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Der Waschbär

Der Waschbär ( Procyon Lotor ) ist ein Vertreter der Familie der Kleinbären und gehört zur Ordnung der Raubtiere. Charakteristische Merkmale des Kleinbären sind seine etwas gedrungene und bucklige Gestalt, die Gesichtsmaske mit einer über der Augenregion verlaufenden braunschwarzen Binde und der grau schwarz quergeringelte Schwanz. Seine Fellfärbung kann sehr unterschiedliche Variationen von Grautönen aufweisen und ist häufig silbergrau untermischt. Die Kopf-Rumpf-Länge inklusive des Schwanzes beträgt 70 bis 85 cm, wovon 20 bis 25 cm auf den Schwanz entfallen. Damit lässt sich die Größe dieses Kleinbären zwischen Katze und Fuchs einordnen. Waschbären haben je nach Jahreszeit ein Gewicht zwischen 5 und 10 kg, wobei die Rüden meist schwerer als die Fähen sind. Ihr Gedächtnis ist ausgezeichnet, so dass Futterplätze immer wieder gefunden werden. Besonders ausgeprägt sind auch der Geruchs- und Hörsinn, was den dämmerungs- und nachtaktiven Tieren beim Beutefang hilft. Sie verfügen in den Vorderpfoten über einen hervorragenden Tastsinn, mit dem sie Fische, Frösche, Krebse u.ä. in flachen und trüben Gewässern ertasten können. Der Name Waschbär beruht auf der Beobachtung von gefangengehaltenen Tieren, die ihre Nahrung an einer Wasserstelle “waschen” und daher als besonders reinlich gelten. Dies kann als eine sog. Ersatzhandlung der Tiere gesehen werden, die ihre Nahrung nicht mehr in freier Natur im Wasser ertasten können und ihre Verhaltensmuster nur noch simulieren. In Nordamerika heißt der Waschbär Raccoon, entstanden aus einem Indianernamen, was so viel heißt wie “der mit den Händen kratzt”. Vorurteile gegen Fakten Ein Waschbär – was tun? Die Waschbär-Vor-Ort-Beratung Berlin Weitere Informationen Video: Die Parkfluencer*innen: ‘Waschechte Neubärliner’ Über den Waschbär kursieren viele Vorurteile. Schnell wird er als alleiniger Verursacher eines Problems vorverurteilt. Dass andere, „heimische“ Tierarten eventuell ebenso oder sogar zu einem größeren Teil daran beteiligt sein könnten, wird oft verdrängt. Wer einen Waschbären auf dem Dachboden hat, hat auch den Schaden. Denn Waschbären nutzen gerne die Dämmung, um sich einen gemütlichen Schlafplatz oder auch eine Wurfhöhle zu bauen. Zudem legen sie an einer anderen Ecke des Dachbodens üblicherweise ihre Latrine an. Schnell wird dann der Ruf nach einer Beseitigung des Tieres und am besten gleich nach einer Bestandsdezimierung bis hin zur Ausrottung dieser Tiere laut. Diesen Wünschen nachzukommen, ist aber in der Realität gar nicht so einfach. Die Fähigkeiten der Waschbären, eine Reduzierung ihres Bestandes auszugleichen, machen es sogar unmöglich. Wir sollten also anfangen zu akzeptieren, dass der Waschbär wie Fuchs und Marder ein in Deutschland wild lebendes Raubtier darstellt und uns um eine friedliche Koexistenz mit diesen durchaus auch spannend zu beobachtenden Tieren bemühen. Ein erster sinnvoller Schritt für ein entspanntes Nebeneinander wäre, den Tieren das Schlaraffenland Stadt ungemütlicher zu machen und somit dafür zu sorgen, dass sich der Bestand von selber reduziert. Waschbären polarisieren. Die einen halten sie für eine Plage, die man bekämpfen muss, die anderen schauen mit einem verklärten Blick, finden sie einfach nur niedlich und fangen an, sie zu füttern. Beides ist falsch! Was also ist die Lösung? Wir empfehlen die Durchführung von Schutzmaßnahmen am Haus und sonstigen Gebäuden sowie im Garten. Damit wird es Waschbären in der Stadt etwas ungemütlicher gemacht und die Anzahl an Waschbären kann sich wieder von selbst reduzieren. Mit diesen Informationen kommen wir der Umsetzung der Managementmaßnahme M7 (PDF, 206 kB) „Öffentlichkeitsarbeit zur Verminderung der direkten und indirekten anthropogenen Förderung der Art” zur Umsetzung der EU-Verordnung zu invasiven Arten von besonderer Bedeutung nach. Vielen Dank für Ihre Mitwirkung. Plakat: Wildtiere auf dem Grundstück vermeiden Flyer: Füttern – Nein Danke! Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver und gebietsfremder Arten Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V.: Projekt Waschbär

Untersuchungsstandorte fischökologisches Monitoring

Standorte der Wasserkraftanlagen, an denen das bayernweite Forschungsvorhaben "Fischökologisches Monitoring an innovativen Wasserkraftanlagen" durchgeführt wird.

Inventur bei Tagfalter, Heuschrecke und Co.

Holzminden/Hildesheim/Hannover . Der dramatische Rückgang der Insekten ist ein beunruhigender weltweiter Trend – doch lässt er sich durch angepasste Bewirtschaftungsweisen positiv beeinflussen? Eine im vergangenen Jahr gestartete „Inventur“ ausgewählter Arten wie Heuschrecken, Tagfalter und Widderchen auf landeseigenen Naturschutzflächen geht dieser Frage noch bis 2024 auf den Grund. Im Fokus der durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beauftragten Forscher und Forscherinnen: Die Schaffung optimaler Entwicklungsbedingungen für die Insektenarten durch entsprechende Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Der dramatische Rückgang der Insekten ist ein beunruhigender weltweiter Trend – doch lässt er sich durch angepasste Bewirtschaftungsweisen positiv beeinflussen? Eine im vergangenen Jahr gestartete „Inventur“ ausgewählter Arten wie Heuschrecken, Tagfalter und Widderchen auf landeseigenen Naturschutzflächen geht dieser Frage noch bis 2024 auf den Grund. Im Fokus der durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beauftragten Forscher und Forscherinnen: Die Schaffung optimaler Entwicklungsbedingungen für die Insektenarten durch entsprechende Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Der NLWKN ist in Niedersachsen zuständig für die Pflege- und Entwicklung von Flächen, die das Land für Zwecke des Naturschutzes und der Landschaftspflege erworben hat. In vielen Fällen kooperieren örtliche Landwirte mit dem NLWKN. Sie bewirtschaften die landwirtschaftlichen Nutzflächen so vorbildlich, dass beispielsweise das europaweit selten gewordene arten- und blütenreiche Grünland erhalten wird. Dieses artenreiche Grünland bietet unter anderem auch Lebensraum für zahlreiche Insektenarten. Viele artenreiche Grünlandlebensraumtypen sind daher auch als Schutzgut in die Europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgenommen. Gemeinsam mit der Landwirtschaft setzt das Land Niedersachsen so seine europäischen Verpflichtungen, den Niedersächsischen Weg und sein Aktionsprogramm Insektenvielfalt um. „Insekten spielen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen, der Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit, der Kontrolle von Schädlingen und der Erhaltung der Biodiversität. Wenn die Insektenpopulationen dramatisch sinken, wird sich dies langfristig auf die landwirtschaftliche Produktion, die Nahrungsketten sowie unser gesamtes Ökosystem auswirken“, erklärt Heike Wellmann vom NLWKN in Hannover den ernsten Hintergrund des Projekts. Die ausgesuchten landeseigenen Naturschutzflächen in den Landkreisen Holzminden und Hildesheim bieten für die Fragestellung der Forschenden von der Arbeitsgemeinschaft Tierökologie Liebelt-Dörfer-Lohr interessante Untersuchungsbedingungen: Sie befinden sich in öffentlicher Hand und in Schutzgebieten mit dem strengsten Schutzstatus. „Hier wurde bereits über Jahre hinweg extensiv gewirtschaftet und es wurden immer wieder zusätzliche Instandsetzungsmaßnahmen vorgenommen. Somit müssten optimale Bedingungen für unsere Insektenbestände vorliegen“, so Wellmann. Dies untersuchen die Forschenden in den Ithwiesen, am Burgberg und in der Rühler Schweiz noch bis 2024. Sie sind dafür auch aktuell wieder im Gelände unterwegs. Vom Aussterben bedrohte Arten nachgewiesen Vom Aussterben bedrohte Arten nachgewiesen Im Rahmen des ersten Erfassungsdurchgangs 2022, dessen Daten nun vorliegen, konnten auf 74 individuellen Untersuchungsabschnitten zusammen über 20.650 Individuen nachgewiesen werden. Insgesamt wurden 49 Tagfalter- und Widderchenarten, 13 sonstige tagaktive Nachtfalterarten und 18 Heuschreckenarten erfasst. Ein Highlight der bisherigen Erfassung ist etwa der Nachweis des Großen Perlmutterfalters, der in Niedersachsen auf der Roten Liste steht und als stark gefährdet gilt. Der Edelfalter ist Zeiger- und Zielart des Biotoptyps Kalkmagerrasen im Weserbergland. Jetzt im Mai können die Raupen auf Wiesenknöterich oder Veilchen gefunden werden. Ab Mitte Juni sind die Männchen beim Überfliegen extensiv genutzter Wiesen zur Paarung zu beobachten. Der Falter überwintert als Jungraupe in der Streuschicht der Wiese. Darüber hinaus wurden vier vom Aussterben bedrohte Arten nachgewiesen: der Mädesüß-Perlmutterfalter und das Große Fünffleck-Widderchen in der Rühler Schweiz, der Enzian-Ameisenbläuling am Burgberg und der Ulmen-Zipfelfalter in den Ithwiesen.

LfU-Bericht: Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern

LfU-Bericht: Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern Der aktuelle LfU-Bericht beschreibt und analysiert den Einfluss der nährstofflichen Belastungen auf die Fischfauna in rheinland-pfälzischen Fließgewässern. Zum LfU-Bericht: Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern und deren Einfluss auf die Fischfauna in Rheinland-Pfalz Die wesentlichen Ergebnisse: Nährstoffe haben für die Ökologie von Fischen und ihren Lebensgemeinschaften eine grundlegende Bedeutung. In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Nährstoffe auf das Vorkommen von Fischen und den fischökologischen Zustand in Fließgewässern in Rheinland-Pfalz haben. Hierzu werden die Daten aus dem biologi-schen und chemischen Monitoring von 2017 bis 2019 statistisch ausgewertet. Die Daten umfassen (i) die allgemein physikalisch-chemischen Parametern, (ii) die Saprobienindices des Makrozoobenthos und (iii) die fischbiologischen Erhebungen. Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern sind in Rheinland-Pfalz noch verbreitet. Schwerpunkte der Belastung liegen großräumig in der Oberrheinebene und betreffen andernorts einzelne Gewässer, wie Nothbach, Lauter und Wiesbach. Neben den Dauerbelastungen sind in einigen Bächen auch spitzenartige Belastungen auffällig. In Bächen erweisen sich insbesondere hohe Konzentrationen von Ammonium und Nitrit als beeinträchtigend für die Fischfauna aus. In der Unteren Forellenregion und der Äschenregion beeinflusst zudem die organische Belastung bzw. die Saprobie den fisch-ökologischen Zustand. Die regulativen Grenzwerte für die Saprobie sind deutlich zu hoch, um die Belastung in der Forellenregion abzubilden. Die Vielfalt der stofflichen Belastungen ist in der Äschenregion am höchsten. Die absoluten Mengen der stofflichen Belastungen sind in der Cyprinidenregion am höchsten, da diese überwiegend in der Oberrheinebene vorkommt. Erhöhte Konzentrationen von Gesamtphosphat und Orthophosphat sind weit verbreitet. Der Einfluss von hohen Phosphatgehalten auf die fischbiologische Zustandsbewertung ist deswegen schwierig statistisch nachweisbar. Die realisierte Eutrophierung aufgrund hoher Phosphorkonzentrationen betrifft in der Barbenregion die meisten Gewässer, sie kann jedoch bereits auch in der Forellen- und Äschenregion im Einzelfall den fischökologischen Zustand beeinflussen. Die Besiedlungsdichten von Fischarten korrelieren mit Nährstoffgehalten und der Intensität des Stoffumsatzes. Die Dichten der Bachforelle, nachfolgend von der Groppe sind von allen Fischarten am häufigsten und ausschließlich negativ mit Nährstoffgehalten korreliert. Die Dichten beider Arten korrelieren auch negativ mit der Saprobie, während die Dichten von Döbel, Gründling, Dreistachliger Stichling, Bachschmerle und Plötze positiv mit der Saprobie korrelieren. Zudem steigen die Dichten vom Döbel mit der Eutrophierung und die vom Dreistachligen Stichling mit den Konzentrationen von Ammonium und Nitrit. Die Gesamtbewertung des ökologischen Zustands der Wasserkörper korrespondiert mit der Landnutzung. Die Flächenanteile von Acker, Siedlungen und Sonderkulturen korrelieren mit den stofflichen Belastungen. Ab einem Ackeranteil von über 20 % wird in der oberen Forellenregion ein guter Zustand unwahrscheinlich. Der Einfluss der Flächennutzung auf Stoffkonzentrationen variiert je nach Fischregion bzw. Gewässergröße und Lage. Die Stoffeinträge aus Punktquellen scheinen in der Unteren Forellenregion am einflussreichsten für den fischökologischen Zustand zu sein. Die hier ermittelten Wirkungen von Stoffen auf die Fischfauna belegen die Notwendigkeit einer guten Wasserqualität für die Zielerreichung eines guten fischökologischen Zustands. Eine geringe nährstoffliche Belastung ist insbesondere für gute Bestände der Bachforelle und der Groppe wichtig bzw. der Zielerreichung in Forellen- und Äschenbächen in Rheinland-Pfalz. Fallstudie Nister: Die stoffliche Belastung an der Unteren Nister ist seit 1990 deutlich geringer geworden. Dennoch entwickeln sich im Frühjahr massenhaft fädige Algen auf der Sohle. Die Fischfauna hat sich u.a. durch eine deutliche Zunahme der Elritze sowie durch die Abnahmen von Aal und Äsche sowie auch anderer Arten wie der Nase verändert. Das Ablussregime hat sich ab den 1990-Jahren und noch verstärkt seit 2008 dramatisch verändert, mit erheblich geringeren Abflüssen, insbesondere von April bis September. Die jahreszeitlichen Beziehungen von Orthophosphat zu Wassertemperatur und Abfluss weisen darauf hin, dass die starke Zunahme der Konzentration von Orthophosphat im Frühjahr wahrscheinlich grundlegend für die Eutrophierungsprozesse ist. Schutzmaßnahmen zur Verminderung von Nährstoffeinträgen sind äußerst wichtig. Zu diesen zählen Gewässerrandstreifen bei belastenden diffusen Einträgen. Wirksame Randstreifen erstrecken sich über längere Fließstrecken, sind zusammenhängend, dauerhaft angelegt, funktional strukturiert und hinreichend breit. Für den Stoffeintrag aus Kläranlagen an Bächen ist eine Immissionsbetrachtung erforderlich, die sich auf einen ökologisch relevanten Bemessungsabfluss bezieht. Dieser berücksichtigt die aktuellen klimatischen Veränderungen.

Current state of knowledge on biological effects from contaminants on arctic wildlife and fish

Since the last Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) effort to review biological effects of the ex-posure to organohalogen compounds (OHCs) in Arctic biota, there has been a considerable number of new Arcticeffect studies. Here, we provide an update on the state of the knowledge of OHC, and also include mercury, ex-posure and/or associated effects in key Arctic marine and terrestrial mammal and bird species as well as in fishby reviewing the literature published since the last AMAP assessment in 2010. We aimed at updating the knowl-edge of how single but also combined health effects are or can be associated to the exposure to single compoundsor mixtures of OHCs. We also focussed on assessing both potential individual as well as population health impactsusing population-specific exposure data post 2000. We have identified quantifiable effects on vitamin metabo-lism, immune functioning, thyroid and steroid hormone balances, oxidative stress, tissue pathology, and repro-duction. As with the previous assessment, a wealth of documentation is available for biological effects inmarine mammals and seabirds, and sentinel species such as the sledge dog and Arctic fox, but information for ter-restrial vertebrates and fish remain scarce. While hormones and vitamins are thoroughly studied, oxidativestress, immunotoxic and reproductive effects need further investigation. Depending on the species and popula-tion, some OHCs and mercury tissue contaminant burdens post 2000 were observed to be high enough to exceedputative risk threshold levels that have been previously estimated for non-target species or populations outsidethe Arctic. In this assessment, we made use of risk quotient calculations to summarize the cumulative effects ofdifferent OHC classes and mercury for which critical body burdens can be estimated for wildlife across the Arctic.As our ultimate goal is to better predict or estimate the effects of OHCs and mercury in Arctic wildlife at the in-dividual, population and ecosystem level, there remain numerous knowledge gaps on the biological effects of ex-posure in Arctic biota. These knowledge gaps include the establishment of concentration thresholds forindividual compounds as well as for realistic cocktail mixtures that in fact indicate biologically relevant, andnot statistically determined, health effects for specific species and subpopulations. Finally, we provide future per-spectives on understanding Arctic wildlife health using new in vivo, in vitro, and in silico techniques, and providecase studies on multiple stressors to show that future assessments would benefit from significant efforts to inte-grate human health, wildlife ecology and retrospective and forecasting aspects into assessing the biological ef-fects of OHC and mercury exposure in Arctic wildlife and fish. © 2019 The Authors.

Bericht "Mikroplastik in Binnengewässern Süd und Westdeutschlands" veröffentlicht

Bericht "Mikroplastik in Binnengewässern Süd und Westdeutschlands" veröffentlicht Gemeinsames Pilotprojekt von fünf Bundesländern zur Verbreitung von Mikroplastik in Flüssen abgeschlossen – Mikropartikel aus Kunststoff in unterschiedlichen Konzentrationen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau nachgewiesen Das Thema Mikroplastik in Gewässern wird aktuell viel diskutiert. Eine umfassende Datengrundlage zur Verbreitung von Mikroplastik in unseren Gewässern fehlt jedoch bislang. Die Ergebnisse einer umfassenden Pilotstudie in insgesamt fünf Bundesländern geben zum ersten Mal einen Überblick über das Vorkommen von Mikroplastikpartikeln in verschiedensten Regionen: vom Alpenvorland bis zum Niederrhein, vom Kleingewässer bis zu Deutschlands größtem Fluss. Die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben oberflächennahe Wasserproben an 25 Flüssen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau auf Mikroplastik analysieren lassen und in jedem einzelnen Gewässer unterschiedliche Konzentrationen von Mikroplastik nachgewiesen. Insgesamt 52 Proben wurden vom Projektpartner, dem Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Bayreuth, mit Hilfe der FTIR-Spektroskopie untersucht. Die nun vorliegenden Analysenergebnisse bilden einen der weltweit größten, methodisch einheitlich gewonnenen Datensätze zum Vorkommen von Plastikpartikeln in Flüssen. Insgesamt mehr als 19.000 Objekte wurden analysiert, 4.335 davon als Kunststoffpartikel identifiziert. Der Anteil größerer Kunststoffobjekte (Makroplastik) war sehr gering. Rund 99 Prozent der Kunststoffpartikel waren kleiner als 5 Millimeter und damit Mikroplastik zuzuordnen. Auffallend war, dass sehr kleine Mikroplastikpartikel mit einer Größe zwischen 0,3 Millimeter bis 0,02 Millimeter mit rund 62 Prozent am häufigsten vertreten waren. Die Partikel bestanden zumeist aus den Kunststoffsorten Polyethylen oder Polypropylen, welche die höchsten Marktanteile vor allem für Verpackungen und die meisten Bedarfsgegenstände aus Kunststoff in Europa haben. Hauptsächlich handelte es sich um Kunststofffragmente, unregelmäßig geformte Partikel, die von größeren Kunststoffobjekten stammen können. Zudem wurden an einem großen Teil der Messstellen auch Plastikfasern gefunden. Andere Partikelformen wie Folienreste, sogenannte Beads (Kügelchen) und Pellets wurden seltener nachgewiesen. Dabei variiert die Anzahl der Partikel zwischen den einzelnen Messstellen. Höhere Partikelkonzentrationen wurden vor allem in kleineren und mittleren Nebengewässern gemessen. Im größten untersuchten Gewässer, dem Rhein, wurden eher niedrige bis mittlere Konzentrationen gefunden, was vor allem damit zu tun hat, dass durch das größere Wasservolumen eine stärkere Vermischung und damit Abnahme der Partikelkonzentration folgt. Insgesamt liegen die aktuellen Ergebnisse der Länder in der gleichen Größenordnung wie Befunde aus vergleichbaren europäischen und nordamerikanischen Gewässern. In einem nächsten Forschungsvorhaben wird nun das Mikroplastik in den Sedimenten und in verschiedenen Wassertiefen der untersuchten Flüsse analysiert. Die Forschung zu Mikroplastik in der Umwelt und den möglichen Folgen steht noch am Anfang, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Ziel der Forschungen derzeit ist, die Wissensbasis ständig zu verbreitern, um gezielter Probenahme- und Analyseverfahren zu entwickeln und zukünftige Monitoringprogramme weiter zu optimieren. Fragen zu möglichen Eintragspfaden, Auswirkungen auf die Umwelt und Minderungsmöglichkeiten werden derzeit unter anderem im Rahmen eines vom Bundesforschungsministeriums (BMBF) geförderten Forschungsschwerpunktes „Plastik in der Umwelt“ bis 2021 untersucht. Erforscht werden hier vor allem Vermeidungsstrategien, um einen Eintrag von Plastikabfällen in die Umwelt zu vermindern und wenn technisch möglich komplett zu vermeiden. Bericht "Mikroplastik in Binnengewässern Süd und Westdeutschlands" online Die Ergebnisse der bundesländerübergreifenden Untersuchungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind in dem Bericht "Mikroplastik in Binnengewässern Süd und Westdeutschlands" zusammengefasst und mittels Grafiken und Tabellen übersichtlich dargestellt.

Bibliothek - Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung

Die Bibliothek der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung bietet rund 5.000 Bücher und 100 Zeitschriften zu allen Bereichen der Jagdkunde (wissenschaftlich bis unterhaltend) sowie zu den Themen Wald und Forst, Wildökologie, Jagdkunde, Landschaftsplanung und Naturschutz. Darunter befinden sich sowohl historische Schriften aus dem 18. Jahrhundert als auch aktuelle Veröffentlichungen. Der Bestand lässt sich im Bibliotheksverbund der Landesbibliotheken recherchieren. Die Bibliothek ist eine öffentliche Präsenzbibliothek ohne feste Öffnungszeiten. Deshalb bitten wir Sie, sich zwecks Terminabsprache direkt per E-Mail oder telefonisch an uns zu wenden.

Nordrhein-Westfalen auf der Grünen Woche 2025 in Berlin

NRW präsentiert sich auf der Grünen Woche erstmalig mit Partnerregion Vom 17. bis zum 26. Januar 2025 ist das Land Nordrhein-Westfalen mit mehr als 100 Ausstellerinnen und Ausstellern auf der Grünen Woche vertreten und wird auf circa 1.200 Quadratmetern über 10 Messetage die Vielfalt Nordrhein-Westfalens um die Themen Landwirtschaft, Tourismus, ländliche Räume und Genuss präsentieren. In der NRW Halle 5.2a werden an den Messeständen einzigartige Produkte aus Nordrhein-Westfalen angeboten. Außerdem werden Blumen und Zierpflanzen vom Niederrhein oder auch Erlebnisangebote im ländlichen Raum präsentiert. Hierbei spielen auch die vielfältigen Projekte des Förderprogramms LEADER des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums zur Stärkung des ländlichen Raums eine wichtige Rolle. Begleitet wird der Landesauftritt von einem umfangreichen Bühnenprogramm, das den Messebesucherinnen und Messbesuchern täglich viele Stunden Kochshows und Mitmachaktionen bietet. Das Land NRW präsentiert sich auf der Grünen Woche 2025 zum ersten Mal mit einer Partnerregion. Der Niederrhein übernimmt in 2025 die Partnerregion in der NRW-Länderhalle. Unter dem Motto „Mit Herz für den Niederrhein“ präsentieren in einem gemeinsamen Areal der Halle die Akteure der LEADER-Regionen des Niederrheins sowie die Vereine „Genussregion Niederrhein e.V.“, „Agrobusiness Niederrhein e.V.“ und der „Niederrhein Tourismus GmbH“ die Region. Sie zeigen die facettenreiche Vielfalt des Niederrheins, die für genussvolle Produkte, zukunftsorientierte Landwirtschaft, nachhaltige, gesunde Ernährung und innovativen Ideenreichtum steht. Die Besucherinnen und Besucher können für den Niederrhein typische und qualitativ hochwertige Produkte probieren und die Region in all ihren Facetten kennenlernen. Gruppenfoto GW24, Foto: LANUV Übersicht der Ausstellenden in 2025 Agrobusiness Niederrhein e.V. Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. Die Faire Milch, Grefrath Ernährung-NRW e.V. Fischkultur NRW – Verband nordrhein-westfälischer Fischzüchter und Teichwirte e.V. Foodhub NRW e.V. Früh Kölsch, Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG GEPA - The Fair Trade Company Genussregion Ostwestfalen-Lippe e.V. Genussregion Niederrhein e.V. GRANDE ÉTOILE KLB, KLJB im Bistum Münster e.V. Landpark - Johann Spielmann GmbH Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e.V. LandFrauen Nordrhein-Westfalen LEADER/Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen mein-ei.nrw e.V. Mutterkuhhalter NRW e.V. Niederrhein Tourismus GmbH Pflanzenzucht Heinz Manten Privatbrauerei Ernst Barre GmbH Weingut Pieper Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V. Zentrum für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur Grüne Woche Die Grüne Woche ist eine internationale Ausstellung der Ernährungs- und Landwirtschaft sowie des Gartenbaus. Auf der Messe zeigt Nordrhein-Westfalen die Leistungsfähigkeit der Erzeuger von hochwertigen Lebensmitteln und die Produktvielfalt aus den verschiedenen Regionen des Landes. Die Wertschätzung gegenüber diesen Produkten wird den Verbraucherinnen und Verbrauchern nahegebracht. Die GW ist Ausgangspunkt für das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA). Hier treffen sich internationale Ministerien und Nahrungsmittelproduzenten und zeigen mit ihren Gemeinschaftsschauen, was die faszinierende Welt der Nahrungs- und Genussmittel zu bieten hat. NRW auf der grünen Woche Das Land NRW beteiligt sich seit vielen Jahren an der weltgrößten Leitmesse für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz plant und organisiert das LANUV seit 2014 den Messeauftritt des Landes NRW. Wie werden Sie Teil des NRW-Netzwerkes auf der Grünen Woche? Die Möglichkeiten des Mitwirkens sind vielfältig: Sie reichen vom einmaligen Auftritt im Bühnenprogramm bis hin zur ein- bis zehntägigen Präsentation eines Messestandes. Bitte nehmen Sie bei Interesse oder Fragen direkt zum Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) Kontakt auf. Katrin Emde Projektleitung IGW und Nachhaltige Ernährung +49 2361 305 1598 +49 (0) 172 262 1663 Katrin.Emde(at)lanuv.nrw.de

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung

Die 1957 gegründete Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung gehört seit dem 01.06.2014 als Fachbereich 27 zum Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, Abt. 2 (Naturschutz, Landschaftspflege, Jagdkunde und Fischereiökologie). Der Auftrag – Forschung, Beratung und Entwicklung von Lösungen sowie Aus- und Fortbildung – wie bereits in der Stiftungskurkunde beschrieben – ist im Landesjagdgesetz formuliert. Dienstleistungen Alters- und Bestimmungsuntersuchungen Stellungnahmen in öffentlichen Verfahren Mitwirkung in der Berufsausbildung Fortbildungen Fachgebiete und Aufgaben Fachgebiet Aufgaben Schalenwild, Wildschadenverhütung Wechselbeziehungen zwischen Wild und Lebensraum Etho-Ökologie des Schalenwildes Integrierte Managementkonzepte zur Jagd, Naturschutz, Waldbau und Tourismus Fachgrundlagen für Hegegemeinschaften Jagd und Wild in der Gesellschaft Monitoring der Bestandsentwicklung ausgewählter Wildarten im Siedlungsraum Konzept zum Umgang mit jagdbaren Neobiota (Niederwild) Zentrale Streckenstatistik Wildgesundheit Fallwilduntersuchung, Tierkrankheiten und Genetik Belastungen des Wildes mit Pflanzenschutzmitteln und Umweltschadstoffen Wildverluste im Straßenverkehr, an Kanälen, Mähverluste Sonstiges Haarwild, Federwild, Offenlanduntersuchungen Entwicklung von Methoden für eine nachhaltige Erhaltung und Bejagung des Wildes Fachliche Betreuung des Lehr- und Versuchsreviers Orsoy Stellungnahmen, Beratungen und Begleitung zu Anträgen zum Projekt WILD und zum Rebhuhnmonitoring Untersuchungen zu Wild und Straßenverkehr Biotopverbundplan Monitoring an Wildbrücken und Wildwarnanlagen Abstracts Abstracts of the 36 IUGB Kongress, Poland Abstracts of the 35 IUGB Congress, Budapest Jagdstrecke Erläuterungen zur Jagdstrecke 2023-2024 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2022-2023 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2021-2022 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2020-2021 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2019-2020 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2018-2019 Erläuterungen zur Jagdstrecke 2017-2018 Jagdstrecken-Statistik Fallwildberichte Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2021 - 2022 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2020 - 2021 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2019 - 2020 Fallwildbericht Jagdjahre 2016/17, 2017/18 und 2018/19 in NRW Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2015 - 2016 enthält die Zusammenstellung der Gutachten über die Erkrankungs- und Todesursachen von 768 Stück Wild aus dem Jagdjahr 2015/16. Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2014-2015 mit Ausführungen zu Schmallenberg-Virus und Tularämie Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2013-2014 mit Ausführungen zu Staupe und Räude Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2012-2013 mit Monographie zu Fasanen und Ergebnissen zu SBV-Untersuchungen Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2011-2012 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2010-2011 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2009-2010 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2008-2009 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2007-2008 Fallwildbericht NRW Jagdjahr 2006-2007 Publikationen/Downloads Schalenwildkonzept Wiederbewaldung Waldentwicklung und Nahrungspräferenzen des Damwildes Wildforschung in Deutschland Wildtierforschung/ Wildtiermanagement Waldwissen: Bejagungs-/ Äsungsschneisen an Aufforstungs- /Verjüngungsflächen Waldwissen: Die Zeit nach der Kalamität richtig nutzen 23. Landeshegeschau des Landesjagdverbandes NRW e.V. 06/22 Beobachtungen im Revier 2022 Hegegemeinschaften: Aufgaben/Perspektiven 2017 Broschüre zur Verhütung von Wildschäden Wildschwein im Garten - Was nun? Bonner Jägertag 42. Bonner Jägertag 2019 Einladung zum 42. Bonner Jägertag 42. Bonner Jägertag 2019 AFZ DerWALD Ausgabe 6 42. Bonner Jägertag 2019 AFZ Lebensräume erhalten und gestalten Bonner Jägertag 2016 Artikel aus Rheinisch-Westfälischer / Niedersächsischer Jäger Waschbär-Spulwurm auf Menschen übertragbar Hitze und Trockenheit - Probleme für heimisches Wild? Muttertierschutz beim Rotwild Geschichte der FJW 1950 Gründung der „ Forschungsstelle für Jagdkunde des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen “ mit Sitz im Zoologischen Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig in Bonn auf Initiative des Jagdzoologen Dr. Harry Frank (zugleich wissenschaftlicher Leiter) 1955 Umbenennung in „Jagdkundliche Forschungs- und Beratungsstelle des Landesjagdverbandes“ 1957 „Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung“ (FJW)wird als private Stiftung des Landes NRW und des Landesjagdverbandes NRW gegründet; Forsthaus Hardt mit dem umliegenden Gelände langfristig vermietet bzw. verpachtet; Dr. Erhard Ueckermann von 1957 bis 1989 Leiter der FJW 1976 Verstaatlichung der FJW als Einrichtung des Landes gemäß §§ 53 und 54 des Landesjagdgesetzes NRW zur Steigerung der Effizienz & für eine höhere Sicherheit der Angestellten; Aufgaben werden im § 53 LJG-NRW inhaltlich aus der Stiftungsurkunde übernommen; Gelder werden durch Jagdabgabe bezogen (§57 LJG-NRW); Arbeitsbereiche: Schalenwild, Wildbestandsbewirtschaftung & Wildschadenverhütung; Niederwild & Raubwild; Wildkrankheiten; später dazu: Wildökologische Landschaftsinformation; Wildökologie 1994 (01.04.1994) Gründung der LÖBF (Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten) bzw. LAfAO (Landesamt für Agrarordnung); FJW wird Dezernat der LÖBF 2007 FJW wird Referat (später Schwerpunktaufgabe) des Landesbetriebs Wald & Holz 2014 (01.06.2014) FJW wird Fachbereich 27 des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in der Abteilung 2 Naturschutz, Landschaftspflege, Jagdkunde und Fischereiökologie 2019 Umstellung des Haushaltes der FJW auf Landesmittel Geschichte des Standorts Forsthaus Hardt: Das Forsthaus Hardt liegt auf den Ausläufern des Siebengebirges im Waldgebiet Ennert-Hardt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts befand sich auf dem Ennert und der Hardt ein Braunkohleabbaugebiet. 1805 wurde zudem die erste Alaunhütte gegründet. Bereits 1856 war das Bonner Unternehmen das bedeutendste Alaunwerk Preußens. Das Forsthaus Hardt wurde 1853 als Verwaltungsgebäude des Betreibers, dem „Bonner Bergwerk- und Hüttenverein“ erbaut. 1876 wurde die Alaungewinnung dann jedoch eingestellt. Um die Landschaft vor den Folgen des fortschreitenden Gesteinsabbaus im 19. Jahrhundert zu schützen, wurde das Siebengebirge 1923 unter Schutz gestellt und ist somit das älteste deutsche Naturschutzgebiet. Das Forsthaus Hardt lag damals inmitten von 316 ha Grubenfeldern; heute sind diese wieder vollständig bewaldet und werden als Naherholungsgebiet genutzt. 1957 wurde das Forsthaus Hardt mit dem umliegenden Gelände durch das Land Nordrhein-Westfalen gekauft und anschließend langfristig vermietet bzw. verpachtet. Seit 2004 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Aufgabengebiete der FJW: Aufgaben-Dreiklang: Beratung, Forschung, Aus- & Fortbildung In der Stiftungsurkunde bereits genannt: Erforschung der Lebens- und Umweltbedingungen des Wildes unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Land Nordrhein-Westfalen Erforschung der Wildkrankheiten sowie die Möglichkeiten derer Bekämpfung Erforschung der Möglichkeiten der Verhütung und Verminderung von Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau Förderung des gesamten Jagdwesens (…) und das Verständnis für das Wild in der Allgemeinheit zu wecken und zu vertiefen Der Arbeitsplan der FJW wird jährlich durch den FJW-Beirat beraten. Dieser setzt sich zusammen aus dem Vertreter der obersten Jagdbehörde (als Vorsitz), fünf Jägern (davon mindestens ein hauptberuflicher Land- oder Forstwirt) und je einem Vertreter des Naturschutzes, Vogelschutzes und der Falknerei. Zahlreiche bedeutende Ergebnisse der Arbeit der Forschungsstelle haben bereits Eingang in die Praxis gefunden: Empfehlung zur Einführung des Wildunfalls in die KFZ-Teilkaskoversicherung im Jahr 1967 Richtlinie zur Sicherung der Bundesfernstraßen gegen Verkehrsunfälle mit Wild Raumordnung für große Wildtiere, an die sich die Konzeption zum Lebensraumverbund und den Grünbrücken anschließen Bundesweit erste kostenlose Untersuchung von Fallwild auf Krankheiten als Grundlage für das Monitoring zur Wildgesundheit (z.B. Europäische & Afrikanische Schweinepest, Tollwut etc.) Weiteres Engagement: Die „International Union of Game Biologists“ (IUGB) wurde auf Vorschlag von Dr. Harry Frank, dem damaligen Leiter der Forschungsstelle für Jagdkunde des Landesjagdverbandes NRW, und auf Einladung von Prof. Nüsslein 1954 gegründet. Sie stellt auch heute noch eine der bedeutendsten internationalen Zusammenschlüsse von Wildbiologen dar. Seit 1962 ist die FJW Mitglied des Verbands Deutscher Forstlicher Forschungsanstalten. Seit 1969 ist die FJW Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft wildbiologischer und jagdkundlicher Forschungsstätten mit Vertretern in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Gegründet wurde diese auf Initiative des ehemaligen Leiters (1957 – 1989) der FJW Dr. Erhard Ueckermann. Herausgabe der „Zeitschrift für Jagdwissenschaften“ seit 1973 Seit 1977 Veranstalter der jährlich stattfindenden Bonner Jägertage als Forum der Begegnung zwischen Wissenschaft und Praxis.

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Landschaftszerschneidung in Baden-Württemberg Ergebnisse einer landesweiten räumlich differenzierten quantitativen Zustandsanalyse Von Jochen Jaeger, Heide Esswein, Hans-Georg Schwarz-von Raumer und Manfred Müller ZusammenfassungSummary Zerschneidung und Fragmentierung von Land- schaften gelten als wesentliche Ursachen des Besorgnis erregenden Artenverlustes in Mitte- leuropa. Zudem haben sie Auswirkungen auf Wasserhaushalt, Landschaftsbild und Erho- lungswert. Obwohl die Bedeutung des Erhalts großer unzerschnittener, verkehrsarmer Räume auch auf politischer Ebene kaum umstritten ist, hat die Landschaftszerschneidung in den letzten 15 Jahren unvermindert zugenommen. Umso mehr besteht die Notwendigkeit, vergleichbare Daten über den Zustand der Landschaftszer- schneidung zur Verfügung zu stellen, insbeson- dere im Vergleich von landschaftsbezogenen Raumkategorien, um dadurch eine Grundlage für planerische und politische Zielfestlegungen und Maßnahmen zu schaffen. Die vorliegende Untersuchung ist eine lan- desweite quantitative Analyse der Zerschnei- dung in Baden-Württemberg mit der Mes- sgröße der „effektiven Maschenweite“ meff. Wie die Resultate zeigen, ist Baden-Württemberg deutlich stärker zerstückelt, als es die Ergeb- nisse früherer, weniger detaillierter Untersu- chungen erwarten ließen. Verglichen werden die Ergebnisse für die beiden Varianten mit bzw. ohne Berücksichtigung der Gemeindever- bindungsstraßen und für die zwei Anwen- dungsweisen des Ausschneideverfahrens und des Mittelpunktverfahrens. Die räumliche Dif- ferenzierung der Analyse erfolgt nach den vier Regierungsbezirken, 44 Landkreisen und 66 Naturräumen. Abschließend erläutert der Bei- trag ein Beispiel für die Bezugnahme auf die unterschiedliche Empfindlichkeit von Land- schaften, welche für die Bewertung des ermit- telten Zerschneidungsgrades von Interesse ist, anhand der Räume mit hoher Biotopdichte.Quantitative Analysis of Landscape Fragmen- tation in Baden-Württemberg 1 Landschaftszerschneidung: ein flächendeckendes Umweltproblem Trassen und Anlagen der Verkehrsinfrastruk- tur wirken ebenso wie Siedlungs- und In- dustriegebiete und andere intensive Flächen- nutzungen auf viele Tier- und Pflanzenarten als „Barrieren“. Die verbleibenden Lebens- räume werden durch die Verdichtung des Verkehrsnetzes und die Ausdehnung der be- bauten Flächen zunehmend verkleinert, zer- teilt und voneinander isoliert. Diese Effekte gelten heute als wesentliche Ursachen des Artenverlustes in Mitteleuropa (ANDRÉN 1994, BAUR & ERHARDT 1995, BLAB 1990, TROMBULAK & FRISSELL 2000). Erholungs- Naturschutz und Landschaftsplanung 33, (10), 2001 The dissection and fragmentation of landscapes is known as a major reason for the alarming loss of species in Central Europe. It also affects the water regime, the scenery, and the recreational quality. In spite of repeated demands for pre- serving large un-dissected low-traffic areas al- so on the political stage, fragmentation has in- creased during the last 15 years as rapidly as be- fore. In order to set objectives and to plan appro- priate measures data on the degree of landsca- pe fragmentation are needed that are suitable for comparing different regions, especially accor- ding to different natural landscape types. The study presents a state-wide quantitative analysis of landscape fragmentation in Baden- Württemberg by means of the fragmentation measure "effective mesh size", meff. The re- sults show that Baden-Württemberg is much more dissected and fragmented than indicated by former, less detailed investigations. The stu- dy compared results of two variants, with and without municipal roads, and two different ana- lysis methods (clip procedure and central-point procedure). The spatial differentiation corresponds with the four administrative districts of Baden-Würt- temberg, the 44 rural districts, and the 66 natu- ral landscape units. Eventually, an example is given how to con- sider the sensitivity of a landscape to fragmen- tation (which is relevant for the normative in- terpretation of the degree of fragmentation mea- sured) by examining the regions of high bioto- pe density. gebiete werden zunehmend verlärmt, und die Bewegungsfreiheit von Erholungssuchen- den wird eingeschränkt. Die Folgen der Landschaftszerschneidung betreffen insge- samt sieben Problemfelder: Bodengefüge und Bodenbedeckung, Kleinklima, Immis- sionen, Wasserhaushalt, Flora und Fauna, Landschaftsbild und Erholungsqualität, Im- plikationen für die Landnutzung (JAEGER 1999: 85, KAULE 1998). Die zunehmende Landschaftszerschnei- dung wurde in Deutschland seit den siebzi- ger Jahren in die wissenschaftliche und um- weltpolitische Diskussion eingebracht (z.B. Institut für Naturschutz und Tierökologie der BFANL 1977, LASSEN 1979), und alsbald wurde der flächendeckende Charakter dieses Umweltproblems erkannt. In der Boden- schutzkonzeption von 1985 hat die deutsche Bundesregierung schließlich eine „Trend- wende im Landverbrauch“ zu ihrem Ziel er- klärt. Die dafür vorgesehenen Maßnahmen umfassen die „Reduzierung des Verkehrsflä- chenbedarfs im städtischen Umland durch Trendumkehr bei der Zerschneidung und Zersiedlung der Landschaft“ und die Bewah- rung von „Landschaften mit naturnahen Bodennutzungen vor weiteren Zerschnei- dungen durch Verkehrswege und Leitungs- systeme sowie vor Bebauung“ (Bundes- minister des Innern 1985: 96, 108). Trotz mehrerer weiterer Anläufe, den Anstieg der Landschaftszerschneidung auf- zuhalten (z.B. LANA 1995), haben Land- schaftsverbrauch und Landschaftszerschnei- dung unvermindert weiter zugenommen (BfN 1999, JAEGER 1999). Die Enquête- Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ konstatiert 1998, dass in Deutsch- land eine „schon ansatzweise erkennbare Zersiedelung mit erheblichen Qualitätsver- lusten für Freizeit, Naturschutz und ggf. auch das Wohnen“ droht. Die Flächeninan- spruchnahme müsse „als ein strukturelles gesellschaftliches Problem angesehen wer- den“ (Deutscher Bundestag 1998: 264). Dennoch ist dieses Problem auf der politi- schen Tagesordnung nur selten mit hoher Priorität behandelt worden. In den sehr dicht besiedelten Niederlanden mit 445 Einwoh- nern pro km2 (gegenüber 230 E/km2 in Deutschland) hingegen diskutieren und bear- beiten Wissenschaft und Politik die Folge- probleme der Dichte des Verkehrsnetzes und mögliche Gegenmaßnahmen seit längerem mit deutlich mehr Nachdruck, vgl. z.B. die zahlreichen Beiträge niederländischer Auto- ren in SCHREIBER (1988) sowie CANTERS (1997), KRÜGER (2000), UDO DE HAES & CANTERS (1988), VAN BOHEMEN et al. (1994) und VAN DER GRIFT (1999). 2 Ziele der Untersuchung Der steigende Problemdruck weist auf einen dringenden Bedarf nach überprüfbaren Ziel- vorgaben und wirksameren Maßnahmen als die bisherigen Absichtserklärungen und pro- grammatischen Forderungen hin. Als Grund- lage für planerische Zielfestlegungen wer- 1 den geeignete, vergleichbare Daten über den aktuellen Zustand der Landschaftszerschnei- dung benötigt, möglichst im historischen Vergleich und im Vergleich von landschafts- bezogenen Raumkategorien. Solche Daten sind zugleich als Nachhaltigkeitsindikatoren gut geeignet, da sie als sogenannte proxy me- asures (im Sinn von relativ hoch aggregier- ten Messgrößen für die Abschätzung von Umweltbelastungen) eine Reihe verschiede- ner Belastungsfaktoren zusammenfassen und die grobe Entwicklungsrichtung der Umweltbelastung erkennbar machen (BERG & SCHERINGER 1994). Der Zerschneidungs- grad besitzt eine Indikatorfunktion für die Gefährdung der Biodiversität durch die Le- bensraumzerstückelung. Der Bedarf nach solchen Größen wird in der internationalen Literatur zur Landschaftsökologie und zur Abschätzung und Bewertung von Umweltri- siken betont (z.B. GEOGHEGAN et al. 1997, TURNER & GARDNER 1991). Der Zerschnei- dungsgrad hat wegen der Vielzahl der umweltbelastenden Folgen und ihres kumu- lativen Charakters eine starke normative Relevanz als ein Bewertungskriterium (vgl. hierzu ausführlich JAEGER 1999). Zur Quan- tifizierung des Zerschneidungsgrades wurde die neue Messgröße „effektive Maschenwei- te“ entwickelt (JAEGER 1999, 2000; MÜLLER et al. 1998; vgl. Abschnitt 3). Quantitative Untersuchungen zum Zu- stand und zur Entwicklung der Landschafts- zerschneidung gibt es in Deutschland bisher nur in geringer Zahl (siehe die Übersichten in GRAU 1998, in Vorb.). Die Studie des Bun- desamtes für Naturschutz (1999) belegt einen Rückgang der unzerschnittenen ver- kehrsarmen Räume in den alten Bundeslän- dern von 349 (= 22,7 % der Landesfläche) im Jahr 1977 auf 296 (= 18,6 %) im Jahr 1987 und auf nur noch 225 (= 14,2 %) heute. (Zwar wurden 1999 teilweise andere Ab- grenzungskriterien verwendet, die Unter- schiede fallen jedoch gegenüber der Tren- dentwicklung kaum ins Gewicht.) Weitere bundesweite Untersuchungen zu unzerschnittenen Räumen wurden von DOSCH et al. (1995: 15), vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2000: 156) sowie von SCHUMACHER & WALZ (2000) vor- gelegt. Darüber hinaus bereitet derzeit das Statistische Bundesamt eine Erhebung vor. Ältere (auf Westdeutschland bezogene) Stu- dien haben FRITZ (1984) und HEISS (1992) durchgeführt. Diese Untersuchungen be- schränken sich jedoch auf Waldflächen. Die ersten quantitativen Untersuchungen für Baden-Württemberg legten EICHHORST & GERMAN (1974) für den Regierungsbezirk Tübingen, REICHELT (1979) für den Schwarzwald-Baar-Kreis und SCHREIBER et al. (o.J.) für die Region Mittlerer Neckar vor. Landesweite Darstellungen gibt es für Ba- den-Württemberg bisher lediglich als inter- ne Bestandsaufnahmen bei der Landesan- stalt für Umweltschutz in Karlsruhe sowie in Form einer Übersichtskarte im Kartenatlas (unveröffentlicht) in den Materialien zum Landschaftsrahmenprogramm (IER/ILPÖ 1999; Dokumentationen dazu in STAUCH 2000, STAUCH & KAULE 1999). Sie beinhal- ten jedoch keine quantitativen Analysen der 2 Zerschneidung, sondern fassen die vorlie- genden Datengrundlagen zusammen. Die Untersuchungen des BfN weisen einen ak- tuellen Bestand von lediglich noch 28 unzer- schnittenen Räumen (10,7 % der Landesflä- che) in Baden-Württemberg aus (vgl. auch Karte 1), d.h. dass nahezu 90 % des Landes bereits in kleinere Räume (< 100 km2) zer- stückelt worden sind. Die aktuelle Situation in den übrigen Bundesländern wird die Re- cherche von GRAU (in Vorb.) charakterisie- ren. Keine der bisherigen bundesweiten Un- tersuchungen berücksichtigt Gemeindever- bindungsstraßen. Der vorliegende Beitrag zielt auf eine Übersicht und auf den Vergleich des Zer- schneidungsgrades in den verschiedenen Naturräumen einerseits und den politisch ab- gegrenzten Gebieten andererseits: 1. Welche Räume sind am stärksten, wel- che am geringsten zerschnitten? 2. Wie groß ist die Spannweite des erfass- ten Zerschneidungsgrades? 3. Welche „Rangfolge“ der Räume ergibt sich? An welcher Stelle positionieren sich ausgewählte Naturräume wie z.B. Kaiser- stuhl, Baar oder Kraichgau im Vergleich zu den übrigen Naturräumen? 4. Wie stark ändern sich die Ergebnisse, wenn die Gemeindeverbindungsstraßen aus- geklammert bzw. einbezogen werden? 5. Welchen Einfluss hat die Wahl der Grenzen des betrachteten Gebietes auf den ermittelten Zerschneidungsgrad? 3 Methode 3.1 Das Zerschneidungsmaß „effektive Maschenweite“ (meff) Darüber, was der Begriff „Landschaftszer- schneidung“ beschreiben soll, besteht der- zeit kein einheitliches Verständnis in der Fachwelt, wie die Ergebnisse einer Befra- gung gezeigt haben (JAEGER 1999: 281f). Wir stützen uns daher auf eine relativ weite, funktional orientierte Definition: Landschaftszerschneidung bezeichnet ein Zerreißen von gewachsenen ökologi- schen Zusammenhängen zwischen räum- lich getrennten Bereichen der Landschaft (vgl. HABER 1993: 62). In struktureller Hinsicht kann Landschaftszerschneidung als vom Menschen geschaffene, vorwie- gend linienhafte Strukturen oder Mate- rieströme, mit denen Barriere-, Emissi- ons- oder Kollisionswirkungen oder ästhetische Beeinträchtigungen verbun- den sind, beschrieben werden (vgl. GRAU 1997, SCHUMACHER & WALZ 2000: 135). Allgemeiner kann auch von „Landschafts- fragmentierung“ gesprochen werden. Als Hindernisse bei der Ausbreitung bzw. Wan- derung von Tieren in einer Landschaft können zudem Fließ- und Stehgewässer (vor allem wenn die Ufer steilkantig befestig sind) und hohe Felskanten wirken, sie lassen sich als „geogene Zerschneidung“ zusammenfassen. Zur Quantifizierung der Landschaftszer- schneidung gibt es in der Fachliteratur eine Reihe von Vorschlägen. Die meisten weisen jedoch Mängel auf oder sind nur unter engen Einschränkungen gültig, oftmals bedingt durch eine unzureichende Unterscheidung von „Zerschneidung“ und „Heterogenität“ (für Methodenübersicht und -vergleich siehe JAEGER 1999: 117-189). Schwächen der Er- fassung des Zerschneidungsgrades über die Zahl unzerschnittener Räume > 50 oder 100 km2, nUR, (BfN 1999) sind beispielswei- se folgende: ✑Eine Zerteilung eines 300 km2 großen Raumes in zwei Gebiete von je 150 km2 führt zur Erhöhung von nUR und scheint somit fälschlicherweise eine Verbesserung der Si- tuation anzuzeigen. ✑Die Verkleinerung einer Fläche von z.B. 150 auf 110 km2 wird nicht registriert. ✑Veränderungen bei Flächen, die <100 km2 (bzw. 50 km2) sind, werden nicht berücksich- tigt. Die Verkehrsliniendichte hingegen, das zweithäufigste Maß für die Landschaftszer- schneidung, enthält keine Informationen über die Verteilung der Verkehrsstrecken in der Landschaft und sagt somit wenig über die Größe der verbleibenden Flächen aus, die in Abhängigkeit von der Anordnung sehr unterschiedlich sein kann. Die hier gewählte Methode stützt sich auf die Ermittlung der effektiven Maschenwei- te (s. Kasten; JAEGER 1999, 2000). Sie hat mehrere Vorteile gegenüber bisherigen Ver- fahren: ✑Sie aggregiert die Informationen über die Landschaftszerschneidung zu einem einzi- gen, leicht erfassbaren Wert. ✑Sämtliche Flächen, die im „Netz“ der In- frastrukturtrassen und Siedlungsgebiete, welches die Landschaft durchzieht, verblei- ben, werden beachtet und entsprechend ihrer Größe berücksichtigt. Die Messgröße meff ist ein möglichst allgemeines Maß und steht da- her in Bezug zu allen sieben in Abschnitt 1 genannten Problemfeldern. ✑Das neue Verfahren vermittelt eine rasche, vergleichende Einschätzung von verschiede- nen Landschaftsräumen unterschiedlicher Größe anhand eines quantitativen Maßes und ermöglicht eine einfache Ermittlung und Darstellung der Trendentwicklung durch die Angabe einer Zeitreihe für das untersuchte Gebiet (Monitoring-Funktion). ✑Die Methode ist durch die Überprüfung anhand von Eignungskriterien (im systema- tischen Vergleich mit anderen quantitativen Maßen) wissenschaftlich begründet. ✑Auf einfache Weise ist eine Erweiterung möglich, so dass auch die Nachbarschaftsbe- ziehungen der Flächen mit einbezogen wer- den (über die „Barrierestärke“ β mit 0 ≤ β ≤ 1; JAEGER 1999, 2001a). Die effektive Maschenweite eignet sich dafür, die Zerschneidung von Gebieten un- terschiedlicher Gesamtgröße sowie mit dif- ferierenden Anteilen an Siedlungs- und Ver- kehrsfläche zu vergleichen. Mittelfristig bie- tet die Methode die Möglichkeit zur Festle- gung von Grenz-, Richt- oder Zielwerten auf der Basis der ermittelten Ergebnisse (JAEGER 2001b). Naturschutz und Landschaftsplanung 33, (10), 2001 Definition der effektiven Maschen- weite meff Die Definition von meff erfolgt über den Kohärenzgrad C: ✑Der Kohärenzgrad C gibt die Wahr- scheinlichkeit dafür an, dass sich zwei Tie- re, welche vor der Zerschneidung ungehin- dert und unabhängig voneinander über die gesamte Fläche laufen konnten, in der sel- ben (Teil-)Fläche befinden, wenn zu einem zufälligen Zeitpunkt ein Netz von zer- schneidenden Linien über das Gebiet ge- legt wird. ✑Die effektive Maschengröße meff ist de- finiert als die Größe der Flächen, die man erhält, wenn das Gebiet in lauter gleich große Flächen zerteilt würde, so dass sich die selbe Wahrscheinlichkeit C dafür er- gibt, dass zwei zufällig ausgewählte Orte in der selben Fläche liegen, wie für die zu un- tersuchende Zerschneidungssituation (mit unterschiedlich großen Flächen). Für den Fall, dass die Tiere die Barrieren nicht überqueren können, führt eine kurze Rechnung (siehe JAEGER 2001a) auf die einfachen Formeln und mit n = Zahl der verbleibenden Flächen, Fi = Flächeninhalt von Fläche i, Fg = Ge- samtfläche der untersuchten Region, wel- che in n Flächen oder „Patches“ zerteilt wurde. Die Wahl dieser Definition ist durch mehrere Punkte begründet: 1. Einfachheit: Das (in Gedanken vollzo- gene) Aussetzen von zwei Individuen ist eine möglichst einfache Modellvorstel- lung, um die Zerschneidungssituation durch eine Wahrscheinlichkeit zu kenn- zeichnen; weitere Individuen sind dafür nicht unbedingt nötig, ein Individuum allein reicht nicht aus. 2. Anschauliche Interpretation als Überle- bensbedingung: meff ist interpretierbar als ein Faktor, der die Überlebensfähig- keit von Tieren beeinflussen kann, denn die Begegnungsmöglichkeit von Tieren ist Voraussetzung für ihre Fortpflanzung (und damit für das Überleben einer Art) Der Grundgedanke zur Beschreibung der Zerschneidung, welcher der effektiven Maschenweite zugrunde liegt, lautet: Das neue Zerschneidungsmaß ist ein Ausdruck für die Möglichkeit, dass sich zwei Tiere, die zufällig (und unabhängig voneinander) im betrachteten Gebiet ausgesetzt werden, be- gegnen können. Je mehr Barrieren in die Landschaft eingefügt werden, umso ge- ringer wird die Begegnungswahrscheinlich- keit. Als Hindernisse für die Wanderung von Tieren bzw. für Erholungssuchende oder als Emissionsquellen haben wir Straßen, Bahnlinien, Siedlungs- und Industrieflä- Naturschutz und Landschaftsplanung 33, (10), 2001 sowie für den Genaustausch in einer Me- tapopulation. 3. Mathematische Eigenschaften: meff hat sehr vorteilhafte mathematische Eigen- schaften; z.B. ist meff relativ unempfind- lich gegenüber dem Einbezug oder Weg- lassen kleiner und kleinster Restflächen und ist aufgrund seiner mathematischen Eigenschaften auch für den Vergleich unterschiedlich großer Gebiete geeignet (vgl. ausführlich JAEGER 1999, 2000). 4. Berücksichtigung der Struktur des Ver- kehrs- und Siedlungsnetzes: Im Gegensatz zur Verkehrsliniendichte bringt meff Ver- änderungen in der räumlichenAnordnung der Verkehrsstrecken zumAusdruck (z.B. eine Bündelung von Verkehrslinien). Der Maximalwert der effektiven Ma- schenweite wird erreicht für ein vollkom- men unzerschnittenes Gebiet; der Wert von meff ist dann gleich der Größe des Gebietes. Wird ein Gebiet in n gleich große Teile zer- trennt, so ist der Wert von meff gleich der Größe dieser Teilräume. (meff ist allerdings im Allgemeinen nicht gleich der Durch- schnittsgröße der verbleibenden Flächen.) Der minimale Wert von meff ist 0 km2; er- reicht wird er, wenn ein Gebiet vollständig von Verkehrs- und Siedlungsfläche über- deckt wird. Der systematische Vergleich dieser Zer- schneidungsmaße (Kohärenzgrad C und effektive Maschenweite meff) mit sechs an- deren Maßen aus der Literatur (u.a. Anzahl der verbleibenden Flächen n, Durch- schnittsgröße der Flächen F, landscape dissection index LDI nach BOWEN & BUR- GESS 1981, relativer Zerschneidungsindex des Statistischen Bundesamtes PIrel nach DEGGAU et al. 1992) anhand von neun Eig- nungskriterien zeigt, dass meff uneinge- schränkt als Zerschneidungsmaß interpre- tierbar ist, während die übrigen sechs Größen in ihrer Eignung beschränkt sind (JAEGER 2000). Das weit verbreitete Analyseprogramm FRAGSTATS, Version 3.0, unterstützt das Zerschneidungsmaß der „effektiven Ma- schenweite“ (vgl. http://www.unmass.edu/ landeco/research/fragstats/documents/frag stats_documents.html), unter „FRAG- STATS Metrics“, „Subdivision Metrics“, S. 72-78). Damit kann meff für digitalisier- te Kartenausschnitte berechnet werden. chen (Ortslagen) sowie die geogene Zer- schneidung durch Flüsse (ab 6 m Breite) und Seen berücksichtigt. Man kann dafür argu- mentieren, die Gewässer nicht als Barrieren mit zu berücksichtigen, sondern ausschließ- lich die anthropogene Zerschneidung zu be- rechnen. Auch dann sollten jedoch als Was- serstraßen genutzte Fließgewässer sowie Fließgewässer mit Uferbefestigungen, wel- che für Tiere, die das Gewässer schwim- mend überqueren könnten, schwer über- windbar sind, mit einbezogen werden. Da sehr viele Gewässer, die breiter als 6 m sind, befahren oder/und steilkantig befestigt sind, ergibt das Ausklammern der natürlichen und naturnahen Fließgewässer somit nur eine geringe Abweichung gegenüber den hier berechneten Werten. Auch der Einbezug von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flä- chen sowie von land- und forstwirtschaftli- chen Straßen und Wegen wäre möglich und sinnvoll, übersteigt jedoch den Rahmen die- ser Studie. Wir haben in dieser Untersuchung keine Störkorridore um die Straßen gelegt, da es uns hier zunächst um eine landesweite Über- sicht zum „Zerteilungseffekt“ ohne den Ein- fluss der Reichweite der von den „Barrieren“ ausgehenden Störungen geht. Störkorridore einzubeziehen wäre eine sinnvolle Aufgabe für nachfolgende Untersuchungen und kann mit dem hier eingesetzten Maß meff unmittel- bar durchgeführt werden (z.B. zur Analyse, wie rasch meff mit steigender Störungsreich- weite absinkt). 3.2 Datengrundlage, -aufbereitung und -verarbeitung Als Grundlage der digitalen Bearbeitung wurden neben den Vermessungsdaten Geo- daten aus dem „Räumlichen Informations- und Planungssystem“ (RIPS) verwendet (MÜLLER 2000). Die ATKIS-Daten des Digi- talen Landschaftsmodells (DLM-25/1) für den Erfassungszeitraum 1991 bis 1998 wur- den aus der Einheitlichen-Datenbank- Schnittstelle (EDBS) in Shape-files umge- setzt. Die Abbildung der realen Topographie in das ATKIS-Datenmodell mit Maßstab 1 : 10 000 bedingt eine Vereinfachung der Objektstrukturen (z.B. bei mehrspurigen Straßen) und eine Generalisierung der Geo- metrie. Da verdeckte Elemente (z.B. Gewäs- serstrecken unter Brücken) in ATKIS nicht abgebildet werden, wurden Lücken (bis zu 10 m) in linienhaften Objekten geschlossen. Aus diesem Datenbestand wurde ein Flä- chenmosaik generiert, welches die Landes- fläche von Baden-Württemberg überdeckt und als polygonbildende Grenzlinien die Ränder der Ortslagen und Stillgewässer, die Fließgewässer (> 6 m), Schienenwege und Straßen (Bundesautobahnen, Bundes-, Lan- des- Kreis- und, für eine gesonderte Analy- se, auch die Gemeindestraßen) zusammen- führt (teilweise bildet zusätzlich die Landes- grenze technisch bedingt eine „künstliche Barriere“). Diese Verschneidungsaufgabe wurde mit ArcInfo durchgeführt und resul- tierte in einem topologisch einwandfreien Polygon-Coverage. Stichstraßen, d.h. solche Straßen, die über nur einen Knoten in das Straßennetz einge- bunden sind, vernachlässigen wir, da eine handhabbare Definition, wann eine solche Straße einen Zerschneidungseffekt bewirkt, schwer festzulegen ist und ihre Verkehrsbe- lastung gering ist. Außerdem gehen wir da- von aus, dass mögliche Unterschiede zwi- schen dem ATKIS-Datenbestand und der tat- sächlichen Landschaft für die Ergebnisse ebenfalls vernachlässigbar sind. Die Polygone sind so attributiert, dass ihre Unterscheidung hinsichtlich der Zugehörig- keit zu den Ortslagen (bzw. zu den Stillge- wässern) möglich ist. Der Teil des Flächen- mosaiks, welcher nicht zu den Ortslagen oder Seen gerechnet wird, liefert die gesuch- 3

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