s/neonicotionoide/Neonicotinoide/gi
<p> <p>Menschengemachte Chemikalien finden sich überall in der Umwelt. Keine Stoffgruppe wird dabei so gezielt und großflächig ausgebracht wie Pflanzenschutzmittel. Sie dienen dem Schutz der Kulturpflanzen, schädigen aber weitere Pflanzen und Tiere. Während der Absatz von Pflanzenschutzmitteln auf hohem Niveau bleibt, nimmt die Biodiversität in der Agrarlandschaft weiter ab.</p> </p><p>Menschengemachte Chemikalien finden sich überall in der Umwelt. Keine Stoffgruppe wird dabei so gezielt und großflächig ausgebracht wie Pflanzenschutzmittel. Sie dienen dem Schutz der Kulturpflanzen, schädigen aber weitere Pflanzen und Tiere. Während der Absatz von Pflanzenschutzmitteln auf hohem Niveau bleibt, nimmt die Biodiversität in der Agrarlandschaft weiter ab.</p><p> Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe <p>2024 waren in Deutschland 1.112 Pflanzenschutzmittel mit 278 verschiedenen Wirkstoffen zugelassen (siehe Abb. "Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe“). Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt in zwei Stufen. Zuerst müssen die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel/europaeisches-genehmigungsverfahren-fuer-wirkstoffe#undefined">Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel auf EU-Ebene genehmigt</a> werden. Danach entscheiden die einzelnen Mitgliedsstaaten über eine <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/wissenswertes-ueber-pflanzenschutzmittel/zonales-zulassungsverfahren-fuer">nationale Zulassung der Pflanzenschutzmittel</a> mit den genehmigten Wirkstoffen und eventuellen Beistoffen. An diesem Verfahren sind verschiedene Behörden beteiligt. Aufgabe des <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a> ist, die Risiken dieser Stoffe für die Umwelt zu bewerten.</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/image/2_Abb_Zahl-zugel-PM-Wirkstoffe_2026-03-12.png"> </a> <strong> Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe </strong> Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/2_Abb_Zahl-zugel-PM-Wirkstoffe_2026-03-12.pdf">Diagramm als PDF (135,89 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/2_Abb_Zahl-zugel-PM-Wirkstoffe_2026-03-12.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (35,24 kB)</a></li> </ul> </p><p> Absatz von Pflanzenschutzmitteln und Wirkstoffen <p>2024 wurden 87.022 Tonnen <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> verkauft (ohne die ausschließlich im Vorratsschutz eingesetzten inerten Gase). Die Menge der darin enthaltenen Wirkstoffe lag bei 28.639 Tonnen. Das ist ein Anstieg um 13,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Nachdem 2021/2022 erhebliche Preisanstiege und global eingeschränkte Verfügbarkeiten für Agrochemikalien zu einer stark erhöhten Nachfrage geführt hatten, war der Inlandsabsatz 2023 im Vergleich zum Drei-Jahres-Mittelwert (2020-2022) um 15 % gesunken. 2024 glich sich der Inlandsabsatz dann wieder an das vorherige Niveau an (siehe Abb. „Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln“). </p> <p><a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/herbizide">Herbizide</a> sind die am meisten verkauften Pflanzenschutzmittel. 2024 betrug ihr Anteil an der verkauften Wirkstoffmenge 32 %. Insbesondere der Absatz von <em>Glyphosat</em> erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 75 %. Der Anteil von Fungiziden an der verkauften Wirkstoffmenge betrug 24 %. Die Menge der verkauften Insektizide ist relativ dazu eher gering, dafür sind diese Stoffe oftmals schon in geringer Konzentration hochgiftig. Der Absatz des Insektizides <em>Acetamiprid</em> hat sich seit 2018 verdoppelt. Der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/stoff">Stoff</a> wird als Ersatz für die seit 2018 verbotenen Neonicotinoide <em>Imidacloprid</em>, <em>Clothianidin</em> und <em>Thiamethoxam</em> verwendet. Diese Stoffe sind toxisch für Hummeln und Wildbienen. Der Ersatzstoff hat jedoch ähnliche Eigenschaften und steht im Verdacht, ebenfalls Wildbienen zu schädigen.</p> <p>Das Säulendiagramm zeigt den Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen. Im Jahr 2024 lag der Absatz aller Wirkstoffe (ohne die im Vorratsschutz verwendeten inerten Gase) bei 28.639 Tonnen.</p> <strong> Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln </strong> <p>___<br> * zum Beispiel Kohlendioxid; inert = wenig reaktionsfreudig; Einsatz in geschlossenen Räumen/Lagerungsbehältern</p> Quelle: <p>Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Absatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland. Ergebnisse der Meldungen gemäß § 64 (früher § 19) Pflanzenschutzgesetz</p> Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_Abb_Inlandsabsatz-einz-WSG-PSM_2026-03-12.pdf">Diagramm als PDF (139,05 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/3_Abb_Inlandsabsatz-einz-WSG-PSM_2026-03-12.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (36,99 kB)</a></li> </ul> </p><p> Einsatz von Pflanzenschutzmitteln <p>Am intensivsten werden <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> in Dauerkulturen wie zum Beispiel Obst, Wein und Hopfen eingesetzt. Aber auch im Ackerbau kommen viele Pflanzenschutzmittel zur Anwendung. Im Grünland werden sie dagegen selten eingesetzt.</p> <p>Die Absatzdaten zeigen nur die Summe der verkauften Menge. Welche und wie viele Pflanzenschutzmittel in den einzelnen Kulturen und Regionen tatsächlich eingesetzt werden, wird bisher weder in Deutschland noch in der EU systematisch erfasst. Landwirt*innen müssen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zwar dokumentieren und ihre Aufzeichnungen bei Vor-Ort-Kontrollen vorlegen. Die Daten verbleiben aber in den Betrieben und sind bisher nicht für Behörden und Wissenschaftler*innen zugänglich. Welche Angaben Landwirt*innen dokumentieren müssen, konkretisiert die europäische Verordnung zu Statistiken von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln (<a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:32022R2379">SAIO</a>), zuletzt geändert 2022. Neu ist unter anderem, dass die Aufzeichnung künftig in digitaler Form erfolgen muss. Landwirt*innen in Deutschland müssen diese Maßgabe ab 2027 umsetzen.</p> <p>Das Julius Kühn-Institut (JKI) erhebt seit 2011 beispielhaft Daten zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Dies erfolgt in wenigen ausgewählten Betrieben für die neun wichtigsten Kulturarten (Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Tafelapfel, Hopfen und Wein). Zusammenfassungen dieser Auswertungen werden über das „Panel Pflanzenschutzmittel-Anwendungen“ (<a href="https://papa.julius-kuehn.de/">PAPA</a>) veröffentlicht. </p> </p><p> Funde von Pflanzenschutzwirkstoffen in der Umwelt <p>Kaum ein Wirkstoff wird sofort in der Umwelt abgebaut. Einige Stoffe werden durch die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/problematik-bei-zulassung-einsatz/pflanzenschutzmittel-vom-winde-verweht">Luft</a> über weite Strecken transportiert. Rückstände verbleiben zum Teil langfristig im <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/problematik-bei-zulassung-einsatz/bodenlebewesen-werden-durch-pflanzenschutzmittel">Boden</a>, in <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/problematik-bei-zulassung-einsatz/auswirkungen-von-pflanzenschutzmitteln-auf">Gewässern</a> und im <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/problematik-bei-zulassung-einsatz/auswirkungen-von-pflanzenschutzmitteln-auf-grund">Grundwasser</a>. Während für Grundwasser und Oberflächengewässer bereits Daten zur Verfügung stehen, fehlen bisher Monitoringdaten für den Boden und die Luft. </p> </p><p> Wirkstoffe und deren Abbauprodukte im Grundwasser <p>Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und deren Abbauprodukte (Metaboliten) werden, trotz inzwischen abnehmender Tendenzen, immer noch häufig im Grundwasser gefunden. Die Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) gibt in mehrjährigen Abständen Berichte zur Grundwasserbeschaffenheit und der Belastung mit Wirkstoffen und Metaboliten heraus (siehe Abb. „Häufigkeitsverteilung der Funde von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und ihren relevanten Metaboliten“).</p> <p>Der aktuelle Bericht <a href="https://www.lawa.de/documents/psm-bericht-2023-12-22-barrierearm-final_2_1728974845.pdf">(LAWA 2024)</a> zeichnet folgendes Bild: </p> <ul> <li>Zwischen 2017 und 2021 überschritten noch etwa 3,6 % der Proben im oberflächennahen Grundwasser den jeweiligen gesetzlichen Grenzwert (0,1 Mikrogramm pro Liter) für Wirkstoffe und relevante Metaboliten. Der Rückgang der Grundwasserbelastungen ist dabei wesentlich auf abnehmende Fundhäufigkeiten von <em>Atrazin</em>, <em>Desethylatrazin</em> und einigen wenigen anderen Wirkstoffen sowie deren Metaboliten zurückzuführen, deren Anwendung bereits seit vielen Jahren verboten ist.</li> <li>Zu den am häufigsten gefundenen Substanzen gehören neun Pflanzenschutzmittelwirkstoffe, die im Berichtszeitraum Bestandteil von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln waren.</li> <li>Bei den Abbauprodukten wird in relevante und nicht relevante Metaboliten unterteilt. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/362/dokumente/uba_factsheet_nrm.pdf">Nicht relevante Metaboliten</a> (nrM) wurden in den letzten Jahren immer häufiger im Grundwasser gefunden. Trotz dieser Bezeichnung können sie sich schädlich auf Ökosysteme auswirken. Zwischen 2017 und 2021 wurden an 72 % aller Grundwassermessstellen solche Metaboliten nachgewiesen (im vorherigen Berichtszeitraum 2013 bis 2016 waren es 58 %). Dabei lagen die Konzentrationen teilweise oberhalb der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/node/80570">gesundheitlichen Orientierungswerte</a>. Vor allem die nrM der Wirkstoffe <em>Metazachlor</em>, <em>S-Metolachlor</em>, <em>Chlorthalonil</em> und <em>Dimethachlor</em> sind aufgrund ihrer relativ hohen Fundhäufigkeit für das Grundwasser von Bedeutung.</li> <li>Zudem wurde der <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/stoff">Stoff</a> <em>Trifluoracetat</em> (TFA), der seit 2024 aufgrund seiner fortpflanzungsschädigenden Eigenschaften als relevanter Metabolit bewertet wird, nahezu flächendeckend im Grundwasser von Deutschland nachgewiesen.</li> </ul> <p>Die Entwicklung zeigt, dass die Anstrengungen zum Grundwasserschutz fortgeführt werden müssen. Insbesondere viele der nicht relevanten Metaboliten werden bisher nicht standardmäßig bestimmt, da verbindliche Regelungen fehlen. </p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/image/4_Abb_Haeufigkeitsverteilung-psm_2026-03-12.png"> </a> <strong> Häufigkeitsverteilung der Funde von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und ihren relevanten Metaboliten </strong> Quelle: Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) Downloads: <ul> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/4_Abb_Haeufigkeitsverteilung-psm_2026-03-12.pdf">Diagramm als PDF (126,41 kB)</a></li> <li><a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/4_Abb_Haeufigkeitsverteilung-psm_2026-03-12.xlsx">Diagramm als Excel mit Daten (33,51 kB)</a></li> </ul> </p><p> Rückstände von Wirkstoffen in oberirdischen Gewässern <p>Normalerweise wird die Belastung der Oberflächengewässer mit Chemikalien im Rahmen des Monitorings der Bundesländer zur Umsetzung der <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02000L0060-20141120&from=DE">Wasserrahmenrichtline</a> erfasst. Dieses <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/monitoring">Monitoring</a> findet jedoch überwiegend an größeren Gewässern statt. Die zahlreichen Kleingewässer, die oftmals inmitten landwirtschaftlicher Nutzflächen liegen und Pflanzenschutzmitteln besonders ausgesetzt sind, werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem werden beim Monitoring der Bundesländer nur wenige <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/pflanzenschutzmittel">Pflanzenschutzmittel</a> erfasst. Die Bundesländer sind zwar gemäß <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/ogewv_2016/BJNR137310016.html">Oberflächengewässerverordnung</a> verpflichtet, bestimmte Pflanzenschutzmittel in Gewässern zu untersuchen. Doch viele der zu untersuchenden Stoffe sind aktuell gar nicht mehr zugelassen. Dagegen werden viele der tatsächlich oft verwendeten Stoffe nicht untersucht. </p> <p>Am Beispiel der für Wasserorganismen hochtoxischen Stoffgruppe der <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12302-025-01249-9">Pyrethroide</a> wird die Problematik eines unzureichenden Monitorings deutlich: die routinemäßig angewendeten Analysemethoden der Bundesländer sind nicht sensitiv genug für diese Wirkstoffe. Bei Anwendung geeigneter Analysemethoden (wie z.B. in der Schweiz) könnten jedoch mehrere Stoffe aus der Pyrethroid-Gruppe nachgewiesen werden. Dabei zeigen sich häufig Überschreitungen der zulässigen Werte.</p> <p>Im Forschungsprojekt „<a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/problematik-bei-zulassung-einsatz/auswirkungen-von-pflanzenschutzmitteln-auf/kleingewaessermonitoring">Kleingewässermonitoring</a>“ des Umweltbundesamtes (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/uba">UBA</a>) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) wurden 2018/19 gezielt kleine Gewässer untersucht. Es zeigte sich, dass die, nach heutigem Wissensstand im Zulassungsverfahren als akzeptabel eingeschätzten Konzentrationen (Regulatorisch Akzeptable Konzentration, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/rak">RAK</a>) in kleinen Gewässern vielfach überschritten werden. Insbesondere nach Regenfällen werden Pflanzenschutzmittel in hohen Konzentrationen in angrenzende Bäche gespült. An über 80 % aller untersuchten Gewässerabschnitte wurden die RAK-Werte von mindestens einem Wirkstoff überschritten, an gut zwei Dritteln der Standorte sogar von mehreren Stoffen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass in über 60 % aller Proben, die nach Regenfällen entnommen wurden, die RAK-Werte überschritten wurden. Bei den üblichen Messungen durch die Behörden werden wetterunabhängige, sogenannte Schöpfproben, genommen. Das Kleingewässermonitoring zeigt jedoch, dass mit dieser Methode lediglich in 25 % aller Proben Überschreitungen nachweisbar sind. Belastungsspitzen nach Regenereignissen werden demnach bei der wetterunabhängigen Probennahme übersehen (siehe Abb. “Kleingewässermonitoring: Häufigkeit der RAK-Überschreitungen in Kleingewässern“).</p> <a href="https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/3662/bilder/abb1_kgm_final.jpg"> </a> <strong> Kleingewässermonitoring: Häufigkeit der RAK-Überschreitungen in Kleingewässern </strong> Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung / Umweltbundesamt </p><p> </p><p>Informationen für...</p>
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens: Zuckerrüben werden von Blattläusen befallen, die Saugschäden verursachen und Vergilbungsviren übertragen können. Bei frühem Befall können Ertragsverluste von bis zu 30 % auftreten. Um den Befall mit Blattläusen (und als Folge die Ertragsverluste) zu vermeiden, wird bei Überschreiten der Schadensschwelle in der Regel ganzflächig Insektizid eingesetzt. Systemisch wirkende neonikotinoide Saatgutbeizen sind seit 2019 nicht mehr zugelassen. Im Zuckerrübenanbau kommen daher dieselben insektiziden Wirkstoffe wie in anderen Ackerkulturen zur Anwendung. Zur Kontrolle von Blattläusen stehen in Zuckerrüben nur Wirkstoffe mit zwei verschiedenen Mechanismen zur Verfügung, was ein umsichtiges Resistenzmanagement nahezu unmöglich macht. Die ganzflächige Anwendung von Insektiziden schädigt auch viele Nicht-Zielorganismen. Vor diesem Hintergrund gibt es dringenden Bedarf für neue Lösungen zur Kontrolle von Schadinsekten im Zuckerrübenanbau. Eine Lösung könnten alternative Anbauverfahren mit Begleitpflanzen zwischen den Zuckerrübenreihen sein. Die Begleitpflanzen können zur Ablenkung der Schadinsekten von der Kulturpflanze führen oder die Zuckerrübenpflanzen maskieren. Außerdem könnten Gegenspieler der Schadinsekten gefördert und darüber hinaus die Biodiversität auf der Ackerfläche im Allgemeinen erhöht werden. Ein solches Anbauverfahren mit Begleitpflanzen soll helfen, die ganzflächige Anwendung von Insektiziden zu vermeiden oder deutlich zu vermindern. Zusätzliche Umweltziele bestehen darin, die Intensität der Herbizidanwendungen zu reduzieren, z.B. durch die Kombination nicht-chemischer und chemischer Verfahren der Beikrautkontrolle oder indem die Begleitpflanzen andere Pflanzen zwischen den Zuckerrübenreihen unterdrücken. Primäres Ziel des Vorhabens ist es, ein wirksames Verfahren der Blattlaus- und damit Viruskontrolle in Reihenkulturen wie der Sommerfrucht Zuckerrübe durch den gezielten Anbau von Begleitpflanzen praxisreif zu entwickeln. Im Unterschied zu Lösungsansätzen, die auf einer Förderung von Blattlausgegenspielern in der Landschaft oder auf Feldebene beruhen (Blühflächen), soll im vorliegenden Ansatz geprüft werden, ob sich Blattläuse und eventuell auch andere Schadorganismen von Zuckerrüben mit dem Anbau von Begleitpflanzen zwischen den Zuckerrübenreihen so kontrollieren lassen, dass Ertragseinbußen ohne Insektizidanwendungen vermieden werden. Zusätzlich muss das Anbauverfahren eine ausreichende Beikrautkontrolle bei geringer Konkurrenzwirkung der Begleitpflanze auf das Zuckerrübenwachstum gewährleisten.
Pflanzenschutzmittel (PSM) sind weltweit in aquatischen und terrestrischen Ökosystemen nachweisbar – selbst in abgelegenen Regionen ohne landwirtschaftliche Nutzung. Neben direktem Eintrag über Oberflächenabfluss tragen atmosphärische Prozesse wie Windverfrachtung und Deposition zu ihrer weiträumigen Verbreitung bei. Auch in sehr niedrigen, oft unterhalb analytischer Nachweisgrenzen liegenden Konzentrationen können PSM erhebliche ökologische Effekte auslösen, darunter eine verzögerte Erhöhung der Mortalität, negative Wechselwirkungen mit Umweltstressoren und eine daraus resultierende Verschiebung der Artenzusammensetzung. Das bundesweite Kleingewässermonitoring (KgM) 2018/2019 in 101 Tieflandbächen zeigte, dass ereignisgesteuerte Probenahmen während Niederschlägen deutlich höhere Belastungsspitzen erfassen als Standardproben. In landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebieten dominierten Wirkstoffe wie Neonicotinoide, Fipronil und Carbamate die Toxizität. Regulatorisch akzeptable Konzentrationen (RAK) wurden in bis zu 81 % der Gewässer in landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebieten überschritten – teils auch in Schutzgebieten. Die Stärke der PSM-Belastung war eng assoziiert mit dem Rückgang insektizidvulnerabler Arten, gemessen mit dem SPEARpesticides-Indikator. Der für Freilandpopulationen protektive Grenzwert (feldbasierte akzeptable Konzentration [ACfield]) lag meist deutlich unter den behördlichen Grenzwerten. Die Ergebnisse belegen erhebliche Defizite der derzeitigen Risikobewertung und unterstreichen den Bedarf für monitoringbasierte Grenzwerte, effektive Minderungsmaßnahmen (z. B. Gewässerrandstreifen, Biolandbau) sowie ein verstetigtes, pestizidspezifisches Monitoring. Nur so lassen sich ökologische Schäden durch PSM realistisch erfassen und Biodiversitätsverluste wirksam begrenzen.
Die Art dürfte durch starke Abnahme der Insektenbiomasse (Hallmann et al. 2017) in Offenlandhabitaten besonders stark betroffen sein, ähnlich wie dies für insektivore Vögel in den Niederlanden (Hallmann et al. 2014) nachgewiesen ist. Ursache hierfür ist vermutlich der allgemeine Einsatz von Bioziden (insbesondere Neonicotinoiden). Zur Verknappung des Nahrungsangebots trägt auch die zurückgehende Weideviehhaltung bei. Über intensiv gedüngten und häufig geschnittenen Silagewiesen fliegen keine Insekten, die als Nahrung genutzt werden könnten (vgl. Kurtze 2012). Darüber hinaus ist über beweideten Flächen das Nahrungsangebot stark zurückgegangen, weil die Weidetiere prophylaktisch mit so hohen Medikamentendosen (insbesondere Avermectine zur Entwurmung, z. B. Suarez et al. 2003) behandelt werden, dass sich in ihrem Kot keine Insekten mehr entwickeln können (vgl. auch Kervyn & Libois 2008, Schoof & Luick 2019). Die thermische Sanierung von Gebäuden führt zum Verlust von Quartieren. Diese Gefährdungsursache wird z. B. in Nordrhein-Westfalen zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen, nachdem Abrisse von vielen Gebäuden und Anlagen nur noch anzeige- und nicht mehr genehmigungspflichtig sind (vgl. BauModG NRW 2018).
Im Kleingewässermonitoring 2018/2019 wurde eine umfangreiche Datenbasis zum Belastungszustand kleiner Fließgewässer in der deutschen Agrarlandschaft mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) geschaffen. Mit den hier dargestellten vertieften Analysen der Daten wurden die treibenden Faktoren für die Einträge von PSM in Gewässer, die Effektivität von Risikominderungsmaßnahmen sowie die Toxizität von Pestiziden allein und in Kombination im Gewässer untersucht. Es zeigte sich, dass Gewässerrandstreifen den PSM-Eintrag insbesondere für gering mobile Stoffe effektiv mindern können und, dass auch nur zeitweise wasserführende Gräben den PSM-Eintrag erhöhen. Die große Anzahl an zeitgleich gefundenen PSM-Wirkstoffen in den Gewässerproben verdeutlicht das zusätzliche Risiko durch PSM-Mischungen, was die Risikobewertung im Zulassungsverfahren von PSM bislang nicht berücksichtigt. Ein weiteres Gewässermonitoring in 2021 ergänzt die Daten des Kleingewässermonitorings. Es bildet Trends der inzwischen im Feldanbau verbotenen Neonicotinoide ab und zeigt die Bedeutung der als Ersatzstoff zunehmend verwendeten Pyrethroide. Eine erste Auswertung von Anwendungsdaten aus den Einflusskorridoren der Messstellen zeigt darüber hinaus die Abhängigkeit der in den Gewässern gefundenen Belastungen vom PSM-Einsatz. Diese Auswertungen unterstreichen das Potential und die Notwendigkeit der Verfügbarkeit von PSM-Anwendungsdaten für die Identifikation von Expositionstreibern und für die Überprüfung von Expositionsmodellen und Risikomanagement. Auf Grundlage der Ergebnisse werden Empfehlungen für ein angepasstes Monitoringkonzept gegeben. Quelle: Forschungsbericht
Der Einsatz von Stallinsektiziden und Mitteln zur Stalldesinfektion ist notwendig, um den Keimdruck und damit die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs von Krankheiten und Tierseuchen in Ställen möglichst gering zu halten. Sie ist entsprechend gesetzlich vorgeschrieben. Bei den eingesetzten Substanzen handelt es sich i.d.R. jedoch um potente Biozide wie z.B. Neonicotinoide, Pyrethroide oder auch Carbamate, die nicht nur Effekte an den Schadorganismen im Stall (krankheitsübertragende Arthropoden, pathogene Mikroorganismen) hervorrufen, sondern auch sog. Nicht-Zielorganismen in der Umwelt schädigen können, wenn sie in die Umwelt ausgebracht werden. Dies kann zum einen im Rahmen der Anwendung erfolgen (Abdrift, falsche Anwendung) und ist abhängig von der Bauart (offen vs. geschlossen) und der Belegung des Stalls mit Tieren (aus- vs. eingestallt). Zum anderen kann ein Eintrag in die Umwelt auch nachfolgend durch die Ausbringung von behandelter oder mit Reststoffen kontaminierter Gülle auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, über Abwässer direkt in Oberflächengewässer bzw. indirekt in Kanalisation und Kläranlage und somit in den Vorfluter bzw. bei Klärschlammausbringung auf den Boden erfolgen. Um das Risiko für die Umwelt und darin lebenden Organismen gering zu halten, ist eine adäquate Anwendung der entsprechenden Produkte und Einhaltung strikter Risikominderungsmaßnahmen notwendig. Die bisherigen Erfahrungen im Rahmen der Zulassung von Biozid-Produkten z.B. bei den Nagetierbekämpfungsmitteln und Erfahrungsberichte aus der Viehhaltung haben gezeigt, dass dies nur bedingt der Fall ist. Zudem hat sich gezeigt, dass vielen Anwendern der Unterschied zwischen Reinigung und Desinfektion sowie Entwesung/Schädlingsbekämpfung nicht bekannt ist. Daher sollen im Rahmen des Vorhabens, nach der Analyse der bisherigen Praxis, adäquate Risikominderungsmaßnahmen (RMM) und eine gute fachliche Praxis (GfP) zur Anwendung von Stallinsektiziden und Stalldesinfektionsmitteln erarbeitet werden. Ziel ist dabei die langfristige Etablierung eines ganzheitlichen Hygienemanagements im Stall, das neben Reinigung und Desinfektion auch die Entwesung inkl. Präventionsmaßnahmen enthält. Die entwickelten RMMs und GfP sollen anschließend auf EU-Ebene abgestimmt werden und dann in allen Mitgliedsstaaten Anwendung finden, um ein einheitliches Schutzniveau in Europa zu gewährleisten.
Die ökonomisch bedeutenden, Blattlaus übertragbaren Vergilbungsviren der Zuckerrübe werden seit Mitte der 1990er Jahren durch Saatgutbeizungen mit Insektiziden aus der Gruppe der Neonikotinoide kontrolliert. Die systemisch wirkenden Präparate verhindern eine Besiedlung mit Virusvektoren und damit eine Ausbreitung im Bestand hocheffektiv. Die aktuellen Entwicklungen zur Bewertung von Neonikotinoiden bezüglich der Bienentoxizität, dem Auftreten und Nebenwirkungen in der Umwelt, bis hin zur EU Durchführungsverordnung zum Verbot von neonikotinoiden Wirkstoffen in Saatgutbeizungen verschiedener Kulturen soll zum Anlass genommen werden, das Befalls- und Ertragsrisiko von Vergilbungsviren in Zuckerrüben erstmals detailliert abzubilden und zu bewerten. Unterstützt wird diese Notwendigkeit durch die Entwicklung von Insektizidresistenzen des wichtigsten Virusvektors Myzus persicae. Die zu erhebenden Daten stellen die Grundlagen für die vorausschauende Entwicklung von alternativen Kontrollmaßnahmen dar und sollen die Züchtungsunternehmen bei der Entscheidungsfindung für aufwändige Resistenzselektions- und Resistenzzüchtungsprogramme unterstützen. Zur Erreichung dieses Ziels sind verschiedene Forschungsaktivitäten erforderlich. Dazu gehört die Durchführung von Feldversuchen ohne Insektizidapplikation zur Abschätzung des Befallsrisikos. Monitoringaktivitäten sollen Informationen zur geografischen Verbreitung der Virusspezies liefern. Für eine züchterische Resistenzselektion ist es erforderlich, eine differentielle Diagnostik zu etablieren. Weiterhin müssen Selektionskriterien etabliert werden. Zu diesem Zweck muss die Blattlausübertragung der einzelnen Spezies für Biotests nutzbar gemacht werden und die Gewebe spezifische Virusvermehrung in Zuckerrübe studiert werden. Die Bestimmung des Einflusses der einzelnen Viren in Einzel- und Mischinfektionen auf Ertrag und Qualität unter praktischen Feldbedingungen, soll eine bessere Abschätzung des Ertragsrisikos ermöglichen.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] umwelt journal Rheinland Pfalz Heft 58 September 2015 Bienen | 25 Jahre LZU Herausgegeben vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz Impressum umweltjournal Rheinland-Pfalz umwelt Inhalt Editorial Vorwort der Ministerin 3 Nr. 58 (September 2015) Das umweltjournal ist kostenlos Herausgeber: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Kaiser-Friedrich-Straße 1 55116 Mainz Tel. 06131 – 164433 Fax. 06131 – 164629 Redaktion: Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz Honigbienen und Wildbienen Wildbienen4 Von Honigbienen und Blüten8 Bienenzüchtung in Deutschland12 Zur Verbreitung der Honigbienenarten15 Das Verschwinden der Bienen Goodbye Maja!16 Haben Bienen eine kognitive Karte?20 Wohin geht die Bienenhaltung?24 Bienen in Gefahr28 Bienen und Imkerei Gestaltung: media machine GmbH, Mainz Druck: Druckerei Schwalm GmbH, Mainz Titelbild: Helga R. Heilmann, Universität Würzburg Fotos: Projektfotos Helga R. Heilmann, S. 8, 9, 10, 11, 77 M. Schneider, Universität Würzburg, S. 11 Portrait Sabine Jacoub, BUND Mainz, S. 78 Sofern nicht besonders erwähnt, wurden die Fotos von den jeweiligen Autoren zur Verfügung gestellt Die mit Namen der Autoren gekennzeichneten Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Förderung der Bienenhaltung31 Das Fachzentrum für Bienen und Imkerei32 Nahrungsverfügbarkeit für Bienen34 Varroose und das Wetter38 Imkerei und Gentechnik40 Ohne Honigbienen geht es nicht42 Die Buckfastbiene46 Belegstellen50 Bienen und nachhaltige Entwicklung Bienen als pädagogische Kollegen:52 Facetten der Bienenthematik im Unterricht56 Bienen für nachhaltige Entwicklung60 Bienen, der Bien und Kultur Der Gott der Bienen ist die Zukunft62 Bienen als Kunstschaffende66 Verbesserung der Lebensgrundlagen Lebensräume schaffen!68 Eh da-Flächen70 Blühendes Rheinhessen im Jubiläumsjahr74 Von den Bienen lernen, heißt lieben lernen?76 * LZU-Journal 79 Zum Schluß Earth Overshoot Day 2 umweltjournal 58/2015 87 umwelt Editorial Jeder Imker kennt das seit einigen Jahren. Die Waben voller Honig, die Brut tot, die Bienen weg. Was ist passiert? Wild- und Honigbienen sind eigentlich robuste Wesen. Doch sie sind schwach geworden. Dabei ist ein großer Teil der Biodiversität und unserer Lebensmittelver- sorgung ohne Bienen nicht denkbar. Die Bienen kranken am Menschen. An unserer Landwirt- schaft, unserer Forstwirtschaft, unseren Pharmazeutika, unserem Energiehunger, unserem oft ungezügelten Gewinnstreben. Aus vielen Gründen haben es die Bienen besonders im ländlichen Raum schwer. Durch industrielle Landwirtschaft wird ihre Ernährungsgrundlage stark verengt, was ihre Widerstandskräfte schwächt. Pestizide, wie die Neonikotinoide, stören offensichtlich die Entwicklung der Bienen und deren Orientierungssinn, so dass die Altbienen aus dem Stock verschwinden und ganze Bienenvölker zusammenbrechen. Dazu kommen eingeschleppte Schädlinge, wie die Varroa-Milbe oder Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut. Um das Überleben der Wild- und Honigbienen in Europa zu sicheren, muss vor allem im länd- lichen Raum angesetzt werden. So hat etwa die EU im Jahr 2013 vorübergehend drei Neoni- cotinoide vom Markt genommen. Wir haben den Ökolandbau in Rheinland-Pfalz ausgeweitet und stärken die bäuerliche Land- wirtschaft. Wir fördern Saum- und Bandstrukturen von einjährigen Blühmischungen und Streuobstwiesen, ebenso wie vielfältigere Kulturen im Ackerbau, durch Fruchtfolgen und Zwi- schenfruchtanbau und mindestens zehn Prozent Leguminosen. Es gibt Programme zur exten- siven Grünlandbewirtschaftung: Öffentliches Geld gibt es vor allem für öffentliche Leistungen, also eine Landbewirtschaftung, die der Biodiversität und damit zum Beispiel unseren Bienen, aber auch Schmetterlingen, anderen Insekten und Wildtieren sowie den Gewässern zu Gute kommt. Dies wiederum danken die Bienen und andere Insekten der Landwirtschaft durch ihre Bestäubungsleistung und den Menschen durch Honig, Pollen und andere Bienenprodukte. Die Imkerei wird in Deutschland zu über 90 Prozent als Liebhaberei betrieben. Dies ist ein wichtiger Beitrag für eine flächendeckende und kontinuierliche Befruchtung der Pflanzen, die auf die Honigbienen angewiesen sind. Für diese Systemleistung werden die Bienenhalte- rinnen und –halter finanziell vom Land und durch die EU unterstützt, z.B. bei ihrer Aus- und Fortbildung durch die Landesverbände und Imkervereine sowie durch unsere „Fachstelle Bienen und Imkerei“ in Mayen. Bienenhaltung ist eine kulturelle Leistung, die Menschen seit tausenden von Jahren erbringen. Auch in die Schulen fanden die Bienen schon früh Eingang. Mit dem Projekt „Aktion Bien – Bienen machen Schule“ der LZU wird diese gute Tradition belebt und gefördert. So stehen den derzeit etwa 100 teilnehmenden Schulen im Land mit ihren Bienenvölkern lebendige Partner für eine Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zur Verfügung. Bienen – mit ihrem Sozialverhalten, ihrer naturgemäßen Lebensweise, ihrem sym- pathischen Wesen und ihren gesunden und leckeren Produkten – schaffen bei Schülerinnen und Schülern Empathie und sind lebende Vorbilder für ein nachhaltiges Leben. Damit es den Insekten, vor allem unseren Bienen gut geht, dafür kann fast jede und jeder et- was tun. Etwa durch den Honigkauf beim örtlichen Imker, durch Verzicht auf Gifte im Garten oder auf dem Balkon, durch blühende Pflanzen rund um Haus oder Wohnung. Ich danke den Imkern und Landwirten, den Naturschützerinnen, Lehrerinnen und Schulen, den Fremden- führern, den vielen Initiativen zur Pflege unserer Gemarkungen und Streuobstflächen sowie zur Begrünung unserer Städte für ihre Arbeit. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag, damit immer mehr Menschen über die Bedeutung der Bienen für die Vielfalt in der Natur und die Wichtigkeit der Bestäuberinsekten erfahren. Auch dieses Heft soll dazu einen Beitrag leisten. Ulrike Höfken Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten umweltjournal 58/2015 3 Wildbienen faszinierende, aber bedrohte Vielfalt Die Honigbiene des Imkers kennt jeder. Über kein an- deres Insekt wurde so viel geforscht und geschrieben. Deshalb verwundert es nicht, dass die Begriffe Biene und Honigbiene für die meisten Menschen Synonyme sind. Ja, es fällt ihnen sogar schwer zu glauben, dass weltweit bislang über 17000 Bienenarten bekannt wurden und dass allein zur Tierwelt Deutschlands über 560 Bienenarten gehören. Da diese anderen Bie- nen durchweg wildlebend sind, nennen wir sie um- gangssprachlich auch „Wildbienen“. Während auch die Honigbiene in weiten Teilen Afrikas noch eine echte Wildbie- ne ist, wird sie weltweit als Nutzbie- ne für die Erzeugung von Honig und Wachs oder zur Bestäubung gehalten. Schon im 19. Jahrhundert haben In- sektenkundler den verschiedenen Ver- wandschaftsgruppen der Bienen, die wir als Gattungen bezeichnen, zum besseren Verständnis deutsche Namen gegeben und haben sich dabei an äu- ßeren Merkmalen oder der Lebenswei- se orientiert. Daher gibt es unter an- derem Maskenbienen, Furchenbienen, Sandbienen, Mauerbienen, Woll- und Harzbienen und Pelzbienen. Keinen neuen Namen brauchten die pelzigen Brummer, die gut bekannten Hummeln nämlich, die ebenfalls zu den Wildbienen zählen und mit der Honig- biene nah verwandt sind. Viele Wildbie- nenarten sind klein und unscheinbar. Manche sind nur 4 mm groß. Es gibt aber auch solche mit auffälliger Fär- bung und markanter Größe. Oft werden Wildbienen mit Fliegen oder Wespen verwechselt. Hinzu kommt, dass al- le Wildbienen in zwei Geschlechtern auftreten. Wer sich daher näher mit Wildbienen beschäftigen will und Be- stimmungstabellen verwendet, ist allein in Deutschland mit über 1100 Formen konfrontiert, da sich die Männchen mei- stens erheblich von den Weibchen un- terscheiden. Die große Vielfalt zeigt sich aber nicht nur in äußerlichen Merkma- len, sondern vor allem in ihrer faszinie- renden Lebensweise. 4 umweltjournal 58/2015 Wildbienen kann man vom zeitigen Frühling bis zum Herbst nahezu über- all antreffen Wir finden sie in feucht- kühlen Hochmooren ebenso wie auf trocken-heißen Felshängen, in lichten Wäldern ebenso wie in Schilfröhrich- ten. Viele Arten leben inmitten unserer Städte und Dörfer. Auch in Hausgärten und selbst auf dem Balkon lassen sie sich beobachten. Das Artenspektrum ist aber nicht überall und zu jeder Jah- reszeit gleich. Der Lebensraum einer typischen, nämlich nestbauenden Wild- biene muss zwei Grundvoraussetzun- gen erfüllen: Er muss einen geeigneten Brutplatz für das Nest und gleichzeitig Nahrungspflanzen in erreichbarer Nähe und in ausreichender Menge aufweisen. Dabei sollten wir wissen, dass sich der Gesamtlebensraum vielfach aus meh- reren räumlich getrennten Teillebens- räumen zusammensetzt, die jeweils als Nistplatz, als Nahrungsraum und/oder zur Gewinnung des Baumaterials die- nen. Schon wenn ein Teil des Lebens- raums verloren geht, erlischt zwangs- läufig an dieser Stelle der Bestand der davon abhängigen Art. Diese Tatsache ist einer der Gründe für den gravieren- den Rückgang der Artenvielfalt und ist bei allen Maßnahmen zum Schutz der Wildbienen zu berücksichtigen. Die von Art zu Art verschiedenen Nest- bauten finden im Insektenreich kaum ihresgleichen. In einem mit hoher Präzi- sion aufwändig konstruierten Bau wird in isolierten Kammern, den Brutzellen, zunächst ein Gemisch aus Pollen und Nektar deponiert, auf dem ein Ei ab- gelegt wird. Aus ihm schlüpft die Lar- ve, die zunächst den Pollen frisst und Hummeln sind staatenbildende Wild- bienen. Hier sammelt eine Königin der Ackerhummel (Bombus pascuo- rum) an einer Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) Pollen, um damit die ersten Larven zu füttern, die spä- ter als Arbeiterinnen die Königin un- terstützen. sich dann über das Puppenstadium zur Biene weiterentwickelt. Erdnister wie Sand-, Furchen-, Schmal- und Hosen- bienen graben ihre mehr oder weniger tiefen Nestgänge im Sand und sogar in hartem Lehmboden und kleiden die Brutzellen mit eigenen Drüsensekre- ten aus. Nur die Honigbiene und die Hummeln verwenden Wachs, das sich in speziellen Wachsdrüsen im Hinter- leib bildet und ausgeschieden wird. Bei oberirdisch nistenden Arten wie Mauer-, Blattschneider-, Woll- und Harzbienen und einigen Erdnistern werden für den Nestbau die unterschiedlichsten Mate- rialien genutzt. Verwendung finden z. B. ausgeschnittene Stücke von Laub- oder Blütenblättern, zerkautes Blattmateri- al, Pflanzenhaare, Harz, feuchter Lehm und Steinchen. Dabei nutzt jede Art im- mer ein und denselben Baustoff, kann also bei dessen Fehlen nicht auf andere Materialien ausweichen. Bienen > Nicht nur in der Art und Weise des Nest- baus und der Verwendung des Bauma- terials sind Wildbienen hochspezialisiert, sondern auch in der Wahl des Nistplat- zes. Die Nester werden von rund drei Viertel der Arten in der Erde angelegt. Typische Erdnister sind z. B. Sandbie- nen, Furchen- und Schmalbienen und Hosenbienen. Oft werden vegetations- freie oder –arme Stellen, z. B. auf Erd- wegen, von diesen Arten besiedelt. Die oberirdisch nistenden Arten haben ganz unterschiedliche Ansprüche. Vorhande- ne Hohlräume, auch an Gebäuden, be- siedeln bestimmte Mauerbienen wie die Gehörnte Mauerbiene, andere nutzen Käferfraßgänge in totem Holz (Hahnen- fuß-Scherenbiene). Solche Arten las- sen sich zum Teil auch mit sogenannten Nisthilfen fördern. Manche Arten bauen ausschließlich in morschem Holz (Blau- schwarze Holzbiene) oder in Pflanzen- stängeln (Keulhornbienen) und nagen die Gänge selbst. Auch alte Schilfgallen dienen als Nistplatz (Schilfgallen-Mas- kenbiene). Es gibt sogar Arten, die in leeren Schneckenhäusern nisten (z. B. Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbie- ne). Nur wenige nisten auf der Oberflä- che von Steinen, Felsen und Mauern (Schwarze Mörtelbiene). Mehrere Wildbienenarten sind auf Glockenblumen als Pollenquellen an- gewiesen, so auch die Grauschup- pige Sandbiene (Andrena pandellei), die hier an der Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) Pollen erntet. Die Intensivierung der Wiesennutzung hat diese Glockenblume vielerorts ver- drängt und damit der mittlerweile ge- fährdeten Sandbiene die Nahrungs- grundlage entzogen. Die Männchen der im Erdboden nistenden Langhornbienen, hier die Mai-Langhor nbiene (Eucera nigrescens) haben charakteristisch lange Fühler. Alle Wildbienen benötigen zur Eigen- versorgung Blüten, die nestbauenden auch zur Verproviantierung ihrer Brut- zellen mit Larvenfutter. Zuckerhaltiger Nektar dient für die adulten Bienen als Treibstoff für den Flug, teilweise wird er auch der Larvennahrung beigemischt. Wegen seines hohen Eiweißgehalts ist Blütenstaub (Pollen) der wichtigste Be- standteil der Larvennahrung. Viele Ar- ten nutzen beim Sammeln von Pollen wie die Honigbiene ein breites Spek- trum von Pflanzen, andere sind deutlich wählerischer. Ein Viertel der heimischen nestbauenden Arten, rund 120 Arten, ist jedoch hochspezialisiert. Von ihnen kann nur der Pollen einer einzigen Pflanzenart oder weniger nah verwandter Pflanzen- arten genutzt werden. Ihre Pollenquellen finden sich in 26 Pflanzenfamilien. Typi- sche Beispiele sind die an Efeu gebun- dene, erst im Spätsommer erscheinende Efeu-Seidenbiene und 12 Arten, die auf Glockenblumen spezialisiert sind. Oh- ne „ihre“ Pollenquellen können solche Wildbienenarten nicht für Nachkommen sorgen. Die Erhaltung und Förderung einer vielfältigen Flora ist demnach die Grundvoraussetzung für einen nachhal- tigen Schutz der Wildbienen. Wer dies weiß, kann im eigenen Garten und sogar auf dem Balkon Wildbienen gezielt för- dern, zum Beispiel allein 6 Arten durch das Anpflanzen von Glockenblumen und viele andere Arten durch die Kultur hei- mischer Wildstauden und/oder ein- bis zweijähriger Pionierpflanzen. Weil sie bei Bienen meistens an die Honigbiene denken, stellen sich die meisten Menschen unter Bienen immer staatenbildende Insekten vor. Die Staa- tenbildung als höchste Stufe des Sozi- alverhaltens ist bei den Bienen aber die große Ausnahme. Die Honigbiene ist in dieser Hinsicht eine für Bienen also eher untypische Art. In unseren Breiten leben unter den Wildbienen lediglich die Hummeln (ca. 30 Arten) und einige Furchen- und Schmalbienen in ein- bis mehrjährigen Staaten. Die weitaus grö- ßere Zahl der nestbauenden Wildbienen (ca. 95%) lebt jedoch solitär (einzeln). Jedes Weibchen baut sein Nest und versorgt seine Brut ganz allein, ohne die Mithilfe von Artgenossen. Ein gutes Beispiel für Solitärbienen sind die Ge- hörnte und die Rostrote Mauerbiene, die sich beide auch leicht in Nisthil- fen ansiedeln lassen. Da sie wie ande- re Hohlraumbesiedler völlig friedfertig sind, können auch Kinder ihre faszinie- rende Brutfürsorge aus nächster Nähe gefahrlos beobachten. Solitärbienen haben in der Regel einen einjährigen Entwicklungszyklus und nur eine vier- bis sechswöchige Flugzeit. Wir bekom- men sie daher nur wenige Wochen im Jahr zu Gesicht, unabhängig davon, ob es sich um Frühlings-, Frühsommer, Hochsommer- oder Herbstarten han- delt. Den größten Teil des Jahres voll- zieht sich die Entwicklung im Nest, vor unseren Augen verborgen. Rund ein Viertel der heimischen Wildbienen baut keine eigenen Ne- ster, sondern nutzt die Brutfürsor- ge anderer Bienenarten aus. Eine solche Kuckucksbiene ist auch die Kreuzkraut-Wespenbiene, die wegen ihrer Färbung leicht mit Wespen ver- wechselt werden kann. umweltjournal 58/2015 5
Greenpeace Deutschland veröffentlichte am 27. Juli 2016 eine Liste von 209 Pestiziden, die Mensch und Umwelt besonders schaden. Die in der Lebensmittelproduktion zugelassenen Chemikalien können unter anderem Krebs auslösen, die Fruchtbarkeit beeinflussen oder neurotoxisch wirken, schreibt Greenpeace. Für „Die schwarze Liste der Pestizide“ hat ein unabhängiger Pestizidexperte im Auftrag der Umweltschutzorganisation alle in der EU zugelassenen 520 Pflanzenschutzmittel überprüft. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich für ein EU-weites Verbot der gefährlichsten Pestizide einzusetzen. In der Greenpeace-Studie schneiden 209 Wirkstoffe besonders schlecht ab: Die bienengefährdenden Neonicotinoide stehen ebenso auf der Liste wie das umstrittene Herbizid Glyphosat. Zudem listet die Studie beispielsweise auch das sehr giftige Insektizid Abamectin und die beiden chronisch toxischen Fungizide Boscalid und Cyprodinil.
| Organisation | Count |
|---|---|
| Bund | 27 |
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