Kraftstoffe und Antriebe Im Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr dominieren immer noch klimaschädliche fossile Kraftstoffe. Zunehmend kommen jedoch auch klimafreundlichere alternative Kraftstoffe und Antriebe zum Einsatz. Im Bereich der Treibhausgasminderung bei Kraftstoffen ist das UBA im Rahmen der 37. und 38. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) auch für den Vollzug zuständig. Unsere Mobilität basiert zurzeit zu großen Teilen auf der Verbrennung flüssiger Kraftstoffe in Verbrennungskraftmaschinen. Da das Verkehrsaufkommen in Deutschland stetig wächst, stagnieren trotz vorhandener Effizienzgewinne durch den Einsatz von moderneren Motoren und Flugzeugturbinen die absoluten Treibhausgasemissionen des Verkehrs auf einem hohen Niveau. Für die notwendige deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen des Verkehrs für einen ausreichenden Klimaschutzbeitrag des Verkehrs sind neben weiteren Effizienzverbesserungen bei Motoren und einer weitreichenden Elektrifizierung des Straßenverkehrs auch ein Umstieg auf nachhaltige alternative Kraftstoffe in der Schifffahrt und der Luftfahrt notwendig. Konventionelle Kraftstoffe Bei konventionellen Kraftstoffen handelt es sich um Mineralölprodukte. Im Jahr 2019 entfielen ca. 94 Prozent des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor auf diese Kraftstoffe. Die dominierenden Kraftstoffe im deutschen Verkehrssektor sind die im Straßenverkehr eingesetzten Diesel- und Ottokraftstoffe. Ottokraftstoff wird unter dem Namen E5 oder E10 vermarktet und bezeichnet Benzin, das einen bestimmten Anteil an Ethanol enthalten darf. Während "E" für Ethanol steht, gibt die Zahl "5", beziehungsweise "10" an, wieviel Prozent Ethanol das Benzin maximal enthalten kann. Bei dem im Benzin typischerweise enthaltenen Ethanol handelt es sich um biogen bereitgestelltes Ethanol – kurz Bioethanol – das hauptsächlich aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen wie Zuckerrohr, Zuckerrübe, Getreide und Mais Pflanzen gewonnen wird. Die Mindestanforderungen für Ottokraftstoffe sind in der Norm DIN EN 228 festgeschrieben. Im weiteren Sinne sind alle Kraftstoffe, die in Ottomotoren genutzt werden können, Ottokraftstoffe, also unter anderem auch Flüssiggas (LPG) bzw. Erdgas (CNG). Bei diesen handelt es sich zwar nicht um Mineralölprodukte, jedoch werden sie hauptsächlich fossil hergestellt. Da beide keine typischen Kraftstoffe sind, werden diese oft den „alternativen Kraftstoffen“ zugeordnet. Dieselkraftstoff – auch vereinfacht Diesel genannt – wird nach den in der Norm DIN EN 590 definierten Mindestanforderungen an Tankstellen unter dem Namen B7 geführt und bezeichnet Diesel aus Mineralöl mit einer Beimischung von maximal sieben Prozent Biodiesel. In Deutschland wird Biodiesel vorwiegend aus Rapsöl hergestellt. Der Großteil des Biodiesels wird jedoch importiert und aus Abfall- und Reststoffen sowie aus Palmöl sowie Rapsöl hergestellt. Palmöl als Ausgangstoff für hydrierte Pflanzenöle (HVO - Hydrogenated Vegetable Oils) spielt im Bereich des Dieselkraftstoffes zumindest für das Jahr 2020 auch eine entscheidende Rolle. Durch die Überarbeitung der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist die Verwendung von Palmöl seit dem 1. Januar Jahr 2022 deutlich beschränkt und ab 2023 beendet, da der Anbau von Ölpalmen einer der Haupttreiber für die Rodung von Regenwald ist. Im Flugverkehr wird größtenteils aus Erdöl hergestelltes Kerosin getankt. Kerosin bezeichnet Kraftstoffe, die sich für den Einsatz in Flugturbinen eignen. In der Binnenschifffahrt wird schwefelreduzierter Binnenschiffsdiesel verwendet. In der Seeschifffahrt kommen Marinediesel- und Marinegasöle sowie Schweröle mit unterschiedlichem Schwefelgehalt und ggf. notwendigen Abgasnachbehandlungssystemen (Kraftstoffnorm: ISO 8217) zum Einsatz. Sowohl im Binnen- als auch im Seeverkehr werden mehr und mehr Schiffe mit Flüssigerdgas ( LNG – Liquified Natural Gas) oder – in ersten Modellanwendungen – mit LPG (Liquified Petroleum Gas), auch Autogas genannt, Methanol oder Biodiesel betrieben. Mehr Informationen hierzu finden Sie auf unserer Themenseite zur Seeschifffahrt. Nur durch den Ersatz von mineralölbasierten Kraftstoffen durch klimafreundliche Alternativen kann der Verkehrssektor den notwendigen Beitrag zur Senkung seiner Treibhausgasemissionen leisten. Um diese Energiewende im Verkehr zu erreichen, ist die Entwicklung und Innovation bei alternativen Antriebstechnologien von zentraler Bedeutung. Perspektivisch sollte Strom aus erneuerbaren Energiequellen zur Energieversorgung im Verkehr direkt genutzt werden, d. h. ohne weitere Umwandlungsschritte zu strombasierten Kraftstoffen, sofern dies, wie etwa im Pkw-Verkehr, technisch möglich ist. Alternative Kraftstoffe Alternative Kraftstoffe sind entweder bezüglich der Bereitstellung alternativ, also "biogen" oder "synthetisch", oder es handelt sich um andere Kraftstoffe als Alternative zu Benzin oder Diesel. Biogene Kraftstoffe, oder auch Biokraftstoffe, werden vor allem aus Pflanzen, Pflanzenresten und ‑abfällen oder Gülle gewonnen. Synthetische Kraftstoffe unterscheiden sich von konventionellen Kraftstoffen durch ein geändertes Herstellungsverfahren und oft auch durch andere Ausgangsstoffe als Mineralöl. Biokraftstoffe wie Bioethanol oder Biodiesel leisten bereits seit vielen Jahren einen Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors. Biokraftstoffe sind entweder flüssige (zum Beispiel Ethanol und Biodiesel) oder gasförmige (Biomethan) Kraftstoffe, die aus Biomasse hergestellt werden und für den Betrieb von Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen bestimmt sind. Man unterscheidet Biokraftstoffe der ersten und zweiten Generation, wobei eine klare Abgrenzung der Kraftstoffe beider Generationen schwierig ist. Bei der Erzeugung von Biokraftstoffen der ersten Generation wird nur die Frucht (Öl, Zucker, Stärke) genutzt, während ein Großteil der Pflanze als Futtermittel Verwendung finden kann. Biokraftstoffe der zweiten Generation sind noch in der Entwicklung und werden aus Pflanzenmaterial hergestellt, das nicht als Nahrung verwendet werden kann, zum Beispiel aus Ernteabfällen, Abfällen aus der Landwirtschaft oder Siedlungsmüll. Zu dieser Generation, dessen Vertreter auch „fortgeschrittene Biokraftstoffe“ genannt werden, gehört auch solches Bioethanol, das aus zellulosehaltigen Materialien wie Stroh oder Holz gewonnen wird. Generelle Informationen zur energetischen Nutzung von Biomasse und zu den Nachhaltigkeitsanforderungen sind auf unserer UBA-Themenseite zur Bioenergie zusammengestellt. Synthetische Kraftstoffe sind Kraftstoffe, die durch chemische Verfahren hergestellt werden und bei denen, im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen, die Rohstoffquelle Mineralöl durch andere Energieträger ersetzt wird. XtL-Kraftstoffe sind synthetische Kraftstoffe, die ähnliche Eigenschaften und chemische Zusammensetzungen wie konventionelle Kraftstoffe aufweisen. Sie entstehen durch die Umwandlung eines Energieträgers zu einem kohlenstoffhaltigen Kraftstoff, der unter Normalbedingungen flüssig ist. Das "X" wird in dieser Schreibweise durch eine Abkürzung des ursprünglichen Energieträgers ausgetauscht. "tL" steht für "to Liquid". Aktuell sind in dieser Schreibweise die Abkürzungen GtL (Gas-to-Liquid) bei der Verwendung von Erdgas beziehungsweise Biogas, BtL (Biomass-to-Liquid) bei der Verwendung von Biomasse und CtL (Coal-to-Liquid) bei der Verwendung von Kohle als Ausgangsenergieträger gebräuchlich. Zur Herstellung von Power-to-X (Power-to-Gas/ PtG oder PtL )-Kraftstoffen wird Wasser unter Einsatz von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. In einem Folgeschritt kann der gewonnene Wasserstoff in Verbindung mit anderen Komponenten – hier vor allem Kohlenstoffdioxid – zu Methan (PtG-Methan) oder flüssigem Kraftstoff (PtL) verarbeitet werden. Der gewonnene Wasserstoff (PtG-Wasserstoff) kann jedoch auch direkt als Energieträger im Verkehr, zum Beispiel in Brennstoffzellen-Fahrzeugen genutzt werden. Mehr Informationen hierzu finden Sie in den vom UBA beantworteten „Häufig gestellten Fragen zu Wasserstoff im Verkehr“ . Elektrischer Antrieb: Strom als Energieversorgungsoption Energetisch betrachtet, ist der Einsatz von PtG -Wasserstoff in Brennstoffzellen-Pkw bzw. von PtG-Methan und PtL in Verbrennungsmotoren von Pkw hochgradig ineffizient. Für dieselbe Fahrleistung muss etwa die drei- beziehungsweise sechsfache Menge an Strom im Vergleich zu einem Elektro-Pkw eingesetzt werden, wie die folgende Abbildung veranschaulicht. Da erneuerbarer Strom, beispielsweise aus Wind und Photovoltaik, und die notwendigen Ressourcenbedarfe für die Energieanlagen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, muss auch mit erneuerbaren Energien sparsam umgegangen werden. Am effizientesten ist die direkte Stromnutzung im Verkehr, beispielsweise über Oberleitungen für Bahnen. Ähnlich effizient ist die Stromnutzung über batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge. Deswegen sollte zur möglichst effizienten Defossilisierung des Straßenverkehrs ein weitgehender Umstieg auf batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge angestrebt werden, wo immer dies technisch möglich ist. Vollzugsaufgaben des UBA zur 38. BImSchV In Deutschland sind Inverkehrbringer von Kraftstoffen gesetzlich verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) durch die von ihnen in Verkehr gebrachten Kraftstoffe um einen bestimmten Prozentsatz zu mindern. Dies regelt die im seit 1. Januar 2022 gültigen Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote festgeschriebene THG‑Quote. Im Rahmen der THG-Quote hat das Umweltbundesamt ( UBA ) verschiedene Vollzugsaufgaben. Eine Aufgabe regelt die Verordnung zur Festlegung weiterer Bestimmungen zur Treibhausgasminderung bei Kraftstoffen (38. BImSchV ): Das UBA bescheinigt auf Antrag Strommengen, die im Straßenverkehr genutzt wurden. Weitere Informationen finden Sie auf der entsprechenden Themenseite zur 38. BImSchV .
Neues LfU-Video: Nur der Regenwald ist noch bunter Artenreiches Grünland ist ein echter Hotspot der Biodiversität, bietet Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Nahrung für viele Insekten. Um dieses Grünland zu schützen, muss man es aber erst einmal kennen. Daher kartiert das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz die Flächen und dokumentiert die vorhanden Arten. Die Ergebnisse sind online abrufbar. Über diesen Link finden Sie sämtliche YouTube-Videos des LfU: LfU auf YouTube
Moore spielen eine wichtige Rolle im Klimaschutz, denn sie gehören zu den bedeutendsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Zwar machen sie nur 3% der Erdoberfläche aus, speichern aber fast ein Drittel des Kohlenstoffs und das sogar noch effektiver als Wälder. Wie Moore entstehen Baden-Württemberg gehört zwar nicht zu den flächenmäßig größten Moorgebieten in Deutschland, dennoch finden sich hier einige der größten und eindrücklichsten Moore. Dazu gehören zum Beispiel der Federsee mit 3300 Hektar, das Hochmoor Wurzacher Ried mit 1700 Hektar und das im Nordschwarzwald gelegene Hochmoor Wildsee bei Kaltenbronn. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 38.000 Hektar Moore. Davon sind 14.500 Hektar geschützte Biotope, der Rest wird land- und forstwirtschaftlich genutzt. Man kann zwischen Hoch- und Niedermooren unterscheiden. Hochmoore werden durch Niederschlagswasser gespeist. Das Wasser wird im Moorkörper, wie bei einem Schwamm, gespeichert. Es bildet sich eine sauerstoffarme Umgebung, in der abgestorbene Pflanzenteile nur unvollständig zersetzt werden. Dadurch bildet sich Torf, in dem langfristig Kohlendioxid gespeichert und fixiert wird. Auf dem Torf wachsen insbesondere Torfmoose. Dabei kommt ihnen vor allem die Fähigkeit zugute, dass sie keine Wurzeln wie andere Pflanzen benötigen. Sie wachsen an der Spitze stetig und sterben in der Basis ab. Dadurch wächst das Moor jährlich bis zu einem Millimeter in die Höhe. Niedermoore hingegen sind in ihrer Entstehung und Gestalt vielfältiger. Sie können unter anderem entstehen, wenn Gewässer verlanden oder das Grundwasser ansteigt, aber auch durch Quellen oder in den Überflutungszonen von Flüssen. Aus den Niedermooren können unter regenreichen Bedingungen wiederum Hochmoore entstehen. Die Vielfalt und Dynamik von Mooren zeigt sich auch an den Spezialisten aus Tier- und Pflanzenwelt, die sich diesen Lebensraum erobert haben. Bild zeigt: Pflanze aus der Familie der Torfmoose (Sphagnum), Bildnachweis: Dr. Alfred Wagner, Ingrid Wagner Wie Moore den Klimawandel beeinflussen In den Mooren Baden-Württembergs sind laut Weinzierl und Waldmann (2015) 34,1 Millionen Tonnen organische Substanzen (Kohlenstoff) gespeichert, das entspricht 125 Millionen Tonnen CO2. Weltweit gesehen hätte eine Mineralisierung aller Moore, beispielsweise auf Grund von Trockenheit, durch die damit verbundene Freisetzung des CO2 eine ähnlich verheerende Auswirkung auf unser Klima, wie der Verlust der Regenwälder oder der Dauerfrostböden. Wie der Klimawandel und der Mensch die Moore beeinflussen Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen und es fällt im Sommer in Baden-Württemberg verbreitet weniger Niederschlag. Nach den Klimamodellberechnungen können insbesondere im Oberrheingraben, dem Schwarzwald, dem Rhein-Neckar-Gebiet und dem Gebiet zwischen Neckar und Jagst/Kocher starke Abnahmen der sommerlichen Niederschläge von bis zu 40 Prozent am Ende des 21. Jahrhunderts auftreten. Das Hochmoor Wildsee (Nordschwarzwald) liegt demnach in einer kritischen Region. Der Federsee und das Hochmoor Wurzacher Ried liegen zwar in Gebieten, in denen die sommerlichen Niederschläge weniger drastisch abnehmen dürften, aber auch sie könnten hierdurch in ihrer Existenz bedroht sein. Durch langanhaltende Trockenheit und Hitze sinkt der Wasserspiegel ab. Dadurch gelangt Sauerstoff an den Torf und Mikroorganismen beginnen den Torf abzubauen. Die Zersetzung setzt das in den Pflanzenresten gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO2 frei. Fast alle Moore sind außerdem durch menschliche Einflüsse bedroht. So wurden Gräben gezogen um die Moore zu entwässern und den Boden intensiver landwirtschaftlich nutzen zu können oder das Torf abbauen zu können. Torf wurde als Brennstoff, Kultursubstrat (z.B. in Gartenerde) und in der Kosmetik verwendet. Viele landwirtschaftlich genutzte Flächen waren in der Vergangenheit einmal Moore. Durch die konventionelle Bewirtschaftung (zum Beispiel umpflügen) werden Moorböden mineralisiert und es wird CO2 freigesetzt. Nur durch eine dauerhafte Wiedervernässung kann dieser Prozess aufgehalten werden. Bild zeigt: Naturschutzgebiet Wildseemoor in Kaltenbronn. Ein Steg ermöglicht einen Zutritt für Besuchende, der das Moor schützt. Bildnachweis: Joshua Wenglein Wiederherstellung der Moore Damit der in Mooren gespeicherte Kohlenstoff nicht freigesetzt wird, müssen die Moore wieder in ihren naturnahen Zustand versetzt werden. Die LUBW betreut hierbei drei Projekte, in denen die Renaturierung verschiedener Moore das Ziel ist. Für eine Renaturierung muss der natürliche Wasserhaushalt wiederhergestellt werden, indem beispielsweise das Wasser in den Gräben durch Sperren im Moorkörper gehalten wird. Dabei ist es wichtig, das richtige Maß zu finden. Zu viel Wasser kann dazu führen, dass das Moor überstaut wird. Dadurch setzen Mikroorganismen Methan frei: ein ebenfalls klimaschädliches Gas. Ein ausgeglichener Wasserhaushalt ist also entscheidend. Außerdem muss ein übermäßiger Nährstoffeintrag verhindert werden. Nährstoffe gelangen beispielsweise durch die Landwirtschaft und Industrie in die Moore, aber auch durch Luftschadstoffe. Da die Lebewesen der Moore hochspezialisiert und auf die Nähstoffarmut in den Mooren angewiesen sind, ist jeder Nährstoffeintrag schädlich. Mehr zum Thema: Titelbild zeigt: Naturschutzgebiet Wildseemoor in Kaltenbronn. Bildnachweis: Joshua Wenglein
Am 22. August 2017 stellte der WWF Deutschland eine Marktanalyse handelsüblicher Grillkohlen in Berlin vor. Insgesamt wiesen laut WWF-Analyse 80 Prozent der getesteten Produkte Auffälligkeiten wie falsch deklarierte Holzarten auf. In 40 Prozent der Grillkohlen fanden die Umweltschützer sogar tropische Hölzer. Eine Grillkohle, die mit dem Aufdruck „kein Tropenholz“ warb, bestand laut Laboranalyse ausschließlich aus solchem. In mehreren Kohlesäcken wurden auch Ulme, Padouk und Bongossi gefunden, Holzarten, die vom Aussterben bedroht sind. Auch Grillkohlen mit Zertifizierung waren im Test auffällig, das heißt sie enthielten auch nicht oder falsch deklarierte Hölzer. Tropenholz wurde bei FSC- und PEFC-zertifizierten Produkten jedoch nicht gefunden. Für den Marktcheck hat der WWF 20 Grillkohlen mit und ohne Holz-Zertifikat aus Tankstellen, Baumärkten, Supermärkten und Discountern mit forensischen Methoden testen lassen. „Die Testergebnisse sind erschütternd. Die Holzkohlebranche scheint nach wie vor rücksichtslos alles zu verkohlen, was sie als billigen Rohstoff in die Finger bekommt. Die vielen Tropenholzfunde sind besonders schockierend. Wenn die Regenwälder beim Grillfest in Rauch aufgehen, befeuert das Artenverlust und die Klimakatastrophe. Die Branche muss schleunigst umdenken“, kritisiert Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland.
Am 23. August 2017 veröffentlichte die brasilianische Regierung im Amtsblatt ein Dekret, das den Naturschutz-Status von mehr als vier Millionen Hektar Regenwald im Amazonas-Gebiet aufhebt. Künftig ist der Abbau von Rohstoffen dort erlaubt. Das von Präsident Michel Temer unterzeichnete Dekret betrifft das 1984 geschaffene Reservat Nacional do Cobre e Associados in der Grenzregion der Bundesstaaten Amapá und Para im Norden Brasiliens. In der Region werden große Gold-Vorkommen vermutet aber auch große Eisenvorräte, Kupfer und andere Erze. Zahlreiche illegale Minen existieren bereits in Oiapoque, Pedra Branca do Amapari, Tartarugalzinho, Mazagão und Calçoene. Ab sofort dürfen Konzessionen zum Abbau vergeben werden.
Am 20. Juni 2017 legte Brasiliens Präsident Michel Temer ein vorläufiges Veto gegen zwei umstrittene Dekrete (Veto gegen MP 756/2016 und Teil-Veto gegen MP 758/2016 in allen relevanten Bereichen) ein, deren Inkrafttreten die Verkleinerung von Amazonas-Schutzgebieten um rund 600.000 Hektar zur Folge gehabt hätte. Die brasilianische Regierung erklärte, der Kongress werde nun ein neues Gesetz erarbeiten. Die Umweltorganisationen WWF begrüßt die Entscheidung, wendet jedoch ein, dass die betreffenden Gebiete damit keineswegs gerettet sind: „Mit dem Veto haben wir Zeit gewonnen. Aus der Schusslinie ist der Amazonas jedoch nicht. Es steht zu befürchten, dass die Pläne bestenfalls leicht abgeschwächt werden“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.
86 Prozent der Bevölkerung in Deutschland halten die Hobbyjagd auf Tierarten, die von der Ausrottung bedroht sind, wie zum Beispiel Löwe, Elefant, Nashorn, Leopard oder Giraffe für nicht vertretbar. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die Kantar TNS im Auftrag von Tier- und Naturschutzverbänden erhoben hat. Anlässlich der Übergabe von 189.000 Unterschriften am 17. Mai 2017 in Bonn fordern der Deutsche Naturschutzring, der Deutsche Tierschutzbund, der IFAW, der NABU, Pro Wildlife, Rettet den Regenwald, Rettet die Elefanten Afrikas und Vier Pfoten das Bundesumweltministerium auf, die Einfuhr von Jagdtrophäen gefährdeter Tierarten zu verbieten. Deutschland ist gemeinsam mit Spanien nach den USA der größte Importeur von Jagdtrophäen bedrohter Arten. Alle diese Arten sind international und nach EU-Recht geschützt, der Handel mit ihnen ist verboten oder streng reglementiert. Jäger können die meisten Arten aber trotzdem einführen.
Am 29. November 2016 teilte das staatliche Umweltforschungsinstitut INPE in Brasilien mit, dass zwischen August 2015 und Juli 2016 7989 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt wurden. Die Entwaldung entspricht rund dreimal der Fläche des Saarlandes und bedeutet einen Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es ist der größte gemeldete Waldverlust seit 2008. Dies geht aus einer Analyse von Satellitendaten hervor.
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff wies am 12. Mai 2016 kurz vor ihrer Suspendierung fünf neue Schutzgebiete aus. Die Gebiete liegen im Amazonasgebiet und haben eine Gesamtgröße von 2,69 Millionen Hektar. Die Umweltorganisation WWF bewertete diesen Akt der Präsidentin als wichtigen Beitrag zum Schutz des größten Regenwaldes der Erde.
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