsgebäude im Idealfall gar nicht erst abgerissen, sondern durch Umbau besser genutzt werden. Von Architects for Future und andere Gruppen wurde im letzten Jahr sogar ein „Abrissmoratorium“ gefordert. Es gibt also genügend Konzepte, die jedoch in den seltensten Fällen berücksichtigt werden, da der Veränderungsdruck aufgrund gut gefüllter Auftragsbücher gering ist. Immobilien gelten nach wie vor als sichere und renditestarke Geldanlage und insbesondere in den Großstädten kommen Bauunternehmen kaum der Nachfrage hinterher. Dementsprechend spielt Ressourcenschonung in der Baubranche kaum eine Rolle. Allerdings wird auch in der Planung die Endlichkeit der Rohstoffvorkommen, insbesondere von großen Bauprojekten, noch nicht ausreichend berücksichtigt. Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen den Abbau von Primärrohstoffen. Überregionales Problembewusstsein gibt es bislang kaum, trotz der Vielzahl an Konflikten rund um den Sand- und Kiesabbau. Bestenfalls schaffen es Bürger*inneninitiativen in die lokale Berichterstattung und Einwände gegen den Abbau werden meist als „Nicht in meinem Hinterhof“-Mentalität abgetan. Erst radikale Klimaaktivist*innen ist es gelungen, die durch die Erweiterung des Kiestagebaus Ottendorf-Okrilla bedrohten Moore in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu rücken. Kaum jemand hat sich davor für die Bedenken der lokalen Bürger*inneninitiative interessiert – obwohl sich diese seit über zwanzig Jahren gegen eine Erweiterung des Kieswerks einsetzt. Aber auch an anderen Orten wächst der Widerstand gegen Sand- und Kiestagebaue, insbesondere aufgrund der damit einhergehenden Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Lärm, Staub und Hunderte Lkws. Darüber hinaus muss in der Regel mit erheblichen Auswirkungen auf Natur, Tiere und Pflanzen, Wasser, Boden und Klima gerechnet werden. Durch das Abbaggern von Böden, Sand und Kies gehen wichtige Ökosystemleistungen verloren: z.B. Beiträge zum Klimaschutz durch die Kohlenstoffspeicherung in Böden, aber auch das Wasserreservoir im Boden, das in Dürrezeiten, aber auch als Puffer bei Starkregen und Hochwasser in Zeiten der Klimakrise eine immer wichtiger werdende Funktion hat. Dabei wäre der Bauboom in den Städten ohne Sand und Kies undenkbar. Als Hauptzutaten für Beton sind sie als günstige Massenrohstoffe nach wie vor der mit Abstand beliebteste Baustoff in der Branche. Jedes Jahr werden über 300 Millionen Tonnen gefördert, was Sand und Kies zu den am intensivsten abgebauten Rohstoffen in Deutschland macht - noch vor Braunkohle. Aufgrund der hohen Transportkosten wird zumeist in einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern vom Abbauort geliefert. Die Folge ist eine hohe räumliche Abdeckung mit über 2.200 Sand- und Kiestagebauen in Deutschland, die einen enormen Flächenverbrauch nach sich ziehen: Im Jahr 2021 wurden durchschnittlich über drei Hektar pro Tag für den Abbau beansprucht, was beinahe die doppelte Fläche ist, die für den Braunkohleabbau in Anspruch genommen wird. Allein der Kiestagebau in Ottendorf-­Okrilla (bei Dresden) nimmt eine Abbaufläche von über 290 Hektar. Um die Produktion aufrechtzuerhalten, braucht das Kieswerk neue Abbauflächen. Eine Grube von 120 Hektar in der Nähe des Dorfes Würschnitz ist bereits seit 1998 genehmigt, 135 weitere Hektar befinden sich im Genehmigungsverfahren. Ähnlich wie in Ottendorf-Okrilla werden in den kommenden Jahren zahlreiche Kiesgruben erschöpft sein. Dabei gestaltet sich die Erschließung neuer Abbauflächen als zunehmend schwierig: Ein enormer Flächendruck durch bestehende und neue Siedlungs- und Verkehrsflächen, land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen oder Flächen für Naturschutz oder erneuerbare Energien schränkt die Möglichkeiten für den Abbau von Primärrohstoffen erheblich ein. Es ist also höchste Zeit, mehr Sekundärrohstoffe für zukünftige Bauaktivitäten zu nutzen. Quellen: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz ( BMUV ), Rat für Nachhaltige Entwicklung , TAZ

1 2 3 4 58 9 10