Seit Jahren wird die Gemeinsame Agrarpolitik dafür kritisiert, dass sie die Umweltprobleme nicht ausreichend adressiert und ihre selbsternannten Ziele nicht erreicht. Zur Verbesserung hat die EU-Kommission in der jüngsten Reform einen indikatorenbasierten Politikbewertungsrahmen vorgeschlagen. Der Agrar- und Ernährungssektor ist ein komplexes System mit vielfältigen Trade-offs (Komplementaritäten, Substituten, Synergien) zwischen Produktion, ökologischer Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Anforderungen. Daher muss jeder Bewertungsrahmen diese Trade-offs berücksichtigen. Vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Standes wird die folgende Hypothese für das Forschungsprojekt abgeleitet: Eine indikatorenbasierte Politikbewertung reicht nicht aus, um die nachhaltige Entwicklung des Agrar- und Ernährungssektors zu steuern, wenn Trade-offs zwischen der Produktion und der Bereitstellung von Nahrungsmitteln, biobasierten Produkten und öffentlichen Gütern bestehen. Folglich muss die indikatorenbasierte Politikbewertung erweitert werden, damit die Trade-offs berücksichtigt werden. Das vorgeschlagene Projekt adressiert diese Forschungslücke. Das Forschungsziel des Projekts ist es, eine indikatorenbasierte Politikbewertung mit einem theoriekonsistenten produktionsökonomischen Ansatz zu kombinieren, um gemeinsam Situation und Veränderungen in der Produktion und Bereitstellung von Nahrungsmitteln, biobasierten Produkten und öffentlichen Gütern in einem vergleichbaren Ansatz über die EU-Regionen hinweg und im Zeitverlauf zu bewerten. Dazu wird erstens in einem theoriekonsistenten Rahmen die Systematisierung von Trade-offs vorgenommen; zweitens werden Verknüpfungen zwischen Indikatoren, Veränderungen im Zeitverlauf und Vergleiche zwischen den Regionen mit dem Ziel analysiert, die Anzahl der Indikatoren zu verdichten und potenziell übergreifende "Dachindikatoren“ zu identifizieren; und drittens werden regionale Produktionsmöglichkeitsgrenzen ökonometrisch geschätzt, um Opportunitätskosten über Regionen und Zeit hinweg zu bewerten. Das Projekt ist innovativ, da es einen bestehenden theoriekonsistenten Ansatz auf den Kontext der Produktion und Bereitstellung von Nahrungsmitteln, biobasierten Produkten und öffentlichen Gütern erweitert, da es das Konzept der "Dachindikatoren" von den Ökowissenschaften auf den Bereich der Agrarpolitik überträgt und da es eine monetäre Schätzung der Opportunitätskosten liefert, die die Trade-offs aufzeigt, die in der aktuellen Agrarpolitik bestehen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts (theoretische Systematisierung von Trade-offs, Dachindikatoren, Opportunitätskosten) können genutzt werden, um Entscheidungsträger über diese Nachhaltigkeitskompromisse zu informieren und können somit zur Faktenbasis für Entscheidungen über den zukünftigen Weg des EU-Agrar- und Ernährungssektors beitragen. Die Informationen über regionale Opportunitätskosten können ein wertvoller Input für die modellbasierte Politikfolgenabschätzung sein.
Die Theorie der privaten Bereitstellung öffentlicher Güter wirft im Rahmen der internationalen Umweltökonomie die höchst bedeutsame Fragen nach der Stabilität von Koalitionen auf. Ferner wird in der Föderalismustheorie die Fragen der politischen Integration von Staaten erörtert. Beide gehören inhaltlich zwar eng zusammen, werden bislang aber eher getrennt behandelt. Bei der Analyse der internationalen Kooperation zur Bewältigung grenzüberschreitender Umweltprobleme erweist sich diese weitgehende Trennung als höchst nachteilig. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll deshalb aufbauend auf Modellen der Theorie öffentlicher Güter die Frage nach der Notwendigkeit und den Chancen einer Schaffung von Institutionen erörtert, deren Aufgabe die Bereitstellung internationaler öffentlicher Güter sein soll. Dabei sollen Aspekte der ökonomischen Theorie der Politik besondere Beachtung finden.
Probleme des Trittbrettfahrerverhaltens bei der Bereitstellung öffentlicher Güter werden unter besonderer Berücksichtigung globaler Umweltprobleme analysiert. Das Vorhaben umfasst sowohl Beiträge zur spieltheoretischen Grundlagenforschung als auch die ökonomische Evaluation von internationalen Umweltvereinbarungen, z.B. des Kyoto-Abkommens.
Die Landwirtschaft erbringt verschiedenste Funktionen bzw. Leistungen, die weit über die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Fläche und die Produktion von Lebensmitteln hinausgehen. Zusätzlich zur reinen Agrarproduktion bzw. Produktion marktfähiger Güter produzieren landwirtschaftliche Betriebe eine Reihe von Produkten und Dienstleistungen (sogenannte non-commodity outputs bzw. Nicht-Marktgüter), die unterschiedliche Elemente der 'Multifunktionalität' in der Landwirtschaft darstellen (OECD, 2001). Diese vielfältigen Produkte und Dienstleistungen haben oft die Eigenschaften öffentlicher Güter. Um den gesellschaftlichen Wert, der mit den unterschiedlichen Funktionen bzw. Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe verbunden ist, einschätzen zu können, kann die Multifunktionalität im Kontext von (positiven und negativen) externen Effekten betrachtet werden. Als Nebenprodukte oder Wirkungen der landwirtschaftlichen Produktion bzw. der Tätigkeiten landwirtschaftlicher Betriebe sind diese externen Effekte gesellschaftlich relevant.
Im Laufe der Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wurde dem Umstand der non-commodity outputs bzw. positiven und negativen externen Effekten der Landwirtschaft zunehmend Rechnung getragen, insbesondere im Rahmen der Programme zur Ländlichen Entwicklung. Im Zuge dessen werden auch bestimmte überbetriebliche Leistungen und Funktionen landwirtschaftlicher Betriebe (z.B. Landschaftspflege, umweltrelevante Aktivitäten, ökologische oder infrastrukturelle Funktionen etc.) als Wert für die Gesellschaft anerkannt. Damit bei der weiteren Ausgestaltung von Instrumenten und Maßnahmen der GAP überbetriebliche Leistungen und Funktionen landwirtschaftlicher Betriebe miteinbezogen werden können, sind diese Leistungen und Funktionen zu erfassen sowie ihr gesellschaftlicher Wert zu ermitteln.
Ziel des Forschungsprojektes, das von der Technischen Universität München koordiniert wird, ist eine umfassende Analyse der Funktionen und Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe bzw. ihrer positiven und negativen externen Effekte sowie eine Quantifizierung des gesellschaftlichen Wertes von Aspekten der Landwirtschaft. Jene Leistungen der Betriebe für die Gesellschaft, die über die reine landwirtschaftliche Produktion hinausgehen, sind zu bestimmen und zu bewerten.
Im Rahmen des Projektes werden Literaturstudien erarbeitet und empirische Untersuchungen durchgeführt. Laut Technischer Universität München sollen bei der empirischen Analyse die kausalen Effekte der Landwirtschaft und die gesellschaftliche Bewertung dieser Effekte in einer integrierten Weise ermittelt werden. Die Quantifizierung des gesellschaftlichen Wertes von Aspekten der Landwirtschaft soll für bestimmte Regionen erfolgen (geplant sind Bayern, Österreich, Südtirol, Norwegen). Dafür werden Befragungen in den Regionen sowie die Erarbeitung eines entsprechenden Datenpools durchgeführt. (Text gekürzt)
Um strukturelle Veränderungen und die Bereitstellung öffentlicher Güter an der Schnittstelle zwischen ländlichen und städtischen Gebieten unter sich dynamisch verändernden Rahmenbedingungen zu verstehen, beabsichtigen wir soziale und ökologische Präferenzen, individuelle Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen, sowie deren Zusammenhang mit der Bereitstellung öffentlicher Güter zu analysieren. Im Speziellen verfolgt das Projekt vier Zielsetzungen: Erstens analysieren wir die Faktoren, die die individuellen sozialen, ökologischen sowie Risiko- und Zeitpräferenzen und deren Entwicklung an der Schnittstelle von ländlichen und städtischen Gebieten beeinflussen. Zweitens untersuchen wir Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen von Haushalten entlang des rural-urbanen Gradienten. Insbesondere werden wir überprüfen, ob die klassische Investitionstheorie oder der Real-Options-Ansatz besser geeignet ist, um Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen zu prognostizieren. Drittens kombinieren wir Daten um zu analysieren, inwieweit individuelles Investitions- und Desinvestitionsverhalten durch individuelle Charakteristika und Präferenzen sowie durch veränderte Rahmenbedingungen aufgrund von Verstädterung erklärt werden kann. Viertens untersuchen wir den Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Charakteristika und Präferenzen und der Bereitstellung öffentlicher Umweltgüter.Um die zuvor genannten Forschungsziele zu adressieren, erheben wir in Zusammenarbeit mit C05 Daten von 1.200 Haushalten entlang zwei rural-urbaner Transsekte in Bangalore. Damit wird der generelle Stichprobenrahmen für andere Projekte innerhalb der FOR 2432 festgelegt, die dann mit Teilstichproben der befragten Haushalte arbeiten (B01, B02, B03, A03) oder auf aus der Stichprobe ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben Untersuchungen durchführen (A01, A02, C01). Zur Datenerhebung wird ein standardisierter Fragebogen eingesetzt um sozioökonomische Haushaltscharakteristika, soziale und ökologische Präferenzen und die Lebenszufriedenheit zu ermitteln. Mittels in die Befragung integrierter Experimente werden Vertrauen, Risiko- und Zeitpräferenzen eruiert. Des Weiteren werden wir diskrete Entscheidungsexperimente einsetzen um ökologische Präferenzen bezüglich verschiedener ökosystemarer Dienstleistungen zu erheben, welche in Zusammenarbeit mit B01 identifiziert werden. Außerdem werden wir eine detaillierte Aufstellung der öffentlichen Güter erstellen, welche in jedem der in der sozioökonomischen Haushaltsbefragung erfassten Wohnvierteln bereitgestellt werden. Schließlich wird ein Verhaltensexperiment mit einer Teilstichprobe von 600 Haushalten durchgeführt, um die Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen sowie die Beiträge zu öffentlichen Gütern zu untersuchen.