null Grundwasser: unsere wichtigste Trinkwasser-Ressource Baden-Württemberg. „Die Konzentrationen der im Grundwasser gemessenen Schadstoffe gehen seit vielen Jahren kontinuierlich zurück. Das ist eine gute Nachricht, denn 70 Prozent unseres Trinkwassers wird aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Niemand möchte einen Cocktail aus Chemikalien trinken. Deshalb müssen wir beim Schutz unseres Grundwassers am Ball bleiben“, so Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes zum „ Grundwasser-Überwachungsprogramm – Ergebnisse 2022 “ der LUBW. Die LUBW analysiert jährlich die Daten aus dem Grundwassermessnetz für das vorangegangene Kalenderjahr. In jedem Bericht werden die Daten zur Grundwassermenge und Nitrat vorgestellt. Zusätzlich werden jährlich andere Schadstoffe in den Fokus der Analyse gestellt. Die Erstellung und Veröffentlichung des Berichtes benötigen je nach Analysen zwischen 8 und 14 Monate. Im Landesmessnetz Beschaffenheit der LUBW werden jährlich rund 120.000 bis 160.000 chemisch-physikalische Messwerte generiert. Nitrat: immer noch Hauptschadstoff im Grundwasser, Werte rückläufig Nach wie vor ist auch im Jahr 2022 Nitrat der Hauptschadstoff im Grundwasser: An rund 8 % der Messstellen im Land überschritt der Nitratgehalt den Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. In der langjährigen Entwicklung sind die Konzentrationen rückläufig. Seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1994 hat die mittlere Nitratkonzentration im Landesmessnetz Beschaffenheit um rund 24 % abgenommen. In den letzten Jahren sind allerdings kaum noch Rückgänge zu verzeichnen. Grafik zeigt: Entwicklung der mittleren Nitratkonzentrationen an: landwirtschaftlich beeinflussten Grundwassermessstellen, im gesamten Landesmessnetz, durch den Menschen wenig beeinflussten Grundwassermessstellen In Gebieten mit hoher Nitratbelastung werden in der Regel intensiv Ackerbau oder viele Sonderkulturen betrieben. Betroffen sind insbesondere Bereiche in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, Teile des Kraichgaus, der Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie die Region Oberschwaben. Insgesamt werden rund 45 % der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. Auch an den landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen sinken die mittleren Nitratkonzentrationen seit vielen Jahren. Seit der Novellierung der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) im Jahr 2001 haben sowohl die absoluten Flächen als auch der prozentuale Anteil der hoch belasteten Sanierungsgebiete an der gesamten Fläche der Wasserschutzgebiete deutlich abgenommen. Die mittleren Nitrat-Konzentrationen sind seitdem in den Sanierungsgebieten um rund 14 %, in den Problemgebieten um 12 % sowie in den Normalgebieten um etwa 6 % zurückgegangen. Pflanzenschutzmittel (PSM) – langlebig, aber größtenteils rückläufige Der Schwellenwert für Pflanzenschutzmittel und deren Abbaustoffe (Metaboliten) wird inzwischen nur noch an 31 Messstellen überschritten, das sind 1,7 % der insgesamt im Jahr 2021 untersuchten 1.865 Messstellen. Das sind deutlich weniger als in früheren Jahren. Der Schwellenwert für Pflanzenschutzmittel liegt in der Grundwasserverordnung bei 0,1 Mikrogramm pro Liter Grundwasser. Alleine für den Wirkstoff Atrazin wurde im Jahr 2001 der Schwellenwert noch an 39 Messstellen überschritten, das waren 1,5 % der zu diesem Zeitpunkt untersuchten 2.546 Messstellen. Im Jahr 2021 überschritt Atrazin nur noch an 5 der 1.865 Messstellen den Schwellenwert, das entspricht einem Anteil von 0,3 %. Atrazin wurde bereits in den 1990er Jahre verboten. „Das Beispiel der Pflanzenschutzmittel macht deutlich, wie langlebig Grundwasserbelastungen sein können. Mehr als dreißig Jahre nach dem Verbot sind diese Stoffe noch messbar. Was immer wir heute an schwer abbaubaren Substanzen in unsere Böden eintragen, wird die Generation nach uns in ihrem Grundwasser vorfinden“, betont Maurer. Daher seien Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen oder weiter zu verbessern. „Es gilt zu prüfen, ob die Befunde bereits bekannter Stoffe zurückgehen und ob bislang nicht untersuchte Substanzen die Grundwasserqualität gefährden oder nachteilige Veränderungen der Wasserbeschaffenheit herbeiführen können“, so Maurer. Ein Beispiel für eine Gefahr jüngerer Zeit ist für das Grundwasser ist Trifluoracetat (TFA). TFA ist ein Abbauprodukt zahlreicher chemischer Erzeugnisse wie Kältemittel, Pharmaka und Pflanzenschutzmittel. Als Schadstoff für das Grundwasser ist es erst in den vergangenen Jahren in den Fokus gerückt und wurde im Vorjahresbericht „ Grundwasser-Überwachungsprogramm – Ergebnisse 2020 “ vorgestellt. Qualitätssicherung, Plausibilisierung und Datenauswertung Jährlich werden im Landesmessnetz Beschaffenheit der LUBW rund 120.000 bis 160.000 chemisch-physikalische Messwerte erhoben. Alle Messergebnisse werden auf ihre Plausibilität geprüft und nur plausible Messwerte für Auswertungen verwendet. Für Probenahme und Analytik werden von der LUBW größtenteils Dritte beauftragt. Chemische Messwerte Das Landesmessnetz Grundwasserbeschaffenheit besteht derzeit rund 1.900 Messstellen, welches sich aus 5 Teilmessnetzen (Routinemessnetzen) zusammensetzt. Es wird jährlich auf physikalisch-chemische Parameter untersucht. Die jährlichen chemischen Untersuchungsprogramme variieren. Sie sind so aufeinander abgestimmt, dass eine landesweite Zustandsbeschreibung für ausgewählte Parameter spätestens nach drei Jahren möglich ist. Nitrat Nitrat ist ein grundlegender Nährstoff für die Pflanzenernährung und -produktion. Grundwasser enthält von Natur aus wenig Nitrat. Durch den Einsatz großer Mengen stickstoffhaltiger Dünger in Landwirtschaft und Gartenbau reichert sich Nitrat im Boden an und gelangt in erhöhten Konzentrationen ins Grundwasser. Seit 1988 verpflichtet die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) die Landwirtinnen und Landwirte, in Wasserschutzgebieten die Flächen grundwasserschonend zu bewirtschaften. Die Landesregierung leistet entsprechende Ausgleichszahlungen für die daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteile. Pflanzenschutzmittel (PSM) Pflanzenschutzmittel (PSM) haben gemäß ihrem Anwendungszweck toxische Wirkung. Sie dürfen gemäß Pflanzenschutzgesetz (Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen) nur auf Freilandflächen angewendet werden, die landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Die Zulassung von PSM erfolgt durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Pflanzenschutzmittel werden in der Umwelt abgebaut und umgewandelt, sodass aus den ausgebrachten Wirkstoffen Metabolite entstehen. Bei der Bewertung werden relevante Metabolite (rM) und nicht relevante Metabolite (nrM) unterschieden. Relevante Metabolite haben eine definierte pestizide (Rest-) Aktivität und/oder ein pflanzenschutzrechtlich relevantes humantoxisches oder ökotoxisches Wirkungspotenzial. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387 E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de
Zahlreiche Arten nehmen durch Eingriffe des Menschen in die Natur ab. Um den Erhaltungs- und Gefährdungszustand der Arten bewerten und daraus Handlungsbedarf und Maßnahmen ableiten zu können, werden regelmäßig so genannte „Rote Listen“ herausgegeben. Vorläufer dieser Listen gab es bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form von kommentierten Verzeichnissen gefährdeter Arten. Die erste Rote Liste für Vogelarten in Deutschland erschien 1971. Seitdem folgten viele weitere auch für andere Artengruppen der Tiere, Pflanzen und Pilze. Seit 1994 werden alle Arten mit einheitlichen Kategorien bezüglich ihrer Gefährdung eingestuft. Bild zeigt: Die einheitlichen Gefährdungskategorien für rote Listen. Bildnachweis: LUBW Auch die Bundesländer geben Rote Listen der jeweils heimischen Arten heraus. In Baden-Württemberg ist für die Erstellung der Roten Listen die LUBW zuständig. Die erste Fassung der Roten Liste der Brutvögel erschien 1974, mitherausgegeben von der damaligen Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg. Diese listet neben ausgestorbenen Brutvogelarten auch „früher viel weiter verbreitete Vogelarten“. Dazu gehörten 1974 zum Beispiel auch der Uhu ( Bubo bubo ) und der Wanderfalke ( Falco peregrinus ). Bild zeigt: Wanderfalke. Bildnachweis: Chris Hill/shutterstock.com Ein Blick auf die in diesen Tagen veröffentlichte aktuellste Fassung der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württembergs zeigt, dass diese und weitere Arten aufgrund gezielter Schutzmaßnahmen mittlerweile als ungefährdet eingestuft werden können. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Saatkrähe ( Corvus frugilegus ). Diese brütete nur in wenigen Kolonien in der Oberrheinebene und in Oberschwaben. Innerhalb von sechs Jahren (1969 bis 1974) war der Brutbestand um 37 Prozent auf nur noch 360 Brutpaare zurückgegangen. Hauptgrund hierfür waren illegale Störungen der Kolonien und Abschuss der Tiere. Mittlerweile konnte sich die Art aber durch Schutzmaßnahmen erholen und gilt als ungefährdet. 8.500 bis 9.500 Paare brüten laut der aktuellen Roten Liste in Baden-Württemberg. Andere Arten haben im langfristigen Trend weiter abgenommen, wie beispielsweise die Knäkente ( Spatula querquedula ). Gab es 1974 noch etwa 50 Brutpaare, brüten laut aktueller Liste nur noch drei bis zehn Paare in Baden-Württemberg. Die Art ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Um solche Bestandsänderung im Blick zu behalten und frühzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen, sind Rote Listen ein wichtiges Instrument des Naturschutzes. Mehr zum Thema:
LfU-Bericht: Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern Der aktuelle LfU-Bericht beschreibt und analysiert den Einfluss der nährstofflichen Belastungen auf die Fischfauna in rheinland-pfälzischen Fließgewässern. Zum LfU-Bericht: Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern und deren Einfluss auf die Fischfauna in Rheinland-Pfalz Die wesentlichen Ergebnisse: Nährstoffe haben für die Ökologie von Fischen und ihren Lebensgemeinschaften eine grundlegende Bedeutung. In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Nährstoffe auf das Vorkommen von Fischen und den fischökologischen Zustand in Fließgewässern in Rheinland-Pfalz haben. Hierzu werden die Daten aus dem biologi-schen und chemischen Monitoring von 2017 bis 2019 statistisch ausgewertet. Die Daten umfassen (i) die allgemein physikalisch-chemischen Parametern, (ii) die Saprobienindices des Makrozoobenthos und (iii) die fischbiologischen Erhebungen. Nährstoffliche Belastungen in Fließgewässern sind in Rheinland-Pfalz noch verbreitet. Schwerpunkte der Belastung liegen großräumig in der Oberrheinebene und betreffen andernorts einzelne Gewässer, wie Nothbach, Lauter und Wiesbach. Neben den Dauerbelastungen sind in einigen Bächen auch spitzenartige Belastungen auffällig. In Bächen erweisen sich insbesondere hohe Konzentrationen von Ammonium und Nitrit als beeinträchtigend für die Fischfauna aus. In der Unteren Forellenregion und der Äschenregion beeinflusst zudem die organische Belastung bzw. die Saprobie den fisch-ökologischen Zustand. Die regulativen Grenzwerte für die Saprobie sind deutlich zu hoch, um die Belastung in der Forellenregion abzubilden. Die Vielfalt der stofflichen Belastungen ist in der Äschenregion am höchsten. Die absoluten Mengen der stofflichen Belastungen sind in der Cyprinidenregion am höchsten, da diese überwiegend in der Oberrheinebene vorkommt. Erhöhte Konzentrationen von Gesamtphosphat und Orthophosphat sind weit verbreitet. Der Einfluss von hohen Phosphatgehalten auf die fischbiologische Zustandsbewertung ist deswegen schwierig statistisch nachweisbar. Die realisierte Eutrophierung aufgrund hoher Phosphorkonzentrationen betrifft in der Barbenregion die meisten Gewässer, sie kann jedoch bereits auch in der Forellen- und Äschenregion im Einzelfall den fischökologischen Zustand beeinflussen. Die Besiedlungsdichten von Fischarten korrelieren mit Nährstoffgehalten und der Intensität des Stoffumsatzes. Die Dichten der Bachforelle, nachfolgend von der Groppe sind von allen Fischarten am häufigsten und ausschließlich negativ mit Nährstoffgehalten korreliert. Die Dichten beider Arten korrelieren auch negativ mit der Saprobie, während die Dichten von Döbel, Gründling, Dreistachliger Stichling, Bachschmerle und Plötze positiv mit der Saprobie korrelieren. Zudem steigen die Dichten vom Döbel mit der Eutrophierung und die vom Dreistachligen Stichling mit den Konzentrationen von Ammonium und Nitrit. Die Gesamtbewertung des ökologischen Zustands der Wasserkörper korrespondiert mit der Landnutzung. Die Flächenanteile von Acker, Siedlungen und Sonderkulturen korrelieren mit den stofflichen Belastungen. Ab einem Ackeranteil von über 20 % wird in der oberen Forellenregion ein guter Zustand unwahrscheinlich. Der Einfluss der Flächennutzung auf Stoffkonzentrationen variiert je nach Fischregion bzw. Gewässergröße und Lage. Die Stoffeinträge aus Punktquellen scheinen in der Unteren Forellenregion am einflussreichsten für den fischökologischen Zustand zu sein. Die hier ermittelten Wirkungen von Stoffen auf die Fischfauna belegen die Notwendigkeit einer guten Wasserqualität für die Zielerreichung eines guten fischökologischen Zustands. Eine geringe nährstoffliche Belastung ist insbesondere für gute Bestände der Bachforelle und der Groppe wichtig bzw. der Zielerreichung in Forellen- und Äschenbächen in Rheinland-Pfalz. Fallstudie Nister: Die stoffliche Belastung an der Unteren Nister ist seit 1990 deutlich geringer geworden. Dennoch entwickeln sich im Frühjahr massenhaft fädige Algen auf der Sohle. Die Fischfauna hat sich u.a. durch eine deutliche Zunahme der Elritze sowie durch die Abnahmen von Aal und Äsche sowie auch anderer Arten wie der Nase verändert. Das Ablussregime hat sich ab den 1990-Jahren und noch verstärkt seit 2008 dramatisch verändert, mit erheblich geringeren Abflüssen, insbesondere von April bis September. Die jahreszeitlichen Beziehungen von Orthophosphat zu Wassertemperatur und Abfluss weisen darauf hin, dass die starke Zunahme der Konzentration von Orthophosphat im Frühjahr wahrscheinlich grundlegend für die Eutrophierungsprozesse ist. Schutzmaßnahmen zur Verminderung von Nährstoffeinträgen sind äußerst wichtig. Zu diesen zählen Gewässerrandstreifen bei belastenden diffusen Einträgen. Wirksame Randstreifen erstrecken sich über längere Fließstrecken, sind zusammenhängend, dauerhaft angelegt, funktional strukturiert und hinreichend breit. Für den Stoffeintrag aus Kläranlagen an Bächen ist eine Immissionsbetrachtung erforderlich, die sich auf einen ökologisch relevanten Bemessungsabfluss bezieht. Dieser berücksichtigt die aktuellen klimatischen Veränderungen.
null Weltwassertag 2022: Grundwasser ist Gewässertyp des Jahres 2022 Baden-Württemberg/Karlsruhe „Mit ihrem regelmäßigen Grundwasser-Monitoring setzt die LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg das Motto des diesjährigen Weltwassertags „Making the invisible visible“ eins zu eins um. Schon seit vielen Jahren beobachten und bewerten wir unser Grundwasser und tragen damit zum Schutz unserer wertvollsten Trinkwasserressource bei“, so Werner Altkofer, stellvertretender Präsident der LUBW. Die LUBW hat pünktlich zum Weltwassertag am 22. März ihren Bericht zur Grundwasserüberwachung 2020 in Baden-Württemberg veröffentlicht. Mit zahlreichen Grafiken und Tabellen informiert der Bericht darüber, wie sich die Grundwasservorräte im Land im vergangenen Jahr entwickelt haben. Er gibt außerdem darüber Auskunft, wie stark das Grundwasser beispielsweise mit Nitrat und Industriechemikalien belastet ist. In den Jahren 2018 bis 2020 wurde erstmals das gesamte Landesmessnetz mit rund 1.900 Messstellen auf Glyphosat und Trifluoracetat untersucht. Glyphosat nur sehr selten im Grundwasser nachweisbar. Glyphosat ist ein Breitbandherbizid, das heißt es wirkt nicht selektiv, sondern gegen nahezu alle Pflanzen. Sein Abbauprodukt AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure) kann auch aus phosphonathaltigen Putz- und Reinigungsmitteln gebildet werden. Glyphosat bzw. AMPA wurden bei der ersten landesweiten Untersuchung nur sehr selten nachgewiesen. Die Herkunft der Befunde – Landwirtschaft oder Abwasser – ließ sich an den insgesamt 16 betroffenen Messstellen nicht eindeutig klären, da meist mehrere mögliche Einflussfaktoren vorlagen. Glyphosat führt somit nicht zu einer flächenhaften Gefährdung der Grundwasserqualität. Trifluoracetat fast überall im Grundwasser zu finden Trifluoracetat (TFA) ist ein Abbauprodukt vielfältiger chemischer Erzeugnisse wie Kältemittel, Pharmaka und Pflanzenschutzmittel. Bei der ersten landesweiten Untersuchung wurde Trifluoracetat im Grundwasser nahezu überall – an rund 95 % der untersuchten Messstellen – gefunden. Die höchsten Einzelbefunde betrafen durch industrielle Abwässer bzw. Uferfiltrat beeinflusste Messstellen. Grundwasservorräte auf niedrigem Niveau Insgesamt lagen die mittleren Grundwasservorräte im Jahr 2020 auf ähnlich niedrigem Niveau wie 2019. Es wurden außergewöhnlich steile Grundwasseranstiege auf ein überdurchschnittliches Niveau zu Jahresbeginn beobachtet. Insgesamt bewegten sich die Grundwasservorräte überwiegend innerhalb des unteren Normalbereichs. Im südlichen und nördlichen Oberrheingraben sowie in Oberschwaben und dem Kraichgau waren 2020 niedrige Grundwasservorräte zu verzeichnen. Befunde von EDTA im Vergleich zu 1998 halbiert Komplexbildner können Metalle binden und sind deswegen u.a. Bestandteil von industriellen Wasch- und Reinigungsmitteln. Ein Komplexbildner ist beispielsweise die Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA), welche an fast 20 % der untersuchten Messstellen - hauptsächlich in den Teilmessnetzen Industrie und Siedlung – nachgewiesen wurde. Im Vergleich zu den ersten landesweiten Untersuchungen in 1998 wird EDTA heute nur noch an halb so vielen Messstellen gefunden. „Komplexbildner sind somit ein gutes Beispiel dafür, dass es durch freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie gelingen kann, die Einträge und somit auch die Befunde im Grundwasser langfristig deutlich zu vermindern“, so der stellvertretende Präsident Werner Altkofer. Nitratbelastung nach wie vor zu hoch An rund 8% der Messstellen im Land überschreitet der Nitratgehalt 2020 den gesetzlich vorgegebenen Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter. Somit stellt Nitrat wie in den Vorjahren die Hauptbelastung im Grundwasser dar, auch wenn die Konzentrationen seit Jahren rückläufig sind. Seit 1994 hat die mittlere Nitratkonzentration landesweit von 29 Milligramm pro Liter um rund 24 Prozent auf 22 Milligramm pro Liter im Jahr 2020 abgenommen. Die hohe Nitratbelastung ist in der Regel auf intensiven Ackerbau bzw. auf den Anbau von Sonderkulturen zurückzuführen. Betroffen sind insbesondere Bereiche in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, Teile des Kraichgaus, der Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie die Region Oberschwaben. Insgesamt werden rund 45% der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. Auch in den landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen sinken die mittleren Nitratkonzentrationen seit vielen Jahren. Seit dem Jahr 1994 von gut 38 Milligramm pro Liter auf zuletzt knapp 30 Milligramm pro Liter, was einem Rückgang von rund 23 Prozent entspricht. Dieser Rückgang resultiert unter anderem aus der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO), die seit 1988 Landwirtinnen und Landwirte verpflichtet, in Wasserschutzgebieten die Flächen grundwasserschonend zu bewirtschaften. Die Landesregierung leistet entsprechende Ausgleichszahlungen für die daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteile. Hintergrundinformation Knapp drei Viertel des Trinkwassers wird in Baden-Württemberg aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Die LUBW überwacht regelmäßig die Grundwasserbeschaffenheit an rund 1.900 Messstellen. Zusätzlich kontrollieren die Wasserversorgungsunternehmen die Grundwasserqualität in den Wasserschutzgebieten. Diese und weitere detaillierte Ergebnisse zu Grundwasserinhaltsstoffen sowie zu den Grundwasservorräten sind im Bericht „Grundwasser-Überwachungsprogramm – Ergebnisse 2020“ veröffentlicht, der im Publikationsdienst der LUBW unter der Webadresse https://pudi.lubw.de/ als PDF-Datei heruntergeladen werden kann. Zur Auswahl stehen hier eine zweiseitige Kurzfassung und ein 46-seitiger Fachbericht.
Entspannt in der Sonne sitzen und die Zehen im feinen Sand vergraben – eine Vorstellung, die bei vielen von uns Sommerurlaubsgefühle wachrufen dürfte. Es gibt Lebensgemeinschaften, die das ganze Jahr über auf Sand verbringen: unsere Sandrasen. So bezeichnet man die Vegetation, die sich an offenen trockenen sandigen Standorten einstellen kann. In Baden-Württemberg sind solche natürlichen Sandrasen sehr selten und kommen in größerer Ausbildung nur in der nördlichen Oberrheinebene im Regierungsbezirk Karlsruhe vor. Hier wurden nach der letzten Eiszeit Sandschichten abgelagert, die der Wind aus den Schotterfeldern des Rheins ausgeblasen hat. Es bildeten sich Flugsandfelder und sogar Binnendünen – fernab vom Meer! Schutz Während in den vergangenen 200 Jahren viele Sandrasenflächen durch intensive landwirtschaftliche Nutzung (zum Beispiel für den Spargelanbau), Aufforstung oder Überbauung verloren gingen, unterliegen Sandrasen inzwischen dem Biotopschutz. Sie sind zudem über die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. Einen Überblick über den Zustand verschaffen regelmäßige Kartierungen, beispielsweise die Erfassung der Flächen bei der Erstellung von Managementplänen für Natura 2000-Gebiete oder im Rahmen der Offenland-Biotopkartierung . Diese Kartierung im Auftrag der LUBW findet 2021 unter anderem im Rhein-Neckar-Kreis statt und erfasst dort auch die seltenen Sandrasenflächen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2022 vorliegen. Gefährdung Ein großes Problem bei diesen kleinflächig vorkommenden Lebensräumen ist die heutige Verinselung und damit die Isolierung der Lebensräume. Ein Austausch von Individuen und Arten zwischen den Flächen ist damit nur sehr eingeschränkt möglich. Auf kleinen Flächen können einzelne Arten leicht durch zufällige Prozesse aussterben. Nur wenn ein Austausch zwischen den Flächen möglich ist, kann eine Verarmung dieser Flächen verhindert werden. Aus diesem Grund ist der Biotopverbund zur Erhaltung der Artenvielfalt der Sandrasen von enormer Bedeutung. Das Land fördert Biotopverbundplanungen und Maßnahmen über die Landschaftspflege-Richtlinie. Interessierte Kommunen können sich bei den Biotopverbundbotschafterinnen und -botschaftern der Landschaftserhaltungsverbände informieren. P flege Die meisten Sandrasenstandorte sind unter den heutigen Bedingungen waldfähig. Hier würden ohne Zutun des Menschen im Laufe der Zeit Gehölze die Flächen einnehmen. In früheren Zeiten entstanden durch das Wirtschaften des Menschen immer wieder vegetationsfreie Flächen– z. B. durch Übernutzung der Wälder oder als Nebenprodukt einer extensiven Landwirtschaft auf sandigen Böden. Heute werden Sandrasen zumeist durch Pflegemaßnahmen geschaffen und erhalten. Gut erhaltene Sandrasen kann man zum Beispiel in den Naturschutzgebieten Sandhausener Dünen besichtigen. Bitte bleiben Sie zum Schutz der seltenen Tier- und Pflanzenarten auf den Wegen und leinen Sie Hunde grundsätzlich an. Bilder zeigen: Sandrasen und die typische Vegetation, Bildnachweis: D. Raddatz Mehr zum Thema:
Zur Überwachung der Luftqualität in Baden-Württemberg betreibt die LUBW ein landesweites Luftmessnetz. Dabei stehen nicht nur die Luftschadstoffe Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon im Fokus, sondern weitere relevante in der Luft vorhandene Stoffe, die schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt insgesamt haben. Dazu zählt unter anderem auch Ammoniak, ein wasserlösliches, stechend riechendes Gas. Es entsteht bei der mikrobiellen Zersetzung stickstoffhaltiger organischer Materie, wie zum Beispiel abgestorbener Pflanzenreste oder tierischer Exkremente. Typische anthropogene (also vom Menschen verursachte) Quellen sind die Landwirtschaft und hier insbesondere die intensive Tierhaltung. 2021 werden die bestehenden Messungen von Ammoniak um dreizehn neue Messstellen erweitert. Die Messstellen wurden unter den Gesichtspunkten „schutzwürdige Naturräume und Ökosysteme in Baden-Württemberg“ und „vorherrschende Nutzung“ festgelegt. Sie liegen in der Oberrheinebene, im Kraichgau, im Nordschwarzwald, im Markgräfler Land, in Hohenlohe, im Landkreis Schwäbisch Hall sowie im Raum Bodensee-Oberschwaben. Die Gebiete werden vor allem für Landwirtschaft (Ackerbau, Viehzucht, Obstanbau, Weinbau) oder Naherholung und Tourismus genutzt beziehungsweise sind als Naturpark oder Naturschutzgebiet geschützt. Die Messungen erfolgen mit Passivsammlern, bei denen die Proben alle 28 Tage gewechselt werden. Die Analyse erfolgt im Labor für Luftmessungen und stofflichen Verbraucherschutz in der LUBW. Bei der Messstellenauswahl wurde auch die als Ausflugsziel bekannte Hornisgrinde als anthropogen unbeeinflusste Messstelle festgelegt. Die Umgebungsbedingungen sind für eine Hintergrundmessung ideal, da eine freie Anströmbarkeit in alle Himmelsrichtungen gegeben ist und keine relevanten Emittenten vorhanden sind. Die Hornisgrinde ist der höchste Berg des Nordschwarzwaldes und liegt auf 1.164 m ü NN. Am 28.12.2020 starteten die Ammoniak-Messungen, jedoch unter erschwerten Bedingungen. Bei ca. 30 cm Neuschnee waren die Zufahrtsstraßen gesperrt und so mussten die Proben zu Fuß den Berg hinaufgetragen werden. Bilder zeigen: Probenwechsel auf der verschneiten Hornisgrinde am 28.12.2020, Bildnachweis: LUBW Mehr zum Thema:
Der Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) ist die größte heimische Molchart und vor allem an seiner mit schwarzen Flecken durchsetzten intensiven Gelbfärbung am Bauch zu erkennen. Durch seine Lebensweise ist die Art schwierig und aufwendig zu erfassen. Molekularbiologische Methoden ermöglichen der LUBW aber anhand von Gewässerproben einen Nachweis. Kammmolche können fast alle Typen stehender Gewässer besiedeln, meiden jedoch stark saure Gewässer sowie Fließgewässer. Oft bewohnt die Art Gewässer in Auwäldern oder in Abbaugebieten wie Kiesgruben und Steinbrüchen. In der Nähe sollten sich auch geeignete Landlebensräume befinden wie Nasswiesen, lichte Wälder oder Brachen. Als Tagesverstecke dienen dabei zum Beispiel Steinhaufen, Kleinsäugerbauten, vermodernde Baumstämme und Holzstapel. In Baden-Württemberg ist der Kammmolch weit, aber nicht gleichmäßig verbreitet. Die Verbreitungsschwerpunkte bilden die nördliche Oberrheinebene, das Bodenseegebiet, das Alpenvorland und die Region am mittleren Neckar. Im Schwarzwald und in der zentralen und westlichen Schwäbischen Alb fehlt er weitgehend. Von den 1980ern bis zu den 1990ern ging der Bestand um ca. 50 % zurück. Eine befriedigende Bestandsituation ist nur noch am nördlichen Oberrhein und im Bereich des westlichen Neckars gegeben. In anderen Gebieten sind die Populationen klein, zerstreut und stark isoliert. Um den Kammmolch aufzuspüren gibt es neben den klassischen Kartiermethoden auch molekularbiologische Möglichkeiten. Der molekularbiologische Nachweis Mit molekularbiologischen Verfahren können DNA-Spuren, sogenannte eDNA (environmental DNA), in Wasserproben gefunden werden. Anhand artspezifischer DNA-Sequenzen lassen sich im Gewässer lebende Arten identifizieren. Die eDNA gelangt durch Kot, Urin, Blut, Hautzellen und Sekrete ins Gewässer. Damit können auch Organismen, wie z. B. der Nördliche Kammmolch, nachgewiesen werden, die mit Erfassungen im Gelände (wie Sichtbeobachtung (nächtliches Ableuchten von Gewässern), Reusenfang, Keschern und Fangzaun) sonst nur schwer zu erfassen sind. Ein weiterer Vorteil des molekularbiologischen Verfahrens gegenüber den klassischen Verfahren ist der geringere Aufwand und die einfache Probennahme. Die Tiere und ihre Lebensräume werden außerdem weniger gestört. Der molekularbiologische Nachweis mittels eDNA ergänzt die Erfassung von Amphibien und Reptilien im Gelände. Eine genaue Aussagen zur Populationsgröße ist nicht möglich. Eine Kombination aus beiden Methoden ist daher ideal. Probenahme und molekularbiologische Untersuchung Für den eDNA-Nachweis in einer Wasserprobe ist schon eine geringe Menge an DNA der gesuchten Organismenart ausreichend. Die Proben werden an mehreren Stellen eines Gewässers entnommen, vor Ort zu einer Mischprobe vereinigt und zur Untersuchung ins Labor gebracht. Im Labor wird dann die Probe filtriert und danach die DNA aus den auf dem Filter zurückgehaltenen Zellen extrahiert. Es folgen weitere molekularbiologische Arbeitsschritte, bei denen, sofern in der Probe enthalten, die gesuchte, für die Organismenart spezifische Gensequenz zunächst mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR; Polymerase Chain Reaction) vervielfältigt und am Ende mit der spezifischen DNA-Sequenz der gesuchten Tierart verglichen wird. Mehr zum Thema: Karte zeigt: Vorkommensnachweise des Kammmolchs in Baden-Württemberg ab 2000, Bildnachweis: LUBW Bild zeigt: Männlicher Kammmolch, Bildnachweis: Benny Trapp
Foto: Apfelblüte des Gravensteiners im Murgtal, Quelle: LUBW Nach einem kalten März startet der April in diesem Jahr rasant durch und stellt die Zeichen auf Frühling. In der Phänologie ist der Beginn der Apfelblüte ein Indikator für den Vollfrühling. Die LUBW beobachtet nun bereits im zwölften Jahr im Murgtal den Verlauf der Apfelblüte in verschiedenen Höhenstufen, von der Oberrheinebene bis in die Höhenlagen des Schwarzwaldes. In den letzten Jahrzehnten begann der Frühling immer früher. So hat sich der Frühlingsbeginn in den vergangenen 25 Jahren in Baden-Württemberg um rund 10 Tage vorverlagert. Für das „Apfelblütenprojekt Murgtal“ wurde in den zwölf Beobachtungsjahren ein mittlerer Blühbeginn um den 11. April festgestellt. In diesem Jahr setzte die Apfelblüte zum 12. April ein und weicht somit nicht stark vom bisherigen Mittelwert ab. Die LUBW beteiligt sich mit der Höhenwanderung der Apfelblüte im Murgtal auch in diesem Jahr wieder an der SWR-Aktion Apfelblüte 2018. Das Tagebuch der LUBW-Mitarbeiterin Sandra Dezenter finden Sie auf der SWR-Webseite „ Höhenwanderung der Apfelblüte 2018 im Murgtal“.
Schmetterlingsforschern aus Karlsruhe ist es gelungen, das sogenannte Purpurweiden-Jungfernkind (Boudinotiana touranginii), ein tagaktiver Falter aus der Familie der Spanner in Deutschland erstmal nachzuweisen. Bisher war das Vorkommen des Purpurweiden-Jungfernkinds vor allem aus Zentralfrankreich belegt. Am 17. März 2015 entdeckten Mitarbeiter des Naturkundemuseums Karlsruhe ein erstes Exemplar in der südlichen Oberrheinebene. Das Purpurweiden-Jungfernkind ist nicht neu nach Deutschland eingewandert, sondern wohl seit Jahrtausenden in der südlichen Oberrheinebene heimisch. Es handelt sich vermutlich um eine Reliktart der dynamischen Stromtalauen, wie sie bis vor 200 Jahren auch noch für den Rhein typisch waren. Aufgrund seiner Verborgenheit war das Purpurweiden-Jungfernkind bisher übersehen worden. Es ist deshalb so schwer zu finden, weil es nur eine extrem kurze Zeit als Falter auftritt. Diese Zeit liegt zudem im zeitigen Frühjahr, und beginnt noch bevor die Weiden aufblühen und ihre Kätzchen zeigen.
null LUBW-Präsidentin Margareta Barth: Frühling kehrt durch Klimawandel immer früher ein. "Aufgrund des Klimawandels beginnt in Baden-Württemberg das Frühjahr für die Natur immer früher. Unsere langjährigen Beobachtungen des Blühtermins beim Apfel belegen eine Vorverlagerung der Blüte in den vergangenen 25 Jahren um rund 10 Tage“, erklärte Margareta Barth, Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg zum diesjährigen Start des Apfelblütenprojektes am 14. April im Murgtal (Landkreis Rastatt). Das ausgewählte Beobachtungsgebiet reicht von der Oberrheinebene (Bietigheim, 120 m ü. NN) über das Murgtal bis in die Höhenlagen des Schwarzwaldes (Schliffkopf, 1043 m ü. NN). Mit diesem Projekt, das 2016 bereits zum 10. Mal durchgeführt wird, beteiligt sich die LUBW an der Aktion „Apfelblütenland 2016“ des SWR, der die Entwicklung der Apfelblüte bundesweit verfolgt. Die Apfelblüte dient dabei als Indikator für den Frühlingsbeginn. Im Gegensatz zum astronomisch berechneten Frühling, der sich an der Tag-und-Nacht-Gleiche orientiert und dieses Jahr am 20. März eintrat, beruht der sogenannte phänologische Frühlingsbeginn auf Entwicklungen in der Natur. Dabei werden drei Phasen unterschieden: So stehen Schneeglöckchen- und Haselblüte für den Vorfrühling, der Blühbeginn von Forsythie und Birne für den Erstfrühling und schließlich der Blühbeginn des Apfels und des Flieders für den Vollfrühling. Die LUBW beobachtet Entwicklungen und Veränderungen in Natur und Umwelt seit Jahrzehnten. In die systematische Auswertung hinsichtlich des phänologischen Frühlingsbeginns sind die seit 1960 über den Deutschen Wetterdienst verfügbaren Daten eingeflossen. Verglichen wurden die Zeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2015. Da die Daten lange zurückreichen, lässt sich trotz natürlich vorkommender Schwankungen einzelner Jahre ein Gesamttrend beobachten. Die Apfelblüte am Eingang zum Murgtal gehört dabei zu den frühesten in Deutschland. Mit zunehmender Höhenlage bzw. je weiter nördlich die Bäume stehen verzögert sich temperaturbedingt der Blühbeginn. Deshalb stellt sich die Apfelblüte auf dem Schliffkopf in 1043 m ü. NN häufig zeitgleich mit dem Blühbeginn der Apfelbäume an der Ostseeküste ein. Der früheste Blühbeginn im Murgtalprojekt war am 1. April 2014 zu verzeichnen. Der späteste Termin lag im Jahr 2013. Damals begann die Apfelblüte erst am 24. April. Über den Zeitraum von 25 Jahren betrachtet lässt sich eine Vorverlagerung des Blühbeginns um rund 10 Tage erkennen. „Anhand der Langzeitauswertung erhalten wir ein realistisches Gesamtbild und sind über die Beobachtung von Veränderungen in der Natur dem Klimawandel auf der Spur", so Margareta Barth. Die Ergebnisse lieferten eine objektive Grundlage, frühzeitig Anpassungen an klimatische Veränderungen in die Wege zu leiten. Das Gemeinschaftsprojekt mit dem SWR bringe nicht nur neue Erkenntnisse zum Klimawandel, sondern mache diese auch für die Öffentlichkeit erfahrbar, erläuterte Barth. Dabei bestätigt die Apfelblütenerfassung eine klimatische Entwicklung, die auch durch weitere „Signale aus der Natur“ aufgezeigt wird. So kehren die Zugvögel immer früher aus ihren Winterquartieren zurück und gehen immer zeitiger dem Brutgeschäft nach oder dehnen die Brutgebiete weiter nach Norden aus. Darüber hinaus ist in den letzten zwei Jahrzehnten eine verstärkte Ausbreitung und Zuwanderung Wärme liebender Insektenarten, insbesondere aus dem Mittelmeerraum, nach Baden-Württemberg zu beobachten. Eine von der LUBW in Auftrag gegebene Studie belegt, dass hierzu vor allem Libellen, Schmetterlinge, Käfer und Bienen zählen. Wie sich eine solche Zuwanderung Wärme liebender Insektenarten, darunter auch Schädlinge und Krankheitserreger, auf Tier- und Pflanzenartengemeinschaften, deren Lebensräume und letztendlich auch auf die Bevölkerung in Baden-Württemberg auswirken könnte, sei Gegenstand weiterer Untersuchungen der LUBW, so Präsidentin Barth.
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