Am 27. Mai ist Weltottertag. Weltweit machen Naturschutzorganisationen, Forschungseinrichtungen und Otterfreundinnen und -freunde auf den Schutz der Otter aufmerksam. Auch Rheinland-Pfalz ist Teil der internationalen Otterwelt. Am 27. Mai 2026 ist Weltottertag. Der internationale Aktionstag wird jedes Jahr am letzten Mittwoch im Mai begangen und wurde vom International Otter Survival Fund (IOSF) ins Leben gerufen, um weltweit Aufmerksamkeit für Otter und ihren Schutz zu schaffen. Otter faszinieren Menschen auf der ganzen Welt. Sie gelten als verspielt, geschickt und anpassungsfähig. Gleichzeitig sind sie anspruchsvolle Bewohner von Gewässerlandschaften – und damit wichtige Botschafter für den Zustand von Flüssen, Bächen, Seen, Feuchtgebieten und Küsten. Die IUCN SSC Otter Specialist Group bündelt internationales Fachwissen zum Schutz aller heute lebenden Otterarten und ist für die weltweite Bewertung der Otterarten im Rahmen der IUCN-Arbeit zuständig. Weltweit gibt es 14 heute lebende Otterarten . Sie gehören zur Familie der Marder und leben je nach Art an Flüssen, Seen, in Feuchtgebieten, Mangroven oder an Meeresküsten. Ihre Nahrung ist vielfältig: Fische, Krebse, Muscheln, Amphibien und andere Wassertiere stehen je nach Lebensraum auf dem Speiseplan. In Rheinland-Pfalz steht vor allem eine Art im Mittelpunkt: der Europäische Fischotter ( Lutra lutra ). Der Fischotter war einst ein typischer Bewohner unserer Gewässer. In vielen Regionen Deutschlands verschwand er jedoch durch Bejagung, Gewässerverschmutzung, Lebensraumverlust und die Zerschneidung von Fluss- und Bachlandschaften. Heute breitet sich die Art langsam wieder aus. Damit sie dauerhaft zurückkehren kann, braucht sie mehr als einzelne naturnahe Gewässerabschnitte: Entscheidend sind zusammenhängende, sichere und strukturreiche Gewässerlandschaften. Genau hier setzt das bundesweite Verbundprojekt „Deutschland wieder Otterland – Die bundesweite Vernetzung von Gewässerlandschaften für den Fischotter“ an. Das Projekt begleitet die Wiederausbreitung des Fischotters in südwestlicher Richtung und möchte durch die Wiedervernetzung von Gewässerlandschaften den Erhaltungszustand der Population verbessern. In neun Modellregionen werden Maßnahmen zur Verbesserung der Habitatqualität, der Vernetzung sowie zur Reduktion von Gefährdungen und Konflikten identifiziert und umgesetzt. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz betreut in diesem Rahmen das Projekt „Otterland Rheinland-Pfalz“ . Ziel ist es, die mögliche Rückkehr des Fischotters fachlich zu begleiten, Hinweise zu dokumentieren, Gefährdungen zu erkennen und gemeinsam mit Fachstellen, Behörden, Verbänden und weiteren Akteurinnen und Akteuren Lösungen zu entwickeln. Otter-Facts: Was den Fischotter besonders macht Der Fischotter ist hervorragend an das Leben im und am Wasser angepasst. Sein dichter Pelz schützt ihn vor Kälte, seine Schwimmhäute helfen beim Tauchen und Schwimmen, und sein langer, kräftiger Schwanz dient im Wasser als Steuer. Als dämmerungs- und nachtaktives Tier bleibt er meist unbemerkt. Häufig verraten eher Spuren seine Anwesenheit als direkte Sichtungen. Typische Hinweise sind zum Beispiel Trittsiegel , also Fußabdrücke im Schlamm oder Sand, und Losung , die der Fischotter oft an auffälligen Stellen absetzt. Diese Spuren sind für das Monitoring besonders wichtig. Sie helfen dabei, die Ausbreitung der Art nachzuvollziehen, ohne die Tiere zu stören. Fischotter sind außerdem echte Wanderer. Sie nutzen Gewässer nicht nur als Jagdrevier, sondern auch als Wege durch die Landschaft. Dabei bewegen sie sich entlang von Flüssen, Bächen, Gräben, Teichen und Auen. Problematisch wird es dort, wo Gewässer durch Straßen, verbaute Ufer, Wehre, fehlende Uferstreifen oder andere Hindernisse unterbrochen werden. Gerade Straßenquerungen können für Otter gefährlich werden, wenn sichere Durchlässe oder naturnahe Uferpassagen fehlen. Ein Fischotter braucht also nicht nur Wasser. Er braucht verbundene Gewässerräume . Warum Gewässerzusammenhänge so wichtig sind Gewässer sind keine isolierten Linien in der Landschaft. Ein Bach ist mit seinen Ufern verbunden, mit Auen, Feuchtwiesen, Seitenarmen, Gräben, Quellen und angrenzenden Lebensräumen. Für Arten wie den Fischotter zählt dieser Zusammenhang. Naturnahe Gewässerlandschaften bieten Nahrung, Deckung, Ruheplätze und sichere Wanderkorridore. Sie sind zugleich Lebensraum für Fische, Amphibien, Libellen, Muscheln, Wasserpflanzen, Vögel und viele weitere Arten. Wo Gewässer renaturiert, Ufer strukturreicher gestaltet und Auen wieder stärker angebunden werden, profitiert deshalb nicht nur der Fischotter. Auch für uns Menschen sind intakte Gewässerlandschaften wertvoll. Sie können Wasser in der Landschaft zurückhalten, Hochwasserspitzen abmildern, Grundwasserneubildung unterstützen, Hitzeeffekte reduzieren und zur Klimaanpassung beitragen. Gewässerschutz, Artenschutz und Klimaanpassung greifen hier direkt ineinander. Der Fischotter ist deshalb ein guter Botschafter für ein größeres Ziel: lebendige, durchgängige und widerstandsfähige Gewässerlandschaften. Ein Blick in die internationale Otterwelt Der Weltottertag macht deutlich, dass Otterschutz weltweit sehr unterschiedliche, aber oft miteinander verwandte Herausforderungen hat. In manchen Regionen stehen Lebensraumverlust, Wasserverschmutzung oder Konflikte mit Fischerei und Aquakultur im Vordergrund. In anderen Regionen spielen illegaler Handel, Störungen, Infrastruktur oder Klimawandelfolgen eine große Rolle. Die IUCN SSC Otter Specialist Group nennt Forschung, Bildung, Kommunikation und politische Arbeit als wichtige Bausteine, um Otter und ihre Lebensräume weltweit zu schützen. Ob Riesenotter in Südamerika, Seeotter an den Küsten des Pazifiks, Glattotter in Asien oder Fischotter in Europa: Otter zeigen, wie eng Artenvielfalt und Gewässerqualität miteinander verbunden sind. Ihr Schutz beginnt oft ganz konkret vor Ort – an einem Bachlauf, einer Brücke, einem Uferstreifen oder einer Aue. Auch Rheinland-Pfalz ist Teil dieser Otterwelt. Wenn Gewässer wieder durchgängiger, naturnäher und strukturreicher werden, entstehen Chancen für den Fischotter und viele andere Arten. Zum Weltottertag heißt das: Otterschutz ist Gewässerschutz. Und Gewässerschutz ist Zukunftsschutz. Wer Hinweise auf Fischotter oder mögliche Spuren entdeckt, kann helfen. Sichtungen und Spuren sollten möglichst mit Foto dokumentiert und gemeldet werden. So lässt sich die Ausbreitung der Art besser nachvollziehen und der Schutz gezielt weiterentwickeln. Weiterführende Links: Projekt Otterland Rheinland-Pfalz: https://snu.rlp.de/projekte/fischotter Deutschland wieder Otterland: https://www.otterland.info/ International Otter Survival Fund / World Otter Day: https://www.otter.org/world-otter-day IUCN SSC Otter Specialist Group: https://www.otterspecialistgroup.org/
Organische Schwefelkomponenten sind abundant in marinen Sedimenten. Diese Verbindungen werden v.a. durch die abiotische Reaktion anorganischer Schwefelverbindungen mit Biomolekülen gebildet. Wegen seiner Bedeutung für globale Stoffkreisläufe, für die Nutzung von Erdöllagerstätten und für die Erhaltung des Paleorecords, gibt es eine Vielzahl von Studien zum Thema. Sehr wenig Aufmerksamkeit wurde allerdings wasserlöslichen Komponenten geschenkt, die beim Prozess der Sulfurisierung entstehen und als gelöster organischer Schwefel (DOS) in die Meere gelangen können. Anhand der wenigen verfügbaren Informationen ist Schwefel vermutlich das dritthäufigste Heteroelement im gelösten organischen Material (DOM) der Meere, nach Sauerstoff und Stickstoff. Einige Schwefelverbindungen, insbesondere Thiole, sind für die Verbreitung von Schadstoffen aber auch essenzieller Spurenstoffe verantwortlich. Wichtige klimarelevante Schwefelverbindungen entstehen aus DOS. Daher spielt der marine DOS-Kreislauf eine Rolle für die Meere und Atmosphäre. Trotz seiner Bedeutung sind die Quellen marinen DOS, seine Umsetzung im Meer und Funktion für Meeresbewohner unbestimmt. Auch ist die molekulare Zusammensetzung von DOS unbekannt. In diesem Projekt werden wir Pionierarbeit in einem neuen Forschungsfeld der marinen Biogeochemie leisten. Wir wollen grundlegende Fragen bzgl. der Bildung und Verteilung von nicht-flüchtigem DOS im Meer beantworten. Unsere wichtigsten Hypothesen:* Bildung von DOS:(1) Sulfatreduzierende Sedimente sind wesentlich für die Bildung von DOS.(2) Reduzierte Schwefelverbindungen (v.a. Thiole) dominieren in Zonen der DOS-Entstehung.(3) DOS wird v.a. über abiotische Sulfurisierung in der Frühdiagenese gebildet.* Transport und Schicksal von DOS im Ozean:(4) DOS wird von sulfat-reduzierenden intertidalen Grundwässern an das Meer abgeben.(5) In der Wassersäule oxidiert DOS schnell (z.B. zu Sulfonsäuren).(6) DOS aus intertidalen Sedimenten ist in oxidierter Form auf den Kontintentalschelfen stabil.Neben dem wissenschaftlichen Ziel der Beantwortung dieser Hypothesen, wird das Projekt drei Promovierenden (eine in Deutschland und zwei in Brasilien) die außergewöhnliche Gelegenheit bieten, ihre Doktorarbeiten im Rahmen eines internationalen Projektes durchzuführen. Wir werden die Stärken beider Partner in Feld- und Laborstudien und Elementar-, Isotopen- und molekularen Analysen kombinieren. Wir werden unterschiedliche Regionen im deutschen Wattenmeer und in brasilianischen Mangroven (Rio de Janeiro and Amazonien) beproben, sowie die benachbarten Schelfmeere. Sulfurisierungsexperimente werden die Feldstudien ergänzen. Zur quantitativen Bestimmung und molekularen Charakterisierung von DOS werden wir neue Ansätze anwenden, die von den beiden Arbeitsgruppen entwickelt wurden. Dabei kommen u.a. ultrahochauflösende Massenspektrometrie (FT-ICR-MS), und andere massenspektrometrischen und chromatographischen Methoden zu Anwendung.
Die Flusssysteme Amazonas und Rio Pará tragen das größte Volumen an Süßwasser in den Ozean ein und bilden eine wichtige Schnittstelle für den Eintrag von Spurenmetallen und gelösten organischen Stoffen (DOM) vom Land in den Ozean. Neben der Bedeutung des Amazonas für den globalen Spurenmetallhaushalt des Ozeans hat sein Mikronährstoff-Eintrag auch einen großen Einfluss auf die biologische Produktivität der Küsten- und Schelfregion und darüber hinaus. Das Hauptziel des vorgeschlagenen Projekts ist es, die Rolle der chemischen Speziation und der physiko-chemischen Größenfraktionierung von Spurenmetallen im Mischungskontinuum dieser Flüsse zum Atlantik zu verstehen. Wir werden die Wechselwirkungen von Spurenmetallen mit DOM und Kolloiden in der Wassersäule und den Oberflächensedimenten der Amazonas- und Pará-Mündung und der damit verbundenen Mischungsfahne sowie des Mangrovengürtels mit Grundwassereintrag südöstlich des Rio Pará untersuchen. Basierend auf Proben, die während der Forschungsfahrt M147 in der Hochwasserperiode 2018 genommen wurden, und vorläufigen Daten, die in unserem Labor erzeugt wurden, werden wir Veränderungen der Spurenmetallverteilungen und -speziationen in der Amazonas-Region entlang der Salzgradienten untersuchen. Um zu beurteilen, was die chemische und physikalische Speziation und den Transport von Spurenmetallen im Ästuar und in der Abflussfahne kontrolliert, werden wir uns auf drei verschiedene Prozesse konzentrieren: • Größenfraktionierung, Sorption und Entfernung von Spurenmetallen: Sorption von Spurenmetallen an Flusspartikeln und Ausfällung durch Koagulation von Kolloiden und Größenfraktionierung; wie verändert sich die Assoziation von Spurenmetallen mit verschiedenen löslichen, kolloidalen und partikulären Fraktionen entlang des Salzgehaltsgradienten?• Lösungskomplexierung: Bildung von löslichen metall-organischen Komplexen; wie verstärkt dieser Prozess den Metalltransport durch Konkurrenz mit Sorption an Kolloiden und Ausfällung? • Akkumulation von Spurenmetallen in Sedimenten: wie wirken die Sedimente als Senke und Quelle von Spurenmetallen, und können Oberflächensediment und Porenwasser zu den Spurenmetallflüssen in der Region beitragen? Zusätzlich zu den voltammetrischen und ICP-MS-Analysen der M147-Proben werden wir eine systematische Untersuchung des Mischungsverhaltens verschiedener Elementgruppen (konservativ, partikel-reaktiv und organisch-komplexiert) durchführen, indem wir Labor-Mischungsexperimente mit Meer- und Flusswasser-Endgliedern durchführen, die während der anstehenden Fahrt M174 im Amazonasgebiet genommen werden. Damit erwarten wir, ein ganzheitliches Bild der komplexen Prozesse der Spurenmetall-Biogeochemie und der Elementflüsse in diesem größten Mündungssystem der Welt zu erhalten. Dieses Wissen wird auch wichtig sein, um mögliche Auswirkungen in diesem Gebiet aufgrund der anhaltenden anthropogenen Einflüsse in dieser Region und der sich ändernden klimatischen Bedingungen vorherzusehen.