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Umweltrisiken und -auswirkungen in globalen Lieferketten deutscher Unternehmen - Branchenstudie Bausektor

Die vorliegende Studie bietet Unternehmen des deutschen Bausektors und deren ⁠ Stakeholder ⁠ eine Orientierung zu bedeutenden Umweltauswirkungen entlang der Lieferketten. Sie soll Unternehmen bei der Umsetzung umweltbezogener Sorgfaltspflichten und des Umweltmanagements in global verzweigten Lieferketten unterstützen. Die Studie enthält eine modellbasierte Analyse der Lieferketten des Bau- und Ausbaugewerbes für die Umweltthemen Treibhausgase, Luftschadstoffe, Fläche, Wasser, wassergefährdende Stoffe und Abfälle. Vertieft betrachtet werden die Rohstoffe bzw. Vorprodukte Eisenerz und Stahl, Naturstein und Bauholz. Auf Grundlage der Analyseergebnisse formulieren die Autoren*Autorinnen Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen. Veröffentlicht in Texte | 141/2024.

Umweltrisiken und -auswirkungen in globalen Lieferketten deutscher Unternehmen - Branchenstudie Bausektor

Die vorliegende Studie bietet Unternehmen des deutschen Bausektors und deren Stakeholder eine Orientierung zu bedeutenden Umweltauswirkungen entlang der Lieferketten. Sie soll Unternehmen bei der Umsetzung umweltbezogener Sorgfaltspflichten und des Umweltmanagements in global verzweigten Lieferketten unterstützen.Die Studie enthält eine modellbasierte Analyse der Lieferketten des Bau- und Ausbaugewerbes für die Umweltthemen Treibhausgase, Luftschadstoffe, Fläche, Wasser, wassergefährdende Stoffe und Abfälle. Vertieft betrachtet werden die Rohstoffe bzw. Vorprodukte Eisenerz und Stahl, Naturstein und Bauholz.Auf Grundlage der Analyseergebnisse formulieren die Autoren*Autorinnen Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen.

LSG Lindhorst - Ramstedter Forst

Gebietsbeschreibung Das LSG liegt am Südrand der Colbitzer Heide zwischen den Orten Colbitz im Norden und Wolmirstedt im Süden. Es erstreckt sich etwa 7 km in Ost-West-Richtung und 2 km in Nord-Süd-Richtung. Das Schutzgebiet gehört überwiegend zur Landschaftseinheit Altmarkheiden. Der östlichste Teil nördlich von Rogätz reicht bereits bis in das Tangergebiet. Die Landschaft ist flachwellig reliefiert und steigt von Süd nach Nord von etwa 50 m auf zirka 80 m über NN an. Der Dornberg im Osten ist mit 105 m über NN die höchste Erhebung, er markiert das östlichste Ende einer Endmoräne. Das Gebiet wird vor allem durch großflächige Forste geprägt. Wie in der gesamten Colbitz-Letzlinger Heide dominieren Kiefern, nur im östlichen Teil bei Ramstedt und Heinrichshorst sind auch großflächige Laubmischwälder vorhanden. Sie enthalten vor allem Eichen und Hainbuchen sowie bei Heinrichshorst Rot-Buchen. Im Quellgebiet einiger Fließgewässer, des Mühlengrabens bei Ramstedt und des Grenzgrabens östlich Heinrichshorst, stocken Feuchtwälder mit Eschen und Schwarz-Erlen. Die Landschaft um Colbitz wird von einer weiten, flachen Senke geprägt. Hier wie auch bei Mose und Samswegen dominieren weiträumige, relativ strukturarme Ackerflächen. Einen besonderen Blickfang für den auf der Bundesstraße vorbeifahrenden Betrachter bietet die bei Colbitz stehende Windmühle. Die Feldfluren des Tangergebietes bei Angern sind durch Feldgehölze und Baumreihen stärker gegliedert. Die sich aus dem Waldgebiet um Heinrichshorst nach Osten durch die Feldflur ziehenden Gräben werden durch Gehölzreihen in der Landschaft optisch betont. Grünlandnutzung prägt die Niederung des Hägebachtales zwischen Colbitz und Samswegen. Kleinere Grünlandflächen gibt es auch bei Angern. Das einzige größere Fließgewässer, der Hägebach, ist überwiegend naturfern ausgebaut. In seinem Oberlauf wurde er durch Einleitungen aus Colbitz sehr stark verschmutzt. Bei Samswegen ist die Bachaue durch Erlengehölze und Feuchtwiesen landschaftlich attraktiv gegliedert. Stillgewässer sind in Form kleinerer Abgrabungen vorhanden. Bei Ramstedt wird der Mühlgraben zu einem Teich gestaut. Innerhalb der Grenzen des Landschaftsschutzgebietes liegen nur die Orte und Weiler Lindhorst, Schricke, Ramstedt und Friedrichshöhe. Im Gebiet von Lindhorst befinden sich Bungalowsiedlungen innerhalb von Waldflächen. Ein optischer Störfaktor ist die an der Bundesstraße B 189 gelegene große Sandgrube. Genauso optisch störend wie auch ökologisch bedenklich ist die einen Quadratkilometer große und Dutzende von Metern hohe Kalihalde („Kalimandscharo“) des Kalisalzbergbaues Zielitz. Die Halde liegt nördlich Loitsche innerhalb der Grenzen des LSG. Vor allem von Süden, aber auch von Westen ist die Halde schon aus vielen Kilometern Entfernung sichtbar und hat mit zum Namen ”Zielitzer Schweiz” für diese Gegend beigetragen. Die salzhaltigen Emissionen haben zu einer starken Schädigung der umliegenden Wälder geführt. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Die ältesten Spuren des Menschen im LSG stellen in Rogätz und Loitsche gefundene Werkzeuge dar; sie sind 200 000 Jahre alt. Nachweise mittelsteinzeitlicher Fischer- und Sammler-Populationen fanden sich auf den Dünen bei Lindhorst und am Ufer des verlandeten Sees bei Mose. Die jungsteinzeitlichen Fundstellen verteilen sich um Colbitz und sind auch bei Lindhorst und nordöstlich von Samswegen dicht belegt. Andere Zentren befanden sich um Rogätz, Loitsche und Farsleben am Rande des LSG. Als älteste Ackerbauernkultur ist im LSG die Stichbandkeramik durch Funde bei Lindhorst nachgewiesen. Fundstellen bei Mose und Rogätz erbrachten Nachweise der Rössener Kultur. Die Mehrzahl der Fundstellen jedoch ist jünger und gehört der Schönfelderkultur an, die den späten Abschnitt der Jungsteinzeit repräsentiert. Eine beinahe lückenlose Abfolge der jungsteinzeitlichen Kulturen ist nur bei Samswegen belegt, wo beispielsweise für die Alttiefstichkeramikkultur eine ausgedehnte Siedlung mit einer Fläche von 400x500 m auf dem Haidberg nachgewiesen ist. Die heute von Wald bedeckten Gebiete zwischen Colbitz und Rogätz sowie zwischen Colbitz und Samswegen haben bislang fast keine Funde erbracht, doch dürfte dies primär darauf zurückzuführen sein, daß in Waldgebieten eine Landesaufnahme erschwert wird und sich im wesentlichen auf oberirdisch sichtbare Denkmale beschränkt.Während die Gegend um Samswegen bis in die Eisenzeit hinein dicht besiedelt blieb, ist für die Gegend um Colbitz erst jetzt eine Zunahme der Siedlungen erkennbar. Dies änderte sich in der römischen Kaiserzeit, für die die Fundstellen allgemein ausdünnen. Im 7. Jahrhundert griffen slawische Stämme auf das Gebiet westlich der Elbe über und nahmen auch die Gegend um Colbitz in Besitz. Ihr Gebiet wurde bereits am Ende des 8. Jahrhundert dem Frankenreich einverleibt, als die Elbe-Saale-Grenze restauriert und das Grenzland durch Burgbezirke gefestigt wurde. Mehrere wüste Siedlungen sind für das Mittelalter belegt, darunter auch eine Burganlage, Odenburg genannt. Im Bereich der Altmarkheiden kam es im Zuge der deutschen Ostkolonisation im Mittelalter zu einer intensiven Rodungsphase. Innerhalb der großflächigen Wälder entstanden Dörfer und Ackerflächen wachsender Ausdehnung. Im 14. Jahrhundert und später während des Dreißigjährigen Krieges wurden viele Ansiedlungen wieder wüst und ehemals ackerbaulich genutzte Flächen wurden aufgegeben. Die Wälder um Colbitz waren bis in das 19. Jahrhundert mit den Hütungsvorrechten der umliegenden Gemeinden belastet. Die Flächen wurden zur Waldweide genutzt, wie zahlreiche Hude-Eichen im Bereich des Dornberges bezeugen. Nach Ablösung dieser Vorrechte (Gerechtsame) im Laufe des vorigen Jahrhunderts erfolgte die Aufforstung fast ausschließlich mit Kiefer. Im westlichen Teil des LSG ist das Vorkommen der Linde seit dem Mittelalter bekannt und hat sicher auch zur Namensgebung des Ortes Lindhorst beigetragen. Der Schwerpunkt des Vorkommens der Linde liegt heute westlich des LSG im bekannten Naturschutzgebiet „Colbitzer Lindenwald“. Jedoch auch innerhalb der Grenzen des LSG existiert noch ein lindenreicher Mischwald, der heute als „Flächenhaftes Naturdenkmal“ geschützt ist. Von der Aufforstung mit Kiefer blieb der Colbitzer Lindenwald verschont. Er gehörte zum sogenannten perpetuellen Gehege, das sich die Erzbischöfe vom nahegelegen Magdeburg als Jagdgehege reserviert hatten. Hier war es für die Bevölkerung streng verboten, Vieh zu hüten, Gras zu schneiden und Laub als Einstreu für die Haustiere in den Stallungen zu rechen. Aus den Abschätzungswerken der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geht hervor, daß die Böttcher in den umliegenden Dörfern sowie die Schiffswerften in Tangermünde das Eichenholz aus der Colbitzer Gegend außerordentlich schätzten. Im Gegensatz zu den normalerweise auf feuchtem Untergrund gewachsenen Stiel-Eichen mit breiten Jahresringen und daher mit einem großen Anteil an hartem Spätholz, besitzt die Stiel-Eiche von den grundwasserfernen Standorten um Colbitz einen engen Jahresringaufbau mit gleichem Anteil an Früh- und Spätholz. Außer zur Gewinnung von Bauholz konnten die Eichen ebenso für Furnierholz verwendet werden. Von der Qualität her wurde die Colbitzer Eiche oft mit der gelobten Spessarteiche verglichen. Die dominierende Flächennutzung im LSG ist noch heute die Forstwirtschaft. Vor allem um Colbitz und Samswegen wird auf reicheren Böden intensiver Ackerbau betrieben. Bereits im 19. Jahrhundert wurde in Colbitz die Heidebrauerei gegründet, die das in der Region beliebte Heide-Pils und Heide-Bockbier produziert. Seit 1973 wird in Zielitz, unmittelbar an der Grenze des LSG, ein großes Kalisalzbergwerk betrieben. Die Abraumhalden wurden auch innerhalb der Grenzen des LSG angelegt und führten zu einer ökologischen Beeinträchtigung der Wälder. Die Halden, Fördertürme und -bänder sowie Gleisanlagen unmittelbar an der Grenze und auch innerhalb des LSG stören das Landschaftsbild erheblich. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Das LSG befindet sich am Südost-Rand der pleistozänen Hochfläche der Colbitz-Letzlinger Heide. Im Norden und Osten des LSG stehen überwiegend sandige Ablagerungen der Saale-Vereisung an der Oberfläche an, die zum Teil nur gering mächtig sind. Geschiebemergel der Saale-Vereisung ist nördlich Samswegen oberflächennah verbreitet. Eisrandlagen mit zugehörigen Endmoränenzügen queren das Gebiet von Nordwesten nach Südosten nördlich Wolmirstedt und nordwestlich Rogätz (Letzlinger, Paxförder und Schermen-Buckauer Randlage). Das Grundwasser aus dem Bereich der Colbitz-Letzlinger Heide fließt aufgrund veränderter hydrogeologischer Verhältnisse (geringe Mächtigkeit, verringerte Wasserwegsamkeit) am Rand der Hochfläche den Vorflutern zu (Quellgebiet der Bäche). In den Bachniederung sind humose Sedimente des Holozän, teilweise Niedermoor, abgelagert. Das LSG umfaßt zwei Bodenlandschaften: die Samswegener Platte und die Colbitz-Letzlinger Heide. Die Saalekaltzeit hat in diesem Gebiet sehr unterschiedliche Ablagerungen hinterlassen, zum Beispiel Geschiebemergel, Schmelzwassersande und -kiese und so weiter. In der darauffolgenden Eemwarmzeit fand eine tiefgreifende Verwitterung, Abtragung, Wiederablagerung und auch Talbildung statt, so daß ein Mosaik unterschiedlicher Substrate entstand. Während der nächsten Kaltzeit - der Weichselkaltzeit - lagerten sich in diesem Gebiet äolische Sedimente ab, im Gebiet der Colbitz-Letzlinger-Heide der Geschiebedecksand, Decklehm über Geschiebemergel auf der Samswegener Platte. Diese äolische Schicht ist zirka 50 cm mächtig. An ihrer Unterkante befindet sich eine sehr markante Steinsohle, in der auch die bekannten Windkanter zu finden sind. Es entstanden Mehrschichtböden wie Sand über Lehm, Decklehm über Lehm, Sand über Sand, Sand über Bändersand, Sand über Schluff, und je nach den Eigenschaften der Substrate Böden, die zur Staunässe neigen und in der Regel als Acker genutzt werden, sowie Böden, in deren Profil Sand über unterschiedlichen Sanden zu finden ist, die teilweise als Acker, meist aber als Waldstandorte genutzt werden. In den Senken gibt es Sand-Humusgleye bis Sand-Anmoorgleye - sandige, grundwasserbeherrschte, stark humose anmoorige Sandböden. Diese Böden werden in der Regel als Grünland genutzt, zum Teil durch Entwässerungsmaßnahmen verändert. Auf der Samswegener Platte findet sich statt des Geschiebedecksandes Sandlöß als oberste Schicht, so daß in diesem Gebiet Pseudogley-Tschernoseme entstanden sind. Die grobkörnigen Substrate der Heidehochflächen sind arm an Fließ- und Standgewässern. Das Niederschlagswasser versickert und tritt in den quelligen Randgebieten der Heide zutage. Im LSG entspringen der Hägebach bei Colbitz, der Wiepgraben bei Mose, der Wehrgraben bei Schricke und der Mühlengraben bei Ramstedt. Diese Bäche entwässern nach Süden zur Ohre. Im Osten des Gebietes entspringt der Grenzgraben, der zum Mahlwinkeler Tanger abfließt. Der Grundwasserspiegel liegt im LSG überwiegend in über 40 m Tiefe. Nur in den Niederungen liegt er in 2 bis 5 m und in Abschnitten der Hägebachniederung in weniger als 2 m Tiefe. Das Grundwasser der Colbitz-Letzlinger Heide stellt ein bedeutendes Trinkwasserreservoir dar. Westlich Colbitz wird das Wasser für die Trinkwasserversorgung Magdeburgs aus Tiefbrunnen entnommen. Das Wasserschutzgebiet dieser Brunnen erstreckt sich bis in den westlichen Teil des LSG. Das Landschaftsschutzgebiet befindet sich im Übergangsbereich vom subatlantisch getönten Klima der Altmarkheiden zum subkontinental geprägten Klima des mitteldeutschen Trockengebietes und des Elbetales. Während die Niederschläge im langjährigen Mittel in den Heiden etwa 560 mm betragen, sinken sie am Südrand auf etwa 500 mm ab (Wolmirstedt 501 mm). Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,5°C, die mittlere Julitemperatur 17,5°C. Pflanzen- und Tierwelt Die potentiell natürliche Vegetation des Gebietes würde in dem Übergangsgebiet von den subatlantisch getönten Altmarkheiden zu den klimatisch subkontinental beeinflußten Bereichen des Tangergebietes durch einen Übergang von reinen Rotbuchenwäldern zu den Traubeneichen-Hainbuchenwäldern des mitteldeutschen Trockengebietes geprägt. Der Flattergras-Buchenwald, dessen Krautschicht von mäßig anspruchsvollen Arten beherrscht wird, ist bei Heinrichshorst noch vorhanden. Binnendünenfelder bei Mose würden einen bodensauren Drahtschmielen-Buchenwald tragen. Auf den durch hoch anstehendes Grundwasser beeinflußten Gleyen und stauwasserbeeinflußten Staugleyen wäre ein Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald ausgebildet. Gleye aus sandigem Substrat würden einen Pfeifengras-Eichenwald tragen. Auf Niedermoorböden der Hägebachaue und im Quellgebiet des Mühlgrabens wären Erlenbruchwälder entwickelt. Die heutige Vegetation wird dagegen von relativ artenarmen Kiefernforsten und Äckern dominiert. Am Westrand bei Lindhorst befinden sich, ähnlich wie im angrenzenden Naturschutzgebiet „Colbitzer Lindenwald“, lindenreiche Eichen-Hainbuchenwälder. Auch bei Ramstedt und um Heinrichshorst erstrecken sich größere Eichen-Hainbuchenwälder, deren Ausdehnung sicher nutzungsbedingt sind. Auf dem Dornberg ist ein hudewaldartiger, lichter Eichenwald entwickelt. Die alten Eichen stehen im lockeren Bestand, eine Strauchschicht ist nicht vorhanden. Die Krautschicht wird nicht von waldtypischen, sondern eher von Arten trocken-magerer Rasengesellschaften dominiert. Vorherrschend sind Rotes Straußgras, Ruchgras, Weiches Honiggras und Geschlängelte Schmiele. Daneben treten Kleines Habichtskraut, Zypressen-Wolfsmilch, Kleiner Sauerampfer, Tüpfel-Hartheu, Dreizahn und Pillen-Segge auf. Die für die Colbitzer Heide typischen Hude-Eichenwälder entstanden durch die bis in das vorige Jahrhundert praktizierte Waldweide. Das weidende Vieh zerstörte die waldtypische Kraut- und Strauchschicht und ließ auch keine Jungbäume aufkommen. Nur Eichen wurden aufgrund ihrer Bedeutung für die Schweinemast gefördert. In diesem Jahrhundert konnten sich halboffene Hudewälder vor allem in militärischen Übungsgebieten durch den Aufenthalt von Truppen und Fahrzeugen erhalten. Im Gebiet des Dornberges befand sich eine Raketenstellung der sowjetischen Truppen, die zwar für das Offenhalten der Bestände, aber auch für zahlreiche Verletzungen an den Eichen sorgte. Die Hudewälder der Colbitz-Letzlinger Heide sind wertvolle Zeugen alter Nutzungsgeschichte und bieten gefährdeten, höhlenbrütenden Vogelarten wie Wiedehopf, Mauersegler und Mittelspecht Brutplätze. Ebenfalls nahe des Dornberges befindet sich ein Bestand des Flattergras-Buchenwaldes, der vermutlich unter natürlichen Bedingungen in den Altmarkheiden eine weitaus größere Verbreitung hätte. Es handelt sich um einen hallenartigen Buchenwald mit gering entwickelter Strauchschicht. In der Baumschicht ist fast ausschließlich die Rot-Buche vorhanden. Gelegentlich trifft man einzelne Trauben-Eichen oder Hainbuchen an. Unter anderem befinden sich in der Krautschicht Vielblütige Weißwurz, Einblütiges Perlgras, Busch-Windröschen, Echte Sternmiere, Maiglöckchen, Wald-Flattergras und Knaulgras. Typische Vogelarten sind Waldlaubsänger, Buchfink und Schwarzspecht. Die frischen bis feuchten Erlen-Eschenwälder der Quellbereiche weisen eine im Frühjahr blütenreiche Krautschicht mit Maiglöckchen, Wald-Veilchen, Busch-Windröschen, Lerchensporn und Hoher Schlüsselblume auf. Die Kiefernforste sind relativ arm an Tier- und Pflanzenarten. Im Unterstand dehnen sich oft dichte Bestände der aus Nordamerika stammenden Späten Traubenkirsche aus, die heute als forstliche Problempflanze angesehen wird. In der Krautschicht dominieren Geschlängelte Schmiele, Heidelbeere und andere Säurezeiger. Lichte Kiefernbestände der Colbitzer Heide sind Brutplätze von Baumfalke und Ziegenmelker. Breitere Wegraine, Waldränder und Brachflächen im Randbereich von Sandgruben tragen kleinflächige Sandmagerrasen. Sie werden von Heide-Nelke, Berg-Jasione, Silbergras, Gras-Nelke, Frühlings-Spark und Sand-Strohblume gebildet. Vereinzelt tritt noch die Gemeine Küchenschelle auf. Die im Frühsommer farbenprächtigen Bestände sind wertvolle Insektenlebensräume. Auf den landwirtschaftlichen Flächen sind die Wildkrautgesellschaften aufgrund der intensiven Bewirtschaftungsweise auf wenige herbizidresistente Arten zusammengeschrumpft. Grünland ist im wesentlichen in der Bachniederung des Hägebaches vorhanden. Auf grundwassernahen Niedermoorstandorten sind hier Engelwurz-Kohldistel-Wiesen ausgebildet. Es kommen Breitblättriges Knabenkraut, Bach-Nelkenwurz, Sumpf-Sternmiere und Sumpf-Dreizack vor. Im LSG tritt eine artenreiche Tierwelt auf. An Vogelarten brüten neben den bereits genannten unter anderem Wespenbussard, Rotmilan, Waldkauz, Waldohreule, Bunt-, Klein- und Grünspecht, Rebhuhn, Waldschnepfe, Hohl-, Turtel- und Ringeltaube, Pirol, Kernbeißer, Wendehals, Wintergoldhähnchen, Mönchs-, Garten-, Dorn- und Sperbergrasmücke, Goldammer, Ortolan, Nachtigall, Rauch- und Mehlschwalbe sowie Kolkrabe. Lurche und Kriechtiere sind im Hägebachtal unter anderm mit Erdkröte, Rotbauchunke, Teich- und Kammolch vertreten. Weiterhin wurden Wechselkröte, Blindschleiche, Zaun- und Waldeidechse nachgewiesen. Von der Säugerfauna sind Rothirsch, Reh, Wildschwein, Feldhase, Kaninchen, Dachs, Fuchs, Baum- und Steinmarder, Wiesel und Eichhörnchen anzutreffen. Entwicklungsziele Das LSG soll in erster Linie der Erhaltung der großflächigen Wälder im Bereich der landschaftlich reizvollen südlichen Colbitzer Heide dienen. Mit den Wäldern ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und ein charakteristischer Ausschnitt am Übergang der Altmarkheiden zum Tangergebiet und zur Ohreniederung sowie ein wertvoller Lebensraum wildlebender Pflanzen- und Tierarten gesichert. Die Weiterentwicklung von naturverträglichem Tourismus sollte unter Schonung ökologisch sensibler Bereiche wie der Laubwälder um Heinrichshorst oder der Hägebachniederung erfolgen. Die Forste sind langfristig in naturnähere Wälder umzubauen. Die Nutzung sollte stellenweise durch Einzelstammentnahme erfolgen. Auf größere Kahlschläge ist zu verzichten. Waldmäntel aus standortgerechten Straucharten sind in den Bereichen der Waldränder zu fördern. Lichtungen innerhalb der Wälder, die als Grünland oder kleinflächige Äcker genutzt werden, sollten erhalten werden. Alte Hudeeichen sind als wertvolle Lebensräume einer artenreichen Insektenfauna sowie gefährdeter Vogelarten zu schützen und nicht zu nutzen. Die landwirtschaftlichen Flächen könnten durch die Anlage von Hecken, Baumreihen und Flurgehölzen gegliedert und damit landschaftsästhetisch und ökologisch aufgewertet werden. Die noch naturnah erhaltenen Abschnitte der kleinen Fließgewässer sind zu erhalten. An den ausgebauten Abschnitten des Hägebaches sollte die Nutzung im Schonstreifen extensiviert werden. Zumindest einseitige Gehölzstreifen aus Schwarz-Erle sind im Randstreifen anzulegen. Langfristig könnten die ausgebauten Fließgewässer unter Entwicklung eines geschwungenen Verlaufs und natürlichen Profils wieder renaturiert werden. Eine weitere Genehmigung von Bodenabbau innerhalb des LSG ist abzulehnen. Vorhandene Abbauflächen sind zu rekultivieren. Ehemals militärisch genutzte Flächen am Dornberg sind unter Schonung der Eichenbestände zu sanieren. Zur Weiterentwicklung der Erholungsnutzung kann das Radwegenetz vervollständigt werden. Ein Wanderwegenetz innerhalb der Wälder ist heute bereits in ausreichender Dichte vorhanden. Exkursionsziele Wälder im Randbereich des Lindenwaldes bei Colbitz Von Colbitz aus fährt man mit dem Fahrrad nach Westen in Richtung Jägerstieg. Etwa 500 m westlich des Colbitzer Ortsrandes biegt man nach Südwesten in die Kiefern- und Laubmischwälder ein. Nach etwa 1,5 km führt ein Querweg nach Süden. Nach weiteren 2 km ist der Ort Samswegen erreicht. In Samswegen überquert man den Hägebach und verläßt den Ort wieder in nördliche Richtung, um am östlichen Rand der Hägebachniederung nach Lindhorst zu fahren. Linkerhand erstrecken sich von Grünland und Erlenreihen geprägte Niederungswiesen. Nach 2,5 km ist der Ort Lindhorst erreicht. Zwischen Lindhorst und dem unweit gelegenen Colbitz bildet eine Windmühle einen Blickfang. Laubmischwälder bei Heinrichshorst Mit dem Kraftfahrzeug fährt man auf der Straße von Colbitz nach Angern etwa 3,5 km in östliche Richtung, bis am rechten Straßenrand ein Schild auf die Siedlung ”Heinrichshorst” hinweist. Hier biegt man nach rechts auf einer befahrbaren Forststraße in den Wald ein und erreicht nach wenigen hundert Metern das Jagdhaus Heinrichshorst. Der repräsentative Bau, ein ehemaliges Jagdschloß, wurde um die Jahrhundertwende von einem Fabrikanten errichtet. Das Eingangstor wird von zwei lebensgroßen Bronzehirschen gesäumt. Von hier aus kann man die Laubwälder im Bereich des Dornberges auf verschiedenen Wegen zu Fuß erkunden. Direkt südlich des Jagdhauses stellt ein Rotbuchenwald eine Besonderheit innerhalb der sonst von Kiefern und Eichen geprägten Colbitzer Heide dar. Die angrenzenden Wälder sind teils reich strukturierte Eichen-Hainbuchenwälder. Auf der Anhöhe des Dornberges, die noch vor wenigen Jahren als Raketenstellung gesperrt war, ist ein lichter Wald mit alten Eichen vorhanden. Wolmirstedt Am Südrand des LSG liegt an dem Flüßchen Ohre die Stadt Wolmirstedt. Bis zum 13. Jahrhundert mündete hier die Ohre in die Elbe, so daß die Stadt eine Bedeutung als wichtiger Übergang über beide Flüsse hatte. Gleichzeitig war Wolmirstedt das Tor zur Altmark. Im Jahre 730 n.Chr. traf Karl der Große hier zu Verhandlungen auf die Ostsachsen und Slawen des ostelbischen Raumes. Der strategisch wichtige Ort wurde durch eine Burg geschützt, die für das Jahr 1009 erstmalig erwähnt wird. Um Wolmirstedt konkurrierten jahrhundertelang die Grafen der Nordmark und die Erzbischöfe von Magdeburg. Letztere ließen die Burg im 15. und 16. Jahrhundert großzügig ausbauen. Ein Blickfang im Innenhof der heute noch erhaltenen Anlagen ist die im Jahr 1480 aus Backstein erbaute Kapelle. Die filigrane Gliederung der Strebepfeiler und des Portals verweist auf die klassischen Vorbilder in Tangermünde und Werben. Das frühere Gutshaus der Stiftsdomäne ist ein beeindruckender Barockbau aus dem Jahre 1732. Später wurde es mehrfach umgebaut. Ansonsten hat die als Wohnstadt für die Bergarbeiter des 1973 in Betrieb genommenen Kaliwerkes Zielitz umgestaltete Stadt nur wenig historische Bausubstanz. Es dominieren großflächige Neubausiedlungen in Plattenbauweise. Eine Ausnahme im Stadtbild ist der ehemalige Gasthof ”Zum Schwarzen Adler”, ein sehenswerter zweigeschossiger Fachwerkbau. In der Glindenberger Straße zeigt das Kreisheimatmuseum zahlreiche Exponate zur Historie der Stadt und ihrer Umgebung. Von Bedeutung sind insbesondere die Funde aus der Ausgrabung der Hildagsburg, eines großen slawischen Burgwalles am Rande des Elbetales. Auf den „Kalimandscharo“ Seit Mai 1999 lockt die größere der beiden Abraumhalden des Kalibergbaubetriebes Zielitz zum 90 m hohen Gipfel. Über die Wälder des LSG reicht der Blick von oben oder zum Schiefen Turm der Bundesgartenschau in Magdeburg. Bis zum Ausblick sind mindestens 2 Kilometer Fußtour und Steigungen bis 16 Prozent zu bewältigen. Da die Begehung bei laufendem Betrieb erfolgt, sind nur angemeldete Führungen möglich. Etwa zwei bis drei Stunden sind für die Tour einzuplanen, bei der es nicht nur vieles zu sehen, sondern von den Bergführern auch Interessantes über den Kalibergbau zu hören gibt. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 21.07.2020

LSG Dübener Heide

Gebietsbeschreibung Das LSG ist Teil des mit etwa 1000 km² größten zusammenhängenden Waldgebietes der mitteldeutschen Tiefebene. Einst bedroht von Tagebauen und Abgasen der Chemieregion Wolfen-Bitterfeld, wird die große Heidelandschaft zwischen Mulde und Elbe nun zu einem länderübergreifenden Naturpark entwickelt. Das LSG liegt im Südwesten des Kreises Wittenberg und im Nordosten des Kreises Bitterfeld. Es umfaßt den gesamten nordöstlichen Teil der Landschaftseinheit Dübener Heide. Randbereiche des LSG gehören zu den Landschaftseinheiten Tagebauregion Gräfenhainichen beziehungsweise Tagebauregion Bitterfeld. Der gesamte Komplex der Dübener Heide ragt als Hügellandschaft mit Höhen um 100 m aus dem nördlich, östlich und teils auch südlich umgebenden Urstromtal heraus. Das LSG umfaßt Erhebungen wie den Gabelberg mit 187 m über NN, den Wurzelberg mit 182 m über NN und den Meuroer Berg mit 147 m über NN sowie im Nordosten den Gollmer Berg mit 132 m über NN. Westlich der B 2 befindet sich die Hohe Gieck, mit 193 m über NN, die höchste Erhebung der Dübener Heide. Während der nördliche und der südliche Teil des LSG von einer aufgelockerten Wald-Acker-Landschaft eingenommen werden, ist der mittlere Teil von einer geschlossenen Waldlandschaft bedeckt. Lediglich die Bereiche um Söllichau, Tornau und Schköna sind waldfreie ”Inseln”. Im zentralen Teil der Dübener Heide, im Bereich der Stauchendmoräne, finden sich Waldungen mit der natürlichen Waldgesellschaft, dem Wachtelweizen-Traubeneichen-Buchenwald, die wesentlich zur landschaftlichen Schönheit des Gebietes beitragen. Auf den kuppigen Grundmoränen im Norden und auf den Sanderböden im Süden müßte der Traubeneichen-Hainbuchenwald vorkommen, von dem jedoch nur Reste erhalten sind. Größere Flächen werden von eintönigen Kiefernforsten eingenommen. Reizvolle Waldwiesen lockern den Waldbestand mehrfach auf und bereichern das Landschaftsbild. In der Umgebung von Bad Schmiedeberg und Reinharz bestimmen die Lausiger Teiche, Ausreißerteich, Roter Mühlteich, Heidemühlteich, Brauhausteich und Heideteich sowie weitere kleinere Gewässer, wie zum Beispiel der Jagdhüttenteich, die Landschaft. Das Tal des Fliethbaches mit seinen bachbegleitenden Gehölzen, Hochstaudensäumen und Grünland durchzieht das LSG ebenso wie das Tal des Hammerbachs. Der im Norden liegende Bergwitzsee und der im Südwesten liegende Muldestausee bilden durch ihre großen Wasserflächen und die auf den Kippböden an den Ufern stockenden Sukzessionswälder sowie durch das durch die Kippen entstandene Relief ein eigenständiges, jedoch auch reizvolles Landschaftsbild. Landschafts- und Nutzungsgeschichte Das Gebiet der Dübener Heide wurde zum ersten Mal in der mittleren Altsteinzeit aufgesucht. Die Menschen lebten damals von der Jagd und vom Sammeln der Früchte. Bei Gröbern wurde im Zuge des Braunkohlentagebaus ein Schlachtplatz entdeckt, an dem Menschen vor 100 000 Jahren mit seinen steinernen Werkzeugen einen Waldelefanten zerlegt hatten. Während der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit blieb das Gebiet der Dübener Heide weitgehend unbesiedelt. Erste Hinweise auf einen dauerhaften Aufenthalt durch eine jungsteinzeitliche Bevölkerung geben Gräber der Kugelamphoren- und der Schnurkeramikkultur. Erst am Ende der mittleren Bronzezeit wurde das Gebiet von Osten her durch Angehörige der Lausitzer Kultur besiedelt. Ihre Blüte erlebte die Besiedlung in der jüngeren Bronzezeit. Der Waldbestand trug dazu bei, daß sich die klassische Grabform dieser Zeit, der Grabhügel, oberirdisch erhalten hat, während er im umgebenden Ackerland vollständig von der Erdoberfläche verschwunden ist und sich nur noch im Luftbild über die einstmals die Hügel umschließenden Ringgräben zu erkennen gibt. Die Grabhügelfelder, von denen in der Dübener Heide noch mehr als 40 existieren, umfassen mitunter über 80 Einzelhügel. Als wirtschaftlichen und politischen Kristallisationspunkt der Besiedlung kann die mit Wall und Graben befestigte Burg bei Kemberg gedeutet werden. Die gegenüber der Lausitzer Kultur auffällige Fundstellenarmut im Zusammenhang mit der aus dieser hervorgegangenen Billendorfer Kultur deutet auf einen Siedlungsrückgang während der frühen Eisenzeit hin. Zu dieser Zeit rückte von Westen her die Hausurnenkultur über die Mulde in die Dübener Heide bis in die Höhe von Möhlau vor. Die Gründe für den Siedlungsrückgang dürften in der im 8. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesenen Klimaverschlechterung liegen, wobei die Abwanderung mit einem feuchteren und kühleren Klima verbunden war, was die Ausbreitung des Waldes begünstigt haben mag. Die lichten Eichenmischwälder, die während der Bronzezeit auf dem Gebiet der Dübener Heide Ackerbaumöglichkeiten boten, verdichteten sich, wobei der Bestand an Buchen und Kiefern zunahm. Die Siedlungen der jüngeren Eisenzeit beschränkten sich vorwiegend auf die Ränder der Flußtäler an Mulde und Elbe, das Innere der Heide wurde dagegen gemieden. Aus der frühgermanischen Kultur der Zeitenwende lassen sich wieder einige Gräberfelder und Siedlungen auch auf dem Gebiet der Heide nachweisen. Dies hängt wohl ursächlich mit den in der Heide ausgebildeten Raseneisenerzen zusammen, deren Verhüttung vor Ort stattfand. Aus jüngeren Perioden sind bislang keine Fundstellen bekannt geworden. Erst die Sorben haben in der Heide wieder Siedlungen angelegt und Raseneisenerz verhüttet. Die Dübener Heide zählte damals zum Stammgebiet der Nizizi. Im Mittelalter wurden dann eine ganze Reihe von Ortschaften gegründet. Ihnen war aber keine Dauer beschert, und so wurden sie schon im Spätmittelalter wieder verlassen und fielen wüst. Sie sind nur noch in den Namen der Gemarkungen überliefert. Bei Oppin hat sich im Wald sogar noch ein die Gemarkung einst umfassender Graben erhalten. Wie die 1749 von P. Schenk in Amsterdam gedruckte Karte der "Emmter Wittenberg und Graefenhaynichen" zu erkennen gibt, war die Dübener Heide im 18. Jahrhundert zu kleinen Waldinseln zusammengeschrumpft. Dennoch blieb das Waldgebiet lange Zeit wegen der ungünstigen Bedingungen nur spärlich besiedelt. Wüstungen künden davon, daß diese Siedlungen wegen der nicht ausreichenden Ertragslage auch wieder aufgegeben oder im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden. Die Wälder der Dübener Heide wurden weitestgehend nur für die Holznutzung aufgesucht, die jedoch nicht nur für die Brennholzerzeugung erfolgte. Zur Verarbeitung als Bauholz wurden entlang des Fliethbaches mehrere Sägemühlen errichtet, von denen eine bei Ateritz noch heute (allerdings mit Elektroantrieb) in Betrieb ist. Einige alte, heute nicht mehr ausgeübte Handwerke, wie das der Splittmacher (Dachschindeln aus Holz) oder der Muldenhauer (Mulden, Backtröge, Schaufeln aus Holz), wurden hier betrieben. Am Hammerbach bei Torgau sind heute noch die Döbelts- und die Weichersmühle zu finden, beide waren ursprünglich Papiermühlen. Im Landkreis Bitterfeld arbeitete bis 1954 auf der Mulde bei Schwemsal eine Flußschiffmühle, die nun im Garten der Bad Dübener Burg ausgestellt ist. An mehreren Stellen, in den Pechhütten, wurde aus dem kienhaltigen Holz in doppelwandigen Retortenöfen Pech gebrannt. Im sächsischen Teil der Dübener Heide ist die Friedrichshütte noch erhalten. Das alte Handwerk der Köhlerei gibt es heute noch: in der Nähe von Eisenhammer wird, wenn auch nicht mehr in übermannshoch aufgeschichteten Kohlenmeilern, sondern in Metallretorten, Holzkohle gebrannt. Am Hammerbach wurde früher mit Wasserkraft eine Hammerschmiede betrieben, die der Ansiedlung den Namen ”Eisenhammer” gab. Im Heidedorf Reinharz wurde vom Ritter Heinrich Löser ein Rittergut geschaffen und später von den Nachfahren das Wasserschloß errichtet, das nach dem II. Weltkrieg als Erholungs- und Kurheim genutzt wurde. Zur Zeit der Ostkolonisation wurde das Gebiet des heutigen Bad Schmiedeberg besiedelt. Nachdem die Zahl der Siedler ständig wuchs und Handel und Gewerbe aufblüten, erhielt der Ort 1350 das Stadtrecht. Von den zahlreichen Handwerksinnungen sollen besonders das Brauereiwesen und die Töpferei genannt werden. 1878 wurde in Schmiedeberg aufgrund der Erfahrung der Töpfer, die ihre von Rheumatismus schmerzenden Glieder in warme Moorerde zu stecken pflegten und dadurch Linderung erlangten, das Moorbad gegründet, das besonders nach 1945 ständig steigende Gästezahlen erreichte. Bei Bergwitz und Gniest befinden sich Flächen und Stellen, an denen früher Braunkohle abgebaut wurde. Während die bis zur Oberfläche aufgestaute Braunkohle bei Gniest nicht mächtig genug war, wurde bei Bergwitz bis 1955 die unter 10 bis 20 m mächtigen Deckschichten nicht gestauchte Braunkohle abgebaut, wonach der fast 200 ha große Bergwitzsee entstand. Neben der Braunkohle wurden auch Tone, Sande und Kiese abgebaut. Das Gebiet der Dübener Heide hatte jedoch die größte Bedeutung für die Holznutzung in den Wäldern. So setzte die Rodungstätigkeit bereits im 11. bis 13. Jahrhundert mit den deutschen Siedlern ein. Diese erhielten vom Landesherren mit der Landnahme mehrere Gewohnheitsrechte, sogenannte Servitute, wie Brenn- und Bauholz-, Kien- und Leseholz- sowie Streu- und Lehmentnahme, aber auch Hutungs-, Gräserei- und Triftberechtigungen. Diese überkommene Form der Servitute wirkte sich nachteilig auf den Waldbestand aus, da zum Beispiel durch die Streu- und Waldweidenutzung jeglicher Jungwuchs verhindert wurde. Einschneidende Veränderungen in der natürlichen Waldbestockung fanden dann jedoch im 19. und 20. Jahrhundert mit der Einführung der Kahlschlagwirtschaft und Monokulturpflanzung statt. In der Zeit vor 1990 war die Dübener Heide ein bedeutendes Holzeinschlagsgebiet, das vom Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb ”Dübener Heide” in Tornau, Ortsteil Eisenhammer, bewirtschaftet wurde. Durch die SO2-haltigen und staubförmigen Emissionen der Braunkohle-Kraftwerke Zschornewitz und Vockerode sowie der chemischen Industrie in Bitterfeld und Wolfen wurde das Waldgebiet stark geschädigt, da diese Abgase durch die vorherrschenden Südwest- und Westwinde in das Gebiet getragen wurden. Die Dübener Heide wurde zu einem ”klassischen” Rauchgas-Schadensgebiet mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem Wald mit seinen einzelnen Kompartimenten. Geologische Entstehung, Boden, Hydrographie, Klima Das Gebiet der Dübener Heide ist das Ergebnis eiszeitlicher Vorgänge. Es wird geologisch durch die Stauchendmoräne zwischen Gräfenhainichen und Bad Schmiedeberg geprägt, die in einem älteren Stadium der Saalevereisung (vor zirka 250 000 Jahren) entstanden ist. Durch mehrere Vorstoß- und Rückzugsphasen der nördlichen Inlandvereisung wurde das hügelige Relief geschaffen. Der Endmoränenbogen bezeichnet das Gebiet, in dem die Vereisung zum Stillstand kam. Durch die Endmoräne wurden vorwiegend braunkohleführende tertiäre Schichten des Miozäns und des Oligozäns stark aufgestaucht und geschuppt. Dabei reicht die Stauchwirkung 70 bis 100 m tief in die tertiäre Schichtenfolge hinein. So wurden stellenweise Sedimente aus 100 m Tiefe bis an die heutige Oberfläche aufgestaucht, beispielsweise die Braunkohle bis auf teilweise nur wenige Meter Tiefe. Einen bevorzugten Abscherungshorizont bildete dabei die Oberfläche des Rupeltones. Die zwischen den vorwiegend grundwasserstauend wirkenden tertiären Schollen eingelagerten quartären Schmelzwassersande und -kiese sind die grundwasserleitenden Elemente in der Stauchungszone. Durch die von der Stauchung erfaßten bindigen Sedimente wird der Komplex nicht nur in übereinander, sondern auch in nebeneinander gelagerte Grundwasserleiter verschiedenen Alters gegliedert. Die einzelnen Grundwasserleiter folgen dem Streichen der Falten und haben, wo die Stauchfalten zerrissen sind, eine hydraulische Verbindung. Die Schmiedeberger Stauchendmoräne bildet eine Grundwasserscheide im Gebiet, so daß das Grundwasser im südwestlichen Teil dem Muldetal zufließt, im Nordosten aber in das Schmiedeberger Becken fließt und dort zur Ausbildung vermoorter Alluvionen geführt hat. Diese bilden heute die Grundlage für den Moorbadebetrieb. In dem zur Mulde abfließenden Grundwasser kommt es aufgrund der Aufstauchung zu artesischer Spannung, welche bereits um die Jahrhundertwende zur Hauswasserversorgung in Düben, heute Bad Düben, genutzt wurde. Der anstehende Druck erreichte selbst Wohnungen in der zweiten Etage. Die Nutzung der im Tertiär entstandenen Braunkohleflöze führte südlich von Bergwitz, nördlich von Gröbern und zwischen Schlaitz und Pouch zu tiefgreifenden Landschaftsveränderungen. In diesem Gebiet ist auch in kleinen Tagebauen Braunkohle abgebaut worden. Davon zeugen zahlreiche kleine Seen, wie beispielsweise ”Langer See”, ”Königsee”, ”Froschsee” und andere. Aus bodenkundlicher Sicht kann man von einer Zweiteilung des LSG sprechen. Man unterscheidet den östlichen Teil zwischen Tornau und Pretzsch im Bereich der Schmiedeberger Endmoräne vom westlichen Teil zwischen Tornau und Muldenstein außerhalb der Schmiedeberger Endmoräne. Der östliche Teil ist bodenkundlich differenzierter als der westliche Teil. Letzterer enthält dafür als Besonderheit die Kippen und Restlöcher wie den Muldestausee, den Blauen See und den Roten See des ehemaligen Braunkohlentagebaus Muldenstein. Im östlichen Teil folgt über dem gestauchten Tertiär und dem saalekaltzeitlichen Geschiebemergel der weichselkaltzeitliche Geschiebedecksand, so daß alle Bodenprofile, mit Ausnahme der in den Bachtälern, zweischichtig sind; zum Beispiel Sand über Lehm, Sand über Ton, Sand über Sand. Die unterschiedlichen bodenphysikalischen Eigenschaften der übereinander liegenden Substrate bedingen sehr unterschiedliche Böden. Dort, wo lehmig-tonige Substrate unter sandigen Substraten liegen, finden sich Böden mit Neigung zur Stauvernässung, z.B. Pseudogley-Braunerden, Pseudogley-Fahlerden oder an Braunerde-Fahlerden ohne Staunässe. Diese Böden werden überwiegend als Acker genutzt. Dort, wo sandige Substrate über Sand liegen, finden sich podsolige Sauerbraunerden, Braunerde-Podsole und Acker-Braunerde-Podsole. Mit Ausnahme der letzteren sind diese Böden Waldstandorte. In den Bachtälern kommen in den Quellbereichen Gleye aus Sand, sonst bachabwärts Humusgleye bis Anmoorgleye vor. Diese Standorte werden meist als Grünland genutzt. Der westliche Teil liegt außerhalb der Schmiedeberger Endmoräne. Deshalb gibt es die zur Stauvernässung neigenden Böden hier nicht, es überwiegen sandige Böden. An der Westgrenze dieses Teilgebietes befindet sich der ehemalige Braunkohlentagebau Muldenstein. Im Gegensatz zu den kleinen Tagebauen im östlichen Teilgebiet handelt es sich hier um einen Großtagebau. Durch die Rekultivierung sind vier wassergefüllte Restlöcher und etwa 1000 ha Kippenfläche aus unterschiedlichen Kippsubstraten entstanden. Die Kippsubstrate werden nach ihren stabilen Parametern wie Korngrößenzusammensetzung, Karbonatgehalt, Substratmischung benannt. Durch die Vorsilbe ”Kipp” wird auf ihre Entstehung hingewiesen, zum Beispiel bei Kipp-Lehm, Kipp-Kieslehm, Kipp-Kalklehm, Kipp-Kieskalklehmsand, Kipp-Gemengekieslehmsand. Kippböden unter landwirtschaftlicher Nutzung zeigen bereits nach drei bis fünf Jahren eine Horizontdifferenzierung. Mit Karbonatgehalt sind diese Böden als Kipp-Pararendzinen, ohne Karbonatgehalt als Kipp-Regosole anzusprechen. Die Oberflächengewässer werden besonders vom weitverzweigten Fließgewässersystem des Fliethbaches geprägt, der von mehreren Quellzuflüssen südlich von Reinharz gespeist wird und in der Elbeaue nördlich von Wörlitz in die Elbe mündet. Direkt an der Landesgrenze nach Sachsen fließt der kleine Grenzbach ebenso wie der weiter nördlich fließende Pretzscher Bach in östlicher Richtung zur Elbe. Im Waldgebiet am Eisenhammer nördlich von Tornau entspringt der Hammerbach, der in südlicher Richtung der Mulde zufließt. Nördlich von Krina entspringt in einem anmoorigen Gebiet der Schmerz-Sollnitzbach, der westwärts fließt und bei Sollnitz in die Mulde mündet. Alle diese Bachtälchen sind Schmelzwasserrinnen vom ehemaligen Inlandeis zu den Urstromtälern. An stehenden Gewässern finden sich in der Dübener Heide mehrere anthropogen, also in der Folge von Kohle- oder Tonabbau oder durch Anstau von Fließgewässern entstandene Seen oder Teiche, wie Großer und Kleiner Lausiger Teich, Ausreißerteich, Patzschwiger Tonteiche, Roter Mühlteich Reinharz, Heidemühlteich, Heideteich, Brauhausteich Reinharz, Blaues Auge Reinharz und Gniester Seen. Die größten Wasserflächen entstanden aber nach Aufgabe der Braunkohlenförderung bei Bergwitz im Jahr 1952 mit dem 200 ha großen Bergwitzsee (mittlere Tiefe = 14 m) und 1975 nach Flutung des 605 ha großen Muldestausees (mittlere Tiefe = 19,5 m). Der zentrale Bereich der Dübener Heide ist dem Klimagebiet ”Binnenbecken und Binnenhügelland im Lee der Mittelgebirge” zuzurechnen. Der umgebende Bereich gehört zum Klimagebiet des stärker kontinental beeinflußten Binnentieflands. Die Dübener Heide stellt eine Klimascheide zwischen dem atlantisch getönten Raum um Bitterfeld im Westen und dem bereits kontinentaler geprägten Elbtal bei Torgau dar. Hinsichtlich der Jahresniederschläge hebt sich der zentrale Teil der Dübener Heide mit mehr als 600 mm Niederschlagsmenge deutlich gegen die Randgebiete ab, die teilweise um die 550 mm Niederschlag empfangen. Das Jahresmittel der Lufttemperatur beträgt im zentralen Bereich der Dübener Heide 8,0 bis 8,5 oC (mittlere Lufttemperatur Januar 0 bis –1 oC, Juli 17,0-18,0 oC) und liegt in dessen Randbereich ca. 0,5 bis 1,0 oC höher. Pflanzen- und Tierwelt Die potentiell natürlichen Waldgesellschaften sind durch die forstliche Nutzung des Gebietes stark zurückgedrängt worden. Seit den 1980er Jahren wird der Rotbuchenanbau gefördert, so daß auch wieder Jungbestände vorzufinden sind. Charakteristisch für den niederschlagsreicheren südlichen Teil der Dübener Heide sind Hainsimsen-Buchenwälder der ärmeren Podsole und Flattergras- saure Waldmeister-Buchenwälder der Braun- und Fahlerdestandorte. Der zentrale, durch Endmoränen gekennzeichnete Kern der Dübener Heide wird von Linden-Traubeneichen-Hainbuchenwäldern umschlossen. Je nach Trophie des Standortes kommt es zu grasreichen und krautreichen Ausbildungen. Bei Staunässeeinfluß und Ausbildung von Pseudogleyen gehen diese Wälder in Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwälder und insbesondere im südöstlichen Teil der Dübener Heide in Seegrasseggen-Stieleichen-Hainbuchenwälder über. Als azonale Vegetation treten in Tälern und Niederungen Pfeifengras-Eichenwälder im Komplex mit Sternmieren-Stieleichen-Hain-buchenwäldern auf Gleystandorten auf. Die Anmoorstandorte werden von Traubenkirschen-Erlen-Eschenwäldern und die Niedermoorstandorte von Erlenbrüchern verschiedener Ausprägung eingenommen. Die großflächig vorhandenen Kiefernforste weisen eine zunehmende Vergrasung mit Land-Reitgras auf. Südlich von Lübast existieren noch Vorkommen mehrerer Arten von Wintergrüngewächsen, ebenso kommt das Wintergrün bei Schmerz, Gröbern und Krina vor. Schwarzer Holunder, Faulbaum und Stiel-Eiche sowie Adlerfarn und Brombeere treten in den Kiefernbeständen als Unterwuchs auf. An Einzelstandorten wurden auch zahlreiche floristische Besonderheiten nachgewiesen, wie Leberblümchen, Türkenbundlilie, Nestwurz, Süße Wolfsmilch, Echtes Lungenkraut, Sanikel und Gelbes Windröschen, die jedoch aktueller Bestätigung bedürfen. Die ehemals für die Dübener Heide typischen großflächigen Heidelbeerbestände, die im Sommer viele Beerensucher in die Heide lockten, sind der zunehmenden Vergrasung gewichen, die als eine Folge der vormals starken Luftbelastung angesehen wird. Auch der Reichtum an Großpilzen entspricht nicht mehr dem früherer Zeiten, wenn auch immer noch Stein-, Butter-, Birkenpilze, Pfifferlinge, Blutreizker, Hallimasch und weitere Pilzarten gefunden und von Sammlern an den Straßen angeboten werden. Die zunächst vegetationsfreien Kippböden der Bergbaufolgelandschaften unterliegen zunehmend der Sukzession, so daß sich hier aus Hänge-Birke, Zitter-Pappel und Wald-Kiefer bereits Vorwälder gebildet haben, teilweise auch forstlich begründet. Eine besonders artenreiche Vegetation ist in den Bereichen der Heideteiche vorzufinden. Hier bilden Weiße Seerose und Gelbe Teichrose, Froschbiß, Kleine Wasserlinse, Schwimmendes Laichkraut, Wasserhahnenfußarten, Wasser-Knöterich, Südlicher Wasserschlauch und Wasserfeder die Schwimmblattvegetation sowie Schilf, Schmal- und Breitblättriger Rohrkolben und Teichsimse dichte Röhrichte. An einigen Teichufern, besonders am Südufer des Ausreißerteiches und des Kleinen Lausiger Teiches, haben sich Flachmoorgesellschaften mit Grau-Segge, Hunds-Straußgras, Schmalblättrigem Wollgras, Wassernabel, Flatter-Binse, Sumpf-Blutauge und Torfmoos-Teppichen herausgebildet. Auch einige andere stehende Gewässer im LSG weisen eine derartige Wasser- und Ufervegetation auf. Das Fließgewässersystem des Fliethbaches ist von zahlreichen Makrophyten bestanden. Hier bildet besonders der Große Wasserschwaden mit der Wasser-Schwertlilie schmale Bachröhrichte, von den submersen Pflanzen kommen in der Quellregion Alpen-Laichkraut, in der Mittelregion vorwiegend Kanadische Wasserpest, Schild-Wasserhahnenfuß und Schwimmendes Laichkraut vor. Auf wenigen, extensiver bewirtschafteten Kleinäckern auf stark sauren, nährstoffarmen Sandböden wurden Ackerwildkrautarten der sehr selten gewordenen Knäuel-Lämmersalat-Gesellschaft nachgewiesen. Entsprechend diesem vielfältigen Lebensraumangebot ist im LSG eine artenreiche Tierwelt anzutreffen. In den großflächigen Wäldern finden mit Rothirsch, Reh, vereinzelt Wildschwein und Damhirsch, vier Schalenwildarten Einstand. Mit Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin und in den Randlagen zu offenen Bereichen auch Mauswiesel kommen alle Waldmarder im LSG vor. An einigen Gewässern (wie am Bergwitzsee) haben sich die für die Heide nicht typischen Elbebiber angesiedelt, vermutlich begünstigt durch abwandernde Biber aus einer ehemaligen Hälterungsanlage des Forstbetriebes in Köplitz. Das Artenspektrum der Kleinsäugerfauna und das der baumbewohnenden Fledermäuse ist noch relativ unbekannt. Besonders artenreich ist die waldbewohnende Vogelwelt vertreten, zum Beispiel durch Buchfink, Star, Eichelhäher, Wald- und Gartenbaumläufer, Kleiber, Pirol, Kohl-, Blau-, Hauben-, Tannenmeise, Trauerschnäpper, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Amsel, Zilpzalp, Fitis, Misteldrossel, Singdrossel, Rotkehlchen, Heidelerche, Baumpieper, Kuckuck, Buntspecht, Turteltaube, Ringeltaube, Waldschnepfe, Mäusebussard, Habicht und Sperber. Im Zuge seiner Wiederausbreitung erreichte der Kolkrabe neben dem Fläming auch die Dübener Heide als eines der ersten Wiederansiedlungsgebiete, wo er inzwischen wieder überall vorkommt. Bemerkenswert sind die Vorkommen der Vogelarten, die bevorzugt die Altbuchenbestände bewohnen, wie Schwarzspecht, Grauspecht, Waldlaubsänger, Zwergschnäpper, und Hohltaube. Auf den weiten vegetationslosen bzw. -armen Flächen des Tagebaus Gröbern sind Brachpieper und Heidelerche in einer erstaunlichen Dichte anzutreffen. Auch die gefährdeten Großvogelarten Kranich, Seeadler und Schwarzstorch finden mit jeweils 1 - 2 Brutpaaren Lebensraum im LSG. Dagegen ist der ehemals an den Mühlen des Fliethbachtales vorkommende kleine Bestand der Gebirgsstelze wohl völlig erloschen. An den Heideteichen leben verschiedene Wasservogelarten, wie Hauben-, Rothals- und Zwergtaucher, Stock-, Tafel- und Reiherente, Bleß- und Teichralle, Rohrweihe, Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger sowie die Rohrammer. Der Weißstorch ist mit einem Brutpaar in Bad Schmiedeberg sowie in Randgemeinden des Landschaftsschutzgebietes wie Bergwitz, Pretzsch, Sachau und Priesitz, vertreten. Eine besondere Bedeutung für die Rast durchziehender Wasservögel besitzen die beiden großen Tagebauseen (Muldestausee, Bergwitzsee), insbesondere für Zehntausende von Saat- und Bleßgänsen sowie Lachmöwen. Auf der Insel des Muldestausees hat sich eine Brutkolonie der Sturmmöwe gebildet. Wenn auch in den geschlossenen Waldungen der Dübener Heide kaum Lurche zu finden sind, sind sie an den stehenden und fließenden Gewässern des Gebietes sowie in den dort angrenzenden feuchteren Wiesen und Wäldern vertreten. Hier konnten bisher insgesamt folgende zehn Arten nachgewiesen werden: Kammolch, Teichmolch, Knoblauchkröte, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch, Teichfrosch und Kleiner Wasserfrosch. Dabei sind Teichfrosch, Grasfrosch und Erdkröte die häufigsten Arten. Bemerkenswert sind die Vorkommen der gefährdeten Arten Kammolch und Laubfrosch sowie des Kleinen Wasserfrosches, die sich besonders an den Gewässern im Schmiedeberger Becken konzentrieren. Von den Kriechtieren kommt die Ringelnatter an den Heideteichen vor. Die Waldeidechse ist an den Waldwegen und -rändern zu finden, die Zauneidechse nur an Stellen mit lückiger oder fehlender Vegetation, zum Beispiel an Abgrabungen. In den Wäldern lebt die Glattnatter. Dagegen fehlen von der oftmals vermuteten Kreuzotter aktuelle Nachweise. Die Fischfauna in den fischereilich genutzten Heideteichen wird von den wirtschaftlich nutzbaren Arten, insbesondere Karpfen, geprägt, die hier in großer Stückzahl eingesetzt werden. Das herbstliche Abfischen an den Lausiger Teichen wird seit einigen Jahren als Volksfest mit ständig steigenden Besucherzahlen durchgeführt. Das Fließgewässersystem des Fliethbaches wird im Bereich der Dübener Heide mit dem sommerkühlen Oberlauf bis etwa Reinharz und dem sommerwarmen Mittellauf von den Fischarten Bachforelle, Bachneunauge, Schmerle, Gründling, Drei- und Neunstachliger Stichling besiedelt. Durch Besatz sind in den beiden Tagebauseen vorwiegend fischereilich nutzbare Fische vorzufinden. So wurden beispielsweise in den Bergwitzsee Kleine Maränen und in den Muldestausee Welse eingesetzt. Die Fischvorkommen haben auch die Ansiedlung des Fischadlers auf Hochspannungsmasten am Muldestausee begünstigt. In den flacheren und unverschlammten Bereichen des Muldestausees hat sich eine starke Teichmuschelpopulation entwickelt. Das LSG wird infolge der unterschiedlichsten Lebensräume auch von einer Vielzahl wirbelloser Tierarten besiedelt. Bedeutsam ist das Vorkommen des Edelkrebses in den Gewässern des Fliethbachsystems, das als eines der wenigen nach dem allgemeinen Rückgang des Bestandes dieser Art in Deutschland erhalten geblieben ist. Im Gebiet der Dübener Heide wurden 102 Tagfalterarten nachgewiesen, von denen 55 regelmäßig vorkommen, von den Schwärmern und Spinnern wurden 187 Arten festgestellt, von denen 138 regelmäßig im Gebiet anzutreffen sind. Auch eine artenreiche Libellenfauna ist beschrieben, von der besonders die spezialisierten Fließgewässerarten wie Blauflügelprachtlibelle, Gebänderte Prachtlibelle, Grüne Keiljungfer und Zweigestreifte Quelljungfer zu erwähnen sind. Schließlich seien noch die Käfer genannt, von denen besonders die xylobionten Arten in den Wäldern Lebensbedingungen finden. Der imposante Hirschkäfer kommt in Alteichenbeständen vor. Entwicklungsziele Für das LSG ergibt sich als Hauptentwicklungsziel die Erhaltung des waldreichen Naturraumes als Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt im Einklang mit einer nachhaltigen forstwirtschaftlichen Nutzung und der Entwicklung des Erholungswesens. Die forstwirtschaftliche Nutzung muß demzufolge die bestockte Waldfläche im vollen Umfang erhalten und sollte dabei die schrittweise Umwandlung der monotonen Kiefernbestände in naturnahe Laubholzbestände entsprechend des Standortes betreiben. Insbesondere die Hainsimsen-Traubeneichen-Rotbuchenwälder, Birken-Stieleichenwälder und Stieleichen-Hainbuchenwälder kämen den potentiell natürlichen Waldgesellschaften nahe. Besondere Bedeutung kommt auch der Erhaltung der Naßstandorte in den Bachtälern zu, um die vorhandenen Erlen-Bruchwald- und Erlen-Eschenbestände zu bewahren. Wasserabführende Maßnahmen sind dort in keiner Weise durchzuführen, vorhandene Entwässerungen sind zu unterbinden. Die im LSG vorhandenen Wiesen sind zu erhalten und nicht in Ackerland umzuwandeln. Ihre Nutzung bzw. Pflege ist zu gewährleisten, damit diese Flächen offen bleiben und das vorhandene Mosaik verschiedener Landnutzungen und Lebensräume, erhalten bleibt. Die sorgfältige und sparsame Anwendung von Mineraldüngemitteln sollte einen Nährstoffeintrag in die Gewässer verhindern. Die Fließgewässer sind in ihrem naturnahen Zustand zu belassen. Vorhandene Verbauungen sind zu renaturieren. Insbesondere die ökologische Durchgängigkeit des Fliethbaches ist zu verbessern, indem vorhandene Querverbauungen rückgebaut oder in Sohlgleiten umgewandelt werden. Die Instandhaltungsmaßnahmen sind auf ein Minimum zu beschränken und örtlich und zeitlich versetzt durchzuführen, um den Fließgewässerorganismen Rückzugsgebiete zu erhalten, von denen eine Wiederbesiedlung des übrigen Gewässerlaufes erfolgen kann. Zur Erhöhung des Erholungswertes ist das bereits vorhandene und gut verteilte Wegenetz in seinem Zustand weiter zu verbessern und seine Erreichbarkeit durch die Schaffung von Parkmöglichkeiten an den Zufahrtsstraßen zu gewährleisten. Die Nutzung der beiden großen Tagebauseen für Erholungszwecke (Segeln, Surfen, Tauchen sowie Baden und anderes) ist im ökologisch verträglichen Rahmen zu gestalten. Exkursionsvorschläge In dem durch Wanderwege gut erschlossenen LSG können von Kemberg, Bad Schmiedeberg, Gräfenhainichen oder auch Bad Düben aus zahlreiche Wanderungen unternommen werden. Ein über 60 km langer, überregionaler Wanderweg mit dem Lutherstein an der B 2 als Mittelpunkt wird den beliebten Bergwitzsee im sachsen-anhaltischen Teil mit dem sächsischen Südteil der Heide verbinden. Köhlerei Eisenhammer - Lutherstein - Wachtmeister - Bertagrab - Reitergrab In der Köhlerei Eisenhammer, an der sogenannten ”Dachszange” unmittelbar an der B 2, wurde seit altersher Holzkohle in Meilern gebrannt. Heute wird die Holzkohle hier in großen Eisenbehältern hergestellt. Der Lutherstein ist ein 15 - 20 t schwerer Findling aus Biotitgranit, der in der Eiszeit vom Inlandeisblock bis in das Gebiet der heutigen Dübener Heide transportiert wurde. Der Sage nach soll Martin Luther bis zu diesem Stein von Studenten begleitet worden sein, als er 1519 nach Leipzig zum Disput mit Dr. Johann Eck zog. Für die Bewohner der Heide soll dieser Stein früher als Opferstein ein Heiligtum gewesen sein. Unweit des Luthersteins kann man die umfangreiche Dammbautätigkeit einer Biberfamilie am Hammerbach besichtigen. Die ebenfalls an der B 2 gelegene heutige Gaststätte ”Wachtmeister” ist ein schönes altes Fachwerkgebäude, das von dem Wachtmeister Starke 1715 erbaut wurde, 1717 das Schankrecht erhielt und mit dem sich entwickelnden Postverkehr auch als Poststation genutzt wurde. Einen Kilometer nördlich vom Wachtmeister liegt das Grab der Jungfer Berta, die der Sage nach im Dreißigjährigen Krieg durch einen schwedischen Reiter getötet wurde, der ihr den vom Bräutigam geschenkten Schmuck raubte. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Reitergrab, das Grab des Mörders der Berta, der durch den Bräutigam getötet wurde, als er sich im Wald verirrte, nach dem rechten Weg fragte und als Lohn Bertas Schmuck anbot. Da jeder Wanderer einen Stein auf dieses Grab wirft, ist es heute zu einem großen Steinhaufen angewachsen. Bad Düben In der 981 erstmalig erwähnten Stadt befindet sich unmittelbar am Ufer der Mulde die Burganlage mit Wachtturm und Wächteranlage, die sowohl Blücher als auch Napoleon als Hauptquartier vor der Völkerschlacht in Leipzig diente und in der heute ein Landschaftsmuseum zur Dübener Heide eingerichtet ist, das wissenswertes über Geologie und Frühgeschichte sowie alte Handwerke des Gebietes vermittelt. Hier steht auch die letzte deutsche Schiffsmühle, die von 1610 - 1688 als Amtsmühle und später privat auf der Mulde betrieben wurde. Pretzsch - Bad Schmiedeberg - Reinharz Das Schloß im 965 erstmalig erwähnten Pretzsch entstand 1380 durch den Umbau eines alten Burgwards. Es wurde Familiensitz des Geschlechts der Löser und 1720 -1727 ständiger Wohnsitz der Gattin des Kurfürsten von Sachsen, Christine-Eberhardine. In der durch Pöppelmann umgebauten Stadtkirche St. Nicolaus befindet sich das Grab der Kurfürstin. Neben dem Geburtshaus des Musikpädagogen Friedrich Wieck, dessen Tochter Clara den Komponisten Robert Schumann heiratete, befindet sich in Pretzsch noch ein Heimatmuseum mit einer Sammlung über die Stadtgeschichte. In Bad Schmiedeberg ist das Au-Tor, als Nordtor der mittelalterlichen Stadtbefestigung, das Wahrzeichen der Stadt, das mit der spätgotischen Stadtkirche, dem Renaissance-Rathaus und dem Kurhaus das Ensemble der bedeutenden Bauwerke der Stadt prägt. Neuerdings ist das Erlebnisbad ”Basso” neuer Anziehungspunkt. Unweit südlich von Bad Schmiedeberg befindet sich der um 1900 erbaute Turm ”Schöne Aussicht” mit Gaststätte, von dem sich eine eindrucksvolle Sicht über die Dübener Heide bietet. Das barocke Wasserschloß Reinharz wurde 1690 - 1701 erbaut und besitzt einen 68 m hohen Schloßturm und eine interessante Parkanlage mit dem Schloßteich und dem angrenzenden Brauhausteich. Daneben ragt der Turm der Barockkirche hoch aus dem ringsum befindlichen Wald“meer“. Kemberg Die Stadt Kemberg, am Übergang zwischen dem Urstromtal der Elbe und der Dübener Heide gelegen, ist mit ihrer teilweise noch gut erhaltenen Stadtbefestigung mit Mauer, Wall und Graben sowie der Stadtkirche ”Unserer lieben Frauen”, dem historischen Markt mit Rathaus und Bürgerhäusern und einer kursächsischen Postdistanzsäule aus dem Jahr 1727 ein beliebtes Ausflugsziel. Rundwanderung um den Bergwitzsee und Rundwanderung um den Muldestausee Beide große Seen können in mehrstündigen Wanderungen umrundet werden, wofür Rundwanderwege ausgeschildert sind. Am Muldestausee lohnt sich ein Besuch des ”Hauses am See” mit einer interessanten Ausstellung zur Flora und Fauna des Gebietes. Am Bergwitzsee kann der Naturlehrgarten im Ort besucht werden. Verschiedenes Waldschäden durch Luftverunreinigungen Luftverunreinigungen durch industrielle Abgase haben in Deutschland ein starkes Ansteigen der sogenannten ”Waldschäden” hervorgerufen. Die Dübener Heide liegt vollständig in der Hauptwindrichtung der braunkohleverarbeitenden und chemischen Industrie von Bitterfeld und Wolfen. Die von diesen Emittenten langjährig in die Atmosphäre ausgestoßenen Schadstoffe, wie Schwefeldioxid, Staub, Stickoxide, Fluorverbindungen und anderen verursachten an den Waldbeständen enorme Schäden, so daß die Dübener Heide als das Gebiet mit der höchsten Belastung in Sachsen-Anhalt eingestuft wird. Diese Schadstoffe wirken als Gase auf die oberirdischen Pflanzenteile (Nadeln, Blätter, Borke) oder als Säuren über den Waldboden auf die Wurzeln. Sie stören die natürlichen Stoffwechselvorgänge der Pflanzen, insbesondere die Photosynthese. Weiterhin greifen sie die Blätter oder Nadeln auf ihrer Oberfläche an, so daß es zu Nekrosen und anderen Erscheinungen kommt und führen zu schädlichen Bodenveränderungen, indem pflanzenschädliche Metallionen im Boden freigesetzt werden, welche zu Wurzelschädigungen führen. Obwohl sich die Luftbelastung in Sachsen-Anhalt insgesamt deutlich verringert hat, sind die Auswirkungen auf den Wald langfristiger. Die Schadstoffe haben sich im Kreislauf des Ökosystems Wald im Laufe der Zeit angereichert, insbesondere im Boden, so daß die Schäden nach der Verringerung oder dem Wegfall der Luftbelastung nicht schlagartig verschwinden. Die Nachwirkungen können teilweise noch nach Jahrzehnten festgestellt werden. Außerdem wirken in den Bereichen, die vom Straßenverkehr tangiert werden, die bisher weiterhin ansteigenden Schadstoffbelastungen aus den Kfz-Abgasen. veröffentlicht in: Die Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts © 2000, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISSN 3-00-006057-X Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Sachsen-Anhalts - Ergänzungsband © 2003, Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, ISBN 3-00-012241-9 Letzte Aktualisierung: 30.07.2019

Holzheizungen: Schlecht für Gesundheit und Klima

Holzheizungen: Schlecht für Gesundheit und Klima Die Gesundheit wird vor allem durch die hohen Feinstaub- und PAK- Emissionen bei der unvollständigen Verbrennung beeinträchtigt. Holzheizungen sind schlecht für die Gesundheit. Zudem hilft die Verfeuerung von Holz und somit ihr Ausbau in der Summe nicht dem Klimaschutz. Da Bäume CO₂ in Form von Kohlenstoffverbindungen für lange Zeit binden können, sind Wälder eine sogenannte Senke für Emissionen. Beim Verfeuern von Holz gelangt das CO2 zurück in die Atmosphäre. Holzheizungen sind schlecht für die Gesundheit. Zudem hilft die Verfeuerung von Holz und somit ihr Ausbau in der Summe nicht dem ⁠ Klimaschutz ⁠. Da Bäume CO 2 in Form von Kohlenstoffverbindungen für lange Zeit binden können, sind Wälder eine sogenannte Senke für Emissionen. Beim Verfeuern von Holz gelangt das CO 2 zurück in die ⁠ Atmosphäre ⁠. In den letzten Jahren war die Senkenfunktion des Waldes bereits rückläufig. Wenn nun die energetische Holznutzung weiter stark gesteigert wird, ist zu befürchten, dass Wälder ihren bisherigen Beitrag zum Klimaschutz nicht mehr leisten können. Zudem ist es aus Ressourcenschutz-Sicht besser, Holz zunächst in langlebigen Produkten zu nutzen, anstatt es unmittelbar zu verbrennen. Insbesondere Holzeinzelfeuerungen wie Kaminöfen stoßen neben anderen Schadstoffen viel gesundheitsschädlichen Feinstaub aus. Das ⁠ UBA ⁠ rät aus Gründen des Gesundheits- und Klimaschutzes von Holzheizungen ab. Gesundheitsschutz Die Gesundheit wird vor allem durch die hohen Feinstaubemissionen der Holzfeuerungen beeinträchtigt. Die Holzverbrennung in Kleinfeuerungsanlagen in privaten Haushalten trug 2020 mit 18 Prozent zu den deutschen PM 2,5 -Emissionen bei, fast so viel wie die Gesamtemissionen des Straßenverkehrs. Gemäß den Projektionen des ⁠ UBA ⁠ von 2021 werden sich die PM 2,5 -Emissionen aus mit Holz betriebenen Kleinfeuerungsanlagen von 2020 bis 2030 aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelungen um rund 30 Prozent verringern. In diesen Projektionen ist die aktuelle Nachfrageentwicklung beim Holz, die sich u. a. durch Preissprünge bei fossilen Energieträgern wie Heizöl und Erdgas ergibt, allerdings noch nicht berücksichtigt. Es wäre aber mindestens eine Reduktion von 50 Prozent notwendig, damit sich die PM 2,5 -Konzentrationen der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (⁠ WHO ⁠) für die Außenluft annähern. Das ist aus Sicht des Gesundheitsschutzes besonders wichtig: Nach aktuellen Analysen der WHO ist die Luftverschmutzung neben dem ⁠ Klimawandel ⁠ eine der größten umweltbezogenen Bedrohungen für die menschliche Gesundheit. Unter den Luftschadstoffen erzeugt Feinstaub bei weitem die höchsten Krankheitslasten in der Bevölkerung ( EEA 2022 ). Daher ist es sehr wichtig, die Feinstaubemissionen zu senken. Dies kann vor allem im Bereich des Hausbrands bzw. der Wärmeversorgung der Gebäude erfolgen, da hier ein großes Feinstaubminderungspotential vorhanden ist. Vor allem in Zusatzheizungen (Einzelraumfeuerungsanlagen) sollte so wenig Holz wie möglich verbrannt werden, da diese die höchsten Feinstaubemissionen aller Wärmeerzeuger aufweisen. Klimaschutz und die energetische Nutzung von Holz Auch aus Sicht des Klimaschutzes muss die energetische Nutzung von Holz einige Voraussetzungen erfüllen, um treibhausgasneutral zu sein. Zum einen ist die Kohlenstoffbilanz im Wald bei Holzentnahme nur ausgeglichen, wenn die gleiche Holzmenge zeitnah nachwächst. Darüber hinaus müssen die Wälder in Zukunft jedoch mehr CO 2 binden als sie dies jetzt tun. Nur so werden wir die Klimaziele erreichen, das zeigt auch der jüngste Bericht des Weltklimarats . Dazu muss mehr Holz nachwachsen als aus dem Wald entnommen wird. Dabei ist auch vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren vermehrt aufgetretenen Trockenheit und weiterer Faktoren zu bedenken, dass der notwendige Biomassezuwachs zusätzlich gefährdet ist. Das klimafreundliche Potenzial zur Nutzung von Holz ist demnach begrenzt. Holz sollte deshalb zuerst für hochwertige und dauerhafte Produkte und anschließend weiter in einer Nutzungskaskade verwendet werden. Wird das geerntete Holz für langlebige Holzprodukte wie Möbel oder Bauholz verwendet, wird der Kohlenstoff zunächst für weitere Jahrzehnte gebunden und nicht sofort freigesetzt wie bei seiner unmittelbaren Verbrennung. Zudem ersetzen Holzprodukte häufig Produkte aus fossilen Rohstoffen, was weitere Emissionen vermeiden kann. Erst am Ende einer möglichst langen Nutzungskette (z. B. als Dachbalken, Spanplatte, holzbasierte Chemikalien) sollte dann nicht weiter stofflich nutzbares Altholz in Feuerungsanlagen bzw. Kraftwerken mit hohen Umweltstandards verbrannt werden. Auch gewisse Mengen an Wald-Restholz und Landschaftspflegeholz können weiterhin energetisch genutzt werden, so dass sie fossile Brennstoffe ersetzen und so einen Beitrag zur Defossilisierung des Energiesystems sowie zur Versorgungssicherheit leisten. Dabei sollte aber solchen Anwendungen Vorrang eingeräumt werden, die nur schwierig durch andere erneuerbare Energien versorgt werden können (wie z. B. Hochtemperaturprozesse in der Industrie), oder Anwendungen, die hohe Emissionsstandards einhalten können, wie große Feuerungsanlagen (z. B. Heizkraftwerke). Zum Heizen von Gebäuden sollte Holz allenfalls in gut begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden, in denen es tatsächlich keine Alternative gibt. Gebäude sollten, nachdem prioritär eine energetische Sanierung den Wärmebedarf minimiert hat, vornehmlich mit Hilfe von Wärmenetzen, sofern diese verfügbar sind, oder Wärmepumpen beheizt werden, die inzwischen auch teilsanierte Bestandsgebäude effizient versorgen können. Wo eine Wärmepumpe allein nicht ausreicht, sind Hybridheizungen eine Lösung, bei denen die Wärmepumpe die meiste Heizwärme liefert und ein Heizkessel an den kältesten Tagen unterstützt – bereits diese Kombination spart viel Brennstoff. Um die Feinstaubemissionen einer Holzheizung so gering wie möglich zu halten, kann diese mit einer geeigneten Abgasbehandlung ausgerüstet werden. Dabei können beispielsweise elektrostatische Staubabscheider bis zu über 90 Prozent der Staubemissionen reduzieren. Weiterhin sollte die Installation einer Holzheizung immer an technische Nebenanforderungen geknüpft werden, wie die Pflicht, einen Holzheizkessel mit einem ausreichend großen Pufferspeicher zu kombinieren. Darüber hinaus ist es naheliegend, die Installation einer Holzheizung mit einer gleichzeitigen Solarenergie-Nutzungspflicht zu koppeln. Ziel dabei ist es, den Brennstoffeinsatz maßgeblich zu mindern. Über die Sommer- und Übergangsmonate kann die Trinkwassererwärmung weitgehend über eine Solarthermieanlage erfolgen. Die Kombination dieser Techniken ermöglicht es, die Einsatzstunden einer Holzheizung zu reduzieren und damit Brennstoff und Emissionen einzusparen. Biomethan, synthetisches Heizöl oder Wasserstoff sind aus verschiedenen Gründen keine empfehlenswerten Lösungen für die Raumwärmebereitstellung. Stromdirektheizungen eignen sich nur in energetisch sehr gut gedämmten Gebäuden mit minimalem Heizbedarf. 4-Punkte-Plan zum Schutz von Gesundheit und Klima 1. Förderung von Holzheizungen spätestens 2023 einstellen Holzheizungen sollen nicht mehr finanziell gefördert werden, um für die mittel- bis langfristige Perspektive keine falschen Förderanreize zu setzen. Der Förderstopp sollte spätestens bei der Überprüfung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Jahr 2023 umgesetzt werden. Freiwerdende Finanzmittel aus der Abschmelzung der Förderung für Holzheizungen sollten dann in die energetische Gebäudesanierung und Wärmepumpen umgelenkt werden, um schneller aus Gas und Öl auszusteigen. Gleichzeitig muss der Ausbau der Windenergie und von Photovoltaik-Anlagen massiv vorangetrieben werden, damit ausreichend erneuerbarer Strom zur Verfügung steht. 2. Die kommende 65 %-Regel für neue Heizungen umweltfreundlich gestalten Ab 2024 sollen neue Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen, wie es das Klimaschutz-Sofortprogramm der Bundesregierung vorsieht. Es handelt sich um ein zentrales Instrument für den Klimaschutz im Gebäudebestand, der die Ziele des Klimaschutzgesetzes weit verfehlt. Wenn diese Regelung dazu führt, dass eine große Zahl von Holzheizungen errichtet wird, sind nennenswerte Umweltschäden zu befürchten. Daher sollte die Regelung schwerpunktmäßig Wärmepumpen und Wärmenetze bevorzugen. 3. Verschärfung von Immissionsgrenzwerten für Feinstaub in der Außenluft Im Zuge der anstehenden Novellierung der EU-Luftqualitätsrichtlinie müssen deutlich anspruchsvollere Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft eingeführt werden. Auch wenn der im Oktober 2022 von der Europäischen Kommission hierfür vorgelegte Entwurf die Erreichung der ⁠ WHO ⁠-Empfehlungen bis 2030 noch nicht vorsieht, könnte er die rechtliche Grundlage für Maßnahmen schaffen, die Feinstaubemissionen aus Holzfeuerungen zu reduzieren. Dies kann im Rahmen lokaler Luftreinhalteplanung geschehen, z. B. durch (temporäre und lokale) Betriebsverbote für Komfortkamine oder ein Verbot des Einbaues von Holzheizungen in Neubauten im Rahmen von Bebauungsplänen. 4. Verschärfung von Emissionsgrenzwerten für Holzheizungen In der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – 1. ⁠ BImSchV ⁠) sind die Regelungen für die Emissionshöchstwerte für kleine Holzheizungen aller Art festgeschrieben. Da auf EU-Ebene Öko-Design-Verordnungen (EU VO 2015/1185 und EU VO 2015/1189) ebenfalls Grenzwerte für Neuanlagen festschreiben, darf Deutschland seine nationale Verordnung nicht verschärfen (EU-Recht steht über Bundesrecht). Um strengere Emissionsgrenzwerte festzulegen, muss sich Deutschland für eine Verschärfung der Grenzwerte auf EU-Ebene einsetzen. Dies kann jedoch nur mittelfristig wirksam werden. Über eine Novellierung der 1. BImSchV sollten hingegen strengere Emissions­grenzwerte für Anlagen, die vor 2015 eingebaut wurden, festgesetzt werden. Dies kann technisch über eine Nachrüstung mit Staubabscheidern, einen Austausch oder eine Stilllegung der betroffenen Anlagen umgesetzt werden. Die Pflicht zu Austausch, Stilllegung oder Nachrüstung von Altanlagen sollte zeitlich gestaffelt erfolgen.

UBA aktuell - Nr.: 3/2023

Liebe Leser*innen, wir müssen weg von fossilen Energien, auch beim Heizen. Warum aber eine massive Ausweitung der Nutzung von Holz in privaten Kaminöfen oder Pelletheizungen keine gute Idee ist, erfahren Sie in dieser Newsletterausgabe. Außerdem geht es unter anderem um Gesundheitsrisiken durch Verkehrslärm und die neue Abgabe für Hersteller von Einwegprodukten aus Kunststoff, wie Plastikbecher oder Zigarettenfilter. Ebenfalls mit dabei: diverse Veranstaltungstipps, etwa unsere Kolloquienreihe zum Thema umweltschonender Güterverkehr. Interessante Lektüre wünscht Ihre Pressestelle des Umweltbundesamtes Energiewende beim Heizen: Ausweitung der Holznutzung kontraproduktiv für Klima und Gesundheit Beim Verbrennen von Holz entstehen Treibhausgase und gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe. Quelle: Marco2811 / Fotolia.com Das Beheizen von Räumen macht in Deutschland rund 70 Prozent des Energieverbrauchs von Privathaushalten aus. Um die katastrophalen Folgen des Klimawandels für uns Menschen zu dämpfen, ist ein Absenken dieses Verbrauchs und ein vollständiger Umstieg von Erdgas und -öl auf erneuerbare Energien unerlässlich. Würde hierdurch jedoch der Einsatz von Holz nennenswert gesteigert, hätte dies weitreichende negative Folgen für den Gesundheits- und Klimaschutz: Das Verbrennen von Holz in privaten Kleinfeuerungsanlagen, wie Kamin- und Kachelöfen oder auch Holz-Heizkessel, trug im Jahr 2020 bereits mit 18 Prozent zu den deutschen Emissionen der kleinen Feinstaubpartikel PM2,5 bei – fast so viel wie der Straßenverkehr. Es wäre jedoch mindestens eine Halbierung der PM2,5-Emissionen notwendig, um sich den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (⁠WHO⁠) für die Außenluft anzunähern. Luftverschmutzung – und hier allen voran der Feinstaub – ist neben dem ⁠Klimawandel⁠ eine der größten umweltbezogenen Bedrohungen für die menschliche Gesundheit. Auch für den Klimaschutz wäre ein weiterer Ausbau der Holzverfeuerung kontraproduktiv: Die Menge des in deutschen und europäischen Wäldern neu eingespeicherten Kohlenstoffs sinkt seit Jahren und es kann nicht mehr verlässlich angenommen werden, dass der Kohlenstoff, der bei der Verbrennung von Holz freigesetzt wird, zeitnah wieder gebunden wird. Damit wir unsere Klimaziele erreichen, müssen die Wälder jedoch in Zukunft sogar mehr CO ₂ binden als sie dies jetzt tun. Dazu muss mehr Holz nachwachsen als aus dem Wald entnommen wird – und das bei steigenden Risiken für Dürren und Waldbrände. Wenn Holz genutzt wird, sollte dies zunächst für langlebige Produkte, wie Möbel oder Bauholz, geschehen, damit das im Holz gespeicherte CO ₂ nicht sofort durch Verbrennen wieder in die Atmosphäre gelangt. Nur nicht (mehr) für solche Produkte nutzbares Holz sollte verbrannt werden und dann für Zwecke, in denen andere erneuerbare Energien, wie mit Ökostrom betriebene Wärmepumpen, nur wenig geeignet sind – etwa Hochtemperaturprozesse in der Industrie – oder für Anwendungen, die hohe Emissionsstandards einhalten können, wie große Heizkraftwerke. Zum Heizen von Gebäuden sollte Holz allenfalls in gut begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden, in denen es tatsächlich keine Alternative gibt. Gebäude sollten, nachdem eine energetische Sanierung den Wärmebedarf minimiert hat, vornehmlich mit Hilfe von Wärmenetzen oder Wärmepumpen beheizt werden, die inzwischen auch teilsanierte Bestandsgebäude effizient versorgen können. Wo eine Wärmepumpe allein nicht ausreicht, sind Hybridheizungen eine Lösung, bei denen die Wärmepumpe die meiste Heizwärme liefert und ein Pellet-Heizkessel an den kältesten Tagen unterstützt – bereits diese Kombination spart viel Brennstoff. Das UBA empfiehlt deshalb folgenden 4-Punkte-Plan zum Schutz von Gesundheit und Klima: Punkt 1: Die staatliche Förderung von Holzheizungen, ob mit Scheitholz, Holzpellets oder -briketts, sollte bis Ende 2023 eingestellt und die Gelder stattdessen für die Förderung von energetischer Gebäudesanierung und Wärmepumpen eingesetzt werden. Punkt 2: Bei der aktuell vom Gesetzgeber geplanten Regelung, bei neuen Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einzusetzen, sollten Wärmepumpen und Wärmenetze bevorzugt werden. Punkt 3 : Die Immissionsgrenzwerte für Feinstaub in der Außenluft sollten im Zuge der anstehenden Novellierung der EU-Luftqualitätsrichtlinie in Anlehnung an die Empfehlungen der WHO verschärft werden. Punkt 4: Auch die Emissionsgrenzwerte für Holzheizungen sollten in der EU und Deutschland verschärft werden. "Ungeheure Geschwindigkeit" – Dirk Messner über die Klimakrise Klimakrise, Klima-Aktivisten und eine gespaltene Gesellschaft: Darüber spricht der Präsident des Umweltbundesamtes Dirk Messner in der vierten Folge des Podcasts "In aller Ruhe" der Süddeutschen Zeitung. Klima- und Wärmeschutz: Kühle Gebäude im Sommer "Kühle Gebäude im Sommer" – so heißt eine gerade erschienene Studie des Umweltbundesamtes. Es geht darum, wie sich Gebäude in einem aufgeheizten Stadtklima im Hochsommer besser schützen lassen. Beitrag in der Rubrik "Wissenswerte" im RBB24-Inforadio, unter anderem mit UBA-Experte Jens Schuberth. Der Skandal um das Umweltgift PFAS: Auf ewig in der Natur? Die Chemikalien der Stoffgruppe PFAS galten lange als Wundermittel. Sie sind aber auch in der Umwelt und im Trinkwasser gelandet. Ein Risiko für Mensch und Natur? Deutschlandweit sind Böden mit unterschiedlichen PFAS verseucht. Wie gehen wir mit den Ewigkeitschemikalien in der Umwelt um? Doku im Umweltmagazin "Unkraut" des Bayerischen Rundfunks, unter anderem mit UBA-Expertin Marike Kolossa. Neue Waschmittel – saubere Sache? Sendung "Der Haushalts-Check" im WDR-Fernsehen, unter anderem mit UBA-Experte Marcus Gast UBA-Zahl des Monats April 2023 Quelle: UBA

Lagerhaltung von Holz geht mit 90 Prozent weniger Energie

Lagerhaltung von Holz geht mit 90 Prozent weniger Energie Rund 90 Prozent der bei der Lagerhaltung und Kommissionierung von Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz genutzten Energie kann eingespart werden. Das zeigt die erste großtechnische Umsetzung eines elektrisch betriebenen vollautomatischen Kran- und Saugsystems, das mit Förderung des Umweltinnovationsprogramms bei der Holzgroßhandlung Karl Ahmerkamp Vechta GmbH & Co. KG in Betrieb ging. Die neue Anlage übernimmt vollautomatisch die Einlagerung neuer Lieferungen und die Bereitstellung bestimmter Artikel aus dem Lager (Kommissionierung). Sie spart dabei rund 90 Prozent Energie gegenüber dem bisherigen Stand der Technik in der Branche. Bei der bisherigen Art der Kommissionierung in der Firma musste zunächst der gesamte Inhalt eines Regalfaches des Hochregallagers mit einem dieselbetriebenen Gabelstapler zum Kommissionierplatz transportiert werden. Dort wurde die benötigte Anzahl an Hölzern händisch aus dem Paket entnommen. Im Anschluss mussten die verbliebenen Reststücke mit dem Gabelstapler wieder zurück ins ursprüngliche Fach des Hochregallagers gebracht werden. Zum Schutz der Ware wurden die Kommissionspakete im Anschluss händisch mit Plastikfolie umwickelt. Das neue, automatische Transportsystem besteht aus zwei Kransystemen, die wiederum jeweils zwei Saugsysteme zum Anheben der Hölzer besitzen. Durch eine softwareseitige Optimierung der Fahrwege und der Stapelbildung in einem Flächenlager werden Fahrwege insgesamt minimiert und Leerfahrten vermieden. Bremsenergie wird zurückgewonnen. Der Umstieg auf eine vollautomatische Umwicklungsmaschine am Warenausgang führt zusätzlich zu einer Einsparung von insgesamt 1,9 Tonnen Plastikverpackungsmaterial pro Jahr. Die Technik ist auf zahlreiche Unternehmen der Holzhandelsbranche übertragbar.

Kriminalitäts- und Verkehrslage

Eisleben / Kraftstoff entwendet Dank aufmerksamer Zeugen konnten gegen 04:00 Uhr vier Tatverdächtige nach einem Kraftstoffdiebstahl in der Unterrißdorfer Straße gestellt werden. Die zwei Frauen und zwei Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren stehen ebenfalls im Verdacht, von einem PKW in Tatortnähe die amtlichen Kennzeichen entwendet zu haben. Bei der Durchsuchung ihres genutzten PKW wurden u.a. bereits gefüllte Kraftstoffbehälter aber auch illegale Pyrotechnik aufgefunden und sichergestellt. Die Ermittlungen auch zu weiteren Straftaten laufen. Wallhausen / Betrug Wie erst jetzt angezeigt wurde, hat bereits im Sommer ein Senior einen Anruf eines vermeintlichen Rechtsanwaltes erhalten, der angab, dass mit den Personalien des Geschädigten in der Türkei „eine Schluderei“ geschehen sei. Unter dem Vorwand, das Problem aus der Welt zu schaffen, sollte der Senior 4.000 Euro auf ein belgisches Konto überweisen. Diese seien jedoch nur eine Art Kaution und der Mann bekäme sie zurück. Bis zum heutigen Tage erfolgte keine Reaktion des Anwaltes oder eine Rücküberweisung. Der Betrogene erstatte Anzeige. Sangerhausen / Versuchter Holzdiebstahl In der Nacht versuchten unbekannte augenscheinlich männliche Täter Bauholz von einem Grundstück zu entwenden. Offensichtlich wurden sie bei der Tatausführung gestört und verschwanden ohne Holz. Berga / Buntmetalldiebstahl Vom Gelände einer Firma entwendeten Unbekannte mehrere Kilo Buntmetall. Agnesdorf / Wohnungsbrand Aus noch unbekannter Ursache kam es zu einem Brand im Schlafzimmer einer Wohnung in der Landstraße. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig vor den Flammen in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr konnte das Feuer löschen, so dass sich das Brandereignis auf einen Raum beschränkt. Der Schaden wird mit ca. 5.000 Euro angegeben. Verkehrslage Eisleben / Freistraße / 20.12.2021   15:47 Uhr Beim Ausparken kollidierte ein PKW mit einem vorbeifahrenden PKW. Dabei entstand an beiden Fahrzeugen Sachschaden von ca. 4.000 Euro. Sangerhausen / Schützenplatz /21.12.2021   08:40 Uhr Nach einem Parkplatzrempler zwischen einem ausparkenden und einem stehenden PKW verschwand das verursachende Fahrzeug, ein PKW VW. Aufmerksame Zeugen merkten sich das amtliche Kennzeichen und informierten die Geschädigte, die zwischenzeitlich in einem Supermarkt einkaufte. Die Polizei hat die Ermittlungen zum flüchtenden Verursacher aufgenommen. Polizeiinspektion Halle (Saale) Polizeirevier Mansfeld-Südharz Friedensstraße 07 06295 Eisleben Tel: (03475) 670-204 Fax:(0345) 224 111 1610 Mail: za.prev-msh@polizei.sachsen-anhalt.de

Energieeffiziente automatisierte Kommissionierungsanlage für Konstruktionsvollholz (KVH-Flächenlager)

Die Holzgroßhandlung Karl Ahmerkamp Vechta GmbH & Co. KG wurde 1964 gegründet. An ihrem Stammsitz in Vechta betreibt das Unternehmen ein automatisches Lager zur Kommissionierung von Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz. Im Holzgroßhandel wurden bisher zur Lagerhaltung von Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz Hochregal- und Blocklager genutzt. Der innerbetriebliche Transport der Hölzer bei der Warenein- und Warenauslagerung erfolgte mit dieselbetriebenen Gabelstaplern. Die bisherige Art der Kommissionierung erforderte, dass zunächst der gesamte Inhalt eines Regalfaches des Hochregallagers zum vorgesehenen Kommissionierplatz zur Zwischenlagerung transportiert werden musste. Auf dem Kommissionierplatz wurde die benötigte Anzahl an Hölzern händisch aus dem soeben geholten Paket (Inhalt des Regalfaches) entnommen. Im Anschluss mussten die verbliebenen Reststücke wieder zurück ins ursprüngliche Fach des Hochregallagers gebracht werden. Zum Schutz der Ware wurden die Kommissionspakete im Anschluss händisch mit Plastikfolie umwickelt. Ziel des Vorhabens der Karl Ahmerkamp Vechta GmbH & Co. KG war die Automatisierung der Lagerhaltung und Kommissionierung von Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz. Dadurch sollte die Effizienz der Lagerhaltung verbessert und der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Realisiert wurde dieses Ziel durch die erstmalige großtechnische Umsetzung eines elektrisch betriebenen vollautomatischen Kran- und Saugsystems in Verbindung mit einem Flächenlager. Innovativ ist hierbei auch die softwareseitige Optimierung der Fahrwege und der Stapelbildung, so dass die Fahrwege insgesamt minimiert und Leerfahrten vermieden werden. Ab dem Wareneingang werden die Hölzer durch das automatische Transportsystem aufgenommen. Dieses besteht aus zwei Kransystemen, die wiederum jeweils zwei Saugsysteme zum Anheben der Hölzer besitzen. Bereits bei der Wareneinlagerung optimiert die Planungssoftware für den Wareneingang und -ausgang situationsabhängig mögliche Kombinationen von Ein- und Auslagervorgängen, um Fahrwege zu minimieren, Leerfahrten zu vermeiden und die Produktivität zu erhöhen. Die einzulagernden Hölzer werden entsprechend der Warenein- und -auslagerungssteuerung automatisch an einen geeigneten freien Lagerplatz gebracht. Die Reihenfolge und Anordnung der Hölzer am Warenausgang ist ebenfalls softwareoptimiert, sodass ein umlade-, transport- und verladesicherer Stapel erzeugt wird. Die fertigen Pakete werden durch eine automatische Wickelmaschine materialeffizient in Stretch-Folie verpackt. Durch die Nutzung von effizienten Motoren (mindestens IE3) und der Rückeinspeisung von Bremsenergie in das System konnten innerhalb des Vorhabens deutliche Energieeinsparungen erzielt werden. Im Rahmen des durchgeführten Messprogramms konnte eine Energieeinsparung in Höhe von 90 Prozent der ursprünglich benötigten Energie nachgewiesen werden. Das entspricht einer Einsparung von 186.642 Kilowattstunden elektrischer Energie pro Jahr. Umgerechnet in CO 2 Emissionen führt dies zu einer jährlichen Einsparung von 53.378 Kilogramm CO 2 , was eine Minderung um 87 Prozent, bedeutet. Durch die materialeffiziente automatische Wickelmaschine werden zusätzlich 1,9 Tonnen Plastikverpackungsmaterial eingespart. Das innovative Verfahren besitzt Modellcharakter und ist auf zahlreiche weitere Unternehmen des Holzhandels übertragbar. Branche: Holzverarbeitung Umweltbereich: Klimaschutz Fördernehmer: Karl Ahmerkamp Vechta GmbH & Co. KG Bundesland: Niedersachsen Laufzeit: 2015 - 2020 Status: Abgeschlossen

Biomasse: Beste Ökobilanz bei Nutzungskaskade

Hemmnisse für stoffliche Biomassenutzung abbauen Bioenergie, insbesondere Biokraftstoffe, werden kontrovers diskutiert – Bietet die stoffliche Nutzung von Biomasse in Form von Baumaterialien, Biokunststoffen oder Schmierstoffen also eine bessere Alternative? Diese Frage wurde jetzt erstmalig umfassend in einem Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Werden nachwachsende Rohstoffe vor einer energetischen Nutzung stofflich genutzt, lassen sich fossile Rohstoffe einsparen, Treibhausgasemissionen vermindern und die Wertschöpfung steigern. So soll Holz in einer längeren Verwertungskette zuerst als Baumaterial oder für die Holzwerkstoffindustrie im Anschluss zum Beispiel für Möbel genutzt werden und erst danach als Holzpellet für die Energiegewinnung. Diese Kaskadennutzung sollte in den Mittelpunkt einer langfristigen Strategie für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Biomassenutzung gestellt werden. Holz, Stärke aus Mais und Weizen, Pflanzenöle und Zucker zählen zu den wichtigsten stofflich genutzten biogenen Rohstoffen. Eine verstärkte stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe in Deutschland hätte erhebliche ökologische und ökonomische Potentiale  hinsichtlich  Treibhausgasminderung, Wertschöpfung und Beschäftigung, so die Projektergebnisse aus den Szenarien. In diesen wurde angenommen, dass die in Deutschland bisher energetisch genutzte ⁠ Biomasse ⁠ in Gänze stofflich genutzt wird. Ökobilanzen zeigen, dass die stoffliche Nutzung von Biomasse viele Parallelen zur energetischen Biomassenutzung hat, allerdings ist die Kaskadennutzung des Rohstoffs, bei der sich die energetische an die stoffliche Nutzung anschließt, einer rein energetischen Nutzung weit überlegen. Auch ökonomisch hat die stoffliche Nutzung Vorteile. Sie schafft, bezogen auf die gleiche Menge an Biomasse, die fünf- bis zehnfache Bruttowertschöpfung und ebensolche Beschäftigungseffekte. Hauptgrund sind die meist langen und komplexen Wertschöpfungsketten. Die stoffliche Biomassenutzung wird derzeit nicht finanziell gefördert.  Gegenüber der energetischen Biomassenutzung ist sie deshalb kaum wettbewerbsfähig. Verschiedenste Programme und gesetzliche Regelungen begünstigen den Anbau von Energiepflanzen, deren Verarbeitung und direkten Einsatz zur Energiegewinnung – unter anderem durch Steuervorteile. Das steigert die Nachfrage nach Biomasse und folglich deren Preis, was wiederum höhere Pacht- und Bodenpreise nach sich zieht. Eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kaskadennutzung wird so verhindert. Bei dieser würde Holz in einer längeren Recyclingkette idealerweise zuerst als Baumaterial, dann für Spanplatten, im Anschluss für Möbel und danach für kleine Möbel wie Regale genutzt werden.  Erst dann, wenn es sich nicht mehr für Holzprodukte eignet, kann es auch für die Energiegewinnung eingesetzt werden. ⁠ UBA ⁠-Vizepräsident Thomas Holzmann: „Die beste Form Biomasse einzusetzen, ist die Kaskadennutzung.  Holz oder andere pflanzliche Stoffe sollen so lange wie möglich stofflich genutzt werden, für Bauholz oder Möbel und anschließend für neue Produkte recycelt werden. Erst die Rest- und Abfallstoffe dürfen für die Energiegewinnung eingesetzt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, vergleichbare Rahmenbedingungen für stoffliche und energetische Biomassenutzung zu schaffen und den Ausbau der Kaskadennutzung voranzutreiben. Das ist die optimale, ressourceneffizienteste Verwertung der Biomasse.“ Die  bestehenden Wettbewerbsverzerrungen zuungunsten der stofflichen Nutzung von Biomasse lassen sich durch unterschiedliche Maßnahmen verringern. Beispielsweise sollte in der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU (RED) und im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) die Kaskadennutzung deutlich besser gestellt werden als die direkte energetische Nutzung frischer Biomasse. Ein weiteres Beispiel ist das Marktanreizprogramm (MAP) für Erneuerbare Energien, das die Wärmeerzeugung durch Biomasseanlagen fördert. Würde diese Förderung schrittweise gekürzt werden und würde dadurch die Nachfrage nach Scheitholz-, Hackschnitzel- und Pelletheizungen sinken, ließe sich die Konkurrenz um Holz zwischen dem stofflichen und energetischen Sektor deutlich entschärfen. Um das zu erreichen, sollte auch die Umsatzsteuer für Brennholz erhöht werden. Sie liegt derzeit bei einem reduzierten Satz  von sieben Prozent. In Deutschland werden derzeit etwa 90 Millionen Tonnen an nachwachsenden Rohstoffen genutzt. Knapp die Hälfte davon (52 %) wird stofflich genutzt, die andere Hälfte (48 %) energetisch. Mengenmäßig ist Holz der wichtigste nachwachsende Rohstoff. Es wird in der Säge- und Holzwerkstoffindustrie eingesetzt, als Bauholz für Gebäude oder die Möbelproduktion sowie in der Papier- und Zellstoffindustrie. Die Oleochemie und die chemische Industrie verarbeiten Pflanzenöle, z.B. zu Farben, Lacken und zu Schmierstoffen sowie stärke- und zuckerhaltige Pflanzen zu Tensiden und biobasierten Kunststoffen. Die Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffen, die stofflich genutzt werden, beläuft sich weltweit auf 2,15 Milliarden Hektar. Am meisten wird Holz angebaut, die Stärkepflanzen Mais und Weizen, die Ölpflanzen Ölpalme und Kokosnuss, das Zuckerrohr sowie Baumwolle und Naturkautschuk. Weitere Informationen: Das Forschungsprojekt „Ökologische Innovationspolitik – Mehr Ressourceneffizienz und ⁠ Klimaschutz ⁠ durch nachhaltige stoffliche Nutzungen von Biomasse“ wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes  durchgeführt und mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (⁠ BMUB ⁠) gefördert. Das Projekt wurde unter Federführung der nova-Institut GmbH, Hürth, in Kooperation mit weiteren Partnern von 2010 bis 2013 bearbeitet. F+E Ökologische Innovationspolitik – Mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz durch nachhaltige stoffliche Nutzungen von Biomasse (FKZ 37 1093 109). Der Forschungsbericht kann unter der Kennnummer 001865 aus der Bibliothek des Umweltbundesamtes ausgeliehen werden.

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