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Wohnungsgrößen im Neubau nehmen ab

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt einen überraschenden Trend: Zum ersten Mal stagniert im Neubau die durchschnittliche Wohnungsgröße und wird dort in den kommenden Jahren voraussichtlich sinken. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1965 ist diese um mehr als ein Drittel - von 69 auf 94 Quadratmeter pro Person - angewachsen. Gleichzeitig hat sich die Wohnfläche pro Person mehr als verdoppelt, von 20 auf ca. 49 Quadratmeter pro Person. Grund hierfür waren steigende Einkommen sowie der Wunsch nach mehr Komfort. Seit 2005 werden Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern wieder kleiner, dies wird sich zukünftig auch im Bestand auswirken. Im Vergleich zu heute soll die durchschnittliche Wohnung im Gesamtwohnungsbestand bis ins Jahr 2050 um etwa sechs Quadratmeter kleiner werden. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt - die Wachstumsphase scheint vorbei zu sein. Wohnungsmarkt im Wandel Neben Deutschland zeichnet sich auch in vielen weiteren Industrieländern eine ähnliche Entwicklung ab. In Belgien, Japan oder Norwegen schrumpft die durchschnittliche Wohnungsgröße bereits seit der Jahrtausendwende, in Frankreich, Polen und Russland wenige Jahre später. Laut der Studie sind zwei zentrale Faktoren verantwortlich: kleinere Haushalte und steigende Immobilienpreise. Als Haupttreiber gilt die demografische Entwicklung: die Anzahl der Einpersonenhaushalte in Deutschland nimmt zu, seit den 1960er Jahren hat sie sich auf 41 Prozent verdoppelt, in Großstädten wie München und Berlin sind es sogar rund 50 Prozent. Auch der starke Anstieg der Immobilienpreise seit 2010 verschärft die Entwicklung. Viele können sich größere Wohnungen nicht mehr leisten, und für Bauträger wiederum sind kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver. Die Wohnung der Zukunft: Weniger Fläche, mehr Energieeffizienz Obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft ist, gibt es im Bestand einen Überhang von großen Wohnungen. Diese Diskrepanz macht deutlich, dass der Wohnungsmarkt vor einer Anpassung steht. Laut DIW bedeutet dies keinen Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten. Die zentrale Wohnform der Zukunft sind kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen, die zudem den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (2026), Zeitalter der immer größer werdenden Wohnungen endet , DIW Wochenbericht 1/2 / 2026, S. 3-9

Klimaschutz? Natürlich! – Potenziale des Natürlichen Klimaschutzes am konkreten Beispiel der Flächenentsiegelung

Die Herausforderungen des Klimawandels sind unübersehbar. Städte und Landschaften stehen unter Druck, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Gleichzeitig geht es darum, die Treibhausgas-Emissionen zu senken und die CO2-Speicherungsfähigkeit der Ökosysteme zu erhöhen. Die aktuellen Herausforderungen erfordern ein nachhaltiges Flächenmanagement, um den nationalen und internationalen Klimaschutzzielen gerecht zu werden. Das Bundeslimaschutzgesetz setzt hierfür den rechtlichen Rahmen. Natürlicher Klimaschutz ist dabei ein zentrales Element, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Er umfasst vielfältige Maßnahmen, die darauf abzielen, natürliche Ökosysteme zu bewahren und wiederherzustellen, um ihre Funktion als Kohlenstoffsenken zu stärken. Die Entsiegelung von Flächen ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie Städte und Landschaften ökologisch aufgewertet und widerstandsfähiger gestaltet werden können. Doch die Umsetzung solcher Maßnahmen erfordert Kenntnisse zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und Ansatzpunkte für Fördermöglichkeiten. Dieses Webinar bietet einen Überblick über die rechtlichen Erfordernisse des natürlichen Klimaschutzes und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Entsiegelung von Böden. Im ersten Teil beleuchten wir die internationalen, europarechtlichen und bundesrechtlichen Vorgaben zum natürlichen Klimaschutz sowie Maßnahmen und ihre instrumentelle Umsetzung. Der zweite Teil widmet sich der Entsiegelung von Böden als konkretem Beispiel für Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversitätsschutz. www.vhw.de/fortbildung/veranstaltung/klimaschutz-natuerlich-potenziale-des-natuerlichen-klimaschutzes-am-konkreten-beispiel-der-flaechenentsiegelung-am-20-11-2026-in-berlin-wb265771/

Pro-Kopf-Wohnfläche steigt auf 49,2 Quadratmeter

In Deutschland gab es zum Jahresende 2024 laut dem Statistische Bundesamt etwa 43,8 Millionen Wohnungen. Im Vergleich zum Jahr 2014 erhöhte sich der Wohnungsbestand um 6,1 Prozent oder 2,5 Millionen Wohnungen. Die Gesamtwohnfläche nahm im gleichen Zeitraum 9,1 Prozent zu und beträgt nun 4,1 Milliarden Quadratmeter. Über die Hälfte der Wohnungen (54,8 Prozent oder 23,5 Millionen Wohnungen) befanden sich in Mehrfamilienhäusern. Knapp ein Drittel der Wohnungen befand sich in 13,5 Millionen Einfamilienhäusern, während 5,5 Millionen Wohnungen (12,8 Prozent) in insgesamt 2,7 Millionen Zweifamilienhäusern lagen. Weitere Wohnungen befanden sich Wohnheimen. Die durchschnittliche Wohnung war zum Jahresende 2024 94,0 Quadratmeter groß und die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf betrug 49,2 Quadratmeter. Das bedeutet eine Vergrößerung der Wohnfläche je Wohnung seit dem Jahr 2014 um 2,5 Quadratmeter, während sich die Wohnfläche je Einwohnerin und Einwohner um 2,7 Quadratmeter erhöhte. Im Schnitt war Ende 2024 jede Wohnung mit gut 1,9 Personen belegt. Je nach Wohnform (Familien, Paare, Alleinlebende) und nach Alter variieren die Nutzung bzw. Verteilung von Wohnraum. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamt saus dem Jahr 2022. Haushalte mit mindestens vier Personen verfügten im Durchschnitt über 30 Quadratmeter pro Kopf, Alleinlebende im selbstgenutzten Eigentum hatten unabhängig vom Lebensalter 105 Quadratmeter zur Verfügung. Haushalte von Personen über 65 Jahren verfügten im Jahr 2022 pro Person über durchschnittlich 68,5 Quadratmeter Wohnfläche, 27 Prozent der Alleinlebenden in dieser Altersgruppe bewohnten mindestens 100 Quadratmeter. Die Verfügbarkeit von Wohnfläche pro Kopf hängt darüber hinaus von den Eigentumsverhältnissen ab. Eigentümer:innen lebten im Jahr 2022 im Durchschnitt auf 65,1 Quadratmetern, Mieter*innen dagegen auf durchschnittlich 48,5 Quadratmetern. Je länger Personen eine Wohnung gemietet haben, umso größer ist die Wohnfläche pro Kopf. Das deutet auf den sogenannten Lock-in-Effekt hin, wonach Mietwohnungen, auch wenn sie inzwischen für die Zahl der (älter gewordenen) Bewohner:innen zu groß sind, nicht gegen eine neue kleinere Wohnung getauscht werden. Gründe hierfür sind die vergleichsweise hohen Mietpreise bei der Neuanmietung einer kleineren Wohnung und die geringe Verfügbarkeit von Wohnungen in vielen Städten. Viele ältere Menschen leben in einem alten, seinerzeit für die Familie gebauten oder erworbenen Eigenheim. Sie verbleiben dort, auch wenn die Kinder längst ausgezogen sind und ein Ehepartner verstorben ist. Häufig ist das Haus mit Garten nicht altersgerecht, wird aber weiter bewohnt (sogenannter Remanenzeffekt). Gleichzeitig suchen junge Familien ein gebrauchtes Eigenheim. Insbesondere Familien mit Kindern in Mietwohnungen müssen vor allem in den größeren Städten mit wenig Wohnraum auskommen. Auch hier zeigt sich der Lock-in-Effekt, wenn wenig Wohnungen verfügbar sind sich gleichzeitig die Mieten auf einem für viele Familien kaum bezahlbaren hohen Niveau bewegen. Statistisches Bundesamt: 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland zum Jahresende 2024 (Pressemitteilung Nr. 336 vom 17. September 2025) Statistisches Bundesamt: Haushalte der Altersgruppe 65+ haben pro Kopf den meisten Wohnraum zur Verfügung (Pressemitteilung Nr. N 035 vom 14. Juni 2023) Statistisches Bundesamt: Wohnsituation privater Haushalte 2022 in Deutschland

Agenda Stadt grün-blau

Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat im Mai 2026 die Agenda Stadt grün-blau veröffentlicht. Im Mittelpunkt diese Handlungsprogramms stehen konkrete Maßnahmen, mit denen Städte Grünflächen stärken und Wasser besser in die Planung integrieren können. Hierbei geht es darum, Hitze in den Städten zu reduzieren, die Gesundheit zu fördern und öffentliche Räume attraktiver zu gestalten. Hierfür soll eine grüne und wassersensible Stadtentwicklung stärker ressort- und fachübergreifend umgesetzt werden Das Handlungsprogramm ist in fünf Fokusthemen gegliedert: Grün-blau vital: Der Fokus richtet sich auf die wassersensible Stadtentwicklung und das Prinzip der Schwammstadt. Grün-blau gesund: Adressiert die Bedeutung von urbanem Grün für Gesundheit und Vorsorge. Grün-blau sozial: Beleuchtet den Beitrag grün-blauer Infrastruktur für soziale Teilhabe, gutes Zusammenleben und Umweltgerechtigkeit. Grün-blau statt grau: Betrachtet die Nutzung von Flächenpotentialen – von Schulhöfen bis zu Straßenräumen - die für grün-blaue Infrastruktur mobilisiert werden können. Grün-blau kompetent: befasst sich mit Querschnittsthemen wie Daten, Digitalisierung und Planungsinstrumenten und soll bis zum Herbst bearbeitet werden. Grünflächen werden hier in verschiedenen Kontexten wie Hitzevorsorge und Kühlung, Starkregenvorsorge, Bodenwasserhaushalt sowie Gesundheit und Wohlergehen und soziale Interaktion und Umweltgerechtigkeit als multifunktionale Räume betrachtet. In den einzelnen Fokusthemen werden konkrete Maßnahmen benannt. Mit Blick auf den Boden bzw. die Nutzung der Flächen in den Städten zeigt das Fokusthema 4 „Grün-blau statt grau – Raumpotenziale neu gewinnen und vernetzen“ konkrete Aktivitäten der Entsiegelung von Böden auf. So sollen im Zuge der Mobilitäts- und Wärmewende zugleich Entsiegelung, Begrünung und Regenwasserbewirtschaftung im Straßenraum gezielt und effizient umgesetzt werden. Dreifache Innenentwicklung und Flächengerechtigkeit sollen Realität werden. Auch die Entsiegelung von Böden auf halböffentlichen und privaten Flächen soll vorangebracht werden. Als wichtige Referenzprojekte der Entsiegelung werden der bundesweite Wettbewerb „Abpflastern“, der Wettbewerb „Tegelwippen“ in den Niederlanden oder die Schweizer Entsiegelungsinitiative „Asphaltknackerinnen“ genannt. Die Agenda knüpft an das "Weißbuch Stadtgrün" des Bundes aus dem Jahr 2017 an, die darauf abzielte, urbanes Grün als gleichwertige, unverzichtbare Infrastruktur in die Stadtentwicklung zu integrieren sowie die Lebensqualität, Gesundheit und den Klimaschutz durch den Erhalt und Ausbau von Grünflächen zu sichern. Agenda Stadt grün-blau Deutschlandweiter Wettbewerb „Abpflastern“ Wettbewerb „Tegelwippen“ in den Niederlanden Projekt „Asphaltknackerinnen“ in der Schweiz Weißbuch Stadtgrün „Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft“

Tag der Städtebauförderung

Bundesweit sind wieder alle Städte und Gemeinden eingeladen, beim Tag der Städtebauförderung mitzumachen. Die Städtebauförderung ist eines der wichtigsten Instrumente der Stadtentwicklung – für starke Quartiere, ein attraktives Lebensumfeld und ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft. 2025 wurde der Tag der Städtebauförderung unter dem Motto "Lebendige Orte, starke Gemeinschaften"  in mehr als 600 Kommunen mit rund 700 Veranstaltungen gefeiert. www.tag-der-staedtebaufoerderung.de

Modellvorhaben der Raumordnung mit sieben Regionen

Im Modellvorhaben der Raumordnung „Regionale Steuerung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung“ (MORO Fläche) wurden Maßnahmen und Reformpfade des Flächensparens und der Standortsteuerung erarbeitet. Sieben Modellvorhaben erprobten kooperative, praxisnahe Werkzeuge zur Wohn- und Gewerbeflächenentwicklung. Das Projekt MORO Fläche (Modellvorhaben der Raumordnung – Regionale Steuerung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung) macht sichtbar, wie Regionen in Deutschland Flächenansprüche nachhaltig, kooperativ und koordiniert steuern können. Ausgangspunkt ist die Herausforderung der Regionalplanung, verstärkte Flächenansprüche – etwa durch Digitalisierung, erneuerbare Energien und hohe Nachfrage nach Wohnraum – mit einer nachhaltigen und flächensparenden Siedlungsentwicklung in Einklang zu bringen. Kern des MORO bilden sieben regionale Modellvorhaben in der Region Bremen, der Metropolregion Hamburg, der Werra-Wartburgregion, im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, in der Region Südlicher Oberrhein, der Metropolregion Rhein-Neckar und im Landkreis Kassel. Diese waren aufgerufen, primär informelle, freiwillige Formen der siedlungspolitischen Zusammenarbeit zu nutzen. Die Bandbreite der in den Regionen verfolgten Lösungsansätze reicht von der Innenentwicklung und Nachverdichtung über die flächeneffiziente Wohnbaulandentwicklung und Steuerung von Gewerbe und Logistik an geeigneten Standorten bis zur Gründung regionaler Organisationsstrukturen für die Unterstützung der kommunalen Ebene bei flächenrelevanten Aufgaben. Die erprobten Lösungsansätze, die auf eine verbesserte regionale Steuerung der Siedlungsentwicklung zielen, lassen sich vier zentralen Interventionsmodi zuordnen: Aufbau gemeinsamer Datengrundlagen, Entwicklung gemeinsamer Zielsetzungen, Unterlegung des Handlungsbedarfs mit Handlungswissen, Aufbau von Organisationsstrukturen zur Stärkung der Handlungsfähigkeit. Ergänzend zu den Modellvorhaben liefert das Projekt sechs wissenschaftliche Expertisen zu aktuellen Themen wie dem zunehmendem Fachkräftemangel und der eingeschränkten Handlungsfähigkeit kleinerer Städte und Gemeinden, positivplanerischen Festlegungen zur Begrenzung der Wohnsiedlungsentwicklung in der Regionalplanung oder internationalen Steuerungsansätze wie dem Schweizer Agglomerationsprogramm. Diese Studien geben tiefere Einblicke aus Befragungen und Expertengesprächen wieder und schaffen Orientierung für Planungsakteure aus Praxis und Wissenschaft. Abschließend werden projektübergreifend drei Reformpfade mit konkreten Empfehlungen zu folgenden Punkten abgeleitet: bessere Verzahnung und Innovationen in der Regionalplanung und Regionalentwicklung, Stärkung der kommunalen und regionalen Handlungsressourcen für die Siedlungsentwicklung, Veränderung von fiskalischen Anreiz- (und Sanktions-)mechanismen. Darüber hinaus wurden im MORO Fläche ein Werkzeugkasten mit Bedienungsanleitungen, Praxistipps sowie Kernbotschaften und Statements der Modellvorhaben erarbeitet. Die gesammelten Ergebnisse zeigen: das kommunale Handeln im Rahmen der Bauleitplanung und interkommunalen Kooperationen sind die zentralen Fundamente für die regionale Steuerung der Siedlungsentwicklung. Eine wirksame Steuerung der Siedlungsentwicklung entsteht dort, wo Regionen gemeinsam Ziele definieren, Instrumente teilen und institutionelle Strukturen interkommunal verankern – über einzelne Kommune hinaus und im Dialog mit regionaler Planung und Politik. Unstrittig ist zugleich, dass eine deutlich verbesserte Steuerung der Siedlungsentwicklung die Grenzen der freiwilligen Zusammenarbeit überschreiten muss. Projekt-Website des „MORO - Regionale Steuerung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung“ mit Informationen zu den regionalen Modellvorhaben, Expertisen, Werkzeugkasten, Film und weiteren Veröffentlichungen: moro-flaeche.de

Auf dem Weg zu Netto Null

Nachdem zur Jahrtausendwende eine tägliche Flächenneuinanspruchnahme von etwa 120 Hektar zu verzeichnen war, lag der Wert für den täglichen Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) in Deutschland im vierjährigen Mittel der Jahre 2021 bis 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich bei etwa 50 Hektar. Obgleich eine deutliche Reduzierung erreicht wurde, liegt die Flächenneuinanspruchnahme aktuell noch weit über den Zielwerten für 2030 bzw. 2050. Die Debatte um Flächensparziele und die notwendigen Flächenspar-Aktivitäten zu deren Erreichung wurde in Deutschland maßgeblich durch das „30-ha-Ziel“ (Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar am Tag bis zum Jahr 2020) ausgelöst, das im Jahr 2002 in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgeschrieben wurde. Mit der Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2016 wurde das Ziel angepasst und lautet „durchschnittlich unter 30 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030“. Ergänzt wurde dieser etablierte Kernindikator durch die Indikatoren „Freiraumverlust“ (in m²/je Einwohner) und „Siedlungsdichte“ (Einwohner je Siedlungs- und Verkehrsfläche). Damit erhielt neben der Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme die Effizienz der Flächennutzung ein größeres Gewicht, zugleich wurde die Bedeutung des Freiraumschutzes untermauert. Das „Erreichen von Netto-Null Flächenverbrauch“ bis 2050 wurde erstmals im Jahr 2011 im „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ formuliert. Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung (2016) sieht die Bundesregierung vor, den Flächenverbrauch durch einen Übergang zur Flächenkreislaufwirtschaft bis spätestens 2050 weiter zu reduzieren. In Übereinstimmung mit dem „Fahrplan für ein ressourceneffizientes Europa“ der Europäischen Union ist vorgesehen, den Flächenverbrauch bis dahin auf Netto Null zu senken. Mit der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2021 wurde das Ziel aufgenommen, bis zum Jahr 2050 eine Flächenkreislaufwirtschaft zu erreichen, so dass „netto keine weiteren Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke beansprucht werden“. Verschiedene Bundesländer haben die bundespolitischen Flächenziele zum Anlass genommen, eigene quantitative Flächensparziele in Strategien, Koalitionsvereinbarungen oder als Grundsatz der Landesplanung zu verankern. Bislang sind flächenpolitische Mengenziele von Seiten des Bundes und der Länder noch nicht als verbindliche Richtschnur für eine nachhaltige Siedlungspolitik operationalisiert worden. Die Bundesregierung: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Weiterentwicklung 2021 Die Bundesregierung: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016 Die Bundesregierung: Nationale Strategie für eine nachhaltige Entwicklung , 2002 Die Bundesregierung: Klimaschutzplan 2050 (2016) Europäische Kommission: Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa , 2011 Statistisches Bundesamt: Siedlungs- und Verkehrsfläche wächst jeden Tag um 50 Hektar , Zahl der Woche Nr. 03 vom 13. Januar 2026

IÖR-Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung

Als Analysewerkzeug ermöglichte der Monitor des Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) die detaillierte, kleinräumige und indikatorenbasierte Einschätzung der Flächennutzungsentwicklung in den deutschen Städten und Gemeinden: mit Karten, Tabellen und statistischen Auswertungen. Flächenverbrauch, Landschaftszerschneidung, Bodenversiegelung oder Flächen für Freiflächenphotovoltaikanalgen sind einige der vielen Themen, die mit dem IÖR-Monitor abgebildet werden. Der IÖR-Monitor ist eine Forschungsdateninfrastruktur, die deutschlandweit die Struktur und Entwicklung der Flächennutzung auf Basis verschiedener Indikatoren hochauflösend in Form von Karten darstellt. Der IÖR-Monitor basiert auf einer kombinierten Geoprozessierung amtlicher topographischer Basis-, Gebäude-, Geofach- mit Statistikdaten und liefert eine deutschlandweite Ergebnisvisualisierung in allen administrativen Gebietseinheiten bis zu Gemeinden, Stadtteilen und in Rastern bis 100 m Rasterweite. Mit der Verknüpfung von Geometrie- und Statistikdaten leistet er indikatorenbezogene Berechnungen zu Siedlung, Freiraum, Verkehr, Bevölkerung, Natur und Landschaft. Der IÖR-Monitor erlaubt die Darstellung einer Vielzahl von Indikatoren in den Indikatorenkategorien Siedlung, Verkehr, Freiraum, Nachhaltigkeit, Stadtgrün, Bevölkerungsbezug, Gebäude, Zersiedelung, Landschafts- und Naturschutz, Landschaftsqualität, Ökosystemleistungen, Risiko, Energie und Relief. Er liefert kleinräumige Daten unter anderem zu Flächenverbrauch, Landschaftszerschneidung, Bodenversiegelung und Ökosystemleistungen für ganz Deutschland und dient als Forschungsinfrastruktur zur Messung der Flächenhaushaltspolitik. Das Werkzeug bietet die Grundlagen für raumwissenschaftliche Analysen, Datengrundlagen für die Bewertung der Siedlungs- und Freiraumstruktur von Städten und Gemeinden sowie deren Entwicklung, räumliche Verteilungsmuster und Disparitäten. Mit Karten, Tabellen, Graphen und Trendfortschreibungen ermöglicht der IÖR-Monitor Struktur- und Entwicklungsvergleiche. Damit ermöglicht er es den Anwender:innen, problematische Entwicklungen der Flächennutzung zu erkennen und themenspezifisch aufzubereiten. Damit ist er ein wichtiges Werkzeug zur Beobachtung der Siedlungs- und Freiraumentwicklung, das detaillierte Daten zur Unterstützung der Umwelt- und Raumentwicklungspolitik liefert. Der IÖR-Monitor stellt seit 2008 bundesweite Indikatoren zur quantitativen und qualitativen Charakterisierung der Flächennutzungsstruktur bereit. Er wird laufend weiterentwickelt. Die in dem Werkzeug erarbeiteten Analyseverfahren auf Grundlage von topographischen Geobasisdaten sind auf andere Länder transformierbar und haben damit auch im Kontext europäischer Forschungsprogramme bzw. Initiativen wie INSPIRE und GMES hohe Bedeutung. Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor) Flyer zum IÖR-Monitor

Weniger als 30 Hektar Flächenverbrauch pro Tag

Flächenpolitische Ziele zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke sind schon seit über 20 Jahren Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Seither wurden in verschiedenen Forschungs- bzw. Modellvorhaben Vorgehensweisen und Instrumente untersucht, wie eine deutliche Reduzierung der täglichen Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke auf 30 Hektar pro Tag bis 2020 bzw. auf weniger als 30 Hektar pro Tag bis 2030 erreicht werden kann. Trotz der zahlreichen Aktivitäten in Politik, Forschung und Praxis verharrt die Flächenneuinanspruchnahme noch immer auf einem Niveau weit oberhalb von 30 Hektar täglich. Daher bedarf es weitergehender Anstrengungen, um das Flächensparziel zu erreichen. In den Jahren 2014 bis 2017 wurden im Rahmen des durch das Umweltbundesamt (UBA) geförderten Forschungsvorhabens „Aktionsplan Flächensparen“ institutionelle und instrumentelle Handlungsoptionen von Bund, Ländern und Kommunen für das Flächensparen aufbereitet. Dargestellt wurde, welche Maßnahmen in der Gesetzgebung, im Verwaltungsvollzug und im Bereich privater Akteure wirksam dazu beitragen könnten, die Flächenneuinanspruchnahme deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse wurden in einem im Jahr 2028 veröffentlichten Aktionsplan Flächensparen gebündelt. Um die komplexen Anforderungen in der Kombination von Reduzierung der Flächenneuausweisung, verstärkter Innenentwicklung und mehr Effizienz in der Flächennutzung zu erfüllen, bedarf es vor Ort einer Kombination von Instrumenten der Planung und der Kooperation, im Bereich der Steuern, der Förderung und finanzieller Anreize sowie der Information und Kommunikation. Erforderlich hierfür ist ein Handlungsrahmen für konsistentes und abgestimmtes Vorgehen der wichtigsten Akteure in Bund, Ländern und Kommunen, so eine zentrale Erkenntnis des Aktionsplans. Der Aktionsplan Flächensparen bündelt im Kern Empfehlungen in den drei Aktionsfeldern „Kontingentierung einführen!“, „Innenentwicklung stärken!“ und „Fehlanreize abbauen!“. Aktionsfeld „Kontingentierung einführen!“ Im Mittelpunkt steht die Operationalisierung der flächenpolitischen Ziele und deren Übersetzung in Maßnahmen und Prozesse, in erster Linie seitens Bund und Ländern. Empfohlen wird ein Kontingentierungssystem, das verbindlich bis in die kommunale Bauleitplanung wirkt. Bund und Länder sollten in einen Dialog treten, um nach einem als gerecht empfundenen Schlüssel das Flächenkontingent (weniger als 30 Hektar pro Tag im Jahr 2030) auf die Länder zu verteilen. Hierfür bieten sich sowohl der Handel mit Flächenzertifikaten (umweltökonomischer Ansatz) als auch die Raumordnung (regulatorischer Ansatz) an. Aktionsfeld „Innenentwicklung stärken!“ Hier geht es darum, die zahlreichen vorhandenen Instrumente konsequent entlang von Minderungszielen einzusetzen und - wo notwendig - zielgerichtet weiterzuentwickeln und zu ergänzen. Dabei sind vor allem ökonomisch wirksame Anreize und Förderkulissen neu zu justieren. Zudem sollten Nachsteuerungen bei rechtlichen Rahmen geprüft werden, um zum Beispiel den Zwischenerwerb von Kommunen im Innenbereich von der Grunderwerbsteuer zu befreien. Auch die inzwischen in Ansätzen vollzogene Weiterentwicklung der Grundsteuer B in Richtung einer Bodenwertsteuer zählte zu den Empfehlungen. Weiterhin müssten grundlegende Mobilisierungshemmnisse durch geeignete Anreize, vor allem veränderte rechtliche und fiskalische Rahmenbedingungen der Kommunen, überwunden werden. Gemeinden sollen leichter auf Bestandsflächen zugreifen können, um mit Bauland auf der „grünen Wiese“ konkurrieren zu können. Hierfür sollten das notwendige Personal und Finanzen bereitgestellt werden, um Mobilisierungsmaßnahmen wie Eigentümeransprache, Überplanung, Zwischenerwerb, Vermarktung und Baureifmachung von bebauten bzw. unbebauten Bestandsimmobilien zu ermöglichen. Vorhandene Finanzierungsengpässe könnten durch die verstärkte Bereitstellung von Mitteln der Städtebauförderung oder zum Beispiel auch durch revolvierende Fonds für Grundstücksankäufe überwunden werden. Als Dreh- und Angelpunkt für die Mobilisierung von Innenentwicklungspotenzialen wird eine aktive Liegenschaftspolitik der Kommunen genannt. Bund und Länder sollten diese Kommunen deshalb bei der (Neu-)Initiierung einer solchen aktiven Liegenschaftspolitik unterstützen, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Anschubfinanzierungen für die Einrichtung kommunaler Liegenschaftsfonds, aber auch durch direkte Förderung des Grunderwerbs im Zusammenhang mit Maßnahmen des Stadtumbaus. Aktionsfeld „Fehlanreize abbauen!“ In diesem Aktionsfeld wird Bund und Ländern empfohlen, ökonomische Fehlanreize abzubauen. Insgesamt sollten alle relevanten Förderprogramme systematisch auf ihre Vereinbarkeit mit flächenpolitischen Zielstellungen überprüft und Fehlanreize abgebaut werden. Neben einem grundsätzlichen Umdenken der Strukturpolitik – in Verbindung mit einem entsprechenden Einsatz von Fördermitteln – wird die Entwicklung und Diskussion von Visionen und Konzepten für qualitatives Wachstum im Schrumpfungsprozess für notwendig erachtet. Im Kontext gesellschaftlicher Debatten über nachhaltige Siedlungsentwicklung unter den Vorzeichen des demografischen Wandels sollte Flächenpolitik als ein integriertes Handlungsfeld verstanden werden. Die Widerstände auf allen Ebenen gegen das Flächensparen könnten dabei nur überwunden werden, wenn es gelingt, die Debatte in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Eine konsequente Innenentwicklung und kompakte Siedlungsstrukturen sind nicht nur aus flächenpolitischen Gründen notwendig, sondern auch im Hinblick auf soziale, volkswirtschaftliche, baukulturelle, energetische und ökologische Ziele in einer Gesellschaft, die schrumpft und zudem bunter und älter wird. Letztendlich ginge es um die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden. An die zentralen Inhalte des Aktionsplans Flächensparen knüpfte schließlich der vom Umweltbundesamt initiierte Bund-Länder-Dialog zum Flächensparen in den Jahren 2019 bis 2024 an. Der Aktionsplan Flächensparen wurde im Jahr 2018 vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht Dokumentation des Bund-Länder-Dialogs zum Flächensparen in den Jahren 2019 bis 2024

Abpflastern!

Die Metropole Hamburg mit über 1,8 Mo Einwohner:innen nimmt mit ihren Wohngebieten, Straßen, Wegen und Plätzen sowie Gewerbe- und Industrieflächen umfangreiche Flächen in Anspruch. Im Jahr 2020 waren 31 Prozent des gesamten Stadtgebiets versiegelt. Um die Stadt resilient, klimaanagepasst und mit mehr Grün zu entwickeln, sollen in der Stadt unter anderem Böden entsiegelt werden Der Hamburger Wettbewerb „Abpflastern“, der von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) erstmals 2025 organisiert wurde, richtet sich an Privatpersonen, Unternehmen, Initiativen oder Vereine. Ziel ist es, so viele Flächen wie möglich zu entsiegeln. Beton oder Asphaltflächen sollen entfernt und anschließend begrünt werden, um die Versickerung von Regenwasser zu fördern und das Stadtklima zu verbessern. Im Blick sind dabei öffentliche, halböffentliche und private Flächen wie etwa Schulhöfe, Terrassen, Einfahrten oder Gehwege. Im Rahmen des Wettbewerbs werden drei Preise verliehen: Der Bezirk mit der meisten entsiegelten Fläche erhält den „Goldenen Spaten“. Der Stadtteil mit der meisten entsiegelten Fläche wird mit der „Goldenen Gießkanne“ ausgezeichnet. Die „Goldene Harke“ geht an die Privatperson sowie das Unternehmen, welche die größte Fläche entsiegelt haben. Der Abpflastern-Wettbewerb wird getragen und unterstützt durch eine Vielzahl an Akteur:innen aus Hamburgs Wissenschaft und Zivilgesellschaft wie der Loki-Schmidt-Stiftung, dem BUND Hamburg, dem NABU Hamburg, Hamburg Wasser, der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg, dem Naturgarten e.V. Regionalgruppe Hamburg, der Zukunftswerkstatt Lokstedt, dem City Science Lab und dem Blue-Green Infrastructure Lab der HafenCity Universität Hamburg, dem  Code for Hamburg e.V. und dem lokalkraft e.V. Hamburg. Pate für den Hamburger Wettbewerb hat der bundesweite Wettbewerb „Abpflastern“, initiiert von der der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz (HFGG), gestanden. Dieser fand im Jahr 2025 erstmals in Deutschland statt. Städte und Gemeinden treten hier in einem freundschaftlichen Wettbewerb um die meisten Flächen an, die die Anwohner:innen und Kommunen entsiegeln. Die Anregung für „Abpflastern“ wiederum kam vom “Tegelwippen-Wettbewerb”in den Niederlanden, wo seit 2020 und inzwischen in fast 200 Städten Gemeinden und Privatpersonen Böden entsiegeln. In Hamburg wurden bis Oktober 2025 im Rahmen des Wettbewerbs etwa 1.300 m 2 Böden entsiegelt, davon 150 m 2 auf privaten Flächen. Etwa 1.000 m 2 wurden allein durch Schulbau Hamburg auf verschiedenen Schulhöfen entsiegelt. Die entsiegelten Flächen werden, nachdem Pflaster, Beton oder Asphalt beseitigt sind, durch die Zuständigen bepflanzt und gepflegt. Über den Wettbewerb hinaus hat die Freie und Hansestadt Hamburg das RISA-Förderprogramm aufgelegt, in dessen Rahmen Eigentümer:innen von Wohn- und Nichtwohngebäuden Fördermittel für den Aufbruch von versiegelten Flächen in Verbindung mit der Herstellung von einem durchlässigen versickerungsfähigen Bodenaufbau erhalten können. Abpflastern! Hamburger Wettbewerb zum Entsiegeln und Begrünen Versiegelungsmonitoring Hamburg, Abschlussbericht 2024 Beteiligungsplattform RISA-Förderprogramm zur Entsiegelung auf privaten Grundstücken , Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) Abpflastern! Hamburger Wettbewerb zum Entsiegeln und Begrünen Abpflastern, deutschlandweiter Wettbewerb Tegelwippen, Entsiegelungswettbewerb Niederlande

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