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Funktionen und Leistungen der Landwirtschaft und deren Wert für die Gesellschaft

Die Landwirtschaft erbringt verschiedenste Funktionen bzw. Leistungen, die weit über die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Fläche und die Produktion von Lebensmitteln hinausgehen. Zusätzlich zur reinen Agrarproduktion bzw. Produktion marktfähiger Güter produzieren landwirtschaftliche Betriebe eine Reihe von Produkten und Dienstleistungen (sogenannte non-commodity outputs bzw. Nicht-Marktgüter), die unterschiedliche Elemente der 'Multifunktionalität' in der Landwirtschaft darstellen (OECD, 2001). Diese vielfältigen Produkte und Dienstleistungen haben oft die Eigenschaften öffentlicher Güter. Um den gesellschaftlichen Wert, der mit den unterschiedlichen Funktionen bzw. Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe verbunden ist, einschätzen zu können, kann die Multifunktionalität im Kontext von (positiven und negativen) externen Effekten betrachtet werden. Als Nebenprodukte oder Wirkungen der landwirtschaftlichen Produktion bzw. der Tätigkeiten landwirtschaftlicher Betriebe sind diese externen Effekte gesellschaftlich relevant. Im Laufe der Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wurde dem Umstand der non-commodity outputs bzw. positiven und negativen externen Effekten der Landwirtschaft zunehmend Rechnung getragen, insbesondere im Rahmen der Programme zur Ländlichen Entwicklung. Im Zuge dessen werden auch bestimmte überbetriebliche Leistungen und Funktionen landwirtschaftlicher Betriebe (z.B. Landschaftspflege, umweltrelevante Aktivitäten, ökologische oder infrastrukturelle Funktionen etc.) als Wert für die Gesellschaft anerkannt. Damit bei der weiteren Ausgestaltung von Instrumenten und Maßnahmen der GAP überbetriebliche Leistungen und Funktionen landwirtschaftlicher Betriebe miteinbezogen werden können, sind diese Leistungen und Funktionen zu erfassen sowie ihr gesellschaftlicher Wert zu ermitteln. Ziel des Forschungsprojektes, das von der Technischen Universität München koordiniert wird, ist eine umfassende Analyse der Funktionen und Leistungen landwirtschaftlicher Betriebe bzw. ihrer positiven und negativen externen Effekte sowie eine Quantifizierung des gesellschaftlichen Wertes von Aspekten der Landwirtschaft. Jene Leistungen der Betriebe für die Gesellschaft, die über die reine landwirtschaftliche Produktion hinausgehen, sind zu bestimmen und zu bewerten. Im Rahmen des Projektes werden Literaturstudien erarbeitet und empirische Untersuchungen durchgeführt. Laut Technischer Universität München sollen bei der empirischen Analyse die kausalen Effekte der Landwirtschaft und die gesellschaftliche Bewertung dieser Effekte in einer integrierten Weise ermittelt werden. Die Quantifizierung des gesellschaftlichen Wertes von Aspekten der Landwirtschaft soll für bestimmte Regionen erfolgen (geplant sind Bayern, Österreich, Südtirol, Norwegen). Dafür werden Befragungen in den Regionen sowie die Erarbeitung eines entsprechenden Datenpools durchgeführt. (Text gekürzt)

Onthophagus baraudi Nicolas, 1964 Blatthornkäfer Extrem selten

Hohes Gefährdungspotenzial am Arealrand. Alpentier, von den Ostalpen (Steiermark, Tirol, Südtirol) über die Bayerischen Alpen ( Rößner 2008), die südliche Hälfte der Schweiz und Norditalien (südlich bis Ligurien) bis in die französischen Westalpen (Hautes-Alpes, Alpes de Hautes-Provence) verbreitet, wo die Art häufig sein kann ( Krell 2018). Bereits von Kofler (2007) für Deutschland vermutet, da österreichische Funde nahe zur deutschen Grenze vorlagen (Forchach, Elmen), erstmals von Rößner in wenigen Exemplaren in Bayern westlich Garmisch-Partenkirchen, Frieder/Friederspitz 2008 nachgewiesen ( Rößner 2008), früher wahrscheinlich nur übersehen.

Einfluß der Qualität von Bewässerungswasser auf das Mikrobiom von Apfelbäumen und die Qualität von Äpfeln - Eine "One Health" Studie

Äpfel gehören zu dem am meisten konsumierten Obst weltweit und sind seit langem mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Einer der wichtigsten Produzenten von Äpfeln ist der Norden Italiens. Aufgrund des Klimawandels und lang anhaltender Dürreperioden haben in den letzten zehn Jahren immer mehr Obstplantagen begonnen, Bewässerung zu nutzen, um das fehlende Wasser während der Trockenperioden auszugleichen. Im Rahmen des Projekts möchten wir die Rolle der Qualität des Bewässerungswassers und dessen Qualität für das wurzelassoziierte Mikrobiom von Apfelbäumen untersuchen. Wir möchten die Auswirkungen auf das Wachstum der Apfelbäume, die Apfelqualität sowie das mit den Apfelfrüchten verbundene Mikrobiom beschreiben. Da die Verwendung von Bewässerungswasser aufgrund der verlängerten Trockenperioden in Europa immer populärer wird, glauben wir, dass dieses Projekt nicht nur für die Grundlagenforschung von Bedeutung ist, um unser Verständnis der Interaktion verschiedener Umweltmikrobiome mit dem Mikrobiom von Apfelbäumen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf das Phänotyp der Apfelbäume zu verbessern, sondern auch für die angewandte Forschung und die Entwicklung von Vorschriften zur Wasserqualität für die Bewässerung. In diesem Zusammenhang denken wir, dass Antibiotikaresistenzgene und ihre Ausbreitung aufgrund erhöhter Schadstoffwerte im Bewässerungswasser und in Apfelfrüchten von hoher Relevanz für die Verbrauchersicherheit sind. Unser Projekt konzentriert sich auf Apfelbäume von zwei Sorten, die häufig in Südtirol verwendet werden (Golden Delicious und Stark Delicious), und bezieht unterschiedliche ontogenetische Altersstufen der Bäume in unsere Analyse ein. Die Hauptziele des Projekts umfassen: Die Charakterisierung der Wasserproben, die zur Bewässerung entlang eines Gradienten des anthropogenen Einflusses des Flusses Etsch verwendet werden, unter Bewertung abiotischer und biotischer Eigenschaften. Die Untersuchung des Einflusses von Bewässerungswasser unterschiedlicher Qualität auf die Struktur und Funktion des Mikrobioms an der Pflanze-Boden-Schnittstelle. Die Definition und Charakterisierung der Anwesenheit von Metall- und Antibiotikaresistenzgenen in der Rhizosphäre von Golden Delicious- und Stark Delicious-Apfelbäumen. Die Definition und Charakterisierung der Anwesenheit von Metall- und Antibiotikaresistenzgenen in den Früchten dieser beiden Sorten, die zu den meistproduzierten in Südtirol gehören und weit in Deutschland vermarktet werden, um deren potenzielle Mobilität und Assoziation mit pathogenen Organismen zu bestimmen und das Ausmaß der Ähnlichkeit zwischen den beobachteten Resistenzen und denen von klinischem Interesse zu definieren. Die Bestimmung der Auswirkungen der Qualität des Bewässerungswassers auf die Resilienz von Apfelbäumen gegenüber Trockenheit. Unsere Studie konzentriert sich auf Wasser, das aus verschiedenen Teilen der Etsch mit unterschiedlichem anthropogenen Einfluss und Qualität entnommen wurde.

Vegetations- und Biotopkartierung, Biotopbewertung in Tirol und Suedtirol

Erfassung der Vegetationseinheiten von der Kulturlandschaft der Tieflagen bis in die alpine Region. Die Ergebnisse finden ihren Ausdruck in Vegetationskarten, welche eine wesentliche Grundlage fuer Raum-, Landschafts- und Naturschutzplanung darstellen. Ziel der Biotopkartierung ist eine Inventarisierung von Oekosystemen, die besonders wertvoll bzw. selten sind. Die Biotopbewertung dient der Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes fuer den Naturschutz und fuer die Erstellung gezielter Schutz-, Pflege- und Erhaltungsmassnahmen. Im Zuge dieser Kartierung werden auch bestehende Schutzgebiete wissenschaftlich untersucht und die gewonnenen Daten fuer eine Massnahmenplanung umgesetzt. Kartierung biologisch wichtiger Feuchtgebiete Tirols.

Kapitel 73 Dickkopffliegen Rote Listen Sachsen-Anhalt 2020

Rote Listen Sachsen-Anhalt Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, Heft 1/2020: 885–889 73 Bearbeitet von Matthias Jentzsch und Andreas Arnold (2. Fassung, Stand: Dezember 2018) Einführung Die in Deutschland heimischen Dickkopf- oder Bla- senkopffliegen sind kleine bis mittelgroße Fliegen von 3,5 bis 18 mm Länge. In Körperform und -zeichnung erinnern viele Arten insbesondere der Unterfamilie Conopinae, weniger der Dalmanniinae und Myopinae, an Wespen oder wespenähnliche Schwebfliegen. Der Kopf erscheint bei den meisten Arten relativ groß und aufgeblasen. Ein weiteres Kennzeichen vieler Arten der Familie ist ein meist mehr als kopflanger, ein- bis zweifach geknieter Rüssel, der in Ruhestellung zu- sammengeklappt in einer rinnenförmigen Vertiefung des Kopfes liegt. Die Spitze der so genannten Analzel- le reicht bei den meisten Arten bis zum Flügelhinter- rand. Bei den verschiedenen Arten mehr oder weniger markant ist das weibliche Eiablage-Organ, die Theca. Die Imagines sind von April bis September bei der Nahrungsaufnahme von Nektar an Blüten (vor allem der Compositae, Labiatae und Umbelliferae), aber auch an anderen Aktivitätsplätzen ihrer Wirte (aculeate Hymenopteren wie Hummeln, Wespen, Honigbienen und solitär lebende Bienenarten), wie beispielsweise deren Tränken oder Nesteingängen, anzutreffen. Wie viele ihrer erst zum Teil bekann- ten Wirtsarten werden auch einige Dickkopffliegen häufig auf Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Zwergstrauchheiden angetroffen und weisen auf ihre Eignung als Indikatoren für diese wertvollen Lebens- räume hin. Auch artenreiches Grünland, Ackerbra- chen und -randstreifen sowie Hecken sind wichtige Lebensräume für einige Blasenkopffliegen und ihre Wirtsarten. Mehrere im Frühjahr aktive Myopa-Arten sowie Conops vesicularis Linnaeus, 1761 sind an blü- henden Obstbäumen und blütenreichen Sträuchern wie Crataegus und Prunus anzutreffen. Weibchen der Dickkopffliegen heften in der Regel ein Ei an einen Segmentrand des Hinterleibes ihrer Wirte. Die zur Eiablage erforderlichen Angriffe auf die Wirte sind häufig zu beobachten. Derartige Attacken werden jedoch zumindest bei einigen Arten auch von den Männchen ausgeführt (Arnold 2010). Die Larve lebt zunächst frei schwimmend in der Hämolymphe, später parasitisch von den nicht un- mittelbar lebenswichtigen Organen des Wirtes, wird aber gegen Ende ihrer Entwicklung zum Parasitoiden, indem sie ihren Wirt tötet und sich in dessen Abdo- men verpuppt, wo sie in der Regel auch im Puppen- stadium überwintert. Die meisten Dickkopffliegen schlüpfen im Folgejahr, einzelne können jedoch auch im Puppenstadium mehrmals überwintern. Das Ge- Dickkopffliegen (Diptera: Conopidae) wicht des Parasitoides beträgt etwa ein Viertel bis ein Drittel der Körpermasse seines Wirtes, wodurch das Wirtsspektrum auf Arten entsprechender Größe eingeengt wird (Arnold 2011). Nicht zuletzt aufgrund ihrer parasitoiden Reproduktion sind einige Arten der Conopidae recht selten und da auch ältere Daten nur sehr regional vorliegen, ist eine Einschätzung des Ge- fährdungsgrades in Sachsen-Anhalt mit dem gegen- wärtigen Kenntnisstand bei der Mehrzahl der Arten nur mit Vorbehalt möglich. Datengrundlagen Die Faunistik der Dickkopffliegen ist in Deutschland nach wie vor unzureichend untersucht, was aus der natürlichen Seltenheit der meisten Arten resultiert. Daher kommt es trotz intensiver Besammlung zu- meist nur zu relativ wenigen Nachweisen. Für das Ge- biet der Bundesrepublik Deutschland werden aktuell 54 Arten geführt, wovon bisher 39 (72 %) in Sachsen- Anhalt nachgewiesen wurden. Dies ist zum einen das Ergebnis der Entomofaunistik, zum anderen wurden „Sammelarten“, die bei näherer Betrachtung jeweils mehrere Spezies vereinten, einer Revision unterzogen (Rivosecchi & Mei 1998, Kassebeer 1999, Schumann 2002, Stuke 2002, Stuke & Clements 2005, Stuke 2006, Stuke & Clements 2008, Mei & Stuke 2008), wodurch einige frühere Belege neu bewertet werden müssen. Den vorgenannten Veröffentlichungen folgt die Syste- matik der Arten (s. a. Arnold & Jentzsch 2016). Keine der Dickkopffliegen-Arten ist besonders gesetzlich geschützt. Einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Cono- pidenfauna Sachsen-Anhalts leisteten bereits eini- ge Entomologen, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Daten publizierten (Jänner 1937, Kleine 1909, Lassmann 1934, Loew 1857) und weitere, wie z. B. Maertens und Riedel, die an der Erstellung der Monographie über die Fliegen Thüringens (Rapp 1942) beteiligt waren. Insgesamt sieben Arten, die in der damaligen Zeit belegt wurden, müssen gegenwärtig in Sachsen-Anhalt als ausgestorben oder zumindest verschollen eingestuft werden. Das ältere Samm- lungsmaterial aus Sachsen-Anhalt ist über zahlreiche Museen und Institute verteilt. Erste Auswertungen liegen bereits in publizierter Form vor (Stuke 1997, Ar- nold 2001, Jentzsch 2005, 2014, 2016, Jentzsch & Jänicke 2014, Stuke & Kehlmaier 2008). Seit etwa 2001 erfolgten wieder gezielte Er- fassungen. Diese haben zu verschiedenen regiona- len Publikationen und Belegarbeiten (Arnold 2004, Jentzsch & Steinborn 2007, 2008, Steinborn 2007, Link et al. 2012) sowie einer ersten Gesamtschau der Dick- kopffliegen-Fauna Sachsen-Anhalts (Jentzsch 2009) 885 1 2 Abb. 1: Conops flavipes ist ein häufiger Blütenbesucher dessen Larven nach Haupt & Haupt (1998) in Nestern von Erdhummeln und bei Soli- tärbienen der Gattung Osmia leben (25.08.2019, Montal, Südtirol, Italien. Foto: M. Jentzsch). Abb. 2: Conops quadrifasciatus besucht häufig und gern violette Blüten. Ihre Larven entwickeln sich in den Nestern der Steinhummel (Haupt & Haupt 1989) (25.08.2019, Montal, Südtirol, Italien. Foto: M. Jentzsch). geführt. Hervorzuheben sind zudem die im Auftrag des Förder- und Landschaftspflegevereins Biosphären- reservat „Mittelelbe“ e. V. durchgeführten Erfassun- gen Blüten besuchender Insekten in Streuobstwiesen in den Jahren 2012 und 2013, die zahlreiche Conopi- den-Nachweise erbrachten (leg. K. Bäse, B. Krummhaar, C. Saure). Im Ziegelrodaer Forst konnten im gleichen Zeitraum mittels Autokescher-Fängen bemerkens- werte Nachweise erzielt werden (leg. T. Glinka, J. Link; Jentzsch et al. 2017) und es kamen zahlreiche Beifän- ge aus Untersuchungen für Managementplanungen des Landesamtes für Umweltschutz zur Auswertung (alle det., Coll. Jentzsch). Bei einigen dieser Erfassun- gen waren Vorkommen überregional bedeutsamer Arten belegbar, wie z.B. von Zodion kroeberi Szilády, 1926 in der Klietzer Heide (Stuke et al. 2006). Die erste Fassung der Roten Liste (Arnold & Jentzsch 2004) war vor allem als Anregung zur Intensivierung der Erfas- sungen gedacht. Dennoch gilt es immer noch, „weiße Flecken“ in Sachsen-Anhalt zu tilgen. Zu den aktuell wenig oder nicht besammelten Gebieten zählen bei- spielsweise der Harz und der Flechtinger Höhenzug. Insgesamt ergaben sich Nachweise von 39 Arten für Sachsen-Anhalt (Arnold & Jentzsch 2016). Davon wur- den zwei als ausgestorben oder verschollen und 14 in eine Gefährdungskategorie eingeordnet. Weitere vier Arten befinden sich nunmehr auf der Vorwarnliste. Noch immer ist es bei mehreren Spezies aufgrund der unzureichenden lokalen Erfassungen schwierig, ge- naue Gefährdungskategorien zu formulieren und die Kategorien „G“ und „D“ geben für diese Arten aktuell am genauesten den Kenntnisstand auch unter Be- rücksichtigung der Untersuchungen in benachbarten Bundesländern wider. Für Abrachyglossum capitatum (Loew, 1847), Sicus abdominalis Kröber, 1915 und Sicus fusenensis Ôuchi, 1939 sind dabei Gefährdungskate- gorien höher als „3“ sehr wahrscheinlich. Tab. 1: Übersicht zum Gefährdungsgrad der Dickkopffliegen Sachsen-Anhalts Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) 886 0 2 5,1 Gefährdungskategorie R 1 2 - - 1 - - 2,6 3 4 10,2 Rote ListeGesamt 7 17,939 Tab. 2: Übersicht zu den sonstigen Kategorien. Artenzahl (absolut) Anteil an der Gesamtartenzahl (%) G 7 17,9 Kategorien D 2 5,1 Gefährdungsursachen und erforderliche Schutzmaßnahmen Als Parasitoide oder Prädatoren sind Conopiden selte- ner als ihre Wirte. Viele Arten haben jedoch ein sehr großes Areal, das sich bei manchen von Westeuropa bis nach Japan erstreckt. Voraussetzung für ihren Schutz sind Schutzmaß- nahmen für ihrer Wirts- bzw. Beutetiere, die Hymeno- pteren. Wie bei fast allen als sogenannte r-Strategen reproduzierenden Kleintieren ist ein effektiver Schutz nur durch Erhaltung ihrer Lebensräume, also die Be- wahrung der Lebensräume aculeater Hymenopteren möglich. Denn von der Mehrzahl der Conopiden-Ar- ten sind die Wirtsarten bisher nicht oder nur teilweise bekannt. Laut Roter Liste der Biotoptypen des Landes Sachsen-Anhalt (Schuboth & Fiedler 2020) sind die für Dickkopffliegen und ihre Wirte wichtigsten Biotop- typen in die Gefährdungskategorien 2 (Zwergstrauch- heiden) bis 3 (Trockenrasen, artenreiches Grünland, Ackerbrachen, Hecken) eingestuft. Über das Phänomen „Insektensterben“ wird gegenwärtig viel diskutiert. Aculeate Hymenopteren und damit auch ihre Parasitoide gehören zu den am V 2 5,1 Sonstige GesamtGesamt 11 28,239 stärksten bedrohten Insektengruppen. Gefährdungs- ursachen sind Flurbereinigung und Verarmung der Landschaft an kleinteiligen Strukturelementen. Durch Beräumung, Versiegelung, Überbauung, Sukzession, infolge Nährstoffbelastung usw. gehen viele Nistplät- ze verloren. Als Tränken geeignete Pfützen werden vielerorts durch Befestigung von Wald- und Feldwegen vernichtet. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat einen qualitativen und quantitativen Rückgang des Blütenangebotes zur Folge und die Belastung durch bienenschädliche Insektizide hat stark zugenommen. Vergleich zur Roten Liste 2004 (Analyse) Im Vergleich zur ersten Roten Liste der Conopiden Sachsen-Anhalts (Arnold & Jentzsch 2004) beruhen die aktuellen Einschätzungen auf einer deutlich um- fangreicheren Datengrundlage (vgl. Arnold & Jentzsch 2016). Insbesondere gelangen zahlreiche Wieder- funde von Arten, die im Nachgang also lediglich als verschollen und nicht als ausgestorben einzuschätzen waren und die deutliche Reduktion der Arten der Kategorie „0“ in Tab. 3 erklären. Tab. 3: Änderungen in der Anzahl der Einstufungen in die Gefährdungskategorien im Vergleich der Roten Listen der Dickkopffliegen Sach- sen-Anhalts aus den Jahren 2004 und 2020. Gefährdungskategorie 0 – Ausgestorben oder verschollen R – Extrem seltene Arten mit geographischer Restriktion 1 – Vom Aussterben bedroht 2 – Stark gefährdet 3 – Gefährdet Gesamt Rote Liste 2004 (AZ = 33) (absolut) (%) 19 57,6 Rote Liste 2020 (AZ = 39) (absolut) (%) 2 5,1 13,0-- - 1 2 23- 3,0 6,1 69,7- 1 4 7- 2,6 10,2 17,9 Danksagung An dieser Stelle sei insbesondere den Herren K. und W. Bäse (Lutherstadt Wittenberg), F. Dziock (Berlin), T. Karisch (Dessau) und J.-H. Stuke (Leer) für die um- fangreiche Unterstützung bei der Datensammlung gedankt. Dank gilt den o. g. Kuratoren der Museumssamm- lungen, die Material entliehen oder vor Ort Einblick in die Sammlungen gewährten. 887

FW: ILEWS - Integrative Frühwarnsysteme für gravitative Massenbewegungen (Sonderprogramm GEOTECHNOLOGIEN), History

Ziel des Vorhabens ist die Erarbeitung eines Konzepts für ein integratives Frühwarnsystem und dessen Umsetzung in Gebieten mit bekannten (reaktivierten) und potenziell zu erwartenden Rutschungen und Muren (kanalisierte Rutschungen). Das System soll unter Berücksichtigung sich verändernder lokaler und regionaler Bedingungen Informationen bereitstellen, um auf zukünftige Ereignisse vorbereitet zu sein. Das Verbundvorhaben sieht die Entwicklung eines Demonstrationsmusters vor. Der methodische Aufbau des Frühwarnsystems ist transferierbar und modular ausgearbeitet. Das Entwicklungskonzept des Demonstrationsmusters eines Frühwarnsystems für Hangrutschungen und Muren berücksichtigt, dass das System an lokale Strukturen anderer Regionen und an andere natürliche Prozesse der gravitativen Massenbewegungen angepasst werden kann. Durch die Entwicklung und den demonstrativen Einsatz eines solchen spezifischen Frühwarnsystems besteht die Möglichkeit, den Schutz von Leben in derart gefährdeten Gebieten deutlich zu erhöhen. Das Ziel des Vorhabens der Universität Bamberg ist es, Methoden für ein Monitoring von Frequenz und Magnitude gravitativer Massenbewegungen in historischer Zeit zu entwickeln. Dies soll aufbauend auf Forschungen an der Schwäbischen Alb vergleichend mit Südtirol in zwei rutschgefährdeten Regionen durchgeführt werden. Da die Wirksamkeit eines Frühwarnsystems erheblich von der Qualität der Daten besonders über Frequenz und Magnitude von Ereignissen abhängt, ist es für die Implementierung eines Frühwarnsystems erforderlich, alle vorliegenden Datenpools zu nutzen, auch die in den Archiven gespeicherten historischen Informationen. Durch die Erstellung räumlich und zeitlich möglichst hoch aufgelöster Reihen der Ereignisse, sind Aussagen über Risikozonen und zu erwartende Verteilungen zukünftiger Ereignisse möglich. Über die naturwissenschaftliche Risikoanalyse hinaus ist ein Frühwarnsystem aber nur dann wirksam, wenn es auf ein möglichst hohes Risikobewusstsein in der Bevölkerung aufbauen kann. Dieses Wissen wiederum kann sich notwendigerweise nur auf vergangene Ereignisse stützen. Deshalb erscheint historisches Wissen für die erfolgreiche Implementierung eines Frühwarnsystems grundlegend. Mit Hilfe der historischen Analyse von Ergebnissen und Erfahrungen können Aussagen gewonnenen werden, die zur Erarbeitung eines möglichst effektiv arbeitenden Systems der Frühwarnung beitragen werden.

Kommunikationskonzept Gefahrenzonenplanung in Südtirol (kommST)

Ziel des Projektes ist es, Konfliktfelder in der Gefahrenzonenplanung aus kommunikativer Perspektive theoriegeleitet zu analysieren und Vorschläge zu erarbeiten um den Dialog im Risikomanagement zu optimieren. Als Ergebnis der Arbeit werden grundlegende, lokal angepasste Vorschläge zur Verbesserung der internen und externen Kommunikation im Risikomanagement geliefert. Diese werden in Form eines Kommunikationskonzeptes 1.0 zusammengefasst, präsentiert und dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt. Das Kommunikationskonzept benennt kritische Momente, Themen und Konstellationen und bietet angepasste Lösungsvorschläge für die interne und externe Kommunikation. Eine detaillierte Analyse der kommunikativen Ist-Situation bildet eine Grundlage für das Kommunikationskonzept. Die Analyse der Ist-Situation wird nach zwölfmonatiger Projektlaufzeit dem Auftraggeber präsentiert.

Communication in Risk Management

During the introduction of hazard zone planning in South Tyrol the communication in Risk Management among all stakeholders is analysed. The result is a communication concept that is presented to the responsible authorities. The communication concepts aims at conflict prevention and conflict coping strategies, strengthening the individual prevention and qualitative planning improvement through the integration of local knowledge.

Wissenstransfer auf Augenhöhe: Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis der ökologischen und nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft

Ziele: - Generierung von Forschungsbedarf aus Sicht der Praxis für den ökologischen Weinbau, d.h. Identifizierung von anwendungsbezogenen Forschungsfragen. Zudem werden tiefgreifende Informationen über Motivations- und Handlungshintergründe der unterschiedlichen Akteure ermittelt, um neue Möglichkeiten und Perspektiven der Kooperationsbeziehung zwischen Forschung und Praxis im ökologischen Weinbau aufzuzeigen. Auf Grundlage der Ergebnisse ist der Forschungsbedarf der Branche zu ermitteln, die Kommunikationsmodelle des Wissenstransfers für den ökologischen Weinbau zu überprüfen und die Identifizierung von Netzwerken und deren Akteuren zu analysieren. Darüber hinaus sollen Informationen zu Wissenstransfer-Tools in anderen europäischen Ländern wie z.B. Italien (Südtirol), Österreich oder Luxemburg gewonnen werden. Methoden: Anwendung von unterschiedlichen Instrumenten aus den Sozialwissenschaften, d.h. Durchführung von Interviews, Workshops, Fokusgruppen, Netzwerkanalysen etc. zur Entwicklung einer Kommunikationsstruktur für den Wissenstransfer im ökologischen Weinbau. Das bundesweit angelegte Projekt wird sich auf unterschiedliche Weinbauregionen beziehen, vorrangig auf die Anbaugebiete Mosel, Rheinhessen, Pfalz, Sachsen und Saale-Unstrut. Für die Durchführung des gesamten Projektes ist ein Zeitraum von 25 Monaten festgesetzt. Dabei ist die Zusammenarbeit insbesondere mit den Verbundpartnern Bioland, Demeter, Ecovin, Naturland und der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) sowie dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) und dem Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW - Gesamtkoordinator des Verbundprojektes) geplant. Darüber hinaus werden Synergieeffekte zu bereits bestehenden Bildungsangeboten der Branche angestrebt. Die chronologische Darstellung der geplanten Arbeitsschritte und der Finanzierungsplan werden separat aufgeführt.

Erstellung eines Lawinengefahrenzonenplanes und Massnahmenkataloges fuer die Ortschaft Maiern (Gemeinde Ridnaun, Suedtirol)

Ziel des Projektes ist eine eingehende Analyse der Gefahrensituation der Siedlung Maiern durch Lawinen. Darauf aufbauend soll ein Gefahrenzonenplan und gegebenenfalls auch ein Massnahmenkatalog (technisch, forstlich-biologisch) erstellt werden. Dazu wurden folgende Arbeiten durchgefuehrt: Kartierungsarbeiten im Gelaende, Ermittlung der Auslauflaengen mit den derzeit zur Verfuegung stehenden Modellen, Luftbildinterpretation und Gelaendeanalysen mit Geographischen Informationssystemen.

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