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Umweltprobenbank des Bundes (German Environmental Specimen Bank)

Die Umweltprobenbank des Bundes (UPB) mit ihren Bereichen Bank für Umweltproben und Bank für Humanproben ist eine Daueraufgabe des Bundes unter der Gesamtverantwortung des Bundesumweltministeriums sowie der administrativen und fachlichen Koordinierung des Umweltbundesamtes. Es werden für die Bank für Umweltproben regelmäßig Tier- und Pflanzenproben aus repräsentativen Ökosystemen (marin, limnisch und terrestrisch) Deutschlands und darüber hinaus für die Bank für Humanproben im Rahmen einer Echtzeitanalyse Blut-, Urin-, Speichel- und Haarproben studentischer Kollektive gewonnen. Vor ihrer Einlagerung werden die Proben auf eine Vielzahl an umweltrelevanten Stoffen und Verbindungen (z.B. Schwermetalle, CKW und PAH) analysiert. Der eigentliche Wert der Umweltprobenbank besteht jedoch in der Archivierung der Proben. Sie werden chemisch veränderungsfrei (über Flüssigstickstoff) gelagert und somit können auch rückblickend Stoffe untersucht werden, die zum Zeitpunkt ihrer Einwirkung noch nicht bekannt oder analysierbar waren oder für nicht bedeutsam gehalten wurden. Alle im Betrieb der Umweltprobenbank anfallenden Daten und Informationen werden mit einem Datenbankmanagementsystem verwaltet und aufbereitet. Hierbei handelt es sich insbesondere um die biometrischen und analytischen Daten, das Schlüsselsystem der UPB, die Probenahmepläne, die Standardarbeitsanweisungen (SOP) zu Probenahme, Transport, Aufbereitung, Lagerung und Analytik und die Lagerbestandsdaten. Mit einem Geo-Informationssystem werden die Karten der Probenahmegebiete erstellt, mit denen perspektivisch eine Verknüpfung der analytischen Ergebnisse mit den biometrischen Daten sowie weiteren geoökologischen Daten (z.B. Daten der Flächennutzung, der Bodenökologie, der Klimatologie) erfolgen soll. Ausführliche Informationen und eine umfassende Datenrecherche sind unter www.umweltprobenbank.de abrufbar.

Gastvögel - wertvolle Bereiche 2018

Die digitale Übersichtskarte gibt einen Überblick über avifaunistisch wertvolle Bereiche für Gastvögel in Niedersachsen. Als Avifauna wird die Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten bezeichnet. Die der Fachbehörde für Naturschutz vorliegenden avifaunistischen Daten werden gebietsbezogen bewertet. Diese Bewertung erfolgt getrennt für Brut- und Gastvögel nach standardisierten Bewertungsverfahren (Bewertungsstufen von "lokale" bis "internationale Bedeutung", vgl. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 2/2013). Grundlage sind die Ergebnisse der Wasser- und Watvogelzählungen aus dem Zeitraum 2008-2018. Alle vorliegenden Daten von 2008-2018 wurden bewertet. Für die Bewertung eines Gebietes wurden Daten aus einem Zeitabschnitt von 5 Jahren (je nach Datenlage und Bearbeitungsstand) zur Bewertung herangezogen. Die regelmäßige Erhebung und Bewertung von Daten zu Gastvögeln erfolgt ausschließlich auf den dargestellten Flächen.

Moore mit besonderer Bedeutung für Gastvögel (wertvolle Bereiche 2018)

Der Datenbestand gibt einen Überblick über die für Gastvögel wertvollen Bereiche auf kohlenstoffreichen Böden (BHK50) und zusätzlichen, außerhalb dieser Böden identifizierten Moorbiotopen in Niedersachsen.Grundlage sind die Ergebnisse der Wasser- und Watvogelzählungen aus dem Zeitraum 2008-2018. Alle vorliegenden Daten von 2008-2018 wurden bewertet. Für die Bewertung eines Gebietes wurden Daten aus einem Zeitabschnitt von 5 Jahren (je nach Datenlage und Bearbeitungsstand) zur Bewertung herangezogen.Die regelmäßige Erhebung und Bewertung von Daten zu Gastvögeln erfolgt ausschließlich auf den dargestellten Flächen. Es ist zu beachten, dass nur die zum Zeitpunkt der Bewertung vorliegenden Daten ausgewertet werden können und die Einstufung stark von der jeweiligen Datenlage eines Gebietes abhängt. Die Aktualisierung der landesweiten Bewertung erfolgt in größeren zeitlichen Abständen, so dass ggf. bereits für Teilbereiche aktuellere Daten noch nicht eingeflossen sein könnten.

Lietzengraben

In der Lietzengrabenniederung befinden sich großflächige Flachwasserbereiche. Während der Rieselfeldzeit wurde der Graben begradigt und vertieft, damit die großen Wassermengen schneller abfließen konnten. Heute wird angestrebt, das Wasser länger in der Landschaft zu halten. Denn nach Aufgabe der Rieselfeldnutzung fiel das Gebiet rund um Hobrechtsfelde zunehmend trocken und der Grundwasserspiegel sank stark ab. Die Wiedervernässung zeigt bereits Erfolge, denn viele seltene Sumpf- und Wasservögel sowie Amphibien haben sich im Gebiet angesiedelt. Bild: Berliner Forsten Wiedervernässung Mit Hilfe der Umweltentlastungsprogramme (UEP) I und II konnten zahlreiche wasserbauliche Maßnahmen mit dem Ziel der Wiedervernässung erfolgreich umgesetzt werden. Mit dem eigens für das Gebiet entwickelten Bucher Verfahren wurde der Boden saniert. Seit 2005 wird mittels Klarwasseraufleitung der Wasserhaushalt des Gebietes stabilisiert. Wiedervernässung Weitere Informationen Bild: Berliner Forsten Bauwerke Die Teiche 12 und 13 erinnern an die ehemalige Nutzung der Rieselfelder. Sie wurden 2002 im Zuge der Wiedervernässung zur Stabilisierung des Wasserhaushaltes der umliegenden Flächen und der südlich angrenzenden Feuchtgebiete angelegt. Erhaltene alte Wallstrukturen bilden die Einfassung. Bauwerke Weitere Informationen Bild: Berliner Forsten Ökologische Bedeutung Durch die Entstehung neuer Feuchtgebiete und die Stabilisierung vorhandener Gewässer und Bruchwälder wurde das Lietzengrabengebiet naturschutzfachlich stark aufgewertet. Es bietet heute vielen Arten ein Zuhause, seltene Sumpf- und Wasservögel sowie Amphibien können in und um die Biotope beobachtet werden. Durch Abriss- und Sanierungs­maßnahmen konnte eine Umwelt­entlastung realisiert werden. Ökologische Bedeutung Weitere Informationen

Gesetz zu dem Abkommen vom 16. Juni 1995 zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (WVögelAbkG)

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis Eingangsformel Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen:

Entwicklung eines Nachweisverfahrens für (Vogel)Grippeviren in der Umwelt

Das natürliche Reservoir an aviären Influenzaviren (AIV) sind Wasservögel und die Übertragung von AIV über den Wasserweg könnte vor allem für hochpathogene Populationen dieser Viren mit zoonotischem Potenzial eine wichtige Rolle spielen. Methodisch stellt dies jedoch eine große Herausforderung dar. In einem REFOPLAN-Projekt wurden daher verschiedene Methoden zur Virusanreicherung und anschließendem AIV-Nachweis mittels RT-PCR getestet und durch die Mitführung eines Referenzstandards (Detektion behüllter ⁠ RNA ⁠ Viren in Wasserproben basierend auf dem Bakteriophagen ϕ6) validiert.  Insgesamt wurden 61 % der Wasserproben und 50 % der korrespondierenden Gewässersedimentproben, die während einer HPAIV-Epidemie aus flachen Gewässern in avifaunistisch reichen Wasservogelhabitaten entnommen wurden, AIV-positiv getestet. Die in diesen Proben gefundenen AIV-Viruslasten waren jedoch im Allgemeinen zu gering für Virusisolierungen oder weitere Sub- und Pathotypisierungen, die für Risikoabschätzungen von Bedeutung sind. Weitere Experimente zeigten den Einfluss abiotischer Effekte (Wassertemperatur und Wasserqualität) auf die Tenazität unterschiedlicher AIV-Isolate. Experimentelle Untersuchungen zur Bedeutung kleiner flacher Gewässer als mögliche Übertragungsmedien von AIV unter Stockenten zeigten, dass bereits geringste Mengen von im Wasser resuspendierten hochpathogenenen AIV (ca. 100 infektiöse Einheiten /Liter Wasser) zu einer Ausbreitung der AIV Infektionen führen können. Insgesamt machten die Untersuchungen die hohe Bedeutung von Wasser als Transmissionsmedium aviärer Influenzainfektionen bei Vögeln deutlich und zeigen die Notwendigkeit der Entwicklung effizienterer Anreicherungsmethoden als Grundlage für Risikoabschätzungen der Übertragung von Infektionen über die Umwelt. Veröffentlicht in Umwelt & Gesundheit | 03/2024.

Nutztierrassen pflegen artenreiche Offenlandschaften

Viele Offenlandschaften sind in vorindustrieller Zeit entstanden: Nutztiere haben dort junge Büsche und Bäume abgefressen. Dieser natürliche Verbiss verhinderte, dass die Flächen mit Bäumen und Sträuchern zuwuchsen. So schufen die Tiere Grünland und Staudenfluren, Trockenrasen oder Feuchtwiesen. Viele artenreiche Lebensräume konnten sich erst dadurch entwickeln. Ohne gezielte Pflege würden sie heute rasch wieder verschwinden. Welche Pflanzenarten und Strukturen die Oberhand behalten, lässt sich einerseits durch die Intensität der Beweidung (sprich: die Zahl weidender Tiere) steuern. Auf schwächer beweideten Flächen etwa haben störungsempfindliche Arten besseren Stand. Die zweite Stellschraube ist die Art der eingesetzten Tiere. Pferde, Rinder und Schafe unterscheiden sich in Verhalten und Fressweise. Damit formt jede Art die Landschaft auf eigene Weise. Je nach Landschaftstyp und Pflegeziel lässt sich das entsprechend einsetzen und kombinieren. Fachleute sprechen vom „Multispezieseffekt“. Ziegen und Schafe etwa sind ideal, um wertvolle Trockenrasenlandschaften zu erhalten. Schottische Hochlandrinder, Galloways und andere Robustrinderrassen halten dagegen selbst widriger Witterung stand und kommen deshalb auch auf feuchteren Bereichen zurecht. Beweidung, Landschafts- und Pflanzenentwicklung bedingen und befruchten sich so gegenseitig. Mit dem Aufkommen landwirtschaftlicher Maschinen wurde eine alte Rasse nach der anderen durch Hochleistungszüchtungen ersetzt. Heute besinnt man sich wieder auf ihre Qualitäten. Alte Nutztierrassen sind oft besonders langlebig, genügsam und widerstandsfähig. Deshalb eignen sie sich gut für die Haltung in offener Naturlandschaft. Der Erhalt der genetischen Vielfalt von Nutztieren und der biologischen Vielfalt in der Landschaft gehen dabei Hand in Hand. In Berlin gibt es zahlreiche Beweidungsprojekte, von denen einige in den folgenden Absätzen vorgestellt werden. Im Arche-Park am Kienberg werden gefährdete Haustierrassen erhalten und gezüchtet. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) hat den Park zertifiziert. Dülmener Pferde beweiden dort ganzjährig ein weitläufiges Areal an der Wuhle. 2020 kamen Kühe des Roten Höhenviehs dazu. Beide Arten sollen eine weitere Verbuschung verhindern und ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume schaffen. Das kommt der Artenvielfalt etwa an Schmetterlingen, Heuschrecken oder Bodenbrütern zugute. Im grenzübergreifenden Naturpark Barnim entsteht auf rund 800 Hektar ehemalige Rieselfelder eine parkartige Halboffenlandschaft. Beweidung, Waldwirtschaft, Erholung und die Förderung biologischer Vielfalt werden dazu kombiniert. Robustrinder wie Galloways, Schottische Hochlandrinder, Uckermärker, oder Wasserbüffel, aber auch Fjordpferde und Koniks übernehmen die Landschaftspflege. Auch die Feuchtwiesen der benachbarten Lietzengrabenniederung werden wieder ganzjährig beweidet, um Nasswiesen, Rohrglanzwiesen und viele andere Biotope dauerhaft als Brut- und Rastgebiet für Wasservögel zu erhalten. Die Zahl der Arten, die dort vorkommt, ist bereits nachweislich gestiegen. Reptilien, Amphibien und Libellen profitieren dabei ebenso wie Krick- und Löffelente, Braunkehlchen, Raubwürger und andere gefährdete Vogelarten. 2019 wurde das Projekt in der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Mehr Informationen zur Waldweide Geschützte Trocken- und Magerrasen sind das Herz des Landschaftsparks Johannisthal in Berlin-Adlershof. Sie beherbergen eine Vielzahl spezialisierter, licht- und wärmeliebender Arten. Schafe und Robustrinder halten die Wiesen offen. Ihr Verbiss fördert Pflanzengesellschaften, die seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Raum und Nahrung bieten. Ein Rundweg macht die artenreiche städtische Offenlandschaft auch für uns Menschen erlebbar. Im Stadion Wilmersdorf beweiden Schafe die nicht mehr genutzten Tribünen. Seit 2021 wird diese innovative Form der Sportstättenpflege hier erprobt. Die Tiere dämmen dabei nicht nur den Gehölzaufwuchs ein. Sie sorgen auch – keine zwei Kilometer vom Ku’damm entfernt – für unerwartete Naturerlebnisse mitten in der Stadt. Über die Zeit hat sich die weitläufige Parks Range in Berlin-Lichterfelde zu einem Hotspot der Artenvielfalt entwickelt. Dass sich das ehemalige militärische Übungsgelände so positiv entwickelt, liegt nicht zuletzt an der Art, wie hier manuelle Pflege geschickt mit einer Beweidung durch Reitpferde kombiniert wird. Heute ist die vielgestaltige Landschaft aus Wiesen, Gebüschen und kleinen Wäldern Heimat vieler geschützter Arten von Pflanzen, Amphibien, Insekten und Brutvögeln. Entdecken Sie die Beweidungsprojekte und beobachten Sie die Tiere in ihrem Lebensraum! Besuchen Sie die Domäne Dahlem! Dort werden viele Nutztiere gehalten, deren Rassen vom Aussterben bedroht sind. Landschaftspflege durch Beweidung

Gastvögel - wertvolle Bereiche 2006

Die digitale Übersichtskarte gibt einen Überblick über avifaunistisch wertvolle Bereiche für Gastvögel in Niedersachsen. Als Avifauna wird die Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten bezeichnet. Die der Fachbehörde für Naturschutz vorliegenden avifaunistischen Daten werden gebietsbezogen bewertet. Diese Bewertung erfolgt getrennt für Brut- und Gastvögel nach standardisierten Bewertungsverfahren (Bewertungsstufen von "lokale" bis "internationale Bedeutung", vgl. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 6/97). Grundlage sind die Gastvogel-Daten der Wasser- und Watvogelzählungen aus dem Zeitraum 1997 bis 2006. Alle vorliegenden Daten von 1997 bis 2006 wurden bewertet. Für die Bewertung eines Gebietes wurden Daten aus einem Zeitabschnitt von 5 Jahren (je nach Datenlage und Bearbeitungsstand) zur Bewertung herangezogen wurden. Die regelmäßige Erhebung und Bewertung von Daten zu Gastvögeln erfolgt ausschließlich auf den dargestellten Flächen.

Naturnahe Auen und ein neues Zuhause für „Wasserdrachen“

Katlenburg-Lindau/Göttingen – Ruhezonen, Biotope, wiederangeschlossene Flussarme und ein neuer Auwald: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die Renaturierung der Rhumeaue bei Lindau im Grenzbereich der Landkreise Göttingen und Northeim erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde der strukturarme Fluss sowie die Aue auf einem rund 1.000 Meter langen Teilstück naturnäher gestaltet. Von den Arbeiten profitieren soll unter anderem der streng geschützte Kammmolch: Für Deutschlands größten „Wasserdrachen“ wurden neue Biotope in Form von Stillgewässern geschaffen. Ruhezonen, Biotope, wiederangeschlossene Flussarme und ein neuer Auwald: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die Renaturierung der Rhumeaue im Grenzbereich der Landkreise Göttingen und Northeim Hintergrund des Projekts an der Rhume sind die Bestimmungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Demnach gilt der Fluss – ein sogenanntes „Gewässer II. Ordnung“ – als Prioritätsgewässer. „Die EU-Richtlinie sieht vor, dass die Grund- und Oberflächengewässer der Mitgliedsstaaten in einen guten Zustand gebracht werden müssen“, erklärt Kathrin Moggert von der NLWKN-Betriebsstelle Süd in Göttingen, die das Projekt nahe Lindau geplant und umgesetzt hat. Das Problem: Im vorigen Jahrhundert war der Verlauf der Rhume hier durch menschliches Eingreifen begradigt und eingetieft worden. Infolgedessen liegt ihre Aue heute deutlich höher – die Rhume gilt in der Bewertung entsprechend als stark verändertes Gewässer. Das jetzt abgeschlossene Revitalisierungsprojekt soll das ändern. Es umfasst dabei mehrere Teilaspekte. Die ausgeführten Arbeiten sollen sowohl das Fließgewässer selbst als auch die umgebende Aue aufwerten, betont Kathrin Moggert: „Ziel war es, nicht nur die Vorgaben der WRRL umzusetzen, sondern auch Synergien mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zu ermöglichen, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt insgesamt dient“. Um der begradigten und strukturarmen Rhume wieder eine vielfältige und wertvolle Ufer- und Sohlstruktur zu verleihen, wurden konkret Totholz als Strömungslenker sowie Kiesrauschen in die Rhume eingebaut. Sie sollen unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten erzeugen und Ruhezonen für Fische und Kleinlebewesen schaffen. Auch zwei Altarme der Rhume – Relikte ihres historischen, eigentlich in großen Bögen fließenden Gewässerverlaufs – wurden per Rückschlagklappen wieder an die Rhume angeschlossen. „Bei Hochwasser wird das Wasser nun in die Altarme gedrückt, kann aber nicht wieder sofort abfließen. Dadurch wird die Wasserführung dieser Stillgewässer deutlich verbessert und eine ganzjährige Wasserhaltung ermöglicht“, erklärt Edith Büscher-Wenst, ebenfalls vom NLWKN. Neu gestaltete Furten ermöglichen zudem nun eine Verbindung der ursprünglich durch Wege voneinander getrennten Altarme. Neuer Lebensraum im Umfeld des Flusses Neuer Lebensraum im Umfeld des Flusses Neben den umgesetzten Arbeiten im Bereich der Gewässersohle und Altarme bieten ab sofort zusätzlich zwei neu geschaffene Feuchtbiotope einen geeigneten Lebensraum für zahlreiche Wasservögel, Insekten und Amphibien – etwa dem seltenen und gefährdeten Kammmolch: Der bis zu 18 Zentimeter lange „Wasserdrache“ ist ein wahrer Riese unter den heimischen Molchen. Aufgrund seiner Nachtaktivität und Vorliebe für eine versteckte Lebensweise wird er dennoch selten gesichtet. Zur Verbesserung der Auenfunktion wurden auf den umliegenden landeseigenen Naturschutzflächen Initialpflanzungen mit standorttypischen Gehölzen vorgenommen, die zunächst durch Holzzäune und Drahtgeflechte vor Fressfeinden wie dem Biber geschützt werden. „Auf den aufgelockerten Oberbodenbereichen wird sich durch die natürliche Ansiedlung von Gehölzen – insbesondere Schwarzerlen und Weidenarten – ein nach und nach natürlicher Auwald entwickeln, der dann den typischen Auwaldbewohnern wie Biber und Fischotter frei zur Verfügung steht“, so Büscher-Wenst. Auch die Kammerung von Gräben soll zu einem verbesserten Wasserrückhalt im Gebiet führen. Die Bauzeit des Projektes an der Rhume hatte sich aufgrund zwischenzeitlich ungünstiger Witterungsbedingungen stark verlängert. Baubeginn war im Oktober 2023. Angesichts des sehr niederschlagsreichen Jahresendes 2023 mussten die Arbeiten in den Wintermonaten und wegen des nassen Frühjahrs zunächst bis zum Sommer 2024 ruhen. Die Baumaßnahme konnte entsprechend erst Ende 2024 abgeschlossen werden. Finanziert wurde die Umsetzung durch das Programm Fließgewässerentwicklung mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Niedersachsen. „Mit dem Abschluss des Projekts konnte jetzt ein weiterer Baustein zur Renaturierung der Rhume und der naturnahen Entwicklung von landeseigenen Naturschutzflächen realisiert werden“, freut sich Kathrin Moggert. Der Altarm der Rhume (links) wurde über eine Furt und ein Rohrsystem wieder an den Fluss (rechts) angebunden. Von den neu angelegten Biotopen – oben im Bild – soll unter anderem der Kammmolch profitieren (Bilder: Kathrin Moggert/NLWKN). Die neuen Feuchtbiotope mit Totholz und Steinbuhnen schaffen günstige Lebensbedingungen für den Kammmolch (Bilder: Kathrin Moggert/NLWKN).

Rund um die Talsperre Kelbra „Runder Tisch Talsperre Kelbra“ abgeschlossen Talsperre Kelbra als Bauwerk zum Schutz vor Hochwasser Bedeutsames Feuchtgebiet und Europäisches Vogelschutzgebiet Naherholung und Tourismus

Um verschiedene Nutzungsinteressen zur Talsperre Kelbra in Einklang zu bringen, hat das Umweltministerium 2020 den „Runden Tisch zur Talsperre Kelbra“ gestartet. Als Mitglieder des Dialogformats wurden 18 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Fachbehörden, Umwelt- und Naturschutzvereinigungen sowie touristischen Interessenvertretungen berufen. Der Runde Tisch wurde durch einen unabhängigen Moderator geleitet und hat insgesamt neunmal getagt. Zusätzlich wurde in zwei öffentlichen Veranstaltungen über die Arbeit informiert. Von Anfang an waren sich die Mitglieder des Runden Tisches einig, dass der Hochwasserschutz auch künftig Priorität haben muss. Mögliche weitere Nutzungen der Talsperre müssen sich daran sowie an den rechtlichen und fachlichen Anforderungen des Natur- und Gewässerschutzes orientieren. Von besonderer Bedeutung war dabei aufgrund von EU-Recht die Vorgabe, dass zur Kranichrast im Frühherbst ausreichende Schlammflächen im Stausee zur Verfügung stehen müssen. Zwei Forderungen von Mitgliedern standen im besonderen Fokus der Diskussion den Stausee im Spätsommer so spät wie möglich abzusenken, um die Nutzung für den Segelsport lange zu ermöglichen (Seglerverband) und im Interesse fischereilicher Belange eine Restwassermenge in den Wintermonaten im Stauraum zu belassen (Kreisanglerverein, Landesanglerverband) Aufbauend auf die Ergebnisse eines dreijährigen umfangreichen Monitoringprogramms zum vorläufigen Betriebsplan der Talsperre konnten tragfähige Kompromisse gefunden werden, die von den Mitgliedern des Runden Tisches weitestgehend mitgetragen werden konnten. Es hat sich insbesondere gezeigt, dass durch die aktuelle Steuerung der Talsperre gute Rahmenbedingungen für eine Brut- und Rastplatznutzung geschaffen werden konnten. Auch für Segler (Errichtung einer für den Segelsport bei niedrigem Wasserstand nutzbaren Anlegestelle) und Angler (Verbleib einer definierten Restwassermenge im Stausee im Winter) konnten im Ergebnis der Abstimmungen gute Lösungen gefunden werden. Bilanzierend konnte festgestellt werden, dass sich die Grundvoraussetzungen des Stauregimes auch unter abweichenden hydrologischen Bedingungen nicht verändert haben. Die Steuerung der Talsperre hat sich bewährt, so dass an den Festlegungen im vorläufigen Betriebsplan weitestgehend festgehalten werden soll. Die Ergebnisse des Runden Tisches wurden in einer „ Gemeinsamen Erklärung “  festgehalten. Damit ist das Dialogformat erfolgreich abgeschlossen worden – damit verbunden ist der Dank an alle Mitglieder, die sich am Runden Tisch engagiert haben. Um den Dialog zur Entwicklung des Areals rund um den Stausee Kelbra fortzusetzen, wird der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt künftig jährlich eine Informationsveranstaltung durchführen. Die 1969 in Betrieb genommene Talsperre ist eine Hochwasserschutzanlage, die insbesondere in den niederschlagsintensiven Wintermonaten dem Hochwasserrückhalt dient. Dadurch sollen Überschwemmungen der Helme-Unterlieger vermieden werden. Die Anlage wird vom Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt betrieben. Welch bedeutende Rolle die Talsperre Kelbra für den Hochwasserschutz in der Region hat, hat das Winterhochwasser 2023/2024 erneut eindrucksvoll gezeigt. Bei Zuflussmengen von bis zu 180 m³/s in der Helme oberhalb Kelbra wären ohne die Talsperre und deren Retentionswirkung in den Ortschaften unterhalb Schäden in erheblich größerem Maße aufgetreten. Darüber hinaus ist der Stausee im Spätsommer/Frühherbst als Rastplatz für Kraniche und Limikolen sowie im Frühsommer/Sommer als Brutgebiet für Wasservögel ein Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Das bedeutet, dass jede Regelung zum Betrieb der Talsperre Kelbra mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen der Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (EU-SPA) abzustimmen ist. Der Helme-Stausee ist eines der größten Rastgebiete für Kraniche in Deutschland und das bedeutendste Brutgebiet für den Schwarzhalstaucher in Sachsen-Anhalt. Wir haben die Pflicht, diese heimischen Tierarten zu schützen und ihren Lebensraum zu erhalten. Ebenfalls zu beachten sind dabei die Anforderungen an geschützte Arten und Lebensraumtypen in den FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) der Helme an Zulauf und Auslauf der Talsperre und der Nebenhelme. Auch die Anforderungen aus der europäischen Wasserrahmenrichtlinie an den Erhalt und die Verbesserung der Gewässergüte in der Helme müssen beachtet werden. Das heißt: die Gewässerqualität der Helme muss erhalten bleiben, die dort typisch lebenden Arten werden geschützt. Im Zeitraum vom Mai bis Oktober wird der Stausee vielfältig touristisch genutzt. Zu den Aktivitäten gehören Angeln Wassersport (Segeln) Camping Vogelbeobachtung (vor allem zur Kranichrast) Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten werten die Region auf und schaffen touristische Anziehungspunkte. Der Stausee Kelbra soll auch künftig soweit genutzt werden können, wie es der Hochwasserschutz und die naturschutz- und gewässerschutzrechtlichen Anforderungen zulassen. Der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt unterstützt die naturschutzfachliche Weiterentwicklung und Besucherlenkung in der Region mit flankierenden Maßnahmen. Dazu zählen das geplante „Naturerlebniszentrum Stausee Kelbra“, der Kranichbeobachtungsturm, der Fischlehrpfad oder der Einsatz von Rangern.

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