Aufbauend auf das Instrument von 2022, mit dem die ökologische Nachhaltigkeitsperformance des Lebensmitteleinzelhandels bewertet wurde, wurden diesmal auch die Nachhaltigkeitsdimensionen „Soziales“ und „Tierwohl“ in die Bewertung integriert. Mit insgesamt 23 Handlungsfeldern, 90 Indikatoren und 112 Subindikatoren wurden die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen Lieferkette, eigene Standorte und Verbraucherkommunikation systematisch erfasst und eingeordnet.
Willkommen zur neuen Newsletter-Ausgabe "Umweltbewusst leben"! Dem Lebensmitteleinzelhandel kommt eine Schlüsselrole zu, wenn es darum geht, unser Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten. Durch ressourcenschonende Produktion von Lebensmitteln, umweltfreundliche Verpackungen und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen können Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck verringern. Was Supermarktketten tun können, um noch nachhaltiger zu werden, hat das UBA in einer neuen Studie untersucht. Außerdem finden Sie in dieser Ausgabe aktuelle Zahlen und Trends zum Verpackungsrecycling und Hinweise zur umweltschonenden Entsorgung von Medikamenten. Interessante Lektüre wünscht Ihr UBA-Team der Presse-und Öffentlichkeitsarbeit
Das Bundeskabinett hat die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Sie steht unter dem Titel „Transformation gemeinsam gerecht gestalten”. Die nun beschlossene Version knüpft an die Strategie vom März 2021 an. Ihre Grundlage sind die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen. Über verschiedene Beteiligungsprozesse hatten auch Bürger:innen die Möglichkeit, eigene Ideen einfließen zu lassen. Darüber hinaus fanden Fachgespräche mit Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen statt, um die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie so lebensnah wie möglich zu gestalten. Noch fünf Jahre, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen Um die globalen Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDG), bis 2030 zu erreichen, ist eine Verstärkung und Beschleunigung der bisherigen Anstrengungen erforderlich. So ist die Zahl der Hunger leidenden Menschen weltweit gestiegen, nicht zuletzt wegen der Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Auch der Zugang aller zu sanitärer Grundversorgung ist noch nicht gewährleistet. Aus diesem Grund ist ein höheres Tempo auf nationaler und internationaler Ebene notwendig. Daran knüpft die neu aufgelegte Strategie an. Sie zielt auf eine Welt ohne Hunger, Armut und Diskriminierung. Soziale Dimension von Nachhaltigkeit stärken Ein besonderes Anliegen der DNS 2025 ist die soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Dieser integrale Bestandteil der Agenda 2030 formuliert den Anspruch, niemanden zurückzulassen und Ungleichheiten abzubauen. Um Ungleichheiten abzubauen, müssen mehr Bildungschancen und faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden, gleichzeitig müssen Diskriminierungen vermindert werden. Soziale Gerechtigkeit erfordert, dass Bildungs- und Verdienstchancen nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Geschlechtergleichheit und die soziale Teilhabe von Jugendlichen, älteren Menschen sowie Menschen mit Behinderungen sind für die Weiterentwicklung der DNS zentrale Anliegen. Natürliche Lebensgrundlagen erhalten Zur nachhaltigen Entwicklung gehört auch die Umwelt- und wirtschaftliche Dimension. Mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen – wie zum Beispiel ausreichend verfügbares und sauberes Wasser, gesunde Luft, fruchtbare Böden, ein stabiles Klima sowie widerstandsfähige Ökosysteme – bleiben auch die Voraussetzungen für menschliche Entwicklungschancen erhalten. Ziel ist daher ein treibhausgasneutrales, umweltgerechtes Deutschland mit einer intakten und vielfältigen Natur. Der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen und der Schutz des Klimas haben positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Transformationsbereiche und Hebel Die vorgelegte Strategie legt den Fokus auf die sechs Transformationsbereiche, in denen großer Handlungsbedarf besteht, um die Ziele bis 2030 zu erreichen. Diese wurden bereits in der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie von 2021 festgelegt: Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten, soziale Gerechtigkeit; Energiewende und Klimaschutz; Kreislaufwirtschaft; Nachhaltiges Bauen und Verkehrswende; Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme; Schadstofffreie Umwelt. Daneben beschreibt sie das Regierungshandeln anhand von fünf Instrumenten, um die Ziele zu erreichen: Gesellschaftliche Mobilisierung und Teilhabe; Finanzen; Internationale Verantwortung und Zusammenarbeit; Forschung, Innovation und Digitalisierung; Governance. Bei allem Handeln berücksichtigt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie auch grenzüberschreitende Auswirkungen des nationalen Handelns. Die Maßnahmen müssen so ausgestaltet sein, dass sie die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in anderen Ländern nicht behindern. Die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie können Sie hier finden .
The publication summarizes three strategies for transforming the food system that have been outlined in the “STErn project”, namely the promotion of a more plant-based diet, the further development of the organic farming and food industry and the strengthening of regional value chains. Measures to implement these strategies are bundled into three overarching approaches and presented graphically in the form of profiles. An interactive graphic provides an overview of all 39 proposed measures at a glance. Veröffentlicht in Broschüren.
Target 16 of the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) urges national governments to reduce the global footprint of consumption. With the food sector driving biodiversity loss globally, sustainable food systems must become a policy priority. This policy brief offers key recommendations to decision-makers: It outlines actions to effectively promote nature-friendly food production practices, improve the availability of sustainable food options and encourage a voluntary shift towards low-meat and plant-based diets. The brief also highlights the need to reduce food waste and overconsumption as well as improve access to information. It emphasizes that while systemic changes are required, they must be implemented in an equitable manner to leave no one behind. This publication is a product of the working group “Biodiversity & Consumption” of the UNEP One Planet network’s Consumer Information Programme, with contributions from the Food Systems Programme. Its development was supported by the German Federal Agency for Nature Conservation (BfN) with funds from the German Environment Ministry (BMUV). The brief is an output of the project “Shaping nature-friendly consumption”, implemented by the Institute for Ecological Economy Research (IÖW) and the Institute for Energy and Environmental Research (ifeu).
Das Verbundvorhaben OLGA stellt seinen neuen Star: die erste Dresdner Linsen-Falafel vor, sowie neue Kooperationen zur Agroforstwirtschaft in Sachsen - alles Verstetigungen aus dem Verbundvorhaben heraus, damit das Denken und Handeln im Kontext der Transformation von Landnutzungs- und Ernährungssystemen auch über die Projektlaufzeit hinaus weitergeht. Das Verbundvorhaben OLGA wird am 31.03.2025 offiziell enden. Bis dahin werden weitere Ergebnisse publiziert und auf der OLGA Website oder ggf. im direkten Austausch zugänglich gemacht. Sie finden den OLGA Newsletter Nr. 8 hier .
UBA und BfN für nachhaltige und gerechte Transformation Europas Die neue Europäische Kommission sollte weiterhin eine ehrgeizige Politik verfolgen, die Treibhausgasemissionen und Umweltverschmutzung reduziert, Biodiversität schützt und die Lasten gerecht verteilt. Das ist der Kern eines gemeinsamen Empfehlungspapiers des Umweltbundesamts (UBA) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN) für die zukünftige Klima-, Umwelt- und Naturschutzpolitik in Europa. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Schwung in der europäischen Gesetzgebung zu erhalten, der durch den „European Green Deal“ im Jahr 2019 eingeleitet wurde. In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Die Bemühungen müssen jedoch fortgesetzt werden, um einen lebenswerten Planeten zu gewährleisten. Das Umweltbundesamt und das Bundesamt für Naturschutz haben in einem Scientific Opinion Paper Empfehlungen zusammengestellt, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten können. Grundprinzipien Um eine wirksame Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik zu ermöglichen, bedarf es eines integrierten Ansatzes. Dazu gehören die Verbesserung der nachhaltigen Zusammenarbeit und globaler Partnerschaften zum Aufbau von Allianzen und zur Stärkung des Wandels, Investitionen in Forschung und Bildung, die Identifizierung von Rückschlägen bei gleichzeitiger Offenheit für Dialoge, die Stärkung der sozialen Dimension, die Integration von Nachhaltigkeit und digitalem Wandel und schließlich die Berücksichtigung nachhaltigkeitsorientierter Wirtschaftspolitik und Innovationen. Klimaschutz und Energie Angesichts weiterhin steigender Temperaturen ist nach wie vor dringendes Handeln geboten, etwa die bessere gesetzliche Verankerung der Energieeffizienz, die Förderung innovativer Lösungen zur Verringerung des Kohlenstoff-Fußabdrucks der energieintensiven Produktion sowie die Förderung der Nutzung natürlicher und technischer Senken zum Ausgleich unvermeidbarer Emissionen, zum Beispiel in der Landwirtschaft. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Emissionen bis zum Jahr 2040 um 95 Prozent zu senken. Zero Pollution Ambition Verschmutzungen, insbesondere durch Chemikalien, und Lärmbelastung, haben schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Gleichzeitig werden Chemikalien für einen grünen und digitalen Wandel benötigt. Dafür muss die Nachhaltigkeit im Chemiesektor gefördert und die Europäische Chemikalienverordnung REACH überarbeitet werden. Es braucht finanzielle Anreize für Landwirte zur Umstellung auf nachhaltige Produktionsmethoden und neue Regeln, um den Einsatz von Pestiziden zu verringern. Um die Lärmbelastung zu senken, müssen Vorschriften für Fahrzeug- und Reifenhersteller verschärft werden. Biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen Natur, Landschaft und biologische Vielfalt sind inhärent wertvoll und müssen geschützt, erhalten und entwickelt werden. Darüber hinaus sind die biologische Vielfalt und intakte Ökosysteme unerlässlich für das menschliche Wohlergehen, einschließlich der Ernährungssicherheit, des Klimaschutzes sowie der Anpassung an den Klimawandel . Um dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken, müssen Anreize für Projekte zur Wiederherstellung der Natur geschaffen werden. Es braucht Grenzen für die intensive Landwirtschaft in Gebieten mit empfindlichen Ökosystemen und eine Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft und Fischerei. Dieses Engagement muss auch auf die Bereiche Finanzen, Verkehr, Wasser und Energie ausgeweitet werden. Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssysteme Die Landwirtschaft ist von intakten Umwelt- und Klimabedingungen abhängig und erbringt wichtige gesellschaftliche Leistungen, vor allem im Bereich Nahrungsmittelproduktion, aber auch für die Energieerzeugung. Zugleich trägt sie jedoch selbst zu zahlreichen Krisen bei. Daher müssen nachhaltige und dennoch erschwingliche Ernährungssysteme gefördert werden, etwa durch Anreize für Landwirte, Produktionsmethoden anzuwenden, die die Gesundheit der Böden und die Wasserqualität verbessern. Wichtig ist aber auch eine wirksame Aufklärung der Landwirte und der breiten Öffentlichkeit über die Notwendigkeit einer guten Boden- und Gewässerqualität für die Erzeugung von bezahlbaren Futter- und Lebensmitteln. Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltiger Konsum Das Konzept der Kreislaufwirtschaft zielt auf die Schonung von Ressourcen ab und ist ein wirtschaftliches Gesamtkonzept, das den gesamten Produktlebenszyklus und seine Materialien sowie die dringend erforderliche absolute Reduzierung der Endnachfrage berücksichtigt. Um den Fortschritt in Richtung Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, sind Maßnahmen wie die Umsetzung der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte und die Verbesserung der erweiterten Herstellerverantwortung sowie die Anpassung von Verordnungen wie der Bauprodukte-Verordnung an die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft unerlässlich. Darüber hinaus kann die Förderung einer kreislauforientierten und umweltgerechten Bioökonomie dazu beitragen, die Ziele des „European Green Deal“ zu erreichen. Klimaanpassung Die Anpassung an den Klimawandel ist von entscheidender Bedeutung, um die zunehmenden Risiken des Klimawandels, wie Hitzewellen und Wasserknappheit, zu bewältigen. Zu den Empfehlungen gehören die Stärkung und Finanzierung von Klimaanpassungsinstrumenten, die Förderung naturbasierter Lösungen für das Klima und die biologische Vielfalt, die Gewährleitung der „Wasser-Resilienz“ sowie die Stärkung unseres Wasserhaushalts. Auch muss die Widerstandsfähigkeit von Städten durch grün-blaue Infrastruktur gestärkt werden, das heißt, städtische Flächen für Grünflächen, Bäume und Gewässer ausgeweitet werden. Weitere Mechanismen Vier Schlüsselmechanismen sind für eine erfolgreiche integrierte Umsetzung der oben genannten Empfehlungen essenziell: ein nachhaltiges Finanzsystem, eine Integration von Digital- und Nachhaltigkeitspolitik, die konsequente Berücksichtigung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsparametern in der Kohäsionspolitik sowie eine entsprechende Schwerpunktsetzung in der EU-Forschungspolitik und im Programm „Horizon Europe“.
Bei der Erarbeitung der kürzlich veröffentlichten neuen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wurden erstmals auch Umweltwirkungen einbezogen. Wie sich eine Ernährung nach diesen Empfehlungen im Vergleich zum derzeitigen Verzehr und zur Planetary Health Diet auf wichtige Umweltaspekte auswirken würde, zeigt eine erste Abschätzung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).
The publication summarizes three strategies for transforming the food system that have been outlined in the “STErn project”, namely the promotion of a more plant-based diet, the further development of the organic farming and food industry and the strengthening of regional value chains. Measures to implement these strategies are bundled into three overarching approaches and presented graphically in the form of profiles. An interactive graphic provides an overview of all 39 proposed measures at a glance.
69 Marco Wiebach, Katrin Marx Die GeoBox-Infrastruktur – öffentliche Daten für die Landwirtschaft LSA VERM 1/2024 Die GeoBox-Infrastruktur – öffentliche Daten für die Landwirtschaft Von Marco Wiebach und Katrin Marx, Magdeburg Zusammenfassung Sachsen-Anhalt ist Ende 2022 der Mehrländervereinbarung zur GeoBox- Infrastruktur beigetreten. Diese ermöglicht es landwirtschaftlichen Betrieben, herstellerunabhängig und strategisch die für den Betrieb relevanten digitalen Daten der öffentlichen Verwaltung mit weiteren Akteuren auszutauschen. Dabei behält der Landwirtschaftsbetrieb stets die Hoheit über die eigenen Daten. Das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten (MWL) leistet durch die kostenfreie Bereitstellung der GeoBox-Infrastruktur einen Beitrag zur Förderung der Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe und unterstützt diese bei der erfolgreichen Bewältigung aktueller Herausforderungen. 1 Landwirtschaft im 21. Jahrhundert – Anspruch vs. Wirklichkeit Die Landwirtschaft der Zukunft soll neben der Ernährungssicherstellung zahlreiche weitere wesentliche Aufgaben erfüllen. Die gesellschaftlichen und die teilweise dar- aus resultierenden politischen Anforderungen setzen innovative, flexible und zielge- richtete Lösungen voraus. So sind in den letzten Jahren unter anderem die Anforderungen an Umweltleistungen bzw. Umweltschutz, Tierhaltungsstandards oder die Rückverfolgbarkeit landwirtschaftlicher Produkte enorm gestiegen. Den- noch werden diese zusätzlich erbrachten Leistungen auf der anderen Seite nur sel- ten oder gar nicht auskömmlich monetarisiert. Darüber hinaus wird von einem Großteil der Gesellschaft eine kleinstrukturierte Landwirtschaft erwartet. Auf eu- ropäischer Ebene werden diese Strukturstandards entsprechend gefordert und fi- nanziell unterstützt. Dies lässt sich jedoch mit einer ökonomischen Wirtschaftsweise, bei der bspw. die Erzielung von Skaleneffekten oder die Erhöhung der Schlagkraft entscheidende Bestimmungsfaktoren sein können, nur selten über- einbringen. 1.1 Status Quo der landwirtschaftlichen Erzeugung In diesem schwierigen Umfeld muss die Landwirtschaft eine zentrale Forderung stets erfüllen: Gesunde Lebensmittel in ausreichender Menge zu produzieren. Eine stetig wachsende Weltbevölkerung mit sicherer und gesunder Nahrung zu versor- gen, gehört zu den drängenden Herausforderungen unserer Zeit [Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 2023]. Der Landwirtschaftsbetrieb ist das zentrale Element im Ernährungssystem. Sich in diesem Spannungsfeld sowohl ökonomisch als auch gesellschaftlich erfolgreich zu positionieren, wird für landwirtschaftliche Be- triebe zunehmend schwieriger. Dabei ist die Verantwortung eines landwirtschaftlichen Betriebes allein unter Ernäh- rungsaspekten historisch kontinuierlich gewachsen. Ernährte eine Landwirtin / ein Landwirt 1960 noch etwa 17 Menschen, so waren es 2021 bereits 139 Menschen (vgl. Abb. 1). Die Tendenz ist weiter steigend. Die Ernährungssicherung ist zentrale Aufgabe der Landwirtschaft. LSA VERM 1/2024 Marco Wiebach, Katrin Marx Die GeoBox-Infrastruktur – öffentliche Daten für die Landwirtschaft 70 Abb. 1: Versorgungsleistung der Landwirtschaft: Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft 2023 Landwirtschaftliche Rund 255.000 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften ca. 50 Prozent der Ge- Strukturen in samtfläche Deutschlands [Statistisches Bundesamt 2024]. Die landwirtschaftliche Deutschland Bewirtschaftung ist bundesweit agrarstrukturell sehr inhomogen ausgeprägt. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick sowohl über die jeweilige bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche als auch über die Anzahl der landwirtschaftlichen Be- triebe im bundesdeutschen Vergleich. Tab. 1: Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe und bewirtschafteter Fläche nach Bundesland Quelle: Statistisches Bundesamt Stand März 2024 277 ha bewirtschaftete der durchschnittliche Betrieb in Sachsen- Anhalt. In Sachsen-Anhalt bewirtschaften 4.150 Betriebe eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von knapp 1.152.100 ha [Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt 2024]. Die hieraus resultierende durchschnittliche Betriebsgröße von rund 277 ha liegt deut- lich über dem Bundesdurchschnitt von rund 65 ha/Betrieb. Der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft wird selbst in einem agrarstrukturell vorteil- haft aufgestellten Bundesland offenkundig. So stellten, agrarstatistisch betrachtet, zwischen 2020 und 2023 insgesamt 194 (bzw. rd. 5 %) landwirtschaftliche Betriebe in Sachsen-Anhalt die Bewirtschaftung ein. 71 Marco Wiebach, Katrin Marx Die GeoBox-Infrastruktur – öffentliche Daten für die Landwirtschaft LSA VERM 1/2024 Zudem sieht sich die Landwirtschaft verstärkt mit dem Verlust ihrer Produktions- grundlage konfrontiert. Jeden Tag werden deutschlandweit durchschnittlich 111 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt oder bspw. für Freiflächen-Photovoltaik aus der Produktion genommen. Gemessen an der erwähnten durchschnittlichen Betriebsgröße von 65 ha, verliert der Sektor rein rech- nerisch somit täglich fast zwei landwirtschaftliche Betriebe. Es wird eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft sein, unter diesen sich erschwerenden Umständen eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, von der bereits heute rd. 735 Mio. Menschen und damit ca. 9 % an Hunger leiden [Statistisches Bundesamt 2023]. Das aufgezeigte Spannungsverhältnis lässt sich noch um zahlreiche weitere komple- Komplexe xe Fragestellungen erweitern, die sich u. a. aus den Folgen des Klimawandels, inter- Fragestellungen der nationalen Vereinbarungen, gesetzlichen Vorgaben oder gesellschaftlichen Landwirtschaft Erwartungen ergeben. Um unter diesen vielfältig schwierigen Bedingungen auch zu- künftig erfolgreich wirtschaften zu können, ist eine umfassende Transformation des Agrarsektors hin zu einer zukunftsfähigen, den ökonomischen und ökologischen Herausforderungen angepassten Landwirtschaft notwendig. Innovationen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag und werden insbesondere über den Einsatz smarter und digitaler Technologien in die Landwirtschaft getragen. Da digitale Tools mit zunehmender Betriebsgröße vermehrt zum Einsatz kommen [Rohleder et al. 2020], sind Sachsen-Anhalts Betriebe deutschlandweit einer der Vorreiter in Sachen Digitalisierung in der Landwirtschaft. So werden in Sachsen-An- halt bereits seit vielen Jahren Lenk- und Fahrassistenzsysteme, vernetzte (Boden-)Sen- soren, intelligentes Datenmanagement, drohnenbasierte Bilderkennungssysteme, GPS- bzw. Sensorgesteuerte Agrarrobotik und Tiergesundheitssensoren verwendet [Kliem et al 2022]. Die Landwirtschaftsbetriebe im Land sind häufig sogar „Early Adopter“ bei der Implementierung neuer digitaler Werkzeuge. 1.2 Smarte und digitale Technologien leisten einen wichtigen Beitrag. Einsatz digitaler und smarter Technologien in der Landwirtschaft Ungeachtet der Struktur und Betriebsgröße erscheinen verschiedene digitale Lö- sungen geeignet, eine zukunftsfähige Landwirtschaft aktiv mitzugestalten. Die Exper- tenkommission Forschung und Innovation (EFI) analysiert in ihrem Jahresgutachten 2024 unter anderem die Transformationspotentiale der deutschen Landwirtschaft. Dabei werden in dem Gutachten Umfrageergebnisse wie bspw. die Nutzung digita- ler und smarter Technologien in der Landwirtschaft vorgestellt. Die Umfrage der Expertenkommission im Zeitraum Mai bis Juni 2023 erfolgte in Form einer Online- befragung von 168 Personen landwirtschaftlicher Betriebe und Lohnunternehmen. Die Auswertung bestätigt, dass bereits jetzt eine Vielzahl an digitalen und smarten Technologien in der Agrarbranche genutzt werden. Die weitere Analyse ergab, dass die Landwirtinnen und Landwirte vor allem Farm- management- und Informationssysteme (FMIS), Entscheidungsunterstützungssyste- me sowie digitale Technologien, welche in Landmaschinen integriert sind, nutzen. Das Ergebnis der Erhebung zeigt auch, dass etwa jeder dritte Betrieb digitale Infor- mationsplattformen und jeder vierte Betrieb Drohnen einsetzt. Feldrobotik spielte zuletzt eine eher untergeordnete Rolle, wird von den Betrieben jedoch zunehmend geplant bzw. nachgefragt. Hier sind die momentan noch sehr hohen Anschaffungs- kosten sowie rechtliche Unsicherheiten insbesondere bei der Verkehrssicherheit ei- ne Hürde für den Erwerb. Das weitaus größte Hemmnis für den praktischen Einsatz Etwa jeder dritte Betrieb nutzt digitale Informationsplatt- formen und jeder vierte Betrieb setzt bereits Drohnen ein.
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