Die Erhaltung gefährdeter Arten- und Lebensgemeinschaften mit strengen Regelungen steht im Vordergrund. Naturschutzgebiete sind Gebiete, die durch eine Vielzahl an schutzbedürftigen Tier- und Pflanzenarten und speziellen Standortverhältnissen gekennzeichnet sind. Sie haben aufgrund ihrer seltenen Lebensräume für die Wissenschaft, Natur- und Heimatkunde als Reste einer naturnahen Landschaft eine wichtige Bedeutung. Im Landkreis Ammerland gehören die Reste der ehemals großflächigen Hochmoore, Ausdeichungsflächen am Aper Tief, nasse Eichen-Hainbuchenwälder und Erlen-Eschenwälder dazu.
Die Ausstellung besteht aus 30 Tafeln. Zu allen Ausstellungstafeln finden Sie auf den nachfolgenden Seiten eine Hörfassung mit den Texten, ausführlichen Bildbeschreibungen und teilweise Tierstimmen. Sounddesign: picaroMedia Tierstimmen: Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin Die Museumsinsel, das Brandenburger Tor oder das Schloss Charlottenburg sind als Berliner Kostbarkeiten bekannt. Doch nur wenige wissen, dass Berlin eine der artenreichsten Städte Europas und eine der wald- und seenreichsten Metropolen der Welt ist. Über 42 Prozent der Landesfläche sind Wälder, Gewässer, Agrarflächen und öffentliche Grünanlagen. Gerade in Zeiten des Klimawandels mit einhergehenden trockenen und heißen Sommern entscheiden die grünen Oasen zunehmend über die Attraktivität einer Stadt. In Berlin gibt es zahlreiche Möglichkeiten die Natur in ihren vielfältigen Ausprägungen unmittelbar zu erleben, sich in ihr zu erholen und auf diese Weise ihren Wert schätzen zu lernen. Die Ausstellung bietet Blicke auf die vielen und oft unbeachteten Naturschönheiten in Berlin regt durch beeindruckende Fotos von ausgezeichneten Naturfotografen an, die urbanen Wildnisse Berlins zu entdecken vermittelt Wissen, weil man nur das sehen und schützen kann, was man kennt zeigt, dass Stadt und Natur keine Gegensätze darstellen. Im Gegenteil: Natur eine große Bereicherung für die Stadt ist und die Zukunftsfähigkeit Berlins fördert wirbt für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist als Wanderausstellung konzipiert und kann beim Freilandlabor Britz ausgeliehen werden. Bild: Josef Vorholt Metropole der StadtNatur Berlin hat weitaus mehr zu bieten als seine Sehenswürdigkeiten. Die Stadt zählt zu den artenreichsten Europas. Die Ausstellung „natürlich BERLIN!“ zeigt, dass Stadt und Natur keine Gegensätze sind. Metropole der StadtNatur Weitere Informationen Bild: Bruno D´Amicis Grüne Schätze entdecken Berlin bietet echte Naturerlebnisse nur einen Steinwurf von der Innenstadt entfernt. Ausgedehnte Park-, Wald- und Seenlandschaften laden sowohl zum Sport als auch zur Erholung ein. Grüne Schätze entdecken Weitere Informationen Bild: Florian Möllers 6.000 Hektar für Europa Das europaweite Netz der Schutzgebiete soll den Fortbestand von natürlichen Lebensräumen und wildlebenden Arten sichern und die biologische Vielfalt in Europa bewahren. 6.000 Hektar für Europa Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Stadt der Artenvielfalt Mit mehr als 20.000 Tier- und Pflanzenarten ist die Hauptstadt überaus artenreich. Welche besonderen und gefährdeten Tiere und Pflanzen zu entdecken sind, erfahren Sie hier. Stadt der Artenvielfalt Weitere Informationen Bild: Bruno D'Amicis Verbindung halten – Brücken bauen Für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist es wichtig, dass Lebensräume eng miteinander verbunden sind. Verbindung halten – Brücken bauen Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Vom Ursprung unserer Landschaft Das heutige Landschaftsbild Berlins ist durch die Eisschmelze entstanden. Flüsse und Seen, Binnendünen, Moore und Kalktuffquellen wurden durch den Rückzug der Gletscher geschaffen. Vom Ursprung unserer Landschaft Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Alles Schiebung Man muss nur genau hinschauen, die eiszeitliche Formung der Landschaft im Stadtgebiet ist auch heute noch gut zu erkennen. Alles Schiebung Weitere Informationen Bild: SenUVK Mehr als eine Schippe Sand Nach der Eiszeit verteilte der Wind feinen Sand über Teile der noch vegetationsarmen Landschaft. An einigen Stellen entstanden Binnendünen. Mehr als eine Schippe Sand Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Wo Steine wachsen Die Kalktuffquellen im Natura 2000-Gebiet „Tegeler Fließtal“ sind eine geologische Besonderheit. Wo Steine wachsen Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Moore – Augen der Landschaft Kesselmoore sind Überbleibsel der letzten Eiszeit. Die Erhaltung von Mooren spielt eine bedeutende Rolle beim Klimaschutz. Moore – Augen der Landschaft Weitere Informationen Bild: Dirk Laubner Stadt am Wasser Die Seen, Flüsse und Fließe sind ein Qualitätsmerkmal unserer Stadt, welches es zu bewahren gilt. Mit der Wasserrahmenrichtlinie werden Maßnahmen zum Erhalt der Ressource Wasser umgesetzt. Stadt am Wasser Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Leben am Wasser Die Berliner Gewässerlandschaft ist Wassersportrevier und Rückzugsgebiet vieler Tier- und Pflanzenarten zugleich. Leben am Wasser Weitere Informationen Bild: Doron Wohlfeld Fluss + See = Flusssee An flachen Ufern und Buchten von Dahme, Havel und Spree wachsen Röhrichte, finden Drosselrohrsänger und Hecht Lebensraum. Auch europaweit geschützte Arten wie Fischotter, Biber und Seeadler sind zurück. Fluss + See = Flusssee Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Fließe – klein und vielfältig Fließe speisen Flüsse und Seen. An ihren Ufern blühen Schwertlilie, Sumpfdotterblume und Gilbweiderich. Fließe – klein und vielfältig Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Kleingewässer ganz groß Die Kleingewässer der Stadt sind besonders wichtig als Laichplatz für stark gefährdete Amphibienarten wie Erdkröte, Teichfrosch und Knoblauchkröte. Kleingewässer ganz groß Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Leben in Wald und Flur Berlin ist eng mit seinem Umland verbunden und auch innerhalb der Stadtgrenzen gibt es ausgedehnte Waldflächen und Erholungslandschaften. Leben in Wald und Flur Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Waldstadt Berlin – Erholung und Entspannung Bereits 1915 wurde mit dem “Dauerwaldkaufvertrag” der Grundstein für den heutigen Waldreichtum der Hauptstadt gelegt. Waldstadt Berlin – Erholung und Entspannung Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Wald naturnah Mit den Waldbaurichtlinien setzen die Berliner Förster bundesweit Maßstäbe für die ökologische Bewirtschaftung und naturnahe Entwicklung. Wald naturnah Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Neue Landschaften Auf den ehemaligen Rieselfeldern um Berlin entstand durch behutsame Sanierung eine neue Erholungslandschaft. Neue Landschaften Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Janz weit draußen? Die abwechslungsreiche Feldflur am Stadtrand bietet Braunkehlchen, Grauammern und Feldlerchen ideale Lebensbedingungen. Janz weit draußen? Weitere Informationen Bild: Partner für Berlin / FTB-Werbefotografie Grüne Inseln im Häusermeer Parkanlagen, Kleingärten und Friedhöfe prägen das grüne Berlin. Sie bieten Erholungsmöglichkeiten und zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen unverwechselbaren Lebensraum. Grüne Inseln im Häusermeer Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Parks aus fürstlichen Zeiten Die Pfaueninsel und der Landschaftspark Klein Glienicke gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Gleichzeitig sind sie wegen ihrer Naturausstattung als Natura 2000-Gebiet geschützt. Parks aus fürstlichen Zeiten Weitere Informationen Bild: Josef Vorholt Volkspark Vielfältige Parkanlagen mit Wiesen, waldartigen Bereichen und Gewässern schätzen nicht nur Erholungssuchende. Sie bieten auch vielen Tieren Rückzugsmöglichkeiten und Nahrungsangebote. Volkspark Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Ruhe und Vielfalt Einst vor der Stadt gelegen, befinden sich heute viele Friedhöfe mitten im Zentrum. Sie sind Orte der Stille und Naturoasen. Ruhe und Vielfalt Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Auf kleiner Scholle Kleingärten stehen heute hoch im Kurs, je naturnäher sie gestaltet sind, desto eher finden auch Wildtiere hier ein kleines Paradies. Auf kleiner Scholle Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Lebendige Innenstadt – Leben zwischen Stein und Glas Immer mehr Tier- und Pflanzenarten entdecken Berlin als Lebensraum. Wo liegen die Gründe und wie können wir dazu beitragen, dass sie sich auch in Zukunft hier wohlfühlen? Lebendige Innenstadt – Leben zwischen Stein und Glas Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Verstädterung – auf Tuchfühlung mit dem Wildschwein Warum die Stadt eine große Verlockung für Wildtiere darstellt und wir lernen müssen, mit Wildtieren auszukommen, erfahren Sie hier. Verstädterung – auf Tuchfühlung mit dem Wildschwein Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Mut zur Lücke Durch die Sanierung von Gebäuden geraten einige Vogelarten in akute Wohnungsnot. Der Einbau von Nistkästen an sanierten Gebäuden trägt dazu bei, Nistplätze zu erhalten. Mut zur Lücke Weitere Informationen Bild: Florian Möllers Hotel Berlin Berlin ist auch für Fledermäuse eine Reise wert: Sie überwintern in unterirdischen Gängen der Zitadelle Spandau, im Fort Hahneberg und in alten Wasserwerken. Hotel Berlin Weitere Informationen Bild: Konrad Zwingmann Stadtbrachen – Treffpunkt für Arten der Roten Liste Ehemalige Industrie- und Verkehrsflächen, wie das einstige Flugfeld Johannisthal, der stillgelegte Verschiebebahnhof Tempelhof oder der ehemalige Flughafen Tempelhof werden zum Anziehungspunkt für gefährdete Arten. Stadtbrachen – Treffpunkt für Arten der Roten Liste Weitere Informationen
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts diente das Gebiet der Schönower Heide militärischen Übungszwecken. Durch diese Nutzung entstanden freie Flächen (ca. 533 Hektar), auf denen sich Besenheide, Sandmagerrasen sowie Pioniergehölze wie Birke, Kiefer, und Zitterpappel ansiedelten. Zum Schutz dieser seltenen Landschaftsformen erfolgte im Jahr 2000 die Ernennung zum Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitatgebiet. Neben Sandflächen, Silbergrasfluren, findet man mit Hochstauden und Grasfluren bewachsene Senken. Die in Teilbereichen offen liegenden, wandernden Binnendünnen sind ein geologisches Zeugnis nacheiszeitlicher Landschaftsentwicklung. Wissenswertes über die historische Entwicklung der Schönower Heide und über diese besondere Landschaftsform wird Ihnen auf zahlreichen Infotafeln präsentiert. Die Beweidung durch Wildtiere, für die sich die Berliner Forsten entschieden haben, stellt eine sehr naturnahe Form der Bewirtschaftung dar und hat die Offenhaltung der Heidelandschaft zum Ziel. Das Dam-, Muffel- und Rotwild, welches im Sommer 2009 angesiedelt wurde, bewegt sich im gesamten Beweidungsareal (ca. 140 ha) frei und kann ganzjährig in dieser natürlichen Umgebung beobachtet werden. Das Wild trägt durch Fraß, Tritt und Fegen mit dem Geweih zum Offenhalten der Landschaft bei und macht damit aufwendige, teure und weniger naturnahe Bewirtschaftungsformen, wie Mahd, Entbuschung oder Abbrennen durch den Menschen weitgehend überflüssig. Schautafeln entlang des Wildwanderweges informieren über typische Pflanzen und Tiere der Schönower Heide und über die einzelnen Wildarten.
In unserer vernetzten Welt entscheidet unser aller Handeln, ob und wie sich Biodiversität entfalten kann. Gerade in der Stadt ist da gute Nachbarschaft gefragt. Wer seine Nachbarn aus Flora und Fauna kennt, wird eher ein Bewusstsein für biologische Vielfalt entwickeln. Gelegenheit dazu gibt der Lange Tag der StadtNatur. Landschaften, Tieren und Pflanzen der Stadt so nah zu kommen, ist nicht nur ein einmaliges Erlebnis. Wer mitmacht, erfährt auch konkret, welche Möglichkeiten es gibt, sich zu engagieren. 2007 hat die Stiftung Naturschutz Berlin das Naturfestival ins Leben gerufen. Seither ist es immer größer und bunter geworden. 2019 kamen 25.000 Menschen zu mehr als 500 Veranstaltungen an 160 Orten in Berlin. Und gut 350 Expertinnen und Experten aus Verbänden, Behörden und Vereinen teilten ihr Wissen. Sie führen Interessierte zu blühenden Dächern auf Parkdecks, stellen ihnen Bienenvölker auf dem Schulhof, invasive Krebsen im Tiergarten oder naturnahe Landschaften am Stadtrand wie den Marienfelder Naturschutzpark vor. Gemeinsam im Naturerfahrungsraum übernachten, Wildbienenhotels basteln oder essbare Wildkräuter erkennen und probieren – nicht wenige der Angebote fordern zum Mitmachen auf. Und in vielen Workshops erforschen Kinder und Jugendliche hautnah die Tiere in ihrer Stadt. Längst findet der Lange Tag der StadtNatur überall Nachahmer. Mittlerweile gibt es das Festival auch in Hamburg, Bochum, Dessau-Roßlau, Zürich, Wolfsburg und anderen Städten. Dabei wird das Programm immer an die regionalen Besonderheiten der Räume und Landschaften angepasst. Langer Tag der StadtNatur
Von 2011 bis 2020 ist Berlin um mehr als 300.000 Menschen gewachsen – auf 3,8 Millionen. Um trotz knapper werdender Flächen eine grüne, lebenswerte und artenreiche Stadt zu schaffen, muss das Wachstum durchdacht gelenkt werden. Dann sind die Veränderungen sogar eine Chance. Laut Baugesetzbuch müssen Eingriffe in Natur und Landschaft vermieden oder zumindest gering gehalten und ausgeglichen werden. Bei größeren Bauvorhaben geht das häufig nicht vor Ort. Der Eingriff muss anderswo ausgeglichen werden. Anderswo – das sind einige Flächen, die besonders viel Potenzial in Sachen Naturschutz haben. Sie aufzuwerten, fördert die Biodiversität. Deshalb stellt das Land Berlin Mittel zur Verfügung, um einen Vorrat an Flächen und Maßnahmen bereitzuhalten, die sich für einen solchen Ausgleich an anderem Ort eignen. Weitere Informationen zum Berliner Ökokonto (bauleitplanerisches Ökokonto des Landes Berlin) Das erste Berliner Ökokonto-Projekt hat der Senat im Dezember 2019 beschlossen; erste Maßnahmen sind bereits umgesetzt. Die Basis, um mit dem Ökokonto zu arbeiten, schafft die Gesamtstädtische Ausgleichkonzeption (GAK). Sie ergänzt schon seit 2004 das Landschaftsprogramm (LaPro) und wurde 2016 eigens dafür aktualisiert. Weitere Informationen zur Gesamtstädtischen Ausgleichskonzeption Seit 2017 benennt die GAK sechs Leitprojekte, mit denen Berlin Ausgleichsmaßnahmen vorwegnehmen und bündeln kann, damit sie möglichst viel Wirkung zeigen. Zu diesen Leitprojekten zählen nicht nur große Natur- und Kulturlandschaften. Entlang von Gewässern und entlang des Mauerstreifens sollen auch Biotopverbünde gestärkt werden, um Lebensräume für Tiere und Pflanzen nicht nur aufzuwerten, sondern auch besser zu vernetzen. Eins der sechs Leitprojekte ist die Malchower Aue. Landwirtschaft hat die weite Kulturlandschaft in Pankow und Lichtenberg geprägt. Hier soll die Feldlerche gefördert werden, indem Blühstreifen und „Feldlerchenfenster“ angelegt werden. Das ist indes bei weitem nicht alles: Die offene Landschaft wird auch mit Gehölzstrukturen angereichert, und der Wasserhaushalt der Auenlandschaft stabilisiert, indem stehende Gewässer, Fließgewässer und Gräben naturnah umgestaltet werden.
Beim engen Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt bleibt es nicht aus, dass wir mit einigen Tieren so unsere Probleme haben. In den meisten Fällen ist es hierbei jedoch so, dass diese Probleme ein subjektives Empfinden widerspiegeln, und nicht die Tiere an sich ein Problem sind. So empfindet der eine einen nicht scheuen Fuchs als Bedrohung, der andere als Bereicherung. Vogelstimmen können als Lärm oder als schön empfunden werden. Hornissen können interessant oder auch gefährlich wirken – es kommt meistens auf das Auge des Betrachters an. Informationen zu den “Problemarten”: Straßentaube Buntspecht Elster und Nebelkrähe Hornisse Biber Wolf Eine der Arten, die objektive Schäden verursachen, ist die Straßentaube (= verwilderte Haustaube). Hierbei geht es vor allem um Verschmutzung. Daneben treten vereinzelt Taubenzecken auf. Der Bestand der Straßentaube hat sich in den letzten Jahrzehnten in Berlin drastisch verringert. Da frühere Zählungen/Schätzungen sehr ungenau waren, lässt sich dies nach Bestandsangaben der “Berliner Ornithologischen Arbeitsgruppe” nur sehr grob beschreiben: 1970er/80er Jahre: grob geschätzt 75.000 – 150.000 Individuen, um das Jahr 2000: 40.000 – >100.000 Individuen, um das Jahr 2010: 10.000 Individuen; diese Schätzung ergibt sich aus einer Zählung im Winter 2009/2010 an den wichtigsten Plätzen/Bahnhöfen von 4.827 Individuen und der Hochrechnung auf das Berliner Gesamtgebiet. Ursachen der Bestandsabnahme sind vermutlich der Rückgang des Brutplatzangebotes (Sanierung der gesamten Bausubstanz, Abwehrmaßnahmen vor allem an Bahnhöfen) und die hohe Entnahme durch die Berliner Habichtpopulation. Eine Bekämpfung der Art ist somit nicht erforderlich. Bei Verschmutzungen vor Ort bleibt damit lediglich, bestimmte Objekte durch passive Abwehrmaßnahmen zu sichern. Bewährt haben sich hierbei vor allem Gitter und über Simsen angebrachte schräge Bleche, während Drähte und Spikes in einigen Fällen nur eine eingeschränkte Wirksamkeit haben. Bei letzteren ist darauf zu achten, dass keine geschützten Arten von ihren Quartieren ferngehalten werden (z.B. Mauersegler, Turmfalke), oder durch Überspannung von Höfen Fledermäuse quasi “gefangen” werden. Diese können bei horizontal gespannten Taubennetzen zwar von oben in den Hof gelangen, aber nicht von unten aus ihm heraus. Netze gegen Straßentauben dürfen daher aus Gründen des Fledermausschutzes nur vertikal oder bis maximal 45° geneigt angebracht werden. Die zweite Schäden an Bauwerken verursachende Vogelart ist der Buntspecht . Diese Vögel legen mitunter eine erstaunliche Bautätigkeit an Bauwerken an den Tag, wo sie vor allem Löcher in wärmeisolierten Wänden (Styropor, Mineralwolle usw.) unter Rauputz schlagen. Zum Teil gibt es hier sogar andere Vögel als “Nachnutzer” (Feldsperling, Star). Auffällig ist, dass solche Schäden oft an bestimmten Gebäudestellen auftreten, z.B. Putzbereiche mit Vorschädigung durch Gerüst, Hauskanten oder stark besonnte Flächen. Oft hören die Verursacher von selbst wieder auf, da die Spechte erkannt haben, dass die vermeintlichen Hohlräume keine Insektenlarven beinhalten. Das Grundproblem ist aber eine nicht spechtsichere Bauweise. Abhilfe könnte glatter Putz schaffen, an dem sich die Spechte nicht ausreichend festkrallen können. Oder aber der Putz müsste durchschlagsicher sein. Hilfsmittel für betroffene Hausbesitzer sind Stolperdrähte oder Flatterbänder an den jeweiligen Gebäudeteilen. Viele Berliner beklagen sich über die in der Stadt häufiger gewordenen Rabenvögel Elster und Nebelkrähe . Diese fressen Jungvögel und Eier (z.B. von der Amsel im Balkonkasten) und haben darüber hinaus “hässliche” Rufe. Und in der Tat haben wir es hier mit zwei Anpassungskünstlern zu tun, die vom ganzjährig guten Nahrungsangebot profitieren – unsere “Abfallgesellschaft” hat ihnen eine Bestandszunahme in der Stadt ermöglicht. Dem gegenüber stehen z.T. drastische Abnahme in der Agrarlandschaft, wo die Elster mittlerweile weitgehend fehlt. Ornithologen haben viele Untersuchungen durchgeführt, inwieweit andere Vogelarten durch die örtliche Zunahme der Rabenvögel gefährdet sein könnten. Ergebnis: kein Nachweis irgendwelcher Auswirkungen auf die Population der potenziellen Beutearten. Gerade in Berlin gehören Amsel und Grünfink nach wie vor zu den häufigsten und am weitest verbreitetsten Brutvogelarten, Tendenz steigend. Es ist somit ein völlig subjektives Problem, wenn das Amselnest vom Balkonkasten ausgeräubert wird. Die Amsel muss dann lernen, das Nest besser versteckt zu bauen, ein Nachgelege ist für sie unproblematisch. Als Sonderfall bei Nebelkrähen müssen noch vereinzelte Attacken auf Menschen angesprochen werden. Dies tritt im Land Berlin vielleicht in 1 bis 3 Fällen jährlich auf. Zum einen sind es einzelne Krähenbrutpaare , die ihr Nest mit den dann schon meist größeren Jungvögeln gegen Fußgänger verteidigen und dabei Schein- oder echte Angriffe fliegen. Dieses ist räumlich auf den Horstbereich begrenzt und endet mit dem Ausfliegen der Jungvögel, aller Erfahrung nach spätestens nach rund 2 Wochen. Notfalls kann von der Behörde ein Flatterband gespannt oder ein Warnhinweis gegeben werden, denn Schnabelhiebe auf den Kopf können sehr unangenehm sein. Daneben gibt es auffälligerweise Einzelvögel , die dann auch nur bestimmte Personen anfliegen, und das unabhängig von der Brutzeit. Hier können wir nur vermuten, dass es sich um von Hand aufgezogene und leicht fehlgeprägte Vögel handelt. Diese fliegen dann Menschen an, die sie an die frühere Pflegeperson erinnern, weil sie von ihnen etwas zu Essen erwarten. Von dem betroffenen Menschen wird dies natürlich als Angriff gewertet. Hier zeigt sich wie wichtig es ist, beim etwaigen Aufziehen von Jungtieren Fehlprägungen zu vermeiden ( Hilflose Wildtiere )! Lärm durch Vogel- oder Amphibienstimmen (vor allem Nebelkrähe, Elster, Nachtigall, Amsel, Teich- und Seefrosch) wird bisweilen als Belästigung empfunden. Es handelt sich aber um ganz natürliche Lautäußerungen der Tiere, die zudem nur zeitlich befristet zu hören sind. Sie sind hinzunehmen, und es gibt gerade in einer Stadt mit über 1,4 Mio. Kraftfahrzeugen wesentlich stärkere Lärmemittenten als Vögel oder Frösche … Sehr panisch reagieren manche Menschen auf Hornissen . Die Hornisse ist unsere größte Wespenart und naturschutzrechtlich geschützt, man darf also ihre Baue nicht beseitigen. Dabei überwiegt bei den Menschen die Angst vor Stichen, tatsächliche Probleme kann es auch mit herabtropfendem Kot von Hornissennestern geben, wenn diese z.B. in Jalousiekästen gebaut wurden. Sehr auffällig ist, dass die meisten Menschen gut mit Hornissen leben können, wenn sie etwas über die Lebensweise dieser Insekten erfahren. So werden Nester niemals ein zweites Mal genutzt: Mit dem Sterben der Arbeiterinnen und dem Auszug der Königin im Herbst ist an dieser Stelle die Ansiedlung beendet. Hornissen sind nur direkt an ihrem Bau aggressiv. Wenn man sich ganz langsam nähert kann man aber auch dort bis auf wenige Dezimeter herangehen. Hektische Bewegungen können aber einen Angriff provozieren. Ansonsten sind sie sehr gutmütig. Hornissen gehen nie an Lebensmittel wie Wurst, Saft, Honig oder dergleichen. Außer Pflanzensäfte (z.B. an Verwundungen bestimmter Baumarten) nehmen sie nur frisch erbeutete Kleintiere zu sich. Und hieraus folgern zwei wichtige Fakten: Erstens ist die Wahrscheinlichkeit von einer Hornisse gestochen zu werden extrem gering, viel geringer z.B. als von einer normalen Wespe. Denn diese sucht ja direkt unsere Nähe auf (Lebensmittel) und kann auch leicht unbemerkt in die Kleidung gelangen – so werden viele Stiche verursacht. Hornissen jagen Wespen, so hat jemand mit Hornissen im Garten wesentlich weniger oder gar keine Wespen in der Saison. Dies ist für Allergiker ein wichtiger Grund, sich über die Anwesenheit von Hornissen zu freuen! Unangenehm – aufgrund des lauten Fluggeräusches und der respektablen Körpergröße – können Hornissen in der Wohnung sein. Da sie auch nachts nach Insekten jagen und gerne auch Lampen aufsuchen, geraten sie leicht durch geöffnete Fenster in die Wohnung. Hier hilft aber ein handelsübliches Mückengitter. In den ganz wenigen Fällen, wo Hornissen zu Schäden am Bauwerk führen können, oder wo ihr Bau in unmittelbarer Nähe zu spielenden Kindern liegt, kommt auch eine Umsiedlung in Frage. Hierzu hat die Senatsverwaltung einen Hymenopterendienst eingerichtet. NABU Berlin – Hymenopterendienst Bei den anderen Wespenarten, die nicht naturschutzrechtlich geschützt sind, kann notfalls der Schädlingsbekämpfer gerufen werden. Biber ( Castor fiber ) sind die größten Nagetiere Europas. Sie gehören in lebendige Gewässerlandschaften, wo sie mehr als andere Tierarten in der Lage sind, Landschaft zu gestalten. Durch ihre Nagetätigkeit können verdunkelte Uferbereiche aufgehellt werden. Vor allem aber können sie durch das Aufstauen von Gewässern gestalterisch wirken, indem sie kleine Feuchtgebiete anlegen. Diese Biotope sind nicht nur in der Regel eine Bereicherung der Biologischen Vielfalt, sondern helfen auch, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Gerade in Jahren mit wenig Niederschlägen ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. In naturnahen Landschaften wie dem Tegeler Fließ und anderen unverbauten Gewässern von Dahme, Müggelsee und Havel ist der Biber eine wichtige Zielart des Naturschutzes. Biber wurden vor über 200 Jahren durch intensive Verfolgung wegen ihres Felles und als Fastenspeise im Berliner Raum ausgerottet. Es haben kleine Populationen in Ostdeutschland überlebt, die sich im vergangenen Jahrhundert allmählich wieder ausbreiten konnten. Berlin wurde Mitte der 1990er Jahre von Hennigsdorf aus entlang der Oberhavel von Bibern wiederbesiedelt. Die ersten Ansiedlungen fanden sich dort und im Tegeler See. Normalerweise haben Biber jedes Jahr 2–3 Jungtiere. Diese wandern in der Regel im 2. oder 3. Lebensjahr ab und suchen sich ein eigenes Revier. Ab Ende der 1990er Jahre wanderten dann die ersten Biber in die Unterhavel ein und die Kanäle entlang Richtung Innenstadt. Kurze Zeit später kamen die ersten Biber über den Oder-Spree-Kanal im Südosten Berlins an. Das Stadtgebiet wurde somit aus mehreren Richtungen besiedelt. Heute können wir von einer flächendeckenden Besiedlung Berlins mit geschätzt über 50 Ansiedlungen ausgehen. Erstaunlich ist die Anpassungsfähigkeit des Bibers, der sich nicht nur in einigen Parkanlagen der Berliner Innenstadt angesiedelt, sondern auch an Kanälen wie dem Teltowkanal seine Nischen gefunden hat. Siedelt sich der Biber an, errichtet er einen Bau mit Zugangsmöglichkeit unter Wasser, der bei Flachufern nach oben mit Astwerk und Erdreich abgedichtet ist. Dies kann eine erkennbare “Biberburg” ergeben. In Steilufern ist der Bau meist nicht zu erkennen. Insbesondere in der Nähe der Baue ist naturgemäß mit einem stärkeren Fraßdruck durch den Biber zu rechnen, doch schwimmen die Tiere – gerade in weniger günstigen Lebensräumen – zur Nahrungssuche auch bis zu einem Kilometer oder mehr das Ufer entlang. Gemessen an diesem Potenzial und den Problemen, die manche Menschen in der freien Landschaft mit dem Biber sehen, sind die Konflikte in der Großstadt Berlin überschaubar. Bisher sind drei Problemfelder aufgetreten: Im Winterhalbjahr gibt es keine frischen krautigen Pflanzen, und Biber ernähren sich dann von Gehölzknospen und Rinde, insbesondere von jungen Zweigen. Hierzu werden Bäume gefällt. Biber bevorzugen Weiden und Zitterpappeln, doch werden auch andere Gehölze genommen. Hin und wieder werden auch Nadelbäume gefällt. Insgesamt nutzt der Biber bei uns über 45 Gehölzarten, dazu gehören auch Ziersträucher und Obstbäume. Zwar werden in erster Linie Bäume ausgewählt, die ufernah wachsen, aber es werden auch bis zu 50 m entfernt stehende Bäume gefällt. Es ist sinnvoll, gefällte Bäume vor Ort zu belassen, damit der Biber Knospen und Zweige nutzen kann. Ansonsten wird er sich dem nächsten Baum zuwenden. Gehölze, die man unbedingt schützen möchte, müssen mechanisch gesichert werden. Dies geht mit einem stabilen Geflecht (z.B. Estrichmatten), das um den Baum gelegt und stabil befestigt wird. Alternativ gibt es eine Verbissschutzpaste, die auf die Rinde aufgetragen werden kann. Je nach Baumgröße und Rindenstruktur kann diese Paste den Bibern für ca. 2–10 Jahre das Nagen verleiden. Die Paste findet man im Internet unter dem Stichwort “Biber Verbissschutz”. Eine gute Anleitung zum Verbissschutz befindet sich in der Anleitung Baumschutz gegen Biberverbiss des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen. Biber nagen bisweilen über mehrere Nächte verschiedene Bäume an. Diese sind dann oft nicht mehr standsicher und können so zu einer Gefahrenquelle für Wege, Straßen, Gewässerufer oder bewohnte Grundstücke werden. Sollten sie aus Gründen der Verkehrssicherung gefällt werden, ist dringend zu empfehlen, die Äste und Zweige vor Ort als Nahrung zu belassen. Ansonsten muss der Biber neue Bäume fällen. Unterminierung von Wegen Die Erdbaue können sich über etliche Meter vom Ufer erstrecken. Vereinzelt kommt es zum Einbrechen von Wegen, wenn der Biber zu oberflächennah baut. Hier müssen im Einzelfall Lösungen gesucht werden. Aufstau von Gewässern Seit durch die vergangenen extrem trockenen Jahre die Wasserstände an einigen Fließgewässern deutlich gesunken sind, haben Biber auch in Berlin vermehrt Dämme gebaut. Diese haben grundsätzlich zwei Funktionen: Zum einen werden flache Fließgewässer aufgestaut, damit der Eingang zum Bau unter der Wasseroberfläche bleibt. Hierzu nutzt der Biber vor allem Äste und Zweige, um einen stabilen Damm zu errichten, der mit Erdreich abgedichtet wird. Zum zweiten werden bisweilen Dämme angelegt, um ein Fließgewässer ausufern zu lassen, damit der Biber auf dem Wasserwege an seine Nahrung kommen kann. Im ersten Fall ist der Damm integraler Bestandteil des Baues, also der “Fortpflanzungs- oder Ruhestätte” und damit durch § 44 Abs. 1 Nr. 3 Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Lösungen müssen im Einzelfall gesucht werden, aber grundsätzlich müssen wir uns daran gewöhnen, dass Biber in unseren Gewässern leben. Wegfang oder Abschuss der Biber – eine zumindest theoretische Problemlösung – kommt dann nicht infrage, wenn eine Zuwanderung weiterer Biber erfolgen könnte, das Gebiet also nicht “bibersicher” einzuzäunen ist – diese Option darf keine Daueraufgabe sein. In der Regel wird man sich mit dem Biber arrangieren müssen. Daneben können auch Biber in Berlin Probleme haben: Abwandernde Jungtiere auf der Suche nach einem eigenen Revier landen in ungeeigneten Gewässern (kleine Parkteiche, Gartenteiche) oder wandern weite Wege fernab von Gewässern. Eine zunehmende Zahl fällt dem Straßenverkehr zum Opfer, aber es gibt auch vermehrt an Gewässern verstorbene Tiere. Grundsätzliche Ansprechpartner in Biberfragen sind die jeweiligen Naturschutzbehörden, die in der Regel mit Biberexpertinnen und -experten zusammenarbeiten. Frisch verendete Tiere können zur Untersuchung zum Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Alfred-Kowalke-Straße 17, 10315 Berlin-Friedrichsfelde) gebracht werden – dort werden sie kostenlos obduziert (bitte vorher per E-Mail anmelden, wibbelt@izw-berlin.de , oder unter Tel. (030) 5168-211). Für weitere Informationen zum Biber und dem Umgang mit ihm gibt es mittlerweile hervorragende Broschüren, die als pdf-Dateien kostenlos heruntergeladen werden können. Empfehlenswerte aktuelle Beispiele kommen aus Bayern, Österreich, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Biber in Bayern, Biologie und Management Wölfe in Berlin? Gibt es Wölfe in der Umgebung Berlins? Ja. Nachdem der Wolf vor mehr als 150 Jahren in Deutschland ausgerottet wurde, ging eine Wiederbesiedlung der mittlerweile geschützten Tierart ab 1996 von Polen aus. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland erstmals wieder Wolfswelpen in Freiheit geboren. Die Art hat sich von Sachsen aus über Brandenburg vorwiegend Richtung Nordwestdeutschland ausgebreitet, doch gibt es mittlerweile in den meisten Flächenländern Wolfsvorkommen. Insbesondere Sachsen und der Süden des Landes Brandenburg sind flächendeckend von Wölfen besiedelt und einige Territorien reichen bis an die Grenzen des Berliner Raumes. Eine Verbreitungskarte des Wolfes in Deutschland ist hier einsehbar und wird jährlich aktualisiert. Karte der Wolfsterritorien Kommen Wölfe auch nach Berlin? Wölfe sind eher scheu und meiden den menschlichen Siedlungsraum. Allerdings kann es durch das Abwandern von Jungwölfen aus ihren Rudeln vorkommen, dass einzelne Tiere auf der Suche nach Territorien durch Siedlungen laufen oder sich sogar in eine Stadt verirren. In der Regel versuchen sie dann, diese so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Bisher sind in Berlin nur sehr vereinzelt Wölfe sicher nachgewiesen worden, die nach kurzer Zeit wieder abgewandert sind. Es kann aber grundsätzlich in den Randbereichen Berlins mit einzelnen durchziehenden Jungwölfen gerechnet werden. Eine Ansiedlung (Territorium) ist eher nicht zu erwarten. Sind Wölfe gefährlich für Menschen? Generell geht für Menschen von Wölfen keine Gefahr aus. Allerdings sind es wehrhafte Tiere und man sollte ihnen mit Respekt begegnen. Auf keinen Fall sollten sie in die Enge getrieben oder mit Futter angelockt werden. So können – wie bei Wildschweinen auch – Konflikte vermieden werden. Was für Probleme können Wölfe verursachen? Das wesentliche Konfliktfeld zwischen Menschen und Wölfen besteht in der Weidetierhaltung. Gerade Schafe und Ziegen, aber auch Kälber und vereinzelt Fohlen fallen in das Beuteschema von Wölfen. Zudem sind Schafe und Ziegen potenziell einfacher zu erbeuten als Rehe, Hirsche oder Wildschweine und auch weniger wehrhaft. Wenn der Weidetierschutz nicht ausreichend ist, oder einzelne Wölfe es lernen, diesen zu umgehen, kann es zu Rissen bei Weidetieren kommen. Für die Schafhaltung ist das ein ernstes Problem, mit dem umgegangen werden muss (siehe unten). Manche Naturfreunde sind der Auffassung, dass es bei Anwesenheit von Wölfen zu einer Abnahme von Rehen, Hirschen und Wildschweinen kommt. Obgleich die bundesweiten Jagdstrecken dies nicht belegen, kann es regional durchaus Bestandsabnahmen geben. Allerdings gewöhnen sich Wildtiere schnell an die Heimkehrer und passen ihr Verhalten entsprechend an. Wie groß ist ein Wolfsrudel? Ein Wolfsrudel besteht aus einem Wolfspaar und ihren aktuellen Nachkommen, die ab Mai jeden Jahres zur Welt kommen. Daher kann die Rudelgröße sehr unterschiedlich sein, sie liegt häufig im Bereich von 5 bis 10 Tieren. Die Jungtiere wandern im zweiten Lebensjahr ab, um ein eigenes Territorium zu gründen. Dabei können sie hunderte von Kilometern zurücklegen. Die Größe eines Wolfsterritoriums umfasst in Deutschland je nach Nahrungsangebot 100 bis 350 Quadratkilometer. Woran erkenne ich einen Wolf? Wölfe sind vorwiegend grau, haben einen Sattelfleck auf dem Rücken und einen weißen Bereich um die Schnauze. Als Lauftiere sind sie recht langbeinig. Zahlreiche Wolfsfotos finden sich auf der Webseite der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) In Berlin gibt es zahlreiche Hunde, die sehr wolfsähnlich aussehen, z.B. der „Tschechische Wolfshund“ oder der „Saarlooswolfshund“ . Leider bewegen sich manchmal auch Hunde derartiger Rassen allein und ohne Halsband durch die Stadt. Fotofallen und direkte Sichtungen führen dann immer wieder zu Unsicherheiten, Irritationen und Fehlbestimmungen; eine sichere Bestimmung ist nicht immer möglich. Für eine eindeutige Wolfsbestimmung ist ein gutes und deutliches Foto (z.B. durch eine „Wildkamera“), aber auch Losung (Kot) oder ein paar gesammelte Haare erforderlich, die beispielsweise an einem Zaun hängen geblieben sind. Was sollte ich tun, wenn ich einem Wolf begegne? Die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf in freier Wildbahn zu begegnen, ist nicht sehr hoch. Sollte dies dennoch geschehen, können Sie auf sich aufmerksam machen (klatschen, rufen). Normalerweise ziehen sich Wölfe dann schnell zurück. Jungtiere können allerdings neugieriger sein. Wenn Ihnen das unangenehm ist, weichen Sie langsam aus. Wegrennen sollte in jedem Fall unterlassen werden. Alternativ können Sie langsam auf das Tier zugehen und laut rufen. Hilfreich für die spätere Dokumentation sind Fotos oder Videos vom Tier. In Berlin können eher Begegnungen mit Hunden problematisch sein, da diese sich unvorhersehbar verhalten können – je nach ihrer Erfahrung mit Menschen. Wie kann ich Weidetiere vor Wölfen schützen? Wölfe lassen sich normalerweise von Elektrozäunen abhalten. Diese müssen gewisse Mindestanforderungen erfüllen, die in einer vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen Fachpublikation ausführlich beschrieben sind. In Berlin müssen schon jetzt alle Weidetiere vor Übergriffen durch Hunde geschützt werden. Diese Maßnahmen helfen grundsätzlich auch gegen Wölfe. Es ist geplant, dass landwirtschaftliche Betriebe Zuschüsse für die notwendigen Präventionsmaßnahmen und den Weidetierschutz speziell gegenüber Wölfen erhalten sollen. Die Abstimmungen innerhalb Berlins, aber auch mit dem Land Brandenburg sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Sobald eine finale Klärung erfolgt ist, wird an dieser Stelle eine entsprechende Kontaktadresse genannt/verlinkt werden. Was ist nach einem Riss von Weidetieren zu tun? Um sicher zu sein, ob ein Wolf für den Riss verantwortlich ist, muss umgehend die unten angegebene Notfallnummer angerufen werden. Der Fachexperte wird erst eine telefonische Befragung durchführen und dann ggf. vor Ort kommen. Das getötete Weidetier ist mit einer Plane gegen nachnutzende Tiere zu sichern (beispielsweise Füchse oder Krähen), damit noch die Möglichkeit der Entnahme einer unverfälschten Gewebeprobe an der Bissstelle besteht. Damit hat man bei frischen Rissen die Chance, den Urheber des Bisses mittels genetischer Bestimmung eindeutig zu ermitteln. Gleichzeitig wird der Experte die Weidefläche und die Umzäunung sowie die Umgebung untersuchen, um weitere Indizien zu sammeln. Sollte der Weidetierschutz den fachlichen Anforderungen genügen und trotzdem der Wolf als Verursacher ermittelt werden, erfolgt ein Schadensausgleich durch die Naturschutzbehörde. Wo kann ich eine mögliche Wolfsbeobachtung in Berlin melden? In Berlin werden nachts vor allem wolfsähnliche Hunde beobachtet. Trotzdem ist eine Wolfsbeobachtung nicht ausgeschlossen, vor allem am Stadtrand. Beobachtungen können unter Angabe von Ort, Datum, Uhrzeit und den Beobachtungsumständen per E-Mail an die unten angegebene Adresse gemeldet werden. Wenn immer möglich sollte ein Foto beigefügt und/oder genau beschrieben werden, was gesehen wurde. Gerade auch Verhaltensbeobachtungen sind hierbei hilfreich. E-Mail-Adresse für Wolfsmeldungen in Berlin: Berlin@wolfsmanagement.eu Notfallnummer für Risse von Weidetieren in Berlin: (03375) 251960 DBBW, die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf: Umfassende Information über Wölfe in Deutschland Zu Wölfen im Land Brandenburg informieren: Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU) Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK)
Gebietsbeschreibung Das Landschaftsschutzgebiet befindet sich im Süden des Landes Sachsen-Anhalt. Es schließt den Saalelauf von der Landesgrenze zu Thüringen bis zur Stadt Weißenfels ein. Außerdem ist das Wethautal östlich von Naumburg Teil des Schutzgebietes. Das Tal der Wethau besitzt zahlreiche Nebentäler, die abschnittsweise im LSG liegen. Zum LSG gehören jedoch nicht nur die beiden Fließgewässer, sondern auch die angrenzenden Hochflächen. Oberhalb von Naumburg werden die Waldflächen von Bad Kösen mit einbezogen. Westlich grenzt das LSG „Finne-Triasland“ an. Das LSG repräsentiert die Landschaftseinheit Halle-Naumburger Saaletal und liegt zu Teilen in den Landschaftseinheiten Ilm-Saale-Muschelkalkplatten, Zeitzer Buntsandsteinplateau, Lützen-Hohenmölsener und Querfurter Platte. Der Charakter der Landschaft ist sehr abwechslungsreich und vielseitig. Prägendes Element ist die Saale, die dem LSG seinen Namen gab. Der naturnahe Verlauf der Saale mit vielen Mäanderbögen zeichnet die Landschaft ebenso aus wie die durch die Eintiefung des Flusses angeschnittenen Buntsandstein- und Muschelkalkhänge. Die teilweise fast senkrecht aufragenden Wände sind durch die Schichtung der Triasgesteine farblich sehr differenziert. Stellenweise spiegelt sie sich im Wasser der am Hangfuß mit starkem Gefälle vorbeifließenden Saale. Das ästhetisch sehr hochwertige Landschaftsbild wird durch Burgen beziehungsweise Burgruinen ergänzt, die auf den Spornen der Plateauflächen errichtet wurden, zum Beispiel Rudelsburg und Burg Saaleck, Schönburg und andere. Die weniger steilen Hangbereiche der Saale werden durch ein vielseitiges Flächennutzungsmosaik gekennzeichnet. Es finden sich Weinberge, Streuobstwiesen, Trockenrasen, Trockengebüsche, Wiesen und Wälder in kleinräumigem Wechsel entlang der Saaleaue und an ihren Hängen. Im Gegensatz dazu besitzen die Plateauflächen weniger Vielfalt und Eigenart. Sie tragen meist große Ackerflächen, kleinere Wälder und zahlreiche Feldgehölze. Die Wethau und ihre zum LSG gehörenden Nebenarme sind als naturnahe Gewässer von teilweise dichten Ufergehölzen bestanden, die mit Grünland oder Wald wechseln. In der Nähe von Ortschaften kommen Streuobstwiesen hinzu, und auf den steilen Hängen des Wethau-Tals befinden sich häufig Trockenrasen. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Die Terrassen an der Saale waren zu allen Zeiten dicht besiedelt. Dies liegt darin begründet, daß das Saaletal in der Vor- und Frühgeschichte als Grenzraum und Kontaktzone und als Handelsroute eine wichtige Rolle spielte. Dies war auch der Anlaß zum Bau von Burgen und Befestigungen. Dabei spielte vor allem der Abschnitt zwischen Saaleck und Weißenfels eine wichtige Rolle beim vorgeschichtlichen Burgenbau. So lassen sich allein bei Uichteritz und Schönburg je vier, bei Goseck drei und bei Weißenfels, Schellsitz, Naumburg (Altenburg) und Bad Kösen je zwei Befestigungen nachweisen. Ein Befestigungsgraben zwischen Uichteritz und Lobitzsch, der einen halbkreisförmig vorspringenden Gleithang der Saale auf 1 km Länge abriegelt, könnte auf einen umwehrten Wirtschaftsraum hindeuten. Schon in der Altsteinzeit vor 200 000 Jahren nutzten Jäger und Sammler die Saaleterrassen als Rastplätze, wie Faustkeilfunde von Naumburg belegen. 15 000 Jahre alt sind die Funde vom Saaleufer bei Saaleck. Das Pferd als bevorzugtes Jagdwild wurde auf Schieferplatten dargestellt. Eine dichte Besiedlung setzte ab der Mitte des 6. Jahrtausends durch die Bauernvölker der Linienbandkeramikkultur ein. Zu dieser Zeit wiesen bereits alle Gemarkungen im Bereich des LSG eine oder mehrere Siedlungen auf. Im Stadtgebiet von Naumburg waren es insgesamt elf und im Stadtgebiet von Weißenfels sechs Siedlungen. Entlang der Flüsse wurden auch die Hochflächen besiedelt. An den Einmündungen des Röthebaches und der Unstrut in die Saale entstanden während der frühen (Bandkeramik) und mittleren (Trichterbecherkultur) Jungsteinzeit befestigte Siedlungen. Bei Goseck errichteten die Stichbandkeramiker eine umfriedete Kultanlage, die der Beobachtung von Gestirnen und damit als Kalender gedient haben könnte. Während der jüngeren Bronzezeit drangen aus dem Osten Siedler der Lausitzer Kultur in das mittlere Saaletal vor. Befestigte Siedlungen befanden sich während der jüngeren Bronzezeit in der Rudelsburg und auf dem Haineberg nahe der Neuenburg bei Freyburg. Beide stehen mit Bronzehortfunden in Verbindung, weshalb sie als wirtschaftliche Zentren der jungbronzezeitlichen Besiedlung gelten können. Eine weitere Befestigung befand sich bei Schönburg auf einem Sporn über der Saale. Allen drei Anlagen kam eine strategische Bedeutung aufgrund der Lage an wichtigen Verkehrswegen zu. Im 6. Jahrhundert v.Chr. geriet das Gebiet unter den Einfluß der früheisenzeitlichen Thüringischen Kultur, die im 5. Jahrhundert stark keltisch geprägt wurde. Von Norden her drangen wenig später Stämme der Jastorf-Kultur in das Gebiet ein. Ihnen folgten am Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. ostgermanische Stämme und um die Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. Elbegermanen. Siedlungsschwerpunkte zeichneten sich zu dieser Zeit zwischen Saaleck und Schönburg ab. Römische Importe in kaiserzeitlichen Siedlungen bei Großjena und bei Kleinjena dokumentieren die Bedeutung von Saale und Unstrut als Verkehrsadern. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts gehörte das Gebiet zum Königreich Thüringen, das im Jahr 531 durch Franken und Sachsen zerschlagen und aufgeteilt wurde. Im Wethautal und beiderseits der Saale wurden zahlreiche Bodenfunde entdeckt, die von der slawischen Besiedlung nach der Völkerwanderung zeugen. Auch die Ortsnamen belegen die slawische Besiedlung, die nicht nur das Gebiet südlich der Saale im Slawengau Weta umfaßte, sondern auch nördlich des Flusses anzutreffen war. So wurde von den Slawen bei Goseck ein Burgwall errichtet. Diese Besitztümer büßten die Slawen allerdings bereits in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wieder ein, während sie südlich der Saale ihre Unabhängigkeit bis ins 10. Jahrhundert behielten. Eingeleitet von der seit dem 7./8. Jahrhundert von den Klöstern Fulda und Hersfeld ausgehenden, überwiegend gewaltsam durchgeführten Christianisierung wurde im 8./9. Jahrhundert und vor allem im 10. und 11. Jahrhundert der Landausbau durch die weltlichen und geistlichen Herren auf der Grundlage von Königs- und Klostergütern stark vorangetrieben. Klöster sowie Wehranlagen und Burgen wurden errichtet. In dieser Zeit entstanden Naumburg (1012) und 1137 das Kloster Schulpforte. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erfuhren der Harz und sein Umfeld durch Heinrich IV. nochmals eine intensive Phase des Landesausbaus, wobei auch die Suche nach Silber und Kupfer eine Rolle spielte. Eine große Anzahl von Burgen wurde von Heinrich IV. neu errichtet. Eine letzte Phase des Neu- und Ausbaus von Burgen lag im 12. Jahrhundert. Es entstanden unter anderem die Burganlagen Saaleck (1140), Schönburg (1157) und Rudelsburg (1171). An der Schrumpfung der Waldflächen ist das Ausmaß des Landesausbaus, der durch Rodungsperioden eingeleitet wurde, gut zu erkennen. Etwa bis zum 12. Jahrhundert war der innere Landesausbau soweit fortgeschritten, daß sich stabile Grenzen zwischen Wäldern und landwirtschaftliche Nutzflächen herausgebildet hatten. Auf den nährstoffreichen Böden des LSG dominiert schon seit langem die landwirtschaftliche Nutzung. Entsprechend der standörtlichen Eignung waren die besser zu bewirtschaftenden Flächen vor allem in überschwemmungsfreien Bereichen der Saaleaue und die fruchtbaren Standorte der Plateaulagen für anspruchsvolle Kulturarten in Ackernutzung, während hängige Standorte oder Überflutungsgebiete Grasland beziehungsweise Streuobstwiesen trugen. Die Entwicklung des Acker-, Wein- und Gartenbaus im LSG wurde wesentlich von der wirtschaftlichen Tätigkeit der Zisterziensermönche des Klosters Schulpforte beeinflußt. Klösterliche Besitztümer in der näheren und weiteren Umgebung wurden in Eigenregie durch zugehörige Klosterhöfe (Grangien) bewirtschaftet. Im Besitz des Klosters war außerdem ein geschlossener Komplex von Siedlungen um Spielberg und Hassenhausen. Hochwasser traten in den vergangenen Jahrhunderten an der Saale sehr häufig auf. Flußregulierungen wurden daher frühzeitig begonnen. Schutzdämme und Wehre wurden im Naumburger Raum schon durch die Pfortaer Mönche angelegt. Der Bau des Hochwasserdammes von Bad Kösen nach Altenburg durch die Mönche ist für den Beginn des 14. Jahrhundert überliefert. Ein Charakteristikum des Gebietes ist der Weinbau, der sich an sonnenbegünstigten Südhängen vor allem über Muschelkalk und Buntsandstein entwickelte. Die vermutlich erste Nachricht vom Naumburger Weinbau stammt aus dem Jahr 1012 und benennt Weinberge im Bischofssprengel. Im Jahr 1066 vergab Kaiser IV. Weinberge bei Schmölln an den Naumburger Bischof Eberhardt. Der Weinbau wurde ein blühender Zweig der Landwirtschaft und ist für die landschaftsgestalterische Entwicklung des LSG von großer Bedeutung. Jedoch wurde der Weinbau nicht nur von der Saale bekannt, sondern auch aus dem Wethautal. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise Mertendorf benannt. Eine weitere Form landschaftsprägender historischer Flächennutzung ist der Anbau historischer Sorten von starkwüchsigen und großkronigen Hochstamm-Obstgehölzen in den Gebieten, die sich für Ackerbau weniger eignen. Seinen Höhepunkt erreichte der extensive Streuobstanbau in Deutschland im 19. Jahrhundert. Viele der im Gebiet vorkommenden Streuobstflächen gehen auf diese Zeit zurück. Eng verbunden mit der Pflege und Unterhaltung von Obstwiesen war eine extensive Schafhaltung. Waldflächen sind aber, bedingt durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes, nur in Resten erhalten. Sie erstrecken sich meist auf den schwierig zu bearbeitenden steilen Hangbereichen. Neben land- und forstwirtschaftlichen Erwerbstätigkeiten hatte der Handel eine große Bedeutung für den weiteren Landesausbau und die wirtschaftliche Entwicklung. Das Gebiet war an überregionale Handelswege angeschlossen. Am bedeutungsvollsten war die Stadt Naumburg, der durch Kaiser Konrad II. schon 1028 Markt- und Messerecht verliehen wurde. Unentbehrlich für die dauerhafte Nutzung dieser Handelswege war das Vorhandensein von Saale- und Unstrutübergängen. Viele historische Brücken und Wehre wurden von Mönchen des Klosters Schulpforte gebaut. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Die Saale durchfließt in ihrem Bad Kösener Talabschnitt den Unteren Muschelkalk, der an beiden Talflanken, insbesondere an der rechten unterhalb von Burg Saaleck und Rudelsburg, in seiner Wellenkalkfazies mit zwischengelagerten Werksteinbänken hervorragend aufgeschlossen ist. Kurz vor der Einmündung der Unstrut weitet sich das Saaletal, bedingt durch den Eintritt des Flusses in den Ausstrichbereich des wenig widerstandsfähigen Oberen Buntsandsteins (Röt), der in den Hangbereichen bei Roßbach und Kleinjena ausstreicht. Von Großjena an liegt das Erosionsniveau bereits im höchsten Mittleren Buntsandstein, der im Blütengrund bei Naumburg, an der Schönburg, in der Umgebung von Leißling und unterhalb des Schlosses Goseck in Erscheinung tritt. Der Eintritt in den Unteren Buntsandstein erfolgt erst unmittelbar unterhalb von Weißenfels bei Burgwerben. Im Oberlauf des der Saale von rechts zusetzenden Wethau-Tales werden die Talflanken zunächst von Mittlerem Buntsandstein gebildet. Unterhalb Mertendorf ist Unterer Muschelkalk in alten Steinbrüchen aufgeschlossen, ebenso wie in dem nach Boblas und Neidschütz hinaufführenden kleinen Seitental. In der Ortslage Wethau sind Gipsgesteine des Oberen Buntsandsteins zu beobachten. Die Flanken des Nautschke-Tales von Stößen bis zur Einmündung in das Wethau-Tal werden von Mittlerem Buntsandstein gebildet, ebenso wie die des Kötsch-Bach-Tales zwischen Plotha und dessen Einmündung in das Saaletal bei der „Neuen Welt“. Die von der Saale und den ihr seitlich zusetzenden Gewässern durchschnittenen Hochflächen sind weitgehend von weichselkaltzeitlichem Löß bedeckt, aus dem inselförmige Vorkommen älterer quartärer Gesteine herausragen wie Kiessand und Geschiebemergel, teilweise auch weißer tertiärer Quarzkies. Zwischen Mertendorf und Scheiplitz liegt ein altes Braunkohlen-Abbaufeld. Dieses LSG umfaßt neben der Saaleaue die Unstrutmündung und das Wethau-Tal sowie auch beiderseits die Talflanken und Hochflächen, welche zu drei Bodenlandschaften gehören: zur Saaleaue, zu den Lößbeeinflußten Saale-Muschelkalkplatten mit Schichtstufenland des Mittleren Saaletales (im Abschnitt von Großheringen bis zur Unstrutmündung) und zum Lößbeeinflußten Naumburger Buntsandstein-Hügelland. In diesen Bodenlandschaften treten als wichtigste Bodenformen Pararendzinen aus skeletthaltigem Löß über Lehmfließerden aus triassischem Gestein, Parabraunerden bis Fahlerden aus Löß, Parabraunerde-Tschernoseme aus Löß, Fahlerden bis erodierte Parabraunerden aus skeletthaltigem Löß über Lehmfließerden aus mesozoischem Gestein und Tschernoseme aus Löß nördlich von Weißenfels auf. Als Besonderheit soll hier eine Rigosol-Pararendzina erwähnt werden. Dieser Boden ist durch den 1000jährigen Weinanbau auf den Terrassen an Saale und Unstrut entstanden. Als Bodentypen treten in der Saaleaue fast durchgehend Vegas, Gley-Vegas und Tschernitzen auf. Wichtigste Bodenformen sind Vegas aus Auenlehm und Auenschluff, Vega-Gleye aus dem gleichen Material, aber mit Wasserzeichen zwischen 0,4–0,8 m unter Flur, und dunkle, tiefhumose Auenböden ohne Wasserzeichen, genannt Tschernitza. Alle diese Böden sind sehr ertragreich und werden seit der Eindeichung im Mittelalter in wachsendem Maße als Acker genutzt. Auenböden sind aus sehr jungen Ablagerungen entstanden, wobei die Anstöße zur Sedimentation auf den Menschen zurückzuführen sind, beispielsweise durch Rodungen in den Einzugsgebieten. Dieser Vorgang reicht bis in die Gegenwart. Die Böden in der Saaleaue sind karbonatführend. Grund dafür ist die weite Verbreitung von Muschelkalk und Löß in den Einzugsgebieten. Damit gibt es einen wichtigen Unterschied zu den Böden in anderen Flußauen. Die Saale ist im LSG nur selten begradigt und weitestgehend nicht ausgebaut. Lediglich in den Bereichen Schulpforta und Schellsitz ist der Retentionsraum durch den Bau von Hochwasserschutzdeichen festgelegt und entspricht nicht dem natürlichen Überflutungsraum. Die Wethau ist ein naturnahes Gewässer ohne Verbauungen und Begradigungen. Sie fließt in ihrer natürlichen Aue und besitzt bezüglich der Vegetationstruktur eine große Naturnähe. Als größere Nebenflüsse der Wethau sind der Steinbach und der Rischkebach zu nennen. Der Grundwasserflurabstand in den Auen ist erwartungsgemäß hoch. Die Grundwasserfließrichtungen sind zur Saale beziehungsweise zur Wethau hin gerichtet. Der Grundwasserflurabstand der Hochflächen des Muschelkalks erreicht fast überall mehrere Dekameter. Der größte Teil der Niederschläge wird durch die mächtige Lößdecke aufgenommen oder durch Pflanzen verbraucht und steht damit nicht der Grundwasserneubildung zur Verfügung. Die Wasserführung erfolgt überwiegend in den mergeligen Kalksteinen auf Schichtfugen und deren karstbedingten Erweiterungen. Der Buntsandstein stellt dagegen einen guten Wasserspeicher dar und sorgt für einen ausgeglichenen Grundwasserabfluß. Er besitzt vielleicht fünf oder sechs Grundwasserleiter, wobei die Lagerungsverhältnisse in entscheidendem Umfang die Wasserführung bedingen. Bei der klimatischen Betrachtung ist die Landschaft in Hochflächen und Talungen zu differenzieren. Für die Höhen sind Jahresmitteltemperaturen zwischen 8,0 bis 8,5°C und Julimittel zwischen 17,5 bis 18°C charakteristisch. Die Talungen dagegen erwärmen sich auf 8,5 bis 9,0°C bei einem Julimittel um 18,0°C. Die Erwärmung der Täler wird durch die entwaldeten Muschelkalkhänge verstärkt. Die Januarmittel differieren zwischen 0 bis -0,5°C in den Talungen und -0,5 bis -1,0°C auf den Hochflächen. Die phänologischen Termine liegen auf den Höhen rund eine Woche später als in den Talungen. Die Vegetationsperiode der Täler dauert mit 220 bis 225 Tagen etwa eine Woche länger als die auf den Plateaus. Verursacht durch die starke Reliefierung der Landschaft an der Saale treten einige mikroklimatische Besonderheiten im Gebiet auf. Charakteristisch für die Talungen sind vor allem in Bodennähe erhöhte sommerliche Schwülewerte und größere Nebelhäufigkeit, die dem als Schonklima zu bezeichnenden Klima des Gesamtraumes Belastungseffekte hinzufügen. Von besonderer Deutlichkeit sind die im Herbst auftretenden Talnebel. Die Hochflächen weisen dagegen eher Erscheinungen eines Reizklimas auf. Geländeklimatisch herausragend ist die Strahlungsgunst der in südlicher Richtung exponierten Tal- und Plateauhänge mit ihren in Bodennähe extrem hohen Temperaturen. Demgegenüber zeichnen sich die Nebentäler mit ihrer Bewaldung und nordseitigen Lage durch ein kühleres und feuchteres Klima aus. Pflanzen- und Tierwelt Restbestände der potentiell natürlichen Vegetation kommen in Teilen der Waldgebiete vor. Auf weniger fruchtbaren Buntsandsteinplateaus stocken Hainsimsen-Traubeneichen-Hainbuchenwälder, auf den fruchtbaren Lößstandorten Winterlinden-Traubeneichen-Hainbuchenwälder und Waldmeister-Buchenwald wie beispielsweise im NSG „Platten“. Kleinflächig befinden sich auf den Hängen der Muschelkalkplatten Orchideen-Buchenwälder, die häufig im Komplex auch mit Trockenwäldern, Trockengebüschen und Trockenrasen auftreten. Zu den zahlreichen Orchideen des Gebietes gehören Bleiches Waldvögelein, Frauenschuh, Geflecktes Knabenkraut, Breitblättrige Sitter, Nestwurz und andere. Auf flachgründigen Muschelkalkböden können sich Hasenohr-Fiederzwenken-Rasen entwickeln mit Sichel-Hasenohr, Fransen-Enzian, Gemeiner Kuhschelle und weitere; dagegen siedelt auf tiefgründigeren Lößböden der Adonisröschen-Fiederzwenkenrasen, unter anderem mit Erd-Segge, Grauer Skabiose und Echtem Mädesüß. Aufgrund intensiver Grünlandnutzung in den Talauen kommen naturnahe Grünlandgesellschaften nur noch kleinflächig vor. Dazu gehören auf grundwasserfernen Standorten die Labkraut-Fuchsschwanz-Wiese und auf grundwassernäheren Standorten die Wiesenknopf-Silau-Wiese. In der Nähe von Gewässern kann als Besonderheit die Kohldistelwiese vorkommen. Die differenzierten Nutzungsformen und Vegetationsgesellschaften bieten verschiedenen Tierarten Lebensräume. Von den Säugern sollen die Vorkommen von Haselmaus, Waldmaus, Zwerg- und Waldspitzmaus, Maulwurf und verschiedenen Fledermausarten besonders hervorgehoben werden. Bedeutsame Brutvogelarten sind Schwarz- und Rotmilan, seltener Habicht und Wespenbussard. Der Wanderfalke brütete bis 1959 in einer Felswand unterhalb der Rudelsburg; mit seiner Rückkehr als Brutvogel wird gerechnet. Im Raum Naumburg ist der Uhu wieder heimisch; die Vorkommen des Steinkauzes sind wohl erloschen. In Burgen und Schlössern, in einigen Stadt- und Dorfkirchen sowie in der Saatkrähenkolonie Weißenfels haben Dohlen regelmäßige Brutplätze. Mauersegler brüten an den Burgen Saaleck, Rudelsburg, Schönburg, Goseck, vor allem aber in den Städten Weißenfels und Naumburg. Die trockenen Standorte sind ideale Lebensräume für Heuschrecken, zum Beispiel Ameisengrille, Blauflüglige Sandschrecke, Blauflüglige Ödlandschrecke und andere. Für Libellen sind die Gewässer geeignete Habitate. Dort kommen Blaugrüne Mosaikjungfer, Plattbauchlibelle sowie Gebänderte Prachtlibelle vor. Im LSG wird regelmäßig die Weinbergschnecke angetroffen, darüber hinaus kommen Heideschnecke und Turmschnecke vor. Entwicklungsziele Ein Teil des LSG „Saale“ wird mit den angrenzenden LSG „Unstrut-Triasland“ und „Finne-Triasland“ zu einem Naturpark entwickelt. Ziel ist eine einheitliche Entwicklung und Pflege des Landschaftsraumes und dessen Nutzung für die naturbezogene Erholung. Ziel der Entwicklung des beschreibenen LSG sollen vorrangig die Erhaltung und der Schutz des naturnahen Charakters der Saaleaue sein. Der mäandrierende Verlauf der Saale mit seinen zum Teil angrenzenden extensiven Flächennutzungen ist zu belassen. Darüber hinaus besteht das Ziel, die Aue der Saale zu extensivieren, das heißt, Ackerflächen im Überflutungsbereich in Grünland umzuwandeln. In gleicher Weise ist die Aue der Wethau zu erhalten und zu schützen. Die gewässerbegleitenden Gehölze, Staudenfluren und Wiesen sollen als wertvolle Biotope nicht nur Habitate für Tierarten sein, sondern als ästhetisch hochwertige Landschaftselemente das Landschaftsbild bereichern. Für die naturbezogene Erholung besitzen die Auen von Saale und Wethau ebenfalls große Bedeutung. Ein weiteres Entwicklungsziel ist die Erhöhung des Baumbestandes in den Auen. So könnten in der Saaleaue Solitärbäume auf den Wiesen das Landschaftsbild verbessern und den Biotopwert der Landschaft erhöhen. In der Wethauaue wären vorwiegend Kopfweiden zu pflanzen, die dem Charakter der Aue entsprechen. Die bestehenden Laubmischwälder sind zu erhalten und nicht standortgerechte Bestände in naturnahe zu überführen. Insbesondere Nadelholzbestände sollen durch geeignete Maßnahmen zu Laubmischwäldern entwickelt werden. Zum Schutz der xerothermen Vegetationskomplexe sind Pflegemaßnahmen erforderlich. Insgesamt besteht die Zielstellung, wertvolle Trockenrasen zu erhalten, das heißt, sie müssen extensiv bewirtschaftet werden. Dazu ist die extensive Schafhaltung zu fördern. Eine bedeutende Rolle spielt der Weinanbau im Gebiet an der Saale. Ziel ist es, die historischen Weinberge weiterhin zu nutzen und zu pflegen. Dabei soll den extensiven Bewirtschaftungsformen der Vorrang gewährt werden. Natürliche Sukzession, die zu dichten Trockengebüschen führt, ist hier nicht Ziel der Entwicklung, da der ökologische Wert solcher Flächen gegenüber Extensivweinbergen geringer ist. Die Entwicklung von Erholung und Tourismus besitzt für die Region große Bedeutung. Grundsätzlich ist sie umweltverträglich und den Zielen des Naturschutzes entsprechend zu orientieren. Besonderer Wert ist dabei auf die Schaffung von Etappenzielen für Wasserwanderer zu legen. Die Errichtung von Naturlehrpfaden in dafür geeigneten Gebieten ist zu fördern. Exkursionsvorschläge Naumburg Um das Jahr 1000 errichten die Markgrafen von Meißen auf dem rechten Ufer der Saale an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen eine Burg, in deren Schutz eine Marktsiedlung (1028 Marktrecht) entstand. 1042 wurde der erste Bau des Domes St. Peter und Paul geweiht, er ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Besonders bekannt sind die zwölf Stifterfiguren. Im 14./15. Jahrhundert war Naumburg ein bedeutender Messe- und Fernhandelsplatz, insbesondere für Waid, Bier und Wein. Sehenswert sind außerdem das Rathaus, ein dreigeschossiger spätgotischer Bau, einige bemerkenswerte Bürgerhäuser sowie die Stadtkirche St. Wenzel, eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche mit zwei Gemälden von Lucas Cranach d.Ä. Von der ehemaligen Stadtbefestigung, die schon im 13. Jh. Erwähnt wurde, sind Reste der Mauern, der Bastionen und des Grabens, vor allem vom östlichen und südlichen Ring, erhalten. Der einstige Verlauf ist durch breite Alleen gekennzeichnet. Hinzuweisen ist auf die Wasserkunst, ein Turmhaus sowie auf das restaurierte Marientor, ein eindurcksvoller Komplex - bestehend aus zwei Torhäusern. Bad Kösen Einen interessanten Exkursionspunkt stellt das 1779 erbaute Bad Kösener Gradierwerk dar. Es ist 320 m lang und als technisches Denkmal geschützt. Das Romanische Haus (1138) war ehemals Wirtschaftshof des Bischofs von Naumburg und galt als ältester Wohnbau auf dem Gebiet der DDR. Bei einem Spaziergang auf der Saalepromenade kann man am östlichen Saaleufer am Steilhang die Lagerung der Kalksteine des Unteren Muschelkalks gut erkennen. Wanderungen Durch das LSG führen zahlreiche Wanderwege, die landschaftlich reizvolle Gebiete erschließen. In besonderer Weise ziehen die Burgen entlang der Saale die Wanderer an. Auf den Wanderrouten können alle Burgen des Gebietes erreicht werden. Bedeutende Exkursionsziele sind die Klosterkirche (1137) und das Zisterzienserkloster (1127) in Schulpforte, die Rudelsburg, die Burg Saaleck und die Schönburg. Bei Großjena kann man in den Kalksteinwänden des Steinauer’schen Weinberges das sogenannte „Steinerne Bilderbuch“ aus überlebensgroßen Reliefs mit überwiegend biblischen Motiven in Augenschein nehmen. Wanderwege erschließen das Tal der Wethau und auch die Nebentäler gut. Besonders sehenswert sind das Gutshaus und der Gutspark Großgestewitz. Verschiedenes Schulpforte Schulpforte ist heute ein Stadtteil von Bad Kösen. Im Jahr 1137 erhielten die Zisterziensermönche aus dem Kloster Schmölln vom Naumburger Bischof Udo I. die Erlaubnis, sich im Bereich seines alten Bistums anzusiedeln. Es wurde sofort mit dem Bau der Kirche und des Klosters St. Mariae de Porta begonnen. Die romanische Basilika in der Kreuzform hatte an den Querschiffsarmen je zwei gestaffelte Nebenapsiden, im Langhaus wechselten Pfeiler und Säulen. Um 1200 wurde die Kirche umgebaut, indem die Apsiden zu Kapellen geändert wurden. 1251 entstand ein völlig neuer Chor, der dem Bauideal der französischen Gotik folgte. Später wurde auch das Langhaus verlängert und verbreitert. Erst 1330 beendete man mit der „Sepultur“, jetzt Evangelistenkapelle genannt, den Umbau. Mit der regen Tätigkeit der Mönche erlebte die gesamte Umgebung einen Aufschwung. Sie waren es, die Land kultivierten, die Saaleaue nutzbar machten und neue Flußübergänge schufen. Es wurden Ackerbau- und Viehzucht betrieben, der Weinbau erblühte, Wege und Straßen wurden neu angelegt. Durch Schenkungen und Kauf von Ländereien vergrößerte sich der Grundbesitz ständig. Dadurch zählte es zu den reichsten Klöstern des Umkreises. Während der Reformationszeit wurde das Kloster aufgelöst (1540) und fiel in den Besitz des Landesherren. Doch schon 1543 eröffnete der Herzog und spätere Kurfürst Moritz von Sachsen darin eine Fürsten- und Gelehrtenschule. Die Schule war so berühmt für ihre gute Schulbildung, daß ein „Portenser“ bei Bürgertum und Adel stets gern gesehen war. Neben der Klosterkirche kann man heute die kleine Abtskapelle, den Kreuzgang und am Friedhof die „ewige Lampe“ in Form einer kleinen Kapelle besichtigen. Am Eingang steht eine spätgotische Betsäule aus dem Jahre 1521. Die alte Klostermauer hat eine Länge von 1,7 km. Das Gradierwerk von Bad Kösen Bad Kösen verdankt seinen Ruf als Kurort in der Hauptsache seinen Solquellen. Die ersten wurden 1682/86 entdeckt. Ihre Ausbeutung gelang jedoch erst 1730. Vorerst dienten sie lediglich der Salzgewinnung. Erst im 19. Jahrhundert wurde dazu übergegangen, sie zu Heilzwecken in Form von Bädern und zur Inhalation zu benutzen. Aus dem Soleschacht konnte durchschnittlich 4- bis 5prozentige Sole gefördert werden, die durch das Gradieren wesentlich angereichert wurde. 1910 wurde der Hufelandsprudel mit rund 11%, 1911 im gleichen Bohrloch die Beyschlagquelle mit fast gesättigter Sole erbohrt. Daneben waren zwei Trinkbrunnen vorhanden, der Mühlbrunnen, schon 1725 entdeckt, und die Johannisquelle, 1868 entdeckt. Das 320 m lange Gradierwerk in Bad Kösen wurde 1779 errichtet und ist als technisches Denkmal erhalten. Es bildet den Abschluß einer in sich geschlossenen Einrichtung zur Soleförderung und Gradierung. Zur Soleförderanlage gehören außerdem der Borlach-Soleschacht, das Doppelfeldkunstgestänge und das unterschlächtige Wasserrad. Letztere sind als seltene Zeugnisse der Technik des 18. Jahrhunderts denkmalpflegerische Raritäten. Von der Borlachquelle wird die Sole durch Pumpen auf die Krone der 20 m hohen Anlage gehoben. Früher wurde die Sole im Borlachschacht mittels des Kunstgestänges durch die Wasserkraft der Saale gehoben, heute führen Unterwasserpumpen diese Arbeiten durch. Von oben tropft nun die Sole über Schwarzdorn-Zweige herab. Das Wasser kann so verdunsten und damit steigt der Salzgehalt, die Sole wird gradiert. Früher wurde die gradierte Sole der Saline zugeführt und dort das Wasser restlos verdampft. Es entstand Kochsalz. Heute dient das Gradierwerk nur noch Heilzwecken. Asthmakranke finden durch Einatmen des feinen Solenebels Linderung. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Gebietsbeschreibung Das LSG umfaßt das Saaletal zwischen Weißenfels und der Nordgrenze des Landkreises Bernburg. Nördlich Weißenfels schließt es das rechtssaalisch gelegene Rippachtal bis nach Hohenmölsen ein. Die Elster-Luppe-Aue bis zum ehemaligen Braunkohlentagebau Merseburg-Ost ist ebenfalls Teil des LSG. Dieses greift vor allem zwischen Halle-Lettin und Bernburg auf die Saalehänge und stellenweise weit auf die angrenzenden Hochflächen über. Das LSG repräsentiert die Landschaftseinheiten Halle-Naumburger Saaletal und Unteres Saaletal und hat nennenswerte Anteile an den Landschaftseinheiten Querfurter Platte, Tagebauregion Merseburg-Ost, Hallesches Ackerland und Östliches Harzvorland. In Weißfels passiert die Saale die weißen Sandstein-Felsen am Fuße des Schlosses Neu-Augustusburg und tritt dann in die Burgwerben-Wengelsdorfer Aue ein. Diese Aue ist durch Terrassenweinbau an den steilen Hängen des Herzogberges bei Burgwerben, das bei Dehlitz in die Saaleaue mündende Rippachtal, Streuobstbestände zwischen Groß- und Kleinkorbetha, einen Saalealtarm bei Goddula sowie dörflich strukturierte Orte charakterisiert. Innerhalb der Überschwemmungsaue dominiert die Grünlandnutzung. Das Rippachtal ist in seinem unteren Bereich etwa bis Poserna tief in die umgebende Landschaft eingeschnitten, um anschließend in eine weite flache Niederung überzugehen. Die Talsohle ist grundwassernah und weist zahlreiche Vernässungsflächen auf, das sind Hangquellen, Schilfflächen, Naß- und Feuchtwiesen. Nördlich der Ortslage Poserna befand sich eine Salzquelle, die aber in den letzten Jahren versiegt ist. Die Rippach wird von Erlen, Weiden, Eschen, Pappeln und einer dichten Strauchschicht gesäumt. Die Hänge sind zum Teil mit frischem Eschen-Ulmen-Holunderwald sowie mit Streuobstwiesen bestanden. Mager- und Halbtrockenrasen sind am Weinberg, am östlichen Rand der Schanzen im Bereich der Ortschaft Dehlitz sowie an der Zörbicke (Unterwiesen) vorhanden. Die Talsohle wird vor allem als Weide genutzt. Nördlich von Wengelsdorf weitet sich das Saaletal auf. Während die äußeren Teile der Aue ackerbaulich genutzt werden, bestimmen Wiesen und Weiden den Überschwemmungsbereich. Streuobstbestände und Gehölze, Altwasserreste und Gräben gliedern die Landschaft. Bei Bad Dürrenberg bildet der Buntsandstein einen markanten Talhang. Dessen Gehölzbestand geht auf dem Plateau in die Anlage des Kurparkes über. Gradierwerk und Borlachturm bilden weithin sichtbare Zeugen der historischen Salzproduktion in Bad Dürrenberg. Auch im Raum Merseburg überragt der im mittleren Buntsandstein ausgebildete westliche Talhang die grünlandbestimmte Aue. Nördlich von Kreypau ist ein Mittelstück des ehemals geplanten Elster-Saale-Kanals erhalten. Die Saale-Elster-Aue südlich von Halle unterliegt noch weitgehend der natürlichen Wasserstandsdynamik mit regelmäßigen Frühjahrs- und selteneren Herbst-/Winter-hochwassern. Dabei treten beträchtliche Rückstaueffekte im Bereich der einmündenden Nebengewässer Weiße Elster, Luppe und Gerwische auf. Die Hartholzauenwälder des Burgholzes und des Collenbeyer Holzes sowie des Hohendorfer und des Kreypauer Holzes stellen die südlichsten Auenwaldvorkommen dieses Typs in Mitteldeutschland dar. An Stelle der potentiell natürlichen Auenwälder sind weitgehend stabile Ersatzgesellschaften getreten, die in ihrer großen Differenziertheit wesentlich zum Struktur- und Artenreichtum beitragen, zum Beispiel das Schilfgebiet Döllnitz, Gebüsche, alte Tonstiche und Grünland. Die weitgespannte Hallesche Saaleniederung wird auch durch artenarme Grünlandflächen bestimmt, die vorwiegend als Standweide genutzt werden. Zum Teil wurden die Auenflächen melioriert und unterliegen einer intensiven Ackernutzung. Neben Feuchtbiotopen im Bereich ehemaliger Saalearme stellen die Auenwaldreste der Abtei, bei Benkendorf, der Rabeninsel und der Peißnitzinsel die wesentlichen Restbestände naturnaher Vegetation dar. In ehemaligen Lehm- und Tongruben haben sich wertvolle Feuchtbiotope mit Bedeutung als Lebensraum für Amphibien entwickelt. Entwässerungsgräben stellen wichtige Refugialstandorte für ehemals weit verbreitete Arten der Auenwiesen dar. Der Naturraum gehört zum Überschwemmungsgebiet der Saale und besitzt wichtige Retentionsflächen südlich des Stadtgebietes von Halle. Die Siedlungen liegen zum größten Teil außerhalb des Einflußbereiches der Überschwemmungen auf höhergelegenen Saaleterrassen. Deiche sind lediglich im südlichen Teil bei Hohenweiden vorhanden. Der Mühlgraben zwischen Hohenweiden und Holleben stellt ebenso wie die noch erhaltenen Mühlengehöfte ein Relikt historischer Nutzung dar. Die Siedlungen weisen in ihren Kernen noch typisch dörfliche Bausubstanz und historische Ortsgrundrisse auf. Die Randbereiche werden durch Einzelhaussiedlungen unterschiedlicher Perioden und durch Gewerbegebiete geprägt. Die Siedlungsränder haben zur Aue hin gut ausgebildete Randstrukturen. Die Saale zeigt in ihrem südlichen Abschnitt noch eine natürliche Dynamik mit Seitenerosion im Prallhang- und Akkumulation im Gleithangbereich. Zwischen Planena und Röpzig wurden Mäander durchstochen und Begradigungen vorgenommen. Der abgetrennte Mäander wird nur während Hochwasserperioden von der Stromsaale durchflossen. Im südlichen Abschnitt der Aue werden alte Ausschachtungen, die 1930 zur Anlage des geplanten Elster-Saale-Kanals vorgenommen wurden, als Regattastrecke sowie als Badegelegenheit genutzt. Die Saalehänge im Bereich des anstehenden Porphyrs stellen ein landschaftlich reizvolles Gebiet dar. Das stark gegliederte Relief umfaßt Steilhangbereiche und felsige Abschnitte, die zum Teil durch Steinbruchtätigkeit entstanden sind, sowie eine kleinkuppige Hügellandschaft mit markanten Tälchen, die durch einen kleinräumigen Nutzungswechsel und einen hohen Anteil extensiver Nutzungsformen wie Triften mit Halbtrockenrasen, Gehölze, Ödland mit Staudenfluren, Sukzessionsflächen und Brachen gekennzeichnet sind. Neben dem Abbau von Porphyr zwischen Trotha und Brachwitz sowie im Raum Wettin haben in der Vergangenheit der Tiefbau von Steinkohle sowie der Kupferschieferabbau in Form von Kleinhalden nördlich von Wettin ihre Spuren hinterlassen. Die Siedlungen weisen eine historische, teilweise überregional bedeutsame Bausubstanz auf. Roter Porphyr als Baumaterial ist charakteristisch. Markante Bauten, wie die Burg Wettin, sind aufgrund intensiver Sichtbeziehungen, ausgehend vom Saaletal, landschaftsbildprägend. Die steilen westsaalischen Hangkomplexe und Hügelgruppen zwischen Pfützthal und Rumpin werden durch zahlreiche Nebentälchen gegliedert. Hierdurch entsteht ein landschaftlich sehr abwechslungsreiches Bild, das eine große Bedeutung für den Natur- und Landschaftsschutz und die naturverbundene Naherholung besitzt. Die Oberhangbereiche und Sporne werden ackerbaulich genutzt und weisen eine erhöhte Erosionsdisposition auf. Die Biotopausstattung wird durch ein kleinräumiges Mosaik vorrangig extensiver Nutzungsformen und ungenutzter Flächen bestimmt. Einen hohen Flächenanteil weisen Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen auf, die jedoch durch fehlende Nutzung eine starke Degradation erfahren haben. Naturnahe Waldzellen befinden sich im Kloschwitzgrund und im Zörnitztal. In den Nebentälern sind mehrere Quellen und kleine Fließgewässer mit naturnahem Lauf, aber noch mangelhafter Wasserqualität, vorhanden. Der historische Bergbau hat auch in diesem Bereich seine Spuren hinterlassen, so durch den Abbau von Ton südlich Zaschwitz. Bei Johannashall wurde Kalitiefbau betrieben, wovon eine markante Halde zeugt. Die Wettiner Saaleniederung folgt einem durch die geologische Situation vorgezeichneten Schwächebereich zwischen der Buntsandsteinplatte im Westen und dem Halleschen Porphyrkomplex im Osten. Zwischen Rumpin und Rothenburg ist ein enges Durchbruchstal durch den Sandstein ausgebildet worden. Die Saaleaue stellt eine großflächig intensiv landwirtschaftlich genutzte, strukturarme Landschaft dar. Lediglich im Abschnitt südlich Wettin nimmt die Strukturdiversität zu. Wichtige ökologische Ausstattungselemente sind alte Saalearme und Abbauhohlformen, die als Feuchtbiotope Bedeutung besitzen. Artenreiche Frisch- oder Feuchtwiesen sind nur rudimentär vorhanden. Gehölze bestehen in der Regel aus Pappelanpflanzungen, stellen aber ein wichtiges Strukturelement dar, das faunistische Bedeutung erlangt, so für die Saatkrähenkolonie bei Wettin. Im Döblitzer Busch und bei Salzmünde sind Reste einer naturnahen Auenwaldvegetation vorhanden. Das Landschaftsbild wird neben dem ebenen Talboden und der Saale maßgeblich durch die angrenzenden Saalehänge bestimmt. Das Tal des Saaledurchsbruchs bei Rothenburg ist der landschaftlich reizvollste Abschnitt dieses Teiles des LSG. Unterschiedliche Gesteine bedingen den kleinräumigen Wechsel von Felspartien, Geröllfeldern und flacheren Hängen. Auf diesen extremen Standorten haben sich artenreiche Felsfluren, Trockenrasen und Gebüschgesellschaften entwickelt. Der Zickeritzer Busch ist ein naturnaher Hangrestwald. Die Trebnitzer Saaleaue ist von Altwassern, Altarmen, Auenwaldresten und den angrenzenden Saalehängen geprägt. Zwischen Friedeburg und Belleben reicht das LSG bis auf die Hochfläche. Es schließt einen durch kurze Kerbtälchen gegliederten Hangkomplex ein. Kleinhalden im Bereich von Strenznaundorf sind Zeugen des historischen Kupferschieferabbaus im Naundorfer Revier, einem isolierten, lokalen Abbaugebiet nördlich der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, das zu den Mansfeldischen Kupferschieferrevieren zählt. Die Kuhfurt westlich Beesenlaublingen und östlich von Beesedau und Kustrena stellt das Überbleibsel des Hauptarmes der Saale dar. Als Altarm ist sie seit 1247 bekannt, die Strenge bei Aderstedt seit 1419. Die Plötzkauer Saaleaue ist eine relativ breite Flußaue, teilweise bis zirka 3 km weit. Sie ist tischeben. Der Saaleverlauf unterlag zahlreichen natürlichen und anthropogen bedingten Wandlungen. Bereits 1422 wurde die Alte Saale bei Plötzkau urkundlich erwähnt. Im Ergebnis der jüngsten Saalebegradigungen von 1932-33 bei Plötzkau-Lesewitz und von 1958 bei Plötzkau-Zinkenbusch entstand eine Reihe von Altwassern. Die flächig umfangreichsten Reste des ursprünglichen Auenwaldes befinden sich östlich und nordöstlich von Plötzkau. Die Vielfalt des Landschaftsbildes nördlich von Plötzkau ist durch relativ kleinräumige Strukturen von Auenwaldbeständen, den Wechsel von Wiesen- und Ackerflächen und das Vorhandensein von linearen Vegetationsstrukturen wie zum Beispiel Waldrändern als sehr hoch einzustufen. Südlich Plötzkau, im Umfeld der Ortslagen Großwirschleben, Kustrena und Beesedau, prägen vereinzelte Baumreihen, Baumgruppen und verinselte Waldflächen das Landschaftsbild. Die Ackerflächen dominieren und lassen zum Teil die Saale optisch verschwinden. In der Bernburger Saaleaue verengt sich das Flußtal auf 500 bis 700 m Breite. Zwischen Gröna und Bernburg wird die Saale von Resten der ehemaligen Hartholzaue, Kleingärten und Sportflächen umsäumt. Sie weist durch die Saalehänge bei Aderstedt, Waldkanten und einen relativ kleinräumigen Wechsel verschiedener Biotopstrukturen ein vielgestaltiges Landschaftsbild auf. Die breite Flußniederung südlich der Stadt Nienburg wird von einigen Altwassern durchzogen. Nur wenige Reste der Auenvegetation gliedern die Landschaft. Große ausgeräumte Ackerschläge dominieren. Der Industrieraum Bernburg bestimmt die Silhouette in Richtung Süden. Landschaftsbildprägend sind weiterhin Werksbrücken vom Kalksteinbruch zur Sodafabrik. Die Saaleaue zwischen Nienburg und Wedlitz/Wispitz wird vom Auenwaldrest der „Sprohne“ sowie zwei Altarmen bei Nienburg und Wispitz geprägt. Kleinere Altwasser, aufgelassene Tonausstiche und ein nahezu zusammenhängendes Grünlandgebiet westlich der Ortschaften Wedlitz und Wispitz, in das kleinere Waldflächen eingelagert sind, strukturieren diesen Teil des LSG. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Funde an Geisel, Elster und Luppe lassen darauf schließen, daß auch das Saaletal zwischen Weißenfels und Halle während der Altsteinzeit vor mehr als 200 000 Jahren von Jäger- und Sammler-Gemeinschaften durchstreift wurde. Von Bedeutung ist ein 10 000 Jahre altes Grab der mittleren Steinzeit bei Bad Dürrenberg. Es diente der Bestattung eines Schamanen, der als Mittler zwischen Lebenden und Toten wie auch zwischen Menschen und Höheren Wesen für den Erfolg der Jagd, aber auch für das Wohlergehen der Gemeinschaft verantwortlich war. Als die ältesten Ackerbauern traten auch hier die Linienbandkeramiker in Erscheinung, die die Terrassenränder entlang der Saale besetzten und an den Bächen entlang auf die Hochflächen vordrangen. Eine Siedlung der Linienbandkeramikkultur befand sich südlich der Einmündung der Rippach in die Saale bei Lösau. Dort sind auch die 45 m langen Großhäuser dieser Kultur bezeugt, wobei sich hier im Fundgut wie im Hausbau Kontinuität bis in die Stichbandkeramik vollzieht. Die Trichterbecherkultur ist mit einer Befestigung bezeugt, und die Schnurkeramiker nutzten die Fundstätte als Bestattungsplatz. Der Schnurkeramikkultur gehört eine steinerne Grabkammer bei Göhlitzsch an, deren Seitenwände Darstellungen zeigen, darunter Waffen wie Bogen und Pfeile, die in einem Köcher stecken, und eine Axt. Namengebend für eine Kultur der frühen Jungsteinzeit wurde ein Gräberfeld bei Rössen, das neben Bestattungen dieser auch solche der Gaterslebener Kultur umfaßte, aber auch noch in jüngeren Perioden als Begräbnisplatz diente. Während der jüngeren Bronzezeit wurde die Terrassenkante der Saale von Grabhügeln gesäumt. Die Siedlungen befanden sich nicht selten in den heute hochwassergefährdeten Niederungen, was mit dem warmtrockenen Klima zu dieser Zeit erklärt werden kann. Eine Befestigung bestand während der jüngeren Bronzezeit auf der Altenburg von Merseburg. Die Bedeutung dieser Burg beleuchtet eine Vielzahl an Hortfunden, die nicht weit von der Altenburg bei Kötzschen (2), Kreypau-Trebnitz (2), Schkopau und Spergau zum Vorschein kamen. Während der Spätbronze- und Früheisenzeit bestand zudem bei Lösau eine Befestigung, zu der im Umfeld Grabanlagen, Altwege und Felderparzellen gehörten, die damit eine vielfältige Kulturlandschaft dieser Zeit belegen. Lausitzer, Thüringische und Jastorf-Kultur folgten von der jüngeren Bronze- bis in die Eisenzeit aufeinander. Im letzten Jahrhundert v.Chr. siedelten sich im Saaletal Germanen an, die bei Schkopau an der Stelle eines Suevenhoek genannten Grabhügels, dessen Name sich von dem elbegermanischen Stamm der Sueben ableitet, einen bedeutenden Bestattungsplatz errichteten. Die Gräber zeugen von Handelskontakten mit Italien, wobei die Importe über die süddeutschen Kelten nach Norden verhandelt wurden. Die Funde deuten darauf hin, daß die ortsansässige keltisch beeinflußte Bevölkerung zusammen mit den germanischen Zuwanderern siedelte und in diesen aufging. Während der jüngeren römischen Kaiserzeit entwickelte sich Leuna zu einem politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt. Aus dieser Zeit stammt ein mit wertvollen Grabbeigaben ausgestattetes Grab, dessen Zusammensetzung die Vermutung aufkommen läßt, daß der Fürst als Führer einer Gefolgschaft im Dienst der Könige des Gallischen Sonderreiches kämpfte. Nach der Eingliederung der Thüringer in das Frankenreich 531 und infolge der Ansiedlung von Slawen auf der Ostseite der Saale wurde der Fluß Staatsgrenze. Diese wurde aber schon im 7. und 8. Jahrhundert von Slawen überschritten, die an den der Saale zufließenden Flüssen entlang nach Westen vordrangen. Sie verloren in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts dort ihre Autonomie, die Saale wurde als Grenze restauriert und mit Burgen befestigt, deren Kette von Halle über Merseburg bis nach Burgwerben reichte. Ein Glied in dieser Kette bildete die Suuemeburg, die über Luftbilder bei Wengelsdorf entdeckt wurde. Auf der Gegenseite wurden von den Slawen Burgen bei Meuschau, Bad Dürrenberg, Lösau und Weißenfels errichtet. Nach Übernahme der Burg von Lösau durch die Deutschen wurde im Zuge des Ausbaus zum Burgward Treben innerhalb der Umwallung eine Kirche errichtet, zu der ein slawischer Friedhof gehörte, auf dem Grabsteine zum Vorschein kamen. Unter Heinrich I. begann dann in größerem Umfang die Eroberung der slawisch besiedelten Gebiete östlich der Saale. In Merseburg errichtete er eine Königspfalz (919). Durch Organisation einer Verfassung, die sich an die slawische Landesgliederung anlehnt, werden die eroberten Gebiete über Jahrhunderte hinaus wirksam gesichert. Dazu trug auch die 968 erfolgte Gründung der Bistümer Merseburg, Meißen und Zeitz bei. Ob sich zu diesem Zeitpunkt schon eine Burganlage auf dem weißen Sandsteinfelsen befand, der heute das Weißenfelser Schloß trägt, ist nicht erwiesen. Es wird jedoch eine aus Holz gebaute, ursprünglich auf einer slawischen Gründung beruhende Burganlage an dieser Stelle angenommen. Gegenüber der Besiedlung des Saaletales von Saaleck bis Halle ist jene des Abschnitts von Halle bis Bernburg weniger dicht und kontinuierlich. Dennoch zeichnet sich an einigen Stellen für gewisse Perioden eine umfangreiche Siedeltätigkeit ab. Hierzu zählen für die Jungsteinzeit die Umgebung von Bernburg und für die Bronzezeit das linke Hochufer der Saale zwischen Salzmünde und Kloschwitz sowie das Gebiet östlich von Beesedau. An beiden Ufern wurden zu allen Zeiten Befestigungen errichtet, die, wo möglich, die Ränder und Erosionsrinnen in ihr Verteidigungssystem mit eingebunden haben. Die Kette umfaßt 34 nachgewiesene vorgeschichtliche Befestigungen, wobei jede der an die Saale grenzenden Gemarkungen mindestens ein Erdwerk erbracht hat. Nicht minder häufig waren die Hochterrassen mit Grabhügeln besetzt, die bereits während der Jungsteinzeit (Baalberger, Bernburger, Schnurkeramikkultur) errichtet und auch von den bronze- und eisenzeitlichen Kulturen als Bestattungsplatz genutzt wurden und sich noch auf den landwirtschaftlich nicht oder kaum genutzten Kuppen erhalten haben. Die ältesten Spuren gehen in die Altsteinzeit zurück, als sich vor 250 000 Jahren Gruppen von Jägern und Sammlern an der Saale aufhielten und, wie etwa bei Besedau, Mammuten und Edelhirschen auflauerten. Die ältesten Ackerbauern der Bandkeramik lassen sich an der unteren Saale weniger häufig nachweisen als an der mittleren. Bei Aderstedt hatten sie an der Wipper nahe der Mündung in die Saale eine befestigte Siedlung errichtet. Der Trichterbecherkultur ist eine Befestigung mit Grabanlage bei Gnölbzig zuzuweisen. Östlich von Bernburg läßt sich für die Trichterbecherkultur eine regelrechte Steinzeitlandschaft rekonstruieren, die sich bis Köthen im Osten und Baalberge im Süden ausdehnte und an der das LSG mit den Orten Grimschleben und Latdorf Anteil hat. Die drei Grabhügel Heringsberg, Bierberg (Grimschleben) und Steinerne Hütte (Latdorf) stellen mit jenen aus Schortewitz die südlichsten erhaltenen Großsteingräber Deutschlands dar, mit denen die Ackerbauern der Bernburger Kultur ihren verstorbenen Sippenmitgliedern steinerne Mausoleen errichtet haben. Weitere Großsteingräber befanden sich einst bei Roschwitz und Gröna. Zwei Grabhügel bei Latdorf sowie ein weiterer bei Gröna waren mit Menhiren bekrönt, die der Ahnenverehrung und Fruchtbarkeitskulten dienten. Die Bevölkerung lebte in befestigten Siedlungen bei Gröna, Bernburg, Poley, Altenburg und vermutlich auch bei Grimschleben. Von der Bernburger Kultur wurde nördlich von Halle bei Morl am rechten Ufer der Saale eine Befestigung errichtet, aus deren unmittelbarem Umfeld ebenfalls Grabhügel und Stelen bekannt sind. Die Befestigung lag an einer alten Handelsstraße, der Salzstraße, die von Trotha nach Wettin zog und dabei an Gimritz vorbeiführte, wo einer der seltenen Steingerätehortfunde der frühen Jungsteinzeit festgestellt wurde. Die Beutung der jungsteinzeitlichen Befestigung von Salzmünde, die der mittleren Stufe der Trichterbecherkultur den Namen gab, könnte in kultischen und rituellen Praktiken zu suchen sein, da innerhalb der 25 ha umfassenden Umwehrung, aber auch in den Gräben selbst, häufig Bestattungen vorgenommen wurden. Während der Bronzezeit entfaltete das zuvor kaum besiedelte Gebiet nördlich von Salzmünde bis in die Höhe von Kloschwitz eine Blüte. Hier entstand eine Kulturlandschaft mit befestigten Siedlungen und Grabhügelfeldern, die in ein Netz von Wegen und Feldern eingebunden waren. Den Siedlungsfunden nach wurden Spelz, Einkorn, Emmer, Rispenhirse, Pferdebohne, Lein und allen voran Gerste angebaut. Die wirtschaftliche Bedeutung des Raumes belegen Bronzehorte von Fienstedt und Beesenstedt. Die Gegend gehörte während der Bronzezeit zur Helmsdorfer Gruppe. Eine weitere Siedlungskammer befand sich bei Beesedau. Bronzezeitliche Befestigungen lagen zudem bei Alsleben und bei Grimschleben, wo Bronzehortfunde zum Vorschein kamen, die die Befestigungen zum Zentralort erheben. Grimschleben gehörte damals zur Saalemündungsgruppe. Im Umfeld der bronzezeitlichen befestigten Siedlungen fanden sich auch jene der Eisenzeit. Auf die früheisenzeitliche Hausurnenkultur folgte in der jüngeren Eisenzeit die Jastorf-Kultur. Am Ende des 2. Jahrhunderts v.Chr. traten dann ostgermanische Siedler auf. Insgesamt läßt sich die Besiedlung aber nur punktuell fassen. Während der römischen Kaiserzeit siedelten an der Saale Elbegermanen (Hermunduren). Im 5. und frühen 6. Jahrhundert gehörte das Gebiet an der mittleren und unteren Saale zum Königreich der Thüringer, das 531 von den Franken zerschlagen wurde. Die Saale bildete die Ostgrenze des Reiches, die es zunächst (561, 566/67) gegen die Awaren, später gegen die Slawen, die sich im 7. Jahrhundert östlich der Saale ansiedelten, zu verteidigen galt. Diese hatten bei Grimschleben im Gau Serimunt, bei Rothenburg, Wettin und Brachwitz im Gau Nudzici mächtige Burganlagen errichtet. Auf dem gegenüberliegenden Ufer befand sich bei Waldau eine Befestigung, die seit 806 den Ausgangspunkt mehrerer Kriegszüge bildete. Weitere fränkische Burgen befanden sich in Aderstedt, Plötzkau, Alsleben, Friedeburg, Kloschwitz, Salzmünde und Lettin. Als in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Gebiete östlich der Saale dem Reich eingegliedert wurden, entstanden an der Stelle der slawischen deutsche Burgen. Im Zentrum des LSG liegt die Stadt Halle, deren Territorium aufgrund seiner siedlungs- und verkehrsgünstigen Lage, aber vor allem wegen der rechts der Saale zwischen Hallmarkt und Wittekindtal zutage tretenden Solquellen, zu allen Zeiten dicht besiedelt war. Darin liegt der Grund dafür, daß sich auf engem Raum unterschiedliche Kulturen niedergelassen haben. Bereits seit dem Beginn der Jungsteinzeit war das rechte Ufer der Saale in allen Ortsteilen kontinuierlich besiedelt. Nach Ausweis von Briquetagen aus der befestigten Höhensiedlung in der Dölauer Heide wurde seit der Trichterbecherkultur aus Sole Salz gewonnen, auch wenn sich im Gebiet der Stadt Halle die Salzsiederei erst seit der frühen Bronzezeit nachweisen läßt. Die ältesten Spuren des Menschen gehen bis in die mittlere und jüngere Altsteinzeit zurück und stammen aus Kröllwitz und vom Galgenberg. Von den Höhen aus konnte der altsteinzeitliche Jäger das sich in den Saaleauen einfindende Wild beobachten. Besonders im nördlichen Bereich Halles, wo die Porphyrrücken und -kegel dicht an die Saale herantreten, war die Besiedlung dicht und riß nie ab. Dies trifft besonders für die Spätbronze- und Früheisenzeit zu, wo in diesem Gebiet zahlreiche Siedlungen lagen, deren Bewohner die Sole zu Salz gesotten haben. Der auf den Handel mit Salz gegründete Wohlstand erhielt während der frühen Eisenzeit seinen sichtbaren Ausdruck in reich ausgestatteten Frauengräbern, die sich der Thüringischen Kultur zuordnen lassen. Auch der Anteil bemerkenswerter keltischer Schmuckstücke des 5. und 4.Jahrhunderts v.Chr. hängt in erster Linie mit der Bedeutung Halles als Marktort zusammen, da Halle zu dieser Zeit im Einflußbereich der germanischen Jastorf-Kultur liegt. Die Quellen nennen im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 806 auch den Ortsnamen Halle. Die Grenzfeste lag ”... in orientalem partem Sala, ad locum, qui vocatur Halla”, am östlichen Ufer der Saale, bei dem Ort, welcher Halle heißt. Zweifellos diente das befestigte Kastell als Stützpunkt in den Kämpfen des fränkischen Heeres gegen die Slawen und schützte zugleich die überaus wichtigen Solequellen in diesem Siedlungsbereich. Unter Heinrich I. wurde die Burg Giebichenstein erbaut. Die Reichsburg erlangte eine Vorrangstellung im großräumigen Siedlungsgebiet längs der Saale, bezog auch die südliche Siedlung „Halla“ in ihren Gemeinbereich ein, so daß das Verschwinden des Namens Halle in den Quellen jener Epoche verständlich erscheint und Giebichenstein an dessen Stelle tritt. Die Mark Giebichenstein mit ihrer Burg und Siedlung sowie das eigentliche Halle mit seiner Salzbereitungsstätte, südlich davon gelegen, sind jedenfalls als ein Ganzes zu betrachten, als im Jahre 961 ein für die mittelalterliche Geschichte Halles folgenreiches Ereignis eintrat. Am 29. Juli vollzog König Otto I. zu Ohrdruf eine Urkunde, in der er dem Kloster St. Moritz in Magdeburg „den ganzen Gau Neletice mit allen seinen Nutzungen, den Burgort Giebichenstein mit seinen Salzquellen sowie andere Burgorte mit allen ihrem Zubehör, salzigen und süßen Gewässern, bebauten und nichtbebauten Fluren, deutschen und slawischen Hörigen...” übereignete. Ziel dieser Schenkung war, den deutschen Feudalstaat an seiner Ostgrenze weiter auszubauen und die Christianisierung im Saale-Elbe-Raum durchzusetzen. Das Jahr 961 gilt als erste urkundliche Erwähnung und damit Gründung Halles. Gegen viel Widerstand erreichte Otto I. schließlich im Jahre 968 die Anerkennung seines Planes, ein Erzbistum mit dem Sitz in Magdeburg zu gründen, dem nun die reichen Schenkungen zugute kamen. Zur Zeit der deutschen Ostexpansion gegen die Elbeslawen (10.-13. Jahrhundert) lag ebenso das Saalegebiet um Bernburg an der Nahtstelle zwischen Altsiedelland und den eroberten und kolonisierten Gebieten. Im Jahre 975 wurde der Missionsstützpunkt aus dem Harz nach Nienburg vorverlegt; damit wurde das Gebiet zu einer strategischen Aufmarschbasis für die Eroberung und Besetzung des Sorbenlandes. Im 10. und 11. Jahrhundert gehörte das Bernburger Saalegebiet zu folgenden Gauen: Westsaalisch reichte der nördlich der Bode gelegene Nordthüringgau mit Nienburg herein, ihm schloß sich südwärts bis zur Schlenze bei Friedeburg der Schwabengau an. Östlich schlossen sich an die Saale die Gaue Serimunt nördlich und Nudzizi südlich der Fuhne an. Mitte des 10. Jahrhunderts wurden zahlreiche Burgwarde errichtet, von denen aus das Land militärisch kontrolliert und tributpflichtig gemacht wurde. Südlich Bernburgs hatten sich die Grafschaften Alsleben (bis 1126) und Plötzkau (bis 1147) gebildet. Bernburg selbst war seit dem 10. Jahrhundert Sitz der Markgrafen Gero und Christian. Die Burg Bernburg, 961 erstmalig urkundlich erwähnt, gehörte einem sich zwischen Magdeburg und Halle erstreckenden fränkischen Verteidigungssystem an. Trebnitz, Laublingen und Rothenburg waren benachbarte Burgen im 10. Jahrhundert. Im Laufe der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verschoben sich im heutigen Halle die wirtschaftlichen Funktionen. Das Markt-, Münz-, Zoll- und Bannprivileg verlagerte sich von Giebichenstein nach dem Ort, der bei der Saline aufzublühen begann. Die Ursache dafür, daß sich Halle zur Stadtgemeinde entwickelte, waren die Solequellen, deren mächtige Ergiebigkeit das Entstehen eines mittelalterlichen Großbetriebes begünstigte. Hier ließen sich gleichfalls die wichtigsten Beamten der Magdeburger Erzbischöfe nieder wie der Burggraf, der Salzgraf, gleichzeitig Münzmeister, sowie der Schultheiß und übten ihre Funktionen als Vertreter des geistlichen Oberhirten aus. Der bedeutende Burggraf Wiprecht von Groitzsch († 1124) setzte im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts schließlich den Plan einer großartigen Stadterweiterung durch. Mit Hilfe der halleschen Bürgerschaft entstand zum Schutze der Stadt ein Mauerring, der den Siedlungsraum Halles um das fünffache vergrößerte und dessen städtebaulicher Mittelpunkt der neue große Marktplatz wurde. An den besonders gefährdeten Stellen erhielt er einen dreifachen Mauerring und besaß annähernd 40 Wehrtürme und Schalen (Mauern). Schon 1128 berichten die Chroniken vom lebhaften Handel und beträchtlichen Warenumschlag auf dem Markt in Halle. Eine weitere ökonomische Stärkung erreichten die halleschen Bürger schließlich durch Belehnung mit Soleausläufen und Siedehütten der Saline, die bis dahin ein ausschließlich zentral vom erzbischöflichen Grundherren betriebenes Werk waren. Um 1185 begannen die Menschen, Weißenfels als städtische Siedlung unterhalb der namengebenden Burg beziehungsweise befestigten Höhensiedlung planmäßig anzulegen. Im Schutz der Burg, am Flußübergang der Ober- beziehungsweise Osterländischen Salzstraße von Halle über Großkayna, Zeitz nach Böhmen hatte die junge städtische Siedlung günstige Standortbedingungen. Bernburg schließlich wurde als Siedlung urkundlich erstmalig 1130 erwähnt und wuchs wie die anderen beiden großen Städte aus mehreren Siedlungskernen zusammen. Das Stadtrecht erhielt der Ort 1278. Mit dem inneren Landausbau im 12. und 13. Jahrhundert setzte ein neuer siedlungsgeschichtlicher Abschnitt ein. Zahlreiche Dörfer wurden gegründet, Brachland kultiviert, weiterer Wald gerodet und hochwassergefährdete sowie sumpfige Niederungsbereiche für die landwirtschaftliche Nutzung urbar gemacht. Im 14. und 15. Jahrhundert trat ein umfangreicher Wüstungsprozeß ein, unter anderem infolge von Wassermangel und Bränden, mit dem Stagnationserscheinungen in der Landwirtschaft einhergingen. Etwa um 1500 war der Höhepunkt des Weinbaus. Fast jedes Dorf hatte seine Weinberge. Weißenfels zum Beispiel war damals mit einem Kranz von Rebenhügeln umgeben; es gab 66 Weinberge auf einer Fläche von insgesamt 100 bis 150 Hektar. In Halle wurde im Mai 1484 am nordwestlichen Rand der Stadt der Grundstein für die Zwingfeste St. Moritz als Residenz der Erzbischöfe gelegt. Nach genau 19 Jahren Bauzeit konnten im Frühjahr 1503 die ersten Räume bezogen werden. Von hier aus beherrschte Erzbischof Ernst unnachsichtig die Stadt bis 1513. Die Stadt Weißenfels war von 1548-1553 sächsischer Fürstensitz und von 1680-1746 Residenz des Herzogtums Sachsen-Weißenfels. Aus dieser Zeit stammt auch die frühbarocke Dreiflügelanlage des Weißenfelser Schlosses Neu-Augustusburg. Die Stadt Weißenfels hatte 1648 etwa 1 300 Einwohner und 194 steuerpflichtige Häuser. Bis in das 18./19. Jahrhundert hinein zählten neben dem hauptsächlich betriebenen Ackerbau auf den fruchtbaren Lößstandorten der Obstbau, die Viehzucht sowie stellenweise die Saalefischerei und das Mühlengewerbe zu den Erwerbsquellen der Bevölkerung. Die Entwicklung der Landwirtschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts und insbesondere der Übergang zur industriemäßigen Produktion ab 1960 bewirkten die wohl einschneidendsten Veränderungen für die Tier- und Pflanzenwelt seit dem Mittelalter. Der verstärkte Einsatz von Stickstoff-, Kali- und Phosphordüngern in der Landwirtschaft wandelte die artenreichen und teilweise buntblühenden Kohldistel-Glatthafer-Wiesen des Saaletales in artenarmes, vorwiegend aus Deutschem Weidelgras bestehendes Weidegrünland um. Durch die bevorzugte landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Auenstandorte wurden selbst in den Überschwemmungsbereichen die seit Jahrhunderten bestehenden Auenwälder auf wenige Restbestände zurückgedrängt. Wie eine Untersuchung für das Stadtgebiet Halle zeigte, unterlagen auch die heute als naturnah eingestuften Hartholzauenwälder einer nicht unbeträchtlichen Nutzung. So trug die Nordspitze der Peißnitzinsel um 1725 einen flächenmäßig kleineren Auenwald als heute. Seine Struktur schien gegenüber anderen Auenwäldern aufgelockerter zu sein. Der Sandanger trug in seinem westlichen Teil entlang des heute aufgefüllten Saalearms ebenfalls einen Auenwaldsaum. Auch der Ratswerder, eine große Fläche südlich des Gutes Passendorf, sowie weite Bereiche südlich der Pulverweiden waren auch von zum Teil naturnahen Auenwaldkomplexen bestockt. Auf der Grundlage dieser sicheren Nachweise bleibt zu vermuten, daß auch die anderen heute noch waldbedeckten Werder und Inseln waldbestanden waren. Gut 125 Jahre später waren einschneidende Veränderungen sichtbar. Großflächig sind Auenwälder noch in der Elster-Saale-Aue anzutreffen. Der zusammenhängende Auenwald war also schon im Jahr 1851 nicht mehr vorhanden. Dafür waren eine ganze Reihe von kleinflächigen und nur wenige größere Auenwaldflächen in der Saale- und Elster-Saale-Aue vorhanden. Unter diesen "Resten" befinden sich alle heute noch existierenden Waldflächen. Das Alter der Stiel-Eichen liegt zwischen 150 und 300, teilweise sogar 400 Jahren. Damit sind die meisten alten Stiel-Eichen vor dem ersten Zeitschnitt (um 1725) schon in den heutigen Auenwäldern vorhanden gewesen. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Im Süden hat sich das Saaletal in die Mersebuger Buntsandsteinpatte eingetieft. Nördlich Weißenfels treten die Talhänge bereits weit auseinander. Die Höhenunterschiede zwischen Talaue und umgebender Hochfläche haben sich auf 20-30 m vermindert. Bedingt durch das geringe Talgefälle mäandrierte die Saale bis zu ihrer Laufbettbefestigung frei in der Aue. Unterhalb der Unstrutmündung setzt auch der Talabschnitt mit starken Hochwasserereignissen ein, und die schluffigen Hochwassersedimente bedecken bis zu einer Mächtigkeit von zwei Metern die Aue. Die Talauenlandschaft von Bad Dürrenberg zeichnet sich durch die weit zurücktretenden und abgeflachten Talhänge aus. Mehr und mehr geht die Aue unmerklich in die durch elster- und saalekaltzeitliche Grundmoränen und von Lößablagerungen bedeckten Hochflächen der Umgebung über. Die Buntsandsteinformation gelangt, abgesehen von lokalen Durchragungen bei Bad Dürrenberg und Merseburg, erst wieder im Süden der Stadt Halle in Oberflächennähe. In dieser, auch durch Zechsteinsalzablaugung abgesenkten Niederung münden in einem breiten Trichter die Luppe und die Weiße Elster in die Saale. In der Stadt Halle tritt das Saaletal in den Bereich der paläozoischen Gesteine und der Gesteine des Übergangsstockwerks ein. Es sind die Reste des alten variszischen Gebirges, die hier als Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke an die Oberfläche gelangen. In diesem Bereich hat sich die Saale tief eingeschnitten und folgt im wesentlichen vorhandenen, tektonisch vorgezeichneten Linien. Die Eintiefung des heutigen Saalelaufs ist das Ergebnis relativ junger Prozesse. Die Vorläufer der Saale nahmen für ihren Lauf von Süden her vor der Elsterkaltzeit einen weiter westlich gelegenen Weg über Weißenfels in Richtung Dessau. Dieser wurde dann aber vom elsterkaltzeitlichen Inlandeisvorstoß verlegt, so daß sich die Saale einen neuen Lauf suchen mußte, der über Ammendorf und Büschdorf östlich der Stadt Halle nach Norden führte. Mit dem saalekaltzeitlichen Eisvorstoß wurde dem Fluß der Weg wiederum versperrt. So tiefte er sich nun gemeinsam mit den Schmelzwassern des Gletschers in den Porphyrriegel bei Halle ein und floß dann im Bett der Salzke weiter. Im Gebiet des Porphyrriegels ist die Flußbreite auf nur 80-100 m verengt. Das Saaletal gestattet vorzügliche Einblicke in die Zusammensetzung und Lagerung von Gesteinen aus den letzten 300 Millionen Jahren der Erdgeschichte. Die ältesten aufgeschlossenen Gesteine entstanden im Karbon aus dem Schutt des zerfallenden variszischen Gebirges. Damals lag unser Gebiet am Äquator, so daß zunächst die chemische Verwitterung überwog. In die roten Tone sind Bänke aus chemisch stabilen Quarzit- und Kieselschiefergeröllen eingelagert, die von der nordwestlich gelegenen Oberharzschwelle stammen und fossile kalkige Bodenbildungen mit Wurzelresten, sogenannten Kalkknauern, überlagern. Diese Art Aufschlüsse finden sich unter anderem östlich der Fähre Brucke-Rothenburg. Von Süden kamen dagegen verwilderte Ströme mit zerfallenem Granit- und Gneisgrus, aus dem sich die Kaolin- und Glimmersandsteine bildeten, die in großen Mächtigkeiten das Saaletal zwischen Dobis beziehungsweise Friedeburg im Süden und der Georgsburg bei Könnern bzw. Nelben im Norden begleiten und schwarzes Kieselholz enthalten. Zum Ende des Karbon entstanden Steinkohlen, die vor allem bei Wettin abgebaut wurden, aber auch an den Saalehängen bis zu Reichardts Garten in Halle zu Bergbauversuchen geführt haben, auf deren Haldenmaterial Abdrücke von Farnen und Schachtelhalmen gefunden werden. Im Unterrotliegenden entstanden die Gesteine, die heute das rechte Saaleufer zwischen Dobis und Halle begleiten und im Stadtgebiet von Halle auch auf das linke Ufer übergreifen. Das Basiskonglomerat steht auf Wegen zwischen der Saale und dem Wettiner Schachtberg gelegentlich an, Tuffe finden sich auf den Äckern westlich der Straße Wettin-Neutz. Der Untere (großkristalline) Halle-Porphyr aus dem Stadtgebiet von Halle und in den „Brachwitzer Alpen“ besitzt große hellrote Orthoklas-Einsprenglinge, neben denen die Einsprenglinge von Plagioklas und Quarz zurücktreten; die Grundmasse zwischen den Einsprenglingen ist mikrogranitisch. Der Obere (kleinkristalline) Porphyr hat kleinere Einsprenglinge und die Grundmasse ist feinkörniger. Er wird im Stadtgebiet von Halle an den Klausbergen und an den Kröllwitzer Felsen von der Saale durchschnitten. Er reicht rechtssaalisch von Döblitz bis zum Schweizerling nördlich von Wettin. Im Oberrotliegenden verursachte der nördliche Wüstengürtel eine starke physikalische Verwitterung. Vor allem die Halleschen Porphyre wurden abgetragen und die Konglomerate bilden heute die Felsen der Sieben-Brüder-Höhle, des Rive-Ufers und des Giebichensteins sowie kleinere Aufschlüsse zwischen Brachwitz und Dobis sowie bei Könnern. Im Zechstein erreichte das Meer die Saale. In den schwarzen Tonen eines stehenden Gewässers wurden die Schwermetalle wie Kupfer durch Schwefelwasserstoff ausgeschieden. Auf dem Haldenmaterial der Kupferschiefer-Versuchsschächte zwischen Wettin und Dobis finden sich Fischabdrücke. Die den Kupferschiefer umgebenden Schichten sind besonders gut an der Pögritzmühle Wettin, an der „Weißen Wand“ in Dobis und an der Georgsburg bei Könnern aufgeschlossen. Jüngere Gesteine des Zechsteins sind vor allem Salze eines immer wieder austrocknenden Binnensees, die wegen ihrer Löslichkeit an der Erdoberfläche nicht vorkommen, jedoch zum Teil die heutigen Täler verursachten. Die Saale erreicht nördlich der Grenze der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke bei Gnölbzig-Könnern den wiederum vom Buntsandstein bestimmten Teil des nordöstlichen Harzvorlandes. Dieser Saaletalabschnitt gehört geologisch zur nordwestlichen Fortsetzung der Edderitzer Mulde. An ihrem Rand kommt der Zechstein mit seinen mächtigen Salzlagerstätten in Oberflächennähe. Die Ablaugung der Salze führte zur Absenkung der Oberfläche auch im Talbereich. Dadurch öffnet sich das steilhängige Tal zu einer sehr breiten Aue, die einem ehemals frei mäandrierenden Fluß Raum gab. Die Saale und auch die pleistozänen Schmelzwasser schufen das bis zu 5 Kilometer breite Kustrenaer Becken. Mit dem Heraustreten des Saalelaufes aus dem Gebiet der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke und der Talverbreiterung beginnt auch eine Gefälleverflachung. Vor dem Flußausbau in den 1930er Jahren war das Gefälle mit 0,27 % sehr gering. Mit dem starken, durch Seitenerosion bedingten Mäandrieren verlagerte der Fluß bei Hochwassern oft sprungartig seinen Lauf oder durchbrach den Hals der Flußschlinge. Vor dem 12. bzw. 13. Jahrhundert befanden sich zum Beispiel die Ortschaften Mukrena, Beesedau, Poplitz und Kustrena auf der westsaalischen Seite, denn sie gehörten zum Bistum Halberstadt. Durch die natürliche Laufverlegung blieben von dem früheren Saalelauf nur verlandende Altwasser übrig. Auch im engeren Saaletal des Buntsandsteingebiets von Gröna bis Bernburg sind in der westlichen Aue Altarme erhalten geblieben, beispielsweise Lösewitzer Schleife, Stränge bei Aderstedt, Bernburger Röße. In der Stadt Bernburg erreicht die Saale nördlich der Buntsandsteinbank des Schloßberges den Unteren Muschelkalk, dessen flache geologische Mulde sich bis Nienburg spannt. Unterhalb Nienburg beginnt für den Saalelauf die Calbesche Tertiärlandschaft. In weiten Bögen und Mäandern, begleitet von zahlreichen Altwassern, strömt die Saale ihrer Mündung in die Elbe zu. Verfolgt man die Lage der Altwasserarme, so ist zu erkennen, daß die Saale in früherer Zeit drei Kilometer weiter östlich geflossen sein muß. Von 1932 bis 1942 erfolgte der Ausbau der Saale zwischen Halle-Trotha und Calbe für 1000-Tonnen-Schiffe. Dazu wurden Laufbegradigungen durchgeführt und die Schleusen in Wettin, Rothenburg, Alsleben, Bernburg und Calbe vergrößert. Von Halle aus flußabwärts hat heute nur die Fahrgastschiffahrt für den Erholungs- und Ausflugsverkehr eine Bedeutung. Von Weißenfels nach Halle durchfließt die Saale das Weißenfelser Löß-Hügelland, wobei von Osten her das Hohenmölsener Löß-Plateau und von Westen das Lauchstädter Löß-Plateau an das Saaletal grenzen. Hier dominieren Böden aus Löß: Tschernoseme, Braunerde-Tschernoseme, Griserden und randlich Kolluvium. Von Halle bis Könnern durchfließt die Saale ein enges Durchsbruchtal im Wettin-Brachwitzer Hügelland mit der Bennstedt-Nietlebener Platte und den Löß-Plateaus von Polleben und Lettewitz. Den östlichen Talrand des Halleschen Vulkanit-Komplexes bilden die Porphyre, bedeckt von geringmächtigen Braunerden bis Rankern aus skelettführendem lehmigen Sand über Porphyr und permokarbonen Sandsteinen. Erst mit steigender Mächtigkeit von Löß und Geschiebemergel kommen wieder Tschernoseme aus Löß vor. Unterhalb von Könnern durchbricht die Saale die Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke. Dort, wo die Saale den Zechsteinausstrich überquert, soll sie im Jahre 1575 in einem Erdfall verschwunden und erst nach Stunden bei Alsleben wieder zu Tage getreten sein. Danach verbreitert sich das Tal auffällig, eine Folge der Salzauslaugung und der Einmündung eines von Osten kommenden Urstromtales. Zu beiden Seiten des Saaletals erstrecken sich die flachwelligen Bernburger und Ermslebener Löß-Hochflächen, Gebiete mit weiter Tschernosem-Verbreitung, die seit langem einen intensiven Ackerbau begründen. Als Bodentypen treten in der Saaleaue fast durchgehend Vegas, Gley-Vegas und Tschernitzen auf. Wichtigste Bodenformen sind Vegas aus Auenlehm und Auenschluff, Vega-Gleye aus dem gleichen Material und Tschernitzen. Alle diese Böden sind sehr ertragreich. Seit dem Mittelalter ist die Saale in einigen Abschnitten eingedeicht. In diesen Bereichen werden nur die Deichvorländer von Hochwassern erreicht. Dort lassen sich in Senken und Rinnen sehr junge, stark humose Ablagerungen in einer Mächtigkeit bis zu mehreren Dezimetern finden. Die Schichtfolge der Auensedimente in der Saaleaue ist fast gleichbleibend. Von oben nach unten gesehen findet man folgenden Aufbau: Die oberste, rezente Sedimentschicht ist der jüngste Auenlehm als sandig-lehmige Ablagerungen in Rinnen und Senken mit Humusgleyen als Bodenform. Die nächste Schicht, der mittlere Auenlehm, ist aus dem Mittelalter oder jünger (bis zur Eindeichung). Er kommt flächendeckend vor, die Bodenformen sind Vegas und Tschernitzen. Der ältere Auenlehm mit Bodenbildungshorizont und Stücken von verkohlten Holz datiert aus der Jungsteinzeit (Atlantikum) bis ins frühe Mittelalter. Die unterste Schicht bilden anmoorige Sand- und Tonmudden aus dem Spätpleistozän bis Holozän. Hier findet sich holozäne Sande und Schotter und Reste der Niederterrasse mit Baumstämmen. Diese Sande und Kiese sind in zweierlei Hinsicht sehr wichtig: als Grundwasserleiter zur Wassergewinnung und als Lagerstätte für Kiessand. Die Auenböden sind in sehr jungen Sedimenten entstanden, wobei die Auslöser der Sedimentation die Rodungen durch den Menschen im Einzugsgebiet der Flüsse waren. Zwei Rodungsphasen lassen sich besonders gut nachweisen: eine in der Jungsteinzeit beziehungsweise in der Bronzezeit und eine im Mittelalter. Die Böden in der Saaleaue sind wegen der weiten Lößverbreitung und teilweise auch durch den anstehenden Muschelkalk karbonatführend. Das ist ein wichtiger Unterschied zu den Böden in anderen Flußauen. Im gesamten Saaletal bilden weichselzeitliche Kiese und Sande den obersten Grundwasserleiter. Dieser wird von einer Auenlehmschicht mit wechselnder Mächtigkeit überdeckt. Altwasser der Saale sind bei Großkorbetha und Bad Dürrenberg vorhanden. Unterhalb von Leuna bis nach Halle ist die Flußlandschaft durch Altarme, Flutrinnen, aber auch durch wassergefüllte ehemalige Kiesgruben gekennzeichnet. Besonders der Winkel zwischen Saale und Weißer Elster ist ein mit vielen Gewässern ausgestatteter Raum. Dieses weite Niederungsgebiet wird sowohl durch Winter- als auch durch Sommerhochwasser überstaut, die häufig längere Zeit stagnieren. Dadurch kann erheblich Grundwasser angereichert werden, welches auch seit langem für die Stadt Halle (Wasserwerk Beesen) genutzt wird. Natürlich entstandene Altwasser treten dann wieder unterhalb der Halle-Hettstetter Gebirgsbrücke auf. Weitere entstanden durch Begradigungen beim Flußbau. In der Aue zwischen Halle-Neustadt und Böllberg befindet sich ein bereits kurz vor dem II. Weltkrieg fertiggestellter größerer Abschnitt des Elster-Saale-Kanals. Die Laufverkürzungen erhöhten das Fluß-Gefälle und bedingten sein Einschneiden in die Auensedimente. Während auf der Strecke von Halle bis Könnern Hochwasser seltener auftreten und schnell abfließen, wird das untere Saaletal dann wiederum oftmals stagnierend überstaut. Das Gebiet des mittleren und unteren Saaletals ist neben dem Dresdener Elbetal eine der thermisch am meisten begünstigten Landschaften des ostmitteldeutschen Raumes. Der recht frühe Eintritt des Frühjahrs, die lange Vegetationsperiode und eine relativ hohe Sonnenscheindauer, verbunden mit den Leewirkungen des Harzes und des umgebenden Hügellandes, lassen bei Weißenfels den Weinbau an südexponierten Hängen zu. Selbst Alsleben, Gröna und Bernburg waren früher mit Weingärten ausgestattet. Bei Aderstedt hielt sich der Weinbau sogar bis zur Jahrhundertwende. Im Saaletal zwischen Bad Kösen und Bad Dürrenberg liegt die Jahresmitteltemperatur um 9°C. Dieser Saaletalabschnitt zeichnet sich klimatisch außerdem durch eine relativ hohe Sonnenscheindauer von etwa 1600 Stunden pro Jahr aus. Die Niederschläge liegen im Mittel der Stationen des LSG unter 500 mm und nehmen von Süden nach Norden mit zunehmendem Lee-Einfluß des Harzes ab, um dann bei Bernburg wiederum anzusteigen: Weißenfels 513 mm, Merseburg 485 mm, Halle 460 mm, Beesenlaublingen 451 mm; Bernburg 484 mm. Pflanzen- und Tierwelt Die potentiell natürliche Vegetation der Stieleichen-Ulmen-Auenwälder ist, abgesehen von Restbeständen, insbesondere Burgholz, Collenbeyer Holz, Rabeninsel, Peißnitz, Tafelwerder, Plötzkau, Sprohne, weitgehend beseitigt. Eine naturnahe Weichholzaue, die aus verschiedenen Weiden- und Pappelarten besteht, beschränkt sich auf ufernahe Partien der Stromsaale, der Altarme und der Flutrinnen, zum Beispiel auf den nördlichen Teil des von der Wipper durchflossenen und von ihren Sedimenten verlandeten Bernburger Saalealtarmes. Offenbar wurde auch im Saaletal in den vergangenen Jahrhunderten die Stiel-Eiche selektiv gefördert; den überalterten Beständen droht ohne forstliche Unterstützung in den nächsten Jahren ein Zusammenbruch, wie er im Burgholz bereits eingetreten ist. Das in der Aue noch vorkommende Grünland wird von Weide- und Mähwiesenflächen eingenommen, die zum größten Teil durch Intensivierung artenverarmt sind. Stellenweise mußten sie sogar beregnet werden. Extensiver genutzte Bereiche tragen Kohldistelwiesen, die zu den verschiedenen Röhrichtgesellschaften überleiten. Bei den Saalealtwassern ist die Verlandung meist bereits weit fortgeschritten. Auch durch Abbau von Lehm, Sand und Kies entstandene, mit Wasser gefüllte Hohlformen stellen günstige Lebensräume vor allem für Amphibien dar. In einem der verbliebenen Hartholzauenwaldreste im Collenbeyer Holz befindet sich die größte Graureiherkolonie Sachsen-Anhalts. 1998 brüteten hier 181 Graureiherpaare. Altbaumbestände bei Plötzkau und Wettin beherbergen weitere große Kolonien. Typische Vertreter der Avifauna sind Rot- und Schwarzmilan sowie Rohrweihe. Besondere avifaunistische Bedeutung besitzen das ausgedehnte Schilfgebiet bei Döllnitz und die umgebende Saale-Elster-Aue. Hier brüten Rohdommel, Tüpfelsumpfhuhn, seltener Zwergdommel sowie Zwergsumpfhuhn. In den ausgedehnteren Grünlandbereichen ist der Wachtelkönig Brutvogel und Durchzügler. Die Saaleaue ist ein Verbreitungsschwerpunkt des Weißstorches im Süden von Sachsen-Anhalt. An einigen Stellen in der Aue treten Salzpflanzen auf, deren Vorhandensein auf Quellen mit salzhaltigem Wasser aus der im Untergrund hoch anstehenden Zechsteinformation zurückzuführen ist, so bei Poserna, in der Elster-Luppe-Aue und bei Kloschwitz. Auch die auf die bergbauliche Tätigkeit des Menschen zurückzuführende Salzfracht von Unstrut, Saale und Salza begünstigt das Aufkommen von Halophyten. Auf den Hochflächen und an den Talhängen sind von den ursprünglichen Winterlinden-Eichen-Hainbuchen-Wäldern ebenfalls nur Reste vorhanden. Als Ersatzvegetation auf nicht ackerfähigen Extremstandorten findet sich eine standörtlich stark differenzierte Xerothermvegetation mit zahlreichen seltenen Pflanzenarten, unter anderem mehreren Orchideenarten. Die wärmebegünstigten, flachgründigen Standorte der Steilhänge werden von Trockenrasen mit einer Anzahl von Pflanzenarten der kontinentalen Steppen eingenommen. Charakteristisch sind Federgräser, Schwingelarten und Fieder-Zwenke. Auf den bodensauren Porphyrstandorten finden sich Heiden, Magerrasen und Silikat-Felsfluren. Im Bereich der aus der Hudenutzung entlassenen Hänge siedeln verschiedene thermophile Gebüschgesellschaften als Vorwaldstadien des Hangwaldes. Ausbleibende extensive Nutzung, insbesondere Schafhutung, bedroht die noch sehr zahlreichen Felsfluren, Trocken-, Halbtrocken- und Steppenrasen. Ebenfalls, jedoch infolge Überalterung, im Bestand gefährdet sind die alten baumhöhlenreichen Obstanlagen, die beispielsweise von Garten- und Siebenschläfer besiedelt werden. Entwicklungsziele Die alte Kulturlandschaft des Saaletals soll als eine vielgestaltige Landschaft erhalten und entwickelt werden. Flußbaumaßnahmen an der Saale dürfen sich nur auf die Erhaltung des derzeitigen schiffbaren Zustandes beschränken. Bei einer Renaturierung stehen die Auenbereiche mit zahlreichen Altwassern im Vordergrund. Einige der Altarme und Flutrinnen sollten entschlammt und wieder mit größeren Retentionsflächen an die Dynamik der Stromsaale angeschlossen werden. Die Uferbefestigungen der Saalezuflüsse sollen an einigen kulturlandschaftlich geeigneten Stellen so aufgelassen werden, daß Prall- und Gleithänge mit Uferbänken und Inseln entstehen. Der Saale-Elster-Winkel ist als komplexes Feuchtgebiet zu erhalten. In den Herbst- und Wintermonaten dient die Aue, vor allem bei Hochwasser, großen Scharen von Limikolen und anderen Wasservogelarten als Rast- und Nahrungsgebiet. Durch die Errichtung von Fischaufstiegsanlagen - vorzugsweise Umgehungsgerinnen - soll im Bereich der Saale-Querbauwerke die derzeit stark eingeschränkte Durchgängigkeit für wandernde Wasserorganismen verbessert beziehungsweise wiederhergestellt werden. Dabei sind die Kieslaicher-Habitate im Unterwasser der Wehranlagen (zum Beispiel Bernburg, Alsleben, Rothenburg, Herrenmühle, Wettin, Halle-Trotha, Pulverweiden, Meuschau, Beuditz, Öblitz und Bad Kösen) unbedingt zu berücksichtigen bzw. gegebenenfalls zu schützen. Bei entsprechender Flächenverfügbarkeit sollte ein durchgängiger Gehölzsaum entlang der Saale zur Beschattung des Gewässers in Ufernähe und zur Bildung von Uferstrukturen als potentielle Refugien für die Fauna etabliert werden. In Anbindung an bestehende Auenwälder sollen neue Weich- und Hartholzauenwälder begründet werden. Die Auenwaldstrukturen in den übrigen Wäldern sind durch gezielte forstliche Maßnahmen zu stabilisieren. Artenreiche Auenwiesen, extensiv genutzte Weiden und zahlreiche Baumreihen, in der überwiegenden Zahl hochstämmige Obstbäume, sollen die Auenlandschaft gliedern. Auf einigen der kleinen Ackerflächen ist die spezifische Auen-Ackerwildkrautvegetation zu erhalten. Durch umfangreiche Pflegemaßnahmen ist auch die Biotopvielfalt der Saalehänge mit ihren Hangwäldern, Streuobstwiesen, Trockenrasen und den mannigfachen Übergängen dazwischen zu erhalten. Die Altobsthänge vermitteln ästhetisch zu den am Talrand liegenden Gärten und Siedlungen. Auf den Hängen der Durchbruchstäler ist durch regelmäßige Schaf- und Ziegenhutung eine mikrostandörtlich differenzierte Xerothermvegetation zu erhalten; nur in Runsen, Hangmulden, sonnenabgewandten Hängen und Tälchen sind spontane Gehölzansiedlungen erwünscht. Das Untere Saaletal wird als Naturpark zu einem Gebiet mit alternativen, umweltverträglichen Erholungsmöglichkeiten für die Bevölkerung und Gäste entwickelt. Gravierende landschaftsverändernde Maßnahmen im LSG, insbesondere die Anlage von Baugebieten und eine weitere Zerschneidung durch Verkehrstrassen, sind kein Entwicklungsziel. Exkursionsvorschläge Durch das LSG führen zahlreiche Wanderwege. Hervorzuheben ist der von der Quelle bis zur Mündung führende Saale-Radwanderweg, auf dem die reizvollsten Gebiete und alle Sehenswürdigkeiten erschlossen werden können. Die Saale eignet sich auch hervorragend für das Wasserwandern. Ausflugsschiffe können insbesondere ab Halle genutzt werden. Besonders beliebt sind Kaffeefahrten bis nach Wettin. Bedeutende Sehenswürdigkeiten sind Schloß Neu-Augustusburg in Weißenfels, Schloß und Dom Merseburg, die Stadt Halle mit Saline, Moritzburg und Giebichenstein, Wettin mit seiner Burganlage, Schloß Plötzkau, das Schloß in Bernburg und schließlich die Schloßkirche in Nienburg. Sie sind zum Teil auch über die Straße der Romanik zu erreichen. Aber auch die kleinen Ortschaften entlang des Saaletales weisen zahlreiche Kleinodien wie Dorfkirchen, Parkanlagen, Mühlen oder Bauernsteine auf, die einen Abstecher lohnen. Weiterhin machen unter anderem auch zahlreiche interessante Zeugen der Industriegeschichte auf sich aufmerksam. Genannt seien das Gradierwerk Bad Dürrenberg, Wehr und Schleusenanlage in Merseburg-Meuschau, die Industrieanlagen von Leuna und Buna, das neue Kraftwerk Korbetha, das Wasserwerk Beesen, die Saline in Halle, die Kleinhaldenlandschaft des Steinkohlenabbaues in Wettin oder die Anlagen der Salz- und Zementindustrie in Bernburg. Nicht zuletzt ist die Benutzung der Saalefähren in Brachwitz, Wettin und Rothenburg zu empfehlen. Das Saaletal und seine Hänge sind insbesondere im Frühjahr, zur Blüte der Frühjahrsgeophyten in den Auenwäldern und der Obstbäume auf den Saalehängen, besonders reizvoll. Der Besuch der Rabeninsel in Halle, der Peißnitz oder des Kloschwitzer Blütenfestes Anfang Mai sind besonders zu empfehlen. Schloß Neu-Augustusburg in Weißenfels Der mächtige, das Stadtbild beherrschende Bau, auf einem Felsen über dem rechten Saaleufer gelegen, wurde für eine wettinische Nebenlinie ab 1660 errichtet. Von der 1644 geschleiften älteren Burg sind noch zwei Mauertürme erhalten. Das Schloß weist einen hufeisenförmigen Grundriß von strenger Symmetrie mit einem der Stadt zugewandten elfachsigen, turmbeherrschten dreigeschossigen Mittelflügel und zwei langen Seitenflügeln auf. Die ursprüngliche Ausstattung ist jedoch durch zeitweilige Umwandlung zu einer Kaserne zerstört worden. Das Schloß beherbergt ein Schuhmuseum. Gradierwerk Bad Dürrenberg Auf dem Gelände eines 1488 erstmals genannten Gutes entstand ab 1763 die kurfürstlich sächsische Saline. Der Badebetrieb wurde 1846 aufgenommen und weitete sich besonders nach 1891 zum Kurbetrieb aus. Der quadratische viergeschossige Borlachturm, heute Museum, ist ein Förderturm über dem 1744-63 abgeteuften Schacht von 233 m Tiefe. Er ist Wappenzier und Wahrzeichen Bad Dürrenbergs. Am Saalehang vor der Stadt erhebt sich der weithin sichtbare, aus Sandsteinen gefügte Turmschaft, der einen dreistufig hochgereckten schiefergedeckten Helm trägt. Acht der für die Siedesalzgewinnung notwendigen Gradierhäuser entstanden 1763, wurden nach 1800 verändert und zu einem durchgehenden, insgesamt 1 830 m langen und 9 m hohen Gradierwerk zusammengeschlossen. Der zweite Kunstturm, der Witzlebenschacht, nördlich neben dem vorigen gelegen, ist ein 1811-1816 hinzugefügter mächtiger sechsgeschossiger Bau mit Pumpanlagen für die Sohleförderung. Mit den aus verschiedenen Epochen stammenden Gradierwerken am Kurpark verfügt Bad Dürrenberg über Baudenkmale von hohem Rang. Sie spenden auch heute gesunde Salzluft und werden Schritt für Schritt rekonstruiert. Merseburg Die Stadtgeschichte läßt sich bis hin zu einer altthüringischen Burgsiedlung zurückverfolgen. Im Hersfelder Zehntverzeichnis wird der Ort Mersiburc um 780 erstmals urkundlich erwähnt. Unter Heinrich I. (919-936) wurde eine mit Steinmauern befestigte königliche Pfalz im Süden des Burgfelsens errichtet. 980 sind die Übertragung der Marktrechte an den Bischof und 1015 der Beginn des Dombaus in unmittelbarer Nähe der Königspfalz verzeichnet. Die erste Erwähnung einer bürgerlichen Selbstverwaltung der Stadt datiert von 1289. Merseburg war Mitglied der Hanse. Von der Stadtbefestigung sind die Stadtmauer in größeren Strecken sowie der Eulenturm und ein weiterer Mauerturm noch vorhanden. Bemerkenswert sind unter anderem das Rathaus, die Marktkirche St. Maximi und Teile der ehemaligen Stiftskirche St. Sixti. Der Merseburger Dom St. Johannes und Laurentius besteht aus einer dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche (1502-1517), die an Stelle des romanischen Langhauses entstand. Die unterschiedlichen baulichen Elemente wie etwa das Querschiff, das Chorquadrat und die Apsis, darunter eine Krypta (um 1040), sowie die runden Osttürme, die vor 1042 entstanden, dokumentieren die lange Geschichte des Gebäudes. Der Dom besitzt eine reiche Innenausstattung. Das Domstiftsarchiv enthält eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Handschriften, darunter die im 10. Jahrhundert aufgezeichneten Merseburger Zaubersprüche. Die Dreiflügelanlage des Merseburger Schlosses vereint Elemente der Spätgotik und Spätrenaissance. Der Ostflügel wurde 1483 vollendet, der Nordflügel zwischen 1489 und 1510 und der Westflügel nach 1525. Die gesamte Anlage erfuhr im 17. Jahrhundert einen Umbau. In der Südostseite des Hofes befindet sich ein reicher Zierbrunnen. Das Schloß beherbergt ein Museum. Der Schloßgarten entstand 1660. Er enthält ein Teehaus und einen barocken Schloßgartenpavillon. Burg Giebichenstein Der auf einem Porphyrfelsen über der Saale thronende Komplex aus Alter Burg (Amtsgarten), Ober- und Unterburg wurde erstmals 961 erwähnt. Er war Hauptresidenz der Erzbischöfe von Magdeburg als Stadtherren von Halle. Von der 1636 bei einem Brand zerstörten Oberburg sind nur die Ringmauer, der romanische Eckturm mit gotischem Oberbau und die gewaltigen Kemenatenfundamente erhalten geblieben. Durch Grabungen sind Fundamente der romanischen Burg freigelegt worden. Die Unterburg stellt ein verschobenes Rechteck dar, dessen vierte Seite vom Felsen der Oberburg gebildet wird. Von den an der Außenmauer befindlichen fünf Rundtürmen sind teilweise nur die Schalen erhalten. Mitte bis Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Gebäude neu gebaut. Hervorgehoben werden sollen das freistehende Kornhaus von 1473 und der barocke Taubenturm. Die Burg wurde nach 1919 von Paul Thiersch zur Kunstgewerbeschule ausgebaut, der heutigen Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein. Burg Wettin Die Stadt Wettin ist aus einer kleinen bäuerlichen Siedlung entstanden, deren Gründungszeit unbekannt ist. Die Gründer waren zweifellos die Grafen von Wettin. Die Burg ist malerisch auf einem Porphyrfelsen am Nordufer der Saale gelegen. Ursprünglich vielleicht slawische Volksburg, wurde hier im späten 8. beziehungsweise frühen 9. Jahrhundert ein karolingisches Kastell angelegt, das erstmalig 961 genannt wurde. Seit dem 11. Jahrhundert nennt sich das Grafengeschlecht auf der Burg "von Wettin". Die vierteilige Burganlage, Ober- und Unterburg mit je einer Vorburg, ist trotz Abbruch alter Substanz, Um- und Neubauten noch heute beeindruckend. An der höchsten Stelle im Nordwesten erheben sich die Reste der mittelalterlichen Ringmauern einer Rundburg (Oberburg). Südöstlich schließen sich die beiden Vorburgen an. Es folgt schließlich die ein spitzwinkliges Dreieck bildende Unterburg mit dem flußseitigen langgestreckten Ammendorfer Flügel, dem Winkelschen Bau (1768-77) auf der Stadtseite und dem an der Südost-Ecke die Ansicht der Burg beherrschenden Winkelschen Turm (1606). Templer-Kapelle Im Ortsteil Mücheln der Stadt Wettin befindet sich die um 1280 errichtete Templer-Kapelle St. Marien. Sie ist ein Beispiel ursprünglicher edler früher Gotik mit zweijochigem Saal und mit nicht eingezogenem 5/8-Chor. Sie wurde durch jahrzehntelange Nutzung als Lagergebäude allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen, wird zur Zeit jedoch gründlilch restauriert. Schloß Bernburg Das ein Museum und Verwaltung beherbergende Schloß ist malerisch auf einem Sandsteinfelsen hoch über der Saale gelegen. Das heutige Erscheinungsbild wird wesentlich durch die Bauten des 16. Jahrhunderts bestimmt, wobei die Bausubstanz und die Schmuckteile inzwischen weitgehend erneuert sind. Das Schloß war Residenz der Fürsten beziehungsweise späterer Herzöge von Anhalt-Bernburg. Die Gebäude des Schlosses folgen im wesentlichen der Anlage der mittelalterlichen Rundburg. Nach Westen fallen die Felsen steil zur Saale ab. Von dem einst tiefen Graben, der die anderen Seiten schützte, ist nur im Süden ein Rest erhalten. Aus dem späten 12. Jahrhundert stammt der mächtige runde Bergfried, genannt „Eulenspiegel“, der nach 1570 einen Kegelhelm mit vier Renaissance-Erkern erhielt, sowie Reste der Burg-Kapelle. Im südwestlichen Teil der Burg befinden sich der frühgotische quadratische „Blaue Turm“ mit Hochrenaissance-Bekrönung, das spätgotische „Alte Haus“ und das „Krumme Haus“ mit spätromanischem und frühgotischem Mauerwerk. Von architekturgeschichtlicher Bedeutung ist der Hauptbau. Bemerkenswert sind weiterhin der frühere Schloßpark und die ehemalige Orangerie. Das LSG verfügt über einige besonders erwähnenswerte Geotope: - die Klippen des Burgfelsens der Burg Giebichenstein in Halle aus Oberem (kleinkristallinem) Halleschen Porphyr, - die Felsklippe in Reichardts Garten in Halle-Giebichenstein aus Unterem (grobkristallinem) Halleschen Porphyr, - die Hanganschnitte am Felsenburgkeller am Rive-Ufer in Halle-Giebichenstein, die die Saalische Diskordanz zeigen, - die Solequellen mit mineralisierten Zechsteinwässern in Kloschwitz, - den Hanganschnitt „Weiße Wand“ bei Dobis, wo die Lagerung der Gesteine vom Zechsteinkalk bis zum Porphyrkonglomerat zu sehen ist, - den Hanganschnitt am östlichen Saalehang südlich von Rothenburg mit Erosionsformen in Sandstein, Schiefertonen und Konglomeraten des Oberkarbons, - die historischen Bergbauhalden am Schachtberg nördlich von Wettin, - die Glazialformen, speziell Gletscherschiffe auf Mittlerem Buntsandstein, im Gletschergarten und auf dem Friedhof Ilberstedter Straße in Bernburg, - Gips und Anhydrit im ehemaligen Steinbruch in Altenburg, - Sandstein, Tonstein und Rogensteinbänke im ehemaligen Steinbruch Spillingsberg an der Bahnstrecke westlich von Könnern sowie - Sandsteinschiefer, Kupferschiefer und Zechsteinkalk in den ehemaligen Steinbrüchen an der Georgsburg, zirka 1 km westlich von Könnern. Verschiedenes Die Saale Im Mittelalter dominierte die Flößerei, die noch bis in das 20. Jahrhundert hinein betrieben wurde. Der erste urkundlich erwähnte Schiffstransport datiert aus dem Jahr 891. Vom 12. bis in das 16. Jahrhundert hinein erfuhr die Schiffahrt einen Aufschwung. Ein wichtiger Handelsplatz zu jener Zeit war Halle. Ab 1366 wurden Holzschleusen errichtet, 1695 entstand in Trotha die erste Steinschleuse. Um 1790 erfolgte die erste umfängliche Regulierung der Saale. Der Fluß wurde ab Weißenfels schiffbar gemacht. 1836 befuhr zum ersten Mal ein Raddampfer die Saale. 1883 erfolgte nochmals eine Stromregulierung zwischen Naumburg und Weißenfels. Von 1884 bis 1921 dauerte im Abschnitt zwischen Calbe und Halle die Periode der Kettenschiffahrt. Von 1932 bis 1942 erfolgte der Ausbau der Saale zwischen Halle-Trotha und Calbe für 1000-Tonnen-Schiffe bis zu 80 m Länge und 9,20 m Breite. Dazu wurden Laufbegradigungen durchgeführt und die Schleusen in Wettin, Rothenburg, Alsleben, Bernburg und Calbe vergrößert. Zwischen 1954 und 1961 folgte eine Vertiefung der Flußsohle zwischen Nienburg und Beesenlaublingen und von 1957 bis 1977 der Saaleausbau zum heutigen Zustand. Etwa ab 1000 wurde die Wasserkraft in Wassermühlen an Stauwehren und in Schiffsmühlen genutzt. Die erste nachweisliche deutsche Schiffsmühle arbeitete bei Böllberg auf der Saale, das älteste deutsche Mühlenwehr wurde 941 bei Alsleben errichtet. Im 10. Jahrhundert bestand vermutlich bereits die Rischmühle bei Merseburg. 1063 werden dem Königsgut in Aderstedt zugeordnete Mühlen erwähnt. Die bei Alsleben gelegene Pregelmühle gehörte um 1200 zum Besitz des 1116 gegründeten Klosters zum Neuen Werke in Halle. Die Bernburger Saalemühle schließlich wurde erstmalig 1219 im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit genannt, der ihre damalige überregionale Bedeutung als fürstliche Hauptmühle erkennen läßt. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts hatten sich die Amtsmühlen zu landesfürstlichen Großbetrieben entwickelt. Bei schiffbaren Gewässern erzwangen die zu den Mühlen gehörenden Stauwerke erst das mühsame Umladen der Schiffsladung, später, im 16. Jahrhundert, die Anlage von Schleusen. Auch die Geschichte der Saalefischerei läßt sich bis weit in das Mittelalter zurückverfolgen. Als abgabepflichtige Arten werden für die Saale bei Alsleben unter anderem Lachse und Neunaugen genannt. Aufsteigende Lachse haben Massenfänge ermöglicht, wie historische Dokumente mehrfach belegen. Bis Ende der 1950er Jahre wurde die Fischerei sowohl in der Saale als auch in den Altwassern zum Teil noch gewerblich ausgeübt, vor allem als Reusen- und Schleppnetz-Fischerei. Mit zunehmender Wasserverschmutzung wurden die Fischerei und später auch der Angelsport eingestellt und nur noch in den Zuflüssen, den Totarmen und den vielen für Angelsport geeigneten Stillgewässern betrieben. Derzeit kommen in der Saale wieder über 20 Fischarten vor. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Schiffbarmachung und der Ausbau der Saale und ihrer Nebenflüsse in historischer Zeit Die Saale in ihrer heutigen Gestalt ist das Ergebnis einer von Menschen über mehr als 1 000 Jahre geprägten Kulturlandschaft. Zu allen Zeiten haben die Menschen entsprechend ihren wirtschaftlichen Interessenlagen bereits eine Flussgebietsbewirtschaftung aufgebaut. Die Saale, früher auch Sächsische oder Thüringische Saale benannt, bildete das historische Grenzgebiet zwischen slawischen und germanischen Stämmen. Sie wurde bereits im frühen Mittelalter etwa ab Harra, 68 km unterhalb der Quelle, als Transportweg mittels Flößen benutzt. Die ersten urkundlichen Erwähnungen für die Schiffbarkeit der Saale stammen aus dem Jahre 981. Auf einer Reise nach Merseburg verstarb der Magdeburger Erzbischof ADELBERT am 21.05.981 bei Korbetha. Seine Leiche wurde zunächst nach Giebichenstein gebracht, hier mit dem erzbischöflichen Ornat bekleidet und dann per Schiff nach Magdeburg transportiert. Auch im Jahre 1012 wurde ein weiterer Erzbischof namens TAGINO von Merseburg nach Magdeburg verschifft. Er hatte mit Kaiser HEINRICH II. in Merseburg das Pfingstfest gefeiert und wurde dabei so krank, dass er nicht zu Pferde zurückkehren konnte. Bei der Schifffahrt verstarb er in Rothenburg. Aus dem Jahre 1128 ist eine Handelsreise des Bischofs OTTO VON BAMBERG überliefert, der in Halle große Mengen Tuch, Salz und Geräte kaufte und diese per Schiff über Saale-Elbe-Havel ins Land Pommern bringen wollte, um den dortigen Stämmen den Übertritt ins Christentum zu versüßen. Aus dem Jahre 1152 ist der „erste dienstliche Erlass“ für die regelmäßige Schifffahrt im Form eines kaiserlichen Privileges an Erzbischof WICHMANN überliefert. Sein Kloster Neuwerk bei Halle erhielt die Erlaubnis, Salz mit Schiffen zu transportieren und als Rückfracht Holz als Heizmaterial für die Pfännerei zu laden. Man fuhr also bereits mit Lasten bergwärts! Heute kann man nur vermuten, mit welchen Problemen die Altvorderen bei einer Saalebefahrung mittels Floß oder Kahn konfrontiert waren: Flusssperren, Untiefen, Verzweigungen, Stromschnellen, usw. Künstliche Flusssperren werden historisch erstmalig im Jahre 941 erwähnt, als bei Alsleben ein Mühlenwehr an der Saale gebaut worden sein soll. Das bereits erwähnte Kloster Neuwerk erhielt 1121 das Mahlrecht am dortigen Mühlenstau und am Kloster Gottesgnaden bei Calbe wurde schon für 1150 ein Umgehungskanal um eine Mühle nachgewiesen. Derartige Kanäle könnten schon dem „Durchleiten“ bzw. „Durchlassen“ von Schiffen gedient haben. Nachweisbar ist auch, dass außerhalb von Mühlenbereichen schon im 14. Jh. erste größere Stromregulierungsmaßnahmen stattfanden. Also bereits unsere Altvorderen begannen mit einem Flussgebietsmanagement. Um die Wassertiefen zu vergrößern und um Fließgeschwindigkeiten für die Bergfahrt zu verringern, wurden an Stellen, wo sich die Saale gabelte, der jeweils kürzere und strömungsstärkere Arm abgesperrt. Wasserbaulich wird in den letzten zwei Jahrhunderten genau umgekehrt vorgegangen. Ob die Absperrung des kürzeren Armes lange Bestand hatte, muss bezweifelt werden, wenn man an die überlieferten historischen Hochwässer von 1408, 1465 und 1491 denkt, denn diese veränderten den Saale-Lauf auf natürliche Weise und sie werden vermutlich alle damaligen Bauwerke zerstört haben. Historisch schon besser belegt ist, dass etwa um 1530 vom Erzbischof ALBRECHT Privilegien zum Ausbau und zur Regulierung der Saale für die Schifffahrt erteilt wurden. In der Folge wurden um 1560 die Bernburger Schleuse, 1564 die Schleuse Calbe gebaut. Flussabwärts wurde bis Hamburg Wolle, Federn, Hopfen, Salpeter, Öle, Salz und Getreide transportiert, bergwärts Wachs, Honig, Pfeffer, Ingwer und Metalle. Fünf privilegierte Beamte - unter ihnen der Salzgraf zu Halle und der Vogt zu Calbe - ließen 1571 vier Schiffe zum Transport von Salz, Getreide und Mühlsteinen bauen. Interessant ist auch, dass zur Unterhaltung der Schleusen, besonders gegen Versandung, damals Unterhaltungsabgaben erhoben wurden. Nachdem der 30jährige Krieg vieles zerstört hatte, ist erst um 1700 wieder eine Belebungan der Saale zu verzeichnen. Verschiedenste Gewerkschaften und Pfännerschaften, wie die Rothenburger Bergwerks-Gewerkschaft, das Salzwerk Staßfurt und die Wettiner Steinkohle, benötigten billige Transportmittel für Holz, Kohle, Salz und Getreide. Zu dieser Zeit begann auch die Schiffbarmachung der Unstrut, da die thüringischen Fürsten großes Interesse hatten, sich über Gera-Unstrut-Saale-Elbe den wichtigen Handelswegen anzuschließen. 1795 waren Unstrut und Saale von Artern bis Weißenfels nach dem Bau von zwölf Unstrut- und drei Saale-Schleusen schiffbar. Die Kosten dafür betrugen 528 750 Taler. Der weitere Unstrutausbau scheiterte aber damals an dem Einfluss sächsischer Kurfürsten, die für Leipzig eine wirtschaftliche Schädigung durch Verlagerung der Transportwege befürchteten. Es kam lediglich zur Erlaubnis - „Mandat“ genannt - für die Flößerei auf der Unstrut und der Gera, da Holz als Material im Bergbau und als Brennstoff dringend benötigt wurde. In dieser Zeit hatten die sächsischen Kurfürsten JOHANN GEORG III. und JOHANN GEORG IV. Pläne entworfen, mit im Wasserbau erfahrenen Holländern den Ausbau der oberen Saale voranzubringen sowie die Schiffbarmachung der Parthe mit Kanalanschluss an die Mulde und die Befahrung der Luppe bis Leipzig zu projektieren. Die Pläne wurden allerdings nicht realisiert. Der gesamte Transport erfolgte damals durch Treideln mit menschlicher Zugkraft. Ein Saale-Kahn wurde von etwa 20 Mann gezogen und der Weg von der Mündung unterhalb Calbe bis Halle in etwa fünf bis sechs Tagen bewältigt. Weitere, den Flusslauf verändernde Maßnahmen fanden etwa Mitte des 19. Jh. durch Vergrößerung der Schleusen im Zusammenhang mit der Dampfschifffahrt statt. Die Dampfschifffahrt intensivierte nicht nur den Gütertransport, sondern brachte als neuen Wirtschaftsfaktor auch das „Freizeitgewerbe“ auf. Seit Mitte des 19. Jh. sind auch exakte hydrologische Pegelaufzeichnungen überliefert. Die letzte große Etappe zur Kanalisierung der Saale begann etwa 1930. An der Projektierung waren die Kanalbauämter Merseburg, Halle und Bernburg im Auftrag der Elbstrombauverwaltung beteiligt. Richtmaßstab war der neue Saale-Maßkahn mit einer Ladefähigkeit von 1 000 t, 80 m Länge, 9,2 m Breite und 2 m Tiefgang. Nach 1930 wurden zur Erhöhung der Mindestabflüsse und damit der Wasserstände die Saale-Talsperren errichtet. Sie sollten bis zu 60 m3/s Zuschusswasser zur Erhöhung der Fahrwassertiefen abgeben können. Für die Wasserbewirtschaftung der Saaleund für die heutigen, mitunter gegensätzlichen, Interessen des Saale-Ausbaues für die Schifffahrt ist es wichtig zu wissen, dass dem Tiefenausbau der Saale ein niedrigster Ausbauwasserstand (NAW) zugrundegelegt war, der folgende Mindestwasserführungen vorsah: - 15 m 3 /s am Abzweig des Leipziger Kanals bei Merseburg; - 21 m 3 /s unterhalb des Zuflusses der Weißen Elster; - 25 m 3 /s ab Bodemündung. Mit diesen Wasserführungen war die Schiffbarkeit der Saale mit 1 000 t-Schiffen möglich. Diese Mindestwasserführungen wurden dank des Reguliervermögens durch die Saale-Talsperren bisher nie unterschritten, auch nicht in Zeiten hoher, industriell bedingter Wassernutzungen zu DDR-Zeiten! veröffentlicht in: Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Gebietsbeschreibung Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt einen Landschaftsausschnitt zwischen Zickeritz und Alsleben im Südwesten des Landkreises Bernburg, der den Abfall der Hochfläche im nordöstlichen und östlichen Vorland des Harzes zum Saaletal repräsentiert. Im Norden und Osten schließt es an das LSG „Saale“ an. Mit dem Pfingstgrund bei Zellewitz reicht ein Erosionstal aus dem Randbereich der Schlenze in das LSG hinein. Die weite, flachwellige Hochfläche des östlichen Harzvorlandes fällt nach Osten zum tief eingeschnittenen Saaletal ab und wird durch markante Erosionstäler zerschnitten. Sie werden häufig von Hohlwegen und Ackerrandterrassen begleitet. Die steilen Abschnitte der Hänge heben sich durch ihr kleinteiliges Biotopmosaik und ihren Bestand an Gehölzen, Streuobstwiesen und Trockenrasengesellschaften von den ungegliederten Ackerflächen ab und beleben das Landschaftsbild. Auf der Hochfläche dominiert auf Großschlägen ackerbauliche Nutzung. Gliedernde Elemente sind die Obstbaumalleen entlang der Wege und die Kleinhalden. Letztere sind Zeugen des historischen Kupferschieferabbaus im Naundorfer Revier, einem isolierten, lokalen Abbaugebiet nördlich der Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, das zu den Mansfeldischen Kupferschieferrevieren zählt. Der Gutspark Piesdorf an der westlichen Grenze des LSG wurde als Geschützter Park ausgewiesen. Es handelt sich um eine Parkanlage mit Teichen, die teilweise verlandet sind. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Seit dem Neolithikum kann von einer lückenlosen Besiedlung der Landschaft ausgegangen werden, wenngleich im Landschaftsschutzgebiet keine so frühen Nachweise gelangen. Hervorgehoben werden soll aus der Bronze-/Früheisenzeit eine kleine Siedlungskammer zwischen Piesdorf und Belleben im nordwestlichen Bereich des LSG. Sie umfaßte Befestigungsanlagen, Grabhügel und eine Kultstätte. Eine bei Belleben gefundene silberne Gewandspange stellt eine angelsächsische Arbeit dar und ist somit Einfuhrgut. Bemerkenswert ist weiterhin eine frühmittelalterliche Befestigung bei Strenznaundorf mit einem zugehörigen Flursystem. Im Zuge einer langen Nutzungsgeschichte entstand die heute charakteristische Nutzflächenverteilung. Die fruchtbaren, gering geneigten Hochflächen werden intensiv ackerbaulich bewirtschaftet. Stärker geneigte Hänge weisen Restgehölze auf oder wurden als Grünland, vorwiegend als Schaftrift, genutzt. Dies förderte die Entstehung von Halbtrockenrasen auf diesen Standorten. Besonders durch das Kleinklima begünstigte Standorte innerhalb der Erosiontäler, aber auch entlang des Saalehanges, sind von Obstwiesen bestanden. Besonderheiten des Landschaftsbildes stellen die Kleinhalden des Kupferschieferabbaus dar. Erste Versuche des Kupferschieferabbaus im Ausstrichbereich des Flözes datieren bereits aus dem 16. Jahrhundert. Der Abbau erfolgte entlang des Naundorfer Stollens, dessen Mundloch nördlich Gnölbzig im Hangbereich lag. Er führte von Gnölbzig über Strenznaundorf und bog nach Westen ab, wo er südlich Piesdorf endete. Sein Verlauf wird an der Oberfläche von zahlreichen Kleinhalden begleitet, die sich besonders südlich Piesdorf konzentrieren. Neben dem erwähnten Tiefbau entstanden auch Kleinformen durch oberflächlichen Abbau, unter anderem ein Gips-Bruch am Saalehang westlich Gnölbzig. Geologische Entstehung Boden, Hydrographie, Klima Die Geologie des Gebietes wird bestimmt durch die Halle-Hettstedter Gebirgsbrücke, an deren nördlichem Rand die Sedimentgesteine der Edderitzer Mulde, Perm und Trias, ausstreichen. Diese werden von pleistozänem Geschiebemergel der Saalevereisung und weichselzeitlichem Löß und Lößlehm überdeckt. Die Bildungen des Rotliegenden, des Zechsteins und des Buntsandsteins treten in Bereichen zutage, an denen diese Decke abgetragen wurde. Dies sind die steilen Hänge der Erosionstäler und der Talhang der Saale. Auf der Hochfläche dominieren Tschernoseme aus Löß; Steppenböden, die seit der Jungsteinzeit als Acker genutzt werden und nie eine völlig geschlossene Walddecke getragen haben. An den Hängen finden sich verschiedene Rendzinen. Rendzinen sind karbonatführende, flachgründige Böden mit einem A-Horizont, der weniger als 40 cm mächtig ist. Dort, wo permokarbone Sandsteine, Konglomerate, Schluffe und Tonsteine ausstreichen, sind verschiedene Ranker und Regosole vorhanden, karbonatfreie, flachgründige Böden mit einem A-Horizont von weniger als 40 cm. In den Nebentälern der Saale sind Kolluviallöß-Tschernoseme und Gley-Tschernoseme verbreitet. Die Böden der Saaleaue sind in der Beschreibung des Landschaftsschutzgebietes „Saale“ weiterhin ausführlich erläutert. Der oberste Grundwasserleiter steht in einer Tiefe von zirka 20 m an. Lediglich an der Grenze der Schichten vom Karbon zum Perm und Trias ist Grundwasser in 10-20 m Tiefe vorhanden. Der Grund der Erosionstäler weist zum Teil episodisch wasserführende Gerinne auf. In den größeren wie dem Tal des Schlackenbaches, der bei Alsleben in die Saale mündet, sind Bäche mit permanenter Wasserführung vorhanden. Die Landschaft gehört zum östlichen Randbereich des mitteldeutschen Trockengebietes. Mit einer in der Station Belleben gemessenen Niederschlagssumme von 501 mm/Jahr zeigt sich der ausklingende Einfluß vom Regenschatten des Harzes. Die Jahresmitteltemperatur der Luft liegt bei 9°C. Bei relativ geringen Januar-Temperaturen und hohen Werten im Juli erreicht die mittlere Temperaturamplitude der Luft 18,6°C. Dies weist auf den subkontinentalen Charakter des Gebietes hin. Pflanzen- und Tierwelt Die Erosionstälchen, Steinbrüche sowie Kleinhalden innerhalb der intensiv ackerbaulich genutzten Hochfläche bilden wichtige Refugien für gefährdete Arten der Flora und Fauna. Wesentliches Charakteristikum der Landschaft ist das Auftreten von Biotopen trockenwarmer Standorte. Im Bereich der offenen Kleinhalden sind bestandsbedrohte, schwermetallverträgliche Lebensgemeinschaften vorhanden, die besonders schutzbedürftig sind. Als Charakterpflanze der offenen Kupferschieferhalden kann das sogenannte "Kupferblümchen", die Frühlings-Miere, betrachtet werden. Die Erosionstäler weisen artenreiche, kontinentale Halbtrockenrasen auf. Sie schließen kleinflächige Felsfluren und Trockenrasen ein. Neben typischen Arten wie Fieder-Zwenke, Schwingel-Arten oder Zypressen-Wolfsmilch sind auch gefährdete Arten vertreten wie Dänischer Tragant, Graue Skabiose, Kuhschelle, Pferde-Sesel und Pfriemengras. Auf schuttreichen, offenen Flächen findet man Gänsesterbe, Frühlings-Hungerblümchen und Frühblühenden Thymian. In der Grube Strenznaundorf befindet sich ein Standort des Großen Zweiblattes. Die Saalehänge bei Gnölbzig weisen Bestände von Halbtrockenrasen und Gebüschen mit zum Teil xerothermer Ausprägung auf. Hier kommen unter anderem Pfriemengras, Dänischer Tragant, Bärenschote, Franzen-Enzian und Ästige Graslilie vor. Eine Besonderheit ist der ehemalige Gipsbruch Strenznaundorf, der für diesen Standort typische Pioniergesellschaften beherbergt. Außerdem sind Obstwiesen, Gebüsche und naturnahe Waldreste vorhanden, aber auch weniger wertvolle Robinien- und Pappelanpflanzungen. Entwicklungsziele Innerhalb des LSG sollen die verbliebenen ökologisch wertvollen Strukturen erhalten und als Ausgangspunkte eines zu entwickelnden Biotopverbundes gesichert werden. Besonders die extensive Nutzung der landschaftstypischen Trockenstandorte durch Obstbau und Schafhutung sollte beibehalten werden. Durch eine weitere Gliederung und Belebung der Hänge durch Hecken und Feldgehölze, breite blütenreiche Säume und Sukzessionsflächen könnte das Landschaftsbild aufgewertet und somit gleichzeitig ein effektiver Schutz des Bodens vor Wind- und Wassererosion erreicht werden. Im Bereich der Gehölz- bzw. Restwaldflächen wird eine naturnahe Artenzusammensetzung angestrebt. Das schließt die Umwandlung standortfremder Gehölzpflanzungen und die Entwicklung vielfältiger Waldmäntel mit vorgelagerten Säumen ein. Die Siedlungsrandbereiche sollen harmonisch in die Landschaft eingebunden werden, landschaftsbildstörende Bauten sind durch geeignete Gehölzpflanzungen abzuschirmen. Neben dem Erhalt der Schönheit, Vielfalt und Eigenart des Landschaftsbildes steht die Gebietssicherung für naturverträgliche Erholung im Zentrum der Bemühungen, die im Rahmen der Arbeit vom Naturpark "Unteres Saaletal" koordiniert werden. Exkursionsvorschläge Wanderung an der Grenze zum LSG „Saale“ Ausgehend von der Fähre in Brucke führt ein Weg nach Norden entlang des Saaleufers zur Schleuse. Links zweigt ein Weg in den Wald ab und führt bergauf, bis sich an einer Hangkante ein Blick über das Saaletal öffnet. Nach etwa 100 m Anstieg ist eine höher gelegene Hangkante erreicht, von wo sich nochmals ein Panoramablick über das Saaletal und seine Hänge bietet. Vom unteren Aussichtspunkt gelangt man durch einen Hohlweg auf das Plateau. An der nächsten Wegekreuzung führt ein von alten Kirschbäumen gesäumter Weg nach Zickeritz. Durch das NSG „Zickeritzer Busch“ kann man an den Ausgangspunkt Brucke zurückkehren. Bemerkenswert sind das Schloß in Alsleben, ein im 18. Jahrhundert ausgebauter Barockbau aus dem Jahr 1698, sowie die romanische Dorfkirche in Ihlewitz mit ihrem Turm von 1868. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 14.05.2021
Gebietsbeschreibung Die Bode entspringt im LSG „Harz“, durch das sie zunächst als Kalte und Warme Bode fließt. Unterhalb von Hexentanzplatz und Roßtrappe verläßt das Gewässer bei Thale das Mittelgebirge. Nach 169 km Gesamtlänge mündet die Bode bei Nienburg in die Saale. Der Unterlauf der Bode mit den angrenzenden Bereichen wurde von Ditfurt bis Hedersleben und wieder von Etgersleben bis zur Mündung der Bode in die Saale bei Nienburg in den oben genannten Landkreisen unter verschiedenen Bezeichnungen als LSG unter Schutz gestellt. Die folgende Beschreibung berücksichtigt all diese LSG (einschließlich der in Ausweisung befindlichen LSG-Anteile der Landkreise Halberstadt und Bördekreis zwischen Rodersdorf und Groß Germersleben) und erfolgt entsprechend einer einheitlichen Betrachtung des Naturraumes unter dem Namen LSG „Bode“. Die LSG liegen im wesentlichen in den Landschaftseinheiten Nordöstliches Harzvorland sowie Großes Bruch und Bodeniederung, zu geringen Teilen in der Landschaftseinheit Magdeburger Börde. Die LSG erstrecken sich entlang des Fließgewässers Bode. Das betrachtete Gebiet läßt sich in zwei Teilbereiche gliedern, die in Süd-Nord-Richtung verlaufende Bode zwischen Ditfurt und Oschersleben und die von Oschersleben weiter in südöstliche Richtung fließende Bode bis Löbnitz. Das Landschaftsbild des LSG wird durch die Niederungen und Tallandschaften der Bode und ihrer Nebenflüsse sowie durch die angrenzenden, mit Löß bedeckten Hochflächen und deren Trockentäler bestimmt. Der Mittellauf der Bode zwischen Ditfurt und Oschersleben stellt in seiner Gesamtheit eine vielseitige, hochsensible und weitgehend naturbelassene Landschaft dar. Besonders harmonisch wechseln sich im Mündungsbereich der Selke und im Niederungsbereich zwischen Adersleben und Deesdorf naturnahe Altarme der Bode, Auenwaldreste und typische Grünlandstrukturen ab. An der Mündung der Holtemme in die Bode ist das Gewässer eng mit Weiden, Birken und Erlen bestanden. Im Umland ist die auenähnliche Landschaft auffallend, die randlich allerdings stark landwirtschaftlich überprägt ist. Dagegen ist die Bode unterhalb von Oschersleben ausgebaut und eingedeicht worden. Die Ackerflächen mit eingestreuten Weihern oder Feuchtstellen und der Kali- bzw. Braunkohlebergbau zwischen Westeregeln und Staßfurt beeinflussen dabei den Charakter der Landschaft ebenso wie die von Baumreihen und Weidengebüschen durchsetzten Wiesen und Weiden unterhalb Staßfurts oder die naturnahen Niederungen zwischen Oschersleben und Etgersleben. Der Bodelauf einschließlich seiner Ufer- und Niederungsbereiche im LSG vermittelt ein eindrucksvolles Landschaftserlebnis. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Die ältesten Spuren des Menschen auf dem Gebiet des LSG stammen aus Westeregeln, Wolmirsleben und Unseburg und gehören dem jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit an. Die Menschen der ausgehenden Eiszeit lauerten hier Mammuten und Nashörnern, Wildrindern und Wildpferden auf, die sich zur Tränke am Fluß einfanden. Die älteste Bestattung dieses Raumes stammt aus Unseburg. Sie gehört der mittleren Steinzeit an und ist etwa 8 000 Jahre alt. Sie bezeugt die dauerhafte Anwesenheit des Menschen an der für Jagd und Fischfang günstigen bewaldeten Bodeniederung. Als besonders siedlungsgünstig erwiesen sich die hochwasserfreien Terrassenränder entlang der Bode, aber auch die Niederterrasseninseln in der Niederung. Bereits am Beginn der Jungsteinzeit hatte jede Gemarkung innerhalb des LSG mindestens eine linienbandkeramische Siedlung. Eine Ausnahme bildet lediglich Hohenerxleben, wo die Besiedlung heutigem Kenntnisstand zufolge mit der Stichbandkeramikkultur einsetzte. Das Gebiet an der Bode blieb auch in den folgenden Perioden dicht besiedelt. 29 Fundstellen waren von der Jungsteinzeit bis in die Eisenzeit, 16 weitere bis in die römische Kaiserzeit und davon neun bis ins Mittelalter hinein besiedelt. Zehn Siedlungen wurden in der Bronzezeit neu angelegt, wobei sieben bereits während der Eisenzeit wieder aufgegeben und drei bis ins Mittelalter hinein belegt waren. Entlang der Bode reihten sich insgesamt 20 Befestigungen aneinander: Löbnitz, Hohenerxleben, Staßfurt (2), Hecklingen, Löderburg, Rothenförde, Unseburg (3), Wolmirsleben (3), Egeln (5), Etgersleben (2). Während der Trichterbecherkultur errichtete die Bevölkerung der Baalberger Kultur den Toten trapezförmige Grabanlagen. Drei befestigte Siedlungen sind bei Löderburg, Unseburg und Wolmirsleben belegt. Während der Schnurkeramikkultur wurden erstmals auch die hügeligen Gebiete zwischen Nenndorf, Hecklingen und Groß Börnecke besiedelt. Als Beispiel für die Besiedlung des Landschaftsschutzgebietes durch die Schnurkeramikkultur sei ein Grabhügel mit 20 m Durchmesser bei Hecklingen genannt, in dem sich eine Steinkiste, die von Steinplatten umpackt war, befand, in der drei Tote bestattet lagen. Er stellt einen der wenigen Grabhügel dar, die sich in diesem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet noch erhaltenen haben. Bedeutende Siedlungsspuren stammen aus der Jungbronze- und Früheisenzeit. So befindet sich südöstlich von Egeln inmitten einer Grabhügelnekropole ein Ringheiligtum und in ihrer Nähe eine burgartige Befestigung. Eine zweite Befestigung liegt bei Tarthun, in deren Nachbarschaft ebenfalls Grabhügel vorhanden waren. Gußformen zusammen mit Metallresten und Tonklumpen aus einer Siedlung bei Unseburg belegen lokale Keramikherstellung und Metallverarbeitung. Während der frühen Eisenzeit zählte das Gebiet an der Bode zur Hausurnenkultur, wobei Hausurnen bei Unseburg und Staßfurt zum Vorschein kamen. Die jüngere Eisenzeit ist im LSG durch die Jastorfkultur vertreten. Während der römischen Kaiserzeit siedelten dort die Hermunduren. Eisenzeitliche und kaiserzeitliche Befestigungen lassen sich entlang der Bode zwischen Löbnitz und Etgersleben siebenmal feststellen. Bislang noch undatiert sind die entlang des Zechsteinsattels zwischen Staßfurt und Unseburg dicht an dicht gesetzten Gruben, die darauf hinweisen, daß dort die durch Risse im Gestein an die Erdoberfläche aufsteigende Sole in Gruben gesammelt und dann ausgeschöpft und zu Salz gesotten wurde. Solche Quellen sind außerhalb des Landschaftsschutzgebietes bei Sülldorf noch anhand von Halophyten zu erkennen. Durch die Salzgewinnung und dem daraus möglichen Handel sind vermutlich eine Reihe von Preziosen in dieses Gebiet gelangt, denen aus der Zeit der Schnurkeramikkultur Kupfergegenstände, aus der Aunjetitzer Kultur Bernsteinperlen und aus der Früheisenzeit Steigbügelarmringsätze zählen. Aus der Spätbronzezeit fand sich eine eiserne Speerspitze, die der Form nach aus dem eurasischen Steppengebiet stammt und von den dort lebenden Kimmeriern verwendet wurde, die ihren Einfluß bis Böhmen geltend machten. Stempelverzierte Keramik stammt aus keltischen Töpfereien. Kontakte mit dem römischen Reich bezeugen ein Kannenhenkel, eine Glasperle und eine Münze. Anhand der Ortsnamen lassen sich Besiedlungsperioden ableiten. Zirka von 600 bis 1000 v.u.Z. entstanden Orte mit der Namensendung ”-dorf” oder ”-furth”, aus denen sich örtliche Verhältnisse ableiten lassen, so Ditfurt, Rodersdorf, Deesdorf, Krottorf, Hordorf, Gänsefurth und Staßfurt. Die Endung ”-leben” ist charakteristisch für die Siedlungsperiode ca. 300-600 u.Z. Beispiele dafür sind Oschersleben, Hadmersleben, Adersleben, Wolmirsleben, Groß Germersleben, Athensleben, Etgersleben und Hohenerxleben. Im 10. Jahrhundert sind die Orte mit der Endung ”-burg” gegründet worden, zum Beispiel Unseburg und Löderburg. Aus neueren Zeiten kommen die Ortsnamen, die auf bergbauliche Tätigkeiten hinweisen, wie Leopoldshall und Jakobsgrube. Zu den wichtigsten Zentren des frühen Mittelalters gehörten die Klöster Hadmersleben, Gröningen und Hecklingen sowie die Burgen von Gröningen, Oschersleben und Unseburg. Als Elemente der historischen Kulturlandschaft prägen außerdem die Schlösser von Hohenerxleben und Gänsefurth, die Burgwallanlage in Unseburg und die flache Erhebung mit Siedlungsresten zwischen Unseburg und Rothenförde das Landschaftsbild. Die Wälder stellten Ausdehnungsbarrien von Siedlungen dar, so daß bis zum Roden dieser Wälder im 11. Jahrhundert die Flußniederungen Siedlungskammern in den umgebenen Wäldern darstellten. Als Ergebnis der Entwaldung der Region verstärkte sich die Erosion auf den gerodeten Flächen. Feinsandige Materialien wurden in den Auen der Flüsse angeschwemmt und lagerten sich dort als Auenlehmbildung ab. Im Gebiet waren nur noch kleine Flächen zwischen Unseburg und Wolmirsleben bewaldet. Im 15. Jahrhundert hatte die Bode teilweise Grenzfunktion, so zwischen den Bistümern Magdeburg im Norden und Halberstadt im Süden. Seit dem 16. Jahrhundert erfolgten Entwässerungsarbeiten, um die fruchtbaren Niederungen der Flüsse einer intensiveren Nutzung zuzuführen. Nachdem ab 1850 ein umfangreiches Programm zur Begradigung der Bode und anderer Fließgewässer umgesetzt wurde, konnten die Gewässer immer vielseitiger genutzt werden. Es kam u.a. zu Funktionsüberlagerungen des natürlichen Wasser- und Stofftransportes und der industriellen und kommunalen Abwasser-entsorgung. Die Bode wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch einmal begradigt und abschnittsweise eingedeicht. Die erheblichen Absenkungen des Grundwasserspiegels und die Beseitigung der Überschwemmungsgefahr ermöglichten es, große Auenbereiche in die Ackernutzung einzuschließen und vom Fließgewässersystem zu trennen. Im 18. Jahrhundert nahm der Bergbau an Bedeutung zu. Um Unseburg, Löderburg und Wolmirsleben wurde Braunkohle anfangs im Tiefbau, später dann im Tagebau abgebaut. Nach Einstellung des Abbaus (in Unseburg zum Beispiel im Jahre 1960) entstanden hier Bergbausenkungsgebiete, die zur Entstehung von Seen und Weihern führten. In Wolmirsleben entwickelte sich eine 1850 eröffnete Grube nach ihrer Stillegung (im Jahre 1925) zu einem Stillgewässer, dem Großen Schachtsee. Heute sind Acker- und Grünlandbewirtschaftung die vorherrschenden Landnutzungsformen im LSG. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Die Bode quert im Raum Ditfurth-Hedersleben die Subherzyne Senke und die Oschersleben-Bernburger Scholle (Tafeldeckgebirge). Sie verläuft im Bereich der Subherzynen Senke von Südwest nach Nordost und biegt am Südwestrand des Hakels in die Südost-Nordwest-Richtung um. Zwischen Westeregeln und Staßfurt verläuft die Bode im Bereich des Staßfurt-Egelner Sattels (Salzdurchbrüche im Bereich der Oschersleben-Bernburger Scholle). Von Westeregeln bis Unseburg liegt das Bodebett nordöstlich der Sattelachse. In Unseburg quert die Bode die Salzstruktur, um dann bis Staßfurt in der südwestlichen Randsenke des Sattels weiter zu verlaufen. An der Oberfläche stehen in beiden Teilen des LSG fluviatile holozäne bis weichselkaltzeitliche Sande und Kiese an, deren Bestand überwiegend herzynen Ursprungs ist. Im Raum Westeregeln-Staßfurt nimmt in der dort breiteren Bodeniederung auch die Verbreitung bindiger Deckschichten, das heißt Auenlehm beziehungsweise -ton, zu. Das Gebiet besteht, wie bereits beschrieben, aus einem südlichen Teil von Ditfurt bis Rodersdorf im Bereich der Subherzynen Senke und einem nördlichen Teil von Staßfurt bis Westeregeln im Bereich des Staßfurt-Egelner Sattels und seiner Randsenken. Wegen der erheblichen Unterschiede werden diese Teile getrennt beschrieben. Im südlichen Teil dominieren in der Bodeaue Gley-Tschernitzen aus Auenlehm bis Auenton, dunkle, durchgehend humose, grundwasserbeeinflusste Auenböden, (mit ersten Wassermerkmalen zwischen 40 - 80 cm unter Flur) die unterhalb von 1,7 bis 2 m von Sanden und Kiesen unterlagert sind. Diese Sande und Kiese werden in der Nähe von Ditfurt bereits abgebaut und sollen auch in Zukunft abgebaut werden. Nach Ende der Kiessandgewinnung werden wassergefüllte Restlöcher zurückbleiben, die bei entsprechender Rekultivierung eine Bereicherung des LSG sein werden. Flankiert wird das Bodetal hier von Hochflächen, die überwiegend von Tschernosemen bis Braunerde-Tschernosemen bedeckt sind. Im Böschungsbereich zwischen Hochfläche und Bodetal finden sich Rendzinen, flachgründige, von Gestein unterlagerte, karbonatführende Böden. Im nördlichen Teil treten neben den schon erwähnten Gley-Tschernitzen Gleye bis Gley-Tschernoseme auf, das heißt in diesem Abschnitt finden sich die ersten Wassermerkmale schon oberhalb 40 cm unter Flur. Der höhere Wasserstand ist durch Subrosion und Altbergbau bedingt, die auch zu einer Verbreiterung des Bodetales geführt haben. Begleitet wird die Bodeaue von Hochflächen, zum Beispiel im Raum Hecklingen, auf denen in weiter Verbreitung Tschernoseme bis Braunerde-Tschernoseme aus Löß vorkommen. Die Bode entspringt am Brockenmassiv im Harz, durchfließt das nördliche Harzvorland und tritt bei Ditfurt in das LSG ein. Als Zuflüsse der Bode zählen der Grenzgraben bei Wedderstedt, die Selke, der Goldbach bei Wegeleben, der Neue Graben bei Gröningen, die Holtemme und der Limbach bei Krottorf, der Große Graben bei Oschersleben, der Geesgraben am Bahnhof Hadmersleben, die Sarre bei Groß Germersleben, der Sülzegraben nördlich Etgersleben, der Mühlgraben bei Unseburg, die Ehle bei Rothenförde und der Marbegraben südlich von Athensleben. Der Mittellauf der Bode (im LSG bis Hordorf) fließt in einer Talaue. Daran schließt der Unterlauf an, der, in einem eiszeitlichen Urstromtal fließend, den Charakter eines Niederungsgebietes annimmt. Im LSG ist eine Vielzahl von Standgewässern zu finden, darunter die Altarme und die Altwasser der Bode. Während sich das im Frühjahr anfallende Hochwasser vor dem Bau der Harztalsperren aufgrund des geringen Gefälles lange in den Niederungen hielt, treten heute nur noch selten Hochwasserereignisse ein. Das Bodetal ist abwechslungsreich strukturiert und wird als klimatischer Regnerationsraum angesehen. Die offenen Wiesen- und Ackerflächen in den Niederungen sind als Kaltluftentstehungsgebiete von Bedeutung. Die Uferstrukturen, wie Hecken und Baumreihen, sowie die Feldgehölze und Wälder besitzen die Fähigkeit, Staub und Luftschadstoffe zu filtrieren und tragen somit zur Verbesserung der Luftqualität bei. Das LSG liegt im Regenschatten des Harzes, was die Jahresmittelwerte der Niederschläge von zirka 600 mm in Harzrandnähe und 460 mm bei Staßfurt verdeutlichen. Die Jahresmittelwerte für die Lufttemperatur betragen 8,0-8,5°C. Pflanzen- und Tierwelt Im östlichen Bereich der Bodeniederung wird der Eschen-Eichen-Wald als potentiell natürliche Vegetation betrachtet, eine typische Auenwaldausprägung für Flußniederungen in der Ackerlandschaft des mitteldeutschen Trockengebietes. Weiterhin sind Eschen-Ulmen- und Weiden-Pappel-Auenwälder als potentiell natürliche Vegetation angeben, die typisch für ständig feuchte Auenstandorte sind. Die Salzstellen bei Hecklingen und Hohenerxleben weisen eine charakteristische Salzvegetation und eine typische halobionte und halophile Entomofauna des Mitteldeutschen Binnenlandes auf und gehören zu den am besten untersuchten Binnenland-Salzstellen Deutschlands. Die hier vorkommenden Pflanzengesellschaften zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Salzsteppenpflanzen mit südeuropäischem und südeurasischem Verbreitungsschwerpunkt aus. Natürliche Waldgesellschaften sind heute im LSG kaum noch vorhanden. So sind Reste der Hartholzaue noch östlich von Tarthun, östlich von Egeln oder inselförmig entlang des Bodelaufes zu finden. In nicht überfluteten Bereichen befinden sich südwestlich von Löderburg Eichen-Mischwald und Hybridpappelforste, letztere nehmen den größten Waldanteil ein. Für den engeren und zum Teil überschwemmungsbeeinflußten Bereich der Talaue stellen die partiell gut ausgebildeten Weiden-Pappel-Auenwälder die potentiell natürliche Vegetation dar. Neben den Weiden-Auenwäldern findet sich bei Wedderstedt ein kleiner Erlenwald, der auf eine Aufforstung nach 1919 zurückgeht, die teilweise niederwaldähnlich genutzt wurde. Für das Landschaftsbild bedeutsam sind außerdem linienhafte Pflanzungen aus den 1950er Jahren entlang von Wegen und Gräben. Insbesondere bei Hedersleben befinden sich in der Aue großflächige alte Streuobstwiesen in sehr gutem Pflegezustand. Ein Kleinod ist der sogenannte ”Heuke-Park” am Ortsrand von Ditfurt mit einem sehr alten Baumbestand, darunter Rot-Buche und Esche. Wärmeliebende Gebüsche sind an den südlich exponierten Hangbereichen der Ditfurter Talseite zu finden. Sie sind kleinflächig als Sukzessionsstadien auf brachgefallenen Trockenrasen ausgebildet. Charakteristische Arten sind Liguster, Roter Hartriegel, Tartaren-Heckenkirsche und Wolliger Schneeball. An vielen Hängen sind auch noch Magerrasen vorhanden. Kleinflächig sind auch interessante Bachröhrichte und eine Hochstauden-Feuchtbrache zu finden. Besonders erwähnenswert sind die fragmentarisch ausgebildete Fluthahnenfuß-Gesellschaft der Bode und die Hakenwasserstern-Gesellschaft mit Haarblättrigem Wasserhahnenfuß und Wasserfeder im Grenzgraben. Im Gebiet kommen unter anderem Weißstorch, Rot- und Schwarzmilan, Schwarzspecht, Eisvogel und Neuntöter vor. Durch Umwandlung bedeutender Flächen von Grünland in Ackerland ab den 1970er Jahren sind die Vorkommen des Großen Brachvogels erloschen. Letztmalig im Mai 1982 flötete in der Bodeniederung bei Ditfurt ein Großer Brachvogel. Auch der Steinkauz ist in den 1980er Jahren in der Bode-Selke-Aue ausgestorben. In neuerer Zeit sind Saatkrähe und Dohle wieder Brutvögel. Im Jahre 1994 erfolgte je eine Koloniegründung bei Ditfurt und bei Wedderstedt. In den Wintermonaten übernachten allabendlich Tausende nordischer Saatkrähen im Gänsefurther Busch. Seine besondere Bedeutung für die Avifauna hat das LSG jedoch für den Rotmilan, der im Gebiet Brutvogel ist und im Winterhalbjahr große Schlafgemeinschaften bildet. Die als Folgeerscheinung des Bergbaus entstandenen zahlreichen Gewässer und Feuchtbiotope bieten einer artenreichen spezifischen Tierwelt neuen Lebensraum. So zählen in diesen anthropogenen Feuchtgebieten unter anderem Zwerg-, Hauben- und Rothalstaucher, Große Rohrdommel, Bekassine, Kiebitz, Drossel-, Teich- und Schilfrohrsänger, Schwanz-, Beutel- und Bartmeise, Braunkehlchen, Wacholderdrossel sowie Nachtigall zu den landschaftstypischen Brutvögeln. Südliche Binsenjungfer, Kleines Granatauge, Kleine Königslibelle und Spitzfleck sind spezifische Bioindikatoren für die gute ökologische Qualität der Stillgewässer. Die Bode selbst wurde in den letzten fünf Jahren zunehmend wieder von der Gebänderten Prachtlibelle besiedelt, wodurch die Verbesserung der Wasserqualität dokumentiert wird. Der Löderburger See und andere große Weiher, wie zum Beispiel der Wolmirslebener See, entwickelten sich unter anderem zu bedeutenden Rastgewässern für durchziehende Gänse- und Entenarten. Linnés Grashüpfer besiedelt in großer Anzahl die ruderalisierten Quecken- und Glatthafer-Säume der Magerrasen an den Talhängen. Die insgesamt hohe Artenzahl der Heuschrecken im Gebiet ist Ausdruck des vielfältigen Lebensraumangebotes. Entwicklungsziele Die Bode soll ihren Charakter als naturnahes Fließgewässersystem und den naturnahen Ober-/Unterlauf behalten beziehungsweise zurückerhalten. Um die Bedeutung hinsichtlich des Arten- und Biotopschutzes zu erhöhen und das Landschaftsbild zu verbessern, sind die landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Niederung und den angrenzenden Bereichen verstärkt durch Hecken, Obstbaumreihen und Wegraine aufzuwerten. Die Auenwaldreste sind zu erhalten und möglichst an periodische Überstauungen anzuschließen. Der Grünlandanteil ist besonders im Überflutungsbereich deutlich zu erhöhen. Exkursionsvorschläge Als besonders wertvolle Bereiche im LSG laden der denkmalgeschützte Park in Hohenerxleben, die Landschaftsparks Horst in Hecklingen und Schlosspark Gänsefurth zum Verweilen ein. Des weiteren lohnt es sich für Naturfreunde, einen Ausflug in das FND „Westerwiesen“ südöstlich von Unseburg oder in das NSG „Salzstelle bei Hecklingen“ zu unternehmen. Hadmersleben Hadmersleben liegt am Übergang einer alten Heerstraße, die von Halberstadt nach Magdeburg über die Bode führt. Erst in diesem Jahrhundert wurden die vier Siedlungsteile zusammengeschlossen, wobei der unterschiedliche Charakter jedes dieser Teile erkennbar geblieben ist. Der Stadtteil im Norden stammt aus dem 12. Jahrhundert und erhielt im Jahr 1390 die Stadtrechte. Zerstörungen der Stadt in den Jahren 1664 und 1699 wurden durch Brände verursacht. Zu den wenigen Relikten aus historischen Zeiten gehören der ”Wächterturm” in der Nähe des Rathauses, der 1649-52 erbaute ”Hansesche Hof” in der Kirchstraße und der Gasthof ”Zum Landhaus” aus dem 17. Jahrhundert. Früher durch den Lauf der Bode abgetrennt, gruppierten sich südlich der Stadt die Gebäude des Schlosses, eine Anlage aus dem 16. Jahrhundert. Heute befindet sich dort die Lehr- und Versuchsanstalt der Saatzucht Hadmersleben GmbH. Im Jahr 1161 wurde ein Benediktiner-Nonnenkloster von Bischof Bernhard von Halberstadt gestiftet, das sich westlich des Schlosses befindet. Die Kirche des Benediktiner-Nonnenklosters St. Peter und Paul gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten in der weiteren Umgebung. Das Südschiff stammt aus der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts, die Nonnenempore aus der Zeit um 1160/80. Aus dem 14. Jahrhundert sind die Glockenstube im Kreuzgratgewölbe und der Chor erhalten geblieben. Die Einrichtungen der Klosterkirche stammen überwiegend aus dem Barock (um 1700). Zu den Ausnahmen gehören beispielsweise die Löwentürklopfer von zirka 1160 am Südportal der Kirche oder der Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert. Die Figuren am Hauptaltar und an den Nebenaltaren wurden von der Nonne Gertrud Gröninger um 1698, als Zeichen früher Emanzipation, geschnitzt. Bei der Besichtigung des Klosters sind die Wandtapeten im Obergeschoß des Kreuzganges sehenswert. Auf ihnen ist der griechische Befreiungskampf von 1827 dargestellt. Das Kloster wurde im Jahr 1810 aufgelöst. Zwischen dem Schloß und dem Kloster erstreckte sich das eigentliche Dorf Hadmersleben, eine warnische Siedlung aus dem 4. Jahrhundert. Wanderungen entlang der Bode Für die Bodeniederung wurden zwei Wanderwegabschnitte von Staßfurt bis Löderburg und von Löderburg bis Wolmirsleben kulturhistorisch und naturkundlich ausführlich beschrieben. Ausgangspunkt der nachfolgend beschriebenen Route soll der Löderburger See sein. Es besteht jedoch die Möglichkeit, von Zwischenpunkten Teilbereiche zu erkunden, da die Route durch mehrere Ortschaften führt. Der Löderburger See ist aus einem Tagebaugebiet durch Abbau von Braunkohle entstanden und seit 1977 als Naherholungszentrum ausgewiesen. Auf seiner zirka 30 ha großen Wasserfläche besteht die Gelegenheit, Wasserski zu fahren, zu rudern oder zu baden. Die Wanderung beginnt auf dem Damm entlang dem Ostufer des Sees und führt weiter etwa 3 km in nördlicher Richtung. Am Ende des Dammes erreichen wir Athensleben. Zum ersten Mal 1174 urkundlich erwähnt, gehörte es später zum Besitz des Klosters Hillerleben. Die Wasserburg in Athensleben war Kaiserpfalz und später Fundament für das Schloß, das 1303 erstmals erwähnt wurde. Am Ostufer der Bode ist das allerdings schon sehr verwitterte Schloß, gebaut aus Kalkstein und Sandstein, zu sehen. Athensleben gehörte politisch zu Magdeburg und kirchlich zu Halberstadt und wurde oft als Pfandobjekt verkauft und wieder erworben. Die Schafzucht war in den 1930er Jahren mit 20 000 Tieren eine bedeutende wirtschaftliche Einnahmequelle für die Dorfbewohner. Vorbei am Athensleber Wasserturm und über die Ackermannsbrücke führt die Wanderung entlang der Bode zirka 2,5 km in nördliche Richtung. Hier beginnt einer der schönsten Abschnitte unmittelbar an der Bode bis Rothenförde, einem Ortsteil von Löderburg. Rothenförde wurde erstmals 959 erwähnt und war Klosterbesitz des Klosters „Unserer Lieben Frauen“ zu Magdeburg. Heute sind aus den vergangenen Jahrhunderten nur noch die Ruinen der Wassermühle zu sehen, die einst sowohl Getreide als auch Ölfrüchte gemahlen hat. Der Wanderweg führt am Bodewehr vorbei. Da das Wasser hier gut durchlüftet wird, ist die Bode unterhalb des Wehres sehr fischreich, was unter anderem den Eisvogel schon seit vielen Jahren hier seßhaft werden ließ. Der Weg führt auf einem Rogensteinsattel des Unteren Buntsandsteins weiter nach Norden. Kleine Altholzrestbestände und Wiesen mit Solitäreichen durchwandernd, erreicht man am westlichen (rechten) Bodeufer das Baumholz und das südlicher gelegene Backofenholz, beides auenwaldartige Niederungswälder. Nach dem Überqueren der Bode am Baumholz gelangt man durch eine Kleingartenanlage nach Unseburg. Der Name ”unna” für Wasser und ”nes” für Nase beschreibt die Lage der Burg an einer Wasserenge. Im Jahr 908 gab es hier nur diese Wasserburg. Der südliche Torturm blieb bis heute in seinen Fundamenten erhalten und diente bis ins 20. Jahrhundert als Eiskeller. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in der Umgebung mit dem Abbau von Braunkohle. 1850 wurde die erste Grube, ”Johanna Henriette”, in der 450 Beschäftigte nach damaligen Angaben 5,5 Millionen Hektoliter Braunkohle förderten, in Betrieb genommen. Eine weitere Grube, ”Marie”, in der Unseburger Feldmark, wurden mit 200 Arbeitern 2,1 Millionen Hektoliter Braunkohle gefördert. Der Betrieb beider Gruben wurde 1960 eingestellt. Verläßt man den Ort in Richtung Tarthun über die Brücke am Mühlgraben führt der Weg entlang des Großen Unseburger Holzes, dessen Auenwaldcharakter sich am schönsten im Frühjahr präsentiert. Zwischen Tarthun und Westeregeln bauten die Consolidierten Alkaliwerke Westeregeln den ersten Salzschacht, ”Schacht IV”, was in Tarthun eine Bevölkerungszunahme zur Folge hatte. 1923 wurde dieser Schacht stillgelegt und während des II. Weltkrieges zur Untertage-Produktion von Flugzeugteilen der Junkers-Werke genutzt, bis er gegen Ende des Krieges gesprengt wurde. Entlang der Bode führt die Wanderung durch das Große Bruch. Die Bode bei Tarthun wurde 1789 begradigt, dennoch sind die alten Bruchwiesen entlang des Weges noch zu erkennen. Die Flächen sind die Nahrungsflächen der Unseburger, Tarthuner, Egelner und Wolmirsleber Weißstörche. Die Westerwiese zwischen der Bode und der Straße in Richtung Wolmirsleben ist ein Feuchtgebiet, das mit Pappel- und Weidengebüschen durchsetzt ist und am besten mit sachkundiger Führung durchwandert werden sollte. Verschiedenes Historie der Unterschutzstellung 1975 wurde durch Beschluß des Bezirkstages Magdeburg das LSG „Bodeniederung“ im Kreis Staßfurt, mit einem geringfügigen Anteil im Kreis Schönebeck, unter Schutz gestellt. 1996 erfolgte die Neu-Verordnung dieses LSG. 1994 stellte der Landrat von Halberstadt ein LSG „Bodeniederung mit angrenzenden Hochflächen“ einstweilig sicher. Die einstweilige Sicherstellung lief 1998 aus, das LSG befindet sich aber zur Zeit in der Ausweisung. Es besteht allerdings kein räumlicher Zusammenhang zum LSG „Bodeniederung“ aus dem Jahr 1975. 1995 wurde im Bördekreis die „Bodeniederung mit angrenzenden Hochflächen“ einstweilig sichergestellt. Auch hier läuft das Ausweisungsverfahren. Es war aber noch immer kein Anschluß an das bestehende LSG „Bodeniederung“ gegeben, er erfolgte erst 1996 bei der Neuverordnung durch Erweiterung bis an die Kreisgrenze. 1997 wurde erstmalig ein Anteil im Landkreis Quedlinburg endgültig unter Schutz gestellt, mit der abweichenden Bezeichnung „Bode-Selke-Aue und angrenzende Hochterrasse“. Dieses Gebiet ist, da der Anteil im Landkreis Halberstadt gegenwärtig ohne Schutzstatus und der Bereich im Bördekreis erst einstweilig sichergestellt ist, vom übrigen LSG noch völlig getrennt. 1998 wurde im Landkreis Bernburg das LSG „Bodeniederung“ endgültig verordnet. Da es sich künftig um ein zusammenhängendes Gebiet handeln wird und die Bode das gemeinsame Schutzgut ist, erschien es sinnvoll, alle Kreisanteile in einem LSG zusammenzufassen. Mit der Gesamtbezeichnung „Bode“ und den zur Zeit endültig unter Schutz gestellten Anteilen in den Landkreisen - Aschersleben/Staßfurt unter der Bezeichnung „Bodeniederung“ - Schönebeck unter der Bezeichnung „Bodeniederung“ - Quedlinburg unter der Bezeichnung „Bode-Selke-Aue und angrenzende Hochterrasse“ - Bernburg unter der Bezeichnung „Bodeniederung“ werden die Unterlagen ab Stand 01.01.1999 in der Landesdokumentation unter der Registriernummer LSG0025 archiviert. Wassergüte der Bode Innerhalb der letzten Jahre hat sich die Wasserqualität der Bode deutlich verbessert: Während ihr Lauf oberhalb von Staßfurt 1992 noch als durchgehend kritisch belastet und im weiteren Verlauf bis zur Mündung in die Saale als sehr stark verschmutzt bewertet werden mußte, wies der Bodelauf zwischen Oschersleben und Unseburg 1995 nur noch eine mäßige Belastung und der Unterlauf ab Staßfurt eine kritische Belastung auf. Die Einmündung der Selke wirkt sich nicht entlastend auf die Bode aus, sondern führt außerdem zu erhöhten Salzkonzentrationen, die jedoch insgesamt gering sind. Durch den Zufluß der Holtemme nimmt die Nährstoffkonzentration in der Bode bei Wegeleben bis Hordorf weiter zu. Der Bodelauf besitzt ab Oschersleben durch das kiesige und flache Flußbett ein gutes Selbstreinigungsvermögen. Dadurch kann dieser Abschnitt bis Staßfurt mit der Gewässergüteklasse mäßig belastet bewertet werden. Aufgrund der Einmündung des Großen Grabens beziehungsweise des Lehnertsgrabens und der vermutlich geogenen Aufsalzungen erhöhen sich die Salzkonzentrationen in diesem Bereich der Bode gegenüber dem Abschnitt oberhalb Hordorf deutlich. Die derzeitige Einstufung des Bodeabschnittes unterhalb Staßfurts bis zur Mündung in die Saale in die Gewässergüteklasse kritisch belastet ist auf die industriellen Abwässer der Stadt, die Einmündung der aufgrund der Deponieseen der Staßfurter Kaliindustrie stark salzbelasteten Marbe und die Einmündung der noch abwasserhaltigen Ehle zurückzuführen. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 25.07.2019
Gebietsbeschreibung Das LSG liegt am Nordwestrand der Colbitz-Letzlinger Heide zwischen der Stadt Gardelegen, den Orten Weteritz und Kloster Neuendorf im Norden, Letzlingen im Süden sowie Solpke und Sylpke im Westen. Das Schutzgebiet hat eine ungefähre Ausdehnung von 12 km in nordwest-südöstlicher und von 6 km in nordost-südwestlicher Richtung. Es gehört zu den Landschaftseinheiten Altmarkheiden und Östliche Altmarkplatten. Das Relief des Gebietes wurde durch die Gletscher der Saalekaltzeit geformt. Ein geomorphologisch relativ wenig gegliedertes, sandiges Plateau entstand, auf das südlich der Linie Zienau-Lindenthal-Ipse-Ziepel ein hügeliger Endmoränenzug aufgeschoben wurde. Nacheiszeitlich wurden abschnittsweise Dünenzüge aufgeweht. Die markantesten Erhebungen sind der Bullenberg südlich Zienau (84 m über NN) und der Weinberg bei Polvitz (93 m über NN). Zeugen der Landschaftsgeschichte sind als Naturdenkmale geschützte Großfindlinge: der „Drei-Grenzen-Stein“ (3 m Länge) sowie der „Große Stein“ auf dem Blauen Berg (3,6 m). Beide liegen auf halber Strecke zwischen Gardelegen und Letzlingen. Das Landschaftsbild wird durch großflächige Kiefernforste bestimmt. Eingestreut sind alte Laubhölzer. Bemerkenswert sind die Stieleichen-Allee an der alten Letzlinger Landstraße (zirka 280 Jahre alt) und eine Sommerlinden-Allee bei Weteritz. Vor allem im Randbereich der Niederungen stocken auch wertvolle Feuchtwälder, so bei Lindenthal, Kenzendorf und Weteritz. Bei Letzlingen erstreckt sich das landschaftsästhetisch reizvolle Quellgebiet der Milde, das Polvitzer Moor, das durch Grünland, Gräben, Gehölzreihen und Teiche geprägt wird. Die Polvitzer Teiche sind die größten und schönsten Stillgewässer im LSG. Der Mildelauf ist zum Teil begradigt und grabenartig eingetieft, durch bachbegleitende Gehölze jedoch in der Landschaft wahrnehmbar. Zwischen Neuemühle und Ziepel hat die Milde einen sehr naturnahen und vielgestaltigen Gewässerlauf, der von wertvollen Erlen- und Erlen-Eschenwäldern begleitet wird. Unterhalb Ziepel tritt der Bach in die Niederung um Gardelegen ein, die durch das Grünland der Rottwiesen geprägt wird. Hier ist der Bach fast durchgehend von Erlenreihen gesäumt. Die Niederung um Weteritz wird von Wiesen, Weiden und kleineren Feuchtwäldern dominiert. Ein sehr abwechslungsreiches Landschaftsbild bietet der historische Lenné-Park bei Weteritz mit Altholz-Beständen, Teichen, Röhrichten und mit Streuobstwiesen, naturnahen Bachabschnitten, Hecken, Erlenbruchwald und Feuchtgrünland in der Umgebung. In den Wäldern der Zienauer Heide haben sich kleinflächig Heide- und Trockenrasenflächen erhalten. Innerhalb der Grenzen des LSG befinden sich mit Ziepel, Ipse und Lindenthal nur wenige kleine Ansiedlungen. Die kleinen Dörfer Ziepel und Ipse sind äußerst idyllisch in die Landschaft eingewachsen und weisen viel historische Bausubstanz auf, in Ziepel Fachwerkhöfe mit alten Inschriften und in der Dorfmitte eine artesische Quelle, die noch heute als Trinkwasser genutzt wird. Ipse wirkt durch seine bauliche Geschlossenheit und die harmonische Einbindung der Höfe durch alte Obstgärten und Pferdekoppeln in die Landschaft. Charakteristisch sind ehemalige Wassermühlen an der Milde wie die Neuemühle, die Hoppenmühle, die Drögemühle und die Buschmühle sowie alte Forsthäuser. Bemerkenswert sind auch Schloß Weteritz und die Waldschnibbe im Wald bei Lindenthal. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Die jungsteinzeitlichen Funde streuen relativ locker innerhalb eines von der Milde und einem Zufluß bogenförmig umschlossenen Bereichs, der nur bei Ziepel überschritten wird. Dabei befinden sich vier von 13 Fundstellen heutzutage unter Wald. Während der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Kaiserzeit umfaßte die Besiedlung vier, drei und zwei Fundstellen, von denen immer nur eine an der Milde lag, während die anderen ihren Standort in Richtung auf das Quellgebiet der Milde verlagerten. Dank der schützenden Wirkung des Forstes haben sich im LSG Grabhügel der Bronze- und Eisenzeit erhalten. Um das Jahr 1000 war die Heidehochfläche noch von Wenden bewohnt. Ihre kleinen Dörfer lagen im Wald. Nach ihnen wurde die ganze Gegend als die Wendenheide bezeichnet. Im Jahre 1250 bestätigte Papst Innozenz dem Kloster Neuendorf die Schenkung des Dorfes Salchau ”cum deserto slavico” einschließlich Slawenheide. Im Mittelalter wurden lange Zeit die Begriffe ”Garleber Heide” oder ”Gardeleger Heide” verwendet. Deshalb wurde zur Bezeichnung des LSG der Name „Gardelegen-Letzlinger Forst“ gewählt. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation des Mittelalters kam es zu einer intensiven Rodungsphase. Innerhalb der großflächigen Wälder entstanden neue Ansiedlungen und Ackerflächen wachsender Ausdehnung. Im 14. Jahrhundert und später während des Dreißigjährigen Krieges wurden viele Ansiedlungen wieder wüst, und ehemals ackerbaulich genutzte Flächen wurden aufgegeben. Die Wälder wurden bis in das 19. Jahrhundert als Weideflächen genutzt, wie zahlreiche alte Hudeeichen im Bereich der angrenzenden Colbitz-Letzlinger Heide bezeugen. Die Weidewirtschaft ließ auch offene, baumfreie Heideflächen entstehen. Mit der Eingliederung des Gebietes nach Preußen begann im Jahre 1815 die geregelte Forstwirtschaft. Ein Großteil der waldfreien Flächen wurde mit schnellwüchsigen Nadelhölzern, vor allem Kiefer, aufgeforstet. Zur Markierung der Wege wurden Eichen gepflanzt, von denen heute noch einige als alte Überhälter vorhanden sind. Für die Bewohner der angrenzenden Dörfer wurden die Wälder, vor allem am moorigen Nordrand, zum Sammeln von Preisel- und Heidelbeeren genutzt, die eine zusätzliche Einnahmequelle darstellten. Daneben wurden viele Bestände zur Gewinnung von Einstreu für die Ställe alljährlich geharkt. Diese Forsten waren nahezu frei von Kraut- und Strauchschicht und nach Berichten von Zeitzeugen von einer geradezu schrecklichen Eintönigkeit. Auf solchen übernutzten Waldflächen haben sich verschiedentlich kleinflächige Flechten-Kiefern-Trockenwälder entwickelt, so beispielsweise in der Zienauer Heide und im Gebiet südlich von Ipse. Die Wälder sind seit Jahrhunderten ein beliebtes Jagdgebiet. Bereits im Jahr 1559 erbaute Kurprinz Johann Georg in Letzlingen ein Jagdschloß, die Hirschburg, und umgab sie mit einem großen Wildpark. Nachdem das Schloß durch die Einwirkungen des Dreißigjährigen Krieges verödete, wurde es erst im Jahre 1843 durch König Friedrich Wilhelm IV neu ausgebaut. Nun fanden alljährlich große Hofjagden statt. Der große Wildreichtum lockte Prominenz und Adel in die Wälder um Letzlingen. Von Kurfürst Joachim Friedrich über Prinz Louis Ferdinand, Kaiser Wilhelm I, Kaiser Wilhelm II, Reichskanzler Bismarck, Hindenburg, Franz Ferdinand von Österreich bis zu Göring reicht die lange Liste der „Waidmänner“. Die vorherrschende Flächennutzung ist noch heute die Forstwirtschaft. In der Niederung von Milde und Weteritzbach oberhalb Gardelegen dominiert landwirtschaftliche Nutzung mit Ackerbau und wenig Grünland. Ein bedeutendes Produkt dieser Gegend war in früherer Zeit das Bier, das vor dem Dreißigjährigen Krieg in 250 Brauereien Gardelegens gebraut wurde. Jedes zweite Haus in der Stadt war damals eine Brauerei. Entsprechend dürfte der Hopfenanbau auf den landwirtschaftlichen Flächen einen hohen Anteil gehabt haben. Noch heute wird das ”Garley”-Bier in Gardelegen gebraut, dessen wichtigste Grundlage die Güte des Heidewassers ist. Die Stadt Gardelegen führt 3 Hopfenstangen im Wappen. Die Niederung im Quellgebiet der Milde bei Letzlingen wurde in früherer Zeit in größerem Umfang zu Fischzucht genutzt. Eine Vielzahl von Gräben ist als Relikt der Teichanlagen vorhanden. Das gesamte heutige ”Polvitzer Moor” war als großer Fischteich angestaut bzw. hatte keinen natürlichen Abfluß. Das von Alvenslebensche Schloß in Polvitz war ein Wasserschloß. Die Zufahrt erfolgte über einen 2 km langen Damm, die heutige Straße nach Polvitz. Erst nach Aufgabe dieser Teiche wurde zur Entwässerung des Moores das Bett der Milde ausgehoben. Vermutlich war sie im Quellbereich nie ein natürliches Fließgewässer. Große Teile des Landschaftsschutzgebietes sind Trinkwasserschutzgebiete für die Trinkwasserförderung durch das Wasserwerk Gardelegen. Heute hat das LSG auch als Naherholungsgebiet eine Bedeutung. Zwei Naturlehrpfade, einer beim Forsthaus Kenzendorf und ein weiterer beim Gasthaus Lindenthal, informieren die Besucher über die Pflanzen- und Tierwelt. Viele markierte Wanderwege, einzelne Radwege und Reitpfade erschließen das Gebiet für die naturbezogene Erholung. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Das Landschaftsschutzgebiet bedeckt den Nordwest-Teil der Colbitz-Letzlinger Heide und die nördlich Letzlingen beginnende Milde-Niederung. Die Colbitz-Letzlinger Heide gehört zu den saalekaltzeitlichen (warthestadialen) Hochflächen nördlich Magdeburgs. An der Oberfläche stehen im Bereich der Hochfläche generell Sande, das heißt Schmelzwasserablagerungen, an. In der Milde-Niederung findet man auch holozäne fluviatile Sedimente. Die Lithologie der Ablagerungen in der Colbitz-Letzlinger Heide bedingt, daß ein hoher Anteil des Niederschlags versickert und als Grundwasser aufgrund veränderter hydrogeologischer Verhältnisse erst den Vorflutern am Rand der Hochfläche zufließt. Im Gebiet finden sich überwiegend sandige saalekaltzeitliche Substrate und weichselkaltzeitlicher Geschiebedecksand. Als markante Grenze zwischen beiden Sandschichten findet sich eine Steinsohle mit den bekannten Windkantern. Entsprechend den Substraten dominieren hier Braunerde-Podsole und Sand-Podsole, bevorzugt Eisen-, Eisenhumus- und Humuseisen-Podsole, unter Wald. Sofern solche Böden landwirtschaftlich genutzt werden, bezeichnet man sie als Acker-Braunerde-Podsol. In den Niederungen, zum Beispiel der Milde, treten Niedermoortorfe auf. Diese werden als Grünland genutzt und sind durch Entwässerungsmaßnahmen verändert. Im Nordwesten des LSG finden sich Gleye aus unterschiedlichen Substraten. Die aus Schmelzwassersanden aufgebauten Hochflächen der Heide sind arm an Gewässern. Das Niederschlagswasser versickert und tritt am Rande der Heide wieder zutage. Innerhalb des LSG entspringt die Milde in einer moorigen Senke zwischen Letzlingen und Polvitz, dem „Polvitzer Moor“. Die Milde fließt mit zunächst geringem Gefälle nach Nordwesten ab. Nach einem Schwenk in westliche Richtung durchbricht sie einen Endmoränenzug, verläßt die Heidehochfläche mit höherer Fließgeschwindigkeit in nördliche Richtung und erreicht bei Ziepel die Niederung um Gardelegen. Kurz vor Gardelegen nimmt sie den Weteritzbach auf, der die Niederung zwischen Solpke und Gardelegen entwässert. Ein weiteres Quellgebiet des Heiderandes ist das unmittelbar östlich bei Kloster Neuendorf an das LSG angrenzende Jävenitzer Moor, eines der seltenen Hochmoore der Altmark. Weiterhin sind artesische Quellen am Heiderand wie bei Ziepel charakteristisch. Die Altmarkheiden sind durch Grundwasserflurabstände von > 10 m gekennzeichnet. In den Übergangszonen zu den Niederungen verringert sich der Flurabstand auf 5 m und darunter. Im Bereich des oberen Mildetals steht das Grundwasser mit 2 bis 5 m hoch an. Hier konnten 1935 bei Polvitz aus Torfstichen einige größere Fischteiche angelegt werden. Aufgrund der vorhandenen Nutzungsbedingungen besitzt das Grundwasser der Heiden sehr große Potentiale zur stabilen Wasserversorgung angrenzender Niederungsgebiete. Der hohe Waldanteil und nicht vorhandene Entwässerungsanlagen bewirken eine gute Grundwasserneubildung und die Verzögerung des Gebietsabflusses. Das LSG liegt im Bereich der subatlantisch geprägten Altmarkheiden. Die Niederschläge liegen im langjährigen Mittel bei 550 bis 600 mm und die mittlere Jahrestemperatur bei 8,5° C. Pflanzen- und Tierwelt Der Quellbereich der Milde weist trotz hohen Ausbaugrades Elemente der silikatischen Quellfluren wie Bitteres Schaumkraut und Quell-Sternmiere auf. Daneben ist der Bachlauf durch Kleinröhrichte mit Berle, Flutendem Schwaden, Bachbunge und Gauchheil-Ehrenpreis gesäumt. Auf der Höhe von Polvitz treten Großseggenriede mit Rispen- und Sumpf-Segge hinzu. Abschnittsweise begleiten Schilfröhricht, Schwarzerlen- oder Grauweiden-Gebüsche das Gewässer. An den Bachlauf schließt sich Feuchtgrünland mit Kohldistel, Wald-Simse, Wald-Engelwurz, Sumpf-Storchschnabel, Großem Mädesüß und Sumpf-Schafgarbe an. Oberhalb Neuemühle begleiten Schwarzerlen-Brüche den Bach, die jedoch infolge meliorativer Maßnahmen, verbunden mit Torfzehrung und Sackung, trockengefallen sind. Die Erlen stehen zum Teil auf „Stelzen“, und die Krautschicht wird von der Brennessel dominiert. Bei Neuemühle ist die Milde gestaut. Der strömungsarme Abschnitt ist von Wasserschwadenröhricht, Wasserpest-Gesellschaft sowie Zweizahnfluren und nitrophilen Staudenfluren geprägt. Unterhalb Neuemühle wird die weitgehend naturbelassene Milde von Erlenbruchwald und Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald sowie Winkelseggen-Eschenwald begleitet. Typische Arten sind Sumpf-Haarstrang, Sumpf-Segge, Gemeiner Gilbweiderich und Winkel-Segge. Am Bachufer wachsen Wasser-Minze, Bach-Bunge und Wasserstern. Die umgebenden, grundwassernahen Kiefernforste weisen mit Pfeifengras in der Krautschicht auf den Pfeifengras-Eichenwald als natürliche Waldgesellschaft hin. Die Krautschicht dieser Forste ist relativ artenarm und weist Schlängel-Schmiele, Sauerklee, Heidelbeere und Keulen-Bärlapp auf. Die Niederung bei Ziepel trägt abschnittsweise feuchte Rasenschmielenwiesen mit Flatter-Binse und Rasen-Schmiele. In den Moorwiesen zwischen Ziepel und Gardelegen befinden sich Restbestände von Geflecktem und Breitblättrigem Knabenkraut. Hier liegt als FND „Rottwiesen bei Gardelegen“ das größte in Sachsen-Anhalt bekannte Vorkommen der Schachblume mit über 2 000 Exemplaren. Die Wälder um Letzlingen sind seit alters her für ihren Wildreichtum berühmt. Im 19. Jahrhundert übertraf der Wildbestand 10 000 Stück, vor allem Dam-, Rot- und Schwarzwild. Der letzte Luchs wurde im Jahre 1655 erlegt, auf Wölfe wurden noch im Jahre 1722 große Jagden abgehalten. Heute sind vor allem Reh-, Rot- und Schwarzwild anzutreffen. Das LSG ist Lebensraum einer vielfältigen Vogelwelt. Bemerkenswerte Bewohner der Kiefernwälder sind Schwarzspecht, Rotmilan, Sperber, Kolkrabe, Baumfalke und Schwarzstorch. In Feuchtwäldern tritt der Kranich auf. Baumreihen und Gebüsche in der Ackerlandschaft sind Lebensraum von Ortolan und Neuntöter. Sehr häufig ist der Graureiher im Gebiet anzutreffen. In Ipse und in Gardelegen befinden sich besetzte Storchenhorste. Von den Fledermäusen wurden Zwerg-, Langohr- und Fransenfledermaus nachgewiesen. Die Milde ist Lebensraum von Bachforelle, Regenbogenforelle, Schmerle und Gründling. Die Polvitzer Teiche werden von Verlandungsvegetation mit Schilf-Röhricht, Röhricht des Schmalblättrigen und des Breitblättrigen Rohrkolbens, Rispenseggenried und Steiffseggenried gesäumt. Hier wurden Insektenarten feuchter Lebensräume nachgewiesen wie Sumpf-Schrecke, Sumpf-Grashüpfer, Kurzflügelige Schwertschrecke und Große Goldschrecke. Entwicklungsziele Schutzzweck ist die Bewahrung und Wiederherstellung eines für die Altmark typischen Landschaftsteiles mit seiner Vielfalt an Wald-, Grünland-, Acker-, Feucht- und Trockenstandorten. Insbesondere die Wälder sind zu erhalten und schrittweise in überwiegend naturnahe Bestände umzuwandeln. Waldränder sind als artenreiche Übergänge zwischen Wald und Offenland zu erhalten und wiederherzustellen. Die Grünländer sind durch Nutzung zu erhalten und auf den Niedermoorstandorten durch extensive Grünlandwirtschaft zu verbessern. Die offene Agrarlandschaft ist durch Anlage von Hecken und Feldgehölzen ökologisch und landschaftsästhetisch aufzuwerten. Die Trockenstandorte sind zu schützen und durch geeignete Pflege freizuhalten. Die Fließgewässer sind durch Schonstreifen zu schützen. Der Quellbereich und Oberlauf der Milde bei Polvitz ist unter Anhebung der Gewässersohle und Anlage eines mäandrierenden Laufes zu renaturieren. Durch Anhebung des Grundwasserspiegels sind die Feuchtwaldgesellschaften zu sichern. Der Gehölzanteil ist hier zu erhöhen. Der naturnahe Mildelauf zwischen Neuemühle und Drögemühle ist zu schützen. Die Erholungsnutzung beschränkt sich auf eine naturbezogene, ruhige Erholung durch Wandern und Radfahren auf dem vorhandenen Wegenetz. Im Gebiet besitzt das Reiten, einschließlich das Wanderreitens, traditionsgemäß eine überdurchschnittliche Bedeutung. In allen angrenzenden Orten ist Kränzchenreiten ein Volksfest besonderer Bedeutung. Im Herbst werden Jagden geritten. Zu Himmelfahrt und Pfingsten erfolgen Ausritte. Durch das Gebiet wird der nationale Reitweg Nr. 2 von der Ostsee zum Schwarzwald führen. Exkursionsvorschläge Wanderung Letzlingen-Forsthaus Kenzendorf Von Letzlingen geht man in nordwestliche Richtung und passiert am Ortsausgang das historische Jagdschloß. Weiter geht es nach Polvitz, wo die in der Niederung liegenden Teiche einen reizvollen Anblick bieten. Von Polvitz wandert man nach Westen in die Kiefernwälder und über die höchste Erhebung des Landschaftsschutzgebietes, den Weinberg, und anschließend nach Neuemühle. Dort überquert man die Milde und trifft linkerhand auf das Forsthaus Kenzendorf. Hier kann man den Naturlehrpfad begehen und sich über Flora und Fauna der Wälder informieren. Auf Waldwegen in östlicher und südlicher Richtung kann über den Blauen Berg und Sorgenschen Berg der Rückweg nach Letzlingen beschritten werden. Wanderung Lindenthal - Zienauer Heide 150 m südlich vom Gasthaus Lindenthal befindet sich ein Informationsstand. Hier beginnt der Naturlehrpfad, der über Naturgeschichte und Lebewelt des Gebietes unterrichtet. Der Weg in südliche Richtung steigt deutlich an und markiert die Anhöhen der Endmoräne. Etwa 2 km südlich Lindenthal stellt der Bullenberg die markanteste Anhöhe dar. Vom Bullenberg kann man zahlreiche Waldwege durch die Wälder der Zienauer Heide beschreiten. In westliche Richtung erreicht man die Ansiedlung Ipse und kann, vorbei an den Teichen im Eichengrund, nach Lindenthal zurückkehren. Wanderung Gardelegen-Rottwiesen-Ziepel-Weteritz-Gardelegen Vom Stadtgraben aus wandert man durch die Rottwiesen in westlicher Richtung nach Ziepel, von dort durch den idyllischen „Heidwinkele“, ein lockeres Waldgebiet mit eingesprengten Wiesen und Feldern, alten Eichen und Linden. In Weteritz wurde durch Lenné ein Landschaftspark mit altem Baumbestand, Wasserflächen und Grünländern angelegt. Diesen kann man besichtigen und dann auf verschiedenen Wegen nach Gardelegen zurückkehren. Das Landschaftsschutzgebiet wird von Kloster Neuendorf bis Sylpke auf zirka 15 km Länge vom Altmark-Radwander-Rundkurs durchquert. Weitere neue Radwege erschließen das Gebiet um Gardelegen-Weteritz-Ipse-Ziepel-Lindenthal. Geotope Im LSG befinden sich einige sehr schöne Findlinge, die als Geotope erfaßt sind. Sie wurden aus Skandinavien mit dem Inlandeis während der Saalevereisung in diesen Raum tranportiert. Dazu gehören: - Findling „Drei-Grenzen-Stein“, zirka 2,2 km nordöstlich Polvitz, grobkörniger Granit; - Findling „Großer Stein am Blauen Berg“, zirka 1,5 km nordöstlich Polvitz, Orthogneis mit großen Feldspäten; - Findling „Wächterstein“, zirka 4 km südöstlich Ziepel, im alten Gadelegener Hospitalforst, grobkörnig-pegmatitischer Granit; - Findling „Kenzendorfer Stein“, zirka 1,2 km nordwestlich Polvitz, im Wald, Orthogneis mit großen Feldspäten. Verschiedenes Gardelegen An einem alten Verkehrsknotenpunkt an der Kreuzung der Straßen Salzwedel-Magdeburg und Stendal-Oebisfelde entstand im 12. und 13. Jahrhundert die Stadt Gardelegen. Noch heute sind die alten Straßen im Grundriß der Stadt als Hauptstraßen erkennbar. Das mächtige Salzwedeler Tor gibt am Nordwestrand der Altstadt einen Hinweis auf die einstige Bedeutung der Stadt. Zwei mächtige Rundtürme von 10 bzw. 13 m Durchmesser stammen aus dem 17. Jahrhundert. Auf die ehemalige Stadtbefestigung weisen noch der Stadtgraben, heute rekonstruierter Parkteich, und die ringförmig um die Altstadt liegenden Wallanlagen mit Resten der alten Stadtmauer hin. Die Wallanlagen sind heute eine denkmalgeschützte Parkanlage mit herrlichen geschlossenen Lindenalleen auf dem ehemaligen Wallverlauf. In der Sandstraße sind zahlreiche Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Am südlichen Rand der Altstadt, dort wo ehemals das Magdeburger Tor stand, befindet sich das um 1300 gegründete Heilig-Geist-Spital. Nach einem Brand wurde es im Jahre 1591 erweitert und 1728 nochmals erneuert. Unweit steht die Marienkirche, eine um 1200 als flachgedeckte Basilika errichtete, aber noch im 13. Jahrhundert in eine fünfschiffige Backsteinhalle umgebaute Kirche. Besonders sehenswert ist hier der Anfang des 15. Jahrhunderts gearbeitete vierflügelige Schnitzaltar. Im Zentrum der Altstadt befindet sich der Rathausplatz mit dem 700 Jahre alten Rathaus, vielfach umgebaut und mit offener Laube, Arkaden und mit einem mit doppelt durchbrochener Laterne bekrönten Turm. Ebenfalls an diesem Platz steht mit dem „Deutschen Haus“, ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1687, und der zweigeschossige Putzbau der Löwenapotheke, die Sitz des Stadtmuseums ist. Die städtische Silhouette Gardelegens wird weiterhin von der Nikolaikirche geprägt. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche als Ruine erhalten, aus der noch der wuchtige, hohe Westquerturm emporragt. Kloster Neuendorf Östlich von Gardelegen liegt an der Grenze des LSG das um 1232 gegründete Zisterziensernonnenkloster Neuendorf, von dem noch die einschiffige, langgestreckte Klosterkirche und ein gotischer Kreuzgang erhalten sind. In der Kirche haben sich die auf Strenge und Klarheit gerichteten Baugewohnheiten des Ordens verwirklicht. Besonders schön ist die durch eine Dreifenstergruppe gegliederte Ostwand, in welcher der Rhythmus der Fenster durch auf den Giebel aufsteigende Stege und einen Spitzbogenfries aufgenommen wird. Letzlingen In Letzlingen stellt das Jagdschloß die herausragende Sehenswürdigkeit dar. Das im Jahre 1559 erbaute Schloß verfiel in Folge des Dreißigjährigen Krieges. König Friedrich Wilhelm IV ließ es im Jahre 1843 als romantisierenden Putzbau mit Türmen, Zinnen und Wassergraben im Stil britischer Adelsburgen neu ausbauen. Die Architekten August Stüler und Ludwig Ferdinand Hesse schufen auf des Königs Wunsch auch eine Kirche im Stil der englischen Tudorgotik. Die Schloßkirche besitzt als besondere Sehenswürdigkeit Wandmalereien mit jagdlichen Motiven. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 24.07.2019
Hannover – Wie sieht die Wietze von oben und von unten aus? Welche Pflanzen und Tiere leben im und am Gewässer und wie haben sich Flora und Fauna in den vergangenen Jahren verändert? Genau diese besonderen Perspektiven auf und besonderen Einblicke in den rund 38 Kilometer langen Fluss nördlich von Hannover bietet ein neuer Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und dem Unterhaltungsverband Wietze (UHV Wietze) entstanden ist. Mit Drohnen wurde die gesamte Wietze gefilmt, zudem kamen Unterwasserkameras zum Einsatz. Die Aufnahmen zeigen, wie Projekte zur Renaturierung den Zustand des Flusses für Flora und Fauna verbessert haben. Wie sieht die Wietze von oben und von unten aus? Welche Pflanzen und Tiere leben im und am Gewässer und wie haben sich Flora und Fauna in den vergangenen Jahren verändert? Genau diese besonderen Perspektiven auf und besonderen Einblicke in den rund 38 Kilometer langen Fluss nördlich von Hannover bietet ein neuer Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und dem Unterhaltungsverband Wietze (UHV Wietze) entstanden ist. Mit Drohnen wurde die gesamte Wietze gefilmt, zudem kamen Unterwasserkameras zum Einsatz. Die Aufnahmen zeigen, wie Projekte zur Renaturierung den Zustand des Flusses für Flora und Fauna verbessert haben. „Der Wietze im Drohnenflug und unter Wasser zu folgen, ist ein Abenteuer und eine Einladung zum Nachdenken, Staunen und Lernen. Der Film ist ein guter Beweis für das Zusammenspiel von Mensch und Natur und er verdeutlicht, wie Projekte zur Renaturierung einen Fluss wieder mehr in Richtung Natürlichkeit verwandeln können“, erklärt Dr. Astrid Deek, Geschäftsbereichsleiterin „Wasserwirtschaft“ in der NLWKN-Betriebsstelle Süd in Braunschweig. Der Film zeigt beispielsweise anschaulich, wie ein naturnaher Flusslauf mit unterschiedlichen Wassertiefen, verschiedenen Strömungsgeschwindigkeiten, schattenspendenden Bäumen und Nebengewässern in der Aue, das Wasser in der Landschaft halten kann. Um den Zustand der Wietze kontinuierlich zu verbessern, arbeitet der NLWKN im Rahmen der Gebietskooperation Fuhse-Wietze eng mit dem UHV Wietze zusammen. Dieser ist für die Unterhaltung des Gewässers zuständig und kümmert sich beispielsweise um das Mähen der Böschungen und das Krauten der Flusssohle. Zu den Aufgaben des UHV Wietze gehört aber auch, die Bewirtschaftungsziele der von der EU erlassenen Wasserrahmenrichtlinie – kurz WRRL – umzusetzen. Beispielsweise soll die Durchgängigkeit der Gewässer wiederhergestellt werden, damit Fische und andere Lebewesen künftig wieder ihren natürlichen Wanderrouten folgen können. Um die Ziele der WRRL zu erreichen, führt der UHV Wietze gemeinsam mit dem NLWKN sowie den Landkreisen und Gemeinden vor Ort Renaturierungsprojekte für eine natürliche Entwicklung der Wietze durch. „Wir bedienen uns modernster Techniken, um einen guten Überblick über die Situation vor Ort zu gewinnen. Durch die Drohne haben wir detaillierte Aufnahmen über die Schönheiten, aber auch der Belastungsschwerpunkte der Wietze bekommen und konnten Maßnahmen gezielt umsetzen“, erklärt UHV-Geschäftsführerin Astrid Baarck. Das Filmmaterial habe den Akteuren vor Ort viele wichtige Informationen, die für die Renaturierung erforderlich waren, geliefert. Um diese Eindrücke zu teilen, sei die Idee für den Dokumentarfilm entstanden. „Wir wollen auch in der Öffentlichkeit für das Anliegen natürlicher Flussgebiete werben. Unser Film soll anderen Mut machen, an den Gewässern zu arbeiten und mehr Natur an die Flüsse zurückzubringen“, betont Astrid Deek. Hintergrundinformationen zum Film Hintergrundinformationen zum Film Der Film ist auf der Website des NLWKN und auf dem Youtube-Kanal des UHV Wietze zu sehen. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen der Gebietskooperation Fuhse-Wietze zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG WRRL) mit bereitgestellten Haushaltsmitteln des Landes Niedersachsen. Die Gebietskooperation Fuhse-Wietze wurde im Jahr 2005 gegründet. Dort kommen sämtliche Interessengruppen zusammen, um bei der Umsetzung der WRRL vor Ort mitzuwirken. Den Vorsitz der Gebietskooperation stellt der Wasserverband Peine und die Geschäftsführung nimmt die NLWKN Betriebsstelle Süd vom Standort Braunschweig aus wahr.
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