The proposed project is a research cooperation between the TU Dresden’s chair of Urban Water Management and the chair of Hydrobiology. The project aims to detect and quantify the contribution of a city’s sewer system on the spread, dynamics and seasonality of antibiotics and antibiotic resistance genes within an urbanized water body. Antibiotic resistance represents a high risk to human health as well as the public health system, due to their presence in, or acquisition by, pathogenic and/or opportunistic bacteria occurring in the environment. One among other emission sources of resistant strains into the environment is the sewer network, which should be exemplary investigated at our study site, the Lockwitzbach catchment within the city of Dresden. Six monitoring stations are already in operation there, equipped with online sensors for water quantity. Four out of six are recording water quality, including auto samplers. Two of the stations are dedicated to river monitoring, four further stations were mounted within the sewer system at rain water outlets and at a combined sewer overflow (CSO) structures, draining into Lockwitzbach. This monitoring network will be used and enhanced for the detection and sampling of specific contributions from the urban drainage network on the presence and dispersion of antibiotic resistances. Event-based and seasonal sampling campaigns coupled with analysis on chemical and microbiological parameters should be performed on water and biofilm samples to detect contribution patterns from the sewer outlets together with seasonal trends in composition and presence of antibiotic resistance in the bacterial community. Furthermore, emission pathways and the remaining of heavy metals from the sewer network, that also select for antibiotic co-resistancence, will be under examination. A particle transport model for the sewer catchment will be coupled with a hydraulic model for stream and sewer network and calibrated to predict gained water quality parameters as well as antibiotic resistant gene discharge patterns. Different treatment methods will be implemented in the model and evaluated. These results will yield valuable information on possible emission scenarios and pathways, as well as their importance on the spread of antibiotic resistance in the aquatic environment.
Die zunehmenden Isolationsraten von multi-resistenten Bakterien auch aus der ambulanten Bevölkerung legen nahe, dass die resistenten Erreger aus der Umwelt wieder zurück zum Menschen gelangen. Durch die Verbreitung dieser resistenten Bakterien sowie die immer geringer werdende Anzahl an neu zugelassenen Antibiotika, wird die heutige Medizin zunehmend vor das Problem gestellt, dass sie bakterielle Infektionen entweder nur durch einen erheblichen Mehraufwand, sowie gegen höhere Kosten behandeln kann oder, dass eine Therapierbarkeit nicht mehr möglich ist. Ziel des AP 6 ist die Erkennung von Risikopotenzialen und gegebenenfalls Maßnahmen zu deren Minimierung und Vermeidung zu treffen. Diese Aufgabe ist umso dringlicher, wenn Risiken, wie im Falle der Antibiotika resistenten Krankheitserreger, sich auf nahezu jede Bevölkerungsgruppe auswirken können. Ein effektives Risikomanagement erfordert eindeutige, harmonisierte Verfahrensweisen mit belegter wissenschaftlicher Stringenz und medienübergreifende Konsistenz. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind solche grundlegenden, aber auch weitreichenden Arbeiten für die Risikoregulierung von Antibiotika-resistenten Krankheitserregern nicht verfügbar, sind jedoch unter der Berücksichtigung der zunehmenden Exposition dringend erforderlich. Die Risikokommunikation muss in diesem Prozess ein wesentlicher Bestandteil im Regulierungsprozess sein. Arbeitsplan des AP 6 (UBA): Die Arbeitsschritte entsprechen den wissenschaftlich-technischen Zielen 1 - 8 und sind nachfolgend in Kurzform aufgelistet: 1. Analyse der wissenschaftlich-experimentellen Daten 2. Entwicklung eines harmonisierten Verfahrens 3. Festlegung von Prioritäten 4. Charakterisierung der Schnittstellen von Risikobewertung und Risikomanagement 5. Darstellung der Risikoregulierung 6. Erarbeitung eines Konzeptes zur rechtlich wirksamen Umsetzung 7. Organisation der Kommunikation 8. Erarbeitung und Betreuung von Materialien für die kommunikative Arbeit.
Sulfonamid-Antibiotika werden nur unzureichend in Kläranlagen abgebaut und können daher ubiquitär in der aquatischen Umwelt nachgewiesen werden. Es konnte gezeigt werden, dass ständige Exposition von Mikroorganismen, auch bei nicht-hemmenden Konzentrationen, die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen fördert, was Anlass zur Sorge gibt im Hinblick auf die steigende Zahl von Berichten über multiresistente Erreger. Microbacterium sp. Stamm BR1 wurde aus einer Anreicherungskultur aus Belebtschlamm isoliert. Dieser Stamm ist in der Lage Sulfonamid-Antibiotika als Kohlenstoff- und Energiequelle zu nutzen. In diesem Stamm wurden die kodierten Gene, die für den Sulfonamidabbau verantwortlich sind, identifiziert. Es konnte gezeigt werden, das eine FMN-abhängige Monooxygenase, kodiert durch ein sadA Gen, die ipso-Substitution von Sulfonamiden katalysiert, was den Abbau zu 4-benzoquinone-imin, Sulfite und dem zuvor an der Sulfogruppe verbliebenen Rest einleitet. Während 4-Benzochinon-imin als Kohlenstoff- und Energiequelle dient, verbleibt der meist heterozyklische Rest als Dead-End Metabolit in den Kulturüberständen. In dem vorgeschlagenen Projekt soll der Zusammenhang zwischen dem Entstehen der identifizierten Dead-End Metabolite und dem biologischen Abbau von Sulfonamiden untersucht werden. Gleichzeitig soll untersucht werden, ob die Präsenz von homologen Bakteriengenen in ausgesuchten Kläranlagen der Abbauaktivität von Sulfonamiden zugeordnet werden kann. Dazu sollen Genomsequenzen aus weiteren sulfonamide-abbauenden Bakterienkulturen isoliert und bezüglich des Vorhandensein von sadA Homologen untersucht werden. Aus den Homologsequenzen soll eine Consensus-Sequenz berechnet werden, die als Basis für PCR Primer dient, um speziell sadA Homologe aus Belebtschlammkulturen zu vervielfachen und zu quantifizieren. Flankierende Sequenzen dieser Homologe werden ebenfalls analysiert hinsichtlich Gen-Clustern, die dem in Microbacterium sp. Stamm BR1 ähneln. Eliminationsraten von Sulfonamiden in Kläranlagen sollen über Massenbilanzen aus Zulauf und Ablauf bestimmt werden. Zusätzlich soll der Belebtschlamm bezüglich seines Abbaupotentials in Experimenten mit zugegebenen Sulfamethoxazole getestet werden. Der Abbau von Sulfonamiden in Reinkulturen bei Unterschiedlichen Nährstoffbedingungen soll Aufschluss über Grenzwerte für die Up- oder Down-Regulierung von Genen geben, die an der ipso-substitution von Sulfonamiden beteiligt sind. Das übergeordnete Ziel ist es, an die Ergebnisse des vom SNF geförderten vorangegangen Projektes anzuknüpfen, um die Abbauwege von Sulfonamiden während der Abwasserbehandlung besser zu verstehen. Die Ergebnisse und Arbeiten in diesem Projekt ermöglichen eine bessere Bewertung diesen Sulfonamidabbaus sowie das Verständnis der Rolle von FNM-abhängigen Monooxygenasen, die bereits im Vorläuferprojekt isoliert wurden.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ INFEKTIONSPRÄVENTION Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2018 © fivepointsix / Fotolia KategorieDiagnose/Erreger20182017 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis4.1003.831 EHEC-Erkrankung (außer HUS)151122 Giardiasis125126 HUS32 Kryptosporidiose6934 Norovirus-Erkrankung4.0444.479 Rotavirus-Erkrankung6331.229 Salmonellose932684 Shigellose3020 Hepatitiden (Leberentzündungen) Impfpräventable Infektionskrankheiten (s. STIKO-Empfehlungen) Weitere Infektionen Yersiniose124127 Clostridium difficile90106 Hepatitis A4948 Hepatitis B369251 Hepatitis C258193 Hepatitis D20 Hepatitis E228186 Diphtherie00 Haemophilus influenzae5739 Meningokokken (invasiv)1918 Masern921 Mumps3341 Röteln05 Pertussis (Keuchhusten)540802 Varizellen664675 Influenza13.8624.615 Adenovirus (Konjunktivalabstrich)4924 Borreliose1.5791.086 Brucellose01 Dengue-Fieber2518 Enterobacteriaceae192155 FSME60 Hantavirus-Erkrankung349 Legionellose6154 Leptospirose34 Listeriose2334 MRSA7290 Q-Fieber410 Tuberkulose237241 Tularämie33 Typhus abdominalis14 Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 Infektionsbilanz 2018: Rekord-Grippewelle im LandBorreliose – im Jahr 2016 dagegen lag die Zahl mit 1.467 Infektionen bereits ähnlich hoch. So viele saisonale Grippe-Erkrankungen hat es hierzulande noch nie gegeben: Im Frühjahr 2018 meldeten die kommunalen Gesundheitsämter dem LUA landesweit fast 13.900 Infektionen – ein Rekordwert. Im Vergleich dazu verliefen frü- here Grippesaisons weniger drastisch: Im Frühjahr 2017 erkrankten rund 4.500 Menschen in Rhein- land-Pfalz, 2016 waren es circa 3.400 Menschen gewesen.Labordiagnostik und Meldewesen Erfasst werden nur die Fälle, in denen Influenzavi- ren im Labor nachgewiesen werden. Da nicht bei allen Grippepatienten ein Abstrich genommen wird und auch nicht alle Erkrankten überhaupt zum Arzt gehen, ist die tatsächliche Zahl der Grip- peerkrankungen in einer Saison um ein Vielfaches höher als die Zahl der gemeldeten Fälle. Die Grippe unterscheidet sich von harmloseren grippalen Infekten durch den plötzlichen und hef- tigen Krankheitsbeginn mit anhaltend hohem Fie- ber, starken Muskel- und/oder Kopfschmerzen sowie Schwäche. Diese treten zusätzlich zu den Symptomen der allgemeinen Erkältung wie lau- fender Nase, trockenem Reizhusten und Hals- schmerzen auf. Für Menschen mit Vorerkrankun- gen, ältere Menschen und Schwangere kann die Grippe besonders gefährlich sein: Bei ihnen treten häufiger schwere Krankheitsverläufe mit Lungen- oder Mittelohrentzündungen auf. Magen-Darm-Erkrankungen dagegen machen immer einen Großteil der landesweit registrier- ten Infektionskrankheiten aus. Meist waren im vergangenen Jahr Noroviren (4.044 Fälle) oder Campylobacter-Bakterien (4.100) die Auslöser, weniger häufig auch Rotaviren (633) oder Sal- monellen (932). Die Zahl der Borreliose-Infektionen, einer durch Zecken übertragenen bakteriellen Erkrankung, ist mit 1.579 Meldungen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Zwar erkrankten im Jahr 2017 nur 1.086 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer an Im Landesuntersuchungsamt (LUA) laufen die Da- ten zu allen meldepflichtigen Infektionskrank- heiten und Infektionserregern aus ganz Rhein- land-Pfalz zusammen. Sie werden von den rheinland-pfälzischen Gesundheitsämtern gemäß Infektionsschutzgesetz in anonymisierter Form übermittelt. Im LUA werden die Daten gesam- melt, von Infektionsepidemiologen analysiert und bewertet und an das Robert Koch-Institut in Ber- Magen-Darm-Erreger: Rotaviren unter dem Transmissi- ons-Elektronenmikroskop. © Hans R. Gelderblom/RKI lin übermittelt. Auf diese Weise können überregi- onale Krankheitsausbrüche frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den zuständigen Gesundheitsäm- tern Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Zum Schutz der rheinland-pfälzischen Verbrau- cherinnen und Verbraucher vor Infektionsgefah- ren untersucht das LUA regelmäßig Proben auf Krankheitserreger und mikrobiologische Verunrei- nigungen. Darunter sind unter anderem Blut- oder Stuhlproben von Patienten, Wasserproben aus Hausinstallationen und Badeseen, Lebensmittel- proben oder auch solche, mit denen die Funktion von medizinischen Desinfektions- und Sterilisati- onsanlagen überprüft wird. 3 Antibiotikaresistenz konsequent die Stirn bieten Die Fortschritte der modernen Medizin sind eng verknüpft mit der Verfügbarkeit wirksamer Me- dikamente zur Behandlung schwerer, insbeson- dere bakterieller Infektionen. Seit Einführung der Antibiotika in die Medizin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnten Infektionskrankheiten als Haupttodesursache verdrängt und in der Fol- ge die durchschnittliche Lebenserwartung in rei- chen Ländern von 47 Jahren auf nahezu 80 Jahre und mehr gesteigert werden. Doch diese oft le- bensrettenden Medikamente drohen ihre Wirkung zu verlieren. Woran liegt das? Antibiotika hindern Bakterien daran, sich zu ver- mehren, oder sie töten sie sogar ganz ab. Aller- dings haben Bakterien natürlicher Weise die Ei- genschaft, gegen Antibiotika unempfindlich zu werden. Resistenzen, zunächst eher ein selten an- zutreffendes Phänomen, haben sich aufgrund ei- ner sehr breiten Anwendung von Antibiotika auch außerhalb der Medizin (z.B. in der Nahrungsmit- telproduktion) ausgebreitet. Hierbei bedienen sich die Bakterien eines besonderen Tricks: Ohne sich selbst vermehren zu müssen, können sie ihre Re- sistenz durch Weitergabe eines kleinen Stücks an Erbinformation an andere Bakterien weitergeben. Auf diese Weise können sich Resistenzen schneller ausbreiten als die resistenten Bakterien selbst. dern und gleichzeitig die Entstehung und Weiter- verbreitung resistenter Bakterien einzudämmen. Konkret stehen hier Maßnahmen wie Personal- schulungen zur konsequenten Händedesinfektion, eine Optimierung der Instrumentensterilisation sowie Etablierung einer indikationsgerechten An- tiobitikaverschreibung (sog. „Antibiotic Steward- ship“) zur Verfügung, um nur einige wenige Bei- spiele zu nennen. Wie ist die Situation in Rheinland-Pfalz? Bereits seit mehreren Jahren besteht eine gesetz- liche Meldepflicht für invasive Infektionen durch methicillin-resistenten Staphylococcus aureus – einem überwiegend über Haut, Hände und Ober- flächenkontakte übertragenen Bakterium, das mehrfach resistent insbesondere bei vorerkrank- ten Menschen vorkommt und dann schwere In- fektionen wie Lungenentzündung oder eine Blut- strominfektion hervorrufen kann. Seit Beginn der Meldepflicht ist die Zahl dieser In- fektionen kontinuierlich zurückgegangen: Im Ver- gleich zum Jahr 2010 waren 2018 bereits 53 Pro- zent weniger Menschen an invasiven Infektionen durch MRSA erkrankt. 2018 wurden in Rhein- land-Pfalz 72 Fälle gemeldet. Bezogen auf die Be- völkerung erkranken derzeit statistisch gesehen jährlich 1.77 von 100.000 Rheinland-Pfälzern an einer MRSA-Infektion; 2010 waren es noch 3.95 von 100.000. Damit liegt Rheinland-Pfalz auch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 2.93 MRSA-Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Was wird in Deutschland dagegen getan? Verschiedene Gesetzesinitiativen auf Bundes- und Landesebene der vergangenen Jahre zielen dar- auf ab, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Zum einen wurden durch Änderungen des Infektions- schutzgesetzes Meldepflichten für antibiotikare- sistente Bakterien eingeführt bzw. erweitert. Zum anderen wurde durch Hygieneverordnungen der Länder verfügt, dass die Hygiene in medizinischen Einrichtungen gestärkt wird. Diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, durch präventive Hygiene- maßnahmen Krankenhausinfektionen zu verhin- 4 Gefährlich für Patienten: Infektionen mit multiresistenen Keimen in Krankenhäusern. © GordonGrand / Fotolia liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie das durchschnittliche Meldeaufkommen in Gesamt- deutschland (4.58 / 100.000). Für Acinetobacter, einem in der Umwelt weit ver- breiteten Bakterium, das ebenfalls den gesun- den Menschen besiedeln kann und in Einzelfällen schwere Infektionen auslöst, waren 2018 in Rhein- land-Pfalz 27 Nachweise von Bakterien mit Un- empfindlichkeit gegenüber Carbapenem-Antibioti- ka gemeldet worden, was einer Häufigkeit von 0.68 pro100.000 Bürgern entspricht. Zum Vergleich: Im gesamten Bundesgebiet wurden hier im Durch- schnitt mit 0.92 Nachweisen pro 100.000 deutlich mehr solcher Infektionen gemeldet. Was tut das Land Rheinland-Pfalz? Seit Mai 2016 sind Infektionen und eine Besied- lung mit gram-negativen Bakterien mit Resis- tenz gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme meldepflichtig. Aufgrund der bis- her kurzen Beobachtungszeit ist eine Trendana- lyse wenig aussagekräftig. Allerdings lohnt sich ein Blick im Vergleich zum Bundesdurchschnitt: Für die beim Menschen überwiegend im Ma- gen-Darm-Trakt vorkommenden Enterobacteria- ceae wurden im Jahr 2018 in Rheinland-Pfalz 192 Nachweise übermittelt. Das entspricht 4.71 Er- regernachweisen pro 100.000 Bürger. Der Wert Das Landesuntersuchungsamt (LUA) unter- stützt die 24 Gesundheitsämter des Landes bei der Überwachung der Hygienestandards in medi- zinischen Einrichtungen. LUA-Mitarbeiter unter- suchen amtliche Hygieneproben und nehmen an Begehungen der Gesundheitsämter in medizini- schen Einrichtungen teil. Daneben steht am LUA epidemiologische, mikrobiologische und mole- kularbiologische Kompetenz bereit, wenn sich Er- krankungen durch antibiotikaresistente Bakterien im Land häufen sollten. Was tun die Kommunen? Die Bekämpfung multiresistenter Erreger (MRE) wird durch die Bildung von grenzüberschreiten- den Netzwerken gezielt und interdisziplinär an- gegangen. Die 79. Gesundheitsministerkonferenz hat 2006 zur Bekämpfung nosokomialer (sprich: in Gesundheitseinrichtungen erworbener) Infekti- onen mit resistenten Keimen die Einrichtung von MRE-Netzwerken empfohlen. In Rheinland-Pfalz hat der MRE-Netzwerkgedanke mittlerweile deut- liche Zustimmung gefunden: Seit dem Jahr 2009 sind neun regionale MRSA-/ MRE-Netzwerke (re- gionale und auch überregionale Kooperationen) quer durchs Land gebildet worden. Nahezu alle Kreise und Kommune nehmen teil. Der öffentliche Gesundheitsdienst bzw. die kommunalen Gesund- heitsämter haben in Rheinland-Pfalz - entspre- chend der Landeshygieneverordnung - die Funkti- on, den Netzwerkprozess zu moderieren. Zuletzt ist das MRE-Netzwerk Westerwald-Rhein- Lahn entstanden, in welchem der Landkreis Altenkir- chen, der Westerwaldkreis und der Landkreis Rhein- Lahn verbunden sind. Die Arbeit dieses Netzwerkes ist auch im bundesweiten Vergleich als hervorragend zu bewerten: Es wurde im Herbst 2017 mit dem In- novationspreis der Akademie für öffentliches Ge- sundheitswesen in Düsseldorf ausgezeichnet. 5 bei der Versorgung von Patienten, auch beim Übergang zwischen einzelnen Institutionen, und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Kontrol- le der Antibiotikaresistenz. Ein Akut-Krankenhaus, das ein Qualitätssiegel vorweisen will, muss bei- spielsweise ein konsequentes Screening auf multi- resistente Erreger bei der Neuaufnahme bestimm- ter Patientengruppen durchführen. Ausblick Es werden immer mehr: MRSA-/MRE-Netzwerke in Rheinland-Pfalz. © LUA Das LUA hat beim MRE-Netzwerkthema die Funk- tion einer koordinierenden Stelle der Netzwerk- arbeit in Rheinland-Pfalz. Bei Fortbildungen, epi- demiologischen Untersuchungen, runden Tischen und Foren entwickeln die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen zur jeweiligen Region pas- sende Strategien zur Bekämpfung von Kranken- haus-Infektionen. Ein Baustein für eine erfolgreiche Netzwerk-Tätig- keit sind MRE-Qualitätssiegegel. Sie schaffen ei- nen Anreiz, hygienische Standards in Krankenhäu- sern und anderen Gemeinschaftseinrichtungen einzuhalten und nach außen sichtbar darzustellen. Sie sorgen für einheitlich hohe Hygienestandards 6 Bakterielle Resistenzen gegen Antibiotika bedro- hen die Gesundheit von Patienten und sind eine ernstzunehmende Herausforderung für die mo- derne Medizin. Die Weltgesundheitsorganisati- on hat einen weltweiten Aktionsplan gegen die Entstehung und Ausbreitung antimikrobieller Re- sistenzen ins Leben gerufen. Dieser sieht in der Verbesserung von Hygienemaßnahmen einen zentralen Ansatzpunkt zur Bekämpfung antimik- robieller Resistenz. Rheinland-Pfalz ist bereits auf einem guten Weg: Die MRSA-Infektionen gehen zurück, die Nach- weise carbapenemresistenter Bakterien liegen im oder unter dem Bundesdurchschnitt. Die Arbeit der MRE-Netzwerke und die Überwachung me- dizinischer Einrichtungen durch Behörden sind die Grundlagen dieser positiven Bilanz. In Anbe- tracht des medizinischen Fortschritts und einer immer breiteren Anwendung infektionsbegüns- tigender Therapieformen bedarf es einer konse- quenten Fortsetzung dieser Bemühungen. Nur so wird es gelingen, der Ausbreitung resistenter Er- reger in Rheinland-Pfalz weiterhin erfolgreich die Stirn zu bieten. Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de
Für die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen spielt zunehmend auch die Landwirtschaft eine Rolle. Deswegen ist es wichtig, dass alle Akteure der Nutztierhaltung sensibilisiert werden für den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Die Schlusserklärung des G20-Treffens in Hamburg kurz vor dem Termin der Tagung im Juni 2017 hat das Problem in seiner Bedeutung auf die politische Tagesordnung gehoben und zu einer weltweiten Problemanzeige gemacht. Die Aufmerksamkeit, die das Antibiotika-Resistenzproblem dadurch erhalten hatte, sollte durch die Tagung vor Ort in der Region Hohenlohe zur Bewusstseinsbildung genutzt werden. Dabei ging es vor allem um die Verantwortung der Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Es handelte sich bei der Maßnahme um eine Akademietagung, d.h. ein Programm wurde erstellt, geeignete Referenten, die das Thema aus unterschiedlicher und teils kontroverser Sicht behandeln, wurden gesucht und die Veranstaltung ausgeschrieben. Die Tagung wurde gut dokumentiert und medienmäßig begleitet. Die Aktualität des Problems und seine Brisanz wurden deutlich. Gerade die hohe Schweine und Putendichte der Region Hohenlohe ist besonders betroffen. Die Landwirte, die selber durch den Antibiotika-Einsatz Mitverursacher sind, sind am unmittelbarsten von einer möglichen Besiedlung durch resistente Keime, wie z.B. LA-MRSA, betroffen. Den Haltungsbedingungen der Nutztiere kommt eine große Bedeutung zu, um die Infektionsgefahr möglich niedrig zu halten, und damit auch den Antibiotika-Einsatz. Antibiotika als Wachstumsförderer einzusetzen ist zwar verboten, doch gibt es viele Umgehungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Der multiresistente Keim Staphylococcus sciuri ist der gefährlichste Gegenspieler, weil er sehr weit verbreitet ist in den Ställen in Deutschland und im Fleisch, gegen mindestens 3 Antibiotika-Stoffklassen resistent und sich durch eine hohe Potenz des horizontalen Gentransfers auszeichnet. Die Diskussion während der Veranstaltung drehte sich um die Fragen: Wer geht am wenigsten vorsichtig mit dem Antibiotika-Einsatz um, die Humanmedizin oder die Veterinärmedizin? Haben die unterschiedlichen Tierhaltungsmethoden wirklich einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundhaltung der Tiere und damit auf die Resistenzbildung? Wurde wirklich schon viel erreicht bei den Versuchen, den Einsatz von Antibiotika in den Ställen zu reduzieren? Wie weit werden die Keime auch durch Umweltfaktoren weitergetragen? Die Medienarbeit beinhaltete sowohl Presseberichte im Vorfeld der Tagung als auch nach der Tagung, eine ausführliche Radiosendung vom Störfunk Schwäbisch Hall und die Veröffentlichung in der hauseigenen Zeitschrift 'Blätter der Akademiearbeit'.
TransRisk widmet sich der Charakterisierung, Kommunikation und Minimierung von Risiken, die von anthropogenen Spurenstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf ausgehen. Das daraus abgeleitete handlungsorientiertes Risikomanagementkonzept wird unter Berücksichtigung sozioökonomischer Erhebungen in der Beispielregion Donauried umgesetzt und in dem Projekt optimiert. Schadstoffwirkungen und das Auftreten toxikologisch relevanter Schadstoffgruppen werden über summarische Methoden der Ökotoxikologie und der Umweltchemie erfasst. Dieser integrative Ansatz erlaubt auch eine Bewertung der Transformationsprozesse anthropogener Schadstoffe im Wasserkreislauf. Unterstützt wird dies durch modellbasierte in silico-Toxikologie, in der zusätzlich toxikologisch relevante Zielelemente zur (öko)toxikologischen Bewertung definiert werden. Die schadstoffinduzierten Selektionsprozesse, die zum Auftreten multiresistenter Krankheitserreger führen, werden in die Risikocharakterisierung integriert. Zur Risikominimierung werden sowohl Maßnahmen an Eintragsquellen (AP 3) als auch unterschiedliche Verfahrenskombinationen der kommunalen Abwasserreinigung vergleichend bewertet. Hierbei werden innovative Ansätze wie die Kreislaufführung von Nitrifikation und Ozonung (BfG) oder die Verwendung von Eisenbakterien (TU Berlin) mit etablierten Verfahren wie der Aktivkohlefiltration (TU Darmstadt) verglichen. Ziel des AP4 ist es neue, innovative Verfahren zu entwickeln, die eine weitgehende Elimination von organischen Spurenstoffen und Krankheitserregern ermöglichen, gleichzeitig aber die Bildung stabiler und möglicherweise (öko)toxikologisch relevanter Transformations- bzw. Oxidationsprodukte verhindern bzw. minimieren. Die Versuche in Darmstadt-Eberstadt widmen sich der Dosierung von Ozon im Kläranlagenablauf und der (teilweisen) Rückführung dieses ozonierten Ablaufs in die Belebungsstufe, wodurch eine höhere Spurenstoffelimination angestrebt wird. Vergleichend werden Untersuchungen zum Abbau von Spurenstoffen ozonierter biologisch gereinigter Abwässer durch Biofiltrationsanlagen und Aktivkohlefilter durchgeführt. Abschließend wird in Zusammenarbeit mit dem ZVK Steinhäule das erarbeitete Konzept für die Verfahrenstechnik getestet und die Parameter optimiert, um sie den dortigen Bedingungen anzupassen.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-Bilanz InfektionsPrävention Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2014 © GordonGrand - Fotolia.com KategorieDiagnose/Erreger20142013 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis3.9033.510 Clostridium difficile3245 EHEC-Erkrankung (außer HUS)10798 Giardiasis156167 HUS46 Kryptosporidiose6048 Norovirus-Erkrankung3.4114.191 Rotavirus-Erkrankung1.2361.945 Salmonellose880939 Shigellose3459 Yersiniose163145 Hepatitis A2658 Hepatitis B3251 Hepatitis C264238 Hepatitis D20 Hepatitis E2430 Diphtherie00 Haemophilus influenzae1722 Meningokokken (invasiv)2224 Masern815 Mumps5829 Röteln41 Pertussis (Keuchhusten)576432 Varizellen738248 Influenza2933.440 Adenovirus (Konjunktivalabstrich)3451 Borreliose1.0031.966 Brucellose71 Dengue-Fieber2834 FSME27 Hantavirus-Erkrankung61 Legionellose3141 Leptospirose33 Listeriose2715 MRSA (aus Blut)91110 Q-Fieber362 Tuberkulose201172 Tularämie02 Typhus abdominalis41 Hepatitiden (Leberentzündungen) Impfpräventable Infektionen gemäß den Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch- Institut (STIKO) Weitere Infektionen Infektionsbilanz: Viele Fälle von Windpocken und Keuchhustendienen der Suche nach der Infektionsquelle und möglicherweise weiteren erkrankten Personen. Eine schwache Grippewelle, dafür überraschend viele Meldungen von Windpocken und Keuchhus- ten: Die rheinland-pfälzische Infektionsbilanz für das Jahr 2014 fällt gemischt aus. Insgesamt wur- den in Rheinland-Pfalz 2014 etwa 16.600 melde- pflichtige Infektionserkrankungen gemeldet, wo- bei etwa 13.800 der Referenzdefinition genügten.Wenn beispielsweise ein Kind mit Durchfall und Erbrechen an Salmonellen erkrankt, dann führt das Gesundheitsamt eine Umgebungsuntersu- chung in der Familie und bei engen Kontaktper- sonen durch, um weitere betroffene Personen ausfindig zu machen. Diese zeigen zwar mögli- cherweise keine Symptome, tragen aber dennoch Salmonellen in sich, scheiden diese weiter aus und können damit andere anstecken. Wenn solche Ausbrüche über die Kreisgrenzen hinweg auftre- ten, kann das LUA bereits frühzeitig solche Mus- ter erkennen. In solchen Fällen kann das LUA auf Wunsch der Gesundheitsämter auch Unterstüt- zung bei der Aufklärung von Krankheitsausbrü- chen leisten. Neun Mal war das 2014 der Fall. Magen-Darm-Erreger machen traditionell ei- nen Großteil der Infektionen aus: Von den 13.800 Meldefällen gehörten über zwei Drittel zu Noro- viren (3.411), Campylobacter (3.903), Rotaviren (1.236) und Salmonellen (880). Die Influenza spielte 2014 mit lediglich 293 Fällen keine große Rolle. Interessant ist der hohe Anteil von Windpocken (738) und Keuchhusten (576) mit zusammen fast 10 Prozent Anteil an allen Meldungen. Die Erreger beider Erkrankungen wur- den gemeinsam mit den Mumps- und Rötelnviren erst im April 2013 meldepflichtig. Anders die Situation bei der durch Zecken über- tragenen Borreliose: Es wurden 1.003 Fälle an das LUA übermittelt, das entspricht etwa nur der Hälfte des Vorjahres. Die Tuberkulosefälle dage- gen haben mit 201 Fällen gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen. Erreger regional und überregional im Blick Die Meldungen stammen von den rheinland-pfäl- zischen Gesundheitsämtern. Sie übermitteln die Daten in anonymisierter Form an das LUA, wo sie geprüft und nach epidemiologischen Kriterien ausgewertet werden, um zum Beispiel überregio- nale Ausbruchsgeschehen zu erkennen. Von einem Ausbruchsgeschehen spricht man, wenn durch ei- nen Erreger in zeitlichem und ursächlichem Zu- sammenhang mehrere Personen erkranken. Grundsätzlich führen die Gesundheitsämter bei Auftreten einer meldepflichtigen Erkrankung wei- tere Untersuchungen in der Umgebung durch. Sie Masern: Wenige Fälle und gute Impfquoten im Land Die Vorstellung ist erschreckend: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 2013 jede Stunde 16 Menschen an Masern gestor- ben – das macht 145.700 im gesamten Jahr; 95 Prozent dieser Menschen starben in Ländern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur. Masern sind keine Kinderkrankheit, wie der anhal- tende Masernausbruch in Berlin seit Ende 2014 deutlich macht: Über 40 Prozent aller bis Ende Juni 2015 gemeldeten Masernfälle aus Berlin sind 20 Jahre und älter. Und das, obwohl die Masern- impfung seit 1973 Bestandteil der Routine-Imp- fungen in Deutschland ist. Zwei Dosen des Impf- stoffes schützen zuverlässig gegen eine Infektion. In Rheinland-Pfalz wurden 2014 acht Maser- nerkrankungen gemeldet. Damit liegt die Er- krankungrate im bundesweiten Vergleich erneut niedrig. Auch vier der elf rheinland-pfälzischen Masern-Erkrankten waren älter als 20 Jahre. Vier Personen mussten wegen der Masern-Erkrankung stationär behandelt werden, wie in den Jahren zu- vor gab es aber keine Todesfälle. Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 3 Erfreulich ist, dass die Erstklässler 2014 in Rhein- land-Pfalz zu 94 Prozent zweimal gegen Masern geimpft wurden. Damit hat Rheinland-Pfalz für diese Altersgruppe das Ziel der Weltgesundheits- organisation einer Impfquote von 95 Prozent bei der zweifachen Impfung für eine Auslöschung der Masern fast erreicht. Netzwerke kämpfen gemeinsam gegen Krankenhaus-Infektionen Gemeinsam stark gegen antibiotikaresistente Kei- me: In Rheinland-Pfalz entstehen immer mehr re- gionale Hygiene-Netzwerke aus Krankenhäusern, Arztpraxen, Alten- und Pflegeheimen, Rettungs- diensten und Laboratorien. Bereits 22 Landkrei- se sind inzwischen in einem solchen Zusammen- schluss vertreten. In Deutschland kommt es nach wie vor aufgrund mangelnder Hygiene zu vermeidbaren Kranken- haus-infektionen. Viele werden durch multiresis- tente Erreger (MRE) ausgelöst, wie beispielswei- se Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) oder zunehmend multiresistente gramne- gative Bakterien (ESBL, MRGN). All diesen multiresistenten Keimen ist gemein, dass sie beim Menschen vorkommen können, ohne zwangsläufig gesundheitliche Probleme her- vorzurufen. Gelangen sie aber bei immunschwa- chen Patienten im Krankenhaus durch mangelnde Händehygiene in eine Wunde, drohen schwer the- rapierbare Infektionen und Todesfälle. Das Problem: Multiresistente Erreger sind gegen- über vielen Antibiotika unempfindlich und müs- sen sehr aufwändig behandelt werden. Laut dem European Center for Disease Control (ECDC) ver- ursachen MRE-Infektionen in Europa etwa 25.000 Todesfälle pro Jahr. Die MRSA-Meldezahlen zeigen in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren eine rückläufige Ten- denz und liegen im bundesweiten Vergleich auf ei- 4 nem eher niedrigen Niveau. Wurden 2010 noch 154 Fälle gemeldet, waren es 2014 nur 91. Anders verhält es sich bei den Infektionen durch VRE-, MRGN- und ESBL-Erreger. Für sie gibt es bisher zwar keine bundesweite Meldepflicht, aus den Surveillance Daten weiß man jedoch, dass bundesweit eine eher steigende Tendenz beob- achtet wird. Diese Entwicklung wird von Fachleu- ten mit Sorge gesehen und unterstreicht einmal mehr die Bedeutung hoher Hygienestandards. Regionale Zusammenschlüsse von stationären und ambulanten Einrichtungen können helfen, solche Infektionen einzudämmen. In Rheinland- Pfalz hat der MRSA-/MRE-Netzwerkgedanke mitt- lerweile deutliche Zustimmung gefunden. Seit dem Jahr 2009 sind neun regionale MRSA-/ MRE- Netzwerke (regionale und auch überregionale Ko- operationen) quer durchs Land gebildet worden. In bislang 22 von 24 Landkreisen mit einem eige- nen Gesundheitsamt ist ein Netzwerk entstanden; in den beiden verbleibenden Landkreisen laufen die Vorbereitungen dazu. Zuletzt hat eine regionale Netzwerk-Etablierung in der Mittelrhein-Westerwald-Region stattge- funden. Im Frühjahr 2015 ist das „MRE-Netzwerk Westerwald-Rhein-Lahn“ entstanden, in welchem der Landkreis Altenkirchen, der Westerwaldkreis und der Landkreis Rhein-Lahn verbunden sind. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) hat dabei die Funktion einer koordinierenden Stelle der Netz- werkarbeit in Rheinland-Pfalz. Bei Fortbildungen, epidemiologischen Untersu- chungen, runden Tischen und Foren entwickeln die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen zur jeweiligen Region passende Strategien zur Be- kämpfung von Krankenhaus-Infektionen. Ein Bau- stein für eine erfolgreiche Netzwerk-Tätigkeit sind mittlerweile auch MRSA-/MRE-Qualitätssiegegel. Qualitätsziele für die Verleihung eines MRE-Qua- litätssiegels haben die Sachverständigen des LUA gemeinsam mit den Gesundheitsämtern bewer- tet. Unter anderem soll das Akut-Krankenhaus ein konsequentes Screening auf multiresistente Erre- ger bei der Neuaufnahme bestimmter Patienten- gruppen durchführen. MRSA-/MRE-Qualitätssie- gel schaffen einen Anreiz, hygienische Standards in Krankenhäusern und anderen Gemeinschafts- einrichtungen einzuhalten und nach außen sicht- bar darzustellen. Bisherige Bilanz für Rheinland-Pfalz: 16 Akut- Krankenhäuser und sechs Alten- und Pflegeheime haben sich bereits erfolgreich dem entsprechen- den Auditierungs- und Zertifizierungsprozess un- terzogen und ein Siegel erhalten. Weitere Informationen im Internet unter http://s.rlp.de/MREnetzwerke. Kranke Tiere und Menschen: Q-Fieber-Ausbruch in der Pfalz Auffällige Häufung von Erkrankungen: Anfang Juli 2014 litten zahlreiche Bewohner im Pfälzischen Lachen-Speyerdorf an einer Lungenentzündung. Ebenfalls auffällig: Alle wohnten in der Nähe von Schafhaltungen. Vom Gesundheitsamt eingelei- tete Untersuchungen brachten Mitte August die Gewissheit, dass einige der Patienten Antikörper gegen den Erreger des Q-Fiebers aufwiesen – ein Hinweis darauf, dass sich ihr Immunsystem mit dem Krankheitserreger auseinandergesetzt hatte. Q-Fieber (Query-Fever) wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht und ist eine Zoonose, d. h. die Krankheit kann von Tieren wie z. B. Rin- dern und Schafen auch auf den Menschen über- tragen werden. Sie ist sowohl beim Tier als auch beim Menschen meldepflichtig. Beim Tier verläuft Q-Fieber häufig ohne klinisch auffällige Erkran- kung, kann aber auch zu Aborten sowie der Ge- burt lebensschwacher Kälber und Lämmer führen. Symptomen, Frühgeburten, Aborten oder Herz- klappenentzündungen möglich. Die Schafhaltungen in der Nähe des Ortes (ein Schafbetrieb mit ca. 1000 Tieren, zwei Hobby- haltungen mit wenigen Tieren und eine Wander- schafhaltung) wurden daraufhin durch das Ve- terinäramt gesperrt, d. h. aus den betroffenen Beständen durften keine Tiere transportiert oder verkauft werden. Bei der anschließenden Unter- suchung von rund 140 Proben konnte das LUA in zwei Beständen einen direkten Erregernachweis führen, in drei Beständen konnten Antikörper ge- gen den Erreger nachgewiesen werden. Von Tieren aus einem betroffenen Schafbestand wurden Frischzellen zur Verabreichung an Men- schen in Kliniken gewonnen. Im Fall von mindes- tens zwei an Q-Fieber erkrankten Patientinnen sieht das auf Bundesebene zuständige Paul-Ehr- lich-Institut eine Übertragung des Erregers durch die Frischzellbehandlung als wahrscheinlich an. In allen Wiederkäuer-Haltungen in dem betroffe- nen Gebiet wurden umfangreiche Hygienemaß- nahmen nach den Empfehlungen des Bundesland- wirtschaftsministeriums (BMEL) angeordnet. So durften die Tiere nicht mehr im Freien, sondern nur noch im Stall ablammen, Nachgeburten und Aborte mussten umgehend beseitigt werden, die Tiere durften frühestens 14 Tage nach der Geburt auf die Weide und nur noch im Stall geschoren werden. Außerdem mussten die Tiere gegen den Erreger geimpft werden. Diese Maßnahmen dienten dazu, die Verbreitung des Erregers zu verhindern und wurden von allen Tierbesitzern bereitwillig durchgeführt. Mit Erfolg: Im restlichen Verlauf des Jahres 2014 wurden aus Lachen Speyerdorf keine Neu-Infektionen mehr gemeldet. Der Erreger wird von infizierten Tieren massen- haft mit Nachgeburten oder Aborten ausgeschie- den und kann auf dem Luftweg übertragen wer- den. Auch bei Menschen verläuft die Infektion in 60 Prozent der Fälle unerkannt, allerdings sind auch schwere Verlaufsformen mit grippeähnlichen 5 Badegewässer und Schwimmbäder: Die Wasserqualität muss stimmen Damit Schwimmen nicht zum Infektionsrisiko wird: Das LUA trägt durch mikrobiologische Un- tersuchungen und Beratung mit dazu bei, die Hy- giene von öffentlichen Schwimmbädern und Ba- degewässern sicherzustellen. Im Jahr 2014 hat das LUA 1.613 Oberflächenwas- serproben untersucht, davon 557 aus den ins- gesamt 69 rheinland-pfälzischen EU-Badege- wässern. Lediglich in fünf Fällen hatten erhöhte Keimgehalte Maßnahmen zur Folge, um Gesund- heitsgefahren für die Badenden auszuschließen. Alle Untersuchungsergebnisse fließen in die Er- stellung von sogenannten Badegewässerprofi- len durch das Landesamt für Umwelt, Wasserwirt- schaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) ein. Hierbei wird das Badegewässer in eine der vier Qualitätskategorien „ausgezeichnet“, „gut“, „aus- reichend“ oder „mangelhaft“ eingestuft. Für das Jahr 2014 konnten fast alle rheinland-pfälzischen EU-Badegewässer als „ausgezeichnet“ eingestuft werden, zwei Gewässer erhielten die Bezeichnung „gut“. Alle Untersuchungsergebnisse können im- mer aktuell auf der Internetseite www.badeseen. rlp.de eingesehen werden. Aus öffentlichen Schwimmbädern wurden im Jahr 2014 im LUA 2.916 Wasserproben untersucht. 6 Bei diesen Untersuchungen wird festgestellt, ob Höchstwerte für bestimmte Bakterien eingehal- ten werden. Eine Überschreitung dieser Höchst- werte liefert einen Hinweis auf Fehler bei der Wasseraufbereitung. Grundlage für die Überwachung der Bäder war - neben dem Infektionsschutzgesetz und techni- schen Regelwerken - eine Empfehlung des Um- weltbundesamtes (UBA), die im Dezember 2013 neu erschienen ist. Das Infektionsschutzgesetz fordert ganz allgemein, dass die menschliche Ge- sundheit durch den Gebrauch des Wassers in öf- fentlichen Bädern nicht geschädigt werden darf. Wie dies umgesetzt werden kann, beschreibt die Empfehlung des UBA „Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung“. Sie definiert die Anforderungen an die Wasserqualität und legt fest, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn die Qualität nicht eingehalten wird. 2014 waren zudem erstmals strengere Höchst- werte für Legionellen im Beckenwasser einzuhal- ten. 868 Beckenwasserproben wurden im LUA im Jahr 2014 auch auf Legionellen untersucht. In 63 Proben wurden sie nachgewiesen. Legionellen können, wenn sie mit feinsten Wassertröpfchen (Aerosolen) in die Lunge gelangen, grippeähnliche Krankheitsbilder oder auch Lungenentzündun- gen verursachen. Bei erhöhten Werten müssen die Schwimmbäder Maßnahmen ergreifen, um die Belastung zu beseitigen. © SolisImages- Fotolia.com Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-Bilanz InfektionsPrävention Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2013 KategorieDiagnose/ Erreger2013 Gastroenteritische Infektionen (Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis3.510 Clostridium difficile45 E. coli-Enteritis (sonstige)260 EHEC-Erkrankung (außer HUS)98 Giardiasis167 HUS6 Kryptosporidiose48 Norovirus-Erkrankung4.191 Rotavirus-Erkrankung1.945 Salmonellose939 Shigellose59 Yersiniose145 Hepatitis A58 Hepatitis B51 Hepatitis C238 Hepatitis D0 Hepatitis E30 Diphtherie0 Haemophilus influenzae22 Meningokokken (invasiv)24 Masern15 Mumps29 Röteln1 Pertussis (Keuchhusten)432 Varizellen248 Influenza3.440 Hepatitiden (Leberentzündungen) STIKO-Infektionen Weitere Infektionen Adenovirus (Konjunktivalabstrich)51 Borreliose1.966 Dengue-Fieber34 FSME7 Hantavirus-Erkrankung1 Legionellose41 Leptospirose3 Listeriose15 MRSA (aus Blut)110 Q-Fieber2 Tuberkulose172 Tularämie2 Infektionsbilanz 2013: Grippewelle fesselte viele ans Bett Viele Grippe-Kranke, neue Meldepflichten und ei- nige altbekannte Erreger: Die Infektionsbilanz für das Jahr 2013 fällt bunt gemischt aus. Während Rheinland-Pfalz von einer ungewöhnlich starken Grippewelle regelrecht überrollt wurde, blieben andere Infektionskrankheiten auf dem Niveau der vorherigen Jahre. Im Jahr 2013 wurden in Rheinland-Pfalz rund 18.000 meldepflichtige Infektionserkrankungen gemeldet. Knapp 60 Prozent davon gehörten – wie fast jedes Jahr – zu den klassischen Magen- Darm-Erregern Noroviren (4191), Campylobacter (3510), Rotaviren (1945) und Salmonellen (939). Die saisonale Influenzawelle im Frühjahr 2013 war mit 3440 Fällen dagegen die stärkste seit Inkraft- treten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001. Die Meldungen machten fast 20 Prozent der gesamten Meldungen für 2013 aus. 20 Pro- zent Prozent der Betroffenen mussten im Kran- kenhaus behandelt werden. Zum Vergleich: Die Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009 hatte im Vergleich zwar mehr Fälle (11.869), davon wurden aber weniger als vier Prozent stationär behandelt. Außerdem wurden 1966 Fälle von Lyme-Borrelio- se – einer durch Zecken übertragenen Infektions- krankheit – auf der Basis einer rheinland-pfälzi- schen Landesverordnung an das LUA übermittelt. Die Zahl entspricht 10 Prozent der Gesamtmel- dungen und einer Steigerung um 15 Prozent ge- genüber dem Vorjahr. Erweitert wurde die IfSG-Meldepflicht im April 2013 auf Mumps, Masern, Röteln und Varizellen, so dass für diese Erkrankungen jetzt bundesweite Vergleichsdaten gesammelt und Ausbrüche bes- ser eingedämmt werden können. Gegen diese Er- krankungen gibt es wirksame Impfungen. Die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz über- mitteln alle meldepflichtigen Erkrankungen in an- onymisierter Form an das LUA. Hier werden die Daten geprüft und nach epidemiologischen Krite- rien ausgewertet, um zum Beispiel überregiona- le Ausbruchsgeschehen zu erkennen. Auf Wunsch der Gesundheitsämter hat das LUA im Jahr 2013 sechs Mal vor Ort Unterstützung geleistet und da- bei unter anderem zur Aufklärung zweier Ausbrü- che von Masern und Salmonellose beigetragen. ESBL-Keime: Wachsende Gefahr im Krankenhaus Sie bereiten dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zunehmend Sorgen: Bakterien, die gegenüber An- tibiotika resistent sind und diese Eigenschaft so- gar an andere Bakterien weitergeben können. Das Tückische: Es handelt sich dabei in erster Li- nie um Bakterien wie Escherichia coli und Kleb- siella pneumoniae, die in unserer ganz natürlichen Darmflora vorkommen. Unter bestimmten Bedin- gungen können diese eigentlich lebensnotwendi- gen Enterobakterien aber krank machen. Sie müs- sen dann mit Antibiotika bekämpft werden. Im medizinischen Alltag werden hierzu häufig so- genannte ß-Lactam-Antibiotika eingesetzt. Diese Antibiotika wirken gezielt gegen die Bakterienzell- wand und haben daher nur wenige Nebenwirkun- gen beim Menschen. Das Problem: In den letzten Jahren bilden Enterobakterien zunehmend spe- zifische Enzyme (Extended-Spectrum-Beta-Lak- tamasen bzw. ß-Laktamasen mit erweitertem Spektrum), die in der Lage sind, die nebenwir- kungsarmen ß-Lactam-Antibiotika unwirksam zu machen. Dabei werden nicht nur Penicilline und Cephalosporine inaktiviert, sondern auch so ge- nannte Reserve-Antibiotika wie Carbapeneme. Da die Enterobakterien zudem in der Lage sind, ihre Resistenzfaktoren auch an andere Bakteri- en weiterzugeben, stehen für die Therapie von schweren Infektionen dann im schlimmsten Fall nur noch wenige – in der Regel nicht gut verträgli- che – Antibiotika zur Verfügung. 5 von 100 Personen haben in ihrer Darmflora ES- BL-Varianten von Enterobakterien wie E. Coli und Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition. 2 3 Infektionen im Krankenhaus: Immer mehr Hygiene-Netzwerke Kampf gegen antibiotikaresistente Keime: In Rheinland-Pfalz entstehen immer mehr regiona- le Netzwerke aus Krankenhäusern, Arztpraxen, Al- ten- und Pflegeheimen, Rettungsdiensten und La- boratorien. Sie alle haben das gemeinsame Ziel, die Zahl der Infektionen durch sogenannte multi- resistente Erreger (MRE) zu verringern. Herausforderung für medizinische Einrichtungen: So genannte ESBL-Keime sind nicht nur gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent, sondern können diese Eigenschaft auch auf andere Keime übertragen. Klebsiellen. Das Vorhandensein dieser Bakterien- varianten macht die Menschen nicht zwingend krank; wenn sie aber an bestimmte Stellen im Körper gelangen (z.B. durch eine Katheterisierung der Harnblase im Krankenhaus), kann eine Infek- tion entstehen, die nur sehr schwierig durch Anti- biotika zu bekämpfen ist. Gerade in den Krankenhäusern nimmt der Anteil der multiresistenten (ESBL)-Stämme von E. Coli zu. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg er im stationären Bereich von 7 Prozent im Jahr 2008 auf 9,8 Prozent im Jahr 2011, auf In- tensivstationen wurde sogar ein Anstieg von 10,8 Prozent auf 14 Prozent ermittelt, im ambulanten Bereich von 3,0 Prozent auf 4,9 Prozent. Der An- teil der multiresistenten (ESBL)-Stämme bei Kleb- siella pneumoniae liegt noch höher. Im LUA werden in der Regel keine Proben von akut erkrankten Personen untersucht, sondern die Untersuchungen erfolgen gezielt auf Veranlas- sung der Gesundheitsämter im Rahmen der Über- wachung von Krankenhäusern und Altenheimen. Daher ist mit anderen, tendenziell höheren Nach- weisraten an multiresistenten Bakterien zu rech- nen. Die Zahlen belegen dies: Im Jahr 2013 hat das LUA 234 Proben auf ESBL untersucht, in 106 davon wurden multiresistente (ESBL)-Bakteri- 4 enstämmen nachgewiesen. Das entspricht einem Anteil von rund 45 Prozent. Um multiresistente Erreger in Krankenhäusern und Pflegeheimen wirkungsvoll zu bekämpfen, müssen die von der Kommission für Kranken- haushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) empfohlenen Hygienemaßnahmen wie Hände- desinfektion und das Tragen von Kitteln bei ent- sprechenden Tätigkeiten eingehalten werden. Pro Jahr kommt es in Deutschland schätzungswei- se zu rund 600.000 Krankenhausinfektionen. Ein Drittel davon wäre bei konsequenter Hygiene ver- meidbar. Viele dieser vermeidbaren Infektionen sind durch multiresistente Erreger (MRE) bedingt, wie beispielsweise Methicillin-resistente Staphy- lococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resisten- te Enterokokken (VRE) oder zunehmend multi- resistente gramnegative Bakterien (MRGN), die gegenüber vielen Antibiotika unempfindlich sind und sehr aufwändig behandelt werden müssen. Verbreitung von ESBL-Bakterien verhindernAll diesen Keimen gemein ist, dass sie beim Menschen vorkommen können, ohne zwangs- läufig gesundheitliche Probleme hervorzuru- fen. Gelangen sie aber beispielsweise bei ei- nem Patienten im Krankenhaus durch mangelnde Händehygiene in eine Wunde, drohen Infektionen, die nur sehr schwer zu therapieren sind. Es gibt zurzeit keine Therapie, um eine Besiede- lung mit multiresistenten (ESBL)-Bakterienstäm- men zu bekämpfen. Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne dazu beiträgt resistente Bakteri- enstämme einzudämmen. So sollten Antibiotika nur nach Vorschrift eingenommen werden – also genauso lange und so hoch dosiert, wie der Arzt diese verordnet hat. Eine zu geringe Dosis oder eine zu kurze Zeit der Einnahme können die Ursa- che für eine neue Resistenzentwicklung sein.Das Problem der multiresistenten Erre- ger im Gesundheitswesen besteht sowohl grenz- als auch institutionenübergreifend, z. B. beim Krankentransport von einem Al- tenpflegeheim in ein Akut-Krankenhaus. Es kann daher nur im regionalen Zusam- menwirken von stationären und ambulanten Einrichtungen gelöst werden. In Rheinland-Pfalz sind dafür mittlerweile acht regionale MRSA- und MRE-Netzwerke gebildet worden. Multiresistente ESBL-Bakterienstämme werden übrigens nicht nur über die Hände, sondern auch über Lebensmittel verbreitet. In Privathaushalten kann sorgfältige Küchen- und Händehygiene hel- fen, ESBL auch dort in Schach zu halten.Die Idee: Bei Fortbildungen, epidemiologi- schen Untersuchungen, runden Tischen und Fo- ren entwickeln die verschiedenen Akteure im Ge- sundheitswesen zur jeweiligen Region passende Strategien zur Bekämpfung von Krankenhaus-In- fektionen. Das Landesuntersuchungsamt (LUA) hat für die rheinland-pfälzischen Netzwerke die Funktion einer koordinierenden Stelle. Ein Baustein für eine erfolgreiche Netzwerk-Tä- tigkeit sind mittlerweile „MRSA-/MRE-Qualitäts- siegel“. Qualitätsziele für die Verleihung eines MRE-Qualitätssiegels haben die Sachverständi- gen des LUA gemeinsam mit den Gesundheitsäm- tern 2013 bei einer Fachtagung bewertet. Unter anderem soll das Akut-Krankenhaus ein konse- quentes Screening auf multiresistente Erreger bei der Neuaufnahme bestimmter Patientengrup- pen durchführen. „MRSA-/MRE-Qualitätssiegel“ schaffen einen Anreiz, hygienische Standards in Krankenhäusern und an- deren Gemeinschaft- seinrichtungen einzuhal- ten. Bisherige Bilanz für Rheinland-Pfalz: 16 Akut- Krankenhäuser haben sich bereits dem entspre- chenden Auditierungs- und Zertifizierungsprozess unterzogen. Vorteil für die Patienten: Das Siegel macht die hygienischen Anstrengungen der Klinik für jedermann transparent. ■■ Weitere Informationen unter: http://s.rlp.de/MREnetzwerke 5 Legionellen: Untersuchung von Trinkwasser ist Pflicht Mehr Proben: Die Änderungen der Trinkwasser- verordnung (TrinkwV) in den vergangenen Jah- ren haben sich im LUA deutlich niedergeschlagen. Deutschlandweit sind inzwischen regelmäßige Untersuchungen von Trinkwasser auf Legionellen gesetzlich verpflichtend, wenn es sich zum Bei- spiel um sogenannten „Großanlagen zur Trink- wassererwärmung“ in Mietshäusern handelt. Grund: Legionellen können – wenn sie über feins- te Wassertröpfchen eingeatmet werden – schwere Lungenentzündungen hervorrufen. Die Bakterien sind natürliche Bewohner des Grundwassers. Sie gelangen über die Wasserver- sorgung in die Hausinstallation und können sich vor allem in den Wasserleitungen von Kranken- häusern, Pflegeheimen, Hotels, Schwimmbädern oder Sportstätten vermehren. Gute Vorausset- zungen finden Legionellen in Wassersystemen, die mit Wassertemperaturen von 25 - 50 Grad betrieben werden. Solche Temperaturen können zum Beispiel auftreten in schlecht durchströmten Warmwasserleitungen, schlecht isolierten Kalt- und Warmwasserleitungen, Warmwasserboilern, Druckausgleichbehältern oder den Rückkühlwer- ken von Klimaanlagen. Menschen infizieren sich in der Regel durch das Einatmen einer Mischung von Luft und feinsten Wassertröpfchen (sogenannte Aerosole) z. B. beim Duschen. dürfen, die von den Landesbehörden zugelasse- nen wurden. Für die Zulassung müssen die Labo- re bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. So müssen beispielsweise die Trinkwasserprobe- nehmer regelmäßig geschult und als akkreditier- te Probennehmer in das QM-System des Labors eingebunden werden. In den Jahren 2011 bis 2013 veranstaltete das LUA 16 Schulungen, dabei wur- den etwa 400 Probenehmer geschult, geprüft und auditiert. Damit soll sichergestellt werden, dass die Proben unter nachvollziehbaren Bedingungen entnommen werden und zu aussagefähigen Un- tersuchungen führen. 44 Mal beste Aussichten: LUA bildet PTA und MTA aus Gut vorbereitet für die Apotheke und das Labor: Die Gesundheitsfachschulen des LUA bilden re- gelmäßig junge Menschen zu Pharmazeutisch- technischen (PTA) und Medizinisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (MTA) aus – und zwar ohne dafür eine Schulgebühr zu erheben. Im Jahr 2013 machten in den beiden Schulzweigen in Trier insgesamt 44 Frauen und Männer erfolgreich einen der beiden Berufsabschlüsse. Am 31. Dezember 2013 endete die Frist für die ersten Pflicht-Untersuchungen – und eine wah- re Probenflut ging im LUA ein. In den letzten bei- den Monaten des Jahres waren die Trinkwasserla- bore deshalb stark ausgelastet. Überhaupt haben die Untersuchungen von Trinkwasser auf Legionel- len im LUA in den vergangenen Jahren stark zuge- nommen. Waren es im Jahr 2011 noch 3393 Pro- ben, standen Ende 2013 bereits 5795 untersuchte Proben zu Buche – eine Zunahme von 70 Prozent. Gleichzeitig wird durch die Trinkwasserverord- nung vorgegeben, dass diese Untersuchungen nur in Trinkwasserlaboren durchgeführt werden 6 Gut vorbereitet für die Apotheke: 27 junge Menschen (hier mit ihren Lehrern) machten den PTA-Abschluss. Von der Schule ins Labor: 17 Absolventen freuten sich in Trier über ihre erfolgreiche MTA-Ausbildung. Die Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sowohl PTA als auch MTA werden gesucht. Bei der Zeugnis- übergabe hatten die meisten Schülerinnen und Schüler bereits eine Stelle in Aussicht. Die PTA-Ausbildung aus zwei Jahren Schule und einem halbem Jahr Apothekenpraktikum haben 27 Frauen und Männer geschafft. Pharmazeutisch- technische Assistentinnen und Assistenten ar- beiten vor allem in Apotheken, wo sie Arzneimit- tel herstellen und Kunden über deren Anwendung beraten. Berufliche Möglichkeiten gibt es für sie auch in der pharmazeutischen Industrie oder dem pharmazeutischen Großhandel. Durchgebissen haben sich auch die 17 jungen Menschen, die ihre MTA-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. MTA lernen in drei Jahren Theorie und Praxis unter anderem, wie mensch- liche Körperflüssigkeiten oder Körpergewebe zu- sammengesetzt sind und wie man sie für die medizinische Diagnostik oder die Therapieüberwa- chung untersucht. Staatlich geprüfte MTA werden sowohl in Diagnostiklabors von Kliniken oder Pra- xen gebraucht als auch in der Pathologie, der For- schung oder staatlichen Untersuchungsämtern. 7 Herausgeber: Landesuntersuchungsamt Mainzer Straße 112 56068 Koblenz poststelle@lua.rlp.de www.lua.rlp.de Bildnachweis: Landesuntersuchungsamt: S. 1, S. 5 - 7 Fotolia: © fivepointsix, S. 4
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 13 |
| Land | 5 |
| Weitere | 6 |
| Wirtschaft | 1 |
| Wissenschaft | 4 |
| Zivilgesellschaft | 1 |
| Type | Count |
|---|---|
| Förderprogramm | 7 |
| Text | 11 |
| unbekannt | 5 |
| License | Count |
|---|---|
| Geschlossen | 14 |
| Offen | 9 |
| Language | Count |
|---|---|
| Deutsch | 22 |
| Englisch | 4 |
| Resource type | Count |
|---|---|
| Dokument | 10 |
| Keine | 8 |
| Webseite | 11 |
| Topic | Count |
|---|---|
| Boden | 17 |
| Lebewesen und Lebensräume | 23 |
| Luft | 16 |
| Mensch und Umwelt | 23 |
| Wasser | 20 |
| Weitere | 19 |