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Anpassung an den Klimawandel

Klimawandel bezeichnet eine längerfristige Temperaturänderung der Erdatmosphäre. In den vergangenen zwei bis drei Millionen Jahre gab es auf der Erde einen zyklischen Wechsel von Warm- und Kaltphasen. Das ist im Wesentlichen auf die Neigung der Erdachse und die elliptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne und dem daraus resultierenden Abstand der Erde zur Sonne sowie dem Einstrahlungswinkel der Sonnenstrahlen auf die Erde zurückzuführen. Auch die ebenfalls zyklischen Veränderungen unterliegende Aktivität der Sonne hat Einfluss auf das Erdklima. Darüber hinaus gibt es weitere natürliche Faktoren wie beispielsweise Vulkanismus und durch Rückkopplungseffekte verursachte Veränderungen der Meeresströmungen, die das Klima beeinflussen. In den letzten 150 Jahren hat jedoch der Mensch entschieden dazu beigetragen, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu erhöhen und so eine globale Erwärmung voranzutreiben. Das ist auf die massive Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas) und eine veränderte Landnutzung, wie die Rodung von Wäldern und die Trockenlegung von Mooren zurückzuführen. Laut aktuellem IPCC-Bericht ist die globale atmosphärische Konzentration von CO 2 seit vorindustrieller Zeit um 40 % angestiegen. Die atmosphärischen Konzentrationen von CO 2 , Methan und Stickstoffoxiden sind mittlerweile so hoch wie nie zuvor innerhalb der letzten 800.000 Jahre. In jeder der letzten drei Dekaden fand eine zunehmende Erwärmung der Erdoberfläche statt, die stärker war als in jeder zurückliegenden Dekade seit 1850. Die Folgen sind bereits deutlich erkennbar. Global findet eine Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane statt, Permafrostböden tauen auf und setzen Methan frei, das Meereis schmilzt, ebenso die Eisschilde des Festlandes, der Meeresspiegel steigt, und zwar schneller, als bisherige Modelle dies erwarten ließen. Regional kommt es vermehrt zu Extremwetterereignissen wie Hitzeperioden, Stürmen, Starkregenereignissen und Hagel. Im Juli 2016 hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine durch die vormalige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Auftrag gegebene Konzeptstudie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Berlin (AFOK) vorgelegt. Die Studie beschreibt auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die Klimazukunft Berlins bis zum Ende des Jahrhunderts und benennt Handlungsoptionen zur Anpassung an die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen. Sie bildet die Grundlage für das Berliner Anpassungsprogramm als Teil des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK). Mit Hilfe eines Indikatoren basierten Klimafolgenmonitorings wird die Entwicklung klimatischer Parameter in der Vergangenheit und Gegenwart hinsichtlich erkennbarer Trends überwacht. Darüber hinaus sollen damit die eintretenden Klimafolgen frühzeitig erkannt werden, um Anpassungsmaßnahmen zielgerichtet planen und durchzuführen zu können. Auswirkungen des Klimawandels Weitere Informationen Klimafolgenmonitoring Weitere Informationen Programm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Berlin Weitere Informationen Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030) Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima Zentrum KlimaAnpassung IPCC-Berichte Global Change Institute

Klimawandel auf globaler, nationaler, regionaler sowie lokaler Ebene Klimawandel Grundlagen Klimawandel auf globaler Ebene Klimawandel auf regionaler und lokaler Ebene Globale Klimamodelle Klimaszenarien

Der vom Menschen ausgelöste globale Klimawandel ist eine in der Fachwelt anerkannte Tatsache. Die ersten Folgen des Klimawandels sind in Sachsen-Anhalt bereits spürbar. Die Auswirkungen des Klimawandels wird man in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahrzehnten vermehrt zu spüren bekommen. Der Themenkomplex Klimawandel lässt sich generell in zwei Bereiche aufteilen: Die Klimaanalyse umfasst alle Auswertungen von Klimadaten in der Vergangenheit. Im Themenbereich Klimaprojektion werden mögliche Klimaentwicklungen in der Zukunft auf der Grundlage von Klimamodellrechnungen betrachtet. Bei der Klimaanalyse ist es wichtig, von heute beginnend in der Geschichte zurückzuschauen, um die Klimageschichte des Planeten bewerten zu können. Nur so können aktuelle und künftige Entwicklungen in die Klimageschichte eingeordnet und Extremereignisse bewertet werden. Unterschied zwischen Wetter, Witterung und Klima Wetter: Als Wetter wird der physikalische Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem auch kürzeren Zeitraum an einem bestimmten Ort oder in einem Gebiet bezeichnet, wie er durch die meteorologischen Elemente und ihr Zusammenwirken gekennzeichnet ist. Witterung: Als Witterung wird der allgemeine, durchschnittliche oder auch vorherrschende Charakter des Wetterablaufs eines bestimmten Zeitraums (von einigen Tagen bis zu ganzen Jahreszeiten) bezeichnet. Klima: Das Klima ist definiert als die Zusammenfassung der Wettererscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem mehr oder weniger großen Gebiet charakterisieren. Hierbei wird ein Zeitraum von mindestens 30 Jahren zugrunde gelegt. Die Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organisation - WMO) empfiehlt den Zeitraum 1961 bis 1990 als Klimareferenzperiode zur langfristigen Betrachtung der Entwicklungen des Klimawandels. Klimawandel: Als Klimawandel werden die langfristigen Veränderungen dieses mittleren Zustandes der Atmosphäre (Klima) bezeichnet. Dabei ist es unerheblich, ob die Veränderungen natürlichen Ursprungs sind oder nicht. Das Klima unterliegt verschiedenen Einflüssen wie bspw. der Sonnenaktivität und den Erdbahnparametern, sowie Vulkanausbrüchen oder der Plattentektonik aber auch dem Einfluss des Menschen. Dabei kann festgehalten werden: Die durch den Menschen hervorgerufene Klimaerwärmung seit Beginn der Industrialisierung ist wissenschaftlicher Konsens. Der Treibhauseffekt Der Treibhauseffekt ist ein auch ohne den Menschen vorkommendes Phänomen: Die Erdoberfläche strahlt langwellige Wärmestrahlung ab. Diese langwellige, nach oben gerichtete Strahlung wird durch Bestandteile der Atmosphäre, die Treibhausgase, absorbiert (aufgenommen) und wieder emittiert (abgegeben). Diese Strahlungsemission geschieht dabei in alle Richtungen, sodass die eigentlich nach oben gerichtete langwellige (also Wärme-)Strahlung zum Teil in der Atmosphäre gehalten wird. Diese erwärmt sich somit. Treibhausgase kommen natürlicher Weise in der Atmosphäre vor. Natürlich in der Atmosphäre vorkommende Treibhausgase sind bspw. Kohlenstoffdioxid (CO 2 ), Methan (CH 4 ), Lachgas (N 2 O) und Wasserdampf (H 2 O). Im Fall des Wasserdampfes verdeutlicht ein einfaches Beispiel den Effekt: In einer sternenklaren Nacht kühlt die Atmosphäre wesentlich schneller aus als bei bedeckten Verhältnissen. Die Erdatmosphäre schützt die Erde somit vor dem Auskühlen: im Gleichgewicht des Strahlungshaushalts ohne Atmosphäre läge die mittlere Erdoberflächentemperatur bei -18 °C. Ausgehend von einer globalen Mitteltemperatur von rund 15 °C wäre es ohne den Treibhauseffekt auf der Erde somit um ca. 33 Kelvin kälter. Die Konzentrationen der Treibhause CO 2 , CH 4 und N 2 O steigen seit Jahrzehnten durch den menschlichen Ausstoß an. In den letzten 60 Jahren hat die CO 2 -Konzentration um 25% zugenommen. Die Konzentration von Methan hat sich mehr als verdoppelt. Dabei gilt zu beachten, dass Methan eine deutlich stärkere Treibhauswirkung hat als CO 2 . Die Atmosphäre ist ein komplexes System. So hängen die verschiedenen physikalischen Größen und Vorgänge wie bspw. Temperatur, Verdunstung sowie Niederschlag/Wasserkreislauf miteinander zusammen. Verändert sich eine Variable (im Falle des Klimawandels die Temperatur), verändern sich auch die anderen Prozesse und Zustände der Atmosphäre. Weiterhin hängen die verschiedenen Komponenten des Klimasystems (Atmosphäre, Hydrosphäre, Kryosphäre, Biosphäre, Lithosphäre/ Pedosphäre) miteinander zusammen. Um nur einige der prominentesten Beispiele zu nennen: Die Temperaturerhöhung der Atmosphäre hat bspw. Auswirkungen auf den Meeresspiegel der Ozeane (Hydrosphäre; z. B. Abschmelzen der Gletscher (Kryosphäre) sowie Dichteabnahme und damit Ausdehnung des Meerwassers) oder den Säuregehalt des Ozeans. Dies wiederum führt zu Beeinflussung des Ökosystems Meer (Biosphäre; bspw. Absterben von Korallenriffen). Weiterhin ist hiervon auch direkt der Lebensraum des Menschen betroffen: Besonders Inselstaaten sind vom Meeresspiegelanstieg bedroht. Zudem bricht mit den absterbenden Korallenriffen ein bedeutsamer Küstenschutz weg. Die globale Lufttemperatur hat seit 1850 um 1,1 K zugenommen. 2023 war global das erste Jahre, dass mehr als 1,5 K wärmer war als vorindustriell (Quelle: https://climate.copernicus.eu/global-climate-highlights-2023 ). Aber auch die Meerestemperaturen steigen an und puffern so einen Teil der Erwärmung der Atmosphäre zunächst ab. Der Anstieg der Temperaturen führt aber sowohl ober, als auch unterhalb der Wasseroberfläche zu Veränderungen von Gletschern, Eisschilden, Strömungen, Flora, Fauna und vielem mehr. Besonders empfindliche Systeme drohen irreversibel geschädigt zu werden, mit Folgen für den ganzen Planeten. Die Rede ist von sogenannten Kipppunkten im Klimasystem der Erde. Die Schnelligkeit der Erwärmung und der damit einhergehenden Veränderungen stellt eine besondere Herausforderung dar. Aus diesen Gründen ist sowohl die Anpassung an bereits stattgefundene oder nicht mehr vermeidbare Klimaveränderungen zwingend nötig, als auch der Schutz des Klimas insgesamt, um noch weiterreichende Veränderungen zu verhindern. Der Klimawandel wirkt sich auch auf regionaler Ebene aus. So steigt bspw. schon heute die Hitzebelastung in mitteldeutschen Sommern. Weiterhin können sich die Niederschlagsverhältnisse innerhalb des Jahres verschieben bzw. durch stabile Wetterlagen kann es immer häufiger zu länger anhaltenden Witterungsverhältnissen kommen, die unter Umständen zu Dürre oder Hochwassergefahr führen. Das Mittel der Temperaturverteilung verschiebt sich in Richtung warm bei zunehmender Bandbreite mit den Hitzeextremen. Globale Klimamodelle sind komplexe physikalische Modelle, die das Klimasystem der Erde anhand physikalisch-numerischer Gleichungen computergestützt und zeitabhängig beschreiben. Kalibrierte Modelle ermöglichen unter definierten Annahmen über die zukünftige Treibhauskonzentrationsentwicklung die Simulation möglicher zukünftiger Klimaentwicklungen (siehe Klimaszenarien). Modelle und ihre Eigenschaften Man nutzt zur Berechnung des zukünftigen Klimas globale Zirkulationsmodelle (General Circulation Model bzw. Global Climate Model - GCMs). Globale Modelle stellen ein unverzichtbares Instrumentarium für voraussichtliche Veränderungen der Häufigkeit und Dauer von charakteristischen Großwetterlagen dar und besitzen eine horizontale Auflösung von ca. 200 km x 200 km Gitterabstand (IPCC). Zeitliche Entwicklung der Modelle Die Entwicklung der globalen Zirkulationsmodelle ist wesentlich an die Entwicklung der Computerkapazitäten gebunden. Erst die Fortschritte in der Rechenleistung großer Computeranlagen haben es ermöglicht, dass sich die Komplexität der Modelle, die Länge der Simulation und die räumliche Auflösung steigern ließen. Die ersten Modellrechnungen wurden mit reinen Atmosphärenmodellen durchgeführt, die aus Wettermodellen abgeleitet wurden. Seit den 1960er Jahren wurden Atmosphären- und Ozeanmodelle miteinander gekoppelt, zunächst mit einer sehr rudimentären Dynamik. In den folgenden Jahren wurden Modelle der Atmosphäre und des Ozeans getrennt weiterentwickelt. Seit den 1990er Jahren wurden immer mehr Komponenten des Klimasystems miteinbezogen und die Modelle wurden immer komplexer. So wurden Anfang der 1990er Jahre Modellrechnungen durchgeführt, die auch die Wirkung der in der Summe abkühlend wirkenden Aerosole berücksichtigten. Außerdem wurden Modelle für den ozeanischen und terrestrischen Kohlenstoffkreislauf entwickelt und in gekoppelten Simulationen für den Bericht des Weltklimarates IPCC von 2007 genutzt. Eine dynamische Vegetation und die Chemie der Atmosphäre sind weitere Bausteine der Modellentwicklung. Das Resultat sind sogenannte Erdsystemmodelle. In jüngster Zeit sind verbesserte biogeochemische Kreisläufe und dynamische Eisschilde, die mit Klimaänderungen in Wechselwirkung stehen, hinzugekommen. Das langfristige Ziel ist es, dass möglichst alle Komponenten des Klimasystems einschließlich ihrer Rückkopplungen und der externen Störungen simuliert werden können. Um Aussagen über das zukünftige Klima treffen zu können, werden Globale Klimamodelle in Verbindung mit Szenarien genutzt. Diese Klimaszenarien beinhalten Annahmen über die zukünftige Entwicklung von Treibhausgasen und ggf. die Gesellschaft. Sie stellen eine sogenannte Randbedingung von Klimamodellrechnungen für die Zukunft (= Klimaprojektionen) dar. Der 5. IPCC-Bericht verwendete Szenarien mit repräsentativen Konzentrationspfaden (RCP), die den möglichen zukünftigen Verlauf der absoluten Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre beschreiben. Im neueren 6. IPCC-Bericht fanden gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade (Shared Socioeconomic Pathways, SSP) Anwendungen, die stärker den möglichen künftigen Einfluss der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung der Menschheit als Ausgangspunkt für den Ausstoß von Treibhausgasen betrachten. Die unterschiedlichen RCP Szenarien sind in der Abbildung dargestellt. Der Zahlenwert hinter dem RCP entspricht dem zusätzlichen Strahlungsantrieb. Der anthropogene Strahlungsantrieb ist hierbei ein Maß für den Einfluss, den ein einzelner Faktor auf die Veränderung des Strahlungshaushalts der Atmosphäre und damit auf den Klimawandel hat. Er wird in Watt pro Quadratmeter angegeben. Ein positiver Strahlungsantrieb, z.B. durch die zunehmende Konzentration langlebiger Treibhausgase, führt zu einer Erwärmung der bodennahen Luftschicht. Ein negativer, z.B. durch die Zunahme von Aerosolen, hingegen bewirkt eine Abkühlung ( weitere Informationen ). Bei RCP2.6 würden also 2,6 W/m² mehr in der Atmosphäre verbleiben. Das Szenario des RCP2.6 ist dabei das Szenario mit konsequentem globalem Klimaschutz, dass das Ziel von 1,5 K Erwärmung bis 2100 einhalten könnte. Mit moderatem Klimaschutz rechnet das Szenario RCP4.5, hier würde man global rund 2 K Erwärmung bis 2100 erreichen. Das RCP6.0 ist das Szenario mit wenig globalem Klimaschutz. Hierbei würde sich die Erwärmung bis 2100 auf etwa 3 K belaufen. Ohne Klimaschutz (RCP8.5) würde die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre weiter ungebremst zunehmen. Die globale Temperatur würde bis 2100 um mehr als 4 K zunehmen mit entsprechend verheerenden Folgen für unseren Planeten. Die neuere Szenarienfamilie des 6. IPCC Berichts teilt sich recht ähnlich zu der Szenarienfamilie der RCPs auf, auch wenn sich diese im Detail unterscheiden. So wurden zunächst Narrative der sozioökonomischen Entwicklung aufgespannt, welche von „Nachhaltigkeit“ bis „Fossile Entwicklung“ reichen. Für diese verschiedenen Narrative (SSP1 bis SSP5) können verschiedene Strahlungsantriebe eintreten. Nach dem nachhaltigen Szenario mit konsequentem globalem Klimaschutz (SSP1-2.6) kann das 2-Grad-Ziel erreicht werden. Das Szenario SSP2-4.5 mit moderatem Klimaschutz geht von einer Erwärmung von knapp 3 K bis Ende des Jahrhunderts aus. Im Falle des SSP3-7.0 wird von einer Zunahme von Konflikten auf der Erde ausgegangen, die globalen Klimaschutz deutlich erschweren. Demnach würde die globale Temperatur um etwa 4 K ggü. dem vorindustriellen Wert ansteigen. Im SSP5-8.5 gelingt es der Menschheit nicht, Klimaschutz bis zum Ende des Jahrhunderts global umzusetzen. Dies führt zu einer Erwärmung von etwa 5 K. Die Szenarien zeigen, dass konsequenter globaler Klimaschutz bis hinunter auf die Ebene der Bundesländer in Deutschland alternativlos ist, wenn man tiefgreifende Veränderungen vermeiden will. Weiterhin stellen die Szenarien und Klimaprojektionen die Basis für die zu entwickelnden Maßnahmenkonzepte zur Anpassung an den zu erwartenden Klimawandel dar. Letzte Aktualisierung: 18.09.2024

Atmosphärische Treibhausgas-Konzentrationen

Atmosphärische Treibhausgas-Konzentrationen Bedingt durch seine hohe atmosphärische Konzentration ist Kohlendioxid nach Wasserdampf das wichtigste Klimagas. Die globale Konzentration von Kohlendioxid ist seit Beginn der Industrialisierung um gut 50 % gestiegen. Demgegenüber war die Kohlendioxid-Konzentration in den vorangegangenen 10.000 Jahren annähernd konstant. Konzentrationen weiterer Treibhausgase tragen ebenfalls zum Klimawandel bei. Kohlendioxid Durch das Verbrennen fossiler Energieträger (wie zum Beispiel Kohle und Erdöl) und durch großflächige Entwaldung wird Kohlendioxid (CO 2 ) in der ⁠ Atmosphäre ⁠ angereichert. Diese Anreicherung wurde durch die Wissenschaft unzweifelhaft nachgewiesen. Die weltweite Kohlendioxid-Konzentration lag im Jahr 2023 bei 419,55 µmol/mol (⁠ ppm ⁠) Kohlendioxid ( NOAA 2023 ). Hinzu kommen Konzentrationen weiterer Treibhausgase, die ebenfalls zum weltweiten ⁠ Klimawandel ⁠ beitragen. Die Auswertung von Messungen der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration für das Jahr 2015 an den Messstationen des Umweltbundesamtes Schauinsland (Südschwarzwald) und auf der Zugspitze hat gezeigt, dass in diesem Jahr die Konzentration an beiden Stationen im Jahresdurchschnitt erstmals über 400 µmol/mol (ppm) lag. Zum Vergleich: Die Kohlendioxid-Konzentration aus vorindustrieller Zeit lag bei etwa 280 µmol/mol (ppm). Auf Deutschlands höchstem Gipfel sind die Messwerte besonders repräsentativ für die Hintergrundbelastung der Atmosphäre, da die Zuspitze häufig in der unteren freien ⁠ Troposphäre ⁠ liegt und somit weitestgehend unbeeinflusst von lokalen Quellen ist. Im Jahr 2023 stieg der Jahresmittelwert auf der Zugspitze auf 420,7 µmol/mol (ppm) (siehe Abb. „Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre (Monatsmittel)“). Lange Messreihen ergeben ein zuverlässiges Maß für den globalen Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration. Dank ihrer Genauigkeit ermöglichen sie es, den Effekt der Verbrennung fossiler Brennstoffe von natürlichen Konzentrations-Schwankungen zu unterscheiden. Auf dieser Grundlage kann die langfristige Veränderung des Kohlendioxid-Vorrats in der Atmosphäre mit Klimamodellen genauer analysiert werden. Die Auswertung der Messreihe vom aktiven Vulkan Mauna Loa auf Hawaii werden zur Bestimmung des globalen Kohlendioxid-Anstiegs genutzt, da sich die Messstation in größer Höhe und weit entfernt von störenden Kohlendioxidquellen befindet. Während in den 1960er-Jahren der jährliche Anstieg auf Mauna Loa (aktiver Vulkan auf Hawaii, wo) im Mittel noch bei 0,86 µmol/mol (ppm) Kohlendioxid lag, stieg der Welttrend in den vergangenen 15 Jahren im Mittel auf 2,35 µmol/mol (ppm) pro Jahr, in Mauna Loa auf 2,41 µmol/mol (ppm) pro Jahr. Gegenüber den 1950er-Jahren wurde damit der globale Kohlendioxid-Anstieg annähernd verdreifacht. Methan Bis 2023 stieg die weltweite Methan-Konzentration bis etwas über 1921,9 nmol/mol (⁠ ppb ⁠). An der Messstation Zugspitze wurde für 2023 ein Jahresmittelwert von 1994,0 nmol/mol (ppb) gemessen (siehe Abb. „Methan-Konzentration in der ⁠ Atmosphäre ⁠ (Monats- und Jahresmittelwerte)“). Lachgas Weltweit lag die Lachgas-Konzentration im Jahr 2023 bei über 336,7 nmol/mol (⁠ ppb ⁠). An der Messstation Zugspitze wurde für 2023 ein Jahresmittelwert von 337,4 nmol/mol (ppb) gemessen (siehe Abb. „Lachgas-Konzentration in der ⁠ Atmosphäre ⁠ (Monatsmittelwerte)“). Beitrag langlebiger Treibhausgase zum Treibhauseffekt In der Summe bilden Kohlendioxid (CO 2 ), Methan, Lachgas und die halogenierten Treibhausgase den sogenannten ⁠ Treibhauseffekt ⁠: Die langlebigen Treibhausgase leisteten 2022 einen Beitrag zur globalen Erwärmung (NOAA 2023) von insgesamt 3,398 W/m² (Watt pro Quadratmeter). Verglichen mit dem Stand von 1990 ergibt dies eine Zunahme von fast 49 %. Dabei leistet atmosphärisches CO 2 den vom Menschen in erheblichem Umfang mit verursachten Hauptbeitrag zur Erwärmung des Erdklimas. In Folge dieser Klimaerwärmung nimmt auch der sehr mobile und wechselnd wirkende Wasserdampf in der ⁠ Atmosphäre ⁠ zu. Im Vergleich zu CO 2 ist dieser zwar deutlich maßgebender für die Erwärmung, atmosphärisches CO 2 bleibt aber der vom Menschen verursachte Hauptantrieb. Wie stark die verschiedenen langlebigen Klimagase im Einzelnen zur Erwärmung beitragen, ist in der Abbildung „Beitrag zum Treibhauseffekt durch Kohlendioxid und langlebige Treibhausgase 2022“ zu sehen. Der größte Anteil dabei entfällt auf Kohlendioxid mit etwa 63,9 %, gefolgt von Methan mit 19,1 %, Lachgas mit 5,7%, und den halogenierten Treibhausgasen insgesamt mit 11,3 %. Obergrenze für die Treibhausgas-Konzentration Um die angestrebte Zwei-Grad-Obergrenze der atmosphärischen Temperaturerhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 66 % zu unterschreiten, müsste die gesamte ⁠ Treibhausgas ⁠-Konzentration (Kohlendioxid, Methan, Lachgas und F-Gase) in der ⁠ Atmosphäre ⁠ bis zum Jahrhundertende bei rund 450 ⁠ ppm ⁠ Kohlendioxid-Äquivalenten stabilisiert werden. Dabei ist eine kurzfristige Überschreitung dieses Konzentrationsniveaus möglich ( IPCC-Synthesebericht ). 2022 lag die gesamte Treibhausgas-Konzentration bei 523 ppm Kohlendioxid-Äquivalenten (siehe Abb. „Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre“). Um die angestrebte Stabilisierung zu erreichen, müssen die globalen Treibhausgas-Emissionen gesenkt werden. In den meisten Szenarien des Welt-Klimarates (IPCC) entspricht dies einer Menge von weltweiten Treibhausgas-Emissionen zwischen 30 und 50 Milliarden Tonnen (Mrd. t) Kohlendioxid-Äquivalenten im Jahr 2030. Im weiteren Verlauf bis 2050 müssten die Emissionen weltweit zwischen 40 % und 70 % unter das Niveau von 2010 gesenkt werden und bis Ende des Jahrhunderts auf nahezu null sinken. Dazu sind verbindliche Zielsetzungen im Rahmen einer globalen Klimaschutzvereinbarung erforderlich. Im Dezember 2015 vereinbarte die Staatengemeinschaft auf der 21. Vertragsstaatenkonferenz unter der Klimarahmenkonvention (COP21) das ⁠ Klimaschutz ⁠-Übereinkommen von Paris. Darin ist zum ersten Mal in einem völkerrechtlichen Abkommen verankert, dass die durchschnittliche globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll. Darüber hinaus sollen sich die Vertragsstaaten bemühen, den globalen Temperaturanstieg möglichst unter 1,5 Grad zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Treibhausgas-Emissionen sobald wie möglich abgesenkt werden. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll eine globale Balance der Quellen und das Senken von Treibhausgas-Emissionen (Netto-Null-Emissionen) erreicht werden. Das bedeutet die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft und damit einen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger. Enorme Anstrengungen sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in allen Staaten, insbesondere den Industrienationen. Zur Erreichung der Klimaziele hat Deutschland das Klimaschutzprogramm 2030 verabschiedet. Weiterführende Informationen Auf den folgenden Seiten finden Sie weiterführende Informationen zu internationalen Klimabeobachtungssystemen: Thema: Globale Überwachung der Atmosphäre (GAW) WMO: Global Atmosphere Watch (GAW) WMO: Global Climate Observing System (GCOS) Weltdatenzentrum für Treibhausgase (WDCGG) BMVBS/DWD: Die deutschen Klimabeobachtungssysteme Wir danken der Nationalen Administration für die Ozeane und die Atmosphäre (NOAA Global ⁠ Monitoring ⁠ Division) in Boulder, USA und dem Scripps Institut für Ozeanography, La Jolla, USA für die CO 2 -Daten des GAW Globalobservatoriums von Mauna Loa, Hawaii, sowie dem Mace Head GAW Globalobservatorium, Irland und dem AGAGE Projekt für die Lachgasdaten.

Beobachtete und künftig zu erwartende globale Klimaänderungen

Beobachtete und künftig zu erwartende globale Klimaänderungen Die Veränderungen im globalen Klimasystem haben seit 1950 rapide zugenommen und sind beispiellos im Vergleich zu den vorherigen Jahrtausenden. Zweifellos hat der menschliche Einfluss zur deutlichen Erwärmung der Atmosphäre, Ozeane und Landflächen geführt. Anhaltende Treibhausgas-Emissionen werden auch künftig starke Klimaänderungen und weitere Extremereignissen verursachen. Aktueller Stand der Klimaforschung Auf Basis deutlich verbesserter Kenntnis  der Klimaprozesse, besserer (paläoklimatischer) Nachweise zu den Klimabedingungen vergangener Erdepochen und der Reaktion des Klimasystems auf den zunehmenden Strahlungsantrieb der Sonne ist der vom Menschen verursachte ⁠ Klimawandel ⁠ eindeutig nachweisbar und wirkt sich bereits auf sehr viele ⁠ Wetter ⁠- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus. Dieser Einfluss des Menschen auf das Erdklima (anthropogener Klimawandel) und die damit einhergehenden weitverbreiteten Veränderungen zeigen sich in der schnellen Erwärmung der unteren ⁠ Atmosphäre ⁠ und der Ozeane, in den Veränderungen des globalen Wasserkreislaufs, in der weltweiten Abnahme von Schnee und Eis, im Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels und an veränderten Jahreszeiten. Zudem gibt es jetzt noch mehr beobachtete Veränderungen von Wetterextremen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen, Überflutungen, Dürren und tropischen Wirbelstürmen sowie insbesondere noch mehr eindeutigere Belege für deren Zuordnung zum Einfluss des Menschen. Die Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre sind auch in den letzten 10 Jahren weiter angestiegen und haben 2023 jährliche Mittelwerte von 419 ⁠ ppm ⁠ für Kohlendioxid (CO 2 ), 1.940 ⁠ ppb ⁠ für Methan (CH 4 ) und 336,8 ppb für Lachgas (N 2 O) erreicht. Die mittlere globale dekadische Oberflächentemperatur stieg im Zeitraum von 1880 bis 2023 um mehr als 1,3 °C (vgl. Abb. „Der Einfluss des Menschen hat das ⁠ Klima ⁠ in einem Maße erwärmt, wie es seit mindestens 2.000 Jahren nicht mehr der Fall war"). Auf der Nordhalbkugel war die letzte Dekade die wärmste seit mehr als 125.000 Jahren. Zu erwartende globale Klimaänderungen Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird sich die Erwärmung der bodennahen Luftschicht fortsetzen. Alle zugrunde gelegten Treibhausgasemissionsszenarien ergeben bis Ende des 21. Jahrhunderts eine Temperaturzunahme. Je nach ⁠ Szenario ⁠ kann die mittlere Erwärmung von 1,5 bis 5,7 °C im Vergleich zu vorindustriellen Bedingungen (Referenzperiode: 1850-1900) reichen. Nur unter der Voraussetzung sehr ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen und drastischer Reduktionen der CO 2 - und anderer ⁠ Treibhausgas ⁠-Emissionen ließe sich der mittlere Temperaturanstieg bis 2100 gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 1,5 °C bis 2,4 °C begrenzen. Nähere Informationen zum Sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarats (⁠ IPCC ⁠-AR6) finden Sie auf der Seite der Deutschen IPCC Koordinierungsstelle. Die Teilberichte des AR6 Der Bericht der Arbeitsgruppe I des Weltklimarates ⁠ IPCC ⁠ kommt zu dem klaren Schluss, dass die vom Menschen verursachten (anthropogenen) Treibhausgasemissionen eindeutig die Ursache für die bisherige und die weitere Erwärmung des Klimasystems der Erde sind. Die zahlreichen ⁠Folgen der Klimaerwärmung⁠ - einschließlich der Extremereignisse – werden immer offensichtlicher und lassen sich direkt dem anthropogenen ⁠Treibhauseffekt⁠ zuordnen. Die Auswirkungen der globalen Klimaveränderungen sind somit intensiver und häufiger geworden und werden dies auch in den kommenden Jahrzehnten weiterhin tun. Der Anstieg der globalen mittleren Oberflächentemperatur wird im Vergleich zum vorindustriellen Niveau wahrscheinlich Anfang der 2030er Jahre den Wert von 1,5°C erreichen. Mehr zum Thema; der ⁠ Klimawandel ⁠ verläuft schneller und folgenschwerer finden Sie hier . Im Fokus des zweiten Teilberichtes stehen die Folgen des Klimawandels sowie die ⁠ Anpassung an den Klimawandel ⁠. Der IPCC warnt: Die Klimarisiken für Ökosysteme und Menschen nehmen weltweit rapide zu. Nur konsequenter ⁠ Klimaschutz ⁠ und frühzeitige Klimaanpassung können Risiken verringern. Der Teilbericht beschreibt sehr deutlich die Auswirkungen der Klimakrise. Bereits jetzt sind massive Folgen für Ökosysteme und Menschen in allen Regionen der Welt sichtbar und die weltweiten CO₂ Emissionen steigen weiter. Die Auswirkungen der Klimakrise werden Menschen und Ökosysteme selbst dann noch spürbar belasten, wenn es uns gelingt, entschieden umzusteuern und die Erderhitzung auf 1,5 °C zu begrenzen. Mehr zur Anpassung an den Klimawandel finden sie hier . Die wohl wichtigste Botschaft des dritten Teilberichtes ist, dass es technologisch und ökonomisch nach wie vor möglich wäre, die globale Erwärmung entsprechend des Übereinkommens von Paris auf 1,5°C bis 2100 zu begrenzen. Dafür sind allerdings eine sofortige globale Trendwende sowie tiefgreifende ⁠ Treibhausgas ⁠-Minderungen in allen Weltregionen und allen Sektoren nötig (d.h. in Energiesystemen, Städten, Land- und Forstwirtschaft, ⁠ Landnutzung ⁠, Gebäuden, Verkehr und Industrie). Sofortige Klimaschutzmaßnahmen würden das globale Wirtschaftswachstum nur geringfügig verringern – verglichen mit einer rein hypothetischen Entwicklung, die den Klimawandel gar nicht enthält. Verglichen mit den zu erwartenden Wirtschaftskrisen und Rezessionen bei einer Erwärmung von mehr als 1,8 °C stellen sofortige Klimaschutzmaßnahmen dagegen auch ökonomisch eine äußerst lohnende Investition dar. Erstmalig stand auch das energie- und emissionssparende Verhalten in Unternehmen und im Alltag im Zentrum des Teilberichtes. Weltweit verbesserte Rahmenbedingungen wie politische und regulatorische Instrumente, internationale Zusammenarbeit, Marktinstrumente (z.B. CO₂-Bepreisung), Investitionen, Innovationen, Technologietransfer, Aufbau von Know-How sowie klimafreundliche Lebensstile bieten Möglichkeiten, die notwendigen System-Transformationen im Einklang mit nachhaltiger Entwicklung und globaler Gerechtigkeit zu gestalten. Armutsbekämpfung und eine gesicherte Energieversorgung könnten ohne signifikante Emissionssteigerungen erreicht werden. Die allerwichtigsten Optionen liegen dabei in der Nutzung von Sonnenenergie und Windkraft sowie im Mobilitäts-, Gebäude- und Ernährungs-Sektor (hier vor allem weniger Fleischkonsum), aber auch besonders im Schutz und der Verbesserung der Wirksamkeit von Ökosystemen (vor allem der globalen Wälder und Moore). Hier haben wir für Sie die Kernaussagen des dritten Teilberichts zusammengefasst.

Klimarahmenkonvention und das Übereinkommen von Paris

Klimarahmenkonvention und das Übereinkommen von Paris Im Jahr 1992 beschloss die internationale Staatengemeinschaft die Klimarahmenkonvention als globales Klimaschutzabkommen. Die Klimarahmenkonvention ist die völkerrechtliche Basis für weltweiten Klimaschutz und hat 198 Vertragsparteien inklusive der EU. Im Übereinkommen von Paris verpflichteten sich die Vertragsstaaten Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg unter 1,5 °C zu halten. Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) wurde 1992 in Rio de Janeiro von 154 Staaten unterzeichnet und trat 1994 in Kraft. Ihr Ziel ist die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen auf einem Niveau, das eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert. Die Vereinbarung verpflichtet die Staaten zur Zusammenarbeit basierend auf ihrer "gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung und Kapazitäten". Aktuell haben 197 Vertragsparteien sowie die EU als regionale Wirtschaftsorganisation die Klimarahmenkonvention ratifiziert. Die Klimarahmenkonvention unterliegt einem ständigen Entwicklungsprozess, wie auf den jährlichen Vertragsstaatenkonferenzen (COP) zu sehen ist. Wesentliche Meilensteine waren das Kyoto-Protokoll von 1997, das rechtsverbindliche Minderungsverpflichtungen für Industrieländer vorsah, und das Übereinkommen von Paris von 2015, mit dem sich die beigetretenen Staaten verpflichten, die Temperaturerhöhung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, mit Anstrengungen für eine Beschränkung auf 1,5 °C. Die Umsetzung der Klimarahmenkonvention erfordert Berichterstattung über ⁠ Treibhausgas ⁠-Emissionen und Minderungsmaßnahmen. Entwicklungsländer hatten im Kyoto-Protokoll zunächst keine Minderungsverpflichtungen, doch die Veränderung der Emissionssituation führte zu Anpassungen bei der COP 20 in Lima (2014). Deutschland erstellt jährliche Inventarberichte zu Treibhausgas-Emissionen und legt alle vier Jahre einen umfassenden Nationalbericht vor. Seit 2014 gibt es auch einen zweijährigen Bericht, der die wichtigsten Inhalte anderer Berichte zusammenfasst und einen Überblick über die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bietet. Das Übereinkommen von Paris Im Dezember 2015 verabschiedeten die Vertragsstaaten das Übereinkommen von Paris (ÜvP) mit ehrgeizigen neuen Zielen für die Bekämpfung des Klimawandels. Sie einigten sich darin auf das völkerrechtlich verbindliche Ziel, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau zu halten und dass Anstrengungen unternommen werden den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen (siehe weiter unten „Die Pariser Klimakonferenz“). Im Übereinkommen wird als operationales Ziel entsprechend festgehalten, dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine Balance zwischen anthropogenen (vom Mensch verursachten) Emissionen und deren Abbau durch ein Senken selbiger erreicht werden muss. Der 2018 veröffentlichte Sonderbericht des Weltklimarates zu 1,5 °C globaler Erwärmung stellte u. a. dazu den aktuellen wissenschaftlichen Sachstand zusammen. Die auf der Pariser Klimakonferenz (COP 21) im Dezember 2015 vereinbarten Ziele verpflichten die Staatengemeinschaft, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Darüber hinaus sollen die Vertragsstaaten deutliche Anstrengungen unternehmen, um den Temperaturanstieg unter 1,5 °C zu halten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll die Welt treibhausgasneutral werden. Die Staaten sollen seit 2020 alle fünf Jahre neue ambitionierte nationale Klimaschutzbeiträge (nationally determined contributions, NDCs) vorlegen, die der Erfüllung des globalen Langfristziels dienen und zunehmend ehrgeiziger werden sollen. Der gemeinsame Fortschritt wird dabei regelmäßig überprüft. Bereits im Jahr 2018 wurde eine vorläufige Bilanz gezogen und im Jahr 2023 wurde der formale Mechanismus der Globalen Bestandsaufnahme das erste Mal abgeschlossen. Der zweijährige Prozess der globalen Bestandsaufnahme mündete in einer umfangreichen Entscheidung, die die mangelnden kollektiven Fortschritte beim ⁠ Klimaschutz ⁠ herausstellt, die Dringlichkeit für verstärkten Klimaschutz betont und eine Reihe von Bereichen benennt bei denen Fortschritte notwendig sind. Die Ergebnisse sollen nun in den NDCs, die 2025 vorgelegt werden sollen, mit einfließen. Die zweite globale Bestandsaufnahme soll 2028 abgeschlossen werden. Das ÜvP bezieht alle Unterzeichnerstaaten gleichermaßen ein. Je nach Stand ihrer wirtschaftlichen Entwicklung werden jedoch für die Länder unterschiedliche Pflichten festgelegt. Insbesondere bekennen sich die Industrieländer zu ihrer Verpflichtung die Entwicklungsländer beim Klimaschutz und der ⁠ Anpassung an den Klimawandel ⁠ zu unterstützen. Die Staatengemeinschaft soll darüber hinaus den ärmsten und verwundbarsten Ländern helfen, Schäden und Verluste durch den Klimawandel zu bewältigen. Das Übereinkommen trat nach der Ratifizierung durch 55 Staaten, die für mindestens 55 % der globalen ⁠ Treibhausgas ⁠-Emissionen verantwortlich sind, am 04.11.2016 formell in Kraft. In einem ersten Schritt arbeitete die Staatengemeinschaft an einem detaillierten Regelwerk, welches die Grundlage für die Umsetzung des ÜvP bildet. Nachdem große Teile des Regelwerks bei der Klimakonferenz (COP24) in Kattowitz im Jahr 2018 beschlossen werden konnte, wurde eine Einigung zu den letzten noch ausstehenden Themen auf der COP26 in Glasgow im Jahr 2021 gefunden. Seitdem steht die Umsetzung des ÜvP im Zentrum der internationalen Klimaverhandlungen. Ausführliche Informationen zur Klimarahmenkonvention und zum Übereinkommen finden Sie unter „Themen“ im Artikel „Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC)“ und im Artikel „ Übereinkommen von Paris “.

Atmosphärische Treibhausgas-Konzentrationen

Stundenmittelwerte an UBA Messstellen. Quelle: Schauinsland: Schmidt, M., Hoheisel, A., Meinhardt, F. (2023). ICOS ATC NRT CO2 growing time series, Schauinsland (35.0 m), 2023-04-01– today ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/-W4C6ok4SBRDa0MDZeoUcxb1 Schmidt, M., Hoheisel, A., Meinhardt, F. (2023). ICOS ATC NRT CH4 growing time series, Schauinsland (35.0 m), 2023-04-01–2023-12-18, ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/GgfnfO-4Gl6fDEvnmBSb7JEh Schmidt, M., Hoheisel, A., Meinhardt, F. (2023). ICOS ATC NRT N2O growing time series, Schauinsland (12.0 m), 2023-04-01–2023-12-17, ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/Vq-XOKGjdyPPfcSR1KlufBmN Zugspitze: Couret, C., Schmidt, M. (2023). ICOS ATC NRT CO2 growing time series, Zugspitze (3.0 m), 2023-04-01– see last update, ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/S7FyUqgmfx8TdFE8X7UyGR4B Couret, C., Schmidt, M. (2023). ICOS ATC NRT CH4 growing time series, Zugspitze (3.0 m), 2023-04-01–see last update, ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/Gs_wE5ar1KtTg6Xf2jt-Q-sW Couret, C., Schmidt, M. (2023). ICOS ATC NRT N2O growing time series, Zugspitze (3.0 m), 2023-04-01–see last update, ICOS RI, https://hdl.handle.net/11676/i9ox0mIq2-g6ug5rdWWK-fG- Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International licence (CC BY 4.0)

Newsletter Klimafolgen und Anpassung - Nr.: 73

Liebe Leserinnen und Leser, Extreme Wetterereignisse nehmen vermehrt zu und die Nachfrage nach aktuellen Klimavorsorgediensten und Wissensplattformen steigt stetig. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung das Deutsche Klimavorsorgeportal "KLiVO" ins Leben gerufen. Seit 2018 werden dort Klimavorsorgedienste qualitätsgeprüft und für verschiedenste Handlungsfelder gebündelt zur Verfügung gestellt. In unserem Schwerpunktartikel erfahren Sie mehr über die Entwicklung des KLiVO-Portals, die in den vergangenen vier Jahren vorangeschritten ist. Eine spannende Lektüre wünscht Ihr KomPass-Team im Umweltbundesamt Service Klimaanpassung: vier Jahre Deutsches Klimavorsorgeportal Das Deutsche Klimavorsorgeportal Quelle: Stockwerk2 Das KLiVO-Portal hat sich seit seinem Launch in 2018 zu einem echten Service im praktischen Umgang mit den Folgen des Klimawandels entwickelt. Mit Such- und Filterfunktionen werden Leitfäden, Karten oder Daten empfohlen. Mehr als 100 Klimaanpassungsdienste zeigen, wie Klimafolgen in Planungen berücksichtigt werden können. Das Feedback sowohl von Dienste-Anbietenden wie auch von Anwender*innen fällt nach knapp vier Jahren positiv aus. Analyse zu Klimarisiken für Deutschland vom UBA vorgestellt Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland (KWRA) vorgestellt. Erstellt wurde sie zusammen mit Expert*innen aus 25 Bundesbehörden und -institutionen aus neun Ressorts. Im Ergebnis bestätigt die KWRA die Ergebnisse der Vulnerabilitätsanalyse des Bundes von 2015, allerdings sind viele Klimarisiken im Vergleich zum damaligen Stand gestiegen. Analysiert wurde die Gegenwart und zwei Zukunftsszenarien für die Mitte (2031 bis 2060) und das Ende des Jahrhunderts (2071 bis 2100). Für die Zukunft wird in der KWRA einmal der pessimistische Fall eines starken Klimawandel und einem Anstieg von 3 Grad Celsius sowie der schwächere Fall mit einem Anstieg von 2,4 Grad Celsius vorgestellt. Insgesamt wurden 31 Wirkungen des Klimawandels mit sehr dringendem Handlungsbedarf identifiziert. Insbesondere hohe Klimarisiken sieht die Analyse beispielsweise für die natürlichen Lebensgrundlagen, wie Böden, Wälder und Gewässer und damit auch für die Wirtschaftssysteme, die auf diese Grundlagen angewiesen sind. Aber auch die biologische Vielfalt und die menschliche Gesundheit werden als ausdrücklich gefährdet benannt. Besonders anschaulich zeigt der Bericht die Wirkungsketten, die durch Veränderung der natürlichen Systeme infolge des Klimawandels ausgelöst werden. Die natürlichen Systeme besser zu schützen, um ihnen eine Anpassung an die Klimaveränderungen zu ermöglichen, ist deshalb ein wesentliches Fazit des Berichts – ebenso wie die Empfehlung mit verschiedenen Anpassungsmaßnahmen unverzüglich zu beginnen, da diese sehr lange brauchen um wirksam zu werden. Entwurf der Nationalen Wasserstrategie vorgelegt Im Rahmen des 3. Nationalen Wasserforums legte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) den Entwurf einer Nationalen Wasserstrategie sowie ein darin enthaltenes Aktionsprogramm vor. In der Strategie werden die wichtigen Aspekte beim zukünftigen Management von Wasser zu zehn strategischen Themen dargestellt, wobei auch das Themenfeld der Klimaanpassung immer wieder eine relevante Rolle spielt. So erfordern die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels, aber auch der Digitalisierung, der Landnutzungsänderungen oder des demografischen Wandels diese sektorübergreifende Strategie. Norddeutsche Bundesländer beziehen Position zur Klimaanpassung Umweltminster*innen und -senator*innen der norddeutschen Bundesländer haben bei der 6. Regionalkonferenz des Bundes und der norddeutschen Länder eine gemeinsame Erklärung zur Klimaanpassung abgegeben. Die Politiker*innen sehen für Norddeutschland und seine Küstenregionen eine besondere Betroffenheit durch den Klimawandel, etwa durch den Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten, aber auch durch ein verändertes Niederschlagsgeschehen mit Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden. In sieben Punkten wird die Notwendigkeit der Entwicklung von Strategien gegen Klimawandelfolgen dargelegt, dabei seien vor allem rechtzeitige Maßnahmen gefragt wie etwa die Anpassung von kritischer Infrastruktur, aber auch der Anstoß einer Diskussion zur zukünftigen Nutzung von Wasser wird gegeben. Wasserwirtschaft: Wasser zentraler Baustein der Klimaanpassung Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) machte anlässlich einer Präsentation ihrer Position zur „Wasserbewussten Entwicklung unserer Städte“ deutlich, dass sie im urbanen Raum Wasser als einen zentralen Baustein für Anpassung an den Klimawandel sieht. In der Erklärung stellte die DWA die Bedeutung von Wasser für zahlreiche Aspekte der Klimaanpassung heraus. Als zentralen Punkt für die Zukunft nennt die DWA den natürlichen Wasserhaushalt. Hier müssten Grundwasserneubildung und Verdunstung gestärkt werden sowie der Abfluss aus den Städten begrenzt werden. Flächen so zu gestalten sei bereits jetzt technisch und gesetzlich möglich. Diese Positionen hat die DWA auch in einem Politikmemorandum zur kommenden Bundestagswahl bekräftigt und präzisiert. Bayern erhöht Förderung für Beratungsangebot zur Klimaanpassung Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber und Bauministerin Kerstin Schreyer haben die Förderung für die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit (BEN) der Bayerischen Architektenkammer verdoppelt. Damit erhält die BEN zukünftig 200.000 Euro für ihre Arbeit und kann so ihr Angebot ausweiten und auch zum Thema Klimaanpassung eine kostenfreie Erstberatung anbieten. Damit sollen die Problematiken und Erfordernisse rund um die Anpassung an den Klimawandel beim Bauen bekannter werden – gerade im Bereich blaue und grüne Infrastrukturen. Die BEN soll in diesem Sinne nicht nur beraten, sondern auch bei der Umsetzung helfen. Bremen: Gewerbeflächenentwicklungen als Beitrag zur Klimaanpassung In Bremen hat die hat die Senatorin für Wirtschaft gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bremen und der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau ein neues Konzept zur Erschließung neuer Gewerbegebiete und bei der Weiterentwicklung bestehender Wirtschaftsstandorte vorgelegt. Es sieht vor künftig den Schwerpunkt dabei auf Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität zu legen. In puncto Klimaanpassung sieht das Konzept vor, die städtebaulichen Strukturen anzupassen. Dafür soll in Zukunft unter anderem mit Flächen sparsamer umgegangen werden und die Fassadengestaltungen sowie Gründächer für ein positives Mikroklima sorgen. Prämien für klimaresiliente Wälder Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat auf dem 2. Nationalen Waldgipfel mit der Bundesinitiative „Klimaschützer Wald“ ein zweistufiges Modell zur Honorierung der Klimaschutzleistung der Wälder vorgestellt. Neben Zahlungen für die Speicherung von Kohlenstoff, soll auch der Erhalt, die Entwicklung und die Bewirtschaftung besonders klimaresilienter Wälder vergütet werden. Voraussetzung für die Förderung ist die Vorlage einer Nachhaltigkeitszertifizierung, Höhe und Staffelung sollen sich nach Art und Zustand des Waldes richten. Die Vergütung soll über mehrere Jahre hinweg fließen. In dieser Zeit soll es Überprüfungen geben, ob die Voraussetzungen weiter erfüllt werden. Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Ideen für eine nachhaltige Zukunft gesucht Zusammen mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Jahr erneut den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Bei diesem Mal sind die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit Extremwetterereignissen in Städten und Regionen der Schwerpunkt der Auszeichnung. Es werden anwendungsnahe Projekte gesucht, die Lösungen zur Klimaanpassung in Städten und Regionen bieten und dabei einen nachhaltigen Ansatz verfolgen. Bis zum 30. Juni 2021 können sich Forscher*innen oder Forschergruppen aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder gemeinnützigen Organisationen bewerben. Niedersachsenweites Projekt zur Klimawandelanpassung im Tourismus Niedersachsen will seine Tourismusindustrie mit dem Projekt „Klimawandel anpacken – Anpassungsstrategien für den Tourismus in Niedersachsen“ auf Klimafolgen vorbereiten. In den kommenden 18 Monaten soll dafür mit den Reiseregionen des Landes herausgearbeitet werden an welchen Stellen die Folgen des Klimawandels besonders spürbar werden und welche Lösungen es geben könnte. Am Ende des Projekts soll ein Maßnahmenkatalog stehen. Zur ersten Information zum Thema hat das Tourismusnetzwerk Niedersachen die Broschüre „Klimawandel verstehen – Wegweiser für den Tourismus in Niedersachsen” herausgegeben, der unter anderem auch auf den Handlungsleitfaden „Anpassung an den Klimawandel: Die Zukunft im Tourismus gestalten“ des Umweltbundesamtes verweist. NRW: Karte zu Waldstandorten durch Klimaprojektionen erweitert Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) informiert in zwei neuen Varianten seiner „Forstlichen Standortkarte NRW“ auf dem Internetportal Waldinfo.NRW über die potentielle Dürreempfindlichkeit, Anbauempfehlungen sowie die Standorteignung ausgewählter Baumarten. Bisher wurden die Standorte in der frei verfügbaren Karte anhand der Faktoren Gesamtwasserhaushalt, Nährstoffversorgung und Vegetationszeit (Wärmehaushalt) beschrieben. Die zwei neuen Varianten haben als Grundlage Klimaprojektionen, die einmal einen „moderaten“ Anstieg der Treibhausgaskonzentration voraussetzen und einmal von stetig steigenden Konzentrationen ausgehen. Damit sollen Waldbesitzende und Waldbewirtschaftende bei ihren Entscheidungen zum Waldbau unterstützt werden. Forschungsverbund testet nachhaltigen Hochwasserschutz Mit dem voranschreitenden Klimawandel steigt auch die Gefahr von Hochwassern. Der Schutz erfordert nachhaltige und flexible Lösungen, um auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein. Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe forscht gemeinsam mit der RWTH Aachen und der Gütersloher Firma topocare im Projekt „InnKubaTubes“ an solchen Lösungen. Jetzt wurde ein erster Test mit einer neuen Deichbauweise unternommen. Diese bietet gleich mehrere Vorteile und könnte für bei der Klimaanpassung eine nachhaltige Lösung bieten. Denn die 20 Meter langen Schläuche, die die Forscher*innen entwickelt und aufeinander gestapelt haben, ermöglichen es beim Bau Fläche und Material zu sparen. Zudem kann der Damm nicht brechen oder überspült werden. Landwirtschaft: Klimaanpassung mit nicht heimischen Gewächsen Die Landwirtschaft ist von den Folgen des Klimawandels mit am stärksten betroffen. Das Projekt AgroBaLa versucht Lösungen für eine klimaresiliente Landwirtschaft zu finden. Die Forscher*innen vom Fachgebiet Bodenschutz und Rekultivierung der BTU Cottbus-Senftenberg untersuchen deshalb die Bewirtschaftung von Ackerkulturen oder Grünland gemeinsam mit Gehölzen auf einer Fläche – im sogenannten Agroforstsystem. In dem Projekt werden dafür nicht heimische Kräuter, Feldfrüchte und Gehölzarten verwendet, die auf den eher trockenen Böden der Lausitz gut wachsen. Als Ergebnis soll ein Pflanzenbaukasten herauskommen, der es Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen soll, den agroforstlichen Systemansatz individuell zur Klimaanpassung zu nutzen. Forschungsverbund startet Messkampagne zu Wetterextremen Um die komplexen physikalischen Prozesse zu verstehen, die beim Entstehen extremer Wetterereignisse ablaufen, untersucht die Helmholtz-Initiative MOSES, zusammen mit anderen Forschungszentren, in der Messkampagne „Swabian MOSES“ Trockenheit und Starkniederschlag. Als Gebiet für die Messungen wurden die Schwäbische Alb und das Neckartal in Baden-Württemberg ausgewählt, da dort sowohl Gewitter als auch Hitze- und Dürreperioden häufig auftreten. Ziel des Beobachtungssystem MOSES (Modular Observation Solutions for Earth Systems) ist es, die Ursachen, Auswirkungen und Wechselwirkungen hydro-meteorologischer Extreme ganzheitlich zu untersuchen. Ein besseres Verständnis hätte auch für die Klimaanpassung großen Wert. Anpassung an den Klimawandel spielerisch erlernen Das neue Projekt „MainKlimaPLUS“ der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) will Unternehmen auf spielerische Art und Weise dabei helfen sich mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt hat im Kern ein Planspiel, in dem Spieler*innen simulierte, klimatische Bedingungen vorfinden, auf die sie mit selbst initiierte Anpassungsstrategien reagieren können. Der weitere Verlauf des Spiels zeigt dann die Wirkung dieser Strategien. Auf diese Weise sollen Akteure aus der Wirtschaft motiviert und dazu befähigt werden, eigenständig individuelle Strategien für die Klimaanpassung in ihren Unternehmen und Lieferketten zu identifizieren. Forschungskooperation zu Klimaanpassung in der Landwirtschaft Um dem Informationsbedarf in der Landwirtschaft und Politik in puncto Klimaanpassung nachzukommen, haben das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und das Julius-Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Da Dürreperioden, Starkregenereignisse und Rekordhitze für Unsicherheit darüber sorgen, wie sich die Erträge in der Landwirtschaft entwickeln, wollen das ZALF und das JKI dynamische, prozessbasierte Pflanzenwachstumsmodelle untersuchen. Dafür simulieren sie die Interaktionen zwischen Kulturpflanzen, Umweltbedingungen und Anbaumanagement. JKI und ZALF wollen die Modelle zur Abschätzung von klimabedingten Ertragsänderungen sowie Möglichkeiten zur Sortenanpassungen erarbeiten und weiterentwickeln. Studie zur Bedeutung der Baumdiversität für den Borkenkäferbefall In den vergangenen Jahren haben lange Trockenperioden viele Bäume in den Wäldern in Deutschland geschwächt. In der Folge versagten oft die natürlichen Abwehrmechanismen beispielsweise gegen Borkenkäfer. Daraus resultierte ein starker Befall, der viele Wälder krank gemacht hat. Da zukünftig mit intensiveren und längeren Trockenperioden zu rechnen ist hat ein Team aus Forscher*innen der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen und der Fakultät für Biologie von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau nun untersucht, ob die Zusammensetzung der Baumarten eines Waldes das Fressverhalten der Borkenkäfer beeinflusst. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Baumdiversität nicht wie bisher angenommen den Befall reduziert. Konzepte für nachhaltiges und gerechtes Wassermanagement entwickelt Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird auch ein effizienteres Wassermanagement in trockenen Regionen und Phasen zu einem wichtigen Thema. Das Verbundprojekt TRUST hat am Beispiel des Flusseinzugsgebiets des Rio Lurín in Peru inter- und transdisziplinäre Konzepte zur Trinkwassernutzung sowie zur sicheren Abwasserentsorgung und Wasserwiederverwendung entwickelt. Im Abschlussbericht stehen fünf Thesen und 20 Empfehlungen für die Bereiche Wasserressourcen, Wassernutzung und Wassermanagement in Regionen mit Wasserknappheit in Entwicklungsländern. Dabei wird unter anderem die Entwicklung einer gemeinsamen Wassernutzungsplanung empfohlen, um Konflikte zu vermeiden. Klimawandel erfordert neue Sorten in der Landwirtschaft In einer Simulationsstudie konnten Forscher*innen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) feststellen, dass angepasste Sorten in der Landwirtschaft die Ertragsminderung aufgrund steigender Temperaturen verringern können. Dazu haben die Wissenschaftler*innen in vier Klimaszenarien simuliert, welchen Effekt der Klimawandel auf die globale Produktion von Mais, Reis, Soja und Weizen hat. Parallel wurde untersucht, welchen Einfluss die Verwendung lokal angepasster Sorten auf die Erträge hätte. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einer moderaten Erwärmung eine gute Anpassung möglich ist. Umso höher die Erwärmung jedoch ausfallen würde, umso mehr angepasste Sorten würden benötigt - bei einem steigenden Risiko, dass keine angepasste Sorte mehr zur Verfügung stünde. Verbesserte saisonale Vorhersagen für mehr Klimaresilienz Maßnahmen gegen Klimafolgen sind wirkungsvoller, wenn sie rechtzeitig ergriffen werden. Eine Voraussetzung für frühzeitiges Handeln können präzise saisonale meteorologische Prognosen für die kommenden Monate sein. Ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) konnte nun globale Vorhersagen mit statistischen Verfahren so verbessern, dass sie regional nutzbar werden. In Untersuchungsregionen wie beispielsweise im Sudan oder in Ecuador konnten anormale Hitze- und Trockenheitsperioden mit der neuen Methode bis zu sieben Monate im Voraus besser vorhergesagt werden, als es bislang möglich war. Mit solchen Vorhersagen ließe sich im Sinne der Klimaanpassung etwa die Saatgutauswahl für die Pflanzsaison besser planen und Schäden reduzieren. Praxisbeispiele aus der Klimaanpassung Jährlich vergibt das Bundesumweltministerium zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) den Preis für die Klimaaktive Kommune. Unter den Preisträgern des vergangenen Jahres finden sich zahlreiche Best Practice Beispiele auch zum Thema Klimaanpassung. Diese hat das Difu jetzt in einer Broschüre zusammengetragen. Zur Klimaanpassung finden sich darin beispielsweise Preisträger wie die Stadt Dresden und ihre Selbstverpflichtung zur Klimaanpassung bei kommunalen Hochbauvorhaben oder der Probeanbau der Energiepflanze „Durchwachsene Silphie“ im Landkreis St. Wendel. Alle Projekte werden ausführlich beschrieben sowie mit der Begründung der Jury für die Preisvergabe dargestellt. Fortschrittsbericht zur New Urban Agenda und zur Agenda 2030 Die New Urban Agenda und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen geben seit ein paar Jahren den Rahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung weltweit. Die Agenden sollen dabei helfen, Städte auf allen Ebenen resilienter und nachhaltiger zu gestalten. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat jetzt einen Fortschrittsbericht zur Umsetzung beider Agenden in Deutschland veröffentlicht. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass beide Agenden in Deutschland schon sehr erfolgreich umgesetzt werden, die Herausforderungen aber immer noch groß sind. Laut des Berichts werden bei der Klimaanpassung in Deutschland vorrangig Maßnahmen für den ökologischen Umbau des städtischen Grüns, die energetische Gebäudesanierung, den Hochwasserschutz sowie für die Aufklärungsarbeit getroffen. NRW legt Wiederbewaldungskonzept für klimastabile Wälder vor Insgesamt hat sich der ökologische Zustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen (NRW) über die vergangenen 35 Jahre verschlechtert. Durch Stürme sowie die Dürren- und Trockenperioden der vergangenen Jahre hat sich diese Situation weiter verschlimmert. Nach der forstlichen Aufarbeitung der geschädigten Flächen, steht vielerorts die Wiederbewaldung an. Dafür hat das Land NRW ein Wiederbewaldungskonzept vorgelegt, das vertiefte Informationen im Bereich der Bestandsbegründung nach Schadereignissen bietet. Auch aktuelle Daten zu Klimafolgen und neueste Forschungserkenntnisse werden mit einbezogen. Praktischen Mehrwert bieten darüber hinaus digitale Karten, aus denen Empfehlungen für Baumarten und Mischbestände für klimastabile Wälder ableitbar sind. Klimaanpassung im Lokalen effektiv gestalten Das kürzlich erschienene Buch „Handbook of Climate Change Management“ geht in mehreren Kapiteln auf unterschiedliche Aspekte der Klimaanpassung ein. Ein Kapitel widmet sich beispielsweise der Problemstellung, die eine Implementierung von Anpassungsstrategien auf lokaler und regionaler Ebene haben kann. Als Probleme werden dabei vor allem der Mangel an Ressourcen sowie fehlendes Wissen für die Umsetzung ausgemacht. Um mögliche Herangehensweisen zu zeigen, liefert das Kapitel Kriterien und Faktoren für die einzelnen Phasen einer erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Klimaanpassung. Versehen sind die einzelnen Darstellungen mit praktischen Beispielen und zusätzlichen Informationsangeboten. Antworten auf die Probleme bei Hitze in der Pflege GUT DURCH DIE SOMMERHITZE IN DER STATIONÄREN PFLEGE Quelle: Dr. Julia Schoierer Heiße Tage, Hitzewellen und tropische Nächte gehören im Süden zum Sommer oft dazu, aber könnten auch hierzulande mit dem fortschreitenden Klimawandel bald fester Bestandteil der warmen Jahreszeit werden. Ältere, gesundheitlich geschwächte Menschen sind besonders anfällig für hitzebedingte Gesundheitsprobleme und gehören zu den Gruppen, die in solchen Situationen besonders geschützt werden müssen. Für Pflegeeinrichtungen und ihre Beschäftigten ist es deshalb wichtig, Problemstellungen und mögliche Maßnahmen zu kennen, die die Gesundheit von Pflegebedürftigen in solchen Phasen schützen. Maßnahmenplan für alle Bereiche der Pflege Das Institut und die Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am LMU Klinikum in München haben darum gemeinsam mit stationären Münchener Pflegeeinrichtungen den „Hitzemaßnahmenplan für stationäre Einrichtungen der Altenpflege – Empfehlungen aus der Praxis für die Praxis“ entwickelt. Der Plan will grundsätzlich über die Probleme von Pflegebedürftigen aufklären und hält dabei vor allem praktische Tipps und Vorgehensweisen bereit. Ein Großteil der beschriebenen Maßnahmen richtet sich an alle Beschäftigten in der Pflege – von den Hilfskräften bis hin zum Qualitätsmanagement. Der Plan befasst sich aber auch mit der Einbindung von Angehörigen, externen Dienstleistern oder der Küche und bietet dabei Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten für jedes Feld. Aus der Praxis für die Praxis Beispielsweise wird anhand von Checklisten gezeigt, welche Symptome auf Austrocknung hindeuten können, wie Medikamente bei Hitze am besten gelagert werden oder wie Veränderungen im Ablaufplan für Abkühlung sorgen können. Alles entwickelt aus der Erfahrung von Pflegeinrichtungen und fachlichem Know-how aus der Medizin.

Themenheft Klimawandel – Entwicklungen in der Zukunft

[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen mit dem Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz Themenheft Klimawandel – Entwicklungen in der Zukunft IMPRESSUM Klimawandel in Rheinland-Pfalz Themenheft Klimawandel - Entwicklungen in der Zukunft Herausgeber und Copyright: Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Hauptstraße 16, D-67705 Trippstadt Internet: www.kwis-rlp.de, www.klimawandel-rlp.de In Zusammenarbeit mit: Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz Kaiser-Friedrich-Straße 7, D-55116 Mainz Internet: www.lfu.rlp.de Text: Philipp Reiter, Tilmann Sauer (Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen) Matthias Voigt, Matthias Zimmer (Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz) Textsatz, Bildbearbeitung und Gestaltung: Ditmar Huckschlag (Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen) Druck: Kerker Druck GmbH, Hans-Geiger-Straße 4, 67661 Kaiserslautern Trippstadt, August 2020 ___ 2 Themenheft Klimawandel VORWORT Liebe Leserin, lieber Leser, die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits spürbar. Trockenheit, Temperaturanstieg und Starkregenereignisse zeigen uns schon jetzt, was wir in der Zukunft erwarten können. So hat sich in Rheinland-Pfalz die langjährige Jahresmitteltem- peratur seit Ende des 19. Jahrhunderts um 1,6 °C erhöht und die Vegetationszeiten haben sich verändert. Doch wie werden die Veränderungen genau aussehen? Das vorliegende Themenheft wirft einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Klima in Rheinland-Pfalz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verändern? Ergebnisse aus regionalen Klima- projektionen zeigen verschiedene Korridore der möglichen Entwicklung. In welchem Korridor wir uns bewegen und wie gravierend folglich die Veränderungen sein werden, hängt von unseren Entscheidungen ab – das verdeutlicht dieses The- menheft mit dem Vergleich der zwei Szenarien „starker Klimaschutz“ und „kein Klimaschutz“ sehr eindrucksvoll. Um die negativen Auswirkungen des Klimawandels möglichst gering zu halten, muss Klimaschutz daher konsequent um- gesetzt werden – auch wenn wir uns trotzdem an die bereits erfolgten und die zukünftigen unvermeidbaren Folgen des Klimawandels anpassen müssen. Dr. Ulrich Matthes Sabine Riewenherm Leiter Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum Präsidentin Landesamt für Umwelt für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz Mit der im Jahr 2015 gestarteten Reihe der Themenhefte informieren wir kurz und prägnant über ausgewählte Schwer- punktthemen. Das vorliegende Themenheft „Klimawandel – Entwicklungen in der Zukunft“ ist das mittlerweile siebte Heft dieser Reihe. Entwicklungen in der Zukunft ___ 3 Der Mensch beeinflusst durch sein Handeln das Klima der Erde. Da wir die zukünftigen Entscheidungen der Akteure nicht absehen können, muss die Wissenschaft Annahmen über den Verlauf des zukünftigen menschlichen Handelns treffen. Für den 5. Sachstandsbericht des IPCC (Intergo- vernmental Panel on Climate Change) im Jahr 2013 wurden aus einer Vielzahl solcher Annahmen von Expertengruppen vier „repräsentative“ Szenarien, die RCPs („representative concentration pathways“), ausgewählt. Basierend auf die- sen Annahmen können Aussagen über das zukünftige Klima gemacht werden. Der wesentliche Einfluss des Menschen auf das Klimasys- tem der Erde ist die Menge der ausgestoßenen Treibhaus- gase. Daher beschreiben die Szenarien die zukünftige Ent- wicklung von Treibhausgaskonzentrationen und weiteren Einflussgrößen auf das Klima gemeinsam als zusätzliche Energiezufuhr für die untere Erdatmosphäre. Diese zusätz- liche Energiezufuhr wird als Strahlungsantrieb bezeichnet. Das Szenario RCP2.6 bedeutet beispielsweise zusätzliche 2,6 Watt pro Quadratmeter am Ende dieses Jahrhunderts gegenüber dem Jahr 1750. Strahlungsantrieb (W/m2) ZUKUNFTSSZENARIEN Vergangenheit 10 8 6 4 2 Zukunft „kein Klimaschutz” „starker Klimaschutz” 0 −2 1800 1900 Jahr 2000 2100 Historischer und projizierter Strahlungsantrieb (W/m²) zusätzlich zu vor- industriellen Bedingungen (etwa 1750) bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. ___ 4 Themenheft Klimawandel Tabelle: Kennzeichen und Kennwerte ausgewählter Zukunftsszenarien. Bezeichnung„starker Klimaschutz“„kein Klimaschutz“ SzenarioRCP2.6RCP8.5 menschengemachter Strahlungsantrieb am Ende des 21. Jahrhunderts~ 2,6  W/m²~ 8,5  W/m² Verlauf von Strahlungsan- trieb und CO2-Konzentra- tion in der AtmosphäreMaximum vor 2050, dann Rückgangkontinuierli- cher Anstieg Treibhausgaskonzentra- tion in CO2-Äquivalenten am Ende des 21. Jhd. (vor- industriell: ~ 280 ppm)~ 400 ppm~ 1370 ppm Entwicklungen in der Zukunft Die vier Szenarien des 5. Sachstandsberichts decken eine Bandbreite unterschiedlicher Entwicklungen von einem starken Klimaschutz (RCP2.6), was die Einhaltung des globalen 2-Grad-Ziels bedeuten würde, über zwei mittle- re Entwicklungen (RCP4.5 und RCP6.0) bis hin zu einem Hochemissionsszenario (RCP8.5) ab. Diese Bandbreite an Szenarien bildet in Kombination mit Klimamodellen die Grundlage zur Abschätzung der Bandbreite der möglichen zukünftigen Klimaänderungen. Ergebnisse von Klimamo- dellen auf Basis dieser Szenarien werden als Projektionen bezeichnet. Die tatsächlichen weltweiten Treibhausgasemissionen be- wegen sich bisher im Bereich des „kein Klimaschutz“-Sze- narios RCP8.5. Bei einer deutlichen Änderung des menschli- chen Handelns, die beispielsweise auch die aktive Entnahme von Treibhausgasen aus der Atmosphäre beinhaltet, sind die vom „starken Klimaschutz“-Szenario RCP2.6 beschrie- benen Entwicklungen theoretisch noch erreichbar. Aus den genannten Gründen betrachten wir diese beiden Szenarien und bezeichnen sie im Folgenden als „starker Klimaschutz“ (RCP2.6) beziehungsweise „kein Klimaschutz“ (RCP8.5). ___ 5

US-Behörde NOAA legt Bericht zum "State of the Climate 2016" vor

Am 10. August 2017 legte die US-Behörde NOAA ihren 300 Seiten starken Klimabericht zum "State of the Climate 2016" vor. Der Report beschreibt den Zustand des Klimas weltweit. Die Treibhausgas-Konzentration stieg 2016 auf einen neuen Rekordwert von 402,9 ppm im Jahresdurchschnitt. Das ist ein Anstieg um 3,5 ppm gegenüber dem Vorjahr. 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 137 Jahren und übertrifft das bisherige Rekordjahr 2015. Den Anstieg beziffert die NOAA auf 0,45 bis 0,56 Grad Celsius im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Die Oberflächentemperatur der Ozeane stieg gegenüber dem Mittelwert von 1981 bis 2010 um 0,65 bis 0,74 Grad Celsius. Das sind 0,02 bis 0,05 Grad mehr, als noch im Jahr zuvor gemessen wurden. Die Meeresspiegel-Messungen zeigen einen neuen Höchststand. Der durchschnittliche Meeresspiegel lag 2016 um knapp 8,3 Zentimeter höher als 1993, als die Satellitenmessungen begannen. Die Ausdehnung des arktischen Meereises erreichte im letzten Jahr einen neuen Tiefstand. Im März, wenn das Meereis seine maximale Ausdehnung erreicht, wurde 2016 der niedrigste Wert seit Beginn der satellitengestützten Messungen vor 37 Jahren festgestellt. Was das Meereis-Minimum im September betrifft, ergaben die Messungen den zweitniedrigsten Wert. Nur 2007 erreichte die Ausdehnung einen noch geringeren Wert. Insgesamt 93 tropische Wirbelstürme wurden 2016 gezählt (und mit Namen versehen). Das sind deutlich mehr als die 82 Wirbelstürme im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Laut NOAA-Bericht gab es in jedem Monat des Jahres 2016 auf mindestens zwölf Prozent der globalen Landfläche schwere Dürren. Auch das ist Rekord. Besonders betroffen: der Nordosten Brasiliens, Westbolivien, Peru und Westkanada. An dem Klimabericht haben 450 Wissenschaftler aus 60 Ländern mitgewirkt.

1987–2017: 30th Anniversary of the Montreal Protocol

On 16 September 1987, 24 States and the European Community signed the Montreal Protocol. It initiated the mandatory phase-out of chlorofluorocarbons (CFCs) and thus stopped the further destruction of the ozone layer by these substances. The switch to alternatives to CFCs with their high global warming potential also contributes to climate protection.Due to the worldwide implementation of the Montreal Protocol, ozone-depleting substances such as CFCs are hardly used today. Atmospheric concentrations of these substances are slowly declining due to natural decomposition processes and the size of the “ozone hole” over Antarctica is also becoming smaller.Because CFCs and other halogenated substances are also very effective greenhouse gases that heat up the climate up to 14,000 times more effective than carbon dioxide (⁠CO2⁠), the Montreal Protocol has contributed not only to protecting the ozone layer but also to climate protection.With the Kigali Amendment for the worldwide phase-down of climate-damaging hydrofluorocarbons (HFCs), which has been agreed on in October 2016, the Montreal Protocol was extended to a new group of substances.In a background paper on the 30th anniversary of the Montreal Protocol, the German Environment Agency describes the history of this important international agreement from the discovery of the “ozone hole” to its signing and implementation. In addition, the paper provides information on the HFC use today and on environmentally friendly substitutes and techniques, especially for refrigeration and air conditioning.

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