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Gaswerk Ernst-Thälmann-Park

Im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg befindet sich der etwa 24 ha große Ernst-Thälmann-Park. 1872 entstand hier das vierte Berliner Städtische Gaswerk. Neben Gas wurden Koks und die üblichen Nebenprodukte wie Teer, Schwefel und Ammoniak hergestellt. Das Produktionsprofil erweiterte sich durch die 1915 gebaute Benzolanlage, welche durchgängig hohe Mengenumsätze erwirtschaftete. Im Verlauf der Jahrzehnte folgten zahlreiche Um- und Anbauten am Gebäude- und Anlagenbestand. Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges war ein beträchtlicher Teil des Geländes beschädigt oder zerstört. Aufgrund des immer desolateren Zustandes der Anlagentechnik ließ sich die Produktion nicht mehr aufrechterhalten. Mit dem politischen Beschluss, hier ein Wohngebiet zu errichten, begann 1982 der schrittweise Abriss. Die technisch aufwändigen Baumaßnahmen vollzogen sich unter starkem zeitlichen Druck. Das aus Wohngebäuden, öffentlichen Grünflächen, Sport- und Freizeitanlagen angelegte Wohngebiet wurde 1986 eingeweiht. Es ist davon auszugehen, dass vor allem in der Betriebszeit des Gaswerkes große Mengen an Schadstoffen in den Untergrund gelangten. Im Fokus der Betrachtungen steht die ehemalige Benzolanlage im südlichen Teil des Geländes. Zu anderen gefahrenträchtigen verfahrenstechnischen Anlagen gehörten die Gasgeneratorenstation, die Teerbecken, die Ofenblöcke und die Gasometer. Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sowie der unsachgemäße Umgang mit Schadstoffen im Produktionsprozess und beim Abriss haben zu einer hohen Kontaminierung beigetragen. Nachdem beim Gesundheitsamt des Bezirkes zu Beginn der 1990er Jahre vermehrt Klagen der Anwohner über gesundheitliche Beeinträchtigungen eingingen, begann 1991 ein umfangreiches Untersuchungsprogramm, welches fortwährend bis in die Gegenwart durch die verschiedensten Erkundungstechniken erweitert wurde. Die Untersuchungen erbrachten sehr hohe Schadstoffkonzentrationen im Boden und Grundwasser an Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), Monoaromatische Kohlenwasserstoffen (BTEX), Phenolen, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK) und Cyaniden. Zudem war die Bodenluft durch leicht flüchtige Stoffgruppen wie BTEX und Naphthalin kontaminiert. Der Schwerpunkt der Belastungen lag in Tiefen bis etwa 4 m unter Gelände. Das gut lösliche Benzol breitete sich jedoch deutlich weitreichender über eine Fahnenlänge von mehr als 250 m und eine Tiefe von bis zu 40 m unter Gelände aus. Auf Forderung der Bodenschutz- Altlastenbehörde und mit Finanzmitteln des Landes Berlin wurden zwischen 1991 und 1994 drei Bodenluftabsauganlagen betrieben, eine weitere Anlage dieser Art bis 2009, zwischen 1994 und 1996 folgte der Bodenaustausch auf einer Grundfläche von 2.000 m² bis in die Tiefe von 4 m. Durch die Sanierungsmaßnahmen, die ein hohes Maß an Arbeits- und Emissionsschutz erforderten, wurden 7.100 t hoch belasteter Boden, 110 t Bauschutt/Öl, 4.000 l Teeröl aus Absetzbecken, diverse mit Schadstoffen gefüllte Rohrleitungen, Schächte und Fundamente sowie 68 t abgepumpte Flüssigkeiten entfernt. Aufgrund der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, insbesondere des Bodenaushubs und der Bodenluftabsaugung, kann eine Gefährdung für die sensiblen Nutzungen des Ernst-Thälmann-Parks als Wohngebiet ausgeschlossen werden. Messungen der Bodenluft in der obersten Bodenschicht dokumentieren diese Bewertung. Diese historischen Fotos dokumentieren die Untergrundverhältnisse in seiner Komplexität mit den noch vorhandenen gefahrenträchtigen Altanlagensystemen, hochkontaminierten Böden, Fundamenten und Rohrleitungen. Sie machen deutlich, wie technisch anspruchsvoll die Bodensanierungen der hochtoxischen und kanzerogenen Schadstoffe in einem eng bebauten urbanen Raum geplant und umgesetzt wurden. Nach Beendigung der Gefahrenabwehr im Jahr 1996 folgten verschiedene Phasen der Erfolgskontrolle. Dabei war festzustellen, dass die Schadstoffbelastungen nach Entfernung der Eintragsquelle um eine Potenz zurückgingen. Dennoch sind die Kontaminierungen in den tieferen Boden- und Grundwasserschichten, also tiefer als 10 m unter Gelände, so erheblich, dass eine hydraulische Sicherung des Grundwasserabstroms geplant werden musste. Nach Vorversuchen und Erstellung eines hydraulischen Modells wurde die technische Anlage unter Zuständigkeit des Referats V E der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt konzipiert und im Herbst 2004 im Parkgelände aufgestellt. An derzeit sieben Brunnenstandorten wird das Grundwasser aus den relevanten Teufen mit 15 bis 16 m³/h gefördert, in einer Wasserreinigungsanlage gereinigt und nachfolgend wieder in den Untergrund infiltriert. Die Reinigung erfolgt durch einen mikrobiologischen Schadstoffabbau in vier Festbettreaktoren und einen Ionenaustauscher für die Cyanidreinigung. Nach der Entkeimung durch ein Elektrolyseverfahren kann das gereinigte Wasser wieder in den Untergrund gegeben werden. Die Anlage wird monatlich durch ein Labor überwacht. Im halbjährlichen Rhythmus findet ein Grundwassermonitoring statt. Im Zeitraum von Herbst 2004 bis zum Ende des Jahres 2023 wurden rund 25 t Schadstoffe aus dem Grundwasser ausgetragen. Im Frühjahr 2021 ist die Abstromfahne südlich der Danziger Straße erstmals abgerissen. Ausgedehnte Fläche und Konzentration in der Fahne haben sich deutlich verringert. In den Jahren 2009 bis 2014 folgten zur abschließenden Bewertung der Schadenssituation und zur Erarbeitung der Gesamtstrategie weitere umfangreiche Untersuchungen. Aus den Ergebnissen ist zu bilanzieren, dass eine Quellensanierung des Bodens ab einer Tiefe von mehr als 10 m unter Gelände technisch schwierig, mit einem sehr hohen Entsorgungsaufwand verbunden und allein aus diesem Grund nicht finanzierbar ist. Das Gelände und der Grundwasserabstrom werden deshalb dauerhaft mit der vorstehend beschriebenen hydraulischen Maßnahme beiderseits der Danziger Straße gesichert. Durch Niederschlagsdefizite wird der jährliche Bedarf an Wasser für Bewässerungszwecke in öffentlichen Parkanlagen zunehmend größer. Im unter Denkmalschutz stehenden Thälmannpark kommt hinzu, dass dem dort befindlichen Kiezteich kontinuierlich Wasser zugeführt werden muss, um den Wasserstand zu halten. Über viele Jahre schon engagieren sich die Anwohner des Parks für die Pflege und Auffüllung des Teiches. Mehrmals im Jahr sammelt eine Bürgerinitiative private Spendengelder, um die Zuspeisung aus dem öffentlichen Trinkwassernetz realisieren zu können. Zur Verbesserung der hydrologischen Situation und zur nachhaltigen Unterstützung der Bürger wurde im Zusammenwirken mit dem Straßen- und Grünflächenamt Pankow, der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, dem Anlagenbetreiber und den beteiligten Planungsbüros die bauliche und verfahrenstechnische Planung für eine zusätzliche Reinigungsstufe sowie ein Wasserspeicher- und Bewässerungssystem entwickelt. War es bisher nicht möglich, dass gereinigte Wasser aufgrund des verbliebenen Ammoniums wirtschaftlich zu nutzen, werden nun ein Bodenfilter, bestehend aus vier mit Schilf bepflanzten Becken, und das nachgeschaltete Stauraum- und Bewässerungssystem für den rückstandsfreien Abbau sorgen. Etwa 10% des aus der Grundwasserreinigungsanlage anfallenden Reinwassers, etwa 30 m³ am Tag, stehen in Zukunft für die Park- und Kiezteichpflege zur Verfügung. Vom Spätherbst bis zum Frühjahr, wenn weder der Park noch der Kietzteich Wasser benötigen, schaltet sich die vollautomatische Grundwasserreinigungsanlage auf einen vollständigen Infiltrationsbetrieb um. Mit dieser Maßnahme kann der Verbrauch von Trinkwasser für Bewässerungs- und Auffüllzwecke erheblich minimiert, im Idealfall sogar gänzlich vermieden werden. Das Verfahrensprinzip der vollständigen Wiederverwertung dekontaminierten Grundwassers zur Stützung des Wasserhaushaltes eines Teiches / Sees sowie des Hauptgrundwasserleiters und zur Bewässerung von Parkflächen hat aktuell in Berlin ein Alleinstellungsmerkmal und soll ein positives Beispiel auch für andere vergleichbare Standorte sein. Die Maßnahmen dienen der Verbesserung des Stadtklimas und dem Wohlbefinden der Menschen am Standort und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die baulichen Maßnahmen zur Errichtung des Bodenfilters und des Stauraum- und Bewässerungssystems sind im Juni 2022 abgeschlossen worden. Die Schilfpflanzen haben sich bis zum Frühjahr 2023 etabliert. Die Inbetriebnahme der Anlagenstufe erfolgte im Mai 2023. Im Juni 2024 wurde der Betrieb der Grundwasserreinigungsanlage durch auf den Containerdachflächen montierte Photovoltaikmodule ergänzt. Die PV-Technologie unterstützt eine nachhaltige Stromerzeugung, mit der über das Jahr gesehen etwa 15 % des Stromverbrauches gedeckt werden kann. Für die Ersterkundung und die akuten Gefahrenabwehrmaßnahmen mittels Bodenaushub wurden bis zur Mitte der 1990er Jahre über 9 Mio. € aufgewendet. Die seit 2004 anfallenden Kosten für die Grundwassersicherung, für Erweiterungen und sanierungsvorbereitende Untersuchungen sowie aller im Zusammenhang mit der Sanierung anfallenden Leistungen belaufen sich derzeit auf ca. 8,3 Mio. €. Die Kosten für die Errichtung der zusätzlichen Anlagenstufe mit Stauraum- und Bewässerungssystem betragen rund 1 Mio. €. Dafür hat der Bezirk Pankow Fördermittel des Landes Berlin akquiriert.

Wie hoch ist die Luftschadstoffbelastung heute und in den nächsten Tagen? Eine neue KI-basierte Vorhersage gibt Antworten.

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt bietet einen neuen Service an: täglich wird die Höhe der Schadstoffbelastung der Luft für Berliner Hauptverkehrsstraßen und „Kieze“ für die nächsten vier Tage vorhergesagt. Dargestellt werden die Vorhersagen für Stickstoffdioxid (NO 2 ), und für die Partikel PM 10 und PM 2,5 , die besonders gesundheitsschädigend sind. Für diese Vorhersage wird ein so genannter „machine-learning“-Ansatz verwendet: anhand von Messdaten des Berliner Luftgütemessnetzes, der Daten der Verkehrsdetektoren, der Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes sowie einer Vielzahl anderer Daten zur Berliner Stadtstruktur erstellt das statistische Modell für das gesamte Berliner Stadtgebiet eine Vorhersage. Auf der Digitalen Plattform Stadtverkehr können alle Berlinerinnen und Berliner sich so über die Luftschadstoffbelastung in den kommenden Tagen informieren. Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Dank der wirkungsorientierten Umsetzung des Berliner Luftreinhalteplans und der damit einhergehenden Maßnahmen, hat sich die Luftqualität in Berlin in den letzten Jahren deutlich verbessert. Alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte werden eingehalten. Die neue Datenplattform unterstützt die wichtige Arbeit unserer Fachleute und gibt auch allen Berlinerinnen und Berlinern jederzeit einen umfassenden Überblick über die aktuelle Luftqualität.“ Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat die Entwicklung des Modells im Rahmen des eUVM Förderprojekts aus dem “Sofortprogramm Saubere Luft” des Bundes im Rahmen der Förderrichtlinie “Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ bei einer Förderquote von 85 Prozent finanziert.

Radioökologielabor

Radioökologielabor Leitstelle für Arzneimittel und deren Ausgangsstoffe sowie Bedarfsgegenstände Im Radioökologielabor des BfS wird die radioaktive Kontamination in Lebensmitteln und Umweltmedien gemessen. Die Beschäftigten führen Felduntersuchungen und Laborexperimente durch und entwickeln radiochemische Methoden zur schnellen Bestimmung von Alpha- und Betastrahlern in Lebensmitteln und Umweltmedien. Das Radioökologielabor ist Leitstelle für Arzneimittel und deren Ausgangsstoffe sowie Bedarfsgegenstände Mitglied des internationalen Labornetzwerks ALMERA (Analytical Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity). Das Radioökologielabor des Bundesamtes für Strahlenschutz ( BfS ) misst die radioaktive Kontamination hauptsächlich in Lebensmitteln und Umweltmedien, führt Felduntersuchungen und Laborexperimente durch und entwickelt radiochemische Methoden insbesondere zur schnellen Bestimmung von Alpha- und Betastrahlern in Lebensmitteln und Umweltmedien. Die wissenschaftlichen Untersuchungen und Messungen sind die Grundlage, um die für den Transport und die Anreicherung radioaktiver Stoffe in der Umwelt maßgeblichen Prozesse zu verstehen und durch radioökologische Modelle zu beschreiben. Sie tragen ferner dazu bei, Empfehlungen zum Schutz der Bevölkerung auszusprechen, wenn große Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt freigesetzt werden. Ziel von Felduntersuchungen, Laborexperimenten und der Methodenentwicklung ist die radioaktive Kontamination von Umweltmedien sowie Lebensmitteln zu erfassen, die für den Transport und die Anreicherung radioaktiver Stoffe in der Umwelt verantwortlichen Prozesse zu verstehen und durch radioökologische Modelle zu beschreiben, die Entwicklung oder Optimierung radiochemischer Verfahren zur Bestimmung von Alpha- und Betastrahlern in Lebensmitteln und Umweltmedien, die Entwicklung von Schnellmethoden zum Einsatz im Notfallschutz oder in Fällen der Nuklearspezifischen Gefahrenabwehr, die Festschreibung der Verfahren in Analysevorschriften und Messanleitungen. Messungen: Grundlage für Empfehlungen zum Schutz der Bevölkerung Werden, etwa nach einem Kernkraftwerksunfall, große Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt freigesetzt, liegt die Hauptverantwortung für die Radioaktivitätsmessungen bei den entsprechenden Landesbehörden der betroffenen Länder. Ergänzend wird die radioaktive Kontamination von Umweltproben und Lebensmittelproben auch im Radioökologielabor des Bundesamtes für Strahlenschutz ( BfS ) gemessen. Ziel ist es, die radiologische Situation möglichst schnell zu erfassen. Auf Grundlage der von den Ländern gemeldeten Daten und eigenen Messergebnissen können die Expertinnen und Experten des BfS politischen Entscheidungsträgern zeitnah wirksame Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung empfehlen. Das Radioökologielabor ist zudem Leitstelle für Arzneimittel und deren Ausgangsstoffe sowie Bedarfsgegenstände. Im Rahmen der Leitstellentätigkeit werden beispielsweise Tees, Kräuter und Gewürze stichprobenartig untersucht. In der Analysewaage wird die Kalibrierung einer Pipette überprüft. Überwachung der radioaktiven Kontamination nach dem Reaktorunfall von Tschornobyl Auch mehr als dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Reaktorunfall von Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) überwacht das Radioökologielabor die Entwicklung der radioaktiven Kontamination durch Messungen von Umwelt- und Lebensmittelproben. Im Blickpunkt stehen vor allem Lebensmittel aus dem Wald, wie etwa Pilze und Waldbeeren, die auch heute noch erhöhte Gehalte des Radionuklids Cäsium-137 aufweisen können. Ziele der Schnellmethoden Entwicklung radiochemischer Verfahren Ein weiterer Schwerpunkt des Radioökologielabors ist die Entwicklung oder Weiterentwicklung radiochemischer Verfahren zur Bestimmung von Alpha- und Betastrahlern in Lebensmitteln und Umweltmedien. Von besonderem Interesse sind hierbei Schnellmethoden, die im Rahmen des Notfallschutzes oder in Fällen der Nuklearspezifischen Gefahrenabwehr eingesetzt werden. Darüber hinaus unterstützt das Radioökologielabor Studierende an Hochschulen bei der Erstellung ihrer Abschlussarbeit (Bachelor, Master, PhD ). Ausstattung Instrumentarium des Radioökologielabors: Messgeräte zur Messung von Alpha-, Beta und Gamma- Strahlung Zur Vorbereitung und radiochemischen Aufbereitung der Proben stehen unter anderem Mühlen, Trockenschränke, Veraschungsöfen, Geräte zum Mikrowellenaufschluss, Kühlzentrifugen sowie Chemieabzüge zur Verfügung. Zur apparativen Ausstattung des Radioökologielabors gehören ferner Reinstgermanium-Detektoren zur Messung von Gammastrahlern sowie mehrere Messsysteme zur Bestimmung von Alpha- und Betastrahlern. Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement Wie in allen Laboren des Bundesamtes für Strahlenschutz haben Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung einen hohen Stellenwert. Das Radioökologielabor nimmt regelmäßig an Vergleichsmessungen (Ringversuchen und Leistungsprüfungen) teil. Zudem soll durch die angestrebte Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 (DAkkS) die hohe fachliche und technische Kompetenz des Radioökologielabors nachgewiesen werden. Das Radioökologielabor organisiert selbst Ringversuche nach § 161 StrlSchG (Strahlenschutzgesetz). Internationale Vernetzung Das Radioökologielabor ist Mitglied des internationalen Labornetzwerks ALMERA (Analytical Laboratories for the Measurement of Environmental Radioactivity) der IAEA und nimmt regelmäßig an ALMERA Leistungsprüfungen teil. Stand: 11.12.2024

Voll elektrisch in die Zukunft: Gesamtstrategie Ladeinfrastruktur 2030

Der Ladebedarf für Elektrofahrzeuge in Berlin wird bis zum Jahr 2030 um das Siebenfache im Vergleich zu heute ansteigen, von 300 MWh/Tag auf 2.000 MWh/Tag. Damit jetzt die richtigen Weichen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Stadt gestellt werden, haben die Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gemeinsam mit der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO die Gesamtstrategie Ladeinfrastruktur 2030 für das Land Berlin erarbeitet. Die Strategie wurde am Dienstag, 16. April 2024 vom Berliner Senat beschlossen und heute vorgestellt. Das Strategiepapier zeigt auf 40 Seiten den heutigen Stand des Ladeangebots in Berlin und die Ziele für das Jahr 2030 auf. 29 Maßnahmen wurden zur Zielerreichung festgelegt. Dabei unterscheidet die Strategie zwischen drei Raumtypen, in denen Laden stattfindet und sich von den Rahmenbedingungen her unterscheidet. Für diese drei städtischen Raumtypen wurde der Ladebedarf jeweils ermittelt. Derzeit sind in Berlin ca. 70.000 elektrische Fahrzeuge zugelassen, 90 % davon sind Pkw (batterieelektrisch und Plug-In-Hybride). Die restlichen 10 % entfallen auf E-Busse und -Transporter, E-Motorräder und Leichtfahrzeuge. Diese Fahrzeuge laden derzeit an etwa 25.000 Ladepunkten gut 300 MWh täglich. Der Großteil dieser Ladepunkte ist rein privat, rund 3.850 sind öffentlich zugänglich (davon rund 2.400 im öffentlichen Straßenland und 1.450 auf privaten Flächen). Für das Jahr 2030 wird angenommen, dass insgesamt 400.000 E-Pkw in Berlin unterwegs sein werden, die wiederum einen täglichen Ladebedarf von 2.000 MWh haben werden. Dies entspricht dem Energieverbrauch einer Kleinstadt. Der für 2030 errechnete Ladebedarf basiert auf der Zahl der elektrischen Fahrzeuge, die zu diesem Zeitpunkt in Berlin zugelassen sind und die nach Berlin einpendeln. Die flankierenden Maßnahmen, um diesen Ladebedarf zu decken, umfassen beispielsweise die Erarbeitung einer Potenzialanalyse für Lademöglichkeiten auf Liegenschaften der Berliner Landesunternehmen und eine Umsetzungsstrategie für diese kommunalen Liegenschaften. Ebenso soll die Flächensuche für Aufsteller von Ladepunkten erleichtert werden. Forschungs- und Pilotprojekte im Bereich des Ladens werden unterstützt und der Fortschritt der Maßnahmen durch ein Monitoring begleitet. Das Land Berlin setzt auf intensive Kooperation und Informationstransfer mit allen Akteurinnen und Akteuren, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu beschleunigen, zu verbessern und zu vereinfachen. Wie auch schon heute soll der überwiegende Teil des Ladens (54 %) privat erfolgen. So haben Fahrzeuge zuhause oder beim Arbeitgeber die längste Standdauer und werden dort vorrangig mit normaler Geschwindigkeit mit bis zu 22 kW Leistung laden können. Hierfür wird die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe mit relevanten Akteuren wie der Wohnungswirtschaft und Arbeitgebern in den Austausch treten, damit die öffentlichen Liegenschaften mit gutem Beispiel vorangehen. Auch die Möglichkeiten für spontanes Laden im öffentlichen Bereich werden weiter ausgebaut. Im öffentlichen Straßenland werden voraussichtlich 20 % des Ladebedarfs gedeckt, wofür die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt das bewährte Berliner Modell der Ladeinfrastruktur weiterführen wird, in dessen Rahmen bereits rund 2.400 öffentliche Ladepunkte aufgebaut wurden. Auch auf privaten Flächen sollen E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer künftig vermehrt auf ihren alltäglichen Wegen laden können: auf Parkplätzen und in Parkhäusern oder an Tankstellen, während sie dort Erledigungen machen. Mithilfe von Schnellladern mit hohen Ladeleistungen, die kurze Ladedauern ermöglichen, wird die E-Mobilität unkompliziert in den Alltag integriert. Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Die Zukunft der Mobilität in Berlin ist elektrisch. Deshalb wollen wir eine echte Ladesäulenoffensive starten. Mit unserer erstmals in diesem Umfang erstellten Gesamtstrategie Ladeinfrastruktur wollen wir mehr Anreize für den Ausbau der Elektromobilität in unserer Stadt schaffen und dafür sorgen, dass die Berlinerinnen und Berliner Elektromobilität leichter als bisher in ihren Alltag einbauen können. Ziel ist, dass in der ganzen Stadt ausreichend und verlässlich Ladesäulen für E-Autos verfügbar sind. Die bisher verfügbaren 25.000 Ladepunkte in Berlin sind ein gemeinsamer Erfolg des Senats, unserer landeseigenen Betriebe, der Berliner Wirtschaft und auch vieler Privatpersonen, die auf ihren Grundstücken Ladesäulen zur teilöffentlichen Nutzung ermöglicht haben. Eine enorm wichtige Rolle spielt auch unser Stromnetz, dessen Kapazität wir in den nächsten 10 Jahren verdoppeln werden, damit es den immer weiter wachsenden Strombedarf decken kann. Mit den Maßnahmen unserer Gesamtstrategie kommen wir unserem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 wieder ein gutes Stück näher.“ Manja Schreiner, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Mit der Gesamtstrategie Ladeinfrastruktur 2030 liegt nun eine umfassende Strategie für die weitere zielgerichtete Entwicklung der Ladeinfrastruktur in Berlin vor. Das im öffentlichen Straßenraum bereits sehr erfolgreiche Berliner Modell mit seinen vielen Ladeinfrastrukturbetreibern geht darin auf. Ich freue mich besonders, dass damit nun zusammen mit dem öffentlichen Raum auch private und öffentlich zugängliche Flächen auf privatem Grund in ein Gesamtkonzept zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Berlin eingebettet werden. Damit werden sich die Ladeangebote für die Berliner und Berlinerinnen, unsere Berliner Wirtschaft sowie unsere Gäste in den nächsten Jahren weiter spürbar verbessern. Eine verlässliche Lade-Infrastruktur ist ein wichtiger Hebel für den Umstieg auf E-Mobilität.“ Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO: „Vor allem die von der Wirtschaft und von den Behörden zugelassenen Fahrzeuge spielen eine große Rolle bei der Umstellung auf Elektromobilität. So sind heute in Berlin fast 60% aller elektrischen Pkw gewerblich zugelassen – Tendenz steigend, wie die Zulassungszahlen zeigen. Daher brauchen wir vor allem mehr Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz und zu Hause. Die Berliner Agentur für Elektromobilität eMO bei Berlin Partner ist dafür da, die Berliner Wirtschaft und auch die Behörden rund um den Aufbau kostenfrei zu unterstützen und zu begleiten.“

Letzter Laternenladepunkt offiziell eingeweiht

Die Berliner Luft soll sauberer werden. Dazu leistet Elektromobilität einen wesentlichen Beitrag. Anderthalb Jahre nach dem Beginn des Forschungsprojekts „ElMobileBerlin“ sind nun insgesamt 825 Laternenladepunkte installiert – in Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick, Reinickendorf und Spandau. An der Adamstraße 27/28 wurde heute der letzte Laternenladepunkt in Anwesenheit von Senatorin Schreiner offiziell eingeweiht. Manja Schreiner, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Wenn wir die Dekarbonisierung des Verkehrs schaffen wollen, sind wir darauf angewiesen, dass möglichst viele Autofahrer auf ihren Benziner verzichten und auf E-Autos umsteigen. Das wird uns nur gelingen, wenn wir ausreichend Ladepunkte auf Berliner Straßen und Plätzen zur Verfügung stellen. Die Laternenladepunkte ergänzen die Ladeinfrastruktur des bereits 2015 als Vorreiter gestarteten Berliner Modells.“ Ziel des Programms „Neue Berliner Luft“ – als Teil des von der Bundesregierung geförderten „Sofortprogramms Saubere Luft“ – ist es, für weniger Emissionen in Städten zu sorgen. Dazu wurden Projekte unterstützt, die gezielt die Elektromobilität fördern. In dem Teilvorhaben „ElMobileBerlin“ wurde untersucht, wie eine Infrastruktur mittels Laternen im öffentlichen Raum dazu beitragen kann, die Attraktivität von Elektromobilität durch möglichst einfach zugängliche Ladegelegenheiten zu steigern. Im Juli 2022 ging der erste Laternenladepunkt des Projekts ans Netz, rund anderthalb Jahre später nun der letzte. Mit rund 2.360 E-Ladepunkten im öffentlichen Straßenland von Berlin ist die Zahl binnen eines Jahres fast verdoppelt worden. Zählt man die öffentlich zugänglichen Ladepunkte (z.B. Kundenparkplätze oder Tankstellen) hinzu, ist E-Tanken in Berlin nun insgesamt an mehr als 3.500 Ladepunkten möglich. Damit nimmt Berlin bei der Anzahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte die Spitzenposition unter den deutschen Städten ein und übertrifft schon jetzt die neuen Vorgaben der EU-Kommission für öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur (AFIR). Daneben hat im vergangenen Jahr auch die Zahl privater Ladepunkte in Berlin deutlich zugelegt – auf über 20.000 Stück. Natürlich geht der Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter. Aktuell befinden sich viele hundert weitere Ladestandorte von Berliner Stadtwerken und privaten Betreibern im Antrags- und Genehmigungsverfahren.

Senatsverwaltungen einigen sich auf Ausnahmeregelungen bei Parkgebühren für Schichtdienstarbeitende im öffentlichen Dienst

Die Senatsverwaltungen für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz sowie für Inneres, Digitalisierung und Sport haben sich auf ein Modell geeinigt, wie die bereits 2019 im Rahmen des Luftreinhalteplans beschlossene Erhöhung der Kurzeit-Parkgebühren in Berlin mit Ausnahmen für Schichtarbeitende versehen werden kann. Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch und Innensenatorin Iris Spranger kamen jetzt überein, den Erlass von Parkgebühren an die sogenannte Wechselschichtzulage beziehungsweise die Erschwerniszulage zu knüpfen. Wer diese Zulagen nachweisen kann – die bei regelmäßigem Schichtdienst oder speziellem Bereitschaftsdienst im Tarif- und im Besoldungsrecht verankert sind – soll künftig auf Antrag beim zuständigen Bezirksamt pauschal eine Gebührenbefreiung für eine bestimmte Parkzone am jeweiligen Arbeitsplatz erhalten können. Von dieser erleichterten Regelung würden Beschäftigte der Polizei, der Feuerwehr, der Ordnungsämter und der landeseigenen Krankenhausbetriebe profitieren. Für alle anderen Schichtarbeitenden bleibt wie bisher die Möglichkeit, einen individuellen Antrag auf Parkgebührenerlass mit Nachweis der eigenen Arbeitszeiten zu stellen. Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz : „Wir haben endlich einen Weg gefunden, wie wir für Schichtdienstarbeitende im öffentlichen Dienst Ausnahmen von der Parkgebührenverordnung machen können. Jede Veränderung bringt neben Verbesserungen auch Probleme mit sich, das gilt genauso für die Mobilitätswende. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich solche Probleme ernst nehme und zu lösen versuche. Ich freue mich für die vielen Polizist*innen, Krankenpfleger*innen, Feuerwehrleute und Mitarbeitende der Ordnungsämter, denen diese Lösung den Alltag erleichtert. Und ich freue mich, dass Iris Spranger und ich hier so konstruktiv an einer guten Lösung arbeiten konnten. Damit ist zugleich der Weg frei für einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Mobilitätswende – und zu besserer Luft in Berlin.“ Iris Spranger, Senatorin für Inneres, Digitalisierung und Sport : „Viele Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleute und Dienstkräfte der Ordnungsämter müssen zu allen Zeiten und Unzeiten ihren Dienst antreten. Sie tun das zum Schutz von uns allen. Für diese Kolleginnen und Kollegen ist die neue Regelung eine große Erleichterung und Anerkennung ihrer besonderen Einsatzzeiten im Schicht- und Nachtdienst. Deshalb habe ich mich gleich nach Amtsantritt um dieses Thema gekümmert. Ich bin Bettina Jarasch sehr dankbar, dass wir durch eine konstruktive und pragmatische Zusammenarbeit nun gemeinsam eine gute Lösung gefunden haben.“ Die Bezirke werden seitens der Senatsmobilitätsverwaltung zeitnah über das neue Verfahren in Form von Ermessensleitlinien informiert. Damit kann auch die neue Parkgebührenverordnung vorbereitet und im Senat beschlossen werden.

Kunststoffe in der Umwelt: Verkehr, Bau und Landwirtschaft größte Quellen

Erste systematische Schätzung zeigt: Etwa 151.200 bis 255.500 Tonnen Kunststoff bleiben pro Jahr in der Umwelt Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat erstmals systematisch den Verbleib von Kunststoffen in der Umwelt für Deutschland untersucht. Dies sind die Mengen, die nach ihrem Eintrag nicht durch Reinigungs- oder andere Maßnahmen wieder entfernt werden. Demnach verbleiben verkehrsbedingt etwa 133.000 bis 165.000 Tonnen Kunststoff pro Jahr in der Umwelt, vor allem verursacht durch Reifenabrieb. Der Baubereich verursacht einen jährlichen Verbleib von rund 9.000 bis 60.000 Tonnen, Landwirtschaft und Gartenbau kommen zusammen auf einen Verbleib von etwa 6.000 bis 22.000 Tonnen. Rund 650 bis 2.500 Tonnen verbleiben durch Littering, also achtloses Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen, in der Umwelt. Weitere Quellen sind Verbraucherprodukte wie Kleidung (Fasern) oder Farben und Lacke mit circa 900 bis 2.500 Tonnen sowie der Spiel-, Sport-, Freizeit- und Eventbereich (z.B. Granulate für Kunstrasenplätze, Spielgeräte) mit rund 1.800 bis 3.100 Tonnen. ⁠ UBA ⁠-Präsident Dirk Messner: „Etwa 90 Prozent der gelitterten Kunststoffabfälle können durch Reinigungsmaßnahmen wieder entfernt werden. Das Ziel muss jedoch sein, dass erst gar kein Müll in der Umwelt landet. Insgesamt steigt die Menge der achtlos weggeworfenen Abfälle nämlich weiterhin an. Mit der nationalen Umsetzung der EU-Einwegkunststoffrichtlinie zum 3. Juli 2021 werden jetzt sehr wirksame Impulse gegen das Littering von Kunststoffen gesetzt, zum Beispiel das Verbot von Geschirr und Besteck aus Einwegkunststoff oder die Kennzeichnungspflichten für bestimmte Einwegkunststoffprodukte. Auch die geplante Verpflichtung, Essen oder Getränke zum Mitnehmen ab 2023 auch in Mehrwegverpackungen anzubieten, ist sinnvoll und wird zu weniger Plastik in der Umwelt führen. Wir müssen uns jetzt viel stärker auch um die anderen Bereiche kümmern – den Reifenabrieb, die Einträge aus dem Baubereich oder aus Landwirtschaft und Gartenbau. So sollten zum Beispiel Grenzwerte für Reifenabrieb eingeführt werden. Das Umweltbundesamt unterstützt daher die Entwicklung von Messmethoden und deren Umsetzung auf EU-Ebene mit Untersuchungen im Rahmen eines eigenen Forschungsprojektes.“ Insgesamt, über die oben genannten Bereiche hinweg, stammt ein Großteil des Kunststoffeintrags aus Produkten, die zur umweltoffenen Anwendung hergestellt und dort eingesetzt werden – z.B. landwirtschaftliche Folien, Baufolien, Palisaden, Spiel- und Sportgeräte, Rankhilfen, Verbissschutz, Farben, Textilien oder Autoreifen. Im Laufe ihrer Nutzung können durch Abnutzung, Abrieb oder Zersetzung kleinere Kunststoffpartikel entstehen und in die Umwelt gelangen, aus der sie dann nicht wieder entfernt werden können. Von umweltoffen eingesetzten Kunststoffprodukten verbleiben etwa 150.500 bis 253.000 Tonnen in der Umwelt. Kunststoffe in der Umwelt sind ein großes Problem, da sie sich nicht oder nur sehr schlecht abbauen und sich dadurch in der Umwelt anreichern sowie einzelne Lebewesen wie auch ganze Ökosysteme stark beeinträchtigen können. Auch Produkte aus sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffen sind keine Alternative, da sie sich nur unter sehr speziellen Bedingungen abbauen, die in der Umwelt meist nicht gegeben sind. Für zielgerichtete und effektive Maßnahmen gegen Kunststoffeinträge ist die Kenntnis über Eintragsquellen, Eintragspfade und Eintragsmengen entscheidend. Wesentlich ist auch die Frage, ob bzw. wieviel der einmal eingetragenen Kunststoffe überhaupt wieder entfernt werden können. Das nun entwickelte Modell erlaubt erstmals eine objektive Einschätzung der Gesamtrelevanz der Thematik und zeigt Haupteintragsquellen auf. Bisher lagen Daten zu Kunststoffeinträgen in die Umwelt lediglich vereinzelt vor, meist im Zusammenhang mit gelitterten Abfällen und in Form von Stückzahlen. Zentrales Ziel des Vorhabens war daher die Entwicklung einer Methodik, mit der in einem zweiten Schritt die Masse an Kunststoffen abgeschätzt wurde, die in Deutschland auf verschiedenen Wegen in die Umwelt gelangen und dort dauerhaft verbleiben – also beispielsweise auch nach Reinigungs- oder Rückbaumaßnahmen. Die Studie zeigt aber auch weiteren Forschungsbedarf auf: Zum Teil bestehen erhebliche Datenlücken, so dass auf Basis zahlreicher Annahmen gerechnet werden musste. Die Ergebnisse sind dementsprechend mit Unsicherheiten behaftet, dies zeigt sich auch in den großen Spannbreiten der Werte. Die Datenlage sollte daher zukünftig verbessert und das Modell fortgeschrieben werden, um die Kenntnisse über Kunststoffeinträge in die Umwelt zu verbessern und passgenaue Maßnahmen zu entwickeln. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist folgendes zu beachten: Bei den umweltoffen verwendeten Kunststoffprodukten ergibt sich der Verbleib in der Umwelt aus Einträgen, die über die gesamte Nutzungsdauer von zum Teil Jahren bis Jahrzehnten (z.B. durch Abrieb, Verwitterung, Beschädigung) stattfinden sowie dadurch, dass die Produkte nach dem Ende ihrer Nutzung nicht immer vollständig wieder aus der Umwelt entfernt werden (z.B. durch Rückbau). Das heißt, zwischen dem Jahr des Inverkehrbringens und dem Eintreten des Verbleibs in der Umwelt liegt ein deutlicher zeitlicher Versatz. In dem hier verwendeten Modellierungsansatz wird dieser zukünftige Verbleib in der Umwelt in das Jahr der ursprünglichen Verwendung der Kunststoffprodukte vorgezogen. Bei den gelitterten Kunststoffabfällen ergibt sich der Verbleib dagegen aus den Einträgen innerhalb eines Jahres. Hier kann davon ausgegangen werden, dass Eintrag und Beginn des Verbleibs unmittelbar aufeinanderfolgen, also im gleichen Betrachtungszeitraum stattfinden.

Biosphärenmodellierung bei der Dosisabschätzung (BfS)

Die Biosphärenmodellierung bei der Dosisabschätzung Einleitung1 Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioak- tive Abfälle gibt es zahlreiche zu erfüllende Sicher- heitsanforderungen an geeignete Gebiete (Untersu- chungsräume), damit das Endlager langfristig keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt. Eine die- ser Sicherheitsanforderungen ist, dass die aus dem Endlager entwichene und in die Biosphäre transpor- tierte Radioaktivität über einen Zeitraum von einer Million Jahre bestimmte Grenzwerte für die effek- tive Dosis nicht überschreiten darf (§ 7 Endlagersi- cherheitsanforderungsverordnung). Zur Abschät- zung, welche effektive Dosis einzelne Personen möglicherweise erhalten können, wurde vom Bun- desamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und dem Bundesamt für Strahlenschutz eine Be- rechnungsgrundlage geschaffen. Nach dieser gesetzlichen Anforderung sind die Grenzwerte für die effektive Dosis im Bereich von 10 Mikro-Sievert pro Kalenderjahr für die zu erwarten- den Entwicklungen und 100 Mikro-Sievert pro Ka- lenderjahr für die abweichenden Entwicklungen festgelegt. Eine zusätzliche effektive Dosis im Be- reich von 10 Mikro-Sievert pro Kalenderjahr ist aus Sicht des Strahlenschutzes vernachlässigbar gering. Dieses Dosiskriterium wird bereits in anderen An- wendungsbereichen im Strahlenschutz umgesetzt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche natürliche Strahlenexposition der deutschen Bevölkerung be- trägt 2100 Mikro-Sievert im Jahr. Somit liegt die zu- sätzliche effektive Dosis, die durch ein Endlager für hochradioaktive Stoffe bei zu erwartenden Entwick- lungen nicht überschritten werden darf, um mehr als den Faktor 100 unter der durchschnittlichen na- türlichen Strahlenexposition. geologischen Barrieren des Untergrundes. Allerdings genügt es nicht, nur die Menge der aus dem Endla- gersystem entwichenen Radionuklide zu betrachten, da die Radionuklide ein unterschiedliches dynami- sches Verhalten in der Biosphäre und eine unter- schiedliche Radiotoxizität aufweisen. Die möglichen Auswirkungen auf den Menschen werden erst durch die Dosisabschätzung bewertbar. Überblick über die Biosphärenmodellierung bei der Dosisabschätzung Die Biosphärenmodellierung beschreibt mithilfe ra- dioökologischer Modelle die Transport- und Anrei- cherungsprozesse der Radionuklide, die aus dem Endlager in die Biosphäre gelangen. Zunächst wer- den die radioaktiven Kontaminationen der Umwelt- medien (Grund- und Oberflächenwässer, Boden, At- mosphäre) und der Lebens- und Futtermittel auf der Basis von wissenschaftlichen Grundlagen berechnet. Dann wird die effektive Dosis der Bevölkerung aus sinnvollen Festlegungen zu deren Lebensbedingun- gen und Wirtschaftsweisen berechnet. Für die Entwicklung der Biosphäre mitsamt Klima, Topographie, Vegetation, Menschen und Tieren sind keine Prognosen über den Zeitraum von einer Mil- lion Jahre möglich, weder für die Entwicklung der Landschaft, noch für den Menschen an sich oder seine Lebens- und Wirtschaftsweise. Wegen des lan- gen Bewertungszeitraums bei der Endlagerung sind plausible Annahmen und Festlegungen zu treffen. Dies gilt unter anderem für die Verzehrsraten der Lebensmittel, die Aufenthaltszeiten und Aufent- haltsorte des Menschen und die Landwirtschaft, wie zum Beispiel die zu berücksichtigenden Nutzpflan- zen, die Bewässerung und die Erntezyklen. Der Fokus der Sicherheitsanforderungen liegt primär auf dem Endlagersystem und den technischen und 1 Sollten Ihnen Fachausdrücke nicht geläufig sein, so können Sie diese im Glossar der Informationsplattform zur Endlagersuche nachlesen. Stand: April 2022 Seite 1 von 4 Die berechnete effektive Dosis ist nur ein Indikator für die Tauglichkeit eines potenziellen Endlager- standorts und nur eines von vielen Kriterien bei der Bewertung der Standorte. Der Begriff Dosisabschät- zung wurde bewusst gewählt, da es unmöglich ist, reale effektive Dosen zukünftig lebender Menschen über den Bewertungszeitraum von einer Million Jahre zu berechnen. Vielmehr handelt es sich bei der Dosisabschätzung um eine potenzielle Dosis, die fiktive Personen unter ungünstigen Umständen the- oretisch erhalten könnten, wenn die heutigen Le- bens- und Wirtschaftsweisen für das jeweilige Klima unterstellt werden.Endlagerung gelten außerdem bestimmte Grund- sätze, die allgemein für sämtliche zu modellierenden Prozesse in der oberflächennahen Umwelt bis hin zur Dosisabschätzung anzuwenden sind: Letztlich sind standortspezifische Modelle nötig, welche die Kopplung der lokalen geologischen Gege- benheiten, der potenziellen Klimaentwicklungen und der Umwelt abbilden. Für diese standortspezifi- schen Modelle dient die Biosphärenmodellierung in der Berechnungsgrundlage zur Dosisabschätzung bei der Endlagerung als Werkzeugkasten. Mit Werk- zeugkasten ist gemeint, dass nur die Transportpfade der Radionuklide zu berücksichtigen sind, die in dem jeweiligen Untersuchungsraum tatsächlich vorkom- men können. Weist das Grundwasser eines Untersu- chungsraums beispielsweise einen Salzgehalt auf, der eine Nutzung zum Trinken, Tränken und Bewäs- sern nicht zulässt, dann entfällt dieser Kontaminati- onspfad.Außerdem gilt, dass die Annahmen für die Berech- nung der effektiven Dosis nach heutigen Maßstäben so realistisch wie mit vertretbarem Aufwand mög- lich sein sollen. Zu einer realitätsnahen Modellie- rung für die Dosisabschätzung gehört auch, dass ortsspezifische Daten des Untersuchungsraumes für bestimmte Zeiträume der Modellierung genutzt werden, wenn die Gültigkeit der Daten für den vor- gesehenen Zeitraum plausibel begründet werden kann. Grundsätze der Biosphärenmodellierung Die Biosphärenmodellierung in diesem Berech- nungsverfahren wurde in Anlehnung an die aktuell gültigen Berechnungsgrundlagen im Strahlenschutz verfasst. Dieses Vorgehen ist deswegen sinnvoll, da die Berechnungsgrundlage zur Dosisabschätzung bei der Endlagerung konsistent mit den aktuellen und etablierten Berechnungsverfahren im Strahlen- schutz sein soll. Die Modellstrukturen und Modell- annahmen wurden für die Biosphärenmodellierung vereinfachend und konservativ gewählt. Der Leitge- danke dabei war, die Exposition des Menschen so realistisch wie mit vertretbarem Aufwand möglich zu berechnen, die Exposition aber keinesfalls zu un- terschätzen. Für die Biosphärenmodellierung in der Berech- nungsgrundlage für die Dosisabschätzung bei der Bundesamt für Strahlenschutz E-Mail: ePost@bfs.de So müssen alle Radionuklide, die aus dem Endlager in die Biosphäre gelangen können, berücksichtigt werden. Einzelne Radionuklide dürfen erst dann au- ßer Acht gelassen werden, wenn nachgewiesen wurde, dass ihr Dosisbeitrag vernachlässigbar ist. Es sind auch kurzlebige Tochternuklide zu betrachten, sofern sie von langlebigen Mutternukliden nachge- bildet werden. Klimaentwicklung Das Klima eines Standortes ist gemäß Definition die charakteristische Häufigkeitsverteilung atmosphäri- scher Zustände und Vorgänge bezogen auf einen langjährigen Bezugszeitraum von meistens 30 Jah- ren. Bei den Klimaszenarien, die für einen Standort zu betrachten sind, ist in der Berechnungsgrundlage vorgegeben, dass diese „abdeckend“ sein müssen. Es sind demnach alle Klimaszenarien zu rechnen, die am Standort innerhalb der nächsten einen Million Jahre tatsächlich vorkommen können. Hier hilft ein Blick in die Klimageschichte der Region des potenzi- ellen Endlagerstandortes. Die alleinige Betrachtung zeitlich konstanter klimatischer Zustände ohne Übergangsphasen genügt jedoch nicht. Die Klimage- schichte der Erde zeigt, dass ein Übergang von ei- nem Klima in das nächste an teilweise sehr lange Übergangsphasen gekoppelt ist. In diesen Über- gangsphasen kann es zu einer deutlich erhöhten Mobilität der Radionuklide kommen. Beispiele für diese Übergangsphasen sind das Tauen von Perma- frostböden oder das Schmelzen von Gletschern. Seite 2 von 4 Die angenommenen klimatischen Entwicklungen ei- nes Untersuchungsraums sind in die nach § 3 Endla- gersicherheitsanforderungsverordnung genannten „zu erwartenden“ und „abweichenden“ Entwicklun- gen einzuordnen. Die Übereinstimmung der klimati- schen Situation für die Geosphäre und Biosphäre muss in jedem Fall und zu jedem Zeitpunkt gegeben sein. Es dürfen niemals unterschiedliche Klimaent- wicklungen für beide Sphären angenommen wer- den. Ausbreitung von Radionukliden und Umweltkonta- mination Die Geosphärenmodellierung liefert die Eingangsda- ten für die Biosphärenmodellierung. Dies sind die Fließrate des radioaktiv kontaminierten Grundwas- sers und die Konzentration gelöster Radionuklide im Grundwasser, die Eintragsrate gasförmiger Radio- nuklide und die chemische Zusammensetzung des Grundwassers, insbesondere die Konzentration der gelösten Salze. Bevorzugt sollen Messwerte aus dem Untersu- chungsraum und hydrogeologische Modelle zur Ab- schätzung der Entwicklung von Grundwasserfluss und Grundwasserzusammensetzung verwendet werden. Es sind sowohl Grundwasser als auch Ober- flächenwasser als Trinkwasser für die Bevölkerung, zum Tränken des Viehs und zur Bewässerung land- wirtschaftlicher Flächen zu betrachten. Auch für die Grundwassernutzung sind nach heuti- gen Maßstäben realitätsnahe Annahmen zu treffen. Wenn beispielsweise ein Grundwasserspeicher in 20 Meter Tiefe ausreichend Wasser liefern kann, um den angenommenen Wasserbedarf zu decken, dann darf für die Berechnung beispielsweise davon ausge- gangen werden, dass aus ökonomischen Gründen kein Grundwasserspeicher genutzt wird, der am sel- ben Standort in 300 Meter Tiefe liegt. Außerdem ist zu prüfen, ob gefördertes Grundwasser zum Trin- ken, Tränken und Bewässern nutzbar ist. Die Nutz- barkeit des Grundwassers, etwa zur Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung, kann zum Beispiel durch seinen Salzgehalt eingeschränkt sein. Zusätz- lich ist für jeden Untersuchungsraum zu prüfen, ob in Abhängigkeit vom betrachteten klimatischen Zu- stand aufsteigendes kontaminiertes Grundwasser Bundesamt für Strahlenschutz E-Mail: ePost@bfs.de vorkommt, das zu einer radioaktiven Kontamination des Bodens und der Pflanzen führen kann. Expositionspfade Maßgebend für die Dosisabschätzungen sind die un- günstigsten Einwirkungsstellen. Das sind die Orte für die Erzeugung von Lebensmitteln und für den Auf- enthalt des Menschen, bei denen sich rechnerisch aufgrund der Umgebungskontamination jeweils die höchsten effektiven Dosen ergeben. Im Endergebnis werden für die einzelnen Untersuchungsräume Spannbreiten von Dosiswerten aus den zahlreichen Simulationsrechnungen ermittelt, die aus den Sze- narienbetrachtungen der Geosphäre und den abde- ckenden Betrachtungen der klimatischen Entwick- lungen der Biosphäre resultieren. Letztlich aus- schlaggebend ist für jeden Untersuchungsraum der höchste errechnete Dosiswert. Bei der Abschätzung der effektiven Dosis der Bevöl- kerung sind die effektiven Dosen aus folgenden Pfa- den zu addieren: 1. Äußere Exposition Von der äußeren Exposition spricht man, wenn Radi- onuklide von außen auf den menschlichen Körper einwirken. Durch Bewässerung, aufsteigendes Grundwasser oder aufsteigende Gase gelangen Ra- dionuklide in die Böden und werden dort akkumu- liert. Durch die Radionuklide im Boden wird der Mensch in Abhängigkeit von der akkumulierten Akti- vität, der Art der akkumulierten Radionuklide und der Aufenthaltszeit auf der kontaminierten Fläche exponiert. Durch Sedimentation radioaktiv kontaminierter Schwebstoffe in Oberflächengewässern werden Ra- dionuklide im Ufersediment angereichert. Wie hoch der Mensch durch Radionuklide im Ufersediment exponiert wird, ist von denselben Faktoren abhängig wie beim Boden. 2. Innere Exposition Von der inneren Exposition spricht man, wenn Radi- onuklide über den Mund oder die Atemluft in den menschlichen Körper gelangen. Hierzu zählt die Ex- position über die Nahrungskette durch den Verzehr Seite 3 von 4

Newsletter Klimafolgen und Anpassung - Nr.: 73

Liebe Leserinnen und Leser, Extreme Wetterereignisse nehmen vermehrt zu und die Nachfrage nach aktuellen Klimavorsorgediensten und Wissensplattformen steigt stetig. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung das Deutsche Klimavorsorgeportal "KLiVO" ins Leben gerufen. Seit 2018 werden dort Klimavorsorgedienste qualitätsgeprüft und für verschiedenste Handlungsfelder gebündelt zur Verfügung gestellt. In unserem Schwerpunktartikel erfahren Sie mehr über die Entwicklung des KLiVO-Portals, die in den vergangenen vier Jahren vorangeschritten ist. Eine spannende Lektüre wünscht Ihr KomPass-Team im Umweltbundesamt Service Klimaanpassung: vier Jahre Deutsches Klimavorsorgeportal Das Deutsche Klimavorsorgeportal Quelle: Stockwerk2 Das KLiVO-Portal hat sich seit seinem Launch in 2018 zu einem echten Service im praktischen Umgang mit den Folgen des Klimawandels entwickelt. Mit Such- und Filterfunktionen werden Leitfäden, Karten oder Daten empfohlen. Mehr als 100 Klimaanpassungsdienste zeigen, wie Klimafolgen in Planungen berücksichtigt werden können. Das Feedback sowohl von Dienste-Anbietenden wie auch von Anwender*innen fällt nach knapp vier Jahren positiv aus. Analyse zu Klimarisiken für Deutschland vom UBA vorgestellt Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland (KWRA) vorgestellt. Erstellt wurde sie zusammen mit Expert*innen aus 25 Bundesbehörden und -institutionen aus neun Ressorts. Im Ergebnis bestätigt die KWRA die Ergebnisse der Vulnerabilitätsanalyse des Bundes von 2015, allerdings sind viele Klimarisiken im Vergleich zum damaligen Stand gestiegen. Analysiert wurde die Gegenwart und zwei Zukunftsszenarien für die Mitte (2031 bis 2060) und das Ende des Jahrhunderts (2071 bis 2100). Für die Zukunft wird in der KWRA einmal der pessimistische Fall eines starken Klimawandel und einem Anstieg von 3 Grad Celsius sowie der schwächere Fall mit einem Anstieg von 2,4 Grad Celsius vorgestellt. Insgesamt wurden 31 Wirkungen des Klimawandels mit sehr dringendem Handlungsbedarf identifiziert. Insbesondere hohe Klimarisiken sieht die Analyse beispielsweise für die natürlichen Lebensgrundlagen, wie Böden, Wälder und Gewässer und damit auch für die Wirtschaftssysteme, die auf diese Grundlagen angewiesen sind. Aber auch die biologische Vielfalt und die menschliche Gesundheit werden als ausdrücklich gefährdet benannt. Besonders anschaulich zeigt der Bericht die Wirkungsketten, die durch Veränderung der natürlichen Systeme infolge des Klimawandels ausgelöst werden. Die natürlichen Systeme besser zu schützen, um ihnen eine Anpassung an die Klimaveränderungen zu ermöglichen, ist deshalb ein wesentliches Fazit des Berichts – ebenso wie die Empfehlung mit verschiedenen Anpassungsmaßnahmen unverzüglich zu beginnen, da diese sehr lange brauchen um wirksam zu werden. Entwurf der Nationalen Wasserstrategie vorgelegt Im Rahmen des 3. Nationalen Wasserforums legte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) den Entwurf einer Nationalen Wasserstrategie sowie ein darin enthaltenes Aktionsprogramm vor. In der Strategie werden die wichtigen Aspekte beim zukünftigen Management von Wasser zu zehn strategischen Themen dargestellt, wobei auch das Themenfeld der Klimaanpassung immer wieder eine relevante Rolle spielt. So erfordern die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels, aber auch der Digitalisierung, der Landnutzungsänderungen oder des demografischen Wandels diese sektorübergreifende Strategie. Norddeutsche Bundesländer beziehen Position zur Klimaanpassung Umweltminster*innen und -senator*innen der norddeutschen Bundesländer haben bei der 6. Regionalkonferenz des Bundes und der norddeutschen Länder eine gemeinsame Erklärung zur Klimaanpassung abgegeben. Die Politiker*innen sehen für Norddeutschland und seine Küstenregionen eine besondere Betroffenheit durch den Klimawandel, etwa durch den Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten, aber auch durch ein verändertes Niederschlagsgeschehen mit Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden. In sieben Punkten wird die Notwendigkeit der Entwicklung von Strategien gegen Klimawandelfolgen dargelegt, dabei seien vor allem rechtzeitige Maßnahmen gefragt wie etwa die Anpassung von kritischer Infrastruktur, aber auch der Anstoß einer Diskussion zur zukünftigen Nutzung von Wasser wird gegeben. Wasserwirtschaft: Wasser zentraler Baustein der Klimaanpassung Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) machte anlässlich einer Präsentation ihrer Position zur „Wasserbewussten Entwicklung unserer Städte“ deutlich, dass sie im urbanen Raum Wasser als einen zentralen Baustein für Anpassung an den Klimawandel sieht. In der Erklärung stellte die DWA die Bedeutung von Wasser für zahlreiche Aspekte der Klimaanpassung heraus. Als zentralen Punkt für die Zukunft nennt die DWA den natürlichen Wasserhaushalt. Hier müssten Grundwasserneubildung und Verdunstung gestärkt werden sowie der Abfluss aus den Städten begrenzt werden. Flächen so zu gestalten sei bereits jetzt technisch und gesetzlich möglich. Diese Positionen hat die DWA auch in einem Politikmemorandum zur kommenden Bundestagswahl bekräftigt und präzisiert. Bayern erhöht Förderung für Beratungsangebot zur Klimaanpassung Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber und Bauministerin Kerstin Schreyer haben die Förderung für die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit (BEN) der Bayerischen Architektenkammer verdoppelt. Damit erhält die BEN zukünftig 200.000 Euro für ihre Arbeit und kann so ihr Angebot ausweiten und auch zum Thema Klimaanpassung eine kostenfreie Erstberatung anbieten. Damit sollen die Problematiken und Erfordernisse rund um die Anpassung an den Klimawandel beim Bauen bekannter werden – gerade im Bereich blaue und grüne Infrastrukturen. Die BEN soll in diesem Sinne nicht nur beraten, sondern auch bei der Umsetzung helfen. Bremen: Gewerbeflächenentwicklungen als Beitrag zur Klimaanpassung In Bremen hat die hat die Senatorin für Wirtschaft gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bremen und der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau ein neues Konzept zur Erschließung neuer Gewerbegebiete und bei der Weiterentwicklung bestehender Wirtschaftsstandorte vorgelegt. Es sieht vor künftig den Schwerpunkt dabei auf Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität zu legen. In puncto Klimaanpassung sieht das Konzept vor, die städtebaulichen Strukturen anzupassen. Dafür soll in Zukunft unter anderem mit Flächen sparsamer umgegangen werden und die Fassadengestaltungen sowie Gründächer für ein positives Mikroklima sorgen. Prämien für klimaresiliente Wälder Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat auf dem 2. Nationalen Waldgipfel mit der Bundesinitiative „Klimaschützer Wald“ ein zweistufiges Modell zur Honorierung der Klimaschutzleistung der Wälder vorgestellt. Neben Zahlungen für die Speicherung von Kohlenstoff, soll auch der Erhalt, die Entwicklung und die Bewirtschaftung besonders klimaresilienter Wälder vergütet werden. Voraussetzung für die Förderung ist die Vorlage einer Nachhaltigkeitszertifizierung, Höhe und Staffelung sollen sich nach Art und Zustand des Waldes richten. Die Vergütung soll über mehrere Jahre hinweg fließen. In dieser Zeit soll es Überprüfungen geben, ob die Voraussetzungen weiter erfüllt werden. Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Ideen für eine nachhaltige Zukunft gesucht Zusammen mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Jahr erneut den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Bei diesem Mal sind die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit Extremwetterereignissen in Städten und Regionen der Schwerpunkt der Auszeichnung. Es werden anwendungsnahe Projekte gesucht, die Lösungen zur Klimaanpassung in Städten und Regionen bieten und dabei einen nachhaltigen Ansatz verfolgen. Bis zum 30. Juni 2021 können sich Forscher*innen oder Forschergruppen aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen bewerben. Niedersachsenweites Projekt zur Klimawandelanpassung im Tourismus Niedersachsen will seine Tourismusindustrie mit dem Projekt „Klimawandel anpacken – Anpassungsstrategien für den Tourismus in Niedersachsen“ auf Klimafolgen vorbereiten. In den kommenden 18 Monaten soll dafür mit den Reiseregionen des Landes herausgearbeitet werden an welchen Stellen die Folgen des Klimawandels besonders spürbar werden und welche Lösungen es geben könnte. Am Ende des Projekts soll ein Maßnahmenkatalog stehen. Zur ersten Information zum Thema hat das Tourismusnetzwerk Niedersachen die Broschüre „Klimawandel verstehen – Wegweiser für den Tourismus in Niedersachsen” herausgegeben, der unter anderem auch auf den Handlungsleitfaden „Anpassung an den Klimawandel: Die Zukunft im Tourismus gestalten“ des Umweltbundesamtes verweist. NRW: Karte zu Waldstandorten durch Klimaprojektionen erweitert Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) informiert in zwei neuen Varianten seiner „Forstlichen Standortkarte NRW“ auf dem Internetportal Waldinfo.NRW über die potentielle Dürreempfindlichkeit, Anbauempfehlungen sowie die Standorteignung ausgewählter Baumarten. Bisher wurden die Standorte in der frei verfügbaren Karte anhand der Faktoren Gesamtwasserhaushalt, Nährstoffversorgung und Vegetationszeit (Wärmehaushalt) beschrieben. Die zwei neuen Varianten haben als Grundlage Klimaprojektionen, die einmal einen „moderaten“ Anstieg der Treibhausgaskonzentration voraussetzen und einmal von stetig steigenden Konzentrationen ausgehen. Damit sollen Waldbesitzende und Waldbewirtschaftende bei ihren Entscheidungen zum Waldbau unterstützt werden. Forschungsverbund testet nachhaltigen Hochwasserschutz Mit dem voranschreitenden Klimawandel steigt auch die Gefahr von Hochwassern. Der Schutz erfordert nachhaltige und flexible Lösungen, um auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein. Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe forscht gemeinsam mit der RWTH Aachen und der Gütersloher Firma topocare im Projekt „InnKubaTubes“ an solchen Lösungen. Jetzt wurde ein erster Test mit einer neuen Deichbauweise unternommen. Diese bietet gleich mehrere Vorteile und könnte für bei der Klimaanpassung eine nachhaltige Lösung bieten. Denn die 20 Meter langen Schläuche, die die Forscher*innen entwickelt und aufeinander gestapelt haben, ermöglichen es beim Bau Fläche und Material zu sparen. Zudem kann der Damm nicht brechen oder überspült werden. Landwirtschaft: Klimaanpassung mit nicht heimischen Gewächsen Die Landwirtschaft ist von den Folgen des Klimawandels mit am stärksten betroffen. Das Projekt AgroBaLa versucht Lösungen für eine klimaresiliente Landwirtschaft zu finden. Die Forscher*innen vom Fachgebiet Bodenschutz und Rekultivierung der BTU Cottbus-Senftenberg untersuchen deshalb die Bewirtschaftung von Ackerkulturen oder Grünland gemeinsam mit Gehölzen auf einer Fläche – im sogenannten Agroforstsystem. In dem Projekt werden dafür nicht heimische Kräuter, Feldfrüchte und Gehölzarten verwendet, die auf den eher trockenen Böden der Lausitz gut wachsen. Als Ergebnis soll ein Pflanzenbaukasten herauskommen, der es Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen soll, den agroforstlichen Systemansatz individuell zur Klimaanpassung zu nutzen. Forschungsverbund startet Messkampagne zu Wetterextremen Um die komplexen physikalischen Prozesse zu verstehen, die beim Entstehen extremer Wetterereignisse ablaufen, untersucht die Helmholtz-Initiative MOSES, zusammen mit anderen Forschungszentren, in der Messkampagne „Swabian MOSES“ Trockenheit und Starkniederschlag. Als Gebiet für die Messungen wurden die Schwäbische Alb und das Neckartal in Baden-Württemberg ausgewählt, da dort sowohl Gewitter als auch Hitze- und Dürreperioden häufig auftreten. Ziel des Beobachtungssystem MOSES (Modular Observation Solutions for Earth Systems) ist es, die Ursachen, Auswirkungen und Wechselwirkungen hydro-meteorologischer Extreme ganzheitlich zu untersuchen. Ein besseres Verständnis hätte auch für die Klimaanpassung großen Wert. Anpassung an den Klimawandel spielerisch erlernen Das neue Projekt „MainKlimaPLUS“ der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) will Unternehmen auf spielerische Art und Weise dabei helfen sich mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt hat im Kern ein Planspiel, in dem Spieler*innen simulierte, klimatische Bedingungen vorfinden, auf die sie mit selbst initiierte Anpassungsstrategien reagieren können. Der weitere Verlauf des Spiels zeigt dann die Wirkung dieser Strategien. Auf diese Weise sollen Akteure aus der Wirtschaft motiviert und dazu befähigt werden, eigenständig individuelle Strategien für die Klimaanpassung in ihren Unternehmen und Lieferketten zu identifizieren. Forschungskooperation zu Klimaanpassung in der Landwirtschaft Um dem Informationsbedarf in der Landwirtschaft und Politik in puncto Klimaanpassung nachzukommen, haben das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und das Julius-Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Da Dürreperioden, Starkregenereignisse und Rekordhitze für Unsicherheit darüber sorgen, wie sich die Erträge in der Landwirtschaft entwickeln, wollen das ZALF und das JKI dynamische, prozessbasierte Pflanzenwachstumsmodelle untersuchen. Dafür simulieren sie die Interaktionen zwischen Kulturpflanzen, Umweltbedingungen und Anbaumanagement. JKI und ZALF wollen die Modelle zur Abschätzung von klimabedingten Ertragsänderungen sowie Möglichkeiten zur Sortenanpassungen erarbeiten und weiterentwickeln. Studie zur Bedeutung der Baumdiversität für den Borkenkäferbefall In den vergangenen Jahren haben lange Trockenperioden viele Bäume in den Wäldern in Deutschland geschwächt. In der Folge versagten oft die natürlichen Abwehrmechanismen beispielsweise gegen Borkenkäfer. Daraus resultierte ein starker Befall, der viele Wälder krank gemacht hat. Da zukünftig mit intensiveren und längeren Trockenperioden zu rechnen ist hat ein Team aus Forscher*innen der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen und der Fakultät für Biologie von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau nun untersucht, ob die Zusammensetzung der Baumarten eines Waldes das Fressverhalten der Borkenkäfer beeinflusst. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Baumdiversität nicht wie bisher angenommen den Befall reduziert. Konzepte für nachhaltiges und gerechtes Wassermanagement entwickelt Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird auch ein effizienteres Wassermanagement in trockenen Regionen und Phasen zu einem wichtigen Thema. Das Verbundprojekt TRUST hat am Beispiel des Flusseinzugsgebiets des Rio Lurín in Peru inter- und transdisziplinäre Konzepte zur Trinkwassernutzung sowie zur sicheren Abwasserentsorgung und Wasserwiederverwendung entwickelt. Im Abschlussbericht stehen fünf Thesen und 20 Empfehlungen für die Bereiche Wasserressourcen, Wassernutzung und Wassermanagement in Regionen mit Wasserknappheit in Entwicklungsländern. Dabei wird unter anderem die Entwicklung einer gemeinsamen Wassernutzungsplanung empfohlen, um Konflikte zu vermeiden. Klimawandel erfordert neue Sorten in der Landwirtschaft In einer Simulationsstudie konnten Forscher*innen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) feststellen, dass angepasste Sorten in der Landwirtschaft die Ertragsminderung aufgrund steigender Temperaturen verringern können. Dazu haben die Wissenschaftler*innen in vier Klimaszenarien simuliert, welchen Effekt der Klimawandel auf die globale Produktion von Mais, Reis, Soja und Weizen hat. Parallel wurde untersucht, welchen Einfluss die Verwendung lokal angepasster Sorten auf die Erträge hätte. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einer moderaten Erwärmung eine gute Anpassung möglich ist. Umso höher die Erwärmung jedoch ausfallen würde, umso mehr angepasste Sorten würden benötigt - bei einem steigenden Risiko, dass keine angepasste Sorte mehr zur Verfügung stünde. Verbesserte saisonale Vorhersagen für mehr Klimaresilienz Maßnahmen gegen Klimafolgen sind wirkungsvoller, wenn sie rechtzeitig ergriffen werden. Eine Voraussetzung für frühzeitiges Handeln können präzise saisonale meteorologische Prognosen für die kommenden Monate sein. Ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) konnte nun globale Vorhersagen mit statistischen Verfahren so verbessern, dass sie regional nutzbar werden. In Untersuchungsregionen wie beispielsweise im Sudan oder in Ecuador konnten anormale Hitze- und Trockenheitsperioden mit der neuen Methode bis zu sieben Monate im Voraus besser vorhergesagt werden, als es bislang möglich war. Mit solchen Vorhersagen ließe sich im Sinne der Klimaanpassung etwa die Saatgutauswahl für die Pflanzsaison besser planen und Schäden reduzieren. Praxisbeispiele aus der Klimaanpassung Jährlich vergibt das Bundesumweltministerium zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) den Preis für die Klimaaktive Kommune. Unter den Preisträgern des vergangenen Jahres finden sich zahlreiche Best Practice Beispiele auch zum Thema Klimaanpassung. Diese hat das Difu jetzt in einer Broschüre zusammengetragen. Zur Klimaanpassung finden sich darin beispielsweise Preisträger wie die Stadt Dresden und ihre Selbstverpflichtung zur Klimaanpassung bei kommunalen Hochbauvorhaben oder der Probeanbau der Energiepflanze „Durchwachsene Silphie“ im Landkreis St. Wendel. Alle Projekte werden ausführlich beschrieben sowie mit der Begründung der Jury für die Preisvergabe dargestellt. Fortschrittsbericht zur New Urban Agenda und zur Agenda 2030 Die New Urban Agenda und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen geben seit ein paar Jahren den Rahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung weltweit. Die Agenden sollen dabei helfen, Städte auf allen Ebenen resilienter und nachhaltiger zu gestalten. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat jetzt einen Fortschrittsbericht zur Umsetzung beider Agenden in Deutschland veröffentlicht. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass beide Agenden in Deutschland schon sehr erfolgreich umgesetzt werden, die Herausforderungen aber immer noch groß sind. Laut des Berichts werden bei der Klimaanpassung in Deutschland vorrangig Maßnahmen für den ökologischen Umbau des städtischen Grüns, die energetische Gebäudesanierung, den Hochwasserschutz sowie für die Aufklärungsarbeit getroffen. NRW legt Wiederbewaldungskonzept für klimastabile Wälder vor Insgesamt hat sich der ökologische Zustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen (NRW) über die vergangenen 35 Jahre verschlechtert. Durch Stürme sowie die Dürren- und Trockenperioden der vergangenen Jahre hat sich diese Situation weiter verschlimmert. Nach der forstlichen Aufarbeitung der geschädigten Flächen, steht vielerorts die Wiederbewaldung an. Dafür hat das Land NRW ein Wiederbewaldungskonzept vorgelegt, das vertiefte Informationen im Bereich der Bestandsbegründung nach Schadereignissen bietet. Auch aktuelle Daten zu Klimafolgen und neueste Forschungserkenntnisse werden mit einbezogen. Praktischen Mehrwert bieten darüber hinaus digitale Karten, aus denen Empfehlungen für Baumarten und Mischbestände für klimastabile Wälder ableitbar sind. Klimaanpassung im Lokalen effektiv gestalten Das kürzlich erschienene Buch „Handbook of Climate Change Management“ geht in mehreren Kapiteln auf unterschiedliche Aspekte der Klimaanpassung ein. Ein Kapitel widmet sich beispielsweise der Problemstellung, die eine Implementierung von Anpassungsstrategien auf lokaler und regionaler Ebene haben kann. Als Probleme werden dabei vor allem der Mangel an Ressourcen sowie fehlendes Wissen für die Umsetzung ausgemacht. Um mögliche Herangehensweisen zu zeigen, liefert das Kapitel Kriterien und Faktoren für die einzelnen Phasen einer erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Klimaanpassung. Versehen sind die einzelnen Darstellungen mit praktischen Beispielen und zusätzlichen Informationsangeboten. Antworten auf die Probleme bei Hitze in der Pflege GUT DURCH DIE SOMMERHITZE IN DER STATIONÄREN PFLEGE Quelle: Dr. Julia Schoierer Heiße Tage, Hitzewellen und tropische Nächte gehören im Süden zum Sommer oft dazu, aber könnten auch hierzulande mit dem fortschreitenden Klimawandel bald fester Bestandteil der warmen Jahreszeit werden. Ältere, gesundheitlich geschwächte Menschen sind besonders anfällig für hitzebedingte Gesundheitsprobleme und gehören zu den Gruppen, die in solchen Situationen besonders geschützt werden müssen. Für Pflegeeinrichtungen und ihre Beschäftigten ist es deshalb wichtig, Problemstellungen und mögliche Maßnahmen zu kennen, die die Gesundheit von Pflegebedürftigen in solchen Phasen schützen. Maßnahmenplan für alle Bereiche der Pflege Das Institut und die Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am LMU Klinikum in München haben darum gemeinsam mit stationären Münchener Pflegeeinrichtungen den „Hitzemaßnahmenplan für stationäre Einrichtungen der Altenpflege – Empfehlungen aus der Praxis für die Praxis“ entwickelt. Der Plan will grundsätzlich über die Probleme von Pflegebedürftigen aufklären und hält dabei vor allem praktische Tipps und Vorgehensweisen bereit. Ein Großteil der beschriebenen Maßnahmen richtet sich an alle Beschäftigten in der Pflege – von den Hilfskräften bis hin zum Qualitätsmanagement. Der Plan befasst sich aber auch mit der Einbindung von Angehörigen, externen Dienstleistern oder der Küche und bietet dabei Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten für jedes Feld. Aus der Praxis für die Praxis Beispielsweise wird anhand von Checklisten gezeigt, welche Symptome auf Austrocknung hindeuten können, wie Medikamente bei Hitze am besten gelagert werden oder wie Veränderungen im Ablaufplan für Abkühlung sorgen können. Alles entwickelt aus der Erfahrung von Pflegeinrichtungen und fachlichem Know-how aus der Medizin.

Ausbau der Windenergie: Dalbert fordert mehr Flächen und finanzielle Beteiligung der Kommunen

Magdeburg. Die Stiftung Klimaneutralität hat ein Rechtsgutachten mit konkreten Maßnahmen veröffentlicht, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen. Die Vorschläge kommentiert Sachsen-Anhalts Energieministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert wie folgt: „Um die nationalen und internationalen Klimaziele zu erreichen, brauchen wir einen Ausbau der Windenergie. Das ist unstreitig. In Sachsen-Anhalt haben wir uns das Ziel gesetzt, 100 Prozent Erneuerbare Energien in allen Bereichen zu schaffen. Auch das geht nur mit einem schnelleren Ausbau der Windenergie.“ „Für den Ausbau benötigen wir vor allem zwei Dinge: Mehr Akzeptanz durch finanzielle Beteiligung der Menschen vor Ort und deutlich mehr Flächen, auf denen Windenergieanlagen stehen können. Wie das zügig und auf rechtlich sicheren Beinen gelingen kann, zeigt das Gutachten: Mit einem durch den Bund für alle Länder festgelegtem Flächenziel und durch gesetzlich festgelegte finanzielle Beteiligungen der Kommunen, in deren Nähe eine Windenergieanlage steht. Das Gutachten hat errechnet, dass in die Kommunen Sachsen-Anhalts so bis zu 59 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 fließen könnten.“ „Ich bin überzeugt, dass dieser Vorschlag ein Weg ist, um den Ausbau der Windenergie zu beschleunigen. Dieser Vorschlag arbeitet mit positiven Anreizen. So kann die Energiewende gelingen.“ „Sachsen-Anhalt weist derzeit etwa ein Prozent der Landesfläche als Windvorrangs- und -eignungsgebiete aus. Das muss mehr werden; zwei Prozent sind nötig. Die Stiftung Klimaneutralität sieht in Sachsen-Anhalt sogar ein Flächenpotential von 2,4 Prozent. Ich begrüße es sehr, wenn der Bund Regelungen schafft, die für alle Bundesländer gleichermaßen gelten. Auch die verpflichtende finanzielle Beteiligung der Kommunen kann rechtssicher am ehesten der Bund festlegen. Für uns als Land sind die Spielräume klein. Doch ich bin überzeugt, wenn die Menschen sehen, dass sie etwas von dem Windrad vor Ort haben und die Gewinne nicht vollständig woanders hinfließen, werden sich viele Widerstände in Luft auflösen.“ Hintergrund: In den nächsten fünf Jahren fallen im Sachsen-Anhalt potentiell 842 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1.321 MW aus, weil die EEG-Förderung ausläuft. Davon liegen 587 Anlagen mit rund 860 MW nicht in Windvorrang- und -eignungsgebieten. Der Anteil der Windenergie an der gesamten Bruttostromerzeugung in Sachsen-Anhalt lag im Jahr 2019 bei 53 Prozent. Der Vorschlag aus Sachsen-Anhalt für ein Modell der finanziellen Beteiligung von Kommunen an den Gewinnen aus der Stromerzeugung durch die Windenergieanlagen findet sich hier: https://lsaurl.de/E16m Das Gutachten der Stiftung Klima ist hier einzusehen: https://www.stiftung-klima.de/de/themen/energie/flaechen-wind/ Impressum: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt Pressestelle Leipziger Str. 58 39112 Magdeburg Tel: +49 391 567-1950 Fax: +49 391 567-1964 E-Mail: PR@mule.sachsen-anhalt.de Facebook: Umwelt.LSA Twitter: UmweltLSA YouTube: Umwelt_LSA Instagram: Umwelt.LSA

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