API src

Found 291 results.

Related terms

Sicherung des Wasserwerks Wuhlheide

Mit der industriellen Entwicklung und Gründung von zahlreichen Industriebetrieben in Berlin-Oberschöneweide erfolgte auch die Errichtung und Inbetriebnahme des Wasserwerks Wuhlheide (1916). Als Folge von Kriegseinwirkungen, Handhabungsverlusten, anderen Schadensereignissen und mangelndem Umweltbewusstsein erfolgte über Jahrzehnte hinweg der Eintrag von Schadstoffen in die Umweltkompartimente Boden und Grundwasser, die sich, ausgehend von den industriell genutzten Flächen im sogenannten „Spreeknie“, in Richtung der Förderanlagen des Wasserwerks verlagerten. Zu den am häufigsten nachgewiesenen Schadstoffklassen gehören die leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffe (LCKW und FCKW), die aromatischen und polyaromatischen Kohlenwasserstoffe (BTEX und PAK), Mineralöle (MKW) und untergeordnet Phenole, Cyanide und Aniline. Insbesondere LCKW, FCKW, BTEX und Aniline stellen aufgrund ihrer hohen Mobilität im Grundwasser eine Gefahr für die Trinkwassergewinnung dar. Bereits 1920 musste eine Brunnengruppe der Westgalerie aufgrund starker Verunreinigungen mit hauptsächlich Phenolen, die vom nahegelegenen Gaskokereistandort am Blockdammweg stammten, außer Betrieb genommen und zurückgebaut werden. In den 1980er Jahren wurden weitere Brunnen der Gruppe 2 bis 4 des Wasserwerks Wuhlheide wegen organischer Schadstoffbelastung stillgelegt. In einzelnen Förderbrunnen der Brunnengruppe 10 der Westgalerie wurden in den 1990er Jahren Belastungen des Grundwassers durch LCKW nachgewiesen. Durch die Einleitung von hydraulischen Sofortmaßnahmen im Anstrom konnte hier jedoch eine Stilllegung abgewehrt werden. Im Bereich der Ostgalerie wurde die ehemalige Brunnengruppe 9 zudem durch eine Verunreinigung mit den Pflanzenschutzmitteln Meco- und Dichlorprop gefährdet. Die Transferpfade (Schadstofffahnen) der verschiedenen Kontaminanten von den Eintragsbereichen zu den Förderbrunnen des Wasserwerks Wuhlheide befinden sich überwiegend in Siedlungs- bzw. Wohnbereichen von Oberschöneweide sowie den Gewerbegebieten in Rummelsburg. Seit 1991 wurden in einzelnen Förderbrunnen der Westgalerie des Wasserwerks Wuhlheide – primär in der ehemaligen Brunnengruppe 10 – Belastungen des Grundwassers durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) nachgewiesen. Die Quellbereiche der Fahne wurden auf den ca. 1 km südwestlich von der Brunnengalerie gelegenen Industriegrundstücken im sogenannten „Spreeknie“ lokalisiert. Dazu gehörten: WF Werk für Fernsehelektronik Betriebsteil Nord, später Bildschirmproduktion durch Samsung SDI Germany GmbH, heute Handwerk und Mischgewerbe. Betriebsteil Süd, heute TGS Technologie und Gründerzentrum Spreeknie. Kabelwerke Oberspree (KWO), heute u. a. Standort der HTW Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Campus Wilhelminenhof AE Berliner Batterie und Akkumulatorenfabrik, heute fortgesetzt Batterieproduktion Bis zur Aufnahme grundstücksbezogener Sanierungsmaßnamen zur Beseitigung der Schadstoffquellen in den Eintragsbereichen sowie der Umsetzung hydraulischer Sicherungsmaßnahmen in 1994 / 1995 erfolgte im unbedeckten 1. Grundwasserleiter vor allem für die Kontaminanten LCKW und FCKW ein weitgehend ungehinderter Abstrom in Richtung der Wasserfassungen (Förderbrunnen) der Westgalerie des Wasserwerkes Wuhlheide. Im Rahmen verschiedener Erkundungskampagnen seit 1991 konnte zunächst eine großflächige Schadstofffahne (LCKW) ermittelt werden, welche sich im ersten Grundwasserleiter, ausgehend von den o.g. ehem. Industriegrundstücken (v. a. WF Nord und Süd) unter dem Wohngebiet Oberschöneweide bis in die Wuhlheide, dem nahen Zustrombereich der Förderbrunnen der Westgalerie (Brunnengruppe 9, 10 und 11) erstreckte. Später wurden, teilweise überlagernd bzw. leicht nördlich versetzt zur Schadstofffahne LCKW, wenn auch in geringerer Breite, den Wasserfassungen zuströmende Verunreinigungen des Grundwassers durch FCKW festgestellt. Als Eintragszentrum der FCKW-Belastungen wurden ebenfalls Teilflächen des ehem. WF Nord und Süd identifiziert. Während sich die Kontaminationen durch FCKW auf den 1. unbedeckten Grundwasserleiter beschränkten, wurde für LCKW lokal auch ein Übergang in den 2. Aquifer, verbunden mit einem Abstrom geringer Frachten zu den Wasserwerksfassungen nachgewiesen. Ziel von Gefahrenabwehrmaßnahmen in dem Transferpfad bzw. im unmittelbaren Wasserwerksbereich ist zum einen die Verhinderung einer weiteren Verlagerung der Schadstofffahnen in Richtung der Wasserfassungen des Wasserwerks Wuhlheide (Sicherung), zum anderen wurden und werden in den Belastungsschwerpunkten der Fahnen Sanierungsmaßnahmen zur Verkürzung der Sicherungslaufzeiten durchgeführt. Auf Grundlage hydraulischer Modellrechnungen erfolgte in einem ersten Schritt die Umsetzung des hydraulischen Sicherungs- und Sanierungskonzeptes, infolgedessen seit 1995 die Grundwasserförderung auf den vier Eintragsgrundstücken stattfand. Seit 1997 wurde das Messstellennetz schrittweise erweitert, um die FCKW/LCKW-Schadstofffahnen abzugrenzen und weitere Sanierungsmaßnahmen im Transferpfad zu planen. Seit 2000 wurden auf dem Transferpfad an 5 Standorten Grundwasserreinigungsanlagen betrieben, von denen heute nur noch eine Anlage an der Christuskirche in Betrieb ist. Die hydraulischen Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen im Transferpfad konnten die Belastungssituation im LHKW-Fahnenbereich deutlich verbessern. Als Folge konnten die im Transferpfad betriebenen Grundwasserreinigungsanlagen im Verlauf der 2000er Jahre sukzessive zurückgebaut werden. Seit Beginn 2017 erfolgt die alleinige Abstromsicherung über die Sicherungs-/ Sanierungsmaßnahme „Christuskirche“, deren Anlage zur Zeit mit zwei Brunnen betrieben wird. Am nördlichsten Sicherungsbrunnen sind die LHKW-Belastungen seitdem so weit zurückgegangen, dass die Anforderungen zur Direkteinleitung des Rohwassers in den Regenwasser-Kanal erfüllt werden. Die Fortführung der Abstromsicherung zur Gefahrenabwehr und Sanierung des LHKW-Transferpfades ist mittelfristig weiterhin erforderlich. Der Fokus der Sicherung und Sanierung liegt aus Toxizitätsgründen auf den LCKW Einzelparameter Vinylchlorid, der weiterhin die geltenden Prüfwerte um ein Vielfaches überschreitet. Zur Unterstützung der hydraulischen Sanierungsmaßnahme auf dem Transferpfad wird seit 2012 durch in-situ-Verfahren mittels O2-Direktgasinjektion der vollständige mikrobiologische LCKW-Abbau (Umsetzung von Vinylchlorid zu Ethen) in Feldversuchen geprüft und mit Isotopenanalysen abgeglichen. Zur weiteren Steuerung und Optimierung der laufenden hydraulischen Maßnahme wird das Grundwassermonitoring fortgeführt. Besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung der Belastungssituation im unmittelbaren Anstrom an die Westgalerie des Wasserwerks Wuhlheide, um die erreichte Qualität der Grundwasserbeschaffenheit weiter zu überprüfen und im Bedarfsfall die Maßnahmen zur Transferpfadsicherung weiter zu optimieren. Der Gesamtschadstoffaustrag von 2002 bis Ende 2018 beläuft sich auf insgesamt 1.212 kg LCKW sowie 1.550 kg FCKW. Zur Unterstützung der hydraulischen Sanierungsmaßnahmen auf dem Transferpfad soll weiterhin auch die Anwendbarkeit von in-situ-Verfahren zum vollständigen mikrobiologischen LCKW-Abbau (Umsetzung von Vinylchlorid zu Ethen) geprüft werden. Erste Versuche zur passiven Einbringung von Sauerstoff in den Aquifer (iSOC-Verfahren) wurden bereits im Zeitraum April 2012 bis Mai 2013 durchgeführt. Im Jahr 2015 ist die Fortsetzung der Einsatzprüfung von in-situ-Sanierungsverfahren im Rahmen eines Feldversuchs zur Direktgasinjektion vorgesehen. Die Gesamtkosten für die Sicherungsmaßnahmen, die direkt den Transferbereichen zuzurechnen sind, beliefen sich bis Ende 2018 auf ca. 8,8 Mio. €. In 2008 wurde durch die Berliner Wasserbetriebe (BWB) der Nachweis von Anilinverbindungen (Aniline, Chloraniline) und Chlorbenzolen in der Brunnengruppe 5 der Westgalerie des Wasserwerks Wuhlheide erbracht. In der Folge wurden die ehemaligen Brunnengruppen 5 und 6 außer Betrieb genommen. Als möglicher Quellbereich der Verunreinigungen wurde auch anhand von Modellrechnungen ein nördlich gelegener ehem. Industriestandort identifiziert. Dort ist in dem Zeitraum 1895 bis 1945 mit der Herstellung von Farben auch die Verwendung von Anilinen ((Di-)Chlor-/ (Di-)Methylaniline), Chlorbenzolen, Chlornitrobenzolen und anderen produktionsspezifischen Stoffen erfolgt. Bedingt durch die hohen Förderleistungen aus der früheren Betriebszeit des Wasserwerks (um 1980), ist eine Verlagerung der Kontaminanten in Richtung der Wasserwerksbrunnen erfolgt, wobei die Schadstoffe dabei auch den 3 Aquifer (ca. 70 – 100 m Tiefe) erreicht haben. Die große Tiefenlage der Belastungen sowie der komplex aufgebaute Grundwasserleiter sind verantwortlich für die hohen Aufwendungen zur Erkundung und Sanierung des Grundwasserschadens in dem Transferbereich zu den Wasserwerksbrunnen. Als sofortige Gefahrenabwehrmaßnahme für die aktiven Wasserfassungen des Wasserwerks Wuhlheide wurden 3 Brunnen der ehem. Hebergruppe 5 in 2010 zu eigenbewirtschafteten Sicherungsbrunnen umgebaut. Die Reinigung des geförderten Grundwassers (jeweils 25 m³/h) erfolgt mittels Aktivkohle über eine Grundwasserreinigungsanlage. Dabei wurde der Nachweis über die hohe Wirksamkeit des mikrobiologischen Abbaus in dem Reaktor erbracht. Seit 2003 bis 2015 wurden mehrere Quell-/ Eintragsbereiche mittels Bodenaustausch durch Großlochbohrungen, Wabenverfahren und gespundete Gruben saniert. In 2010 wurde auch dort der Förderbetrieb aus sechs Brunnen als hydraulische Sicherungs-/ Sanierungsmaßnahme aufgenommen, um eine fortgesetzte Verfrachtung der Kontaminanten zu den Wasserfassungen sowie in die nahe gelegene Spree (Vorfluter) zu verhindern. Zur Erkundung der Verbreitung sowie der Fließwege der Verunreinigungen durch Anilinverbindungen und Chlorbenzole als Basis für die Planung weiterer möglicher Gefahrenabwehrmaßnahmen wurden in 2011/2012 insgesamt acht mehrfach ausgebaute Grundwassermessstellen mit Endtiefen von 80 bis 100 m unter Geländeoberkante errichtet. Die Festlegung der Filterstrecken erfolgte entsprechend den Ergebnissen von vorlaufender tiefenorientierter Beprobungen des Grundwassers. Zur Verifizierung der Verunreinigungen durch die Kontaminanten wurden in 2014 an einer Auswahl der neu errichteten Pegel Immissionspumpversuche durchgeführt. Die Reinigung des anfallenden Wassers erfolgte über mobile Grundwasserreinigungsanlagen. Daneben wurde anhand kontinuierlicher Beobachtung der Grundwasserstände (Drucksonden mit Datenloggern) die hydraulische Kommunikation zwischen den Grundwasserleiten untersucht. Im Rahmen eines Pumpversuches an einer hoch belasteten Grundwassermessstelle wurde in 2010/2011 eine große Schadstoffnachlieferung festgestellt, die, zumindest für lokale Bereiche, ein ergiebiges Schadstoffpotential belegt. Zur Beobachtung der Belastungssituation ist zunächst die Fortführung des halbjährlichen Grundwassermonitorings vorgesehen. Daneben werden die hydraulischen Sicherungsmaßnahmen sowohl in dem Quellbereich als auch im nahen Anstrom der Wasserfassungen des Wasserwerks Wuhlheide weiter betrieben. Zur weiteren Überprüfung der hydrodynamischen Situation sowie der Verlagerungen der Belastungen in den Grundwasserleitern 1 und 2 (Fließwege) ist in 2015 die Errichtung zusätzlicher Messstellen mit vorlaufender teufenorientierter Beprobung des Grundwassers geplant. Ggf. ist auch eine Sanierung nachgewiesener Belastungsschwerpunkte innerhalb der Schadstofffahne erforderlich. Die Kosten für die Durchführung vorstehender Arbeiten zur Erkundung sowie Sicherung der Wasserfassungen des Wasserwerks Wuhlheide beliefen sich bis Ende 2015 auf ca. 1,4 Mio. €. Ende 2000 wurden durch die Berliner Wasserbetrieb anhand routinemäßiger Überprüfungen der Grundwasserqualität in Proben aus den Brunnen der Gruppe 9 Belastungen durch das Pflanzenschutzmittel Mecoprop, untergeordnet Dichlorprop festgestellt. Als Folge war eine weitere Nutzung der Fassungen zur Trinkwassergewinnung nicht möglich und die Umsetzung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr notwendig. Die Ursache für die Grundwasserbelastungen (Quell-/ Eintragsbereich) konnte auch als Ergebnis der nachfolgend genannten Erkundungsmaßnahmen nur vermutet werden. In 2002 bis 2008 sind mit der teufenorientierten Beprobung des Grundwassers an 72 Standorten zunächst umfangreiche Erkundungen zur vertikalen sowie lateralen Verbreitung der Verunreinigungen vorgenommen worden. Als Ergebnis der Arbeiten wurden in 2004 und 2010 / 2011 sechs mehrfach ausgebaute Grundwassermessstellen errichtet. Zur Verhinderung eines weiteren Abstroms der Kontaminanten wurden zunächst die Heberbrunnen der Gruppe 9 (BWB) zu eigenbewirtschafteten Brunnen umgebaut und der Förderbetrieb als hydraulische Sicherungsmaßnahme in 2003 aufgenommen. Als Ergebnis von Modellrechnungen zur Optimierung der Maßnahme und mangels Regenerierbarkeit der Heberbrunnen wurden in 2012 zwei neue Sicherungsbrunnen im Anstrom der Brunnengruppe in Betrieb genommen. In 2013 wurde mit dem Förderbetrieb bei einer Entnahmerate von jeweils 40 m³/h begonnen. Die Reinigung des anfallenden Grundwassers erfolgt mittels Wasser-Aktivkohle. Durch das begleitende Monitoring wird die Wirksamkeit der Sicherung überprüft. Zur weiteren Beobachtung der Grundwasserbeschaffenheit ist die Fortführung der periodischen Beprobungen (Monitoring) vorgesehen. Zur Überprüfung einer sicheren Erfassung der Belastungen durch Meco- und Dichlorprop durch die hydraulische Maßnahme ist für 2015 die Errichtung von 3 zusätzlichen Messstellengruppen (Ausbau 2-fach) und ggf. eines weiteren Sicherungsbrunnens geplant. Die Kosten für die Erkundungsarbeiten sowie die Umsetzung und den Betrieb der hydraulischen Sicherungsmaßnahme belaufen sich bis heute auf ca. 1,7 Mio. €.

Transformatorenwerk Rummelsburg

Das Grundstück wurde seit den 20er-Jahren bis 1953 zunächst durch die Elektrometallurgische Werke Rummelsburg bzw. Berliner Elektrizitätswerke genutzt. Nachfolgend diente es bis 1992 dem VEB TRO Karl Liebknecht, hauptsächlich zur Herstellung von Strom- und Spannungswandlern. Seit 1992 befindet sich das Grundstück im Besitz der ALSTOM T&D GmbH (Nutzung: Fertigung von Wandlern und Hochspannungsschaltgeräten sowie Kundenservice). Im Rahmen der Erkundungsmaßnahmen wurden Boden- und Grundwasserkontaminationen vorrangig durch MKW, Cyanide und untergeordnet Schwermetalle und BTEX, die nachweislich bis 1992 eingetragen wurden, in mindestens 5 Schadstoffeintragsbereichen festgestellt. Bedingt durch größere Schwankungen der Grundwasserstände hat eine erhebliche vertikale Verlagerung der Verunreinigungen durch MKW in die grundwassergesättigte Bodenzone stattgefunden. Im Rahmen des Monitorings wurde eine geringmächtige, dem Grundwasser aufsitzende Ölphase festgestellt. Ziel der Sanierungsmaßnahmen war vordringlich eine umfassende Frachtbeseitigung (“hot-spots”) zur Verhinderung einer Verlagerung der Kontaminanten in Richtung der Wasserfassungen des Wasserwerkes Wuhlheide . Seit 1991 erfolgten zunächst verschiedene Maßnahmen zur Altlastenerkundung der Umweltkompartimente Boden, Bodenluft und Grundwasser, die sich mit fortschreitendem Kenntnisstand auf die Eingrenzung lokaler Belastungsschwerpunkte beschränkten. In dem Zeitraum Oktober 1996 bis Anfang 1997 und von Herbst 2001 bis Juni 2003 wurden in den Sanierungsbereichen zuerst eine Tiefenenttrümmerung und im Anschluss die Sanierung des Boden durch Bodenaushub (z.T. als Nassbaggerung) durchgeführt. Dabei sind folgende Kubaturen Boden als besonders überwachungsbedürftiger Abfall (Zuordnungswert >Z2) ausgehoben und entsorgt worden: 5.000 t cyanidhaltiger Boden 23.000 t MKW-haltiger Boden (reine MKW-Fracht: 250 t) Parallel zu den Bodenaustauschmaßnahmen wurde die dem Baugrubenwasser aufsitzende Ölphase (ca. 250 m³) mittels Skimmersystem abgesaugt. Als Nachsorgemaßnahme einschließlich Sanierungserfolgskontrolle wurde auf dem Grundstück ein 35 Einzelpegel umfassendes Messnetz errichtet. Zur Verifizierung des Sanierungserfolges wurde das Grundwassermonitoring bis 2012 fortgeführt. Da sich dabei in einem Bereich eine LCKW-Kontamination dauerhaft nachweisen ließ, wurde hier im Jahr 2011 noch eine kleinräumige Sanierung durch Großlochbohrungen durchgeführt. Dabei wurden ca. 400 t Boden mit einer LCKW-Fracht von 28 kg ausgetauscht. Für die Bodensanierung wurden Mittel in Höhe von 3,7 Mio. € aufgewendet. Die begleitende Baugrubenwasserhaltung/Grundwassersanierung sowie GW-Monitoring und Management kostete ca. 0,68 Mio. €. Seit der Beendigung der Sanierungsmaßnahmen wird das Grundstück gewerblich durch mehrere Firmen genutzt.

Fachinformation Trinkwasser und Badebeckenwasser - Nr.: 10/24

Liebe Wasserfachleute! Der diesjährige Wasserkurs, die Fortbildungstagung für Wasserfachleute, findet vom 6. bis 8. November 2024 statt. Der Verein für Wasser-, Boden- und Lufthygiene (WaBoLu e.V.) lädt hierfür gemeinsam mit dem Umweltbundesamt nach Berlin ein! Ein Schwerpunkt in diesem Jahr wird die Wasserversorgung in krisenhaften Lagen sein. Was gilt – im Vergleich zur Normalsituation – in Trinkwassernotfällen? Expert*innen des THW, der Bundeswehr und des BBK präsentieren ihre Beiträge zur Notversorgung. Weiter wird die Anwendung von Passivsammlern als ergänzende Technik der Probenahme Themenfeld eines Vortragsblocks sein. Kolleg*innen aus Forschung und Praxis werden Ihre Ergebnisse und Erfahrungen darstellen und auf die Potentiale dieses integralen Verfahrens, auch stark polare Spurenstoffe anzureichern, eingehen. Die so genannten Ewigkeitschemikalien PFAS werden auf verschiedenen Wegen in die Gewässer eingetragen. Gleichzeitig wurden Regelungen zu PFAS mit der Umsetzung der Trinkwasserrichtline in der nationalen Trinkwasserverordnung verankert. Wie kann die Aufbereitung von Rohwässern für die Stoffgruppe PFAS gelingen und was ist zu beachten? Das harmonisierte Format für den Transfer von Untersuchungsergebnissen, die EU-Verordnung zur Wasserwiederverwendung und der Vollzug der Trinkwassereinzugsgebieteverordnung werden in einer Session thematisiert. Ein Vortragsblock zu kleinen Wasserversorgungen schlägt einen Bogen von der novellierten Leitlinie der WHO über Empfehlungen zum Vollzug der Gesundheitsämter bis zur Überwachungspraxis. Ebenfalls besteht in Fachgesprächen die Möglichkeit für einen intensiven Austausch zu verschiedenen Themen. Hier wird auf neu auftretende Kontaminanten und Spurenstoffe, die uns ggf. in der nahen Zukunft beschäftigen werden, eingegangen. Die Schulungsmaterialien des UBA zum Risikomanagement in der Trinkwasserhygiene werden im zweiten Fachgespräch erörtert. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie unter: https://wabolu.de/veranstaltung/ Bitte melden Sie sich online für die Veranstaltung an unter: https://wabolu.de/onlineanmeldung/ Ihre Abteilung "Trinkwasser- und Badebeckenwasserhygiene" des Umweltbundesamtes

Perchlorat - Hintergrundbelastung verschiedener Umweltmedien

Untersuchungen von Niederschlagswasser-, Boden- und Baumproben Immer wieder wird auf und in diversen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse Perchlorat nachgewiesen. In 2013 ließ das Umweltbundesamt (UBA) deshalb verschiedene Probenmatrices sowie Niederschlagswasser des UBA-Messnetzes auf die Hintergrundbelastung mit Perchlorat untersuchen. In keiner der 24 untersuchten Proben der sechs Messstationen des UBA-Luftmessnetzes konnte Perchlorat nachgewiesen werden. Die Proben wurden im Zeitraum Anfang September bis Mitte November 2013 gewonnen. Die Bestimmungsgrenze betrug 0,1 µg/L. Zur Bestimmung der Hintergrundbelastung mit Perchlorat im Boden und in Pflanzen nutzte das UBA Proben aus dem Archiv der Umweltprobenbank des Bundes (UPB). Die Probenarten Boden, Buchenblätter und einjährige Fichtentriebe stammen aus fünf verschiedenen Probenahmegebieten der UPB. Diese Gebiete sind über ganz Deutschland verteilt und drei verschiedenen Ökosystemen zuordenbar: Agrar-, Forst- sowie Naturnahes terrestrisches Ökosystem. Da die UPB nicht in allen Gebieten jährlich Proben entnimmt, variieren teilweise die Probenahmejahre; es wurden im November 2013 immer die jüngsten der im UPB-Archiv verfügbaren Proben untersucht. Soweit vorhanden, wurden beim Boden jeweils die Auflage sowie der Oberbodenhorizont untersucht. Dabei handelt es sich um Proben aus dem Jahr 2010; die routinemäßige Bodenbeprobung findet für die UPB nur alle vier Jahre statt. Perchlorat war in keiner der untersuchten Oberbodenproben nachweisbar; in den Humusauflagen fanden sich Perchlorat-Konzentrationen in Höhe von ca. 0,001 µg/g FG nur in den Proben vom Oberbayerischen Tertiärhügelland sowie vom Nationalpark (NP) Bayerischer Wald (siehe Abb. 1). Es ist anzumerken, dass in Bornhöved keine Auflagehorizonte beprobt werden können, da es sich um bewirtschaftetes Ackerland handelt. Die untersuchten Proben setzen sich aus folgenden Probenahmejahren zusammen: 2011: Buchenblätter Bornhöveder Seengebiet, Solling, BR Pfälzerwald 2012: Buchenblätter NP Bayerischer Wald, Oberbayerisches Tertiärhügelland 2012: Fichtentriebe Oberbayerisches Tertiärhügelland 2013: Fichtentriebe Bornhöveder Seengebiet, NP Bayerischer Wald, Solling, BR Pfälzerwald Als Vertreter von Pflanzen wurden Buchenblätter sowie einjährige Fichtentriebe ausgewählt. Die gefundenen Werte liegen unter den vom Ständigen Ausschuss für Kontaminanten in der Lebensmittelkette der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) genannten Referenzwerten für Lebensmittel von 0,02 bis 1,0 µg/g (entspricht 0,02 bis 1,0 mg/kg). Auffällig sind die gegenüber den Fichten- und Bodenproben erheblich höheren Gehalte der Buchenblätter. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Perchlorat während der Vegetationsperiode eingetragen wird. Darüber hinaus sind die Blattproben der beiden Agrar-Ökosysteme deutlich höher belastet, als die Proben der restlichen drei Gebiete. Die Ergebnisse deuten an, dass die Perchloratbelastung von Agrarprodukten nicht der allgemeinen Umweltbelastung zuzurechnen ist. Aktualisiert am: 11.01.2022 Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche Datenrecherche

PMT- und vPvM-Stoffe unter REACH

PMT- und vPvM-Stoffe unter REACH PMT/vPvM-Stoffe sind persistent und mobil in der aquatischen Umwelt. Diese inhärenten Stoffeigenschaften ermöglichen eine Ausbreitung bis in die Ressourcen unserer Trinkwässer. Eine Kontamination kann irreparabel sein, da diese Stoffe in der Umwelt verbleiben, Filter durchbrechen und die Trinkwasseraufbereitung überstehen. Registranten unter REACH müssen Emissionen in die Umwelt minimieren. <– zurück: Die abgestimmten PMT/vPvM-Kriterien | –> weiter: Emergenz (2009 - 2015) der PMT/vPvM-Kriterien Welche Arten von Chemikalien haben die höchste Wahrscheinlichkeit, die Ressourcen unserer Trinkwässer zu verschmutzen und zu kontaminieren? Die Antwort lautet: Stoffe, die mobil genug sind, um sich im Wasserkreislauf durch natürliche und künstliche Barrieren (Filter) zu bewegen, und die persistent genug sind, um eine so lange Reise zu überstehen. Es ist die Kombination der beiden intrinsischen Stoffeigenschaften "⁠ Persistenz ⁠" und "Mobilität", welche Anlass zu hoher Besorgnis geben. Einmal in die Umwelt freigesetzt, können sich persistente und mobile Stoffe über weite Entfernungen ausbreiten, in die Ressourcen der Trinkwässer gelangen und sogar innerhalb anthropogener Wasserkreisläufe zirkulieren. Es ist unmöglich, die langfristigen Auswirkungen einer ⁠ Emission ⁠ in die Umwelt vorherzusagen, da die Emission in die Umwelt und ihre möglichen Auswirkungen auf Ökosysteme und die menschliche Gesundheit zeitlich oder räumlich entkoppelt sind; das bedeutet, dass die Auswirkungen lange nach und weit entfernt vom Ort der Freisetzung auftreten können. Gemäß der EU-Chemikaliengesetzgebung ⁠ REACH ⁠ sind die Registranten verpflichtet, eine sichere Verwendung von Chemikalien während ihres gesamten Lebenszyklus zu definieren und aufrechtzuerhalten. Gegenwärtig fehlen in REACH geeignete Mechanismen zum Schutz der Ressourcen unserer Trinkwässer. Registranten sind bisher nicht verpflichtet, die inhärenten Stoffeigenschaften zu bewerten, die auf eine Gefährdung der Ressourcen der Trinkwässer und damit auf potenzielle Kontaminanten hinweisen. Um Abhilfe zu schaffen, hat das ⁠ UBA ⁠ mehrere Forschungsprojekte gefördert, in denen Kriterien zur Identifizierung persistenter und mobiler Stoffe unter REACH wissenschaftlich erarbeitet wurden. Diese Kriterien wurden mit vielen Interessenvertreter*innen und Expert*innen diskutiert. Das Ergebnis dieser langjährigen Arbeiten sind PMT- und vPvM-Kriterien zur Identifizierung persistenter, mobiler und toxischer, sowie sehr persistenter und sehr mobiler Stoffe. <– zurück: Die abgestimmten PMT/vPvM-Kriterien | –> weiter: Emergenz (2009 - 2015) der PMT/vPvM-Kriterien Lesen Sie die vollständige Geschichte der Entwicklung der PMT/vPvM-Kriterien im Rahmen der EU-Chemikaliengesetzgebung REACH zur Identifizierung von PMT/vPvM-Stoffen: (01) –> Einführung zu PMT/vPvM-Stoffen , (02) –> Emergenz (2009 - 2015) der PMT/vPvM-Kriterien , (03) –> Erster PMT-Workshop 2011 , (04) –> Öffentliche Konsultation (2016 - 2019) zu den PMT/vPvM-Kriterien , (05) –> Zweiter PMT-Workshop 2018 , (06) –> Anwendung (2019 - laufend) der PMT/vPvM-Kriterien , (07) –> Dritter PMT-Workshop 2021 , (08) –> Medienberichterstattung , (09) –> Häufig gestellte Fragen (FAQ) , (10) –> Die abgestimmten PMT/vPvM-Kriterien Literatur Veröffentlichungen und Präsentationen im Zusammenhang mit den PMT/vPvM-Kriterien und der Identifizierung von PMT/vPvM-Stoffen, die unter der EU-Chemikalienverordnung ⁠ REACH ⁠ registriert sind. Sarah E. Hale, Hans Peter H. Arp, Ivo Schliebner and Michael Neumann. (2020) "What’s in a Name: Persistent, Mobile, and Toxic (PMT) and Very Persistent and Very Mobile (vPvM) Substances." Environmental Science & Technology. https://doi.org/10.1021/acs.est.0c05257 Sarah E Hale, Hans Peter H. Arp, Ivo Schliebner and Michael Neumann (2020). Persistent, mobile and toxic (PMT) and very persistent and very mobile (vPvM) substances pose an equivalent level of concern to persistent, bioaccumulative and toxic (⁠ PBT ⁠) and very persistent and very bioaccumulative (vPvB) substances under REACH. Environmental Sciences Europe, 32(1), 1-15. https://doi.org/10.1186/s12302-020-00440-4 Hans Peter H. Arp, Sarah E. Hale, Ivo Schliebner and Michael Neumann. The identification and assessment of PMT substances under REACH. (2020). Oral presentation at the annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), May 2020 Hans Peter H Arp, Sarah E. Hale, Ivo Schliebner and Michael Neumann Establishing criteria for Persistence and Mobility: State-of-the-art and research needs (2020). Oral presentation at the workshop on Persistent, Mobile and Toxic Substances: A challenge for Analytical Chemistry and Water Quality Control. Rüdel, H., Körner, W., Letzel, T., Neumann, M., Nödler, K., & Reemtsma, T. (2020). Persistent, mobile and toxic substances in the environment: a spotlight on current research and regulatory activities. Environmental Sciences Europe, 32(1), 1-11. ECETOC scoping meeting (2020) The environmental risk and remediation of persistent, mobile, toxic (PMT) and very persistent and very mobile (vPvM) substances in the aquatic environment, Sarah Hale Ivo Schliebner (2019). Persistent, mobil und toxisch: Ressourcenschutz unter REACH durch Minimierung der Emissionen von PMT-/vPvM-Stoffen. Oral presentation at the Langenauer Wasserforum November 2019, Langenau (Germany) Michael Neumann, Ivo Schliebner, Hans Peter Arp (2019). Using detected chemicals in drinking water and groundwater to scientifically justify PMT and vPvM criteria to identify persistent, mobile and toxic substances under REACH. Oral presentation at ICCE, June 2019, Thessaloniki (Greece) Wiebke Dost (2019). PMT vPvM substances under REACH: List of PMT/vPvM substances. Oral presentation at NERCS webex, June 2019 Hans Peter H Arp and Sarah E Hale (2019). REACH: Improvement of guidance and methods for the identification and assessment of PMT/vPvM substances, Texte | 126/2019, German Environment Agency (⁠ UBA ⁠), Dessau-Roßlau, Germany. ISBN: 131 pages Michael Neumann and Ivo Schliebner (2019). Protecting the sources of our drinking water: The criteria for identifying persistent, mobile and toxic (PMT) substances and very persistent and very mobile (vPvM) substances under EU Regulation REACH (EC) No 1907/2006, Texte | 127/2019, German Environment Agency (UBA), Dessau-Roßlau, Germany. ISBN: 87 pages Hans Peter Arp (2019). Establishing Criteria for Persistence and Mobility: State-of-the-Art and Research Needs. Oral presentation at the NORMAN meeting, Januar 2019, Leipzig (Germany) The identification of persistent, mobile, toxic (PMT) chemicals as SVHC based on their equivalent level of concern to persistent, bioaccumulative, toxic chemicals defined in Article 57(f) of REACH. (2018). Sarah E. Hale, Lena Vierke, Hans Peter H. Arp and Michael Neumann, Poster presentation at the annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), May 2018 Identifying PMT substances amongst REACH registered substances. (2018). Hans Peter H. Arp Sarah E. Hale, Albrecht Striffler, Daniel Sättler, Ivo Schliebner and Michael Neumann, Poster presentation at the annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), May 2018 REACH registered substances that are emerging hazardous drinking water contaminants. (2018). Sarah E. Hale, Michael Neumann, Ivo Schliebner, Daniel Sätler, Hans Peter H. Arp, Oral presentation at the International Conference of Emerging Contaminants (Emcom), June 2018 Protecting the sources of our drinking water: A revised proposal for implementing criteria and an assessment procedure to identify Persistent, Mobile and Toxic (PMT) and very Persistent, very Mobile (vPvM) substances registered under REACH. (2018). Ivo Schliebner, Hans Peter H. Arp, Hans Peter H. Arp, Daniel Sattler, Lena Vierke, Michael Neumann, Oral presentation at the International Conference of Emerging Contaminants (Emcom), June 2018 German Environment Agency (UBA) (ongoing research) REACH: Further development of a guide for the identification and assessment of substances relevant to raw water. Research project (UFOPLAN) FKZ 3716 67 416 0 funded by the Environmental Research of the Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Building and Nuclear Safety of Germany, Berlin, Germany Berger U., Ost N., Sättler D., Schliebner I., Kühne R., Schüürmann G., Neumann M., and Reemtsma T. (2018) UBA Texte 09/2018: Assessment of persistence, mobility and toxicity (PMT) of 167 REACH registered substances. Neumann M. and Schliebner I., eds. German Environment Agency (UBA), Dessau-Roßlau, Germany. ISBN: 1862-4804. 61 pages Schulze S., Sättler D., Neumann M., Arp H.P.H., Reemtsma T., and Berger U. (2018) Using REACH registration data to rank the environmental emission potential of persistent and mobile organic chemicals. Science of The Total Environment 625, 1122-1128. DOI: 10.1016/j.scitotenv.2017.12.305 Arp H.P.H., Brown T.N., Berger U., and Hale S.E. (2017) Ranking REACH registered neutral, ionizable and ionic organic chemicals based on their aquatic persistency and mobility. Environ Sci Process Impacts. DOI: 10.1039/c7em00158d Berger U., Arp H.P.H., de Voogt P., Gallard H., Knepper T., Neumann M., J.B. Q., and Reemtsma T. (2017) PROMOTE: PROtecting water resources from MObile TracE chemicals. Oral presentation at the European stakeholder workshop “Persistent and mobile organic chemicals in the water cycle: Linking science, technology and regulation to protect drinking water quality”, 23-24 November 2017, Leipzig, Germany Berger U., Ost N., Kühne R., Schüürmann G., and Reemtsma T. (2017) Assessment of persistence, mobility, toxicity and environmental emissions of 167 REACH-registered chemicals. Research project funded by the German Environment Agency (UBA), Project number: 74925, Report by the Helmholtz Centre for Environmental Research - UFZ, Leipzig, Germany. 54 pages Berger U., Ost N., Sättler D., Kühne R., Schulze S., Schüürmann G., Hale S.E., Arp H.P.H., Vierke L., Schliebner I., Neumann M., and Reemtsma T. (2017) Assessment of persistency and mobility of REACH-registered chemicals - The influence of input parameters, evaluation criteria and concepts. Oral presentation at the annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 7-11 May 2017, Brussels, Belgium Neumann M. (2017) A proposal for criteria and an evaluation approach to identify persistent, mobile and toxic (PMT) substances. Oral presentation at the „REACH in der Praxis Fachworkshop: REACH und Rohwasserschutz - PMT-Stoffe erkennen und ihre Emissionen vermeiden.” Workshop of the German Environment Agency, 04 May 2017, Berlin, Germany Neumann M. (2017) Protection of raw water under the EU regulation REACH - An assessment concept for persistent, mobile and toxic (PMT) substances [in German]. Oral presentation at the Conference "Niedersächsisches Grundwasserkolloquium 2017 - Grundwasserschutz im Spannungsfeld zwischen ⁠ Nachhaltigkeit ⁠ und Ökonomie", 15-16 February 2017, Braunschweig, Germany Neumann M. (2017) Voluntary measures and regulatory options for PMT substances under REACH. Oral presentation at the European stakeholder workshop “Persistent and mobile organic chemicals in the water cycle: Linking science, technology and regulation to protect drinking water quality”, 23-24 November 2017, Leipzig, Germany Neumann M. (2017) Proposal for criteria and an assessment concept for the identification of Persistent, Mobile and Toxic (PMT) substances to protect raw water for the production of drinking water under the EU regulation REACH [in German]. Zbl. Geol. Paläont. Teil I, Jg. 2017, Heft 1, 91-101 Neumann M., Sättler D., Vierke L., and Schliebner I. (2017) A proposal for criteria and an assessment procedure to identify Persistent, Mobile and Toxic (PM or PMT) substances registered under REACH. Oral presentation at the 16th EuCheMS International Conference on Chemistry and the Environment (ICCE), Oslo, Norway Neumann M. and Schliebner I. (2017) Protecting the sources of our drinking water - A revised proposal for implementing criteria and an assessment procedure to identify Persistent, Mobile and Toxic (PMT) and very Persistent, very Mobile (vPvM) substances registered under REACH. German Environmental Agency (UBA), Dessau, Germany. ISBN: 2363-8273. 20 pages Neumann M. and Schliebner I. (2017) Protecting the sources of our drinking water from mobile chemicals - A proposal for implementing criteria and an assessment procedure to identify Persistent, Mobile and Toxic (PM or PMT) substances registered under REACH. German Environmental Agency, Dessau-Roßlau, Germany. ISBN: 2363-8273. 12 pages „REACH in der Praxis Fachworkshop: REACH und Rohwasserschutz - PMT-Stoffe erkennen und ihre Emissionen vermeiden.” (2017) Workshop of the German Environment Agency, 04 May 2017, Berlin, Germany Reemtsma T., Schulze S., Berger U., Arp H.P.H., Gallard H., Knepper T., Neumann M., J.B. Q., and de Voogt P. (2017) Identification of PM(T) substances in the water cycle - Challenges in analytics and monitoring [in German]. Oral presentation at the „REACH in der Praxis Fachworkshop: REACH und Rohwasserschutz - PMT-Stoffe erkennen und ihre Emissionen vermeiden.” Workshop of the German Environment Agency, 04 May 2017, Berlin, Germany Sättler D. (2017) A proposal for an assessment procedure for the protection of the raw water under REACH [in German]. Oral presentation at the Symposium "Bauchemie und Wasserqualität" of the Wasserchemische Gesellschaft, 16-17 March 2017, Berlin, Germany Schliebner I. (2017) Rohwasserschutz unter REACH – Ein Vorschlag für ein Bewertungskonzept für persistente, mobile und toxische Stoffe. Vortrag auf der Wassertagung Verband für Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW), 19 Oktober 2017, Stuttgart Schliebner I., Sättler D., Berger U., Ost N., Kühne R., Schüürmann G., Reemtsma T., and Neumann M. (2017) Using REACH registration data for the identification of persistent, mobile and toxic (PMT) substances. Poster at the 16th EuCheMS International Conference on Chemistry and the Environment (ICCE), Oslo, Norway Schulze S., Sättler D., Neumann M., Arp H.P.H., Reemtsma T., and Berger U. (2017) Using REACH registration data to rank the environmental emission potential of persistent and mobile organic chemicals. Oral presentation at the European stakeholder workshop “Persistent and mobile organic chemicals in the water cycle: Linking science, technology and regulation to protect drinking water quality", 23-24 November 2017, Leipzig, Germany Berger U., Arp H.P.H., de Voogt P., Gallard H., Knepper T., Neumann M., J.B. Q., and Reemtsma T. (2016) PROMOTE: PROtecting water resources from MObile TracE chemicals. Oral presentation at the 1st workshop on the alignment of ongoing RDI projects on the topic of “Emerging pollutants, including pathogens” organized by Water JPI, 30 November 2016, Vienna, Austria Berger U., Arp H.P.H., de Voogt P., Gallard H., Knepper T., Neumann M., Quintana J.B., and Reemtsma T. (2016) Identification, analysis, removal and regulation of persistent and mobile organic chemicals in the drinking water cycle - The approach of the EU project PROMOTE. Oral presentation at the 26th annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 22-26 May 2016, Nantes, France Lavison G., Reemtsma T., Berger U., Knepper T.P., Arp H.P.H., Quintana J.B., Gallard H., de Voogt P., and Neumann M. (2016) PROMOTE Project: Strategies for identification, quantification and process removal efficiency of Persistent Mobile Organic Contaminants in raw and treated waters. Platform presentation at the Meeting of the French Society of Hydrology, 19-20 May 2016, Orleans, France Neumann M., Sättler D., and Vierke L. (2016) Using REACH registration data for the identification of persistent, mobile and toxic (PMT) substances to protect raw water resources. Poster at the 26th annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 22-26 May 2016, Nantes, France Quintana J.B., Arp H.P., Berger U., de Voogt P., Gallard H., Knepper T., Neumann M., and Reemtsma T. (2016) Persistent mobile organic chemicals in the water cycle investigated by the Water JPI Project PROMOTE. Poster at the International Conference on Environmental and Food ⁠ Monitoring ⁠ (ISEAC39), 18-22 July 2016, Hamburg, Germany Reemtsma T., Berger U., Arp H.P.H., Gallard H., Knepper T.P., Neumann M., Quintana J.B., and de Voogt P. (2016) Mind the Gap: Persistent and Mobile Organic Compounds - Water Contaminants That Slip Through. Environmental Science & Technology 50 (19), 10308–10315. DOI: 10.1021/acs.est.6b03338 Schulze S., Sättler D., Neumann M., Berger U., Arp H.P.H., und Reemtsma T. (2016) Priorisierung REACH-registrierter, persistenter und mobiler organischer Chemikalien hinsichtlich ihrer erwarteten ⁠ Emission ⁠ in die Umwelt. Poster auf der Konferenz "Wasser 2016" Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh, 2-4 Mai 2016, Bamberg Vierke L., Sättler D., und Neumann M. (2016) Rohwasserschutz unter REACH – Ein Bewertungskonzept für persistente, mobile und toxische Stoffe. Vortrag auf der Konferenz "Wasser 2016" Wasserchemische Gesellschaft - Fachgruppe in der GDCh, 2-4 Mai 2016, Bamberg Berger U., Arp H.P.H., de Voogt P., Gallard H., Knepper T., Neumann M., Quintana J.B., and Reemtsma T. (2015) PROMOTE: PROtecting water resources from MObile TracE chemicals. Poster at the 15th EuCheMS International Conference on Chemistry and the Environment (ICCE), 20-24 September 2015, Leipzig, Germany Neumann M., Schwarz M.A., Sättler D., Oltmanns J., Vierke L., and Kalberlah F. (2015) A proposal for a chemical assessment concept for the protection of raw water resources under REACH. Oral presentation at the 25th annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 3-7 May 2015, Barcelona, Spain Neumann M., Schwarz M.A., Sättler D., Oltmanns J., Vierke L., and Kalberlah F. (2015) A proposal for a chemical assessment concept for the protection of raw water resources under REACH. Extended Abstract for the Oral presentation at the 25th annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 3-7 May 2015, Barcelona, Spain Vierke L., Sättler D., and Neumann M. (2015) Using REACH registration data for the identification of persistent, mobile ant toxic substances to protect raw water resources. Oral presentation at the 15th EuCheMS International Conference on Chemistry and the Environment (ICCE), 20-24 September 2015, Leipzig, Germany Kalberlah F., Oltmanns J., Schwartz M.A., Baumeister J., and Striffler A. (2014) Guidance for the Precautionary Protection of Raw Water Destined for Drinking Water Extraction from Contaminants Regulated Under REACH. Project Report (UFOPLAN) FKZ 371265416, funded by the Environmental Research of the Federal Ministry for the Environment Nature Conservation, Building and Nuclear Safety of Germany, Berlin, Germany Neumann M. und Dieter H.H. (2014) Rohwasserrelevante Kontaminanten – Definition und Regulation im Geltungsbereich der ⁠ REACH-Verordnung ⁠. In: Trinkwasser aktuell, Handbuch (Dieter H.H., Chorus, I., Krüger, W., Mendel, B., ed.). Erich Schmidt Verlag, Berlin. ISBN: 978 3 503 14103 6 Neumann M. und Kalberlah F. (2013) Schutz des Rohwassers zur Trinkwassergewinnung vor Kontaminationen durch Chemikalien mit Verwendungen im Rahmen der REACH-Verordnung. Vortrag auf der Jahrestagung der GDCh Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie an der Universität 30 September - 02 Oktober 2013, Wuppertal Umweltbundesamt (UBA) (2012) Erster PMT-Workshop „Bewertung der Rohwasserrelevanz von Chemikalien im Rahmen der REACH-Verordnung“, 18-19 April 2012, Dessau-Roßlau Neumann M. (2012) REACH ist anders oder Die Identifizierung regulierungsbedürftiger Stoffe zum Schutz der Umwelt. Vortrag vor dem Ausschuss Grundwasser und Wasserversorgung (AG) der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (⁠ LAWA ⁠), 18-19 Juni 2012, Lübeck Neumann M. (2012) Rohwasserrelevante Chemikalien mit Verwendung im Rahmen der REACH-Verordnung. Vortrag auf der Gemeinsame Jahrestagung von SETAC-GLB und der Fachgruppe „Umweltchemie und Ökotoxikologie“ der GDCh: „Erkennen, Untersuchen, Modellieren – Vom Nutzen des Verstehens“, 10. – 13. September 2012 in Leipzig Kuhlmann B., Skark C., Zullei-Seibert N., Klein A., Fritzsche E., und Neumann M. (2011) Bewertung der Trinkwasserrelevanz von Chemikalien im Rahmen der REACH-Verordnung. Vom Wasser - Das Journal 109 (2), 39 - 41 Neumann M. and Klein A. (2011) The protection of groundwater and drinking water within the REACH-system. Poster at the 21th annual meeting of the Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC Europe), 15-19 May 2011, Milan, Italy Skark C., Kuhlmann B., und Zullei-Seibert N. (2011) Verfeinerung und Validierung des Screenings nach trinkwasserrelevanten Chemikalien im Geltungsbereich der REACH-Verordnung. Sachverständigengutachten FKZ 360 010 59 gefördert vom Umweltbundesamt, Abschlussbericht Institut für Wasserforschung (IfW), Schwerte. 75 Seiten Kuhlmann B., Skark C., und Zullei-Seibert N. (2010) Definition und Bewertung von trinkwasserrelevanten Chemikalien im Rahmen der REACH Verordnung und Empfehlungen zum Screening nach potentiell kritischen Substanzen. Sachverständigengutachten FKZ 363 01 241 gefördert vom Umweltbundesamt, Abschlussbericht Institut für Wasserforschung (IfW) GmbH, Schwerte. 97 Seiten Klein A. und Neumann M. (2009) Bewertung trinkwasserrelevanter Chemikalien im Rahmen der REACH-VO. Poster auf der Jahrestagung der GDCh Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie an der Universität Trier, 23-25 September 2009, Trier, Germany Klein A. und Neumann M. (2009) Bewertung trinkwasserrelevanter Chemikalien im Rahmen der REACH-VO. Mitteilungen der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie 15/2009 (2), 82-84

Altlasten

Altlasten Grafische Umsetzung einer vielfältigen Bodennutzung Als Altlasten im Sinne des Gesetzes zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (BBodSchG) werden Altablagerungen und Altstandorte bezeichnet, durch die schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den Einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden. Rechtliche Einordnung Das Thema Altlasten ist in Deutschland seit 1999 im Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (BBodSchG) geregelt. Altlasten im Sinne des Gesetzes umfassen Altstandorte als auch Altablagerungen. Ursächlich hierfür können der unsachgemäße Umgang und Handhabungsverluste von umweltgefährdenden Stoffen oder die unsachgemäße Behandlung, Lagerung oder Ablagerung von Abfällen sein. Noch in Betrieb befindliche Industrieanlagen oder Abfallbehandlungsanlagerung und -ablagerungen unterfallen jedoch nicht dem BBodSchG, sondern den dafür einschlägigen Regelungen von BIMSchG oder der Verordnung über Deponien und Langzeitlager (Deponieverordnung - DepV). Das BBodSchG und die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) stellen für die Altlastenbearbeitung praxistaugliche, rechtliche und fachtechnische Instrumente zur Verfügung. Durch eine umfassende Novellierung des untergesetzlichen Regelwerks und der am 01.08.2023 in Kraft getretenen Mantelverordnung werden die Weiterentwicklung der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) und der Einbau von Materialien in und auf Böden neu geregelt. Mit der Verordnung über Anforderungen an den Einbau von mineralischen Ersatzbaustoffen in technische Bauwerke (EBV) sollen so einerseits die Recyclingquoten für die in Frage kommenden Materialien auf einen hohen Niveau gesichert bleiben sowie natürlicher Ressourcenschutz betrieben werden, andererseits soll sichergestellt werden, dass dadurch keine schädlichen Bodenveränderungen verursacht werden. Damit soll auch weiterhin ein funktionierender Vollzug des Bodenschutzes in den dafür zuständigen Ländern sichergestellt werden. Das BBodSchG verwendet „schädliche Bodenveränderung“ als Überbegriff für stoffliche und nichtstoffliche Belastungen im Boden. Geht man bei Altlasten üblicherweise von Punktquellen aus, können schädliche Bodenveränderungen durchaus flächenhaft verursacht und ausgeprägt sein. Teerbecken Quelle: Frauenstein / Umweltbundesamt Teerbeckenböschung Teer haftet an der Bodenmatrix an und tritt aus der Böschung aus. Quelle: Frauenstein / Umweltbundesamt Teer haftet an der Bodenmatrix an und tritt aus der Böschung aus. Wilde Ablagerung von Abfällen der Ölförderung Wilde Ablagerungen in siedlungsnahen Bereichen trifft man besonders in Ländern an, in denen der Umweltschutz bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt und die Sensibilität für Umwelt- und Medienschutz noch wenig ausgeprägt ist. Quelle: Frauenstein / Umweltbundesamt Wilde Ablagerungen in siedlungsnahen Bereichen trifft man besonders in Ländern an, in denen der Umweltschutz bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt und die Sensibilität für Umwelt- und Medienschutz noch wenig ausgeprägt ist. Bodenkontamination auf einem Gaswerksstandort Bodenkontamination auf einem Gaswerksstandort, erkennbar sind sind Klumpenbildungen im Boden verursach durch standorttypische Kontaminanten Quelle: Frauenstein / Umweltbundesamt Bodenkontamination auf einem Gaswerksstandort, erkennbar sind sind Klumpenbildungen im Boden verursach durch standorttypische Kontaminanten Industrielle Altablagerungen in einem Tagebaurestloch Quelle: Frauenstein / Umweltbundesamt Differenzierung potentiell kontaminierter Standorte Altlastverdächtige Flächen und Altlasten Das Gesetz unterscheidet zwischen Altablagerungen und -standorten und das „Alt…“ steht für den bereits eingestellten Betrieb von Anlagen oder Deponien. Durch die unsachgemäße Nutzung und Bewirtschaftung von Anlagen und Grundstücken, durch unsachgemäßen Betrieb, Handhabungsverluste und Unfälle mit gefährlichen Stoffen können Kontaminationen von Boden und Grundwasser verursacht worden sein. Diese Annahme ist bedarf einer Verifizierung. Der potentielle Altlastenverdacht wird in Deutschland durch eine stufenweise Altlastenbearbeitung auf der Grundlage vorhandener Informationen und verdachtsbezogener Recherche und gezielten Untersuchungen hinsichtlich des Vorhandenseins und der Gehalte gefährlicher Stoffen, ihres Verhaltens auf relevanten Transferpfaden sowie ihrer Wirkungen auf Schutzgüter und Rezeptoren sukzessive aufgeklärt und verifiziert. Das im BBodSchG verankerte Ziel der Maßnahmen zur Altlastensanierung ist die Gefahrenabwehr. Das ist gleichbedeutend mit ökologischen Konzessionen an einen guten Bodenzustand und nachhaltigen Bodenschutz, denn Maßnahmen zur Gefahrenabwehr können einen ursprünglicher Bodenzustand zumeist nicht wiederherstellen. Nachhaltiger und dauerhafter Bodenschutz lässt sich nur durch Vorsorge und Prävention erreichen. Mit der behördlichen Feststellung einer Altlast wird grundsätzlich ein Sanierungserfordernis bestätigt und erforderliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sind zu veranlassen. Unabhängig von der stufenweisen Bearbeitung sind bei der Feststellung eines Gefahrentatbestandes Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr geboten. Aktive Standorte Bodenverunreinigungen können bereits auf Standorten von in Betrieb befindlichen Anlagen beispielsweise, durch potenzielle Vornutzungen, durch Handhabungsverluste, Leckagen oder Störfällen von gefährlichen Stoffen eintreten oder eingetreten sein. Anlagen unterliegen bis zur Betriebseinstellung zumeist einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigungspflicht entsprechend dem Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (⁠ BImSchG ⁠). Mit der Betriebseinstellung wird grundsätzlich die Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Zustands des Anlagengrundstücks gefordert, was vom Schutzniveau mit der Gefahrenabwehr des BBodSchG vergleichbar ist. Seit dem Inkrafttreten der Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. November 2010 über Industrieemissionen (IED) und deren nationaler Umsetzung im BImSchG ist die Schnittstelle zwischen Anlagengenehmigungs- und Medienschutzrecht wirksam gestärkt worden und es sind Voraussetzungen geschaffen worden, das Altlastenproblem mittel- und langfristig zu reduzieren. Das BImSchG fordert unter bestimmten Voraussetzungen für Anlagen die der IED unterfallen, einen Bericht über den Ausgangszustand von Boden und Grundwasser (AZB), konkret immer dann, wenn es sich um Anlagen handelt, die in 4. ⁠ BImSchV ⁠, Anhang 1 mit „E“ gekennzeichnet sind und darin relevante gefährliche Stoffe (rgS) verwendet, erzeugt oder freigesetzt werden. Wenn bei der endgültigen Einstellung des Anlagenbetriebs und im Vergleich mit dem AZB festgestellt wird, dass erhebliche Boden- oder Grundwasserverschmutzungen verursacht worden sind, ist der Betreiber zur Rückführung des Anlagengrundstücks in den Ausgangszustand verpflichtet. Dazu ist unter Einbeziehung der relevanten Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise eine Arbeitshilfe erstellt worden, deren Veröffentlichung die Umweltministerkonferenz im Umlaufbeschluss 66/2024 zugestimmt hat. Nationale Fortschritte Bisherige Untersuchungen, Bewertungen und (Sanierungs-)Maßnahmen und Aufwendungen der öffentlichen Hand und privater Sanierungspflichtiger in Milliardenhöhe führten zwar in der Bundesrepublik zu signifikanten Fortschritten im Altlastenmanagement, eine dauerhafte und umfassende Problemlösung und eine zahlenmäßige Reduzierung der Fallzahlen konnte noch nicht erzielt werden, obwohl ein positiver Trend bei abgeschlossenen Gefährdungsabschätzungen und Sanierungen belegt ist. Ein Grund dafür ist, dass Entstehung "neuer" Altlasten noch nicht wirksam gestoppt wurde.  Mit den Instrumenten der IED wird dafür nunmehr eine Vorraussetzung geschaffen. In der „Bundesweiten Altlastenstatistik“ sind der Erfassungsstand und der Stand der Bearbeitung der altlastverdächtigen Flächen und Altlasten in der Bundesrepublik Deutschland zusammengestellt, die Angaben basieren auf der Datenübermittlung aus den dafür zuständigen Bundesländern. Neue Schadstoffe oder -gruppen wie beispielsweise ⁠ PFAS ⁠ tragen wesentlich zu Verzögerungen und zur schleppenden Lösung des Altlastenproblems bei. Insbesondere deren ⁠ Persistenz ⁠ oder diffuse Kontaminationsbilder stellen neue Herausforderungen an Untersuchung, Bewertung und Sanierungsmanagement. Zur Identifizierung flächenhaft stofflicher Bodenveränderungen, die beispielsweise auch durch luftgestützte ⁠ Deposition ⁠ entstehen können, sind vorzugsweise Erkenntnisse aus dem Boden- und Grundwassermonitoring heranzuziehen, fordern aber in der Bearbeitungsfolge weitgehend gleichen Schritten wie bei der Altlastenbearbeitung.

Schadstoffkonzentrationen in Organismen der Ostsee

Schadstoffkonzentrationen in Organismen der Ostsee In die Küstengewässer der Ostsee über Luft oder Flüsse eingetragene Schadstoffe reichern sich in Meeresorganismen an. Die Maßnahmen, um diese Schadstofffrachten zu senken, führten bislang nur in einigen Fällen zur Abnahme der Belastung von Miesmuscheln, Aalmuttern und Silbermöweneiern mit organischen und anorganischen Schadstoffen. Schadstoffe in Ostsee-Organismen Deutschland untersucht mit der Umweltprobenbank des Bundes (UPB) seit Anfang der 1990er Jahre regelmäßig Schadstoffgehalte in Meerestieren und-pflanzen aus dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft (siehe Karte „Probenahmegebiet Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft“). Die Umweltprobenbank Unter der Leitung des Umweltbundesamtes sammeln Umweltexperten systematisch Proben für die Umweltprobenbank (UPB). Dazu werden seit Anfang der 1990er Jahre Eier von Silbermöwen (Larus argentatus) auf der Insel Heuwiese und Miesmuscheln (Mytilus edulis) und Aalmuttern (Zoarces viviparus) in der Ostsee vor Darßer Ort gesammelt, charakterisiert, aufgearbeitet und bei minus 150 Grad Celsius (°C) gelagert. Regelmäßig werden dabei die Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (⁠ PAK ⁠), chlorierten Kohlenwasserstoffen und teilweise auch von Methylquecksilber bestimmt. Dazu kommen die Metalle Blei, Cadmium, Kupfer und Quecksilber sowie die beiden Elemente Arsen und Selen. Zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen zählen Dichlordiphenyltrichlorethan (⁠ DDT ⁠), Vertreter der Gruppe der polychlorierten Biphenyle (⁠ PCB ⁠) und Hexachlorcyclohexan (⁠ HCH ⁠). Mit Hilfe der archivierten Proben lassen sich auch rückblickend Stoffe untersuchen, die zum Zeitpunkt der Probenahme noch unbekannt waren, nicht analytisch bestimmt werden konnten oder für ungefährlich gehalten wurden. Jedoch liegen nicht immer für alle Jahre Proben und Auswertungen vor. Schaubild: Die Umweltprobenbank Quelle: www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien Schaubild zur vergrößerten Darstellung als PDF Schaubild: Die Silbermöwe Quelle: Fraunhofer IME / Forschungs- und Technologiezentrum Westküste / Universität Kiel / umweltprobenbank.de Schaubild als PDF Hintergrundwerte und Schadstoff-Belastungen Die Helsinki-Kommission (HELCOM), in der die Anrainerstaaten der Ostsee gemeinsam für den Schutz der Ostsee arbeiten, hat im Juni 2016 Obergrenzen für eine Reihe von Stoffen veröffentlicht, die zur Erlangung eines guten Umweltzustandes nicht überschritten werden sollten. In küstennahen Gewässern darf ein Gramm (g) Miesmuschelfleisch (Trockengewicht) bis zu 1,3 Mikrogramm (µg) Blei und bis zu 0,96 µg Cadmium enthalten (HELCOM, 2016) . Auch die Europäische Union (EU) ist aktiv. Sie hat zum Schutz der menschlichen Gesundheit etwa Höchstgehalte von Schwermetallen in Lebensmitteln in der „ Verordnung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln “ von 2006 und 2008 festgelegt. Ein Gramm frisches Muschelfleisch darf danach bis zu 0,5 µg Quecksilber, 1,5 µg Blei und 1 µg Cadmium enthalten. Die EU hat zudem im Jahr 2013 mit der Richtlinie über Umweltqualitätsnormen (UQN) auch eine verbindliche Höchstgrenze für Quecksilber in Fischen erlassen: Danach darf ein Gramm (g) Fischfleisch nicht mehr als 20 Nanogramm (ng) Quecksilber enthalten. Schwermetalle in Miesmuscheln und Aalmuttern Die Schwermetallbelastung von Fischen und Muscheln aus der Ostsee vor Darßer Ort hat im Beobachtungszeitraum abgenommen. Teilweise liegen die Konzentrationen aber noch über den Grenzwerten. Einige Beispiele: Miesmuscheln von der Ostseeküste vor Darßer Ort haben auch 2018 noch Cadmiumgehalte, die leicht über dem HELCOM Grenzwert von 0,96 Mikrogramm pro Gramm (µg/g) Trockenmasse liegen. Seit 1992 ist die Belastung aber um mehr als 60 % gesunken (siehe Abb. „Cadmium in Miesmuscheln“). Die Bleigehalte von Miesmuschel von Darßer Ort haben seit 1992 um die Hälfte abgenommen (siehe Abb. „Blei in Miesmuscheln“) und gelten heute als unbedenklich für den menschlichen Verzehr. Auch für Quecksilber scheint sich eine leichte Verbesserung abzuzeichnen. Seit Anfang der 1990er Jahre hat die Quecksilberkonzentration in Muscheln um mehr als 30 % abgenommen. Bei Fischen sind die Quecksilbergehalte dagegen nicht zurückgegangen. Im gesamten Beobachtungszeitraum 1994 bis 2019 lagen die Quecksilberkonzentrationen in der Muskulatur von Aalmuttern über der Europäische Union – ⁠ Umweltqualitätsnorm ⁠ (EU-UQN) von 20 Nanogramm (ng/g) (siehe Abb. „Quecksilber in Aalmuttermuskulatur“). Cadmium in Miesmuscheln (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Blei in Miesmuscheln (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Quecksilber in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Gehalt an Quec Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Gehalt an Quec Schwermetalle in Eiern von Silbermöwen Die Quecksilbergehalte in Silbermöweneiern von der Ostseeinsel Heuwiese im Kubitzer Bodden sind deutlich höher als die von Aalmuttern und Miesmuscheln. Das liegt daran, dass sich Quecksilber in der Nahrungskette anreichert. Raubfische oder fischfressende Vögel sind daher stärker mit Quecksilber belastet. Die Quecksilbergehalte in Eiern von Silbermöwen aus dem Kubitzer Bodden zeigen im Untersuchungszeitraum starke Schwankungen. Zwischen 2001-2013 sind die Konzentrationen um mehr als 60 % gestiegen, während sich seitdem eine Abnahme verzeichnet (siehe Abb. „Quecksilber in Silbermöweneiern“). Auch die Arsenbelastung der Möweneier ist im Zeitraum zwischen 2001-2013 gestiegen (+39 %) und zeigt seitdem ähnlich zu Quecksilber eine Abnahme im Untersuchungsgebiet (siehe Abb. „Arsen in Silbermöweneiern“). Im Gegensatz dazu zeigen Arsengehalte in Miesmuscheln seit der Jahrtausendwende eine kontinuierliche Zunahme um mehr als 70 % und in Aalmuttern um mehr als 30 %. Quecksilber in Silbermöweneiern (Heuwiese) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Arsen in Silbermöweneiern (Heuwiese) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Organische Schadstoffe in Aalmuttern Im deutschen Ostseegebiet prägen vor allem diffuse Einträge aus der Landwirtschaft und punktförmige Einträge aus Altlastenquellen die Belastung durch organische Schadstoffe. Einige Beispiele: Aalmuttern aus dem Probenahmegebiet bei Darßer Ort waren lange hoch mit dem ⁠ Insektizid ⁠ Dichlordiphenyltrichlorethan (⁠ DDT ⁠) und dessen Abbauprodukten kontaminiert. Auffällig war, dass neben den Abbauprodukten DDD und ⁠ DDE ⁠ auch vergleichsweise hohe Anteile der Ausgangsverbindung DDT nachgewiesen werden konnten (siehe Abb. „DDT und ⁠ Metabolite ⁠ in Aalmuttermuskulatur“). Das lässt vermuten, dass dieses Insektizid trotz Stoffverbot im ⁠ Einzugsgebiet ⁠ der Ostsee noch verwendet wurde. Die Belastungen sind seit Anfang der 1990er Jahre um mehr als 90 % zurückgegangen. Auch die Konzentrationen des Insektizids ⁠ Lindan ⁠ (γ-⁠ HCH ⁠) und seiner ⁠ Nebenprodukte ⁠ α- und β-HCH in Aalmuttern sind seit Anfang der 1990er Jahre stark gesunken. Die hohen Anteile an α- und β-HCH deuten auf Reste einer produktionsbedingten Kontamination oder auf Altlasten hin, zum Beispiel aus der Region Bitterfeld, wo früher ein bedeutender Produktionsstandort von Lindan war. Lindan wird in der BRD seit 1984 und in der ehemaligen DDR seit 1989 nicht mehr hergestellt. Die landwirtschaftliche Anwendung ist seit 2002 europaweit verboten. Entsprechend ist die Umweltbelastung zurückgegangen: Die Gehalte an α und γ-HCH sanken in den Aalmutter-Proben der Ostsee zwischen 1994 und 2017 um mehr als 100 %, die β-HCH-Gehalte um mehr als 90 % (siehe Abb. „Hexachlorcyclohexan (HCH) in Aalmuttermuskulatur“). Diese Ergebnisse zeigen anschaulich die frühere Bedeutung der Agrarchemikalien DDT und Lindan im Bereich der ehemaligen DDR und Polens. DDT und Metabolite in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Hexachlorcyclohexan (HCH) in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Organische Zinnverbindungen in Miesmuscheln Seit Anfang der 1980er Jahre ist bekannt, dass organische Zinnverbindungen die Fortpflanzungsfähigkeit von Schnecken und Austern beeinträchtigen. Seit 1989 ist Tributylzinn (TBT) daher in Deutschland in Antifoulinganstrichen von Schiffen unter einer Länge von 25 m verboten. 1990 folgte das entsprechende europaweite Verbot , das 2003 auf Organozinnverbindungen in Antifouling-Anstrichen für alle Schiffstypen ausgedehnt wurde. In den 1990er Jahre war allerdings noch keine ausreichend empfindliche analytische Methode verfügbar, um TBT in Organismen zu bestimmen. Mit Hilfe von archivierten Miesmuschelproben aus der Umweltprobenbank konnte gezeigt werden, dass die TBT -Konzentrationen in Miesmuscheln von Darßer Ort bis zur Jahrtausendwende weit oberhalb des Grenzwertes von zwölf Nanogramm pro Gramm Trockengewicht lagen, den die HELCOM für TBT empfiehlt. Da in Meeresregionen hauptsächlich große Schiffe verkehren, zeigten die seit 1989/1990 geltenden Verbote von TBT für kleinere Schiffe offenbar keine Wirkung. Erst nachdem 2003 das generelle Verbot von Organozinnverbindungen in Kraft trat, nahmen die TBT-Gehalte in Miesmuscheln deutlich ab und liegen seit 2011 unterhalb des Grenzwertes (siehe Abb. „Tributylzinn in Miesmuscheln“). Prioritäre gefährliche Stoffe in Aalmuttern Prioritäre gefährliche Stoffe stellen ein erhebliches Risiko für die aquatische Umwelt darstellen. Für neun dieser Stoffe, die sich stark in Organismen anreichern, hat die Europäische Union Umweltqualitätsnormen (UQN) für Fische abgeleitet (EU Richtlinie 2013/39/EU), die nicht überschritten werden sollen um fischfressende Räuber und den Menschen nicht zu gefährden. Dazu gehören ⁠ Dioxine ⁠ und dioxinähnliche Stoffe, Quecksilber, die bromierten Flammschutzmittel ⁠ PBDE ⁠ und ⁠ HBCDD ⁠, die ⁠ Pflanzenschutzmittel ⁠ Dicofol, ⁠ HCB ⁠, ⁠ HCBD ⁠ und Heptachlor und Heptachlorepoxid und das perfluorierte Tensid ⁠ PFOS ⁠, das unter anderem im Gewebeschutz eingesetzt wird. Aalmuttern von der Ostsee vor Darßer Ort sind meist nur gering mit den prioritären gefährlichen Stoffen belastet. Im Jahr 2017 lagen die Muskelkonzentrationen der meisten Stoffe unterhalb der jeweiligen UQN (siehe Abb. „Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Aalmuttermuskulatur, Abb. „Perfluoroctansulfonat (⁠ PFOS ⁠) in Aalmuttermuskulatur“ und Abb. „Hexabromcyclododecane (HBCDD) in Aalmuttermuskulatur“). Bei Heptachlor und seinem Abbauprodukt Heptachlorepoxid reicht allerdings die Genauigkeit der chemischen Analytik noch nicht aus, um eine Überschreitung der UQN nachzuweisen. Nur für Quecksilber und PBDE sieht es anders aus. PBDE wurden bis in die 1990er Jahre in Flammschutzmitteln eingesetzt. Seit 2004 sind sie europaweit verboten. Obwohl die Belastung seitdem stark abgenommen hat, waren die Konzentrationen von Quecksilber in Aalmuttern aus der Ostsee auch im Jahr 2019 noch etwa 1,5 Mal höher als die UQN, während die Konzentrationen von PBDE 2017 noch etwa 3,5 Mal höher als die UQN lagen (siehe Abb. „Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Aalmuttermuskulatur“). Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Perfluoroctansulfonat (PFOS) in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Hexabromcyclododecane (HBCDD) in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Aalmuttermuskulatur (Darßer Ort) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Prioritäre gefährliche Stoffe in Silbermöweneiern Silbermöweneier von der Ostsee-Insel Heuwiese weisen hohe Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen Stoffen auf und überschritten den für Hühnereier geltenden Lebensmittelhöchstwert von sechs Piktogramm pro Gramm Fett um das 14 - 73-fache. Seit Anfang der 1990er Jahre ist die Belastung aber um mehr als 40 % gesunken. Ein Grund könnten Betriebsschließungen in der ehemaligen DDR nach 1989 sein (siehe Abb. „Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Silbermöweneiern“). Auch die Konzentrationen von polybromierten Diphenylethern (⁠ PBDE ⁠) in Silbermöweneiern sind stark gesunken: seit 1994 um etwa 85 %. Das zeigt die Wirksamkeit von Regulierungsmaßnahmen: Seit den 1990er Jahren werden diese Flammschutzmittel in Deutschland nicht mehr produziert, seit 2003 gilt ein europaweites Verbot (siehe Abb. „Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Silbermöweneiern“). Dagegen sind die Konzentrationen von Perfluoroctansulfonat (⁠ PFOS ⁠) in Silbermöweneiern von Heuwiese bis Anfang des Jahrtausends zunächst gestiegen. Erst nachdem 2008 die europaweite Anwendungsbeschränkung für ⁠ PFOS ⁠ in Kraft getreten ist, hat die Ei-Belastung nachhaltig abgenommen (siehe Abb. „Perfluoroctansulfonat (PFOS) in Silbermöweneiern“). Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Silbermöweneiern (Heuwiese) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Silbermöweneiern (Heuwiese) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Perfluoroctansulfonat (PFOS) in Silbermöweneiern (Heuwiese) Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten

Schadstoffkonzentrationen in Organismen der Nordsee

Schadstoffkonzentrationen in Organismen der Nordsee In die Küstengewässer über Flüsse oder die Luft eingetragene Schadstoffe reichern sich in Meeresorganismen an. Die umfangreichen Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen führten aber bisher nicht immer zur Abnahme der Belastung von Miesmuscheln, Aalmuttern und Silbermöweneiern mit organischen und anorganischen Schadstoffen. Schadstoffe in Nordsee-Organismen Deutschland untersucht mit der Umweltprobenbank des Bundes (UPB) seit dem Jahr 1986 regelmäßig Schadstoffgehalte in Meerestieren und –pflanzen. Die Proben nehmen Fachleute in den Wattenmeer-Nationalparks. Dort liegen die Probenahme-Gebiete Sylt-Römö-Watt und Meldorfer Bucht in Schleswig-Holstein sowie das Gebiet Jadebusen in Niedersachsen (siehe Karte „Probenahmegebiet Nationalparke/Biosphärenreservate Schleswig-Holsteinisches und Niedersächsisches Wattenmeer“). Die Umweltprobenbank Unter der Leitung des Umweltbundesamtes sammeln Umweltexperten systematisch Proben für die Umweltprobenbank (UPB). Dazu werden Blasentang (Fucus vesiculosus) , Miesmuscheln (Mytilus edulis) Aalmuttern (Zoarces viviparus) und Eier von Silbermöwen (Larus argentatus) gesammelt, charakterisiert, aufgearbeitet und bei minus 150 Grad Celsius (°C) gelagert. Regelmäßig werden dabei die Konzentrationen von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (⁠ PAK ⁠), chlorierten Kohlenwasserstoffen und teilweise auch Methylquecksilber bestimmt. Dazu kommen die Metalle Blei, Cadmium, Kupfer und Quecksilber sowie die beiden Elemente Arsen und Selen. Zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen zählen ⁠ DDT ⁠, Vertreter der Gruppe der polychlorierten Biphenyle (⁠ PCB ⁠) und Hexachlorcyclohexan (⁠ HCH ⁠). Mit Hilfe der archivierten Proben lassen sich auch rückblickend Stoffe untersuchen, die zum Zeitpunkt der Probenahme noch unbekannt waren, nicht analytisch bestimmt werden konnten oder für ungefährlich gehalten wurden. Jedoch liegen nicht immer für alle Jahre Proben und Auswertungen vor. Schaubild: Die Umweltprobenbank Quelle: www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien Schaubild zur vergrößerten Darstellung als PDF Schaubild: Die Silbermöwe Quelle: Fraunhofer IME / Forschungs- und Technologiezentrum Westküste / Universität Kiel / umweltprobenbank.de Schaubild als PDF Hintergrundwerte und Schadstoff-Belastungen Die Anrainerstaaten der Nordsee haben sich im Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt für den gesamten Nordost-Atlantik (OSPAR Übereinkommen) darauf geeinigt, die Umweltkonzentrationen von gefährlichen Stoffen zu verringern, also von Stoffen, die toxisch und in der Umwelt persistent sind und die dazu neigen, sich in Organismen anzureichern. Langfristig sollen die Konzentrationen von künstlich hergestellten gefährlichen Stoffen gegen Null gehen. Für natürlich vorkommende gefährliche Stoffe wie beispielsweise die Schwermetalle Quecksilber, Cadmium und Blei werden Konzentrationsbereiche angestrebt, die nahe den natürlichen Hintergrundkonzentrationen liegen. Die natürlichen Hintergrundkonzentrationen pro Gramm (g) Miesmuschelfleisch (Trockengewicht) liegen demnach für Blei bei 800 – 1.300 Nanogramm (ng), für Quecksilber bei 50 – 90 ng und für Cadmium bei 600 – 960 ng. Für einige Schadstoffe wurden auch eigene OSPAR Qualitätsnormen (Environmental Assessment Criteria EAC) festgelegt – etwa für die Gruppe der polychlorierte Biphenyle (⁠ PCB ⁠). Es sind die in marinen Organismen der Nordsee am häufigsten gefundenen Schadstoffe. Für sieben einzelne PCB haben die Anrainerstaaten eine gemeinsame OSPAR Qualitätsnorm festgelegt: Kein Gramm Fisch sollte mehr als ein bis zehn Nanogramm (ng) von diesen sieben PCB enthalten, kein Gramm Muschelfleisch (Trockengewicht) mehr als 50 ng. Auch die Europäische Union (EU) ist aktiv. Sie hat zum Schutz der menschlichen Gesundheit Höchstgehalte von Schwermetallen in Lebensmitteln in der „Verordnung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln“ von 2006 und 2008 festgelegt. Ein Gramm frisches Muschelfleisch darf danach bis zu 0,5 Mikrogramm (µg) Quecksilber, 1,5 µg Blei und ein Mikrogramm (µg) Cadmium enthalten. Mit der Richtlinie über Umweltqualitätsnormen (UQN) von 2013 hat die EU zudem eine verbindliche Höchstgrenze für Quecksilber in Fischen erlassen: Danach darf ein Gramm Fischfleisch nicht mehr als 20 ng Quecksilber enthalten. Tipps zum Weiterlesen: Agreement on CEMP Assessment Criteria for the QSR 2010 Agreement number: 2009-2 Schwermetalle in Miesmuscheln Das für die Umweltprobenbank untersuchte Miesmuschelfleisch aus dem Jadebusen und dem Sylt-Römö-Watt enthielt in den Jahren 1988 bis 2018 stets deutlich weniger Blei, Cadmium und Quecksilber, als nach EU Vorgaben für Lebensmittel zulässig. Erfreulich ist zudem, dass die Schwermetallgehalte im gleichen Zeitraum meist langsam abnahmen. Anfang der 1990er Jahre waren Miesmuscheln aus dem Jadebusen höher mit Blei, Cadmium und Quecksilber belastet als Miesmuscheln aus dem Sylt-Römö-Watt. In den letzten zwanzig Jahren verringerten sich diese Unterschiede, da die Belastung der Muscheln aus dem Jadebusen stärker abnahm als die der Muscheln aus dem Sylt-Römö-Watt. Die deutlichste Abnahme war für Blei festzustellen: Von 1985 bis 2018 sank der Bleigehalt in Miesmuscheln des Jadebusen um mehr als 30 %. Für Quecksilber zeigt sich ein ähnliches Bild: im Miesmuschelfleisch aus dem Jadebusen sinkt die Belastung deutlich, im Sylt-Römö-Watt sind die Werte im selben Zeitraum nahezu konstant. Die Cadmium- und Bleigehalte der Miesmuscheln von Eckwarderhörne liegen oftmals oberhalb, die von Königshafen weitgehend innerhalb des Hintergrundbereiches. Die Quecksilbergehalte in Miesmuscheln der beiden Probenahmeflächen haben sich seit den 1990er Jahren vermindert, liegen aber immer noch deutlich oberhalb der Hintergrundkonzentrationen (siehe Abb. „Blei in Miesmuscheln“, Abb. „Cadmium in Miesmuscheln“ und Abb. „Quecksilber in Miesmuscheln“). Blei in Miesmuscheln Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Cadmium in Miesmuscheln Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Quecksilber in Miesmuscheln Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Quecksilber in Aalmuttern und Silbermöweneiern Die Quecksilbergehalte im Muskelfleisch von Aalmuttern aus dem Jadebusen und der Meldorfer Bucht überschreiten die EU-⁠ Umweltqualitätsnorm ⁠ (UQN) für Fische im gesamten Beobachtungszeitraum deutlich (siehe Abb. „Quecksilber in Aalmuttermuskulatur“). Für Vogeleier hat die EU zwar keine UQN festgelegt. Wie hoch Silbermöweneier mit Quecksilber belastet sind, ist dennoch interessant: Diese Belastung spiegelt die lokale Schadstoffkontamination wider, da das Schwermetall während der Eibildung über die Nahrung aufgenommen wird. Silbermöweneier auf der Insel Trischen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer waren seit 1988 etwa zwanzig Jahre lang oftmals mehr als doppelt so stark mit Quecksilber belastet wie Eier von der Insel Mellum im niedersächsischen Wattenmeer (siehe Abb. „Quecksilber in Silbermöweneiern“). Eine Erklärung könnte sein, dass die Elbe früher mehr Quecksilber in die Nordsee eingetragen hat als Jade und Weser. Demnach haben sich die Quecksilbergehalte in Möweneiern von Trischen zwischen den späten 1980er Jahren und der Jahrtausendwende deutlich verringert, weil die Belastung der Elbe durch Betriebsschließungen nach 1989 in Ostdeutschland abgenommen hat. In den letzten Jahren haben sich die Quecksilberwerte der Möweneier von Trischen weitgehend stabilisiert. Dagegen hat sich die Belastung der Möwen von Mellum zwischen 1986 und 2019 nicht wesentlich verändert. Die Quecksilbergehalte schwanken zwar zwischen den Jahren, es ist aber kein eindeutiger Trend zu erkennen. Quecksilber in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Quecksilber in Silbermöweneiern Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Arsen in Silbermöweneiern Eier von Silbermöwen von der Insel Trischen waren bis Mitte der 1990er Jahre etwas stärker mit Arsen belastet als Möweneier von Mellum. Ein Grund könnten Einträge über die Elbe sein, die arsenkontaminierte Sedimente aus der Bergbauregion Erzgebirge und Belastungen aus den Industriebetrieben um den Hamburger Hafen mit sich trägt. Nach der Jahrtausendwende scheinen sich die Arsenkonzentrationen in Möweneiern beider Standorte anzugleichen. Auf Trischen schwanken die Konzentrationen zwischen den Jahren und sind besonders hoch in Jahren nach den Elbehochwassern (2002, 2006, 2013), wenn die Elbe viel kontaminiertes Sediment transportiert. Auf Mellum zeichnet sich dagegen eine Zunahme der Arsenbelastung ab: Allein zwischen 2005 und 2019 verdoppelten sich die Arsengehalte in Silbermöweneiern (siehe Abb. „Arsen in Silbermöweneiern“). Organische Schadstoffe in Aalmuttern Mit der Umweltprobenbank wird auch die räumliche und zeitliche Verteilung organischer Schadstoffe untersucht. Einige Ergebnisse aus der Untersuchung von Aalmuttern: Der Gehalt an fünf polychlorierten Biphenylen (⁠ PCB ⁠) in Aalmuttern aus dem Jadebusen schwankte im Beobachtungszeitraum 1994 bis 2017, nimmt aber tendenziell ab. Die Abnahme zeigt sich stärker in der Meldorfer Bucht, in der mit Ausnahme von PCB153 eine mindestens 50%ige Abnahme zu beobachten war (siehe Abb. „PCB in Aalmuttermuskulatur“). Aalmuttern aus der Meldorfer Bucht sind deutlich stärker mit dem ⁠ Insektizid ⁠ Dichlordiphenyltrichlorethan (⁠ DDT ⁠) und seinen Abbauprodukten ⁠ DDE ⁠ und DDD belastet als Fische aus dem Jadebusen (siehe Abb. „DDT und ⁠ Metabolite ⁠ in Aalmuttermuskulatur“). Die Meldorfer Bucht liegt im Einflussbereich der Elbe, die noch Altlasten aus der ehemaligen DDR mit sich trägt. Denn während DDT in der BRD bereits 1972 verboten wurde, wurde es in der DDR bis 1984 intensiv genutzt. Seit Anfang der 1990er Jahre hat die DDD Belastung von Fischen an beiden Nordsee-Standorten um mehr als 60 % abgenommen. Auch das Insektizid ⁠ Lindan ⁠ (γ-⁠ HCH ⁠) wurde in der DDR länger verwendet: erst 1990 wurde es verboten, in der BRD dagegen schon 1977. Dies und die Produktion von Lindan in Bitterfeld nahe der Elbe haben ihre Spuren hinterlassen. Noch heute sind Aalmuttern aus der Meldorfer Bucht stärker belastet als Fische aus dem Jadebusen. Besonders die Konzentrationen der Lindan-⁠ Nebenprodukte ⁠ α- und β-HCH sind um ein Vielfaches höher. An beiden Standorten hat die Belastung seit Anfang der 1990er Jahre um mehr als 95 % abgenommen (siehe Abb. “Hexachlorcyclohexan (HCH) in Aalmuttermuskulatur“). PCB in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten DDT und Metabolite in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Hexachlorcyclohexan (HCH) in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Organische Zinnverbindungen Organische Zinnverbindungen beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit von Schnecken und Austern. Seit 1989 ist Tributylzinn (TBT) daher in Deutschland in Antifouling-Anstrichen von Schiffen unter einer Länge von 25 m verboten. 1990 folgte das europaweite Verbot, das 2003 auf Organozinnverbindungen in Antifouling-Anstrichen für alle Schiffstypen ausgedehnt wurde. Mit Hilfe archivierter Aalmutter- und Miesmuschelproben aus der Umweltprobenbank konnte gezeigt werden, dass die TBT Belastung zwischen Mitte der 1980er und Ende der 1990er Jahre relativ konstant waren. Da in Meeresregionen hauptsächlich große Schiffe verkehren, zeigten die seit 1989/1990 geltenden Verbote von TBT für kleinere Schiffe offenbar keine Wirkung. Erst nachdem 2003 das generelle Verbot von Organozinnverbindungen in Kraft trat, nahmen die TBT-Gehalte in Miesmuscheln und Aalmuttern deutlich ab (siehe Abb. „Tributylzinn in Miesmuscheln“). Die ⁠ OSPAR ⁠ Kommission hat eine Qualitätsnorm für TBT in Miesmuscheln von zwölf Mikrogramm pro Kilogramm Trockengewicht (µg/kg TG) festgelegt. Zwischen 1986 und 2006 überstiegen die TBT-Gehalte in Miesmuscheln beider Probenahmeflächen diesen Indikatorwert um ein Vielfaches. Seitdem ist die Belastung der Muscheln stark gesunken und liegt seit 2008/2009 unterhalb der Qualitätsnorm. Prioritäre gefährliche Stoffe in Aalmuttern Prioritäre gefährliche Stoffe stellen ein erhebliches Risiko für die aquatische Umwelt dar. Für neun dieser Stoffe, die sich stark in Organismen anreichern, hat die Europäische Union Umweltqualitätsnormen (UQN) für Fische abgeleitet (EU Richtlinie 2013/39/EU), die nicht überschritten werden sollen um fischfressende Räuber und den Menschen nicht zu gefährden. Dazu gehören ⁠ Dioxine ⁠ und dioxinähnliche Stoffe, Quecksilber, die bromierten Flammschutzmittel Polybromierte Diphenylether (⁠ PBDE ⁠) und Hexabromcyclododekane (⁠ HBCDD ⁠), die ⁠ Pflanzenschutzmittel ⁠ Dicofol, Hexachlorbenzol (⁠ HCB ⁠), Hexachlorbutadiol (⁠ HCBD ⁠) und Heptachlor und Heptachlorepoxid und das perfluorierte Tensid Perfluoroktansulfat (⁠ PFOS ⁠), das unter anderem im Gewebeschutz eingesetzt wird. Aalmuttern von beiden Nordsee Probenahmeflächen sind meist nur gering mit diesen Stoffen belasten. Im Jahr 2015 lagen die Muskelkonzentrationen der meisten Stoffe unterhalb der jeweiligen UQN (siehe Abb. „Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Aalmuttermuskulatur“, Abb. „Perfluoroctansulfonat (⁠ PFOS ⁠) in Aalmuttermuskulatur“ und Abb. „Hexabromcyclododecane (HBCDD) in Aalmuttermuskulatur“). Bei Heptachlor und seinem Abbauprodukt Heptachlorepoxid reicht allerdings die Genauigkeit der chemischen Analytik noch nicht aus, um eine Überschreitung der UQN nachzuweisen. Nur für Quecksilber und PBDE sieht es anders aus. PBDE wurden bis in die 1990er Jahre als Flammschutzmittel eingesetzt. Seit 2004 sind sie europaweit verboten. Obwohl die Konzentrationen in Fischen seitdem stark abgenommen haben, waren die Konzentrationen in Aalmuttermuskulatur im Jahr 2017 an beiden Nordsee-Standorten noch deutlich höher als die UQN (siehe Abb. „Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Aalmuttermuskulatur“). Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Perfluoroctansulfonat (PFOS) in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Hexabromcyclododecane (HBCDD) in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Aalmuttermuskulatur Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Prioritäre gefährliche Stoffe in Silbermöweneiern Silbermöweneier von der Nordsee weisen hohe Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen Stoffen auf und überschritten den für Hühnereier geltenden Lebensmittelhöchstwert von sechs Piktogramm pro Gramm Fett um das 5 bis 130-fache. Eier von der schleswig-holsteinischen Insel Trischen waren bis Anfang des Jahrtausends deutlich stärker belastet als Eier von der niedersächsischen Insel Mellum. Grund hierfür könnten Einträge aus der Elbe sein, sowohl von den Industrien der ehemaligen DDR als auch aus dem Hamburger Raum. Der starke Belastungsrückgang zwischen den späten 1980erJahren und der Jahrtausendwende könnte demnach mit Betriebsschließungen nach 1989 in Ostdeutschland zusammenhängen (siehe Abb. „Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Silbermöweneiern“). Auch die Konzentrationen von polybromierten Diphenylethern in Silbermöweneiern sind in den letzten Jahren stark gesunken: seit 1995 um knapp 80 % auf Mellum und haben sich auf Trischen mehr als halbiert (siehe Abb. „Polybromierte Diphenylether (⁠ PBDE ⁠) in Silbermöweneiern“). Das zeigt die Wirksamkeit von Regulierungsmaßnahmen: Seit den 1990er Jahren werden diese Flammschutzmittel in Deutschland nicht mehr produziert, seit 2003 gilt ein europaweites Verbot. Die Belastung von Silbermöweneiern beider Nordsee-Standorte mit Perfluoroctansulfonat (⁠ PFOS ⁠), das unter anderem für Imprägnierungen entwickelt wurde, hat seit Anfang des Jahrtausends stark abgenommen (siehe Abb. „Perfluoroctansulfonat (⁠ PFOS ⁠) in Silbermöweneiern“). Grund hierfür dürften der freiwillige Verzicht auf PFOS im Jahr 2001 und die seit 2006 geltende europaweite Anwendungsbeschränkung sein, der zufolge PFOS nur noch in wenigen industrielle Anwendungen erlaubt ist (beispielsweise in photographischen Beschichtungen, Metallbeschichtungen und Löschschäumen, die bereits auf dem Markt sind). Allerdings steigt die Belastung der Möweneier mit Ersatzstoffen wie der ebenfalls kritisch diskutierten Perfluordecansäure (PFDA) stark an: Seit Ende der 1980 Jahre um mehr als 450 % auf Mellum und mehr als 200 % auf Trischen (siehe Abb. „Perfluordecansäure (PFDA) in Silbermöweneiern in Silbermöweneiern“). Dioxine und dioxinähnliche Stoffe in Silbermöweneiern Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Polybromierte Diphenylether (PBDE) in Silbermöweneiern Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Perfluoroctansulfonat (PFOS) in Silbermöweneiern Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten Perfluordecansäure (PFDA) in Silbermöweneiern Quelle: Umweltbundesamt / Umweltprobenbank des Bundes Diagramm als PDF Diagramm als Excel mit Daten

Wie das Schwimmbad sauber bleibt

Wie das Schwimmbad sauber bleibt Für die Badegäste unsichtbar arbeiten Wasseraufbereitungsanlagen im Verborgenen und sorgen für sauberes und hygienisch einwandfreies Wasser. Wie das funktioniert und was die Badegäste selbst für sauberes Wasser tun können, erklärt unser neuer Ratgeber "Rund um das Badewasser“. Haare und Hautschuppen, Kosmetika und Schweiß – die meisten Verschmutzungen im Beckenwasser stammen von den Badegästen selbst. Jeder Mensch ist von Mikroorganismen besiedelt. So gibt jeder von uns bei jedem Baden rund zwei Milliarden Mikroorganismen (Bakterien und Viren) ab. Davon stammen die meisten von unserer Haut und sind harmlose Bakterien. In Freibädern spielen auch Verunreinigungen aus der Luft eine Rolle. Neben Blättern, Tannen- und Fichtennadeln handelt es sich dabei meist um natürliche Stäube, aber auch um Vogelkot, der Krankheitserreger enthalten kann. Neben den meist harmlosen Mikroorganismen können aber auch solche ins Wasser gelangen, die weniger harmlos sind und sogar Erkrankungen wie Magen-Darm-Erkrankungen, Erkrankungen der Haut, der Augen, des Ohres und der Atemwege hervorrufen können. In Seen oder Flüssen erreichen diese durch die starke Verdünnung meist keine hohen Konzentrationen. Im Schwimmbecken ist das anders, hier ist die Badegastdichte sehr viel höher. Daher müssen Verunreinigungen und Mikroorganismen ständig aus dem Badewasser entfernt werden. Welche Bedingungen hierbei einzuhalten sind und wie ein Bad richtig betrieben wird, regelt die Norm DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“ (siehe Regeln und Normen zur Wasserqualität in Schwimmbädern ). Außerdem wird das Wasser anhand einiger sogenannter Indikatorbakterien oder „Anzeigerbakterien“ überwacht. Die Wasseraufbereitung erfolgt im Kreislauf und für die Badegäste unbemerkt. Das Beckenwasser ist ständig in Bewegung – über die Überlaufrinne ab Beckenrand in die Wasseraufbereitung und zurück in das Schwimmbecken. So wird verunreinigtes Badewasser ständig abtransportiert und gereinigtes frisches Wasser nachgeliefert. Flockung und Filtration Ein Schritt in der Aufbereitung von Schwimmbadwasser ist die Filtration des Wassers. Hierbei werden dem Wasser vor der Filtration Flockungsmittel, z.B. Aluminium oder Eisensalze zugesetzt. Schmutzstoffe (zum Beispiel Kosmetika und Mikroorganismen) verbinden sich mit dem Flockungsmittel zu größeren Flocken, die im Filter zurückgehalten werden können. Auch die sogenannte Ultrafiltration wird zur Abtrennung von geflockten Schmutzstoffen aus dem Schwimmbadwasser eingesetzt. Das aufzubereitende Wasser wird bei diesem Verfahren mit Druck durch poröse Membranen gepresst. Aktivkohle, Ozon, UV-Licht Mit der Flockung und Filtration ist es nicht möglich, gelöste chemische Stoffe wie z. B. Harnstoff, das für den typischen Hallenbadgeruch verantwortliche Trichloramin, aus dem Schwimmbadwasser zu entfernen. Dafür gibt es unterschiedliche andere Möglichkeiten. Zum Beispiel wird das Wasser mit Aktivkohle gereinigt. An der porösen Oberfläche bleiben die gelösten Stoffe haften und werden so aus dem Wasser entfernt. Das Gas Ozon wird vor allem in Therapiebädern ins Badewasser gemischt. Das reaktionsfreudige Gas Ozon zerstört viele Wasserinhaltsstoffen (z. B. Harnstoff). Gleichzeitig werden durch Ozon Mikroorganismen, darunter mögliche Krankheitserreger, im Wasser abgetötet. Da Ozon giftig ist, wird es anschließend in einem Aktivkohlefilter wieder aus dem gereinigtem Badewasser entfernt. Auch die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV-Bestrahlung) wird bei der Entfernung von unerwünschten gelösten Verbindungen aus dem Badewasser eingesetzt. Chlor Kurz bevor das aufbereitete und nun saubere Wasser in das Becken zurückströmt, fügt man ihm Chlor zur Desinfektion zu. Die von den Badegästen ins Beckenwasser eingetragenen Bakterien und Viren, darunter eventuell Krankheitserreger, werden von dem Desinfektionsmittel innerhalb kurzer Zeit an Ort und Stelle im Becken wirksam dezimiert, bevor sie einem anderen Badegast gefährlich werden könnten. Etwas Chlor im Wasser, gewissermaßen als Depot, ist daher zum Schutz vor Ansteckung notwendig. Viele weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Rund um das Badewasser .

Verordnung zur Begrenzung von Kontaminanten in Lebensmitteln

Kontaminanten im Sinne dieser Verordnung sind Kontaminanten im Sinne des Artikels 1 Absatz 1 Unterabsatz 2 der Verordnung (EWG) Nummer 315/93 des Rates vom 8. Februar 1993 zur Festlegung von gemeinschaftlichen Verfahren zur Kontrolle von Kontaminanten in Lebensmitteln (ABl. L 37 vom 13.2.1993, Seite 1) in der jeweils geltenden Fassung. Es handelt sich um eine Verordnung auf nationaler Ebene. Der übergeordnete Rahmen ist die/das KmV.

1 2 3 4 528 29 30