Klimawandel hat Einfluss auf die Sicherheit technischer Anlagen Natürliche Gefahrenquellen, wie Starkniederschläge, Überflutungen, Winterstürme oder Blitze, können Störfälle verursachen. Der Klimawandel kann Intensität, Häufigkeit und örtliche Verteilung derartiger Gefahrenquellen verändern. Betreiber von Anlagen, in denen große Mengen gefährlicher Stoffe vorhanden sind, und zuständige Behörden müssen deshalb ihr Risikomanagement anpassen. Naturgefahren wie Niederschläge, Stürme oder Gewitter können bei Einwirkung auf technische Anlagen erhebliche Schäden verursachen. Enthält die Anlage zudem gefährliche Stoffe, so ist nicht nur der direkte Schaden an der Anlage relevant, sondern eventuell auch die ausgelöste Freisetzung dieser Stoffe, ihr in Brand geraten oder gar ihre Explosion. Derartige Störfälle werden international als Natechs (Natural Hazard Triggered Technical Accidents) bezeichnet und bedürfen eines speziellen Natech-Risikomanagements. Der Bericht „Klimawandel und Anlagensicherheit: Empfehlungen aus dem UN / OECD -Natech- Projekt“ stellt zusammen, welche Arten von natürlichen Gefahrenquellen in Deutschland besonders für dieses Risikomanagement relevant sind und welche Wirkungen des Klimawandels auf diese Gefahrenquellen erwartet werden. So wird beispielsweise erwartet, dass aufgrund des Klimawandels Gewitter häufiger und intensiver auftreten werden. Dies kann häufiger zu schweren Überflutungen führen. Längere und intensivere Hochtemperaturperioden aufgrund des Klimawandels können die Temperatur von im Freien stehenden Anlagenteilen und darin befindlichen Stoffen erhöhen, was unerwünschte chemische Reaktionen auslösen kann. Aus dieser Zusammenstellung wurden unter anderen die folgenden Empfehlungen für Betreiber, Behörden und sonstige Entscheidungsträger zum Natech-Risikomanagement abgeleitet. Anlagenbetreiber sollen insbesondere natürliche Gefahrenquellen, die sich durch den Klimawandel verändern, bei der Störfallvorsorge berücksichtigen. Sie sollen Anpassungsstrategien an den Klimawandel entwickeln, weitergehende Sicherheitsmaßnahmen treffen und diese bei fortgeschrittenem Kenntnisstand aktualisieren. Behörden sollen die von ihnen erstellten Karten über Naturgefahren an die betroffenen Kommunen und Anlagenbetreiber aktiv über zentrale Portale im Internet kommunizieren. Staaten und Betreiber , die durch eine Naturgefahr getroffen werden können, sollen bei Natech-Risikomanagement grenzüberschreitend und international zusammenarbeiten und Beispiele Guter Praxis im Natech-Risikomanagement untereinander austauschen. Entsprechend wurde im Projekt ein Verzeichnis mit internationalen guten Beispielen im Natech-Risikomanagement zusammengetragen. Die verschiedenen Akteure aus Politik und Wirtschaft finden hier Anregungen, um ihre eigenen Aktivitäten zum Natech-Risikomanagement weiter zu entwickeln. Die Übersicht reicht von Frühwarnsystemen vor Naturgefahren (wie Tsunami-, Hochwasser- oder Sturmwarnsystemen) über Verfahren zur Analyse von Naturgefahren und Natech-Risiken bis zu Beispielen der grenzüberschreitenden oder internationalen Kooperation. Die Beispiele beschreiben jeweils den internationalen Stand der Technik im Natech-Risikomanagement. Das Verzeichnis umfasst 42 Datenblätter mit Beispielen zu 12 Teilaspekten des Natech-Risikomanagements. Das diesen Projektergebnissen zu Grunde liegende, im Auftrag des UBA durch adelphi gGmbH durchgeführte Forschungsvorhaben, ist ein Teilprojekt im Rahmen der Aktivitäten von UN, OECD und EU zum Natech-Risikomanagement seit 2009 . Weitere Ergebnisse des OECD-Natech Projekts sind unter dem Titel: „Natech Risk Management: 2017-2020 Project Results“ als Nr. 32 im Rahmen der Series on Chemical Accidents der OECD erschienen.
Geehrte Leserinnen und Leser, das Team von KomPass wünscht Ihnen mit diesem ersten Newsletter in 2015 nachträglich noch ein gutes neues Jahr. Über die Jahreswende ist wieder viel im Bereich Anpassung an den Klimawandel passiert: neue Projekte und Vorhaben sind gestartet und spannende Veröffentlichungen sind entstanden. Einen Teil davon präsentieren wir Ihnen in diesem Newsletter. Er enthält wie gewohnt umfangreiche und aktuelle Mitteilungen aus den Bereichen Klimawandel, Klimafolgen und Anpassung an Klimaänderungen. In der Regel werden Originaltexte im – ggf. übersetzten und gekürzten – Wortlaut abgedruckt. Das Umweltbundesamt möchte mit diesem Dienst das Wissen zu Klimafolgen und Anpassung in Deutschland verbreiten. Eine interessante Lektüre wünscht das KomPass-Team im Umweltbundesamt. INHALT 1_ KomPass - In eigener Sache 1.01_ Sektorenübergreifende Analyse des Netzwerks Vulnerabilität 1.02_ Ausschreibung UFOPLAN-Vorhaben „Beitrag der Satellitenfernerkundung zur Ermittlung von DAS-Indikatoren“ 2_ Anpassungspolitik - Neues aus Bund und Ländern 2.01_ Bremen: Klimaschutz- und Energiegesetz beschlossen 2.02_ Baden-Württemberg: auf der Zielgeraden zur Anpassungsstrategie 3_ Aus Forschung und Praxis REGIONAL 3.01_ Projekt zu Klimaanpassung und Energiewende in Niedersachsen 3.02_ Baden-Württemberg: Förderprogramm KLIMOPASS 2015 gestartet 3.03_ Projektstart „Klimaanpassungskonzept“ der Stadt Emmerich NATIONAL 3.04_ Untersuchung regionaler Klimaveränderungen in Deutschland 3.05_ Klimaanpassungs-Studie: Sturmhochwasser und Starkwinde fordern deutsche Ostseehäfen heraus 3.06_ Kommunen stärken, das Klima schützen 3.07_ Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz 2015“ 3.08_ Start des Climate-KIC Projekts DESMA GLOBAL 3.09_ Österreich: Studie zu Kosten des Klimawandels 3.10_ Erfolgreicher Abschluss des Interreg-KliKER-Projektes 3.11_ Schweiz: Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel 3.12_ EU: Neue Finanzierungsinstrumente für Klimaschutz und Biodiversität 3.13_ Dritter Klimareport Weltbank und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung 3.14_ Studie bewertet Fortschritt bei lokalen Anpassungs-prozessen 3.15_ Online-Kurs zu Umweltkatastrophen und Klimawandel 4_ Veröffentlichungen DEUTSCHSPRACHIGE 4.01_ Forschungsfeld Naturgefahren 4.02_ Bildungsmaterial: Online-Spiel zum Thema Wassermanagement im Klimawandel ENGLISCHSPRACHIGE 4.03_ Brandenburg: Durch Klimawandel veränderte Zeitfenster für Getreideernte 4.04_ Bildung als Schlüssel für erweiterte Klimaanpassung 4.05_ Barrieren der Anpassung an den Klimawandel erklären und überwinden 4.06_ EEA Report: Anpassung des Transportwesens an den Klimawandel 5_ Veranstaltungen/Termine Hier geht es zum KomPass-Newsletter
Das Projekt "Analyse der Ursachen / Prozesswirkungsketten der rezenten Zunahme von Bodenerosionserscheinungen in Einheiten der hochmontanen bis alpinen Stufe an ausgewählten Testgebieten in Westösterreich" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, Institut für Naturgefahren und Waldgrenzregionen, Abteilung für Gebietswasserhaushalt durchgeführt. Erforschung des Faktorenkomplexes der Ursachen rezenter Zunahmen der Bodenerosion auf waldfreien Standorten in alpinen Einzugsgebieten der hochmontanen bis alpinen Stufe in Westösterreich. Verbesserung des Prozessverständnisses und Abschätzung möglicher zukünftiger Szenarien der Erosionsentwicklung unter dem Aspekt sich ändernder Klimabedingungen (z.B. Häufung meteorologischer Extreme, geänderte Ausaperungsbedingungen, Häufung von Bodenlawinen etc.). - Ableitung von Methoden zur Früherkennung und Prognose der Erosionsentwicklung. Die Früherkennung von instabilen Hangbereichen ist ein zentrales Thema in der Gefahrenprävention. - Abklärung der Bedeutung dieser rezenten Bodenerosion für die Geschiebeentwicklung in Wildbacheinzugsgebieten. Unter welchen Bedingungen ist mit einer erhöhten Geschiebebereitstellung zu rechen? - Schaffung einer Basis für die Ableitung / Anpassung / Entwicklung von einfachen, kostengünstigen und trotzdem dauerhaften Sanierungsverfahren in der Praxis (für WLV, Zivilingenieure, das Feld der Ingenieurbiologie, etc.), z.B. unter Weiterentwicklung des Ansatzes von Florineth, Mittendrein und Stern aus dem Jahr 2002 oder Adaptierung des für die Stabilisierung extrem skelettreicher und verarmter Standorte entwickelten Ansatzes von Schaffer et al. (2006).
Das Projekt "Teilvorhaben: Wissenstransfer für Integriertes Katastrophenrisikomanagement und Steigerung der Resilienz (Transfer of Knowledge - ToK)" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e.V. durchgeführt. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für ein skalierbares, integriertes multi-Gefahren Katastrophenrisikomanagement. Die Skalierbarkeit erlaubt die Berücksichtigung lokaler bis nationaler Risiken, der integrierte Ansatz die Einbindung aller relevanten Akteure und Ressourcen. Das Deutsche Komitee für Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV) ist in insgesamt acht AP des Gesamtvorhabens INCREASE (vgl. GVB) aktiv und setzt Schwerpunkte insbesondere im Bereich des Wissens- und Erfahrungsaustausches, der Bewertung von Naturgefahrenprozesse, der Entwicklung integrativer Resilienzkonzepte sowie der Dissemination von Ergebnissen. Die zentralen Ziele und Aktivitäten des DKKV-Teilvorhabens umfassen: (1) Die Schaffung einer gemeinsamen Wissensgrundlage und der Austausch zu zentralen Themen durch die Veranstaltung von gemeinsamen Workshops (2) Die Kartierung relevanter Akteure im deutschen Katastrophenrisikomanagementsystem und ihrer Verantwortlichkeiten (3) Die Analyse und Bewertung bestehender Ansätze für Monitoring, Vorhersage und Frühwarnung von Naturgefahren, insbesondere gravitative Massenbewegungen (4) Die Entwicklung integrativer Indikatoren zur Berichterstattung im Hinblick auf das SFDRR (5) Der fortlaufende Austausch innerhalb des Gesamtverbundes und in nationalen und internationalen Netzwerken des DKKV.
Das Projekt "Teilvorhaben: Geovisuelle Analyse, Bewertung und Beobachtung von Georisiken und ihren Erdoberflächenformen" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Universität Würzburg, Institut für Geographie und Geologie durchgeführt. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für ein skalierbares, integriertes multi-Gefahren Katastrophenrisikomanagement. Die Skalierbarkeit erlaubt die Berücksichtigung lokaler bis nationaler Risiken, der integrierte Ansatz die Einbindung aller relevanten Akteure und Ressourcen. Das Ziel des Teilvorhabens der Universität Würzburg ist es, den aktuellen Stand der Wissenschaft für Gefährdungsanalysen zu bewerten und anzuwenden. Die Modellierungen sollen qualitativ hochwertig an die Anforderungen des INCREASE Integrierten Katastrophenrisikomanagement Konzeptes (IDRM Konzeptes) ausgerichtet und ggf. weiterentwickelt werden. Die einzelnen Arbeitsschritte, welche zur Erreichung der Projektziele notwendig sind, umfassen die Identifikation von Naturgefahren (hier insbesondere von Hangrutschungen), Datenintegration, Gefährdungsanalyse sowie Szenarienentwicklung. Das Ziel der Integration von neuen gewonnenen Resultaten in das INCREASE IDRM Konzept bildet einen weiteren essentiellen Arbeitsschritt. Generell weisen die iranischen Arbeitsgebiete ein enormes Naturgefahrenpotential auf und damit verbunden, verursacht die Urbanisierungsdynamik eine hohe Vulnerabilität und ein erhöhtes Risiko in der Gegenwart sowie für die Zukunft. Der Beitrag des Teilvorhabens konzentriert sich insbesondere auf eine Reduzierung der Risiken, welche von Naturgefahren und Katastrophen ausgehen. Konkret bedeutet dies für die Projektaufgaben, dass die Methoden der Naturgefahrenanalyse und -bewertung so angepasst und entwickelt werden sollen, dass eine optimale Ausrichtung an den INCREASE-Zielsetzungen sowie an die Erfordernisse der Untersuchungsgebiete sichergestellt wird.
Das Projekt "Vorhaben: Kritische Infrastruktur und Integration Hangbewegungen" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Technische Universität München, Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt, Fachgebiet Risikoanalyse und Zuverlässigkeit durchgeführt. Das übergeordnete Ziel von RIESGOS 2.0 ist es, eine verbesserte Entscheidungsfindung zur Stärkung der Resilienz in der Gesellschaft und Verbesserung der Katastrophenvorsorge bei multiplen Gefahren zu ermöglichen. Als zentrales Werkzeug wird hierfür ein skalierbares Informationssystem mit einem erweiterten Demonstrator für die Multi-Risikobewertung entwickelt. Schwerpunkt sind dabei Multi-Risiko Situationen und die damit verbundenen kaskadierenden Effekte in ausgewählten Pilotregionen in drei Ländern der Andenregion: Chile, Ecuador und Peru. Die Engineering Risk Analysis (ERA) Group der TUM ist dabei verantwortlich für die Modellierung, Analyse und Bewertung der Auswirkungen von Naturgefahren auf die Infrastruktur und die Gesellschaft. Dabei steht insbesondere die Modellierung der Resilienz bei Naturkatastrophenereignissen im Zentrum, und die Frage, wie diese Effekte auf konsistente und zielführende Weise innerhalb eines praktisch umsetzbaren Verfahrens berücksichtigt werden können. Die Forschungsarbeiten der Landslide Research Group (LRG) der TUM konzentrieren sich auf die Antizipation und Modellierung von Massenbewegungen in Form von Laharen am Vulkan Cotopaxi (Ecuador). In RIESGOS 2.0 steht vor allem die Erfassung und Quantifizierung von Unsicherheiten im Vordergrund, die sich aus dem Zusammenspiel von Kalibrierungs-, Modell- und Auslösungs-/Event-Unsicherheiten ergeben.
Das Projekt "Tsunami Intensitätskarten" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Bundesamt für Umwelt durchgeführt. Tsunamis kommen nicht nur im Meer vor, sondern in seltenen Fällen auch in Schweizer Seen. Hier entstehen Tsunamis vor allem durch Bergstürze und Über- oder Unterwasserrutschungen, die oft, aber nicht zwingend durch ein Erdbeben ausgelöst werden. Hinweise auf historische und prähistorische Bergstürze und Rutschungen, die Flutwellen ausgelöst haben, wurden in den Sedimenten zahlreicher Schweizer Seen gefunden. Dabei handelt es sich um chaotisch durchmischte Ablagerungen, die sich von normalen Sedimenten unterscheiden. Dank der Möglichkeit, ihr Alter zu bestimmen, können sie im Nachhinein einem Ereignis zugeordnet werden. Bekannt sind mehrere solche Ereignisse (z.B. 563 n. Chr. am Genfersee (Welle 13 m in Genf) oder 1601 am Vierwaldstättersee (Welle 4 m in Luzern)). Das Forschungsprojekt sieht in einem multidisziplinären Ansatz (Limnogeologie, Seismologie, Geotechnik, Hydraulik Naturgefahren) vor, die Entwicklungsmechanismen und die Fortpflanzung von Tsunamiwellen auf Schweizer Seen zu erforschen. Einerseits sollen die erwarteten Wahrscheinlichkeiten für Tsunamis auf den Schweizer Seen abgeschätzt werden. Andererseits sollen die Wellenmodellierungen auf den Seen über das Ufer hinaus in das angrenzende Umland ergänzt werden. Das erwartete Ausmass der Überflutungen soll dabei in Intensitätskarten dargestellt werden, analog zu den Überflutungs-Intensitätskarten durch klassische Hochwasser. Diese Intensitätskarten sollen anschliessend den Kantonen zur Verfügung gestellt werden. Projektziele: Abschätzung der Wahrscheinlichkeit von Tsunamis und Erstellung von Tsunami-Überflutungs-Intensitätskarten für den Uferbereich von Schweizer Seen. Durch die Analyse von Seesedimenten können die früheren Tsunamis datiert und deren Frequenz und Wahrscheinlichkeit abgeschätzt werden. Für die Erarbeitung der Intensitätskarten werden Modellierung der Wellenentwicklung und -fortpflanzung auf dem See und der Überflutungsprozesse an Land durchgeführt. Die Kartierung der Intensitäten erfolgt aus den Modellresultaten nach bestehender Methodik analog zur Kartierung klassischer Hochwasser.
Das Projekt "Leitantrag; Vorhaben: Naturgefahren, Multi-Risiko Analyse, Informationssystem und Projektkoordination" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. - Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum durchgeführt. Die Gefährdung der Gesellschaft durch Naturkatastrophen betroffen zu werden, zeigt in den letzten Jahrzehnten weltweit einen zunehmenden Trend. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist ein effizientes Risikomanagement erforderlich, für das verlässliche Informationen unerlässlich sind. Die meisten bestehende Gefahren- und Risikoinformationssysteme adressieren in der Regel nur einzelne Komponenten einer komplexen Risikobewertungskette. Komplexe Wechselwirkungen (z. B. kaskadierende Effekte) werden oft nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie zugrundeliegende Quellen von Unsicherheiten. Dies kann zu suboptimalen Risikobewertungsstrategien führen, die effiziente Präventions- und Minderungsmaßnahmen behindern und letztlich die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften verringern. RIESGOS (Multi-Risiko Analyse und Informationssystemkomponenten für die Andenregion) hat zum Ziel, Informationsgrundlagen für das Management von Naturkatastrophen zu verbessern und Strategien zur Vermeidung oder Minderung von Risiken zu entwickeln. RIESGOS befasst sich mit wissenschaftlichen Methoden zur Bewertung verschiedener Naturgefahren (Erdbeben, Hangbewegung, Vulkane, Hochwasser, Tsunamis) und der damit verbundenen Risiken, einschließlich der Themen der dynamischen Exposition und Vulnerabilität bis hin zur Modellierung von Kaskadeneffekten. Für die Integration der Ergebnisse wird ein flexibler und skalierbarer Multi-Risiko-Informationssystem-Demonstrator entwickelt. Anhand von Webdiensten sollen Entscheidungsträger in Chile, Peru und Ecuador künftig Gefahrenanalysen erstellen und Szenarien mit komplexen Risikoverkettungen simulieren können. Unterstützt wird der Prozess von Instrumenten zur informations- und dialogbasierten Risikokommunikation. Eine effektive Umsetzung der Methodik soll durch die Entwicklung von Leitlinien für eine mögliche Integration in Landnutzungs- und Notfallpläne erreicht werden. Zudem werden Analysen zum Anwendungspotential einzelner Systemkomponenten im Projekt erarbeitet sowie wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten der Ergebnisse analysiert. RIESGOS wird sich an den Bedürfnissen der potentiellen Nutzer sowie an der Praxistauglichkeit orientieren. Dies wird durch eine umfassende Bedarfsanalyse der Nutzeranforderungen und Feedbackmechanismen im Laufe der Produktentwicklung sowie durch die Entwicklung von entsprechenden Kommunikationsstrategien sichergestellt. Im Teilprojekt ist Gesamtkoordination des RIESGOS Verbundes verankert. Inhaltliche und methodische Schwerpunkte des Vorhabens umfassen die Weiterentwicklung von fernerkundungsbasierten Georisiko-Informationsprodukten, die geowissenschaftliche Analyse von Expositionsmodellen zur Multi-Risikobewertung sowie technische Entwicklungsarbeiten am szenarienbasierten Systemdemonstrator. Das DLR beteiligt sich zudem an der Nutzereinbindung und Wissenstransfer inklusive der Demonstration der Ergebnisse gegenüber ausgewählten Stakeholdern.
Das Projekt "Vorhaben: Naturgefahren, Risikomanagement und Wissenstransfer" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum durchgeführt. Die zentralen Ziele von RIESGOS umfassen innovative Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Risikoanalyse für die verschiedenen Naturgefahren 'Erdbeben', 'Hangbewegungen', 'Vulkane', 'Hochwasser' und 'Tsunamis' sowie damit verbundenen Kaskadeneffekten und die Integration der Ergebnisse in ein modulares, prototypisches Multi-Risiko-Informationssystem. Hierzu sollen neue Ansätze, Methoden und Verfahren entwickelt werden, um die angesprochenen Naturgefahren im Rahmen verbesserter raumzeitlicher Analysen quantifizieren zu können. Zusätzlich sollen auf Basis neuer Datengrundlagen und innovativer Verfahren exponierte Elemente der bebauten Umwelt detektiert, charakterisiert und in Bezug zu den verschiedenen Naturgefahren bewertet werden. Es ist beabsichtigt, die Ergebnisse in einem multiskaligen Expositionsmodell für die Untersuchungsregionen zusammenzuführen und zu harmonisieren, um synergetische Analysen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass exponierte Elemente häufig hochdynamischen Veränderungsprozessen unterworfen sind (z.B. durch starke Urbanisierung). Mit Blick auf eine nachhaltige Nutzung des Gesamtsystems sollen daher datenbezogene und methodische Bausteine entwickelt werden, um eine regelmäßige Aktualisierung und Erweiterung der zugrunde gelegten Information zu ermöglichen. Die Einzelelemente des multi-skaligen Informationssystems sollen mit naturgefahrenspezifischen Vulnerabilitätsbewertungen (Schadensfunktionen) versehen werden. Hierbei sollen existierende Modelle adaptiert und auf die neue, erweiterte Datengrundlage angepasst werden, um eine hinreichende Quantifizierung der Vulnerabilität von Siedlungsräumen hinsichtlich physischer, sozialer und umweltbezogener Aspekte zu ermöglichen. Darüber hinaus wird ein neues Set an Methoden entworfen und implementiert, dass die reziproke Wirkung von Naturgefahren abbilden kann und somit die modellbasierte Quantifizierung von kaskadierenden Effekten erlaubt.
Das Projekt "Vorhaben: Risikokommunikation und Politikempfehlungen" wird vom Umweltbundesamt gefördert und von DIALOGIK gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH durchgeführt. Ziel des Teilprojekts ist die Entwicklung innovativer Konzepte der Risikokommunikation und Politikberatung als Beitrag zu den im Projekt 'RIESGOS' entwickelten Multi-Risikoanalysen und Informationssystemen. Komplexe Multi-Risiko-Situationen, wie sie auftreten können, wenn verschiedene Naturgefahren (Erdbeben, Handrutschungen, Vulkane, Hochwasser, Tsunamis) hintereinander oder gleichzeitig zusammentreffen, stellen besondere Anforderungen an die Risikogovernance und Risikoregulierung. Daraus leitet sich insbesondere die Notwendigkeit ab, bestehende Konzepte der Risikokommunikation - sofern sie bereits existieren - zu überprüfen und ggf. anzupassen. Dies betrifft v.a. das Verhältnis zwischen Behörden, Nutzern und Betroffenen. In diesem Teilprojekt werden dazu zunächst die Perspektiven der Stakeholder und der betroffenen Bevölkerung bzgl. multipler Risiken identifiziert und daraus Anknüpfungspunkte für die Erarbeitung von Kommunikationsstrategien zur Risikoprävention und im Katastrophenfall abgeleitet. Da die Perspektiven je nach Gruppe der Betroffenen unterschiedlich ist, werden innovative Dialogverfahren konzipiert und exemplarisch in den Pilotregionen (Chile, Peru, Ecuador) durchgeführt. Als Ergebnis wird erwartet, dass ein Empfehlungskatalog für die Entwicklung von Strategien der Risikokommunikation bei komplexen und interagierenden Risiko-Situationen vorliegt. Gleichzeitig geben die Ergebnisse der Dialogverfahren Hinweise für den Bedarf und die Prioritätensetzung bei Maßnahmen des Capacity Development für lokale Behörden, Unternehmen und/oder zivilgesellschaftliche Organisationen. Über die Formulierung von Handlungsempfehlungen für politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger wird sichergestellt, dass die Ergebnisse auch in anderen Regionen übertragen werden können.
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Boden | 55 |
Lebewesen & Lebensräume | 49 |
Luft | 49 |
Mensch & Umwelt | 56 |
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