Im Umfeld der frühbronzezeitlichen befestigten Höhensiedlungen in der Basaltwüste Nordostjordaniens wurden die bislang ältesten komplexen hydraulischen Anlagen Vorderasiens entdeckt. Mit diesen Systemen wurde in den Regenzeiten der Oberflächenabfluss gesammelt, um damit Terrassengärten zu bewässern und Wasser in offenen Reservoirs zu speichern. Während das in offenen Reservoirs gespeicherte Wasser sich zum Tränken des Viehs und als Brauchwasser eignete, ist es für den menschlichen Konsum ungenießbar. Wie die Versorgung der Bewohner der befestigten Höhensiedlungen mit Trinkwasser ausgesehen hat, ist bislang nicht geklärt und soll im Rahmen dieses Projektes untersucht werden. Als eine mögliche Strategie zur Trinkwasserversorgung könnte die Nutzung von Lavahöhlen als natürliche Zisternen in Betracht gezogen werden. Solche Lavahöhlen, in denen sich zur Regenzeit Wasser sammelt, welches dort unter Sonnenlichtabschluss lange genießbar bleibt, sind an einigen Stellen in der Basaltwüste Nordostjordaniens nachgewiesen und werden teilweise auch traditionell von Beduinen zur Wasserversorgung genutzt. Die durch jüngste Raubgrabungen erfolgte Aufdeckung dreier natürlicher Kavernen unter der Siedlungsoberfläche der frühbronzezeitlichen befestigten Höhensiedlung Jawa, lieferte nun erste Hinweise auf eine mögliche Existenz von Lavahöhlen unter der Siedlungsoberfläche einer befestigten Höhensiedlung. Das Projekt verfolgt das Ziel, diese Entdeckung zu verifizieren, in dem diese Höhlen in Jawa archäospeläologisch dokumentiert und archäohydrologisch auf ihre mögliche Funktion als Trinkwasserspeicher untersucht werden. Darüber hinaus sollen für die Weiterentwicklung bzw. Anpassung geophysikalischer Methoden zur Lokalisierung von verborgenen Lavahöhlen unterschiedliche geophysikalische Methoden experimentell in Testbereichen im Umfeld der bekannten Höhlen erprobt werden, um im Erfolgsfall in einem künftigen Projekt die verbleibenden Siedlungsareale von Jawa und einige der zeitgleichen befestigten Höhensiedlungen in der jordanischen Basaltwüste auf vergleichbare natürliche Zisternen hin zu untersuchen. Da die Kontrolle von Trinkwasserreservoirs in einer solchen ariden Region auch in der Frühbronzezeit einen erheblichen strategischen Vorteil bot, war sie möglicherweise eine Hauptursache für die Errichtung von Fortifikationen an diesen Siedlungsstandorten.
Die Wanderausstellung zeigt anhand archäologischer und paläogenetischer Exponate und Daten, dass die Deutschen wie alle anderen Bevölkerungen in Europa nicht autochthon entstanden sind, sondern als Ergebnis von Migrationsprozessen. Menschen waren zu allen Zeiten mobil. Auf der Suche nach Nahrung, Wasser und anderen Ressourcen haben sie sich stets sowohl kleinräumig bewegt als auch andere Regionen und Kontinente besiedelt. Indem wir den Besuchern unsere unterschiedlichen Wurzeln aus Afrika oder Westasien präsentieren, soll verdeutlicht werden, dass Migration kein modernes Phänomen ist, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Mensch-seins.
Die in Südwestasien seltenen und bedrohten Arten von Iris sect. Oncocyclus werden hinsichtlich ihrer morphologischen, morphometrischen und molekularen Variation und ihrer Reproduktionsbiologie untersucht. Die Ergebnisse sollen Grundlage von Artenschutzmassnahmen sein
Totholzbewohner (liegende Stämme) alter Wälder der südlichen Teile Europas und in Vorderasien; lokal und meist selten. In Deutschland nur ein Fund vor 1840 bei Schandau in der Sächsischen Schweiz (Horion 1941).
Außerhalb Europas nur in Südwestasien; Arealzentrum in Mitteleuropa mit dem Flusssystem des Rheins als Schwerpunkt.
Die Systematik der maderae-Gruppe innerhalb der Calosoma-Untergattung Campalita Motschulsky, 1866 ist außerordentlich kompliziert und bis heute nicht abschließend geklärt. So wird u.a. die Stellung des Taxons Calosoma auropunctatum sehr verschieden interpretiert. In den wichtigsten Bezugswerken der hier vorgelegten Roten Liste, den früheren Roten Listen (Trautner et al. 1997, 1998), dem Katalog der Paläarktischen Käfer (Löbl & Smetana 2003), dem Weltkatalog der Laufkäfer (Lorenz 2005), dem Bestimmungswerk für die mitteleuropäische Fauna (Arndt & Trautner in Müller-Motzfeld 2006) und dem Verbreitungsatlas der Laufkäfer Deutschlands (Trautner et al. 2014), wird das Taxon als eigenständige Art neben C. maderae (Fabricius, 1775) aufgefasst. Im Zuge einer umfassenden Revision der Gruppe kommen Bruschi & Vigna Taglianti (2012) jedoch zu dem Schluss, dass C. maderae eine polytypische, transpaläarktisch verbreitete Art darstellt, wobei C. auropunctatum ein jüngeres Synonym der westpaläarktisch verbreiteten Unterart C. maderae maderae (Fabricius, 1775) ist. Die Autoren weisen aber auch auf eine geographisch sortierte morphologische Variabilität innerhalb des Verbreitungsgebietes des letzteren Taxons hin, die eine relativ kleine Form mit dachziegelartiger Elytren-Struktur für Zentraleuropa kenntlich macht (= auropunctatum s.str.), wobei es in Osteuropa und südlich der Alpen breite morphologische Übergangszonen zu den in Westasien und Südeuropa verbreiteten Morphen bzw. Unterarten dsungaricum Gebler, 1833, indagator Fabricius, 1787 und maderae s.str. geben soll. Eine eingehende phylogeographische Untersuchung des Problems steht noch aus. Aus diesem Grunde halten wir es derzeit noch für angebracht, das Taxon auropunctatum im Rang einer Unterart des C. maderae zu führen.
Eine vermutlich aus Südosteuropa und Vorderasien nach Westeuropa eingeschleppte Art, die 2004 im Saarland erstmals nachgewiesen wurde und sich in Westdeutschland mittlerweile etabliert hat.
Europaweit gefährdet; außerhalb Europas nur aus Südwestasien (Levante) bekannt.
Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg Bachmuschel Unio crassus Philipsson, 1788 Die Bachmuschel, auch Gemeine oder Kleine Flussmuschel, war einst die häufigste Großmuschelart heimischer Fließgewässer. Aufgrund des Verlusts von ca. 90 % ihrer einstigen Bestände wurde sie 2006 zum Wichtier des Jahres gewählt. Die Art besitzt eine elliptische bis eiför- mige gelbbraune Schale oft mit grüner Zeichnung. Deren stärkste und höchste Wölbung befindet sich dirket hinter dem sogenannten Wirbel. Der Hauptzahn des Schlosses ist steil kegelförmig und spitz, was die Art von den anderen zwei in Deutschland vorkommenden Unio-Arten unterscheidet. LEBENSRAUM Die Bachmuschel besiedelt vor allem saubere, sauerstoffreiche Fließge- wässer bis in die Oberläufe, die eine mäßige bis starke Strömung aufwei- sen. Nur ausnahmsweise kommt sie in Stillgewässern, insbesondere in sauberen Seen vor. Als Bodengrund werden sandig-feinkiesige Substrate bevorzugt, jedoch auch mineralische Schlämme besiedelt. Da der Fort- pflanzungserfolg bei Nitratgehalten über 10 mg/l deutlich abnimmt, ist die Art auf unbelastete Gewässer angewiesen. Zusätzlich muss ein ausreichend großer Bestand an geeigneten Wirtsfischen (z. B. Elritze, Groppe, Döbel) vorhanden sein. LEBENSWEISE Unio crassus ist streng getrenntgeschlechtlich. In den Kiemen der Weibchen befinden sich sogenannte Marsupien . In diesen Bruträumen entwickeln sich die Eier zu Larven (Glochidien). Die Glochidien setzen sichfür einige Wochen an den Kiemen oder Flossen bestimmter Wirts- fischarten) fest, an denen sie schmarotzen. Nach der Umwandlung zur Jungmuschel wachsen diese im gut mit Sauerstoff versorgten Lückensy- stem des Sohlensubstrats heran. Ab einem Alter von zwei Jahren leben die Tiere halb eingegraben im Gewässergrund und filtriert ihre Nahrung aus dem Wasser. Die Geschlechtsreife wird nach 3-5 Jahren erreicht. Ein relativ kräftiger Fuß dient der Art zur Fortbewegung und zum Eingra- ben. MASSE UND ZAHLEN Schalenlänge: max. 70 mm Schalenbreite: max.35 mm Kleinste heimische Unio-Art Lebensdauer: max. 25-30 Jahre VERBREITUNG Das Verbreitungsgebiet der Bachmuschel umfasst große Teile Europas und Vorderasiens. Die Art fehlt allerdings auf den Britischen Inseln, auf der Iberischen Halbinsel sowie in Ita- lien. Das Vorkommen in Deutschland gleicht einem Flicken- teppich. Größere Arealinseln befinden sich im Alpenvorland, am Oberrhein und im Bereich zwischen unterem Elbtal und Ostseeküste. VERBREITUNG IN BADEN-WÜRTTEMBERG In Baden-Württemberg liegen die Verbreitungsschwerpunkte in der mittleren Oberrheinebene sowie im Alpenvorland. Es gibt in Baden-Württemberg zwei Unterarten: Unio crassus nanus im Rheineinzugsgebiet und Unio crassus cytherea im Donaueinzugsgebiet. BESTANDSENTWICKLUNG IN BADEN-WÜRTTEMBERG Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Art eine der häufigsten Flussmuschelarten, ging aber in ihrem Vorkommen bis heute stark zurück und bildet teilweise nur noch dünne, überalterte Restbestände. GEFÄHRDUNG UND SCHUTZ ROTE LISTE BW SCHUTZSTATUS D VERORDNUNGEN UND RICHTLINIEN BNATSCHG 11BESONDERSSTRENG VOM AUSSTERBEN BEDROHTVOM AUSSTERBEN BEDROHTGESÜTZTGESCHÜTZT EG-VO 338/97FFH-RICHTLINIE ANHANGANHANG - II IV - BARTSCHV - - GEFÄHRDUNGSURSACHENSCHUTZMASSNAHME ■■ mangelnde Wasserqualität (Nährstoffbelastung, auch durch „Altlasten“) ■■ Biotopvernichtung durch Gewässerausbau und Gewässerunterhaltung ■■ Gewässerregulierung (Verschlammung, Erwärmung) ■■ Dezimierung der Wirtsfische (Gewässerdurchgängig- keit, Besatz mit fremden Arten) ■■ Gewässerversauerung ■■ Fraßdruck durch Bisam ■■ Zunehmend auch Austrocknung durch Wasserent- nahme und Klimaerwärmung■■ Erhaltung von naturnahen, strukturreichen Gewäs- serabschnitten mit kiesig-sandigen Bereichen ■■ Erhaltung des derzeitigen Gewässergütezustandes als Mindeststandard (Nitratgehalt < 10 mg/l) SCHUTZPROJEKTE Umsetzung der FFH-Richtlinie Arten- und Biotopschutzprogramm Baden-Württemberg Art des 111-Arten-Korbs Art des Zielartenkonzepts Baden-Württemberg ■■ Aufrechterhaltung einer permanenten Wasserführung Erhalt eines hinreichend großen, gewässertypischen Fisch- bestandes Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewäs- sern (Gewässerrückbaumaßnahmen) Einrichtung von Pufferzonen zur Verhinderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung im Ein- zugsbereich der Bäche Berücksichtigung der Vorkommen im Zuge der Gewässe- runterhaltung FFH-RICHTLINIE Die FFH-Richtlinie ist eine Naturschutz-Richtlinie der EU, deren Namen sich von Fauna (= Tiere), Flora (= Pflanzen) und Habitat (= Lebensraum) ableitet. Wesentliches Ziel dieser Richtlinie ist die Erhaltung der Biologischen Vielfalt durch den Aufbau eines Schutzgebietssystems. Neben der Aus- weisung von Schutzgebieten (FFH-Gebieten) für Arten des Anhangs II wird auch der Erhaltungszustand dieser und der Arten des Anhangs IV und V überwacht. FFH-GEBIETE Auf der Internernetseite der LUBW steht Ihnen ein Kar- tenservice zur Verfügung, der auch die Darstellung der FFH- Gebiete einzelner Arten ermöglicht (http://www.lubw.baden- wuerttemberg.de). ERHALTUNGSZUSTAND IN BADEN-WÜRTTEMBERG VERBREITUNGSGEBIET EINZELBEWERTUNG GESAMTBEWERTUNG POPULATION HABITAT ZUKUNFTSAUSSICHTEN UNGÜNSTIG-UNGÜNSTIG-UNGÜNSTIG-UNGÜNSTIG- UNZUREICHENDUNZUREICHENDUNZUREICHENDUNZUREICHEND UNGÜNSTIG-UNZUREICHEND STAND 2007
||||||||||||||||||||| Berichte 4.3.21 des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Heft 4/2015: 443 – 468 Zauneidechse – Lacerta agilis (Linnaeus, 1758) Wolf-Rüdiger Grosse und Marcel Seyring 1 ||||||||||||| Artsteckbrief Kennzeichen: Große, plump und gedrungen wirkende Eidechse, kurze und kräftige Beine und auffällig großer hoher Kopf. Charakteristische Rückenzeichnung mit drei weißen Linienreihen, setzen sich aus Einzelflecken zusammen, von beigen Seitenbändern gefasst, selte- ner und lokal verbreitet Exemplare mit einem einfarbig braun bis rotbraunem Rückenband, ‘erythronotus’-Vari- ante innerhalb von Populationen im östlichen Deutsch- land, daraus resultierende Unterart L. a. argus wird in Frage gestellt. Die weißen Linien- und Punktreihen sind individualtypisch (Wiedererkennung). Größe: Kopf-Rumpflänge der ♂♂ 85 – 90 mm und der ♀♀ 85 – 95 mm, Gesamtlängen beider Geschlechter etwa gleich, 190 – 226 mm (Maximum in Deutschland 240 mm Gesamtlänge und 18,6 g). Geschlechtsunterschiede/Trachten: ♂♂ Kopf grö- ßer, kantiger, zur Paarungszeit Flanken und Kopfsei- ten häufig intensiv grün gefärbt und Schwanzwurzel verdickt (Hemipenes), Unterseite grünlich und schwarz gefleckt, ♀♀ Kopf deutlich kleiner, Oberseite bräun- lich, beige bis grau gefärbt. Unterseite gelblich und nur schwach gefleckt. Jungtiere deutlich kleiner, bräunlich bis hellbeige gefärbt, an den Flanken in Längsreihen angeordnete Augenflecken (Ozellen). Habitate: Offene und sehr strukturreiche Flächen mit häufigem Wechsel von lichten und dichten Vegetationsstrukturen zur Flucht und Ther- moregulation sowie mit offenen vege- tationsfreien Bereichen zur Eiab- lage, wärmegetönte lineare Randstreifen bevorzugt FFH („Zauneidechse“), liebt sandige Flussauen, steppen- artige Bördelandschaften, Pionierart und Kulturfolger, sonnige Habitate wie Steinbrüche, Sand- und Kies- gruben, vegetationsarme Brach- und Ruderalflächen, Bahndämme sowie Gärten, Äcker und Felder. Aktivität: Winterruhe (Mitteleuropa) witterungsab- hängig von Oktober bis Ende März, meist erscheinen Jungtiere vor den ♂♂ zuerst aus dem Winterquartier, Fortpflanzungszeit von April bis Juli, entsprechend lange Sommerphase der Jungtiere des ersten Jahres. Wanderungen/Reviere: Altersabhängig, ♂♂ und ♀♀ zur Fortpflanzungszeit fast stationär, 0,3 – 1,2 km Aus- breitungswanderungen, am deutlichsten bei Juvenes ausgeprägt. Fortpflanzung/Entwicklung: Gelegegröße 9 – 14 Eier, Eier 8 – 9,5 mm breit, 11 – 15,2 mm lang und 412 – 725 mg schwer, Entwicklungsdauer im Frei- land temperaturabhängig zwischen 53 und 73 Tagen, Schlüpflinge zwischen 20 – 30 mm Kopf-Rumpf-Länge, 45 – 64 mm Gesamtlänge und 450 – 550 mg schwer, Jungtiere zur ersten Überwinterung bis 40 mm KRL, Geschlechtsreife der ♀♀ mit drei Jahren, häufig erst im vierten Jahr, ♂♂ ausnahmsweise bereits mit zwei Jahren, in der Regel mit drei Jahren. Nahrung: Ganztägig, krabbelnde Insekten und deren Larven, vorwiegend Käfer, Hautflügler, Zikaden, Heuschrecken, Schmetterlinge, aber auch Spinnen, Asseln, Ringelwürmer und Schnecken. Alter: Bis 12 Jahre (im Terrarium älter). Abb. 1: Zauneidechse (Montage). Links Weib- chen (Foto: J. Buschendorf), rechts Männchen (Foto: A. Westermann), unten Weibchen der rotrückigen Morphe (Foto: M. Seyring). 443 2Verbreitung und Ökologie 2.1Allgemeine Verbreitung 2.1.1 Areal Das Areal dieser euryöken Art reicht von Zentral- und Ost-Frankreich (bis zu den Pyrenäen), Südengland im Westen bis zum Baikalsee in Sibirien im Osten (Gasc et al. 1997). Im Baltikum, Karelien und Südschweden erreicht die Zauneidechse ihre nördliche Verbreitungs- grenze. Weiter reicht ihr Verbreitungsgebiet im Süden über die Alpenregionen, Nordgriechenland, Mittel- und Osteuropa bis nach Vorderasien, den Kaukasus bis in die nordwestliche Grenzregion Chinas im Osten. 2.1.2 Verbreitung in Deutschland Die Zauneidechse ist in allen Bundesländern nachge- wiesen (Elbing et al. 1996). Die meisten Vorkommen liegen im planaren bis kollinen Bereich. Es zeichnen sich zwei Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland ab. Die Nachweisdichte ist im Nordosten Deutsch- lands besonders groß, was auf die für die Art güns- tigen naturräumlichen Gegebenheiten zurückzuführen ist. Die Sandgebiete Brandenburgs, des Odertals bis hin zur Lausitz, die Heidelandschaften, die Mittel- sächsischen Hügelländer und Mittelgebirgsvorländer beherbergen teilweise umfangreiche Populationen der Zauneidechse. Auffällig ist auch das flächendeckende Vorkommen der Art in den südwestdeutschen Nie- derungen, Mittelgebirgen und Stufenländern, beson- ders in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Siedlungsschwerpunkte liegen in Baden-Württemberg in der Oberrheinebene, an den wärmebegünstigten Hängen des Südschwarzwaldes und entlang des Neckars, in Rheinland-Pfalz in der Oberrheinebene und in den tieferen Lagen der Mittel- gebirge. Die Fortsetzung der Vorkommen findet sich dann in Frankreich. Die diagonale Mitte Deutschlands, angefangen in den Marschen und Küstengebieten Schleswig-Holsteins und Niedersachsens, über die höheren Lagen der Mit- telgebirge, Hessens und Nordwestbayerns sind eher lückig besiedelt. In Bayern sind die Vorkommen der Zauneidechse auf der Fränkischen Alb, dem Fränki- schen Keuper-Lias-Land und in den großen Flussnie- derungen zu finden. Die Art fehlt in den intensiv genutz- ten Flächen des Alpenvorlandes. Die Alpen werden von Natur aus nur in wärmebegünstigten Standorten der in die Alpen hineinführenden Täler besiedelt. 2.1.3 An Sachsen-Anhalt grenzende Vorkommen In Brandenburg haben lediglich Teile der Elbtalniede- rung und der Fläming Vorkommen der Zauneidechse mit direktem Kontakt zu Populationen in Sachsen-An- halt. Ebenso ist die Art im Elbe-Mulde-Tiefland flä- chendeckend vorhanden, wo sich die Vorkommen der Art auch nach Sachsen fortsetzen (Grosse & Teufert 2015). Hauptverbreitungsgebiete sind hier die Heide- und Moorgebiete, das Leipziger Land, die Elster-Luppe- und die Muldeaue, südlich davon die Altenburg-Zeitzer Lösshügellandschaft. Hier finden sich auch im Anschluss an Nordthüringen überall Vor- kommen der Zauneidechse (Schiemenz & Günther 1994). Auch die wärmebegünstigten Standorte des Helme-Schichtstufenlandes, des Kyffhäusers und des Südharzes werden von der Art besiedelt. Eine Verbrei- tungslücke ist der Harz mit nur wenigen Vorkommen im Umfeld, ebenso weiter nördlich Richtung Braun- schweig, Helmstedt sowie südlich und nördlich des Elms. Gemeinsame Vorkommensgebiete finden sich erst wieder in weiten Teilen der Lüneburger Heide und des Wendlands am Rande der Elbtalniederung. 2.2 Vorkommen in Sachsen-Anhalt 2.2.1 Verbreitung und Häufigkeit Datengrundlagen In Sachsen-Anhalt liegen von der Zauneidechse 4.288 Datensätze zwischen 1953 und 2014 vor. Mit einer aktuellen Rasterfrequenz von 83 % (171 MTB) zählt sie zu den weit verbreiteten Arten (entspricht 438 MTBQ und 59 % Frequenz). Die Art kommt in allen vollständig in Sachsen-Anhalt liegenden MTB vor und fehlt nur in einigen grenzseitig angeschnittenen MTB, wobei sie in den benachbarten Bundesländern dort durchaus vertreten sein kann. Historische Verbreitung Für Deutschland typisch sei, schreibt Dürigen (1897), dass man der Art überall auf Sandböden im norddeut- schen Flachland begegnet, lediglich im Hochharz fehlt sie. Er beruft sich dabei auf Rimrod (1840), der die Art in seiner Heimatkunde der Grafschaft Mansfeld und des Oberherzogtums Anhalt-Bernburg führt. Hoff- mann (1899) erwähnt das Hügelland am Harzrand und die Vorkommen bei Blankenburg, am Regenstein, bei Quedlinburg und weiter östlich bei Sangerhausen und südlich im Kyffhäuser. Köhnke (1893) beobachtete im Tab. 1: Datengrundlagen zur Zauneidechse in Sachsen-Anhalt. Karte 1: Aktuelle Verbreitung (1990–2014) der Zauneidechse in Deutschland (modifiziert nach DGHT e. V. 2014). 444 Abb. 2: Pärchen der Zauneidechse (Foto: A. Westermann). Raum Salzwedel normalgefärbte und rotrückige Tiere. Buschendorf (1984) und Gassmann (1984) spre- chen von einer flächendeckenden Verbreitung in allen Naturräumen der ehemaligen Bezirke Halle und Mag- deburg der DDR. Bei Krüger & Jorga (1990) fanden sich im ehemals zum Bezirk Cottbus gehörigen Kreis Jessen nur sehr lückige Vorkommen, was aber auch auf Erfassungsdefizite hindeutete. Diese Daten wur- den später von Schiemenz & Günther (1994) über- nommen. Eine sehr hohe Fundpunktdichte ergab sich besonders in faunistisch gut untersuchten Gebieten wie der Porphyrkuppenlandschaft bei Halle (Walla- schek 1996). Eigentlich war die Zauneidechse seit jeher im ganzen Stadtgebiet von Halle verbreitet. Das war ein wesentlicher Grund, sie nicht weiter zu beach- ten. Wie bereits Wolterstorff (1888) erwähnt auch Taschenberg (1909) sie nur „allenthalben verbreitet, wo sie ihre Lebensbedingungen findet und ist ... in der Dölauer Heide auch in der rotrückigen Form ... vertre- ten“ (ebenso Schortmann et al. 1941, Buschendorf 1984). Nach Schiemenz & Günther (1994) kommt die Art flächendeckend in Mittelostdeutschland vor. Spo- radisch bis selten wurde sie in der Altmark, der Mag- deburger Börde, auf der Unteren Unstrutplatte und auf der Querfurter Platte gefunden. Allgemein fehlte sie in Teilen der Mittelgebirge. Für Sachsen-Anhalt wurde eine MTB-Frequenz von 69,6 % (MTBQ-Frequenz 39,8 %) ermittelt. Verbreitung nach Landesfauna 2004 Bezogen auf die Anzahl der Fundpunkte war die Zaun eidechse die häufigste Reptilienart in Sachsen-Anhalt (Schädler 2004b). Nachweise lagen aus allen Lan- desteilen vor. Es war dennoch davon auszugehen, dass die Art in der Darstellung stark unterrepräsentiert und wesentlich weiter verbreitet ist. Zauneidechsen- biotope waren nur selten Gegenstand gezielter her- petologischer Erfassungen. Die mit Abstand höchste Nachweisfrequenz wies das Östliche Harzvorland auf. Echte Verbreitungslücken ergaben sich dagegen in den höheren Lagen des Harzes und möglicherweise auch in Teilen des nördlichen Sachsen-Anhalts (Altmark, Bördegebiet). Andere Nachweislücken auf der Unteren Unstrutplatte und der Querfurter Platte (Schiemenz & Karte 2: Vorkommen der Zauneidechse in Sachsen-Anhalt auf MTBQ-Basis. 445
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