Biologische Bodenkrusten (Biokrusten) sind Hotspots an mikrobieller Diversität und Aktivität, die als 'Ökosystemingenieure' biogeochemische Kreisläufe (N, P) kontrollieren und die Bodenoberfläche stabilisieren. Biokrusten sind ein komplexes Netzwerk vielfältiger, interagierender Mikroorganismen mit verschiedensten Lebensweisen. In den gemäßigten Breiten ist wenig über die Einflussfaktoren auf Struktur und Funktion der Biokrusten bekannt. Daher wollen wir die Diversität der Mikroorganismen in Biokrusten (Bakterien, Protisten, Pilze und Algen) und ihre biogeochemische Funktion in den Waldflächen der Biodiversitätsexploratorien (BE) entlang von Landnutzungsgradienten untersuchen, um deren Beeinflussung durch Landnutzung und Umweltfaktoren zu verstehen.Das zentral organisierte, neue Störexperiment in den Waldflächen ist eine hervorragende Möglichkeit, um die Entwicklung einer Biokruste unter natürlichen Bedingungen nach einer starken Störung zu verfolgen. Eine Teilfläche simuliert Kahlschlag (die Stämme werden entfernt), die andere Teilfläche einen zukünftig häufiger auftretenden Orkan (Stämme verbleiben auf der Fläche). Wir werden die Entwicklung der Bodenkrusten von einem jungen zu einem reifen Stadium visuell (Flächenbedeckung) und durch Probenahme (Biomasse, Nährstoffe, Bodenorganik, Mikrobiota) mittels Feld-, analytischen und molekularen Methoden regelmäßig über zwei Jahre verfolgen. Außerdem werden wir an der zentralen Bodenbeprobungskampagne in allen 150 Waldflächen teilnehmen und parallel Biokrusten sammeln. Wir werden die mikrobielle Biomasse in der Biokruste quantifizieren, ihre Gemeinschaftsstruktur mittels Hochdurchsatzsequenzierung beschreiben und dies mit dem Umsatz von Stickstoff- und Phosphorverbindungen verschneiden. Um Schlüsselorganismen dieser Prozesse zu identifizieren und in hoher räumlicher Auflösung zu visualisieren, wird zusätzlich ein Laborexperiment unter Anwendung von stable isotope probing und NanoSims durchgeführt. Die Daten zur Biodiversität und funktionellen Genomik werden mit den Nährstoffstatus der Biokrusten (Konzentration und chemische Speziierung von C, N und P) verknüpft. Das Laborexperiment mit stabilen Isotopen wird unser Verständnis von Biokrusten Schlüsselorganismen im N- und P-Nährstoffkreislauf und den Einfluss der räumlichen Heterogenität fundamental verbessern. Diese Daten erlauben zum ersten Mal die quantitative und qualitative Rekonstruktion der wichtigsten Stoffkreisläufe und mikrobiellen Interaktionsmuster in Biokrusten als Reaktion auf Landnutzung und Störung. Abschließend werden die ermittelten Daten in das gemeinsame bodenkundliche Netzwerk der BE integriert und dienen dann als Keimzelle für ein Synthese-Vorschlag mit dem Ziel, die Leistung der Biokruste quantitativ und qualitativ mit anderen Hotspots in Böden, wie Detritus- oder Rhizosphäre, zu vergleichen.
The majority of the worlds forests has undergone some form of management, such as clear-cut or thinning. This management has direct relevance for global climate: Studies estimate that forest management emissions add a third to those from deforestation, while enhanced productivity in managed forests increases the capacity of the terrestrial biosphere to act as a sink for carbon dioxide emissions. However, uncertainties in the assessment of these fluxes are large. Moreover, forests influence climate also by altering the energy and water balance of the land surface. In many regions of historical deforestation, such biogeophysical effects have substantially counteracted warming due to carbon dioxide emissions. However, the effect of management on biogeophysical effects is largely unknown beyond local case studies. While the effects of climate on forest productivity is well established in forestry models, the effects of forest management on climate is less understood. Closing this feedback cycle is crucial to understand the driving forces behind past climate changes to be able to predict future climate responses and thus the required effort to adapt to it or avert it. To investigate the role of forest management in the climate system I propose to integrate a forest management module into a comprehensive Earth system model. The resulting model will be able to simultaneously address both directions of the interactions between climate and the managed land surface. My proposed work includes model development and implementation for key forest management processes, determining the growth and stock of living biomass, soil carbon cycle, and biophysical land surface properties. With this unique tool I will be able to improve estimates of terrestrial carbon source and sink terms and to assess the susceptibility of past and future climate to combined carbon cycle and biophysical effects of forest management. Furthermore, representing feedbacks between forest management and climate in a global climate model could advance efforts to combat climate change. Changes in forest management are inevitable to adapt to future climate change. In this process, is it possible to identify win-win strategies for which local management changes do not only help adaptation, but at the same time mitigate global warming by presenting favorable effects on climate? The proposed work opens a range of long-term research paths, with the aim of strengthening the climate perspective in the economic considerations of forest management and helping to improve local decisionmaking with respect to adaptation and mitigation.
Zielsetzung & Anlass: Lichte Waldbiotope bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, sind in Mitteleuropa derzeit aber selten (Jotz et al. 2017). Viele der auf diese Lebensräume spezialisierten Tier- und Pflanzenarten sind in Deutschland stark gefährdet. Das Ökosystem Wald war in den vergangenen Jahrhunderten tiefgreifenden anthropogenen Eingriffen ausgesetzt, die die Entstehung lichter Waldlebensräume zwar zum Teil begünstigt, in den letzten rund 40 Jahren aber unterbunden haben. Durch die Zurückdrängung und Ausrottung von Großherbivoren und die Einschränkung der natürlichen Fließgewässerdynamik wurde die natürliche lichtschaffende Dynamik im Wald reduziert (Vera 2000). Der Verlust natürlicher dynamischer Prozesse wurde durch anthropogene Nutzung lange Zeit ersetzt, phasenweise vielleicht sogar überkompensiert. Waldweide, Nieder- und Mittelwaldnutzung sowie Holzernte im Kahlhiebsverfahren haben dazu geführt, dass bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein reiches Angebot lichter Waldlebensräume verfügbar war. Seither hat sich die Waldbewirtschaftung jedoch drastisch geändert und anthropogen verursachte Offenflächen im Wald haben deutlich abgenommen (Decocq et al. 2005, Schmalfuß & Aldinger 2012). So sind historische Waldnutzungen wie Nieder- und Mittelwaldwirtschaft nicht mehr rentabel und werden allerhöchstens noch lokal betrieben, Waldweide ist gesetzlich reglementiert und kann nur unter strengen Auflagen als Artenschutzinstrument eingesetzt werden (Bolz 1999, Treiber 2003, Schmalfuß & Aldinger 2012). Staats- und Körperschaftswälder werden nach den Maßgaben der 'naturnahen Waldwirtschaft' bewirtschaftet, welche einen weitgehenden Verzicht auf Kahlhiebe einschließen (Hermann 2021). Zusätzlich zu den Nutzungsänderungen führen gestiegene atmosphärische Stickstoffeinträge zu einem dichteren Kronenschluss und einer beschleunigten Sukzession auf von Natur aus mageren Waldstandorten (Rodenkirchen 1998, WallisDeVries & Bobbink 2017). Folglich sind lichte Lebensräume in den Wäldern Mitteleuropas heutzutage unterrepräsentiert und viele 'Lichtwaldarten' vom Aussterben bedroht. Damit die derzeit praktizierte Forstwirtschaft auch im Hinblick auf den Erhalt der Lichtwaldarten als 'nachhaltig' gelten kann, werden somit dringend Management-Konzepte benötigt, welche die Lebensraumanforderungen von Lichtwaldarten berücksichtigen. Übergeordnetes Ziel des durchgeführten Projekts war deshalb die Erhebung von Daten zur Entwicklung eines nach naturschutzfachlichen und forstökonomischen Kriterien optimierten Management-Konzepts für Lichtwaldarten. Das Projekt vereinte ökologische Grundlagenforschung und Artkartierung mit der Konzeption und Umsetzung exemplarischer Habitat-Managementmaßnahmen. Die durchgeführten Maßnahmen wurden anhand naturschutzfachlicher und ökonomischer Kriterien evaluiert. Besonderen Wert legten wir bei der Maßnahmenkonzeption darauf, dass die Managementmaßnahmen auf andere Naturräume innerhalb Deutschlands übertragen werden können. Bei der ökonomischen Bewertung der Maßnahmen war es uns wichtig, die Anforderungen verschiedener Waldbesitzarten zu berücksichtigen. Öffentlichkeitsarbeit in Form von Workshops, Informationstafeln, Zeitungsartikeln und wissenschaftlichen Veröffentlichungen sollte zur Akzeptanzförderung und zur Verbreitung der Projektergebnisse beitragen. Arbeitsschritte & Methoden: Die Erhebung populationsökologischer Grundlagendaten war ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Den Schwerpunkt der Forschungsarbeiten bildete (1) die Erfassung von Lichtwaldarten und ihrer Biotope im Alb-Donau-Kreis. (2) Grundlagenforschung zur Populationsökologie des Blauschwarzen Eisvogels als Basis für gezielte Managementmaßnahmen. (3) Grundlagenforschung zu Eiablagepräferenzen des Bergkronwicken-Widderchens. Auf Basis dieser Erkenntnisse konnten naturschutzfachliche Maßnahmen abgeleitet bzw. präzisiert werden. (Text gekürzt)
Die technisch notwendige Freihaltung von Stromtrassen ist oftmals mit starken Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft verbunden. Unter dem Begriff 'Ökologisches Trassenmanagement' (ÖTM) werden im weitesten Sinne Maßnahmen verstanden, welche diese Pflegemaßnahmen naturschonender gestalten. Bei ökologisch ausgerichteter Pflege werden Beeinträchtigungen reduziert und wertvolle Strukturen möglichst erhalten oder sogar gezielt gefördert - z. B. durch Verzicht auf großflächiges Mulchen oder eine Gestaltung von Waldinnenrändern. Beim Neu- und Ausbau von Stromtrassen werden Elemente eines ÖTM heute bereits in der Planungsphase berücksichtigt. Bei bestehenden Trassen ist die klassische Pflege - einschließlich Kahlschlag und Mulchen im mehrjährigen Turnus - hingegen noch weit verbreitet. Zwar gab es auch für Bestandstrassen bereits eine Vielzahl an entsprechenden Projekten und Maßnahmenvorschlägen. Diese führten jedoch nicht zu einer breiten Einführung von ÖTM auch im Bestand. Als ein wesentlicher Hinderungsgrund für die Etablierung einer ökologischen Pflege wurden in den bisherigen Projekten oftmals 'die Eigentümer' identifiziert. Mit der NABU-Stiftung steht im Gegensatz dazu ein Eigentümer bereit, der von sich aus an der Umsetzung eines ÖTM interessiert ist und auf vielen Wald- und Offenlandflächen mit klassisch gepflegten Trassen entsprechendes Potenzial für die Einführung eines ÖTM aufweist. Ziel des Vorhabens ist, am Beispiel der stiftungseigenen Flächen mit bestehenden Stromtrassen ein Konzept zur Umsetzung eines ökologischen Trassenmanagements auf eben diesen Eigentumsflächen zu entwickeln. Aufbauend auf die bereits abgeschlossenen Projekte soll ein ökologisches Management hier also nicht 'von oben' durch interessierte Dritte oder Netzbetreiber, sondern im Wege eines Graswurzel-Ansatzes auf Initiative des betroffenen Eigentümers selbst implementiert werden. Das Stiftungseigentum unter den Trassen reicht von wenigen Metern bis hin zu mehreren hundert Metern. Dies macht eine andere Betrachtungsweise als bei Aus- und Neubauvorhaben und vielen bestehenden Konzepten erforderlich, bei denen meist größere Trassenabschnitte untersucht werden. Im Rahmen des Vorhabens werden zunächst bestehende ÖTM-Projekte hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf kleinräumige Eigentumsstrukturen analysiert. Außerdem wird ein Kriterienkatalog erarbeitet, der ermöglicht, die einzelnen Flächen in Bezug auf ihre Eignung für die Umsetzung eines ÖTM zu bewerten. Die praktische Anwendbarkeit des Konzeptes wird anschließend an zehn ausgewählten Flächen exemplarisch erprobt und entsprechend weiter entwickelt. Darüber hinaus werden verschiedene Ansätze überprüft, wie die Netzbetreiber das vorgesehene Management in ihre Praxis der Trassenpflege integrieren können. Die gewonnenen Erfahrungen werden in Form eines Leitfadens aufbereitet, der auch andere interessierte Flächeneigentümer bei der einfachen Umsetzung eines ÖTM unterstützt.
Alpine Wälder sind immer häufiger schädlichen natürlichen und anthropogenen Einflüssen ausgesetzt. Katastrophale Sturmereignisse, Borkenkäfer-Miseren sowie die Auswirkungen von Klimaveränderungen haben die Widerstandsfähigkeit der alpinen Wälder signifikant geschwächt. Dies führt zu einer Verringerung der Funktionalität der Wälder, zu einer Verringerung der Schutzfunktion bei Überschwemmungen und Erdrutschen, sowie zu einer Reduktion der Holzproduktion. Zudem wird eine wachsende Zahl von Almwiesen nicht mehr abgegrast oder bewirtschaftet, sodass die Weiden allmählich durch die zunehmende Ausbreitung des Waldes reduziert werden. Die Auswirkungen dieser Faktoren führen zu irreversiblen Veränderungen in der Zusammensetzung und Verteilung der Wälder, sowie der Landschaft im Allgemeinen, was wiederum einen negativen Einfluss auf den Tourismus als einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor hat. Der Erfolg weitreichender Planungs- und Vorbeugungsmaßnahmen durch Forstverwaltungen hängt von der Verfügbarkeit von Informationen über den Status und die Entwicklungsdynamik der alpinen Wälder ab. Der aktuelle Status der Wälder muss innerhalb kurzer Zeitintervalle verfügbar sein und für die Anwender leicht zugänglich gemacht werden. Aktuelle Methoden der Walderfassung konzentrieren sich weitgehend auf die aufwendige manuelle Interpretation von Luftbildaufnahmen oder auf terrestrische Vermessungen. Flächendeckende Kartierungen werden aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchgeführt. Die Forstinventuren liefern statistische Angaben für größere Flächen, liefern aber keine Informationen über die lokale räumliche Verteilung der benötigten Waldparameter. Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines Konzeptes für ein im EODC umgesetztes Alpines Waldmonitoringsystem. Es basiert auf Copernicus Sentinel-2 Daten in Verbindung mit Landsat-8 Daten, die in dieser Kombination aufgrund der hohen spektralen, räumlichen und zeitlichen Auflösung eine ideale Grundlage für die Einrichtung eines großräumigen Monitoringsystems bilden. Die im Rahmen von AlpMon implementierten Prototypen stellen den Anwendern zwei verschiedene Dienste zur Verfügung: Service 1: ein nahezu Echtzeit-Alarmsystem für abrupte Waldveränderungen auf Basis von Zeitreihenanalysen (Sturmschäden, Insektenkatastrophen, Kahlschläge und Schneebruch); Service 2: eine Erfassung von statischen Waldparametern (z.Bsp.: alle 3 bis 5 Jahre). Das AlpMon Projekt baut auf dem bereits vorhandenen Copernicus Forest High Resolution Layer auf, erweitert diesen aber durch eine stärkere Differenzierung der Baumarten, sowie eine genauere Erfassung der alpinen Waldgrenze. Neuartige Verfahren für die Datenvorverarbeitung, Zeitreihenanalyse und Klassifizierung werden dabei in das EODC integriert. Es wird ein Prototyp für ein benutzerfreundliches Webservice erstellt, der es den Anwendern ermöglicht, die Ergebnisse des nahezu Echtzeitsystems so schnell wie möglich abzurufen. (Text gekürzt)
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] MINISTERIUM FÜR UMWELT, ENERGIE, ERNÄHRUNG UND FORSTEN DER WALD IST KLIMAKRANK Wie der Klimawandel unsere Wälder bedroht Liebe Leserinnen und Leser, Ulrike Höfken, Staatsministerin für Umwelt, Energie, E rnährung und Forsten Rheinland-Pfalz was wäre, wenn der Wald verschwindet? Ich möchte mir es kaum vorstellen. Der Wald prägt das Bild unserer Land- schaften, sorgt für sauberes Trinkwasser, schenkt uns gute Luft zum Atmen, schützt uns vor Lärm, ist Lebensraum und Lebensgrundlage für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Und er schenkt den schönen und klimafreundlichen Rohstoff Holz. Hier können wir durchatmen und uns vom Alltag erholen. Doch ein Blick in unsere Wälder zeigt: Der Wald ist in Gefahr. Er leidet unter den Folgen des Klimawandels und der Verbrennung fossiler Energien und Rohstoffe. Wer heute von einer Anhöhe, aus den Tälern oder vom Gegenhang auf unseren Wald schaut, dem wird die dramatische Entwicklung kaum entgehen. Überall lassen sich inmitten des Grüns rotbraungefärbte Baumkronen oder sogar ganze Waldstücke ausmachen, die absterben oder abgestorben sind. Dabei handelt es sich nicht nur um Fichten, die massiv vom Borkenkäfer angegriffen sind. Auch Kiefern, Douglasien, Eichen und Buchen leiden erkennbar nach der extremen Dürre des Jahres 2018. Das erste Halb- jahr 2019 gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Im Süden von Rheinland-Pfalz ist es erneut trockener als im Vorjahr. An anderer Stelle entdecken Sie vielleicht größere Lücken im Wald – „Kahlschläge“, die in Rheinland-Pfalz längst der Vergangenheit angehören. Auch dies sind Folgen von Not fällungen oder das Ergebnis von Aufräumarbeiten in geschädigten Wald- gebieten. Das alles ist kein Zufall, sondern sichtbares Zeichen einer schon länger anhaltenden Veränderung auf unserem Planeten, der Klima-Erwärmung und damit zunehmender Wetterextreme wie Dürre, Stürme und Stark regen. Unser Wald leidet, er hat Atemnot. Seit 1881 ist die Jahresmitteltemperatur in Rheinland-Pfalz um rund 1,6 Grad Celsius auf 9,6 Grad gestiegen. Wenn sich nichts ändert, müssen wir bis Ende des Jahrhunderts eine Witterung befürchten wie wir sie heute in Südeuropa erleben. Was bedeutet das für unseren Wald? Unsere Wälder haben sich über Jahrhunderte an das bisherige Klima gewöhnt. Wenn sich aber das Klima ändert, sind die Bäume gezwungen, sich an die neuen Bedingungen anzupassen – denn weglaufen können sie nicht. Normalerweise braucht diese Anpassung Zeit, sehr viel Zeit, wenn man bedenkt, dass eine Waldgeneration 100, 200 oder mehr Jahre benötigt. Den rasanten Veränderungen des von Menschen gemachten 2 Klimawandels sind sie ausgeliefert. Bereits heute weisen 84 Prozent der Waldbäume in Rheinland-Pfalz Schäden auf, die vor allem auf die Klima- veränderungen und Schadstoffe zurückzuführen sind. Bäume wachsen nur langsam, sie brauchen Jahrzehnte, um groß zu werden. Unsere Forstleute von Landesforsten Rheinland-Pfalz setzen alles daran, um den Wald zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten: Sie pflanzen neue Baumarten, die besser mit dem Klimawandel zurecht kommen. Sie setzen auf artenreiche Mischwälder – und das bereits seit Jahrzehnten. Schon in den 1990er Jahren wurde der naturnahe Waldbau im Landeswaldgesetz festgeschrieben. Das bedeutet: keine Monokulturen, keine Kahlschläge, FSC®-Zertifizierung, Wildnis im Wald. Es wird weniger Holz aus dem Wald entnommen, als nachwächst. Bei uns wird der Wald immer vielfältiger, die Bäume werden älter und die Waldfläche steigt. Doch sorgen sich unsere Forstleute um den Wald. Viele erinnern sich noch gut an das Waldsterben in den Achtzigerjahren. Denn was sie heute bei ihrer täglichen Arbeit sehen, ist ernst: Der Wald ist klimakrank – damit ist auch unsere Lebensgrundlage in Gefahr. Wir alle können etwas dagegen tun. Wir müssen etwas tun. Die Politik genauso wie die Wirtschaft und Gesellschaft! Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser können helfen. Schützen Sie unser Klima, schützen Sie den Wald. Übrigens: Das heißt nicht auf Holz zu verzichten. Im Gegenteil: Nachhaltig erzeugtes und zertifiziertes Holz schützt das Klima, denn es bindet das CO₂. Machen Sie mit: Denn Klimaschutz ist Waldschutz! Ihre 3 DER WALD LEIDET Wie der Klimawandel unsere Wälder bedroht 4 INHALT Der Wald leidet Wie der Klimawandel unsere Wälder bedroht 4 Eine „Heißzeit“ droht Was auf den Wald zukommt 20 Gefahren für Wald und Mensch So sieht die Klimakrise in den Wäldern aus28 Borkenkäfer Wie ein fünf Millimeter kleines Insekt einen ganzen Wald vernichtet 30 Trockenstress Wenn Bäume verdursten 32 Waldbrandgefahr Wenn Feuer wüten 34 Stürme Wenn der Wald den Halt verliert 36 Starkregen Wenn Waldwege zu Bächen werden 38 Weitere Stressfaktoren Wenn eigentlich harmlose Insekten und Pilze zur Gefahr werden 40 Eine Jahrhundertaufgabe Was die Forstleute tun 44 Klimaschutz Was dringend passieren muss 50 5
Die Faktoren und Prozesse die Tiergemeinschaften beeinflussen sind bisher nur wenig untersucht. Theoretischer Weise sind Tiergemeinschaften entweder vorhersagbar und von Nischenprozessen gesteuert oder von Stochastizität geprägt (Neutrale Modelle). Für oberirdische Arthropoden-Gemeinschaften, Mikroorganismen und für tropische Pflanzen sind diese Prozesse gut untersucht. Im Gegensatz dazu sind die strukturierenden Faktoren von Bodentiergemeinschaften bisher kaum verstanden. Das DFG Projekt Biodiversity Exploratorien bildet einen hervorragenden Rahmen um Faktoren zu verstehen, die zum Verständnis der Zusammensetzung von Bodentier-Gemeinschaften beitragen können. Ein perfekter Model Organismus zum Verständnis der strukturierenden Faktoren für Bodentiere sind Oribatiden (Hornmilben). Sie sind sehr häufig (mit Dichten von bis zu 400.000 ind./m2) und kommen in großer Diversität in allen Böden dieser Erde vor. Landnutzung ist einer der wichtigsten Faktoren, der heutzutage terrestrische Ökosysteme beeinflusst. Seit mehr als 10.000 Jahren beeinflussen Menschen terrestrische Ökosysteme; die intensivsten Veränderungen erfolgten dabei in den letzten 150 Jahren seit dem Beginn der intensiven Landwirtschaft sowie dem großflächigen Kahlschlag vieler Wald. Insgesamt ist mehr als die Hälfte der Oberfläche der Erde durch menschliche Aktivität beeinflusst. Wir untersuchen (1) die langfristige Zersetzung von Totholz entlang eines Wald Landnutzungsgradienten. Wir hypothetisieren, dass Oribatiden Gemeinschaften im Totholz durch Landnutzung aber auch durch lokal vorhandene Gemeinschaften beeinflusst werden (environmental filtering vs. Nischen Hypothese). Mit zunehmender Zeit wird die Bedeutung von Environmental filtering zunehmen. Wir untersuchen weiterhin (2) welche Faktoren die Oribatiden Gemeinschaften in Boden und Streu beeinflussen. Dazu nutzen wir die Methode der Community Phylogenetics. Wir hypothetisieren, dass Oribatiden Gemeinschaften vor allem durch abiotische Faktoren und durch die vorhandenen trophischen Nischen beeinflusst werden. Drittens (3) untersuchen wir die langfristige zeitliche Dynamik in Oribatiden Gemeinschaften in den Wald Ökosystemen der Biodiversitäts-Exploratorien entlang eines Landnutzungsgradienten. Wir hypothetisieren, dass Landnutzung die Oribatiden Gemeinschaften über die Zeit nur wenig beeinflusst, weil Oribatiden Gemeinschaften generell nur wenig von der Anwesenheit verschiedener Waldtypen beeinflusst werden und generell gut vorhersagbar sind. Viertens (4) untersuchen wir die Resilienz der Oribatiden Gemeinschaften nach einer Störung entlang eines Landnutzungsgradienten. Wir hypothetisieren, dass die Erholung von Oribatiden Gemeinschaften in naturnahen Buchen Ökosystemen schneller ist als in bewirtschafteten Nadelwäldern.
Background: The evolution and ablation of the seasonal snowcover in a forest is very different compared to snow in the open. A canopy may absorb radiation, dampen turbulent fluxes and intercept precipitation. Given a heterogeneous canopy structure, the energy and mass budget of a forest snowcover typically features a highly complex spatio-temporal dynamics. As boreal and subalpine forests cover large areas of the Northern Hemisphere land surface, snow-forest processes have an important influence on weather and hydrology, even at hemispheric scales. Approach / Measurements: In this project we focus on the radiation balance inside subalpine forests in winter. A novel instrument was developed to capture the spatio-temporal variability of radiation below the canopy: A four-component net-radiometer is periodically moved back and forth along a 10-m transect. As reference, two further net-radiometer are installed, one instrument above the canopy and another instrument on a nearby clear-cut site. Sites: The radiation measurements are carried out on two long-term research sites. Between 2003 and 2007 the measuring device was installed at our research site in Alptal at 1200 m a.s.l.. Since then the radiation measurements are being continued at our research site Seehornwald in Davos at 1650 m a.s.l. Link to other projects: This project contributes to the development of our snowcover models Snowpack and Alpine3D. These models include a detailed description of snow-forest processes and have been tested against data from this project. Furthermore, we provided data for the international snow model intercomparison project SnowMIP2.
<p>Emissionsarme und nachhaltig hergestellte Möbel schützen die Gesundheit und schonen die Umwelt – Labels wie der Blaue Engel bieten Orientierung.</p><p>Die Menschen in unseren Breitengraden verbringen die meiste Zeit in Innenräumen – in der eigenen Wohnung, im Büro oder in öffentlichen Gebäuden. Möbelstücke können eine wesentliche Quelle für Schadstoffe in der Raumlauft sein. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Augenreizungen können die Folgen hoher Schadstoffemissionen sein. Produkte, die zu 100 Prozent schadstofffrei sind, gibt es nicht. Mit der richtigen Wahl der Möbel kann jedoch die Belastung minimiert werden. Generell gilt: Möbel und Einrichtungsgegenstände sollten möglichst emissionsarm sein – das schützt die Gesundheit und die Umwelt.</p><p>Häufig verstecken sich Schadstoffe in Holzwerkstoffen, Klebern, Lackierungen oder anderen Beschichtungen. Zu den freigesetzten sogenannten „Flüchtigen organischen Verbindungen“ zählen beispielsweise Terpene und Aldehyde aus Hölzern, Weichmacher aus Lacken oder Lösemittel aus Wachsen. Terpene stecken als natürliche Bestandteile im Holz und können Allergien auslösen. Auch Formaldehyd, das Augen und Schleimhäute reizen und bei jahrelanger Belastung sogar krebserregend wirken kann, wird in geringen Mengen aus natürlichem Holz emittiert, kann aber vor allem in Holzwerkstoffen enthalten sein.</p><p>Möbelstücke aus Holz sind aus ökologischer Sicht sinnvoll – Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der mit geringem Aufwand, in der Regel ohne Dünge- und <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/p?tag=Pflanzenschutzmittel#alphabar">Pflanzenschutzmittel</a>, produziert wird. Beim Kauf von Möbelstücken aus Holz ist eine nachhaltige Wald- und Holzwirtschaft von zentraler Bedeutung für den Umweltschutz. In Deutschland gilt das Bundeswaldgesetz, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung vorschreibt. Dazu zählen der Erhalt der Wälder und ein sparsamer Umgang mit der Ressource Holz.</p><p>Problematisch können Holzprodukte werden, deren Holz nicht aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Dazu gehören vor allem Tropenhölzer und Holz aus nördlichen Wäldern, die häufig aus großflächigen Kahlschlägen stammen. Hier werden Biotope und ganze Lebensräume vernichtet, deren Artenvielfalt und –struktur wegen der langen Entstehungszeiten nicht ersetzbar ist. </p><p>Wie erkennt man umweltfreundliche und emissionsarme Möbel?</p><p>Achten Sie beim Kauf auf Gütezeichen wie den Blauen Engel oder das Goldene M. Diese Label schließen minderwertige oder schadstoffhaltige Materialien konsequent aus und fordern den Einsatz von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft.</p><p>Der <strong>Blaue Engel</strong> setzt mit seinen Vergabekriterien neben Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten einen klaren Schwerpunkt auf die menschliche Gesundheit. Die verschiedenen Siegel reichen von Holzmöbeln über Polstermöbel und Matratzen bis hin zu Bodenbelägen. Die Broschüre „Gesund und umweltfreundlich einrichten“ zeigt detailliert, welche Siegel für welche Kriterien stehen. Neben dem Blauen Engel bietet auch das <strong>Goldene M</strong> gute Orientierung. Dieses Gütezeichen für Möbel (RAL-GZ 430) der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel e.V. deckt die komplette Palette an Möbeln und Einrichtungsgegenständen ab. </p><p>Der Blaue Engel und das Goldene M garantieren Umwelt- und Gesundheitsaspekte, aber auch Faktoren wie Haltbarkeit und Stabilität. Und ein Möbelstück, das lange hält und nicht nach wenigen Jahren bereits wieder ersetzt werden muss, schont somit ebenfalls Portemonnaie und Umwelt. </p><p>Zu guter Letzt: Wohin mit ausgedienten Möbelstücken? </p><p>Irgendwann hat auch ein gutes Möbelstück ausgedient. Wenn es zum Wegwerfen zu schade ist, muss es nicht gleich auf den Sperrmüll wandern, sondern kann beispielsweise einer sozialen Einrichtung oder einem Gebrauchtmöbelkaufhaus gespendet werden. Möbelkammern holen die Stücke häufig kostenlos ab und arbeiten sie für karitative Zwecke auf. Auch Verschenk- und Tauschgruppen in sozialen Netzwerken, die es mittlerweile für fast alle deutschen Städte gibt, (zum Beispiel Free your Stuff) sind eine gute Anlaufstelle. </p><p>Falls das Möbelstück tatsächlich kaputt bzw. unbrauchbar ist, gehört es auf den Sperrmüll. Die Entsorgung ist kostenlos, Informationen gibt es bei der zuständigen Gemeinde. Mit dem Blauen Engel oder dem Goldenen M ausgezeichnete Möbelstücke vereinfachen übrigens auch Entsorgung und Recycling, da sie keine Materialschutzmittel wie Fungizide, Insektizide oder Flammschutzmittel oder halogenorganische Verbindungen enthalten dürfen.</p>
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] umwelt journal Rheinland Pfalz Nationalpark Hunsrück-Hochwald Herausgegeben vom Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz Heft 59 Juli 2016 impressum inhalt umwelt umweltjournal Rheinland-PfalzeditorialNr. 59 (März 2016)Titel-Thema „Nationalpark Hunsrück-Hochwald“Das umweltjournal ist kostenlos.Der NationalparkHerausgeber: Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Kaiser-Friedrich-Straße 1 55116 Mainz Tel. 06131 – 16 4433 Fax. 06131 – 164629–– Segregation oder Integration?4 –– Welchen Anforderungen muss der Nationalpark genügen?8 –– Die Nationalparkidee10 –– Flora und Fauna im Nationalpark14 Redaktion: Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz Gestaltung: media machine GmbH, Mainz Druck: Druckerei Schwalm, Mainz Titelbild: Konrad Funk Fotos: Konrad Funk Sofern nicht besonders erwähnt, wurden die Fotos von den jeweiligen Autoren zur Verfügung gestellt. Die mit Namen der Autoren gezeichneten Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. 3 Ein Nationalpark für die Menschen –– Zugänge zum Nationalpark18 –– Kinder- und Jugendprojekt des NABU Rheinland-Pfalz22 –– BNE Angebote für Schulen und Kitas24 Entwicklung der Natur –– Prozessschutz und Zonierung26 –– Klimawandel und Baumarteneignung28 –– Die Flechten der Rosselhalden38 –– Das LIFE-Projekt „Hangmoore im Hochwald“41 –– Abflussmonitoring auf Moorstandorten44 –– Biodiversität in Buchen-Naturwaldreservaten48 Kulturgeschichte –– Natürlich, mit Geschichte!50 –– Die Kulturlandschaft54 Entstehungsgeschichte, partizipative Ansätze –– Von der Idee zur Realisation56 –– Politische Gliederung60 –– Naturpark Saar-Hunsrück mit Nationalpark Hunsrück-Hochwald 62 Einordnungen, Organisation –– Der Nationalpark im Schutzgebietssystem von Rheinland-Pfalz66 –– Das Nationalparkamt70 Wirtschaftliche Entwicklung, Regionalentwicklung –– Holz aus dem Nationalpark – ein Widerspruch? 72 –– Der Nationalpark, Paradies für Tiere, Managementaufgabe oder doch „nur“ Jagd? 2 umweltjournal 59/2016 76 –– Regionalentwicklung und Nationalpark80 –– Buchtipps82 LZU-Journal33 editorial Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist der jüngste in der Reihe der 16 deut- schen Nationalparke. Und er hat viel Neues zu bieten. Ganz im Westen der Republik ist hier ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet entstanden, das nicht nur einer der 30 deutschen „Hotspots der Biodiversität“ ist. Vor nahezu einem Vierteljahrhundert hat die Weltgemeinschaft eine Verein- barung zum Erhalt der Biologischen Vielfalt getroffen. Der sogenannte Rio- Prozess verpflichtet die Mitgliedsstaaten, eigene Programme und Initiativen zu entwickeln. Deutschland hat dazu mit der Nationalen Strategie zur biologi- schen Vielfalt im Jahr 2007 einen wichtigen Schritt unternommen. Unter an- derem ist dort festgehalten, dass im Staatswald zehn Prozent der Fläche einer eigendynamischen Wildnisentwicklung vorbehalten sein sollen. Damit erfüllt die öffentliche Hand die Verpflichtung, mit ihrem Eigentum dem Gemeinwohl zu dienen. Rheinland-Pfalz steht zu dieser Verantwortung. Der natur nah bewirtschaftete Wirtschaftswald, in den bereits heute Elemente wie Biotopbaumgruppen eingebunden sind, wird ergänzt um ein Netz von Wildnisgebieten. Der neue Nationalpark trägt maßgeblich dazu bei, das Zehn-Prozent-Ziel zu erreichen. Dort gilt künftig auf der überwiegenden Fläche das Motto: „Natur Natur sein lassen.“ Der Gründung des Nationalparks ist ein intensiver und ergebnisoffener Beteiligungsprozess vorausgegangen. Er hat Vor- bildfunktion. Dies gilt auch für seine umfassende und fachübergreifende Ausrichtung. Die Herausforderung, bestehende Organisations- und Territorialgrenzen zu überwinden, ist groß. Im Hochwald wächst nun eine Region zusammen. Der Nationalpark ist ein großes, auf Dauer angelegtes Freilandlabor für naturdynamische Prozesse. Forscher von inzwi- schen 20 wissenschaftlichen Einrichtungen beobachten, wie sich die Natur ohne unmittelbaren Eingriff des Menschen selbst organisiert, auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Nahezu unbekannt sind die vielen Naturschätze des Nationalparks: Die Felsen und Blockschutthalden sowie die Hang- moore sind einzigartig. Auf der einen Seite entdeckt man Biotope, die tausende Jahre alt sind. Auf der anderen Seite be- ginnt pflanzliches Leben, wenn sich Flechten auf Quarzitfelsen etablieren. Deutlich wird auch die Notwendigkeit, Flächen wieder zu entwickeln, wenn sie in einem schlechten Erhaltungszustand sind. Zum Beispiel ist der Schutz der Moore ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz in den Flusstälern sowie zum Klimaschutz. Die Einbettung des Nationalparks in den Naturpark Saar-Hunsrück ist eine große Chance, die Aspekte der Wildnis und der naturnah bewirtschafteten Kultur- landschaft miteinander zu verbinden. Auch Umweltbildung und Naturerlebnis gehören zu den Aufgaben des Nationalparks. Insbesondere junge Menschen lernen vor Ort das Zusammenspiel von Mensch und Natur kennen. Damit entsteht Wertschätzung für die Natur und der Wunsch, sie zu schützen. Zudem setzt der Nationalpark wichtige Impulse für den Tourismus in der ländlichen Hochwald- region. Er ist attraktiv für Erholungssuchende und Gäste, die neben der einzigarten Natur auch Spuren von Kelten und Römern entdecken können. Die Inhalte dieses Heftes sollen einen Überblick über das Nationalparkgebiet und seine Besonderheiten geben. Men- schen aus der Region sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schildern, welche Projekte bereits angelaufen sind und welcher Prozess vor uns liegt. Die Ausführungen sollen Lust machen auf mehr. Sie sollen ermuntern, den Nationalpark Hunsrück-Hochwald zu besuchen und zu erkunden. Das Team vor Ort freut sich auf Sie. Ihre Ulrike Höfken Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten umweltjournal 59/2016 3 Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Segregation oder Integration? Auf der einen Seite Vollschutz, Reservat, Nationalpark, Natur – auf der anderen Kahlschlag, „Fracking“, völli- ge Zerstörung und Verseuchung. Das ist ein Bild vieler Europäer beim Blick über den Atlantik: Segregation. In Mitteleuropa dagegen kleinräumige Bewirtschaf- tung, Nachhaltigkeit, im Wald sogar Naturschutz, Bo- denschutz, Quellschutz, Artenschutz, Klimaschutz, Kultur, Erholung und Holzproduktion auf derselben Fläche: Integration. Mit dem Nationalpark Hunsrück-Hoch- wald verfügt Rheinland-Pfalz und grenz- überschreitend gleichzeitig auch das Saarland über einen Landschaftsbe- reich, in dem der Mensch seinen Ein- fluss auf ein Mindestmaß zurücknimmt. Wälder, Moore und Blockschutthal- den bestimmen in der Mittelgebirgs- landschaft dieses Nationalparks die Naturausstattung, die künftig dem mög- lichst ungestörten Ablauf der natürli- chen Dynamik vorbehalten bleiben soll. Mit den schon zuvor ausgewiesenen Na- tionalparken Eifel im Norden und Keller- wald-Edersee im Osten verfügt der auf Deutschland entfallende Teil des Rhei- nischen Schiefergebirges nunmehr über eine bemerkenswerte Ausstattung an Flächen, in denen die freie Entwicklung der Natur großräumig wirksam wird. Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Raum für Natur im Rheinischen Schiefergebirge oder ein Schritt zur Segregation? Beziehungsweise In- tegration als moderne Herausforde- rung am Beispiel der Waldwirtschaft und am rheinland-pfälzisch-saar- ländischen Nationalpark Die möglichst weitgehende Integration aller bekannten und mutmaßlichen Ele- mente von Bedarfen oder Bedürfnissen ist heute eine besondere Herausforde- rung. In besonderer Weise aber richtet sie sich an Wirtschaftende, die in und mit Ökosystemen mit dem Anspruch tätig sind, die natürlichen Lebensgrund- lagen ungeschmälert zu wahren. Bei aller Überprägung durch den Menschen bieten in Mitteleuropa Wälder auf gro- ßer Fläche Lebensräume, die natürli- chen Ökosystemen vergleichsweise am nächsten stehen. Die Bewirtschaftung der Wälder, na- mentlich der Wälder im Eigentum der öffentlichen Hände, erfolgt seit vielen Jahrzehnten unter Berücksichtigung und Entfaltung ihrer Multifunktionalität. In diesem Zusammenhang wurde die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion der Wälder unterstrichen. Nutz- und Erholungsfunktionen bezogen sich aus- schließlich auf den Menschen. Viele Schutzfunktionen bezogen sich ebenfalls auf Interessenlagen des Men- schen, beispielsweise zu Abwendung oder Minderung von Lärm-, Immissions- oder Erosionswirkungen. Naturschutz- funktionen berücksichtigten allerdings auch Schutzaspekte für andere Arten und ganze Lebensgemeinschaften. In den 1980er Jahren traten in der Be- wirtschaftung der Wälder Herangehens- weisen in den Vordergrund, die deren Eigenschaften als mehr oder weniger intakter Ökosysteme in den Blick nah- men. Gerade in Deutschland setzte sich in der Folge das Bestreben, in der Waldwirtschaft von Grundsätzen der Naturnähe auszugehen, weithin durch: Naturnahe Waldbewirtschaftung als In- tegration aller Zielsetzungen. Integration wird, über den Wald und seine Bewirtschaftung hinaus, heute häufig als grundlegende Anforderung an nachhaltiges Vorgehen adressiert. So wird beispielsweise im Umweltgut- achten 2016 des Sachverständigenra- tes für Umweltfragen, das unter ande- rem das Schwerpunktthema Wildnis zum Gegenstand hat, schon einleitend gefordert, dass Umweltpolitik integrativ werden muss1. Foto: Konrad Funk 4 umweltjournal 59/2016 Nationalpark Hunsrück-Hochwald > Gerade im Zusammenhang mit der Schaffung von Nationalparken wird aber kritisch diskutiert, ob diesen eine flächige Segregation auf Landschaftse- bene zugrunde liegt. Der Geschichte des Menschen grün- det auf eine lange Zeit seiner Inte- gration. In ihrer gut 2 Millionen Jahre umfassen- den Geschichte war die Lebensweise der Menschen durch ihre weitgehende Integration in die unterschiedlichsten Ökosysteme dieser Erde geprägt, in denen sie ihr Auskommen fanden. Es ist davon auszugehen, dass die Men- schen ihren Lebensbedarf weitgehend im Abgleich mit den natürlichen Le- bensbedingungen deckten, ohne diese wesentlich oder gar zielgerichtet zu ver- ändern. Einzig von der Beherrschung des Feuers gingen Wirkungen der Men- schen aus, die über den Einsatz ihrer körperlichen Energie unter dem zuneh- menden Einsatz immer besserer Werk- zeuge hinausreichten. Diese Lebensweise des Menschen kann mit der Bezeichnung „starke In- tegration“ charakterisiert werden. Die Menschen haben diese starke Integra- tion inzwischen nahezu vollständig auf- gegeben. Es ist nicht auszuschließen, dass die integrierte Lebensweise in sehr kurzer Zeit mit den letzten Vertre- tern ethnischer Restgruppen vollständig verschwinden wird, die vornehmlich in tropischen Lebensräumen bis in diese Tage praktiziert, inzwischen aber völlig marginalisiert wurde2. Die Abkehr von der umfassenden Integration liegt noch nicht lange zurück Wenige Tausend Jahre erst ist es her, dass der Mensch in einer Epoche, die wir als Jungsteinzeit bezeichnen, sein Verhältnis zu den Lebensbedingungen, vor allem aber zu den Mitlebewesen fundamental änderte. Dieser Wandel ist von immer weiter reichenden und wirk- sameren Schritten der Beherrschung geprägt, die mit einer Zurücklassung der Einpassung in das Lebensnetz ein- hergeht. Die über die im Bedarf zum schieren Leben begründete Berechti- gung zum Gebrauch der Lebensgrund- lagen hinausreichende Ausbildung des Rechtes auf Verfügungsgewalt, ja sogar auf Eigentum des Menschen letztlich an allem, was auf dem festen Land nicht selbst Mensch ist, entspricht dieser Po- sitionierung des Menschen zu seiner Mitwelt, bis hin zu deren Verbrauch. Mit Beginn der Industrialisierung und dem zunehmenden Einsatz nichtkör- perlicher Energien hat sich die Wirkung dieser Einstellung des Menschen in Raum und Zeit extrem verstärkt. Bis- lang deutet wenig darauf hin, dass die rasch voranschreitende Informatisie- rung und Virtualisierung des Handelns einer Entwicklung hin zu einer stärke- ren Wahrnehmung der Einpassung des Menschen in Lebensnetze leitet. Er scheint sich Desintegration und Natu- rentfremdung zu verstärken. Die Segregation des Menschen be- stimmt den heutigen Begriff einer bestimmten Kultur Die Entkoppelung des Menschen von den Lebensbedingungen und den Mit- lebewesen dieser Erde wird als Kultur- leistung häufig günstig beurteilt. Be- gleiterscheinungen, die sich unmittelbar auf den Menschen selbst beziehen, wie Bevölkerungswachstum, macht- und wettbewerbsgeprägte Regelungsweisen, Verstädterung, Funktionalisierung und Spezialisierung des Wirkens, zunehmen- der Einsatz von Zeit und Energie in einer Kombination aus anspruchsvoller Sess- haftigkeit und außerordentlicher Orts- beweglichkeit, verbrauchender Umgang mit Lebensgrundlagen werden in Kauf genommen. Ja selbst offensichtlich mit der Lebensweise in Verbindung stehen- de Krankheiten und Seuchen, aber auch Gewaltausbrüche bis hin zu Kriegen werden in ihrer Abträglichkeit lediglich flankiert oder kompensiert, aber nicht grundsätzlich als Folgen einer grund- sätzlichen Entkopplung wahrgenommen. Neben dieser entwicklungsgeschicht- lich sehr jungen Kultur besteht die Natur fort. Die Wahrnehmung von Menschen, dass Natur im Schwinden begriffen sein könnte, machte sich mit der voranschreitenden Industrialisie- rung durchaus bemerkbar, ebenso wie die Gegenbewegung zum Schutz der Natur, der menschlichen Mitwelt. Umwelt und Verbrauch sind moder- ne Leitbegriffe der Segregation Schon die Begrifflichkeiten zeigen aber deutlich, dass mit diesen Entwicklun- gen bis heute keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Repo- sitionierung des Menschen in Bezug auf seine Mitwelt zur Debatte steht. Die prägende menschliche Sichtweise geht weiterhin von Um-Welt aus. Sie bewertet generell nach dem Nutzen für den Menschen, der sich, ohne dass dies negativ belegt wäre, durchaus als Ver-Braucher versteht und bezeichnet. Auch wenn die Erscheinungsformen der Minderung unerwünschter Nebe- neffekte zum Beispiel in Gestalt von städtischen Parkanlagen, von straßen- begleitendem Großgrün oder von nut- zungsfreien Ackerrandstreifen dies mil- dern sollen. Segregation hat sich als Begleiterschei- nung von Spezialisierung, Funktionali- sierung und Industrialisierung im Um- gang des Menschen mit Umwelt und natürlichen Lebensgrundlagen verselb- ständigt und gilt als erfolgsstützende, jedenfalls unabdingbare Voraussetzung für die Aufrechterhaltung und Mehrung der gängigen Auffassung von Wohl- stand für den Menschen. Annahmen der Unabdingbarkeit verkennen freilich, dass Nutzenerwartungen der Gegen- wart in der Zukunft völlig bedeutungs- los werden können. Ansatzpunkte der Integration Gestaltungen der Umwelt, die auf die Erfüllung mehrerer Nutzenfunktionen am gleichen Ort und zur gleichen Zeit ausgerichtet sind, werden als integrativ bezeichnet und gelten je nach Sichtwei- se im Positiven als anspruchsvoll und komplex, im Negativen als ineffizient oder inkonsequent. Ein mindestens flächenbezogen bedeu- tungsvoller Anwendungsbereich in die- sem Sinne integrativer Gestaltung ist im dichtbevölkerten Raum der gemäßigten Zone Europas die Waldbewirtschaftung, bei der mehrere Wirkungen, Güter und Leistungen im Verbund, gegebenenfalls allerdings in unterschiedlicher Gewich- tung ihrer Bedeutung, angestrebt wer- den. Diese Multifunktionalität wird auch 1. Sachverständigenrat für Umweltfragen (2016): Umweltgutachten 2016. Impulse für eine integrative Umweltpolitik. 2. Z.B. durch die Mbuti (Afrika), die Penan (Borneo), indigene Gruppen im Amazonas umweltjournal 59/2016 5
| Organisation | Count |
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