Verluste von Bienenvölkern sind in Europa eng mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten in den verschiedenen Mitgliedsstaaten verknüpft. Die Ausbreitung des eingeschleppten Bienenstockparasiten Aethina tumida (Kleiner Bienenstockkäfer - SHB) aus Italien wird die Bienenverluste noch verstärken. Dadurch werden die Bestäubungssicherheit, die durch Bienen geförderte Biodiversität in der Umwelt und der Bienenwirtschaftssektor beeinträchtigt.
Ziele des Projektes sind die Entwicklung neuer Methoden zur Völkerführung (Gute imkerliche Praxis - GBP (Good Beekeeping Practices)), die Einführung und Annahme neuer klinischer Methoden, biomechanischer und innovativer molekularbiologischer Techniken unter Berücksichtigung der natürlichen Verhaltensweisen der Bienen.
BPRACTICES hat einen innovativen Ansatz zur Diagnose und Vorbeugung der wichtigsten Bienenkrankheiten (Varroa destructor und damit verbundener Viren, Amerikanische und Europäische Faulbrut, Nosema spp., Aethina tumida) unter Einbeziehung der Identifikation und Validierung geeigneter Maßnahmen der guten imkerlichen Praxis. Dieser umfasst die Anwendung neuer und revolutionärer diagnostischer Techniken, wie zum Beispiel Biosensoren aus Honig und PCR Analysen aus Gemülleproben, die dazu beitragen, die Bienengesundheit zu erhalten und die Anwendung chemischer Behandlungen zu reduzieren. Dadurch wird die Qualität und Sicherheit der Bienenprodukte erhalten. Dieses nachhaltige Produktionssystem, das die natürlichen Verhaltensweisen der Bienen zur Krankheitsabwehr stärkt, wird an die Verbraucher mit Hilfe neuer Informationstechnologien (QRCode/RFID system) kommuniziert. Diese erhalten dadurch genaue Informationen über den gesamten Gewinnungsprozess der Produkte. Diese Ziele werden mit Hilfe einer fachübergreifenden Strategie durch die Kombination aus wissenschaftlicher Forschung, praktischer Sachkenntnis bei der Validierung der Methoden und in der Lebensmittelüberwachung, sowie durch betriebswirtschaftliche, gesellschaftliche und marktorientierte Auswertungen, erreicht. Dieser breite Zugang wird durch die Einbindung unterschiedlicher Akteure in den einzelnen Arbeitspaketen (WPs) ermöglicht. Diese bestehen aus Experten unterschiedlicher Fachgebiete mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten, aber auch aus Imkervertretern, die über die Apimondia ihr praktisches und wertvolles Wissen einbringen. Die Steigerung der Produktivität, Ausfallssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion im Tiersektor (Research Area 1) wird durch die Verbesserung in der Völkerführung mit dem Ziel, die Verbreitung der wichtigsten Bienenkrankheiten in der EU zu beschränken, erreicht. Dies wird die Quantität, Qualität und Sicherheit der Bienenprodukte in der EU erhöhen und die wirtschaftlichen Verluste durch Krankheiten und durch suboptimale Völkerführung reduzieren. Es wird ein länderspezifischer Zugang im Hinblick auf die Bienenkrankheiten gewählt, um künftige Bedrohungen der Bienenzucht in EU abzuwenden. (Text gekürzt)
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] umwelt
journal
Rheinland Pfalz
Heft 58 September 2015
Bienen | 25 Jahre LZU
Herausgegeben vom
Ministerium für Umwelt,
Landwirtschaft, Ernährung,
Weinbau und Forsten
Rheinland-Pfalz
Impressum
umweltjournal
Rheinland-Pfalz
umwelt
Inhalt
Editorial
Vorwort der Ministerin
3
Nr. 58 (September 2015)
Das umweltjournal
ist kostenlos
Herausgeber:
Ministerium für Umwelt,
Landwirtschaft, Ernährung,
Weinbau und Forsten
Kaiser-Friedrich-Straße 1
55116 Mainz
Tel. 06131 – 164433
Fax. 06131 – 164629
Redaktion:
Landeszentrale für Umweltaufklärung
Rheinland-Pfalz
Honigbienen und Wildbienen
Wildbienen4
Von Honigbienen und Blüten8
Bienenzüchtung in Deutschland12
Zur Verbreitung der Honigbienenarten15
Das Verschwinden der Bienen
Goodbye Maja!16
Haben Bienen eine kognitive Karte?20
Wohin geht die Bienenhaltung?24
Bienen in Gefahr28
Bienen und Imkerei
Gestaltung:
media machine GmbH, Mainz
Druck:
Druckerei Schwalm GmbH, Mainz
Titelbild:
Helga R. Heilmann,
Universität Würzburg
Fotos:
Projektfotos
Helga R. Heilmann, S. 8, 9, 10, 11, 77
M. Schneider, Universität Würzburg,
S. 11 Portrait
Sabine Jacoub, BUND Mainz, S. 78
Sofern nicht besonders erwähnt,
wurden die Fotos von den jeweiligen
Autoren zur Verfügung gestellt
Die mit Namen der Autoren
gekennzeichneten Artikel geben
nicht unbedingt die Meinung
der Redaktion wieder.
Förderung der Bienenhaltung31
Das Fachzentrum für Bienen und Imkerei32
Nahrungsverfügbarkeit für Bienen34
Varroose und das Wetter38
Imkerei und Gentechnik40
Ohne Honigbienen geht es nicht42
Die Buckfastbiene46
Belegstellen50
Bienen und nachhaltige Entwicklung
Bienen als pädagogische Kollegen:52
Facetten der Bienenthematik im Unterricht56
Bienen für nachhaltige Entwicklung60
Bienen, der Bien und Kultur
Der Gott der Bienen ist die Zukunft62
Bienen als Kunstschaffende66
Verbesserung der Lebensgrundlagen
Lebensräume schaffen!68
Eh da-Flächen70
Blühendes Rheinhessen im Jubiläumsjahr74
Von den Bienen lernen, heißt lieben lernen?76
* LZU-Journal
79
Zum Schluß
Earth Overshoot Day
2
umweltjournal 58/2015
87
umwelt
Editorial
Jeder Imker kennt das seit einigen Jahren. Die Waben voller Honig, die Brut tot, die Bienen
weg. Was ist passiert? Wild- und Honigbienen sind eigentlich robuste Wesen. Doch sie sind
schwach geworden. Dabei ist ein großer Teil der Biodiversität und unserer Lebensmittelver-
sorgung ohne Bienen nicht denkbar. Die Bienen kranken am Menschen. An unserer Landwirt-
schaft, unserer Forstwirtschaft, unseren Pharmazeutika, unserem Energiehunger, unserem
oft ungezügelten Gewinnstreben. Aus vielen Gründen haben es die Bienen besonders im
ländlichen Raum schwer. Durch industrielle Landwirtschaft wird ihre Ernährungsgrundlage
stark verengt, was ihre Widerstandskräfte schwächt. Pestizide, wie die Neonikotinoide, stören
offensichtlich die Entwicklung der Bienen und deren Orientierungssinn, so dass die Altbienen
aus dem Stock verschwinden und ganze Bienenvölker zusammenbrechen. Dazu kommen
eingeschleppte Schädlinge, wie die Varroa-Milbe oder Krankheiten wie die Amerikanische
Faulbrut.
Um das Überleben der Wild- und Honigbienen in Europa zu sicheren, muss vor allem im länd-
lichen Raum angesetzt werden. So hat etwa die EU im Jahr 2013 vorübergehend drei Neoni-
cotinoide vom Markt genommen.
Wir haben den Ökolandbau in Rheinland-Pfalz ausgeweitet und stärken die bäuerliche Land-
wirtschaft. Wir fördern Saum- und Bandstrukturen von einjährigen Blühmischungen und
Streuobstwiesen, ebenso wie vielfältigere Kulturen im Ackerbau, durch Fruchtfolgen und Zwi-
schenfruchtanbau und mindestens zehn Prozent Leguminosen. Es gibt Programme zur exten-
siven Grünlandbewirtschaftung: Öffentliches Geld gibt es vor allem für öffentliche Leistungen,
also eine Landbewirtschaftung, die der Biodiversität und damit zum Beispiel unseren Bienen,
aber auch Schmetterlingen, anderen Insekten und Wildtieren sowie den Gewässern zu Gute
kommt. Dies wiederum danken die Bienen und andere Insekten der Landwirtschaft durch ihre
Bestäubungsleistung und den Menschen durch Honig, Pollen und andere Bienenprodukte.
Die Imkerei wird in Deutschland zu über 90 Prozent als Liebhaberei betrieben. Dies ist ein
wichtiger Beitrag für eine flächendeckende und kontinuierliche Befruchtung der Pflanzen,
die auf die Honigbienen angewiesen sind. Für diese Systemleistung werden die Bienenhalte-
rinnen und –halter finanziell vom Land und durch die EU unterstützt, z.B. bei ihrer Aus- und
Fortbildung durch die Landesverbände und Imkervereine sowie durch unsere „Fachstelle
Bienen und Imkerei“ in Mayen. Bienenhaltung ist eine kulturelle Leistung, die Menschen seit
tausenden von Jahren erbringen. Auch in die Schulen fanden die Bienen schon früh Eingang.
Mit dem Projekt „Aktion Bien – Bienen machen Schule“ der LZU wird diese gute Tradition
belebt und gefördert. So stehen den derzeit etwa 100 teilnehmenden Schulen im Land mit
ihren Bienenvölkern lebendige Partner für eine Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zur
Verfügung. Bienen – mit ihrem Sozialverhalten, ihrer naturgemäßen Lebensweise, ihrem sym-
pathischen Wesen und ihren gesunden und leckeren Produkten – schaffen bei Schülerinnen
und Schülern Empathie und sind lebende Vorbilder für ein nachhaltiges Leben.
Damit es den Insekten, vor allem unseren Bienen gut geht, dafür kann fast jede und jeder et-
was tun. Etwa durch den Honigkauf beim örtlichen Imker, durch Verzicht auf Gifte im Garten
oder auf dem Balkon, durch blühende Pflanzen rund um Haus oder Wohnung. Ich danke den
Imkern und Landwirten, den Naturschützerinnen, Lehrerinnen und Schulen, den Fremden-
führern, den vielen Initiativen zur Pflege unserer Gemarkungen und Streuobstflächen sowie
zur Begrünung unserer Städte für ihre Arbeit. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag, damit
immer mehr Menschen über die Bedeutung der Bienen für die Vielfalt in der Natur und die
Wichtigkeit der Bestäuberinsekten erfahren. Auch dieses Heft soll dazu einen Beitrag leisten.
Ulrike Höfken
Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft,
Ernährung, Weinbau und Forsten
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Wildbienen
faszinierende, aber bedrohte Vielfalt
Die Honigbiene des Imkers kennt jeder. Über kein an-
deres Insekt wurde so viel geforscht und geschrieben.
Deshalb verwundert es nicht, dass die Begriffe Biene
und Honigbiene für die meisten Menschen Synonyme
sind. Ja, es fällt ihnen sogar schwer zu glauben, dass
weltweit bislang über 17000 Bienenarten bekannt
wurden und dass allein zur Tierwelt Deutschlands
über 560 Bienenarten gehören. Da diese anderen Bie-
nen durchweg wildlebend sind, nennen wir sie um-
gangssprachlich auch „Wildbienen“.
Während auch die Honigbiene in weiten
Teilen Afrikas noch eine echte Wildbie-
ne ist, wird sie weltweit als Nutzbie-
ne für die Erzeugung von Honig und
Wachs oder zur Bestäubung gehalten.
Schon im 19. Jahrhundert haben In-
sektenkundler den verschiedenen Ver-
wandschaftsgruppen der Bienen, die
wir als Gattungen bezeichnen, zum
besseren Verständnis deutsche Namen
gegeben und haben sich dabei an äu-
ßeren Merkmalen oder der Lebenswei-
se orientiert. Daher gibt es unter an-
derem Maskenbienen, Furchenbienen,
Sandbienen, Mauerbienen, Woll- und
Harzbienen und Pelzbienen.
Keinen neuen Namen brauchten die
pelzigen Brummer, die gut bekannten
Hummeln nämlich, die ebenfalls zu den
Wildbienen zählen und mit der Honig-
biene nah verwandt sind. Viele Wildbie-
nenarten sind klein und unscheinbar.
Manche sind nur 4 mm groß. Es gibt
aber auch solche mit auffälliger Fär-
bung und markanter Größe. Oft werden
Wildbienen mit Fliegen oder Wespen
verwechselt. Hinzu kommt, dass al-
le Wildbienen in zwei Geschlechtern
auftreten. Wer sich daher näher mit
Wildbienen beschäftigen will und Be-
stimmungstabellen verwendet, ist allein
in Deutschland mit über 1100 Formen
konfrontiert, da sich die Männchen mei-
stens erheblich von den Weibchen un-
terscheiden. Die große Vielfalt zeigt sich
aber nicht nur in äußerlichen Merkma-
len, sondern vor allem in ihrer faszinie-
renden Lebensweise.
4
umweltjournal 58/2015
Wildbienen kann man vom zeitigen
Frühling bis zum Herbst nahezu über-
all antreffen Wir finden sie in feucht-
kühlen Hochmooren ebenso wie auf
trocken-heißen Felshängen, in lichten
Wäldern ebenso wie in Schilfröhrich-
ten. Viele Arten leben inmitten unserer
Städte und Dörfer. Auch in Hausgärten
und selbst auf dem Balkon lassen sie
sich beobachten. Das Artenspektrum
ist aber nicht überall und zu jeder Jah-
reszeit gleich. Der Lebensraum einer
typischen, nämlich nestbauenden Wild-
biene muss zwei Grundvoraussetzun-
gen erfüllen: Er muss einen geeigneten
Brutplatz für das Nest und gleichzeitig
Nahrungspflanzen in erreichbarer Nähe
und in ausreichender Menge aufweisen.
Dabei sollten wir wissen, dass sich der
Gesamtlebensraum vielfach aus meh-
reren räumlich getrennten Teillebens-
räumen zusammensetzt, die jeweils als
Nistplatz, als Nahrungsraum und/oder
zur Gewinnung des Baumaterials die-
nen. Schon wenn ein Teil des Lebens-
raums verloren geht, erlischt zwangs-
läufig an dieser Stelle der Bestand der
davon abhängigen Art. Diese Tatsache
ist einer der Gründe für den gravieren-
den Rückgang der Artenvielfalt und ist
bei allen Maßnahmen zum Schutz der
Wildbienen zu berücksichtigen.
Die von Art zu Art verschiedenen Nest-
bauten finden im Insektenreich kaum
ihresgleichen. In einem mit hoher Präzi-
sion aufwändig konstruierten Bau wird
in isolierten Kammern, den Brutzellen,
zunächst ein Gemisch aus Pollen und
Nektar deponiert, auf dem ein Ei ab-
gelegt wird. Aus ihm schlüpft die Lar-
ve, die zunächst den Pollen frisst und
Hummeln sind staatenbildende Wild-
bienen. Hier sammelt eine Königin
der Ackerhummel (Bombus pascuo-
rum) an einer Frühlings-Platterbse
(Lathyrus vernus) Pollen, um damit
die ersten Larven zu füttern, die spä-
ter als Arbeiterinnen die Königin un-
terstützen.
sich dann über das Puppenstadium zur
Biene weiterentwickelt. Erdnister wie
Sand-, Furchen-, Schmal- und Hosen-
bienen graben ihre mehr oder weniger
tiefen Nestgänge im Sand und sogar
in hartem Lehmboden und kleiden die
Brutzellen mit eigenen Drüsensekre-
ten aus. Nur die Honigbiene und die
Hummeln verwenden Wachs, das sich
in speziellen Wachsdrüsen im Hinter-
leib bildet und ausgeschieden wird. Bei
oberirdisch nistenden Arten wie Mauer-,
Blattschneider-, Woll- und Harzbienen
und einigen Erdnistern werden für den
Nestbau die unterschiedlichsten Mate-
rialien genutzt. Verwendung finden z. B.
ausgeschnittene Stücke von Laub- oder
Blütenblättern, zerkautes Blattmateri-
al, Pflanzenhaare, Harz, feuchter Lehm
und Steinchen. Dabei nutzt jede Art im-
mer ein und denselben Baustoff, kann
also bei dessen Fehlen nicht auf andere
Materialien ausweichen.
Bienen
>
Nicht nur in der Art und Weise des Nest-
baus und der Verwendung des Bauma-
terials sind Wildbienen hochspezialisiert,
sondern auch in der Wahl des Nistplat-
zes. Die Nester werden von rund drei
Viertel der Arten in der Erde angelegt.
Typische Erdnister sind z. B. Sandbie-
nen, Furchen- und Schmalbienen und
Hosenbienen. Oft werden vegetations-
freie oder –arme Stellen, z. B. auf Erd-
wegen, von diesen Arten besiedelt. Die
oberirdisch nistenden Arten haben ganz
unterschiedliche Ansprüche. Vorhande-
ne Hohlräume, auch an Gebäuden, be-
siedeln bestimmte Mauerbienen wie die
Gehörnte Mauerbiene, andere nutzen
Käferfraßgänge in totem Holz (Hahnen-
fuß-Scherenbiene). Solche Arten las-
sen sich zum Teil auch mit sogenannten
Nisthilfen fördern. Manche Arten bauen
ausschließlich in morschem Holz (Blau-
schwarze Holzbiene) oder in Pflanzen-
stängeln (Keulhornbienen) und nagen
die Gänge selbst. Auch alte Schilfgallen
dienen als Nistplatz (Schilfgallen-Mas-
kenbiene). Es gibt sogar Arten, die in
leeren Schneckenhäusern nisten (z. B.
Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbie-
ne). Nur wenige nisten auf der Oberflä-
che von Steinen, Felsen und Mauern
(Schwarze Mörtelbiene).
Mehrere Wildbienenarten sind auf
Glockenblumen als Pollenquellen an-
gewiesen, so auch die Grauschup-
pige Sandbiene (Andrena pandellei),
die hier an der Wiesen-Glockenblume
(Campanula patula) Pollen erntet. Die
Intensivierung der Wiesennutzung hat
diese Glockenblume vielerorts ver-
drängt und damit der mittlerweile ge-
fährdeten Sandbiene die Nahrungs-
grundlage entzogen.
Die Männchen der im Erdboden
nistenden Langhornbienen, hier
die Mai-Langhor nbiene (Eucera
nigrescens) haben charakteristisch
lange Fühler.
Alle Wildbienen benötigen zur Eigen-
versorgung Blüten, die nestbauenden
auch zur Verproviantierung ihrer Brut-
zellen mit Larvenfutter. Zuckerhaltiger
Nektar dient für die adulten Bienen als
Treibstoff für den Flug, teilweise wird er
auch der Larvennahrung beigemischt.
Wegen seines hohen Eiweißgehalts ist
Blütenstaub (Pollen) der wichtigste Be-
standteil der Larvennahrung. Viele Ar-
ten nutzen beim Sammeln von Pollen
wie die Honigbiene ein breites Spek-
trum von Pflanzen, andere sind deutlich
wählerischer. Ein Viertel der heimischen
nestbauenden Arten, rund 120 Arten, ist
jedoch hochspezialisiert. Von ihnen kann
nur der Pollen einer einzigen Pflanzenart
oder weniger nah verwandter Pflanzen-
arten genutzt werden. Ihre Pollenquellen
finden sich in 26 Pflanzenfamilien. Typi-
sche Beispiele sind die an Efeu gebun-
dene, erst im Spätsommer erscheinende
Efeu-Seidenbiene und 12 Arten, die auf
Glockenblumen spezialisiert sind. Oh-
ne „ihre“ Pollenquellen können solche
Wildbienenarten nicht für Nachkommen
sorgen. Die Erhaltung und Förderung
einer vielfältigen Flora ist demnach die
Grundvoraussetzung für einen nachhal-
tigen Schutz der Wildbienen. Wer dies
weiß, kann im eigenen Garten und sogar
auf dem Balkon Wildbienen gezielt för-
dern, zum Beispiel allein 6 Arten durch
das Anpflanzen von Glockenblumen und
viele andere Arten durch die Kultur hei-
mischer Wildstauden und/oder ein- bis
zweijähriger Pionierpflanzen.
Weil sie bei Bienen meistens an die
Honigbiene denken, stellen sich die
meisten Menschen unter Bienen immer
staatenbildende Insekten vor. Die Staa-
tenbildung als höchste Stufe des Sozi-
alverhaltens ist bei den Bienen aber die
große Ausnahme. Die Honigbiene ist
in dieser Hinsicht eine für Bienen also
eher untypische Art. In unseren Breiten
leben unter den Wildbienen lediglich
die Hummeln (ca. 30 Arten) und einige
Furchen- und Schmalbienen in ein- bis
mehrjährigen Staaten. Die weitaus grö-
ßere Zahl der nestbauenden Wildbienen
(ca. 95%) lebt jedoch solitär (einzeln).
Jedes Weibchen baut sein Nest und
versorgt seine Brut ganz allein, ohne
die Mithilfe von Artgenossen. Ein gutes
Beispiel für Solitärbienen sind die Ge-
hörnte und die Rostrote Mauerbiene,
die sich beide auch leicht in Nisthil-
fen ansiedeln lassen. Da sie wie ande-
re Hohlraumbesiedler völlig friedfertig
sind, können auch Kinder ihre faszinie-
rende Brutfürsorge aus nächster Nähe
gefahrlos beobachten. Solitärbienen
haben in der Regel einen einjährigen
Entwicklungszyklus und nur eine vier-
bis sechswöchige Flugzeit. Wir bekom-
men sie daher nur wenige Wochen im
Jahr zu Gesicht, unabhängig davon,
ob es sich um Frühlings-, Frühsommer,
Hochsommer- oder Herbstarten han-
delt. Den größten Teil des Jahres voll-
zieht sich die Entwicklung im Nest, vor
unseren Augen verborgen.
Rund ein Viertel der heimischen
Wildbienen baut keine eigenen Ne-
ster, sondern nutzt die Brutfürsor-
ge anderer Bienenarten aus. Eine
solche Kuckucksbiene ist auch die
Kreuzkraut-Wespenbiene, die wegen
ihrer Färbung leicht mit Wespen ver-
wechselt werden kann.
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