API src

Found 36 results.

Ressortforschungsplan 2023, Untersuchung und Bewertung der Auswirkungen des Folieneinsatzes in der Landwirtschaft auf die Biodiversität

Schwerpunktprogramm (SPP) 1374: Biodiversitäts-Exploratorien; Exploratories for Long-Term and Large-Scale Biodiversity Research (Biodiversity Exploratories), Teilprojekt: BE-Spring: Entdeckung der Springschwanz-Biodiversität von Wiesen mit neuen genomischen und metagenomischen Verfahren

Wirbellose Tiere im Boden sind schwer zu identifizieren, dabei stellen Collembola - Springschwänze - keine Ausnahme dar. Folglich ist bisher nur wenig über die grundlegende Ökologie und Naturgeschichte der Collembola bekannt, insbesondere auf der Organisationsebene von Arten und Gemeinschaften. DNA-basierten Identifikation (Barcoding und Metabarcoding) erleichtert die Identifizierung, bringt jedoch einige Schwierigkeiten mit sich: 1) Barcode-Datenbanken für Bodenorganismen sind unvollständig, insbesondere in Deutschland, 2) die Wahl des Barcodes und der PCR Primer beeinflusst die Vergleichbarkeit zwischen Studien und 3) Metabarcoding kann keine Aussage über den Umfang der Biomasse treffen. Wir adressieren diese Problematik zunächst mit der Erstellung einer spezialisierten Datenbank ('Springtail Genome Reference Database', SGRD) mit Fokus auf der Collembola-Fauna von Grasflächen. Diese Datenbank wird nicht nur alle gängigen Barcodes enthalten, sondern zusätzlich umfangreiche neue Genominformationen beinhalten. Des Weiteren implementieren wir eine shotgun-metagenomische Methodik, um die Probleme bezüglich der Primerauswahl und Biomasseschätzung beim Metabarcoding zu umgehen. Wir verwenden dann die SGRD Datenbank und Metagenomik zusammen, um die Strukturen und Funktionen der Collembola-Gemeinschaften auf allen 150 Wiesen der Biodiversitäts-Exploratorien zu bewerten. Im Einzelnen werden wir bewerten 1) wie die Intensität der Bodennutzung die Artenvielfalt, den Reichtum und 2) die Verbreitung von funktionellen Merkmalen ('Traits') beeinflusst, und 3) wie die Collembola-Gemeinschaften mit anderen Organismengruppen, insbesondere mit Pilze und Pflanzen des Graslandökosystems in Verbindung stehen. Diese Arbeit wird eine unschätzbare Ressource für die zukünftige Erforschung der Bodenfauna-Gemeinschaften in Westeuropa darstellen und neue Einblicke in die grundlegende Ökologie einer bisher wenig verstandenen Gruppe ermöglichen.

Radikalbildung durch Kupferausbringung in landwirtschaftlich relevanten tonreichen Böden und ihre ökotoxikologischen Folgen

Nachhaltige Landwirtschaft agiert in einem Spannungsfeld zwischen Produktivität und Erhalt der Bodengesundheit. Kupfer wird in großem Umfang als Fungizid und Düngemittel eingesetzt, hat jedoch auch negative Auswirkungen auf die Bodengemeinschaft. Kupfertoxizität wird in der Regel durch Adsorption im Boden und Aufnahme durch Organismen erklärt, aber die Möglichkeit anderer toxischer Pfade, z. B. die Bildung von Radikalen, wird noch nicht in Betracht gezogen. Die Relevanz von Radikalen im Boden wurde zuvor in unseren Studien gezeigt, in denen Nanopartikel auf Kupferbasis bei sehr niedrigen, umweltrelevanten Konzentrationen negative Effekte auf Bodenorganismen hatten, einschließlich Reaktionen in deren antioxidativem System. Überraschenderweise war dies nur bei stark adsorbierenden, tonreichen Böden der Fall, die für die Landwirtschaft sehr relevant sind. Die Kombination von Kupfer und Ton in Böden ist in der Lage, reaktive Sauerstoffspezies (ROS) zu bilden oder weit verbreitete polyaromatische Schadstoffe in umweltbeständige freie Radikale (EPFR) umzuwandeln, die negative Folgen für Bodenorganismen, aber auch für die menschliche Gesundheit haben können. Die Bildung dieser Radikale beruht auf Elektronentransferprozessen, bei denen Übergangsmetalle wie Kupfer oder Eisen (insbesondere in nanopartikulärer Form), Tonminerale und organische Stoffe als Quelle und/oder Transporteur von überschüssigen Elektronen dienen. Alle diese Stoffgruppen kommen natürlich im Boden vor, werden aber auch durch landwirtschaftliche Aktivitäten eingebracht. In diesem Projekt werde ich mehrere repräsentative Stoffgruppen kombinieren, die ein landwirtschaftliches Bodensystem simulieren und für die Radikalbildung relevant sind. Das radikalbildende Potenzial sowohl natürlicher als auch anthropogener Stoffe, d.h. verschiedener Arten von Ton- und Eisenmineralen, organischer Substanz und anthropogenem Kupfer, wird einzeln und in Kombination ermittelt. Die Radikalbildung wird chemisch untersucht, indem die ROS- und EPFR-Bildung in künstlichen Bodenlösungen und Böden gemessen wird, aber auch biochemisch und ökologisch anhand der antioxidativen und Fitness-Reaktion von Springschwänzen (Folsomia candida). Um die Laborergebnisse auf die Freilandsituation zu übertragen, werden die Faktoren, die im Labor als am auffälligsten identifiziert wurden, zur Identifizierung potenzieller radikalbildender Hotspots im Feld verwendet; dabei werden Podsole mit Fluvisolen (schwankendere Redoxbedingungen aufgrund ihrer Nähe zu Flüssen) im Hinblick auf die Korrelation zwischen ihren Bodeneigenschaften und dem Auftreten von ROS und EPFR verglichen. Die Identifizierung der Bodenfaktoren für die Radikalbildung im Labor und auf dem Feld wird Auswirkungen auf den Bodenschutz, die Risikobewertung von Nanopestiziden und die landwirtschaftliche Bewirtschaftung haben und direkte Empfehlungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens mit Hinblick auf deren Potenzial zur Radikalbildung ermöglichen.

Effekte reduzierter Fungizidapplikation auf die Biodiversität in Weinbergen

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den Verlust biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft. Dabei gehören Weinberge zu den am stärksten belasteten Agrarökosystemen - so werden in Deutschland auf nur 1 % der landwirtschaftlichen Fläche Wein angebaut, aber 33 % der Fungizide appliziert. Neben den Zielorganismen, pathogenen Pilzen, werden durch Fungizide jedoch auch Nützlinge wie bodenbewohnende Pilze, Springschwänze (Collembola) und Spinnen (Araneae) geschädigt. Diese Organismengruppen stellen einen bedeutenden Teil der funktionellen Biodiversität im Weinberg und erbringen wichtige Ökosystemleistungen, unter anderem in Nährstoffkreisläufen (saprobiontische Pilze, Collembola), Symbiose mit der Weinrebe (Arbuskuläre Mykorrhizapilze, AMF) oder natürliche Schädlingskontrolle (Araneae). Neben der biologischen Landwirtschaft ist der Anbau von Pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI) ein vielversprechender Ansatz, die Ausbringung von Fungiziden im Weinbau um bis zu 90 % zu verringern. In PIWIDiv soll erstmals der Einfluss von reduziertem Pestizideinsatz im Vergleich zu traditionellen Sorten in konventionellem und biologischem Weinbau auf die Biodiversität von Nicht-Zielorganismen am und im Boden evaluiert werden. Dadurch möchte PIWIDiv zeigen, wie pilzwiderstandsfähige Sorten zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen können.

Biodiversität von Waldböden: Bodenfauna

Trotz der großen Bedeutung der Bodenfauna im ökosystemaren Zusammenhang, ist ihr Zustand bisher zu wenig im Fokus des Umweltmonitorings im Wald. Möglichkeiten aufzuzeigen, wie auf dem Zustand der Bodenfauna basierende Indikatoren in das forstliche Umweltmonitoring integriert werden könnten, ist Ziel des Projekts Biodiversität von Waldböden: Bodenfauna. Als Vertreter der Bodenmakrofauna werden in diesem Projekt Laufkäfer und Regenwürmer untersucht und als Vertreter der Bodenmesofauna Springschwänze und Hornmilben. Laufkäfer können in vielfältiger Weise als Bioindikatoren bzw. als Indikatoren für den Zustand der Biodiversität eingesetzt werden, was neben ihrer weiten Verbreitung in Landlebensräumen an der Vielzahl der von ihnen besetzten Nischen liegt. Deshalb sollten sie auch im Rahmen eines Wald-Boden-Biodiversitätsmonitorings berücksichtigt werden. Regenwürmer werden häufig als Ökosystemingenieure bezeichnet, da sie durch ihre Aktivität im Boden sowohl den Gas- und Wassertransport beeinflussen als auch für eine Vermischung von mineralischer und organischer Substanz sorgen. Da es sich bei Regenwürmern um eine der funktionell bedeutsamsten Gruppen der Bodenfauna der gemäßigten Klimazonen handelt werden sie im Rahmen des Projektes auf ihre Eignung als Indikatoren untersucht. Springschwänze und Hornmilben sind als Teil der Mesofauna sogenannte Sekundärzersetzer, die insbesondere in den häufig eher sauren Waldböden eine wichtige Rolle in Nährstoffkreisläufen spielen. Als Indikatoren sind sie auf Grund ihrer weiten Verbreitung, sowie hohen Individuen- und Artendichte von großem Interesse. Im Rahmen des Vorhabens werden Zusammenhänge zwischen den genannten Vertretern der Bodenfauna und Bodeneigenschaften, Bestandstypen sowie Waldökosystemzuständen repräsentativ für Baden-Württemberg untersucht, um die Grundlage für ein Wald-Boden-Biodiversitätsmonitoring zu erarbeiten. Um die vorgenannten Wechselwirkungen ableiten zu können, werden exemplarisch solche Flächen untersucht, zu denen aus anderen Projekten bereits eine Vielzahl von Boden- und Umweltdaten vorliegen (z.B. Bodenzustandserhebung (BZE), Intensives Forstliches Umweltmonitoring - Level-II). Neben Umwelteinflüssen wie Stickstoffdeposition, Witterung und Bodeneigenschaften hat auch anthropogenes Handeln großen Einfluss auf Artenzusammensetzung und Abundanz der Bodenorganismen. Dazu zählen im Wald neben der Bewirtschaftungsintensität unter anderem Baumartenwahl und Bodenschutzkalkung.

Kalender 2024 - Lebensräume

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] 2024 Landschaften voller Vielfalt WIR LASSEN IDEEN WACHSEN SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN, LIEBE FREUNDINNEN UND FREUNDE DER NATUR! Die biologische Vielfalt auf unserem Planeten ist für den Menschen unverzichtbar, denn sie stabilisiert unser gesamtes Erdsystem: Natürliche Lebensräume und Arten bieten Schutz vor Stürmen und Überschwemmungen, sie regulieren das Klima, sie versorgen uns mit Nahrung und Trinkwasser, sie liefern Fasern für Kleidung und Grund- stoffe für Arzneien. Die Biodiversität und die Leistungen der Ökosysteme sind eine Existenzgrundlage für unsere Gesundheit und unser Wohlergehen. Der Erhalt der Artenvielfalt gilt neben dem Klimaschutz als größte Herausforderung unserer Zeit. Rheinland-Pfalz, im Herzen Europas gelegen, ist ein Bundes­land von bemerkenswerter landschaftlicher Viel- falt, das eine reiche Artenvielfalt beherbergt. Die Land- schaften erstrecken sich von den Hügeln und Bergen des Pfälzerwaldes, des Hunsrücks, der Eifel und dem Westerwald bis zu den Flusstälern des Rheins, der Mosel, der Nahe, der Lahn und ihren Nebenflüssen. Diese Vielfalt an Lebensräumen schafft ideale Bedingun- gen für eine große Fülle von Tier- und Pflanzenarten. In diesen natürlichen Lebensräumen gibt es in Rhein- land-Pfalz auch zahlreiche geschützte Gebiete, darunter den Nationalpark, ausgewiesene Naturschutzgebiete und Biotope, die speziell zum Schutz der Artenvielfalt einge- richtet wurden. Diese Schutzgebiete tragen dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Fotos: igreen/Jonathan Fieber Rheinland-Pfalz ist ein herausragendes Beispiel für die Vielfalt der natürlichen Lebensräume in Deutschland und die Bemühungen, diese Vielfalt zu schützen und zu bewahren. Die Artenvielfalt in den verschiedenen Landschaften des Landes ist ein Schatz, der für zukünftige Generationen erhalten bleiben soll. Mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz setzen wir uns für den Erhalt der Lebensräume und der Arten in vielfältiger Weise ein. Wir möchten Ihnen mit diesem Kalender 12 ausgewählte Lebensräume vorstellen. Ich lade Sie herzlich dazu ein, diese Vielfalt zu entdecken! Ich wünsche Ihnen im Namen des gesamten Vorstandes und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung ­Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz ein gutes Jahr 2024 und ein Jahr voller Vielfalt! Vielleicht begleiten Sie uns einmal auf einer Exkursion in den verschiedenen Lebens- räumen in unserem abwechslungsreichen Bundesland! Ihre Katrin Eder Vorsitzende des Vorstandes Staatsministerin, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz Foto Eder: MKUEM/Heike Rost Der Erhalt der Arten­vielfalt gilt neben dem Klima- schutz als größte Herausforderung unserer Zeit. JANUAR WASSERAMSEL | Cinclus cinclus SIEG BEI SCHEUERFELD MODIMIDOFRSASO 01020304050607 08091011121314 15161718192021 22232425262728 293031 Neujahr BÄCHE UND FLÜSSE ECHTES MÄDESÜSS | Filipendula ulmaria EISVOGEL | Alcedo atthis ... Europas bieten samt ihrer Ufer und Auen verschiedens- ten Bewohnern eine Fülle unterschiedlichster Lebens- räume. Manche Arten haben sich mit verblüffenden Strategien perfekt an ihre jeweilige ökologische Nische angepasst. Zugleich sind sie einem hohen Druck und Beeinträchtigungen ausgesetzt – die Veränderungen der Gewässermorphologie und diffuse Einträge von ­Stoffen sind die größten Bedrohungen. Je mehr man über diesen Lebensraum weiß, desto mehr Faszinierendes wird man beim nächsten Bach-Spaziergang entdecken. Vielleicht eine Wasseramsel – sie lebt an geröllreichen, kleinen ­Bächen und Flüssen im Wald und Bergland und ist der einzige heimische Singvogel, der tauchen und ­schwimmen kann. Ob der Otter auch bald wieder in rheinland-pfälzischen Gewässern zu finden sein wird? BACHFORELLE | Salmo trutta fario Fotos: igreen/Jonathan Fieber FEBRUAR HAIN-BÄNDERSCHNECKE | Cepaea nemoralis MO 05 DI MI 06 07 TURMFALKE | Falco tinnunculus DOFRSASO 01020304 08091011 15161718 232425 Weiberfastnacht 121314RosenmontagFaschingsdienstagAschermittwoch19202122 26272829 HONIGBIENE AM WINTERLING | Apis mellifera /Er ant his hy STADTNATUR em ali s es HAUSSPERLING | Passer dom ticu s … hat verschiedene Funktionen, die sich auf nahezu alle Lebensbereiche positiv auswirken. In der Stadt dienen Natur und naturnahe Grün- und Freiraumstrukturen der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Menschen. Sie beeinflusst das Mikroklima positiv und kann dem Aufheizen einer Großstadt entgegenwirken. Natur in der Stadt kommt aber nicht nur den in der Stadt lebenden Menschen zugute, sie stellt eine Lebensgrundlage für viele Tiere und Pflanzen dar. Anders als im Umland, herrschen hier oft kleinräumige Habitatstrukturen vor. Trockenstandorte wie Bahnanlagen wechseln sich auf engem Raum mit weitgehend unberührten Brachflächen oder intensiv genutzten Parks ab. Der Lebensraum Stadt hat oft eine ganz andere und teilweise höhere Artenviel- falt als die freie Landschaft. Turmfalken beispielsweise sind Kultur­folger, die gerne in vom Menschen geprägten Ge- bieten brüten. Gehen auch Sie auf Arten­suche in der Stadt- natur und melden Sie diese im ArtenFinder. ROTFUCHS Vulpes vulpes Fotos: igreen/Jonathan Fieber MÄRZ GEMEINER REGENWURM | Lumbricus terrestris MO DI MI DO ROTBUCHE | Fagus sylvatica FRSASO 010203 Tag des Artenschutzes 04050607080910 11121314151617 18192021222324 28293031 KarfreitagEarth Hour 20:30 UhrOstersonntag Frühlingsanfang 25 26 27 GOLDGLÄNZENDER LAUFKÄFER Carabus auronitens WALDMAUS | Apodemus sylvaticus BODENLEBEN BÄRLAUCH | Allium ursinum Boden ist ein artenreicher Lebensraum: Bereits in einem Gramm befinden sich Milliarden von Mikroorganis- men wie Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller sowie hundert­ tausende Bodentiere wie Faden- und Regenwürmer, Milben, Asseln, Springschwänze oder Insektenlarven. Diese Organis- men erfüllen, alleine oder in Symbiose mit anderen Lebe- wesen, wichtige Funktionen im Boden: Sie sind maßgeblich an der Humusbildung und weiteren chemischen Prozessen beteiligt und sorgen außerdem für eine lockere, krümelige Bodenstruktur, die die Puffer- und Speicherkapazität, auch von Kohlenstoff, im Boden erhöht. Die Lebensbedingungen und damit die Vielfalt im Boden ist von den natürlichen Stand- ortfaktoren abhängig. Daneben beeinflusst aber insbesondere die Flächennutzung die Anzahl und den Zustand der Boden- organismen. Anthropogene Belastungen können zu einer Störung der Artengemeinschaft sowie dem gänzlichen Entzug der Lebensgrundlage durch Bodenversiegelung führen. ROTE GARTENAMEISE | Myrmica rubra Fotos: igreen/Jonathan Fieber

Collembolengemeinschaften (Arthropoda) von Waldökosystemen der Changbai Mountains in Nordost China: Trophische Struktur, Einfluss der Höhenstufe und Reaktion auf erhöhte Temperatur

Collembolen (Springschwänze) gehören zu den häufigsten und artenreichsten Bodentieren und tragen zu wichtigen Ökosystemprozessen, wie der Zersetzung von organischem Material und der Mineralisation von Nährstoffen, bei. Globale Veränderungen von Temperatur und Niederschlägen werden vermutlich die Gemeinschaftsstruktur und Funktion von Collembolen wesentlich beeinflussen. Das beantragte Projekt fokussiert auf Collembolengemeinschaften von Waldökosystemen entlang von Höhentransekten in Nordost China (Changbai Mountain). Vier Themenbereiche sollen untersucht werden: (1) Veränderung der Gemeinschaftsstruktur von Collembolen entlang von Höhentransekten von 800 auf 1850 m; (2) Veränderung der trophischen Struktur von Collembolenarten entlang der untersuchten Höhentransekte; (3) Untersuchung von Mechanismen, die die Zusammensetzung von Gemeinschaften steuern, unter Verwendung von „community phylogenetics“; (4) Reaktion von Collembolen auf experimentelle Temperaturerhöhung, die für das 21. Jahrhundert prognostiziert wird. Die Analyse der Gemeinschaftsstruktur von Collembolen erfolgt entlang von drei replizierten Höhentransekten in Abständen von 150 Höhenmetern und der Bestimmung der Collembolen auf Art- bzw. Morphospezies-Niveau. Die trophische Struktur wird über die Analyse der natürlichen Variation von stabilen Isotopen sowie über Fettsäureanalyse bestimmt. Als Basis für die Verwendung von „community phylogenetics“ werden die vorkommenden Collembolenarten durch mehrere genetische Marker charakterisiert und ihre genetische Verwandtschaft quantifiziert. Merkmale von Arten werden auf ihr phylogenetisches Signal analysiert um diejenigen Merkmale zu identifizieren, die die Verbreitung von Arten entlang von Höhentransekten bestimmen. Die Reaktion von Collembolengemeinschaften auf erhöhte Temperatur wird im Labor durch Inkubation von Bodensäulen untersucht, die einer erhöhten Temperatur von 2°C und 4°C ausgesetzt werden. Es wird die Veränderung der Gemeinschaftsstruktur, der trophischen Struktur und der Merkmalsstruktur der Collembolen analysiert. Insgesamt verwendet das Projekt Collembolen als Modellgruppe von Bodentieren um Merkmale zu identifizieren, die die Zusammensetzung und Verbreitung von Bodentieren entlang von Umweltgradienten steuern. Damit beabsichtigt das Projekt Mechanismen zu identifizieren, die Veränderungen von Bodentiergemeinschaften entlang von Umweltgradienten steuern und damit eine Vorhersage erlauben, wie diese auf globale Temperaturerhöhung reagieren werden.

RTG 2300 - Soil microarthropods (Collembola, Insecta) in current and future forest stands of Central Europe

Collembola in soil play vital roles in ecosystem functioning. To understand the effects of forest management effects on soil Collembola, we sampled Collembola from five forest types replicated at eight sites. Animals were sampled by using a soil corer (ø 5 cm) between November 2017 and January 2018. One soil core was taken in each of the 40 forest stands with the samples taken between trees of the same (pure stands) or different species (mixed stands). Each site comprised three pure stands of European beech (Fagus sylvatica L.), Norway spruce (Picea abies [L.] Karst.) and Douglas fir (Pseudotsuga menziesii (Mirbel) Franco.) as well as two beech–conifer mixtures (European beech/Douglas fir and European beech/Norway spruce). Samples were separated into litter and 0–5 and 5–10 cm soil depth. Springtails were extracted using high-gradient heat extraction. Collembola were collected in 50 % diethylene glycol and then transferred into 70 % ethanol. Springtails were identified using the keys of Gisin (1960), Fjellberg (1998, 2007) and Hopkin (2007). Numbers of Collembola in the three sample depths were summed up. The data record their abundance and community structure in temperate forests of Central Europe.

Insekt des Jahres 2016 ist der Dunkelbraune Kugelspringer

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist das Insekt des Jahres 2016. Mit 4 mm Größe ist er ein Winzling, aber einer der größeren Exemplare der Gruppe der Springschwänze. Er ernährt sich von Algen, die er von Rinden lebender Bäume abgrast und auch von Baumstümpfen, auf denen man sie bei Regen und hoher Luftfeuchtigkeit sehen kann. Er kommt häufig vor. Weltweit sind etwa 8.000 verschiedene Arten an Springschwänzen bestimmt worden. Sie kommen im Boden in ungeheuer großen Mengen vor, bis zu 200.000 pro Quadratmeter, wenn die Lebensbedingungen optimal sind. Sie tragen wesentlich mit zur Bodenfruchtbarkeit und zur Humusbildung bei, da sie sich von zerfallenden pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen ernähren.

Naturschutz - Zentrum für Artenvielfalt/Tiere und Pflanzen/Insekten/Insektenschutz: Was zu tun ist

<p>Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist eine der zentralen Herausforderungen unseres Jahrhunderts, vergleichbar dem Klimaschutz. Insekten sind wichtige Schlüsselorganismen unserer Ökosysteme. Das Insektensterben muss daher schnell gestoppt werden. Dafür braucht es einen gesellschaftlichen Konsens und die Bereitschaft aller, mitzumachen. Gemeinsam blühende Landschaften schaffen, ist das Ziel.</p><p>Das „Insektensterben“ ist im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Überall − von Länderebene bis in die Kommunen − gibt es Initiativen zum Schutz der Insekten. Die hessische Landesregierung ergreift vielfältige Maßnahmen zum Schutz von Honigbienen, Wildbienen und anderen bestäubenden Insekten. Das Hessische <a href="https://umwelt.hessen.de/agrarumweltprogramm">Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen</a> − kurz HALM − dient der Förderung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung. Der Schutz der Gewässerrandstreifen und das <a href="https://wildebaechehessen.de/">Programm „100 Wilde Bäche für Hessen“</a> erhalten die Vielfalt wasserlebender Insekten. Mit der Bewirtschaftung der landeseigenen Wälder nach FSC sowie der Ausweisung von Wildnisgebieten und der Erweiterung des <a href="https://www.nationalpark-kellerwald-edersee.de/">Nationalparks Kellerwald-Edersee</a> leistet das waldreiche Hessen einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der natürlichen Insektenvielfalt unserer Naturwälder.</p><p>Unsere Insektenwelt ist unter Druck. Um den Insektenschwund zu stoppen, müssen wir konkret werden. Eine Sicherung verbliebener Lebensräume ist bei weitem nicht mehr ausreichend. Schutzkonzepte müssen die gesamte Landschaft im Blick haben. In der Erkenntnis, dass artenreiche Lebensräume widerstandsfähiger gegenüber dem Verlust wichtiger Ökosystemleistungen als artenarme sind, sind sowohl auf Wiesen und Feldern als auch in Wäldern Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt erforderlich. Ansatzpunkte sind insektenfreundliche Formen der Landnutzung, ein Stopp des Lebensraumverlustes und eine Vernetzung der verbliebenen Lebensräume sowie ein verbessertes Management naturschutzfachlich wertvoller Flächen und die Wiedeherstellung zerstörter Lebensräume. Bestehende Schutzgebiete benötigen Pufferzonen, damit sie vor intensiven Nutzungen und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geschützt sind.</p><p>Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands ist von Landwirtschaft geprägt — in Hessen sind es 36 Prozent. Daher müssen Anreize zur Umstellung auf nachhaltige, bodenschonende und humusvermehrende, an den Klimawandel angepasste Bewirtschaftungsweisen gegeben werden. Schlüsselfaktoren für das Überleben der Insekten in der ausgeräumten Kulturlandschaft sind Qualität, Größe und Vernetzung verbliebener und neu geschaffener Lebensräume.</p><p>Pestizideinsatz reduzieren</p><p>kleine Feld- und Schlaggrößen</p><p>Erweiterung von Fruchtfolgen</p><p>Kulturen mit Ackerwildkräutern</p><p>Artenreiche, mehrjährige Blüh- und Brachestreifen mit Regio-Saatgut</p><p>Dünge- und Schadstoffeintrag in Gewässer verhindern</p><p>abgestufte Nutzungsintensität mit Extensivierungen</p><p>gestaffelte Mahdzeiten (Mosaikmahd)</p><p>extensive Vieh- und Weidehaltung</p><p>keine Bremsenfallen bei Freilandhaltung</p><p>flächige und lineare Vernetzung von Lebensräumen</p><p>artenreiche Hecken, Säume und Raine mit Abbruchkanten an Böschungen</p><p>offene Erd- und Graswege</p><p>Ökologischer Landbau kommt ohne Pflanzenschutzmittel und synthetischen Dünger aus. Er setzt auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und auf biologische Vielfalt. Alle Insektenarten der Kulturlandschaft profitieren − besonders die mittlerweile gefährdeten. Im Vergleich zum konventionellen Landbau wachsen hier 94 Prozent mehr Wildkräuterarten, leben hier 30 Prozent mehr Wildbienenarten und 18 Prozent mehr Tagfalterarten. Ökologischer Landbau ist auch Klimaschutz, denn im Boden wird doppelt so viel CO2 gespeichert. In Hessen werden bereits 14,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet.</p><p>Um den Insektenschwund zu stoppen, müssen wir uns für ein Ende der industriellen Landwirtschaft und für mehr Insektenschutz einsetzen. Auch in Städten ist Lebensraum für Insekten knapp. In unserer Gemeinde können wir wilde Grünanlagen und bunte Wegraine fordern. Im eigenen Garten und auf dem eigenen Balkon können wir sofort und direkt etwas für Insekten tun. Selbst wer keinen Garten oder Balkon besitzt, kann allein durch sein Kaufverhalten einen Beitrag zur Förderung der Insektenvielfalt leisten. „Nachhaltig konsumieren“ ist das Zauberwort.</p><p>Eine naturnahe Gartengestaltung ist Insektenschutz. Der Trend zu Zierrasen, Schotterfläche, exotischen Gehölzen und Zierblüten nimmt Insekten ein letztes verlässliches Zuhause. Wer einen Garten hat, kann daher viel für den Erhalt unserer Insekten tun. Und das ist nicht nur eine gute Tat. Im ökologischen Gleichgewicht des Gartens spielen Insekten eine entscheidende Rolle. Ob Gemüsebeet oder Obstgarten − zu Naschen gibt es nur, wenn Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen die Bestäubung übernehmen. Sie benötigen allerdings nicht nur eine Vielfalt an Blüten, sondern auch ein Zuhause. Es lohnt sich zudem Käfer und Springschwänze zu fördern, die abgestorbene organische Substanz in fruchtbare Gartenerde verwandeln.</p><p><a href="https://www.hlnug.de/kontaktformular?tx_powermail_pi1%5Bfield%5D%5Baddid%5D=6018&amp;cHash=cefbea99f28fdb39b47b922d6d5d89a6">Niklas Krummel </a></p><p>Tel.: 0641-200095 20</p>

1 2 3 4