Zwischen Herbst 2008 und Sommer 2010 wurden in den Vogesen und im Schwarzwald insgesamt 152 Quellen zu den verschiedenen Jahreszeiten beprobt. Neben den Quellgewässern sind auch die Böden der Quellgebiete Gegenstand der Untersuchung. Anhand verschiedener physikalischer und chemischer Parameter soll eine Aussage über den Versauerungsgrad der Quellen und der Böden in beiden Gebirgen getroffen werden. Zudem wird angestrebt, Korrelationen zwischen den Boden- und Quellwerten nachzuweisen. Diese Auswertungen dienen als Basis für die Analyse des Zustandes der Tonminerale in den Böden.
Wie das jüngste dürrebedingte Waldsterben und der Waldwachstumsrückgang in Europa und auf der ganzen Welt zeigen, hat der Klimawandel verheerende Auswirkungen auf die Waldökosysteme. Daher werden dringend neue Strategien zur Stabilisierung bestehender Wälder benötigt. Eine zentrale Herausforderung für die Waldbewirtschaftung besteht darin, dass die meisten Vorhersagen zur Abschätzung des Trockenstresses in Wäldern auf vereinfachten Ansätzen auf der Bestandsebene beruhen, wodurch verschiedene potenziell wichtige unterirdische Prozesse vernachlässigt werden. In diesem Projekt werden die Auswirkungen zweier solcher unterirdischer Prozesse—(i) die Dynamik des tiefen Wassers und (ii) die Artenmischung—auf die Widerstandsfähigkeit von Waldökosystemen gegenüber Wasserstress mit Hilfe eines gekoppelten ökohydrologisch-pflanzenhydraulischen Modells untersucht, das durch Felddaten zu stabilen Wasserisotopen, Wasserstress der Bäume und Saftfluss, die in diesem Projekt gesammelt wurden, sowie durch Synergien mit laufenden Projekten aus Deutschland und Frankreich ergänzt wird. Die Innovation dieses gekoppelten Modells besteht darin, dass der Schwerpunkt auf trockenheitsbedingten Prozessen in den Pflanzen und im Boden liegt. Das Projekt besteht aus vier Arbeitspaketen (APs), die von vier Arbeitsgruppen (zwei in Deutschland und zwei in Frankreich) geleitet werden. Das erste AP wird stabile Wasserisotopenmessungen nutzen, um unterirdische Prozesse im Feld zu untersuchen. Diese Messungen werden zur Information und Validierung der Berechnungsmodelle verwendet, die im zweiten und dritten Arbeitspaket entwickelt werden. Darüber hinaus werden Daten, die im Rahmen laufender Forschungsprojekte gesammelt wurden, für die Modellierung herangezogen. Das zweite AP wird ein ökohydrologisches und ein pflanzenhydraulisches Modell miteinander koppeln, um die topographischen Einflüsse auf das tiefe Wasser in einer räumlich verteilten Weise zu untersuchen. Das dritte AP wird ein pflanzenhydraulisches Multispeziesmodell entwickeln, um die Auswirkungen der Artenmischung auf die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegen Trockenheit zu untersuchen. Schließlich wird das vierte AP eine detaillierte modellgestützte Fallstudie in den Vogesen, Frankreich, durchführen, wo sowohl topografische Einflüsse als auch interindividueller Wettbewerb eine wichtige Rolle für die Muster der Baumsterblichkeit spielen dürften. Das Projekt wird wertvolle Einblicke in zwei bisher wenig erforschte Komponenten der Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegen Trockenheit liefern und mit dem gekoppelten ökohydrologisch-pflanzenhydraulischen Modell ein neuartiges Instrument für zukünftige Trockenheitsstudien bereitstellen. Außerdem erwarten wir, dass dieses Projekt die Zusammenarbeit zwischen den französischen und deutschen Gruppen stärkt, was zu künftigen gemeinsamen Forschungsanstrengungen führen soll.
Das Lasescanning als neues Fernerkundungsverfahren um Zeugen traditionneller Kulturlandschaften zu dokumentieren Die bereits im Rahmen des Projektes 'Wölbäcker von Rastatt' gewonnenen Erfahrungen zum Einsatz des Laser Scanning wurden auch 2007 und 2008 weiter ergänzt und vor allem in breiten Kreisen potentieller Anwender im In- und Ausland vorgestellt. Wölbäcker sind Zeugen früherer Formen des Ackerbaus, die sich als wellenartige Folge von Furchen und Scheiteln ausdrücken. Ein größeres Vorkommen solcher Reste einer mittelalterlichen Flur ist bei Rastatt unter Wald noch gut erhalten. Zur genauen Dokumentation wurde dabei erstmals das Laser Scanning eingesetzt. Mit diesem Verfahren, das auf einer flächenhaften Abtastung der Erdoberfläche von einem Flugzeug aus basiert, können Reliefunterschiede im Dezimeterbereich, selbst unter Wald aufgezeigt und vermessen werden. Die Daten stammen aus flächendeckenden Befliegungen des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg. Weitere Gebiete wurden auch auf das Vorkommen von Wölbäckern untersucht. So konnten dank Laser auch in der Rheinaue bzw. in Lagen wo sie nicht vermutet wurden, solche Altfluren ausfindig gemacht werden. Zu den wesentlichen Beiträgen in den beiden letzten Jahren zählt auch der erfolgreiche Abschluß des EU-Vorhabens Culture 2000 in dem wir Partner aus vielen europäischen Ländern an unseren Erfahrungen mit der Lasertechnologie teilhaben lassen konnten. Die Kooperation mit Frankreich insbesondere mit der Denkmalpflege Elsaß führte ferner zur Konkretisierung gezielter Laserprospektionen von 8 verschiedenen archäologischen Stätten in der Rheinebene und in den Vogesen, an deren Auswertungen wir ebenfalls beratend beteiligt sind.
Ein mehrjaehriges Projekt zur Beurteilung des Einflusses von Trophaeenselektion, anthropogener Bestandeszerteilung und Einbringung standortfremder Tiere auf die autochthone Rotwildpopulation der Nordvogesen wird durch Einbeziehung immungenetischer Marker (MHC-Gene) fortgefuehrt. Bisherige Arbeiten dieser internationalen Kooperation umfassen Untersuchungen zum Verhalten und Oekologie des Bestandes, eine Inventarisierung der Allozym-Variabilitaet und methodische Vorarbeiten zur immungenetischen Charakterisierung. Als erste Anwendung von Befunden wurde der Bejagungsplan im Department Bas-Rhin modifiziert.
Seit 2003 wird am Institut für Meteorologie und Geophysik in Verbindung mit dem Analysesystem VERA (Vienna Enhanced Resolution Analysis) ein operationelles Modellvergleichssystem mit mehreren namhaften Wettervorhersagemodellen betrieben (ALADIN, ECMWF, LME). Im Rahmen des internationalen Projekts MAP D-PHASE (2007) wurde das System an eine Neuversion von VERA, VERAXX, angepasst, und um einige Modelle (COSMO, MM5, GEM-LAM) erweitert. Diese Erneuerung erlaubt, die räumliche Auflösung (bis zu 2km) und den geographischen Ausschnitt flexibel zu wählen, und so auf skalenabhängige Phänomene besser einzugehen. Im Rahmen von VERITA soll eine Reihe von hochauflösenden Modellen mit Hilfe der aktuellsten Verifikationsmethoden ausgewertet und verglichen werden. Besonders Methoden, die sich mit der spektralen Dekomposition von Modellfeldern, der getrennten Behandlung einzelner Skalen und der Bestimmung und Fortpflanzung (in Modellketten) von Phasenfehlen befassen, sollen entwickelt, getestet und eingesetzt werden. Im Zuge dieser Arbeiten, sollen aber auch Fragen bezüglich der Anwendbarkeit von VERA für Verifikationszwecke, einerseits im Vergleich mit alternativen Analysemethoden, und andererseits im Vergleich mit Beobachtungsdaten meteorologischer Stationen, beantwortet werden. Festzustellen ist z.B., ob, und ab welcher räumlichen Skala, bei welcher Stationsdichte und bei welcher Modellauflösung Analyse und (räumlich unregelmäßige) Beobachtungsdaten äquivalent einsetzbar wären. Die Datengrundlage des Projekts, hochauflösende Prognosemodelle und ein dichtes Netz an Beobachtungen, stammt von zwei internationalen Projekten, and denen das IMGW beteiligt ist: Im Rahmen von COPS (Convective and Orographically-induced Precipitation Study) wurde von Juni bis August 2007 eine Messkampagne im Gebiet Vogesen, Rheintal, Schwarzwald und Schwäbischer Alb durchgeführt. Ziel des Projekts ist ein erweitertes Verständnis von Konvektionsprozessen in der Atmosphäre. Dieses ist nötig, um die Niederschlagsvorhersagen der gängigen, feinmaschigen Lokalmodelle zu verbessern, sowie deren Fehler und Schwachstellen ausfindig zu machen. In zeitlicher Übereinstimmung mit COPS fand die Demonstrationsphase des Forecast Demonstration Projects (FDP) MAP D-PHASE (Demonstration of Probabilistic Hydrological and Atmospheric Simulation of flood Events in the Alpine region) von Juni bis November 2007 statt. In der Demonstrationsphase wurde eine durchgehende Vorhersagekette, vom Modellentwickler bis zum Anwender, für Starkniederschlags- und Überflutungsereignisse betrieben. Die Modellprognosen, die von verschiedensten Institutionen für diesen Zeitraum und für den Alpenraum gerechnet wurden, stehen den Projektpartnern ebenso für weitere wissenschaftliche Anwendungen zur Verfügung, wie die Messergebnisse aus der COPS-Region. Um die Datendichte im gesamten Alpenraum zu erhöhen, wurden zudem bei sämtlichen nationalen Wetterdiensten im Einflussbereich der Alpen zusätzliche Daten angefordert.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] DER LUCHS IN WEST- UND MITTELEUROPA Denkanstöße 14 D 14 | Mai 2023 Empfehlungen für den Schutz des Eurasischen Luchses Lynx lynx in West- und Mitteleuropa Schlussfolgerungen aus dem Workshop der „Bonn Lynx Expert Group“ in Bonn, Deutschland,16. bis 19. Juni 2019 Die Denkanstöße basieren auf den Schlussfolgerungen aus dem Workshop der „Bonn Lynx Expert Group“ in Bonn, Deutschland, 16. bis 19. Juni 2019. Diese wurden ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht in den CATnews Nr. 14 – Herbst 2021. Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine Übersetzung des Newsletters CATnews – Special Issue – The Eurasian lynx in Continental Europe. Herausgeber: Christine und Urs Breitenmoser. Co-Chairs IUCN / SSC, Cat Specialist Group, KORA, Stiftung KORA, Talgut-Zentrum 5, CH-3063 Ittigen CATnews ist der Newsletter der Cat Specialist Group, einer Sektion der Species Survival Commission SSC der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Die Bezeichnung der geografischen Einheiten in dieser Veröffentlichung und die Darstellung des Materials bedeuten nicht, dass dies der Meinung der IUCN über den rechtlichen Status eines Landes, eines Territoriums oder eines Gebiets oder seiner Behörden oder über die Abgrenzung oder Grenzen entspricht. Wir danken für die gute Kooperation! INHALT 1. Herausforderungen für die Erhaltung des Eurasischen Luchses in Kontinentaleuropa – eine Einführung4 2.Erhaltungszustand des Eurasischen Luchses in West- und Mitteleuropa7 3.Erhaltung der nordosteuropäischen Tieflandpopulation des Eurasischen Luchses14 4.Erhaltungsbedarf der Luchspopulation in den Karpaten 19 5.Balkanluchs und das „Balkan Lynx Recovery Programme“ 26 6.Herausforderungen bei der Erhaltung der böhmisch-bayerisch-österreichischen Luchspopulation 7. 31 Der Eurasische Luchs im Dinarischen Gebirge und in den südöstlichen Alpen und die Notwendigkeit einer Bestandsstärkung 35 8.Die Entwicklung der Harzer Luchspopulation 41 9.Situation des Luchses im Juragebirge 48 10. Situation des Eurasischen Luchses in den Vogesen 56 11. Wiederansiedlung des E urasischen Luchses im Pfälzerwald, Deutschland 62 12. Die Rückkehr des Luchses in den Nordwesten Polens 71 13. Schritte zu einer Luchspopulation im Schwarzwald? 74 14. Der Beitrag von Trittstein-Ansiedlungen zur Verbesserung der Verbreitung des Luchses 76 15. SCALP: Monitoring des Eurasischen Luchses in den Alpen und darüber hinaus 82 16. Günstiger Erhaltungszustand und Management auf Populationsebene – die böhmisch-bayerisch-österreichische Luchspopulation als Fallbeispiel 87 17. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Erhaltung des Luchses unter der Schirmherrschaft der Oberrheinkonferenz 91 18. Auswirkungen der Fragmentierung und Vernetzung von Luchshabitaten auf die Populationsgenetik in K ontinentaleuropa 94 19. EUROLYNX: Wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Untersuchung der Bewegungsökologie des Eurasischen Luchses in seinem Verbreitungsgebiet 99 20. Gesundheitsüberwachung im Wildtierschutz: Erfahrungen mit dem Eurasischen Luchs in der Schweiz 21. EAZA-Zuchtprogramme als Quelle für Luchswiederansiedlungen 105 124 22. Empfehlungen für den Schutz des Eurasischen Luchses Lynx lynx in West- und Mitteleuropa 127 3| URS BREITENMOSER1*, JOCHEN KREBÜHL2, CHRISTOPH HEIDER3 & CHRISTINE BREITENMOSER-WÜRSTEN4 1. HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE ERHALTUNG DES EURASISCHEN LUCHSES IN KONTINENTALEUROPA – EINE EINFÜHRUNG Der Eurasische Luchs Lynx lynx besiedelte einst ganzGegenwärtig gibt es in Kontinentaleuropa drei kleine bis Kontinentaleuropa, wurde aber einerseits mit demmittelgroße autochthone und elf winzige bis kleine wieder- Rückgang der Wälder und des Wildtierbestandes undeingeführte Populationen, die sich auf 23 Länder verteilen andererseits dem menschlichen Bevölkerungswachstum,(von Arx et al. 2021). In den letzten Jahren wurden neue der Ausdehnung der Anbauflächen und der Zunahme derWiederansiedlungsprojekte initiiert (z. B. Idelberger et Viehbestände allmählich verdrängt. Die endgültige Aus-al. 2021, Tracz et al. 2021). Es wurden Anstrengungen rottung der Restpopulationen erfolgte im Laufe des 19.unternommen, um getrennte Populationen miteinander zu Jahrhunderts. Eine Ausnahme bildeten die Populationenverbinden (Molinari et al. 2021), und die genetische Sa- im nordosteuropäischen Tiefland, in den Karpaten undnierung früherer Wiederansiedlungspopulationen wurde im südlichen Dinarischen Gebirge, die alle in den spätendiskutiert und – in einem Fall (Fležar et al. 2021) – bereits 1940er Jahren ein Minimum erreichten, aber schließlichin Angriff genommen. Solche Projekte erfordern den Zu- überlebten (für einen Überblick über den historischengang zu geeigneten Ausgangstieren und den Transport Rückgang und die Originalliteratur siehe Breitenmoser &von umgesiedelten Luchsen über internationale Grenzen Breitenmoser-Würsten 2008). Die Wiederansiedlungspro-hinweg. Gemäß den IUCN-Leitlinien für Wiederansied- gramme begannen vor fast 50 Jahren; nicht ausschließ-lungen und andere Umsiedlungen zu Erhaltungszwecken lich, aber meistens mit Fundtieren aus der slowakischen(IUCN/SSC 2013), aber auch gemäß den EU- und/oder Population. Bis heute wurden Eurasische Luchse innationalen Rechtsvorschriften müssen für solche Er- Kontinentaleuropa in Frankreich, der Schweiz, Deutsch-haltungsmaßnahmen eine geeignete Ausgangspopulation land, Polen, der Tschechischen Republik, Italien, Öster-ermittelt, der Erhaltungszustand der Ausgangspopulation reich und Slowenien wieder angesiedelt (siehe Beiträge inbewertet und tierärztliche Gesundheitsvorkehrungen ge- dieser Sonderausgabe). Einige Wiederansiedlungsprojek-troffen werden, um die Übertragung von Krankheitserre- te scheiterten bereits in einem frühen Stadium, und allegern zu verhindern. Die „traditionellen“ Quellpopulationen neu entstandenen Populationen der Wiederansiedlungenin den Karpaten und vor allem in der Slowakei haben sind immer noch relativ klein, meist isoliert und weisenjedoch ihre eigenen Erhaltungsprobleme (Kubala et al. einen recht hohen Grad an Inzucht auf, unter anderem2021), was (erneut) die Diskussion über die Nutzung von aufgrund der begrenzten Anzahl von NachzuchttierenErhaltungszuchtprogrammen als Quelle für Wiederansied- (Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008).lungen ausgelöst hat (Lengger et al. 2021). Letztendlich sollten diese jetzt isolierten Populationen alle zu wenigen 1 2 3 4 |4 IUCN/SSC Cat Specialist Group, Stiftung KORA, Muri, Schweiz *Email: u.breitenmoser@kora.ch Stiftung Natur und Umwelt RLP, Mainz, Deutschland HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftungs-GmbH, Siegburg, Deutschland IUCN/SSC Cat Specialist Group, Stiftung KORA, Muri, Schweiz großen und lebensfähigen Metapopulationen zusammen-Die Ergebnisse des Symposiums sind in dieser Sonder- geführt werden, um die negativen Auswirkungen derausgabe zusammengefasst. Im Anschluss an die Be- Fragmentierung ihres Lebensraums abzumildern (Premierstandsaufnahme erarbeiteten die Teilnehmenden Empfeh- et al. 2021). Erschwerend kommt hinzu, dass Kontinen-lungen (Bonn Lynx Expert Group 2021), um den Schutz taleuropa drei phylogenetisch unterschiedliche Linien desdes Luchses in Kontinentaleuropa zu koordinieren. Die Eurasischen Luchses beherbergt, die als gültige Unter-Ergebnisse des Bonner Workshops wurden dem Sekreta- arten anerkannt sind (Kitchener et al. 2017). Ist also jederriat und dem Ständigen Ausschuss des Übereinkom- Luchs überall willkommen? Wie sollen wir Gebiete für diemens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Unterarten in denjenigen Regionen abgrenzen, in denenPflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume wir keine Informationen über die ursprünglichen Bewoh-(Berner Konvention) des Europarates vorgelegt, der am 6. ner haben?Dezember 2019 die Empfehlung Nr. 204 (Ständiger Aus- schuss 2019) verabschiedete. Diese ist mit den am Ende Diese Fragen und die komplexe Situation erfordern einedieses Sonderheftes vorgestellten Empfehlungen (Bonner einvernehmliche Strategie zum Schutz des EurasischenLuchsexpertengruppe 2021) deckungsgleich. Luchses, vereinbarte Standards und Protokolle, die die internationale und interregionale Zusammenarbeit erleich-Die geografische Bezeichnung ‚Kontinentaleuropa‘ be- tern, sowie gemeinsame Leitlinien und einen koordiniertenzieht sich im Kontext des vorliegenden Tagungsbandes Ansatz für den Erhalt des Luchses in Kontinentaleuropa.und der Empfehlungen auf das historische und aktuelle Aktuelle Herausforderungen sind z. B.Verbreitungsgebiet des Eurasischen Luchses südlich der 1. die Abgrenzung von Erhaltungseinheiten, 2. die genetische Sanierung von Inzuchtpopulationen, 3. die Ausgangspopulationen für weitere Umsiedlungen, 4. die Vernetzung kleiner Populationen und 5. das Management von Luchspopulationen im Hinblick auf die Koexistenz mit Menschen. großen autochthonen Populationen in Fennoskandina- vien und Russland. Die Bonner Konferenz konzentrierte sich auf die biologischen und ökologischen Aspekte im Hinblick auf die Wiederherstellung lebensfähiger Meta- populationen des Luchses in dieser Region. Obwohl wir uns der Bedeutung der menschlichen Dimension eines solchen Unterfangens voll bewusst sind, konnten wir Vom 16. bis 19. Juni 2019 trafen sich rund 50 Luchsex-aus praktischen Gründen nicht auch die sozialwissen- pertinnen und -experten in Bonn (Abb. 1, Anhang I), umschaftlichen Aspekte der Luchserhaltung behandeln. Alle über den Erhalt des Eurasischen Luchses in Kontinental-Teilnehmenden waren sich jedoch einig, dass die Dis- europa zu diskutieren. Ziele des Workshops waren,kussionen in Bonn fortgesetzt werden sollten und dass in 1. den Erhaltungszustand der kontinentalen Luchspo- pulationen und die Durchführung von Projekten zur Erhaltung des Luchses zu überprüfen, 2. Empfehlungen für einen koordinierten langfristigen An- satz zur Wiederansiedlung und Erhaltung des Luchses in West- und Mitteleuropa zu diskutieren und 3. sich auf die Entwicklung von Standards und gemein- samen Protokollen für die praktische Erhaltungsarbeit zu einigen. Zukunft weitere Themen des Luchserhalts in Kontinental- europa behandelt werden müssen. Die Bonner Luchskonferenz wurde gemeinsam von der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz, der IUCN SSC Cat Specialist Group und der Stiftung KORA organisiert. Finanzielle Unterstützung wurde großzügig von der HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftung, der SNU, dem EU-Förderprogramm LIFE und dem Europarat (Berner Konvention) gewährt. 5|
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] gefördert mit Mitteln der EU / soutenu par des fonds de l'UE Abschluss-Tagung des Projekts „LIFE Luchs Pfälzerwald“ Réunion finale du projet „LIFE Lynx Forêt du Palatinat“ Zusammenfassung der Vorträge an der Tagung am 11.09.2021 in Annweiler Résumé des présentations à la conférence du 11.09.2021 à Annweiler Umsiedlung der Schweizer Luchsin Bell in den Pfälzerwald – April 2017 © GREVE Martin – SNU. Lâcher du lynx suisse Bell dans la Forêt du Palatinat - Avril 2017 © GREVE Martin - SNU. Projektpartner / Partenaires du projet Projekt-Kofinanzierer / Co-financeurs du projet 2 Ergebnisse und Erfahrungen aus dem EU LIFE-Projekt „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald“ SYLVIA IDELBERGER1, JOCHEN KREBÜHL1, JUDITH OHM1, MICHAEL BACK1 Mit Hilfe des Förderprogramms LIFE der Europäischen Union führten die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) und ihre Projektpartner Landesforsten Rheinland-Pfalz, SYCOPARC in Frankreich und WWF Deutschland das LIFE Projekt zur Wiederansiedlung des Eurasischen Luchses im Pfälzerwald durch. Der Pfälzerwald ist Teil des grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservats Pfälzerwald - Nordvogesen, das eine Gesamtfläche von 3028 km² umfasst. Das Wiederansiedlungsprojekt beinhaltet die Umsiedlung von 20 wildlebenden Luchsen (Lynx lynx carpathicus) aus der Schweiz und der Slowakei. Es begann im Januar 2015 und endete im September 2021. Das LIFE-Programm der EU kofinanziert 50 % der Projektkosten von insgesamt ca. 2,75 Millionen Euro. Über den Beitrag der genannten Projektpartner hinaus wurden zusätzliche Mittel vom Land Rheinland-Pfalz (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität – MKUEM), der Deutschen Wildtier Stiftung, den Landesverbänden von NABU und BUND, der HIT-Umweltstiftung sowie weiteren Förderern bereitgestellt. Öffentlichkeits- und Akzeptanzarbeit Alle relevanten Interessengruppen und Behörden sowie die regionale Bevölkerung wurden vor Beginn des Projekts informiert bzw. konsultiert. Das Land, alle neun Landkreise und kreisfreien Städte im Bereich des Pfälzerwalds begrüßten die Wiederansiedlung. Das Projekt sah eine umfassende Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit während der Freilassungen und des anschließenden Monitorings vor. Mitarbeiter des Projekts besuchten regelmäßig lokale Zusammenkünfte insbesondere von Jägern und Nutztierhaltern und berichteten über den aktuellen Stand der Wiederansiedlung. Der direkte Austausch mit den Leuten war immer ein wichtiges Anliegen im Projekt. Er ermöglichte ein kontinuierliches Feedback und eine Verbesserung der Projektarbeit. Um die Akzeptanzarbeit zu fördern, wurden verschiedenste Materialien erstellt, die interessensgruppenspezifische Informationen rund um das Thema Luchs bieten. Insbesondere der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz unterstützt die Projektkommunikation aktiv. Für Schulklassen wurde das Umweltbildungsprogramm "Auge des Luchses" etabliert, mit dem sich Kinder intensiv und kreativ mit der Rückkehr des Luchses in seinen ehemaligen Lebensraum auseinandersetzen können. Durch die Einbindung lokaler Institutionen und Schulen sowie die Bereitstellung von Umweltbildungsmaterialien wurden Multiplikatoren geschult, die eine zusätzliche Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Projektziele bewirken. Im Rahmen des sogenanten "Luchs-Parlaments" kamen Vertreter aller am Thema Luchs beteiligten Interessensgruppen und von Behörden, Kommunen und Institutionen aus der Region zusammen. Neben den Aspekten Jagd und Tierhaltung kommen auch viele andere Themenfelder wie Naturschutz, Forst, Straßenbau, Tierschutz und Tourismus zur Sprache. Gemeinsam wurde über zu erwartende oder befürchtete Auswirkungen der Wiederansiedlung gesprochen, die sinnvolle Gestaltung von Herdenschutz und Kompensationsmaßnahmen diskutiert und möglicher Forschungsbedarf ermittelt. Konkrete, praktische Fragen bei der Wiederansiedlung wurden erörtert, bestehende Regelungen und 3 Abläufe anhand der aktuellen Geschehnisse immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst. Auch das Potential der Tierart Luchs bzw. des Wiederansiedlungsprojektes für die Region, den Tourismus und die Natur im Biosphärenreservat wurden gemeinsam ausgelotet. Das Parlament tagte in zwei getrennten Kammern, eine im Pfälzerwald, die andere in den Nordvogesen. Einmal im Jahr tagten beide Kammern gemeinsam. Die im Rahmen des begleitetenden Monitoringprogramms gesammelten Daten zu Vorkommen, Verbreitung und Verhalten der Luchse wurden in die partizipativen Prozesse mit den verschiedenen Interessengruppen einbezogen. Das Luchs-Parlament hat sich als interessenübergreifende Institution etabliert, die anerkannt ist und sich aktiv in die Entwicklung des Projektes einbringt. Die offene und direkte Kommunikation hat dazu beigetragen, eine Vertrauensbasis zwischen allen Beteiligten aufzubauen und die Akzeptanz für den Luchs und das Wiederansiedlungsprojekt zu stärken. Ein Managementplan für den Umgang mit Luchsen in Rheinland-Pfalz wurde bereits vor der Freilassung des ersten Luchses veröffentlicht (MKUEM 2016). Er umfasst Aspekte des demografischen Monitorings, Lösungsvorschläge für den Fall von Konflikten, Präventions- und Kompensationsmaßnahmen, Regeln für das Konfliktmanagement und Verantwortlichkeiten. Die Regelungen wurden im Konsens mit allen beteiligten Intressensgruppen verabschiedet und können gemeinsam geändert werden, wenn es die Situation erfordert. Umsiedlungen Die Partner aus den Ländern der Luchsspenderpopulation Slowakei (DIANA, Zoo Bojnice) und Schweiz (KORA, FIWI*, BAFU*) sowie die Partner im Aufnahmeland Rheinland-Pfalz (SNU, MKUEM) einigten sich in einem „Memorandum of Understanding“ auf festgelegte Regeln und Protokolle für die Umsiedlungen. Die Luchse wurden in einem sogenannten "hard release" freigelassen, d. h. unmittelbar nach ihrer Ankunft im Freilassungsgebiet und einem abschließenden (Gesundheits-)Check. Abb. 1: Luchsmännchen Lucky in seinem Revier – März 2018 © SOMMER Alexander – SNU Alle freigelassenen Luchse wurden mit GPS/GSM-Telemetriehalsbändern (Betriebszeit 1-2 Jahre), welche mit einer mechanischen Sollbruchstelle versehen waren, ausgestattet. Die Sendehalsbänder 4 ermöglichten die Begleitung des räumlichen Verhaltens, der Beutefunde und des Verlaufs des Wiederansiedlungsprozesses (Abb. 1). Ein genetisches Monitoring wurde durchgeführt, um einen Stammbaum zu erstellen und die Entwicklung der genetischen Vielfalt innerhalb der neuen Teilpopulation langfristig bewerten zu können. Bei den Wiederansiedlungen von Juli 2016 bis März 2020 wurden insgesamt 20 Luchse (zwölf Weibchen, acht Männchen) eingefangen und mit Hilfe der Partner und Behörden der Herkunftsländer umgesiedelt. Zwölf Luchse wurden in der Schweiz gefangen, acht stammen aus der Slowakei, davon waren sieben Waisen, die Menschen abgewandt aufgezogen wurden. Bis Ende August 2021 gab es vier dokumentierte Verluste von umgesiedelten Luchsen durch (Verkehrs-)Unfälle. In den Vogesen wurde ein im Pfälzerwald 2019 geborenes Jungtier 2021 tot aufgefunden (Ursache unbekannt). Abb. 2: Kombinierter Aktionsradius von acht GPS-besenderten Luchsen aus dem Pfälzerwald, dargestellt als MCP (minimum convex polygon) für das Monitoringjahr 2019/2020, © SNU Die Luchse haben ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Anpassungsfähigkeit bei verschiedenen Gelegenheiten unter Beweis gestellt. Ein Männchen (ARCOS) wanderte in die Hochvogesen und legte dabei in einem Monat eine Strecke von ca. 350 km zurück. Ein anderes Männchen (CYRIL) nahm sich die Freiheit, den Rhein zu überqueren. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die regelmäßige Nutzung der Wildbrücken im Pfälzerwald (A6 und B10) durch Luchse. Auch der Bereich der Zaberner Steige, die schmalste Stelle der Vogesen an der eine Autobahn, eine TGV-Bahntrasse und der Rhein- 5
Die Fransen-Nabelflechte, Umbilicaria cylindrica, ist die Flechte des Jahres 2018. Sie siedelt direkt auf nacktem, kalkfreiem Silikatfels, vorzugsweise an schrägen bis senkrechten Partien von Felsen, an gut belichteten Standorten. Sie kommt hauptsächlich in hochmontanen bis alpinen Lagen vor. Umbilicaria cylindrica ist in Europa, Asien, beiden Amerika und Australien verbreitet. In Europa zeigt sie eine hochmontan-alpin-arktische Verbreitung mit einer Präferenz der Alpen und der nordischen Länder, kommt aber bis in die Gebirge Süditaliens vor. In den Schweizer und Österreichischen Alpen sowie den Vogesen und dem Schwarzwald ist sie verbreitet, in den übrigen Mittelgebirgen selten und in Norddeutschland klingt sie aus. In Deutschland fehlt die Art in den nördlichen Bundesländern, insgesamt wird sie als "gefährdet" eingestuft.
Neun besondere Naturlandschaften im Herzen Europas [Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] www.n at iona le -natu rl a n d s c h a ft e n - rl p . d e Rheinland-Pfalz Neun besondere Naturlandschaften im Herzen Europas NATURPARKE Vulkane, Wein, Wandern – aktives Natur- und Kulturerlebnis NATIONALPARK Hunsrück-Hochwald, einer der jüngsten Nationalparke in Deutschland BIOSPHÄRENRESERVAT Der Pfälzerwald, waldreich und grenzüberschreitend Die Nationalen Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz bilden ein wichtiges Netzwerk, das eng zusammenarbeitet – zum Wohle von Klima und Umwelt, von Artenvielfalt und Landschafts- schutz – und vor allem zum Wohle der Menschen. Im Bild: die Trekkingplattformen des Naturparks Nordeifel für spannende Nächte unter freiem Himmel. Mehr Informationen zu den Nationalen Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz gibt es unter: www.nationale-naturlandschaften-rlp.de Editorial LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, dieses Magazin ist eine Einladung. Lernen Sie die Nationalen Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz kennen. Sie sind Schatzkammern unserer reichen Natur- und Kulturlandschaft und Beispielorte dafür, wie eine nachhaltige Lebensweise gelingen kann. Der Nationalpark, das Biosphärenreservat und unsere Naturparke sind Naturschätze, kostbare Kleinode, Juwelen für den Erhalt von Deutschlands natürlicher Vielfalt. Neun der Nationalen Naturlandschaften Deutschlands liegen in unserem Bundesland. Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen diese Landschaften vorstellen und Sie für die Schönheit, den Wert und die vielen Naturerlebnisangebote begeistern, die es dort gibt. Die Vielfalt des Lebens in unseren Naturlandschaften ist immens. Sie sind das Zuhause eines einzigartigen Artenreichtums. Und sie sind Lebensraum für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Nationale Naturlandschaften sichern auch die Lebensgrundlage der Menschen. Sie stellen natürliche Ressourcen bereit, wie sauberes Wasser, reine Luft und ertragreiche Böden. Sie sind Zukunftsorte, Modellregionen zur Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsformen. Hier findet Regionalentwicklung statt, die zeigen will, wie wir unsere Umwelt nachhaltig gestalten und bewirtschaften können. Dazu zählen auch eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft und alternative Formen der Energiegewinnung mit Wind, Sonne und Biomasse. Wer Erholung sucht, entspannend oder aktiv, findet in den Nationalen Naturlandschaften vielfältige Möglichkeiten, Natur und Kultur aktiv zu erleben und zu entdecken. Unsere Nationalen Naturlandschaften sind schön und einzigartig. Lassen Sie sich in den Bann ziehen und erleben Sie faszinierende Vielfalt. Rheinland-Pfalz – naturreich. Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität 4 | naturreich – Rheinland-Pfalz INHALT NATURLANDSCHAFTEN | 06 Naturreichtum in Rheinland-Pfalz SCHUTZKATEGORIEN | 08 1430 1834 2238 2642 Die unterschiedlichen Arten von Schutzgebieten HUNSRÜCK-HOCHWALD | 10 Mehr Raum für Wildnis PFÄLZERWALD NORDVOGESEN | 14 Grenzenlos schön VULKANEIFEL | 18 Kopfsprung in die Erdgeschichte NORDEIFEL | 22 08 Schlafen unterm Sternenhimmel SÜDEIFEL | 26 Teufels Werk und Gottes Beitrag SAAR-HUNSRÜCK | 30 Schätze entdecken im Naturpark NASSAU | 34 Schlösser, Burgen, Kastelle – lebendige Geschichte SOONWALD-NAHE | 38 Kleine Auszeit vom Alltag 10 RHEIN-WESTERWALD | 42 Trekkingabenteuer vor der Haustür TITELBILD Das Coverfoto dieser Ausgabe zeigt den Blick von der Burgruine Wegelnburg bei Nothweiler über das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Die Wegelnburg liegt auf 571 Metern und ist damit die höchstgelegene Burg der Pfalz. INTERVIEW | 46 Gudrun Rau, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Naturparke in Rheinland-Pfalz KLIMA SCHÜTZT NATUR | 48 Roland Horne, Leiter der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz 6 | naturreich – Rheinland-Pfalz | Was sind Nationale Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz? 7 | naturreich – Rheinland-Pfalz | Was sind Nationale Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz? Erleben Sie Rheinland-Pfalz – naturreich Neun Nationale Naturland- schaften gibt es in Rhein- land-Pfalz. Sie bedecken 32 Prozent der gesamten Landesfläche und jede davon ist ein kleines Naturwunder. Wer sich nach endlosen Wäldern sehnt, muss nicht nach Kanada. Vul- kane gibt es hier mehr als auf Hawaii. Und einsame Wanderwege, auf denen man die Zivilisation ganz und gar aus den Augen verlieren kann, sowieso. Viele Gründe, um in der Nähe zu bleiben und die vielen besonderen An- gebote vor der Haustür zu erkunden. Echter Sympathieträger: Der Schwarzstorch brütet im Nationalpark Hunsrück-Hochwald Blick vom Erbeskopf am Nationalparktor Hunsrück-Hochwald, aus 816 Meter Höhe Guides bringen Kindern die Bedeutung des Naturschutzes näher Kernzonen lassen der Natur Raum, sich ungestört zu entwickeln 8 | naturreich – Rheinland-Pfalz | Was sind Nationale Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz? 9 | naturreich – Rheinland-Pfalz | Was sind Nationale Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz? Die Nationalen Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz Altenkirchen 9 Bad Neuenahr-Ahrweiler Montabaur Es gibt unterschiedliche Arten von Schutzgebieten in Rheinland-Pfalz, die sich unter dem Begriff Nationale Naturlandschaften sammeln: ein Nationalpark, ein UNESCO-Biosphären- reservat sowie sieben Naturparke, von denen einer auch als UNESCO-Geopark anerkannt ist. DAS BIOSPHÄRENRESERVAT Die UNESCO setzt sich für den Schutz vieler Kultur- und Naturgüter weltweit ein. Einen ganz besonderen Schutz- status genießen dabei die UNESCO-Biosphärenreservate. 700 dieser Gebiete gibt es weltweit. Eines davon liegt in Rheinland-Pfalz und dem benachbarten Frankreich: das länderübergreifende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nord- vogesen. Biosphärenreservate dienen dem Schutz großräu- miger und charakteristischer Landschaftstypen. Und sie sind ein Lebens- und Wirtschaftsraum, in dem beispielhaft besonders naturschonende Wirtschaftsweisen entwickelt und erprobt werden sollen. Natur dort wieder ganz sich selbst überlässt. Nationalpar- ke gliedern sich meist in streng geschützte Kernzonen und Randbereiche, in denen es durchaus wirtschaftliche Aktivitä- ten und Besucherangebote gibt. Als Modellregion nachhaltiger Entwicklung sind sie in Kernzonen (Wildnisgebiete), Pflege- und Entwicklungszo- nen gegliedert. Die Menschen, die hier leben, werden dabei unterstützt, im Einklang mit der Natur eine hohe Lebens- qualität mit einer auch wirtschaftlich nachhaltigen Zukunft zu realisieren. Daher sind die Biosphärengebiete auf der ganzen Welt auch echte Zukunftswerkstätten. Ein weltwei- tes Netzwerk und ein regelmäßiger Austausch sorgen dafür, dass alle Partner von Erkenntnissen und Fortschritten profi- tieren und sich erfolgreiche Konzepte schnell verbreiten.DIE NATURPARKE Die Idee der Naturparke wurde bereits vor über 100 Jahren entwickelt, um großräumige Kulturlandschaften mit be- sonderer Eignung für die Erholung zu erhalten, zu pflegen, zu entwickeln oder wiederherzustellen. Jeder Naturpark repräsentiert dabei eine einzigartige Landschaft mit einem besonderen Erscheinungsbild. Ambitioniertes Ziel: Diese Landschaften sollen in enger Zusammenarbeit mit den Menschen, mit Wissenschaft und Forschung sowie den Akteuren vor Ort zu „großräumigen Vorbildlandschaften“ entwickelt werden. Durch Maßnahmen einer dauerhaft umweltgerechten Landnutzung erhalten sie Vorbildcharak- ter für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums. Die Herausforderung dabei ist es, die unterschiedlichen Interessen – Naturschutz, Naherholung, Landnutzung und Wirtschaftsentwicklung – zu moderieren und zukunftsfähi- ge Lösungen zu entwickeln. Naturparke haben auch den ge- setzlichen Auftrag der Bildung für nachhaltige Entwicklung. DER NATIONALPARK Natur Natur sein lassen – in einem Nationalpark soll und kann sich Wildnis entwickeln. Nationalparke sind vom Menschen weitgehend unbeeinflusste große Naturräume, die landschaftlich einzigartig sind und oft auch eine besondere Artenvielfalt oder seltene und vom Aussterben bedrohte Ar- ten beheimaten. Eine Region kann zu einem Nationalpark werden, weil sie noch weitgehend frei von menschlichem Einfluss ist und das auch so bleiben soll. Es kann aber auch Ziel einer Nationalparkentwicklung sein, dass der Mensch sich Stück für Stück aus dem Gebiet zurückzieht und dieEiner der Naturparke in Rheinland-Pfalz, der Naturpark Vulkaneifel, ist aufgrund der erdgeschichtlichen Entste- hung der Region durch den Vulkanismus auch als UNES- CO-Geopark anerkannt. Damit verbunden ist der Auftrag, diese landschaftliche Besonderheit zugänglich und versteh- bar zu machen. Um den besonderen Wert der Naturräume erlebbar und zugänglich zu machen, gehören auch Besu- cherzentren, Bildungsprogramme, Schulkooperationen und die Ausbildung von Rangern und Landschaftsführern als Besucherguides zu den Angeboten der Träger der neun Nationalen Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz. Mayen 4 Koblenz 7 3 Prüm Daun Neuerburg Wittlich Bitburg Mainz Simmern 5 8 Trier Bad Kreuznach 1 Alzey Idar-Oberstein 6 Saarburg Kaiserslautern 1 Nationalpark Hunsrück-Hochwald Brückener Straße 24 55765 Birkenfeld +49 (0) 6782 8780-0 poststelle@nlphh.de www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de Speyer 2 Pirmasens Landau 2 Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen Franz-Hartmann-Straße 9 67466 Lambrecht (Pfalz) +49 (0) 6325 9552-0 info@pfaelzerwald.bv-pfalz.de www.pfaelzerwald.de/biospherenreservat5 Naturpark Südeifel Auf Omesen 2 54666 Irrel +49 (0) 6525 79206 info@naturpark-suedeifel.de www.naturpark-suedeifel.de3 Natur- und Geopark Vulkaneifel Mainzer Str. 25 54550 Daun +49 (0) 6592 933-202, -206, oder -203 geopark@vulkaneifel.de www.geopark-vulkaneifel.de6 Naturpark Saar-Hunsrück Trierer Str. 51 54411 Hermeskeil +49 (0) 6503 9214-0 info@naturpark.org www.naturpark.org8 Naturpark Soonwald-Nahe Ludwigstraße 3-5 55469 Simmern +49 (0) 6761 82650 info@soonwald-nahe.de www.soonwald-nahe.de 4 Naturpark Nordeifel Tiergartenstraße 70 54595 Prüm +49 (0) 6551 985755 naturpark@pruem.de www.naturpark-eifel.de7 Naturpark Nassau Bachgasse 4 56377 Nassau +49 (0) 2604 4368 info@naturparknassau.de www.naturparknassau.de9 Naturpark Rhein-Westerwald Augustastraße 7-8 56564 Neuwied +49 (0) 2631 95 66 036 info@naturpark-rhein-westerwald.de www.naturpark-rhein-westerwald.de
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] DER LUCHS Hunsrück Trier Entspricht etwa der Reviergröße eines Luchses Saarbrücken Biosphären- reservat Pfälzerwald- Nordvogesen Karlsruhe Frankreich Straßburg Schwarzwald Mittel- und Südvogesen Mülhausen Basel Jura Schweiz www.luchs-rlp.de Le projet LIFE-Lynx dans la forêt du Palatinat Avec le soutien du programme européen LIFE-Nature, la Fon- dation Nature et Environnement de Rhénanie-Palatinat, avec ses partenaires de projet, le SYCOPARC, le WWF et l’Office des Forêts de Rhénanie-Palatinat, conduit un projet de réintroduction de lynx. L’objectif de cette coopération franco-allemande est de réintroduire d’ici à 2020 un total de 20 lynx dans la forêt du Pa- latinat, ces lynx provenant de Suisse et des Carpates slovaques. Lebensraumverbund Luchse haben mit einer Reviergröße von 50 – 400 km² einen gro- ßen Raumanspruch. Ihr passives Ausbreitungsverhalten führt dazu, dass sich die Tiere fast nur in Gebieten ansiedeln, in deren Nachbarschaft bereits ein Artgenosse lebt. Die meisten bewal- deten Mittelgebirge Europas sind zu klein, um langfristig lebens- fähige Luchspopulationen zu beherbergen. Eine Vernetzung der Gebiete einzelner Luchs-Vorkommen durch Waldkorridore bzw. Trittsteinbiotope im Offenland sowie Querungshilfen an Straßen können einen Beitrag leisten, um Inzucht und eine genetische Verarmung zu verhindern.Continuités écologiques Les lynx ont besoin de grands espaces, la taille de leur domaine vital allant de 50 à 400 km². Leur comportement peu colonisa- teur conduit à ce que les animaux s’installent généralement dans des secteurs situés à proximité de congénères. La majorité des massifs boisés d’Europe sont trop petits pour héberger une po- pulation de lynx viable à long terme. La connexion des zones de présence de lynx, grâce à des corridors forestiers ou des îlots-re- fuges en milieu ouvert et des écoponts au niveau des routes, représente une possibilité pour éviter la consanguinité et un ap- pauvrissement génétique. Warum im Pfälzerwald? Der Pfälzerwald stellt durch seine Anbindung an die Vogesen eine wichtige Schlüsselposition dar. Zusammen mit den Nordvo- gesen entsteht ein Biosphärenreservat aus etwa 3 000 km² Wald, das rund 45 Luchsen einen Lebensraum bieten kann. Es besteht die Möglichkeit der weiteren Ausbreitung und eines Austauschs mit Vorkommen in den Mittel- und Südvogesen, dem Jura, dem Schwarzwald und den Alpen. Ausgehend vom Pfälzerwald kann der Luchs zudem weitere Gebiete in Rheinland-Pfalz dauerhaft besiedeln.Pourquoi la forêt du Palatinat? La forêt du Palatinat, du fait de sa connexion avec le Massif des Vosges, représente une position clé. Avec les Vosges du Nord, elle constitue une Réserve de Biosphère recouverte de près de 3 000 km² de forêt, pouvant procurer un habitat pour environ 45 lynx. La dispersion et l’échange d’individus sont possibles avec les autres zones de présence du lynx dans le Massif des Vosges (Vosges moyennes, Hautes Vosges, Vosges du sud) voire dans le Jura, la Forêt noire et les Alpes. A partir de la Forêt palati- ne, le lynx peut aussi coloniser durablement d’autres régions de Rhénanie-Palatinat. Länderübergreifende Zusammenarbeit Damit die Rückkehr des Luchses gelingt, ist auch eine grenzüber- schreitende „Vernetzung“ des Monitorings und Managements notwendig. Dies wird im Wiederansiedlungsprojekt durch ver- schiedene länderübergreifende Gremien ermöglicht. Besonders wichtig ist dabei das Mitwirken der verschiedenen Interessens- gruppen aus den Regionen. Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) Mit einer Körperlänge von 80 – 120 cm, einer Schulterhöhe von 50 – 70 cm und einem Gewicht von 15 – 25 kg kann der Überra- schungsjäger, der sich hauptsächlich von Rehen ernährt, in freier Wildbahn bis zu 17 Jahre alt werden. Zwischen Mai und Juni bringt das Weibchen nach einer Tragzeit von ca. 70 Tagen meist 2 Jungtiere zur Welt. Charakteristisch sind der Stummelschwanz, der breite Backenbart und die Haarbüschel auf der Spitze der Ohren, weswegen er auch „Pinselohr“ genannt wird. Coopération transfrontalière Pour que le retour du lynx soit une réussite, la continuité trans- frontalière de son suivi et de sa gestion est également nécessaire. De nombreux groupes de travail transnationaux permettent cette coopération au sein du projet de réintroduction. La participation des différents acteurs de chaque région est primordiale. Le lynx d‘Eurasie (Lynx lynx) Avec une longueur de 80 – 120 cm, une hauteur à l’épaule de 50 – 70 cm et une masse corporelle de 15 – 25 kg, ce chasseur à l’affût, qui se nourrit principalement de chevreuils, atteint une longévité de 17 ans à l’état sauvage. C’est entre mai et juin que la femelle, après une gestation d’environ 70 jours, donne nais- sance généralement à 2 petits. Ses traits caractéristiques sont sa queue courte, ses larges favoris et les touffes de poils au bout des oreilles, que l’on appelle également les „pinceaux“. Gestaltung: www.eisingerdesign.de, Foto: Frank Sommariva/imageBROKER/OKAPIA Koblenz kennt keine Grenzen Deutschland Das LIFE-Luchsprojekt im Pfälzerwald Mithilfe des europäischen Förderprogramms LIFE führt die Stif- tung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit ihren Projektpartnern SYCOPARC, WWF und Landesforsten RLP ein Luchs-Wiederan- siedlungsprojekt durch. Die deutsch-französische Kooperation macht es sich zum Ziel, bis 2020 insgesamt 20 Luchse aus der Schweiz und den slowakischen Karpaten im Pfälzerwald anzu- siedeln.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 36 |
| Europa | 3 |
| Kommune | 1 |
| Land | 12 |
| Weitere | 17 |
| Wissenschaft | 19 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 2 |
| Förderprogramm | 23 |
| Lehrmaterial | 1 |
| Taxon | 7 |
| Text | 18 |
| unbekannt | 4 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 27 |
| Offen | 28 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 55 |
| Englisch | 10 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Archiv | 3 |
| Bild | 2 |
| Datei | 5 |
| Dokument | 16 |
| Keine | 26 |
| Webdienst | 3 |
| Webseite | 15 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 35 |
| Lebewesen und Lebensräume | 55 |
| Luft | 24 |
| Mensch und Umwelt | 51 |
| Wasser | 23 |
| Weitere | 45 |