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Begrenzter Raum - begrenzte Möglichkeiten? RAMONA Abschlusskonferenz

Eröffung der RAMONA-Abschlusskonferenz, Foto: Roxanne Geier In dicht besiedelten Ballungsräumen konkurrieren unterschiedliche Raumnutzungsansprüche um die knapper werdende Fläche. Zusätzlich sind Eingriffe in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild durch entsprechende Maßnahmen zu kompensieren. Diese Art von Ausgleich führt jedoch oft zu unbefriedigenden Lösungen. Dieser Problematik hat sich das Forschungsprojekt RAMONA gestellt. Dafür haben sich sieben Partner aus Wissenschaft und Praxis zusammengefunden: Die RWTH Aachen, die Universität Hohenheim, die Flächenagentur Baden-Württemberg, der Verband Region Stuttgart, die Städte Stuttgart und Filderstadt sowie der NABU Stuttgart e. V.. Die Abschlussveranstaltung war ein voller Erfolg! Impulsvorträge aus Wissenschaft und Praxis zu nachhaltiger Raumplanung Wolfgang Reimer, Vorsitzender der Agrarsozialen Gesellschaft und ehemaliger Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), betonte, dass Nutzungskonflikte überall bestehen, aber generell auch lösbar sind. Allerdings erfordert es auch Umdenken der Konsumstrukturen in Industrieländern. Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, wies auf die Problematik des weiter steigenden Flächendrucks in der Region Stuttgart hin. Neue Impulse aus der Forschung wie aus dem Projekt RAMONA sind notwendig und werden auf politischer Ebene berücksichtigt. Der Oberbürgermeister der Stadt Filderstadt, Christoph Traub, betonte die Herausforderungen einer Kommune, die zwischen urbanem Zentrum und Übergang in den ländlichen Raum liegt. Er stellte auch den Erkenntnisgewinn von Filderstadt im Themenkomplex Kompensation durch die Mitarbeit im RAMONA Forschungsprojekt heraus. Prof. Dr. Ingo Graß vom Fachgebiet Ökologie Tropischer Agrarsysteme an der Universität Hohenheim zeigte Chancen auf, wie Biodiversität auch im urbanen Kontext stärker gefördert werden kann: Ziel von „Animal-Aided-Design“ ist eine Anpassung der Stadtentwicklung an ökologischen Bedürfnissen von Arten. Ergebnisse aus dem Projekt RAMONA Dr. Martin Maier von der Flächenagentur Baden-Württemberg und Stefanie Clauß vom Verband Region Stuttgart stellten RAMONA-Ansätze zu „Kompensation mit Mehrwert für die Regionalentwicklung – Theorie und Praxis“ vor. Darauf folgten Ulrike Greifenhagen-Kaufmann von der Stadt Stuttgart und Dr. Christian Sponagel von der Universität Hohenheim mit Ergebnissen zum Thema „Kommunen und Landwirtschaft – nachhaltige Landnutzung durch Kooperation?“. Prof. Dr. Claudia Bieling von der Universität Hohenheim stellte abschließend die übergeordneten Empfehlungen aus dem Projekt RAMONA für eine nachhaltige Landnutzung unter veränderten Rahmenbedingungen dar. Kompensation mit Mehrwert als Chance für die Freiraumentwicklung RAMONA möchte erreichen, dass Kompensation künftig mit Mehrwert umgesetzt wird. Das bedeutet, dass über die reine rechtliche Kompensationsverpflichtung hinaus, eine Maßnahme zusätzlichen Nutzen schafft. Mehrwert wird in dieser Hinsicht aus räumlicher, funktionaler und prozessualer Perspektive verstanden. Ein räumlicher Mehrwert wird dann erreicht, wenn Maßnahmen beispielsweise in überregionale Planungen integriert werden oder Einzelmaßnahmen gebündelt und vernetzt werden. Multifunktionalität ist ein zweiter wichtiger Baustein. Die Maßnahmen sollten idealerweise mehrere Nutzungsansprüche auf einer Fläche bündeln, z. B. könnten sie auch gleichzeitig dem Hochwasserschutz dienen, für den ansonsten weitere Flächen hätten herangezogen werden müssen. Zudem können durch produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen landwirtschaftliche und naturschutzfachliche Belange gleichzeitig adressiert werden. Dies erfordert jedoch auch die Beteiligung von entsprechenden Akteuren wie der Landwirtschaft im Planungsprozess, was unter anderem Ziel des prozessualen Mehrwerts sein sollte. In diesem Kontext ist zudem eine vorausschauende Planung wichtig. Kooperationspotenzial zwischen Landwirtschaft und Naturschutz stärker nutzen Eine bundesweite Befragung unter landwirtschaftlichen Betrieben zeigte eine generelle Akzeptanz für freiwillige Kompensationsmaßnahmen, wobei die produktionsintegrierte Kompensation am ehesten befürwortet wurde. Die Notwendigkeit einer grundbuchrechtlichen Sicherung führt insbesondere bei produktionsintegrierter Kompensation zu einer deutlich geringeren Akzeptanz bzw. hohen Kosten der Maßnahmenumsetzung. Dies steht dem Ziel einer multifunktionalen Landnutzung entgegen. Alternative Formen der rechtlichen Sicherung wie die institutionelle Sicherung werden bundesweit empfohlen. Zudem werden einheitliche (z. B. landesweite) Leitlinien für die Bewertung von produktionsintegrierter Kompensation unter Berücksichtigung lokaler Landschaftsräume, z. B. in Ökopunkten, benötigt. Generell sollten freiwillige Maßnahmen priorisiert werden, die eine hohe Akzeptanz aufweisen und gleichzeitig die Pflege und Unterhaltung der Maßnahme sicherstellen. Minimierung und Vermeidung von Eingriffen Neun Punkte wurden als Handlungsempfehlungen aus dem Projekt an die Politik formuliert wurden. Vordergründig stand dabei die Setzung von Anreizen zur Minimierung und Vermeidung von Eingriffen im Fokus, da eine umfassende und vollwertige Kompensation dieser selbst bei bestmöglicher Umsetzung nicht immer erreicht werden kann. Kompensation mit Mehrwert erfordert finanzielle Mittel und Transparenz Ausreichende finanzielle Mittel sind zur Erhöhung der personellen Kapazität im Kompensationsmanagement auf kommunaler Ebene sowie der Schaffung von fachlichen Aus- und Weiterbildungsprogrammen wichtig. Auch der ehrenamtliche Naturschutz könnte stärker eingebunden werden, was aber auch eine aktuelle und öffentlich zugängliche Datenbank zu Kompensationsmaßnahmen erfordert. Vorausschauende Planung und öffentliches Bewusstsein Eine übergeordnete und vorsorgende Planung könnte die Qualität der umgesetzten Maßnahmen erhöhen, denn häufig fehlen langfristige Entwicklungsstrategien auf kommunaler Ebene. Kompensation sollte außerdem auch im Innenbereich stärker umgesetzt werden, was die Brücke zur „Grünen Stadt“ und Biodiversität im urbanen Raum schlägt. Am Ende ist auch die Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins für die Mehrwerte, die durch Kompensation entstehen, essentiell. Gute Beispiele bringen das Thema Kompensation auch stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit. Podiumsdiskussion betont die politische Relevanz der Thematik Den Abschluss der Konferenz bildete eine Podiumsdiskussion, in deren Rahmen die anfangs genannten Herausforderungen sowie die Lösungsansätze von RAMONA nochmals reflektiert wurden. Viele Ansätze werden bereits von der Politik aufgegriffen, z. B. eine Applikation zur Auffindung von Kompensationsmaßnahmen. Viele genannte Aspekte tangieren zudem den Bereich der kommunalen Planungshoheit, was zusätzliche Hürden mit sich bringt. Multifunktionale Ansätze wie die produktionsintegrierte Kompensation müssen weiterentwickelt werden, damit sie langfristig eine Chance haben. Kompensation muss als Chance zur Schaffung von Lebensqualität im urbanen Raum verstanden und genutzt werden. Dies ist auch für die Standortattraktivität der Region Stuttgart und andere Ballungsräume enorm wichtig. Die RAMONA-Thematik tangiert in diesem Kontext zahlreiche aktuelle politisch relevante Themenfelder wie Biodiversitätsverlust, Anpassung an den Klimawandel, Transformation der Energiewirtschaft, aber auch veränderte gesellschaftliche Strukturen. Auch über die Projektlaufzeit hinaus sollten die Ansätze nun verstetigt werden, was unter anderem der Verband Region Stuttgart als Praxispartner in RAMONA anstrebt. Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie auf der Webseite des Verbundvorhabens .

Geologisches 3D Modell ROHSA 3.1

Das geologische Modell stellt die Abfolge der geologischen Gesteinsschichten im mittleren Westerzgebirge (umfasst das Gebiet um Thum, Ehrenfriedersdorf, Geyer, Elterlein, Grünhain-Beierfeld) in einem 3 dimensionalen Raum dar. Das 3D Modell gehört zum Teilprojekt ROHSA 3.1 und wurde im Auftrag vom LfULG von der TU Bergakademie Freiberg, Beak Consultant GmBH, dem Helmholtz Institut Freiberg und TIN International erstellt. Das geologische Modell ist ein Grundmodell, welches die Verbreitung der angetroffenen Gesteinsschichten (Ordovizium bis Permokarbon) im Untergrund visualisiert, unter Einbezug von geologischen Störungen. Das Modell wurde als gOcad Modell in der Version 2015/5 erstellt und beinhaltet das 3D Modell von Geyer Süd (erstellt von Tin International AG).

Schutz der vier europäischen Geierarten (Bartgeier - Gypaetus barbatus, Gänsgeier - Gyps fulvus, Mönchsgeier - Aegypius monachus, Schmutzgeier - Neophron percnopterus) in Bulgarien

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens: Ziel des Programms mit seinen Komponenten ist es, in Bulgarien stabile Populationen aller vier Geierarten aufzubauen und die äußeren Bedingungen so günstig zu gestalten, dass diese sich dauerhaft selbst erhalten können. Fazit: Das Projekt mit seinen Umsetzungskomponenten reiht sich in den Aktionsplan zur Erhaltung der Geierpopulationen Im Balkanraum ein und trägt erheblich zu dessen Erfolg durch die erzielten positiven Teilergebnisse der Einzelmaßnahmen bei. Mit Beendigung der DBU-Förderung ist das Projekt jedoch nicht abgeschlossen. Die beteiligten Organisationen in Bulgarien sind in der Lage die bis jetzt durchgeführten Maßnahmen weiter zu führen. Die bis jetzt erreichten Ziele werden fernerhin in dem weiterführenden Projektansatz des gemeinsam von DBU und ZGF geförderten Vorhabens zum Biodiversitätsschutz im bulgarischen Balkan Gebirge AZ 26175 gefestigt und mit neuer Schwerpunktsetzung fortgeführt. Die Laufzeit des neuen Vorhabens ist fünf Jahre, so dass bis dahin eine Gänsegeierpopulation im Balkangebirge etabliert sein dürfte. Daher kann man sagen, dass das Projekt auf einem sehr erfolgreichen Weg sich befindet. Die wichtigsten Vorbereitungen zur aktiven Wiederansiedlung von Gänsegeiern im Balkangebirge sind getroffen. Eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, aber besonders bei den betroffenen Zielgruppen der Tierhalter und Jäger konnte erreicht werden. Allerdings brachte der Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union neue Problem, die von der innerhalb der EU geltenden Hygiene-Verordnung EU-VO 1774-2002 zur Bekämpfung des Rinder-Wahnsinns ausgehen. Danach dürfen offene Tierkörperbeseitigungsstellen, wie sie die Geierfutterplätze darstellen, nicht mehr betrieben werden. Im Zuge intensiven Lobbying in Brüssel konnte erreicht werden, dass die örtlichen Veterinärbehörden Ausnahmegenehmigungen von dem allgemeinen Verbot der offenen Tierkörperbeseitigung erteilen dürfen. Diese kommen in erster Linie den sogenannten 'Mulladores' in Spanien und in Südfrankreich zu Gute, sind aber auch für die bereits eingerichteten Geierfutterplätze in Bulgarien von großer Bedeutung. Dennoch bedarf es nun weiterer Informations- und Aufklärungsarbeit gerade bei den Veterinärbehörden in Bulgarien, die derzeit eher verunsichert sind.

Rodungsvorhaben auf Fl.Nr. 465, 465/2 Gemarkung Unterkotzau, Stadt Hof

Herr Werner Geier, Hof, beantragte die Erteilung einer Rodungserlaubnis für eine Fläche von 1,44 ha auf den Flurstücken 465 und 465/2 Gemarkung Unterkotzau. Geplant ist die Umwandlung in Grünland.

Machbarkeitsstudie für ein Visualisierungstool - Analyse des Bedarfs und der Machbarkeit eines computergrafischen Visualisierungssystems für interaktive Planungs- und Umsetzungsprozesse auf Landschaftsebene

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens: Die Gutachter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die DBU haben dem ZALF empfohlen, den Projektantrag aus dem Jahr 1999: 'Sehen, Verstehen, Umsetzen - computergrafisch unterstützte Akteursbeteiligung in der umweltorientierten Planung von Landschaften' zunächst zurückzustellen und eine Machbarkeitsstudie zu beantragen. Die Studie soll Zielgruppen und das Anforderungsprofils an die zu entwickelnde Software zur 3D-Landschaftsvisualisierung spezifizieren, eine Marktanalyse umfassen, insgesamt eine stärkere Einbindung von Planern gewährleisten und die Abstimmung mit der Vorstudie des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Außenstelle Leipzig 'Interaktiver Landschaftsplan' einschließen. Zusätzlich wird auch die technische Realisierbarkeit untersucht. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden: Die Klärung des Bedarfs und die Produktspezifikation erfolgt Iterativ und partizipativ mit Vertretern der Zielgruppe und IT-Experten. Im Auftrag des ZALF wird vom ATELIER BERNBURG und der Hochschule Anhalt, Forschungsbereich Landschaftsinformatik eine unabhängige Umfrage bei potenziellen Anwendern eines Visualisierungstools und ihrer potenziellen Auftraggeber durchgeführt. Es werden über Tausend Planungsbehörden, -büros und Visualisierungsdienstleister auf der Grundlage einer einwohnerbezogenen Stichprobe mit einem schriftlichen bzw. über einen Online-Fragebogen befragt. In einem Demonstrationsvorhaben werden für einen kleinen Landschaftsausschnitt Szenarien der Landschaftsentwicklung mit verfügbarer Technologie 3D-visualisiert und mit lokalen Akteuren diskutiert. Existierende Software zur 3D-Landschaftsvisualisierung wird recherchiert und hinsichtlich ihres Leistungsvermögens bewertet. Eine computergrafische Expertise der Firma Indeed GmbH dient zur Abschätzung der technischen Machbarkeit und zur Ermittlung des Aufwands. Fazit: Eine überwältigende Zahl potenzieller Anwender als auch die Akteure des Demonstrationsvorhabens betrachten 3D-Landschaftsvisualisierung als 'conditiosine qua non' einer künftigen Umweltplanung. Geier, Egger und Muhar betonen auf der CORP 2001, dass sich für Anwender die Frage nach der Integration von Landschaftsvisualisierungssystemen in den Arbeitsablauf eines Planungsprozesses stellt. Während einige Teilaspekte der Bedeutung photorealistischer Visualisierungen schon gut untersucht seien, fehle derzeit noch ein umfassendes Modell für die Rolle der neuen Medien für die Kommunikation im Planungsprozess. Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit der geplanten BfN-Hauptstudie zu untersuchen sein, ob eine computergrafisch unterstützte Akteursbeteiligung zu einer Verbesserung der Kommunikation, der Akzeptanz, und damit letztendlich auch der Umweltsituation führen kann. Es gibt derzeit keine vergleichbare Software, die den im Rahmen der Studie festgestellten Anforderungen der Praxis und den computergrafischen Möglichkeiten gerecht wird. Eine Aufwandsanalyse hat gezeigt, dass ein Tool

Wiedereinbuergerung des Bartgeiers in den Alpen

Untersuchung von 5 Gebieten auf ihre Eignung als zukuenftige Lebensraeume fuer Bartgeier. Aufbau der Information von Aemtern, Vereinen und Bevoelkerung im Hinblick auf die ersten Freilassungen von Bartgeiern in den Alpen.

Untersuchungen zur Habitatwahl, Paarbildung und zum Fortpflanzungsverhalten wiedereingebuergerter Bartgeier (Gypaeus Barbatus)

Die Vertreter der Alpenlaender (Deutschland, Frankreich, Italien, Oesterreich und Schweiz) beschlossen 1978 den in den Alpen ausgerotteten Bartgeier wieder anzusiedeln. Bis 1991 flogen in Rauris (Oesterreich), Hoch-Savoyen (Frankreich) und NP Graubuenden (Schweiz) 35 junge Bartgeier aus. Ziel des vorliegenden Forschungsprojektes ist neben der Erfassung der Ueberlebensrate Wohngebiete und allfaellige Horstterritorien zu lokalisieren und die Paarbildung und Fortpflanzung im Freiland zu dokumentieren.

Drohnenbasierte Fernerkundung im Gewässerschutz Mehr zum Thema:

Drohnen, genauer gesagt unbemannte Flugsysteme (UAS), halten in unterschiedlichen Bauformen und mit unterschiedlichen Funktionalitäten und Aufgabenstellungen verstärkt Einzug in das Umweltmonitoring und die Überwachung von Gewässern. Bild zeigt: Ufervegetation am nördlichen Bodenseeufer im Bereich Gohren. Bildnachweis: LUBW . Um die drohnenbasierte Fernerkundung und die damit verbundenen Methoden der Photogrammetrie, Thermografie und 3D-Rekonstruktionen besser in den behördlichen Alltag einzubinden und für die Monitoringaufgaben der LUBW im Gewässerschutz nutzbar zu machen, wird in der Zeit vom 11.7. bis 13.07.2023 ein Workshop zum Thema „Drohnen im Gewässerschutz und Gewässerumfeld 2023“ am Institut für Seenforschung der LUBW veranstaltet. Mit diesem Workshop wird an Pilotprojekte angeknüpft, die vom Landesamt für Geoinformatik und Landentwicklung (LGL), dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) und der LUBW in den Jahren 2020 und 2022 durchgeführt wurden und bei denen ein erster abteilungs- und behördenübergreifender Erfahrungsaustausch zu diesem Themenkreis realisiert wurde. Bild zeigt: Teilnehmende des Pilotprojektes Drohnen im Gewässerschutz mit der vielfältigen Drohnentechnik im Vordergrund (V.l.n.r. Dr. Christian Bauer (LTZ), Dr. Rebecca Kutzner (LUBW), Dietmar Geier (LGL), Clarissa Edelmann (LUBW), Bernd Schramm (LUBW), Philipp Schwarz (LUBW), Thomas Wolf (LUBW)). Bilnachweis: LUBW Ziel des dreitägigen Treffens ist es, sich zu verschiedenen Aspekten der Anwendung von Drohnen im Gewässerschutz und der praktischen Wasserwirtschaft auszutauschen, um diese neuartige Technik für angewandte Fragestellungen des Gewässerschutzes zum Einsatz zu bringen. Neben dem fachlichen Austausch und Diskussionen zu den Themen Drohnentechnik, Photogrammetrie, Thermografie und 3D-Rekonstruktionen werden am zweiten Tag auch verschiedene Drohnen- und Kamerasysteme direkt vor Ort zum Einsatz kommen. Bei Befliegungen einiger Gewässerabschnitte werden dabei praktische Erfahrungen zur Planung und Durchführung von Drohnenmissionen gesammelt. Dabei werden die Methoden der drohnenbasierten Fernerkundung für unsere Fragestellungen angepasst und für den Feldeinsatz nutzbar gemacht. Erfasst werden bei diesen Befliegungen in den Ufer- und Flussabschnitten des Bodensees eine ganze Reihe von Strukturen und Naturraumkomponenten, die mit Kameras in unterschiedlichen Spektralbereichen (RGB, Thermal/Nahes Infrarot, Multispektral) abgebildet werden. Spezielles Augenmerk wird dabei auf folgende Themen gerichtet, die für die Bewertung der Gewässer und deren Zustand bedeutsam sind. Ein fachliches Highlight des Treffens wird in diesem Jahr die Anwendung drohnenbasierter LIDAR-Systeme (Abkürzung für englisch Light detection and ranging; eine Methode zur optischen Entfernungsmessung) des LGL und des LTZ sein, mit denen hochgenaue Vermessungen der Topographie möglich sind. Am dritten Tag werden Erfahrungen und erste Ergebnisse diskutiert und die Planung für die weitere Auswertung der erhobenen Daten abgestimmt. Bild zeigt: Flussmündung Argen - Mit den Methoden der drohnenbasierten Fernerkundung werden höchstauflösende Daten zu Sedimentdynamik im Mündungsbereich der Argen erhoben. Bildnachweis: LUBW. Bild zeigt: Hafeneinfahrt Gohren - Mit Drohnen können hochaufgelöste Informationen über Uferverbauungen und –strukturen gewonnen werden. Bildnachweis: LUBW. Auch mit der Fernerkundung mittels Satelliten beschäftigt sich die LUBW. Mehr dazu erfahren Sie im Blogbeitrag „ LUBW Monatsthema Satellitenfernerkundung: Die Seen von oben im Blick behalten “.

04_Flechtengesellschaften

Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 39 (2004) Rote Liste der Flechtengesellschaften des Landes Sachsen-Anhalt Bearbeitet von Peter SCHOLZ (1. Fassung, Stand: Februar 2004) Einführung Überwiegend oder ausschließlich von Flechten dominierte Pflanzengesellschaften kommen in Sachsen-Anhalt sowohl auf Böden und Gesteinen wie auf Rinden lebender Gehölze und auf Totholz vor. Dass auffällige, artenreiche Flechtengesell- schaften an entsprechenden Standorten dennoch ziemlich selten sind, liegt vor allem am langsa- men Wachstum der allermeisten Flechten. Abge- sehen von sogenannten Pioniergesellschaften benötigen Flechtengesellschaften für ihre Entwick- lung mehrere Jahre oder Jahrzehnte ökologische Kontinuität mit ausreichend Lichtgenuss und zumindest zeitweiliger Befeuchtung. Im Falle von Gesteinsoberflächen werden zur Ausbildung ar- tenreicher Gesellschaften sogar oft Jahrhunderte benötigt. Auf Grund der genannten ökologischen Ansprüche können Flechtengesellschaften mit Phanerogamengesellschaften nicht und mit Moos- gesellschaften nur bedingt konkurrieren. Böden können deshalb nur dort von Flechtengesellschaf- ten besiedelt werden, wo es für geschlossene Phanerogamengesellschaften zu trocken oder zu nährstoffarm ist. Feuchtere Standorte in Vegeta- tionslücken, sowie auf Gestein und Rinde bezie- hungsweise Holz werden rascher von Moosgesell- schaften eingenommen, nur an trockeneren Standorten dominieren im allgemeinen Flechten- gesellschaften. Eine Ausnahme hiervon bilden lediglich die submers oder in der Spritzwasserzo- ne an Blöcken in Bachläufen vorkommenden Süß- wasser-Flechtengesellschaften. Als Ersatzstand- orte für Flechtengesellschaften auf Gestein kön- nen aber auch vom Menschen geschaffene Ge- steinsoberflächen dienen, wenn ausreichend Zeit zur Entwicklung zur Verfügung steht. Besonders wichtig sind hierfür neben Steinbrüchen alte Na- tursteinmauern aber auch Denkmäler und selbst alte Grabmale. Datengrundlagen Erstmalig wird eine Rote Liste gefährdeter Flech- tengesellschaften des Bundeslandes vorgelegt. Grundlage hierfür war neben der Auswertung der vorhandenen Literatur eine vom Autor im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (Bonn) im Jahr 2000 erarbeitete Datenbank der Flechtengesell- schaften Deutschlands. Spezielle Veröffentlichungen über Flechtengesell- schaften in Sachsen-Anhalt sind nur sehr spär- lich vorhanden. SCHOLZ (1992) gibt einen ersten Überblick über die Flechtengesellschaften des Harzes. Andere Arbeiten befassen sich mit spe- ziellen Habitaten (SCHUBERT & KLEMENT 1961) oder einzelnen Naturschutzgebieten (NÖRR 1968, STÖ- #" CKER 1962a, 1962b), wobei im letzteren Fall nur einzelne Flechtengesellschaften im Rahmen ve- getationskundlicher Untersuchungen behandelt oder erwähnt werden. Die stärkste Beachtung fan- den in der Literatur die Flechtengesellschaften kalk- bis basenreicher Böden, die oft unter der deutschen Bezeichnung „Bunte Erdflechtengesell- schaft“ zusammengefasst werden und sicher zu den wenigen allgemeiner bekannten Flechtenge- sellschaften zählen. Mit diesen befassten sich im Untersuchungsgebiet nach KNAPP (1944), REIMERS (1950) und GEIER (1961) auch MARSTALLER (1971) und SCHUBERT et al. (1975). Sie können damit als die einzigen ausreichend bekannten und gut be- arbeiteten Flechtengesellschaften Sachsen-An- halts gewertet werden. Für einen Teil der aufge- nommenen Assoziationen liegen nur Hinweise auf das Vorkommen charakteristischer Arten in der floristischen Literatur vor (ZSCHACKE 1909, 1911). Solche Assoziationen wurden aufgenommen wenn aus der allgemeinen Kenntnis über die Ver- breitung der Gesellschaften mit großer Sicherheit ein derzeitiges oder ehemaliges Vorkommen in Sachsen-Anhalt angenommen werden kann. Hierzu dienten vor allem die Bearbeitungen der Nachbargebiete Niedersachsen (DREHWALD 1993) und Thüringen (SCHOLZ 2001), sowie die allgemei- nen Bearbeitungen der Silikatflechtengesellschaf- ten Mitteleuropas (WIRTH 1972) und der epiphyti- schen Flechtengesellschaften Westeuropas (BARKMAN 1958). Da es insbesondere für Flech- tengesellschaften der Silikatfelsen kaum ältere Angaben mit Aussagen zur Häufigkeit der Vorkom- men gibt, konnte hier meist nur eine Einordnung in die Kategorie G vorgenommen werden. Es muss ausserdem darauf hingewiesen werden, dass für eine Reihe weiterer heute verschwunde- ner, vermutlich aber ehemals im Lande vorhan- dener Flechtengesellschaften auswertbare ältere Angaben ganz fehlen. Solche Assoziationen wur- den nicht in die Listen aufgenommen. Bemerkungen zu ausgewählten Gesellschaf- ten; Gefährdungsursachen und erforderliche Schutzmaßnahmen Unter den gefährdeten Flechtengesellschaften Sachsen-Anhalts verdienen neben den bereits erwähnten Flechtengesellschaften kalk- bis ba- senreicher Böden einige weitere Assoziationen besondere Beachtung. An erster Stelle ist hier das Lecidetum inopis zu nennen, das in Deutschland vermutlich nur in Sachsen-Anhalt vorkommt. Es handelt sich dabei um eine aus relativ unauffälli- gen Krustenflechten aufgebaute Gesellschaft, die mit der aspektbestimmenden Art (Lecidea inops) Taxa Anzahl (absolut) Anteil an der Gesamtzahl (%) Taxa Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) 0 5 6,5 Gefährdungskategorie R 1 2 4 4 10 5,2 5,2 Kategorien G D V 11 1 - 14,3 1,3 - 13,0 3 11Rote Liste 34 14,344,2 Sonstige Gesamt 12 Gesamt 77 Gesamt 77 Tab. 1: Übersicht zum Gefähr- dungsgrad der Flechtengesell- schaften Sachsen-Anhalts. Tab. 2: Übersicht zur Einstufung in die sonstigen Kategorien der Roten Liste. 15,6 an das Vorkommen von Kupferverbindungen im besiedelten Gestein gebunden ist. Im Gebiet kommt die Gesellschaft auf den Kupferschiefer- halden des Mansfelder Landes vor. Reich besie- delt sind besonders ebene Flächen der großen Halden aus dem 19. Jahrhundert. Hier wäre die Gesellschaft an sich ungefährdet, wenn es nicht zur Zerstörung der Halden durch Schottergewin- nung käme und nicht Mineralien- und Fossiliensu- cher trotz aller Verbote die Halden durchwühlen würden. Bei letzterem wird die interessante Flech- tengesellschaft der Halden auch durch das Bege- hen von Schrägflächen zerstört, wenn die seit Jahr- zehnten unverändert zuoberst liegenden Schiefer- platten verschoben und umgedreht werden. Eine weitere Besonderheit unter den Flechtenge- sellschaften des Landes ist das Dimelaenetum orei- nae, das nur an zwei Stellen an den kreidezeitli- chen Sandsteinfelsen des nördlichen Harzvorlan- des vorkommt. Die nächsten Vorkommen der Ge- sellschaft und der namengebenden Art (Dimelae- na oreina) befinden sich im Schwarzwald, den Alpen und in Böhmen. Die Gesellschaft wurde des- halb als wegen Seltenheit gefährdet eingestuft. Vom Aussterben bedroht ist in Sachsen-Anhalt das Acarosporetum sinopicae. Es handelt sich um eine Krustenflechtengesellschaft, die im Gebiet nur auf mittelalterlichen, schwermetallhaltigen Erzschla- ckenhalden vorkommt. Diese stammen von der Eisenerzverhüttung und waren einst vielfach vor- handen (BODE 1928). Sie wurden jedoch teilweise überbaut oder wuchsen langsam zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der größte Teil von ihnen wegen des noch vorhandenen Metallgehalts erneut verhüttet. Zur Zeit existieren nur zwei Vorkommen des Acarosporetum sinopicae in Sachsen-Anhalt. Das größere davon liegt im Nationalpark Hochharz und kann dort hoffentlich durch geeignete Pflege- maßnahmen (Entbuschung, Aufreißen vergraster Haldenteile) erhalten werden. Vorkommen der Gesellschaft an natürlichen Gesteinen sind aus Sachsen-Anhalt nicht bekannt. Alle Rindenflechten-Gesellschaften regenge- schützter Standorte sind mehr oder weniger stark gefährdet, da sie nur an bestimmten alten Bäu- men in geeigneter luftfeuchter Lage vorkommen. Solche Bäume sind in Forsten praktisch fast nicht vorhanden. Als Ursachen der Gefährdung von Flechtengesell- schaften könnte man weiterhin alle in der Einlei- tung zur Roten Liste der Flechten genannten Ur- sachen wiederholen. Von den 77 im Land Sach- sen-Anhalt vorkommenden Flechtengesellschaf- ten sind 34 (ca. 44 %) gefährdet. Die Benennung der Flechtengesellschaften folgt WIRTH (1995). Innerhalb der Klasse sind die Ge- sellschaften nach der Gefährdung geordnet. Deut- sche Namen für Flechtengesellschaften gibt es nicht. Gesellschaft Silikatflechtengesellschaften regengeschützter Standorte Enterographetum zonatae (DEGEL. 1939) WIRTH 1972 Chrysotrichetum chlorinae SCHADE 1934 ex WIRTH 1972 Silikatflechtengesellschaften beregneter Standorte Dimelaenetum oreinae HIL. 1925 Lecanoretum argopholidis (CERN. 1940) WIRTH 1980 Pertusario-Ophioparmetum WIRTH 1972 ex WIRTH 1980 Acarosporetum sinopicae HIL. 1924 Lasallietum pustulatae HIL. 1925 Lecidetum inopis ass. prov. Ramalinietum capitatae FREY 1923 Umbilicarietum cylindricae FREY 1922 ex KLEM. 1955 Umbilicarietum deustae HIL. 1925 Lecideetum lithophilae WIRTH 1969 Parmelietum omphalodis DU RIETZ 1921 Kat. G G R R R 1 3 3 3 3 3 G G ## Gesellschaft Pertusarietum corallinae FREY 1922 Parmelietum somloensis KLEM. 1955Kat. G D Süßwasser-Flechtengesellschaften auf Silikat Porpidietum hydrophilae ULLRICH 1992 Porpidietum glaucophaea WIRTH 1969 Verrucarietum funckii ULLRICH & WIRTH 1972 Verrucarietum hydrelae ass. prov. WIRTH 19952 G G G Subneutrophytische Silikatflechtengesellschaften Caloplacetum obliterantis WIRTH 1972R Kalkflechtengesellschaften nährstoffreicher Standorte Caloplacetum cirrochroae POELT ex BREUER 1971 Xanthorietum aureolae BESCHEL ex KLEM. 1953G G Flechtengesellschaften sickerfeuchter Kalkfelsen Toninietum candidae KAISER 1926G Rindenflechten-Gesellschaften regengeschützter Standorte Chaenothecetum furfuraceae KALB 1969 Calicietum glaucelli KALB. 1966 corr. WIRTH Calicietum viridis HIL. 1925 Chrysotrichetum candelaris MATTICK 1937 ex BARKM. 1958 Chaenothecetum ferrugineae BARKM. 19580 2 2 2 3 Vorzugsweise Holz bewohnende Flechtengesellschaften Lecanoretum symmictae KLEM. 19532 Blatt- und strauchflechtenreiche Gesellschaften saurer Borken Bryorio fuscescenti-Usneetum filipendulae HIL. 1925 Cetrarietum sepincolae OCHSNER ex KLEM. 1955 Pseudevernietum furfuraceae HIL. 19251 1 3 Moos-Flechten-Gesellschaften schwach saurer bis basenreicher Borken Lobarietum pulmonariae HIL. 1925 Nephrometum laevigati BARKM. 19580 0 Pioniergesellschaften neutraler bis schwach saurer, glatter Borken Lecanoretum subfuscae HIL. 1925 Pyrenuletum nitidae HIL. 1925 Pertusarietum amarae HIL. 1925 em. BARKMAN 19582 2 3 Flechtengesellschaften neutraler bis basenreicher Borken Parmelietum caperatae FELF. 1941 Ramalinietum fastigiatae DUVIGN. 1942 Parmelietum acetabuli OCHSNER 19280 0 3 Moos-Flechten-Gesellschaften des morschen Holzes Cladonietum cenoteae FREY 1927 ex FREY 19591 Flechtengesellschaften kalk- bis basenreicher Böden Endocarpetum pusilli GALLÉ 1964 Toninio-Psoretum decipientis STODIECK 1937 Cladonietum symphycarpae DOPPELB. in KLEM. 19552 2 3 #$

Kapitel 4 Flechtengesellschaften Rote Listen Sachsen-Anhalt 2020

Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Heft 1/2020: 111–114 4 Bearbeitet von Peter Scholz (1. Fassung, Stand: Februar 2004) Einführung Überwiegend oder ausschließlich von Flechten do- minierte Pflanzengesellschaften kommen in Sach- sen-Anhalt sowohl auf Böden und Gesteinen wie auf Rinden lebender Gehölze und auf Totholz vor. Dass auffällige, artenreiche Flechtengesellschaften an entsprechenden Standorten dennoch ziemlich selten sind, liegt vor allem am langsamen Wachstum der allermeisten Flechten. Abgesehen von sogenannten Pioniergesellschaften benötigen Flechtengesell- schaften für ihre Entwicklung mehrere Jahre oder Jahrzehnte ökologische Kontinuität mit ausreichend Lichtgenuss und zumindest zeitweiliger Befeuch- tung. Im Falle von Gesteinsoberflächen werden zur Ausbildung artenreicher Gesellschaften sogar oft Jahrhunderte benötigt. Auf Grund der genannten ökologischen Ansprüche können Flechtengesellschaf- ten mit Phanerogamengesellschaften nicht und mit Moosgesellschaften nur bedingt konkurrieren. Böden können deshalb nur dort von Flechtengesellschaften besiedelt werden, wo es für geschlossene Phaneroga- mengesellschaften zu trocken oder zu nährstoffarm ist. Feuchtere Standorte in Vegetationslücken, sowie auf Gestein und Rinde beziehungsweise Holz werden rascher von Moosgesellschaften eingenommen, nur an trockeneren Standorten dominieren im allgemei- nen Flechtengesellschaften. Eine Ausnahme hiervon bilden lediglich die submers oder in der Spritzwasser- zone an Blöcken in Bachläufen vorkommenden Süß- wasser-Flechtengesellschaften. Als Ersatzstandorte für Flechtengesellschaften auf Gestein können aber auch vom Menschen geschaffene Gesteinsoberflä- chen dienen, wenn ausreichend Zeit zur Entwicklung zur Verfügung steht. Besonders wichtig sind hierfür neben Steinbrüchen alte Natursteinmauern aber auch Denkmäler und selbst alte Grabmale. Datengrundlagen Erstmalig wird eine Rote Liste gefährdeter Flechten- gesellschaften des Bundeslandes vorgelegt. Grundlage hierfür war neben der Auswertung der vorhandenen Literatur eine vom Autor im Auftrag des Bundesam- tes für Naturschutz (Bonn) im Jahr 2000 erarbeitete Datenbank der Flechtengesellschaften Deutschlands. Spezielle Veröffentlichungen über Flechten- gesellschaften in Sachsen-Anhalt sind nur sehr spärlich vorhanden. Scholz (1992) gibt einen ersten Überblick über die Flechtengesellschaften des Har- zes. Andere Arbeiten befassen sich mit speziellen Flechtengesellschaften Habitaten (Schubert & Klement 1961) oder einzelnen Naturschutzgebieten (Nörr 1968, Stöcker 1962a, 1962b), wobei im letzteren Fall nur einzelne Flech- tengesellschaften im Rahmen vegetationskundlicher Untersuchungen behandelt oder erwähnt werden. Die stärkste Beachtung fanden in der Literatur die Flechtengesellschaften kalk- bis basenreicher Böden, die oft unter der deutschen Bezeichnung „Bunte Erd- flechtengesellschaft“ zusammengefasst werden und sicher zu den wenigen allgemeiner bekannten Flech- tengesellschaften zählen. Mit diesen befassten sich im Untersuchungsgebiet nach Knapp (1944), Reimers (1950) und Geier (1961) auch Marstaller (1971) und Schubert et al. (1975). Sie können damit als die ein- zigen ausreichend bekannten und gut bearbeiteten Flechtengesellschaften Sachsen-Anhalts gewertet werden. Für einen Teil der aufgenommenen Assozia- tionen liegen nur Hinweise auf das Vorkommen cha- rakteristischer Arten in der floristischen Literatur vor (Zschacke 1909, 1911). Solche Assoziationen wurden aufgenommen wenn aus der allgemeinen Kenntnis über die Verbreitung der Gesellschaften mit großer Sicherheit ein derzeitiges oder ehemaliges Vor- kommen in Sachsen-Anhalt angenommen werden kann. Hierzu dienten vor allem die Bearbeitungen der Nachbargebiete Niedersachsen (Drehwald 1993) und Thüringen (Scholz 2001), sowie die allgemeinen Bearbeitungen der Silikatflechtengesellschaften Mitteleuropas (Wirth 1972) und der epiphytischen Flechtengesellschaften Westeuropas (Barkman 1958). Da es insbesondere für Flechtengesellschaften der Silikatfelsen kaum ältere Angaben mit Aussagen zur Häufigkeit der Vorkommen gibt, konnte hier meist nur eine Einordnung in die Kategorie G vorgenom- men werden. Es muss außerdem darauf hingewie- sen werden, dass für eine Reihe weiterer heute verschwundener, vermutlich aber ehemals im Lande vorhandener Flechtengesellschaften auswertbare ältere Angaben ganz fehlen. Solche Assoziationen wurden nicht in die Listen aufgenommen. Bemerkungen zu ausgewählten Gesellschaften, Gefährdungsursachen und erforderliche Schutz- maßnahmen Unter den gefährdeten Flechtengesellschaften Sach- sen-Anhalts verdienen neben den bereits erwähnten Flechtengesellschaften kalk- bis basenreicher Böden einige weitere Assoziationen besondere Beachtung. An erster Stelle ist hier das Lecideion inopis zu nen- nen, dass in Deutschland vermutlich nur in Sachsen- Anhalt vorkommt. Es handelt sich dabei um eine aus relativ unauffälligen Krustenflechten aufgebaute Gesellschaft, die mit der aspektbestimmenden Art 111 Flechtengesellschaften Tab. 1: Übersicht zum Gefährdungsgrad der Flechtengesellschaften Sachsen-Anhalts. Taxa Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) Gefährdungskategorie R 1 2 4 4 10 5,2 5,2 13,0 0 5 6,5 3 11 14,3 Rote ListeGesamt 34 44,277 Tab. 2: Übersicht zur Einstufung in die sonstigen Kategorien der Roten Liste. Taxa Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) Kategorien G 11 14,3 (Lecidea inops) an das Vorkommen von Kupferver- bindungen im besiedelten Gestein gebunden ist. Im Gebiet kommt die Gesellschaft auf den Kupferschie- ferhalden des Mansfelder Landes vor. Reich besiedelt sind besonders ebene Flächen der großen Halden aus dem 19. Jahrhundert. Hier wäre die Gesellschaft an sich ungefährdet, wenn es nicht zur Zerstörung der Halden durch Schottergewinnung käme und nicht Mineralien- und Fossiliensucher trotz aller Verbote die Halden durchwühlen würden. Bei letzterem wird die interessante Flechtengesellschaft der Halden auch durch das Begehen von Schrägflächen zerstört, wenn die seit Jahrzehnten unverändert zuoberst liegenden Schieferplatten verschoben und umgedreht werden. Eine weitere Besonderheit unter den Flechten- gesellschaften des Landes ist das Dimelaenetum oreinae, das nur an zwei Stellen an den kreidezeit- lichen Sandsteinfelsen des nördlichen Harzvorlandes vorkommt. Die nächsten Vorkommen der Gesellschaft und der namengebenden Art (Dimelaena oreina) befinden sich im Schwarzwald, den Alpen und in Böhmen. Die Gesellschaft wurde deshalb als wegen Seltenheit gefährdet eingestuft. Vom Aussterben bedroht ist in Sachsen-Anhalt das Acarosporetum sinopicae. Es handelt sich um eine Krustenflechtengesellschaft die im Gebiet nur auf mittelalterlichen, schwermetallhaltigen Erzschlacken- Gesellschaft Silikatflechtengesellschaften regengeschützter Standorte Enterographetum zonatae (Degel. 1939) Wirth 1972 Chrysotrichetum chlorinae Schade 1934 ex Wirth 1972 Silikatflechtengesellschaften beregneter Standorte Dimelaenetum oreinae Hil. 1925 Lecanoretum argopholidis (Cern. 1940) Wirth 1980 Pertusario-Ophioparmetum Wirth 1972 ex Wirth 1980 Acarosporetum sinopicae Hil. 1924 Lasallietum pustulatae Hil. 1925 Lecideion inopis Purvis 1996 Ramalinietum capitatae Frey 1923 Umbilicarietum cylindricae Frey 1922 ex Klem. 1955 Umbilicarietum deustae Hil. 1925 112 D 1 1,3 V - - Sonstige GesamtGesamt 12 15,677 halden vorkommt. Diese stammen von der Eisenerz- verhüttung und waren einst vielfach vorhanden (Bode 1928). Sie wurden jedoch teilweise überbaut oder wuchsen langsam zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der größte Teil von ihnen wegen des noch vor- handenen Metallgehalts erneut verhüttet. Zur Zeit existieren nur zwei Vorkommen des Acarosporetum si- nopicae in Sachsen-Anhalt. Das größere der davon liegt im Nationalpark Hochharz und kann dort hoffentlich durch geeignete Pflegemaßnahmen (Entbuschung, Aufreißen vergraster Haldenteile) erhalten werden. Vorkommen der Gesellschaft an natürlichen Gesteinen sind aus Sachsen-Anhalt nicht bekannt. Alle Rindenflechten-Gesellschaften regenge- schützter Standorte sind mehr oder weniger stark gefährdet, da sie nur an bestimmten alten Bäumen in geeigneter luftfeuchter Lage vorkommen. Solche Bäu- me sind in Forsten praktisch fast nicht vorhanden. Als Ursachen der Gefährdung von Flechtengesell- schaften, könnte man weiterhin alle in der Einleitung zur Roten Liste der Flechten genannten Ursachen wiederholen. Von den 77 im Land Sachsen-Anhalt vor- kommenden Flechtengesellschaften sind 34 (ca. 44 %) gefährdet. Die Anordnung und Benennung der Flechtenge- sellschaften folgen Wirth (1995). Deutsche Namen für Flechtengesellschaften gibt es nicht. Kat. G G R R R 1 3 3 3 3 3 Flechtengesellschaften Gesellschaft Lecideetum lithophilae Wirth 1969 Parmelietum omphalodis Du Rietz 1921 Pertusarietum corallinae Frey 1922 Parmelietum somloensis Klem. 1955 Süßwasser-Flechtengesellschaften auf Silikat Porpidietum hydrophilae Ullrich 1992 Porpidietum glaucophaea Wirth 1969 Verrucarietum funckii Ullrich & Wirth 1972 Verrucarietum hydrelae ass. prov. Wirth 1995 Subneutrophytische Silikatflechtengesellschaften Caloplacetum obliterantis Wirth 1972 Kalkflechtengesellschaften nährstoffreicher Standorte Caloplacetum cirrochroae Poelt ex Breuer 1971 Xanthorietum aureolae Beschel ex Klem. 1953 Flechtengesellschaften sickerfeuchter Kalkfelsen Toninietum candidae Kaiser 1926 Rindenflechten-Gesellschaften regengeschützter Standorte Chaenothecetum furfuraceae Kalb 1969 Calicietum glaucelli Kalb. 1966 corr. Wirth Calicietum viridis Hil. 1925 Chrysotrichetum candelaris Mattick 1937 ex Barkm. 1958 Chaenothecetum ferrugineae Barkm. 1958 Vorzugsweise Holz bewohnende Flechtengesellschaften Lecanoretum symmictae Klem. 1953 Blatt- und strauchflechtenreiche Gesellschaften saurer Borken Bryorio fuscescenti-Usneetum filipendulae Hil. 1925 Cetrarietum sepincolae Ochsner ex Klem. 1955 Pseudevernietum furfuraceae Hil. 1925 Moos-Flechten-Gesellschaften schwach saurer bis basenreicher Borken Lobarietum pulmonariae Hil. 1925 Nephrometum laevigati Barkm. 1958 Pioniergesellschaften neutraler bis schwach saurer, glatter Borken Lecanoretum subfuscae Hil. 1925 Pyrenuletum nitidae Hil. 1925 Pertusarietum amarae Hil. 1925 em. Barkman 1958 Flechtengesellschaften neutraler bis basenreicher Borken Parmelietum caperatae Felf. 1941 Ramalinietum fastigiatae Duvign. 1942 Parmelietum acetabuli Ochsner 1928 Moos-Flechten-Gesellschaften des morschen Holzes Cladonietum cenoteae Frey 1927 ex Frey 1959 Flechtengesellschaften kalk- bis basenreicher Böden Endocarpetum pusilli Gallé 1964 Toninio-Psorodetum decipientis Stodieck 1937 Cladonietum symphycarpae Doppelb. in Klem. 1955 Flechtengesellschaften saurer Böden Cladonietum mitis Krieger 1937 Cladonietum foliaceae Klem. 1955 Kat. G G G D 2 G G G R G G G 0 2 2 2 3 2 1 1 3 0 0 2 2 3 0 0 3 1 2 2 3 2 3 Anordnung und Benennung der Flechtengesellschaften nach Wirth (1995). 113

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