Analyse der Freisetzung aus Fukushima: weltweit und in Deutschland Nach dem Unfall im Kernkraftwerk in Fukushima, Japan, im Jahr 2011 konnten weltweit geringste Spuren der Radioaktivität aus Fukushima nachgewiesen werden, unter anderem an Messstationen der CTBTO . Die CTBTO verfügt über ein weltweites Netzwerk, das u. a. aus 80 Radionuklidmessstationen zum Nachweis von an Luftstaub gebundenen Radionukliden besteht. 40 dieser Stationen sind zusätzlich mit Systemen zur Messung radioaktiven Xenons ausgestattet. Eine dieser Radionuklidmessstationen betreibt das BfS auf dem Schauinsland bei Freiburg im Breisgau. Das weltweite Messnetz der CTBTO (Stand: November 2024). Quelle: © CTBTO (https://www.ctbto.org/our-work/ims-map) Die Internationale Organisation zur Überwachung des Kernwaffenteststoppabkommens ( Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization , CTBTO ) verfügt über ein weltweites Netzwerk von Radionuklidmessstationen, um Radionuklide nachweisen zu können, die an Luftstaub gebunden sind. Etwa die Hälfte dieser Stationen ist zusätzlich mit Systemen zur Messung radioaktiven Xenons ausgestattet. Bei vollem Ausbau soll das Netzwerk 80 Radionuklidmessstationen weltweit betreiben, von denen 40 über Edelgasmesstechnik verfügen. Eine dieser Radionuklidmessstationen betreibt das Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) auf dem Berg Schauinsland bei Freiburg im Breisgau. Ergebnisse der Spurenanalyse zum Unfall in Fukushima Nach dem Unfall im Kernkraftwerk in Fukushima, Japan, im Jahr 2011 konnten von der Messstation des BfS bei Freiburg noch geringste Spuren der Radioaktivität aus Fukushima nachgewiesen werden, die auch belegen, dass die Mengen so gering waren, dass sie keine gesundheitliche Gefährdung darstellten. Spurenmessungen weltweit Spurenmessungen und Luftüberwachung Deutschland Spurenmessungen weltweit Weltweit: Ergebnisse der Spurenanalyse zum Unfall in Fukushima Die animierte Karte zeigt das Radioaktivitätsmessnetz der CTBTO und die zeitliche Abfolge nach dem Ereignis in Japan, in denen künstliche Radionuklide aus Fukushima an den Stationen gemessen und nachgewiesen wurden. Die animierte Karte zeigt das Radioaktivitätsmessnetz der CTBTO und die zeitliche Abfolge, in der künstliche Radionuklide aus Fukushima an den Stationen nachgewiesen wurden. Die Stationen befinden sich an den auf der Karte eingezeichneten Punkten. Ein umgebendes Quadrat markiert die Orte, an denen zusätzlich radioaktives Xenon gemessen werden kann. Die Identifikationsnummern der Stationen werden auch in den Legenden der unteren Abbildungen verwendet. Die Animation zeigt, wie sich die radioaktiven Stoffe mit den Westwinden zunächst über Nordamerika und dann über Europa in Richtung Osten ausgebreitet haben. Knapp drei Wochen nach dem Reaktorunfall vom 12. März 2011 wurde an allen auf der Nordhalbkugel der Erde gelegenen Messstationen Radioaktivität aus Fukushima nachgewiesen. Auf der Südhalbkugel wurde in diesem Zeitraum keine künstliche Radioaktivität aus Fukushima gemessen. Dies lässt sich mit dem sehr geringen Austausch von Luftmassen über den Äquator hinweg erklären. Lediglich in Neuguinea und auf den Fidschi-Inseln, die zu dieser Jahreszeit noch im Einflussbereich der Luftmassen der nördlichen Hemisphäre lagen, wurden kurzzeitig radioaktive Spuren aus Fukushima nachgewiesen. Ab Mitte April 2011 war zu beobachten, wie die Aktivitätskonzentrationen für künstliche Radionuklide zunächst an den Messstationen im Pazifik und ab Anfang Mai 2011 auch in Europa wieder unter die Nachweisgrenze fielen. Dies ist hauptsächlich dadurch zu erklären, dass die an kleine Staubteilchen in der Luft gebundenen radioaktiven Stoffe aus der Luft ausgewaschen werden bzw. sich auf dem Boden ablagern. Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentrationen von Jod-131 und Cäsium-137 im Radioaktivitätsmessnetz der CTBTO Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentration von Jod-131 in der Luft an neun repräsentativen Radioaktivitätsmessstationen des internationalen Messnetzes zur Überwachung des Kernwaffenteststoppabkommens. Die Abbildungen auf der rechten Seite zeigen den zeitlichen Verlauf vom 14.03.-20.06.2011 der Aktivitätskonzentrationen von Jod-131 und Cäsium-137 in der Luft an ausgewählten Messstationen des Messnetzes: Takasaki (Station 38) nur circa 200 km süd-westlich des Reaktors Fukushima I gelegen, Hawaii (Station 79) im Pazifik, Sacramento (Station 70) an der Westküste und Charlottesville (Station 75) an der Ostküste der USA, Island (Station 34) und São Miguel (Azoren, Station 53) im Atlantik sowie der Schauinsland bei Freiburg (Station 33), Stockholm (Station 63) und Dubna (Westrussland, Station 61) auf dem europäischen Festland. Wegen der extremen Unterschiede in den nachgewiesenen Aktivitätskonzentrationen sind die Messwerte logarithmisch dargestellt. Zeitlicher Verlauf der bisher gemessenen Aktivitätskonzentration von Cäsium-137 in der Luft an neun repräsentativen Radioaktivitätsmessstationen des internationalen Messnetzes zur Überwachung des Kernwaffenteststoppabkommens. Die Grafik zeigt den Verlauf in den ersten drei Monaten nach dem Reaktorunfall. In den ersten drei Wochen nach dem Reaktorunfall in Fukushima sieht man deutlich den Verdünnungseffekt mit zunehmender Entfernung zum Unglücksort. Im weiteren Verlauf gleichen sich die Messwerte der Stationen aneinander an, was auf eine abnehmende Freisetzung am zerstörten Kernkraftwerk sowie eine fortschreitende Durchmischung der Luftmassen der nördlichen Hemisphäre schließen lässt. Die Messwerte an der japanischen Station Takasaki (Station 38) liegen wegen der großen Nähe zum zerstörten Kernkraftwerk und der Kontamination des Messsystems selbst erwartungsgemäß erheblich höher. In den Abbildungen ist zu erkennen, dass die Messwerte für Jod-131 schneller abnehmen als die für Cäsium-137 , was auf die unterschiedlichen Halbwertszeiten der beiden Radionuklide zurückzuführen ist. Jod-131 zerfällt mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen, Cäsium-137 hingegen zerfällt mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren. Mitte Mai 2011 sanken die Aktivitätskonzentrationen von Jod-131 an den dargestellten Stationen – mit Ausnahme der japanischen Station Takasaki (Station 38) – unter die stationsspezifischen Nachweisgrenzen. Diese Nachweisgrenzen sind unter anderem abhängig von den lokalen Gegebenheiten an den einzelnen Stationen und daher in der Grafik nicht als fester Wert, sondern als schraffierter Bereich dargestellt. Die Ereignisse von Fukushima haben eindrucksvoll gezeigt, dass das Radioaktivitätsmessnetz der CTBTO in einzigartiger Weise ermöglicht, eine weltweite Ausbreitung freigesetzter Radionuklide zu verfolgen und mögliche Auswirkungen auch in entfernteren Regionen abzuschätzen. Spurenmessungen und Luftüberwachung Deutschland Deutschland: Ergebnisse der Spurenanalyse zum Unfall in Fukushima Die Ereignisse im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im März 2011 hatten eine Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre zur Folge. Diese wurden in der Atmosphäre transportiert und konnten, trotz ihrer Verdünnung beim Transport, durch entsprechend empfindliche Messgeräte auch in mehreren Tausend Kilometern Entfernung detektiert werden. Aktivitätskonzentrationen des künstlichen Jod-131 und Cäsium-137 an der Messstation Schauinsland Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentrationen der künstlichen Radionuklide Jod-131 und Cäsium-137 im Vergleich zur natürlichen Radioaktivität (Radon und Beryllium-7) an der Station Schauinsland im Zeitraum 21.3. bis 12.5.2011. In der Abbildung sind die im Zeitraum 21.3. bis 12.5.2011 an der Messstation Schauinsland gemessenen Aktivitätskonzentrationen von künstlichem Jod-131 und Cäsium-137 der Aktivitätskonzentration der natürlichen Radioaktivität ( Radon und Beryllium-7) gegenüber gestellt. In dieser Zeit war der Probeentnahmezyklus von wöchentlicher auf tägliche Probeentnahme verkürzt worden. In der Probe vom 24.3.2011 (Messung vom 25.3.2011) wurden erstmals Jod-131 mit einer Aktivitätskonzentration von 58 Mikrobecquerel pro Kubikmeter Luft sowie Cäsium-137 nachgewiesen. In der Folge wurden bis Mitte Mai die künstlichen Nuklide Jod-131, Cäsium-137 sowie auch Cäsium-134 in den Luftfilterproben detektiert. Nach dieser Zeit lagen die Aktivitätskonzentrationen für Jod-131 und Cäsium-134 unterhalb der Nachweisgrenzen, die für Cäsium-137 nahm weiterhin ab und liegt nun auf dem Untergrundpegel von vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Cäsium-137 ist jedoch auch aktuell noch in einzelnen Proben nachweisbar, was auf den Kernwaffenfallout und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zurückzuführen ist. Spurenanalyse an vier deutschen Spurenmessstellen: Messung von freigesetztem Jod-131 und Cäsium-137 Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentration von Jod-131 an vier deutschen Spurenmessstellen im Zeitraum 21.3. bis 20.5.2011 Die Abbildungen zeigen die Aktivitätskonzentrationen von Jod-131 und Cäsium-137 im Zeitraum 21.3. bis 20.5.2011 beziehungsweise 21.3. bis 11.7.2011 an den vier deutschen Spurenmessstellen an. Die Werte weisen starke Schwankungen auf, was den mehrfachen Durchzug von unterschiedlichen Luftmassen über Deutschland belegt. Zeitlicher Verlauf der Aktivitätskonzentration von Cäsium-137 an vier deutschen Spurenmessstellen im Zeitraum 21.3. bis 11.7.2011 Die an den einzelnen Spurenmessstellen gemessenen Aktivitätskonzentrationen hängen dabei von der jeweiligen Wettersituation ab, da zum Beispiel Regen die Aktivitätskonzentration in der Luft durch Auswaschen reduzieren kann. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass die Messwerte für Jod-131 schneller abnehmen als die für Cäsium-137 , da Jod-131 eine wesentlich kürzere Halbwertszeit (8 Tage) als das Cäsium-137 (30 Jahre) hat. Bewertung Die gemessenen Aktivitätskonzentrationen stellten keine gesundheitliche Gefährdung für die Menschen und die Umwelt in Deutschland und Europa dar und lagen ein Vielfaches unterhalb der natürlichen gemessenen Strahlenbelastung. Die Messergebnisse lagen für die künstliche Strahlung durch radioaktive Partikel im Bereich von wenigen Tausendstel Becquerel je Kubikmeter Luft. Zum Vergleich Durch das natürlich vorkommende Edelgas Radon liegt die natürliche Strahlung in Deutschland im Freien kontinuierlich bei einigen Becquerel je Kubikmeter Luft. Standortabhängig schwanken diese Werte, weil die Radonkonzentration vom geologischen Ausgangsgestein und der Wetterlage beeinflusst wird. Der 24-stündige Aufenthalt in einem Bereich mit einer Jod-131- Aktivitätskonzentration von beispielsweise 0,005 Becquerel pro Kubikmeter Luft (in dieser Größenordnung lagen die Ergebnisse der Messstationen Braunschweig und Potsdam am 29.3.2011) führt für einen Erwachsenen zu einer zusätzlichen Strahlenbelastung von etwa einem Milliardstel Sievert . Dies entspricht in etwa der natürlichen Strahlenbelastung bei einer Minute Aufenthalt im Freien. Deutschland: Ergebnisse der Luftüberwachung zum Unfall in Fukushima Die Abbildungen zeigen Ergebnisse der Luftüberwachung an der Messstation Schauinsland im Zeitraum vom 21. März bis 12. Mai 2011. Aktivitätskonzentrationen des natürlichen Radon-222 (blau) und Anteil künstlicher Radionuklide (rosa) an der gemessenen Beta-Aktivitätskonzentration an der Messstation Schauinsland im Zeitraum vom 21.3.-12.5.2011 Errechneter Anteil der Aktivitätskonzentration durch künstliche Radionuklide an der gemessenen Beta-Aktivitätskonzentration an der Station Schauinsland im Zeitraum vom 21.3.–12.5.2011 Stand: 22.05.2026
Wo kommt Radioaktivität in der Umwelt vor? Radionuklide sind in der Umwelt überall anzutreffen. Grundsätzlich ist jeder Mensch auf der Erde auf natürliche Weise ionisierender Strahlung ausgesetzt. Niemand kann sich ihr entziehen. Ursache dafür sind Quellen, die in der Natur unabhängig vom Menschen entstanden sind und existieren. Radionuklide sind in der Umwelt überall anzutreffen Bei vielen Menschen erzeugt der Begriff " Radioaktivität " Unbehagen. Die von radioaktiven Stoffen ausgesandte ionisierende Strahlung wird häufig als bedrohlich empfunden - unabhängig davon, wie stark sie ist und woher sie stammt. Grundsätzlich ist jeder Mensch auf der Erde auf natürliche Weise ionisierender Strahlung ausgesetzt. Niemand kann sich ihr entziehen. Ursache dafür sind Quellen, die in der Natur unabhängig vom Menschen entstanden sind und existieren. Wirken ionisierende Strahlen auf einen Menschen ein, so sprechen wir von einer Strahlenexposition – umgangssprachlich auch Strahlenbelastung genannt. Natürliche Strahlenbelastung Die natürliche Strahlenbelastung setzt sich aus inneren und äußeren Komponenten zusammen. Die innere Komponente macht den Hauptanteil der natürlichen Strahlenexposition aus. Zwei Drittel der gesamten natürlichen Strahlenexposition entfallen auf die innere Komponente, ein Drittel auf die äußere. Innere Strahlenbelastung Äußere Strahlenbelastung Innere Strahlenbelastung Über die Atemluft und die Nahrung nimmt der Mensch seit jeher natürliche Radionuklide in den Körper auf. Darüber hinaus können Radionuklide über offene Wunden in den Körper gelangen. Aufnahme über den Atem Der Großteil der natürlichen Strahlenbelastung geht auf das Einatmen des radioaktiven Gases Radon mit seinen Folgeprodukten zurück. Durch Radon sind wir im Durchschnitt pro Jahr einer Strahlenbelastung von 1,1 Millisievert ausgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter Radon. Aufnahme über die Nahrung Mit der Nahrung werden natürliche Radionuklide aus den radioaktiven Zerfallsreihen des Thoriums und Urans sowie das Kalium-40 aufgenommen; dadurch kommen im Mittel jährlich 0,3 Millisievert hinzu. Weitere Informationen finden Sie unter Radioaktivität in Lebensmitteln. Äußere Strahlenbelastung Die äußere Strahlenbelastung beträgt rund 0,7 Millisievert im Jahr. Kosmische Strahlung Ein erheblicher Teil der ionisierenden Strahlung , die auf den Menschen einwirkt, stammt aus der kosmischen Strahlung . Diese gelangt von der Sonne und aus den Tiefen des Weltalls zur Erde und besteht im Wesentlichen aus energiereichen Teilchen und aus Gammastrahlung . Auf ihrem Weg durch die Lufthülle wird die kosmische Strahlung teilweise absorbiert. Die Intensität der kosmischen Strahlung hängt somit von der Höhenlage ab. Sie ist auf Meeresniveau am niedrigsten und nimmt mit der Höhe eines Ortes zu. Auf der Zugspitze ist sie viermal höher als an der Küste. Flugzeuge kann man gegen die kosmische Strahlung nicht abschirmen. Daher ist der Mensch während eines Fluges dieser Strahlung ausgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter Strahlenexposition von Flugpassagieren sowie unter Überwachung des fliegenden Personals . Terrestrische Strahlung Zur äußeren Strahlenexposition zählt des Weiteren die terrestrische Strahlung . Ihre Ursache sind natürlich vorkommende radioaktive Materialien, die regional sehr unterschiedlich in Böden und Gesteinsschichten der Erdkruste vorhanden sind. Die durch die terrestrische Strahlung verursachte jährliche effektive Dosis der Bevölkerung beträgt im Bundesgebiet im Mittel etwa 0,4 Millisievert , davon entfallen auf den Aufenthalt im Freien zirka 0,1 Millisievert und auf den Aufenthalt in Gebäuden etwa 0,3 Millisievert . Natürlich vorkommende Radionuklide in Baumaterialien Steine und Erden sind wichtige Rohstoffe für mineralische Baumaterialien wie zum Beispiel Ziegel und Beton. Die in den Steinen enthaltenen Radionuklide gehen in die Baustoffe über und tragen auf diese Weise beim Aufenthalt in Häusern ebenfalls zu einer äußeren Strahlenexposition bei. Weitere Informationen finden Sie unter Baumaterialien. Natürliche Strahlenbelastung in Deutschland Die gesamte natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr ( effektive Dosis ). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie von etwa einem bis zu zehn Millisievert . Belastung aus künstlichen radioaktiven Quellen Bei künstlichen Radionukliden in der Umwelt denkt man an Reaktorkatastrophen, wie sie in Tschornobyl ( russ. : Tschernobyl) oder Fukushima geschehen sind. Aber auch bei Kernwaffenversuchen wurden künstliche Radionuklide freigesetzt. Auch im Normalbetrieb entweichen in geringem Maße künstliche Radionuklide aus kerntechnischen Anlagen. Dies wird in verschiedenen Messnetzen streng überwacht. Weitere Informationen finden Sie unter IMIS . Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Radioaktivität in der Umwelt In Broschüren, Videos und Grafiken informiert das BfS über radioaktive Stoffe im Boden, in der Nahrung und in der Luft. Stand: 04.07.2025
wann wird das Umweltministerium den fehleranfälligen Reaktor abschalten, um die Bevölkerung vor gesundheitlichen Risiken zu schützen? Viruserkrankungen sind für manche ein alljährliches meist harmloses Ereignis. Ein GAU in einem AKW vernichtet die Gesundheit aller Bürger*innen in einer ganzen Region. Die Fakten sind bekannt. Wann reagiert der grüne Umweltminister Franz Untersteller darauf? Anhang: RISSE im AKW ! Wir fordern den Umweltminister von Baden-Württemberg - Franz Untersteller - auf, die am 22.9.2019 erteilte Genehmigung zum Weiterbetrieb von Block 2 des Atomkraftwerkes Neckarwestheim unverzüglich aufzuheben! Das AKW weist schwerwiegende Mängel auf; der Weiterbetrieb ist nicht mehr zu verantworten! Siehe Fußnoten 1 +2) KONKRET: Im AKW Neckarwestheim Block II von EnBW sind hunderte Risse in Dampferzeugerrohren aufgetreten. Dieses AKW zwischen Stuttgart und Heilbronn ging 1989 an’s Netz und soll – nach dann 34 Betriebsjahren - als letztes deutsches AKW erst am 31.12.2022 abgeschaltet werden. Als Folge einer jahrelangen fehlerhaften Betriebsweise sind die Heizrohre der Dampferzeuger, die das hochradioaktive Primärkreiswasser des Reaktorkreises führen, von Spannungsriss- und Lochfraß-Korrosion betroffen. Auch bei der letzten Jahresrevision im August 2019 wurden 209 Risse und 87 weitere Korrosionsschäden an den Dampferzeuger-Heizrohren festgestellt – im dritten Jahr in Folge, und es werden jedesmal mehr. Insgesamt sind bis jetzt rd. 400 Rohre betroffen. Hinzu kommen weitere Schäden an 1.100 Kondensator-Rohren, Undichtigkeiten an Vorwärmern, fehlerhafte Stellungsanzeigen an Sicherheitsventilen, Mängel an den Notstromdieseln u.a.m. Der Betreiber EnBW gibt an, der „sichere Weiterbetrieb" sei "garantiert“. Aber selbst der TÜV schließt in seinem Prüfbericht v. 12.9.19 einen „wanddurchdringenden Riss“ nicht aus. Dennoch hat das Umweltministerium von Baden-Württemberg den Weiterbetrieb dieser abgenutzten und überalterten Reaktor-Anlage Neckarwestheim genehmigt, s. Fußnote 3) Sicherheit ist kein Lotteriespiel! Reißt auch nur ein einziges Dampferzeuger-Heizrohr auf oder gar ab, ist ein schwerer Kühlmittel-Verlust-Störfall im Reaktor mit Freisetzung erheblicher Mengen Radioaktivität in die Umwelt nicht mehr aufzuhalten. Dieser kann bis zur Kernschmelze führen, wie sie sich u.a. bei den Atomkatastrophen 2011 in Fukushima sowie 1986 in Tschernobyl wie auch 1979 im TMI-Reaktor bei Harrisburg/USA ereignet hatte. Die Folgen für die Bevölkerung im dichtbesiedelten Mittleren Neckarraum mit den Großstädten Stuttgart und Heilbronn sind unabsehbar – hier leben im Umkreis von 40 km um das AKW Neckarwestheim 2,5 Mio. Menschen. Vielen Dank für Ihre/Eure Unterstützung! Quellen: 1) Rede von Dipl.-Ing. Hans Heydemann auf der Demonstration vor dem AKW Neckarwestheim anlässlich des 9. Jahrestages (11. März) des dreifachen Super-GAUs in Fukushima/Japan am 8.3. 2020 2) ’Reaktor Rostiges Rohr’, KONTEXT, 16.10.2019 3) Pressemitteilung Nr.208/2019 des Umweltministeriums Ba-Wü v. 2.9.2019.
Aufgaben von Bund, Ländern und Betreibern im radiologischen Notfallschutz Kommt es in einem deutschen Kernkraftwerk zu einem radiologischen Notfall, muss dessen Betreiber sofort die zuständigen Behörden informieren. Sie werden – wie bei allen denkbaren radiologischen Notfällen – schnellstmöglich aktiv, um die Bevölkerung rechtzeitig und wirkungsvoll zu schützen. In einem Notfall bildet das Bundesumweltministerium zusammen mit verschiedenen Bundesbehörden das Radiologische Lagezentrum des Bundes. Für diesen Krisenstab fasst das BfS in einem radiologischen Lagebild alle wichtigen Informationen zum Unfallgeschehen zusammen, bewertet die Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung und die Umwelt und empfiehlt alle notwendigen Schutzmaßnahmen. Die Länder stimmen sich mit dem Bund über diese Vorschläge ab und führen die Maßnahmen bei Bedarf durch. Unter dem Begriff "radiologischer Notfallschutz" versteht man den Schutz der Bevölkerung vor den Auswirkungen von radiologischen Ereignissen. Radiologische Ereignisse sind beispielsweise Notfälle in Kernkraftwerken und anderen kerntechnischen Anlagen, Transportunfälle und Terroranschläge ("schmutzige Bomben"). Anlageninterner Notfallschutz: Aufgabe des Anlagenbetreibers In einer kerntechnischen Anlage - wie zum Beispiel einem Kernkraftwerk - ist der Betreiber für die Sicherheit der Anlage verantwortlich. Der anlageninterne Notfallschutz umfasst alle technischen und organisatorischen Maßnahmen, die innerhalb der kerntechnischen Anlage dafür sorgen sollen, dass keine gefährlichen Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt gelangen können. Kommt es trotz allem zu einem radiologischen Notfall , muss der Betreiber unverzüglich die zuständigen Behörden von Bund, Ländern und Kommunen benachrichtigen (für die Aufsicht von kerntechnischen Anlagen sind meist die Umweltministerien in den Ländern und das Bundesumweltministerium zuständig). Anlagenexterner Notfallschutz: Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen Für den anlagenexternen Notfallschutz sind staatliche Behörden verantwortlich. Sie leiten auf Basis einer Bewertung der radiologischen Lage durch das Radiologische Lagezentrum des Bundes ( RLZ -Bund) schnellstmöglich die notwendigen Notfallschutzmaßnahmen für die Bevölkerung ein. Dadurch sollen die Bevölkerung und die Umwelt außerhalb einer kerntechnischen Anlage vor gefährlichen Mengen radioaktiver Stoffe geschützt werden. Das Radiologische Lagezentrum des Bundes als Krisenstab Im Falle eines Notfalls mit radiologischen Folgen für Mensch und Umwelt bildet der Bund unter Leitung des Bundesumweltministeriums einen Krisenstab, das Radiologische Lagezentrum des Bundes . Kommt es zu einem radiologischen Notfall von überregionaler Bedeutung, stellt das Radiologische Lagezentrum des Bundes unter anderem Bundes- und Länderbehörden ein einheitliches Lagebild zur radiologischen Situation zur Verfügung. Zudem koordiniert es radiologische Messungen, empfiehlt Schutzmaßnahmen und informiert die Bevölkerung. Als Beratergremien des Bundesumweltministeriums unterstützen die Reaktor-Sicherheitskommission ( RSK ) und die Strahlenschutzkommission ( SSK ) das Radiologische Lagezentrum bei der Empfehlung von Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus arbeitet das RLZ -Bund eng mit den Ländern zusammen. Bundesländer führen frühe Schhutzmaßnahmen durch In einem radiologischen Notfall stimmen sich die Länder mit dem Bund über notwendige frühe Schutzmaßnahmen (früher: "Katastrophenschutzmaßnahmen") ab und führen diese durch. Die Katastrophenschutzbehörden der Länder veranlassen zum Beispiel, dass die Bevölkerung im Haus bleibt und Fenster und Türen schließt, um die Dosis durch externe Strahlung und Inhalation zu vermindern. Reicht dies nicht aus, wird die betroffene Bevölkerung evakuiert. Darüber hinaus organisieren sie die Verteilung von hochdosierten Jodtabletten , deren Einnahme bei Kindern und Erwachsenen Schilddrüsenkrebs vorbeugen soll. Das Technische Hilfswerk ( THW ), die Polizei, die Feuerwehr und verschiedene Hilfsorganisationen unterstützen die Länderbehörden. Nachdem die radioaktive Wolke abgezogen ist, verbleiben radioaktive Stoffe auf dem Boden und in der Nahrung. Die Länder ermitteln dann die Kontamination von Nahrungs- und Futtermitteln durch Probenahme und Messungen. Sämtliche Ergebnisse werden an das Integrierte Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Umweltradioaktivitä t ( IMIS ) übermittelt. Regelungen durch den Allgemeinen Notfallplan des Bundes Für die Notfallvorsorge wurde in Deutschland ein Allgemeiner Notfallplan des Bundes entwickelt, der zusammen mit Notfallplänen der Länder alle an der Notfallreaktion beteiligten Organisationen in die Lage versetzen soll, bei möglichen radiologischen Notfällen unverzüglich abgestimmte Entscheidungen zu treffen und angemessene Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung rechtzeitig durchzuführen. Längerfristige Maßnahmen nach einem radiologischen Notfall Um die längerfristige Strahlenbelastung der Bevölkerung nach einem radiologischen Notfall so gering wie möglich zu halten, steht den Behörden eine " Loseblattsammlung zu Schutzmaßnahmen bei radiologischen Notfällen " zur Verfügung. Diese wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz ( BfS ) mit Unterstützung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit ( GRS ) unter Beteiligung zahlreicher Bundes- und Landesbehörden und unter Begleitung einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Strahlenschutzkommission ( SSK ) erarbeitet. Unter anderem sind Erkenntnisse aus dem Unfall in Fukushima sind eingeflossen. Die Loseblattsammlung enthält eine Sammlung möglicher langfristiger Maßnahmen nach einem radiologischen Notfall , wie zum Beispiel das Abtragen von Oberboden oder die Dekontamination von Flächen mit Hochdruckreinigern. Die Maßnahmen sollen gewährleisten, dass zum Beispiel evakuierte Menschen wieder in sichere Aufenthaltsbereiche zurückkehren können. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Wie funktioniert Notfallschutz? Welche Szenarien gibt es für den radiologischen Notfall ? Wer macht im Ernstfall was? Das BfS klärt auf - in Videos, Grafiken und Broschüren. Stand: 29.04.2026
Psychosoziale Folgen eines radiologischen Notfalls Jede Katastrophe bringt psychosoziale Belastungen von (betroffener) Bevölkerung und Einsatzkräften mit sich. Dies gilt gerade für radiologische Notfälle , da Strahlung und Unsicherheit im Umgang mit Strahlung besondere Angstauslöser sind. Je mehr über die mit radiologischen Notfällen verbundenen Ängste und Sorgen informiert wird und diese bei Entscheidungen für Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden, desto besser können negative psychosoziale Folgen verringert werden. In Deutschland sollen die Planungen für die Notfallvorsorge darum auch psychosoziale Aspekte berücksichtigen. Jede Katastrophe bringt psychosoziale Belastungen von (betroffener) Bevölkerung und Einsatzkräften mit sich. Dies gilt gerade für radiologische Notfälle , da Strahlung sowie die Unsicherheit im Umgang damit besondere Angstauslöser sind. Psychosoziale Folgen meist größer als physische Folgen Untersuchungen zu den Kernkraftwerksunglücken Three Mile Island ( USA , 1979), Tschornobyl (Ukraine, 1986) und Fukushima (Japan, 2011) haben gezeigt, dass die größten Folgen der Reaktorunfälle für die Gesundheit der Betroffenen nicht in der physischen Beeinträchtigung durch das freigesetzte radioaktive Material bestanden, sondern vielmehr in den psychosozialen Konsequenzen der Ereignisse. Beobachtete Folgen der untersuchten Reaktorunfälle für die psychische Gesundheit waren schwere Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung, stressbedingte Symptome und verschiedene körperliche Beschwerden wie etwa Übelkeit, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Beobachtet wurden zudem übermäßiger Alkoholkonsum und erhöhte Selbstmordraten. Auch wenn solche Folgen häufiger vorkamen, je direkter Personen zum Beispiel durch Nähe zum Ort des radiologischen Unfalls oder ergriffene Schutzmaßnahmen betroffen waren, können sie grundsätzlich bei allen Menschen auftreten. Dass die Untersuchungen anhand von Kernkraftwerksunglücken stattfanden, bedeutet nicht, dass psychosoziale Konsequenzen nur bei Kernkraftwerksunfällen mit überregionalen Auswirkungen auftreten können. Die Angst vor radioaktivem Material und das mangelnde Wissen sowohl über Ausbreitung und Wirkung von Radioaktivität als auch über Schutzmöglichkeiten können Menschen auch bei nur lokal oder regional bedeutsamen radiologischen Unfällen verunsichern und zu ihrer psychischen Belastung beitragen. Selbst Vorkommnisse ohne relevante Freisetzung von radioaktivem Material führen zu Verunsicherung und tragen zur psychischen Belastung bei. Auslöser für psychosoziale Belastungen Nach dem Kernkraftwerksunfall in Fukushima 2011 konnten im Fukushima Health Management Survey die bereits vorhandenen Einblicke in psychosoziale Belastungsfaktoren radiologischer Notfälle vertieft werden. Sie lieferten wertvolle Erkenntnisse für das radiologische Notfallmanagement. Belastungsfaktoren sind für Betroffene demnach vor allem Strahlung als besonderer Angstauslöser, gedankliche Verbindung eines radiologischen Unfalls mit vergangenen Reaktorunfällen, geringes Wissen über die Ausbreitung und Wirkun g von Strahlung , Überschätzung des radiologischen Risikos, Sorge um die eigene Gesundheit und/oder um Angehörige, unsichere Informationslage zum aktuellen radiologischen Notfall , Schutzmaßnahmen wie Evakuierung und Umsiedlung samt ihrer Folgen durch veränderte Lebensumstände und -strukturen, Kritik an handelnden Behörden und zuständigen Stellen mit entsprechendem Vertrauensverlust, sowie Diskriminierung und Stigmatisierung – zum Beispiel, wenn Personen im Zusammenhang mit dem Notfall als "Opfer" oder "Evakuierte" stigmatisiert werden, oder wenn sie als "Verstrahlt" diskriminiert werden und Ängste auslösen, nachdem sie möglicherweise einer erhöhten Strahlung ausgesetzt waren. Deutschland: Notfallpläne berücksichtigen psychosoziale Aspekte Je mehr über die mit radiologischen Notfällen verbundenen Ängste und Sorgen informiert wird und diese bei Entscheidungen für Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden, desto besser können negative psychosoziale Folgen verringert werden. Für die Notfallvorsorge wurde in Deutschland ein Allgemeiner Notfallplan des Bundes entwickelt, der zusammen mit Notfallplänen der Länder alle an der Notfallreaktion beteiligten Organisationen in die Lage versetzen soll, bei möglichen radiologischen Notfällen unverzüglich abgestimmte Entscheidungen zu treffen und angemessene Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung rechtzeitig durchzuführen. Neben den radiologischen Kriterien werden darin auch psychosoziale Aspekte als nicht-radiologische Kriterien bei der Entscheidung für Schutzmaßnahmen berücksichtigt. Ein "Besonderer Notfallplan für kontaminierte Gebiete, insbesondere für kontaminierte Grundstücke und Gewässer" soll diese Kriterien konkretisieren, und so helfen, auch den Schutz vor psychosozialen Folgen eines Notfalls in die Praxis umzusetzen. Über psychosoziale Folgen zu informieren und dazu beizutragen, sie zu verringern, ist für alle Akteure des Notfall- und Katastrophenschutzes auf Bund- und Länderebene wichtig. In den Bundesländern zählen hierzu auch die Einrichtungen des allgemeinen Katastrophenschutzes, die für das Notfallmanagement auf Bundesländerebene zuständig sind. Psychosoziale Folgen vermeiden oder besser bewältigen Notfallschützer*innen können die (betroffene) Bevölkerung und Einsatzkräfte dabei unterstützen, psychosoziale Effekte zu vermeiden bzw. zu bewältigen, indem sie Informationen über radiologische Notfälle und ihre möglichen Konsequenzen dauerhaft bereitstellen, im Falle eines Notfalls insbesondere in Gebieten, in denen größere Auswirkungen möglich sind, über psychosoziale Aspekte und Bewältigungsstrategien informieren, in der allgemeinmedizinischen Praxis dafür Aufmerksamkeit erzeugen, mit psychosozialen Einrichtungen zusammenarbeiten, mögliche Stigmatisierungen erkennen und ansprechen. Auch Bürger*innen können selbst aktiv werden und psychosoziale Belastungen durch radiologische Notfälle vermeiden bzw. besser bewältigen, indem sie sich bei seriösen Quellen über radiologische Fragen informieren: Die zuständigen öffentlichen Stellen sind neben dem Bundesamt für Strahlenschutz das Bundesumweltministerium und die zuständigen Gesundheits- bzw. Umweltschutzbehörden in den Bundesländern. aktuelle radiologische Messdaten einsehen: Das Bundesamt für Strahlenschutz ermittelt mithilfe eines bundesweiten Messnetzes kontinuierlich die äußere Strahlenbelastung. Die Messwerte können unter https://odlinfo.bfs.de online eingesehen werden. Wissenschaftliche Projekte zum Thema Im Jahr 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation ( WHO ) mit "A framework for mental health and psychosocial support in radiological and nuclear emergencies" ("Rahmenkonzept für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung bei radiologischen und nuklearen Notfällen", nur in Englisch verfügbar) Vorschläge gemacht, wie psychosozialen Belastungen bereits im Vorfeld eines möglichen radiologischen Notfalls, während eines akuten Notfalls und in der Nachunfallphase bestmöglich begegnet werden kann. Eine Unterarbeitsgruppe der OECD - NEA (Nuclear Energy Agency) konkretisiert diese Vorschläge aktuell und versieht sie mit praktischen Hilfestellungen: " Mental health and psychosocial impacts of radiological and nuclear emergencies: NEA’s Work to build a practical extension based on a new World Health Organization framework" ("Psychische Gesundheit und psychosoziale Auswirkungen von radiologischen und nuklearen Notfällen: Die Arbeit der NEA an einer praktischen Erweiterung auf der Grundlage eines neuen Rahmenkonzepts der Weltgesundheitsorganisation", nur in Englisch verfügbar). Konkret geht es zum Beispiel um effektive Krisenkommunikation, Aufgaben- und Rollenverteilung der Akteure in einem Notfall , Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der psychischen Gesundheit und des Notfallschutzes, Ausbildung und Training im Bereich "Psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung" (Mental Health and Psychosocial Support - MHPSS), Kommunikation mit der betroffenen Bevölkerung und Berücksichtigung zentraler ethischer Werte. Medien zum Thema Mehr aus der Mediathek Strahlenschutz im Notfall Auch nach dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernkraft brauchen wir einen starken Notfallschutz. Wie das funktioniert, erklärt das BfS in der Mediathek. Stand: 07.04.2026
Konnte in Lebensmitteln deutschen Ursprungs Radioaktivität aufgrund des Unfalls in Fukushima nachgewiesen werden? Durch die große Entfernung zu Japan und die damit verbundene Verdünnung der freigesetzten radioaktiven Stoffe erreichte nur ein sehr kleiner Anteil der freigesetzten radioaktiven Stoffe Deutschland. Es konnten geringe Spuren an Jod und Cäsium nachgewiesen werden, die nur aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Geräte bestimmt werden konnten. Nach dem Durchzug der radioaktiven Wolke wurden in Deutschland vom Max-Rubner-Institut in Kiel (Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel) im April 2011 zusätzlich zur routinemäßigen Überwachung der Umwelt repräsentative Umweltmedien mit erhöhtem Messaufwand untersucht. Um die einzelnen Nahrungsketten zu prüfen, wurden Milch und Winterlauch beprobt. Die nachgewiesenen Werte lagen im Millibecquerel-Bereich. Spätere Proben lagen im Bereich beziehungsweise unterhalb der Nachweisgrenze der Messgeräte. Die gemessenen Werte waren so niedrig, dass eine gesundheitliche Gefährdung selbst bei erhöhtem Konsum von Milch und Freilandprodukten nicht zu befürchten ist.
Wie hoch war nach dem Unfall in Fukushima die Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors? Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzte im Sommer 2012 die effektive Dosis in den am stärksten betroffenen Gegenden innerhalb der Präfektur Fukushima auf etwa 10 bis 50 Millisievert ( mSv ) im ersten Jahr nach dem Unfall. Im Rest der Präfektur lag die effektive Dosis zwischen 1 und 10 Millisievert , in den benachbarten Präfekturen zwischen 0,1 und 10 Millisievert .
Welche Szenarien gibt es für radiologische Notfälle? Textfassung des Videos " Welche Szenarien gibt es für radiologische Notfälle " In unserem letzten Video haben wir euch erklärt, wie wichtig die Vorbereitung im radiologischen Notfallschutz ist. Um die Planungen für den radiologischen Notfall zu erleichtern, hat die EU festgelegt, dass man sich bei der Vorbereitung auf einen Notfall an sogenannten Referenzszenarien orientieren muss. Denn radiologische Notfälle können ganz unterschiedlich aussehen und dementsprechend auch ganz unterschiedliche Schutzmaßnahmen erfordern. In Deutschland gibt es im Allgemeinen Notfallplan des Bundes 16 solcher Szenarien. Vier davon beziehen sich auf Unfälle in Kernkraftwerken: in Deutschland, im grenznahen Ausland, im übrigen Europa und außerhalb Europas. Ein weiteres Szenario bezieht sich auf einen Unfall in einer kerntechnischen Anlage, die kein Kernkraftwerk ist. Zum Beispiel in einem Forschungsreaktor. Außerdem gibt es ein Szenario für einen Anschlag auf so eine Anlage oder auf ein Kernkraftwerk. Die weiteren Szenarien haben nichts mit Kernkraft zu tun. Hier gibt es zum Beispiel Szenarios für Transportunfälle oder den Absturz eines Satelliten mit radioaktivem Material. Aber auch Unfälle von Menschen, die beruflich mit Strahlenquellen zu tun haben, Notfälle auf dem Wasser und Szenarien, die etwas unspezifisch sind. Dazu zählen Notfälle mit herrenlosen Quellen oder illegal entsorgten radioaktiven Stoffen. Brände oder Explosionen in kontaminierten Gebieten und Notfälle mit ungeklärtem Ursprung. Letztere können zum Beispiel bei Messungen der Fall sein, wo erhöhte Werte gemessen werden, für die es keine bekannte Ursache gibt. Ein Beispiel dafür sind die erhöhten Ruthenium-106-Werte in Europa 2017. Oder auch unbestätigte Meldungen und Gerüchte über einen Austritt von Radioaktivität. Die letzten beiden Szenarien sind zum einen die Explosion einer Nuklearwaffe, also einer Atombombe, und ein sonstiger Unfall mit einer Nuklearwaffe. Für jedes Szenario gibt es verschiedene Schutzstrategien, die wir regelmäßig üben. Für eine optimale Planung gibt es nicht nur Szenarien, sondern auch eine zeitliche Einteilung eines Notfalls in Phasen, wobei nicht alle Phasen in allen Szenarien gleichermaßen vorkommen. Es gibt fünf Phasen, die in zwei Hauptphasen zusammengefasst werden. Die erste Phase ist die Dringlichkeitsphase, die alle Phasen umfasst, die während eines Notfalls stattfinden. Phase eins Die unsichere Situation. Hier ist noch keine Radioaktivität n die Umwelt gelangt, aber die Kontrolle von radioaktivem Material oder der sichere Umgang damit kann nicht gewährleistet werden. Entwickeln sich die Ereignisse jetzt ungünstig, kann es zu einer Freisetzung kommen. Ein Beispiel wäre ein Ausfall von Sicherheitssystemen n einem Kernkraftwerk. Phase zwei: Vor-Freisetzungsphase: Auch jetzt ist noch nichts ausgetreten. Aber nun ist sicher, dass es zu einer Freisetzung kommen wird, wenn die eingeleiteten Maßnahmen nicht helfen. Ein Beispiel wäre, dass die Kühlung eines Reaktorkerns n einem Kernkraftwerk nicht gewährleistet ist. Phase drei Freisetzungsphase. Nun tritt Radioaktivität in die Umwelt aus. Zum Beispiel nach einer Kernschmelze in einem Kernkraftwerk. Die Menschen werden durch verschiedene Schutzmaßnahmen geschützt. Wie Verbleib im Haus, Jodtabletten oder schlimmstenfalls Evakuierung. Nach dem Unfall geht der Notfall noch weiter. Mit der zweiten Phase der Nachunfallphase. Phase vier ist die Übergangsphase. Der Worst Case ist eingetreten und Menschen wurden erhöhter Strahlung ausgesetzt. Jetzt greifen Schutzmaßnahmen, die dieses Ausgesetztsein, die Strahlenexposition, beendenoder zumindest reduzieren und den betroffenen Personenkreis reduzieren. Phase fünf ist die langfristige Nach-Unfallphase. Nun liegen alle Informationen vor, wo und welche Stoffe n welchem Maße ausgetreten sind und wohin sie sich verbreitet haben. Diese Phase kann Jahrzehnte andauern, wie zum Beispiel in der näheren Umgebung des Kernkraftwerks in Tschornobyl. Ähnlich wie die Richterskala bei einem Erdbeben gibt es auch im radiologischen Notfall eine Skala, auf der die Schwere eines Vorfalls eingeordnet werden kann. Das ist die internationale INES-Skala Die Skala reicht von 0 bis 7. Null ist ein Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung. Das sind zum Beispiel kleine Pannen in einem Kernkraftwerk, die keine schlimmen Folgen haben. INES 1 bis 3 sind Störungen und Störfälle ohne Freisetzung in die Umwelt. Dies können Störfälle sein, wo zwar Radioaktivität innerhalb eines Kernkraftwerks freigesetzt wird, aber nicht in die Umwelt gelangt. Oder auch der Verlust von Strahlenquellen, die aber gut abgeschirmt bleiben. Die INES-Stufen 4 bis 7 beschreiben unterschiedlich schwere Unfälle. Bei Stufe 5 beginnen die bekannteren Unfälle wie der Reaktorunfall von Three Mile Island. Eine offizielle Einstufung eines Unglücks als katastrophaler Unfall hat es bisher nur zweimal gegeben: Tschornobyl und Fukushima. Im nächsten Video zeigen wir euch, wer eigentlich im Notfall was macht, um euch zu schützen. Wenn ihr das nicht verpassen wollt, bleibt also dran und abonniert den Kanal. Und bis dahin bleibt gut geschützt. Stand: 02.02.2026
Wer macht was nach einem Atomunglück? Textfassung des Videos " Wer macht was nach einem Atomunglück? " Ein radiologischer Notfall ist ein plötzlich auftretendes Ereignis, das eine Gefahr darstellt und bei dem radioaktive Stoffe im Spiel sind.< In unseren letzten Videos haben wir das schon ganz genau erklärt und euch gezeigt, welche Szenarien es gibt und in welchen Phasen ein Notfall abläuft. Schaut gerne noch mal rein. Die beiden wahrscheinlich bekanntesten Notfälle dieser Art waren die Reaktorkatastrophen in Tschornobyl und Fukushima. In so einem Notfall müssen viele Dinge gleichzeitig getan und beachtet werden und es können im schlimmsten Fall auch sehr viele Menschen betroffen sein. Man kann sich daher vorstellen, dass auch im radiologischen Notfallschutz viele Akteure beteiligt sind. Bei uns in Deutschland gibt es im radiologischen Notfallschutz Akteure, die vor Ort aktiv sind und von den Bundesländern gesteuert werden, und Akteure, die bundesweit aktiv sind. Auf Bundesebene wird in einem radiologischen Notfall, der überregional oder sogar international eintritt, ein spezieller Krisenstab einberufen. Das Radiologische Lagezentrum des Bundes, kurz RLZ. Das RLZ wird vom Bundesumweltministerium geleitet. Außerdem sind wir, das Bundesamt für Strahlenschutz, darin vertreten, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Außerdem beraten die Strahlenschutzkommission und die Reaktorsicherheitskommission das RLZ. Da kommen viele Behörden und andere Player zusammen. Das Umweltministerium ist dafür verantwortlich, ihre Arbeit zu koordinieren, den Informationsaustausch zu steuern und auch die Öffentlichkeit zu informieren. Unsere Aufgaben als BfS umfassen die Erstellung und Bereitstellung des radiologischen Lagebilds. Dafür führen wir Messungen durch, sowohl durch unser Messnetz, das permanent die Umweltradioaktivität misst, als auch durch mobile Messteams. Im Lagebild stellen wir unsere Messergebnisse und die Messergebnisse der Länder dar, stellen Prognosen zur Verfügung, wie sich zum Beispiel eine radioaktive Wolke ausbreiten könnte und aus welchen radioaktiven Stoffen sie besteht. Und wir geben Empfehlungen für Schutzmaßnahmen. Der eigentliche Katastrophenschutz ist in Deutschland Aufgabe der Bundesländer. Im Katastrophenschutz arbeiten Feuerwehren mit Hilfsorganisationen wie zum Beispiel dem Roten Kreuz zusammen. Auch das THW, das eine Einrichtung des Bundes ist, kann von den Ländern angefordert werden. Sie setzen zusammen die eigentlichen Schutzmaßnahmen um. Im radiologischen Notfall sorgen sie zum Beispiel dafür, dass Menschen in geschlossenen Gebäuden bleiben. Im schlimmsten Fall können sie auch evakuieren. Welche Maßnahmen es genau gibt, erklären wir euch in einem anderen Video. Falls es sich bei einem auftretenden Notfall um eine Störung oder einen Unfall in einem Kernkraftwerk handelt, sind natürlich auch die Betreiber des Kernkraftwerks gefordert. Sie müssen in ihrem anlageninternen Notfallschutz dafür sorgen, dass es außerhalb des Kernkraftwerks gar nicht erst zu einem Notfall, also zum Austritt von radioaktiven Stoffen kommt. Außerdem müssen Sie das RLZ informieren. Dieses ist rund um die Uhr erreichbar und in Einsatzbereitschaft. Sind mehrere Länder (Staaten) von einem Unfall betroffen, gibt es natürlich eine enge Zusammenarbeit, in der ähnliche Strukturen funktionieren. Koordiniert wird diese Zusammenarbeit vom RLZ. Eben haben wir schon erwähnt, dass wir im Ernstfall mit mobilen Messteams unterwegs wären, und zwar zu Lande und in der Luft. Das wird natürlich auch geübt. Im nächsten Video zeigen wir euch, wie so eine Messübung per Hubschrauber abläuft. Das solltet ihr nicht verpassen. Also bleibt dran, abonniertden Kanal und bis dahin: Bleibt gut geschützt. Stand: 02.02.2026
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 147 |
| Land | 4 |
| Weitere | 48 |
| Wissenschaft | 13 |
| Type | Count |
|---|---|
| Ereignis | 36 |
| Förderprogramm | 43 |
| Gesetzestext | 4 |
| Text | 36 |
| unbekannt | 79 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 100 |
| Offen | 98 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 196 |
| Englisch | 47 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Datei | 36 |
| Dokument | 47 |
| Keine | 84 |
| Multimedia | 4 |
| Webseite | 71 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 79 |
| Lebewesen und Lebensräume | 198 |
| Luft | 82 |
| Mensch und Umwelt | 191 |
| Wasser | 75 |
| Weitere | 180 |