null Tag der Umwelt: Bessere Chancen für die Bachforellen dank Rückgang der Versauerung Umweltpolitik der letzten Jahrzehnte zeigt Wirkung Es lohnt sich wieder, beim Passieren einer Brücke über einen Schwarzwaldbach nach der Bachforelle Ausschau zu halten. Vor wenigen Jahren waren diese Sichtungen für Wanderer in etlichen Gewässeroberläufen des Schwarzwaldes und des Odenwaldes noch selten. Wenn man heute einen schnellen Schatten im Wasser huschen sieht, ist das mit großer Wahrscheinlichkeit dieser zu den Lachsartigen zählende Fisch. „Wir freuen uns, dass unsere heimische Bachforelle wieder regelmäßig in Baden-Württemberg anzutreffen ist“, so die Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Margareta Barth. Diese Einschätzung beruht auf den Ergebnissen langjähriger Untersuchungen der LUBW im Rahmen der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung. Danach haben die Bestände in den meisten von der LUBW untersuchten Bächen des Schwarzwaldes und des Odenwaldes seit Anfang der 1990er Jahre zugenommen. In den 1980er Jahren hatte der „Saure Regen“ den Bachforellen im Schwarzwald und Odenwald stark zugesetzt. Die Bestände waren rückläufig und in manchen Jahren fiel der gesamte Nachwuchs wegen des „Sauren Regens“ aus. Neuere Untersuchungen mit kontrolliert ausgesetzten Bachforelleneiern haben gezeigt, dass heute ein weit größerer Teil der Eier und Larven überlebt als noch vor über 30 Jahren. „Dies ist ein gutes Signal aus der Natur. Wir hoffen, dass sich die nun erstarkenden neuen Populationen langfristig halten werden“, so die Präsidentin. Entwicklung seit der Zeit des „Sauren Regens“ Hohe Emissionen säurebildender Abgase in den 1980er Jahren führten zu einer starken Versauerung der Niederschläge, es entstand der sogenannte „Saure Regen“. Dieser trug mit zum Waldsterben bei und wirkte sich über die Gewässerversauerung auch auf die Tierwelt aus. In den versauerungsgefährdeten Gebieten des Schwarzwaldes und des Odenwaldes wurden nach Starkregen und zur Zeit der Schneeschmelze in den Oberläufen der Bäche kurzzeitig extrem niedrige pH-Werte, also „saures Wasser“, gemessen. In diesen Zeiten werden die Bäche hauptsächlich durch oberbodennahe Zuflüsse gespeist, deren Wasser um bis zu 100mal saurer ist als zu sonstigen Zeiten. Obendrein enthält das Wasser auch noch stark erhöhte Gehalte an gelöstem Aluminium. Stark saures Wasser in Kombination mit Aluminiumgehalten schädigt Eier und Larven der Bachforelle. Im Schwarzwald und Odenwald starben deshalb in den schlimmsten Zeiten der Gewässerversauerung bis zu 100 Prozent der Fischeier und Fischlarven. Auch ausgewachsene Forellen litten unter Säurestress, Nahrungsmangel und lebensbedrohlichen Organveränderungen durch Säure- und Aluminiumbelastung. Grundsätzlich sind Säureeinträge über den Niederschlag und Aluminiumfreisetzung aus den kalkarmen Böden versauerungsgefährdeter Gebiete wie Schwarzwald und Odenwald natürlich. Sie entstehen beispielsweise beim Humus- und Nadelstreuabbau. Aufgrund der in den 1980er Jahren durch den Menschen verursachten hohen Emissionen von Schwefeldioxid und Stickoxiden wurde der Prozess der Gewässerversauerung erheblich verstärkt und die daraus resultierende Schadstoffbelastung für die Bachforellen toxisch. Gesetzliche Vorgaben bringen die Wende Deutschland und die internationale Gemeinschaft begannen ab Mitte der Siebzigerjahre, den Ausstoß von Schwefeldioxid mithilfe verschiedener gesetzlicher Vorschriften Schritt für Schritt einzudämmen (vgl. Bericht zur Versauerung der Umwelt , Seite 9). Mitte der 1990er Jahre stellten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LUBW bei ihren Langzeituntersuchungen zunächst fest, dass sich die Bachforellenpopulation in den Bächen des Schwarzwaldes und des Odenwaldes langsam erholten. Dann stagnierte Anfang des Jahrtausends diese positive Entwicklung. Zwar waren in den meisten untersuchten Gewässern die Bestände der geschlechtsreifen Forellen gut bis ausreichend, aber die Zahl der Jungfische schwankte stark auf teilweise niedrigem Niveau. Um herauszufinden, ob eine natürliche Reproduktion in versauerungsgefährdeten Gewässern weiterhin gefährdet ist, wurden von der LUBW über vier Jahre Expositionsversuche mit Bachforelleneiern durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen lassen nun hoffen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, brauchen aber noch einen langen Atem“, so Barth. „In einigen Bächen im Nordschwarzwald messen wir immer noch zeitweilig so saures Wasser, dass eine Vermehrung der Bachforellen beeinträchtigt ist. Die Messungen an dem zur Zeit sauersten Bach, dem Kaltenbach bei Enzklösterle, weisen zeitweilig immer noch pH-Werte von unter 4 wie in Zeiten des Sauren Regens auf. Und auch das für Fische toxische Aluminium wird in der Zeit der Schneeschmelze mit hohen Aluminium-Gehalten von weit über 500 Mikrogramm pro Liter gemessen. Andere besser gegen Säure gepufferte Bäche bieten den Fischeiern und –larven dagegen heute wieder deutlich größere Überlebenschancen.“ Hintergrundinformation Medienübergreifende Umweltbeobachtung (MUB) und Langzeitanalysen der LUBW Mit der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung war die LUBW vor 30 Jahren Vorreiter in Deutschland. Dieses Instrument der Umweltbeobachtung dient zugleich als Frühwarnsystem wie auch als Erfolgskontrolle für die Entwicklung der Umwelt. Umweltbelastungen sind vielfältig und wirken sich meist auf alle Medien, also Boden, Wasser und Luft, aus. Sie beeinflussen die Lebensräume und das Artengefüge. Die LUBW erfasst und bewertet im Rahmen der Medienübergreifenden Umweltbeobachtung (MUB) die Veränderung von Ökosystemen wie Wald, Grünland und Fließgewässer. Aufgrund der langjährigen Messreihen kann beispielsweise der in dieser Pressemitteilung beschriebene Erfolg des Verbotes von schwefelhaltigen Brenn- und Kraftstoffen auf Gewässerorganismen nachgezeichnet werden sowie der damit verbundene Rückgang des sauren Regens. Weiterführende Informationen: • Bericht zur Versauerung der Umwelt: Medienübergreifende Bewertung der Versauerung der letzten drei Dekaden in Baden-Württemberg • Signale aus der Natur: Von der Biologischen zur Medienübergreifenden Umweltbeobachtung in Baden-Württemberg Fotos zeigen: (1) Frisch geschlüpfte Bachforellenlarven am Kaltenbach. Für die Erfolgskontrolle wurden die Fischlarven von einer Expositionsbox am Grunde des Baches kurzfristig in eine Schale überführt und die geschädigten Larven entnommen. Quelle: LUBW (2) Kontrolle der Fischlarven am Kaltenbach. Nachdem die toten und geschädigten Eier und Larven entnommen worden sind, wurden die Expositionsboxen wieder am Grunde des Baches installiert. Quelle: LUBW
These datasets represents a measure of intensification (nutrient, mangement pressure and pressure indicator) trend of agroecosystems. The nutrient input is a specific measure related to the intensification processes in the management of cropland and grassland ecosystems. The management pressure on cropland and grassland was calculated by combining information of nitrogen input from the Farm Structure Survey (FSS), the Corine Land Use/Land Cover dataset and other environmental characteristics such as topographic conditions, soil and climate conditions. The trend indicator is the share of cropland or grassland areas affected by internal Land Cover flows between CORINE changes, presented at NUTS3 level.
Im Vorhaben „Bundesweiter Überblick über die Radiocäsiumkontamination von Wildschweinen (3607S04561)“ wurden die bundesdeutschen Messungen zur Radiocäsiumkontamination von Wildschweinen sowie die kontaminationsbestimmenden Einflussfaktoren recherchiert und in ein Geographisches Informationssystem (GIS) zur ortsbezogenen Weiterverarbeitung überführt. Es wurde ein radioökologisches Modell (EcoWild) entwickelt, mit dem die zu erwartende Radiocäsiumkontamination von Wildschweinen für beliebige Orte und Zeitpunkte berechnet und grafisch dargestellt werden kann. Das Rechenmodell berücksichtigt die räumlich variierende Cs-137-Kontamination der Nahrung von Wildschweinen in Abhängigkeit vom betrachteten Ort und den lokalen Ökosystemen (Wald, Ackerfläche, Grünland). Von den sieben verwendeten Nahrungskategorien kommt den Hirschtrüffeln eine besondere Bedeutung zu, weil sie zu mehr als drei Viertel zur Radiocäsiumaufnahme von Wildschweinen beitragen können. Die Validierung der Modellprognosen mit realen Messwerten aus fünf Untersuchungsgebieten zeigte eine gute Übereinstimmung der Daten, wenn die Erlegungsorte der Wildschweine für das jeweilige Gebiet repräsentativ waren. Die Ergebnisse des Vorhabens schaffen einen bundesweiten Überblick über die Radiocäsiumkontamination von Wildschweinen und ermöglichen es, die potenzielle Strahlenexposition der Bevölkerung durch den Verzehr kontaminierten Wildbrets ab zuschätzen. Damit wird die Voraussetzung geschaffen, die Empfehlungen der EU-Kommission (2003/274/EC) zum Schutz und zur Information der Bevölkerung bei kontaminierten Waldprodukten umzusetzen. Die recherchierten Daten ermöglichen es, gemäß den Anforderungen des Umweltinformationsgesetzes (UIG) die Öffentlichkeit in angemessenem Umfang aktiv und systematisch über die Umwelt zu unterrichten (§ 10 UIG). //ABSTRACT// In the project “Nationwide survey of the radiocaesium contamination of wild boars (3607S04561)”, German measurements of the radiocaesium contamination of wild boars and factors which influence the contamination of these animals were investigated and fed into a Geographical Information System (GIS) for location-dependent processing. A radioecological model (EcoWild) was developed to compute and graphically display the expected radiocaesium contamination of wild boars for any location and point in time. EcoWild takes into account the spatially varying Cs-137 contamination of the feed of wild boars, depending on the location considered and the local ecosystems (forests, arable areas, grasslands). Among the seven categories of feed, special attention was paid to deer truffles, since they may contribute to more than three quarters of the radiocaesium intake of wild boars. The validation of the model predictions in five investigation areas showed that the computed contamination levels and the measurement values agreed well, provided that the locations of the shooting were representative for the respective area. The results of the project establish a nationwide survey of the radiocaesium contamination of wild boars and allow for estimating the potential radiation exposure of the public due to the consumption of contaminated game. Herewith, the foundations are laid to implement the recommendations of the European Commission (2003/274/EC) on the protection and information of the public with regard to exposure resulting from the contamination of wild food products. The investigated data allow for actively and systematically informing the public to an adequate extent, according to the requirements of the Environmental Information Act (paragraph 10 UIG)
Die gravierenden Umstrukturierungen in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten haben jedoch dazu geführt, dass nahezu alle extensiven, artenreichen Grünlandökosysteme stark rückläufig sind und heute zu den gefährdeten Biotoptypen zählen. Ein Konzept zu ihrer Erhaltung, das – ausgehend von historischen Vorbildern – von Seiten des Naturschutzes vorgeschlagen und mittlerweile in einer Reihe von Projekten umgesetzt wird, ist das der halboffenen Weidelandschaft. Hierzu gibt es in Deutschland eine durchaus kontrovers geführte Diskussion.
Das Projekt "EJP SOIL Call1: SOIL-HEAL - Symbiotische Lösungen für gesunde Agrarlandschaften" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Freie Universität (FU) Berlin, Institut für Biologie, Arbeitsgruppe Ökologie der Pflanzen durchgeführt. Symbiotische Bodenpilze haben ein großes Potenzial für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die meisten Pflanzen haben sich gemeinsam mit Bodenpilzen entwickelt, um Wurzel-Pilz-Symbiosen ('Mykorrhiza') zu bilden. Diese sind essentiell für die Regulierung zahlreicher Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen in natürlichen sowie landwirtschaftlichen Umgebungen. Mykorrhizapilze bilden Hyphennetzwerke bestehend aus drei Hauptelementen: dem Myzel, das sich aus der Wurzel heraus in den Boden erstreckt, dem gemeinsamen Mykorrhizanetzwerk (CMNs), bei denen ein Pilz zwei oder mehr Pflanzen miteinander verbindet, und die 'Interaktionsnetzwerke' auf Gemeinschaftsebene zwischen mykorrhizierten Pflanzen- und Pilzarten. Trotz der potenziell großen Bedeutung von Mykorrhiza-Symbiosen in der Landwirtschaft ist unser Verständnis der Funktion von Mykorrhiza-Pilz-Netzwerken und ihres Beitrags zur Resilienz von Agrarökosystemen bemerkenswert gering. Unser Projekt hat die Zielsetzung diese Wissenslücke zu schließen, indem wir untersuchen, wie sich Bewirtschaftungspraktiken für Grünland (Wiedereinsaat mit spezifischen Pflanzenmischungen, Düngung) auf die Bildung und das Ausmaß von Pilznetzwerken und ihre Fähigkeit auswirken, und zur Multifunktionalität von Ökosystemen beizutragen (einschließlich ihrer Rolle bei Treibhausgasemissionen). Wir werden grundlegende Kenntnisse über die Funktionsweise von Pilznetzwerken und ihrer Rolle bei der Verbesserung der Multifunktionalität von Graslandökosystemen und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit gewinnen. Der FUB Teil des Projekts ist auf die Durchführung eines Mesokosmenexperiments fokussiert, dass die Bedeutung vom Mykorrhizanetzwerken direkt mechanistisch untersucht. Dafür werden 40 Mesokosmen erstellt, in denen die Hyphenverbindungen zwischen Pflanzen entweder bestehen oder nicht, um direkt Auswirkung dieses gemeinsamen Myzelnetzwerkes zu testen (auch auf Trockenstress).
Das Projekt "Degradation of biodiversity and ecosystem functioning in subtropical grasslands, and thresholds for restoration" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Technische Universität München, TUM School of Life Sciences, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie durchgeführt. Objectives: 1. To test if the concept of novel and hybrid ecosystems forwarded by R. Hobbs and colleagues applies to degraded subtropical grasslands, i.e. if these ecosystems group along axes of deviation in abiotic conditions and biotic composition from reference ecosystems. 2. To investigate the extent to which ecosystem functions in the hybrid and novel ecosystems differ from reference grasslands, and whether these differences are related to deviation from the biodiversity of reference systems. 3. To manipulate degraded grasslands through selected restoration methods to identify transition thresholds and to test if restorability of abiotic conditions and biotic composition corresponds to restorability of ecosystem functions. A large-scale rapid ecosystem assessment will form the analytical basis of the study, followed up by field experiments on seed limitation (i.e. lack of seed bank or dispersal) and site limitation (i.e. lack of safe sites for germination and inadequate conditions for plant establishment). The experiments will be conducted in a factorial design testing for transition thresholds between degradation stages.
Das Projekt "Vulnerability and Resilience of Soils under Different Rangeland Use" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES), Bereich Bodenwissenschaften, Allgemeine Bodenkunde und Bodenökologie durchgeführt. This project aims to elucidate how sensitive and to which extent soil properties respond to different rangeland management in the grassland and savannah biome of semiarid South Africa, and to figure out to which degree changes of the ecosystems are perceived and caused by farmers' decisions. We hypothesise that both ecosystems respond differently to rangeland degradation: in the savannah biome bush encroachment leads to an improvement of the soil quality, whereas in grasslands degradation of the soils proceeds with intensified management.
Das Projekt "Entwicklung und Evaluierung insekten- und spinnenfreundlicher Mähtechniken als Beitrag zu einer nachhaltigen Form der landwirtschaftlichen Grünlandnutzung" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Universität Hohenheim, Institut für Biologie, Fachgebiet Chemische Ökologie durchgeführt. Eine Reihe von Studien belegt, dass ein Großteil der auf landwirtschaftlichem Grünland lebenden Insekten und Spinnen bei der Mahd getötet wird. Durch die Häufigkeit der Mahd auf intensiv genutztem Grünland ist es zu einem 'Überfischungseffekt' gekommen, der maßgeblich zum Insektenrückgang beigetragen hat. In dem Projekt wird in Kooperation zwischen Tierökologen und Agraringenieuren eine Mähtechnik entwickelt, mit der sich die negativen Folgen der Mahd auf Grünlandökosysteme reduzieren lassen. Dazu wird zum einen eine Scheuche entwickelt, die Insekten zur Flucht vor dem Mähwerk veranlasst. Zum anderen werden Scheibenmähwerke in einem iterativen Prozess so modifiziert, dass bei der Mahd weniger Insekten- und Spinnenverluste auftreten. Die von Agraringenieuren in Kooperation mit einem Mähwerkhersteller entwickelten Mähwerkmodifikationen (Teilprojekt 1) werden von Tierökologen in ökologischen Freilanduntersuchungen getestet (Teilprojekte 2 und 3), dann konstruktiv weiterentwickelt und erneut im Freiland getestet. In Teilprojekt 2 werden wichtige Bestäuber wie Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge sowie Heuschrecken als besonders individuenreiche Pflanzenfresser erfasst. Im Teilprojekt 3 werden weitere wichtige Pflanzenfresser (Wanzen, einige Laufkäfer) sowie karnivore Arthropodengruppen (Spinnen, einige Wanzen, Laufkäfer, Kurzflügelkäfer) untersucht. Mit der DLG-Prüfstelle Groß-Umstadt wird anschließend ein standardisiertes Testverfahren für insektenfreundliche Mähtechnik und ein entsprechendes Label für die Anwendung in der Praxis erarbeitet. Bei Übernahme der entwickelten Mähtechnik durch Mähmaschinenhersteller kann das Projekt mit geringen Produktivitätseinbußen im Grünland einen erheblichen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und den Erhalt der Ökosystemfunktionen von Grünland leisten.
Das Projekt "Teilprojekt: Biodiversität über Skalen hinweg erkunden (SEBAS)" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Universität Potsdam, Institut für Biochemie und Biologie durchgeführt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die meisten Grünlandökosysteme in Mitteleuropa durch höhere Düngergaben und durch häufigeres Mähen oder Beweiden verändert. Diese Landnutzungs-Intensivierung hat zwar die Bereitstellung der Ökosystemleistung 'Futterproduktion' verbessert, jedoch die Biodiversität und die Bereitstellung anderer Ökosystemleistungen negativ beeinflusst. Vor allem aufgrund räumlicher Diskrepanzen zwischen ökologischen Prozessen und Managementeinheiten in gekoppelten sozial-ökologischen Systemen fehlt bisher ein mechanistisches Verständnis zu Effekten der Landnutzungs-Intensivierung auf die Beziehung der Biodiversität zu Ökosystemfunktionen und -leistungen. In unserem Projekt SEBAS wollen wir dieses mechanistische Verständnis verbessern, indem wir plotbasierte ökologische Forschung zur Landnutzungsintensität und zu sechs grundlegenden Biodiversitätsvariablen (engl. EBVs) mit einer satellitenbasierten Fernerkundung dieser Proxies verbinden. Wir werden Beziehungen zwischen funktionaler und struktureller Diversität und der Ökosystemleistung 'Futterproduktion' (oberirdische Biomasse bzw. Primärnettoproduktion) für managementrelevante Flächen analysieren. Dies sind Wiesen- bzw. Weideflächen, landwirtschaftliche Betriebe und Landschaften. Wir stellen die Hypothesen auf, dass (i) die sechs EBVs auf mehreren räumlichen Skalen unter Verwendung multimodaler Satellitenbild-Zeitreihendaten abgeleitet werden können, die mit vorhandenen und neu erhobenen Daten zur Landnutzungsintensität und zu EBVs kalibriert und validiert wurden; und dass (ii) Auswirkungen der Landnutzung auf die Beziehung der Biodiversität zu Ökosystemfunktionen und -leistungen über räumliche Skalen hinweg variieren. Hierbei dürfte die funktionale und strukturelle Diversität eine Schlüsselrolle für die Höhe und zeitliche Stabilität der Futterproduktion spielen. Das Projekt wird räumlich explizite EBV-Produkte auf Satelliten- und UAV-Basis liefern sowie neue Methoden entwickeln, die auf multiskalierten und multimodalen Fernerkundungs-Datensätzen (PlanetScope, RapidEye, Sentinel 1 & 2, Landsat, MODIS) sowie auf maschinellen Lern- und Hybridmodellen basieren. Durch Raum-für-Zeit-Substitutionen für Klimawandel und Landnutzungswandel werden wir zudem interaktive Auswirkungen dieser beiden wichtigsten Treiber des Globalen Wandels auf die Beziehung der Biodiversität zu Ökosystemfunktionen und -leistungen analysieren. Hierfür werden wir direkte und indirekte (biodiversitätsvermittelte) Auswirkungen der beiden Treiber auf die Futterproduktion mittels eines sozial-ökologischen Systemansatzes formalisieren und über Strukturgleichungsmodellen quantifizieren. Auf diese Weise werden wir ein tieferes Verständnis der Ökosystemfunktionen und -leistungen in mitteleuropäischen Grünländern erlangen.
Das Projekt "Teilprojekt: Entwicklung insektenfreundlicher Mähtechnik" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Universität Hohenheim, Institut für Biologie, Fachgebiet Chemische Ökologie durchgeführt. Eine Reihe von Studien belegt, dass ein Großteil der auf landwirtschaftlichem Grünland lebenden Insekten und Spinnen bei der Mahd getötet wird. Durch die Häufigkeit der Mahd auf intensiv genutztem Grünland ist es zu einem 'Überfischungseffekt' gekommen, der maßgeblich zum Insektenrückgang beigetragen hat. In dem Projekt wird in Kooperation zwischen Tierökologen und Agraringenieuren eine Mähtechnik entwickelt, mit der sich die negativen Folgen der Mahd auf Grünlandökosysteme reduzieren lassen. Dazu wird zum einen eine Scheuche entwickelt, die Insekten zur Flucht vor dem Mähwerk veranlasst. Zum anderen werden Scheibenmähwerke in einem iterativen Prozess so modifiziert, dass bei der Mahd weniger Insekten- und Spinnenverluste auftreten. Die von Agraringenieuren in Kooperation mit einem Mähwerkhersteller entwickelten Mähwerkmodifikationen (Teilprojekt 1) werden von Tierökologen in ökologischen Freilanduntersuchungen getestet (Teilprojekte 2 und 3), dann konstruktiv weiterentwickelt und erneut im Freiland getestet. In Teilprojekt 2 werden wichtige Bestäuber wie Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge sowie Heuschrecken als besonders individuenreiche Pflanzenfresser erfasst. Im Teilprojekt 3 werden weitere wichtige Pflanzenfresser (Wanzen, einige Laufkäfer) sowie karnivore Arthropodengruppen (Spinnen, einige Wanzen, Laufkäfer, Kurzflügelkäfer) untersucht. Mit der DLG-Prüfstelle Groß-Umstadt wird anschließend ein standardisiertes Testverfahren für insektenfreundliche Mähtechnik und ein entsprechendes Label für die Anwendung in der Praxis erarbeitet. Bei Übernahme der entwickelten Mähtechnik durch Mähmaschinenhersteller kann das Projekt mit geringen Produktivitätseinbußen im Grünland einen erheblichen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und den Erhalt der Ökosystemfunktionen von Grünland leisten.
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Lebewesen & Lebensräume | 86 |
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