[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ
INFEKTIONSPRÄVENTION
Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2023
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SURE: Surveillance nimmt
Atemwegserreger in den Fokus
Ein eigenes Wächtersystem für Rheinland-Pfalz:
Im Januar 2023 startete im LUA das landeseigene
Praxis-Sentinel SURE, ein Akronym für „Surveil-
lance respiratorischer Erreger“. Ziel des epidemio-
logischen Projektes ist es, die aktuelle Verbrei-
tung von Erregern akuter Atemwegsinfektionen in
Rheinland-Pfalz zu analysieren, um damit die Be-
völkerung und die Politik zu informieren. Mithil-
fe der Daten können gefährdete Personengruppen
gezielt sensibilisiert oder Impfempfehlungen an-
gepasst werden.
Und so funktioniert SURE: Die teilnehmenden 24
Haus- und 21 Kinderarztpraxen verteilen sich über
ganz Rheinland-Pfalz, so dass die Verbreitung der
Infektionserreger repräsentativ für die gesam-
te rheinland-pfälzische Bevölkerung ist. Jede Pra-
xis versendet pro Woche maximal sieben Ab-
strichproben von Patientinnen und Patienten mit
akuten Atemwegssymptomen an das Landesun-
tersuchungsamt (LUA), wobei die Arztpraxen im
nordöstlichen Teil von Rheinland-Pfalz ihre Proben
an das Institut für Hygiene und Infektionsschutz
(IHIS) Koblenz versenden, die Arztpraxen im süd-
westlichen Teil an das IHIS Landau. In den Labo-
ren werden die Proben mittels PCR untersucht, ei-
ner Diagnosetechnik auf Basis der Vervielfältigung
des Virusgenoms, die Befunde werden an die Arzt-
praxen versandt, so dass die Ärztinnen und Ärzte
die Ergebnisse zeitnah mit ihren Patientinnen und
Patienten besprechen und bei Bedarf die Behand-
lung anpassen können. Die Ergebnisse aus den La-
boren des LUA werden in anonymisierter Form
außerdem dem Arbeitsbereich Epidemiologie am
IHIS Landau für die Auswertung zur Verfügung ge-
stellt.
Die eingesandten Proben stammen von Patien-
tinnen und Patienten aller Al-
tersgruppen, so
dass SURE auch
Aussagen
darüber er-
möglicht,
welche Gruppen aktuell durch bestimmte Erre-
ger besonders betroffen sind. Die kontinuierliche
strukturierte Sammlung der aus SURE gewonne-
nen Informationen ist ein besonderer Vorteil, da
dadurch die Verläufe von Infektionswellen über
die Zeit verglichen und vorhergesagt werden kön-
nen. Derzeit werden die Abstrichproben an den
Laboren des LUA auf Influenza A und Influenza B,
SARS-CoV-2 sowie Respiratorisches Synzytial-Vi-
rus (A/B) untersucht.
Influenza A und Influenza B
Infektionen mit Influenza A- und B-Viren sind
beim Menschen für die saisonale Grippe verant-
wortlich, die gewöhnlich zwischen der 40. Kalen-
derwoche und der 20. Kalenderwoche des Folge-
jahres auftritt, mit einem Höhepunkt zwischen
Mitte Februar und Anfang März. Besonders bei äl-
teren und immungeschwächten Menschen kön-
nen Infektionen mit Influenza schwer verlaufen
und zu Krankenhauseinweisungen und vereinzelt
auch zu Todesfällen führen - besonders wenn es
aufgrund der Schwächung durch die Influenzain-
fektion zu einer sogenannten Superinfektion mit
Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), Sta-
phylokokken (Staphylococcus spp.), Haemophi-
lus influenzae oder anderen bakteriellen Erregern
kommt. Der potenziell schwere Verlauf von Influ-
enza ist die Basis für die Impfempfehlung für Per-
sonen über 60 Jahren und andere vulnerable Per-
sonengruppen. Der Impfschutz sollte jedes Jahr
erneuert werden, um gegen die jeweils vorherr-
schenden Virustypen wirksam zu sein.
SARS-CoV-2
SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndro-
me-Corona Virus-2) ist der Erreger von COVID-19,
welches im Jahr 2019 erstmals in China aufgetre-
ten ist und sich seitdem weltweit zu einer ende-
misch vorkommenden Krankheit entwickelt hat.
COVID-19 hat seit der Pandemie seinen Schre-
cken verloren, da beinahe fast jede in Deutschland
lebende Person mindestens einmal mit SARS-
CoV-2 infiziert war und/oder gegen SARS-CoV-2
geimpft wurde. Das Virus ist durch Mutationen
Gesamtzahl der durch die teilnehmenden Arztpraxen eingesandten Proben, aufgeteilt nach Erregernachweisen.
zwar infektiöser geworden, hat dafür aber an Viru-
lenz eingebüßt. Trotzdem ist COVID-19 weiterhin
diejenige Infektionskrankheit, die in Deutschland
zu den mit Abstand meisten Krankenhauseinwei-
sungen und Todesfällen führt. Es ist also weiterhin
unentbehrlich, die Verbreitung zu überwachen.
RSV - Respiratorisches Synzytial-Virus (A/B)
Respiratorische Synzytial-Viren verursachen bei
immunkompetenten Erwachsenen zumeist Sym-
ptome, die mit einer gewöhnlichen Erkältung ver-
gleichbar sind. Bei Säuglingen, Kleinkindern und
immungeschwächten Personen kann RSV aber
auch eine schwere Lungenentzündung verursa-
chen, so dass eine Krankenhauseinweisung mit
Sauerstoffgabe oder sogar mit Beatmung not-
wendig werden kann. RSV ist wie die Grippe eine
Infektion, die saisonal in den kühleren Monaten
auftritt. In Phasen mit hohen Infektionszahlen
kann RSV daher zu einer sehr starken Belastung
der Kinderstationen in den Krankenhäusern füh-
ren, da dann der Großteil der Betten mit RSV-Pa-
tientinnen und -Patienten belegt ist.
Ergebnisse aus SURE
Seit dem Start des Projekts haben die teilnehmen-
den Arztpraxen bis zu 185 Proben pro Woche an
das LUA eingesandt. In Spätsommer und Herbst
war das Infektionsgeschehen hauptsächlich durch
SARS-CoV-2 sowie durch andere weniger gefähr-
liche Erkältungserreger bestimmt, ab Kalenderwo-
che 44 nahmen die Nachweise von RSV zu. In den
Ergebnissen ist auch die Grippewelle der Saison
2023/24 deutlich zu erkennen. Beginnend mit ei-
nigen Nachweisen ab Kalenderwoche 49 nahmen
die Nachweise von Influenza A ab Kalenderwoche
2 deutlich Fahrt auf. Ab Kalenderwoche 7 war ein
abnehmender Trend zu beobachten.
Während der Untersuchungen ihrer Patientin-
nen und Patienten schätzen die teilnehmenden
Ärztinnen und Ärzte auch die Schwere der Krank-
heitssymptome ein und vermerken dies auf den
Probenbegleitscheinen, die zusammen mit den
Abstrichproben an die Labore des LUA versandt
werden. Es zeigt sich dabei, dass die Symptoma-
tik im Durchschnitt schwerer ist, wenn es anteilig
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Kampf gegen die Tuberkulose:
Frühe Diagnostik entscheidend
Die Tuberkulose zählt weltweit zu den Infektions-
krankheiten, die die meisten Todesopfer fordern.
Im Jahr 2022 erkrankten nach Schätzungen der
Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit 10,6
Millionen Menschen an Tuberkulose, 1,3 Millionen
starben daran. Der öffentliche Gesundheitsdienst
spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrol-
le dieser Erkrankung. Durch Umgebungs- und
Screeninguntersuchungen tragen das LUA und die
rheinland-pfälzischen Gesundheitsämter dazu bei,
Tuberkulose frühzeitig zu erkennen und die Ver-
breitung zu stoppen.
Positivitätsrate: Anteil der für die jeweiligen Erreger positiv getesteten Proben an allen eingesandten Proben aus
den jeweils zurückliegenden 4 Kalenderwochen; Grauer Bereich: offizielle Grippesaison zwischen Kalenderwoche
40 und Kalenderwoche 20.
viele Nachweise von Influenza und RSV gibt, wäh-
rend Patientinnen und Patienten, bei denen kei-
ner der untersuchten Erreger nachgewiesen wur-
de, leichtere Symptome zeigen.
Die Positivitätsrate eines bestimmten Erregers be-
schreibt jeweils den Anteil der untersuchten Pro-
ben, in denen dieser Erreger nachgewiesen wurde.
Die Positivitätsraten erlauben den Vergleich zwi-
schen den untersuchten Erregern, also welche Er-
reger zu einem bestimmten Zeitpunkt den größ-
ten Einfluss auf das Infektionsgeschehen durch
respiratorische Infektionskrankheiten haben. Da
die Positivitätsraten unabhängig von der Anzahl
der eingesandten Proben sind, können verschiede-
ne Saisons verglichen werden, auch wenn die An-
zahl der teilnehmenden Arztpraxen über die Zeit
zugenommen hat. Je länger SURE besteht, desto
besser wird auch die Vergleichbarkeit des Infekti-
onsgeschehens mit vorausgegangenen Saisons.
In SURE werden Proben aus allen Altersgruppen
ausgewertet, da sowohl Haus- als auch Kinder-
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arztpraxen teilnehmen. Dabei zeigt sich beispiels-
weise in den Kalenderwochen 5 bis 8 des Jah-
res 2024, dass alle Altersgruppen von Infektionen
durch Influenza betroffen sind, wobei die Positivi-
tätsrate mit 70 Prozent aller eingesandten Proben
im Kindergartenalter, also bei Kindern zwischen
zwei und fünf Jahren am höchsten ist. Die Positivi-
tätsraten für RSV sind mit weniger als 10 Prozent
in den meisten Altersgruppen vergleichsweise ge-
ring. Gleichzeitig ist aber deutlich erkennbar, dass
RSV bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei
Jahren mit einer Positivitätsrate von 35 Prozent
der bedeutendste Atemwegserreger war.
Aktuelle Ergebnisse aus SURE werden wöchentlich
im SURE-Wochenbericht veröffentlicht und kön-
nen auf der Homepage des LUA heruntergeladen
werden.
Dazu untersucht das LUA Proben des öffentlichen
Gesundheitsdienstes auf Tuberkulosebakterien.
Dabei wird das sogenannte Sputum, ein Sekret der
tieferen Atemwege, auf Tuberkulosebakterien un-
tersucht. Bei den untersuchten Patienten handelt
es sich größtenteils um Menschen aus den Auf-
nahmeeinrichtungen für Asylbegehrende oder um
Vertriebene aus Kriegsgebieten.
Pro Jahr werden so im Labor des LUA Proben von
etwa 1.200 bis 1.500 Patientinnen und Patienten
untersucht. Diese Untersuchung stellt eine recht-
zeitige Isolation der Infizierten sicher, wodurch
eine Verbreitung der Tuberkulose effektiv verhin-
dert wird. Zudem können die Infizierten zeitnah
eine geeignete Therapie durch die kombinierte
Gabe mehrerer Antibiotika erhalten - wodurch die
Heilungschancen als sehr gut eingeschätzt wer-
den können.
Die Erreger der Tuberkulose sind sehr langsam
wachsende, stäbchenförmige Bakterien. Sie verfü-
gen zudem über eine besonders widerstandfähi-
ge Zellmembran, die ihnen den Begriff „säurefes-
te Stäbchen“ eigebracht hat. Diese Besonderheit
wird im Labor zur mikroskopischen Diagnostik ge-
nutzt. Neben der Mikroskopie werden die Bakte-
rien auch kulturell nachgewiesen. Es kann jedoch
bis zu acht Wochen dauern, bis ein Ergebnis vor-
liegt. Weitere sinnvolle Hinweise zum Nachweis
der Bakterien kann die molekularbiologische Dia-
Tuberkulose führt zu Husten, Brustschmerzen und
Atemnot. © Pormezz / AdobeStock
gnostik geben. Der Vorteil ist, dass diese Diagnos-
tik nur wenige Stunden dauert, der Nachteil ist
allerdings, dass sie zwar die Ergebnisse der Mikro-
skopie und der kulturellen Ansätze untermauert,
sie kann aber alleine nicht für eine sichere Diag-
nose verwendet werden.
Zu den Mykobakterien die beim Menschen eine
Tuberkulose verursachen können, zählen insge-
samt zehn Arten, welche zusammenfassend als
„Mycobacterium-Komplex“ bezeichnet werden.
Der häufigste Erreger ist Mycobacterium tuber
culosis.
Wie ist die Situation in RLP?
Im LUA wurden im Jahr 2023 insgesamt 1.434 Pa-
tientenproben auf Tuberkulosebakterien unter-
sucht. In 18 Proben konnte durch die kulturelle
Anzucht der Nachweis von Mycobacterium tuber-
culosis erbracht werden. Mit 62% (2022: 55%)
war der größte Anteil der Proben von männlichen
Patienten, 27% (2022: 33,0%) waren von weibli-
chen Patientinnen, und bei 11% (2022: 11%) fehl-
te die Angabe des Geschlechts auf dem Einsender-
schein. Mit 14,2% stammten die meisten Proben
von Personen aus Syrien (2022: 17,8%), gefolgt
mit 9,2% aus Afghanistan (2022: 16,2%) und mit
5
PTA und MTA: Ausbildungsberufe für
Apotheke und Labor verändern sich
Die Erste Hälfte des Jahres 2023 stand für die Ge-
sundheitsfachschulen des LUA ganz im Zeichen
der neuen Ausbildungsgesetze sowohl im Schul-
zweig für Medizinische-technische Assistentinnen
und Assistenten (MTA) als auch im Schulzweig für
Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und
Assistenten (PTA). Nach den Sommerferien star-
teten die Lehrgänge erstmals unter neuen gesetz-
lichen Gegebenheiten.
Anzahl der im LUA untersuchten Proben nach Herkunftsland im Jahr 2023 (ab mindestens 10 Proben und ohne Pro-
ben unbekannter Herkunft.
8,3% aus Pakistan (2022: 6,1%). Im Vergleich
zum Vorjahr hat mit 7,2% in 2023 die Anzahl der
untersuchten Proben von Vertriebenen aus der
Ukraine (2022: 19,2%) deutlich abgenommen.
Der relative Anteil der Proben von Personen aus
Deutschland hat sich mit 4,0% in 2023 dahinge-
gen nur wenig erhöht (2022: 3,5%).
Erfreulich: Bei den 18 Proben mit kulturellem
Nachweis von Mycobacterium tuberculosis wa-
ren in allen Fällen die Bakterien sensibel gegen-
über den klassischen Antibiotika wie Isoniazid, Ri-
fampizin, Ethambutol oder Pyrazinamid und die
Erkrankung somit gut therapierbar. Dies ist ein er-
freuliches Ergebnis und zeigt, dass die derzeitige
Strategie bei der Diagnostik aber auch der Thera-
pie in Rheinland-Pfalz erfolgreich ist.
Quo vadis?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine
umfassende Strategie zur Bekämpfung der Tuber-
kulose entwickelt. Diese Strategie basiert unter
anderem auf zwei Säulen:
■ Der integrierte Patientenversorgung ein-
schließlich der Bereitstellung von qualitativ
hochwertigen Tuberkulosediagnostiken, die
Verschreibung wirksamer Medikamente, die
6
■
Überwachung der Patienten während der Be-
handlung und die Unterstützung von Maß-
nahmen zur Verhinderung der Weiterverbrei-
tung der Krankheit.
Der Intensivierung von Forschung und Inno-
vation
Die WHO-Strategie zur Bekämpfung der Tuberku-
lose zielt darauf ab, die Tuberkuloseinzidenz wei-
ter zu reduzieren und die Infektionskrankheit zu
„eliminieren“. Letzteres wird laut WHO erreicht,
wenn weniger als ein Erkrankungsfall pro eine Mil-
lion Einwohner pro Jahr nachgewiesen wird. Ge-
mäß dem kürzlich veröffentlichten Bericht des
ECDC (European Centre for Disease Prevention
and Control) und der WHO zeigt sich, dass, ob-
wohl es einen generellen Rückgang der Tuberku-
loseinzidenz in der Europäischen Region gibt, die-
ser aktuelle Rückgang nicht ausreicht, um die
angestrebten Ziele zur Beendigung der Tuberkulo-
seepidemie bis 2030 zu erreichen. Weitere Maß-
nahmen wie das frühzeitige Erkennen und Behan-
deln von Tuberkuloseinfektionen, die Förderung
von Screening-Programmen für gefährdete Bevöl-
kerungsgruppen und die Stärkung der öffentlichen
Gesundheitssysteme sollten zur effektiven Kont-
rolle und Prävention von Tuberkulose intensiviert
werden.
Im MTA-Bereich gab es tatsächlich grundlegen-
de Änderungen. Zunächst wäre da die Umbe-
nennung des Berufs in Medizinische Technologin
beziehungsweise Medizinischer Technologe für La-
boratoriumsanalytik (MT-L) zu nennen. Neu ist
auch, dass die Auszubildenden bei einem Träger
der praktischen Ausbildung angestellt sind und
eine Ausbildungsvergütung erhalten. Diesen Trä-
ger zu finden, gestaltete sich für die Schulen des
LUA schwierig. Einerseits mussten neue Auszubil-
dende gewonnen werden, andererseits konnten
noch keine klaren Aussagen zu den notwendigen
Verträgen und Ausbildungsvergütungen gemacht
werden. Inzwischen ist ein Träger gefunden.
Große Veränderungen gibt es aber auch im kon-
kreten Ablauf: In der praktischen Ausbildung in
den externen Laboren müssen nun doppelt so vie-
le Stunden (2.000 an der Zahl) in unterschiedli-
chen Zeiträumen abgeleistet werden. Diese neu-
en Gegebenheiten stellen die Labore bis heute vor
eine große Herausforderung. Für die Schulen aber
nicht minder, denn erst die Bereitschaft der Labo-
re, Auszubildende während der Schulzeit praktisch
auszubilden, ermöglicht die theoretische Ausbil-
dung im Schulbetrieb.
Alle Beteiligten haben mit Hochdruck an den Lö-
sungen der Aufgaben gearbeitet. Am Ende konnte
erfreulicherweise die Rhein-Mosel-Fachklinik als
Träger der Ausbildung sowie ausreichend viele La-
borplätze für 18 Auszubildende an der MT-L-Schu-
le Koblenz gefunden werden. An der MT-L-Schule
des LUA in Trier beginnt der erste Lehrgang nach
den neuen Ausbildungsregeln im Sommer 2024.
Natürlich tun sich bei diesen grundlegenden Ver-
änderungen immer noch Fragen auf, und es gibt
Bedarf zur Anpassung. Auch in den kommen-
den Jahren werden sich die Gesundheitsfachschu-
len deshalb immer wieder mit dem neuen Ge-
setz über Berufe in der medizinischen Technologie
(MTB-G) beschäftigen.
Mit moderner Technik: Eine MTA-Schülerin betrachtet eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop. © LUA
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Neue Ausbildungsinhalte für PTA
Die PTA-Schule hat im September 2023 ebenfalls
mit dem ersten Lehrgang nach dem neuen Be-
rufsgesetz gestartet. Die Änderungen im Ablauf
der Ausbildung sind hier aber nicht so grundle-
gend wie bei den MT-L. Allerdings gibt es das neue
Unterrichtsfach „Übungen zur Abgabe und Bera-
tung“. Darin werden die Grundlagen für eine gute
und richtige Beratung in der Apotheke gelegt, und
es wird auch praktisch in Rollenspielen geübt.
Zu diesem Zweck wurde in der PTA-Schule ein un-
genutzter Laborraum in einen Unterrichtsraum
umgewandelt, in dem noch eine Übungsapothe-
ke entstehen soll. Nicht zuletzt ist nun die Ver-
wendung digitaler Medien in einigen Unterrichts-
fächern ausdrücklich verankert worden. Zu diesem
Zweck wurden ausreichend Laptops angeschafft,
damit nun in mehreren Klassen parallel mit Hilfe
diverser Datenbanken recherchiert werden kann.
Um neue Schüler zu gewinnen, wurde an der PTA-
Schule im Januar 2023 der alljährliche Tag der
offenen Tür veranstaltet. Zusätzlich gab es im
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Herbst erstmalig einen Schnuppertag. Dieser Tag
konnte Interessierten einen Einblick in den Un-
terricht gewähren. Im Gegensatz zum Tag der of-
fenen Tür, bei dem die Besucher in den Laboren
mitmachen können, war hier die Möglichkeit ge-
geben, ganz konkret zu erfahren, wie zum Beispiel
die Fächer Arzneimittelkunde, Galenik, Fachrech-
nen oder Gefahrstoffkunde unterrichtet werden.
Während der Tag der offenen Tür gerne von ehe-
maligen Schülern genutzt wird, um an die alte
Wirkungsstätte zurückzukehren, ist der Schnup-
pertag nur für neue Auszubildende gedacht. Das
Angebot wurde so gut genutzt, dass im Februar
2024 ein weiterer Schnuppertag stattfand.
Absolventen verabschiedet
Dass die Anstrengungen der Gesundheitsfach-
schulen auch Früchte tragen, wurde bei zwei Ab-
schiedsfeiern im Jahr 2023 deutlich: In Trier konn-
ten 20 frischgebacken PTA sowie 11 MTA ins
Berufsleben entlassen werden. Auf dem Arbeits-
markt wurden sie schon sehnsüchtig erwartet,
denn in beiden Berufszweigen ist die Nachfrage
nach Fachpersonal sehr groß.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-Bilanz
InfektionsPrävention
Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2015
KategorieDiagnose/Erreger20152014
Gastroenteritische Infektionen
(Durchfallerkrankungen)Campylobakter Enteritis3.8193.903
Clostridium difficile6532
EHEC-Erkrankung (außer HUS)124107
Giardiasis136156
HUS24
Kryptosporidiose5860
Norovirus-Erkrankung5.2043.411
Rotavirus-Erkrankung1.1891.236
Salmonellose732880
Shigellose2434
Yersiniose170163
Hepatitis A3626
Hepatitis B4832
Hepatitis C257264
Hepatitis D02
Hepatitis E8624
Diphtherie10
Haemophilus influenzae2817
Meningokokken (invasiv)2422
Masern68
Mumps4058
Röteln04
Pertussis (Keuchhusten)337576
Varizellen605738
Influenza3.460293
Adenovirus (Konjunktivalabstrich)5234
Borreliose1.0761.003
Brucellose17
Dengue-Fieber2528
FSME32
Hantavirus-Erkrankung116
Legionellose4131
Leptospirose43
Listeriose1527
MRSA (aus Blut)9391
Q-Fieber936
Tuberkulose273201
Tularämie30
Typhus abdominalis54
Hepatitiden
(Leberentzündungen)
Impfpräventable Infektionen
gemäß den Empfehlung der Ständigen
Impfkommission am Robert Koch-
Institut (STIKO)
Weitere Infektionen
Übersicht über die Meldezahlen der häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach RKI-Referenzdefinition.
2
Infektionsbilanz 2015:
Im Zeichen der Flüchtlingskrise
Eine starke Grippesaison und viele Magen-Darm-
Erkrankungen: Im Jahr 2015 hat das Landesunter-
suchungsamt (LUA) 18.188 meldepflichtige Er-
krankungsfälle aus Rheinland-Pfalz registriert. Die
Flüchtlinge, die nach Rheinland-Pfalz kamen und
routinemäßig auf Infektionskrankheiten unter-
sucht wurden, sorgten für einen deutlichen An-
stieg der Probenzahlen in den Laboren des LUA.
Magen-Darm-Erreger machten einen Großteil der
landesweit registrierten Infektionen aus. Meist
waren Noroviren (5.204 Fälle) oder Campylobac-
ter (3.819) die Auslöser, weniger häufig auch Ro-
taviren (1.189) oder Salmonellen (732).
Die Influenzawelle 2015 war mit 3.460 gemel-
deten Fällen die bisher stärkste außerhalb der
Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009. Wind-
pocken und Keuchhusten spielten im Gegensatz
zu 2014 keine große Rolle, insgesamt machten sie
wie die durch Zecken übertragene Borreliose le-
diglich fünf Prozent der Meldungen aus.
Die Daten zu den betroffenen Patienten werden
von den rheinland-pfälzischen Gesundheitsäm-
tern gemäß Infektionsschutzgesetz in anonymi-
sierter Form ans LUA übermittelt und dort von In-
fektionsepidemiologen ausgewertet. Sie können
anhand dieser Meldungen zum Beispiel überregio-
nale Krankheitsausbrüche frühzeitig erkennen und
gemeinsam mit dem zuständigen Gesundheits-
amt Gegenmaßnahmen einleiten.
Die Flüchtlinge, die 2015 nach Rheinland-Pfalz ge-
kommen sind, schlagen zwar in der Statistik der
Infektionserkrankungen nur wenig zu Buche - für
die Gesundheitsbehörden waren die Asylsuchen-
den dennoch eine Herausforderung. Widrige hy-
gienische Verhältnisse in einer von bewaffneten
Konflikten gezeichneten Heimat und ein durch
die Flucht geschwächtes Immunsystem machen
Flüchtlinge besonders anfällig für Infektionskrank-
heiten. Um diese rechtzeitig zu erkennen und ei-
ner Ausbreitung vorzubeugen, werden alle Asyl-
suchenden in Rheinland-Pfalz unmittelbar nach
ihrer Ankunft ärztlich untersucht. Die zuständigen
Gesundheitsämter werden dabei vom LUA mit La-
boruntersuchungen und seuchen-hygienischer Ex-
pertise unterstützt.
2015 wurde bei nahezu allen Asylsuchenden in
Rheinland-Pfalz eine Untersuchung des Stuhls
auf Typhus- und Durchfallerreger (Salmonellen,
Shigellen) sowie Wurmeier veranlasst. Die gute
Nachricht: Bei knapp 24.000 untersuchten Stuhl-
proben gab es keine besorgniserregenden Be-
funde. Typhus und Paratyphus wurden gar nicht
nachgewiesen, die Durchfall verursachenden Sal-
monellen in etwa im selben Umfang, wie sie auch
in Deutschland als Ursache von nahrungsmittel-
bedingten Krankheitsausbrüchen auftreten.
Wurminfektionen wie beispielsweise die durch
Schistosoma mansoni verursachte Darmbilharzio-
se kommen zwar bei Flüchtlingen vor, können un-
ter den hiesigen hygienischen und ökologischen
Gegebenheiten aber nicht übertragen werden.
Fazit der Infektionsepidemiologen des LUA: Eini-
ge Asylsuchende bringen zwar Durchfallerreger
und Parasiten mit – von diesen geht aber kein re-
levantes Infektionsrisiko für die hiesige Bevölke-
rung aus.
Zu den meldepflichtigen Erkrankungen, die bei
Flüchtlingen vorkommen, gehört auch die Tu-
berkulose. Grundsätzlich wird jeder Asylbe-
gehrende in Deutschland, der in einer Gemein-
schaftsunterkunft lebt, auf eine Erkrankung mit
Tuberkulose-Erregern hin untersucht. Ergeben
sich beispielsweise bei der Röntgenuntersuchung
Verdachtsmomente, muss die Diagnose durch
den direkten Nachweis der Tuberkulosebakterien
im Körper gesichert werden. Dafür schickten die
für die amtsärztliche Untersuchung von Flüchtlin-
gen zuständigen Gesundheitsämter 2015 mehr als
2.200 zu untersuchende Proben in die Tuberkulo-
selabors des LUA - mehr als doppelt so viele wie
beispielsweise im Jahr 2012. Doch nicht jede Tu-
berkulose-Meldung steht im Zusammenhang mit
der Flüchtlingskrise. 2015 waren 68 von 273 an
Tuberkulose Erkrankten Asylbewerber. In keiner
3
vom LUA untersuchten Probe wurden Tuberkulo-
sestämme identifiziert, die gegen mehrere Anti-
biotika resistent und dadurch nur schwer zu be-
handeln sind.
Impfungen gut angenommen
Um zu wissen, welches Impfangebot an Flücht-
linge in Rheinland-Pfalz sinnvoll ist, werden seit
2013 Asylsuchende auf ihre Immunität gegen
übertragbare Krankheiten hin getestet. Die Aus-
wertung der Daten durch das LUA ergab, dass
Asylsuchende je nach Herkunftsland nicht ausrei-
chend gegen Masern und/oder gegen Windpocken
geschützt sind. Deshalb werden allen Asylsuchen-
den in den Aufnahmeeinrichtungen des Landes
entsprechende Impfangebote gemacht. Die Imp-
fungen werden mehrheitlich über die zuständigen
Herausgeber:
Landesuntersuchungsamt
Mainzer Straße 112
56068 Koblenz
poststelle@lua.rlp.de
www.lua.rlp.de
Gesundheitsämter organisiert, die von ehrenamt-
lich arbeitenden Ärztinnen und Ärzten und von
Hilfsorganisationen unterstützt werden. Das An-
gebot umfasst Impfungen gegen Mumps, Masern,
Röteln, Windpocken, Influenza, Diptherie, Teta-
nus, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B und Haemo-
philus influenzae.
Die gute Nachricht: Die Akzeptanz bei den Asylsu-
chenden ist hoch, vor allem wenn es um die Imp-
fung von Kindern geht. Bisher wurden im Rahmen
dieses Programmes vom Land 22.300 Impfdo-
sen gekauft und zu 90 Prozent auch verimpft.
Die ebenfalls im LUA angesiedelte „Koordinie-
rungsgruppe Flüchtlinge“ des Öffentlichen Ge-
sundheitsdienstes stellt dabei die reibungslose
Kommunikation zwischen Landesregierung und
Kommunen sicher.
[Redaktioneller Hinweis: Die folgende Beschreibung ist eine unstrukturierte Extraktion aus dem originalem PDF] LUA-BILANZ
TIERGESUNDHEIT & TIERSEUCHEN
Zahlen, Daten und Fakten für das Jahr 2014
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Tierseuchenbilanz 2014:
Positiver Trend hält an
Der Trend aus dem letzten Jahr hat sich fortge-
setzt: Rheinland-Pfalz blieb auch im Jahr 2014 von
Tierseuchen-Ausbrüchen verschont. Nur die seit
Jahren auftretenden und meist in staatlichen Ver-
fahren bekämpften Seuchen wurden nachgewie-
sen. Trotzdem muss die Tierseuchenbekämpfung
weiter wachsam sein, um ein Wiederaufflammen
bekannter oder das Auftreten neuer Erkrankungen
rechtzeitig erkennen zu können.
Dazu wird der Gesundheitsstatus der Tierbestände
und der Wildtiere in Rheinland-Pfalz regelmäßig
durch eine Kombination aus fachlicher Unterstüt-
zung der Veterinärbehörden vor Ort, Tiergesund-
heitsdiensten und moderner Labordiagnostik
überwacht. Das Landesuntersuchungsamt (LUA)
ist die zentrale Einrichtung des Landes Rheinland-
Pfalz für diagnostische Untersuchungen an Tieren
und vom Tier stammender Proben. Im Jahr 2014
wurden insgesamt 302.214 Proben von landwirt-
schaftlichen Nutztieren, Wild- und Zootieren so-
wie Heimtieren untersucht.
Die Einsendungen rekrutieren sich aus diagnosti-
schen Proben zur Feststellung von Erkrankungs-
und Todesursachen sowie Proben, die im Rahmen
von staatlichen Sanierungs- und Monitoring-Pro-
grammen eingesandt wurden. Die Untersuchun-
gen dienen als Grundlage für tierseuchenrecht-
liche Maßnahmen und Risikobewertungen der
Veterinärverwaltung sowie für Therapie- und Ma-
nagement-Maßnahmen in den Betrieben. Sie sind
ein unverzichtbarer Beitrag für den vorbeugenden
Gesundheitsschutz von Mensch und Tier.
Bovine Herpes-Virus Typ 1-Infektion
Die Infektion von Rindern mit dem Bovi-
nen Herpes-Virus Typ 1 (BHV-1) führt sowohl
zu Erkrankungen der Atemwege als auch der
Geschlechtsorgane mit nachfolgenden Fruchtbar-
keitsstörungen. Positive Tiere werden entweder
aus dem Bestand entfernt oder geimpft, damit sie
nicht erkranken und den Erreger nicht an andere
Tiere weitergeben können.
2
Im Verlauf des Jahres 2014 wurden insgesamt
Blutproben von 99.700 Tieren aus 3.941 Bestän-
den untersucht. Dabei wurden bei 717 Tieren aus
52 Beständen Antikörper gegen das BHV-1 nach-
gewiesen, die auf eine natürliche Infektion zu-
rückzuführen sind. Bezüglich des Sanierungsfort-
schritts hat sich die erfreuliche Entwicklung der
letzten Jahre auch 2014 fortgesetzt. Ende 2014
waren 93,9 % der Bestände frei von BHV-1.
Bovine Virusdiarrhoe
Die mit Durchfall, grippeartigen Erscheinungen
und Fruchtbarkeitsstörungen einhergehende Bo-
vine Virusdiarrhoe (BVD) gehört weltweit zu den
wirtschaftlich bedeutsamsten Infektionserkran-
kungen beim Rind. Ziel der staatlichen Bekämp-
fung ist es, den Handel mit dauerhaft (persistent)
infizierten Tieren, die den Erreger lebenslang aus-
scheiden und andere Tiere anstecken, zu unterbin-
den und sie aus den Betrieben zu entfernen.
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 151.121 Ohrstan-
zen von Kälbern aus 4.446 Betrieben auf BVD-Vi-
rus untersucht. Dabei wurde das Virus bei 140 Tie-
ren aus 56 Beständen nachgewiesen. Der Anteil
der Bestände mit BVD-Virus-positiven Tieren ist
von 4,9 % im Jahr 2011 auf 1,1 % im Jahr 2014 ge-
sunken.
Transmissible Spongiforme Enzephalopathien
Die Bovine Spongiforme Enzepalopathie, der so
genannte Rinderwahnsinn, ist seit 2006 nicht
mehr in Rheinland-Pfalz aufgetreten. Auch im Jahr
2014 hatten alle Untersuchungen an 7.156 über
96 Monate alten, geschlachteten sowie an 5.268
über 48 Monate alten, verendeten Rindern ein ne-
gatives Ergebnis.
Untersuchungen auf die Transmissiblen Spongifor-
men Enzephalopathien (TSE) der Schafe und Zie-
gen, die so genannte Traberkrankheit oder Scra-
pie, werden weiter stichprobenartig durchgeführt.
Dabei wurde nach den letzten Nachweisen in den
Jahren 2009 und 2012 auch 2014 wieder bei ei-
nem von 470 im LUA untersuchten, verendeten
Schafen ein positives Ergebnis festgestellt. Da-
Schafherden im Fokus: Das Schmallenberg-Virus, Q-Fieber und die Traberkrankheit, auch Scrapie genannt, traten
2014 in rheinland-pfälzischen Herden auf. (Foto: © fotoping - Fotolia.com)
bei handelte es sich um die so genannte atypische
Form der Scrapie, die bei einzelnen Tieren spon-
tan auftritt und bei der eine Übertragung auf den
Menschen bislang nicht nachgewiesen wurde. Da
es sich um das letzte Schaf aus einem Kleinstbe-
stand handelte, waren keine weiteren Maßnah-
men erforderlich.
Lymphknoten festgestellt worden waren. Weitere
Untersuchungen ergaben, weitere Tiere des saar-
ländischen Herkunftsbestandes mit Tuberkulo-
se infiziert waren. Tiere aus Rheinland-Pfalz waren
nicht betroffen.
Tuberkulose des Rindes
Im Verlauf des Jahres 2014 wurden im LUA bei
zwei aus dem Saarland stammenden Rindern ty-
pische Tuberkulose-verdächtige Veränderungen
festgestellt und entsprechende Mykobakterien
nachgewiesen. Durch weiterführende Untersu-
chungen am Nationalen Referenzlabor für Tuber-
kulose am Friedrich-Loeffler-Institut wurden die
Erreger als Mycobacterium bovis identifiziert.Q-Fieber
Von besonderem Interesse war im Jahr 2014 das
Auftreten von Q-Fieber-Infektionen bei Men-
schen und Tieren in der Pfalz. Zahlreiche Bewoh-
ner im Pfälzischen Lachen-Speyerdorf, die alle in
der Nähe von Schafhaltungen wohnten, litten an
einer Lungenentzündung. Q-Fieber (Query-Fe-
ver) ist eine Zoonose, d. h. die Krankheit kann von
Tieren wie z. B. Rindern und Schafen auch auf den
Menschen übertragen werden. Der Erreger wird
von infizierten Tieren massenhaft mit Nachge-
burten oder Aborten ausgeschieden und kann auf
dem Luftweg übertragen werden. In allen betrof-
fenen Haltungen wurden umfangreiche Hygien-
emaßnahmen sowie die Impfung der Tiere ange-
ordnet, um den Erreger einzudämmen.
Beim ersten Tier handelte es sich um eine an ei-
nem rheinland-pfälzischen Schlachthof ge-
schlachtete Kuh, bei der im Rahmen der amt-
lichen Fleischuntersuchung entzündliche
Veränderungen in der Lunge und den zugehörigenSchmallenbergvirus
Nach dem ersten Auftreten und der explosionsar-
tigen Ausbereitung im Jahre 2012 war das Schmal-
lenbergvirus im Jahr 2013 Rheinland Pfalz nicht
nachgewiesen worden. Im Herbst 2014 wurde
Die übrigen Untersuchungen auf TSE an 93 veren-
deten Ziegen sowie 175 geschlachteten Schafen
und 10 geschlachteten Ziegen hatten alle ein ne-
gatives Ergebnis.
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der Erreger aber wieder in zwei Rinderbeständen
und in einem Schafbestand festgestellt. Er kommt
demnach weiter in der Tierpopulation vor.land-Pfalz wurde der Erreger bei einem Feldha-
sen aus dem nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz
nachgewiesen.
Für Menschen ist das Virus ungefährlich. Trächti-
ge Muttertiere zeigen selbst nur vorübergehende
Krankheitssymptome wie Fieber, Durchfall und ei-
nem Rückgang der Milchleistung. Als Spätfolge ei-
ner Infektion bringen sie aber Kälber und Lämmer
mit zum Teil stark missgebildeten Gliedmaßen zur
Welt, was bei der Geburt zu Komplikationen füh-
ren kann. Typisch sind auch massive Missbildun-
gen am Gehirn, die sich auch am Schädel mani-
festieren können. Mittlerweile steht ein Impfstoff
zur Verfügung.Der Mensch infiziert sich vorwiegend über direk-
ten Kontakt mit erkrankten Tieren oder mit deren
Organen. Die Erkrankung beginnt in der Regel mit
einem Geschwür an der Eintrittsstelle des Erregers
und einer Schwellung der lokalen Lymphknoten
und oder mit abrupt einsetzenden hohen Fieber,
Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen
und Erschöpfungszuständen. Die Tularämie lässt
sich mit Antibiotika behandeln, die Heilungschan-
cen sind sehr gut.
Klassische und Afrikanische Schweinepest
Rheinland-Pfalz ist weiterhin frei von der Klassi-
schen Schweinepest (KSP). Alle 4.956 molekular-
biologischen Untersuchungen auf das Virus der
KSP bei Wildschweinen hatten ein negatives Er-
gebnis. Darüber hinaus werden auch bei verende-
ten und an der Tierkörperbeseitigungsanstalt bzw.
im LUA angelieferten Hausschweinen stichpro-
benartig Proben genommen und auf KSP unter-
sucht. Alle Untersuchungen von 1.992 Tieren aus
314 Beständen hatten ein negatives Ergebnis.
Fortgeführt wurden auch die im Jahr 2012 begon-
nenen Untersuchungen auf Afrikanische Schwei-
nepest, die sich derzeit im Baltikum und in Po-
len sowie im Westen Russlands
und der Ukraine ausbreitet.
Alle stichprobenartig bei
78 Wild- und 131 Haus-
schweinen durchgeführ-
ten Untersuchungen hat-
ten ein negatives Ergebnis.
Tularämie (Hasenpest)
Im Verlauf des Jahres 2014
wurde in einigen Bundes-
ländern aus bislang noch
unbekannten Gründen
ein sprunghafter Anstieg
der Tularämie-Nachweise
gemeldet. Auch in Rhein-
Aviäre Influenza
Nach wie vor nicht aufgetreten ist in Rheinland-
Pfalz die Aviäre Influenza bei Hausgeflügel und
Wildvögeln. Angesichts der günstigen Seuchen-
lage konnte der Umfang der Monitoringuntersu-
chungen in den letzten Jahren deutlich reduziert
werden. Nachdem aber im Herbst 2014 die Aviä-
re Influenza bei Hausgeflügel und Wildvögeln in
Norddeutschland festgestellt worden war, wurden
die Monitoringuntersuchungen bei Wildvögeln im
Dezember 2014 bundesweit wieder intensiviert.
In Rheinland-Pfalz sammelte die Gesellschaft für
Naturschutz und Ornithologie an bekannten Zug-
vogelrastplätzen 79 Kotproben, die im LUA mole-
kularbiologisch mit negativem Ergebnis auf Influ-
enzaviren untersucht wurden.
Auch die im Rahmen eines Monitorings bei Haus-
geflügel durchgeführten serologischen Untersu-
chungen an 120 Blutproben von Hühnern, Puten,
Enten und Gänsen aus acht Beständen auf Anti-
körper gegen Influenzaviren hatten ebenfalls ein
negatives Ergebnis.
RHD-Virus Typ 2
Die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD; so-
genannte Chinaseuche) befällt ausschließlich
(Wild-)Kaninchen und Hasen und ist durch plötz-
liche, mit Blutungen und Gewebsuntergang in den
Organen einhergehende Todesfälle gekennzeich-
net. In Frankreich wurde 2010 erstmals eine neue
Geflügelpest: 2014 wurde das Monitoring von Wild-
vögeln intensiviert. (Foto: © tylor - Fotolia.com)
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Variante des RHD-Virus (Typ 2) nachgewiesen,
die bei Tieren sowohl in geimpften als auch unge-
impften Beständen zum Tod führt. Die neue Virus-
variante wurde in Deutschland erstmals 2012 in
Nordrhein-Westfalen nachgewiesen, im Jahr 2014
erstmals auch in Rheinland-Pfalz bei je einem Ka-
ninchen aus der Pfalz bzw. dem Westerwald.
Staupe & Aujeszkysche Krankheit bei Füchsen
In jüngster Zeit wurde aus mehreren Bundeslän-
dern über das vermehrte Auftreten von Staupe-
virus-Infektionen bei Füchsen berichtet. Stau-
peviren können bei ungeimpften Hunden unter
anderem zu schweren zentralnervösen Erkran-
kungen und Todesfällen führen. In der Jägerschaft
wird zudem immer wieder über das Vorkommen
von Aujeszky-Viren in der Wildtierpopulation dis-
kutiert. Die häufig tödlich verlaufende Aujesz-
kysche Krankheit ist bei Hausrindern und Haus-
schweinen anzeigepflichtig und wird staatlich
bekämpft.
Um valide Daten über das Vorkommen und die
Verbreitung der beiden Erreger in der Fuchspo-
pulation in Rheinland-Pfalz zu erhalten, wurden
zur Untersuchung auf Tollwut eingesandte Füch-
se molekularbiologisch auf Staupe- und Aujeszky-
Virus-DNA untersucht. Die Untersuchungen an
insgesamt 210 Füchsen aus allen Kreisen hatten
ein negatives Ergebnis. Die beiden Erreger spielen
demnach derzeit in der Fuchspopulation in Rhein-
land-Pfalz keine Rolle.
Trichinen-Monitoring bei Füchsen
Die zu den Fadenwürmern gehörenden Trichi-
nen können nach Verzehr von kontaminierten Le-
bensmitteln den Menschen infizieren und schwere
Erkrankungen hervorrufen. Ergänzend zur ver-
pflichtenden Untersuchung von empfänglichen
Schlachttieren wie z. B. Schweinen und zur Le-
bensmittelgewinnung erlegten Wildtieren wie z.
B. Wildschweinen, werden auch regelmäßige Mo-
nitoringuntersuchungen bei nicht zur Lebens-
mittelgewinnung dienenden Wildtieren durch-
geführt. Ziel ist es, für Risikoabschätzungen
erforderliche Daten über das Vorkommen der Er-
reger bei diesen Tieren zu erhalten. Im Verlauf des
Jahres 2014 wurden insgesamt 41 Füchse aus al-
len Kreisen des Landes Rheinland-Pfalz, die zur
Untersuchung auf Tollwut eingesandt wurden, auf
Trichinen untersucht. Alle Untersuchungen hatten
ein negatives Ergebnis.
Anzeigepflicht und Meldepflicht
Zwischen Mensch und Tier wechselseitig über-
tragbare Erkrankungen (sogenannte Zoonosen),
die eine ernste Gefährdung der menschlichen Ge-
sundheit darstellen und wirtschaftlich relevante
Erkrankungen bei Tieren, gegen die Maßnahmen
Einzelner nicht wirksam sind, unterliegen der An-
zeigepflicht nach dem Tiergesundheitsgesetz und
werden staatlich bekämpft. Bereits der Verdacht
auf das Vorliegen einer derartigen Erkrankung ist
den Veterinärbehörden vor Ort anzuzeigen und
durch diagnostische Untersuchungen abzuklären.
Insgesamt sieben von den derzeit 55 anzeige-
pflichtigen Tierseuchen wurden im Verlauf des
Jahres 2014 im LUA nachgewiesen. Im Vergleich
zum Jahr 2013 wurden zwar vier anzeigepflichtige
Seuchen mehr nachgewiesen, es handelt sich aber
ausschließlich um solche, die im Rahmen staatli-
cher Sanierungsverfahren bekämpft werden oder
immer wieder sporadisch auftreten.
Dagegen werden die der Meldepflicht unterlie-
genden Tierkrankheiten nur statistisch erfasst. Da-
bei handelt es sich um Zoonosen oder wirtschaft-
lich bedeutsame Erkrankungen, die derzeit zwar
nicht staatlich bekämpft werden, über deren Vor-
kommen aber ein ständiger Überblick gewonnen
werden soll, um bei Bedarf rasch Maßnahmen er-
greifen zu können.
Von den derzeit 23 meldepflichtigen Tierkrank-
heiten wurden im Verlauf des Jahres 2014 insge-
samt elf im LUA nachgewiesen. Die festgestellten
Erkrankungen treten seit Jahren regelmäßig oder
sporadisch auf; dabei unterliegt die Häufigkeit des
Nachweises der einzelnen Erkrankungen jährli-
chen Schwankungen.
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